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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

4 . September 1985

35

INHALT

INFORMATION
Reagan will Gorbatschow auf halbem Wege entgegenkommen
- Zugang zu sowjetischen Medien würde den Dialog verbessern -

DOKUMENTATION
Reagan würdigt Atomsperrvertrag als historische Leistung
- Ansprache des US-Abrüstungsbeauftragten in Genf -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zugang zu US-Nachrichtensatelliten soll allen Nationen offenstehen
- Flexibilität - Schlüssel zu wirtschaftlichem Betrieb -

* * * * *

Um Übei/cndung von
Belegexemplaren
uiird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�4. September 1985

,35

REAGAN WILL GORBATSCHOW AUF HALBEM WEGE ENTGEGENKOMMEN
Zugang zu sowjetischen Medien würde den Dialog verbessern -

WASHINGTON

-

(AD) - Präsident Ronald

Reagan hat

in einer

Erklärung

des Weißen Hauses vom 3. September 1985 erneut betont, er sei bereit, den
Sowjets auf halbem Wege entgegenzukommen.
Wie der Stellvertretende Pressesprecher des Weißen Hauses, Larry
Speakes, mitteilte, hat der Präsident die von Generalsekretär Gorbatschow
in seinem Interview mit dem amerikanischen Nachrichtenmagazin TIME geäußerte Ansicht, begrüßt, bei dem Gipfeltreffen im November "ernsthafte
Vorschläge zu unterbreiten". Wenn Präsident Reagan sich in ähnlicher Weise durch sowjetische Medien an die Bevölkerung der Sowjetunion wenden
könnte, so Speakes, "dann würde das ohne Frage unseren Dialog erleichtern" .
Speakes

wies

in

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Speakes wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß der Direktor des
US-Informationsamtes, Charles

Z. Wick, bereits

im Januar

dieses

Jahres

Leonid Samjatin, der in der UdSSR für internationale Information zuständig

ist, den Vorschlag

für wechselseitige Erklärungen

im Fernsehen ge-

macht, jedoch bisher keine Antwort auf diesen Vorschlag erhalten habe. Es
gehe nicht um eine öffentliche Debatte, sondern darum, der jeweils anderen Seite die eigene Auffassung zu vermitteln.
Bezüglich der Vorbereitungen das Treffens im November in Genf erklär-"
te der Sprecher des Weißen Hauses, diese fänden am besten "über vertrauliche, diplomatische Kanäle" statt, und nicht in den Medien. Auf die Er-*
klärung Gorbatschows in dem TIMi;-lnt erview angesprochen, die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen hätten sich ernsthaft verschlechtert,
antwortete Speakes, der Präsident habe immer die Auffassung vertreten,
"dass wir mit der Sowjetunion in realistischer Weise verhandelt haben.
Wenn wir Schwierigkeiten, Meinungsverschiedenheiten in dieser Beziehung
sehen, d a m werden wir nicht zögern, auf sie hinzuweisen." Die Administration sei sich im klaren, daß es "ernsthafte Meinungsverschiedenheiten
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gebe, aber das ist
umso mehr ein Grund, daß wir in einer Atmosphäre zusammenkommen, die
einem Ergebnis förderlich ist, das zu Mitteln und Wegen führt, um mit
diesen Problemen fertigzuwerden . "
Wenn oeide Seiten mit einer konstruktiven Einstellung zu dem Gipfeltreffen im November kämen, so betonte der Sprecher des Weißen Hauses,
dann gebe es keinen Grund, warum nicht ein Maß an Erfolg bezüglich von
Vereinbarungen erzielt werden könne, wie man die Meinungsverschiedenheit
ten beilegen könne. Die Vereinigten Staaten meinten es ernst mit ihrer
Gesprächsbereitschaft. "Wir sind bereit", so unterstrich Speakes, "mit.
den Sowjets bei diesem Treffen auf einer realistischen Basis zu verhandeln, auf der Basis der Bereitschaft, ernsthafte Gespräche zu führen und
ihnen in einer Reihe von Fragen auf halbem Wege entgegenzukommen. Das
Wichtige ist, daß dieses Treffen zustandekommt, daß die beiden Männer

�die beiden Männer sich Auge in Auge gegenüberstehen, sich gegenseitig abschätzen können, ihre Meinung zu den verschiedenen Themen äußern können
und dann

in der Lage sind, eine Tagesordnung aufzustellen, um mit diesen

Problemen in Zukunft fertigzuwerden."
Die Erklärung

von Speakes

zu Beginn

seiner

Presseunterrichtung

hat

folgenden Wortlaut:
Wir begrüßen die Erklärung von Generalsekretär Gorbatschow, wonach er
bereit ist, bei dem Treffen mit Präsident Reagan im November ernsthafte
Vorschläge auf den Tisch zu legen.
Was die Vereinigten Staaten anbelangt, so sieht der Präsident diese
Beziehungen in ihrer ganzen Bedeutsamkeit und ist bereit, den Sowjets in
dem Bemühen um eine Lösung der Probleme auf halbem Wege entgegenzukommen.
Der Präsident hofft, daß das Treffen in Genf die Grundlage dafür schaffen
wird, die Probleme zu lösen, vor denen unsere beiden Nationen stehen.
Unsere Vorstellung von den Ursachen der derzeitigen amerikanisch-sowjetischen Spannungen unterscheiden sich beträchtlich von denen, die Herr
Gorbatschow dafür angibt. Aber wir beabsichtigen nicht, darüber in den
Medien zu diskutieren. Die Vorbereitungen für das Treffen in Genf werden
am besten über vertrauliche diplomatische Kanäle geführt.
Wir

freuen uns über die Tatsache, daß Herr Gorbatschow

in der Lage

war, seine Ansichten der amerikanischen Öffentlichkeit darzulegen. Das
Interview ist ein erstklassiges Beispiel für die Offenheit des amerikanischen Systems und für den Zugang zu den amerikanischen Medien, dessen
sich die Sowjets erfreuen. Wenn Präsident Reagan eine vergleichbare
Möglichkeit hätte, über die sowjetischen Medien seine Ansichten dem sowjetischen Volk darzulegen, so würde dies ohne Zweifel unseren Dialog verbessern und Zeichen der sowjetischen Bereitschaft sein, in einem wichtigen Aspekt der Verbesserung unserer Beziehungen eine gewisse Gegenseitigkeit zu akzeptieren.
Hätte

Präsident

Reagan

�Hätte
Präsident
Reagan
direkten
Zugang
zur
sowjetischen
Öffentlichkeit, so wäre dies ein großer Schritt in Richtung auf eine
Verbesserung des Verständnisses zwischen unseren beiden Völkern. Ziel
eines solchen Austausches wäre nicht die Debatte, sondern eine Darlegung
der Ansichten beider Seiten.

