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Dokumentation

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

26

3. J u l i 1985

INHALT
DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Reagans nach Entlassung der Geiseln
- Wortlaut Erklärung von Vizepräsident Bush bei Ankunft der freigelassenen
Geiseln
Die Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Terrorismus
- Pressekonferenz von Außenminister Shultz A. J u l i : Wichtig f ü r die F r e i h e i t i n a l l e r Vfelt
- Erklärung Reagans zum amerikanischen Unabhängigkeitstag Präsident Reagan l e g t Nahost-Politik der USA dar
- Interview mit einem arabischen Journalisten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die sowjetische Aufrüstung im Bereich der strategischen Waffen
- Bericht von Sachverständigen des CIA -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
25 Jahre Wetterbeobachtung aus dem Vteltraum
* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�3. J u l i 1985

26

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT FEAGANS NACH ENTLASSUNG DER GEISELN

- Wort Laut -

WASHINGTON -

(AD) - Präsident Ronald Reagan hat i n einer Fernsehan-

sprache i n der Nacht des 30. Juni 198!
l e t z t e i 39 Geiseln des TV\A-Fluges als
s e l b s t , für

(Ortszeit)

die Freilassung der

einer Moment der Freude für

sie

ihre Angehörigen und f ü r das armrika ilscha Vo Lk bezeichnet,

aber auch c i e T e r r o r i s t e n vor weiteren Anschlägen gewarnt.
Dil? Ansprache des Präsidenten, die e:- naci derr Abflug der Geiseln von
Damaskus nach Frankfurt/Nain h i e l t , hat folgenden l i b r t l a u t :
Die 39 Amerikaner, die von T e r r o r i s t e n

im Libanon 17 Tage lanc

Geiseln festgehalten wurden, sind f r e i , sicher und i r
auf ihrem Weg nach F r a n k f u r t .

als

diesem Augenblick

Sie werden b.ild wieder daheim s e i n .

Das

i s t e i n Moment der Freude

für s i e , für i h r e Angehörigen und für unsere

Nation; und Amerika ö f f n e t

sein Herz im Dankgebet an den Allmächtigen

Gott.

Wir dürfen dankbar s e i n , daß unser G.auben, unser Mut und unsere

F e s t i g k e i t sich ausgezahlt hahen. Aber das ist: kein Augenblick zum F e i e r n .
Wir wollen keinen

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Telex: 8-85432

�Wir wollen keinen Zweifel daran lassen, daß sieben Amerikaner, die
noch im Libanon gefangengehalten werden, zusammen mit weiteren unschuldigen Geiseln aus anderen Ländern freigelassen werden müssen; daß die Mörder von Robert Stethem und unseren Soldaten des Marinekorps und unseren
Zivilisten in El Salvador zur Rechenschaft gezogen werden müssen; daß jene, die in der ganzen Welt für Terrorakt? verantwortlich sind, von zivilisierten Nationen gestellt werden müsser; daß die internationale Gemeinschaft dafür sorgen muß, daß all unsere Flugplätze sicher sind und der
zivile Luftverkehr geschützt wird und daß sich die Welt zusammenschließen
muß, um entscheidende Maßnahmen zu treffen gegen Terroristen, gegen Länder, die Terroristen fördern, und gegen Länder, die Terroristen sicheren
Unterschlupf gewähren.

Dieses Drama hat uns daran erinnert, wie kostbar und zerbrechlich die
Freiheiten und die Normen des Anstandes in einer zivilisierten Gesellschaft sind, wie sehr ein zivilisiertes Leben vom Vertrauen in andere
Menschen abhängt und wie diese Werte, die wir so hoch halten, auch mit
Tapferkeit verteidigt werden müssen - einer Tapferkeit, die still und
tief in der Seele liegen mag, die aber in jeder Zeit der Gefahr hervortritt , wenn wir sie rufen.

Freiheit, Demokratie und Frieden haben Feinde.
schütterliche Freunde haben.

Sie müssen auch uner-

Die Vereinigten Staaten geben Terroristen

keine Belohnungen und keine Garantien. • Wir machen keine Zugeständnisse.
Wir machen keine faulen Geschäfte.

Länder, die Terroristen eine Heim-

statt gewähren, untergraben ihre eigene Stabilität und gefährden ihre eigene Bevölkerung.

Terroristen merkt euch:
euch zurückschlagen.

Wir werden im Libanon und anderswo gegen

Wir werden gegen eure feigen Angriffe auf amerika-

nische Bürger und amerikanisches Eigentum zurückschlagen.

Mehrere Länder haben sich aktiv an den Bemühungen beteiligt, unsere
Mitbürger frei zu bekommen.
nommen.

Syrien hat eine zentrale Verantwortung über-

Die Bemühungen der algerischen Regierung waren ebenfalls ein

�ebenfalls e i n Beispiel der konstruktiven Zusammenarbeit gegen eine d i r e k te Herausforderung durch gesetzlose T e r r o r i s t e n .

König Hussein hat früh

und nachdrücklich eine Verurteilung der Geiselnahmen ausgesprochen.

Auch

Saudi-Arabien l e i s t e t e einen wirkungsvollen B e i t r a g .
Ehrend der

l e t z t e n 17 Tage standen wir auch i n engem Kontakt

mit

I s r a e l und einer Reihe von Regierungen i n Europa und im Nahen Osten sowie
mit

i n t e r n a t i o n a l e n Organisationen, denen a l l e n die Sicherheit

Freilassung der Geiseln e i n großes Anliegen war.
vergessen und a l l
gestanden haben.
getan haben.
getan i s t .

und die

Wir werden das nicht

jenen Dank sagen, die uns geholfen und uns zur Seite
Und wir werden auch jene nicht vergessen, die das nicht

Wir werden nicht ruhen, ehe nicht der Gerechtigkeit Genüge
Wir werden nicht ruhen, ehe nicht die Weltgemeinschaft

P f l i c h t e n nachkommt.

ihren

Wir a p p e l l i e r e n an j e n e , die dazu beigetragen ha-

ben, die Freilassung dieser T WA-Passagiere s i c h e r z u s t e l l e n , noch größere
Energie und noch größeren Einsatz zu zeigen, um die Freilassung a l l e r anderen, die noch im Libanon festgehalten werden, s i c h e r z u s t e l l e n .
appellieren an die

Und w i r

Weltgemeinschaft, ihre Zusammenarbeit zu s t ä r k e n , um

dieses häßliche, gefährliche Übel des Terrorismus auszurotten.

Ich möchte h i e r noch eine persönliche Bemerkung anfügen.

Wie Sie a l -

l e haben Nancy und i c h diese Tage m i t e r l e b t ; und wie Sie haben wir beide
•um das gebetet, was j e t z t eingetreten i s t .

Und wie Sie danken wir Gott

und harren mit angehaltenem Atem auf i h r e endgültige Heimkehr an unsere
Küsten.

- 3 -

�3. J u l i 1985

26

ERKLÄRUNG VON VIZEPRÄSIDENT BUSH BEI ANKUNFT DER FREIGELASSENEN GEISELN

FRANKFURTMAIN -

(AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush

gab am 1 . J u l i 1985 nach Ankunft der i n Beirut freigelassenen 39 amerikanischen Geiseln die folgende Erklärung ab:
Unsere Leute sind zurück.

Sie sind gesund und werden i n Kürze nach

Hause zu i h r e n Familien kommen.
Während dieser qualvollen Z e i t hatten Sie einen ganz besonderen Platz
i n den Herzen a l l e r Amerikaner - Tag f ü r Tag h o f f t e n und beteten sie f ü r
Ihre sichere Rückkehr.

Sie sind zurück, und Amerika wich nicht von s e i -

nen P r i n z i p i e n ab, um Sie zurückzubringen.

Freunde und Nachbarn h a l f e n

Ihren Familien während der schrecklichen und quälenden Vfertezeit - und
Amerika zeigte sich damit von seiner besten S e i t e .

Und während heute die

Nachricht von Ihrer Freilassung den Äther e r f ü l l t , heißen wir Sie gemeinsam mit Ihren Familien willkommen.

Manchmal schlägt das Schicksal zu und

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�zu und t r i f f t

eine Gruppe von Menschen, und manchmal b r i n g t das Schicksal

eben Tragik und Leiden. Als der TW\-Flug 847 gekapert wurde, bewiesen Sie
Charakter und Mut.

Sie ertrugen diese grausame und schmerzvolle Erfah-

rung tapfer und beherzt.

I h r Land i s t s t o l z auf S i e .

Aber t r a g i s c h war

vor allem auch die brutale Ermordung von Robert Stethem.

Ich stand neben

seiner F a m i l i e , a l s er seine l e t z t e Ruhe fand, und sah die Würde und das
Leid seiner Mutter und seines Vaters.
Dienst seines Landes s t a r b .
Amerikaner

gefangengehalten.

Ihr Sohn war e i n

Held, der im

Und noch heute werden irgendwo im Libanon
Und bei

aller

Freude über

Rückkehr v e r u r t e i l e n die z i v i l i s i e r t e n Menschen i n a l l e r

Ihre

sichere

Vtelt die Taten

d e r e r , deren k r i m i n e l l e s Verhalten das Leiden jener f o r t s e t z t .

Ihre Fa-

m i l i e n , die nicht an der Freude dieses Augenblicks teilhaben können, s o l len wissen, daß unsere Herzen mit ihnen sind und daß wir auch w e i t e r h i n
a l l e Anstrengungen unternehmen werden, um die sichere Rückkehr i h r e r L i e ben zu erreichen.
Sie a l l e .

Ich b i n sehr s t o l z , h i e r zu s e i n , b i n sehr s t o l z auf

Ich b i n s t o l z , mit einem Presidenten zusammenzuarbeiten, der

beim Einsatz der Stärke und der Macht unserer großen Nation Mut, Geduld
und Vfeisheit z e i g t .

Willkommen zu Hause.

* * * * *

- 2-

Gott schütze Amerika.

�3. J u l i 1985

26

DIE VEREINIGTEN STAATEN IM KAMPF GEGEN DEN TERRORISMUS
- Pressekonferenz von Außenminister Shultz -

WASHINGTON George Shultz

(AD) - Am 30. Juni 1985 gab amerikanische Außenminister

anläßlich

der Freilassung

von 39 i n

Beirut

festgehaltenen Amerikanern eine Pressekonferenz, auf der er
zu dem Problem des Terrorismus Stellung nahm.

als

Geiseln

ausführlich

Wir geben im folgenden den

Wortlaut der Pressekonferenz wieder:
FRAGE:

Herr Außenminister, können Sie e r k l ä r e n , weshalb S y r i e n , e i n

Land, das von den Vereinigten Staaten oftmals der Unterstützung von Terroristen bezichtigt

wurde, so h i l f r e i c h gewesen i s t ?

Wird sich daraus

eine Veränderung unserer Haltung gegenüber Syrien ergeben?
ANTWORT:

Ich kenne die Gründe n i c h t , hoffe aber, daß sich daraus ab-

lesen l ä ß t , daß Syrien zu der gleichen Schlußfolgerung gekommen i s t , wie
andere

Staaten auch, nämlich, daß L u f t p i r a t e r i e

und Terrorismus

etwas

Schlechtes sind.
FRAGE:

Was i s t

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�FRAGE:

Was i s t mit den Sieben, die immer noch im Libanon sind? Haf-

fen S i e , daß Syrien sich auch h i e r a l s h i l f r e i c h erweisen könnte? Und wie
steht es mit Vergeltung?
ANTWORT:

Wir haben über die Sieben mit Syrien gesprochen, und wir

haben den meines Erachtens

zutreffenden Eindruck,

daß Präsident

sich i n t e n s i v um eine Lösung dieses Problems bemüht, worüber w i r

Assad
froh

sind.
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:

Und wie steht es mit Vergeltung? . . .
Kein Kommentar dazu.
Herr Außenminister, was körnen Sie uns über die Möglichkeit

einer Freilassung der i n I s r a e l festgehaltenen libanesischen Gefangenen
sagen . . . ?
ANTWORT:

I s r a e l hatte schon vor a l l diesen Ereignissen zu verstehen

gegeben, daß es die Absicht habe, diese Gefangenen f r e i z u l a s s e n , und heute habe i c h Verteidigungsminister Rabin im amerikanischen Fernsehen sagen
hören, daß diese Gefangenen nur z e i t w e i l i g i n h a f t i e r t seien - i c h glaube,
das waren seine Worte - und daß I s r a e l die Absicht habe, sie
sen.

freizulas-

Ich erwarte daher, daß dies geschehen w i r d .
FRAGE:

Wird das nicht

a l s Gegenleistung verstanden werden, selbst

dann, wenn es keine d i r e k t e Verknüpfung gegeben hat?
ANTWORT:
all

Es g i b t keine Verknüpfung, und da die I s r a e l i s

diesen Ereignissen die Absicht

h a t t e n , entsprechend

zu

schon vor
verfahren,

s o l l t e die Geiselnahme sie nicht daran hindern, das auszuführen, was sie
v o l l und ganz tun w o l l t e n .

Es g i b t also keine Verknüpfung, und i c h g l a u -

be, es i s t sehr w i c h t i g , daß wir und andere, die im Kampf gegen den Terrorismus stehen, zur Kenntnis nehmen, daß eine solche Verknüpfung n i c h t
besteht.
FRAGE:
- 2 -

Herr Außenminister,

�FRAGE:
Israel

hferr

Außenminister,

wollen

noch mit Syrien Gespräche geführt

Sie

sagen,

daß

Sie

weder

mit

haben und daß a l l e s quasi von

selbst abgelaufen i s t ?
ANTWORT:
FRAGE:

N a t ü r l i c h n i c h t . Das w o l l t e i c h n a t ü r l i c h nicht sagen.
Wie i s t es dann gelaufen?

ANTWORT:

Wir haben zahlreiche Gespräche mit v i e l e n Regierungen ge-

f ü h r t , auch mit der israelischen und i n den l e t z t e n Tagen besonders mit
S y r i e n , und wir haben s t e t s b e t o n t , daß diese Geiseln und die anderen,
die

noch

festgehalten

werden, freigelassen werden s o l l t e n .

