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                  <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1 1 . Dezember 1985

49

I N H A L T

INFORMATION
John Poindexter zum neuen US-Sicherheitsberater ernannt
DOKUMENTATION
Abschreckung, Stabilität, Abrüstung; Ziele von SDI
- Ausführungen von US-Verteidigungsminister Weinberger in
Bonn anläßlich des 8. NATO Round Table HINTERGRUNDMATERIAL
Rüstungszusammenarbeit im Atlantischen Bündnis
- Von David M. Abshire, Ständiger Vertreter der Vereinigten
Staaten im Nordatlantikrat WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Wissenschaftler gelingt Durchbruch in der Agrarforschung
- Blaues Licht fördert Pflanzenwachstum -

* * * * *

Um Übcr/cnduno von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�11. December 1985

49

John Poindexter zum neuen US-Sicherheitsberater ernannt

- (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 4. Dezember 1985
Vize-Admiral John Poindexter zum neuen Nationalen Sicherheitsberater ernannt.
Der am 12. August 1936 geborene Nachfolger
von Robert McFarlane wurde an der Marineakademie in Annapolis
ausgebildet, die er 1958 als Klassenbester verließ.
In der
Folge promovierte er in Nuklearphysik und diente als Assistent
in den Stäben dreier Marineminister.
Während seiner Marinelaufbahn fuhr Poindexter auf einer
Reihe von Kriegsschiffen.
Unter anderem kommandierte er den
Lenkwaffenkreuzer USS ENGLAND und das 31. Zerstörergeschwader.
Nachdem er dem Stab des Nationalen Sicherheitsrates schon
als militärischer Berater angehört hatte, war John Poindexter
am 17. Oktober 1983 zum Stellvertreter des Nationalen Sicherheitsberaters ernannt worden.
Während der öffentlichen Vorstellung des neuen Sicherheitberaters im Weißen Haus bezeichnete Präsident Reagan dessen
Leistungen in seiner vorherigen Funktion als "beispielhaft".
Er habe seit seiner Ernennung zum militärischen Berater des Nationalen Sicherheitsrates eine "Schlüsselrolle" gespielt. Mit
der Ernennung von Admiral Poindexter für diese "Schlüsselposition in unserer Nationalen Sicherheitsorganisation" habe er
dessen in der Vergangenheit geleisteten "wichtigen Beitrag zur
Formulierung und Ausführung unserer bedeutenden außenpolitischen Ziele" honoriert und gleichzeitig den "großen Wert", den
er selbst als Präsidentder "Kontinuität unserer Außenpolitik"
beimesse unterstrichen.
John Poindexter ist verheiratet und
hat fünf Söhne.
* * * * *

Postfach 20 03 00 rel W2Ö-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation

i

United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. Dezember 1985

49

ABSCHRECKUNG, STABILITÄT, ABRÜSTUNG:

ZIELE VON SDI

Ausführungen von US-Verteidigungsminister Weinberger
in Bonn anläßlich des 8. NATO Round Table -

BONN
- (AD)
- Der
amerikanische
Verteidigungsminister
Caspar W. Weinberger nahm im Rahmen des 8. NATO Round Table am
5. Dezember 1985 in Bonn ausführlich zu den Zielen der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) der Vereinigten Staaten
Stellung. An der von der Konrad-Adenauer-Stiftung veranstalteten Podiumsdiskussion nahm unter anderem auch der Bundesminister der Verteidigung, Manfred Wörner, teil.

Die Ausführungen des amerikanischen
haben folgenden Wortlaut:

Verteidigungsministers

Vielen Dank, Herr Vorsitzender.
Es ist eine Freude für
mich, hier zu sein, und insbesondere, das Podium mit meinem guten Freund Manfred Wörner zu teilen, der solch ein fähiger und
außergewöhnlich brillianter Vertreter der Bundesrepublik ist,
und der dies vor ein paar Tagen gerade erst wieder in Brüssel

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�in Brüssel gezeigt hat. Es ist deshalb eine besondere Ehre und
Freude, von Ihnen eingeladen zu sein, um einige dieser höchst
wichtigen Dinge mit Ihnen zu besprechen, und deshalb freue ich
mich besonders auf die anschließende Fragestunde, eine Gelegenheit bei der ich sicher sein kann, daß ich wenigstens einer
Person etwas Interessantes sagen kann - der des Fragenden. Und
darauf freuen wir uns ebenfalls.
Ich glaube, daß der Ausgang des Genfer Gipfels ein extrem
positiver war, und daß es nun neue Hoffnung auf eine bessere
Zukunft gibt, die auf einem wesentlich gesünderen Verhältnis
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion basiert.
Bis dahin ist noch harte Arbeit zu leisten. Es war nicht beabsichtigt, und es wurden ja auch wirklich keine definitiven EntSchlüsse bei diesem Treffen erreicht, aber den Sowjets boten
sich viele Gelegenheiten zu erkennen, was für eine Art von
Mensch der Präsident ist und selbst zu entscheiden, wie tief
und aufrichtig sein Friedenswille und wie fest er entschlossen
ist, die Maßnahmen zu treffen, die nach seiner Ansicht die besten zur Erreichung des Friedens sind.
Sie konnten außerdem
feststellen daß seine Ungeduld, ein Abkommen zu erreichen,
nicht irgendwelchen Motiven entspringt - daß sie sich nicht,
wie es leider schon oft geschehen ist, auf ihre Fähigkeit verlassen können, eine Entscheidung ungeduldiger Demokratien einfach auszusitzen, wie sie es auszudrücken pflegen.
Im Hinblick auf vergangene Probleme wurde während dieses
Treffens der Notwendigkeit von tiefgreifenden Verringerungen
der offensiven atomaren Waffen und der Uberprüfbarkeit breiter
Raum eingeräumt und es gab, wie ich glaube, am Ende bei den Sowjets ein klares Verständnis der Entschlossenheit des Präsidenten mit den Forschungsarbeiten für eine strategische Verteidigung fortzufahren.
Diese Forschung geht ohne Einschränkungen
weiter und es ist, wie ich glaube, sehr wichtig, daß die Sowjets im direkten Kontakt mit dem Präsidenten verstehen, welch
enorm hohe Priorität er diesem Programm beimißt, und seine
Gründe dies zu tun - welche sehr einfach sind. Nach der festen
Überzeugung des Präsidenten, bietet SDI der Menschheit mehr
Hoffnung als irgend etwas, was in der Vergangenheit vorgeschlagen wurde. Manche Leute haben es als das einzig wirklich neue
strategische Prinzip der letzten 40 Jahre bezeichnet. Ob dies
nun wahr ist oder nicht, ist meiner Meinung nach nicht so wichtig wie die Hoffnung, die es bietet, falls die Forschung die
Machbarkeit eines vollkommen zuverlässigen Verteidigungssystems
beweist - die Hoffnung, die es der Welt bietet, um dem Schatten
dieser furchtbaren Waffen zu entkommen, der seit ihrer Entdekkung über der Welt liegt.
Zusätzlich zu den Geschehnissen in Genf ist es meiner Meinung nach wichtig zu sehen, was in Brüssel geschehen ist. Unmittelbar nach dem Genfer Treffen begab sich der Präsident
dorthin, um die Regierungschefs über die Ereignisse von Genf zu
- 2 -

«
*•

r

�Genf zu unterrichten. Außerdem ist es wichtig zu beachten, was
sich vor ein paar Tagen in Brüssel zugetragen hat, als Manfred,
ich und die anderen Verteidigungsminister uns dort trafen, und
nicht nur die starke Unterstützung für die Verhandlungsführung
in Genf zu erleben, sondern auch die Einigkeit, den Zusammenhalt und die Stärke, die daraus für das Atlantische Bündnis erwachsen. Es war einmal eine populäre Behauptung - und in einigen Lagern mag dies immer noch zutreffen -, daß die NATO sich
in einer sehr schwierigen Lage befinde, daß sie von der Sowjetunion unter Druck gesetzt werden mit Versuchen, die Demokratien
über Problemen wie Abrüstung und strategische Verteidigung zu
spalten, und daß sie andererseits unter einer Vielzahl von natürlichen Meinungsverschiedenheiten leide, wie sie in einer Familie oft vorkommen. Pessimisten sagen uns, daß unsere 40jährige Verpflichtung zur kollektiven Sicherheit sich dem Ende nähert. Und sie sagen außerdem, daß durch die beispiellose sowjetische Aufrüstung die traditionellen Verpflichtungen überflüssig geworden sind, und daß das Bündnis gespalten sei, und
so weiter.
Glücklicherweise ist, wie ich meine, nichts davon
wahr.
Wir haben einige Kritiker in den Vereinigten Staaten die,
weil sie wissen wie unpopulär der Begriff des "Isolationismus"
ist, nun von Unilateralismus sprechen.
Nach dieser Theorie
können die Vereinigten Staaten irgendwie ihren Status als Weltmacht aufrechterhalten, ohne diese Bündnisse zu brauchen, die
sowieso immer von irgendwelchen Leuten zu Hause abgelehnt werden. Das ist selbstverständlich Unsinn. Es ist ein sehr gefährlicher Unsinn. Es ist ein Rückschritt hin zum Isolationismus, der in meinem Leben schon zweimal gründlich diskreditiert
worden ist. Und außerdem ist diese Meinung gänzlich unwahrhaftig, weil das Bündnis sehr stark und sehr einig ist, und weil
das NATO-Bündnis zur Zeit vielleicht stärker ist als je zuvor.
Diese Analyse - dieser isolationistische Versuch - mißversteht
gründlich die Wurzeln der westlichen kollektiven Verteidigung.
Ich habe dies schon mehrmals in meinem Lande und bei NATO-Treffen betont, daß die Vereinigten Staaten nicht aus rein altruistischen Gründen Mitglied der NATO sind. Es ist wahr, daß wir
die Freiheit verteidigen und daß wir mit unserer Mitgliedschaft
in der NATO zur Verteidigung Europas beitragen wie alle anderen
NATO-Partner. Aber es ist ebenso wahr, daß wir die Vereinigten
Staaten verteidigen, und mit unserer Präsenz verteidigen wir
auch die Freiheit. Wir verteidigen unseren gemeinsamen Glauben
an die Prinzipien der westlichen Zivilisation und daran, daß
das Bündnis einer Sache dient, die alle kurzfristigen Interessen überdauert. Die NATO verteidigt die westliche Welt und all
ihre erhabenen Traditionen wie Selbstregierung, die Traditionen
der Menschenrechte und der freien Wirtschaft. Wenn dies kein
gemeinsamer Glaube wäre, dann wäre die NATO wirklich ein hohles
Bündnis, das meiner Meinung nach schon vor Jahren zusammengebrochen wäre. Nach dem Brüsseler Treffen kam es auf der darauffolgenden Pressekonferenz übrigens zu einem interessanten klei-

