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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

13. November 1985

45

INHALT

DOKUMENTATION
Ansprache von US-Präsident Reagan an das sowjetische Volk
- Wortlaut -

Interview von Präsident Reagan mit sowjetischen Journalisten
- Vollständiger Wortlaut -

INFORMATION

Reagan nominiert neuen US-Gesundheitsminister

* * * * *

Um Über/endunQ von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�13. November 1985

45

ANSPRACHE VON US-PRÄSIDENT REAGAN AN DAS SOWJETISCHE VOLK
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat im Rahmen seiner regelmäßigen Rundfunkansprachen an das amerikanische Volk am 9. November
1985 die Gelegenheit benutzt, um über die Stimme Amerikas (Voice of America - VOA) direkt zum sowjetischen Volk zu sprechen.

Die Ansprache, zu

der ausnahmsweise auch das amerikanische Fernsehen zugelassen war, wurde
über das internationale

Fernsehprogramm

des US-Informationsamtes (U.S.

Information Agency - USIA) "Worldnet" an 50 Länder der Erde ausgestrahlt.
Reagan betonte, die Bevölkerung der Sowjetunion und das amerikanische
Volk müßten in Frieden zusammenleben, die Kernwaffen beseitigen, gemeinsam gegen

den Terrorismus kämpfen

und regionale Konflikte

lösen.

Ein

Atomkrieg, so unterstrich der amerikanische Präsident erneut, könne niemals gewonnen und dürfe niemals geführt werden.

Das Ziel sei eine siche-

rere Welt, in der die Menschen vor Nuklearraketen geschützt seien.

Von

seinem Treffen mit dem sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow erhoffe
er sich bessere Beziehungen zwischen beiden Regierungen.
Die Ansprache

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Meine amerikanischen Mitbürger,

wir erweitern

heute das Format unserer Rundfunkansprache.

In den

nächsten zehn Minuten werde ich über die Stimme Amerikas zu den Bürgern
der Sowjetunion über das kommende Gipfeltreffen in Genf sprechen.

Meine

Worte sind an sie gerichtet, aber ich möchte, daß auch Sie hier hören,
was ich sage.

Meine Ansprache wird auch über das Fernsehnetz "Worldnet"

in über 50 Länder übertragen.

Also guten Abend.

Aus Washington spreche ich, Ronald Reagan, Präsi-

dent der Vereinigten Staaten zu Ihnen über mein bevorstehendes Treffen
mit Generalsekretär Gorbatschow in Genf und meine Hoffnungen auf ein besseres Verhältnis zwischen unseren beiden Regierungen.

Ihre Führer können sich frei im amerikanischen Rundfunk und Fernsehen
äußern und sich von unseren Zeitschriften und Zeitungen interviewen lassen.

Ich bin sehr dankbar für meine kürzliche und seltene Gelegenheit,

mit Vertretern der sowjetischen Presse zu sprechen.

Ich schätze das zwar

sehr, aber in der Iswestija wurden nur Teile des Interviews abgedruckt,
und vieles von dem, was weggelassen wurde, halte ich für wichtig.

Und so möchte ich mich persönlich als Ehemann, Vater und Großvater an
Sie wenden, die Sie unsere tiefsten Hoffnungen teilen - daß alle unsere
Kinder in einer Welt des Friedens leben und gedeihen können.

Ich bin in einer kleinen Stadt im Herzen Amerikas aufgewachsen, wo
Werte wie Glaube an Gott, Freiheit, Familie, Freunde und die Sorge um den
Nachbarn von allen geteilt werden - Werte, die auch Sie teilen.

Während

meiner Schulzeit habe ich in den Ferien gearbeitet; eine Zeitlang auf dem
Bau und dann mehrere Sommer lang als Rettungsschwimmer in einem Schwimmbad an einem Fluß.

Nach Beendigung meiner Ausbildung wurde ich Sportre-

porter beim Rundfunk und über diese Tätigkeit kam ich als Schauspieler
nach Hollywood, wo ich zum Vorsitzenden unserer Schauspielergewerkschaft
- 2 -

�unserer Schauspielergewerkschaft gewählt wurde.

Ich bin der einzige Prä-

sident der Vereinigten Staaten, der auch Präsident einer Gewerkschaft war.

Zunächst hatte ich nicht die Absicht, mich in der Politik meines Landes zu engagieren.
Möglichkeiten.

Aber Amerika ist ein großes Land voller Chancen und

In den späteren Jahren, einschließlich meinen Jahren als

Gouverneur des Bundesstaates Kalifornien und als Präsident, habe ich niemals die Werte vergessen, die ich als Kind kennengelernt hatte.

Und mei-

ne amerikanischen Mitbürger haben sie ebenso wenig vergessen.

Ich weiß wohl, daß in Ihrer Presse viel über die feindseligen Absichten Amerikas gegen Sie geschrieben worden ist.
rungen zurück.

Ich weise diese Verzer-

Wir Amerikaner sind ein friedliebendes Volk.

hen Ihr Land nicht und werden es nie bedrohen.

Wir bedro-

Das amerikanische Volk

ist tolerant, nicht leicht erregbar, aber unerschütterlich in der Verteidigung seiner Freiheiten und - wie Sie - in der Verteidigung seines Landes.

Mehr als einmal haben sich unsere beiden Länder gegen einen gemeinsamen

Feind

zusammengeschlossen.

Während

unseres

Unabhängigkeitskrieges

hat Rußland die fernen amerikanischen Kolonisten unterstützt.

Anderthalb

Jahrhunderte später vereinten wir uns, um den gemeinsamen Feind Faschismus zu besiegen.

Davor waren wir im Ersten Weltkrieg Verbündete.

Schon bevor wir in den Zweiten Weltkrieg eintraten, lieferte Amerika
gewaltige Mengen an Nahrungsmitteln und Ausrüstung an jene, die gegen die
Nazis kämpften.

Wir versorgten Ihre Streitkräfte mit 14 795 Flugzeugen,

7056 Panzern, mehr als eine halbe Million Fahrzeugen und mehr als sechs
Millionen Tonnen an Lebensmitteln und Nachschub.

Amerika wird niemals den Heldenmut, den Schmerz und schließlich die
Siegesfreude vergessen, die unsere Völker gemeinsam hatten.

Ich erinnere

mich noch, wie Präsident Roosevelt das Heldentum des russischen Volkes
pries.

Wie kann heute einer von uns, der es erlebt hat, das schreckliche

Jahr 1941 vergessen, als die Nazis vor den Toren Moskaus zurückgeworfen
- 3 -

�Moskaus zurückgeworfen wurden; den Mut der Leningrader während der 900tägigen Belagerung, den Sieg von Stalingrad und unser historisches Zusammentreffen an der Elbe 1945?

Amerikaner haben vier Jahre lang an allen Fronten gekämpft und viele
liegen in Nordafrika, Europa, Burma, China, auf den Pazifischen Inseln
und auf dem Boden des Meeres begraben.

Einige liegen auch in sowjeti-

scher Erde - in dem heldenhaften Murmansk, wohin sie kostbaren Nachschub
über die gefährliche Geleitzugsroute gebracht hatten.

Und auch nach dem Sieg haben Amerikaner großzügig geholfen, die vom
Krieg

verwüsteten

Länder wieder aufzubauen, selbst die Länder unserer

früheren Gegner, denn wir hatten den Krieg gegen eine bösartige Ideologie
und nicht gegen ein Volk geführt.
len,

indem

wir

rasch

Und wir bewiesen unseren Friedenswil-

demobilisierten.

Ende

1945

verfügten wir über

Streitkräfte von fast 12 Millionen Mann; 1948 hatten wir diese Zahl auf
weniger als 1,5 Millionen verringert.

Wir waren das einzige Land, das Kernwaffen besaß.

Wir schlugen vor,

diese Waffen völlig einer internationalen Behörde zu unterstellen, damit
kein Land über eine solche zerstörerische Gewalt verfügen könnte.

Wie

schade, daß diese Idee keinen Anklang fand.

Heute stehen wir gemeinsam vor der Herausforderung, die Kernwaffen
aus der Welt zu schaffen.
wieder:

Ich habe es oft gesagt und sage es Ihnen heute

Ein Atomkrieg kann nicht gewonnen werden und darf niemals ge-

führt werden.

Ich bete zu Gott, daß wir die Welt von diesen gefährlichen

Waffen befreien können, nicht zuletzt dadurch, daß wir eine verläßliche
Verteidigung gegen sie finden.

Unsere Unterhändler in Genf bemühen sich mit Nachdruck darum, einen
Durchbruch zu erzielen.

Ich bin erfreut darüber, daß die Sowjetunion

schließlich doch auf unsere ursprünglichen Vorschläge reagiert hat.
haben

diese Reaktion sorgfältig studiert und rasch geantwortet.

Wir
Dies

sind komplizierte Verhandlungen und befriedigende Ergebnisse werden langer, schwerer Arbeit bedürfen.
Lassen Sie

�Lassen Sie mich hinsichtlich unseres Forschungs- und Testprogramms im
Rahmen der Technologien einer strategischen Verteidigung deutlich sein.
Unser Ziel ist es, die Welt durch die Entwicklung eines nichtnuklearen
Sicherheitsschildes sicherer zu machen, das die Menschen dadurch schützt,
daß es den Waffen unmöglich wird, ihre Ziele zu erreichen und hoffentlich
die ballistischen Raketen überflüssig macht.

Ihre eigene Regierung führt

seit langem bei ihren Verteidigungssystemen umfangreiche Programme durch,
modernste Forschung eingeschlossen.

Die Vereinigten Staaten stehen gerade am Anfang eines langen Prozesses der Analyse dieser Verteidigungsmöglichkeiten.

Sollte unsere For-

schung den Beweis erbringen, daß ein Verteidigungsschild gegen Atomraketen möglich ist, dann sollten, so meine ich, unsere beiden Staaten und
jene, die gleichfalls über Atomraketen verfügen, zusammenkommen und eine
Übereinkunft dahingehend treffen, wie die offensiven Kernwaffen Schritt
für Schritt beseitigt werden können, während wir unser Verteidigungssystem allen verfügbar machen.

Ja, wir sollten anfangen, über diesen Pro-

zeß bei den Genfer Rüstungskontrollgesprächen zu reden.
Wir müssen miteinander in Frieden leben.

Die ganze Geschichte Ameri-

kas ist voll des Bemühens um Frieden und um Chancen für den einzelnen
- von Pionieren, die frei sein wollten, nicht zuletzt auch frei von der
alten europäischen Ordnung.

Wir sind stolz auf die Russen, die Ukrainer,

die Juden, die Armenier und die vielen anderen, die an unserer Freiheitsstatue vorübersegelten und an unseren Küsten vor Anker gingen.
Die Vielfalt ist eine unserer größten Stärken.

Dies ist zum Teil

auch der Grund, warum wir auf andere so verwirrend wirken.

Unsere Regie-

rung wird vom Volk gewählt; sie steht weder über dem Volk noch über dem
Gesetz.

Wir sind der Überzeugung, daß man die Wahrheit durch Debatte und Diskussion findet.
nicht im Wasser."

