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                  <text>nroimauon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. Mai 1985

19

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagan zieht Fazit seiner Europareise
- Pressekonferenz i n Lissabon Reagan:

KVAE t r ä g t zur Minderung der Spannungen i n Europa bei

- Erklärung des Präsidenten zur Europäischen Abrüstungskonferenz

WIRTSCHAFT
40 Jahre f r e i e Wirtschaft - 40 Jahre E r f o l g
- Interview des US-Wirtschaftsexperten Edward M. Bernstein
zur Entwicklung der Weltwirtschaft i n der Nachkriegszeit -

HINTERGRUNDMATERIAL
Kreuzzug gegen die Drogensucht
- I n t e r n a t i o n a l e Aktionen notwendiger denn j e
* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19

15. Mai 1985

PRÄSIDENT REAGAN ZIEHT FAZIT SEINER EUROPAREISE
- Pressekonferenz in Lissabon -

Lissabon -(AD)- Unmittelbar vor seiner Rückkehr in die Vereinigten
Staaten gab Präsident Reagan am 10. Mai L985 in Lissabon eine Pressekonferenz, auf der er die Ergebnisse seiner zehntägigen Europareise bewertete. Nachstehend die wichtigsten Auszüge:

PRÄSIDENT REAGAN: Ich möchte Sie heut2 morgen über einige der bedeutsameren Ergebnisse dieser Reise ins Bild setzen und vor unserer Heimreise
einige Ihrer Fragen beantworten.

Diese Europareise hat viele Höhepunkt?, aber auch einige guälende Augenblicke gesehen. Sie führte uns in eine der jüngsten Hauptstädte Europas und in zwei seiner ältesten sowie in eine Stadt, die das fortwährende
Streben Europas nach Einheit symbolisiert. Auf jeder Station dieser Reise
habe ich betont, daß wir Europa helfen wollen, zu wachsen, und daß wir
bereit sind, es in seinen demokratischen Zielen zu unterstützen und bei
der Bewahrung des Frieden;; an seiner Seite zu stehen.
Wenn wir

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Telex: 08-85432

�Wenn wir heute die Heimreise antreten, so tun wir dies in dem Bewußtsein, daß die atlantischen Bindungen gefestigt sind und wir unsere Aufgabe erfüllen konnten. Ich möchte zusammenfassen, was, wie ich meine, die
dauerhaften Ergebnisse dieser Reise darstellt.

Unser Besuch in der Bundesrepublik Deutschland hat die deutsch-amerikanischen Beziehungen

gefestigt

und

die Aussichten

auf fortdauernden

Frieden in Europa verbessert. Die politischen Führer der Bundesrepublik
meinten in Zusammenhang mit unserem Besuch, daß eine neue Seite der deutschen Geschichte aufgeschlagen worden sei. ...

Wir haben uns auf eine gemeinsame Strategie zur Gewährleistung eines
fortdauernden wirtschaftlichen Aufschwungs und zur Schaffung von Arbeitsplätzen geeinigt, und wir sind unserem Ziel der Einleitung einer neuen
Runde multilateraler Handelsgespräche nähergekommen ... Alle auf dem Gipfel vertretenen Staaten bestätigten die Notwendigkeit einer neuen Gesprächsrunde, und alle bis auf einen meinten, daß sie Anfang nächsten
Jahres eröffnet werden sollte.

Wir haben mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, daß unsere Partner
hinter

unseren Genfer Bemühungen

um eine erhebliche Verminderung der

Kernwaffen stehen. Außerdem haben wir eine Intensivierung der Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des internationalen Drogenhandels vereinbart.

Vor dem Europaparlament in Straßburg haben wir sodann einen vernünftigen Rahmen für eine Verbesserung der Beziehungen mit den Sowjets abgesteckt, dessen Hauptfaktoren Stärke, Realismus, friedlicher Wettstreit
und Verhandlungen sein sollten. Ich habe der Sowjetunion erneut zu verstehen gegeben, daß Amerika aus ganzem Herzen Frieden wünscht. Die von
uns vorgeschlagenen konstruktiven, dem gesunden Menschenverstand entsprechenden Initiativen zum Abbau der zwischen uns bestehenden Spannungen
verdienen eine ernsthafte sowjetische Erwiderung.