�interessanten kleinen Vorfall: Aus dem Gefühl der Enttäuschung
heraus, daß es auf dem Treffen keine Konflikte gegeben hatte,
über die man hätte schreiben können, und weil demzufolge auf
die Journalisten eine uninteressantere Aufgabe wartete, fragte
mich ein Reporter in offensichtlicher Frustration, ob ich nicht
auch der Meinung sei, daß die NATO zu einer rein administrativen Institution geworden sei, die nur noch automatisch Kommuniques verabschiede. Nach mehr als 20 NATO-Treffen, die ich bislang mitgemacht hatte, mußte ich ihm jedoch sagen, daß die NATO
eine Gruppe absolut souveräner Staaten sei, und daß die Einigkeit, die sich aus den zwei letzten Treffen in Form unangefochtener Kommuniques und gemeinsam verabschiedeter Resolutionen
zur Unterstützung der Position des Präsidenten in Genf sowie
unserer Position bei der Rüstungsverringerung und ähnlichem gezeigt habe, nur ein umso deutlicherer Beweis für das Maß an Einigkeit sei, das derzeit im Bündis herrscht.
Natürlich sind
wir absolut souveräne Staaten und es wird immer Meinungsverschiedenheiten geben, aber ich glaube, unsere gemeinsame Hingabe an die demokratischen Werte und Entscheidungsprozesse des
Westens war nie deutlicher zu erkennen, als bei unserer derzeitigen Einigheit hinsichtlich der vielen politischen Beschlüsse,
die von so entscheidender Bedeutung sind. Dabei ist das deutlichste Beispiel für die Stärke der NATO und ihre Einigkeit die
Verwirklichung des Doppelbeschlusses, bei dem trotz des gewaltigen
Propagandadruckes, den die Sowjets seit 1979, als der
Doppelbeschluß gefaßt worden war, ausübten, die Dislozierung
begann und weiter fortgesetzt wird. Dabei gingen die Sowjets
sogar so weit, daß sie die Verhandlungen in Genf mit dem Hinweis Verliesen, sie würden nie mehr dahin zurückkommen.
Sie
kamen aber zurück und die Abrüstungsverhandlungen werden fortgesetzt, das Bündis ist stärker denn je und die Dislozierungen
gehen weiter.
Zusätzlich wurde die Solidarität des Bündnisses gestärkt
durch Beschlüsse, wie den der Bundesrepublik Deutschland, die
Wehrpflicht von 15 auf 18 Monate zu verlängern. Dies lässt den
Schluß zu, daß die Bündnismitglieder mutige politische Schritte
zur Sicherung der kollektiven Verteidigung unternehmen werden.
Es ist eine interessante Sache, es erinnert mich stark an die
Frühzeit in der politischen Karriere des Präsidenten, als er
als Gouverneur von Kalifornien einige schwierige, aber seiner
Meinung nach richtige, Schritte vorschlug und einige seiner Berater ihre Hände über dem Kopf zusammenschlugen und sagten:
"Aber Herr Gouverneur, wenn Sie das tun, werden Sie niemals
wiedergewählt."
Aber Präsident Reagan antwortete auf solche
Bemerkungen nur: "Aber ich bin doch nicht hier, um wiedergewählt zu werden." Und es ist nicht so, daß die Wähler politisch mutigen Entscheidungen nicht zustimmen würden. Die Karriere des Präsidenten beweist dies, und ich glaube, daß es
wichtig ist, festzustellen, daß in jedem der NATO-Länder, in
denen seit der Stationierung der neuen Mittelstreckenraketen
Wahlen stattgefunden haben, die Wähler Regierungen bestätigten,

�Regierungen bestätigten, die diese Stationierung unterstützt
hatten, in Großbritannien, der Bundesrepublik Deutschland, Italien und Belgien.
Ende Oktober beendete die Nukleare Planungsgruppe der NATO
ein Treffen, das wieder einmal, wie ich sagte,von Solidarität
und der Bereitschaft zur Vertretung einer gemeinsamen Position
bestimmt war.
Zusätzlich zur eindeutigen Unterstützung der
strategischen atomaren Abschreckung stellten die NATO-Minister
gemeinsam ernste Verletzungen von existierenden Rüstungskontrollabkommen durch die Sowjets fest - zum Beispiel die Stationierung der mobilen Interkontinentalrakete SS-25 nachdem die
SS-24 als von diesem Abkommen, das sie angeblich weiterhin einhalten, zugelassene Rakete notifiziert worden war,und der Bau
einer nicht zulässigen Raketenabwehr-Radarstation in Krasnojarsk.
Als sich Präsident Reagan mit Generalsekretär Gorbatschow
in Genf traf, tat er dies mit dem vollen Vertrauen des Atlantischen Bündnisses. Mit den Worten von Botschafter Abshire befindet sich das westliche Bündnis wieder "in Bewegung".
Ich schlage vor, daß sich die Unilateralisten noch einmal
mit den Gründen für die Schaffung des Bündnisses befassen. Die
Einheit des Atlantischen Bündnisses basiert auf der Nachkriegserkenntnis, daß in großem Maßstab die Welt durch zwei fundamental verschiedene politische Lehren gespalten wurde. Die fortdauernde Freiheit und der potentielle Wohlstand der westlichen
Welt hängen von der Pflege der politischen Bande zwischen Staaten mit gleichartigen Überzeugungen ab, wie den Vereinigten
Staaten und Westeuropa. Es ist nicht nur die Zukunft Europas,
die vom NATO-Bündnis gesichert wird, sondern das gleiche trifft
auch für die Vereinigten Staaten zu. Es wird allgemein anerkannt, daß die aggressive Natur der Sowjetunion eine möglichst
feste Antwort verlangt, wie sie nur ein enges Bündnis zu geben
in der Lage ist. Und nur ein enges Bündnis wird offene und offensichtliche Differenzen über einzelne Angelegenheiten haben
und wird diese ungestüm und lebhaft ausdiskutieren, wie wir es
tun, und zu der Einsicht gelangen, daß unsere Einmütigkeit und
Einigkeitein integraler Bestandteil unserer Stärke sind.
Ich kann während der letzten 40 Jahre keine Veränderung erkennen, durch welche das Bündnis seine Bedeutung oder Daseinsberechtigung verloren hätte. Es sind ja auch gerade die Unilateralisten, die, wie ich meine, uns als erste an die ideologische Kluft zwischen Ost und West erinnern.
Trotzdem möchten
sie, daß wir unsere stärkste Waffe und beste Hoffnung zur Sicherung der westlichen Demokratien aufgeben.
Das Bündnis ist gegenwärtig mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert, und es gibt zwei oder drei Möglichkeiten, sie
anzupacken. Die Methode des Warschauer Pakts, nach der unwil-

�der unwillige Staaten oft durch wirtschaftlichen und militärischen Druck dazu gezwungen werden, Positionen einzunehmen, die
sie eigentlich ablehnen - oder die freiheitliche Methode des
NATO die, natürlich, viele lebhafte politische Debatten und
Diskussionen und manchmal auch längere Treffen, als unser letztes in Brüssel, zur Folge hat, um diese Art von Übereinstimmung
zu erzielen.
Aber ich glaube, daß die größte Herausforderung der Zukunft
nicht nur die Einigkeit des Bündnisses ist, die wir sicherlich
brauchen, sondern die Frage, wie wir unsere atomare Abschrekkung stärken können; was wir tun können, um die NATO darin zu
unterstützen, ihre Ziele zu erreichen und ihren Erfolg fortzuführen. Ich führe nämlich die Tatsache, daß wir in den vergangenen Jahren die längste Friedensperiode der jüngeren Vergangenheit erlebten, ganz wesentlich auf die Stärke, Einigkeit und
gemeinsamen Ziele der NATO zurück. Eine Möglichkeit zur Stärkung der atomaren Abschreckung besteht meiner Meinung nach in
der Strategischen Verteidigungsinitiative.
Unsere Strategie
der flexiblen Antwort ist Teil eines Versuchs, Kriege über die
ganze Skala eines Konflikts zu verhindern. Wir haben die wichtige Stationierung der Mittelstreckenraketen.
Wir haben Möglichkeiten vor konventionellen und atomaren Konflikten, abzuschrecken, indem wir einen potentiellen Angreifer mit der Aussicht auf die von ihm selbst eingeschätzten Verluste konfrontieren - und das ist natürlich das Schwierige an der Abschrekkung. Man muß sich in die Köpfe der Sowjets hineinversetzen.
Es geht nicht darum, was uns abschrecken würde - es geht darum
was sie abschrecken würde. Ein möglicher Angreifer muß davon
überzeugt werden, daß seine Verluste zweifellos jedwede möglichen Gewinne übersteigen würden. Aber selbst im Hinblick auf
unsere extrem wichtige konventionellen Streitkräfte ist unsere
gegenwärtige Abschreckung letztlich in strategischen nuklearen
Arsenalen verankert. In den siebziger Jahren und davor meinten
wir, man könne die strategische Abschreckung durch die Aufrechterhaltung gegenseitiger Verwundbarkeit stabilisieren, eine
Bedingung, die angeblich ein fester Bestandteil des ABM-Vertrags von 1972 ist.
Bis vor kurzem herrschte die weitverbreitete Überzeugung,
daß diese Doktrin der vereinbarten gegenseitigen Verwundbarkeit
ein Naturgesetz sei - eine unveränderliche Tatsache des Lebens.
Es ist aber so, daß mukleare Strategien den Stand der Technik
reflektieren - die sichere gegenseitige Zerstörung (MAD) war
keine Strategie der NATO in den ganzen vierzig Jahren ihrer
Existenz - die menschliche Überlegungen spielen auch eine große
Rolle in der Auswahl von Strategien.
Strategische Doktrinen
ändern sich.Deshalb wurde sogar im ABM-Vertrag selbst festgestellt, daß der Stand der defensiven Technologie von 1972 keinen Bestand haben könnte, und es wurde ausdrücklich auf weitere
Verhandlungen verwiesen, falls eine strategische Verteidigung
durch die Technik ermöglicht würde.
Die
Technologie

�Die Technologie und der innovative Geist wurden weder von
der Entdeckung der Kernspaltung noch von der der Kernverschmelzung aufgehalten.
Gegenwärtig haben wir eine starke Abschrekkung, die auf starken Offensivwaffen beruht, und dies muß so
bleiben, bis etwas besseres oder anderes möglich ist. Aber wir
können deshalb nicht ohne weiteres annehmen, daß die Technologien, die heute zu einer Dominanz der Offensive führen, nicht
irgendwann in der Zukunft von Technologien abgelöst werden, die
einer defensiven Strategie zum Durchbruch verhelfen.
Tatsächlich ist unser SDI-Forschungsprogramm Monat für Monat rasch vorangeschritten, und es hat uns viele Beispiele für
bedeutende Fortschritte geliefert.
Interessanterweise bezog
sich dieser Fortschritt nicht nur auf das Ziel herauszufinden,
ob eine wirklich zuverlässige Verteidigung machbar ist, sondern
sie erbrachte auch eine Menge von enorm wertvollen Vorteilen
für die Menschen insgesamt, auf wirtschaftlichem Gebiet, wenn
Sie so wollen, und zusätzlich ergaben sich Möglichkeiten zur
Verbesserung unserer konventionellen Verteidigung.
Es gibt da ein oder zwei Beispiele die zeigen, wie schnell
dies alles voranschreitet.General Abrahamson, der unser Programm leitet, hatte vorher die Aufsicht über unser Raumfährenprogramm, mit dem wir die gleiche Erfahrung der Entwicklung von
anderen Technologien, quasi als Nebenprodukt, machten. General
Abrahamson beschrieb den Fortschritt bei der Strategischen Verteidigungsinitiative als eine Situation, in der Barrieren, von
denen wir in der Vergangenheit angenommen hatten, daß sie für
verschiedene bestimmte Ziele viel zu hoch seien, nun mit fortschreitender Forschung in sich zusammenfallen, und zwar viel
schneller als wir es für möglich gehalten hatten.
Ein kürzlich auf Hawaii durchgeführtes Experiment ergab,
daß wir die abschwächende Wirkung der Atmosphäre auf einen Laserstrahl ganz ausschalten können. In der Vergangenheit wurden
Laserstrahlen durch verschiedene Arten von Wetterstörungen negativ beeinflußt. Nun aber glauben wir, daß ein bodengestützter Laser einen hochwertigen Laserstrahl in den Weltraum projizieren kann. Dieser sowie andere Durchbrüche haben uns überzeugt, daß ein bodengestütztes Laser-Raketenabwehrsystem mit
raumgestützten Elementen bis zur Mitte der neunziger Jahre
machbar sein könnte.
Übrigens wird damit auch ein beliebtes
Argument der SDI-Gegner zunichte gemacht, daß dieses System
nämlich nur bei gutem Wetter funktionieren würde, und wir glauben, daß dies nicht der Fall ist. Jedenfalls bedeutet es ein
ziemlich wirkungsvolles Argument dagegen.
In einem weiteren bemerkenswerten, an einer unserer Universitäten, der Auburn-Universität erzielten Durchbruch wurde ein
neuartiger Kondensator mit einer hundertfachen Gewichtsverringerung entwickelt, um eine bestimmte Menge Energie zu speichern. Dies hat enorme Rückwirkungen für raumgestützte Vertei- 7 -