"Die Wahrheit verbrennt nicht im Feuer und sie ertrinkt
Unser System ist oft genug für die gewählten Vertreter

unbequem, denn eine der Institutionen, auf die wir am stolzesten sind,
- 5 -

�stolzesten sind, ist die freie Presse.

Die Presse kritisiert mich, und

manchmal schmerzt das, aber dies ist ihre Rolle - unangenehme Fragen aufzuwerfen und die an der Macht Befindlichen dem Volk gegenüber rechenschaftspflichtig zu machen.

Aber niemand sollte unsere Freiheiten für

Schwäche halten.

Wir sind für den freien und offenen Dialog - nicht nur für uns Amerikaner, sondern für alle Völker.
nen.

Wir glauben an die Freiheit des einzel-

Die Glaubensfreiheit, die Redefreiheit, die Pressefreiheit

sind

- wie es unsere Unabhängigkeitserklärung besagt - unveräußerliche Rechte
aller Menschen.

Vor zehn Jahren unterzeichneten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion

zusammen mit

33 anderen Staaten

die

Helsinki-Übereinkommen.

Wir alle verpflichteten uns dazu, die Menchenrechte zu achten, unseren
Bürgern zu erlauben, frei zu reden und ungehindert zu reisen und die Kommunikation zwischen den Völkern der Signatarstaaaten zu verbessern.

Ame-

rika fordert die Führer der Staaten auf, sich an das zu halten, wozu sie
sich selbst verpflichtet haben.

Als die beiden mächtigsten Nationen der Erde sind wir es den Menschen
aller anderen Staaten schuldig, nicht nur unser Wort zu halten, sondern
dabei behilflich zu sein, friedliche Lösungen für lokale und regionale
Konflikte zu finden - in Afghanistan, in Afrika, in Lateinamerika und andernorts.
Wir müssen auch gegen den Terrorismus gemeinsam angehen.

Es gibt in

einer zivilisierten Welt keinen Raum für Morde, terroristische Bombenanschläge und andere sinnlose Gewalt.

Ich ersuche Sie und Ihre Regierung

mit Nachdruck darum, sich uns bei der Bekämpfung des Terrorismus anzuschließen und sicherzustellen, daß kein Land den Terroristen Hilfe anbietet oder Schutz gewährt.

Wir haben viel voneinander zu lernen.
hervorragenden

Persönlichkeiten

Wir Amerikaner wurden von den

Ihrer Kultur
- 6 -

um so vieles bereichert.

�vieles bereichert.
Tschechow

Mit den Werken von Tolstoi, Dostojewski, Turgenjew,

und Pasternak

Universitäten

- genau

beschäftigt

wie

man sich an vielen

amerikanische

Autoren,

von

amerikanischen
James

Fenimore

Cooper, Mark Twain, Jack London bis hin zu Ernest Hemingway und William
Faulkner in Ihrem Land populär sind.

Ich möchte erweiterte Kontakte zwischen unseren beiden großen Gesellschaften, woimmer ein gegenseitiges Interesse besteht.

Ich bin insbeson-

dere an einem verstärkten Austausch zwischen den jungen Menschen interessiert, denn sie sind unsere Zukunft.

Wir sollten einen Dialog zwischen

unseren Nationen beginnen, damit die Führungen beider Länder die gleiche
Chance hätten, sich über das Fernsehen an die Bevölkerung des jeweils anderen Landes zu wenden.

Wenn mehr Ihrer Bürger uns besuchten, würden Sie

sehen, daß unser Volk den Frieden genau so inständig wünscht wie Sie
selbst.

Ich hoffe, daß meine Gespräche mit Herrn Gorbatschow in Genf Früchte
tragen und zu weiteren Treffen in der Zukunft führen werden.

Wir erstre-

ben den Frieden nicht nur um unserer selbst willen, sondern für all jene,
die auf diesem kleinen Planeten leben.

Wir haben gemeinsame Grenzen mit drei Ländern - Mexiko, Kanada und
der Sowjetunion.

Wir sind stolz auf unsere freundschaftlichen Beziehun-

gen und auf die offenen
Nachbarn.

Grenzen mit unseren beiden

nordamerikanischen

Und ich hoffe, daß der Tag kommen wird, wenn die enge Insel-

kette, die sich von Alaska bis hin zu der Ostküte Sibiriens erstreckt,
zum Symbol der Bande zwischen unseren beiden großen Völkern sein wird
- und nicht mehr der Distanz, die zwischen uns besteht.

Jedes Ding hat seine Zeit.

Hoffen wir, während Weihnachten und das

Neue Jahr heranrücken, daß dies die Zeit des Friedens sein wird.
danke Ihnen, daß Sie mich hier bei Ihnen zu Hause empfangen haben.

Gott schütze Sie.
* * * * *

- 7-

Ich

�13. November 1985

ENTERVIEW VON PRÄSIDENT REAGAN MIT SOWJETISCHEN JOURNALISTEN
- Vollständiger Wortlaut-

WASHINGTON -• (ADi - Präsident Ronald Reagan hat am 31. Oktober 1985
vier sowjetischen Jojrnalisten im Weißen Haus ein Interview gegeben, das
air Ttontag, dem 4. November in gekürzter Form in der Regierungszeitung
Iswestija erschienen ist.

Ein genauer Vergleich des vollständigen Wortlauts und der von der sowjetischen Zeitung wiedergegebenen Fassung zeigt, daß unter anderem ausgelassen wurden
- der Appell des Präsidenten, sich ihm in der Suche nach einer defensiven, nicht zerstörerischen Abschreckung

vor einem Atomkrieg anzu-

schließen, und sein Angebot, den Sowjets und der Welt liesbezügliche
Forschungsergebnisse zur Verfügung zu stellen;

- sein Hinweis auf die Tatsache, daß den Völkern Osteuropas niemals die
Selbstbestimmung zugestanden wurde, die ihnen in Jalta zugesagt worden war;
- seine Beschuldigung,

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�- seine Beschuldigung, daß die afghanische Regierung, die die Sowjets
nach Afghanistan eingeladen habe, von der Sowjetunion eingesetzt und
später, als die Sowjets mit ihr unzufrieden waren, durch ein neues
Marionettenregime ersetzt worden sei;

- seine Feststellung, daß sich keine amerikanischen Truppen mehr auf
Grenada befinden und das Land sich selbst regiere;

- seinen Vergleich der gegenwärtigem Lage in Grenada mit der in Afghanistan nach der sechsjähr igen Besatzungsherrschaft der Sowjets;

- seinen Appell an die Sowjetunion, amerikanische Vorschläge für eine
Abschaffung der chemischen Waffsn, die Lösung regionaler Konflikte
und die Ausweitung der Kontakte zu prüfen;

- sein Hinweis, daß die Einhaltung der Menschenrechte in der Sowjetunion keine "innere Angelegenheit" sei, sondern eine Sache der Einhaltung vertraglicher Verpflichtungen;

- sein Hinweis darauf, daß die Vereinigten Staaten offen über das strategische Veiteidigungsforschungsprogramm

sprechen, während

die So-

wjetunion aus ihren Verteidigung£programmen ein Geheimnis mache;

- sein Hinweis auf die einseitigen konventionellen und nuklearen Abrüstungsmaßaihmen der Vereinigten Staaten nach dem Kriege.
Schließlich gab die Iswestija ihren Lesern auch keinen Hinweis, daß
das Interview gekürzt worden war.

Nachfolgend der vom Weißen Haus veröffentlichte vollständige Wortlaut
des Interviews:

Der Präsident:
gen.

Darf ich Sie alle begrüßen, es ist mir ein Vergnü-

Ich freue mich sehr über die Gelegenheit, in gewisser Weise zu der

Bevölkerung Ihres Landes sprechen zu können.

Ich war immer der Überzeu-

�der Überzeugung, daß viele Übel dieser Welt verschwinden würden, wenn die
Menschen mehr miteinander reden würden statt übereinander.

Ich freue

mich also auf unsere Zusammenkunft und werde Ihre Fragen gerne beantworten.

FRAGE:

Herr Präsident, wir begrüßen diese Gelegenheit sehr, Ihnen

persönliche Fragen stellen zu können, nachdem Sie freundlicherweise unsere schriftlichen Fragen beantwortet haben.

Wir hoffen, daß sie instruk-

tiv sein werden und - nun, den Erfolg Ihres kommenden Treffens mit unserem Führer erleichtern werden.

ANTWORT:

loh freue mich auf dieses Treffen.

Ich bin hoffnungsvoll

und optimistiscli, daß wir vielleicht einige konkrete Erfolge zustande
br ingen werden.

FRAGE:

Wir möchten unsere Fragen auf Russisch stellen.

Ich hoffe,

Sie haben nichts dagegen.

ANTWORT: Nein.
FRAGE:

Herr Präsident, wir haben uns mit den Antworten vertraut ge-

macht, die Sie uns auf unsere schriftlichen Fragen gegeben haben.

Sie

spiegeln im wesentlichen die alten amerikanischen Vorschläge wider.

Sie

sind ausgewertet worden - sie sind durch die sowjetische Seite als unausgewogen und einseitig zugunsten der amerikanischen Seite bewertet worden.

Und sie haben nicht auf den neuen sowjetischen Vorschlag geantwor-

tet.

Eine Antwort auf den neuen sowjetischen Vorschlag wäre jedoch vor

dem Treffen in Genf von größtem Interesse.

ANTWORT:

Wenn dieses Interview vorbei ist, werde ich eine Erklärung

vor unserer eigenen Presse - vor der ganzen Presse - dahingehend abgeben,
daß wir den sowjetischen Vorschlag geprüft haben, und morgen (1. November) wird unsere Verhandlungsdelegation in Genf auf der Abrüstungskonferenz unsere Antwort unterbreiten, bei der es sich um einen Vorschlag handelt, der erkennen läßt, was wir von dem ursprünglichen Vorschlag gehal- 3 -

�Vorschlag gehalten haben, aber auch von diesem jüngsten (Vorschlag) halten.

Die Antwort wird zeigen, daß wir einige der Zahlen akzeptieren, die

in dem Gegenvorschlag des Generalsekretärs enthalten sind.
Es gibt einige Punkte, in denen wir Kompromisse zwischen einigen Ihrer und einigen unserer Zahlen angeboten haben.

Aber alle diese Zahlen

werden morgen (1. November) vorliegen, und ich möchte heute einfach nur
erklären, daß dies morgen in Genf stattfinden wird.
um einen

detaillierten

Gegenvorschlag

Aber es; handelt sich

- um einen Gegenvorschlag, der

- wie das in Verhandlungen angebracht ist - zeigen wird, dal.; wir, wie ich
gesagt habe, unsererseits einiges von diesem jüngsten Vorschlag akzeptieren und darüber hinaus auch Kompromisse bezüglich frühere: Zahlen, die
wir vorgeschlagen haben.

FRAGE:

Ich möchte Ihnen, Herr Präsident, eine andere Frage stellen.

Nach einer Umfrage der Washington Post und der Fernsehgesellschaft ABC am
Dienstag (29. Oktober) wurde festgestellt, daß 74 Prozent des amerikanischen Volkes - gegenüber 20 Prozent - erklärten, daß sie wollten, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ihre nuklearen Arsenale verringern und daß die Vereinigten Staaten keine Weltraumwaffen entwickeln.
Das scheint die Wahl zu sein, die das amerikanische Volk qetroffen hat.
Es scheint klar zu sein, daß es ohne Beendigung der Entwicklung von Waffen im Weltraum keine Verringerung der Kernwaffen geben kann.

