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                  <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

32

14. August 1985

INHAL

HINTERGRUNOMATERIAL
Keine amerikanischen Vorbedingungen für G i p f e l t r e f f e n
- Euronet-Pressekonferenz der US-Unteistaa:ssekretärin f ü r
europäische Angelegenheiten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumflug für die Wissenschaft
- Jüngster CHALLENGER-Einsatz:

Großartiger E r f o l g -

* * * * *

Um Über/endung von
ßelegcKcmploren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�32

14. August 1985

KEINE AMERIKANISCHEN VORBEDINGUNGEN FÜR GIPFELTREFFEN
Euronet-Pressekonferenz der US-Unterstaatssekretärin für
europäische Angelegenheiten -

WASHINGTON - (AD) - Die Unterstaatssekretärin f ü r europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Rozanne Ridgway,
i n einem Fernsehinterview

erklärte

am 7. August 1985, es gebe für das geplante

G i p f e l t r e f f e n zwischen Präsident Reagan und dem sowjetischen Generalsekr e t ä r Gorbatschow im November dieses Jahres von Seiten der
Staaten

keine

Vorbedingungen.

Rozanne

Ridgway,

die

Vereinigten

Botschafterin

der

Vereinigten Staaten i n Ostberlin war und j e t z t im amerikanischen Außenministerium die Nachfolge von Richard B u r t , dem neuen Botschafter der Vere i n i g t e n Staaten i n Bonn, angetreten h a t , betonte, zwar bestünden bezügl i c h der Menschenrechte Differenzen, die ausgeräumt werden müßten, aber
von Vorbedingungen könne man nicht

sprechen.

Die

Unterstaatssekretärin

nahm i n dem vom US-Informationsamt (USIA) über S a t e l l i t nach Europa ausgestrahlten Fernsehinterview unter anderem auch zu der Frage eines s t ä n digen

Moratoriums

für

Kernwaffenversuche,

zur

Strategischen

Verteidi-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI), zum Helsinki-Prozeß und zum
Ost-Wsst-Verhältnis generell Stellung.

Das Interview hat - in leicht gekürzter Form - folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Wir wissen, daß Sie bei dem Treffen zwischen (US-Außenmini-

ster) Shultz und (dem sowjetischen Außenminister) Schewardnadse in Helsinki dabei waren.

Ich möchte Sie fragen, was Sie von dem fotogenen

Lächeln von Außenminister Schewardnadse halten, von dem so viele Ihrer
Kollegen eingenommen waren; oder haben Sie hinter dem Lächeln und hinter
dem, was der neue sowjetische Stil der 'Öffentlichkeitsarbeit zu sein
scheint, eine Veränderung in der Sache oder einen Wandel in der sowjetischen Außenpolitik festgestellt?

Darf man auf ein erfolgreiches Ergeb-

nis des Gipfeltreffens im November hoffen, nachdem man weiß, daß sich die
Sowjetunion geweigert hat, in Genf über Menschenrechte zu sprechen?

ANTWORT:

Das ist schon eine Frage, die Sie da gestellt haben.

enthält mehrere Elemente.

Lassen Sie mich von oben anfangen.

Sie

Das Zusam-

mentreffen in Helsinki war eine wichtige Zusammenkunft - die erste Zusammenkunft mit dem neuen sowjetischen Außenminister.

Und wir haben, wie

wir hinterher erklärten, festgestellt, daß die Entwicklung dieser Zusammenkunft es uns ermöglicht hat, einen sehr sachlichen Dialog zu führen.
Wir haben auch das Wort offen gebraucht, denn wir stellten fest, daß wir
in der Lage waren, einigermaßen tiefgehend einen ganzen Bereich von Fragen zu besprechen - einen Meinungsaustausch darüber zu führen, wo die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sich in wichtigen Tagesfragen engagieren.

Wir haben uns sehr davor gehütet, zu versuchen, die an dem Treffen
beteiligten Personen zu beurteilen, so wie andere nicht versucht haben,
uns zu beurteilen.

Die Persönlichkeit spielt in diesem Geschäft natür-

lich eine sehr große Rolle, aber es ging um die Sache.

Außenminister

Shultz erklärte nach dem Treffen, er glaube, es sei ein guter Anfang gemacht worden, und ich glaube, wenn man nach etwas Ausschau hält, was, wie
man sagen könnte, Hoffnung bietet, dann darf man mit einer solchen Beur- 2 -

�solchen Eteurteilung als "guter Anfang" sicherlich zufrieden sein.

Es

liegen noch viele Wochen vor uns, bis es im November zu dem Treffen zwischen Präsident Reagan und Parteisekretär Gorbatschow kommt.

Es bleibt

noch viel zu tun. Das war nur ein erster Schritt.

FRAGE:

Ich glaube, ein Teil der Frage war auch, ob es in Helsinki

einen sachlichen Unterschied gab?

ANTWORT:

Es handelte sich nicht um eine Zusammenkunft, auf der man

einen Unterschied in der Sache zu vernehmen erwartet.

Es handelte sich,

wie ich sagte, um einen ersten Schritt auf dem Wag nach Genf.

Es war,

wenn Sie so wollen, eine Chance für uns, die Fragenkategorien aufzuzeigen, die uns interessieren.

Es geht hier um Rüstungskontrolle, regionale

Fragen, bilaterale Fragen, Menschenrechte.

Sie haben ganz recht, wir

werden mit der Zeit eine unterschiedliche Tagesordnung haben.

Auf unse-

rer stehen immer die Menschenrechte, aber wir versuchen nicht, uns auf
eine Tagesordnung zu einigen.
ge, die uns interessieren.

Wir sagen ganz einfach:

Das sind die Din-

Helsinki gab uns die Gelegenheit zu diesem

Zeitpunkt des ersten Schrittes, die Probleme darzulegen, über die gesprochen werden muß.

Keine Seite hat den Versuch gemacht, über die Sache

selbst zu sprechen; es war eine Vorbereitung.

FRAGE:

Als frühere Botschafterin in Ostberlin und jetzige Beraterin

von Außenminister Shultz in europäischen Angelegenheiten - welche Strategie gegenüber den Mitgliedern des l/ferschauer Paktes würden Sie vertreten?...