�raumgestützte Verteidigungselemente, und
reichende zivile Anwendungen finden.

es könnte

auch weit-

Als demokratische Staaten, so scheint es mir, sind wir verpflichtet, die bestmögliche Abschreckung zu entwickeln. In den
Worten von Bundeskanzler Kohl verdient "jede Möglichkeit, sich
vom düsteren Drohbild eines nuklearen Holocaust als letztem
Mittel der Kriegsverhinderung zu entfernen, gewissenhafte Prüfung" .
Und dies ist g enau d as, was wir mit der stra tegischen Ver
Es ist eine gewissen haft
teid igung im Begri ff sirid zu tun.
Prüf ung der Möglicl"ikeit, die Abschreckung durch verstärkt e Be
tonung und größere Verla ßlichkeit de fensiver Sys;teme zu erhö
hen.
Gleichzeitig geben wir jedoch unsere Offisnsive at omar
Absc hreckung nicht auf, sondern wir stärken und modernisiere
sie im notwendigen Maß. Ebenso versuchen wir, d ie Sowjet unio
in D iskussionen über einen gut d urchg eführten Übergang zu eine
stab ileren Welt einzubind en.
Ich glaube, daß es während der intensiven Diskussionen der
letzten Monate eine Menge Mißverständnisse über die strategische Verteidigung gegeben hat.
Es ist meiner Meinung nach
wichtig zu erkennen, was SDI nicht darstellt: Unsere Forschung
ist kein Versuch, nur die Vereinigten Staaten vor sowjetischen
Interkontinentalraketen abzuschirmen. Tatsache ist, daß, falls
die Strategische Verteidigungsinitiative Früchte trägt, es nach
Meinung der Wissenschaftler einen Schutz gegen ballistische Raketen strategischer sowie mittlerer Reichweite bieten wird.
Übrigens wird es etwas einfacher sein, mit den Mittelstreckenraketen fertig zu werden wegen ihrer spezifischen Flugbahnen.
Es würde jedenfalls die Abschreckung vergrößern und die Verteidigung Europas und der Vereinigten Staaten stärken.
Wegen des breiten Abschreckungspotentials hat Präsident
Reagan von Anfang an zu einer europäischen Teilnahme an der
Entwicklung dieser Technologien ermutigt.
Das wissenschaftliche und technologische Können der NATO-Verbündeten kann eine
überaus wertvolle Komponente des ganzen SDI-Forschungsprogramms
sein, und wir würden daher jede Art von Beteiligung, die die
Nutzung ihrer Fähigkeiten zu unser aller Verteidigung ermöglicht, begrüßen.
Manchmal wird auch behauptet, daß die einzigen Technologien, die sich aus diesem Programm ergeben würden, diejenigen
wären, die zur Abschreckung auf nuklearem Niveau beitrügen.
Aber wir sind, wie ich schon sagte, der Meinung, daß es überaus
wertvolle Nebenprodukte geben wird, die dem Studium der Lasertechnologie und den erheblich verbesserten Möglichkeiten im
Computerbereich entspringen werden, und die wir ohnehin benötigen, wenn die Forschung Früchte tragen soll. All dies könnte
einen erheblichen Beitrag sowohl zur konventionellen Abschrek- 8 -

�konventionellen Abschreckung wie auch zu unser aller Lebensqualität leisten. Von all diesen Beiträgen und den potentiellen
Beiträgen zu einer robusteren westlichen Abschreckung abgesehen, ist diese Forschung unserer Meinung nach aus zwei sehr
einfachen Gründen sehr stabilisierend - zwei Gründe, die uns in
unserer Überzeugung bestärken, daß die Forschung fortgesetzt
werden muß. Erstens betreiben die Sowjets selbst seit mindestens zwei Jahrzehnten mit größtem Nachdruck Forschung im Bereich der strategischen Verteidigung - und ich kann mir nichts
destabilisierenderes vorstellen als ein sowjetisches Monopol
bei verteidigungsbezogener Forschung.
Wir haben Bücher über
alles veröffentlicht, was unsere Geheimdienste uns über diese
Programme zu sagen erlauben. Sie sind uns, offen gesagt, auf
erschreckende Weise in manchen Bereichen voraus - in der Forschung der neutralen Teilchenstrahlen und der bodengestützten
Laser arbeiten sie schon lange Zeit. Mir scheint, ganz gleich,
was wir selbst über die strategische Verteidigung denken - ein
fortdauerndes sowjetisches Monopol in diesem Bereich kann jeden
nur mit der allergrößten Sorge erfüllen, zumindest all jene,
die an das Überleben der Freiheit glauben.
Der zweite Grund dafür, daß SDI die Stabilität erhöhen
kann , liegt seiilicht darin, daß die Ab schreckung, die sich auf
die Fähigkeit stützt, Leben zu retten und einen Angriff abzuschwächen, wei t stabiler ist als eine Abschreckung, die sich
auf das stützt., was Bundeskanzler Kohl das "düstere Drobild eines nuklearen Holocaust" nennt. Eine Stra tegie der Verteidigung ist wirkl ich glaubwürdiger als eine, die sich lediglich
auf Vergeltung oder auf das stützt, was d er Präsident häufig
einen "gegensei tigen Selbstmordpakt" nennt.
Ein Hauptziel der Genfer Strategie von Herrn Gorbatschow
bestand darin, das Programm dadurch aufzuhalten oder zu beschneiden, daß er die Vereinigten Staaten beschuldigte, den
Frieden durch - wie er es nennt - "Militarisierung des Weltraums" zu bedrohen. Die Wahrheit ist jedoch, daß unsere Strategische Verteidigungsinitiative in Wirklichkeit eine strategische Verteidigungsreaktion auf das Potential der Sowjets bei
dem System ihrer Art wie auch auf ihre gewaltigen Investitionen
im ABM-Bereich ist.
- Die Sowjetunion verfügt über das einzige einsatzbereite Antisatellitensystem der Welt.
- Die Sowjetunion besitzt das einzige einsatzbereite ABM-System. Es schützt Moskau und ist ein System, das immer wieder weiter verbessert wird.
- Seit Jahren betreiben die Sowjets intensive Forschung im
Bereich fortgeschrittener weltraumgestützter strategischer
Technologien, einschließlich Teilchenstrahlwaffen, Radiofrequenzwaffen, Waffen auf der Grundlage kinetischer Energie und Hochenergielaser.
Mehr als 10 000

�- Mehr als 10 000 sowjetische Wissenschaftler betreiben Forschung im Laserbereich; die Sowjets haben bodengestützte
Laser, die schon jetzt unsere Satelliten stören könnten,
und Ende der achtziger Jahre könnten sie Prototypen von bodengestützten Lasern haben, die in der Lage sind, ballistische Raketen zu treffen.
- Sie haben ein Radarsystem, das über die Fähigkeit verfügt,
als Teil eines landesweiten ABM-Systems verwendet zu werden.
Wir haben kürzlich im einzelnen diesen Teil der sowjetischen Bemühungen dokumentiert und wir haben auch, wie ich erwähnt habe, in unserer Publikation "Soviet Strategie Defense
Programs" alles dargelegt, was wir über ihre Forschung sagen
können.
Deswegen glauben wir, es ist unverantwortlich und es wäre
gefährlich, die Frage der strategischen Verteidigung außerhalb
des Kontextes der umfangreichen offensiven Aufrüstung der Sowjetunion, ihres aktiven ABM-Programms und ihres Forschungsprogramm der strategischen Verteidigung zu diskutieren.
Dr. Velikow, einer der führenden Experten in der Sowjetunion auf dem Gebiet der Hochenergie-Laserwaffen, der selbst
für einen Großteil ihres Verteidigungsprogramms zuständig ist,
ist der Mann, den sie einsetzen, um unsere Programme als aus
ihrer Natur heraus unerreichbar wie auch als unerwünschbar anzuprangern, und ihm ist die Aufgabe zugewiesen worden, sie in
die Lage zu versetzen, ihr Monopol aufrechtzuerhalten.
Einige Europäer brachten ihre Befürchtung zum Ausdruck, daß
unsere SDI-Bemühungen Amerika von Europa "abkoppeln" könnten.
Ich denke, daß dies völlig unbegründet ist. Nichts stünde mehr
unseren Interessen entgegen. Nichts würde oder sollte Amerika
von Europa abkoppeln, denn die Sicherheit der Vereinigten Staaten ist nicht von der Sicherheit unserer Verbündeten zu trennen.
Neben der Stärkung der Abschreckung würde die strategische Verteidigung dazu beitragen, eine konventionelle Aggression abzuschrecken.
Dies dadurch, daß sie die Fähigkeit der
sowjetischen Mittelstreckenraketen vermindert - sowohl der konventionellen als auch der nuklearen -, Ziele in Westeuropa zu
zerstören, die natürlich für unsere gesamte konventionelle Verteidigung von entscheidender Bedeutung sind. Wenn wir die Fähigkeit der Sowjets einschränken, diese zu zerstören, dann haben wir, wie ich meine, auch die konventionelle Abschreckung
gestärkt.
Schließlich bietet die strategische Verteidigung den Sowjets einen echten Anreiz zu bedeutsamen Rüstungsverringerungen.
Viele von uns sind enttäuscht von dem langsamen Fortschritt bei dem Rüstungsabbau. Dies rührt zu einem großen Teil
davon her, daß die Sowjets immer der Meinung waren, wie ich
- 10 -

