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                  <text>^^^^H

nroimciuon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

4 . Dezembei

48

1985

[ N h A L T

DOKUMENTATION
Hochtechnologie:

Die neue industrielle Revolution

- Von Botschafter Richard R. Buit -

WISSENSCHAFT JND TECHNIK
Monteure im Raumanzug
- ATLANTI5-Unternehmen bereltetf

wichtige Zukunftspro jek 1 e

vor * * * * *

Um Über/endung von
ßckgcHcmpIcwcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�4. Dezember 1985

48

HOCHTECHNOLOGIE:

DIE NEUE INDUSTRIELLE REVOLUTION

- Von Botschafter Riciard R. Burt -

FRANKFURT
- (AD) - Der Botsch ifter der Vereinigten Staaten
vcn Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Richard R. Burt,
hat am 4. Dezember 1985 vor der Am jrikanischen Handelskammer in
Frankfurt ausführlich über die \ erausforderung der modernen
Hochtechnologie für die heutige G esellschaft gesprochen.
Die
durch die Hochtechnologie herbeige führte Revolution habe nicnt
nur tiefgreifende Auswirkungen au f die Beziehungen der Industriestaaten untereinander und zi i den neuentstehenden Industrieländorn, sondern auch auf das Verhältnis zwischen Ost und
West. Dia Vereinigten Staaten unc die Bundesrepublik Deutschlc-nd, so erklärte Botschafter Burl , "sind führend in der Welt
auf technologischem Gebiet, und wi : müssen diese führende Rolle
dazu nutzen, die sozialen und wirt schaftlichen Probleme unserer
demokratischen Gesellschaften zu li isen." Der Erfolg dabei werde' unseren Wohlstand und unsere Sic herheit stärken.

Die Ansprache des amerikanischen Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:
Schon bald nach meiner Ankunft in Bonn bat mich der Präsident dieser angesehenen Organisation, Fred Drake, Ihr Ehrenpräsident zu werden. Ich habe gern angenommen. Ich betrachte diesen Titel nicht nur als eine symbolische Ehre, die routinemäßig
je'dem amerikanischen Botschafter zuteil wird. Ich betrachte es
als eine Aufforderung, Ihre Aufgate aktiv zu unterstützen, und

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�unterstützen, und ich darf Ihnen versichern, daß Sie meine volle Mitarbeit haben werden. Ihre Präsenz hier in der Bundesrepublik Deutschland ist gut für die Bilanzen Ihrer Unternehmen
- zumindestens hoffe ich es. Amerikanische Investitionen bringen auch über eine Million Arbeitsplätze für die deutsche Wirtschaft. Das ist eine Leistung mi1. wichtigen wirtschaftlichen,
sozialen und politischen Folgen, auf die wir alle stolz sein
können.
In einem größeren Zusammenhang gesehen ist Ihre Präsenz hier auch eines der wichtigs:en Bande, die unsere beiden
Länder miteinander verbinden.
Ich möchte, daß dieses Band erhalten und gefestigt wird.
In früheren Reden habe ich der gegenwärtigen Stand der BeZiehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepub u k Deutschland als eine "reife Partnerschaft" bezeichnet,
Mit der jüngsten Erneuerung des amerikanischen Selbstbewußtseins ging hier in Deutschland eir wachsendes Vertrauen in die
wirtschaftliche Stärke und die po Litische Stabilität der Bundesrepubl:.k einher. Die Vereinigt en Staaten sind heute bereiter als in der Vergangenheit, ihre Macht und ihre Verantwortung
zu teilen. Wir Amerikaner sind we Tiger geneigt, einseitige LöSLingen der Weltprobleme zu suchen
Die Bundesrepublik ihrerseits ist eher bereit, sich als ei 1 führendes Mitglied der Völkergemeinschaft zu sehen. Die Deu tschen sind weniger in ihren
eigenen Angelegenheiten befangen, Ich möchte wünschen, daß wir
in diesem Geiste zusammenarbeiten, um kreativ auf die Herausforderungen des Wandels in der hei tigen Welt zu reagieren. Ich
möchte mi :h in meinen heutigen Au&lt; führungen auf eine der wichtigsten dieser Herausforderungen l onzentrieren:
Die Hochtechnologie.
Ich brauche einer Zuhörerschaf t von führenden Wirtschaftsleuten nicht zu sagen, daß wir m itten in einer rasch und in
viele Richtungen voranschreitenden wissenschaftlichen und technologischen Revolution stehen, d Le unsere Volkswirtschaften,
unsere Gesellschaften und unser tä gliches Leben verändert. Sie
sind diejenigen, die computerges :euerte Werkzeugmaschinen in
de;n Produktionsprozeß einbauen. £ ie sind diejenigen, die Computer an das Fernmeldenetz angesch ;lossen und radikale Veränderungen in unserer Arbeits- und Le bensweise vorgenommen haben,
Sie sind diejenigen, die die pharm azeutische, chemische und Lebensmitteiindustrie durch Biotechni k verändern werden.
Angst vor dem Neuen
Ich brauche Ihnen auch nicht ?u sagen, daß viele Leute im
Westen diese neue wissenschaftliche und technologische Revolution auch mit gemischten Gefühlen betrachten. Daß die Einführung neuer Technologien Gefühle der Angst und Entfremdung hervorrufen können, ist nichts Neues.
Die Menschen machen sich
Sorgen, daß sie ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Sie ha- 2 -