ANTWORT:

Die Administration hat natürlich von Anfang an eine sehr

klare Politik gegenüber Osteuropa eingeschlagen, und wir sind bereit, mit
den Ländern Osteuropas - den Mitgliedern des Warschauer Paktes, wie Sie
sagen - auf individueller Basis umzugehen, je nach dem Inhalt ihrer Politik und ihrem erkennbaren Wjnsch oder nicht erkennbaren Winsen, ein positives Verhältnis mit uns zu haben...

FRAGE:

Ich möchte

�FRAGE:

Ich möchte noch einmal auf Htelsinki zurückkommen.

Ich g l a u -

be, es wurde unter anderem a l s Anlaß für eine neue Entspannung benutzt.
Die Sowjetunion hat e i n fünfmonatiges Verbot bei Kernwaffenversuchen vorgeschlagen und die Vereinigten Staaten hatten einen anderen Vorschlag unt e r b r e i t e t , wonach die Sowjetunion Beobachter nach Nevada entsenden s o l l t e , um dort einen Versuch zu beobachten.

Kam der sowjetische

Vorschlag

für Sie überraschend?
ANTWORT:

Nein, wir waren überhaupt nicht überrascht.

Die Sowjetuni-

on hat s e i t v i e l e n , v i e l e n Jahren Vorschläge u n t e r b r e i t e t , die unter der
Bezeichnung 'Moratorium" l a u f e n , und es i s t eine ganze Sammlung solcher
Moratorien bekannt.

Wir sind von unserem Standpunkt aus, wie Sie wissen,

der Überzeugung, daß die

anstehenden Probleme nicht

durch d e r l e i

Vor-

schläge gelöst werden können, sondern i n Genf gelöst werden müssen, wo
die Aufgabe, die die Welt gelöst sehen möchte, d a r i n besteht, eine r a d i kale

Verringerung

rascht?

Nein'.

der

Kernwaffen

herbeizuführen.

Unvorbereitet,

über-

Wir sind es gewohnt, daß solche Vorschläge von Z e i t zu

Zeit auftauchen.
FRAGE:

Ifenn wir von dem sprechen, was die Helt möchte, was halten

Sie von einem Versuchsverbot oder einer Versuchsüberwachung?
ANTWORT:

Das Problem, um das es auf diesem enorm komplexen Gebiet

der Rüstungskontrolle geht, i s t

die V e r i f i z i e r u n g .

Beide Seiten müssen

w i r k l i c h e s Vertrauen d a r i n haben können, daß geschlossene Abkommen auch
eingehaltene
werden Sie

Abkommen sind.

Und wenn man dieser Frage nachgeht, dann

sehen, daß wir

durch Technologie, durch Expertenaustausch,

durch - wie im Falle unseres Vorschlags zur Beobachtung von Kernversuchen
- so ins einzelne gehende Dinge wie Vergleichsmessungen M i t t e l und Hege
finden müssen, um s i c h e r z u s t e l l e n , daß die Messungen auf beiden Seiten
die gleichen s i n d .
nicht so dramatisch.

Das i s t

alles

nicht

so a u g e n f ä l l i g und

Die Leute lesen das v i e l l e i c h t

nicht zu Ende, weil es ihnen zu technisch i s t .
zeugung i s t

vielleicht

i n der Zeitung gar

Aber nach unserer Über-

das der e i g e n t l i c h e Kern der Sache - V e r i f i z i e r u n g , V e r i f i -

z i e r b a r k e i t , V e r l ä ß l i c h k e i t , Vertrauen.

Und wir müssen diese Frage an-

�Frage anpacken.

Das war der Grund, warum Präsident Reagan im September

1984 seinen Vorschlag unterbreitet und erst kürzlich näher dargelegt hat.

FRAGE:

Ja schon, aber die Vorschläge der Sowjetunion schienen Aus-

druck dieses neuen Stils zu sein.

Der alte Stil - wie sie beispielsweise

zum "Krieg der Sterne" stehen - schien doch das Haupthindernis in Genf zu
sein,

Warum glauben Sie, daß die Sowjets so sehr dagegen sind?

ANTWORT:

Der Grund ist, wie ich meine, ganz einfach.

Es ist erwie-

sen, daß die Sowjetunion sich seit vielen, vielen Jahren mit solcher Forschung beschäftigt.

Sie hat, wenn man auf die Einzelheiten blickt, auf

diesem Gebiet wahrscheinlich einen großen Vorsprung gegenüber den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten.

Wir sind uns endlich über die Not-

wendigkeit klar geworden, eine solche Forschung zu betreiben, in die Zukunft zu blicken, unsere strategische Position bis Ende dieses Jahrhunderts zu verbessern.
sich natürlich

Und wenn man einen Vorsprung hat, dann gewöhnt man

daran, sich dieses Vorsprungs

zu erfreuen und möchte

nicht, daß andere aufholen.

Der erste Schritt ist also, daß man sich der amerikanischen Strategischen Verteidigungsinitiative widersetzt als einer Sache, die angeblich
der Rüstungskontrolle im Wage steht.
Wage.

Dabei steht sie überhaupt nicht im

Der nächste Schritt ist der, daß man dafür sorgt, daß sie mißver-

standen wird und als etwas gesehen wird, was sie gar nicht ist.

Um was

es in WirklLchkeit geht, ist - wie jeder, der die Sache kennt, weiß - ein
außerordentlich kluger Schritt, um die Forschung zu betreiben, die notwendig ist, um herauszufinden, ob es im Sinne der Technologie, der Kosten, der Überlebensfähigkeit usw. wirklich möglich ist, die Elemente einer neuen Position auf der Basis der Verteidigung herauszufinden.

FRAGE:

SDI fand in Europa eine sehr kühle Aufnahme.

Warum glauben

Sie, daß das so war?

ANTWORT:

Manchmal glaube ich, daß wir sagen können, was wir wollen

und zunächst cbch eine kühle Aufnahme finden.

Und dann beginnen die Leu-

�die Leute nachzudenken und es sich zu überlegen und stellen dann schließlich fest, daß der Vorschlag gar nicht so schlecht ist.

Selbstverständ-

lich hat keiner, der die Sache kennt, gesagt, man solle diese Forschung
nicht betreiben.

