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                  <text>^H

^P^^^H

nrormouon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28. August 1985

34

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan : 5DI soll Leben retten
- Auszüge aus der Ansprache des Präsidenten in Los Angeles Fortschritt in der Rüstungskontrolle hängt vom Verhalten der Soviets
ab_
- Ausführungen von US-Sicherheitsberater McFarlane -

HINTERGRUND
Großeinsatz gegen Cannbis-Anpflanzungen
- "Operation Delta-9" vernichtet Marihuana-Ernte WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Elektrowerkstatt im freien Weltraum
- DISCOVERY-Astronauten bemühen sich um Reparatur eines
Nachrichtensatelliten * * * * *

Um Über/endung von
ßelegexemplcwen
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

T e l . : 0 2 2 8 - 3 3 9 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28. August 1985

34

REAGAN:

SDI SOli LE3EN FETTEN

- Auszüge aus der Ansprache des Präsidenten in Los; Angeles -

LOG ANGFXiES - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Ansprache
in Los Ange3.es am 22. August 1985 betont, die /on ihm 1983 in die Wege
geleitete Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) solle dazu dienen,
"Leben zu retten". Auf einem Essen, das die Republikanische Partei Kaliforniens veranstaltete, um Mittel für die Wahlcampf&lt;asse zu sammeln, wies
Reagan darauf hin, daß SDI einen Weg aus dem nakleacen Dilemra biete und
der Erfolg des Programms daran gemessen werde, wieviel Kenschenleben es
retten statt vernichten könne.

Zu seinen wichtigsten politischen Aufgaben in seiner zwe:.ten Amtszelt
sagte Präsident Reagan:

Wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben, aber es bleibt noch
viel zu tun.

Diesen Herbst werden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Diesen Herbst werden wir uns um die unfassendste Steuerreform bemühen, die dieses Land seit den zwanziger Jahren erlebt hat. Sie wird die
Steuersätze senken und die Maschen der Gesetzgebung schließen; sie wird
fair sein; und wenn sie erst einmal durchgeführt ist, wird sie unserer
Wirtschaft neue Kraft geben und die Investitionstätigkeit und die Unternehmen anregen. Die Menschen werden einen Anreiz haben, ihre Mittel in
Arbeitsplätze schaffende Geschäfts- und Handelsunternehmungen anzulegen,
statt sie unproduktiv in Sicherheit zu bringen oder die Steuer zu umgehen. Wir werden das alles dem Volk direkt vortragen. Es geht um die
Wahl zwischen dem Einzelinteresse und dem Gesamtinteresse. Das ist eine
große Sache, und mit Ihrer Hilfe werden wir sie für Amerika gewinnen.

Mit Blick in die Zukunft führen wir ein Forschungsprogramm weiter,
das uns einen Ausweg aus dem nuklearen Dilemma bietet, unter dem die
Menschheit seit vier Jahrzehnten leidet. Das Forschungsprogramm der
Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) bietet uns die Hoffnung, uns
selbst und unsere Verbündeten vor einem Angriff mit Atomraketen zu
schützen. Dies wird es uns ermöglichen, uns darauf zu konzentrieren,
Menschenleben zu retten, statt auf ihre Vernichtung zu zählen. Wir suchen
einen Schild gegen Kernwaffen - wir wollen die Technologie benutzen, um
mehr Sicherheit für uns zu erreichen. Unser Erfolg wird an der Zahl der
Menschenleben gemessen werden, die wir retten können - nicht vernichten.

Wir hören von unseren selbsternannten Experten immer wieder, unser
SDI-Konzept sei undurchführbar und eine Geldverschwendung. Nun, wenn das
wahr wäre, warum regen sich die Sowjets so sehr darüber auf? Warum investieren sie denn dann so viele Rubel in die gleichen Technologien?

Einer der Gründe, warum die Amerikaner uns gewählt haben, ist der,
daß wir nicht vor unserer Verpflichtung zurückschrecken, alles Notwendige
zu tun, um die Sicherheit unseres Landes zu erhalten und unseren Kindern
und Kindeskindern die Segnungen der Freiheit zu erhalten.
Dies wird nirgendwo deutlicher als in Mittelamerika. Wir haben in den
letzten viereinhalb Jahren eine verzweifelte Lage gewendet. Langsam und

�Langsam und still und ohne großes Aufsehen wurde eine der stolzesten
Leistungen dieser Administration vollbracht. Als wir die Regierung in
Washington übernahmen, war die Frage, die auf jedermanns Lippen lag:
"Wird El Salvador an die Kommunisten fallen?" Heute ist die Frage: "Wird
die Demokratie in Nicaragua siegen?" Und morgen wird die Frage lauten:
"Wie bald?"

Wir sind standhaft geblieben. Wir werden weiterhin alles Notwendige
tun, um die Sicherheit unseres Landes zu schützen und den Völkern Mittelamerikas zu helfen, freie, blühende und demokratische Länder aufzubauen.

- 3 -

�28. August 1985

34

FORTSCHRITT IN DER RÜSTUNGSKONTROLLE
HÄNGT VOM VERHALTEN DER SOWJETS AB
- Ausführungen von US-Sicherheitsberater McFarlane -

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Ohne eine radikale Änderung der
E i n s t e l l u n g der Sowjets

i n Sicherheitsfragen wird es schwer s e i n , auch

nur minimale F o r t s c h r i t t e

i n der Rüstungskontrolle und i n der Verbesse-

rung der Beziehungen zu Moskau zu e r z i e l e n .

Dies e r k l ä r t e der Berater

Präsident Reagans f ü r Fragen der nationalen S i c h e r h e i t , Robert McFarlane,
am 19. August

1985 vor

privaten Bürgervereinigungen

i n Santa

Barbara.

Der Präsident, so betonte McFarlane, sei nach wie vor b e r e i t , der Sowjetunion auf halbem Wege entgegenzukommen.
Der Sicherheitsberater

wies darauf h i n , daß die sowjetische

Haltung

i n regionalen Fragen, wie die sowjetische Invasion Afghanistans, die Unterstützung t e r r o r i s t i s c h e r
als S t e l l v e r t r e t e r
kleine

Fortschritte

Staaten wie Libyen oder die Benutzung Kubas

die Motivation der Sowjets
in

fragwürdig mache.

den amerikanisch-sowjetischen

Selbst

Beziehungen wären

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Beziehungen wären nur mit größten Schwierigkeiten zu erzielen.

Die Ausführungen von McFarlane haben folgenden Wortlaut:

Präsident Reagan wird bald in Genf mit dem Generalsekretär der KPdSU,
Gorbatschow, zusammentreffen.

Das Treffen findet in einem historischen Moment statt, wenn man bedenkt, wie gewaltig der Wandel im Westen war und wie groß das augenscheinliche Potential für einen Wandel im Osten ist.

In den letzten vier

Jahren haben wir hier in den Vereinigten Staaten und ganz allgemein im
Westen eine politische, wirtschaftliche und soziale Erneuerung von historischem Ausmaß erlebt.

Vor vier Jahren schienen wir durch die moralischen und institutionellen Nachwehen von Vietnam und Watergate gelähmt zu sein.

Unsere wirt-

schaftlichen Probleme schienen überdimensional zu sein und es waren keine
Lösungen in Sicht.