* * * * *

�4. September 1985

35

REAGAN WÜRDIGT ATOMSPERRVERTRAG ALS HISTORISCHE LEISTUNG
- Ansprache des US-Abrüstungsbeauffragten in Genf -

GENF -(AD)- Der Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Kenneth Adelmann, hat der Überprüfungskonferenz für den Atomsperrvertrag (Non-Proliferation Treaty - NPT) in Genf am
28. August eine Botschaft von Präsident Reagan überbracht, in der dieser
den Vertrag als eine historische Leistung und als wichtigen Eckpfeiler in
den Bemühungen um die Verhinderung der weiteren Ausbreitung der Kernwaffen bezeichnet. In seinen eigenen Ausführungen betonte Adelmann, der Vertrag, den 125 Länder unterzeichnet haben, habe die Welt sicherer gemacht.

Die Ausführungen Adelmanns, die die Botschaft des Präsidenten einschließen, haben folgenden Wortlaut:

Vor 40 Jahren erlebte die Welt die Geburt einer neuen Art von Waffe
von nie dagewesener und bisher unvorstellbarer Zerstörungskraft. Seither
mußten sich alle Länder und Völker der Erde den Versprechungen und den
Gefahren des Atoms stellen.
Während der nächsten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Während der nächsten vier Wochen werden die hie.: versammelten hervorragenden Delegierten die feierliche Verpflichtung haben, Ubei das wichtigste Thema unserer Zeit zu sprechen - d:e nukleare Herausforderung. Zusammen werden wir den Beitrag werten, den der vertrag über d:e Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen geleistet hat. Präsident Reagan hat die
Vorstellung meines Landes von der vor uns liegenden Aufgabe in einer Botschaft formuliert, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

"Es ist mir ein großes Vergnügen, diese Botschaft an die Delegierten
der Dritten Überprüfungskonferenz für den Nichtweiterverbreitungsvertrag
zu richten - einem Ereignis, das auch mit dem 15. Jahrestag der Unterzeichnung dieses Vertrages zusammenfällt. Der Nichtweiterverbreitungsvertrag ist eine historische Leistung. Er ist ein entscheidender Eckpfeiler
unserer gemeinsamen Bemühungen, die weitere Ausbreitung von Kernwaffen zu
verhindern und gleichzeitig den Vertragspartnern einen geeigneten Rahmen
zu bieten, um die Segnungen des friedlichen Atoms genießen zu können. Indem wir die Gefahr der weiteren Ausbreitung der Kernwaffen und das Risiko
eines Atomkrieges verringern, tragen wir ::ur Sicherheit und dem Wohlergehen aller Länder und Völker bei.

Mein zentrales Anliegen der Rüstungskontrolle ist die wesentliche Reduzierung und schließlich Abschaffung der Kernwaffen und die Befreiung
der Welt von der nuklearen Bedrohung. Zu diesem Zweck haben die Vereinigten Staaten in Genf radikale Verringerungen der Zahl der vorhandenen
Kernwaffen vorgeschlagen. Das ist nach meiner Überzeugung der direkteste
und beste Weg, wenn wir die Gefahr eines Atomkrieges beseitigen wollen.

Gleichzeitig bin ich der Überzeugung, daß verifizierbare Begrenzungen
der Nuklearversuche eine nützliche, wenn auch bescheidene Rolle spielen
können. Aus diesem Grunde habe ich am 29. Juli erneut meinen Wunsch geäußert, einen Prozeß in Gang zu setzen, der es den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion erlauben wird, die Basis für wirksam verifizierbare
Begrenzungen für unterirdische Versuche zu schaffen. Wir haben die Sowjetunion eingeladen, Beobachter mit allen Instrumenten ihrer Wahl zu ent-

�zu entsenden, um einen Nuklearversuch auf unserem Gelände zu messen. Diese Einladung ist an keine Vorbedingungen gebunden.

Ein weiteres wesentliches Ziel der Vereinigten Staaten ist der Aufbau
einer stabilen, kooperativen Beziehung zur Sowjetunion. Von den gemeinsamen Interessen unserer beiden Länder gehören die Vermeidung eines Krieges
und der Abbau des RüstungsStandes zu den wichtigsten. Wie ich bereits
früher erklärt habe, beginnt die Kooperation mit der Kommunikation, und
ich freue mich, im November mit Generalsekretär Gorbatschow zusammenzutreffen.

Alle Vertragsparteien des NPT tragen heute mit an der Verpflichtung,
eine Bestandsaufnahme zu machen, auf faire und ausgewogene Weise zu begutachten, wie die lebenswichtigen Ziele der Vertrages eingehalten werden
und sich zu überlegen, wie wir es noch besser machen könnten.
Wenn das Funktionieren des wichtigen Vertrages überprüft wird, dann
sollte die Konferenz auch die Tatsache feiern, daß er ein großer Erfolg
ist. Die Vereinigten Staaten bleiben feierlich den in dem Vertrag niedergelegten Zielen und seiner Vision einer stabileren und sichereren Welt
für alle Nationen verpflichtet."

Wie Präsident Reagan sagt, obliegt uns jetzt die Verantwortung, Bestandsaufnahmen für den NPT zu machen. Diese Aufgabe ist heute besonders
nützlich, da wir auf etwas mehr als der halben Strecke zwischen dem Inkrafttreten des Vertrages und der Frage seiner Verlängerung im Jahre 1995
angekommen sind.

Sicherlich gibt es eine Vielfalt von Meinungen, wie man die nukleare
Herausforderung bewältigen kann, und diese werden hier in diesem Saal in
den nächsten vier Wochen zum Ausdruck kommen.

Und so soll es auch sein.