Und wenn dann schließlich das Verständnis dem unsrigen

gleichkommt, dann haben wir trotzdem noch unter Etiketten zu leiden, und
der Begriff "Krieg der Sterne" hat sich sicherlich als sehr eingängig erwiesen.

Und niemand, der bei der Formulierung einer Schlagzeile, bei der

es um "Krieg der Sterne" oder um eine "Untersuchung der Möglichkeiten für
eine neue strategische Position" geht, die Kahl hat, wird sich für die
längere Formulierung entscheiden.

Und so stehen wir, wenn Sie so wollen,

einem Unterschied zwischen dem, um was es in dem Dialog zwischen den Vereinigten Staaten und Europa eigentlich geht, und dem, wie es in den
Medien dargestellt wird.

FRAGE:

Es gibt in Europa ein Gegenprojekt, Eureka.

Sehen Sie eine

Art Konkurrenz zwischen beiden Projekten?

ANTWORT:

Nein.

Ich weiß natürlich, daß das ein sehr populäres Thema

ist, aber diese ganze neue Welt der Wissenschaft und Technologie, mit der
sich Wissenschaftler, Techniker und Strategen in Nordamerika und in Europa befassen, hat Platz für alle, und wir sind der Überzeugung, daß SDI
und Eureka miteinander vereinbar sind und bleiben werden...

FRAGE:

Darf ich Sie fragen, ob Sie irgendwie hoffen, eine einheit-

liche westliche Linie im Zusammenhang mit dem kommenden Treffen zwischen
Präsident Reagan und Parteisekretär Gorbatschow aufrechterhalten zu können?

Und zwar in dem Sinne, in dem die Erklärungen und Reden in Helsinki

abgefaßt waren, wo alle westeuropäischen Länder, wie Sie auch, die Menschenrechtsfrage hervorgehoben haben, obgleich es doch einen Unterschied
gab, denn Sie haben sich deutlicher ausgesprochen:
redet und vielleicht ein bißchen aggressiver.

Sie haben offener ge-

Glauben Sie, daß die West-

europäer bei der Stange bleiben und grundsätzlich die gleiche Linie verfolgen wie Sie, oder sehen Sie eine wachsende Kluft zwischen Europa und
den Vereinigten Staaten?
ANTWORT:
- 6 -

Ich sehe

�ANTWORT:

Ich sehe keine echte Kluft.

im Stil gehabt.

Wir haben immer Unterschiede

Niemand würde sich doch wohlfühlen, wenn alle Erklärun-

gen in Helsinki über einen Leisten geschlagen worden wären oder genau die
gleichen Dinge hervorgehoben hätten.

Ich möchte in diesem Zusammenhang

nur an die Zusammenarbeit erinnern, die wir in Madrid zur Zeit der Madrider Folgekonferenz erlebt haben...
anbetrifft.

gerade was auch die Menschenrechte

Daß wir es vorgezogen haben, diese Anliegen in Helsinki auf

verschiedene Waise zum Ausdruck zu bringen, ist einfach ein Ausdruck der
Tatsache, daß wir verschiedene Länder sind.
Auftreten von Differenzen.

Ich rechne nicht mit dem

Wir rechnen vielmehr damit, uns durch einen

Konsultationsprozeß über die Auffassungen unserer Verbündeten und anderer
in Europa auf dem laufenden zu halten; zu wissen, was ihre Anliegen sind,
Bescheid zu wissen, was sie über das denken, was wir in den kommenden Wochen und Monaten zu tun gedenken und diese ihre Gedanken in unser eigenes
Denken einzubeziehen.

Ich rechne also nicht damit, daß Differenzen ent-

stehen, denn es hat auch in der Vergangenheit keine gegeben; ich rechne
vielmehr mit einer Ära der weiteren Zusammenarbeit und der sehr, sehr engen Konsultation...

FRAGE:

Können Sie uns eine genauere Vorstellung davon geben, wie

nach Ihrer Auffassung die Tagesordnung in Genf aussehen sollte - vor allem, was das Thema Nummer eins sein sollte?

ANTWORT:

Es gibt natürlich keine festgelegte Tagesordnung - in dem

Sinne, wie wir diesen Begriff "feste Tagesordnung" verstehen.

Aber die

anstehenden Fragen ordnen sich nach unserer Auffassung ohnehin in etwa
vier Kategorien ein - Rüstungskontrolle, die regionalen Fragen, die bilateralen Fragen und, wie schon gesagt, die Menschenrechte.

Und es ist

kein Zufall, daß ich die Liste mit Rüstungskontrolle begonnen habe; ich
habe auch keinen Zweifel daran, daß zwar alle Themen wichtig sind und alle Chancen und Möglichkeiten bieten, daß aber der Hauptschwerpunkt für
alle Menschen auf der Rüstungskontrolle liegt.

Das soll nicht heißen,

daß alles zu schaffen ist. Man muß aber einfach zugeben, daß, wer immer
die Liste der Themen aufstellt, die in Genf erörtert werden sollten, das
Thema Rüstungskontrolle am Anfang steht.
FRAGE:

Eines der

�FRAGE:

Eines der anderen Themen, die Sie genannt haben, sind regio-

nale Probleme. An welche Regionen müßten wir da denken?

ANTWORT:

Natürlich steht Afghanistan weiterhin im Mittelpunkt des

Interesses.

Wir haben in den letzten Monaten die Möglichkeit gehabt, auf

Expertenebene mit der Sowjetunion einen Meinungsaustausch - wenn man das
so bezeichnen kann - über den Nahen und Mittleren Osten, über das südliche Afrika und solche Art von Fragen zu führen.

FRAGE: Mittelamerika?

ANTWORT:

Natürlich , Mittelamerika nicht ausgeschlossen.

FRAGE:

Noch eine Frage zu SDI.

Die Einladung an die europäischen

Staaten zur Teilnahme an dem Forschungsprogramm erging an die europäischen Länder jeweils separat,

Was halten Sie von den europäischen Versu-

chen, im Rahmen der Westeuropäischen Union eine gemeinsame Antwort hierauf zu geben?

ANTWORT:

Diese Frage ist mir im Moment nicht allzu vertraut.

habe mich erst noch einzugewöhnen.

Ich

Das wird Ihnen sicher nicht immer als

Antwort ausreichen, aber lassen Sie mich hier nur so viel sagen: Hie die
Europäer sich organisieren, ist natürlich ganz allein ihre Sache.