�Sie haben auch tieferliegende Befürchtungen, daß die Gesellschaftsordnung, die sie kennen, zerbrechen könnte - daß sie irgendwie die Fähigkeit verlieren konnten, ihr eigenes Leben zu
bestimmen. Wir alle erinnern uns an die Maschinenstürmer, die
die neuen Textilmaschinen zerschlugen, die Anfang des 19. Jahrhunderts in den englischen Midlands eingeführt worden waren.
Die heute in der Bundesrepublik zum Ausdruck gebrachten Befürchtungen mögen nicht so heftig sein, aber sie sind trotzdem
real und sie kommen auch in anderen Industriestaaten zum Ausdruck. Die Leute sagen, verstärkt? Automation bedeutet Verlust
an Arbeitsplätzen. Wenn man am Fließband gearbeitet hat, dann
kann man nicht lernen, Software zu entwickeln. Fabriken werden
schließen.
Ganze Gemeinden werden leiden.
Die biotechnische
Revolution läßt auch Besorgnisse bezüglich der öffentlichen Sicherheit und grundlegendere moralische Zwangslagen aufkommen.
Die neue Informationstechnologie fordert unsere Fähigkeit heraus, geistiges Eigentum zu schützen. Sie dringt in unsere Privetsphäre ein.
Ich vernehme auch allgemeinere mehr ins Philosophische gehende Fragen bezüglich der Auswir &lt;ungen der neuen Technologie
auf unsere gesellschaftlichen und politischen Systeme. Bedeutet die Forderung nach höchstkomp] izierten technologischen Fahigkeiten, daß unsere Gesellschaft elitär wird? Wie fair ist
die Verteilung der Erträge?
Wie sehen jene mit technischer
Ausbildung die politischen und v irtschaftlichen Trends, die
sich aus der Technologie ergeben? Wie sehen Politiker und Regierungsvertreter - selbst Botschal 'ter - , die keine technische
Ausbildung haben, die Kräfte des V andels in der heutigen Welt?
Wenn unsere führenden Persönlichk eiten schon Probleme haben,
wie geht es dann dem durchschnittli chen Wähler?
Regierungen und Meinungsmacher fürchten auch, daß ein anderes Land die Führung in der modernen Technologie übernehmen
könnte und sie in wirtschaftlicher Stagnation oder sogar sozialem Niedergang zurücklassen könnte.
Noch vor wenigen Jahren
wurde in weiten Kreisen der Bundesrepublik diese Befürchtung
zum Ausdruck gebracht. Sie kam gf.nz besonders deutlich in einem Buch mit dem Titel "The World After Oil" (Die Welt nach dem
öl), von Bruce Nussbaum, einem amerikanischen
Journalisten
deutlich, der 1983 schrieb: "Die technologische Grundlage, auf
die sich das deutsche Wirtschaftsvunder stützte, veraltet mehr
und mehr... Westdeutschland ist heute ein Land, das voll Vertrauen durch das 20. Jahrhundert ueht und sich überhaupt nicht
über die wirtschaftliche Katastropie im klaren ist, der es bereits ausgesetzt ist". Die Befürchtung, zurückzubleiben, ist
nicht auf Deutschland beschränkt.
Es gibt vielmehr eine Art
Pyramide von Besorgnis. Die Amerikaner sorgen sich darum, mit
Japan Schritt zu halten. Die Deutschen sorgen sich darum, mit
Japan und den Vereinigten Staaten Schritt zu halten. Die Franzosen und die Briten sorgen sich darum, mit Japan, den Vereinigten Staaten und Deutschland Schiritt zu halten usw. Ich fra- 3 -

�Ich frage mich, um wen sich die Japaner Sorgen machen - wahrscheinlich um Korea, Singapur und Taiwan.
Die durch die Hochtechnologie herbeigeführte Revolution hat
tiefgreifende Auswirkungen nicht nur auf die Beziehungen zwischen der Industriestaaten und ihren Konkurrenten unter den
neuentstehenden Industrieländern, sondern auch und vielleicht
am tiefgreifendsten auf das Verhältnis zwischen Ost und West.
Wenn Amerika sich Sorgen über eine mögliche japanische Führungen in der Technologie macht, wenn sich Deutsche über eine mögliche japanische und amerikanische Führung Sorgen machen, dann
darf man sicher sein, daß die Sowjetunion sich Sorgen über die
sehr viel größere und immer größer werdende Kluft zwischen sich
und den westlichen Nationen insgesamt macht.
Es ist einfach eine Tatsache, daß das sowjetische System,
ohnehin nicht besonders wettbewerbsfähig, selbst auf den Gebieten der Schwerindustrie, ganz abgesehen von der Landwirtschaft,
ganz besonders ungeeignet ist, mit der neuen technologischen
Revolution Schritt zu halten.
Dieses System ist nicht besonders ermutigend für Innovation, Unternehmertum und Risikofreudigkeit, die die heutigen
technologischen Durchbrüche hervordringen, und sie kommerziell
nutzbar machen.
Und in gleicher Weise sind die Gebiete, auf
denen diese Durchbrüche stattfinden - beispielsweise Mikroelektronik und Informationssysteme - gerade jene, die eine Verbreitung von Information und den EntScheidungsprozeß erleichtern
und voranbringen - Dinge, die im Gegensatz zum sowjetischen System stehen.
Wenn man von dem seit langem bestehenden Streben der Sowjetunion zur Aufrechterhaltung e.ner Verteidigung gegen ballistische Raketen ausgeht, dann dürfen wir sicher sein, daß ihre Ablehnung der Strategischen Verteidigungsinitiative Präsident Reagans nicht aus der Ablehnung des Konzepts der strategischen Verteidigung an sich entspringt. Diese Ablehnung entspringt vielmehr der Befürchtung diBr Sowjets, daß die technologischen Fähigkeiten des Westens diesem einen Vorsprung auf diesem Gebiet erlauben könnten. Und vielleicht macht man sich in
Moskau auch darüber Sorgen, daß dss SDI-Programm der technologischen Kapazität des Westens auch auf anderen Gebieten einen
Auftrieb geben könnte.
Der Westen mußte bereits den materiellen und personellen
militärischen Vorsprung der Sowjet;, durch die Aufrechterhaltung
eines qualitativen Vorsprungs in militärischem Gerät ausgleichen.
Die neuesten Technologien bieten uns die Möglichkeit,
diesen Vorsprung aufrechtzuerhalten.
Auf lange Sicht könnte
man hoffen, daß die jüngste Revolution in der Technologie und
der sowjetische Wunsch, auf diesen Gebieten wettbewerbsfähig zu
werden, auch sie zu einem offeneren, dezentralisierteren und
flexibleren Wirtschafts- und Gesellschaftssystem führen werden,
wie es offensichtlich China jetzt anzustreben scheint.
Falls die

�Falls die Sowjetunion sich zu solchen wirtschaftlichen und
sozialen Reformen entschließen könnte, würden sich die Möglichkeiten für den Ost-West-Handel zweifellos vergrößern.
Solange
jedoch die Sowjetunion westliche Interessen bedroht und einen
solch großen Teil ihres Reichtums und ihrer internen Anstrengungen dem militärischen Sektor widmet, müssen wir den Technologiefluß kontrollieren und verhindern, daß die Errungenschaften westlichen Erfindergeistes gegen uns gerichtet werden.
Technologie und Fortschritt
Wenn die Technologie eine Her ausforderung unserer Ges eilscha ften darstellt, so bietet sie auch größere Möglichkei ten .
Die Geschichte hat gezeigt, daß dit? neue Technologie zwar v ielleic ht zunächst neue Eliten hervo rbringen kann, daß aber auf
lang e Sicht die Erträge - wenn sie in die Wirtschaft aufge nornmen und über die Bildungssysteme weitergegeben wird - b reit
vert eilt verden. Gestern war der Computer noch etwas für ein
Heute tre ffen
Fers chungslaboratorium oder eine Riesenfirma.
Sie ihn in den meisten Büros und in vielen Wohnungen an. Die
rieh tige Antwort auf die Herausfoi derungen der technologis chen
Revo lution besteht nicht darin, dii 5 Technologie abzulehnen oder
sich , wie das manche Leute möchtei1, sich in eine Art vori nduDie richtige Ant owrt
st rieller Vergangenheit zurückzuzi ehen.
best eht darin, die Technologie seli ist zu nutzen, um die Pro bleme z u lösen, die aufgrund des techn ologischen Wandels entste hen.
Bei der Überwindung der Besorgnisse über Verluste von Arbeit splätzen und die industriellen Verzerrungen, die durch die
tech nologische Revolution hervorgeträcht wurden, können die Indu striestaaten aus ihren gegenseitigen Erfahrungen lernen, Aus
dies em Grunde treiben wir das Arbeitsprogramm für struktur eile
Anpa ssung voran, das in der OECD in Angriff genommen wo rden
ist. Wie wir in jedem Stadium der industriellen Revolution erfahr en haben, brauchen wir uns vor dem Wandel nicht zu fü rchten. Es war ironischerweise Karl 4arx, der vorausgesagt ha tte,
daß es die industrielle Revolution sei, die jene Prosper ität
herb eiführen werde, die dafür sorgen werde, daß für eine Verbess erung der Lage der Arbeiterklasse und eine geringere R adikeli tat sorge.
Was die Besorgnis der Bundesrepublik Deutschland angeht,
mit den Vereinigten Staaten und Japan "Schritt zu halten", so
giaube ich, daß die Wirklichkeit vielschichtig ist.
Die Art
von Pessimismus, wie sie Nussbaum zum Ausdruck gebracht hat,
ist sicherlich nicht gerechtfertigt, aber ebenso ungerechtfertigt ist Selbstgefälligkeit
Seit meiner Ankunft in Bonn habe ich versucht, mich aus
erster Hand darüber zu informieren, was die Bundesrepublik
Deutschland im Bereich der Hochtechnologie unternimmt.
Im
Oktober besuchte ich das Berliner Innovations- und Gründerzent-