In Spanien und Portugal haben wir unsere Bindungen zu diesen beiden
eng befreundeten und geschätzten Partnerstaaten vertieft. Es war ermutigend, sich von den politischen und wirtschaftlichen Fortschritten, die
- 2 -

�Fortschritten, die diese beiden mutigen demokratischen Staaten gemacht
haben, an Ort und Stelle überzeugen zu können.

Es war eine ausgedehnte, historische und voll und ganz lohnende Reise. Gegenwartsfragen von großer Bedeutung konnten offen, energisch und
gründlich erörtert werden. Unsere Begegnungen erbrachten eine starke gemeinsame Verpflichtung auf Freiheit, Demokratie, Wachstum und die Einheit
Europas. ...

FRAGE: Haben Sie die Absicht, im Herbst vor den Vereinten Nationen zu
sprechen und dort möglicherweise mit Gorbatschow zusammenzutreffen ? Und
wieso haben Sie eigentlich während dieser Reise Versöhnung mit den Deutschen, die so viel Schreckliches getan haben, gepredigt, ohne der Sowjetunion das gleiche anzubieten ?

ANTWORT: Ich meine, einiges dazu gesagt zu haben. Ich sprach über die
Veränderungen, die nach unserer Auffassung in diesem der Einheit zustrebenden Europa vonstatten gehen sollten. Ich habe aber auch betont, daß
dies friedlich geschehen müsse ... Was den Auftritt vor der U.N. angeht,
so haben wir bislang keine Bestätigung erhalten, daß Herr Gorbatschow
kommen wird ... Ich habe zu verstehen gegeben, daß, falls er käme, die
Tür zu einer Begegnung offen sei ... Das gilt immer noch ...

FRAGE:

Herr

Präsident,

in

der

Vergangenheit

haben

Sie

zwischen

rechtsgerichteten und marxistischen Diktaturen unterschieden und gesagt,
daß die rechtsgerichteten sich zu Demokratien entwickeln könnten, während
kommunistische Diktaturen dies niemals täten. Hier in Europa haben Sie
jedoch Veränderungen in Osteuropa befürwortet, obwohl die kommunistische
Diktatur dort am nachhaltigsten Fuß gefaßt hat. Wie könnten solche Veränderungen vonstatten gehen, und welches wäre Ihre Rolle dabei ?

ANTWORT: Wir haben gesagt, daß wir jedem nach bestem Vermögen helfen
würden, der einen solchen Wandel vollziehen will. Im übrigen haben wir
allein auf dem amerikanischen Kontinent genug Beispiele für den Wandel
von Militärdiktaturen erlebt ... Heute leben rund 90 Prozent der Menschen
Lateinamerikas in Ländern, die demokratisch sind oder danach streben, es
- 3-

�streben, es zu werden ... Die beiden einzigen totalitären Mächte in unserer Hemisphäre sind Nicaragua und Kuba. Es läßt sich also belegen, daß
rechtsgerichtete Regierungen oder Diktaturen sich ändern können. Wir befinden uns hier ja schließlich in einem Land, das den Weg von der Diktatur zur Demokratie gegangen ist. Für Spanien gilt das gleiche ...

FRAGE; Vor einigen Tagen sagte ein Vertreter Ihres Verteidigungsministeriums, nämlich Richard Perle, daß es seines Erachtens an der Zeit sei,
daß die Vereinigten Staaten aufhörten, sich an das SALT-II-Abkommen zu
halten ... Was halten Sie davon ? ...

ANTWORT: In unserem Lande darf jeder seine Meinung zum Ausdruck bringen, und nur das hat er getan ... Wir haben diesen Vertrag zwar nicht ratifiziert, aber da er von den Unterhändlern unterzeichnet worden war,
hatten wir beschlossen, uns an seine Bestimmungen zu halten. Inzwischen
deutet aber viel darauf hin, daß dies ein ziemlich einseitiger Vorsatz
war. Wenn dem tatsächlich so wäre, bestünde für uns in der Tat kein Anlaß, dabei zu bleiben. Aber darüber wird erst später zu entscheiden sein.
Wir sind noch nicht an einem Punkt angelangt, wo wir die Bestimmungen des
Vertrages übertreten ...