Der-

zeit verhandeln wir auf individueller Basis, weil die Europäer selbst auf
diese Heise auf uns reagiert haben.

Bei anderer Entwicklung werden wir

natürlich entsprechend handeln.

FRAGE:

Gibt es für eine europäische Antwort, was Sie betrifft, noch

immer einen zeitlichen Rahmen?

ANTWORT:

Meinen Sie, so viele Tage für dieses und so viele Tage für

jenes?
FRAGE:

Verteidigungsminister Wsinberger hatte einmal einen Zeitplan

von zwei Monaten.
ANTWORT:

Nun, davon

�ANTWORT:

Nun, davon kam man schon vor einiger Zeit ab; Zeitpläne in

dieser Art von Geschäft werden eher durch das Tempo bestimmt, mit der
sich die Technologie entwickelt.

Für mich gibt es jetzt nur den Zeit-

plan, der sich aus dem natürlichen Lauf der Dinge ergibt.

FRAGE:

Auch wenn Sie nun schon fast alle Fragen beantwortet haben,

möchte ich noch einmal auf die Frage des Moratoriums zurückkommen.

Prä-

sident Reagan stimmte am Montag in seiner Pressekonferenz der Möglichkeit
eines Moratoriums zu, sobald die Vereinigten Staaten ihre eigenen Nukleartests beendet hätten. Muß man dies als eine radikale Änderung der amerikanischen Position ansehen?

FRAGE:

Nein, ich glaube, man sollte dies überhaupt nicht so sehen.

Was der Präsident sagen wollte, war wirklich nichts Neues.

Es war die

Bestätigung einer Politik, die wir seit vielen, vielen Jahren verfolgen.
Natürlich möchte man - mit einem Blick nach vorn in der Geschichte - hoffen, daß man einmal in einer Walt anlangt, in der es solche Tests nicht
mehr geben wird.

Aber die Erklärung des Präsidenten vom Montag verdeut-

lichte sehr genau den Kontext, in dem er ein Moratorium sieht, all die
noch zu erledigende Arbeit, die Verifizierung, das Bemühen um vertrauensbildende Maßnahmen, um Verringerung der offensiven Arsenale.
gehört zu jeder Diskussion um ein Moratorium.
Gedanken des Präsidenten.

All dies

All dies lag hinter dem

Es war dies keine radikale Abkehr; wir haben

nichts Neues gesagt.

FRAGE:

Der Präsident sprach von der Möglichkeit eines Moratoriums

nach Abschluß der amerikanischen Versuche.

Wissen Sie, wann das sein

könnte?

ANTWORT:

Für uns ist es ein Gebot der Stunde, die Lücke zu schlie-

ßen, die zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten hinsichtlich der bereits getanen Arbeit existiert.

Wir liegen hier weit zurück

- ich glaube, der Präsident erwähnte das. Er verwies auf die sowjetische
Raketenentwicklung und nannte zwei oder drei der sowjetischen Raketen,
die aufgrund beschleunigter und umfassender Testprogramme entwickelt und

�entwickelt und einsatzfähig gemacht wurden.
getan.

Wir haben nichts dergleichen

Ich kann wirklich nichts über einen Zeitplan sagen.

Ich kann nur

sagen, daß die Vereinigten Staaten entschlossen sind, eine Haltung einzunehmen, die auf unsere Erfordernisse Rücksicht nimmt; gleichzeitig will
ich hinzufügen, daß das eigentliche Thema nicht Moratorien sind - es geht
nicht um schnelle Antworten. Das Thema ist Genf, wo wir sagen:

Wir sind

flexibel, wir sind da, um radikale Verringerungen bei den strategischen
Cffensivarsenalen zu erreichen.

Und um genau das geht es.

Ist erst das

einmal getan, kann man weitersehen - kann noch mehr bei den Testverboten
und ähnlichem tun.

Es handelt sich um ein umfangreiches Programm.

Es

sträubt sich wirklich gegen einen Zeitplan.

FRAGE:

Sie sagten, das zentrale Thema ist die Frage der Verifizier-

barkeit?

ANTWORT: Absolut.

FRAGE:

Ohne ins Detail zu gehen: Könnten Sie uns sagen, was genau

die Vereinigten Staaten hinsichtlich der sowjetischen Experimente wissen
wollen? Und zweitens: Was ist mit der Einladung sowjetischer Experten zu
Ihren Versuchen?

ANTWORT:

Im Zentrum des Vorschlags, den der Präsident im September

1984 vor den Vereinten Nationen darlegte und den er einige Tage vor dem
Helsinki-Treffen wiederholte, steht die Verifizierbarkeit.

Und es ging

hier um ein sehr einfaches Problem, die Kalibrierung von Instrumenten
durch Experten beider Seiten. Als der Vorschlag zum erstenmal unterbreitet wurde, schlugen wir den Austausch von Experten beider Seiten vor; ein
Expertenteam von uns sollte in die Sowjetunion kommen, um die Kalibrierungsapparatur bei ihren Testanlagen zu überprüfen, eine Gruppe von ihnen, um bei uns dasselbe zu tun.

Hierauf kam nie eine Reaktion; deshalb

tat der Präsident den Schritt einer einseitigen Einladung:

"Iftenn ihr

nicht wollt, daß wir zu euch kommen, gut, dann laden wir euch zu uns ein.
Kommt nach Nevada, bringt eure Meßinstrumente mit..."

Ich glaube, darum

ging der Vorschlag des Präsidenten, Vertreter sollten zum Ort der Versu- 10 -

�der Versuche kommen und mit unseren Experten zusammenarbeiten.

Jemand hat schon darauf hingewiesen:

Wenn Wissenschaftler und Exper-

ten zusammenkommen, gibt es keine Geheimnisse.

Hier kann sich schon ein

gewisses Maß an Vertrauen durch das Wissen aufbauen, das man von dem hat,
was die andere Seite in diesem Bereich tut.
union zustimmt; bislang ist dem nicht so.

Wir hoffen, daß die SowjetAber wir werden weiter hof-

fen ...

FRAGE (Ansager):
stellen.

Bevor wir weitermachen, möchte ich gern eine Frage

Ganz offensichtlich wird das Treffen im November zwischen Prä-

sident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow der Höhepunkt des diplomatischen Jahres sein.