Das ist

der Standpunkt der sowjetischen Seite. Wie werden Sie also, Herr Präsident, auf diese von der amerikanischen Öffentlichkeit zum Ausdruck gebrachte Meinung reagieren?

ANTWORT:
lung.

Zunächst einmal basiert das auf einer falschen Vorstel-

Die Verwendung des Begriffes "Krieg der Sterne" ist entstanden,

als eine politische Persönlichkeit in Amerika ihn benutzte, um das zu beschreiben, was wir erforschen und prüfen, dann griff ihn unsere Presse
auf, und er fand weltweite Verbreitung.
einem Krieg der Sterne.

Wir reden überhaupt nicht von

Wir reden davon, daß wir prüfen wollen, ob es

nicht eine defensive Waffe gibt, die nicht Menschen tötet, sondern die es
einfach unmöglich macht, daß Nuklearraketen, wenn sie aus ihren Silos ab-

�Silos abgefeuert sind, ihre Ziele treffen, d.h., daß wir diese Waffen abfangen können.

Nun ist es auch richtig, daß - um zu zeigen, daß dies eine falsche
Vorstellung seitens der Menschen ist, wenn Sie den falschen Begriff benutzen - vor nicht allzu langer Zeit eine Umfrage bei unserer Bevölkerung
vorgenommen und die Menschen nach dem "Krieg der Sterne" befragt wurden.
Und ähnlich wie bei der Reaktion auf die genannte Umfrage waren nur etwa
30 Prozent der Menschen in unserem Lande dafür und der Rest dagegen.
Aber in der gleichen Umfrage wurde dann dargestellt, wie ich es darzustellen versucht habe, um was es sich bei unserer Forschung handelt - um
einen strategischen Schutzschild, der keine Menschen tötet, sondern uns
eines Tages - uns alle - in die Lage versetzen wird, die Kernwaffen zu
verringern - sie abzuschaffen.

Und über 90 Prozent des .amerikanischen

Volkes waren dafür, daß wir mit einem solchen Programm voranschreiten.

Das ist. eines der Dinge, über die wir sprechen werden.

Wir sind

- und zwar seit Jahren - für eine Verringerung der Zahl der Kernwaffen
eingetreten.

Es ist einfach unzivilisiert seitens unser aller, daß wir

hier sitzen und die einzige Abschreckung vor einem Krieg offensive Kernwaffen sind, und zwar in solchen Mengen, daß wir beide der Gegenseite Tod
und Verderben von Millionen und Abermillionen von Menschen im jeweils anderen Lande androhen können.

Das ist also die Abschreckung, die uns daran hindern soll, diese Raketen auf einander abzuschießen.

Wäre es nicht sehr viel sinnvoller,

wenn wir herausfinden könnten, daß es - wie es in der Geschichte immer
der Fall war - für jede Waffe eine Abwehrwaffe gibt?
richtige Ausdruck für das, was wir erforschen.

Waffe ist nicht der

Wir forschen nach etwas,

das, wie ich sage, es diesen Raketen praktisch unmöglich machen würde,
ihre Ziele zu erreichen.

Und wenn wir so etwas finden, dann geht mein

Vorschlag dahin, daß wir es der ganzen Welt zur Verfügung stellen.

Wir

wollen es nicht nur zu unserem eigenem Vorteil behalten.

FRAGE:

Herr

�FRAGE:

Herr Präsident, so wie die Lage heute auf der internationalen

Bühne aussieht, werden Versuche, einen solchen Weltraumschild zu schaffen, unweigerlich zu dem Argwohn auf der anderen Seite führen, daß das
Land, das einen solchen Weltraumschild schafft, in der Lage sein wird,
einen Erstschlag zu führen.
schen zustimmen.

Das ist eine Argumentation, der viele Men-

Es sieht nun so cius, daß das amerikanische Volk seine

Wahl verkündet hat, daß es, wenn es zu einer Wahl zwischen der Schaffung
eines

solchen

Weltraumsystems

und

einer

kommt, den Abbau der Kernwaffen vorzieht.

Verringerung

der

Kernwaffen

Das scheint eine realistische

Bewertung seitens des amerikanischen Volkes zu sein.

Und ich möchte nun

fragen, wie die amerikanische Regierung auf die Gefühle des amerikanischen Volkes in dieser Hinsicht reagiert?

ANTWORT:

Zunächst einmal sage ich Ja.

Wenn jemand ein solches Ver-

teidigungsSystem, entwickeln würde und es dann mit seinen eigenen Kernwaffen - offensiven Kernwaffen - verbinden würde, dann könnte ihn das in die
Lage versetzen, in der er versucht sein könnte, einen Erstschlag zu Wägern. Aber Ihr Land, Ihre Regierung, hat schon Jahre, bevor wir überhaupt
angefangen haben daran zu arbeiten, an dieser gleichen Art von Plan zu
arbeiten begonnen, was, wie ich meine, darauf hinweist, daß wir vielleicht ein bißchen argwöhnisch sein sollten, ob Sie es nicht für sich
selbst haben wollen.

Aber ich habe erklärt, und ich bin bereit das auf dem Gipfeltreffen
zu erklären, daß für den Fall, daß eine solche Waffe möglich ist und unsere Forschung dies aufzeigt, wir den Schritt unternehmen würden, aller
Welt mitzuteilen:

"Hier, es steht zur Verfügung". Wir würden diese Waf-

fe oder dieses System - dieses Verteidigungssystem - niemals verwirklichen, ehe wir nicht unsere Nuklearraketen, unsere offensiven Raketen abgeschafft haben.

Vielmehr werden wir es anderen Ländern zur Verfügung

stellen, einschließlich der Sowjetunion, um ein gleiches zu tun.

Nun, wie sieht es denn aus - wer immer von uns zuerst mit diesem Verteidigungssystem herauskommt, die Sowjetunion oder wir oder sonst jemand
- wenn wir dann sagen, niemand solle ein Monopol darauf haben.
- 6 -

Und wir

�Und wir machen dieses Angebot jetzt.

Es wird für die Sowjetunion ebenso

zur Verfügung stehen wie für uns selbst.

Selbst wenn die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten beide erklären, daß sie ihre Offensivwaffen abschaffen werden, werden wir diese Verteidigung verwirklichen - nur für den Fall, daß irgendwo in der Welt ein
Verrückter eines Tages versuchen wird, diese Waffen - Kernwaffen - wieder
zu bauen, c'ienn, vergessen wir das nicht, wir wissen heute, wie sie hergestellt werden.
ben.

Man kann diese Kenntnisse also nicht beiseite schie-

Aber vir wären alle sicher in dem Wissen, daß für den Fall, daß je-

mals jemand ein solches Wahnsinnsprojekt versuchen würde, es keinen gäbe,
der sich nicht selbst dagegen verteidigen könnte.

Ich kann Ihnen also versichern, daß wir nicht verbuchen werden, uns
ein Monopol zu verschaffen, wenn eine solche Waffe entwickelt ist, und
aich keine Hrstschlagsfähigkeit.
FRAGE:

Herr Präsident, ich möchte Sie etwas über einige der Dinge

fragen, die mit gegenseitigem Argwohn und Mißtrauen zu tun haben.

Sie

haben in Ihrer Rede vor den Vereinten Nationen zu erkennen gegeben, daß
die Vereinigten Staaten sich nicht ausdehnen, daß sie keine Truppen in
arderen Ländern haben - aber sie haben welche - und daß sie keine anderen
Länder besetzt hätten. Aber es stehen 550 000 amerikanische Soldaten außerhalb der Vereinigten Staaten.
Stützpunkte.

In 32 Ländern gibt es 1500 militärische

Damit kann man also erkennen, welches Land es ist, das um-

zingelt ist. Und Sie haben zugestimmt, daß die Sowjetunion das Recht habe.', für die Interessen ihrer eigenen Sicherheit zu sorgen.

Und es ist

unvermeidlich, daß sich die Sowjetunion über diese Stützpunkte Sorgen machen muß,die um sie herum liegen.

Die Sowjetunion hingegen hat nicht das gleiche getan,

wie stellen

S:.e es sich also in dieser Hinsicht vor, dieses Gleichgewicht der Sicherheit zu schaffen, von dem Sie gesprochen haben?

ANTWORT:

Ich

�ANTWORT:

Ich kann Ihnen zu den Zahlen, die Sie genannt haben, keine

genaue Antwort geben.
Zahlen sind.

Ich habe das nicht so genau parat, wie hoch die

Aber wir sprechen von zwei verschiedenen Dingen - wir reden

davon, ein Land mit ausländischen Truppen zu besetzen, wie wir erleben,
daß es die Sowjetunion in Afghanistan tut, und es gibt noch andere Länder
- Angola, SüdJemen, Äthiopien.

Sicherlich haben wir Truppen in Stützpunkten.

Der Großteil davon ge-

hört zu den Streitkräften der NATO - dem Bündnis in Europa entlang der
NATO-Linie.

Sie stehen dort als Antwort auf noch überlegenere Zahlen von

Soldaten des Warschauer Paktes, die dort gegen sie aufgestellt sind. Und
die Vereinigten Staaten tragen als ein Mitglied des Bündnisses Truppen zu
den NATO-Streitkräften bei.

Das gleiche gilt für Korea, wo wir auf Einladung der südkoreanischen
Regierung Truppen stehen haben, um den Koreanern dort zu helfen wegen der
Entmilitarisierten Zone und der bedrohlichen Natur Nordkoreas, das Südkorea ohne Warnung angegriffen hatte.

Und das war kein amerikanischer

Krieg, obwohl wir den größten Teil der Truppen stellten.
wurde unter der Flagge der Vereinten Nationen geführt.

Dieser Krieg

Die Vereinten Na-

tionen haben Nordkorea der Aggression unter Verletzung der Charta der
Vereinten Nationen für schuldig befunden.
digt und Nordko.rea schließlich besiegt.

Und so wurde Südkorea verteiAber es hat weiterhin eine be-

trächtliche und bedrohliche Offensivstreitmacht aufrechterhalten.

Was andere Orte angeht: Wir haben Stützpunkte im fernen Pazifik; wir
haben sie seit vielen Jahren auf den Philippinen.
die wir gepachtet haben.

Das sind Stützpunkte,

Wir haben sogar einen Stützpunkt auf Kuba, den

wir gepachtet haben und der bestand, lange bevor es einen Castro auf Kuba
gab - einen Flottenstützpunkt.

Aber das hat, so meine ich, wirklich

nichts mit der Besetzung eines anderen Landes zu tun - einschließlich der
Länder des Warschauer Paktes.

Ihnen wurde niemals die Selbstbestimmung

zugestanden, die in den Übereinkommen von Jalta am Ende des Zweiten Weltkrieges vereinbart worden war.
Ich

glaube

also,

�Ich glaube also, daß meine Erklärung durchaus richtig ist, daß ein
Unterschied besteht zwischen einer Besetzung und dem Unterhalt von Stützpunkten dort, wo nicht gekämpft wird, und wo viele von den Gastländern
dies ausdrücklich gewünscht haben.