FRAGE: In praktisch allen Staaten, die Sie in Europa besucht haben,
waren die politisch Verantwortlichen gegen das Handelsembargo gegen Nicaragua ... Wie kommt es, daß einige Ihrer engsten Verbündeten in dieser
Sache nicht hinter Ihnen stehen ? ...
ANTWORT: Es ist keineswegs so, daß sie mit uns hinsichtlich der Bedrohung nicht übereinstimmen. Das tun sie. Sie wissen, was sie von Nicaragua zu halten haben. Wir haben es hier jedoch mit grundsätzlichen Meinungsunterschieden im Hinblick auf Sanktionen zu tun. Wir haben selbst
lange darüber nachgedacht. Es gibt eben einige Regierungen, die dergleichen nicht für eine legitime Waffe halten ...

FRAGE: Wie war der Empfang hier in Portugal im Vergleich zu anderen
Ländern in Europa ? ...
ANTWORT: Ich
- 4 -

�ANTWORT: Ich darf sagen, daß ich überall in Europa von der Herzlichkeit der Menschen und von der offenen Gastfreundschaft, mit der ich willkommen geheißen wurde, beeindruckt war. Das war hier genauso wie in jedem
anderen Lande, und ich habe den Empfang durch die Menschen als große Ermutigung empfunden. Wenn Sie nun bestimmte Demonstrationen vor Augen haben - nun, die erlebe ich auch in meinem eigenen Land. Wo man auch hingeht: Man wird immer eine Gruppe vorfinden, die auf der anderen Seite
steht, und manchmal bringt eine solche Gruppe eben ihre Meinung in einer
rüden und ungehörigen Form zum Ausdruck ... Aber ich habe gelernt, das
als einen Teil des Lebens hinzunehmen. Harry Truman hat gesagt: "Wer Hitze nicht verträgt, sollte aus der Küche herausbleiben." Ich kann also nur
sagen, daß ich sehr zufrieden bin. Ich glaube, ich kann in dem Bewußtsein
die Heimreise antreten, daß mich mit Ihren Regierenden eine solide, persönliche Freundschaft verbindet, und auch das Bündnis und die Übereinstimmung zwischen uns. Ich bin wirklich sehr zufrieden. ...

* * * * *

- 5 -

�19

15. Mai 1985

REAGAN: KVAE TRÄGT ZUR MINDERUNG DER SPANNUNGEN IN EUROPA BEI
- Erklärung des Präsidenten zur Europäischen Abrüstungskonferenz

WASHINGTON - (AD) - Zur Eröffnung der sechsten Runde der Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung (KVAE)
erklärte Präsident Reagan am 13. Mai 1985 in Washington, "daß die Vereinigten Staaten willens sind, den sowjetischen Vorschlag der Nichtanwendung von Gewalt zu diskutieren, wenn auch die Sowjetunion hinsichtlich
konkreter vertrauensbildender Maßnahmen zu einem Abkommen bereit ist. Wir
hoffen, daß die Sowjetunion dies ernsthaft in Erwägung ziehen wird."

Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Morgen, am 14. Mai, tritt die Stockholmer Konferenz über Vertrauensund Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) in ihre
sechste Runde. Die Konferenz umfaßt alle Staaten der NATO und des Warschauer Paktes sowie die neutralen Länder Europas und ist daher in der

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�daher in der einzigartigen Lage, eine herausragende Rolle bei der Verbesserung der Beziehungen zwischen Ost und West zu spielen. Ich messe dieser
Konferenz große Bedeutung bei.