Können Sie uns etwas darüber sagen, wie wir hier in

Washington oder Ihre Abteilung eine Vorstellung von Michail Gorbatschow
erarbeitet? Ist er der neue Junge der alten Truppe?...

ANTWORT:

Man sollte davon ausgehen, daß alle Staaten unabhängig von

ihrem sozialen System von einer Reihe durchgängiger nationaler Interessen
ausgehen, die über alle Veränderungen an der Spitze fortdauern. Man muß
allerdings auch sagen, daß die jeweilige Führung diesen Fragen eine unterschiedliche Bedeutung beimißt, eine unterschiedliche Wahl dahingehend
trifft, wie die Ressourcen eingesetzt werden sollen, in welche Richtung
man seine Leute einsetzt, wie man am besten dem Ganzen dienen will.

Wir

können nunmehr sagen, daß wir einige Veränderungen bei der Akzentuierung
sehen, und sicherlich sehen wir erhebliche Tatkraft, wenn es darum geht,
Probleme auf neue Weise anzugehen.

Aber ich glaube, es ist noch zu früh,

darüber hinauszugehen und positive Ergebnisse oder größere Veränderungen
vorherzusagen - sicherlich keine Umstellung der sowjetischen Interessen,
wie sie die Sowjetunion versteht.

FRAGE (Ansager):

Wir können nicht behaupten, es gäbe schon eine kon-

krete Veränderung in der Ideologie?

ANTWORT:

Und wenn ich zurückblicke, so sehe ich auch nichts, was un-

terstellen könnte, daß Sie damit recht hätten, eine solche zu erwarten.
FRAGE:
- 11 -

Die Sowjetunion

�FRAGE:

Die Sowjetunion hat in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren

mit einer sehr geschickten Tradition begonnen:

Jedesmal vor einem wich-

tigen Treffen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ließ
die

sowjetische

Regierung

einige

bekannte

politische Gefangene

frei.

Glauben Sie, dies wird auch vor Genf so sein, oder sind Sie unter allen
Umständen dazu bereit, nach Genf zu gehen?

ANTWORT:

Wir haben keine Vorbedingungen für Genf gestellt, wie dies

Ihre Frage unterstellt.

Wie Sie durch die Rede in Helsinki wissen, haben

wir eine Liste von Personen, die für uns repräsentativ hinsichtlich der
verschiedenen Menschenrechtsverletzungen sind, die es in der Sowjetunion
gibt.

Wir würden uns über jeden Freigelassenen freuen.

Aber wir haben

keine Vorbedingungen gestellt.

FRAGE:

Ich habe eine Frage, die sich aus einer Pressekonferenz von

Botschafter Mandelewitsch in Kopenhagen ergibt, der alle Unterstellungen
zurückwies, wonach die Sowjets an einer
oder daß sie überhaupt
bauen.

Weltraumverteidigung arbeiten

irgendwelche Angriffs- oder Verteidigungswaffen

Jetzt hören wir von der amerikanischen Regierung, daß sie an sol-

chen Waffen bauen.

ANTWORT:

Wem sollen wir in Europa glauben?

Ich würde sagen, Sie glauben den Vereinigten Staaten.

Was

die Wahrheit anbelangt, haben wir die besseren Karten.

FRAGE: Können Sie Beweise dafür bringen?
ANTWORT:

Das würde ich sehr gern, nur ist dies hier nicht die rich-

tige Gelegenheit.

Ich meine, die Beweise liegen vor, die Informationen

stehen zur Verfügung; und ich glaube, es gibt aus den ernstzunehmenden
Kreisen unserer Verbündeten kein Argument, das darauf hindeuten würde,
daß wir keine Forschung betreiben sollten, weil etwa die Sowjets dies
nicht täten. Das stimmt ganz einfach nicht - sie betreiben Forschung.

FRAGE:

Die Russen haben damit gedroht, die Genfer Konferenz zu ver-

lassen, wenn Sie mit dem SDI-Programm beginnen.
- 12 -

Was werden Sie in dieser

�in dieser Hinsicht tun?

ANTWORT:

Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Sowjets ernsthaft

hieran denken...

Die Genfer Verhandlungen zu verlassen bedeutet, die

zentralen Verhandlungen zu verlassen, die sich mit einem Themenkreis beschäftigen, von dem unsere Völker, von dem die Öffentlichkeit erwartet,
daß er auf eine Waise gelöst wird, die weiterhin Sicherheit gewährleistet, aber auch die Drohung eines Atomkrieges verringert.

Und ich kann

mir nicht vorstellen, daß eine verantwortungsbewußte Führung sich von einem solchen Forum zurückzieht.

FRAGE:

Eine Frage zu den Menschenrechten.

Bisweilen wird nach Hel-

sinki argumentiert, die Frage der Menschenrechte blockiere jede Art von
Gespräch zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion und vergifte die Beziehungen.

Glauben Sie nicht, daß Sie es durch den Druck, wie

ihn etwa Außenminister Shultz in seiner Rede in Helsinki ausübte , den Sowjets unmöglich machen, einen Wag aus ihrer Lage herauszufinden?

ANTWORT:

Nun, es gibt einen sehr einfachen Wag, den die Sowjets ein-

schlagen können, um aus ihrer Lage herauszukommen.

Sie könnten die Per-

sonen freilassen, deren Namen von der Liste des Außenministers verlesen
wurden.

Mir wurde diese Frage genau wie den anderen Mitgliedern unserer

Delegation in Helsinki gestellt:

"Warum habt ihr das getan? Glaubt ihr,

es hilft?" Ich glaube, es ist absolut notwendig, daß die Vereinigten
Staaten unter Beweis stellen, daß sie noch immer daran glauben, daß die
Menschenrechte und die Rechte des einzelnen der wichtigste Aspekt unserer
Gesellschaft sind. Darum geht es für uns. Und es wäre sicherlich falsch,
wenn wir uns still verhielten und Reden hielten, die ganz andere Prioritäten signalisieren.

Das werden wir nicht tun.

Menschen bedeuten uns

etwas, und unsere Reden spiegeln dies wider.

FRAGE:

Auch die Sowjets haben ja eine öffentliche Meinung, der sie

sich stellen müssen.