FRAGE:

Wenn es eine Volksabstimmung gäbe und dös kubanische Volk

entscheiden würde, daß der Stützpunkt Guantanamo geräumt werden sollte
- würde er dann geräumt?

ANTWORT

Nein, weil der Pachtvertrag vor vielen Jahren abgeschlossen

wurde und nach viele Jahre läuft, und unser Recht, dort zu sein, ist völlig legal.

Der Stützpunkt ist abgezäunt.

Es besteht keinerlei Kontakt

zur Bevölkerung oder dem Hauptteil der Insel.

FRAGE:

Herr Präsident, Sie haben Afghanistan erwähnt.

Ich möchte

segen, daß die sowjetischen Truppen in Afghanistan dort auf Einladung der
afghanischen Regierung stehen, um die afghanische Revolution gegen die
Einmischung von Streitkräften aus dem Ausland zu verteidigen, die von den
Vereinigten Staaten finanziert und unterstützt werden.

Vor den Vereinten Nationen und in Ihren schriftlichen Antworten auf
ursere Fracen haben Sie angedeutet, daß die Vereinigten Staaten nicht
versucht haoen, Gewalt anzuwenden, sondern den Prozeß der Demokratie mit
friedlichen Mitteln fördern wollten.

Wie stimmt diese Antwort mit der

Anwendung von Gewalt durch die Vereinigten Staaten in vielen Ländern
überein - angefangen mit Vietnam, wo sieben Millionen Tonnen Bomben abgeworfen wurden - sieben Millionen Tonnen mehr als im Zweiten Weltkrieg;
und wie steht es mit Grenada?

Ich frage das nicht, um in der Vergangen-

heit herumzuwühlen, sondern einfach, um Dinge richtigzustellen.

ANTWORT:

Und die können richtiggestellt werden, jawohl.

Was zunächst einmal Afghanistan angeht, so hat die Regierung, die die
sowjetischen Truppen eingeladen hat, keine andere Wahl gehabt, denn diese
Regierung war von der Sowjetunion eingesetzt worden und zwar mit der Waf-

�der Waffengewalt, um den Erfolg zugarantieren.

Und der Mann, der an der

Spitze dieser Regierung stand, war bereits zweite Wahl.

Der erste war

nicht zur Zufriedenheit der Sowjetunion, und so marschierten die Sowjets
mit Streitkräften ein, stürzten ihn und setzten ihre zweite Wahl ein, den
Mann, der noch an der Regierung ist.

Im übrigen kämpfen keine Kräfte von außen dort.

Aber es gibt dort

einige Ding2, die, wenn sie allgemeiner bekannt würden, jeden Menschen in
der Welt schockieren würden.

So besteht beispielsweise eine der Waffen,

die gegen die Menschen In Afghanistan eingesetzt werden, aus Spielzeugen
- Puppen, Spielzeugautos, Dinge, die Kindern gefallen.
der Luft abgeworfen.

Aber wenn die Kinder sie aufheben, dann werden ih-

nen die Hände abgerissen.
- Fallen.

Sie werden aus

Sie sind, wie wir es nennen, Booby-traps

4ie wirken wie Landminen.

Das ist kaum mit der Art bewaffne-

ter Kriegführung in Einklang zu bringen, wie sie zwischen Staaten geübt
worden ist.

Vietnam?

Ja, als Vietnam - oder sagen wir besser Französisch Indo-

china - als; Kolonie aufgegeben wurde, hat ein internationales Forum in
Genf - das in Genf zusammenkam - ein Nordvietnam und ein Südvietnam gebildet.

Nordviotnam wurde bereits durch eine kommunistische Gruppe re-

giert und hatte bereits eine Regierung während der japanischen Besetzung
Französisch-Indochinas.

Südvietnam mußte neu anfangen und eine Regierung

bilden.

Wir wurden dort eingeladen - mit Beratern, um ihnen beim Aufbau von
etwas zu helfen, was sie zuvor niemals hatten, eine Armee. Unsere Berater kamen in Zivil.

Sie kamen mit ihren Familien.

Und sie begannen in

einem Land, das keine militärischen Ausbildungsstätten hatte oder Dinge
dieser Art, um Streitkräfte für die Regierung von Südvietnam aufzubauen.

Sie wurden von Anfang an von Terroristen gestört.
mußten die Familien nach Hause geschickt werden.
diert.

Und schließlich

Schulen wurden bombar-

Es kam sogar die Praxis auf, Bomben den Mittelgang eines Kinos

hinunter zu rollen, und es wurden zahllose Menschen getötet, die sich nur
- 10 -

�sich nur übar einen Film freuen wollten.

Und schließlich wurden die Din-

ge dahingehend geändert, daß es unseren Leuten erlaubt wurde, zu ihrem
eigenen Schitz Waffen zu tragen.

Und dar.n, das ist wahr, hat Präsident Kennedy eine Truppeneinheit
entsandt, um Schutz zu bieten.
kelt.

Da:; hat sich zum Vietnam-Krieg entwik-

Zu keinem Zeitpunkt hat die verbündete Streitmacht - und es war

eine verbündete Streitmacht, denn es waren nicht nur amerikanische Truppein dort - zu keinem Zeitpunkt haben wir einen Sieg angestrebt.
leicht war gerade das faLsch.

Viel-

Wir versuchten lediglich, eine entmilita-

risierte Zcne zwischen Nord- und Südvietnam aufrechtzuerhalten.

Und wir

wissen, was heute daraus geworden ist.

Und heute gibt es einen Staat Vietnam.

Er wurde unter Verletzung ei-

nes Vertrages erobert, der in Paris zwischen Nord- und Südvietnam unterzeichnet wurde.

Wir haben Südvietnam verlassen und Nordvietnam überroll-

te es, hat das Land erobert, wie ich sagte, unter Verletzung eines Vertrages.

Aber das gilt für fast alle anderen Orte, die Sie erwähnt haben. Ich
habe jetzt so lange geredet, daß ich die anderen Beispiele vergessen habe), die Sie erwähnten.

FRAGE:

Grenada.

ANTWORT:

Grenada.

Nun, wir hatten dort einige hundert junge ameri-

kanische Medizinstudenten.

Unser Nachrichtendienst fand heraus, daß sie

als potentielle Geiseln tedroht waren, und die Regierung von Grenada bat
um Hilfe, nilitärische Hilfe, nicht nur von den Vereinigten Staaten, sondern von den anderen Ländern des Commonwealth - Inselnationen in der Karibik - von Jamaica, von Dominica und einigen anderen.

Diese haben das

Ersuchen an uns weitergeleitet, weil sie keine Streitkräfte besaßen.

Jawohl, und dann sind wir gelandet.

Und wir fanden Lagerhallen voll

mit Waffen, und sie waren sowjetischer Herkunft. Wir fanden Hunderte von
- 11 -

�Hunderte von Kubanern dort.
die Insel.

Es gab ein kurzes Gefecht.

Wir befreiten

Und nach kurzer Zeit kehrten unsere Truppen nach Hause zu-

rück, nachdem sie unsere Studenten gerettet, nachdem sie die Insel gerettet hatten.

Heute stehen dort keine amerikanischen Truppen mehr. Grena-

da hat eine Demokratie errichtet und regiert sich aufgrund einer Wahl,
die kurz danach von der Bevölkerung abgehalten wurde, und bei der wir
keinerlei Rolle gespielt haben.

Und das ist der Kontrast:

Die sowjetischen Truppen stehen jetzt seit

sechs Jahren in Afghanistan und haben seither ständig gekämpft.

Wir ha-

ben getan, woruri wir gebeten wurden - auf Ersuchen der Regierung von Grenada - und sind wieder nach Hause zurückgekehrt.

FRAGE:

Herr Präsident, bezüglich des ABM-Verträges, der 1972 unter-

zeichnet wurde, so heißt es in Artikel V dieses Vertrages, und ich zitiere, daß "Keine Seite antiballistische Raketenteile oder Systeme, die seegestützt,

luftgestützt,

weltraumgestützt

oder

beweqlich

sind, entwickeln, erproben oder dislozieren wird."

landgestützt

Nun, einige Vertreter

der Administration sagen, der Vertrag laute so, daß er all diese Dinge
erlaube - cie Entwicklung, die Erprobung und die Dislozierung von ABM-Systemen.

Eine

solche

Interpretation

dieses Vertrages

kann sicherlich

nicht dazu beitragen, zu einem Übereinkommen zu gelangen.

Welches

ist der wahre Standpunkt der amerikanischen Administration

bezüglich der Interpretation dieses Vertrages?

Werden sich die Vereinig-

ten Staater; an den Vertrag halten oder nicht?

Die Ergebnisse Ihres Tref-

fens mit Generalsekretär Gorbatschow werden sicherlich zu einem großen
Teil davon abhängen.
ANTWORT:
ges.

Es gibt zwei unterschiedliche Interpretc.tionen des Vertra-

Es gibt einen zusätzlichen Artikel in dem Vertrag, der etwas libe-

raler zu £.ein scheint als Artikel V.

Auf der anderen Seite haben wir

eindeutig zu verstehen gegeben, daß wir uns an eine strikte Auslegung des
Vertrages halten werden.

Was wir auf dem Gebiet der Forschung tun - und

dazu würde Erprobung gehören - liegt im Rahmen des Vertrages.
Was
- 12 -

nun

die

�Was nun die Dislozierung angeht, so gilt, was ich bereits gesagt habe:

Nein.

Wir tun das, was im Rahmen des Vertrages liegt und was die

Sowjetunion schon seit geraumer Zeit tut - die gleiche Art von Forschung
und Entwicklung.

Aber was nun die Dislozierung angeht, so weiß ich nicht, was die Sowjetunion tun würde, wenn oder falls ihre Forschung eine solche Waffe
entwickeln würde, oder wenn sie sie entwickelt.
tun werden, und das habe ich bereits gesagt.

Aber ich weiß, was wir

Wir würden nicht dislozie-

ren - ich habe nicht die Absicht, zu dislozieren - bevor wir uns nicht
mit den anderen Nationen der Welt ;:usammengesetzt haben, und jenen, die
über Nukleerarsenale verfügen, und geprüft haben, ob wir nicht zu einem
Übereinkommen gelangen können, nach dem es eine Dislozierung nur dann
gibt, wenn wir die Kernwaffen abgeschafft haben.

Nun mögen Sie fragen, warum wir die Verteidigung Drauchen, wenn wir
die Kernwaifen abschaffen.

Ich möchte das wiederholen, was ich bereits

gesagt habe. Wir alle wissen, wie die Waffen hergestellt werden, und daß
es möglich ist, daß eines Tages ein Verrückter in der Welt aufstehen
könnte -

wir waren beide Verbündete in einem Krieg, der wegen eines sol-

chen Verrückten entstanden ist - und deshalb wäre es wieder so wie in
Genf nach 3em Ersten Weltkrieg, als die Länder alle zusammentrafen und
erklärten:

Nie mehr Giftgas - aber wir alle behielten die Gasmasken.

Nun diese Waffe wäre, wenn sie entwickelt werden könnte, die Gasmaske von
heute.