Die NATO-Staaten haben in Stockholm gemeinsam eine Reihe konkreter
vertrauensbildender Maßnahmen eingebracht, die das Ziel verfolgen, die
militärischen Aktivitäten in Europa vorhersagbarer und stabiler zu machen
und dadurch sicherzustellen, daß es niemals zum Einsatz irgendeiner Waffe
kommt. Diese Maßnahmen würden zur Ankündigung und zur Beobachtung aller
miltärischer Aktivitäten über einen bestimmten Umfang hinaus verpflichten
und zudem angemessene Verifizierungsmaßnahmen - wie etwa Austausch von
Informationen und Inspektionen vor Ort - beinhalten. Sie dienen dazu, die
Gefahr eines Krieges durch Fehleinschätzung und Mißvertändnisse zu verringern, gegen einen Überraschungsangriff zu schützen und die politischen
Kosten für jeden Staat beträchtlich zu erhöhen, der zur Einschüchterung
anderer Gewalt androhen sollte.

Dieses ehrgeizige Programm hat die volle Unterstützung aller NATOMitgliedstaaten wie auch die überparteiliche politische Zustimmung hier
in unserem Land. Auch die neutralen und bündnisfreien Staaten Europas
unterstützen die im NATO-Vorschlag dargelegten generellen Grundsätze.
In meiner Rede vor dem Europäischen Parlament in der vergangenen
Woche habe ich die Stockholmer Konferenz erneut darauf gedrängt, hinsichtlich

dieses

Maßnahmenpaketes,

wie

es

die

NATO-Länder

vorgelegt

haben, zu einer raschen Einigung zu gelangen. Und ich habe das Versprechen wiederholt, daß die Vereinigten Staaten willens sind, den sowjetischen Vorschlag der Nichtanwendung von Gewalt zu diskutieren, wenn auch
die Sowjetunion hinsichtlich konkreter vertrauensbildender Maßnahmen zu
einem Abkommen bereit ist. Wir hoffen, daß die Sowjetunion dies ernsthaft
in Erwägung ziehen wird.

In Stockholm haben wir die Möglichkeit, auf praktische Weise an einer
Verringerung

der Spannungen in Europa zu arbeiten. Die Konferenz ist

�Die Konferenz ist nunmehr an einem Punkt angelangt, wo sie in eine noch
intensivere

Verhandlungsphase

eintreten

könnte, wenn

die

Sowjetunion

bereit wäre, sich den anderen Konferenzteilnehmern dabei anzuschließen,
sinnvolle

vertrauensbildende

Maßnahmen

auszuhandeln,

die

beträchtlich

über bestehende Vereinbarungen hinausgehen. Botschafter James E. Goodby,
mein Vertreter auf der Stockholmer Konferenz, hat bei diesem Bestreben
mein ungeteiltes Vertrauen und meine volle Unterstützung.

- 3-

�15. Mai 1985

19

40 JAHRE FREIE WIRTSCHAFT - 40 JAHRE ERFOLG

- Interview des US-Wirtschaftsexperten Edward M. Bernstein
zur Entwicklung der Weltwirtschaft: i n der Nachkriegszeit -

WASHINGTON -

(AD) - Das Handels- und Währungssystem der Nachkriegs-

z e i t , das im Frühjahr 1945 auf der

Wirtschafts- und Währungstagung von

Bretton Woods geschmiedet wurde, hat seine Teilnehmer i n den seither vergangenen 40 Jahren nicht nur zum Widerstand gegen die kommunistische Aggression

befähigt,

sondern ihnen auch einen w i r t s c h a f t l i c h e n

Aufstieg

sondergleichen ermöglicht: Dies betonte der ehemalige Unterstaatssekretär
im US-Finanzministerium und Forschungsdirektor

des I n t e r n a t i o n a l e n Wäh-

rungsfonds, Edward M. B e r n s t e i n , i n einem Interview mit einem V e r t r e t e r
des US-Informationsamtes i n Washington.
Edward M. Bernstein gehörte e i n s t als D i r e k t o r der Abteilung Geld im
US-Finanzministerium
Woods.

selbst

zu den Architekten des Systems von Bretton

"Aufgabe der Demokratien i s t es heute," so meinte B e r n s t e i n , " i h -

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�Bernstein,

"ihre

gesamte w i r t s c h a f t l i c h e ,

zu m o b i l i s i e r e n , und ihre

soziale und p o l i t i s c h e

Entschlossenheit

Starke

zu demonstrieren, sich

von

niemandem ihre Rolle i n der Wirtschaft von heute verwehren zu lassen.
Das Interview mit Edward M. Bernstein hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Die i n Europa siegreichen A l l i i e r t e n - die Vereinigten Staa-

t e n , Großbritannien und die

Sowjetunion -

waren bei Ende des

Zweiten

Weltkrieges das mächtigste M i l i t ä r b ü n d n i s , das die Welt j e gekannt hatte
- e i n Bündnis, das über die Stärke v e r f ü g t e , die nötig war, eine
l i c h e Vteltordnung zu begründen.
zustande?