Wie könnten die Sowjets Ihrer Vorstellung nach vor-

gehen bei der Ankündigung, Sacharow, Schtscharanski, Orlow und einige andere Systemkritiker freizulassen?
ANTWORT:
- 13 -

Ich glaube

�ANTWORT:

Ich glaube nicht, daß die Sowjets dabei, wie Sie es sehen,

viele Probleme mit ihrer öffentlichen Meinung haben, wenn es überhaupt in
der Sowjetunion eine öffentliche Meinung gibt. Und ich glaube auch nicht,
daß die öffentliche Meinung dort von einem solchen Akt beleidigt wäre.
Manche mögen das für einen falschen politischen Kurs halten, aber die öf
fentliche Meinung ist für die Sowjetunion sicher kein Problem.

FRAGE:

Besteht die Möglichkeit, die Hoffnung, daß die Sowjets die

Freilassung einiger der bekannteren Dissidenten - ich denke an Sacharow,
Schtscharanski - vor dem Treffen im November einleiten?

ANTWORT:

Wir hoffen jeden Tag, daß man diesen oder jenen aus dieser

Gruppe freiläßt, und wir würden jeden Zeitpunkt hierfür begrüßen.

FRAGE:

Noch eine Frage zum Thema Testverbot.

Sind die Vereinigten

Staaten angesichts der Einwände gegen ein einseitiges Moratorium und angesichts der Bedeutung der Verifizierbarkeit noch immer für einen umfassenden Teststoppvertrag?

ANTWORT:
langem.

Die Vereinigten Staaten überprüfen diese Frage schon seit

Dies ist alles Teil eines langen, langen Weges, den es noch zu

gehen gilt.
FRAGE:

lauben Sie, daß das Sowjetsystem so, wie es nun einmal ist,

die Verwirklichung der Menschenrechte, wie wir sie verstehen, überleben
könnte?

Und wenn nein:

Wären die Vereinigten Staaten bereit, in Genf

oder an einem andren Ort zu einer Vereinbarung zu gelangen, ohne darauf
zu bestehen, hinsichtlich dieser Rechte ganz konsequent zu sein?

ANTWORT:

Wir haben immer wieder gesagt, daß das sowjetische Verhal-

ten im Bereich der Menschenrechte die Haltung der Öffentlichkeit hinsichtlich der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen beeinflußt.
man gar nicht leugnen.

Das kann

So sehen es meine Landsleute; und so werden sie

es immer sehen.
Und wir haben
- 14 -

�Und wir haben gesagt, daß der KSZE-Prozeß ein ausgewogener Prozeß
sein muß, daß die Schlußakte nicht lediglich ein Sicherheitsdokument ist.
Sie ist ein Dokument, das eine Reaktion bei einer ganzen Bandbreite von
Themen erforderlich macht, zu denen auch die zwischenmenschlichen Kontakte und die Menschenrechte gehören.

Aber man muß sehr genau aufpassen, daß man aus der Notwendigkeit
heraus, zwischen uns anstehende Fragen anzupacken, nicht Verhältnisse
schafft, die als Bedingungen oder Vorbedingungen interpretiert werden
könnten.
System.

Man muß die Welt nehmen, wie sie ist.
Wir haben das unsrige.

Die Sowjets haben ihr

Wir haben eine Vorstellung davon, was

die grundlegenden Menschenrechte sind, sie haben die ihre.

Es gibt Un-

terschiede. Daran muß, wenn Sie so wollen, über ganze Menschenalter hinweg gearbeitet werden; inzwischen sollten wir uns auch auf anderes konzentrieren...

Wir sollten versuchen, Vorbedingungen zu vermeiden, denn wir sind bereit, uns der Welt so zu stellen, wie sie ist...

* * * * *

- 15 -

�32

14. August 1985

RAUMFLUG FÜR DIE WISSENS:hAFT
Jüngster CmLLENGER-Einsatz:

Großartiger E r f o l g -

- (AD) Nach einem achttägigen Flug mit 127 Erdumkreisungen kehrte der
US-Raumtran:?porter

Ct-ALLENGER am 6.

Raumfähre, die am 29. J u l i
landete

in

der

Mojave-WJ'ste

August

L985 zur Erde zurück.

am Kap Canaveral i n Florida
in

Kalifornien

auf

gestartet

einem

Die
war,

ausgetrockneten

Salzsee innerhalb des Areals von Edwards A i r Force Base.

Eine wissen-

schaftliche Mission mit überaus komplexen und schwierigen Aufgaben, auf
die sich zwei der N u t z l a s t s p e z i a l i s t e n an Bord sieben Jahre lang vorbereitet

h a t t e n , war zu Ende.

Die Auswertung der Meß- und Aufnahmedaten

aus Gebieten der Sonnen-, Atmosphären- und Plasmaphysik, der
U l t r a v i o l e t t - und

Röntgenastronomie,

der

Biologie,

Infrarot-,

Physiologie

und der

technologischen Forschung wird Monate , t e i l w e i s e sogar Jahre i n Anspruch
nehmen.

Es war der 50. bemannte Raumflug der US-Behörde f ü r L u f t - und

Raumfahrt

(NASA),

gleichzeitig

der

achte

Flug

des

Raumtransporters

Challenger.
Die Panne

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Panne während der Startphase, in der sich eines der drei Haupttriebwerke wahrscheinlich infolge der Fehlmessung eines Hitzesensors automatisch abschaltete, konnte durch längere Brenndauer der beiden anderen
Triebwerke und Ablassen von Treibstoff insoweit wettgemacht werden, als
auf diese totise der drohende Abbruch des Fluges mit Notlandung in Spanien
vermieden wurde.

Die ursprünglich vorgesehene Umlaufhöhe von 300 km wur-

de allerdings nicht erreicht.

CWLLENGER umkreiste die Erde ca. 60 km

tiefer, was aber, wie sich inzwischen herausstellte, die vorgesehenen
Messungen und Beoachtungen weitaus weniger beeinträchtigte als zunächst
befürchtet.

Das Programm wurde zumindestens 80 bis 85 Prozent erfüllt.

Eugene Urban, der wissenschaftliche Direktor für den 19. Einsatz eines
amerikanischen
Vtorten:

Raumtransporters, kommentierte

das Unternehmen mit den

"Eine großartige, erfolgreiche Mission".