�und Gründerzentrum, das gemeinsam /on der Technischen Universität und dem Senat finanziert wird.
Seit seiner Gründung im
Jahr 1983 sind 26 Firmen dort eingezogen oder wurden dort gegründet, die in Bereichen wie Software, Vollautomation und
elektronische Präzisionsinstrumente arbeiten. Das ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Firmen mit einer Universität
zusammenarbeiten können. Anfang November hatte ich das Vergnügen, die Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und
Raumfahrt in Oberpfaffenhofen zu jesuchen, wo ich das hochmoderne Kontrollzentrum für die D-i. Mission besichtigte.
Erst
jüngst stattete ich der Gesellschaft für biotechnologische Forschung in Braunschweig einen Besteh ab.
Gegründet mit Hilfe
eines Zuschusses der Volkswagen-Stiftung, bietet diese Gesellschaft dis Gewähr dafür, daß der Bundesrepublik - und insbesondere dem Land Niedersachsen - der Einstieg in eines der wichtigsten Gebiete der Revolution in Hochtechnologiebereich gelingt.
Auf derselben Reise sah :.ch noch mehr Beweise dafür,
daß Norddeutschland nicht gewillt ist, bei der Hochtechnologie
gegenüber dem Süden hintan zu s ;ehen.
Bei der Krupp Atlas
Elektronik in Bremen wurden mir auf eindrucksvolle Weise die
Möglichkeiten bei der Datenverarbeitung und bei Simulatoren für
Atomreaktoren und Umweltkontrollsystemen demonstriert.
Meine Beweisführung mag anekdo :ischen Charakter haben, aber
sie war eindrucksvoller Natur und wird durch das Wirtschaftsministerium der Bundesrepublik erhärtet, das in einer Untersuchung vom vergangenen Jahr zu dem Schluß gelangt, daß die Wettbewerbslage der Bundesrepublik Deutschland insgesamt noch immer
stark ist. Die Studie zeigte, daü die Vereinigten Staaten und
Japan noch immer im Bereich Computer und Mikroelektronik führend sind, daß jedoch - bei einer breiteren Definition des Begriffs hochtechnologische Produkte - der Anteil der Bundesrepublik Deutschland am Weltmarkt stabil geblieben ist.
Was für
die Bundesrepublik gilt, würde sicherlich für Europa als Ganzes
noch eher gelten, wenn die binneiwirtschaftlichen Hindernisse
beseitigt würden und ein echter gemeinsamer Markt bestünde.
Auch eine jüngere Untersuchung der Universität Sussex
stellt einige der herkömmlichen Kritiken an der angeblichen
Schwäche Europas in Frage, den technologischen Wandel zu vollziehen und von ihm zu profitieren.
Sie zeigt, daß Europa im
Bereich Forschung und Entwicklung zwar weniger als die Vereinigten Staaten, aber mehr als Japan aufwendet.
Sie verdeutlicht, daß Europas Stärke auf dem Gebiet der Chemie und der
Kernenergie liegt und daß es bei der Metallverarbeitung und bei
Automobilen vor den Vereinigten Staaten rangiert, vor Japan
aber im Bereich der Luftfahrt und bei den Technologien zur RohstofVerarbeitung.
Überraschenderweise zeigt die Studie auch,
daß Europa bei der Kommerzialisierung neuer Software-Produkte
vor Japan liegt sowie vor den Vereinigten Staaten bei der Vollautomatisation.
Hindernisse für

�Hindernisse für das Wachstum
Wenn man einige der pessimistischeren Urteile korrigiert,
sollte man jedoch nicht die Probleme aus den Augen verlieren,
die es noch immer gibt. In den vergangenen Jahren habe ich aus
den verschiedensten Quellen von Beninderungen und Verkrustungen
gehört, die es in der deutschen Wirtschaft gibt.
Herbert
Giersch, der Direktor des Instituis für Weltwirtschaft an der
Universität Kiel prägte den Ausdruck "Eurosklerose", um die Lage zu beschreiben. Der Analyse von Dr. Giersch zufolge ist die
europäische Industrie - zum größten Teil als Ergebnis staatlicher Subventionen und gewerkschaftlicher Verkrustungen - noch
nicht in der Lage, mit dem größeren Maß an Flexibilität Schritt
zu halten, das von einem weltwirtschaftlichen Umfeld verlangt
wird, dessen Wettbewerb sich auf dramatische Weise verschärft
hat.
Auch Hans-Dietrich Genscher hat in seiner überzeugenden
Rede über die technologische Herausforderung, die er im Dezember 1983 hielt, auf einige diese]' Probleme hingewiesen - und
einige einfallsreiche Lösungen vorgeschlagen.
Vier zentrale Problembereiche
Vielfalt der Kritik heraus.