Das militärische Kräfteverhältnis hatte sich in dra-

matischer Weise zu unserem Nachteil verlagert, und die Auswirkungen dieses Zustandes waren in dem wachsenden Einfluß der Sowjets von Angola bis
Äthiopien und von Indochina über Afghanistan bis Nicaragua zu erkennen.
Unsere Bündnisse waren schwer erschüttert und die führenden Persönlichkeiten von London über Paris bis Moskau fragten sich, ob die Vereinigten
Staaten vom Iteg abgekommen seien und ob wir überhaupt noch in der Lage
wären, unsere Fähigkeit wiederzugewinnen, eine positive Führungsrolle in
der Weltpolitik zu spielen.

Heute sieht das Bild augenfällig anders aus.
unsere

Präsident Reagan hat

Wirtschaft auf einen soliden Weg zum Aufschwung gebracht.

Grundlage unserer Stärke ist wiederhergestellt worden.

Die

Der sowjetischen

Expansion ist Einhalt geboten worden, ja sie ist auf einer kleinen Insel
in der Karibik sogar zurückgedrängt worden.

Alles in allem, Amerika hat

wieder zu sich selbst gefunden; es übt eine Führungsrolle aus und der
Frieden ist sicherer geworden.
Auf der sowjetischen
- 2 -

�Auf der sowjetischen Seite der Bilanz ist das Bild weniger klar. Aber
es existiert sicherlich die Möglichkeit für eine vielversprechende Zukunft.

Die Sowjetunion hat einen neuen Führer - einen Mann, der nicht

mit den Vfechselfällen von Vorwahlen und Ifehlkämpfen zu ringen braucht;
einen Mann also, der vielleicht bis zur Jahrhundertwende im Amt bleiben
kann.

Hier in den Vereinigten Staaten - einem Land der Optimisten mit dem
größten Optimisten unserer Geschichte an der Spitze Beste.

hoffen wir auf das

Natürlich sind wir nüchtern genug zu wissen, daß unser Optimismus

nicht immer gerechtfertigt ist; doch wir geben ihn nicht auf.

Wenn wir

uns auf den heg machen in eine, wie wir hoffen, vielversprechende Zukunft, dann sollten wir offen und ehrlich vorgehen und unsere Ziele und
Zwecke wie auch unsere Zweifel deutlich machen und weder mit unseren
Hoffnungen noch mit unseren Befürchtungen hinter dem Berge halten.

Wir erleben eine Zeit, in der die Dinge im Kreml ziemlich im Fluß
sind und man sich Gedanken über sich selbst macht.

Die Sowjets haben ein

Recht zu wissen, wo wir stehen, wenn sie kohärente Entscheidungen treffen
sollen.

Wenn wir ihnen einige unserer Besorgnisse mitteilen, können wir

vielleicht ihre Überlegungen beeinflussen.

Und genau das will ich heute

tun.

Es wird oft gesagt, daß die Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjtunion unveränderlich und es unsere Aufgabe sei, sie
nicht zu beenden, sondern sie lediglich unter Kontrolle zu halten. Manche Leute sagen, daß es seit 1945 nur einen toeg gebe, sie zu beenden, und
der sei zu schrecklich, als daß man auch nur daran denken könne.

Aber

für viele andere wird die Unausweichlichkeit dieser Konkurrenz nicht allein durch die harten Tatsachen des Atomzeitalters hervorgerufen.

Sie

hat sehr viel tiefere, ältere - und wie manche Leute sagen - unauslöschlichere Ursachen.

Für manche Leute haben die berühmten Vorhersagen von

Tocqueville vor 150 Jahren eine volkstümliche, wenn nicht gar intellektuelle Gültigkeit angenommen.
Jeder, der mit
- 3 -

�Jeder, der mit den konkreten Problemen zu tun h a t , die diese Länder
trennen, weiß, daß praktische Entscheidungen der P o l i t i k niemals von der
Annahme ausgehen, v i e l l e i c h t

sei eine grundlegende Änderung der

isch-amerikanischen Beziehungen i n S i c h t .

sowjet-

Im Gegenteil, wir müssen die

Konkurrenz a l s eine gegebene Tatsache hinnehmen und das Beste daraus machen.

Aber das darf nicht zur Ausrede dafür werden, daß wir etwa n i c h t

an das dächten, was den Kern unserer Meinungsverschiedenheiten ausmacht.
Seit v i e l e n Jahren beschäftige ich mich mit den Problemen der

Vfeltpoli-

t i k ; aber niemand konnte mich bislang von der Existenz eines Naturgesetzes überzeugen, das von zwei bevölkerungsreichen und mächtigen Ländern
der

Erde

Vtenn sie

verlangt,

in

ständiger

sich f e i n d s e l i g

Feindseligkeit

verhaftet

gegenüberstehen, dann hat dies

zu

bleiben.

wahrscheinlich

andere Gründe a l s nur die Tatsache i h r e r Gegensätzlichkeit, i h r e r großen
Bevölkerung, i h r e r Macht oder i h r e r Entfernung voneinander.

Ich glaube, die

e i g e n t l i c h e n Kräfte

sich ändern können - und ändern.
militärische

Rivalität

des K o n f l i k t s

sind Dinge, die

Vtenn zwischen zwei großen Ländern eine

besteht, dann wird sie weniger durch die

Steffen

selbst hervorgerufen, als durch die Art und Vfeise, wie beide Seiten über
militärische

Sicherheit

denken.

Vtenn es eine

geopolitische

Rivalität

g i b t , dann wird diese nicht durch die Gegebenheiten der Geographie verursacht , sondern durch die A r t und Vteise, wie beide Seiten i h r e p o l i t i s c h e
Sicherheit und ihre anderen Interessen d e f i n i e r e n .

Vtenn es zu einem Zu-

sammenprall der Ideen kommt - nun, dann kann man sagen, daß selbst Ideologien nicht ewig dauern.

Manche p o l i t i s c h e n Ideologien sind die Quelle

f a s t grenzenloser Energie und K r e a t i v i t ä t , aber andere sind wahre Gefängn i s s e , die nicht

nur jene einsperren, die an sie glauben, sondern auch

die v i e l e n anderen, die nicht daran glauben.

Nichts kann die menschliche

Energie und K r e a t i v i t ä t mehr einschränken a l s eine schlechte Idee.

Aber

Ideen s i n d , wie i c h gesagt habe, Gott sei Dank nicht u n s t e r b l i c h .

Sie

sind e i n e r , wie man es gelegentlich nennt, "Therapie der R e a l i t ä t " u n t e r worfen - sie müssen vor der Z e i t und der Erfahrung bestehen.
kann man sie mit etwas Glück abwerfen.
ses stürzen gelegentlich e i n .

Manchmal

Vvände eines g e i s t i g e n Gefängnis-

Und so selten es i n diesem Jahrhundert des

i n s t i t u t i o n a l i s i e r t e n Fanatismus auch vorkommen mag - Menschen ändern i h -

�ändern i h r e Meinung.
Wir wissen aus den Erklärungen der sowjetischen Führer, daß dieser
Tage

viele

der

bestehenden

überprüfen werden.
war

sicherlich

politischen

Die Bewährungsprobe

hart.

Generalsekretär

Vorstellungen

besonders

genau

vor der Z e i t und der Erfahrung
Gorbatschow

selbst

hat

kürzlich

"eine neue Einstellung zu a l l den Mängeln, negativen Entscheidungen und
zu a l l e n Arten von Schlamperei" g e f o r d e r t .

Er machte d e u t l i c h , daß die

Neubewertung lange hinausgeschoben worden s e i .

I n Zukunft, so seine Wor-

t e , "wird mehr Ordnung gefordert werden, mehr wissenschaftliches Streben,
mehr wichtige Entscheidungen, usw.