Aber wir wollen, daß alle eine besitzen, und die Bedingung, um

sie zu erhalten, und die Bedingung für unsere eigene Dislozierung wäre
die Beseitigung der Offensivwaffen - eine Veränderung zur Aufrechterhaltung von Vertrauen und Frieden unter uns durch den Besitz von Verteidigungssystemen - daß einer den andern mit Kernwaffen vernichten würde.

Wir weiden also diesen Vertrag niemals verletzen, weil, wie ich sagte, wir nicht die Absicht haben, mit einer Dislozierung zu beginnen, wenn
sich eine solche Waffe als praktikabel erweisen sollte.
FRAGE:

Herr Präsident, unsere Zeit ist praktisch abgelaufen, wenn

Sie nicht roch abschließend eine Erklärung abgeben wollen.
ANTWORT:

Nun,

�ANTWORT:

Nun, wir haben nicht alle Fragen behandelt - ich glaube,

ich habe auf zu viele dieser Fragen hier mit langatmigen Antworten die
Zeit hinausgezogen.

Ich weiß, daß Sie noch mehr Fragen haben.

Es tut

mir leid, daß wir keine Zeit mehr dafür haben.

Aber ich möchte nur sagen, daß die Sowjetunion und die Vereinigten
Staaten - ,nun nicht die Sowjetunion, sagen wir, Ruß Luid und die Vereinigten Staaten in zwei Kriegen Verbündeten waren; die Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten waren Verbündeten in einem, dem letzten und größten
Krieg, dem Zweiten Weltkrieg.

Amerikaner und Russen starben Seite an

Seite im Kampf gegen den gleichen Gegner.

Amerikaner sind auf sowjetischen Boden beerdigt, und es scheint mir
- und das möchte ich bei diesem Treffen mit dem Generalsekretär zur Sprache bringen - daß die Völker keine Kriege beginnen, sondern Regierungen.
Ich habe hier einen kleinen Ausschnitt, den ich mir dieser Tage aus einem
Artikel abgeschrieben habe, und der Autor dieses Artikels hat eine sehr
große Wahrheit ausgesprochen:
sie bewaffnet sind.

"Nationen mißtrauen einander nicht, weil

Sie bewaffnen sich, weil sie einander mißtrauen."

Nun, ich hoffe, daß wir auf dem Gipfeltreffen vielleicht Mittel und Wege
finden können, daß wir durch Taten und nicht durch Worte, sondern durch
Taten beweisen können, daß es keinen Grund zum Mißtrauen zwischen uns
gibt.

Und dann können wir aufhören, unsere Völker dadurch zu bestrafen,

daß wir unsere Mittel dazu benutzen, diese Waffenarsenale aufzubauen,
statt mehr Dinge für das Wohlergehen der Menschen zu tun.

FRAGE: Wir danken Ihnen sehr, Herr Präsident.
ANTWORT:

Danke schön.

(Ende des formellen Interviews)

Wortlaut des
- 14 -

�Wortlaut des informellen Gesprächs
FRAGE:

Es ist ein Jammer, Sir, daß nicht genug Zeit bleibt, um Ihre

Antworten aif all unsere Fragen zu bekommen.

ANTWORT:

Nun, schon gut.

FRAGE: Wir danken Ihnen, Herr Präsident.

FRAGE:

Herr President, wir körnen leider nicht mehr mit Ihnen über

d;e Geschichte der Fragen sprechen, die wir bereits gestellt haben, weil
wir gelegentlich eine ganz andere Einstellung dazu haben.

Aber wir haben

keine Zeit.
Wie Sie wissen, es gibt eben Unterschiede in dieser Welt.

ANTWORT:

Ich habe auf eine Frac,e gewartet, die es mir erlaubt hätte,

darauf hin-.uweisen, daß im Rahmen der Entspannung, die wir vor einigen
Jahren

hatten, während

die SALT J- und

SALT Il-Verträge

unterzeichnet

wurden, die Sowjetunion ihrem Arsenal über 7000 Gefechi-.sköpfe hinzugefügt
hat.

Und wir haben heute weniger als wir 1969 besaßen.

(sowjetischen Gefechtsköpfe)

Und 3800 dieser

wurden dem Arsenal nach der Unterzeichnung

von SALT 13 hinzugefügt.

FRAGE:

Aber Sie besitzen immer noch mehr Gefechtsköpfe.

ANTWORT:

FRAGE:

Herr Präsident -

ANTWORT;

FRAGE:

Nein, das stimmt nicht.

Nein, das stimmt nicht.

Jawohl, Sie haben an die 12 000.
Sie wissen,

�Sie wissen, daß das ein interessantes Phänomen ist, weil im Jahr 1979
nach sieben Jahren sehr ernsthafter - wie ich sagen möchte - Erforschung
in SALT II Präsident Carter und andere Spezialisten erklärten, daß eine
strategische und militärische Parität bestünde.

Und dann kamen Sie an

die Macht, und Sie sagten, daß es so aussehe, daß die Sowjetunion weit
voraus sei.

Und dann sagten Sie erst kürzlich im September fast das

gleiche, obwohl die Chefs des Gemeinsames Stabes Ihnen mitgeteilt haben,
daß eine Parität besteht. Ist das nicht ein Widerspruch?

ANTWORT:

Nein, wirklich nicht.

Jemand könnte das sagen in dem Sin-

ne, daß wir genug haben für eine Abschreckung, daß wir mit anderen Worten
genug hätten, um es ungemütlich zu inachen, wenn uns jemand angreifen würde.

Aber Ihr Arsenal ist dem unseren zahlenmäßig weit überlegen.

FRAGE:

Manche Leute sagen - die Generäle - Ihre Generäle sagen, daß

sie Ihr Arsenal nicht mit dem unserer Generäle tauschen wollten.

FRAGE:

Ich möchte mit Ihnen auch über diese Geschichten über Puppen

in Afghanistan sprechen. Ich war etwas in Afghanistan - .

DER SPRECHER DES WEISSEN HAUSES:

Vielleicht wird sich wieder einmal

eine Gelegenheit bieten.

FRAGE: Wir hoffen das.
SPEAKES:

Und der Präsident muß jetzt gehen und dem Generalsekretär

durch unsere Presse mitteilen, was er tun wird.

FRAGE:
sicherlich

Wir danken Ihnen sehr Herr Präsident, und wir wünschen Ihnen
Erfolg

und

gute

Ergebnisse

bei

Ihrem

Treffen

mit Herrn

Gorbatschow. Darauf hoffen wir.
ANTWORT:

Ich danke Ihnen.

(Ende des informellen Gesprächs)
SCHRIFTLICHE ANTWORTEN
- 16 -

�SCHRIFTLICHE ANTWORTEN AUF VORAB SCHRIFTLICH EINGEREICHTE FRAGEN

FRAGE 1:

Die bevorstehende Zusammenkunft zwischen Generalsekretär

Gcrbatschow und Ihnen, Herr Präsident, wird aus offenkundigen Gründen als
ein Ereignis von besonderer Bedeutung angesehen.

Beide Seiten haben die

Atsieht bekundet, sich um eine Verbesserung der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zu bemühen, um die internationale Lage insgesamt zu
verbessern.

Die Sowjetunion hat über einen längeren Zeitraum hinweg eine

gcnze Reihe konkreter Vorschläge vorgelegt und in verschiedenen Bereichen
einseitige Schritte getan, die unmittelbar auf dieses Ziel gerichtet waren. Was werden die Vereinigten Stajten ihrerseits tun?

ANTWORT

Ich stimme der Auffassung, daß meiner Bixjegnung mit Gene-

rclsekretär Gorbatschow besondere Bedeutung zukomme, voll und ganz zu,
urd ich sehe dieser Zusammenkunft persönlich mit großen Interesse entgegen.

Ich hoffe aufrichtig, daß es uns gelingen wird, den Beziehungen

zwischen unseren beiden Ländern eine Wendung in Richtung auf mehr Sicherheit und Stabilität zu geben.

Ich für meinen Teil weede gewiß tun, was

ich kann, uii dies möglich zu machen.

Wir prüfen natürlich

jeden sowjetischen Vorschlag

sorgfältig, und

wenn wir ihn vielversprechend finden, bringen wir dies auch gern zum Ausdruck.

Wenn wir ihn jedoch für einseitig in seinen Auswirkungen halten,

dann erklären wir, was uns zu dieser Auffassung bringt.

Außerdem haben

auch wir konkrete Vorschläge gemacht - und zwar Dutzende -, die ebenfalls
jeden Aspekt unserer Beziehungen erfassen, von der Beseitigung der chemischen Waffen und der Lösung regionaler Konflikte bis hin zur Erweiterung
von Kontakten und wechselseitigen Begegnungen, und wir hoffen, daß diesen
Vorschlägen die gleiche Sorgfalt und Aufmerksamkeit zuteil wird, die wir
denen der Sowjetunion zollen.

Ich möchte Ihnen einige Beispiele nennen.

Eine Sache, die in den

vergangenen Jahren enorme Spannungen in den amerikanisc:h-sowjetischen Beziehungen hervorgerufen hat, waren Versuche, Probleme überall auf der
- 17 -

�auf der Welt mittels Waffengewalt zu lösen.

Der Gebrauch von Waffenge-

walt, ob in Afghanistan, Kambodscha oder Afrika, hat uns weder dem Frieden noch einer Lösung der vor Ort bestehenden Probleme näher gebracht,
sondern die Menschen dieser Regionen nur in weiteres Leid gestürzt.

Dies

ist außerdem gefährlich, und wir müssen daher einen Weg finden, Versuchen, Probleme gewaltsam zu lösen, Einhalt zu gebieten.

Ich habe deshalb vorgeschlagen, daß unsere beiden Staaten die an diesen Konflikten beteiligten Parteien dazu anhalten sollten, die Waffen
niederzulegen und über Lösungen zu verhandeln; ferner, daß, falls diese
Parteien hisrzu bereit wären, unsere beiden Staaten eine Möglichkeit finden sollten, sich auf die Unterstützung einer friedlichen Regelung zu einigen, und daß sie den kämpfenden Parteien keine Militärhilfe gewähren
sollten.

Und falls tatsächlich Friede hergestellt werden könnte, würden

die Vereinigten Staaten im Rahmen einer internationalen Bemühung um die
Wiederherstellung vom Kriege zerrütterter Volkswirtschaften einen großzügigen Beitrag leisten - genau wie nach dem Zweiten Weltkrieg, als wir zum
Wiederaufbai befreundeter Länder wie auch vormaliger Feindstaaten gleichermaßen beigetragen haben, und darüber hinaus in zahllosen anderen Fällen.

Unsere beiden Regierungen stimmen darin überein, daß unsere Kernwaffenarsenale viel zu groß sind.
stungsabbau.

Wir wünschen beide einen radikalen Rü-

Die Vereinigten Staaten haben im Hinblick auf einen solchen

Abbau konkiete Vorschläge unterbreitet:

die Zahl der Gefechtsköpfe auf

ballistischen Raketen auf 5 000 für jede Seite zu senken und eine ganze
Waffenkategorie, nämlich die der Mittelstreckenraketen, überhaupt aus unseren Arsenalen zu streichen.

Diese Vorschläge beruhen nicht auf dem

Grundsatz ^on "Entweder - Oder".