kristallisieren

sich aus der

Erstens wird geltend gemacht, daß der deutsche Unternehmer
zu mehr Vorsicht tendiert als sein amerikanisches Pendant. Man
weist darauf hin, daß Absolventen von Universitäten in der Bundesrepublik Deutschland eher geneigt sind, in eine große, etablierte Firma einzutreten, als selbst eine neue zu gründen.
Während anerikanische Unternehmer ihr Auge mehr auf eine Marktstrategie werfen, die finanziellen Gewinn abwirft, neigen Deutsche mehr dazu, dem technischen Erfolg um seiner selbst willen
nachzugehen.
Man argumentiert auch, daß deutsche Unternehmer
eher darauf hinarbeiten, bestehende Technologien noch zu perfektionieren, als neue zu erproben.
Deutsche
Unternehmer
scheinen mehr an der Sicherheit des Arbeitsplatzes interessiert
und weniger bereit zu sein, Risiken einzugehen. In der Bundesrepublik neigt man dazu, einen Fehlschlag im Geschäftsleben als
ein dauerndes Stigma anzusehen, während Amerikaner auch nach
einem Zusammenbruch wieder Mut fassen und mit der Aufmunterung,
die ihnen die Gesellschaft gibt, einen neuen Anfang wagen können. John Diebold geht in seinem Buch "Making the Future Work"
(Bewältigung der Zukunft) sogar so weit, vorzuschlagen, wir
sollten zusätzliche Anreize bieten, um Risikobereitschaft und
Experimentierfreudigkeit zu verstärken. Seinem Argument zufolge wagt beim derzeitigen System niemand, Änderungen vorzuschlagen, weil er Angst davor hat, sich lächerlich zu machen, wenn
die Dinge schiefgehen. Wir müssen, so Diebold, das Recht auf
Fehlschlag haben.
Ein zweiter Problembereich, auf den viele Beobachter hinweisen, ist ein Mangel an Mobilität der Arbeitnehmer. Wie sie
feststellen, ist die deutsche Arbeitnehmerschaft zwar hervorra-

�zwar hervorragend ausgebildet, abtir neue Arbeitskräfte einzustellen, ist wegen der hohen Löhne und der kostspieligen Sozialleistungen teuer. So wurde zum Beispiel darauf hingewiesen, daß die Lohnnebenkosten, vor allem die Sozialleistungen,
in der Bundesrepublik Deutschland 80 Prozent der Lohnkosten
ausmachen - verglichen mit 28 Prozent in den Vereinigten Staaten.
Die europäische Verpflichtung der Nachkriegszeit zur
Vollbeschäftigung war unvereinbar mit den stagnierenden Wirtschaftsbedingungen Ende der siebziger und Anfang der achtziger
Jahre. Das Ergebnis war eine zunehmende Verkrustung - der Versuch, Arbeitsplätze sogar in rückgängigen Industriezweigen zu
garantieren. Aber die vielen Erschwernisse bei der Entlassung
von Mitarbeitern erschweren den Firmen die Anpassung, insbesondere in Hochtechnologiebereichen, wo neue Produkte schon nach
einigen Jahren wieder veraltet sind.
Ein dritter Problembereich, dei 1 einige Beobachter anführen,
ist die fehlende organische Bez: ehung zwischen akademischer
Welt und Geschäftswelt.
Die deu tsche wissenschaftliche Forschung ist von höchster Qualität, aber man sagt, daß deutsche
Wissenschaftler zögern, wenn es d arum geht, Teilzeitarbeit in
Firmen zu verrichten oder eine eic ene Firma zu gründen. Darüber hinaus sagt man mir, daß viele Universitäten in der Bundesrepublik Deutschland hinsichtlich einer Zusammenarbeit mit der
Wirtschaft die Stirne runzeln, d iß Wissenschaftler, die sich
dazu entschließen, in der oder fü r die Privatindustrie zu arbeiten, oft mit Geringschätzung bet rachtet werden.
Deshalb werden neue Entdeckungen in den Primärwissenschaften oft nicht in neue Produkte umgesetzt, die wiederum zu neuen
Umsätzen und neuen Arbeitsplätzen führen würden. Die meisten
neuen Produkte erfordern eine Kombination aus wissenschaftlichem Können, unternehmerischem
Geschick und Risikokapital.
Günstigerweise teilen die meisten der großen Universitäten in
den Vereinigten Staaten diese Abneigung gegen eine Zusammenarbeit mit der Privatindustrie nicht. Infolgedessen hat die Forschung an den Universitäten auf den Märkten Früchte getragen.
Viertens und letztens wird festgestellt, daß die etablierten Geldinstitute - trotz der Tatsache, daß es in der Bundesrepublik wahrscheinlich auch keinen Mangel an Risikokapital geben
würde - dabei zögern, jungen, unabhängigen Unternehmern Kredite
zu gewähren. Risikokapital ist ein entscheidendes Element bei
der Entwicklung und der Produktion neuer Hochtechnologieprodukte, wo die Entwicklungskosten in die Millionen gehen können.
Ein ermutigendes Signal in diesem Bereich ist jedoch die sich
breitmachende Erkenntnis in Europa, daß, wie Konrad Seitz vom
Auswärtigen Amt es formulierte, das Unternehmertum in zunehmendem Maße als der Weg angesehen wird, der dazu beiträgt, uns aus
den wirtschaftlichen Schwierigkeiten herauszubringen. Ein weiteres ermutigendes Zeichen in der Bundesrepublik war die verstärkte Gründung neuer Firmen im vergangenen Jahr - 260 000

�Jahr - 260 000 - nach dem rückläufigen Trend der siebziger Jahre. Ich trete nicht dafür ein, daß die Bundesrepublik Deutschland die Vereingten Staaten kopieren sollte. Unsere Kulturen
und Gesellschaften sind unterschiedlich. Es ist nicht überraschend, daß unsere persönlichen Prioritäten sich unterscheiden.
Die Unabhängigkeit, die Risikobereitschaft und die hohe Mobilität, die für mein Land charakteristisch sind, brachten zusammen
mit ihren Vorteilen auch einige Nachteile oder zumindest soziale Kosten. In der Hochtechnologie jedoch bieten sich die Chancen in schwindelerregendem Tempo. Um sie auszuschöpfen, sollten eine Wirtschaft und eine Gesellschaft so offen und flexibel
wie möglich sein. Der Schlüssel ;:ur Fähigkeit der Bundesrepublik Deutschland zur Aufrechterhaltung einer starken Position
in der Hochtechnologie könnte daher in ihrer Fähigkeit liegen,
einige ihrer Verkrustungen zu lösen. Derlei Veränderungen werden nicht, über Nacht kommen und sie werden sicherlich nicht
leicht sein.
Und Widerstand gegen Wandel ist nicht nur ein
Problem, das sich auf die Hochtechnologie bezieht. Es bezieht
sich auf die Wirtschaft und die Gesellschaft als Ganzem. Um
ein banales Beispiel anzuführen: Ich bin erstaunt über den Widerstand, der in der Bundesrepublik bezüglich der Liberalisierung der Ladenschlußzeiten zu bestehen scheint. Was diese Angelegenheit anbetrifft, so spreche ich lediglich als ein vielbeschäftigter Konsument, der gerne mehr Geld in der Bundesrepublik ausgegeben hätte, aber bisher wenig Gelegenheiten dazu bekommen hat. Sicherlich würde jedur Wirtschaftsfachmann bestätigen, daß weniger starre Ladenschlußzeiten sowohl Verbrauch
als auch Beschäftigung steigern würde. Ladenbesitzer und die
Gewerkschaften mögen sich vor einem solchen Wandel fürchten
- aber langfristig gesehen würden gerade diese Gruppen der
deutschen Gesellschaft aus derlei Gesetzesänderungen Nutzen
ziehen.
Ich habe jetzt genug von den Problemen gesprochen, die es
bei der Hochtechnologie gibt. Ich möchte mich nun den Vorteilen zuwenden - und insbesondere den Vorteilen, die sich aus enger deutsch-amerikanischer Zusammelarbeit ergeben können. Auch
hier brauche ich mich vor dieser Zuhörerschaft nicht über die
Vorteile auszulassen, da sie Ihnen wohlvertraut sind.
Unser
Leben wird ständig durch die Vorzüge bereichert, die man sich
noch vor einer Generation nur schwer vorstellen konnte - in der
Medizin, im Fernmeldewesen, im Umweltschutz, um nur drei Beispiele zu nennen. Die Hochtechnologieindustrie wächst rascher
a.\s die traditionelleren Sektoren.
Sie ist der Schlüssel zu
unserem zukünftigen wirtschaftlichen Wohlstand.
Während die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik auf
diesem Gebiet in einem - sicherlich heilsamen - Wettbewerb stehen, arbeiten wir gleichzeitig eng zusammen.
Wir Amerikaner
möchten mit der Bundesrepublik zusammenarbeiten, weil wir ihre
Fähigkeiten kennen.
Für mich war es keine Überraschung, daß
dieses Jahr ein deutscher Wissenschaftler mit dem Nobelpreis
- 9 -

�dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde.
Wir sind uns
auch der Tatsache bewußt, daß sich die Regierung der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen eines freien Marktes bemüht, die
deutschen technologischen Fähigkeiten zu vergrößern.
Die engere bilaterale Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik stehen überhaupt nicht im
Gegensatz zur Entwicklung von engeren Beziehungen der europäischen Staaten untereinander auf diesem Gebiet. Wir begrüßen
die kooperativen Programme der Europäischen Gemeinschaft und
wir verfolgen im gleichen Geiste die führende Rolle, welche die
Bundesrepublik in der Entwicklung des Eureka-Projektes übernommen hat. Unsere bilaterale Zusammenarbeit kann von den Früchten der europäischen Initiativen profitieren, und umgekehrt.
Gleichzeitig sollten wir aber nicht vergessen, daß der Großteil
des wirklichen Fortschritts auf diesem Gebiet nicht durch Regierungsprogramme oder durch Zusanmenarbeit zwischen Regierungen bewirkt wird, sondern durch das Ausmaß, in welchem unsere
Gesellschaften Risikokapital, mobile Arbeitskraft und unternehmerischen Geist zur Nutzung des Wardeis bereitstellen.
Was die Zukunft anbetrifft, £0 sehe ich drei Gebiete der
Hochtechnologie, auf welche sich die Kooperationsbemühungen der
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik konzentrieren sollten:
bilaterale Programme, Abb&lt;.u von Handelsschranken für
Hochtechnologieerzeugnisse
und
-dienstleistungen
sowie die
Handhabung unserer Programme zur Ixportkontrolle auf eine Weise, die cen Fluß von Hochtechnoiocieerzeugnissen und -Informationen zwischen unseren Ländern nicht unnötigerweise behindert.
Unser Erfahrungsreichtum mit bilateralen Programmen ist
groß.
Der kontinuierliche Austausch von Wissenschaftlern und
Informationen zwischen unseren be.den Ländern auf Gebieten wie
Raumfahrt und Energie bis zu Gesuidheit und Verkehr wird durch
eine Reihe von Wissenschafts- und Technologieabkommen erleichtert.
Außerdem existiert eine Vielzahl von privaten Programmen. Zwei der aktivsten werden von der Alexander-von-HumboldtStiftung durchgeführt, wodurch jedes Jahr fast 200 amerikanische Wissenschaftler in die Bundesrepublik kommen.
Natürlich bildet die Raumfahrt den sichtbarsten und aufregendsten Sektor unserer Zusammenarbeit. Der besonders erfolgreiche Flug der D-1-Mission bilde :e den Höhepunkt von mehr als
20 Jahren gemeinsamer Arbeit, die in den frühen sechziger Jahren mit einem Versuchsraketenprogramm begann.
Vor mehr als
zehn Jahren startete die NASA die erste deutsche Sonnensonde
"Helios", die immer noch wertvolle Daten zurück zur Erde funkt.
Partner in einem Team zu sein, dessen Erfolg auf sich ergänzenden Fähigkeiten beruht, was im übiigen auch bei der multinationalen Spacelab-Besatzung der Fall war, bedeutete ein herausragendes Symbol gemeinsamer nationaler Talente und Ziele.
Wir
freuen uns schon auf die D-2-Mission 1988 und wir begrüßen den
- 10 -

�begrüßen den wesentlichen Beitrag zur bemannten Raumstation,
den die Bundesrepublik Deutschland über die Europäische Raumfahrtbehörde ESA zu leisten beabsichtigt.
Ein anderer Sektor, auf dem wi r eine engere Zusammenarbeit
erhoffen, ist die Strategische Ver teidigungsinitiative. Dieses
enorm komplexe Projekt, das eine A jsdehnung der Grenzen unserer
technologischen Fähigkeiten und wi ssenschaftlicher Erkenntnisse
zur Folge hat, benötigt die beste i Köpfe und die fortschrittlichsten Produktionstechniken der Welt. Wir wissen, daß diese
in der Bundesrepublik vorhanden si id, und wir hoffen, daß deutsehe Firmen und Forscher sich an d Lesem Projekt beteiligen werden. Wir sind bereit, mit der Bui idesrepublik Deutschland Vereinbarungen zu treffen, die dies ; Zusammenarbeit erleichtern
und es den beteiligten deutschen Firmen erlauben würden, den
größtmöglichen Gewinn aus dieser Be teiligung zu ziehen.
Ein zweites Gebiet der Zusam nenarbeit ist der Abbau von
Sehranken für den Handel mit Hochl echnologie. Auf einer kürzlieh abgehaltenen OECD-Konferenz t etonte die amerikanische Delegation, daß die enormen Anlau 'kosten für Innovationen in
Hechtechnologieindustrien den Zuc ang zu den internationalen
Märkten zur entscheidenden Frage m achen. Trotz dieser Tatsache
scheinen iie Schranken für den fre ien Fluß von HochtechnologieRegierungen
gütern und -dienstleistungen weit er zuzunehmen.
benutzen das Argument von der "Ind jstrie in den Kinderschuhen",
Etablierte öffentliche und
um neue Unternehmungen zu schützen
private Monopole versuchen, ihre privilegierten Positionen zu
erhalten.
In bilateralen Gespräc!ien zwischen den Vereinigten
Staaten und der Europäischen Gerne inschaft sowie in der neuen
Runde der GATT-Verhandlungen, die , wie wir hoffen, nächstes
Jahr beginnen und die die höchst wichtigen Verhandlunger über
dem Handel mit Dienstleistungen e inschließen wird, werden wir
eng mit der Bundesrepublik zusamme narbeiten, um die auf Gebieten wie Zöllen, Normen, öffentlicl ien Beschaffungen, Herkunftsnachweisen und geistigen Eigentums noch existierenden Schranken
abzubauen und in einigen Fällen gar z zu beseitigen.
In der Zwischenzeit haben wir mit bilateralen Konsulta tionen auf einem Gebiet begonnen, auf welchem amerikanische Fi rmen
mit extrem starren und restriktive n deutschen Richtlinien konfrontiert sind: dem Fernmeldewese^ i. Amerikanische Firmen wünsehen besseren Zugang zum deutsch sn Markt, die Besorgnis über
die Restriktionen der Bundespost r aben sich von der amerik anisehen Industrie auf die Administra tion und den Kongreß über tragen. Aber dies ist nur die eine S eite des Problems. Ein gr ößerer, wichtigerer, Teil liegt in c er negativen Auswirkung, die
selche Restriktionen auf die deuts che Wirtschaft haben, da sie
es für jede Firma schwieriger und kostspieliger machen auf diese;m Gebiet tätig zu sein. Die ne ]ativen Folgen für Innova tion
und wirtschaftliches Wachstum in D eutschland sind entsprech end.
E:.ne Runde von Informati- onsgesp rächen über dieses Thema hat
11 -