A l l e s i n allem wird es einer M o b i l i -

sierung der schöpferischen Kräfte und der Fähigkeit bedürfen, die Dinge
i n unserem Lande neu zu ordnen und neu i n A n g r i f f zu nehmen - nicht nur
i n der Wirtschaft, sondern auch im g e s e l l s c h a f t l i c h e n Bereich, im Bereich
der K u l t u r , der Ideologie und i n a l l e n anderen Bereichen."

Das scheinen hoffnungsvolle Worte zu s e i n , aber v i e l l e i c h t werden Sie
mir

zustimmen, daß wir h i e r

im Westen es von außen sehr schwer haben,

diese Worte r i c h t i g zu i n t e r p r e t i e r e n .
Prozeß des t i e f g r e i f e n d e n

Wir können nicht wissen, ob e i n

Wandels im Gange i s t oder n i c h t .

I n der Ver-

gangenheit war der Eindruck des Wandels nicht mehr a l s eine Maske, h i n t e r
der die starren Formen des Systems weiterbestanden.

Jeder neue Führer

- so stark er auch einen toöndel befürwortet haben mag - mußte erkennen,
daß die Tatsache, daß er durch die Befolgung der Regeln des Systems an
die Macht gekommen war, i h n auch zum Gefangenen dieser

Regeln machte.

Wenn e i n solcher Prozeß i n Gang kommen s o l l t e , dann wird das schwer f e s t zustellen s e i n ; wir wissen n i c h t , ob wir einen Beitrag zu diesem Prozeß
l e i s t e n können oder nicht und wir können nicht voraussagen, wie er ausgehen w i r d .

Aber da er uns sehr stark b e r ü h r t , i s t

es s i c h e r l i c h ange-

bracht , daß wir die Art von Fragen vorschlagen, die wir i n dieser

Hin-

s i c h t s t e l l e n werden - die Fragen, deren Antwort einen wesentlichen E i n fluß auf unsere eigene P o l i t i k haben werden.

Ich gehe davon aus, daß die

sowjetischen Führer ebenfalls gerne wissen möchten, wie w i r darüber denken, welche A r t von Änderung am meisten dazu beitragen könnte, das amerikanisch-sowjetische Verhältnis s t a b i l e r zu g e s t a l t e n .

Manchmal vernehmen

�Manchmal vernehmen wir Klagen der Sowjets, sie wüßten nicht, worauf wir
hinauswollten - lassen Sie mich also offen darüber sprechen.

Ich möchte mit militärischen Fragen beginnen.

Ich habe gesagt, daß

die Räder der militärischen Rivalität nicht durch die Waffen selbst in
Bewegung gesetzt werden, sondern durch das Denken, das die Waffen beherrscht, durch die politischen Doktrinen, Entscheidungen und Interessen,
wie sie durch die Organisation, den Aufbau und den Umfang einer Militärmaschinerie zum Ausdruck kommen.

In den letzten Jahren waren einige so-

wjetische Entscheidungen sehr beunruhigend für uns, da sie eine Einstellung zu Sicherheitsfragen erkennen ließen, die sich von der unsrigen völlig unterscheidet.

Damit meine ich nicht nur, daß die sowjetischen Mili-

tärausgaben so hoch sind - obwohl sie wirklich hoch sind.
möchte ich nicht hinaus.

Aber darauf

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf etwas ganz

anderes lenken - auf Entscheidungen, die die Konkurrenz auf einem Gebiet
neu beleben oder in Gang setzen, wo es bisher überhaupt keine Konkurrenz
gab.

Nehmen Sie die chemischen Waffen.

In diesem Jahrhundert haben diese

Waffen bei der Öffentlichkeit im Westen eine Abscheu und einen Schrecken
hervorgerufen wie nur die Kernwaffen. Es war ein Schrecken, der es unseren Regierungen sogar ermöglichte, recht erfolgreich zu handeln.

Das

Genfer Protokoll von 1925 war viele Jahre lang das Rüstungskontrollabkommen, das am meisten Unterstützung und Einhaltung fand.

Als Ergebnis nah-

men unsere eigenen Kapazitäten, Vorräte und unsere Ausbildung stetig ab.
Leider verlief die Entwicklung in der Sowjetunion nicht parallel dazu,
deren große Anstrengungen auf diesem Gebiet von uns nicht länger ignoriert werden konnten.

Aus diesem Grunde haben wir jetzt vorgeschlagen,

unser eigenes Programm für chemische Waffen zu modernisieren.

Wir würden

das lieber nicht tun; der Kongreß würde das auch lieber nicht tun; und
wir haben versucht, daran vorbei zu kommen.

Im April 1984 hat Präsident

Reagan Vizepräsident Bush mit Vorschlägen nach Genf gesandt, über ein
völliges Verbot chemischer Waffen zu verhandeln - aber seitdem haben die
Verhandlungen keine Fortschritte gebracht.
Durch diese

�Durch diese Entwicklung drängt sich zwangsläufig eine Frage auf: Väs
hat die Sowjetunion aus der Wiederbelebung dieses Wettstreits gewonnen?
Ist es vor allem heute, da chemische Waffen von kleinen Ländern billig
hergestellt und tödlich eingesetzt werden, nicht zwingend notwendig, daß
wir verifizierbare Kontrollen finden?

Ich wünschte, das wäre ein völlig isolierter Fall.

Aber wir können

das gleiche Prinzip in der Frage erkennen, die die sowjetisch-amerikanischen Rüstungskontrollverhandlungen - wie auch die Kontroverse in der Öffentlichkeit - während der ersten Amtszeit des Präsidenten beherrschte:
Die nuklearen Mittelstreckensysteme (INF).
storischer Rückblick ganz nützlich.

Auch hier ist ein kleiner hi-

Sie wissen sicherlich, daß die Ver-

einigten Staaten viele Jahre ihre Kapazitäten bei den Mittelstreckenraketen in Europa immer weiter abgebaut haben.
getan.

Die Sowjets haben das nicht

In den fünfziger und sechziger Jahren wurden im westlichen Bünd-

nis viele Pläne entwickelt, um den sowjetischen Vorsprung auszugleichen,
aber einer nach dem anderen wurde aus einer ganzen Reihe unterschiedlicher Gründe wieder aufgegeben.

Mit dem Aufkommen der Entspannung Ende

der sechziger Jahre begann das Gefühl der Dringlichkeit dieser Angelegenheit zu schwinden.

Und vor allem die militärischen Besorgnisse, die

durch den steigenden Raketenvorsprung der Sowjets hervorgerufen wurden,
nahmen mit der Zeit ab:

Die Sowjetunion schien ihre großen Mittelstrek-

kenraketen veralten zu lassen.

Aber dann geschah etwas Merkwürdiges. Die Sowjets begannen stattdessen, mit der SS-20, einer der schrecklichsten Waffen, die der Osten je
eingeführt hat, ihre Streitmacht zu verstärken.

Um mich kurz zu fassen:

Das Ergebnis war ein NATO-Beschluß, daß diesen neuen sowjetischen Dislozierungen etwas entgegengesetzt werden müsse.

Im Jahr 1983, nachdem wir

uns zwei Jahre vergeblich bemüht hatten, eine Lösung des INF-Problems
auszuhandeln, begann der Westen seine eigenen Raketen aufzustellen.

Die nuklearen Mittelstreckensysteme machen dieser Tage keine Schlagzeilen mehr, und dies mag einen analytischen Vorteil haben.