Wir sind zu Verhandlungen bereit, da

wir wissen, daß Verhandlungen notwendig sind, wenn wir eine Lösung herbeiführen wollen, die dafür sorgt, daß keine Seite sich bedroht fühlt.
Wir sind dazu bereit, unsere Trümpfe aus der Hand zu geben, wenn Sie das
gleiche tun.

Worauf es ankommt, ist, die Verminderung dieser schreckli-

chen Waffen in einer Weise in Angriff zu nehmen, die beiden Seiten ein
Gefühl der Sicherheit verschafft, und dann diesen Prozeß fortzuführen,
bis wir diese Waffen völlig abgeschafft haben.
Die Ereignisse
- 18 -

�Die Ereignisse der letzten 10 - 15 Jahre haben das Mißtrauen zwischen
unseren beiden Staaten erheblich vertieft. Wenn wir die Grundprobleme in
unseren Beziehungen lösen wollen, dann müssen wir etwas unternehmen, um
das Vertrauen im Umgang miteinander wiederherzustellen.

Dies erfordert

bessere Kommunikation, vermehrte Kontakte und erhöhte Aufmerksamkeit, um
sicherzustellen, daß beide Parteien die bereits erzielten Abkommen erfüllen.

Deshalb haben wir sage und schreibe 40 bis 50 Vorschläge gemacht,

um unsere Arbeitsbeziehungen zu verbessern, die Kommunikation auszubauen
und Vertrauen zu schaffen.

Beispielsweise haben wir ein Abkommen über

Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung des Weltraums vorgeschlagen.
Das gemeinsame Apollo-SojJs-Unternehmen aus dem Jahre 1975 war ein großer
Erfolg, und wir sollten versuchen, diese Art der Zusammenarbeit zu erneuern.

Wir haben auch mehrere Vorschläge im Hinblick auf mehr direkte Kon-

takte zwischen unseren Militärs unterbreitet.

Wenn sie mehr miteinander

sprächen, dann könnten sie vielleicht feststellen, daß zumindest einige
ihrer Befürchtungen unbegründet sind.

Vor all^m aber sollte es mehr Kontakte zwischen den einfachen Bürgern
beider

Länder geben, insbesondere zwischen unseren »Jugendlichen, denn

schließlich gehört ihnen die Zukunft.

Ich möchte, daß wir jedes Jahr

Tausende von Schülern und Studenten in das Land des anderen schicken, damit sie einander kennenlernen, voneinander lernen und vor allem begreifen, daß wir ungeachtet unserer unterschiedlichen Weltanschauungen miteinander in Frieden leben können und müssen.

Es liegt auf der Hand, daß wir nicht in der Lage sein werden, bei einer einzigen Begegnung all die zwischen uns bestehenden Gegensätze zu lösen, aber wir möchten einige konkrete Schritte vorwärts tun.

Vor allem

hoffe ich, daß unsere Zusammenkunft einen echten Prozeß der Problemlösung
in Gang bringen wird und daß wir uns auf einen Weg einigen können, der
uns in eine Welt führen wird, die für alle sicherer ist - und zu wachsender Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Staaten.

FRAGE 2:

Die Sowjetunion tritt für friedliche Koexistenz zwischen

Ländern mi: unterschiedlichen Gesellschaftssystemen ein, also auch mit
- 19 -

�auch mit den Vereinigten Staaten.

In einigen Ihrer Erklärungen haben sie

argumentiert, daß es ungeachtet der Unterschiede zwischen unseren Ländern
notwendig sei, eine militärische Konfrontation zu vermeiden. Mit anderen
Worten, wir müssen lernen, in Frieden zu leben.

Beide Seiten erkennen

also die Tatsache an, daß die Frage der Rüstungsbegrenzung und -Verminderung bestimmend für unsere Beziehungen ist und bleiben wird.
sondere Verantwortung

der Vereinigten

Die be-

Staaten und der UdSSR für das

Schicksal d?r Welt ist eine objektive Tatsache. Was läßt sich nach Ihrer
Meinung bei ihrer Begegnung mit Gorbatschow im Bereich der Sicherheit erreichen?

ANTWORT:

Nun, zunächst einmal würde ich sagen, daß wi: glauben, daß

alle Staaten miteinander in Frieder, leben sollten, ganz gleich, ob sie
gleiche oder unterschiedliche Gesellschaftssysteme haben.

Selbst wenn

gleichartige Gesellschaftssysteme bestehen, sollte dies keinem Land das
Recht geben, gegen ein anderes Gewalt anzuwenden.

Aber Sie haben völlig recht, wenn Sie sagen, daß wir lernen müssen,
in Frieden zu leben.

Wie ich schon oft erklärt habe, ist ein Atomkrieg

nicht zu gewinnen und darf niemals geführt werden.

Dies wiederum bedeu-

tet, daß unsere Länder keine Art von Krieg führen dürfen.

Sie haben weiterhin recht, wenn Sie sagen, daß unsere Staaten eine
besondere Verantwortung für die Welt tragen.

Dies ist nicht nur deshalb

so, weil wir enorme Kernwaffenarsenale besitzen, sondern auch, weil wir
Großmächte sind und unser Beispiel und unsere Handlungen all die anderen
um uns herum berühren, ob uns dies gefällt oder nicht.
In unseren Beziehungen geht es nicht nur darum, neue Abkommen auszuhandeln, sondern auch darum, geschlossene Abkommen zu erfüllen.

Ihr Land

beschuldigt uns oft der Einmischung in "innere" Angelegenheiten in Fragen
wie z.B. der der Menschenrechte, aber genau das ist ein entscheidender
Punkt.

Vor zehn Jahren haben wir beide die Schlußakte von Helsinki un-

terzeichnet

und

uns

bestimmten Verhaltensmaßregeln

unterworfen.

Wir

selbst halten uns an unsere Verpflichtungen und erwarten das auch von an- 20 -

�von anderen.

Darüber hinaus berühren die sowjetisch-amerikanischen Be-

ziehungen auch regionale Konflikte, die politischen Beziehungen zwischen
unseren Freunden und Verbündeten und viele andere Gebiete.

Die Tatsache, daß unsere Länder über die größten und zerstörerischsten Kernwaffenarsenale verfügen, verpflichtet uns nicht nur dazu, sicherzustellen, daß sie nie zum Einsatz kommen, sondern ajch dazu, die
Welt auf den Weg zur Beseitigung dieser furchtbaren Waffen zu führen.

Ich meine, daß meine Begegnung mit Generalsekretär Gorbatschow uns
auf den Weg zu dem Ziel bringen kann, das sich unsere Länder gesetzt haben:

radikale Verminderung der Kernwaffen und Schritte ir Richtung auf

ihre völlige Beseitigung.

Wir können dies tun, indem wir konkrete Mittel

und Wege zur Überwindung von Hindernissen im Verhandlungsprozeß finden
und dadurch unseren Unterhändlern einen wirklichen Anstoß geben.

Wir

werden uns natürlich auch mit anderen Problemen auseinandersetzen müssen,
weil es sehr schwierig sein dürfte, bei der Rüstungskontrolle große Fortschritte zu machen, wenn es uns nicht außerdem gelingt, Spannungen abzubauen, den Gebrauch and die Androhung von Gewalt einzudämmen und Vertrauen in unsere Fähigkeit zum konstruktiven Umgang miteinander aufzubauen.

FRAGE 3:

Es ist: allgemein bekannt, daß die Vereinigten Staaten und

die Sowjetunion sich im Januar dieses Jahres in Genf dahingehend verständigt haben, daß die Verhütung eines Rüstungswettlaufs im Weltraum bei der
neuen Verhandlungsrunde an der Spitze der Dringlichkeitsliste stehen müsse.

Heute versucht jedoch die amerikanische Delegation in Genf, die Ge-

spräche auf eine Erörterung der Frage der Kernwaffen zu begrenzen, und
ist nicht geneigt, über die Verhütung eines Rüstungswettlaufs im Weltraum
zu reden,

/tfie sollen wir diese amerikanische Position verstehen?

ANTWORT:
richtig.

Ihre Beschreibung der Übereinkunft vom Januar ist nicht

Tatsächlich kamen unsere Außenminister überein, "wirksame Ab-

kommen aus2uarboiten, um einen Rüstungswettlauf im Weltraum zu verhüten
und ihn au)' der Erde zu beenden, um die Kernwaffen zu begrenzen und zu
vormindern und um die strategische Stabilität zu festigen".
- 21 -

Weiterhin

�festigen".

Weiterhin kamen sie überein, daß "Gegenstand der Verhandlun-

gen ein Komplex von Fragen bezüglich der Weltraum- und Kernwaffen - strategischer und mittlerer Reichweite - sein wird, wobei all diese Fragen in
ihrem wechselseitigen Zusammenhang erörtert und gelöst werden sollen".

Da in Ihrer Frage ein falsches Verständnis der Position der Vereinigten Staaten zum Ausdruck kommt, möchte ich Ihnen diese nochmals verdeutlichen:

Erstens glauben wir, daß die badrohlichsten Waffen, denen sich die
Menschheit heute gegenübarsieht, die nuklearen Massenvernichtungswaffen
sind.

Es handelt sich dabei um Offensivwaffen, und es gibt sie bereits,

und zwar in einer Anzahl, die viel zu hoch ist. Unsere dringlichste Aufgabe besteht daher darin, mit ihrer radikalen Verminderung zu beginnen
und die Bedingungen zu schaffen, die ihre schließliche Beseitigung ermöglichen.

De: die meisten dieser Waffen auf dem Weg zu ihren Zielen den

Weltraum durchqueren, ist ihre Verminderung im Sinne der Verhütung eines
Rüstungswettlaufs im Weltraum genauso wichtig wie im Sinne der Beendigung
des Wettrüstens auf der Erde.

Wie ich schon bemerkte, haben wir zu diesem Zweck konkrete und präzise Vorschläge gemacht.

Ihre Regierung hat vor kurzem endlich einige Ge-

genvorschläge vorgelegt, und wir werden sie im Geiste echter Kompromißbereitschaft beantworten und uns bemühen, praktische Lösungen anzustreben,
die für beide Länder tragbar sind.
Zweitens glauben wir, daß ein enger Zusammenhang zwischen Offenstund Defensivsystemen besteht und daß diese Fragen daher gemäß der Übereinkunft unserer Außenminister auch als zusammenhängend behandelt werden
sollten.

Unsere Vorschläge stimmen mit dieser Sichtweise vollständig

überein.

In diesem Augenblick streben wir mit den sowjetischen Unter-

händlern ir Genf eine gründliche Erörterung der Frage an, wie sich ein
Gleichgewicht von Offensiv- und Defensivsystemen herstellen ließe und wie
- falls Wissenschaftler in der Zukunft wirksame Abwehrmittel zu entwikkeln vermöchten - wir beide sie nutzen könnten, um unsere Länder und Ver- 22 -

�und Verbündeten zu schützen, ohne den anderen zu bedrohen.

Und falls es

uns jemals gelingen sollto, die Kernwaffen zu beseitigen, dann werden die
Staaten dennoch eine Abwehrmöglichkeit gegen sie brauchen, nämlich für
den Fall, daß irgendein Verrückter einige in die Hand bekommt und versucht, andere Staaten zu erpressen.