Wir haben

ferner darauf hingewiesen, daß I s r a e l vor E i n t r i t t dieser Ereignisse dabei gewesen s e i , die Gefangenen zu entlassen, und daß die Geiselnahme daher eindeutig einen Prozeß behindere, der b e r e i t s angelaufen war.
FRAGE:

Können Sie e r k l ä r e n , warum die Dinge gestern ins Stocken ka-

men, warum es eine Verzögerung gab und welche Rolle Syrien bei der Lösung
des Problems gespielt hat?
ANTWORT:

Das Problem bestand augenscheinlich d a r i n , daß die

die sich im Gewahrsam der Hszbollah befanden, nicht

Vier,

freigegeben und mit

der Gruppe der übrigen Geiseln zusammengeführt wurden, aber mir i s t

nicht

bekannt, warum dies geschah und was die B e t e i l i g t e n s c h l i e ß l i c h anderen
Sinnes werden l i e ß .

Ich weiß nur, daß die Syrer gestern abend an uns

herantraten und sagten, daß sie es für n ü t z l i c h halten würden, wenn wir
eine Erklärung mit

einem bestimmten Teror abgäben.

Deshalb

arbeiteten

wir eine Erklärung aus, die die von uns s e i t langem eingenommene Haltung
b e s t ä t i g t e , und v e r ö f f e n t l i c h t e n s i e .
FRAGE:

Haben sie (die Syrer) bei der Abfassung dieses Freilassungs-

szenarios geholfen?
ANTWORT:

Sie haben uns wissen lassen, was die Erklärung ihres Erach-

tens sinnvollerweise

beinhalten

s o l l t e , aber geschrieben wurde sie

von

�sie von uns.

Wie ich bereits sagte, bezieht sie sich auf Dinge, die wir

ohnehin seit langem vertreten, und dürfte daher keinen Anlaß zur Beanstandung geben.

FRAGE:

Liegen Ihnen Hinweise darauf vor, daß der Iran bei der Her-

beiführung oder der Überwindung der Verzögerung zwischen der gestern gescheiterten und der heute erfolgten Freilassung irgendwie beteiligt war?

ANTWORT: Nein.

FRAGE:

Ist die Regierung, wie der Präsident sagte, zur Vergeltung

entschlossen?

ANTWORT:

Räumen Sie mir eine Minute Zeit ein, um Ihnen zu erläutern,

welche Politik wir im Hinblick auf die Bekämpfung des Terrorismus verfolgen.

Erstens

...muß innerhalb des amerikani.schen Volkes ein allgemeines

Bewußtsein der Natur dieser Bedrohung und ihrer Bedeutung bestehen, und
auch eine Einsicht, warum es notwendig ist, ihr gegenüber eine bestimmte
Art von Haltung einzunehmen.

Insbesondere muß man sich darüber im klaren

sein, warum es wichtig ist, mit Terroristen keinen Handel abzuschließen.
Zweitens bemühen wir uns sehr intensiv und mit beträchtlichem Erfolg,
unsere nachrichtendienstlichen Möglichkeiten auszubauen, so daß wir nicht
nur immer besser in der Lage sind, festzustellen, wer der Täter war,
nachdem etwas geschehen ist, sondern auch - und das ist noch wichtiger auf Dinge aufmerksam zu werden, die geschehen könnten.

Es ist wichtig, daß wir dazu in der Lage sind, es ist wichtig, daß
unsere Freunde dazu in der Lage sind, und es ist wichtig, daß die nachrichtendienstlichen Netze untereinander verflochten sind.

In den vergangenen neun Monaten waren wir in über 60 Fällen in der
Lage, Dingen auf die Spur zu kommen, die wahrscheinlich geschehen wären,
- 4 -

�geschehen wären, die wir aber ans TagesL.cht bringen oder v e r e i t e l n oder
wegen derer wir i n anderer Waise t ä t i g werden konnten.
durchaus etwas.

Wir bewirken also

Und i c h darf sagen, dalö d i e j e n i g e n , die

terroristische

Unternehmungen planen oder ausführen, wahrscheinlich recht überrascht wär e n , wenn sie wüßten, w i e v i e l wir über sie erfahren.
D r i t t e n s müssen wir offenkundig bestimmte Sclxtzmaßnahmen e r g r e i f e n .
Im Augenblick r i c h t e t sich die Aufmerksankeit der Menschen vorrangig auf
Flugzeuge und Flughäfen, und n a t ü r l i c h setzen wir uns dami; s e i t
Jahren auseinander.
Ergebnisse

vielen

Auch hier müssen wir noch mehr tun unc noch bessere

erzielen,

aber

dia

Techniken, die

entwickelt

worden

sind,

funktionieren.

So wurden beispielsweise auf amerikanischen Flughäfen i n den l e t z t e n
20 Jahren
nahmt.

rund 3 000

Waffen und Sprengkörper

jeglicher

Art

beschlag-

Eine andere Frage b e t r i f f t n a t ü r l i c h unsere Botschaftsgebäude und

ähnliche Einrichtungen; auch dort g i b t es Schutzmaß nahmen.
Viertens müssen wir unser« Möglichkeiten ausbauen, a k t i v e

Verteidi-

gungsmaßnahmen zu e r g r e i f e n , :so daß T e r r o r i s t e n i n zunehmendem Maße e r kennen, daß ihre Aktionen i h r e n Preis ha^en, und so daß wi? i n der Lage
s i n d , etwas vorbeugend zu verhindern, wem wir sehen, daß es sich zusammenbraut.
Dies sind also die v i e r Grjndzüge unserer P o l i t i k , und i c h meine, wir
kommen voran.

Es handelt sich h i e r offenkundig um etwas, woran hart und

k o n t i n u i e r l i c h gearbeitet werden muß.
FRAGE:
zu ziehen.

Der Präsident sprach davon, 1ie L u f t p i r a t e n zur Rechenschaft
Kann man realistischerweise

darauf h o f f e n , und wenn j a , wie

s o l l dies ablaufen?
ANTWORT:

Insbesondere

möchten wir

sicherlich

Robert Stethem zusammengeschlagen und erschossen h a t .
in

diesem Augenblick

der Freude über die

herausbekommen, wer
Ich meine, daß wir

Freilassung

von 39 Menschen

�39 Menschen nicht nur an die sieben denken müssen, nach denen wir immer
noch suchen, sondern auch daran, daß einer zusammengeschlagen und ermordet wurde und daß in El Salvador sechs Amerikaner und eine Reihe Salvadorianer erschossen worden sind.

Wir müssen an die Menschen in der abge-

stürzten Maschine der Air India denken.

Man muß auch an die Leute von

der Gepäckabfertigung auf dem Flughafen Narita denken.

Es gibt also eine

Menge von Schandtaten auf der Walt.

Wir möchten aber, um auf Ihre Frage zurückzukommen, auf jeden Fall
herausfinden, wer geschossen hat, und den Täter zusammen mit seinen Mitverschwörern der Justiz überantworten.

FRAGE:

ANTWORT:

Welcher Art von Justiz könnten sie überantwortet werden?

Wenn sie zu identifizieren sind, dann gibt es vermutlich

auch Rechtsprozesse, und wir werden tun, was wir können, damit sie auch
angewandt werden.

FRAGE:

Herr Außenminister, der Präsident hat seine Dankbarkeit für

die geleistete Hilfe gegenüber Syrien zum Ausdruck gebracht, meines Wissens aber Herrn Berri nicht erwähnt... Wie bewerten Sie die Rolle, die er
bei der Freilassung der Geiseln gespielt hat?

ANTWORT:

Er hat sich selbst in verschiedenen Rollen dargestellt.

hat sich als Vermittler dargestellt.
der Gruppe dargestellt.

Er

Er hat sich als Partei und Mitglied

Ich glaube daher, daß wir uns über Herrn Berri

erst noch klar werden müssen.

FRAGE:

Harr Außenminister, Sie sagten, daß die Terroristen einen

Preis zahlen müssen.

Wenn man aber die weltweite Aufmerksamkeit, die die

Forderungen der Terroristen gefunden haben, sowie die verständnisvollen
Äußerungen der Geiseln und das bisherige Ausbleiben jeder Art von Vergeltung in Betracht stellt, sieht es dann nicht so aus, als ob diese Terroristen keinerlei Preis zahlen mußten, sondern in der Tat gewonnen haben?
ANTWORT:
- 6 -

Ich glaube,

�ANTWORT:

Ich glaube, daß sie doch einen Preis gezahlt haben.

Und

dieser Kampf gegen den Terrorismus ist natürlich eine Sache, die voll in
Gang ist.

Wir stecken mittendrin.

...Jemand stellte eine Frage über die einzelnen Täter, und wir werden
sie suchen.

Ich kann auch sagen, daß in den letzten 15 Jahren 15 Prozent

aller Flugzeugentführungen außerhalb der Vereinigten Staaten auf dem Beiruter Flughafen entweder ihren Ausgang genommen, ihren Abschluß gefunden
oder ihn berührt haben. Der Beiruter Flughafen ist zu einer Art sicherem
Unterschlupf für Terroristen geworden.

Das gehört sicherlich zu den Din-

gen, die wir und andere Staaten berücksichtigen müssen.

Solange Beirut

ein Unterschlupf für Terroristen ist, sollte dieser Ort von der Völkergemeinschaft

nicht frequentiert werden.

Daher müssen wir auf diesen

Flughafen nach meiner Meinung ein waches Auge haben.

FRAGE:

Sie sagten, Sie erwarten, daß Israel die libanesischen Gefan-

genen freiläßt. Höben Sie eine Vorstellung davon, wie lang es dauern
wird, bis alle frei sind?
ANTWORT:

Darüber muß Israel entscheiden; meine Erklärung gründet

sich auf das, was Israel gesagt hat.

FRAGE:

Sehen Sie in der vergangene Nacht vom Außenministerium veröf-

fentlichten Erklärung eine Begrenzung der amerikanischen Möglichkeiten
zur Vergeltung?

ANTWORT:

Die Erklärung gibt unsere Ansichten über den Libanon wie-

der. Ähnliches wurde in der Vergangenheit mehrfach erklärt, und wir haben
nichts dagegen, diese Ansichten erneut zu bekräftigen.

FRAGE: Man sagte hier, die Beurteilung Assads und Syriens stehe noch
aus.

Auch wenn er in diesem Fall hilfreich war:

Die eigentliche Probe

besteht darin, ob er auch noch die sieben anderen herbeischaffen kann.
Ist dies also ein singuläres Moment der Zusammenarbeit oder hat er wirklich seine Position und die amerikanisch-syrischen Beziehungen verbessert?
ANTWORT:

Präsident

�ANTWORT:

Präsident Assad war auch bei anderen Gelegenheiten hilf-

reich - und bei dieser hier ganz sicherlich.

Wir haben Informationen

darüber, daß er sich auch intensiv um das Problem der anderen Geiseln bemüht, und begrüßen das natürlich.

FRAGE:

Wäre es nicht ein guter Gedanke, die Israelis zu ersuchen,

die schiitischen Gefangenen erst dann zu entlassen, wenn wir die sieben
anderen Opfer freibekommen haben?

ANTWORT:

Das würde zu einer Verbindung führen, die wir nicht wollen.

Unsere Geiseln im Libanon sollten freikommen.

Punkt.

Um nichts anderes

geht es hier. Wir wollen das mit nichts anderem in Zusammenhang bringen.

FRAGE:

Warum gab es keinen militärischen Rettungsversuch, als die

Vereinigten Staaten in Algerien eine solche Chance zu haben schienen?

ANTWORT:

Ich möchte keinen Kommentar zu militärisch möglichen Optio-

nen abgeben.

FRAGE:

Sie sagten, diese Terroristen hätten einen Preis bezahlt.

Welcher Preis ist das - nachdem es den Anschein hat, sie hätten bekommen,
was sie wollten?

ANTWORT:

Der Libanon und der Beiruter Flughafen haben sich selbst

durch ihre Handlungen vor der Staatengemeinschaft als Ausgestoßene erwiesen.

Sicherlich ist der Libanon ein Ort erheblichen Chaos, und ich glau-

be, dies allein ist schon ein hoher Preis, den die Menschen dort zahlen
müssen. Und noch ist nicht alles vorbei.

FRAGE:

Dazu noch: Fordern Sie einen weltweiten Boykott des Beiruter

Flughafens? Werden die Vereinigten Staaten Maßnahmen ergreifen, um andere
Flugzeuge bzw. unsere Flugzeuge von einem Flug dorthin abzuhalten?

Was

wollen Sie genau hinsichtlich dieses Flughafens machen?

ANTWORT:

Wir werden

�ANTWORT:

Wir werden diesbezüglich mit unseren Freunden sprechen. Wir

hoffen, ein konkretes Handlungsmuster erstellen zu können.

Wir haben je-

denfalls eine sehr klare Vorstellung von diesem Flughafen und das habe
ich hiermit gesagt.

FRAGE:

Sie sprachen von den Leuten, die Robert Stethem erschossen

haben, und daß wir versuchen, sie der Justiz zuzuführen. Sie sprachen dabei von gerichtlichen Schritten. Warden wir also nicht den Versuch machen , Vergeltung im Sinne einer Rache gegen einen größeren Personenkreis
zu üben?

ANTWORT:

Rache ist ein Gefühl, das Menschen überkommt - das geht uns

allen so. Aber vom Standpunkt der aktiven Verteidigung aus gesehen, müssen wir uns darüber Gedanken machen, wie wir Kosten aufzwingen können,
wie die Zukunft aussieht und wie wir all dem zuvorkommen können. Gleichzeitig müsssen alle, die ein Verbrechen begehen - und dies ist sicherlich
in jedermanns Verständnis ein Verbrechen -, der Gerechtigkeit zugeführt
werden; und wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, damit dies
auch geschieht.

FRAGE:

Waren Sie nicht enttäuscht, als die Geiseln auf ihrer Presse-

konferenz nichts Positives über die amerikanische Regierung und ihre Bemühungen , aber viel Positives über die Amal zu sagen hatten?

ANTWORT:

Sie sprachen für sich selbst und sie haben ein Recht auf

ihre eigene Meinung. Sie gingen durch ein Trauma.

Gott schütze sie. Ich

bin froh, daß sie auf ihrem Wag nach Hause sind.

FRAGE:

Noch eine Frage zu den Mördern unseres Mannes.

Wollen Sie

versuchen, daß die Regierung des Libanon sie ausliefert?

ANTWORT:

Ich zeige hier keinen juristischen Wag auf.

Ich sage nur:

"Hier ist eine Person, die zusammen mit anderen einen Mord begangen hat;
kaltblütigen Mord nach brutalen Schlägen". Derlei muß bestraft werden.
FRAGE:
- 9 -

Nun gut.

�FRAGE:

Nun g u t .