Wir haben

heute zu dem Ablauf dieser Ereignisse einen gewissen Abstand gewonnen und

�gewonnen und haben die Pflicht, sie kritisch zu beurteilen, tos geschah?
Es war ein Streit zwischen Ost und West über eine Frage entstanden, die
manche längst erledigt geglaubt hatten.

Dies führt zu zwei Fragen, die

meinern Meinung nach noch immer schwer zu beantworten sind: tos glaubte
die Sowjetunion aus der Neubelebung dieser Konkurrenz zu gewinnen?

tos

hat sie aus jahrelangen einseitigen Verhandlungspositionen gewonnen, die
von der Erwartung westlicher Uneinigkeit ausgingen?

Und lassen Sie mich schließlich eine militärische Frage aufgreifen,
die Schlagzeilen macht:

das Verhältnis zwischen offensiven und defensi-

ven strategischen Systemen.

Wie Sie wissen, kamen die Vereinigten Staa-

ten und die Sowjetunion im Jahr 1972 überein, wonach keine Seite eine Abwehr gegen ballistische Flugkörper aufbauen solle.

Die Sowjetunion un-

terhält seither um ihre Hauptstadt ein Verteidigungssystem, das durch den
Vertrag gestattet ist.
getan.

Die Vereinigten Staaten haben nichts dergleichen

Beide Seiten haben Forschung betrieben, wie der Vertrag das ge-

stattet. Die sowjetische Forschungsanstrengung war außerordentlich stark.

Nun hat Präsident Reagan völlig im Einklang mit den Begrenzungen des
ABM-Vertrages die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) vorgeschlagen, um die Möglichkeiten einer Verteidigung neu zu prüfen.
vor allem waren es, die zu dieser Entscheidung führten:

Zwei Gründe

Erstens die ge-

waltige offensive Aufrüstung der Sowjets im vergangenen Jahrzehnt, die
die Überlebensfähigkeit unserer Streitkräfte in Frage gestellt hat; und
zweitens der Wjnsch des Präsidenten, wirklich herauszufinden, ob die Zerbrechlichkeit des nuklearen Gleichgewichts verringert werden kann, indem
man sich von der moriisch unbefriedigenden Doktrin der nuklearen Vergeltung entfernt.

Wie der Präsident oft gesagt hat, handelt es sich hier um

die hoffnungsvollste Chance unserer Zeit.

Wir sind überzeugt, daß sie

zur Sicherheit beider Seiten beitragen könnte, vor allem, wenn wir bei
den Genfer Abrüstungsverhandlungen Fortschritte erzielen.

Wir hoffen, in

diesen Verhandlungen herausfinden zu können, wie beide Seiten die strategische Stabilität gestärkt wissen wollen. Aber wie haben die Sowjets reagiert?

Öffentliche Erklärungen der Sowjets, mit denen viele von Ihnen

vertraut sein werden, schlagen einfach etwas vor, worüber unserer Auffas-

�unserer Auffassung nach überhaupt nicht verhandelt werden und was auch
nicht verfiziert werden kann:

Ein Verbot der Forschung - zu einem Zeit-

punkt, da sie, die Sowjets, selbst das größte Forschungsprogramm auf Erden betreiben.

Und als ein Meisterwerk von Unverfrorenheit behaupten sie

immer wieder, unser Programm ziele darauf ab, eine Erstschlagkapazität zu
erwerben.

Kurzum, wir haben mit der Aufnahme eines wirklichen Dialogs eine ganze Menge Schwierigkeiten.

Und angesichts der anderen, von mir erwähnten

Beispiele haben wir uns einige beunruhigende Fragen zu stellen.

Wird die

Sowjetunion diese Probleme potentiell kooperativ angehen oder wird sie
alles unter einem Nullsummen-Aspekt betrachten?

Die anderen Beispiele

- chemische Waffen und INF - lassen den Schliß zu, daß diese Taktik des
Alles oder Nichts den Sowjets nicht wirklich dienlich ist.

Offensichtlich hängt viel von der Beantwortung dieser Fragen ab.

Der

Präsident ist die Verpflichtung eingegangen, der Sowjetunion bei der Ausarbeitung verantwortungsbewußter Lösungen für die anstehenden Probleme
auf halbem Vtege entgegenzukommen.
te wiederholen.

Ich kann diese Verpflichtung auch heu-

Aber ohne eine gewisse Änderung in der Haltung der So-

wjets bei Sicherheitsfragen und bei dem ihr zugrundeliegenden Denkansatz
fürchte ich, daß selbst schrittweise Verbesserungen nur sehr schwer zu
erreichen sein werden; und selbst diese werden nur mit Mühe an Schwungkraft gewinnen und sich gegenseitig bestärken.

Die Probleme sowjetisch-amerikanischer Rivalität gehen natürlich über
das Militärische hinaus.

Da gibt es die überaus wichtige Frage, wie jede

Seite ihre Interessen in der toelt definiert.

Viele Menschen im Westen

halten nach Zeichen des Wandels Ausschau, was die Vorstellungen anbelangt , die die Sowjetunion von den Problemenm der internationalen Politik
hat.

Manche Leute, die sich mit dieser Frage auseinandersetzen, argumen-

tieren, die UdSSR sei nunmehr das, was man eine "reife" Nation nennt; sie
werde nicht mehr von Lenins alter Doktrin - "Je schlimmer, desto besser"
- geleitet; sie werde nicht mehr so stark von ihrer ideologischen Abneigung gegenüber dem Westen angetrieben; und sie habe es nicht mehr nötig,
- 9 -

�mehr nötig, jede sich bietende Gelegenheit zu ergreifen, um zu ihrem eigenen Vorteil die Politik Amerikas zu lähmen.

Das währen sicherlich wichtige Veränderungen.
finden, ob sie echt sind?
men.

Wie können wir heraus-

Offensichtlich nur durch praktische Maßnah-

Wenn es in Moskau um die Diskussion dieser Fragen geht, sollte sich

die sowjetische Führung der Tatsache bewußt sein, daß wir an praktische
Dinge, wie Afghanistan, Kuba und Libyen, denken.

Nehmen wir Afghanistan.

Heute führen 120 000 sowjetische Soldaten

den brutalsten Krieg, den es derzeit auf der Erde gibt.

WDZU?

Das läßt

sich nicht leicht sagen. Manche Leute im Westen glauben, die Sowjetunion
habe zu dem kommunistischen Staatsstreich im Jahr 1978 aufgehetzt, der
der Invasion des Jahres 1979 vorausging.

Wie Sie wissen, haben sich die

staatlichen Stellen wie die Kommentatoren in der Sowjetunion stets hiervon distanziert und erklären, sie hätten damit nichts zu tun.

Uns fehlen

die entsprechenden Erkenntnisse, aber wir können uns Fragen über die sowjetische Politik stellen, um uns über deren Ziele Klarheit zu verschaffen.

Wenn die Sowjets sich wirklich von allem distanzieren wollen, wenn
sie wirklich zeigen wollen, daß sie kein Interesse daran haben, derlei
Ereignisse zu schüren - warum stehen dann 120 000 Soldaten in Afghanistan
und beschützen die paar Leute, die diesen Staatsstreich gegen das afghanische Volk unternahmen?
zen ein

ihnen

Die Sowjets sagen, sie brauchten an ihren Gren-

freundlich

gesonnenes Afghanistan.

Wir können diesen

Wjnsch womöglich verstehen, aber wie kann man diese Freundschaft denn
verwirklichen?

Wir sagen der sowjetische Führung:

Eure derzeitige Poli-

tik verstärkt nur den Haß des afghanischen Volkes.