Als freie Menschen verstehen und respektieren wir Amerikaner die Be-

�Amerikaner die Bedeutung der Meinungsvielfalt. Das konkrete Ergebnis dieser Konferenz sei es eine Schlußerklärung oder etwas anderes - ist weit
weniger wichtig als daß wir eine ehrliche und ausgewogene Überprüfung abhalten - mit ei- ner, wie ich sage, kompletten Vielfalt der Meinungen.
Ich bin mir ganz sicher, daß eine solche Überprüfung zutage bringen wird,
daß wir alle ein großes gemeinsames Interesse c.m NPT haben und daß dieser
Vertrag den Sicherheitsinteressen aller Lander dient.

Warum? Weil er unsere Welt sicherer gemacht: hat. Man kann von keinem
Vertrag verlangen, daß er mehr leistet. Wie einer unserer Gründerväter,
John Jay, in den Pörderalistischen Dokumenten erklärt hat: 'Von den vielen Zielen, denen ein kluges und freies Vok seine Aufmerksamkeit zuwendet, kommt die Vorsorge für seine Sicherheit an erster Stelle."

Der NPT wurde abgeschlossen, um drei Zielen und Zwecken zu dienen:
der Ausbreitung der Kernwaffen Einhalt zu gebieten, den Mitgliedsländern
zu helfen, friedliche nukleare Kapazitäten zu entwickeln und zu einem
weiteren Fortschritt in umfassenden Rüstungskontroll- und Abrüstungsmaßnahmen zu führen. Wie weit hat er diese Ziel erreicht?
Am besten sicherlich das erste Ziel, das zentrale Element des Vertrages, das allen Ländern zugute kommt. Ende der fünfziger und Anfang der
sechziger Jahre befürchtete man, daß der weiteren Ausbreitung der Kernwaffen kein Einhalt geboten werden könne. Ein Sonderausschuß der Nationalen Planungsvereinigung der Vereinigten Staaten sagte beispielsweise 1958
voraus, daß "bis 1970 alle Länder mit einer ins Gewicht fallenden militärischen Stärke ihr Arsenal an Kernwaffen besitzen werden - strategischen,
taktischen oder beiden." Ähnliche Befürchtungen führten z. T. zu einer
von Irland eingebrachten Resolution der Vollversammlung der Vereinten Nationen, die die Aufmerksamkeit auf die Gefahren der Weiterverbreitung und
die Notwendigkeit, ihr entgegenzutreten, lenkte. Präsident John F. Kennedy warnte zwei Jahre später vor einer Welt, die bis 1975 15 bis 20 Länder
mit Kernwaffen haben könnte.

Solche ängstlichen Erwartungen hätten zu einem diplomatischen Fata- 4 -

�diplomatischen Fatalismus und zur politischen Stagnation führen können.
Aber dem war nicht so. Die Führer der Welt waren klug genug, positive
Maßnahmen zu ergreifen, um der drohenden Gefahr zu begegnen. Das Ergebnis
war der Nichtweiterverbreitungsvertrag. Und seit seinem Inkrafttreten im
Jahre 1970 hat er eine wahrhaft entscheidende Rolle gespielt, der Weiterverbreitung der Bombe Einhalt zu gebieten. Wer hätte geglaubt, daß in den
folgenden 15 Jahren nur ein Land - Indien - einen nuklearen Sprengkörper
zünden würde? Es waren nur wenige Leute, aber es war doch so.

Als Ergebnis leben wir alle heute sicherer. Das ist zum Teil darauf
zurückzuführen, daß der Vertrag weitgehend eingehalten wurde, daß über
125 Länder bereit waren, auf den Erwerb von nuklearen Sprengsätzen zu
verzichten und für all ihre nuklearen Tätigkeiten die Sicherheitsbestimmungen der IAEA zu akzeptieren. Diese Schritte haben dazu beigetragen,
sowohl den innenpolitischen Druck als auch die internationalen Besorgnisse zu mildern, die sonst vielleicht einen Run auf Kernwaffen hätten auslösen können. Die Nichtweiterverbreitungs- wie auch die Sicherheitsbestimmungen des Vertrages haben beide als Grundlage für eine vernünftige
Politik der Versorgung mit nuklearem Material geführt.

Und was noch wichtiger ist, der Vertrag spiegelt mit seiner wachsenden Zahl der Parteien - allein seit der letzten Überprüfungskonferenz
sind 16 neue Länder dazugekommen - eine immer breitere universale Norm
für die Nichtweiterverbreitung wieder. Eine Welt mit vielen Nuklearmächten ist vermeidbar und muß vermieden werden. Wenn sich ein Staat auf den
Weg zum Erwerb dieser Waffen machen würde, dann würde ihm internationale
Besorgnis und nicht stillschweigendes Einverständis entgegenschlagen. Die
Beschaffung dieser Waffen würde auf internationale Verurteilung stoßen
und nicht auf Zustimmung. Diese zum Zeitpunkt der Schaffung des NPT aufgestellten Normen sind seither jedes Jahr verstärkt worden.

Alle Länder haben ein Interesse, die weitere Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern. Wir in den Vereinigten Staaten wissen, daß eine Welt
mit vielen Nuklearmächten unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten
bedrohen würde. Aber die Ausbreitung von Kernwaffen würde in gleicher

�in gleicher Weise - wenn nicht noch mehr - die Nachbarn der neuen Waffen^
Staaten bedrohen und früher oder später die Sicherheit der neuen Besitzer
selbst untergraben. Alter Argwohn und Spannungen würden verschärft. Das
Risiko eines Konfliktes würde steigen. Das Ergebnis wäre weniger Sicherheit für jeden von uns und damit für uns alle.