Gemeint war die Ausbeute an neuen und überaus interessanten Forschungsdaten, die mit Hilfe von 13 Meß- und Experimentierinstrumenten
(Gesamtgewicht:

ca. 15 Tonnen) gewonnen wurde.

Die Mehrzahl von ihnen

war auf drei im Nutzlastraum hintereinander aufgereihten Paletten montiert.

Diese Instrumententräger sind Bestandteil des von der Europä-

ischen Heltraumorganisation ESA beigesteuerten und unter deutscher Leitung entwickelten Vfeltraumlabors SPACELAB.

Die Arbeitsräume für Astro-

nauten, als Druckkabinen konstruiert, waren jedoch dieses Mal nicht dabei, sondern nur das "Iglu".

Dabei handelt es sich um einen kleineren

Druckbehälter zur Aufnahme von Untersystemen für den Betrieb der Computer , für die Datenübertragung und die Temperaturregelung der einzelnen
Forschungsinstrumente.

Die Aktivierung des unter Leitung der Firma Dornier (Friedrichshafen)
gebauten, ca. eine Tonne schweren IPS-Geräts machte anfangs Schwierigkeiten und gelang erst nach mehreren Versuchen.

Es war eine wichtige Kompo-

nente im Programm, denn IPS ("Instrument Pointing System") erlaubt die
Feineinstellung und präzise automatische Nachführung von Teleskopen, Kameras oder Spektrometern zur Beobachtung kosmischer Objekte.

Dies ge-

schieht mit einer möglichen Abweichung von weniger als einer Bogensekunde, wenn die Raumfähre mit rundum abgeschalteten Steuerungsdüsen fliegt,
- 2-

�Steuerungsdüsen f l i e g t , und die Genauigkeit l i e g t immerhin noch bei zehn
Bogensekunden, wenn die

Triebwerke

zu Manövrierzwecken gezündet

werden

müssen.
Ein besonderer E r f o l g sind die Tausende von Aufnahmen von der Sonne,
die unter IPS-Ausrichtung mit v i e r

leistungsstarken Teleskopen von Mag-

n e t f e l d e r n , Eruptionen und r i e s i g e n , aus dem Sonneninneren aufsteigenden
"Blasen" gemacht und zur Erde ü b e r m i t t e l t wurden.
hatten einen Durchmesser von mehr als 100 000 km.
das "System zur Messung solarer Magnet-

Manche dieser Blasen
Eines der Instrumente,

und Bewegungsfelder", diente da-

z u , Stärke, Struktur und Entwicklung von Magnetfeldern i n der Sonnenatmosphäre zu beobachten und mögliche Beziehungen zu anderen solaren Phänomenen und Magnetfeldern auf der Sonne ausfindig zu machen.

Das Korona-He-

lium-Experiment, von Großbritannien beigesteuert, hatte zum Z i e l , die auf
der Sonne vorhandenen heliummengen zu messen.

Dabei wurde i n Verbindung

mit der Emission von U l t r a v i o l e t t s t r a h l u n g das Korona-Gas auf Temperatur e n , Dichte und Zusammensetzung a n a l y s i e r t .

Mit dem vom Forschungsinstitut
laren Ultraviolett-Teleskop
besonders

hohem

(Strahlenkorona)
werden.

der US-Marine (NRL) entwickelten "So-

und UV-Spektrographen" - e i n Instrument

Auflösungsvermögen

-

sollten

Chromosphäre,

und der Übergang zwischen beiden Schichten

mit

Korona

beobachtet

Die von stationären Observatorien nur bei t o t a l e r Sonnenfinster-

nis und dann nur für sehr kurze Zeit sichtbare Chromosphäre, l i e g t

zwi-

schen der Photosphäre, der wenige Hindert Kilometer dicken, leuchtenden
Schicht der Sonnenoberfläche, und der äußersten Schicht der Sonnenatmosphäre, der Korona.

Bisherigen Ergebnissen der Sonnenforschung

zufolge

hat die stark turbulente Chromosphäre eine Ausdehnung von mehreren Tausend Kilometern.
falls

Das v i e r t e

vom NRL eingesetzter

erfaßte Kurz-

Instrument, e i n beim CHALLENGER-Flug eben'Monitor

für

solares

Ultraviolettspektrum",

und Langzeitschwankungen innerhalb des Gesamtspektrums der

von der Sonne e m i t t i e r t e n u l t r a v i o l e t t e n Strahlung.

Schon auf

den ersten B i l d e r n

vom Magnet- und

Bewegungsfeldteleskop

war, wie N u t z l a s t s p e z i a l i s t Dr. Loren Acton von Bord der ChALLENGER den

�CHALLENGER den Projektwissenschaftlern in der Missionszentrale Houston
berichtete, jede kleine Granule zu erkennen.

Als "Granulation" bezeich-

net man die Struktur der nicht gleichmäßig hellen, sondern eher "körnigen" Photosphäre, in der sich helle, in ständigem Wechsel befindliche
Körnchen ("Granula") in runder oder ovaler Ausbildung von dunkler erscheinender Umgebung deutlich abheben.

Sie haben eine "Lebensdauer" von

wenigen Minuten und zeigen Turbulenzvorgänge an.

Das Magnetteleskop gibt der Forschung Gelegenheit, mehr über die Magnetfelder zu erfahren, die schichtweise in der gesamten Sonnenatmosphäre
vorhanden sind.

Diese Magnetfelder spielen eine Schlüsselrolle für die

Struktur und Dynamik der Sonnenatmosphäre.

Manche von ihnen sind viel-

tausendfach stärker als das Magnetfeld unserer Erde.

Jedoch sind sie in

ihren Details von stationären Observatorien aus nicht zu beobachten, weil
die Turbulenzen in der Erdatmosphäre eine Erfassung kurzfristiger Veränderungen unmöglich machen.

Die Wissenschaftler untersuchen auch die Beziehung zwischen Magnetfeldern, Granulen und sog. Supergranulen.

Bei den "normalen" Granulen,

die Durchmesser von etwa 800 - 1000 km haben, handelt es sich um "Blasen"
aufgrund von Konvektionsprozessen.

Sie wirken als riesige "Fahrstühle"

für den Transport von Wärme aus dem "Ofen" im Sonneninnern zur Oberfläche.