Haben die Sowjets ei-

ne nichtmilitärische Strategie, um mit diesem Problem

fertigzuwerden?

Wenn dem so ist, werden sie uns bereit finden, ihnen dabei zu helfen, sie
zu verwirklichen.

Oder nehmen Sie Libyen.

Es gibt heute nur wenige Regierungen, wenn

überhaupt welche, deren Politik insgesamt mit dem Ausdruck umschrieben
- 10 -

�Ausdruck

umschrieben

werden

könnte:

"Je schlechter, desto besser."

Oberst Ghaddafi steht im Gefolge dieser Tradition, die versucht, Unruhe
und Instabilität zu provozieren oder von ihr zu profitieren.

Angesichts

dieser Tatsache müssen wir Amerikaner einige ernste Fragen hinsichtlich
seiner Unterstützung durch die Sowjetunion stellen.
wird genügen:

Ein kleines Beispiel

Vtelchen Nutzen hat angesichts all der Terrorismus-Probleme

in diesem Teil der Vfelt die Tatsache, daß die Sowjetunion Ghaddafi Unterseeboote zur Verfügung stellt?

Oder wem dient es angesichts des Krieges

im Persischen Golf, der sich endlos hinzuziehen scheint, wenn sie Oberst
Ghaddafi Raketen gibt, die ihren Iteg in den Iran finden und schließlich
mitten in Bagdad landen, der Hauptstadt eines Landes, das einen Freundschaf tsvertrag mit der Sowjetunion hat?
Freundschaftsverträgen sein?
stem Ernst zu fragen:

Soll das die Bedeutung von

Wir Amerikaner haben das Recht, mit voll-

Vfenn dieses "Je schlechter, desto besser" nicht

sowjetische Politik sein sollte - sollte dann das Verhältnis zwischen der
Sowjetunion und Oberst Ghaddafi nicht ganz anders sein?

Nehmen Sie schließlich Kuba.

Auf dem Preisschild der sowjetischen

Unterstützung Kubas stehen nach Berechnungen unserer Experten etwa 5 Milliarden Dollar im Jahr.

Zum Vergleich:

Das ist in etwa so viel wie wir

für Ägypten und Israel zusammen zur Verfügung stellen - wobei beide Länder zusammengenommen eine fünfmal größere Bevölkerung haben als Kuba.
Kuba muß also für die sowjetische Politik eine Verpflichtung von ganz erheblicher

Bedeutung

darstellen.

Eine

Verpflichtung

aber

wozu?

Uns

scheint, um ganz offen zu sein, der Hauptvorteil für die Sowjetunion darin zu liegen, daß Kuba - die kubanischen Truppen, die kubanischen Berater und die kubanischen Basen - zu offensiven Zwecken genutzt werden kann.

Die kubanische Politik der letzten zehn Jahre ist wirklich außergewöhnlich, und sie ist umso außergewöhnlicher, weil sie gar nicht so hätte
zu sein brauchen.

Rund die ersten zehn Jahre nach der Raketenkrise von

1962 war Kuba für die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen kein entscheidendes Reizthema.

Jetzt ist es eines.

Kubas Soldaten sind in Krie-

ge auf zwei Kontinenten verwickelt und trotz des internationalen Drucks
aus vielen Richtungen gibt es kein Zeichen für ihren Rückzug in die Hsi- 11 -

�die Heimat.

Das Muster ist in etwa das gleiche wie bei den chemischen

Waffen oder bei den Raketen in Europa, das ich bereits skizziert habe.
Die Sowjetunion hat eine Konfliktquelle erneut offengelegt.
aus Vorteile gezogen?

Hat sie dar-

Wir hoffen, daß man sich diese Frage in Moskau

stellen wird.

Es sollte keinerlei Zweifel hinsichtlich der Fähigkeit der Vereinigten Staaten geben, mit diesen Schwierigkeiten fertigzuwerden, wenn sie
sich uns in den Weg stellen. Aber darum geht es nicht. Sicher, wir müssen der Sicherheit Pakistans mehr Aufmerksamkeit schenken, als dies vor
einigen Jahren der Fall war - aber das kann getan werden.
müssen wir heute der Sicherheit

Desgleichen

von El Salvador mehr Aufmerksamkeit

schenken als vorher, aber auch das können wir in den Griff bekommen. Und
nicht anders betrachten wir die Probleme, die Libyen für seine Nachbarstaaten, zu denen einige gute Freunde der Vereinigten Staaten gehören,
schafft.

Die verbleibende Frage betrifft die umfassendere

Wirkung, die all

dies auf die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen sowie darauf hat, ob
dies wirklich die Wirkung ist, die die sowjetische Seite wünscht.

Sie

schickt uns sicherlich laute und unüberhörbare Botschaften über die Motivationen sowjetischer Politik.
reichen nur schwieriger.

Das macht Verbesserungen in anderen Be-

Es ist nur eine Garantie dafür, daß jedweder

kleine Schritt vorwärts , den wir möglicherweise machen könnten, isoliert
bleiben wird und nur mühsam gesichert werden kann - von einer Würdigung
im vorhinein durch beide Seiten ganz abgesehen.

Hinzuzufügen wäre, daß sich an all dem nichts ändert, wenn man sowjetischerseits von Moskaus Verantwortung zur Hilfe für andere "sozialistische" Staaten hört.

Das reduziert sich für uns natürlich darauf,

daß anderen Regierungen dabei geholfen wird, ihre Völker zu unterdrükken.

Wir sind der Meinung, daß der Sozialismus sowjetischen Stils vielen

großen Nationen Leid gebracht und deren Fähigkeiten nur eingeschränkt
hat.

Hiervon sind wir absolut überzeugt.

Zweifellos ist die sowjetische

Führung anderer Meinung, aber damit ist es nicht getan.
- 12 -

Ich hoffe viel-

�hoffe vielmehr, sie werden schließlich doch einmal eine andere Frage
überdenken.

Ob nämlich eine derartige sowjetische Verwicklung überhaupt

aus ihrer eigenen Interpretation heraus gerechtfertigt ist.

So erinnern

wir uns hier im Westen zum Beispiel an die Bemerkung von Generalsekretär
Andropow über den Unterschied zwischen dem Aufbau des Sozialismus einerseits und seiner bloßen Proklamierung andererseits.

Wir hoffen, daß solch eine Skepsis Quelle des Zweifels darüber sein
kann, ob die von mir beschriebene Politik der Sowjetunion wirklich deren
Interessen gedient hat.

Bisher habe ich von den politisch-militärischen Fragen gesprochen,
die unsere Beziehungen trüben.

Sie dominieren fast immer die Tagesord-

nung der zwischen uns bestehenden Probleme.
unsere Unterhändler.

Auf sie konzentrieren sich

Es gibt noch weit mehr Themen, die ich aufgreifen

könnte - von Polen bis zur Weiterverbreitung von Kernwaffen.

Wie wichtig

sie auch sein mögen, so gehören sie doch nicht zu dem Bereich, in dem die
Veränderungen von größter Tragweite stattfinden könnten.

Offen gesagt,

die dauerhafteste und weitreichendste Verbesserung der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen - und wahrscheinlich der sowjetischen Beziehungen
mit fast allen Ländern der Erdekönnte sich durch Ereignisse innerhalb der
Sowjetunion vollziehen.

Wenn Amerikaner gegenüber sowjetischen Regierungsvertretern die Frage
der Menschenrechte aufwerfen, wissen sie, was auf sie wartet.

Der so-

wjetischen Haltung zufolge mischen wir uns in "inner Angelegenheiten"
ein.