Im einzelnen haben wir vorgeschlagen:

- Bei den strategischen Kernwaffen eine Verminderung der Anzahl der Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen auf 5000 für jede Seite.

Dies

wäre eine äußerst drastische Senkung des Rüstungsniveaus, und zwar in
einer Weise, die die strategische Stabilität erhebLich festigen würde.

Wir haben außerdem Verhandlungen über eine strikte Begrenzung

anderer Waffenarten angeboten.

Da die Streitkräftestruktur beider

Seiten unterschiedlic l ist und da die Sowjetunion sicn darüber beschwert hat, daß sie ihre Streitkräfte umstrukturieren müsse, haben
wir angeboten, Abkommen anzustreben, die einen Ausglsich zwischen
diesen unterschiedlichen

Bereichen

amerikanischer

und

sowjetischer

Stärke schaffen würden.

- Im Hinblick auf die nuklearen Mittelstreckenwaffen glauben wir, daß
es am besten wäre, c'iiese gesamte Waffenkategorie zu beseitigen, zu
der die 441 von der Sowjetunion aufgestellten SS 20-Raketen und unsere Pershing II und landgestützten Marschflugkörper gehören.

Für den

Fall, daß dies nicht sofort akzeptabel ist, haben wir außerdem ein
Interimsabkommen angeboten, das auf dem niedrigstmöglichen Niveau eine gleich hohe Anzahl von Gefechtsköpfen auf den amerikanischen und
sowjetischen Raketen dieser Kategorie vorsehen würde.

- Im Weltraum- und Defensivwaffenbereich sind wir bestrebt, mit den sowjetischen Unterhändlern die Möglichkeit zu erörtern, daß neue Technologien es beiden Seiten erlauben könnten, den Übergang zu einem
Konzept zu vollziehen, in dem Defensivwaffen eine größere Rolle spielen, d.h., in dem Sicherheit nicht mehr auf nuklearen Offensivwaffen
beruht.
Um bezüglich

�Um bezüglich unseres Forschungsprogramms im Bereich neuer Defensivsysteme - das in voller Übereinstimmung mit dem ABM-Vertrag durchgeführt
wird

- Mißverständnisse auszuschließen, habe

Forschungsprogramms

für

die

Strategische

ich den Direktor unseres

Verteidigung

nach

schickt, um die sowjetischen Unterhändler ins Bild zu setzen.

Genf geLeider ha-

ben wir keinen vergleichbaren Überblick über Ihre Forschungsarbeiten auf
diesem Gebiet erhalten, obwohl wir wissen, daß diese seit langem laufen
und recht umfangreich sind.

Es fällt mir, offen gestanden, schwer zu verstehen, warum einige Leute unsere Position mißverstehen und mißdeuten.

Die Forschungsarbeiten

für die strategische Verteidigung, die wir in den Vereinigten Staaten
durchführen, bewegen sich in genau den gleichen Bereichen, wie die Forschungsarbeiten, die in der Sowjetunion laufen.
schiede:

Es gibt nur zwei Unter-

Erstens führt die Sowjetunion in vielen dieser Bereiche schon

länger als wir solche Arbeiten durch und liegt daher in einigen davon
vorn.

Zwe tens wird unser Programm offen diskutiert, da unser politi-

sches System eine offene Debatte verlangt, bevor Entscheidungen getroffen
werden.

Diese Unterschiede in der politischen Entscheidungsfindung soll-

ten jedoch nicht zu irrigen Schlußfolgerungen verleiren.

Beide Seiten

führen ähnliche Forschungsarbeiten durch, und daran ist auch nichts auszusetzen .

Diese Tatsache macht es uns je3och schwer, zu verstehen, warum man
uns aller möglichen aggressiven Absichten beschuldigt., wenn wir nichts
anderes tun als Sie auch.

Uns erscheint es wichtig, diese Fragen frei-

mütig zu erörtern.

Kurzum:

Was wir anstreben, ist ein ausgewogenes, faires und verifi-

zierbares /abkommen - oder auch eine Reihe von Abkommen -, das uns in die
Lage versetzt, das durchzuführen, worauf wir uns im Januar in Genf geeinigt hatten:

Das Wettrüsten auf der Erde beenden und ein Wettrüsten im

Weltraum verhindern.

Die Vereinigten Staaten haben keine "gezinkten Kar-

ten" im Ärnel, und wir v/ollen die Sowjetunion bestimnt nicht in irgendeiner Weise bedrohen.

Offen gesagt, wenn die Sowjetunion eine vergleich- 24 -

�eine vergleichbare Haltung einnähme, dann könnten wir sehr rasch Fortschritte in Richtung auf ein Abkommen erzielen.

FRAGE 4:

Herr Präsident, Vertreter Ihrer Regierung behaupten, daß

die Vereinigten Staaten im Rahmen ihrer internationalen Beziehungen für
die Kräfte der Demokratie eintreten.

Wie vereinbaren sich solche Erklä-

rungen mit dem tatsächlichen Verhalten der Vereinigten Staaten?

Wenn man

ein beliebiges Beispiel aus dem Zeitgeschehen herausgreift, dann gewinnt
man eher den Eindruck, da3 immer dann, wenn ein Land von seinem Recht auf
unabhängige Entwicklung Gebrauch machen will - sei es im Nahen Osten, im
südlichen Afrika, in Mittelamerika o3er in Asien -, vor allen anderen die
Vereinigten Staaten jene unterstützen, die sich gegen die Volksmehrheit
und eine rechtmäßige Regierung stemmen.

ANTWORT:

Ihre Behauptungen über das Verhalten der Vereinigten Staa-

ten entbehren jeglicher Grundlage.

Wenn man Ihre Frag? hört, könnte man

meinen, daß die Vereinigten Staaten in einen Krieg in irgendeinem anderen
Land verwickelt seien und sich dabei in Gegensatz zu (. iner Volksmehrheit
gebracht hätten, die Selbstbestimmung wünscht.
chern, daß dies nicht der Fall ist.

Ich kann Ihnen versi-

Wie alle Amerikaner bin ich stolz

darauf, da£ nirgendwo auf der Welt auch nur ein einziger amerikanischer
Soldat im Kampfeinsatz steht. Wenn alle Länder dies von sich sagen könnten, dann Lebten wir wahrhaft in einer Welt mit weniger Spannungen und
Gefahren.

Ja, die Demokratie liegt uns sehr am Herzen.

Sie bildet die Grundla-

ge unseres politischen Systems und unserer gesamten Weltanschauung.

Im

Gegensatz r.u vielen anderen Staaten wurde unsere Nation nicht auf der
Grundlage einer bestimmten ethnischen Gruppe oder Kultur errichtet, sondern auf dar Grundlage des demokratischen Ideals.

So glauben wir zum

Beispiel, daß Regierungen nur dann rechtmäßig sein können, wenn sie vom
Volk eingesatzt sind, und daß sie dem Volk unterworfen sind, das in freien Wahlen diejenigen bestimmt, von denen es regiert wird.

Demokratie be-

deutet jedcch noch mehr als Wahlen, bei denen alle kandidieren können,
die dies wünschen.

Nach unserer Überzeugung gibt es viele Dinge, die so- 25 -

�die sogar eine ordnungsgemäß gewählte Regierung nicht tun darf.

Keine

amerikanische Regierung kann die Freiheit der Rede oder der Religion einschränken, und keine amerikanische Regierung kann den Menschen ihres Landes vorschreiben, wo sie wohnen müssen oder ob sie das Land verlassen
dürfen oder nicht. Diese und die übrigen in unserer Verfassung enthaltenen Freiheiten des einzelnen bilden das kostbarste Geschenk, das unsere
Vorfahren uns hinterlassen haben, und wir werden diese Freiheiten verteidigen, solange wir als Nation bestehen.

Das bedeutet jedoch nicht, daß wir uns für vollkommen halten.
sind wir natürlich nicht.

Das

Wir haben über 200 Jahre damit verbracht, zu

versuchen, gemäß unseren Idealen zu leben und Fehler .n unserer Gesellschaft zu beheben, und das versuchen wir immer noch.

Eies alles bedeutet

auch nicht, daß wir meinen, das Recht zu haben, unser System anderen aufzunötigen.

Das ist nicht so, denn wir glauben, daß jede Nation das Recht

haben sollte, über ihre eigene Lebensform zu bestimmen.

Wenn wir jedoch

sehen, daß andere Nationen von äußeren Mächten bedroht werden, die ihre
Freiheiten zerstören und ihnen die Herrschaft einer M.nderheit mit Waffengewalt aufzwingen wollen, dann werden wir ihnen, wo immer wir können,
helfen, sich dem zu widersetzen.

Wir würden unseren demokratischen Idea-

len nicht gerecht, wenn wir dies nicht täten.

Mit Gewalt reagieren wir nur, wenn sie das äußerste Mittel ist und
wenn wir aier

unsere Verbündeten zu Opfern von Aggression werden.

Im

Zweiten Weltkrieg beispielsweise haben wir uns energisch und in vollem
Umfang an dem erfolgreichen Kampf gegen das Hitlerreg:.me beteiligt, obwohl die Nazis nicht in unser eigenes Land eingedrungen sind.

Wir erin-

nern uns imner noch unseres Bündnisses aus Kriegszeiten und auch des Heldentums, das die Völker der Sowjetunion in jenem Kampf an den Tag gelegt
haben.

Wir erinnern uns auch, daß wir die Tatsache, daß wir eine der

Siegermächte waren, nicht dazu benutzt haben, Territorium zu vereinnahmen
oder zu versuchen, andere zu beherrschen.

Vielmehr haben wir geholfen,

die verwüsteten Länder wiederaufzubauen - und zwar gleichermaßen die Länder unserer Freunde und unserer vormaligen Feinde - und die Demokratie
dort voranzubringen, wo zuvor der Totalitarismus geherrscht hatte. Pro- 26 -

�hatte.

Profitieren wir nicht alle davon, daß Japan und die Bundesrepu-

blik Deutschland heute blühende Demokratien und starke Pfeiler einer stabilen und hijmanen Weltordnung sind?

Nun, das Hauptverdienst hieran kommt

dem deutsch?n und dem japanischen Volk zu, aber wir glauben, daß wir geholfen haben, den Gang der Dinge in diese Richtung zu lenken.

In den Gebieten, die Sie erwähnt haben, sind Trends zu verzeichnen,
von denen \\ir uns ermutigt fühlen, obwohl immer noch viele Unruhegebiete
bleiben.

V\as das südliche Afrika anbelangt, so ist Angola vom Bürger-

krieg zerrissen, abec wir haben beschlossen, keiner Seite Waffen zu liefern und aif eine friedliche Regelung zu dringen.

Was die Republik Süd-

afrika angeht, so ist das System der Apartheid allen Amerikanern ein
Greuel, aber auch hier streben wir eine friedliche Lösung an, und seit
vielen Jahrsn weigern wir uns, der Regierung Südafrikas Waffen oder Polizeiausrüstuig zu liefern.

In Lateinamerika sind beim Übergang von auto-

ritären zu demokratischen Gesellschaftssystemen

große Foitschritte er-

zielt worden, so daß es heute auf jenem Kontinent nur noch vier Staaten
gibt, die keine demokratisch gewählten Regierungen haben.