Sie dürften bei der Aufheizung der äußeren Sonnenatmosphäre eine

ganz wichtige Rolle spielen.
als die üblichen Granulen.

"Supergranulen" sind etwa 400 Mal größer

Während sich die letztgenannten in etwa 1000

km Tiefe bilden, kommen die Supergranulen aus Bereichen von ca. 15 000 km
unterhalb der Oberfläche.

Das Magnetteleskop übermittelt auch äußerst fein gezeichnete Bilder
von dunklen, sog. Sonnenflecken zur Erde.

Diese treten auf, wenn sich

Magnetfelder unterhalb der Sonnenoberfläche verknaueln und eruptionsartig
durch die Photosphäre, die hell leuchtende Sonnenoberfläche, nach oben
dringen. Man nimmt heute an., daß Sonnenfackeln, d.h. gewaltige Explosionen , mit denen Sonnenmaterie in den Raum hinaus geschleudert wird, eine
Folge des Zusammenbruchs von Magnetfeldern sind, die zwischen den Sonnen-

�den Sonnenflecken bogenförmig über der Sonnenoberfläche

liegen.

Diese

Felder wandern und verändern ihre Form. Sie können sich über Gebiete z w i schen Regionen von Sonnenaktivität mit Materieabstrahlung e r s t r e c k e n , die
in

ihrer

Ausdehnung etwa der

Entfernung Erde-Mond

(mittlerer

Abstand:

384 000 km) entsprechen.
Nach Meinung Urbans schaffen die koordinierten Messungen eine Mögl i c h k e i t , mehr darüber zu erfahren, wie die Sonne t a t s ä c h l i c h

"funktio-

n i e r t " , wie Energie aus t i e f e n Regionen zu weit entfernten anderen Bereichen t r a n s p o r t i e r t

wird und wie Gase auf ihrem toeg vom Sonneninneren

nach außen von e i n paar Tausend Grad Temperatur auf mehr als eine M i l l i o n
Grad aufgeheizt werden.
"Die Sonne, einer

von v i e l e n M i l l i a r d e n Sternen im Universum, kann

uns nicht nur h e l f e n , mehr E i n b l i c k i n die kosmische E v o l u t i o n , sondern
auch i n thermonukleare Prozesse zu bekommen, die Energie
sagt Urban.
nen P r o j e k t ,

produzieren",

Dies diene auch dem inzwischen weltweit i n A n g r i f f genommethermonukleare Prozesse für

die Stromerzeugung nutzbar

zu

machen.
M i t einem f ü r kosmische Röntgenstrahlung empfindlichen Teleskop, das
auf der zweiten SPACELAB-Palette montiert war, versuchte man, extrem h e i ße Objekte zu beobachten, die sehr kurzwellige Strahlung aussenden.

Zu

diesen gehören beispielsweise die r i e s i g e n Hsißgas-Walken, von denen Galaxienhaufen umgeben s i n d .

Man vermutet, daß sie die Entwicklung einer

Galaxis, d . h . eines unserer Milchstraße ähnlichen Systems, beeinflussen.
G l e i c h z e i t i g erfaßte e i n kleines I n f r a r o t t e l e s k o p

"kühlere" Objekte wie

Planeten, aber auch Itolken, aus denen sich e r s t Sterne b i l d e n , sowie f e r ne Galaxien und die sogenannte Hintergrundstrahlung vom Unviersum.

So-

bald nämlich e i n Objekt nicht heiß genug i s t , um Strahlung a l s sichtbares
Licht

auszusenden, e m i t t i e r t

es

langwelligeren Infrarotspektrums.

Energie

hauptsächlich

im Bereich

Vom I n f r a r o t t e l e s k o p erhoffen sich die

Wissenschaftler weitere Erkenntnisse zu den v i e l e n Entdeckungen, die
den l e t z t e n

zwei Jahren mit

werden konnten.

des

IRAS ( I n f r a r o t - A s t r o n o m i e s a t e l l i t )

in

gemacht

M i t H i l f e dieses Forschungssatelliten wurden neue Korne-

�neue Kometen, Materieschwaden um Sterne als mögliche "Brutstätten" für
die Entwicklung von Planetenbegleitern einer anderen Sonne und noch völlig mysteriöse Objekte am Rand des von uns beobachtbaren Universums gefunden.

Zu den Technologieprojekten zählte u.a. die Beobachtung des Verhaltens von supraflüssigem Helium in der Schwerelosigkeit.

Unter irdischen

Bedingungen wird Helium dann superflüssig, wenn es auf eine Temperatur
abgekühlt wird, die nur geringfügig über dem absoluten Nullpunkt von minus 273,15 Grad Celsius liegt.

Es bleibt nicht als Flüssigkeit am Boden

liegen, sondern steigt die Gefäßwand empor.

j

Das Experiment an Bord der

ChALLENGER Könnte helfen, Unterschiede zwischen normal flüssigem Helium
und superflüssigem Helium zu ermitteln und die Eignung der Superflüssigkeit als Kühlmittel besser zu beurteilen.

Auch die biologischen Experimente dürften manche neuen Erkenntnisse
bringen:

Bei einem ging es um Veränderungen des Knochenstoffwechsels un-

ter Schwerelosigkeit (Astronaut Dr. Musgrave, ein Arzt, entnahm allen Besatzungsmitgliedern in bestimmten Abständen während des Fluges Blutproben, die nun auf ihren Mineralgehalt analysiert werden).

Ein weiteres

Experiment sollte Untersuchungen zum Einfluß der Schwerelosigkeit auf die
Ligninbildung in Pflanzen ermöglichen.
fer-, Kiefern-, Bohnen-

und

Dazu wurde das Wachstum von Ha-

Sonnenblumensetzlingen

beobachtet.

"Wenn

wir mehr darüber wissen, wie Lignin in einer Pflanze gebildet wird, könnten wir vielleicht Pflanzen züchten, die weniger aufwendig vom Stoffwechsel her Energie zum Wachstum produzieren", sagte Urban.

Dann ergäbe sich

eine Möglichkeit, größere Mengen von Pflanzenmaterial für Nahrung, Papierherstellung oder andere Zwecke zu bekommen.

Lignin ist ein Polymer,

das zahlreichen Pflanzen die Steifheit verleiht, um gegen die Schwerkraft
aufrecht zu stehen.

- 6 -

f

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