�wie ich schon sagte, daß sie uns nicht nur durch Abwarten überholen könnten, sondern daß auch unsere Entschlossenheit, genügend Offensivstärke zu erhalten, schwach sei; daß wir den langen Atem nicht haben würden, die finanziellen und anderen notwendigen Opfer hierzu nicht bringen würden - insbesondere nachdem Amerika durch ein Jahrzehnt ging, in dem wir unsere Mittel
für die Verteidigung verringerten und sie keinerlei Anreiz hatten, eigene Verringerungen zu vollziehen, jedoch allen Anreiz,
einfach abzuwarten und Verringerungen auszuschlagen, wodurch
die Verhandlungen über Rüstungsverringerungen in den letzten
Jahren nicht sehr ertragreich waren. Bei einem echten Anreiz
glaube ich jedoch, daß auch echte Rüstungsverringerungen möglich sind, wenn wir mit ihnen in eine offene Diskussion über
eine Abschreckung eintreten, die sich auf Verteidigung gründet.
Sie hätten dann keinen Grund, mit ihren gewaltigen Investitionen bei den Offensivwaffen fortzufahren. Es ist ziemlich offenkundig, daß sie gern eine Rechtfertigung hätten, um damit
aufzuhören, damit sie in der Lage wären, einen größeren Teil
ihrer Mittel auf den Versuch zu verwenden, ihre katastrophale
wirtschaftliche Lage im Lande selbst zu verbessern. Wir müssen
erneut betonen, wie wir das schon mehrfach getan haben und wie
es auch der Präsident in Genf tat, daß die strategische Verteidigung kein neues Wettrüsten bedeutet. SDI ist nicht kein neuer Versuch, einen Vorteil in der Offensive anzustreben. Es ist
kein System, das Waffen aus dem Weltraum auf Ziele auf der Erde
richten wird. Es ist kein System, das dazu dienen soll, Menschen zu töten. bEs ist ein System, das dazu dienen soll, nur
Waffen zu vernichten.
Daher liegt eine große Ironie in der Tatsache, daß die
freien Staaten der Welt die wahre Hoffnung energischer Kreativität und technologischer Erfindungsgabe sind. All die Dinge,
die wir bereits geschaffen haben in Form von Computern, Laserschallplatten, Krebsheilmitteln, Geräten, die Rechenvorgänge,
für die es früher Wochen und Monate bedurfte, auf Sekunden zusammendrängen, Routineflügen zum Mond - all diese anderen Dinge, die wir tun können - sind Beweis dafür, daß unsere Staaten
und die Staaten, die die Rechte des einzelnen schützen, wirtschaftlichen Unternehmergeist fördern und belohnen und die den
Ausdruck der eigenen Persönlichkeit schätzen, bei der Technologie im Vorteil sind.
Und doch gibt es viele unter uns, die vor der größten aller
Herausforderungen zurückschrecken - einer Herausforderung, die
nach der Vereinigung von kreativer Technologie und kluger politischer Tat ruft: Die Herausforderung, die schreckliche Drohung eines Atomkriegs zu überwinden. Ist es nicht seltsam, daß
es noch freie Männer und Frauen gibt, die voller Furcht vor
dieser Herausforderung sind und so bestrebt, vor dem Fortschritt in Richtung auf etwas zurückzuschrecken, was der Präsident stets als ein edles Ziel beschrieben hat?
Sicher
wird
- 11 -

�Sicher wird unsere Strategische Verteidigungsinitiative,
selbst wenn sie sich als über unsere größten Erwartungen hinaus
als erfolgreich erweisen sollte, nicht alle unsere Probleme lösen.
Sie wird die Menschheit nicht für immer von der Furcht
vor Kriegen befreien. Aber sie kann eine haltbarere und weniger schreckliche Basis für die Abschreckung bieten und ungeheuer wichtige Wege der Zusammenarbeit zwischen den westlichen
Verbündeten - und sogar mit unseren Gegnern - eröffnen.
Und
sie kann die Welt erneut mit reichen technischen Wundern überhäufen, um unser aller Leben zu verbessern.
Die Menschen cles Westens - und insbesondere für die des
westlichen Amerika - sind von Natur aus voller Optimismus, und
vie lleicht ist es nur diese Tatsach e, die mich dazu führt, zu
sag en, daß wir - eher als die meist en denken - die vollkommen
ver läßliche Verteid igung h aben werdeii, die unsere Stra tegie erfordert. Aber ich glaube eigentlich , es ist mehr als OptimisUnd wenn ich recht h abe, dann liegt eine 1"lochst aufrec|enmus
und
eine, um ein vieles sich erere Zukunft vor uns.
de
Ich danke Ihnen.

* * * * *

- 12 -

�Hintcrgrundmaterial
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. Dezember 1 9 8 5

49

RÜSTUNGSZUSAMMENARBEIT

IM ATLANTISCHEN

BÜNDNIS

Von David M. Abshire
Ständiger Vertreter der Vereinigten Staaten im N o r d a t l a n t i k r a t

Der Stä ndige Ver treter der V e r einigte n Sta aten von Am erika im
Nordatl antik rat, Botsch after
David M . Abshire , hat in einemlängere n Art ikel in der Z e i t schrift der amer ikanisc hen
Streitk räfte "Ar med For ces
Journal " in der Dezembe rausgabe
1985 au sführ lieh zu der R ü stungsz usamm enar beit im Atlant
ischen Bündn is S tellung g e n o m m e n . D er Na chdr uck in deutscher
Uberset zung erfo Igt mit f r e u n d licher Geneh migu ng von "Armed
Forces Journ al I nternat i o n a 1" .
Copyright (c) 1985 Army and Navy
Journal Inc.

Seit über 35 Jahren hat das N o r d a t l a n t i s c h e Bündnis v e r s u c h t , durch R ü s t u n g s z u s a m m e n a r b e i t
kollektive
konventionelle
Streitkräfte a u f z u s t e l l e n .
Bereits im Jahr 1950 kam der Nordatlantikrat unter dem damaligen Vorsitz des a m e r i k a n i s c h e n A u ßenministers Dean Acheson ü b e r e i n , daß alle unnötigen
Über-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�unnötigen Überschneidungen
seitigt werden müßten.

in der industriellen Produktion be-

Das ist nie gelungen. Heute gibt es in Westeuropa zu viel
Überschneidung statt konstruktivem Wettbewerb:
- elf Firmen in sieben Bundesländern stellen Panzerabwehrwaffen her;
- 18 Firmen in
Luft-Waffen;

sieben

Ländern

entwerfen

und

bauen

Boden-

- 16 Firmen in sieben Ländern arbeiten an Luft-Boden-Waffen.
Im Fernmeldewesen, das von entscheidender Bedeutung ist,
wenn es darum geht, ein Bündnis zu einer kollektiven Streitmacht statt einer Kollektion von Streitkräften zu machen, entwickeln und dislozieren sieben Länder des Bündnisses sechs neue
taktische Fernmeldesysteme.
Keines kann mit dem anderen in
Verbindung treten und keines kann mit dem Integrierten Fernmeldesystem der NATO (NICS) in Verbindung treten.
Aus diesem
Grunde müssen diese sieben Länder jetzt noch zusätzliche Summen
ausgeben, um eine wenigstens begrenzte Verbindung unter ihren
Systemen zu entwickeln und herzustellen. Diese Situation wird
sicherlich nicht bereinigt durch die kürzliche Entscheidung der
amerikanischen Armee, das französische Gefechtsfeld-Fernmeldesystem RITA zu beschaffen, weil dies zwar ein wichtiger Schritt
aber im wesentlichen doch darauf angelegt ist, die interne
Fernmeldekapazität zu verbessern und nicht, eine Verbindung zu
anderen Streitkräften herzustellen.
Diese Art von Überschneidung stellt eine schändliche Verschwendung von Mitteln dar und trägt dazu bei, die militärische
Kapazität des Bündnisses zu schmälern.
So etwas könnte man
sich vielleicht leisten, wenn die Vereinigten Staaten noch einen Haushaltsüberschuß oder eine nukleare Überlegenheit gegenüber der Sowjetunion hätten - aber das ist nicht der Fall. Bei
einer nuklearen Parität können unnötigerweise schwache konventionelle Streitkräfte die NATO-Strategie der flexiblen Antwort
praktisch zunichte machen. Die Antwort der NATO auf eine Aggression soll aus einer bew.ußten und kalkulierten Eskalation zu
nuklearen Gefechtsfeldwaffen, nuklearen Mittelstreckensystemen
und dann zu nuklearen Interkontinentalwaffen bestehen - und
nicht in einer panischen Ausflucht zu nuklearen Kampfmitteln
angesichts einer bevorstehenden
konventionellen
Niederlage.
Der Oberste Alliierte Befehlshaber, General Bernard W. Rogers,
hat wiederholt davor gewarnt, daß im Falle eines Angriffs des
Warschauer Paktes die gegenwärtige Verteidigungsposition der
NATO ihn dazu zwingen würde, die Freigabe von Kernwaffen "in
Tagen, nicht in Wochen" zu fordern. Seit Anfang der siebziger
Jahre müssen wir mit dieser schrecklichen Aussicht leben. Damals war man sich jedoch einig, daß man dagegen nicht viel tun
- 2 -

�viel tun könne.
Heute herrscht Übereinstimmung darüber, daß
wir etwas tun müssen, können und werden. Was hat diesen Sinneswandel bewirkt?
I.

Schaffung eines neuen Konsenses - ein langer, schwerer Weg

Es ist interessant, diesen langen und schwierigen Prozeß
einmal aufzuzeigen.
Mein persönliches Engagement in diesen
Sinneswandel begann im Jahr 1973, als ich von meinem Posten als
Unterstaatssekretär für die Verbindungen zum Kongreß zurücktrat, um die Leitung des Zentrums für Strategische und Internationale Studien (CSIS) an der Georgetown-Universität zu übernehmen.
Das unglückselige Europa-Jahr hatte gezeigt, daß mit
dem transatlantischen Verhältnis wirklich etwas nicht stimmte.
Der damals neugewählte Senator Sam Nunn aus Georgia, der kürzlich dem Beratungsausschuß des CSIS beigetreten ist, schrieb
1974 einen Bericht über "Politik, Truppen und das NATO-Bündnis", in dem das Problem zusammengefaßt wurde:
"Die Nuklearschwelle in Europa ist ziemlich niedrig... Unser Plan, taktische Kernwaffen 'so bald wie nötig' einzusetzen,
steht sehr im Vordergrund - aber der zweite Teil, 'so spät wie
möglich' findet nicht sehr viel Aufmerksamkeit.
Ich bin der
Überzeugung, daß mehr Nachdruck auf den zweiten Teil gelegt
werden sollte."
Nach seiner Auffassung waren sowohl Europa als auch die
Vereinigten Staaten so abhängig von der "nuklearen Krücke" geworden, daß die konventionellen Streitkräfte der NATO praktisch
zu einem Stolperdraht geworden waren.
Im gleichen Jahr wurde uns der Bericht über "Amerikanischeuropäische wirtschaftliche Zusammenarbeit in Militär- und Ziviltechnologie" des Verteidigungsexperten
und Beraters des
SCIS, Tom Callaghan, vorgelegt.
Er zeigte, daß schädliche
Überschneidungen
konventionelle
Streitkräfte
hervorgebracht
hatten, die nur über eine begrenzte Fähigkeit verfügten, sich
gegenseitig beim Auftanken, Munitionieren, Verstärken oder bei
Reparaturen zu helfen, geschweige denn miteinander in Fernmeldekontakt zu treten.
Callaghan schlug eine Rückkehr zu dem
Zwei-Pfeiler'Konzept des Bündnisses und einer standardisierten
Bewaffnung sowie die Schaffung einer Zweibahnstraße im transatlantischen Rüstungshandel vor.
Er lenkte die Aufmerksamkeit
bereits damals auf etwas, was später als "strukturelle Abrüstung" bekannt wurde, d.h. die Beschaffung von immer weniger
Waffen mit immer mehr Geld bei ständig steigenden Stückkosten
und einer immer begrenzteren Kampfkraft.
Fortschritt Mitte