Die Frage i s t doch aber, ob Sie versuchen werden,

es im S t i l l e n zu t u n , oder ob es durch die P r i n z i p i e n des i n t e r n a t i o n a l e n
Rechtes geschieht?
ANTWORT:

N a t ü r l i c h , wir sind e i n Volk mit P r i n z i p i e n . Aber i c h g l a u -

be , es s o l l t e getan werden.
FRAGE:

Was den Beiruter Flughafen angeht, so g i b t es meines Wissens

nur v i e r F l u g l i n i e n , die i h n a n f l i e g e n .

Und von der Middle East A i r l i n e

abgesehen, g i b t es nur wöchentliche Flüge.

I s t es a l s Maßnahme genug,

d r e i F l u g l i n i e n anzuweisen, i h r e wöchentlichen Flüge d o r t h i n einzustellen?
ANTWORT:

Wir werden sehen. Ich meine jedoch, daß e i n Flughafen, der

an einer so großen Zahl von Flugzeugentführungen b e t e i l i g t i s t und zu dem
man gewissermaßen kommen kann, um sich dort Verstärkung zu h o l e n , auf u n serer

"Betreten verboten"-Liste

stehen s o l l t e .

Darum geht es doch. Es

geht n i c h t um w i r t s c h a f t l i c h e Sanktionen oder ähnliches.
FRAGE:

Der Präsident sagte, man werde sich an die e r i n n e r n , die uns

geholfen haben und auch an j e n e , die uns nicht geholfen haben.

Wer waren

j e n e , die uns nicht geholfen haben?
ANTWORT:

Ich möchte dazu nichts

sagen; aber wir haben eine

klare

Vorstellung davon.
FRAGE:

Der Präsident

benutzte eine

den Terrorismus zu v e r u r t e i l e n .

ziemlich deutliche Sprache, um

Was g i b t e s , um sie zur Freilassung der

verbliebenen sieben Amerikaner zu zwingen?
ANTWORT:

Sie

werden auf

die

gleichen Überlegungen eingehen,

die

s c h l i e ß l i c h zur Freilassung der 39 anderen heute geführt haben. S i c h e r ,
wenn es Menschlichkeit g i b t , s o l l t e das getan - und zwar s o f o r t getan werden.

Auf jeden F a l l werden wir uns w e i t e r h i n darum bemühen.

Und wie

i c h schon sagte, haben wir den Eindruck, daß Präsident Assad h i e r doch
w i l l e n s i s t , und auch wir werden weiter darauf drängen.
FRAGE:

Wenn Ihnen

�FRAGE:

Wenn Ihnen so viel an Gerechtigkeit liegt und wenn es stimmt,

daß es Libanesen gibt, die schon seit zwei Jahren in Israel in Gefangenschaft sind:

Warum drängen Sie nicht auch gegenüber Israel darauf, daß

dort auch Menschen freikommen, die als potentielle Terroristen gefangengenommen wurden und niemals unter Anklage gestellt wurden?

Wir legten

vor den Vereinten Nationen und ähnlichen Foren gegen alles unser Veto
ein, was ihnen hätte helfen können?

ANTWORT:

Ich möchte hierauf nur sagen, daß die Probleme von Gefange-

nen in Israel und die unserer Geiseln in Beirut in keinem Zusammenhang
miteinander standen.

FRAGE:

ANTWORT:
Sorgen.

(Unverständlich)

Wir machen uns über Ungerechtigkeit auf der ganzen Welt

Aber was die Behandlung des Terrorismus angeht, so ist einer der

schlimmsten Fehler der, es Terroristen zu ermöglichen, Verknüpfungen zwischen unterschiedlichen Dingen zu schaffen, indem man auf sie eingeht.
Wann wir dies zulassen, kann jeder, der irgendwo in der Welt einen Grund
zur Klage hat, sich ein paar Leute greifen - etwa berühmte Leute wie Sie1.
- und sagen: Die Vereinigten Staaten müssen jetzt etwas gegen seine Sorgen tun, oder er werde sie nicht freilassen.
mitmachen. Das ist die Antwort.

- 11 -

Das aber werden wir nicht

�3. Juli 1985

26

A. JULI:

WICHTIG FÜR DIE FREIHEIT IN ALLER WELT

- Erklärung Reagans zum amerikanischen Unabhängigkeitstag -

WASHINGTON - (AD) - Der 4. Juli ist nach den Worten Präsident Reagans
der Geburtstag Amerikas, doch sei dies auch ein Tag, der wichtig für jeden ist, der an die Freiheit glaubt.
In

einer

Erklärung

Reagan die amerikanische

zum

amerikanischen

Unabhängigkeitstag

Unabhängigkeitserklärung

ein

nannte

"ausdrucksvolles

Dokument, in dem die Rechte des Menschen und das Konzept der Freiheit des
einzelnen niedergelegt sind".

Die Erklärung Reagans hat folgenden Wortlaut:
Die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 kennzeichnete sowohl den Anfang einer neuen Nation als auch den Beginn einer
großen Epoche in der Geschichte der Weltpolitik.

An diesem Tag wurde in

Philadelphia eine Republik geboren, die sich auf die Idee der Freiheit
für alle stützt.

Am 4. Juli feiert Amerika seinen Geburtstag, aber dies

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�aber dies ist auch ein Tag, der wichtig ist für jeden, der an die Freiheit glaubt.

Die Unabhängigkeitserklärung eröffnete dem Volk eine Möglichkeit des
Regierens wie niemals zuvor.

Jedem einzelnen wurde der Besitz bestimmter

unveräußerlicher Rechte bestätigt.

Und diese Rechte wiederum setzten un-

ser Volk in die Lage, an seinem politischen System teilzuhaben.

Dies war

eine echte Revolution, der die Idee zugrunde lag, daß die Regierung der
Zustimmung derjenigen bedarf, die sie regiert.

Über Nacht wurden die

Amerikaner als Bürger eines freien Landen anerkannt, wo sie doch vorher
nur koloniale Untertanen eines weitentfernten Monarchen gewesen waren.

Bis auf den heutigen Tag ist dieses ausdrucksvolle Dokument, in dem
die Rechte des Menschen und das Konzept der Freiheit des einzelnen niedergelegt sind, richtungweisend und aktuell geblieben.
terhin eine tiefgreifende Bedeutung für uns.

Es hat auch wei-

Wir sollten uns der Worte

von John Adams erinnern, der anläßlich seiner Unterzeichnung in einem
Brief an seine Frau Abigail von "der denkwürdigsten Epoche in der Geschichte Amerikas" sprach und schrieb:

"Ich möchte glauben, daß dieser

Tag von den uns nachfolgenden Generationen als der große Jahrestag gefeiert werden wird.

Er sollte durch ernste Gebete an Gott den Allmächtigen

als Tag der Befreiung begangen werden."

Wollen wir uns an diesem Unabhängigkeitstag 1985 von der Weisheit
dieses großen amerikanischen Staatsmannes und all unserer Gründungsväter
leiten lassen.

Lassen Sie uns, wenn wir heute der 209 Jahre der Freiheit

gedenken, Gott um seinen Segen und um seine Hilfe bei der Wahrung des
kostbaren Vermächtnisses der Unabhängigkeitserklärung bitten.

* * * * *

- 2-

�3. J u l i 1985

26

PRÄSIDENT REAGAN LEGT NA HOST-POLITIK DER USA DAR
- Interview mit einem arabischen Journalisten -

WASHINGTON -

(AD) - Präsident

Ronald Reagan hat erneut b e t o n t , daß

e i n Frieden im Nahen Osten von den unmittelbar B e t e i l i g t e n ausgehandelt
werden müsse und nicht von außen a u f e r l e g t werden könne.
äußerte sich a u s f ü h r l i c h

zur Nah- und M i t t e l o s t p o l i t i k

Der Präsident
der

Vereinigten

Staaten i n einem Interview mit dem arabischen Journalisten Nasser E.'ddin
Nashashibi am 1 1 . Juni 1985, dessen Wortlaut am 26. Juni vom Weißen Haus
v e r ö f f e n t l i c h t wurde.
Die Fragen und Antworten haben folgenden
FRAGE:

Warum zögert

die

amerikanische

tortlaut:
Regierung, eine

Neubelebung

eines Nahost-Friedensplans i n die Wege zu l e i t e n ?
ANTWORT:

Meine I n i t i a t i v e , die ich i n meiner Rede vom 1 . September

1982 e r l ä u t e r t e , i s t noch immer auf dem T i s c h , und wir sind w e i t e r h i n der
Ansicht, daß sie den vielversprechendsten Vorschlag f ü r einen F o r t s c h r i t t

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einen F o r t s c h r i t t

zum Frieden d a r s t e l l t , der j e u n t e r b r e i t e t wurde.

Wir

haben nicht gezögert, die am K o n f l i k t B e t e i l i g t e n zu drängen, M i t t e l und
Wsge zu f i n d e n , den Friedensprozeß voranzutreiben.

Die Dinge sind j e t z t

i n der Region i n Bewegung geraten, und wir werden das t u n , was angebracht
i s t , um diese Bewegung i n Gang zu h a l t e n .

Aber wir müssen uns darüber im

klaren s e i n , daß der Frieden nur e r r e i c h t werden kann, wenn die B e t e i l i g ten b e r e i t s i n d , d i r e k t miteinander zu verhandeln.
FRAGE:

Wie b e u r t e i l e n Sie den kür;:lichen Besuch von König Hussein

von Jordanien i n Washington?
ANTWORT:

Ich glaube, wir verstehen uns sehr g u t , und i c h bewundere

den Mut und die Würde des Königs.

Die jüngsten S c h r i t t e des Königs und

anderer i n der Region haben dem Friedeisprozeß

neuen A u f t r i e b gegeben.

König Hjseein l i e ß i n Washington seinen Aünsch und den seiner p a l ä s t i n e n sichen Partner nach einer f r i e d l i c h e n Lösung auf dem Verhandlungswege mit
einer

jordanisch-palästinensischen

Delegation auf

der einen und

Israel

auf der anderen Seite i n einem unterstützenden i n t e r n a t i o n a l e n Umfeld e r kennen.

Der König strebt eine f r i e d l i c h e Lösung auf der Grundlage der

Resolutionen 242 und 338 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen an.
Der Besuch bot uns Gelegenheit, unsere Auffassungen zu b e k r ä f t i g e n , daß
e i n gerechter und dauerhafter Frieden s.ch der legitimen Rechte des palästinensischen Volkes wie auch der Sicherheit a l l e r Staaten i n der Region annehmen muß.
Der König b e k r ä f t i g t e unsere gemeinsame V e r p f l i c h t u n g , so rasch wie
möglich -

" i n diesem Jahr", sagte der König - zu d i r e k t e n Verhandlungen

zwischen den B e t e i l i g t e n zu kommen.

Wir h o f f e n , daß wir i n der Lage sein

werden, den B e t e i l i g t e n dabei zu h e l f e n , auf der Grundlage dieser Zusammenkünfte aufzubauen.

Ich b i n überzeugt, daß sich die Ereignisse i n der

r i c h t i g e n Richtung entwickeln.
FRAGE:

Würde e i n Prozeß, der eine Mischung aus dem "Fez"-Plan von

Fahd, der R e a g a n - I n i t i a t i v e , der kürzlichen Entschließung zwischen Jordanien und der PLO und der Resolution 242 d a r s t e l l t , zu einer neuen F r i e - 2 -

�neuen Friedensanstrengung führen, wenn man die Vorbehalte der Israelis in
Rechnung stellt?

ANTWORT:

Ich glaube, daß sich eine neue und zunehmend realistische

Einstellung zum Frieden entwickelt.

Sie gründet sich auf eine Reihe von

Beiträgen, einschließlich der von Ihnen angeführten.

Die Resolution 242

des Sicherheitsrates ist und bleibt die Hauptgrundlage für Verhandlungen.
Ich kann das Endergebnis nicht voraussagen, aber ich bin überzeugt, daß
Sie, wenn der Frieden erreicht sein wird, zurückblicken und sagen können,
daß viele dieser Beiträge eine wichtige Rolle gespielt haben.

Und es ist auch wichtig zu wissen, daß meine eigenen Vorschläge im
großen und ganzen das aufzeigen, was die Vereinigten Staaten in Verhandlungen unterstützen würden.

Wir haben niemandem gesagt, er müsse sich

unseren Standpunkten anschließen.

Es steht allen Beteiligten frei , ihre

eigenen Auffassungen am Verhandlungstisch
davon aus, daß sie das tun werden.

zu vertreten, und wir gehen

Das Wichtigste ist, daß direkte Ver-

handlungen beginnen, denn nur durch ein6;n solchen Prozeß des Gebens und
Nehmens werden Differenzen überwunden und ein gerechter und dauerhafter
Frieden erreicht.

FRAGE:

Da wir jetzt auf dem Wege zu Verhandlungen zwischen den Ara-

bern und den Israelis sind, was erwarter Sie von den Arabern und den Israelis, bevor sie sich zu Verhandlungen zusammensetzen?

ANTWORT:

Wir versuchen uns von allem fernzuhalten, was auch nur so

aussehen könnte, als ob wir Lösungen für die Probleme aufzwingen wollten.
Alles, was wir zu tun versuchen, ist, dazu beizutragen, daß sie zusammenkommen.

Es sieht so aus, als ob es bei den Lösungen darum geht, daß eine

Seite Territorium aufgibt, um dafür eine Grenze zu erhalten, die verteidigt werden kann und an der der Frieden garantiert wird.

Die arabischen

Staaten müssen einsehen, daß Israel das Recht hat, als Staat zu existieren, und daß der Frieden auch den Arabern Sicherheit bieten wird.

FRAGE:
- 3 -

Und was,

�FRAGE:

Und was, Herr Präsident, hoffen S i e , daß die Araber

ihrer-

s e i t s von j e t z t bis zum Beginn kommender Verhandlungen tun werden?
ANTWORT:

Ich h o f f e , daß sich die Araber stärker h i n t e r König Hussein

s t e l l e n und ihn unterstützen werden, s t a t t ihn a l l e i n zu lassen.
FRAGE:

Dieser Punkt i s t sehr w i c h t i g , l-ferr Präsident.

ANTWORT:

König Hussein verdient es zu wissen, daß die Araber ihn i n

dem u n t e r s t ü t z e n , was er zu tun versucht.
FRAGE:

Gibt es etwas, was Sie sich i n diesen Tagen von den I s r a e l i s

wünschen?
ANTWORT:

Die I s r a e l i s warten, wie e:s Peres gesagt h a t , darauf,

sich

an den Verhandlungstisch zu setzen.
FRAGE:

Kürzliche Besuche von König Fahd und Präsident Mubarak haben

diesen das Gefühl v e r m i t t e l t , die Reagan-Administration habe k e i n besonderes Interesse an einer umfassenden Lösung des Nahost-Problems.