�Thema hat gestern in München begonnen. Ich hoffe, daß wir bald
Fortschritte auf diesem Gebiet erreichen können.
Was den dritten Sektor der Zusammenarbeit, die Exportkontrollen, anbetrifft, so möchte ich lediglich eine vorsichtige
Anmerkung wagen.
Die Notwendigkeit solcher Kontrollen liegt
auf der Hand.
Die Sowjetunion und ihre Verbündeten im Warschauer Pakt erwerben, und in einigen Fällen stehlen, westliche
Erzeugnisse und Technologie, mit denen sie ihr militärisches
Potential stärken können. Zum Beispiel werden einige von Ihnen
die Ähnlichkeiten zwischen der neuen sowjetischen Raumfähre und
unserer eigenen bemerkt haben. Ni n mag Nachahmung ja die aufrichtige Art von Schmeichelei sein. Wenn diese sich aber so
ausdrückt, daß unsere eigene Techrologie gegen uns selbst verwandt wird, dann kann solche Schmeichelei tödliche Folgen haben.
Die ceutsche und die amerikanische Regierung bemühen sich
ernsthaft, den Transfer solcher Guter und Technologien in den
Ostblock zu unterbinden. Wir müssen jedoch sicherstellen, daß
wir diese Kontrollen auf eine Weise handhaben, die den freien
Fluß von Handel und wissenschaftlichen Informationen zwischen
Ihrem Land und meinem nicht erstickt. Das große Interesse dieser Kammer an diesem Thema ist mir bewußt und, zusammen mit anderen Angehörigen meiner Botschaft, bin ich bereit, bei der Lösung aller auftretenden Probleme mit Ihnen zusammenzuarbeiten.
Ich möchte gleichzeitig anmerken, daß meiner Meinung nach Behauptungen, die Vereinigten Staaten benützten Exportkontrollen
zu ihrem eigenen wirtschaftlichen Vorteil oder zur Bewahrung
unserer technologischen Überlegenheit, jeder Grundlage entbehren. Amerikanische Firmen wären die ersten, die Ihnen erklären
würden, daß sie von der Art und Weise, wie die amerikanische
Regierung ihre nationale Sicherheit und ihre Exportkontrollen
handhabt, weit mehr benachteiligt werden als ihre ausländischen
Konkurrenten.
Zum Schluß möchte ich noch einnal betonen, daß ich von dem,
was ich in der Bundesrepublik Deutschland an hochtechnologischen Fähigkeiten gesehen habe, teeindruckt bin.
Franz-Josef
Strauss und Lothar Späth haben mir ihre Politik in Bayern und
Baden-Württemberg erläutert und, wie ich vorhin schon einmal
betonte, aufregende Entwicklungen finden nicht nur im Süden
dieses Landes statt. Der Bürgermeister von Hamburg, Klaus von
Dohnanyi, ermutigt Privatfirmen zur Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der neuen Technischen Hochschule dieser Stadt, um
die örtliche Wirtschaft zu stärken.
Als amerikanischer Botschafter würde ich es begrüßen, wenn sich die wirklich vorhandenen Stärken der Bundesrepublik auf diesem Gebiet vergrößern
würden - durch Lösung von Verkrustungen, durch die Innovationen
erstickt werden können, und durch Steigerung der zwischen unseren Ländern existierenden beiderseits vorteilhaften Zusammenarbeit. Ich fände dies gut, nicht nur weil die Deutschen unsere
Freunde sind und wir ihnen Erfolg wünschen. Die Bundesrepublik
- 12 -

i

�Die Bundesrepublik Deutschland ist auch ein führendes Mitglied
der Welthandelsgemeinschaft und des Atlantischen Bündnisses.
Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik sind führend in
der Welt auf technologischem Gebiet, und wir müssen diese führende Rolle dazu nutzen, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme unserer demokratischen Gesellschaften zu lösen.
Die
Wirtschaft muß bei dieser Zusammenarbeit in der vordersten
Front stehen. Ihr Erfolg auf diessm, wie auf anderen Sektoren,
wird unseren Wohlstand und unsere Sicherheit stärken.

* » * * *

- 13 -

�4. Dezombe N 1935

46

MONTEURE IM RfUMANZUG
ATL^NTI5-Unternehmen bereitere wichtige lukuiftsprojekte

voi -

- (AD' - Ein 14 m hohes Gerüst aus 95 Alumir iumiohren und
33 Verbintiung:;gelenken sowie eine auf dem Kopf stehende Pyramide aus 3,6 m langen Aluminiumst relien waren die eisten "Bauwerke", die Astronauten im Weltcaum montieiten und anachl eßend
wieder zerlerten.
Die Versuche wurden mehrmals wledeholt,
schließlich alle Teile zur Erde zui ückcjebrccht.
Beim zweiten Einsatz des amerikanischen Raumtranspnrters
ATLANTIS .26. November bis 3. Dezember 19B5) mit einer s ebenkepficen Besatzung an Bord ging es u.£. dsrum, wissenschaftlich
verweitbaie Daten für das menschliche; Leistungsvermögen unter
extrenen Bedingungen zu bekommen.
Außerdem wurden erstmals
"vor Ort" Techniken im Zusammen!-ang mit Montagearbeiter erprobt, die; in den neunziger Janren beim Aufbau der ernten, permanent besetzten Raumstation erforcerlich sein werden.
Mit S' ereoaufnahmen von Jerry Ross und Sherwood Sprint' während i.hre:: jeweils sechsstündigen Außenarbeiten in und ze tweise außerhalb der offenen Ladebucht der ATLANTIS, sollte jede
Körperbewegung der beiden Astronaiten erfaßt werden. D e m allein schon Belegungen und Körperhaltung lassen Rückschlüsse ajf
Kraftaufwand, bestmögliche Position oder auch Schwierigkeiten
beim Zusanmenfügen großer Teile im freien Raum zu - von Kommentaren der Astronauten, die ebenfalls aufgezeichnet, wurden, einmal ganz angesehen.
Axbeit sphysio.logen, Mediziner und Ingenieure brauchen Anhaltspunkte dafür, wie sich körperliche Arbeit im Weltraun ganz