Diese einfache Tatsache wird, wie ich sagte, weitgehend anerkannt.
Diese Anerkennung ist die Grundlage der Kooperation unter uns, um den NPT
und andere Vorkehrungen gegen die weitere Ausbreitung der Bombe aufrechtzuerhalten und zu stärken. Sie kommt in den Bemühungen vieler von uns in
Ost und West, blockgebunden oder blockfrei, zum Ausdruck, noch mehr Länder zu überzeugen, dem Vertrag beizutreten. Sie kommt im übrigen in der
Einhaltung des Vertrages durch jedes unserer Lander zum Ausdruck - was
ihn zu demtesteingehaltenenRüstungskontrollvertrag macht, den es je
gegeben hat,

Aber die Zusagen zur Einhaltung des Vertrages sind noch nicht genug.
Wir müssen unseren Worten Taten folgen lassen. Die Vereinigten Staaten
haben das getan, wie es in den Informationen dokumentiert wird, die wir
dem Vorbereitungsausschuß zugeleitet haben, ich möchte das kurz zusammenfassen:

Erstens, seit der Überprüfungskonferenz von 1980 haben wir unsere Exportbestimmungen verschärft, um es noch unwahrscheinlicher zu machen, daß
amerikanische Exporte zum Risiko einer Weiterverbreitung beitragen könnten. Wir haben uns mit anderen NPT-LieferStaaten verständigt, die sogenannten "Alarm-Listen" zu verbessern, die geschaffen wurden, um den Vertragspartnern zu helfen, ihre Verpflichtungen gemäß Artikel III einzuhalten.
Zweitens, haben wir alle Nuklearliefecländer aufgefordert, sich uns
in der Forderung nach umfassenden oder vollständigen Sicherheitsbestimmungen für die friedliche nukleare Tätigkeit eines Nichtwaffenstaates als
Voraussetzung für wesentliche neue Lieferzusagen anzuschließen. Vertragsparteien des NPT akzeptieren bereits solche umfassenden oder vollständi-

�oder vollständigen Sicherheitsbestimmungen für ihre friedlichen Tätigkeiten. Wenn von nicht dem Vertrag angehörigen Ländern die Annahme dieser
Sicherheitsbestimmungen als Voraussetzung für Lieferungen gefordert wird,
dann würde dies einer Gleichbehandlung entsprechen. Ferner würde die Aufgabe der IAEA erleichert, und es bestünde größere Gewähr für die friedlichen Absichten eines Landes auf nuklearem Gebiet. Wir sind weiter der
Überzeugung, daß alle Lieferländer eine solche Haltung einnehmen sollten.

Drittens, ebenfalls seit der letzten Überprüfungskonferenz ist das
Sicherheitsabkommen, das die Routineinspektion von friedlichen Nukleareinrichtungen in den Vereinigten Staaten erlaubt, verwirklicht

worden.

Die IAEA hat jetzt das Recht, ihre Sicherheitsbestimmungen auf über 230
private oder in Regierungsbesitz befindliche Nukklearanlagen anzuwenden.
Wir begrüßen Inspektionen jener Anlagen, die von der IAEA ausgesucht werden, als ein Mittel, um die Unterstützung der Vereinigten Staaten für
wirksame Sicherheitsbestimmungen zu demonstrieren, und wir werden das
weiterhin tun.

Wir appellieren an andere, diesem Beispiel zu folgen. Wir sind erfreut über den kürzlichen Abschluß eines sowjetischen freiwilligen
Sicherheitsabkommen mit der IAEA, und wir hoffen, daß die Sowjets zusätzliche Typen und Zahlen von Anlagen für Sicherheitsbestimmungen zugänglich
machen werden. Wir hoffen, daß auch China für einige seiner Nukleareinrichtungen IAEA-Sicherheitsbestimmungen akzeptieren wird.

Viertens, die Vereinigten Staaten haben im Jahre 1981 das Protokoll I
des Vertrages von Tlatelolco ratifiziert, das eine kernwaffenfreie Zone
in Lateinamerika schafft. Durch diesen Akt haben wir uns verpflichtet,
keine Kernwaffen in amerikanischen Territorien in dieser Zone zu lagern
oder zu dislozieren. Wir hatten zuvor Protokoll II des Vertrages ratifiziert, wodurch sich die Vereinigten Staaten verpflichtet haben, gegen
Vertragsparteien des Vertrages von Tlatelolco keine Kernwaffen einzusetzen oder ihren Einsatz anzudrohen. Vor einigen Wochen wurde eine weitere
Initiative bekanntgegeben: der Entwurf für eine kernwaffenfreie Zone im
Südpazifik. Wir sind bereit, diesen neuen Vertragsentwurf mit Interesse

�mit Interesse und vorurteilslos zu prüfen.

Der NPT ist also ein großer Erfolg, wenn es darum geht, das erste
Ziel zu erreichen, nämlich der Ausbreitung der Kernwaffen Einhalt zu gebieten. Und, wie es in einem der berühmten Parkinsonschen Gesetze heißt:
Der Erfolg einer Politik kann an den Katastrophen gemessen werden, die
nicht eintreten. Die Weiterverbreitung, mit der man vor Jahrzehnten gerechnet hatte - diese Katastrophe - ist nicht eingetreten.

Wie sieht es nun in bezug auf das zweite Ziel des Vertrages, die Förderung der friedlichen Nutzung der Kernenergie aus? Hier ist das Bild
sehr gut.

Seit den ersten Tagen des Programmes "Atome für den Frieden" haben
die Vereinigten Staaten anderen Ländern dabei geholfen, friedlichen Nutzen aus der Kernenergie zu ziehen - um ihren Energiebedarf zu befriedigen, ihren Bedarf im Bereich der Medizin und der Gesundheitsvorsorge, in
der Wissenschaft, in der Industrie und in der Landwirtschaft. Wir waren
damals der Überzeugung - und sind es noch heute -, daß alle dem NPT angehörigen Staaten - insbesondere die Entwicklungsländer - eine legitimes
Recht haben, diese friedlichen Anwendungen zu betreiben und daß die Vertragsparteien besondere Vorteile erhalten sollten.

Während der gesamten bisherigen Laufzeit des Vertrags hat sich die
friedliche nukleare Zusammenarbeit zwischen den NPT-Vertragsparteien
ständig verstärkt. Die Nichtweiterverbreitungsverpflichtungen der Vertragsparteien schufen das Vertrauen, daß friedliche nukleare Hilfe und
Exporte nicht zur Herstellung von Kernwaffen mißbraucht würden. Dieses
Vertrauen hat überhaupt erst die Versorgung im Nuklearbereich ermöglicht.

Die Vergangenheit zeigt das Maß, in dem sich die Hilfe für die Vertragsparteien gesteigert hat. In den vergangenen 15 Jahren wurden zehntausende von Studenten aus den Entwicklungsländern in den Nuklearwissenschaften und in verwandten Bereichen ausgebildet, und diese Zahl nimmt
ständig zu. Fast 20 Entwicklungsländer besitzen jetzt eigene Forschungs-

�eigene Forschungsreaktoren. Und seit 1980 hat die IAEA fast 150 Millionen
Dollar an technischer Hilfe bereitgestellt - und damit die Mittel des
vorhergehenden Jahrzehnts mehr als verdoppelt, wobei der größte Teil dieser Gelder an NPT-Vertragsparteien ging.