I s t es

nicht so, daß dieser Mangel an Interesse verbunden mit den Verheerungen
im Libanon eine Supermacht wie die Vereinigten Staaten e i g e n t l i c h veranlassen müßte, sich a l l e B e t e i l i g t e n am Mahostkonflikt zu g r e i f e n und i h nen eine Lösung zu d i k t i e r e n , die für a l l e gerecht i s t ?
ATNWORT:

Mit dieser Erklärung b i n ich nicht einverstanden. Ich g l a u -

be n i c h t , daß König Fahd und Präsident Mubarak einen Mangel an Interesse
an einem Frieden im Nahen Osten seitens der Vereinigten Staaten empfinden.

Nichts wäre weiter von der Wahrheit e n t f e r n t a l s d i e s .

Die V e r e i -

nigten Staaten haben e i n t i e f e s und dauerhaftes Interesse an einer umfassenden Friedenslösung im Nahen Osten, und wir haben diese Tatsache immer
wieder a l l unseren Freunden i n der Region m i t g e t e i l t .
Ich b i n jedoch nicht der Auffassung, daß eine Lösung, die von i r g e n d einer Macht von außen aufgezwungen würde: möglich oder auch nur wünschens-

�nur wünschenswert wäre für die Beteiligten.

Wirklichkeit ist, daß ein

Frieden nur durch die Bereitschaft der Beteiligten erreicht werden kann,
sich an den Verhandlungstisch zu setzen und ihre Differenzen auszudiskutieren. Meine Initiative vom 1. September hat die Standpunkte aufgezeigt,
die die Vereinigten Staaten unterstützen würden, aber ein echter Frieden
kann nur durch die Beteiligten selbst in direkten Verhandlungen erreicht
werden.

FRAGE:

Wie lange werden die Vereinigten Staaten noch den Verlust des

Lebens unschuldiger Menschen im Libanon, im Irak, im Iran, in Israel und
im Westjordanland dulden?

Verdienen die USA dafür auch noch antiamerika-

nische Gefühle, die wir in diesem Gebiet feststellen müssen?

ANTWORT:

Die Vereinigten Staaten sind zutiefst besorgt über das Lei-

den der Menschen im Nahen Osten, das durch die vielen Konflikte in diesem Gebiet hervorgerufen wird.

Die Bemühungen, zu Lösungen dieser Pro-

bleme beizutragen, hat zu den mit an oberster Stelle stehenden Aufgaben
der letzten acht Administrationen gehört, und man sollte nicht vergessen,
daß Amerika einen hohen Preis an Menschenleben, Anstrengungen und Ressourcen bezahlt hat.

Wir werden diese Bemühungen nicht aufgeben, aber

die Wirklichkeit ist und bleibt, daß Lösungen nur gefunden werden können,
wenn die am Konflikt Beteiligten ihre eigene Entscheidung treffen, einen
friedlichen Weg zur Beilegung ihrer Differenzen zu suchen.
führen zu Ergebnissen.
und wir arbeiten aktiv

Verhandlungen

Ägypten und Israel haben das eindeutig bewiesen,
daran, den Verhandlungsprozeß

zur Lösung der

Streitigkeiten in der Region zu unterstützen.

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, daß Amerikaner und die Völker
des Nahen Ostens einen großen Bereich gemeinsamer Interessen und Werte
haben.

Dies ist ein Bereich, der jeden Tag größer wird durch Handelsbe-

ziehungen, wissenschaftliche Aktivitäten und gemeinsame wissenschaftliche
Anstrengungen.

Die Mitwirkung eines saudischen Astronauten bei der Aus-

setzung des (arabischen Satelliten) ARABSAT ist ein Ereignis, das ein
Ausdruck der großen wissenschaftlichen und mathematischen Leistungen der
Araber ist, lange bevor die Neue Welt entdeckt wurde.

Und es sollte uns

�sollte uns daran erinnern, wie eng unsere Zukunft miteinander verknüpft
ist.

FRAGE:

Wir lesen überall, daß der Sudan die Kornkammer der Walt sein

könnte und nicht nur für dieses Gebiet und für Ägypten, sondern auch für
Äthiopien und die dort sterbenden Massen.

Kann nicht die amerikanische

Regierung alle ihre Ressourcen und Möglichkeiten darauf konzentrieren,
mit einer Luftbrücke Menschen und Gerät in den Sudan zu bringen und Seite
an Seite mit den Einheimischen zu arbeiten, um die Lage zu retten?

ANTWORT:

Wie Sie wissen, wird der Sudan wie seine Nachbarländer in

diesem Jahr von der schlimmsten Dürre sedt 100 Jahren heimgesucht.

Der

fehlende Regen hat zu einem gewaltigen Defizit an Getreide und Millionen
hungernder Menschen geführt.

Die Vereinigten Staaten haben auf diese Ka-

tastrophe reagiert, indem sie eine Million Tonnen Lebensmittel geschickt
haben.

Diese Hilfe hat massive Anstrengungen zur Überwindung der Entfer-

nungen gekostet und ein Transportproblem aufgeworfen.

Wie ich höre, ist

jeder sechste Sudanese von amerikanischer Lebensmittelhilfe abhängig. Der
Sudan hat noch eine weitere Last auf sich genommen, indem er hunderttausende von geflohenen Opfern der Hungersnot und des Krieges in Nachbarländern aufgenommen hat.

Die Vereinigten Staaten haben auf die verschiedenen Appelle der sudanesischen Regierung und der Vereinten Nationen, diesen Flüchtlingen, deren Zahl jetzt eine Million überschritten hat, zu helfen, großzügig reagiert.

Wir sind uns trotz der Verheerungen der Dürre über das landwirt-

schaftliche Potential des Sudan im klaren.

Unsere Entwicklungshilfe legt

besonderen Wert auf die Förderung von Technologie und Einrichtungen, die
der besseren Nutzung der vielen Millionen Hektar Ackerland dienen, die
jetzt brach liegen.

Zusammen mit anderen Geberländern und internationa-

len Organisationen wenden wir uns dem Problem des Wiederaufbaus der Landwirtschaft nach der Dürre zu.

Das wird eine große Anstrengung seitens

des Sudan erfordern, und wir sind bereit zu helfen.

FRAGE:

Fürchten Sie

�FRAGE:

Fürchten Sie n i c h t , daß die Sowjets i h r e P o s i t i o n und i h r e n

Einfluß im Nahen Osten zurückgewinnen und dem Westen P a r o l i bieten könnten?
ANTWORT:

Ich b i n der Meinung, daß der Einfluß der Sowjetunion im Na-

hen Osten an i h r e r Bereitschaft gemessen werden s o l l t e , eine konstruktive
Rolle bei der Lösung der Probleme i n der Region zu s p i e l e n .

Aber die So-

wjets haben sich a l l e s andere als k o n s t r u k t i v verhalten - eine Tatsache,
auf die von den Führern i n der Region o f t hingewiesen wurde.
FRAGE:

Es h e i ß t , M i t t e l - und Südamerika seien aufgrund i h r e r Nähe zu

den Vereinigten Staaten f ü r diese von Bedeutung.

Messen Sie dem M i t t e l -

meer - besonders der T ü r k e i , Griechenland und Zypern - nicht die gleiche
Bedeutung bei?
ANTWORT:

Sowohl

die

westliche

Hemisphäre a l s

auch das Mittelmeer

sind für die Sicherheit der Vereinigten Staaten Gebiete von entscheidender Bedeutung.

Die Türkei und Griechenland sind wichtige

NATO-Partner

und sind für die Aufrechterhaltung der S : a b i l i t ä t i n diesem strategischen
Gebiet der Erde von ausschlaggebender Bedeutung.
Auch unsere Beziehungen zur Regierung von Zypern sind eng und freundschaftlich.
FRAGE:

Warum hat die Reagan-Administration nicht auf das neue Ver-

h ä l t n i s zwischen Libyen und Marokko reagiert?
ANTOWRT:
intensiver

Die marokkanische Regierung und wir hatten eine ganze Reihe

und gründlicher

marokkanisch-libyschen
schen Beziehungen.

Gespräche h i n s i c h t l i c h

Unions-Vertrags

auf

Marokko kennt unsere

die

der Auswirkungen des
amerikanisch-marokkani-

ablehnende

Haltung

zu diesem

V e r t r a g , aber wir sind damit z u f r i e d e n g e s t e l l t , daß der Vertrag n i c h t auf
eine Waise e r f ü l l t w i r d , durch die unsere b i l a t e r a l e n Beziehungen zu Marokko hätten beeinflußt

werden können.

Wir werden a l l e r d i n g s auch wei-

t e r h i n seine Verwirklichung beobachten.
Die Vereinigten
- 7 -

�Die Vereinigten Staaten schätzen i h r e Beziehungen zu Marokko
und wir h o f f e n , daß diese Beziehungen solide bleiben.

sehr,

König Hassan hat

die Gründe f ü r diesen Vertrag genannt und hat darauf hingewiesen, daß er
sich auf

die

frühere

Unsere Einschätzung
wohlbekannt.

Unterstützung Libyens

der

tadelnswerten Natur

Wir werden erst

für

die P o l i s a r i o

des libyschen

bezieht.

Regimes

ist

dann unsere Haltung gegenüber Libyen än-

d e r n , wenn Oberst Ghaddafi seine Unterstützung des i n t e r n a t i o n a l e n Terrorismus und seine Subversion anderer Regierungen e i n s t e l l t .
FRAGE:

Wie sieht die Lösung des Sahara-Konfliktes ziwschen Marokko

und der P o l i s a r i o aus?
ANTWORT:

Die Vereinigten Staaten unterstützen die Bemühungen um eine

Verhandlungslösung durch eine Feuereinstellung und e i n anschließendes Referendum.

Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß eine p o l i -

tische Lösung der einzige Wag zur Beendigung des K o n f l i k t e s i s t .
FRAGE:

Könnte die Reagan-Administration das Gebiet

unterschiedliche Gruppen betrachten:

nicht

als

vier

1 . die Länder Nordafrikas; 2. den

Sudan und Ägypten; 3. die arabische Halbinsel und 4. das fruchtbare Land,
zu dem Jordanien, S y r i e n , der Libanon, I s r a e l und - h o f f e n t l i c h - auch
Palästina
vielleicht

gehören?
leichter

Aus geopolitischer

Sicht

könnten die Probleme dann

gelöst werden, a l s wenn man die gesamte Region a l s

e i n großes Problem b e t r a c h t e t .

V i e l l e i c h t könnten v i e r k l e i n e r e Probleme

eher i n den G r i f f zu bekommen sein a l s e i n großes?
ANTWORT:

Auf Ihre Frage g i b t es keine einfache Antwort.

Wir sehen

den Nahen Osten als eine Region großer V i e l f a l t mit v i e l e n Gemeinsamkeiten.

Wir behandeln i h n a l s eine

Region, sehen aber z u g l e i c h , daß die

einzelnen Länder ihre eigenen Probleme und Interessen haben.

Sicherlich

g i b t es e i n gewisses Maß an Zusammenhang zwischen separaten Ereignissen
und Problemen, aber dies i s t nicht i n a l l e n Fällen so.

Je nach Thema ge-

hen wir die Dinge b i l a t e r a l und m u l t i l a t e r r a l an.
FRAGE:

Wie d e f i n i e r e n

�FRAGE:

Wie definieren Sie - kurz gesagt - die derzeitigen amerika-

nisch-libyschen Beziehungen, wenn es überhaupt welche gibt?

ANTWORT:

Unsere Beziehungen sind minimal.

Wir haben in Libyen keine

offizielle Vertretung, und dies wird so iDleiben, bis Libyen sein Verhalten ändert.

Auch hier sind wir bereit, unsere Beziehungen zu Libyen zu

verbessern - aber nur, wenn Ghaddafi seine Unterstützung des internationalen Terrorismus und seine Subversion von Regierungen vollständig und
für immer aufgibt.
FRAGE:

Früheren Administrationen gelang es doch immerhin fast, das

Dilemma des Nahen Ostens einer Lösung zuzuführen.

Könnten Sie nicht

jetzt, da Sie so überzeugend wiedergewählt wurden, die im Streit liegenden Gruppoen auf Ihre Ranch nach Santa Barbara einladen, wie dies Präsident Carter in Camp David tat?
ANTWORT:

Es geht vor allem um Verhandlungen; der Ort ist nicht das

Problem.
FRAGE:

Wir sahen, wie es Ihnen auf äußerst diplomatische Weise ge-

lang, entgegen allen Erwartungen die Sov/jets wieder an den Verhandlungstisch zu bringen.

Ich kann nicht glauben, daß Sie das nicht heute auch

im Nahen Osten schaffen.

ANTWORT:
sant.

Oder?

Die Parallele mit den Abrüstungsverhandlungen ist interes-

Ich wünschte mir, die an dem Konflikt im Nahen Osten Beteiligten

würden sich an einen Tisch setzen und miteinander verhandeln; aber ich
bin sicher, daß die Entwicklung in diese Richtung geht.

Der wichtigste

Aspekt Ihrer Parellele ist der, daß beide - wir und die Sowjetunion übereinkamen, die Rüstungskontrollverhandlungen
spräch stattfinden.

müßten im direkten Ge-

Wir wissen, daß bei den Positionen keine Überein-

stimmung herrscht, und wir sind auch hinsichtlich des Ergebnisses nicht
sicher, aber wir sind davon überzeugt, daß der Versuch sinnvoll ist,
durch direktes Gespräch auf ein Abkommen hinzuarbeiten.

Auch im Nahen

Osten müssen die Parteien zu dem Schluß gelangen, daß es am besten ist,
- 9 -

�besten ist, einen gerechten und dauerhaften Frieden durch direkte Verhandlungen anzusteuern.

FRAGE:

Warum sind Sie gegen die Teilnahme der Sowjets an einer in-

ternationalen Konfrenz über den Nahen Osten - wie dies bereits von vielen
arabischen Staaten und von der Sowjetunion vorgeschlagen wurde?

ANTWORT:
ist:

Das sind eigentlich zwei verschiedene Fragen.

Die erste

Warum sind wir der Meinung, eire internationale Konferenz trage

nicht zu einer friedlichen Lösung bei?
internationale

Unserer Meinung nach würde eine

Konferenz praktisch gesehen nur zu politischem Theater

führen, aber nichts zu einer Lösung beitragen.
können echte Ergebnisse zeitigen.