Die sowjetische Seite hat sich mittlerweile auch an das gewöhnt,

was wir normalerweise darauf antwortetn - daß nämlich viele dieser Fragen
Verpflichtungen beinhalten, die durch die Schlußakte von Helsinki eingegangen wurden.

Wir sprechen von Verpflichtungen, die die Sowjetunion

freiwillig eingegangen ist.

Dies ist ein wichtiger Punkt.
genommen werden.

Unterzeichnete Verträge müssen ernst-

Aber dies ist nicht der Hauptgrund dafür, daß Amerika-

ner ein Interesse an den Menschenrechten und an der Demokratie bekunden.
- 13 -

�Demokratie bekunden.

Und es geht auch nicht allein darum, daß wir an Mo-

ral in der Politik glauben, oder daß unser Herz bei den sowjetischen Juden ist, die emigrieren wollen, dies aber nicht können.
gentliche Grund

ist, daß echter Fortschritt

Nein, der ei-

in dieser Richtung eine

grundlegende Wirkung auf das internationale System und auf die Art und
Weise haben würde, wie wir miteinander verkehren.

Als Präsident Reagan im April 1984 in China war, hielt er eine Rede,
die sicherlich eine der freimütigsten war, die jemals von einem führenden
Politiker gehalten wurde, der ein Land mit anderem politischem System besucht.

Seine Botschaft war einfach:

"Vertraut dem Volk."

Für uns ist

die Bedeutung eines solchen Satzes offensichtlich, aber viele der Ideologien des 20. Jahrhunderts gründen sich auf Argwohn gegenüber dem Volk,
auf der Überzeugung, daß es zu selbständigem Handeln nicht fähig sei.
Deshalb lassen Sie mich kurz darlegen, was es, ganz praktisch gesehen,
bedeutet, dem Volk zu vertrauen.
wir ganz konkret.

Erstens:

Lassen wir Gefühle beiseite und seien

Was kann ein Volk tun, wenn man ihm vertraut?

Nur das Volk kann die landwirtschaftliche Produktivität re-

volutionieren.

Alle anderen Versuche gehen hoffnungslos in die Irre.

Vor über 20 Jahren beschuldigte die Kommunistische Partei der Sowjetunion
die Chinesische Partei des Glaubens "Wenn ein Volk Sandalen trägt und aus
einer einzigen großen Schüssel Wassersuppe ißt - das ist Kommunismus."
Heute könnte man eine derartige sarkastische Unterstellung nicht mehr machen.

In den vergangenen sieben Jahren hat sich die landwirtschaftliche

Produktivität in China verdoppelt.

Und während seines jüngsten Besuchs

hier bei uns sprach der indische Ministerpräsident Gandhi von den Fortschritten, die Indiens Landwirtschaft aufgrund verstärkter Anreize gemacht habe,
dies?

heute ist Indien bei Weizen ein Nettoexporteur.

Wie kommt

Das Volk schaffte es.

Zweitens:

Nur das Volk kann die wissenschaftlich-technologische Re-

volution schaffen.

Und sie wird in jenen Ländern geschafft, die sich

heute des raschesten Wirtschaftswachstums erfreuen.
zentralen Planwirtschaft kann das schaffen.
- 14 -

Kein Ministerium der

In den Vereinigten Staaten

'

�Vereinigten Staaten i s t das Schlagwort f ü r Itendel i n der Struktur unserer
Volkswirtschaft die Dezentralisierung - und schon schießen Firmen aus dem
Boden, die neue Produkte etwa im Bereich der Informationstechnologie a n bieten.
dent

In seiner Rede i n China, die ich gerade erwähnte, sagte P r ä s i -

Reagan:

"Täuschen wir

uns n i c h t :

Jene, die diese

lebenswichtige

Hahrheit mißachten, werden i h r e Länder dazu verdammen, immer weiter z u rückzufallen.. ."
Schließlich:
neu beleben...

Nur das Volk kann seine nationale Kultur immer wieder
Kein Ministerium der Kultur kann das.

Sicher wird jedes Volk diese Aufgaben auf seine eigene Vfeise b e w ä l t i gen.

Jede Kultur hat ihre Besonderheiten.

Bei allem Handel b l e i b t China

eindeutig chinesisch und erkennbar s o z i a l i s t i s c h .
erwähnten Aufgaben zu bewältigen, g i l t

Aber um diese von mir

für a l l e Menschen dasselbe:

Sie

müssen i h r e Entscheidungen selbst f ä l l e n , sie müssen i h r e Fähigkeiten zum
Tragen bringen, sie müssen i n der Lage s e i n , von anderen zu lernen und
sie müssen Kenntnis von den entscheidenden Faktoren des w i r t s c h a f t l i c h e n
und sozialen Lebens haben.

Es g i l t , die i n s t i t u t i o n a l i s i e r t e

Geheimnis-

krämerei abzuschütteln, die die übrige Vtelt nur absurd und s e l b s t z e r s t ö rerisch findet.

Es g i l t , über die ganz einfachen Dinge Bescheid zu wis-

sen - etwa den Umfang der Vteizenernte des vergangenen Jahreswie über die
größeren
geht.

Zusammenhänge

- etwa

das, was draußen

in

der

Vfelt

vor

sich

Menschen müssen i h r Land verlassen d ü r f e n , wenn sie dies w o l l e n .

Wird ihnen a l l das verweigert, b l e i b t ihnen nicht v i e l zu tun ü b r i g .

Der sowjetischen Führung würde ich sagen, daß dies nicht etwa unsere
romantischen

Ideale

sind.

auch i h r e r eigenen Z i e l e .

Sie

sind

vielmehr

praktische

Erfordernisse

Und sie sind praktische Erfordernisse von Z i e -

l e n , die auch wir selbst haben, denn sie sind der Schlüssel zur Veränderung der Ost-Vfest-Beziehungen.
Lassen Sie mich zum Abschluß zu den praktischen Perspektiven zurückkehren, mit denen i c h begonnen habe:
Erwartung

der

Veränderung

des

Wir planen unsere P o l i t i k nicht

Ost-Vfest-Verhältnisses.

- 15 -

Wir

in

streben

�Wir streben schrittweise Verbesserungen an und wir betrachten deren Wart
nicht als unerheblich.

Die sowjetische Führung sollte wissen, daß Präsi-

dent Reagan bereit ist, geduldig und methodisch kleine Schritte vorwärts
zu tun und daß wir nach Maßgabe dessen reagieren, was wir von ihr bekommen.

Es scheint mir, daß wir zu diesem Zeitpunkt des Nachdenkens in der
Sowjetunion von uns wie von der sowjetischen Seite mehr fordern sollten.
Wir sollten erkennen, daß jene, die nur kleine Verbesserungen anstreben,
am Ende oft überhaupt keine erreichen.

Wir erkennen kosmetische Verbes-

serungen , wenn wir sie sehen, und wir kennen die Bedeutung und den Wart
großen Wandels.

Wir sollten uns jene Fragen stellen und auf den Antwor-

ten beharren, die wegweisend sind.