Dies ist auch mit der Grund dafür, daß die Republik Korea nunmehr einen beträchtlichen Teil ihrer Elektrizität aus Kernenergie gewinnt. Mexiko, die Philippinen und Ägypten sind dabei, Kernkraftanlagen zu errichten. Andere dürften diesem Beispiel in den kommenden Jahren folgen.
Auch hier haben die Vereinigten Staaten erhebliche Hilfe geleistet,
wie ein paar Beispiele aus unseren Aktivitäten seit 1980 deutlich belegen:

— Praktisch die gesamte amerikanische Exportfinanzierung im Nuklearbereich - insgesamt über 1 Milliarde Dollar - ging an NPT-Vertragsstaaten.
— Es wurden spezielle Ausbildungsvereinbarungen getroffen, um Technologietransfer nur mit solchen Staaten ZJ fördern, die dem NPT oder dem
Vertrag von Tlatelolco angehören.
— Wir haben Hunderte von Stipendien für technische Ausbildung unter
der IAEA fast ausschließlich für NPT-Vertragssstaaten gewährt.

— Alle zusätzlichen amerikanischen Haushaltsmittel für Projekte
technischer Hilfe, die nicht durch die IAEA bereitgestellt wurden, gingen
an NPT-Vertragsparteien.

—Wir haben unsere Regeln und Vorschriften modifiziert, um die Lizensierung von Exporten in NPT-Vertragsparteien zu erleichtern.

—Und wir haben fast 22 Millionen Dollar für das technische Hilfsprogramm der IAEA ausgewiesen.

Zusammengefaßt: Was dieses zweite Ziel des NPT angeht, so haben wir
viele konkrete Maßnahmen ergriffen und erhebliche Mittel aufgewandt, um
- 9 -

�aufgewandt um friedliche Nuklearprogramnie zu fördern, die den Entwicklungsländern von echtem Nutzen sind. Wie stets kann auch hier mehr getan
werden. Wir werden auch weiterhin mit anderen zusammenarbeiten, um dazu
beizutragen, daß sichergestellt wird, daß uns allen der ganze Vorteil der
friedlichen Mög- lichkeiten des Atoms zuteil werden kann.

Das dritte - aber gewiß nicht das geringste - Ziel des NPT wird in
der Forderung von Artikel VI zum Ausdruck gebracht, nämlich nach "Verhandlungen in gutem Glauben über wirksame Maßnahmen in bezug auf die Beendigung des nuklearen Wettrüstens..." Genau zu diesem Zweck stehen die
Vereinigten Staaten mitten in einer ganzen Bandbreite von Rüstungskontrollverhandlungen. Wir sind unseren Verpflichtungen gemäß Artikel VI gerecht geworden - und werden dies auch weiterhin tun. Dennoch teilen wir
voll und ganz den Eindruck, der diesen Saal beherrscht und der sicherlich
hier noch seinen Ausdruck finden wird - daß nämlich die Ergebnisse dieser
Verhandlungen bislang enttäuschend gewesen sind.

Dieses Ziel beträchtlicher Rüstungskontrolle existiert unabhängig vom
NPT, obgleich dieser es eindeutig verstärkt. Keine andere Nation bzw.
Gruppe von Nationen hat eine stärkere Motivation hinsichtlich konkreter
Schritte zur Beendigung und Reversion des nuklearen Wettlaufs als wir.
Keine andere Nation bzw. Gruppe von Nationen wünscht mehr einen Fortschritt gemäß Artikel VI.

Ich würde sogar noch weiter gehen: Keine Nation bzw. Gruppe von Nationen wünscht Fortschritte in der Rüstungskontrolle mehr als die Vereinigten Staaten von Amerika. Verhinderung eines Atomkrieges und Bewegung in
Richtung auf das Ziel der Beseitigung der Kernwaffen sind Präsident Reagans oberste Prioritäten. Er hat es so oft gesagt: Ein Atomkrieg kann nie
gewonnen und darf nie geführt werden.

Viele von Ihnen werden im Lauf des kommenden Monats darauf verweißen,
wie dürftig der Fortschritt in Richtung auf das Ziel der Beseitigung der
Kernwaffen gewesen ist, seit der Vertrag in Kraft trat. Wir können dieser
Argumentation nur zustimmen, wenn vielleicht auch nicht mit den entspre-

-10-

�mit den entsprechenden Erklärungen.

Und dennoch sollten wir nicht außer acht lassen, daß einiger Fortschritt erzielt worden ist. Der ABM-Vertrag setzt Begrenzungen bei der
Dislozierung von Raketenverteidigungen; die SALT-Verträge begrenzten das
Anwachsen der strategischen Offensivkräfte - wenn sie sie leider auch
nicht verringerten.

Niemand kann leugnen, daß es heute schlicht und einfach zu viele
Kernwaffen auf der Welt gibt. Niemand kann leugnen, daß wir mit der
dringlichsten aller Aufgaben vorangehen müssen, diese Waffen zu verringern und schließlich zu beseitigen. Niemand kann leugnen, daß es hierzu
der Taten - und nicht der Worte - bedarf.

Die Vereinigten Staaten haben sich dieser Aufgabe voll und ganz verpflichtet. Wir verhandeln nicht nur intensiv und flexibel, sondern wir
haben auch zur Verringerung der Kernwaffen einseitige Schritte und Maßnahmen zusammen mit unseren Verbündeten unternommen. Seit der NPT in den
sechziger Jahren ausgehandelt wurde, haben die Vereinigten Staaten einseitig ihr totales Nukleararsenal um ein Viertel verringert. Seit Aushandlung des NPT haben wir, erneut einseitig, die Gesamtzerstörungskraft
unseres nuklearen Arsenals um gut über die Hälfte verringert. Und seit
der letzten Überprüfungskonferenz haben die Vereinigten Staaten gemeinsam
mit ihren NATO-Verbü'ndeten 1000 nukleare Gefechtsköpfe aus Europa abgezogen und danach noch einmal im Jahr 1983 den Entschluß gefaßt, weitere
1400 abzuziehen.