Nur direkte Verhandlungen

Wir verstehen Jordaniens Wünsch nach

einem unterstützenden internationalen Kontext, in dem direkte Verhandlungen beginnen könnten.

Wir werden unsere Gespräche sowohl mit Jordanien

als auch mit Israel fortsetzen, um zu zeigen, wie ein solcher Kontext am
besten erstellt werden kann.

Die zweite Frage bezieht sich auf die Bereitschaft der Sowjets, zu
Lösungen für die Probleme des Nahen Ostens beizutragen.

Wir haben immer

wieder gezeigt, daß wir eine konstruktive Haltung der Sowjetunion bei den
Problemen der Region begrüßen würden.

Wir haben auch verdeutlicht, wel-

che Art von Aktivitäten unserer Meinung nach konstruktiv wären.

Bislang

war ihre Haltung jedoch in keinster Wr;ise hilfreich, und wir erkennen
auch keine Hinweise darauf, daß sich dies ändern könnte.

FRAGE:
genkommender

Glauben Sie, daß die neue Führung in der Sowjetunion entgesein könnte, was die Zusammenarbeit mit den Vereinigten

Staaten bei Waltfrieden und Sicherheit, insbesondere in Afrika und im
Nahen Osten, angeht?

ANTWORT:

Diese Frage muß Herr Gorbatschow beantworten.

Wir jeden-

falls sind der Ansicht, unsere beiden Länder sollten ihre Beiträge zu einer friedlichen Lösung der Probleme in diesen Regionen leisten - und sie
nicht erst noch gefährlicher machen. Wir sind auch der Meinung, wir soll- 10 -

�wir sollten Konfrontationen bei diesen Themen zu vermeiden suchen.

Wir

hoffen, daß solche Gespräche dazu beitragen können, Mißverständnisse zu
vermeiden, die sonst zur Konfrontation führen könnten.

Wir haben solche

Ge spräche über das südliche Afrika und den Nahen Osten geführt.

Aber

obgleich diese Gespräche nützlich waren, so haben sie bislang noch keine
größere Bereitschaft seitens der Sowjetunion erkennen lassen, friedliche
Lösungen zu fördern - und nicht zu behindern.

FRAGE:

Wie stellen Sie sich das Ende des Kriegs zwischen dem Iran

und dem Irak vor?

Sollen wir glauben, daß diese regionalen Kriege für

die westlichen Volkswirtschaften notwendig sind, wie wir dies an westlichen Universitäten gelernt haben?

ANTWORT:

Jede Behauptung, wonach

regionale Kriege

irgendwie den

westlichen Wirtschaftsinteressen dienen, ist marxistischer Unsinn und hat
in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten nichts zu suchen.
Wir haben ein zwingendes humanitäres Interesse an der frühestmöglichen Beendigung dieses Blutvergießens. Außerdem würde den Sicherheitsund Wirtschaftsinteressen der Vereinigten Staaten, ihrer westlichen Verbündeten und ihrer Freunde in der Region am besten durch eine sofortiges
Ende dieses Krieges gedient - eines Kriegsendes, das, beiden Ländern ihre
Unabhängigkeit beläßt und sie in die Lage versetzt, ihre nationale Entwicklung fortzusetzen.

FRAGE:

Glauben Sie nicht, daß die anhaltende Unruhe und die Kriege

im Nahen Osten auch die Sicherheit der "Hintertür" des NATO-Bündnisses
beeinflussen?

ANTWORT:

Ja - und das ist ein sehr beunruhigendes Problem.

Die Welt

kann die Folgen der Instabilität in keinem Teil der Erde ignorieren, und
wir müssen gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, um Lösungen für regionale Probleme zu finden.

FRAGE:
- 11 -

Sind Sie

�FRAGE:

Sind Sie zufrieden, was die Sicherheit der Golf Staaten vor

äußerer Gefahr anbelangt?

ANTWORT:
den.

Nein, ich bin mit der derzeitigen Situation nicht zufrie-

Solange noch der iranisch-irakische Krieg anhält und solange noch

der Iran eine Politik der Unterstützung des Terrorismus verfolgt und sich
weigert, wieder eine verantwortungsbewußte

Rolle in der Staatengemein-

schaft zu übernehymen, werden Stabilität und Sicherheit der Golfstaaten
gefährdet bleiben.

Die Vereinigten Staaten haben ein lebenswichtiges In-

teresse daran, die Freiheit der Schiffahrt im Golf und die Stabilität der
Region insgesamt aufrechtzuerhalten, und wir haben uns zusammen mit unseren Freunden in dem Gebiet - einschließlich Saudi-Arabiens und der anderen Mitglieder des Gulf Cooperation Council - darum bemüht, ihre legitimen Verteidigungsbedürfnisse zu unterstützen und ihre kollektiven Sicherheitsanstrengungen zu ermutigen.

Diese Länder sind jetzt in einer besse-

ren Lage, mit ihren eigenen Mitteln ihre Souveränität und territoriale
Integrität gegen potentielle Gegner zu verteidigen, aber es bleibt noch
mehr zu tun.

Wir sind mit den Golfstaaten der Meinung, daß der einzige

W?g zur Beendigung des Krieges zwischen dem Irak und dem Iran friedliche
Verhandlungen sind, und wir haben ihre Bemühungen im Rahmen der UN und
auch in anderen Foren unterstützt.

Wir unterstützen auch die Position

Kuweits und anderer Golfstaaten, wonach der einzige Weg zur Vernichtung
des Terrorismus darin besteht, auf seine Forderungen und Provokationen
nicht einzugehen und mit anderen betroffenen Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, um Wage zur endgültigen Beseitigung dieser Geißel zu finden.

FRAGE: Sehen Sie Lösungen für die Situation in Afghanistan?

ANTWORT:

Der Krieg in Afghanistan ist Folge der Anwesenheit von über

115 000 sowjetischen Soldaten, die versuchen, das afghanische Volk zu unterdrücken.

Es gibt nur eine Lösung für dieses Problem: den vollständi-

gen Rückzug der sowjetischen Truppen. Eine politische Verhandlungslösung
ist auch weiterhin Ziel der amerikanischen Politik.
Die sowjetischen
- 12 -

�Die sowjetischen Streitkräfte können in ihrem derzeitigen Umfang den
afghanischen

Widerstand nicht niederschlagen, aber der Widerstand kann

auch nicht hoffen, die sowjetische Armee aus Afghanistan zu vertreiben.
Es ist also notwendig, vom Schlachtfeld zum Verhandlungstisch zu gehen.
Wir unterstützen voll und ganz den starken Widerstand der Regierung von
Pakistan gegenüber Einschüchterung über die Grenze hinweg.

Wir sind durch die Ankündigung der Vereinten Nationen ermutigt, gegen
Ende Juni in Genf eine weitere Runde indirekter oder Stellvertretergespräche über Afghanistan zu führen.

Es ist unsere Hoffnung, daß es dort

Fortschritte in Richtung auf eine Lösung geben kann, auch wenn das jüngste Anwachsen der sowjetischen Militäraktivitäten keinen Anlaß zu Optimismus gibt.

In Kontakten mit den Sowjets haben wir auf den verschie-

densten Ebenen unsere Unterstützung für eine politische Verhandlungslösung betont.

Wir werden sicherlich auch weiterhin den sowjetischen Amts-

trägern gegenüber in künftigen Gesprächen unseren Standpunkt klarmachen.

FRAGE:

Wenn wir einmal Ihre offizielle Stellung als Führer der Frei-

en Welt vergessen und offen zwischen uns als Menschen sprechen:

Wie wür-

den Sie die Lage im Nahen Osten lösen?

ANTWORT:

Die amerikanische Verfassung erlaubt es mir nicht, einfach

meine Stellung als Präsident der Vereinigten Staaten zu vergessen.

Den-

noch glaube ich, daß die Vorschläge, die ich am 1. September 1982 unterbreitet habe, den sinnvollsten Weg darstellen, um zum nächsten Schritt
einer Lösung des arabisch-israelischen Konfliktes zu gelangen.

Es ist

jedoch wichtig, festzuhalten, daß es sich hierbei um Positionen handelt,
die die Vereinigten Staaten bei Verhandlungen einnehmen würden. Wir drängen die anderen Beteiligten nicht, sich ihnen von vornherein anzuschließen; ja, wir erwarten von ihnen vielmehr, ihre eigenen Vorstellungen auf
den Tisch zu legen.

Denn darum geht es ja bei Verhandlungen - daß unter-

schiedliche Standpunkte miteinander ausgesöhnt werden.

Wichtig ist, daß

solche Verhandlungen aufgenommen werden und daß die einzelnen Parteien
ihre Meinungsverschiedenheiten direkt auf friedliche Weise aus der Welt
schaffen.
FRAGE:
- 13 -

Erlauben Sie

�FRAGE:

Erlauben Sie mir, Herr Präsident, Ihnen noch einmal als einem

großen Mann des Friedens zu danken.

Wir alle sind nur eine kurze Zeit

auf dieser Erde, und worum es vor allem geht, sind das Urteil der Geschichte und die Bewertung durch die Nachwelt.

Die Geschichte aber wird

Sie als einen großen Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit beurteilen.
Gott schütze Sie.
ANTWORT:

Ich verspreche, daß wir uns alle bemühen werden.

Es war

mir eine Freunde, Sie hier zu diesem Gespräch gehabt zu haben. Gott
schütze auch Sie.

- 1A -

�3 . J u l i 1985

26

DIE SOWJETISCHE AUFRÜSTUNG IM BEREICH DER STRATEGISCHEN WAFFEN
- Bericht von Sachverständigen des CIA -

Washington -(AD)- Der Nationale Nachrichtendienstliche Beirat

(Natio-

nal I n t e l l i g e n c e Council), e i n zwölfköpfiges Sachverständigengremium, das
dem Direktor des US-Zentralamtes f ü r Nachrichten und Abwehr (CIA) unmittelbar u n t e r s t e l l t

i s t , s p r i c h t den Sowjets die Fähigkeit z u , ihre s t r a -

tegischen S t r e i t k r ä f t e

bis M i t t e der neunziger Jahre umfassend zu moder-

nisieren und auszubauen. Ein entsprechender Bericht wurde von V e r t r e t e r n
des Beirats am 26. Juni 1985 im Rahmen einer Anhörung vor einem KongreQausschuß vorgelegt. Er hat folgenden Wortlaut:
Einführung
Bis M i t t e der neunziger Jahre werden die Sowjets nahezu a l l e der nuklearen Offensivwaffen i n t e r k o n t i n e n t a l e r Reichweite, über die sie gegenwärtig verfügen - d . h . , ihre l a n d - und seegestützten b a l l i s t i s c h e n Raketen sowie ihre schweren Bomber - durch neue, verbesserte Systeme e r s e t z t
haben. Neue mobile Interkontinentalraketen

(ICBM) und mehrere Typen von

Marschflugkörpern stehen vor der I n d i e n s t s t e l l u n g .

Während der

nächsten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der nächsten fünf Jahre wird sich die Zahl der Gefechtsköpfe auf s t r a t e gischen Vfeffen um einige Tausend erhöhen; e i n roch umfassenderer Ausbau
i n den neunziger jähren i s t möglich. Wir sind besorgt über die Arbeiten
im Bereich der strategischen Verteidigung, die die Sowjets s e i t
betreiben (so u.a.

langem

e i n umfangreiches Projekt zum Schutz i h r e r Führung),

über die Tatsache, daß sie e i n ausgedehntes Abwehrsystem gegen b a l l i s t i sche Raketen a u f s t e l l e n könnten, und über i h r e erheblichen Anstrengungen
im technologischen Bereich der Richtenerciiewaffen, insbesondere der htochenergielaser.

Die energischen Anstrengurgen der Sowjets bei der

Erfor-

schung, Entwicklung und Aufstellung strategischer Kfeffen sind nichts Neues; sie ergeben sich aus der unentwegten Entschlossenheit zum Ausbau und
zur Verbesserung ihres strategischen P o t e n t i a l s , die sie i n den vergangenen beiden .Jahrzehnten an den Tag gelegt haben.

Die sowjetische Führung bemüht s i c h , ihre S t r e i t k r ä f t e auf die Möglichkeit

vorzubereiten, daß sie t a t s ä c h l i c h einen Atomkrieg führen müs-

sen. Sie haben v i e l e der Probleme der Durchführung m i l i t ä r i s c h e r

Opera-

tionen i n einem Atomkrieg ernsthaft i n A n g r i f f genommen und hierdurch i h re Möglichkeiten

verbessert,

mit

den zahlreichen möglichen Lagen, die

sich i n einem solchen K o n f l i k t ergeben können, fertigzuwerden.
Nach unserer Auffassung würde das Z i e l der Sowjets bei der Planung
i h r e r m i l i t ä r i s c h e n Operationen d a r i n bestehen, einen Atomkrieg zu i h r e n
Bedingungen zu beenden, und zwar durch Neutralisierung der Fähigkeit der
interkontinentalen

und

taktischen

Nuklearstreitkräfte

der

Vereinigten

Staaten zur Verhinderung eines sowjetischen Sieges i n einem Krieg auf dem
europäisch-asiatischen Kontinent.
1 . Strategische Offensivwaffen
Der wichtigste

neuere Trend bei den Offensivwaffen i s t

der Bau von

Stellungen für mobile strategische Raketen, und zwar f ü r M i t t e l s t r e c k e n raketen

(IR3M) vom Typ SS-20 wie auch für neue

Interkontinentalraketen

(ICBM).
- Im

Jahr

1984

leiteten

die

Sowjets

ein

bis

dahin

beispielloses

�dahin

beispielloses

Bauprogramm

für

neue SS-20-Stellungen

ein.

In

keinem der vorhergehenden Jahre i s t mit dem Bau so v i e l e r neuer S t e l lungen begonnen worden.
- Bei den Vorbereitungen

für

die Aufstellung

von zwei neuen mobilen

ICBM, der auf straßengängigen Fahrzeugen montierten SS-X-25 und der
auf

Schienenfahrzeugen montierten S5-X-24, haben die Sowjets

Fortschritte

erzielt.