�Fortschritt Mitte der siebziger Jahre
Mitte der siebziger Jahre wuchs das Interesse an Fragen der
Rüstungszusammenarbeit.
Im Jahr 1975 erklärte Präsident Ford
auf dem dritten NATO-Gipfel in Brüssel, daß "wir unsere Verteidigungsmittel wirksamer und besser nutzen müssen. Wir müssen
unser seit langem gestrecktes Ziel gemeinsamer Verfahren und
gemeinsamen Geräts erreichen.
Unsere Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen müssen mehr sein als nur die Summe aller
Einzelanstrengungen.
In jenem Jahr forderten auch die Verteidigungsminister der EUROGROUP eine neue Institution, die zum
europäischen Endpunkt der Zweibahnstraße werden sollte.
Im Februar 1976 wurde die Unabhängige Europäische Programmgruppe (IEPG) ins Leben gerufen, um eine wirksame Nutzung der
europäischen Mittel für Forschung, Entwicklung und Beschaffung,
eine verstärkte Standardisierung und Interoperabilität des Geräts, die Aufrechterhaltung einer gesunden europäischen Verteidigungsindustriebasis und die Einrichtung einer realistischen
Zweibahnstraße zwischen Europa und Nordamerika zu erreichen.
Die Culver-Nunn-Gesetzeszusätze von 1975 und 1976 erklärten es
zur gesetzlich gebundenen Politik der Vereinigten Staaten, daß
unsere Waffen standardisiert oder zumindest mit jenen unserer
NATO-Verbündeten interoperabel sein sollten. Diese Zusätze ermutigten auch unsere europäischen Verbündeten, das Zweibahnstraßen-Konzept der militärischen Beschaffung funktionsfähiger
zu machen, indem sie ihre Verteidigungsindustriebasis zu einer
"vereinten und kollektiven Basis" gestalteten.
Aus der Überzeugung heraus, daß es zu den wichtigsten Problemen jener Tage gehörte, die Stärke und den Zusammenhalt des
Bündnisses zu festigen schrieb ich damals:
"Es fehlt nicht an Mitteln.
Die Herausforderung an die
Völker des Nordatlantischen Bündnisses besteht darin, diese
Mittel in Friedenszeiten zu mobilisieren, um den Führern des
Warschauer Paktes die Sinnlosigkeit dieses Wettbewerbs zu demonstrieren ..."
Nach meiner Auffassung sollte ein privates Gremium gegründet werden, um den europäischen und nordamerikanischen Standpunkten Ausdruck zu verleihen, wie das verwirklicht werden
könnte, und im Jahr 1976 gründete das CSIS eine Arbeitsgruppe
für transatlantische Politik, in dessen Vorsitz sich der frühere Chef des Gemeinsamen Stabes der amerikanischen Streitkräfte,
Admiral Tom Moorer und der britische Abgeordnete Alan Lee
Williams teilten; als vom amerikanischen Verteidigungsministerium beurlaubt und abgestellt wirkte Gerry Sullivan. Die Mitgliedschaft
der
Arbeitsgruppe
war
eindrucksvoll:
Manfred
Wörner, General Mitterrand, die Senatoren Bartlett, Culver und
Nunn, die Abgeordneten Bennet, Edwards und Whitehurst, bedeutende Vertreter der europäischen und amerikanischen Industrie

�amerikanischen Industrie sowie der Gewerkschaften und anderer
Die Arbeitsgruppe ging auf den Kern des ProOrganisationen
vor
dem
das Bündnis damals stand - und heute noch
blems ein,
steht. Sie stellte fest:
"Um den transatlantischen Fortschritt anzutreiben, ist eine
Tagesordnung des politischen Handelns notwendig.
Das politische Handeln ist notwendig, weil der Mangel an Erfolg in der
Vergangenheit auf das Versagen der führenden Politiker und Parlamente und gesetzgebenden Körperschaften der einzelnen Länder
zurückzuführen war, den Dingen die notwendige Aufmerksamkeit
zukommen zu lassen, oder auf eine Uberbetonung der eigenen unmittelbaren Interessen."
Die Carter-Administration
Nachdem er im Wahlkampf von der Notwendigkeit der Standardisierung der Waffen gesprochen hatte, zeigte Präsident Carter
den Weg zu einer weit stärkeren Zusammenarbeit im Bündnis auf.
Botschafter Bob Komer wurde zum NATO-Berater von Verteidigungsminister Harold Brown ernannt und zusammen mit Staatssekretär
Bill Perry gab er der Sache neuen Auftrieb.
Auf dem
Carter eine
er, daß die
den, und an

vierten NATO-Gipfel 1977 in London hielt Präsident
wirklich mitreißende Ansprache. Er hoffe, so sagte
Europäer die Zusammenarbeit weiter verstärken würdie Amerikaner gewandt erklärte er:

"Die Vereinigten Staaten müssen bereit sein, einen echten
zweibahnigen transatlantischen Handel in Verteidigungsgerät ins
Leben zu rufen. Die Entscheidungen meiner Administration bezüglich Entwicklung, Produktion und Beschaffung von Verteidigungsgerät werden unter sorgfältiger Berücksichtigung der Interessen aller Mitglieder des Bündnisses getroffen werden...
Ich werde mit dem Kongreß der Vereinigten Staaten in diesem
Sinne zusammenarbeiten.
Er tat es dann nicht, Präsident Carter ist auf das Thema
der Rüstungszusammenarbeit in der NATO niemals wieder zurückgekommen - nicht einmal als er vor dem 5. NATO-Gipfel sprach, der
einberufen wurde, um das in seinem Namen entwickelte langfristige Verteidigungsprogramm zu verabschieden.
Eine vom CSIS
herausgegebene und einige Monate vorher zu dem Zweck ins Leben
gerufene Publikation, die Transatlantische Arbeitsgruppe zu unterstützen, sprach von diesem NATO-Gipfel in Washington als von
einer "verpaßten Gelegenheit".
Etwa zu der Zeit der "verpaßten Gelegenheit" begann der Unterausschuß für das Repräsentantenhaus für Standardisierung,
Interoperabilität und Einsatzbereitschaft der NATO - ein Unterausschuß des Militärausschusses - unter dem Vorsitz von Dan

�von Dan Daniels seine Anhörungen. Ursprünglich ins Leben gerufen, um dem Kongreß und der Öffentlichkeit den Wert einer Zweibahnstraße schmackhaft zu machen, verlor der Unterausschuß während einer Europareise im Sommer 1978 seine Begeisterung für
die Idee. In jedem Gespräch mit europäischen Ministern und Regierungsvertretern wurde die Notwendigkeit hervorgehoben, daß
die Vereinigten Staaten mehr Waffen von Europa kaufen müßten.
Von einer Verbesserung der konventionellen Kapazität der NATO
war nie die Rede. Gespräche mit führenden Militärs zeigten jedoch, daß die Munitionsreserven der NATO weit unter akzeptablen
Normen lagen.
Gründlich desillusioniert kehrte der Unterausschuß nach Washington zurück und setzte seine Anhörungen fort
und legte 1979 einen Bericht vor, in dem eigentlich kein besonderer politischer, wirtschaftlicher oder militärischer Sinn in
einer Zweibahnstraße mit Europa gesehen wurde. Dies warf einen
Schatten auf das ganze Programm der Carter-Administration, das
auch niemals richtig in Gang kam. Rüstungszusammenarbeit war,
wie ein französischer Regierungsvertreter ausdrückte, "ein toter Fisch".
Von 1979 an nahm die Stationierung von PERSHING II und
Marschflugkörpern die Aufmerksamkeit der führenden amerikanischen, kanadischen und europäischen Politiker ganz und gar in
Anspruch.
Rüstungszusammenarbeit stand weiterhin im Hintergrund bis zum Frühjahr 1982 als der Roth-Glenn-Nunn-Gesetzeszusatz mit 87 gegen eins Stimmen vom Senat verabschiedet wurde.
Dieser Gesetzeszusatz forderte die Regierungschefs des Bündnisses auf, sich auf eine Strategie und eine Struktur für die Verbesserung der Rüstungszusammenarbeit im Bündnis zu einigen, sowie auf eine Politik, die schädliche Überschneidungen abschaffte und die finanziellen Lasten und wirtschaftlichen Vorteile
der NATO-Verteidigung gerechter verteilte.
Mit der Stationierung der nuklearen Mittelstreckensysteme
war die Zeit gekommen, sich wieder auf den Roth-Glenn-Nunn-Gesetzeszusatz zu besinnen. Das erforderliche Ausmaß der Zusammenarbeit lag eindeutig außerhalb der Zuständigkeit der Technokraten und Bürokraten. Es bedurfte einer politischen Tagesordnung und eindeutiger Handlungsanweisungen.
Die Politik der Reagan-Administration 1981-1983
Die Reagan-Administration wandte ihre Aufmerksamkeit ebenfalls den Problemen der Rüstungszusammenarbeit zu.
Im April
1982 forderte Richard De Lauer, Unterstaatssekretär für Forschung und Technik im Verteidigungsministerium, den Wissenschaftsausschuß des Ministeriums auf, eine Arbeitsgruppe für
den Bereich der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit der Rüstungsindustire ins Leben zu rufen. Ziel dieser Arbeitsgruppe
unter dem Vorsitz von Malcolm Currie war es, Wege für die amerikanische Industrie ausfindig zu machen, um wirkungsvoller mit

�wirkungsvoller mit Industriezweigen in den verbündeten Ländern
bei Programmen der Rüstungskooperation zusammenzuarbeiten. Der
"Currie-Bericht" kam zu dem Schluß, daß die amerikanische Führungsposition im Technologiebereich sich verschlechtern und
letztlich verlorengehen werden, und daß zur Stärkung der Wirtschafts- und Verteidigungskraft die Investitionen für langfristige Forschung und Entwicklung erhöht werden müßten.
Dies
würde die meisten Bedenken der amerikanischen Industrie hinsichtlich der Auswirkungen verstärkter industrieller Zusammenarbeit verringern. Der Bericht verwies allerdings darauf, daß
dies einen Ausgleich zwischen dem gestärkten Bündnis, zu dem
verstärkte technologische Beteiligung führen dürfte, und dem
dadurch unvermeidlichen Wettbewerbsdruck für die amerikanische
Industrie beinhalten müßte.
Zur Zeit der Fertigstellung des Currie-Berichtes war ich
mit den Vorbereitungen zur Übernahme meiner Pflichten als neuer
Ständiger Vertreter der Vereinigten Staaten beim Nordatlantikrat beschäftigt. Bei den Anhörungen zu meiner Bestätigung betonte ich die Notwendigkeit verbesserter Zusammenarbeit im Rüstungsbereich als eine meiner vier Prioritäten.
Im Oktober
1983 unternahm die amerikanische NATO-Mission eine Anstrengung
in diese Richtung, die von Bob Callaway und Oberst Gerry
Wetzel, Mitarbeiter der Rüstungsgruppe der Mission, geleitet
wurden. In unserer Analyse, die wir nach Washington schickten,
umriß die Mission vier entscheidende Punkte:
1) Trends im Kräfteverhältnis der konventionellen Streitkräfte zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt waren zum
Hauptproblem der NATO geworden.
2) Die in zunehmendem Maß unzureichenden Kapazitäten bei
der konventionellen Verteidigung und die Frustration der Vereinigten Staaten, die sich aus ihrem Eindruck ergab, Europa sei
nicht gewillt, dieses Ungleichgewicht wieder auszugleichen,
schufen ein schwieriges politisches und militärisches Problem.
3) Als Folge dessen wurden die Verbesserungen der konventionellen Verteidigung zu einem transatlantischen Gebot.
4) Angesichts der begrenzten Mittel zur Verbesserung der
konventionellen Verteidigung mußte eine erheblich verbesserte
Zusammenarbeit im Rüstungsbereich ein entscheidender Aspekt
sein.
Die Mission unterbreitete zwei Hauptempfehlungen:
a) Schaffung eines Koordinierungsmechanismus für die Exekutive, um mit einer Stimme sprechen zu können; und
b) Einrichtung eines weitergefaßten Ausschusses, einer Korn-