Seit der letzten Uberprüfungskonferenz - und erneut heute - schlagen
die Vereinigten Staaten der Sowjetunion vor, Beobachter, ausgerüstet mit
jeder Art von Instrument, die sie mitzubringen wünschen, zu einem unserer
Atomtests zu schicken. Wenn die Sowjets zustimmen - was wir hoffen -, so
kann dadurch ein Prozeß in Gang kommen, der wirksam dazu beiträgt, Begrenzungen bei unterirdischen Nuklearversuchen zu verifizieren.

Was uns anbelangt, so bleiben wir als langfristigem Ziel auch wei-

�Ziel auch weiterhin einem vollständigen Verbot von Nuklearversuchen verpflichtet. Aber wir sind nicht der Meinung, daß dies der nächste Schritt
bei unserem Bemühungen um einen Abbau der nuklearen Bedrohung sein sollte. Ein Verbot von Atomversuchen würde nicht die Anzahl der Kernwaffen
verringern. Und unsere dringlichste Aufgabe muß eine erhebliche Verringerung der bestehenden nuklearen Arsenale sein.

Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten seit der letzten Überprüfungskonferenz - erst bei den START- und INF-Verhandlungen sowie nunmehr bei den Genfer Nuklear- und Weltraumverhandlungen - weitreichende
Vorschläge zur radikalen Verringerung der Anzahl strategischer ballistischer Raketen, ihrer Gefechtsköpfe sowie ihres Zerstörungspotentials auf
den Tisch gelegt. Es sind diese Systeme, die heute die ernsteste Bedrohung darstellen. Zusätzliche Vorschläge der Vereinigten Staaten würden
eine ganze Kategorie von Kernwaffen abschaffen - die sogenannten nuklearen Mittelstreckensysteme. Unser Ziel ist es, in die Rüstungskontrolle
Bewegung zu bringen: konkrete Abkommen auszuhandeln, die wirksam, verifizierbar und ausgewogen bei der Behandlung beider Seiten sind.

In wenigen Wochen wird in dieser Stadt die nächste Runde der Nuklearund Weltraumverhandlungen aufgenommen. Wir wissen, daß es dabei um viel
geht. Wir sind auch weiterhin davon überzeugt, daß Abkommen erzielt werden können, die die Stabilität stärken und der Sicherheit aller Länder
dienen würden.
Wie sieht es also 15 Jahre nach Inkrafttreten des Vertrags damit aus,
was in Verfolg dieser drei Ziele geleistet worden ist? Eine gute Note
gilt es für das erste Ziel der Einhaltung der Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen auszustellen; ein eindeutig positives Ergebnis auch bei der
Förderung der friedlichen Nutzung der Kernenergie; aber trotz fortgesetzter Verhandlungen weniger Fortschritt als erwartet beim Erreichen solider
Rüstungskontrollabkommen. Wie sieht die Gesamtwertung aus? Hat der NPT
unter dem Strich den Interessen seiner Vertragsparteien erfolgreich gedient?

Schauen wir - 12 -

�Schauen wir - bevor wir zu dieser abschließenden Bewertung gelangen noch einmal auf die vier Jahrzehnte seit Anbruch des Atomzeitalters zurück. Seither wurden die Kernwaffen glücklicherweise nicht als eben nur
hypergewaltige konventionelle Waffen betrachtet. Sie wurden in über vier
Jahrzehnten nicht eingesetzt.

Gleichzeitig erlebte man in den vier Jahrzehnten des nuklearen Friedens vier Jahrzehnte der unzähligen kleineren Kriege, die Hunderttausenden das Leben kosteten. Die Liste der Länder, nuklear oder nichtnuklear,
die in solche Konflikte verwickelt waren, würde viele Seiten füllen.
Stellen wir uns nur einen Augenblick lang die Folgen für all unsere Mitbürger und für die Welt vor, wenn auch nu: in einem dieser Konflikte
Kernwaffen eingesetzt worden wären.

Hierin liegt die abschließende Bewertung des Atomsperrvertrags. Er
war ein sehr guter Eckpfeiler für den Erfolg, dessen wir uns bislang erfreut haben, wenn es darum ging, eine weitere Verbreitung dec Kernwaffen
zu verhindern. Er war - und ist auch weiterhin - ein moralischer und politischer Imperativ für die derzeitigen Kernwaffenstaaten, zusätzliche
Maßnahmen auszuhandeln, um die Drohung durch einen Atomkrieg zu verringern und letztlich zu beseitigen. Beide Aspekte dienen der Sicherheit eines jeden, in diesem Saale vertretenen Landes und liegen auch im Interesse jener, die nicht Mitglied sind. Wir sollten außerdem auch nicht den
Beitrag vergessen, den der Vertrag dabei leistet, die Vorzüge der friedlichen Nutzung des Atoms verfügbar zu machen.

Deshalb war der NPT aus der Sicht der Vereinigten Staaten und als
Ganzes gesehen, bislang sehr erfolgreich. Ohne ihn wäre die Welt ganz
einfach ein weit gefährlicherer Ort. Dies ist ein entscheidender Punkt,
den wir nie außer Acht lassen dürfen, auch wenn wir von dem Fortschritt
in dem einen oder anderen speziellen Bereich enttäuscht sind.

Wollen wir deshalb in den kommenden Wochen hier die Erfolge des Vertrags anerkennen, während wir zugleich den Blick dafür behalten, wo es
noch des weiteren Fortschritts bedarf. Die Vereinigten Staaten werden ih- 13 -

�Staaten werden ihre Vorstellungen offen darlegen und sie werden ihren
Aussichten aufmerksam zuhören.

Am wichtigsten aber ist, daß wir uns erneut den Prinzipien und Zielsetzungen des Vertrages verpflichten. Sie waren solide, als der Vertrag
geboren wurde. Und sie sind auch heute noch solide. Wir werden bei dieser
erneuten Verpflichtung an Ihrer Seite stehen. Und wir werden auch an Ihrer Seite stehen, wenn es darum geht, daß unsere Taten auch in Zukunft
diese Prinzipien verwirklichen. Und wir werden an Ihrer Seite stehen, um
weiter auf den Erfolgen des Vertrages aufzubauen.

Das erwartet die Welt von uns. Und wir können es uns nicht leisten,
hinter diesem Anspruch zurückzubleiben.