Daß sich die Sowjets

zur Aufstellung

große

mobiler

ICBM entschlossen haben, i s t gleichbedeutend mit einer Grundentscheidung über den künftigen Ressourceneinsatz, denn Systeme dieser

Art

erfordern erheblich umfangreichere I n f r a s t r u k t u r e i n r i c h t u n g e n a l s s i logestützte Systeme und sind daher i n Betrieb und Wartung weitaus kostenintensiver.
Dank bestimmter P r o j e k t e , die b e r e i t s s e i t

Jahren l a u f e n , wird das

sowjetische strategische Offensivpotential b i s M i t t e der neunziger Jahre
in all

seinen Teilbereichen umfassend modernisiert worden s e i n . Die So-

wjets werden sich zwar auch weiterhin suf o r t s f e s t e , s i l o g e s t ü t z t e ICBM
s t ü t z e n , daneben aber auch eine große Zahl mobiler ICBM a u f s t e l l e n . Auch
die seegestützten Waffen und die Bomberflotte werden i n erheblichem Umfang verbessert werden. Zu den hauptsächlichen Veränderungen, die im Bereich a l l dieser Waffen vorgenommen werden, zählen u.a. die folgenden:
- Verbesserung der Einsatzmöglichkeiten

gegen gehärtete

Ziele.

Schon

heute besitzen die Sowjets für i h r e ICBM genügend zum Einsatz gegen
gehärtete

Ziele

amerikanische

geeignete

Wiedereintrittsflugkörper,

um

sämtliche

ICBM-Silos und Abschußleitzentralen angreifen zu kön-

nen. I n der Zukunft wird ihnen sogar noch eine größere Anzahl von zum
Einsatz

gegen gehärtete

Ziele

geeigneten

Wiedereintrittsflugkörpern

zur Verfügung stehen. Schon heute hätten sie bei einem solchen Angriff

gute

Chancen, MINUTEMAN-Silos

tatsächlich

zu zerstören.

Die

vorausberechneten Verbesserungen der T r e f f s i c h e r h e i t der neuen schweren ICBM, die die Sowjets nach unseren Annahmen Ende der
Jahre i n Dienst

achtziger

s t e l l e n werden, würden diese Chancen noch d e u t l i c h

erhöhen.
- Eine d e u t l i c h

�- Eine d e u t l i c h bessere Überlebensfähigkeit

des Gesamtpotentials durch

Verbesserungen im Bereich der unterseebootgestützten Raketen (SLBM)
( z . B . Einführung von l e i s e r e n Unterseebooten und von Raketen größerer
Reichweite) und durch die I n d i e n s t s t e l l u n g mobiler ICBM. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt würde e i n großer T e i l der s i l o g e s t ü t z t e n ICBM der
Sowjets einen amerikanischen A n g r i f f überleben. Vfenn die Vereinigten
Staaten

jedoch

in

den nächsten zehn Jahren t r e f f s i c h e r e r e

Raketen

a u f s t e l l t e n , würden die sowjetischen ICBM-Silos verwundbarer werden.
Die Sowjets werden sich dann zunehnend auf die

Überlebensfähigkeit

i h r e r mobilen ICBM und SLBM verlassen.
- Eine erhebliche Erhöhung der Zahl de:: durch Bomber ins Z i e l zu b r i n genden Gefechtsköpfe i n f o l g e der I n d i e n s t s t e l l u n g neuer Bombertypen,
die

mit

Langstreckenmarschflugkörpem

zum Einsatz

gegen

Landziele

ausgestattet sein werden.
1 . 1 . ICBM
Bis M i t t e der neunziger Jahre werden die gegenwärtig vorhandenen sowjetischen IC8M fast gänzlich durch neue Systeme ersetzt worden s e i n :
- Die Sowjets t r e f f e n Vorbereitungen zur Aufstellung von ICBM des Typs
SS-X-24 i n Silos im Jahre 1986 und a j f schienenbeweglichen Abschußgeräten im Jahre 1987. Wir erwarten, d;*ß die mit zehn Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) ausgerüsteten ICBM des Typs SS-X-24 an die S t e l l e der
silogestützten

ICBM der Typen SS-1"? und SS-19 t r e t e n werden. Auch

diese ä l t e r e n Typen tragen Mehrfachgefechtsköpfe, jedoch eine g e r i n gere Anzahl.

- Die Sowjets haben mit der Ausmusterung ä l t e r e r
des Typs SS-11 mit Einzelgefechtskopf
zeitig

Vorbereitungen

Einzelgefechtskopf

für

silogestützter

ICBM

begonnen, während sie g l e i c h -

die Aufstellung

der ebenfalls

mit

einem

versehenen, auf straßengängige Fahrzeuge montier-

ten und somit mobilen SS-X-25 t r e f f e n . Wir erwarten, daß die SS-X-25
bis Ende 1985 einsatzbereit sein w i r d .

- Wir erwarten,

�- Wir erwarten, daß im Zeitraum von 1986 bis 1990 zumindest d r e i neue
ICBM-Typen i n die Flugerprobung gehen werden:
- Eine neue s i l o g e s t ü t z t e schwere ICBM a l s Ersatz für die SS-18.
- Eine neue Version der SS-X-2A.
- Eine neue Version der mobilen SS-X-25 mit der Möglichkeit zur Ausrüstung mit Mehrfachgefechtskopf.
1.2. Die SS-20
Man kann davon ausgehen, daß der Bestand an Mittelstreckenraketen des
Typs SS-20 i n f o l g e des ausgedehnten BauProgramms für neue Stellungen b i s
1987 auf mehr a l s 450 a u f g e s t e l l t e Abschußgeräte angewachsen sein w i r d .
1984 wurde mit dem Bau von mehr neuen Stellungen begonnen a l s i n jedem
der vorangehenden Jahre. Die Gesamtzahl läge noch wesentlich höher, wenn
die Sowjets nicht i n den m i t t l e r e n Landesteilen der UdSSR gelegene SS-20Stellungen

aufgelöst

h ä t t e n , um sie

zu Stellungen

SS-X-25 umbauen zu können. Ein Nachfolgemodell

für

für

ICBM des

Typs

die SS-20, das wie

diese d r e i Gefechtsköpfe t r ä g t und wahrscheinlich eine noch höhere Vernichtungskraft haben w i r d , ging 1984 i n die Flugerprobung.
1 . 3 . SLBM
Im Rahmen eines ausgedehnten Modernisierungsprogramms wird der gesamte

sowjetische

Bestand an mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüsteten SLBM

erneuert werden; außerdem werden wesentlich bessere mit b a l l i s t i s c h e n Raketen bewaffnete, atomgetriebene Unterseeboote (SSBN) e i n g e f ü h r t . Folgende größere Veränderungen werden vorgenommen werden:
- Indienstnahme von Unterseebooten der DELTA-IV-Klasse und von weiteren
Einheiten der TYPHOON-Klasse. Diese Boote weisen Verbesserungen a u f ,
die

ihre Uberlebensfähigkeit

erhöhen. Eine weitere

neue Klasse

von

Unterseebooten wird wahrscheinlich Anfang der neunziger Jahre eingef ü h r t werden.
- Ab Ende

1985 oder

Anfang

1986 Stationierung

neuer

SLBM vom Typ

�vom Typ SS-NX-23 auf Booten der DELTA-IV- und DELTA-III-Klasse. Die
gegenüber

der

gegenwärtig

auf

den

DELTA-III-Booten

stationierten

SS-N-18-Rakete erhöhte Reichweite der SS-NX-23 wird den mit

dieser

neuen Waffe ausgestatteten SSBN zu einer größeren Uberlebensfä'higkeit
v e r h e l f e n , da sie dann i n der Lage sein werden, i n geringerer E n t f e r nung zu den sowjetischen Küsten zu o p e r i e r e n , wo die sowjetische Mar i n e sie besser decken kann.

- Ein Ersatzmodell

für

die

auf SSBN der TYPHOON-Klasse

stationierte

SS-N-20 wird wahrscheinlich Ende 1985 oder 1986 i n die Flugerprobung
gehen, und eine Rakete von der A r t der SS-NX-23 wird wahrscheinlich
gegen Ende der achtziger Jahre erprobt werden.
1.4. Schwere Bomber
Die

sowjetische

Flotte

von schweren Bombern durchläuft

gegenwärtig

ihre erste große Modernisierung s e i t den sechziger Jahren; b i s M i t t e der
neunziger
sein.

Jahre

werden die

meisten der

ä l t e r e n Bomber e r s e t z t

Schwere Bomber werden dann bei A n g r i f f e n über

worden

interkontinentale

Entfernungen hinweg eine größere Rolle s p i e l e n :
- Luftgestützte Marschflugkörper
1984 e i n s a t z b e r e i t ;

mit

(ALQV) vom Typ AS-15 wurden im Jahre

ihnen wurden Flugzeuge vom Typ BEAR H aus

neuester Produktion ausgestattet.

Indem sich die Sowjets neu herge-

s t e l l t e r Flugzeuge eines ä l t e r e n Baumusters bedienten, waren sie

in

der Lage, ALCM mindestens v i e r Jahre vor dem Zeitpunkt i n Dienst zu
stellen,

zu dem dies möglich gewesen wäre, wenn sie auf den neuen

BLAQXJACK-Bomber gewartet hätten.
- Wir gehen davon aus, daß der BLACKJ^QX 1988 oder 1989 seine Einsatzr e i f e erlangt haben und sowohl ALCM a l s auch Bomben tragen w i r d .
1.5. Marschflugkörper
Die ALCM sind die ersten Modelle in einer Reihe von zum Einsatz gegen
Landziele

bestimmten

Langstreckenmarschflugkörpern,

- 6 -

deren

Einführung

�deren Einführung bevorsteht.

Wir erwarten, daß die Sowjets während der

nächsten

3 000 mit

zehn Jahre 2 000 -

ALCM, seegestützte Marschflugkörper
körper

Nukleargefechtsköpfen

versehene

(SLCM) und landgestützte Marschflug-

(GLCM) s t a t i o n i e r e n werden. Die Stationierung von Marschflugkör-

pern verschafft den Sowjets neue Moglichikeiten, Z i e l e i n den Vereinigten
Staaten aus a l l e n möglichen Richtungen anzugreifen.
1.6. Das Anwachsen des i n t e r k o n t i n e n t a l e r

Offensivpotentials

Vorausschätzungen des Anwachsens der Zahl der Gefechtsköpfe auf den
sowjetischen Offensivwaffen i n t e r k o n t i n e n t a l e r Reichweite:
- Dieses P o t e n t i a l umfaßt gegenwärtig mehr a l s 9 000 Gefechtsköpfe auf
rund 2 500 Abschußgeräten für b a l l i s t i s c h e Raketen und schweren Bombern. Die meisten Gefechtsköpfe sind auf ICBM montiert.
- Die Zahl der Gefechtsköpfe s t e i g t : Die neuen sowjetischen Unterseeboote der TYPHOON- und DELTA-IV-Klasse, die Bomber vom Typ BEAR H und
die ICBM vom Typ SS-X-24 werden wesentlich mehr Gefechtsköpfe tragen
a l s die Systeme, an deren S t e l l e sie t r e t e n .
- Wenn die Sowjets auch 1990 noch rtnd 2 500 schwere Bomber und Abschußgeräte für Raketen haben und d3bei innerhalb der im Rahmen von
SALT I I

vereinbarten Begrenzungen f ü r jede

Waffenkategorie

bleiben,

wird die Zahl der ihnen zur Verfügung stehenden Gefechtsköpfe b i s dah i n auf mehr a l s 12 000 anwachsen.
- Auch der von den Sowjets im Jahre 1983 bei den Gesprächen über eine
Verminderung der strategischen Waffen (START) u n t e r b r e i t e t e Vorschlag
würde zu einer Erhöhung der Zahl der Gefechtsköpfe führen. A l l e r d i n g s
würden die Sowjets nach den i n diesem Vorschlag vorgesehenen Begrenzungen b i s 1990 etwa 1 000 Gefechtsköpfe weniger haben, a l s sie gemäß
der Begrenzungen von SALT I I haben dürfen.
- Der amerikanische

START-Vorsehlag aus dem Jahre 1983 würde

Trend hingegen umkehren und bis
-

diesen

1990 zu erheblichen Verminderungen
7 -

�erheblichen Verminderungen führen.
- Die Sowjets werden zwar i h r i n t e r k o n t i n e n t a l e s O f f e n s i v p o t e n t i a l auch
ohne Rüstungskontrollbeschränkungen
von 12 000 lichkeit

licht

unbedingt über die Grenze

13 000 Gefechtsköpfen hinaus e r w e i t e r n , aber die Mög-

zu einem erheblichen weitergehenden Ausbau haben sie

e i n d e u t i g ; bis M i t t e der neunziger

ganz

Dahre könnten sie es auf 16 000

b i s 21 000 Gefechtsköpfe bringen. Die kleinere der beiden genannten
Zahlen ergäbe sich bei einem A n h a l t e l der i n der jüngeren Vergangenh e i t zu beobachtenden Trends beim Tenpo der Stationierung neuer Waff e n ; um hingegen die höhere Zahl zu e r r e i c h e n , wäre zwar keineswegs
die Anspannung a l l e r K r ä f t e , aber doch e i n wesentlich höherer Einsatz
von Ressourcen e r f o r d e r l i c h .

Wenn die Sowjets i n den nächsten Jahren die Flugerprobung der
stischen Raketen vorantreiben, deren Stationierungsbeginn
achtziger

und Anfang der

wichtigen Entscheidungen

neunziger
stehen.

Jahre geplant

Insbesondere

ist,

haben sie

balli-

f ü r Ende der

werden sie
rein

vor

technisch

gesehen die M ö g l i c h k e i t , neue ICBM entweder i n einer A r t und Weise zu e r proben, die den i n dem u n r a t i f i z i e r t e n SALT-II-Vertrag enthaltenen Begrenzungen f ü r die Eigenschaften und die Verbesserung von Waffensystemen
e n t s p r i c h t , oder aber e i n Testverfahren zu wählen, das sich über diese
Begrenzungen hinwegsetzt.