* * * * *

- 16 -

�28. August 1985

34

GROSSEINSATZ IN DEN USA GEGEN CANNABIS-ANPFLANZUNGEN
- "Operation Delta-9" vernichtet Marihusna-Ernte -

- (AD) -- Dank der Zusammenarbeit mit einigen Anfaulendem und wirksamer juristischer Maßnahmen im Inland gelang es den Vereinigten Staaten,
das Einschleusen von Marihuana (Haschisch* aus Mittsl- und Südamerika
merklich einzudämmen. Dies veranlaßt die Drahtzieher hinter der Drogenszene, den illegalen Cannabis-Anbau (indischer Hanf) in den Vereinigten
Staaten selbst zu forcieren.
Die Frühernte war Anfang Ajgust zu erwarten. Dagegen lie"? nun fünf
Tage lang die "Operation Delta-9". Die Bezeichnung ist in Kurzform von
der chemischen Formel für den aktiven Bestandteil in Marihuana abgeleitet. Mehr als 2200 Beamte und Mitarbeiter von Hundes-, Staats- und Kommunalbehörden, vom Bundesforstdienst bis zur Küstenwacht, waren landesweit
im Einsatz. Koordiniert wurden die in allen 50 Bundesstaaten gleichzeitig
durchgeführten Aktionen von 150 Mitarbeitern der DEA (Bundesbehörde für
Rauschgiftbekämpfung). Bill Deac, der Sprecher der DEA, bezeichnete sie
als den "größten Einsatz gegen Marihuana in dec Geschichte".
Schon am ersten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Schon am ersten Tag wurden 336 Anpflanzungen ausgemacht und, in 30
Bundesstaaten, weit über 100 000 Cannabis-Pflanzen vernichtet. Rund 55
Personen karren in Haft, Waffen aller ^rt wurden beschlagnahmt. Die Pflanzer greifen immer mehr zur Gewalt, um ihre Cannabis-Felder zu schützen mit Fallen, Schrotflinten, Dynamit, Wachhunden und anderen Mitteln gehen
sie gegen Eindringlinge vor. In Arkansas wurde ein Polizeihubschrauber
beschossen, jedoch gab es keine Verletzten.

Wie DEA-Administrator Jack C. Lawn, der zusammen mit Justizminister
Edwin Meese III von einem Hubschrauber aus einen Teil der Einsätze beobachtete, in einer Pressekonferenz berichtete, seien im vergangenen Jahr
in den Vereinigten Staaten etwa 12 Prozent des konsumierten Marihuana im
Lande selbst angebaut worden. Während der Kampagnen gegen den Cannabis-Anbau im Jahr 1984 wurden Felder mit mehr als 13 Millionen Pflanzen zerstört, 4941 Personen wurden in Haft genommen.

Die Strafen für jene, die in diesem Jahr wegen Drogenkriminalität
festgenommen werden, fallen aufgrund einer Gesetzesänderung vom vergangenen Jahr erheblich härter aus: Wer Cannabis-Pflanzen anbaut, hat mit bis
zu 15 Jahren Gefängnis und bis zu 250 000 Dollar Geldstrafe zu rechnen.
Das Land, auf dem der indische Hanf steht, wird konfisziert. Das Gleiche
geschieht mit allen anderen persönlichen Gegenständen, die zum Anbau benutzt oder mit Einkünften aus dem Verkauf von Marihuana angschafft wurden. Die drastischen Strafen sollen vor dem Anbau, der Herstellung und
der Weitergabe von Haschisch abschrecken. Dem neuen Gesetz zufolge werden
bei Händlern mit Heroin, Kokain und anderen Suchtstoffen Bankguthaben,
Eigenheime, Autos und anderes, mit ihren Gewinnen angeschafftes Eigentum
eingezogen. Sie haben mit 20 Jahren Zuchthaus und 250 000 Dollar Geldstrafe zu rechnen. Übrigens wurden auch die Strafen für privaten Drogenmißbrauch verschärft.

Appelle an die Weltöffentlichkeit
- 2 -

�Appelle an die Weltöffentlichkeit

Der Schutz von Jugend und Familien vor Drogenmißbrauch und den damit
verbundenen katastrophalen Folgewirkungen ist ein besonderes Anliegen von
Nancy Reagan, der Frau des amerikanischen Präsidenten. Im April dieses
Jahres hatte sie zum ersten Mal Frauen von Staats- und Regierungschefs zu
Gesprächen über Drogenprobleme eingeladen, zu denen die "First Ladies"
von 17 Ländern nach Washington kamen. Anschließend nahm die Gruppe noch
für zwei Tage an der überaus erfolgreichen diesjährigen PRIDE-Konferenz
teil. (PRIDE ist die Abkürzung von "Parents' Resource Institute on Drug
Education" - einer privaten Organisation für Familienhilfe und Elternberatung bei Drogenproblemen.) Im Rahmen der PRIDE-Bewegung, die sich die
Arbeit an der Basis zum Ziel gesetzt hat, bildeten sich in den Vereinigten Staaten in den letzten paar Jahren mehr als 4 000 Elternkreise als
sehr aktive Arbeitsgruppen in sämtlichen 50 Bundesstaaten. Mancherorts
sind auch Schulen und Jugendorganisationen in die PRIDE-Tätigkeiten einbezogen.

Nancy Reagan beabsichtigt, die Feierlichkeiten anläßlich des 40jährigen Bestehens der Vereinten Nationen im Oktober 1985 zum Anlaß zu nehmen, zu einer wesentlich erweiterten Konferenz über das Drogenproblem die
Frauen der Staats- und Regierungschefs einzuladen, die sich zur UN-Tagung
in New York einfinden. Vorbeugung, Information und Erziehung zur Immunität gegen die Verlockungen von Suchtstoffen aller Art werden als die
wichtigsten Punkte erörtert. Fast alle Teilnehmerinnen sind ja selbst
Mütter und somit auch persönlich daran interessiert, daß ihre Kinder oder
Enkel und deren Freunde nicht in den Rauschgiftstrudel gezogen werden.
Manche der First Ladies setzen sich in ihren Ländern bereits aktiv für
den Schutz der Jugend vor Drogen ein. Die Frau des amerikanischen Präsidenten hofft, durch die bevorstehende Tagung im Rahmen der Vereinten Nationen die Weltöffentlichkeit stärker als bisher für den Kampf gegen
Rauschgift und Suchtstoffe zu mobilisieren.
* * * * *

- 3-

�34

28. August 1985

ELEKTROWERKSTATT IM FREIEN WELTRAUM
Discovery-Astronauten bemühen sich um Reparatur
eines Nachrichtensatelliten -

- (AD) - Deram 27. August 1985 gestartete amerikanische Raumtransporter
DISCOVERY soll bei seiner sechsten Mission im All mit fünf Astronauten an
Bord acht Tage lang die Erde umkreisen. Aber zunächst waren es widrige
Wetterbedingungen am Kap Canaveral, dann Probleme mit dem Hauptcomputer,
die eine Verschiebung des ursprünglich für den 24. August geplanten
Starts der Raumfähre notwendig machten.

Der 20. Einsatz eines amerikanischen Raumtransporters steht unter der
Führung von Astronaut Joe Engle, Kopilot beim zweiten Flug der COLUMBIA
und, in den sechziger Jahren, Pilot des inzwischen legendären Raketenflugzeuges X-15, mit dem er in großen Höhen operierte. Zur jetzigen
DISCOVERY-Besatzung gehören außerdem Richard Covey als Kopilot, John
Lounge als Missionspezialist und Dr. William Fisher sowie James van
Höften als Nutzlastspezialisten.
Van Höften wird

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Van Höften wird seine Erfahrungen beim Einfangen und bei der Reparatur des Sonnenforschungssatelliten SOLARMAX im vergangenen Jahr gut gebrauchen könne. Denn ihm und Fisher steht die schwierigste Aufgabe der
neuen Mission bevor - nämlich das Einholen und die Reparatur des Nachrichtensatelliten SYNCOM IV-3 (auch als LEASAT bezeichnet). Er blieb
stumm, reagierte auf keinerlei Funkbefehle, zündete nicht die Feststofftriebwerke zur Weiterbeförderung auf die Äquatorbahn in 36 000 km Höhe,
nachdem er am 14. April 1985 aus dem Nutzlastraum der DISCOVERY bei ihrem
damaligen vierten Einsatz abgesetzte worden war. Zwar gaben sich drei
Astronauten zwei Tage später in einem improvisierten Außenbordmanöver und
mit improvisierten Hilfsmitteln jede nur erdenkliche Mühe, die Elektrik
des 4,25 mal 4,25 m großen Kolosses doch noch funktionsfähig zu bekommen
und den Aktivierungsmechanismus in Gang zu setzen - aber vergeblich. Die
NASA entschied dann, daß zunächst die Ursache der Panne ausfindig gemacht
werden müße. SYNCOM wurde erst einmal seinem Schicksal überlassen.