Seit 1979 ha-

ben sieben lateinamerikanische Staaten beim Übergang /on autoritären zu
demokratischen Systemen große Fortschritte gemacht. Wir sind seit Jahren
einer der nachdrücklichsten Fürsprecher der Entkolonialisierung, und wir
haben unseren Einfluß bei unseren engsten Freunden und Verbündeten geltend gemacht, um diesen Prozeß voranzutreiben.

Der nahezu abgeschlossene

Piozeß der Entkolonialisierung erfüllt uns mit Befriedigung, und wir sind
stolz auf die Rolle, die wir dabei gespielt haben.

Ich möchte betonen, daß unser Ziel darin besteht, den Demokratisierungsprozeß mit friedlichen Mitteln zu fördern. Nicht nur die amerikanische Regierung, sondern das amerikanische Volk insgesamt unterstützt diesen Prozeß mit Wort und Tat.
Die amerikanische Gesellschaft ist schon seit langer Zeit durch ihren
Geist des Freiwilligen Engagements und durch ihr Mitgefühl für die weniger Glücklichen gekennzeichnet.

Was unser eigenes Land angeht, so sind

w.r stolz auf unsere Leistungen bei der Unterstützung jener, die nicht
- 27 -

�die nicht selbst für sich sorgen können. Es ist nicht einfach die Regierung, sondern vielmehr das amerikanische Volk selbst, das durch eine
Vielzahl von freiwilligen Organisationen den in Not Befindlichen Hilfe
leistet, d.h., den Opfern von Überschwemmungen und Brandkatastrophen wie
auch den ALten, Kranken und Behinderten.

Wenn es darum geht, anderen

Völkern zu geben, dann sind die Amerikaner nicht weniger großzügig.

Ich

erinnere an die Arbeit Herbert Hcovers bei der Organisation der ameiikanischen Hilfsanstrengungen zur Ernährung der Opfer der Hungersnot in der
Sowjetunion von 1920.

Solche Anstrengungen machen wir bis. zum heutigen

Tage, seier es Lebensmittel für die Opfer der Hungersnot in Äthiopien
oder Lebensnittel für die Opfer von Erdbeben in Mexiko.

FRAGE

5:

Die

Schritte getan.

Sowjetunion

hat

einseitig

eine

Reihe

bedeutsamer

Sie hat gelobt, nicht als erste Kernwaffen einzusetzen.

Sie hat ein Moratorium für jede Art von Nukleartests ausgesprochen.

Sie

hat die Aufstellung von Mittelstreckenraketen im europäischen Teil ihres
Hoheitsgebists gestoppt und die Zahl dieser Raketen sogcir verringert.
Warum haben die Vereinigten Staaten nichts Vergleichbares getan?

ANTWORT:

Tatsächlich haben wir häufig Schritte unternommen, um Span-

nungen abzubauen und unseren guten Willen zu zeigen, aber vir haben selten eine Gegenleistung bekommen.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg,

als wir das einzige Land waren, das Kernwaffen besaß, haben wir vorgeschlagen, sie allesamt einer internationalen Behörde zu überantworter, so
daß keinem einzelnen Land ein derartiges Vernichtungspotential zur Verfügung stünde. Welch ein Jammer, daß diese Idee nicht akzeptiert wurde.

Wir haben unser Nuklearmonopol nicht nur nicht gegen andere genutzt,
sondern auch unsere

friedlichen Absichten bekundet, indem wir unsere

Streitkräfte mit außerordentlicher Geschwindigkeit demobilisiert haben.
Bei Kriegsende im Jahre 1945 hatten wir 12 Millionen Mann unter Waffen.
Anfang 194B hatten wir unsere Streitkräfte auf ein Zehntel dieser Zahl
verringert, d.h., auf 1,2 Millionen Mann.

Seit den sechziger Jahren ha-

ben wir unser Kernwaffenarsenal einseitig abgebaut.

Wir besitzen heute

wesentlich weniger Waffen als im Jahre 1969 und nur ein Drittel des Vernichtung spctentials von damals.
Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten und die NATO-Verbündeten haben wiederholt zu
verstehen gegeben, daß sie ihre konventionellen wie auch ihre nuklearen
Waffen niemals gebrauchen werden, es sei denn, wir werden angegriffen.

Ich möchte etwas hinzufügen, was in der Sowjetunion vielleicht nicht
allgemein bekannt ist.

In Übereinstimmung mit den NATO-Partnern haben

die Vereinigten Staaten seit 1979 aus Europa weit über 1000 Nukleargefechtsköpfe abgezogen.

Wenn alle unserer diesbezüglichen Vorhaben ab-

geschlossen sind, wird sich die Gesamtzahl der abgezogenen Gefechtsköpfe
auf mehr als 2400 belaufen.

D.h., für jede Mittelstreckenrakete, die wir

aufzustelle! beabsichtigen, werden wir dann fünf andere NukLearwaffen abgezogen haben.

Dies; wird unsere NJklearstreitkräfte in Europa auf den

niedrigsten Stand seit rund 20 Jahren bringen.

Eine vergleichbare Zu-

rückhaltung seitens der Sowjetunion war bisher nicht zu verzeichnen.

Wenn die Sowjetunion heute ihre Mittelstreckenraketen in Europa verringert, sc» ist dies ein längst überfälliger Schritt.

Die Sowjetunion

hat zum gegenwärtigen Zeitpunkt 441 Raketen des Typs SS-20 in Stellung,
jede davon mit drei Gefechtsköpfen, was insgesamt 1323 Gefechtsköpfe ergibt.

Ich muß Sie nicht daran erinnern, daß diese sowjetischen Waffen-

stationierungen zu einem Zeitpunkt begannen, als die NATO in Europa 1-eine
vergleichbaren Systeme besaß. Wir versuchten zunächst, diese Systeme auf
dem Verhandlungswege

zu beseitigen, aber da kein Abkommen zu erzielen

war, ging cie NATO zu einer begrenzten Reaktion über, die nun Schritt für
Schritt abgewickelt tfird. Heute besitzt die Sowjetunion bei Gefechtr.köpfen auf bereits aufgestellten Raketen einen Vorsprung von 7:1.
Position bleibt so, wie sie schon immer war:

Unsere

Es wäre besser, all diese

Raketenarten auf dem Verhandlungswege zu beseitigen.

Aber selbst dann,

wenn unsere Hoffnungen auf ein Abkommen enttäuscht würden und die NATO
ihre eigenen Rüstungspläne in vollem Umfang durchführen müßte, würde dies
lediglich zur Aufstellung von maximal 572 Raketen mit Einzelgefechtskopf
führen.

Darüber hinaus ließ Präsident Carter im Jahre 1978 die Programme für
die Neutronenwaffe und den B-l-Bomber einstellen, ohne daß die Sowjet- 29 -

�die Sowjetunion sich zu einem entsprechenden Schritt bereit gefunden hätte.

Auf die Frage, welche RüstungsVerminderungen die Sowjetunion im Ge-

genzug vornehmen würde, erwiderte einer Ihrer Regierungsvertreter sogar:
"Wir sind keine Philanthropen."

In den Jahren 1977 und 1978 versuchten

die Vereinigten Staaten außerdem, auf dem Verhandlungswege ein Verbot der
Entwicklung

von Antisatollitenwaf fen

herbeizuführen.

Die

Sowjetunion

lehnte ein solches Verbot ab und betrieb die Entwicklung und Erprobung
einer Antisatellitenwaffe weiter.

Nachdem die Sowjetunion nun ein ein-

Sc.tzfähiges Antisatellitensystem aufgebaut hat, schlägt sie heute einen
"Küstungsstop" vor, bevor die Vereinigten Staaten ihr eigenes System erproben könren.

Diese Art von "Rüstungsstop" erscheint uns aus nahelie-

genden Gründen nicht sehr fair, und wenn die RollenverteiLung umgekehrt
wäre, würde Ihnen das auch nicht sehe fair vorkommen.

Die zwischen unseren beiden Staaten anstehenden Fragen sind derart
wichtig, dcß die Standpunkte jeder der beiden Regierungen den Menschen
beider Länder korrekt dargelegt werden sollten. Hierbei kommt den Medien
beider Ländar eine bedeutsame Rolle zu. Wir sollten nicht versuchen, gegeneinander "Punkte zu vorbuchen".

Und die Medien sollten unsere Stand-

punkte nicht verzerrt wiedergeben. Wir sind entschlossen, jeden sowjetischen Vorschlag sorgfältig zu prüfen und nach Möglichkeit Gerneinsamkeiten
zu finden.

Es ist wichtig, daß die sowjetische Regierung das gleiche im

Hinblick auf unsere Vorschläge tut.

Worauf es ankommt, ist, daß wir uns beide ernsthaft mit den Vorschlägen der Gegenseite auseinandersetzen und uns ehrlich bemühen, unsere? Gegensätze in einer Weise zu überbrücken, die den Interessen beider Länder
und denen der ganzen Welt dient.

Genau in diesem Geiste werde ich in

meine Begegnung mit Generalsekretär Gorbatschow hineingehen.

* * * * *

- 30 -

�13. November 1985

45

REAGAN NOMINIERT NEUEN US-GESUNDHEITSMINISTER

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 7. November 1985
den früheren Gouverneur des amerikanischen Bundesstaates Indiana, Otis
Bowen, zum neuen Minister für Gesundheit und Sozialdienste nominiert.
Bowen tritt die Nachfolge von Margaret Heckler an, die im vorigen Monat
zur Botschafter in der Vereinigten Staaten in Irland ernannt worden war.
Die Ernennung von Bowen bedarf noch der Bestätigung durch den amerikanischen Senat.

Otis Bowen wurde am 26. Februar 1918 in Richland Center im Staate Indiana geboren.

Er besuchte die Indiana University in Bloomington bis

1939 und legte dann an der dortigen Medizinischen Fakultät im Jahr 1942
sein Staatsexamen ab.

Als Kleinstadtarzt begann Bowen seine Karriere.

Bis zu seiner Beru-

fung nach Washington war er Professor für Familienmedizin und Direktor
des Instituts für Familienberatung an der Universität, an der er studierte.

Bowen hat in zahlreichen Veröffentlichungen zu medizinischen Fragen

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�medizinischen Fragen Stellung genommen und ist für seine Beiträge auf dem
Gebiet der öffentlichen Gesundheit mehrfach ausgezeichnet worden.

Der Politik wandte sich Bowen in den fünfziger Jahren zu und wurde
1957 als Abgeordneter in das Repräsentantenhaus von Indiana gewählt, wo
er von 1967 bis 1972 das Amt des Sitzungspräsidenten innehatte. Von 1973
bis 1981 war er Gouverneur des Staates Indiana.

Daneben war er in zahl-

reichen Kommissionen und Ausschüssen auf Bundesebene tätig, darunter im
Beirat für die Sozialversicherung, dem Präsidialausschuß für Wissenschaft
und Technologie und dem Präsidialausschuß für Föderalismus.

Bei der Nöminierung erklärte Präsident Reagan vor der Presse, er habe
Bowen ausgewählt, weil "er alle Qualifikationen im Übermaß hat."

* * * * *

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