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Weltraum ganz allgemein auf den menschlichen Organismus, auswirkt. Wie groß ist die tatsächliche BeLastung, wie groß das
Leistungsvermögen der Monteure im Raumanzug? Wann oder wodurch
kommt es zu Ermüdungserscheinungen?
Wie werden diese erkennbar, *ie wirken sie sich aus? Beispielsweise spürten Roas und
Spring an Ende der ersten sechsstündigen Außentätigkeit kaum
mehr :.hre Hände - höchste Zeit zur Rückkehr in die Kabine.
Exakte Synchronisation der i'ernsehkamer as zur ständigen
dreidimensionalen Beobachtung dei zwei Astronauten war eine
Methode von vielen, um Störungen bei den Arbeiten im Weltraum
zu erpass3n und später zu analysieren. Die in der Flugleitzentrale Hoistor aufgezeichneten Bi!der werden u.a. benut?t, um
Computermodel Le zum Kraft- und Zeitaufwand für die Durchführung
spezielle: Ajfgaben auszuarbeite 1.
Sie sollen helfen, die
bestgeeignete i Ausrüstungen für den Bau großer Strukturen im
A I sowie für sichere und optimale Montageverfahren zi entw. cke n.
Das Kernstück der künftigen Faumstation wird aus meoreren
D.'ucknodu Len zusammengesetzt.
S:e dienen als Wohnguartiere,
Laboratorien und Lager. Die Segmente dazu werden, wie auoh die
meisten zusätzlichen Komponenten, mit Raumtransportern in die
vorgesehene Umlaufbahn gebracht urd dort nont.iert. Die Bahnhöhe der Raumstation liegt allerdings ein paar Hundert Kilometer
über jeneT von ATLANTIS während der Montageexperimente, die
Ross und Spring ca. 340 km über de~ Erde ausführten.
Bei ihrem Jungfernflug (3. - 7. Oktober .'985) hatte ATLANTAS mit !&gt;15 -&lt;m den oisher größte! Erdabstand eines amerikanischen Ratmtrcnsporters erreicht.
Damals wurden bereits Flugtechniken erprobt, die für das Absetzen des rrehrere Tonren
sehwe~en Weltraumteleskops Mitte rächsten Jahres in fast 600 km
Höhe erforderlich sind. Von diesem Instrument, an dem länger
a.'.s ein Jahrzehnt gearbeitet wuroe, versprechen sich Astrophysiker in aller Welt wesentliche Fortschritte für die Erforschung de5 Universums.
Nachrichtensatellit auf Vorrat
Die ATLANTIS-Besatzung unter Kommandant Brewster H. Shaw
und Filot Bryan O'Connor hatte diesmal ein &lt;;ehr umfangreiches
Programm zu bewältigen. Schon wenige Stunden nac;a dem Start in
Kap Canaveral wurde der erste v Dn drei Nacnrichtensatelliten
aoges^tzt. Es war MORELOS-B, der im Auftrag der mexikanischen
Regierung gestartet wurde. In deo zwei nächsten Tagen folgten
AUSSÄT II für Australien und SATi:0M K-2 für das amerikanische
Fernm?ldejnternehmen "RCA American Communications Inc.".
Bai SATCOM K-2, einem Objekt im Wert von 50 Millionen Dollnr, hancelte es sich um den ersten kommerziellen Satelliten,
- 2 -

�kommerziellen Satelliten der nicht versichert war.
Wäre es,
wie s:hon mehrfach geschehen, zu einer schwerwiegenden Panne
gekomrren, hätte RCA das Verlustrisiko selbst tragen müssen.
Wie e;.n Sprecher der RCA vor dem Start erklärte, habe man sich
für diesen Modus entschieden, well angesichts der häufigeren
Inanspruchnahme der Versicherunger in jüngster Zeit diese die
Piämien von sechs bzw. acht Prozent des Objektwertes, wie vor
zvei Jahren noch üblich, auf 30 Prozent angehoben hätten.
De s Absetzen des 630 kg schweren MORELOS-B wurde ven Dr.
Rodolfo Neri Vela, dem ersten mexikanischen Astronauten an Bord
einer amerikanischen Raumfähre, überwacht. Dieser zweite Nachrichtensatellit für das Land Mexiko wird allerdings erst In ca.
drei Dahren in Betrieb genommen.
Bis dahin hält man ihn auf
seinei "Parkbahn" in Reserve. Er soll dann als Relaisstation
an Himmel in ständiger Verbindurg mit 12 Erdefunkstellen im
Fe'rnmeldedien:;t des Landes für Telefongespräche, Funk- und
FeTnsehsendungen, Faksimileübertregungen und die Übermittlung
ge'sche ftl:.cher Daten eingesetzt werden.
Die Regierung entschloß sich zum "Start auf Vorrat", weil in drei Jahren die
Transportqebühren etwa das Vierfache der zehn Millionen Dollar
betragen dürften, die sie jet^t ZJ entrichten hatte. Übrigens
wfir mit Rücksicht auf das Einsteiern dieses Satelliten in die
für ihn vorgesehene Bahn die Raunfähre ATLANTIS in der Nacht
geistartet worden - der zweite: Nechtstart, den die NASA seit
Aufnahme der Raumtransporterflüge .m April 198L ansetzte.

i

Während seines ersten Raumfluges führte Vela, von Hause aus
promovierter Physiker und Elektroniksoezialist, im Auftrug mex;.kan:.scher Wissenschaftler auch eine Reihe von medizinischen
und biologischen Experimenten durch. So betreute er u.a. eine
Studie zur Messung der Aufnahme /on Nährstoffen durch Bohnenpflanzen. Mit einer Spezialkamera machte er Aufnahmen von Mex:.ko sowie, für Geophysiker, von den vom jüngsten Erdbeban besonders hart betroffenen Regioner.
Von einem Teil der Fotos
e'hof*t man sich Hinweise auf noch unbekannte Mineralvorkommen
sowie auf Art und Umfang der Vegetation in weiten Teilen des
großen, oft nur schwer zugänglichen Landes. Vielleicht bringen
d .e Aufnahmen auch neue Informationen zur D/namik der Meere,
von denen Mexiko umgeben ist.
Auch Afrika wurde unter die Totolupe genommen. Mit einer
optisch besonders leistungsstarken Kamera fotografierte die
Astroiautin Mary Cleave während des ATLANTIS-Fluges immer wieder den riesigen Kontinent.
Bei der Bildauswertung geht es
hauptsächlich um noch unentdeckte Wasservorkonmen an oder unter
der Oberfläche.
Zeitweise konzentrierten sich die Aufnahmen
ganz auf Äthiopien und Somalia, *o katastrophaler Wassermangel
herrs :ht.
Selbstversuche
- 3 -