Inzwischen ergaben Untersuchungen bei der Herstellerfirma Hughes Communications Inc., die den Satelliten an die amerikanische Marine für deren weltweites Nachrichtennetz vermieten sollte, daß mit großer Wahrscheinlichkeit der Zeitgeber für den gesagten Ablauf der Aktivierung der
SYNCOM-Systeme von der Stromzuführung abgeschnitten und damit funktionsunfähig geworden war. Dies könnte auch die Erklärung dafür sein, daß ein
Hebel an der Außenseite des Satelliten, der sich beim Absetzen aus dem
Raumtransporter automatisch hätte umlegen und die Systemaktivierung in
Gang setzen sollen, auf die von den Astronauten damals vorgenommen Manipulationen absolut nicht reagierte. Denn auch für diesen Hebel war ein
Signal vom Zeitgeber erforderlich.

In Laboratorien und Werkstätten der Fa. Hughes wie der NASA hat man
inzwischen Verfahren und Hilfsgeräte entwickelt, um z. B. durch das Anbringen von Griffen auf beiden Seiten des riesigen Satelliten Greifmöglichkeiten und eine Halterung für den 17 m langen "Robotkran" an Bord
der DISCOVERY zu schaffen und den defekten Zeitgeber durch die Montage
von Überbrückungsleitungen zu ersetzen.
Gut sechs Stunden

�Gut sechs Stunden Arbeitszeit im Weltraum werden die Astronauten
Fisher und Van Höften benötigen, wenn erst einmal das Rendevous mit dem
defekten Nachrichtensatelliten und die Annäherung des Raumtransporters
auf ca. 12 m Abstand gelungen ist. Auf der Arbeitsplattform an der Spitze
des Kranes "verankert", wird Van Höften nach dem Anbringen des ersten
Griffes in einem bestimmten Bereich der SYNCOM-Seitenwand zunächst versuchen, den langsam rotierenden Satelliten (er dreht sich vermutlich pro
Minute einmal um die eigene Achse) immer wieder an diesem Griff zu fassen
zu bekommen und wenigstens ein paar Sekunden zu halten. "Halten" bedeutet
allmähliches Abbremsen. Das dürfte angesichts der Masse des Objekts (fast
sieben Tonnen) und der daraus resultierenden Trägheitskraft zur Fortsetzung der Eigenbewegung nicht ganz einfach sein. Zumindest erfordert es
viel Geschick, Geduld und wohl doch erheblich viel Zeit.

Erst wenn SYNCOM zum Stillstand gekommen ist, kann Fisher, im offenen
Nützlastraum an einer Leine gesichert, den zweiten Griff an der gegenüberliegenden Seite des Außenwand und die Halterung für den Kran anbringen. Dies ist die Voraussetzung dafür, daß der vom Cockpit der DISCOVERY
aus ferngesteuerte Robotarm den Satelliten greift, fest zu halten bekommt
und in den Nutzlastraum absenkt, wo die Reparatur vorgenommen werden soll.

Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit - ein Vorhaben unter Begleitumständen, für die es noch keinen Präzedenzfall gibt. Denn SYNCOM ist, mit
3350 kg Treibstoff für seine Feststofftriebwerke und 2212 kg flüssigem
Treibstoff beladen, ein brisantes Objekt. Die NASA und die Astronauten
versichern, daß alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen bedacht worden seien
und keine Gefahr bestünde. Auch dürfte allein schon die Weltraumkälte,
der SYNCOM während der vergangenen viereinhalb Monate ausgeliefert war,
bewirkt haben, daß die Zündfähigkeit des Treibstoffes noch eine Zeitlang
beeinträchtigt sein wird. Denn die auch für die Zündung wichtige Temperaturregelung für die einzelnen Systeme kann überhaupt erst in Gang kommen,
wenn die Elektronik wieder funktioniert.

Van Höften und Fisher umgehen den nicht funktionsfähigen Zeitgeber
- 3 -

�funktionsfähigen Zeitgeber durch Verlegen neuer Leitungen und vorübergehendes Neuschalten von Ver- bindungen. Sie öffnen die Seitenwand, montieren zwei neue Acht-Stunden-Zeitgeber, benutzen zur Prüfung und Aktivierung bestimmter Systeme Buchsen, die sonst nur dem Hersteller zum Durchprüfen des Satelliten in der Werkstatt dienen, und montieren vorübergehend ein Schaltsystem, damit endlich die Rundstrahlantenne ausgefahren
werden kann. Auch sie hatte sich im April einfach nicht gerührt. Sie wird
dringend gebraucht, um die Funkbefehle der Kontrollstation auf der Erde
für SYNCOM aufzunehmen und ständige Verbindung zum Satelliten zu halten.
Während der ganzen Zeit können die Astronauten mit beiden Händen am Satelliten arbeiten - der Robotkran hält ihn in Position. Ist die Reparatur
beendet, wird SYNCOM wieder freigegeben, wobei van Höften versuchen wird,
ihn erneut in Rotation zu versetzen. Wünschenswert wären zwei Umdrehungen
pro Minute. Die DISCOVERY kann sich nun absetzen. Die zuständige Bodenstation für SYNCOM übernimmt mittels Funkbefehl die Aktivierung und künftige Steuerung. Bis zur Zündung der Feststoffraketen, die SYNCOM IV-3 in
knapp 36 000 km Hohe katapultieren sollen, können allerdings noch zwei
Monate vergehen. Und erst dann ist zu beurteilen, ob der Reparaturversuch
tatsächlich erfolgreich war.

Nicht vor dem sechsten Flugtag soll die Rettungsaktion beginnen. In
den ersten drei Tagen steht das Absetzen von drei Nachrichtensatelliten
auf dem Programm. Einer davon ist, mit einiger Veränderung, vom gleichen
Typ wie SYNCOM IV-3. Beim zweiten Nachrichtensatelliten handelt es sich
um AUSSAT-1, der im Auftrag der australischen Regierung abgesetzt wird
und abgelegene Gebiete an das Fernmelde- und Fernsehnetz anschließen
soll. Auftraggeber für den dritten Nachrichtensatelliten ist das Unternehmen "American Satellite Corporation". Außerdem hat die Firma "3M" mit
der NASA die Fortsetzung der Experimente zur Züchtung von Kristallen aus
organischen Lösungen vereinbart, die bei einem DISCOVERY-Flug im November
1984 in speziellen Reaktoren an Bord des Raumtransporters zum ersten Mal
in der Schwerelosigkeit durchgeführt wurden. Die Kristalle sollen der
Elektronik, Optik und Filmtechnik neue Möglichkeiten eröffnen.
* * * * *

- 4-

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