* * * * *

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und Technik

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United States Information Service
Embassy ot tne United States of America

4. September 1385

35

ZUGANG ZJ US-NACHRICHTENSATELLITEN SOLL ALLEN NATIONEN OFFENSTEHEN
- Flexibilität - Schlüssel zu wirtschaftlichem Betrieb -

- (AD) •- Delegierte aus mehr als 120 Ländern, die dem Verband der Internationalen Fernmeldeunion

(ITU) (mit insgesamt 159 Mitgliedsstaaten)

angehören, erörtern derzeit in Genf Fragen der weiteren Stationierung von
Nachrichtensatelliten im Weltraum. Allen Nationen soll der Zugang offenstehen, gleichzeitig

soll er den

jeweiligen Erfordernissen angemessen

sein.

Auf dieser "World Administrative Radio Conference on the Use of the
Geostationary Orbit and the Planning of Space Services Utilizing It" (abgekürzt "Space WARC", für "Internationale Verwaltungskonferenz über die
Benutzung geostationärer Bahnen und die Planung von Dienstleistungen")
stehen u.a. die Zuteilung und Ausnutzung von Frequenzen, aber auch eine
mögliche Reservierung von Frequenzen für eine spätere Verwendung zur Diskussion. Letzteres ist vor allem für Entwicklungsländer von Interesse,
die heute nicht über Fernmeldesatelliten verfügen, jedoch irgendwann eigene Satelliten betreiben wollen.

"Space WARC" ist in zwei Sitzungsperioden unterteilt. Die gegenwärti-

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die gegenwärtige erste Periode (8. August bis 14. September 1985) gilt
der Planung. In der für 1988 vorgesehenen zweiten Sitzungsperiode will
man sich auf die Durchführung jener Pläne von 1985 konzentrieren, die
sich in der Zwischenzeit als erfolgreich erwiesen haben.

Science Fiction wurde Wirklichkeit

Künstliche Erdsatelliten und ihre Stationierung in einem "erdsynchronen" Orbit, von Arthur C. Clarke im Februar 1945 vorgeschlagen, galt damals als eine Utopie, wurde bestenfalls als Science Fiction akzeptiert.
Heute, 40 Jahre später, ist beides Realität. Mindestens 138 Nachrichtensatelliten befinden sich gegenwärtig auf dieser Umlaufbahn in ca. 35 680
km Höhe über dem Äquator. Dort ist die Umlaufgeschwindigkeit eines Satelliten um unsere Erde gerade so groß wie deren Umdrehungsgeschwindigkeit,
so daß er in Relation zu Stationen auf der Erdoberfläche am Himmel stillzustehen scheint. Das bedeutet, daß er ständig als Relaisstation verfügbar ist. Im Gegensatz zu den ersten Nachrichtensatelliten, die die Erde
in geringeren Höhen umkreisten, verschwindet er nicht nach gewisser Zeit
hinter dem Horizont.

Die modernen Nachrichtensatelliten ermöglichen Verbindungen von Punkt
zu Punkt, aber ebenso von einem Punkt ;:u zahlreichen anderen Stationen
gleichzeitig. Sie übermitteln Funk- und Fernsehsendungen, Wetterberichte
und Vorhersagen, Daten jeder Art und Vielfalt, Telefongespräche zwischen
Kontinenten und rund um die Erde. Manche werden von einzelnen Ländern,
andere von regionalen und internationalen Organisationen betrieben. Der
Einsatz von rund 160 weiteren Nachrichtensatelliten ist vorgesehen.

Aber der geostationäre Orbit ist eine nicht veränderbare Größe. Und
das bedeutet, daß er nur eine bestimmte Zahl von Satelliten aufnehmen
kann. Sich Gedanken darüber zu machen, wie man seine ÜberfüLlung und eine
Schmälerung der übertragungsqualitat durch Interfrequenzen vermeiden oder
zumindest eingrenzen kann, ist eine der Hauptaufgaben der gegenwärtigen
Konferenz.
Die

Industrieländer

�Die Industrieländer halten eine Neuformulierung der ITU-Abmachungen
nicht für notwendig. Nach ihrer Meinung ermöglicht der Fortschritt der
Technik eine ständige Ausweitung der Kapazitäten des Funkspektrums, womit
man dem wachsenden Bedarf noch immer voraus sei. Dem halten vor allem
Entwicklungsländer

entgegen, daß es für sie keine Orbitalposition und

keine Frequenzen mehr geben werde, wenn sie später einmal in der Lage
seien, eigene Satelliten einzusetzen. Se.'.bst wenn ihnen durch technische
Fortschritte doch noch ein Zugang bliebe, würde dies so teuer, daß sie
ihn sich gar nicht leisten könnten. Deshalb solle für sie jetzt schon ein
Teil der weniger kostspieligen niedrigeren Frequenzbereiche des Funkspektrums bis zu dem Zeitpunkt reserviert werden, an dem sie die neue Technik
nutzen könnten.

Schlüssel: Flexibilität

Gegenwärtig werden Positionen im Orbit und Betriebsfrequenzen für alle geostationären Satelliten von der ITU zugeteilt. Sie tut dies jedoch
erst dann, wenn das betreffende Land nachweist, daß es einen Satelliten
innerhalb von fünf Jahren starten bzw. starten lassen kann. Die ITU, eine
Organisation der Vereinten Nationen, handhabt die Bestimmungen unbürokratisch und flexibel.

Die Vereinigten Staaten plädieren dafür, diese Flexibilität auch in
Bezug auf den Ausbau von Übertragunsfrequenzen zu erhalten. Sie verfügen
über die umfassendsten Erfahrungen und haben selbst viel in den Betrieb
und die Planung von Nachrichtensatellitennetzen investiert. Darüber hinaus spielten und spielen sie eine führende Rolle in technischen Verbesserungen zur Steigerung der Kapazität einzelner Satelliten wie zur Plazierung einer größeren Anzahl von Satelliten in bestimmten geostationären
Or b i ta1abschn i tten.
•

In einem am 1. März 1985 von der Bundeskommission für das Fernmeldewesen (FCC) vorgelegten Bericht heißt es u. a., die US-Regierung "bleibt
- 3 -

�US-Regierung "bleibt offen für ein breites Spektrum von Optionen, die 'in
der Praxis gleichbe rechtigten Zugang für alle' herbeiführen". Die notwendige Flexibilität, aber auch die gerechte Verteilung der Zugänge zum
Satellitenorbit werde durch eine langfristige Reservierung und damit die
Blockierung nicht genutzter Frequenzbänder nur beeinträchtigt. Für niemanden ergäte sich dadurch ein Vorteil.