�Selbstversuche
Mit Spannjng werden die Ergebnisse einer Serie von Selbstversuchen erwartet, die Neri Vela im Auftrag mexikanischer Mediziner mit einem Gerät für Elektroakupunktur durchführte.
D&amp;s Experiment sollte helfen, herauszufinden, ob oder inwieweit
die Akupuokturmethode zur Bekämpfung der Raumkrankheit anwendbar ist. Da;; schon seit 400D Jahren im chinesischen Kulturkreis übliche Verfahren, mit dem durch Einstechen dünner Nadeln
an gaiz bestimmten Punkten in die Haut gestörte Regulationskreise im merschlichen Körper wiederhergestellt werden sollen,
findet inzwischen hier und dDrt auch Anwendung in der westlicher Medizin.
Eine der abgewandelten neuen Formen ist die
Eiektio-Akupunktur, bei der über die Nadeln schwache Stromstöße
in de i Körper geleitet werden. Sie sollen die Normalisierung
gestöiter Regjlationen unterstützen. Das Verfahren wird in bestimmten Fällen z.B. zur Schmerzbekämp *ung eingesetzt.
Etenfalls um die Raumkrankheic ging es hei einem medizinischen Experiment, an dem Vela und Dr. Charles Walker (von der
Firma McDonneLl Douglas) teilnahmen. Beide testeten im SelbstVersuch zuei Medikamente gegen die Bewegungskrankheit (T/lenol
und Seopedex) in verschiedener Dosierung. An Hand von Blutproben, die sie sich gegenseitig ahnahmen, soll u.a. ermittelt
werder, ii
welchem Umfang die Medikamente unter Weltraumbedingunger von Blut absorbiert werden.
Industrie setzt auf Biotechnik
Mit drei biotechnischen Experimenten waren die amerikanischen Firmen McDonnell Douglas und "3M Company" dabei. Dr.
Charles Walker, der jetzt zum dritten Mal an einem Raumflug
teilnahm, betreute sowohl das Elektrophorese-Experiment, das
seine Firma nun schon zum siebenten Mal im Weltraum durchführen
ließ, als auch das 3M-Experiment zur Züchtung organischer Kristalle.
Das 1stztgenannte Verfahren wurde vor einem Jahr zum ersten
Mal im Weltraum erprobt. Die 3M-Wissenschaftler hoffen, jetzt
mehr organische Kristalle höchster Reinheit zu bekommen.
Sie
sollen für "optische Schalter" sowie in Computern verwendet
werden können, in denen Informationen mit Licht anstatt mit
elektrischem Strom verarbeitet werden. "Hier auf der Erde wird
die Ausbildung solcher Kristalle von der Gravitation beeinträchtigt", sagt Christoph Chow, der Leiter des 3M-Laboratoriums für Weltraumforschung.
"Sie fallen im Reaktor, in dem sie
wachsen sollen, zu Boden und verklumpen dort wie Kohlestücke im
Ofen.
In der Schwerelosigkeit dagegen wächst jeder einzelne
Kristall voll aus, ohne mit anderen Kristallen zu verbacken.
Und die Moleküle, aus denen sich die Kristalle aufbauen, setzen
sich präzise an den ihnen zukommenden Stellen an." Diese prä.. 4 _

�Diese präzise Molekülorientierung sei eine ideale Vorbedingung
zur Übertragung von Signalen mit Licht. Nach Meinung mancher
Fachleute dürfte bereits die nächste Computergeneration mit Materialien ausgerüstet sein, die Informationsverarbeitung durch
optische Signale ermöglichen.
Schlagzeilen macht jedoch das Elektrophorese-Experiment der
Firma Mcfonnell Douglas.
Das Geheimnis um das Hormon, das
durch die Gewinnung im Weltraum in ausreichenden Mengen für medizinische Zwecke verfügbar würde, ist gelüftet:
Es handelt
sich jm Erythropoetin.
Dieses vorwiegend in Niere und Leber
ei zeugte Hormon regt die Bildung und Freisetzung von Pro-Erytfrozyten (Vorstufe für rote Blutkörperchen) im Knochenmark an.
Wenn sie von dort ausgeschwemmt sind, reifen sie innerhaLb weniger Tage im Blut zu Erythrozyten heran.
Eryth'opo Btin wäre in vielen Situationen von großer Bedeutung •• angefangen vor der Vorbereitung eines F'atienten auf eine
Operation, un eventuell Bluttransfusionen überflüssig zu machen, bis zur Dauerbehandlung von anämischen Personen, deren
Körper z.3. infolge bestimmter Schädigungen der Nieren da- Hormon nur unzureichend produziert.
Heute sind solche Patienten
noch auf regelmäßige Bluttransfusionen angewiesen. riies birgt
aber manche Cefahren in sich, die be'. Verfügbarkeit von hochreinem und kostenmäßig erschwinglichen Erythropoetin vernieden
wi rden.
Die Reinh eit des Produkts.die bei Gewinnung durch Elektrophorese im W eltraum nach Angaben des McDonnell Douglas-Forsc hungsteams zu fast 100 Prozent garantiert werden könne, ist
ein ganz wie!" tiger Faktor. Er spielt vor allem bei Patienten
eine Rolle, i Jie Langzeitbehandlung brauchen.
Aufgrund der im
Verlauf von e echs Raumflügen bei McDonneJl Douglas gesammelten
Ei fahrungen k önne gesagt werden, daß der Reinheitsgrad viermal
giößer ist al s bei Produkten aus stationären Laboratorien, und
deß die Ausbe ute im Weltraum bei Anwendung der ElektrophoreseMethode mit k ontinuierlichem Materialfluß bis zum 700fachen der
menge betrage n kann, die unter irdischen Schwerebedingunnen zu
ej zielen sei. Erythropoetin werde bisher vor allem deshalb reletiv wenig ;ingewandt, weil bei den herkömmlichen Gewinnungsve rfahren Net enprodukte, die dem Körper schaden, nicht ausgefiltert werde n können. Mitte nächsten Jahres werde ein neues
S} stem in der Weltraumproduktion verwendet, das wegen seiner
Gxöße nicht m ehr im Mitteldeck des Raumtransporters, sondern in
de r Ladebucht installiert werden müsse.
Es soll /4ma: leist ungsfäh iger sein als das jetzige.
Die Mikrobiologen und Biochemiker von McDonnell Douglas
kc nzentrieren sich auf der Suche nach einem geeigneten Hormontiäger auf eine Zelle, die mit gentechnischen Methoden in Mengen reproduzierbar ist, die für die Extraktion des Hormons genügend "RDhstoff" darstellen. Dank dieser Technik ergeben sich
- 5 -

�ergeben sich neue, vielversprechende Aspekte für die Medizin
- wenn es nämlich gelingt, Hormone oder F3roteine, die der gesunde Körper selbst produziert, d.e aoer bei bestimml.en Krankheiten fehlen, in der Schwerelosigkeit als reines Produkt zu
gewinnen und für therapeutische Zwecke verfügbar zu machen.

* * * * *

•

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