�einer Kommission oder einer Beratergruppe, um um Unterstützung
bei Kongreß und Öffentlichkeit zu werben. Hinsichtlich dieser
letzten Empfehlung wurde ich durch meine Erfahrung mit dem
CSIS-Ausschuß als einem bescheidenen Prototyp beeinflußt.
Sowohl im Pentagon als auch im Außenministerium gab es Leute, die hinsichtlich dieses neuen Vorschlags nicht sehr begeistert waren; manche davon waren alte NATO-Kenner, die davon
überzeugt waren, daß diese neuen Anstrengungen genau wie die
der Vergangenheit zum Scheitern verurteilt wären. Dann wieder
gab es andere, die die Ideen der Mission unterstützten, wobei
der wichtigste Verbündete Minister Weinberger war.
Es wurde
einem ganz neuen Plan zugestimmt, der zu einigen raschen Erfolgen bei der transatlantischen Rüstungszusammenarbeit führen
würde, um dann längerfristige Kooperationsfragen anzugehen.
Die Mission verwies dabei auch darauf, daß ohne eine solche
Methode es dem Bündnis an Mitteln fehlen würde, um den schwindenden Konsens in vielen NATO-Staaten hinsichtlich der Verteidigung wiederherzustellen. Die Öffentlichkeit in den verschiedenen Ländern würde die Bündnispolitik nur dann unterstützen,
wenn sie davon überzeugt würde, daß Forderungen nach vermehrten
Verteidigungsausgaben mit einer militärischen und politischen
Strategie verbunden werden würden, die auch wirklich sinnvoll
war.
Im November 1983 ging ich in einer Rede vor der Vereinigung
der Atlantischen Gesellschaften (ATA) näher auf dieses Konsept
ein. Ich erklärte, das Bündis brauche vor allem eine "Ressourcenstrategie", die sich auf die klassischen Konzepte einer
Strategie stützte, die die Beziehung zwischen Mittel und Zielen
betont. Das Ziel einer solchen Strategie ist einfach: Verbesserung der militärischen Effizienz der NATO durch wirksameren
Einsatz ihrer Mittel. Ein zentraler Aspekt einer jeden derartigen Strategie muß dabei eine bessere Zusammenarbeit im Rüstungsbereich sein.
Nach der Rede bemerkte mein Vorgänger bei der NATO, Bob
Ellsworth, mir gegenüber, daß einige der Zuhörer verwirrt darüber waren, daß ich nicht einfach bei der "Zweibahnstraßen"Terminologie geblieben sei. Meine neue Methode gründete sich
darauf, zu sehen, welche Erfolge die verschiedenen Administrationen bei der Rüstungszusammenarbeit gehabt hatten.
Ich bin
davon überzeugt, daß sowohl politisch als auch strategisch die
Rüstungskooperation in einen größeren Zusammenhang der besseren
Verwendung der Gesamtmittel zum Ausgleich des Ungleichgewichts
bei der konventionellen Verteidigung gestellt werden muß, anstatt lediglich den Verkehr auf dreizehen "Zweibahnstraßen" mit
den europäischen Verbündeten zu regeln zu suchen.
Die
- 8 -

Ministertagung

�Die Ministertagung
des
Verteidigungs-Planungsausschusses
vom Dezember 1983 war ein Meilenstein auf dem Wege zur Änderungen der Haltung im Bündnis. Auf diesem Treffen kamen die Verteidigungsminister
der NATO hinsichtlich der Notwendigkeit
überein, eine besondere Anstrenung zur Verbesserung der konventionellen Streitkräfte der NATO zu unternehmen. Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner empfahl einen konzeptionellen
Rahmen zur Strukturierung der vielen innovativen Ideen (wie etwa AirLand Battle, Follow-on Forces Attack, die Bemühungen im
Bereich neuer Technologien etc.), die vorgeschlagen worden waren, um das Leistungsvermögen der Streitkräfte des Bündisses zu
verbessern. Gleichzeitig waren sich die Minister der finanziellen und anderer Restriktionen bewußt, die die Fähigkeit der
NATO beeinträchtigen, die notwendigen konventionellen Verbesserungen in die Wege zu leiten, und mehrere Minister griffen die
Idee einer Ressourcenstrategie der NATO auf. Alle waren sich
der Tatsache bewußt, daß eine solche Strategie eine erhebliche
Verbesserung bei der Rüstungszusammenarbeit erforderlich machen
würde.
Schaffung klarer Verhältnisse

(1983-1985)

Die zwei Jahre seit diesem wichtigen Ministertreffen brachten wichtige Entwicklungen, die den institutionellen Rahmen für
verstärkte Rüstungszusammenarbeit festigten - und zu denen es
auf beiden Seiten des Atlantik kam.
In den Vereinigten Staaten erkannte Minister Weinberger,
daß ein Stab notwendig sein würde, um die Aktivitäten des
Pentagon im Bereich der Rüstungszusammenarbeit zu koordinieren.
Dies war ein zentraler Punkt der Empfehlungen unserer Mission
vom Oktober 1983 gewesen.
Demzufolge schuf der Minister die
Steuerungsgruppe des Verteidigungsministerium für Waffenkooperation im NATO-Rahmen unter der Leitung des Stellvertretenden
Verteidigungsministers (für kurze Zeit Paul Thayer, dann mit
sehr viel Geschick Will Taft). Erfahrene Mitarbeiter aus allen
Bereichen des Pentagon wurden einbezogen. Das Ziel der Gruppe
ist einfach:
die amerikanische Verpflichtung zur Rüstungszusammenarbeit mit Leben zu erfüllen.
Die energische Art und Weise, in der der Verteidigung sminister und sein Stellvertreter die Frage einer verbesserten Rüstungszusammenarbeit verfolgten, fiel mit einer neuerli chen
Aufmerksamkeit zusammen, die der Kongreß dieser Frage zu teil
werden ließ. Obwohl die ursprüngliche Empfehlung unserer Mission zur Schaffung einer Kommission, die die Unterstüt zung
durch Kongreß und Öffentlichkeit gewinnen sollte, nicht verwirklicht wurde, kam es dennoch zu dieser Unterstützung, Die
von den Senatoren Sam Nunn, William Roth und John Garner ei ngebrachten Gesetzesvorschläge stellen einen Meilenstein auf dem
Weg zu verstärkter Rüstungszusammenarbeit dar.
Die Entwick lung
- 9 -

�Die Entwicklung dieser Gesetze demonstriert, wie sich die
Haltung des Kongresses in ganz entscheidend positiver Weise
veränderte. Anfang Sommer 1984 hatte Senator Nunn seine Geduld
wegen des Gegensatzes verloren, der zwischen den Forderungen
der NATO-Strategie nach flexibler Antwort und der tatsächlichen
Fähigkeit der Verbündeten bestand, diesen Forderungen gerecht
zu werden.
Infolgedessen schlug er einen Gesetzeszusatz vor,
der den Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus Europa androhte, falls die konventionelle Verteidigung der NATO nicht
verbessert würde. Obgleich der Zusatz schließlich zurückgewiesen wurde, stellte er dennoch eine Maßnahme dar, der die Enttäuschung im Kongreß gegenüber dem Bündnis und seine Ansichten
bezüglich der mangelnden Bereitschaft der Verbündeten zur Lösung grundlegender Probleme zum Ausdruck brachte.
Als Senator Nunn die NATO im März 1983 besuchte, war er von
den Veränderungen in der Haltung des Bündnisses und von dem
Elan beeindruckt, der inzwischen in der NATO zu finden war, um
zu einer Lösung ihrer Probleme zu gelangen.
Er konnte nicht
nur konkrete Ergebnisse, wie etwa die Verdopplung des Infrastrukturbudgets der NATO, sehen, sondern auch erkennen, daß die
NATO auf einen konzeptionellen Rahmen für den militärischen Bereich und eine Ressourcenstrategie hinarbeitete. Anstatt einen
weiteren Gesetzeszusatz bezüglich eines Truppenabzugs zu verlangen, schlug Seantor Nunn vor, der NATO bei ihren Bemühungen
behilflich zu sein, die konventionelle Verteidigung zu verbessern und ihre Mittel besser zu verwenden.
Unsere Mission erarbeitete zusammen mit den Mitarbeitern
von Senator Nunn ein erstes Konzept. Der Stellvertretende Verteidigungsminister Taft verkürzte den bürokratischen Weg und
gab dem von den Senatoren Nunn, Roth und Warner vorgelegten Gesetzeszusatz seine nachdrückliche Unterstützung, signalisierte
dieser doch einen neuen Weg. Er stellt gesondert 200 Millionen
Dollar für kooperative Entwicklungsprojekte zwischen den NATOStaaten bereit und ruft einen formellen Mechanismus zur Erörterung solcher Projekte schon in den frühen Stadien des Beschaffungsprozesses im Verteidigungsministerium ins Leben.
Senator Nunn sah, daß angesichts weniger zur Verfügung stehender Mittel eine Möglichkeit zur effizienteren Verwendung der
NATO-Ressourcen darin bestand, die ganze Aufmerksamkeit auf die
Ausgabenseite zu legen und die Verwendung der Mittel frühzeitig
festzulegen. Durch Konzentration auf die Forschungs- und Entwicklungsebene versuchte der Gesetzeszusatz, die Wirkung jener
Ressourcen zu verstärken.
Der andere Aspekt der Rüstungsentwicklung - Käufe von Fertigerzeugnissen - wurde ebenfalls angepackt, indem
dem Direktor der Abteilung für operationeile Versuche und Bewertung im
Verteidigungsministerium für Vergleichstests amerikanischer und
ähnlicher europäischer Systeme weitere 50 Millionen Dollar zur
Verfügung gestellt wurden.
Unter
der
_ 10 -

�Unter der Führung von Les Aspin wurde der Gesetzeszusatz
vom Repräsentantenhaus angenommen und danach von beiden Häusern
des Kongresses gebilligt.
Der Nunn-Roth-Warner-Gesetzeszusatz war nicht die einzige
positive Entwicklung für diejenigen im Kongreß, die der NATO
ihre Unterstützung angedeihen lassen. Eine weitere waren die
Gesetzesvorschläge der Senatoren Quayle und Roth, die sich auf
Gesetzeszusätze des Repräsentantenhauses stützten, die im vergangenen Jahr von Sam Stratton und Maajorie Holt in der Absicht
eingebracht worden waren, die bürokratischen Schwierigkeiten zu
überwinden, vor denen Projekte der Rüstungskooperation stehen.
Die Bedeutung dieser Gesetzeszusätze geht über das Finanzielle hinaus; dahinter steht auch das, was Senator Ted Stevens
eine Partnerschaft mit dem Kongreß zur Lösung der Probleme der
NATO genannt hat.
War der vorgeschlagene Truppenabzug ein Jahr zuvor noch eine negative Herausforderung der europäischen NATO-Mitgliedstaaten, so diesmal eine positive. In Europa gab es zudem auch einigen Fortschritt in Richtung auf einen besseren institutionellen Rahmen für verstärkte Rüstungszusammenarbeit. Die vielversprechendste Entwicklung in dieser Hinsicht ist die Unabhängige
Europäische Programmgruppe (IEPG). Unter der tatkräftigen Führung des niederländischen Staatssekretärs Jan van Houwelingen
wurde die IEPG zu einer wirkungsvollen Kraft in der europäischen Rüstungskooeration.
Sie hat rund 30 Programme benannt,
die verfolgt werden könnten; fünf davon sind bereits über das
Anfangsstadium hinausgediehen.
Erst zweimal hat sich die IEPG
bisher auf Verteidigungsministerebene betroffen, und doch wird
schon deutlich, daß Europa erkannt hat, daß politischer Wille
der entscheidende Faktor für echten Fortschritt ist.
Europa hat andere Ressourcen, auf die es zurückgreifen
kann. Obgleich nicht unmittelbar mit der Verteidigung in bezug
stehend, bietet die Gesamtheit der Hochtechnologieprogramme der
Europäischen Gemeinschaft doch eine Grundlage zur Analyse neuer
Technologien, die offenkundige militärische Relevanz haben:
ESPRIT: Europäisches Strategisches Programm
und Entwicklung in der Informationstechnologie;