2. Strategische Verteidigung
Die aktiven und passiven Einrichtungen der strategischen Verteidigung
der

Sowjets

könnten

zwar

im

Falle

eines

Großangriffs

das

Entstehen

schwerster Schäden nicht verhindern, s o l l e n aber den Schutz der Führung
sowie m i l i t ä r i s c h e r Einrichtungen im engeren und weiteren Sinne zumindest
so weit gewährleisten, daß i h r e Funktionsfähigkeit unter Kriegsbedingungen erhalten b l e i b t . Da die Sowjets im Verlaufe der nächsten zehn Jahre
eine Reihe von neuen Waffentypen einführen und v i e l e der ä l t e r e n Systeme
ausmustern werden, wird sich die Schlagkraft i h r e r strategischen V e r t e i digjng wesentlich erhöhen. Folgende wichtige Entwicklungen sind zu nennen:

2 . 1 . Raketenabwehr

�2 . 1 . Raketenabwehr
- Die Sowjets befassen sich
Entwicklung

seit

und Stationierung

v i e l e n Jahren mit

der Erforschung,

von Raketenabwehrsystemen

(ABM-Syste-

men).
- Wenn das verbesserte ABM-System bei Moskau um das Jahr 1987 herum
f e r t i g g e s t e l l t sein w i r d , wird es IOC) silogestü'tzte Raketen mit hoher
Startbeschleunigung und m o d i f i z i e r t e Abfangraketen vom Typ GALOSH umfassen und damit bedeutsame Abwehrmnglichkeiten gegen begrenzte Ang r i f f e auf besonders wichtige Ziele i n Raum Moskau e r ö f f n e n .
- Man kann davon ausgehen, daß bis zum Ende des Jahrzehnts e i n neues
Netz

von

Radargroßanlagen

mit

phasengesteuerter

Abtastung

(ein-

s c h l i e ß l i c h der bei Krasnojarsk) einsatzbereit sein w i r d . Die Sowjets
werden dann über

stark

verbesserte Möglichkeiten der

Früherfassung

anfliegender b a l l i s t i s c h e r Raketen, der Angriffsbewertung und der genauen Zielverfolgung
nisch

in

verfügen. Diese Radaranlagen werden zwar t e c h -

der Lage s e i n ,

eine unterstützende

Funktion

für

die Ge-

f e c h t s l e i t u n g im Rahmen eines ausgedehnten ABM-Systems zu übernehmen,
aber es i s t

ungewiß, ob die Sowjets diesen Radaranlagen eine

Rolle

bei der umfassenden Aufstellung von A3M-Waffen zugedacht haben.
- Das SA-X-12-System, das im Zeitraum 1985/86 bei den sowjetischen Bodentruppen eingeführt werden s o l l , kann gegen Flugzeuge herkömmlicher
Bauart, Marschflugkörper

und taktische

ballistische

Raketen einge-

setzt werden. Es könnte i n gewissem Umfang auch zum Abfangen e i n i g e r
der Typen von Wiedereintrittsflugkörpern eingesetzt werden, die auf
den strategischen b a l l i s t i s c h e n Raketen der Vereinigten Staaten verwendet werden. Seine technischen Einsatzmöglichkeiten rücken das Problem i n den Vordergrund, daß durch technologische Verbesserungen der
Unterschied zwischen Flugabwehr- und ABM-Systemen verwischt w i r d . Die
Entwicklung

neuerer,

noch komplexerer

Flugabwehrraketensysteme

wird

dieses Problem noch weiter komplizieren.
Was uns besondere Sorge b e r e i t e t , i s t die Tatsache, daß die f o r t l a u -

�die fortlaufenden Entwicklungsarbeiten der Sowjets ihnen die Möglichkeit
zur Aufstellung von ABM-Systemen i n großem Umfang eröffnen könnten. Die
Sowjets besitzen b e r e i t s die Hauptkomponenten für e i n ABM-System, die f ü r
den umfassenden Aufbau von ABM-Einrichtungen über die durch den ABM-Vertrag gesteckten Grenzen hinaus genutzt werden könnten. Zu diesen Komponenten zählen Radaranlagen, e i n o b e r i r d i s c h aufzubauendes Raketenabschußgerät und die Rakete mit hoher Startbeschleunigung, die um Moskau herum
i n Stellung gebracht werden w i r d . Es besteht die M ö g l i c h k e i t , die Produktionseinrichtungen, die

i n Zusammenhang mit dem Ausbau des Moskauer

ABM-Systems geschaffen worden s i n d , auch für den umfassenden Aufbau von
ABM-Einrichtungen zu nutzen. Nach unserer Auffassung könnten die Sowjets
durchaus sehr rasch weitere ABM-Anlagen aufbauen, um die Verteidigungseinrichtungen bei Moskau zu verstärken und besonders wichtige Ziele

in

der westlichen UdSSR zu decken. Bis Anfang der neunziger Jahre könnten
auch wichtige Ziele ö s t l i c h
werden.

des Urals

Ln diese Verteidigung einbezogen

Vtenn die Sowjets derartige Maßnahmen i n Betracht ziehen, werden

sie indessen die m i l i t ä r i s c h e n V o r t e i l e , die solche Verteidigungseinrichtungen i n ihren Augen haben mögen, gegen die N a c h t e i l e , die insbesondere
aus der Reaktion der Vereinigten Staater und i h r e r Verbündeten erwachsen
könnten, abwägen müssen.

2.2. Luftverteidigung
Neue

strategische

Flugabwehrsysteme

mit

Einsatzmöglichkeiten

gegen

Ziele i n geringer Flughöhe werden i n zunehmender Zahl a u f g e s t e l l t werden.
Die Sowjets setzen die Stationierung der neuen, gegen Ziele i n b e l i e b i g e r
Flughöhe einsetzbaren Boden-Luft-Rakete

vom Typ SA-10 f o r t ,

führen neue

Flugzeuge mit verbesserten Einsatzmöglichkeiten gegen t i e f f l i e g e n d e Ziele
ein

und

werden

im

Jahre

1985

das

fliegende

Frühwarn- und

Leitsystem

(AVßCS) vom Typ MAINSTAY i n den Truppendienst übernehmen. Vtenn die

ver-

besserten Systeme zur Truppe kommen, wird es für die d e r z e i t i g verfügbaren Bomber zusehends schwieriger werden, die sowjetische L u f t v e r t e i d i g u n g
zu durchstoßen. Gegen amerikanische Marschflugkörper wäre dieses V e r t e i digungssystem

jedoch

wesentlich

weniger

wirksam.

Vfihrend der

nächsten

zehn Jahre wird die sowjetische Luftverteidigung wahrscheinlich nicht

in

dar Lage s e i n , im F a l l e eines A n g r i f f s , der von Bombern und Marschflug-

- 10 -

�und Marschflugkörpern gemeinsam vorgetragen wird, genug davon abzuschießen, um zu verhindern, daß die UdSSR schwerste Schäden erleidet. Wir
glauben jedoch, daß die Sowjets imstande sind, viele besonders wichtige
Führungs-, Befehls-, Militär- und Wirtschaftseinrichtungen, die im Kriege
eine bedeutsame Rolle spielen würden, zunehmend besser vor Luftangriffen
zu schützen.

2.3. U-Boot-Abwehr
Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügen die Sowjets nicht über w i r k same M i t t e l zur Ortung von auf See b e f i n d l i c h e n amerikanischen Unterseebooten, die mit b a l l i s t i s c h e n Raketen bewaffnet sind (SSBN). Wir erwart e n , daß die Sowjets ihre Arbeiten i n a l l e n technologischen Bereichen der
U-Boot-Abwehr

(ASW) auch weiter

hier

Lösungen für

mögliche

mit

Nschdruck

vorantreiben werden, da

die Probleme der Bekämpfung

amerikanischer

SSBN und des Schutzes i h r e r eigenen SSBN vor amerikanischen Jagd-U-Booten
liegen.

Wir sind besorgt über die energische ASW-Forschung und die tech-

nologischen Anstrengungen der Sowjets. Wir glauben jedoch n i c h t , daß die
reale Möglichkeit besteht, daß die Sowjets i n den neunziger Jahren e i n
System einführen könnten, das eine erheb Liehe Gefahr für auf See kreuzende amerikanische SSBN d a r s t e l l e n würde.
2 . 4 . Der Schutz der Führung
Die Sowjets betreiben e i n umfangreiches Programm, das dem Schutz i h r e r Führung d i e n t .

Nach unserer Auffassung würde bei einer

Vorwarnzeit

von nur einigen Stunden e i n großer Teil der kriegsmäßigen Führungsstruktur

die ersten Auswirkungen eines amerikanischen nuklearen Großangriffs

überleben. Wir schätzen, daß für Führungskräfte der nationalen und r e g i o nalen Ebene zumindest 800, v i e l l e i c h t

sogar 1 500 Ausweichstandorte

zur

Verfügung stehen. T i e f u n t e r i r d i s c h angelegte Einrichtungen könnten das
Überleben der obersten nationalen Führung gewährleisten; h i e r i n

besteht

eines der vorrangigen Ziele der sowjetischen Pläne f ü r die Regierung i n
Kriegszeiten.
3. Führungs-

-

11 -

�3. Fuhrungs- und Kommandoeinrichtungen

In den nächsten zehn Jahren wird es zu erheblichen Verbesserungen der
Schlagkraft der strategischen Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion kommen, aber dennoch würden auf beiden Seiten umfangreiche Teile des militärischen Potentials selbst schwere Atomschläge überleben. Wie sicher sich die Sowjets ihrer Befähigung zum Ausfechten weltweiter Konflikte und zur Begrenzung des Schadens, den die Sowjetunion erleiden würde, sein können, hängt weitgehend von Erwägungen bezüglich der
Fuhrungs- und Kommandoeinrichtungen ab, d.h., von ihrer Fähigkeit, die
Funktionstüchtigkeit

ihrer

eigenen

Fuhrungs- und

Kommandoeinrichtungen

aufrechtzuerhalten, wie auch von ihren Möglichkeiten, die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten der Fähigkeit zum Führen und Befehligen ihrer Streitkräfte ganz oder teilweise zu berauben.

- Amerikanische Angriffe könnten zwar viele bekannte, ortsfeste Befehls-,

Kommando- und

Kommunikationseinrichtungen

zerstören, aber

dank der Tatsache, daß die Sowjets s;.ch diesem Bereich schwerpunktmäßig gewidmet haben, besitzen sie he^te zahlreiche gehärtete Schlüsseleinrichtungen

sowie

Kommunikationsanlagen

in Mehrfachauslegung.

Die Sowjets könnten daher höchstwahrscheinlich die Funktionsfähigkeit
ihres Befehls- und Kommandosystems insgesamt aufrechterhalten, obwohl
es wahrscheinlich in Mitleidenschaft gezogen würde und sie sich bei
der Gewährleistung seines Weiterbetriebs Schwierigkeiten gegenübersehen könnten.

- Wir glauben, daß die Sowjets fortwährende Angriffe gegen die strategischen Befehls-, Kommando- und Komrrunikationseinrichtungen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten richten würden, um die Koordination von Vergeltungsschlägen nach Möglichkeit zu verhindern oder zu
erschweren. Hierdurch würden die Sowjets die Belastung ihrer eigenen
strategischen Verteidigung vermindern und die Fähigkeit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten herabsetzen, zur Regenerierung ihrer Streitkräfte militärische und zivile Ressourcen heranzuziehen.
Die Sowjets würden zwar im Hinblick auf diese Aufgabe erhebliche Anstrengungen unternehmen, sind wahrscheinlich aber keineswegs sicher,
- 12 -

�keineswegs sicher, daß sie diese Ziele auch wirklich erreichen könnten.
4. Das Weltraumprogramm
Das von den Sowjets mit Nachdruck
überwiegend

betriebene Keltraumprogramm ist

militärischer Natur. Mehr als 70 Prozent der sowjetischen

Weltraumunternehmen dienen ausschließlich militärischen Zwecken, und von
den übrigen haben viele eine militärisch-zivile Doppelfunktion. Die Sowjets betrachten den Weltraum als integralen Bestandteil ihres militärischen offensiven und defensiven Gesamt.konzepts und nicht etwa als getrennten oder aussparbaren Bereich. Die Sowjets würden zwar gern in der
Lage sein, dem Feind im Krieg die Nutzung des Weltraums zu verwehren,
aber ihre gegenwärtigen Möglichkeiten zur Bekämpfung von Satelliten sind
begrenzt und reichen nicht aus, um diesen offenkundigen Erfordernissen
gerecht zu werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bieten nicht nur das speziell dafür konzipierte nichtnukleare Qrbitalabfangsystem, sondern auch
andere Systeme wie die nukleare ABM-Abfangrakete vom Typ GALOSH und zwei
erdgestützte hbchenergielaser die Möglichkeit, einige Satelliten in erdnahen Umlaufbahnen zu vernichten oder zu stören, aber die mögliche Bedrohung für Satelliten in höheren Umlaufbahnen ist begrenzt. Wahrscheinlich
würden die Sowjets im Verlaufe eines größeren konventionellen Krieges und
im Anfangsstadium eines Atomkriegs vergehen, die Satelliten der Vereinigten Staaten zu vernichten oder zu stören. Ihre diesbezüglichen Mittel
würden jedoch einen Nuklearangriff nicht überleben. Gewisse Verbesserungen bei den sowjetischen Einrichtungen zur Satellitenbekämpfung stehen
jedoch zu erwarten.

5. Richtenergiewaffen

und

mit

kinetischer Energie arbeitende hbchge-

schwindigkeitswaffen
Richtenergiewaffen und mit kinetischer Energie arbeitende Waffen für
eine Reihe strategischer Anwendungsmöglichkeiten könnten eventuell entwickelt werden, so z.B. zur Bekämpfung von Satelliten, zur Flugabwehr,
zum Einsatz auf dem Gefechtsfeld und langfristig auch zur Abwehr ballistischer Raketen.
- 13 -

Es agibt

�Es gibt starke Indizien dafür, daß die Sowjets an der Entwicklung von
HDchenergielaserwaffen arbeiten, und zwar in einigen Fällen schon seit
den sechziger Jahren:

- Nach unserer Schätzung würde ein Laserwaffenprogramm vom Umfang des
sowjetischen in den Vereinigten Staaten ungefähr eine Milliarde Dollar jährlich kosten.

- Man geht davon aus, daß sich in zwei Anlagen auf dem Testgelände bei
Saryshagan l-bchenergielaser befinden, die möglicherweise als Antisatellitenwaffen eingesetzt werden könnten.

- Wir sind besorgt über ein sowjetisches Großprojekt zur Entwicklung
erdgestützter Laserwaffen zur Abwehr von Wiedereintrittsflugkörpern
im Endanflug. Es ist jedoch weitgehemd ungewiß, ob die Verwendung von
erdgestützten Lasern zur Raketenabwehr machbar und durchführbar ist.
Wir erwarten, daß die Sowjets die Funktionstüchtigkeit eines solchen
Systems in den achtziger Jahren testen werden, wobei sie wahrscheinlich eine der Hochenergielaseranlagen bei Saryshagan verwenden werden. Ein einsatzfähiges System könnte erst viele Jahre später in
Dienst gestellt werden, wahrscheinlich erst nach der Jahrtausendwende.
- Die Sowjets scheinen zwei HDchenergielaserwaffen zu entwickeln, die
möglicherweise zur strategischen Luftverteidigung eingesetzt werden
könnten, und zwar zum Objektschutz am Boden und zur See.