Allerdings schlagen die Vereinigten Staaten vor, Entwicklungsländern
generell bestimmte Abschnitte des Funkwollenspektrums, und zwar im Bereich zwischen 3700 und 7075 Megahertz [im sog. C-Band mit 4 - 6

Giga-

hertz), vorzubehalten. Mit dem als ein "Expansionsband" definierten Bereich erhielten Entwicklungsländer die Gewähr für einen späteren Zugang
zum geostationären Orbit. Auf diesem Band könnten sie eine große Zahl von
Nachrichtenverbindungen

für

ihren Inlandsbedarf unterbringen, und zwar

auf relativ wirtschaftliche Weise. Demgegenüber lägen die Betriebskosten
bei Benutzung höherer Frequenzen, etwa bei 11 - 14 Gigahertz, um 40 Prozent höher.

Dem amerikanischen Vorschlag zufolge müßte ein Land der ITU bereits
15 Jahre im voraus jeden Plan zum Start eines Nachrichtensatelliten zur
Kenntnis bringen und innerhalb von fünf Cahren die auf den neuesten Stand
gebrachten technischen Details vorlegen, Die Vereinigten Staaten seien
dann ihrerseits bereit, für mindestens zehn Jahre auf die Benutzung dieser Expansionsbänder

im Inlandsfernmeldewesen freiwillig zu verzichten.

Sie appellieren an andere Industrieländer, sich diesem Schritt anzuschließen.

Die USA verweisen darauf, daß einem erhöhten Bedarf an Stationierungsplätzen im erdsynchronen Orbit und an Frequenzen durch allmähliche
Verringerung der Abstände zwischen den einzelnen Statelliten Rechnung getragen werden könne. Gegenwärtig sind diosem Näherrücken Grenzen gesetzt,
weil bei zu geringem Abstand zweier Satelliten voneinander die Gefahr besteht, daß sich die von beiden ausgestrahlten Signale überlagern, es zu
Interferenzen kommt. Diese Störungen lass;en sich durch technische Verbesserungen bei Satelliten wie Erdefunkstollen reduzieren oder ganz aus-

�oder ganz ausschalten, wie auf Grund vor. neuen Forschungsergebnissen zu
erwarten ist und wie es in geringem Umfang bereits praktiziert wird.

Auch durch neue Positionierungsverfahren ließen sich Verbesserungen
erzielen. So eruiert gegenwärtig die NASA (US-Bundesbehörde für Luft- und
Raumfahrt) Möglichkeiten zur Unterbringung einer Vielzahl von Satelliten
auf einer Weltraumplattform, mit der danr eine bestimmte Position im Orbit besetzt wird. Gegenwärtig

ist für jeden einzelnen Satelliten eine

spezielle Position erforderlich.

Zu den technischen Fortschritten zählen neben einer ständig mehr ausgeweiteten Nutzung von Mikrowellenfrequenzen, insbesondere in Richtung
noch kürzerer Wellen, die Mehrfachverwendung einer bestimmten Frequenz
durch mehr als nur eine Antenne mit Abstrahlung in geographisch getrennte
Gebiete. Dann werden polarisationstechni&lt;en angewandt, um die Kapazität
von Satelliten zu verdoppeln. Bei der Konstruktion von INTELSAT V wurde
die Frequenz-Mehrfachverwendung bereits berücksichtigt, und diese Verwendungsmöglichkeit wurde durch Polarisation noch verdoppelt. INTELSAT VI
ist nun so angelegt, daß, in Verbindung nit noch moderneren Technologien,
seine Kapazität doppelt so groß wie die von INTELSAT V sein wird. Im Rahmen der rasch voranschreitenden Modernisierung spielt auch die digitale
Modulation, durch die sich die Kapazität eines Kanals pro Satelliten-Transponder um das Drei- bis Zehnfache steigern läßt, eine wichtige
Rolle.

Gemeinsame Satellitennutzung
Eine gemeinsame Nutzung einzelner Satelliten trägt viel dazu bei, die
Kosten zu senken. Am bekanntesten ist wohl die Internationale Fernmeldesatelliten-Organisation (INTELSAT). Die von ihr betriebenen 15 Satelliten
im geostationären Orbit dienen 162 Mitgliedstaaten und Benutzern in aller
Welt. Sie bedient die stark in Anspruch genommen transatlantsichen und
traspazifischen Routen, ermöglicht aber ebenso nationale und internationale Verbindungen für "Kleinverbraucher" und in weniger frequentierten

�weniger

frequentierten

Regionen. Darüberhinaus

vermietet

sie Übertra-

gungskapazitäten an derzeit 24 Staaten, vor allem an Entwicklungsländer,
für deren Inlandsbedarf.

Daß regionaler Gemeinschaftsbetrieb die Systeme besser nutzt, stellen
Europa mit EÜTELSAT (mit 24 angeschlossenen Ländern), die PALAPA-Systeme
Indonesiens und ARABSAT unter Beweis. Indien erzielte durch seinen im August 1983 vom Raumtransporter CHALLENGER aus zum geostationären Orbit gestarteten

INSAT-Satelliten

spektakuläre Einsparungen: Mit Aufwendungen

von 130 Millionen Dollar waren Leistungen auf den Gebieten von Telefonund Wetterdienst, Fernsehübertragungen ind Funksendungen s:u den entlegendsten Dörfern zu erzielen, die beim Einsatz von erdgebundenen Systemen
schätzungsweise ein Siebentausendfaches gekostet hätten. Indische Wissenschaftler hatten gemeinsam mit Ford AEROSPACE den Satelliten entwickelt.

Die Bedienung der Fernmeldesatelliten erfordert Fachleute. Seit der
Gründung des USTTI

(U.S. Telecommunications Training Institute) im Jahr

1983 wurden dort 370 Manager und Techniker aus 71 Entwicklungsländern in
den einschlägigen Fachgebieten ausgebildet. Dazu zählen z.B. Hochfrequenz-Funktechnik, Satellitensysteme für die Bedienung ländlicher Gebiete
und der Betrieb von Rundfunk- uind FernsehSystemen. Für die Jahre 1985/86
sind bereits 400 Kandidaten für 27 weitere Kurse vorgemerkt.

* * * * *

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