für

Forschung

JET: Joint European TORUS;
BRITE: Grundlagenforschung
Europa;

in industrieller Technologie für

RACE: Forschung und Entwicklung in modernster Kommunikation
für Europa; und
EUREKA: Das von Frankreich

initiierte

Technologieprogramm,

�initiierte Technologieprogramme, in dem manche die europäische
Antwort auf die Strategische Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten sehen.
Die Westeuropäische Union (WEU) und der Unterausschuß für
Rüstungszusammenarbeit der Nordatlantischen Versammlung sind
zwei weitere Foren, wo die Themen der europäischen Zusammenarbeit in größerem Maßstab von denjenigen bewertet werden, die
über die Verwendung von nationalen Mitteln zu entscheiden haben.
Da auf beiden Seiten des Atlantik Fortschritte erzielt wurden, ist es keine Überraschung, daß sich dies auf die Institutionen der NATO auswirkte.
In den ersten sechs Monaten von
1985 wurden in der NATO besondere Anstrengungen zur Verbesserung der konventionellen Verteidigung des Bündnisses in jeder
Beziehung unternommen.
Als Teil dieser Anstrengungen erhielt
die Konferenz der Nationalen Rüstungsdirektoren (CNAD), der
zentrale Mechanismus der NATO für Rüstungszusammenarbeit, unter
der neuen Leitung des früheren Kongressabgeordneten und jetzigen Beigeordneten Generalsekretärs Robin Beard neuen Auftrieb.
Die CNAD hat damit begonnen zu untersuchen, ob sie ihre Tätigkeit so effektiv wie möglich durchführt und wie man den Prozeß
verbessern könnte.
Ein kürzlich fertigestellter CNAD-Bericht
stellte fest, daß es in Wirklichkeit kein Rüstungsplanungssystem im Bündnis gibt, und daß alle Verbündeten sich bemühen
müssen, ihre begrenzten Ressourcen besser zu nutzen, um sich
den von den Ministern aufgezeigten kritischen konventionellen
Mängeln zu widmen.
Die CNAD kam überein, einen gemeinsamen
Ausschuß zur Untersuchung von Möglichkeiten im Zusammenhang mit
der Bekämpfung der Folgestaffeln des Warschauer Pakts (Followon-Forces-Attack) und zur Verdoppelung der Finanzmittel für das
Vorstudienprogramm der Industrieberatungsgruppe der NATO zu
bilden.
Lord Carrington und andere führende Mitglieder haben die
Rüstungskooperation jedoch nicht nur den Experten überlassen.
Das Bündnis hat erkannt, daß dieses Thema auf der politischen
Ebene behandelt werden muß, auf der diejenigen, die in den Regierungen harte Entscheidungen zu treffen haben, mit der Dringlichkeit des Problems konfrontiert werden. Deshalb haben sich
sich die stellvertretenden Verteidigungsminister der NATO-Länder, übrigens zum erstenmal seit 1950, Mitte November getroffen
um über die Rüstungszusammenarbeit zu sprechen.
II. Die Leistungen der letzten beiden Jahre - Grund zum Optimismus
Nachdem mit einer Reihe von möglichen Kooperationsformen
experimentiert wurde, ist die NATO jetzt meßbar stärker. Um
weitere Fortschritte zu erzielen, werden jedoch alle dieser
Formen benötigt.
Kooperative Forschung
- 12 -

�Kooperative Forschung und Entwicklung
Dies stellt die wünschernswerteste Form der Zusammenarbeit
dar, wie im Nunn-Roth-Warner-Gesetzeszusatz festgestellt wurde. Die Teilnehmer profitieren von Beschäftigungsmöglichkeiten
von einem Ende des Spektrums bis zum anderren - vom Wissenschaftler bis zum Soldaten. Ein besonders erwähnenswertes Beispiel für diese Art der Zusammenarbeit ist die gegenwärtig laufende Entwicklung eines endphasengesteuerten Gefechtskopfes für
das Mehrfachraketen-Abschußsystem.
Nach intensivem Wettbewerb
zwischen drei internationalen Konsortien wurde dieses Jahr ein
Vertrag mit einem multinationalen Konsortium abgeschlossen, das
aus den Firmen Thomson-Brandt (Frankreich), Martin-Marietta
(USA), Thorn EMI (Großbritannien) und Diehl GmbH (Bundesrepublik Deutschland) besteht.
Am Wettbewerb beteiligten sich transatlantische Gruppen und
nicht etwa die Vereinigten Staaten gegen eine oder mehrere europäische Firmen. Überdies existiert eine umfassende Zusammenarbeit von vier Industrien aus vier verbündeten Ländern in allen Phasen der Entwicklung und Produktion eines Systems, das
von allen Staaten des Bündnisses eingeführt werden wird.
Das größte gemeinsame Rüstungsprogramm in der Geschichte
des Bündnisses steht am Horizont: Die Entwicklung und der Bau
von 50 Fregatten mit einem geschätzten Gesamtwert von 20 Milliarden Dollar. Acht Nationen sind an diesem ersten koopoerativen Programm beteiligt, daß von den Marinen des Bündnisses begeistert unterstützt wird.
Es liegt auf der Hand, daß gemeinsame Programme dieser Art
sehr attraktiv für die Bündnisstaaten und ihre Industrien sind.
Gemeinsame Forschung und Entwicklung bedeuten geringere Entwikklungskosten für jede beteiligte Nation, und der größere Markt
für das Endprodukt bedeutet längere Produktionslaufzeiten und
geringere Stückkosten.
Die Vorteile der Standardisierung behalten ihre Wirkung lange nach der Einführung eines Waffensystems: Ersatzteile und -komponenten können in grösserer Stückzahl eingekauft werden; die Ausbildung des Bedienungs- und Wartungspersonals kann in einer effizienteren und kostenwirksameren Weise durchgeführt werden; logistische Systeme werden vereinfacht.
Im Ernstfall schließlich ist es ein unbezahlbarer
Vorteil sich auf die logistische Unterstützung durch die Bündnispartner verlassen zu können.
Gegenwärtig laufen in der NATO 59 Programme für gemeinsame
Forschung und Entwicklung.
Zusätzlich existiert noch eine
Vielzahl von weiteren gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprogrammen in bilateralem Rahmen außerhalb der formalen Mechanismen der NATO.
In einem sehr logischen Bericht, der Ende
1984 veröffentlicht wurde, stellte die EG fest, daß die Zukunft
Europas von dieser Art der Zusammenarbeit abhängt, sowohl auf
dem zivilen als auch auf dem militärischen Sektor.
Gemeinsame Produktion
- 13 -

�Gemeinsame Produktion
Viele der Vorteile gemeinsamer Forschung
und Entwicklung
werden auch von der gemeinsamen Produktion verwirklicht, jedoch
sind an letzterer keine Forschungsgemeinschaften von teilnehmenden Staaten beteiligt.
Vom ökonomischen und politischen
Standpunkt aus betrachtet ist sie deshalb weniger wünschenswert, da die beteiligten Länder nicht von der breiteren Wirkung
- über den militärischen Sektor hinaus - profitieren, der in
der Erforschung und Entwicklung neuer Technologien und ihrer
Verfahren besteht.
Das bekannteste Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit
auf diesem Gebiet ist der F-16 Uberlegenheitsjäger.
Der F-16
wurde von der General Dynamics Corporation entworfen und entwickelt. Um die Vorteile des Zugangs zu einem größeren Markt
zu gewinnen, wurde der F-16 in Belgien, den Niederlanden, Norwegen, Dänemark und den Vereinigten Staaten koproduziert. Ein
weiteres umfangreiches F-16 Koproduktionsprogramm wird demnächst in der Türkei anlaufen. Selbstverständlich ergaben sich
aus diesem Projekt erhebliche wirtschaftliche Vorteile in Gestalt von Arbeitsplätzen und industrieller Erfahrung für die
produzierenden Länder. Gleichzeitig bringt diese Methode eine
substantielle Verbesserung der Fähigkeiten des Bündnisses.
Sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für das Bündnis
war das F-16-Programm vorteilhaft, da es durch die europäische
Koproduktion dem Ziel der Erschließung eines größeren Marktes
für ein Hochleistungsflugzeug diente.
In diesem Zusammenhang
ist es interessant, daß die Europäer auf einer Kooperationsvereinbarung bestanden, mit der der Entwurf des Flugzeugs festgeschrieben wurde, wodurch wir zur Produktion einer relativ einfachen Maschine gezwungen wurden. Als Nebenprodukt dieser Zusammenarbeit erwarb das Bündnis ein Flugzeug, daß den Finanzierungsrahmen und den Zeitplan nicht überschritt.
Lizenzherstellung
Wenn das Bündnis mit Defiziten in seiner konventionellen
Verteidigung konfrontiert ist, gibt es oft den einen oder anderen Partner, der ein relativ ausgereiftes Modell präsentiert.
In solchen Fällen bietet sich ein Lizenzbau geradezu an, wodurch die Kosten von Entwurf und Waffentests durch das Verfahren der Herstellung nach einem Standardentwurf eingespart werden können.
Ein Beispiel für Lizenzherstellung ist die Kanone für den
amerikanischen Kampfpanzer. Sie wurde in den sechziger Jahren
als Lizenzbau der Royal Ordnance aus Großbritannien in den Vereinigten Staaten hergestellt. Auch die neue 120 mm Kanone für
unseren Abrams Kampfpanzer wird in den Vereinigten Staaten als
-14-

�Staaten als Lizenzbau der Rheinmetall GmbH aus der Bundesrepublik Deutschland hergestellt.
Selbstverständlich werden auch amerikanische Entwürfe in
Europa produziert: Beispiele sind die Boden-Luft-Rakete HAWK,
die Luft-Luft-Rakete AIM 9-L (SIDEWINDER) , das 155-mm Artilleriegeschütz für Streumunition M483 und viele andere mehr.
Käufe "von der Stange"
Im letzten Jahrzehnt tendierten die europäischen Staaten
generell dazu, mehr Rüstungsgüter von den Vereinigten Staaten
zu kaufen als umgekehrt.
Die Zeitschrift "Armed Forces Journal" hat das Problem dieser "Zweibahnstraße" in hervorragender
Weise beleuchtet. Logischerweise sollten wir uns der Tatsache
bewußt sein, ohne jedoch beunruhigt zu sein, daß es eine
scheinbar "unfaire" Handelsbilanz auf diesem Sektor unserer internationalen Handelsbeziehungen gibt.
Gleichzeitig sollten
wir jedoch auch sehen, daß dieser Handel in einem wirtschaftlichen Kontext stattfindet, in dem die Gesamthandelsbilanz sehr
zum Vorteil Europas ausfällt.
Verständlicherweise würden es die europäischen Staaten vorziehen, in der Produktion von Rüstungsgütern unabhängig zu
sein. In dieser Beziehung sind eine Reihe Reihe von Vereinbarungen getroffen worden, um die wirtschaftliche und politische
Akzeptanz direkter Käufe von in den Vereinigten Staaten hergestellter Ausrüstung zu erleichtern.
Eines der spektakulärsten Beispiele für direkte Einkäufe
besteht in der kürzlichen Wahl des französischen Kommunikationssystems RITA als Basis für das amerikanische Mobile Teilnehmersystem im Wert von 4,3 Milliarden Dollar. Dies bedeutet einen wirklichen Meilenstein, da der Wettbewerb zwischen zwei europäischen Entwürfen ausgetragen wurde. Die Industrie der Verbündeten wird Aufträge im Wert von über einer Milliarde Dollar
erhalten ohne irgendwelche Verrechnungszwänge.
Diese Leistung
signalisiert einen klaren Wandel in der amerikanischen Einstellung und könnte der Vorläufer für verstärkten Verkehr in östlicher Richtung auf dieser Zweibahnstraße sein.
Während des vergangenen Jahres haben sich die Vereinigten
Staaten auch für die Einführung des Waffensystems PATRIOT in
Europa eingesetzt, einem von der Firma Raytheon p roduzierten
Waffensystem. Die Bundesrepublik Deutschland und It alien haben
beschlossen, dieses System zu kaufen und einzuführen , genau wie
die Vereinigten Staaten.
Die Vereinigten Staaten haben auch
zugestimmt, von Deutschland und Italien produzierte Kurzstrekken-Flugabwehrsysteme zu kaufen und diese bei den St reitkräften
der Herstellerstaaten einzuführen. In diesen Fällen profitiert
jede Seite.
Eine
trad itionellere
- 15 -