- Die Sowjets arbeiten weiter an der Entwicklung eines in ein Flugzeug
eingebauten Lasers.

- Die Sowjets betreiben u.a. auch ein Forschungsprojekt zur Entwicklung
von HDchenergielaserwaffen für den Einsatz im Weltraum. Anfang der
neunziger Jahre könnte der Prototyp einer weltraumgestützten Hochenergielaserwaffe zur Satellitenbekämpfung in einer erdnahen Umlaufbahn erprobt werden, aber selbst wenn die Tests erfolgreich verliefen, könnte ein solches System kaum vor Mitte der neunziger Jahre die
Einsatzreife erlangen.
Ferner betreiben
- 14 -

�Ferner betreiben die Sowjets für das Militär Forschungsarbeiten mit
dem Ziel der Entwicklung von Partikelstrahlenwaffen (PBW). Wir glauben,
daß die Sowjets schließlich einen Versuch zum Bau einer weltraumgestützten PBW unternehmen werden, aber da die technischen Anforderungen ungemein hoch sind, ist es nach unserem Dafürhalten unwahrscheinlich, daß sie
noch vor dem Jahr 2000 einen Prototyp testen werden.
Die Sowjets haben im Bereich der "rechrologien, die zur Entwicklung
von Radiofrequenzwaffen

(RF-Waffen) genutzt werden können, einen hohen

Leistungsstandard erreicht, so daß sie nach unserer Meinung wahrscheinlich in der Lage sind, den Prototyp eineis RF-Waffensystems zu entwickeln.
Eine solche Vteffe kann benutzt werden, um bestimmte Komponenten von Raketen oder Satelliten zu stören oder außer Funktion zu setzen.

Wir befürchten, daß die Programme cer Sowjets im Bereich der Richtenergietechnik schon so weit fortgeschritten sein könnten, daß sie zum
Bau einsatzfähiger erdgestützter Antisatellitenwaffen in der Lage sind.

Seit den sechziger Jahren haben die Sowjets erhebliche Mittel für
Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Bereich von Technologien aufgewandt , die möglicherweise zum Bau von mit kinetischer Energie arbeitenden
Hbchgeschwindigkeitswaffen eingesetzt werden können.

6. Mittelaufwand für die erwarteten Entwicklungen und Rüstungskontrollerwägungen

Etwa jeweils ein Zehntel, insgesamt also ein Fünftel der gesamten Rüstungsausgaben, werden für die strategischen Offensiv- und Defensivwaffen
aufgewandt. Obwohl die Programme der Sowjets in den Bereichen der Erforschung, Entwicklung und Aufstellung strategischer

Waffen bereits einen

erheblichen Umfang haben, wird der Aufwand von Mitteln weiter erhöht. Wir
schätzen, daß die Gesamtinvestitionen und Betriebskosten für die sowjetischen Programme in dem Bereich der strategischen Offensivwaffen (Systeme
interkontinentaler Reichweite und Mittelstreckenwaffen) und in dem der
strategischen Defensivwaffen (unter Außerachtlassung der Möglichkeit eines umfassenden Aufbaus von Raketenabwehrsystemen) in den nächsten fünf

- 15 -

�nächsten fünf Jahren zu einer jährlichen Steigerung der sowjetischen Gesamtausgaben für strategische Waffen um fünf bis sieben Prozent führen
werden. (Sollte es zu einer umfassenden Aufstellung von Raketenabwehrsystemen kommen, würde sich die Zuwachsrate auf sieben bis zehn Prozent belaufen.)

Da die Wachstumsrate bei den nichtstrategischen Programmen mit ungefähr drei Prozent angenommen wird, würde eine Steigerung der Ausgaben für
strategische Programme um fünf bis sieben Prozent auf eine jährliche Erhöhung der gesamten Rüstungsausgaben um drei bis vier Prozent hinauslaufen. Gleichzeitig zeichnet sich ab, daß die sowjetische Wirtschaft für
den Rest des Jahrzehnts nur sehr geringe Zuwachsraten zu verzeichnen haben wird. Wenn nun aber der für die Rüstung aufgewandte Teil des Bruttosozialprodukts größer wird, werden die Sowjets vor der schwierigen Entscheidung stehen, ob sie die Zuwachsrate der Investitionen kürzen sollen,
obwohl diese von zentraler Bedeutung für die Modernisierung ihrer Wirtschaft sind, oder ob sie die Produktion von Verbrauchsgütern zurückschrauben sollen, obwohl diese im Rahmen der sowjetischen Bemühungen um
eine Anhebung der Arbeitsproduktivität einen hohen Stellenwert hat.

Ungeachtet der ernsten Wirtschaftsprobleme, die seit Mitte der siebziger Jahre bestehen, hatten die militärischen Beschaffungsprogramme der
Sowjets Jahr für Jahr einen erheblichen Umfang; insbesondere beschaffen
die Sowjets auch weiterhin neue strategische Waffen in großer Zahl. So
haben die Sowjets beispielsweise seit Mitte der siebziger Jahre ihr Potential an mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestatteten ICBM aufgestellt und
ausgebaut, neue SSBN mit Mehrfachgefechtsköpfen tragenden SLBM in Dienst
gestellt und die mobilen Raketen vom SS-20 eingeführt. In den letzten
Jahren haben die Sowjets ihren Mittelaufwand für neu entwickelte Systeme
erhöht, insbesondere im Hinblick auf die Aufstellung kostspieliger mobiler Raketensysteme. Obwohl die Sowjets vor schweren Wirtschaftsproblemen
stehen, deutet nichts darauf hin, daß sie sich genötigt fühlen, auf
wichtige strategische Rüstungsprogramme zu verzichten, oder daß sie im
Bereich der Rüstungskontrolle größere Zugeständnisse machen werden, um
den wirtschaftlichen Druck zu mildern. Ausschlaggebend für die Rüstungsund Rüstungskontrollentscheidungen der Sowjets werden wahrscheinlich auch

- 16 -

�wahrscheinlich auch weiterhin ihre Einschätzungen des politisch-strategischen Nutzens und die Dynamik der Waffentechnik bleiben. Nach unserer
Auffassung werden die strategischen Waffen bei der Mittelzuweisung auch
weiterhin oberste Priorität behalten und daher von wirtschaftlichen Problemen in geringerem Umfang betroffen werden als jeder andere Teilbereich
der Streitkräfte der Sowjetunion. Wir glauben jedoch auch, daß Entscheidungen über Umfang und Tempo der Modernisierung der strategischen Waffen
infolge der angespannten Wirtschaftslage heute wahrscheinlich in stärkerem Maße als in der Vergangenheit von wirtschaftlichen Faktoren beeinflußt

werden und

daß

einige Stationierungsprogramme

gestreckt werden

könnten.

Wir glauben, daß die Sowjets entschlossen sind, keinerlei Abstriche
an dem zuzulassen, was die UdSSR im vergangenen Jahrzehnt militärisch erreicht hat. Sie sind sich der Tatsache bewußt, daß die neuen strategischen Waffensysteme, die die Vereinigten Staaten gegenwärtig einführen
oder entwickeln, die Gefährdung ihrer silogestützten ICBM erhöhen, ihre
Anstrengungen im Bereich der U-Boot-Abwehr komplizieren und ihre Luftverteidigung vor zunehmend komplexere Probleme stellen. Durch ihr Verhalten
und ihre Propaganda haben die Sowjets zu erkennen gegeben, daß sie über
die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) der Vereinigten Staaten,
in deren Mittelpunkt fortgeschrittene Technologien stehen, sehr besorgt
sind. Sie glauben, daß SDI sie zwingen könnte, ihre Entwicklungsprogramme
für ballistische

Offensivraketen umzustellen, um diese

Waffen weniger

verwundbar zu machen, oder daß SDI einen kostspieligen Hochtechnologiewettlauf ohne absehbares Ende auslösen könnte, und wahrscheinlich befürchten sie, daß ihre eigenen Anstrengungen in diesem Bereich mit denen
der Vereinigten Staaten nicht Schritt halten können. Wahrscheinlich bereitet ihnen auch die Möglichkeit Sorge, daß SDI zu anhaltenden Anstrengungen der Vereinigten Staaten im Bereich der strategischen Verteidigung
führen könnte.

Die sowjetische Führung betrachtet die Rüstungskontrollpolitik als
wichtigen Faktor im Rahmen ihrer Bemühungen, strategische Vorteile zu erlangen. Die Sowjets sind dann bereit, im Hinblick auf die Erhöhung der
Leistungsfähigkeit

von Streitkräften und die Aufstellung neuer

- 17 -

Waffen

�neuer Haffen Begrenzungen auszuhandeln, wenn dies ihren Interessen dient.
Moskau glaubt seit langem, daß Rüstungskontrolle zuerst und vor allem die
Schlagkraft der Streitkräfte der Sowjetunion im Verhältnis zu der ihrer
Gegner schützen muß. Die Sowjets versuchen, die Modernisierung der amerikanischen Streitkräfte sowohl durch den Rüstungskontrollprozeß selbst als
auch durch jedes sich daraus ergebende Abkommen zu begrenzen. In Zukunft
wird im Mittelpunkt der sowjetischen Rustungskontrollpolitik der Versuch
stehen, die Möglichkeiten der Vereinigten Staaten zur Abwehr ballistischer Raketen und zur Kriegführung im Weltraum zu begrenzen; dies wird
eine ihrer hervorstechendsten Eigenarten ausmachen. Die Sowjets werden
versuchen, sich der Rüstungskontrollverhandlungen als Mittel zur Verzögerung oder Vereitelung des amerikanischen SDI-Programms zu bedienen.

* * * * *

- 18 -

�3. J u l i 1985

26

25 JAhRE WETTERBEOBACHTUNG AUS OEM WELTRAUM

-

(AD) - Mit dem S t a r t des ersten arrerikanischen TIROS-Satelliten am

1 . A p r i l 1960 öffnete sich für die Wetterkundler eine neue und, wie sich
i n 25 Jahren z e i g t e , ungemein wichtige Eeobachtungsperspektive.
nem ViertelJahrhundert

waren sie noch auf

Vor e i -

Wahrnehmungen angewiesen, die

zu Lande und auf den Meeren, v i e l l e i c h t auch noch von Flugzeugen aus gemacht wurden.

Jetzt aber ergab sich die M ö g l i c h k e i t , Strukturen und Zug-

richtung r i e s i g e r

Wblkenfelder und, mitte:ls empfindlicher Sensoren, S t r ö -

mungsmuster und Temperaturen i n den Stockwerken der Erdatmosphäre rund um
den Globus zu beobachten - und rund um cie Uhr dazu.

Die mit diesen Sa-

t e l l i t e n zunehmend umfangreicher und mit

immer größerer Genauigkeit ge-

wonnenen Informationen

b i l d e n heute

Kern der

möglichst

Vorhersagen

zuverlässige

Grundlage für den E r f o l g i s t

der

gebraucht

Wetterdaten, die

werden.

Eine

für

wesentliche

die enge i n t e r n a t i o n a l e Zusammenarbeit von

Wissenschaftlern vor allem aus den USA, Europa, Japan, Indien und der Sowjetunion und ca. 40 weiteren Ländern, die i n der

WMO (UN-Weltorgani-

s a t i o n f ü r Meteorologie) zusammengeschlossen s i n d .
Die neuen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die neuen Erkenntnisse aus den Gebieten der Meteorologie und Atmosphärenphysik

bedeuteten eine

besondere Förderung

für

die

"Weltwetter-

wacht" der VMO, eines überaus komplexen Beobachtungs- und Vorhersagesystems.

S a t e l l i t e n d a t e n waren gewissermaßen der Motor, um die Leistungen

der VMO k o n t i n u i e r l i c h zu verbessern - nicht nur i n bezug auf die Q u a l i tät

kurzfristigerer

Zeitdauer,

Wettervorhersagen,

sondern auch i n

bezug auf

die

f ü r die Vorhersagen mit r e l a t i v e r Genauigkeit gemacht werden

können.
Die

gegenwärtige

"Flotte"

von

Wetterbeobachtungssatelliten

besteht

zum T e i l aus geostationären Geräten, die auf ä q u a t o r i a l e r Bahn i n 35 680
km Höhe eine p r a k t i s c h feste P o s i t i o n einnehmen, w e i l die Umlaufgeschwindigkeit

eines S a t e l l i t e n i n diesem Abstand der

Rotationsgeschwindigkeit

der Erde e n t s p r i c h t , und zum anderen au:; S a t e l l i t e n auf polaren Umlaufbahnen i n ca. 800 km Höhe.

Deren Bahnebene steht senkrecht zur Bahnebene

der geostationären W e t t e r s a t e l l i t e n , die von der Europäischen Weltraumorganisation ESA, den Vereinigten Staaten, Japan und Indien g e s t e l l t
den.

wer-

Die S a t e l l i t e n auf polarer Bahn kommen aus den USA und der Sowjet-

union.

Neben ihren Aufgaben zur Wetterbeobachtung und der ständigen Aus-

strahlung von Vfetterdaten, die jeder empfangen kann, der daran i n t e r e s s i e r t i s t , nehmen sie auch Notsignale von Flugzeugen und Schiffen auf und
geben diese an große Bodenstationen weiter.

Die Umlaufbahnen über beide

Pole machen i n f o l g e der West-Ost-Drehung der Erde eine komplette Beobachtung der Erdoberfläche mit j e w e i l s gleichmäßiger Verschiebung um bestimmte Längengradeinheiten möglich.
Ein moderner W e t t e r s a t e l l i t

kostet derzeit 50 bis 100 M i l l i o n e n D o l -

lar.

Die j ä h r l i c h e n Betriebskosten liegen bei 20 b i s 40 M i l l i o n e n D o l -

lar.

Mehr a l s

80 Prozent der VMO-Mitgliedstaaten machen vom Direktem-

pfang der Satelliten-Wetterdaten Gebrauch, die durch hydrologische Meßdaten ergänzt werden.

Die übrigen M i t g l i e d e r benutzen die Vorhersagen, die

aus S a t e l l i t e n d a t e n e r a r b e i t e t und über die VMO im Rahmen eines w e l t w e i ten Nachrichtennetzes v e r m i t t e l t werden.

Die Weltwetterorganisation

för-

dert außerdem durch Ausbildungskurse und Forschungsprojekte die Aus- und
Weiterbildung von Spezialisten aus den i h r angeschlossenen Staaten.
* * * * *
- 2 -

�</text>
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