�Eine traditionellere Form des Ausgleichs gibt es mit den
Niederlanden, wo die PATRIOT Rakete gleichfalls in naher Zukunft stationiert werden wird.
In diesem Fall hat sich der
amerikanische Produzent dazu verpflichtet, eine bestimmte Menge
von niederländischen Waren zu kaufen, als Kompensation für den
Aufwand an niederländischen Mitteln in den Vereinigten Staaten
für das PATRIOT System.
Finanzielle Unterstützung
Es gab eine Zeit, in der das Bündnis relativ weitgehend
standardisiert war, da der größte Teil seiner Ausrüstung in den
Vereinigten Staaten hergestellt und den Verbündeten entweder
zur Verfügung gestellt oder an sie verkauft wurde. Ein aktives
Rüstungsverkaufsprogramm bildet eine zusätzliche und oft übersehene Form von Rüstungskooperation im Bündnis. Im Rahmen dieses Programms werden bisweilen finanzielle Hilfen bereitgestellt in Fällen, in denen amerikanische Interessen eine Verstärkung des militärischen Potentials eines bestimmten Landes
gebieten.
Diese finanzielle Unterstützung ist der Schlüssel
für verbündete Staaten mit weniger entwickelten Rüstungsindustrien und Volkswirtschaften.
Ein gutes Beispiel für diese Art der Zusammenarbeit ist die
kürzlich verkündete Vereinbarung zwischen Bonn und Lissabon, in
der sich die Bundesrepublik zur Bereitstellung von 490 Millionen DM für den Bau von drei portugiesischen Fregatten auf deutschen Werften verpflichtet hat. Andere Bündnispartner beteiligen sich ebenfalls an diesem Programm. Zum Beispiel tragen die
Vereinigten Staaten mit ca. 300 Millionen Dollar zu dieser
Stärkung von Portugals Fähigkeit, Europas südwestlichen Zipfel
zu sichern, bei.
Am Ende einer Bestandsaufnahme von mehr als einem Jahrzehnt
von Initiativen, Hoffnungen und Enttäuschungen ist es ein positives Erlebnis, definitive Verbesserungen feststellen zu können.
Appelle an die Notwendigkeit der Zusammenarbeit gehen
nicht länger in der massiven Bürokratie unter. Wir diskutieren
die Probleme intensiv und regelmäßig in den höchsten Gremien
der NATO.
Es muß jedoch ein Mittel gefunden werden, um aus dieser Besorgnis auf höchster Ebene Nutzen zu ziehen, bevor diese Aufmerksamkeit durch Ereignisse in der Welt auf andere Gebiete abgelenkt wird.
Heute benötigen wir eine Ressourcenstrategie
mehr denn je. Die politischen Elemente einer solchen Strategie, die ich an anderer Stelle behandelt habe, scheinen den
richtigen Platz einzunehmen. Jetzt müssen die NATO-Partner die
Herausforderung ehrlich annehmen und positiv lösen, wenn wir
unsere politischen Chancen nutzen wollen.

* * * * *

- 16 -

�Wi/scn/chott
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

11. December 1985

US-WISSENSCHAFTLER GELINGT DURCHBRUCH IN DER AGRARFORSCHUNG
- Blaues Licht fördert Pflanzenwachstum -

- (AD) - Zwischen 50 und 70 Prozent mehr Wachstum erreicht
man im Zeitraum von drei Wochen bei Orchideen, wenn sie Licht
mit einem größeren Anteil von Blau erhalten. Das Phänomen der
Wachstumssteigerung unter der Einwirkung von Licht bestimmter
Wellenlängen ist bei vielen Pflanzenarten zu beobachten. Aber
welcher Mechanismus liegt dem zugrunde?
Dr. Eduardo Zeiger,
Professor für Biologie an der Stanford-Universität (Kalifornien), befaßte sich zusammen mit einigen Mitarbeitern eingehend
mit dieser Frage. Es gelang ihm, die "Sensoren" ausfindig zu
machen, die auf blaues Licht reagieren und bestimmte Zellen der
Blattoberflache so aktivieren, daß sich winzig kleine Poren
öffnen.
Diese lichtabhängige Pumpe erwies sich als eine zentrale Komponente für Prozesse, bei denen Zellreaktionen im Zusammenhang mit einer Anzahl biologischer Funktionen in Gang gesetzt werden. Das Wachstum der Pflanzen ist nur ein Teil davon.
Der Vorgang der Absorption von Licht und der Umwandlung der
Lichtenergie in Signale für den Stoffwechsel wird als "sensorische Transduktion" bezeichnet.
Dieser Mechanismus zur Übertragung von Energie, so erklärt Prof. Zeiger, erlaube Pflanzen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�erlaube Pflanzen die Wahrnehmung von Informationen aus ihrer
Umwelt, ähnlich dem Vorgang des Sehens bei Tieren.
Im tierischen Auge wird Licht von einem lichtempfindlichen Stoff, dem
Rhodopsin, absorbiert.
Dieses Pigment setzt, sobald es aktiviert wird, ganze Reaktionsketten in Gang, was schließlich Neuronen im Gehirn anregt, das Licht zu "sehen".

Der Lichtrezeptor auf den Blättern g:ibt Zeiger zufo Ige den
Anstoß zu einer Reaktionskette , in deren Verlauf winzig e Poren
auf der Blattoberfläche, sog. Stomata, schließlich veranlaßt
werden, sich zu öffnen. Um we lche chemische Verbindung es sich
bei dem Blaulic ht-Rezeptor handelt , konnte noch nicht geklärt
werden. Man weiß bisher nur, daß er innert"lalb der Deckzellen
liegt, clie jede dieser Poren umgeben und ihr Öffnen und Schließen regu lieren.
Pflanzen nehmen beispielsweise das für die Photosynthese so
wichtige Kohlendioxyd durch die Stomata-Poren aus der Luft auf.
"Wir wissen, daß sich diese Poren in Reaktion auf Licht öffnen", sagt Prof. Zeiger.
"Wir wissen ferner, daß Photorezeptoren vorhanden sein müssen, wenn wir eine 'Lichtreaktion1 beobachten".
Durch blaues Licht, das den Photorezeptor aktiviert, werde offenbar eine Pumpe in der Zellmembran "angeworfen", die Protonen, d.h. Wasserstoffionen mit positiver elektrischer Ladung, aus der Zelle treibt.
Dadurch entstehe ein
elektrochemisches Gefälle über die Zellmembran hinweg, was bewirke, daß nun Kaliumund Chlorionen in die Zelle wandern können.
Bei dieser Veränderung der Ionenkonzentration zwischen
Außenund Innenseite der Zelle ströme Wasser in die Deckzellen
ein. Sie beginnen zu schwellen. Und weil, wie Zeiger erklärt,
dabei die Zellwände radial, d.h. rundum versteift werden, öffnen sich die winzigen Poren. Ist die Pumpe mangels BlaulichtAnregung wieder stillgelegt, verschwindet auch das elektrochemische Gefälle. Überschüssige Ionen sickern durch die Zellwand
wieder nach außen, ebenso Wasser. Die Zellen schrumpfen, und
damit werden die Poren geschlossen.
In den Deckzellen findet sich aber, wie Prof. Zeiger erklärt, noch ein weiterer Photorezeptor, und zwar der in Chloroplasten enthaltene grüne Pflanzenfarbstoff Chlorophyll.
Die
Deckzellen sind Teil der epidermalen Zellschicht, welche über
die gesamte Zelloberfläche ausgebreitet ist.
"In der Regel
handelt es sich bei ihnen um den einzigen Zelltyp, der in diesem Gewebe Chloroplasten besitzt", sagt Zeiger.
Chlorophyll absorbiert vor allem Licht aus dem roten und
blauen Spektralbereich.
Im Verlauf seiner Experimente machte
Prof. Zeiger eine interessante Beobachtung: Wenn bei isolierten Deckzellen oder intakten Blättern die Aufnahmefähigkeit für
Licht erschöpft, das Chlorophyll mit rotem Licht "gesättigt"
ist und man anschließend noch eine winzige Dosis von blauem
Licht hinzugibt, schwellen die Deckzellen erneut für ein paar
- 2 -

�ein paar Minuten an.
Zeiger schließt daraus, daß nicht nur
Chloro phyll, sondern auch ein weiterer Photorezeptor auf dieses
blaue Licht reag iert.
Die V erfeinerung der Untersuchungsmethode gab Zeiger und Mitarbei tern die Möglichkeit, die Reaktionsweise der St omata bei Einwirkung von blauem Li cht aufzuklären
Dies wie derum führte zur Entd eckung der "Protonenpumpe".
Manche Kollegen bezweifeln, so Zeiger, daß den DeckzellenChloroplasten überhaupt eine Funktion zukäme. Vielmehr würden
sie nur als Überbleibsel aus einer sehr frühen Periode der Evolution betrachtet. Prof. Zeiger meint jedoch, daß sie nach wie
vor eine wichtige Funktion zu erfüllen haben, eben weil sie in
den Deckzellen erhalten geblieben sind. Vor kurzem gelang ihm
und seiner Mitarbeitergruppe der Nachweis, daß Deckzellen-Chloroplasten mit absorbierter
Lichtenergie
ATP(Adenosintriphosphorsäure) produzieren.
Diese Verbindung, die sich in allen
pflanzlichen und tierischen Zellen sowie in Mikroorganismen
findet, ist ein wichtiger Überträger von Energie für Stoffwechsel- und Aufbauprozesse - eine Art "Zellbrennstoff".
Zeiger
vermutet, daß die Funktion des Deckzellen-Chlorophylls darin
besteht, Energie für den elektro-chemischen Pumpmechanismus zu
liefern.
Die bisherigen Ergebnisse ihrer Forschungen wendet die
Gruppe Zeiger gegenwärtig bei Experimenten mit hawaiianischem
Zuckerrohr an, um einen höheren Ertrag zu erzielen.
Wissenschaftliche Berichte zu diesem Thema erscheinen in Kürze in den
Protokollen
der "National Academy of Science" sowie in der
Zeitschrift "Nature".

* * * * *

- 3 -

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