Worin unterschieden

fried-

Hörum brachten sie diese dann doch nicht
sich die

sowjetischen Vorstellungen

von

der Nachkriegswelt so sehr von denen der westlichen Demokratien?

ANTOWRT:

Die Russen, die stärkste Macht auf dem europäischen K o n t i -

nent, wollten zum herzen des Kontinents werden, foäre ihnen nicht k l a r g e macht worden, daß man ihnen dies nie gestatten würde, so hätten sie ihren
Druck ü b e r a l l auf dem Kontinent zur Geltung bringen können.
ja genau das, was b e r e i t s Napoleon gewollt hatte

Denn das war

und was auch H i t l e r ge-

tan hat.
Dieser marschierte nach Westen und marschierte nach Osten.

Er suchte

sich zum Herren des Kontinents aufzuschwingen.
I n Bretton Woods und später zur Z e i t

des Marshall-Plans hatten wir

a u f r i c h t i g geglaubt, die starken Zerstörungen würden die Sowjetunion dazu
veranlassen, das Schwergewicht auf den Wiederaufbau i h r e r Produktion, die
Erhöhung des Lebensstandards
Wirtschaft

zu legen.

ihres Volkes und die Modernisierung

ihrer

Und das war bis zu einem gewissen Zeitpunkt auch

t a t s ä c h l i c h eine der A l t e r n a t i v e n , die sie i n s Auge gefaßt h a t t e .
Sie nahm an der Konferenz von Bretton Yboös t e i l .

Und gegen Ende

jenes Jahres 1945 ersuchte Rußland die Vereinigten Staaten um einen Kred i t i n Höhe von zehn M i l l i a r d e n D o l l a r .
union einen Kredit

Wir boten daraufhin der Sowjet-

von einer M i l l i a r d e Dollar durch die

Export-Import-

�Export-Import-Bank i n Washington a n , der eine günstige I n t e r i m s h i l f e
zum Anlaufen des Marshall-Plans hätte sein können.
Sie

alle

wissen, der

Sowjetunion

bis

Und wir boten, wie

und den osteuropäischen Staaten

die

Teilnahme am Marshall-Plan an.
Wie ich vermute, war die Sowjetunion zu dem Schluß gelangt, sie würde
w i r t s c h a f t l i c h zu sehr unter den Einfluß der Vereinigten Staaten geraten,
wenn sie versuchte, i h r Land mit massiver amerikanischer H i l f e wiederaufzubauen.
FRAGE:

Wo stünde die Welt heute, wenn die Sowjets M a r s h a l l - P l a n - H i l -

fe angenommen hätten?
ANTWORT:

Ich glaube, wir hätten eine von Grund auf bessere Welt.

Allem voran wäre meines Erachtens der Lebensstandard i n der Sowjetunion heute v i e l , v i e l höher; s t a t t bei Wiederaufbau, Aufschwung, Produkt i o n und Einkommen h i n t e r

Westeuropa, der Bundesrepublik Deutschland und

Frankreich - und auch h i n t e r Japan - herzuhinken, hätte die

Sowjetunion

mit ihnen gleichziehen können.
Meiner Meinung nach wäre das gesamte Umfeld für

die Erhaltung des

Friedens e i n ganz anderes geworden.
FRAGE:

Welche Faktoren bewogen die W e s t a l l i i e r t e n , den Wiederaufbau

bei ihren Kriegsgegnern zu u n t e r s t ü t z e n , ihnen w i r t s c h a f t l i c h zu h e l f e n
und eine demokratische A l l i a n z mit ihnen einzugehen?
ANTWORT:

Ich glaube, uns wurde Folgendes k l a r :

Die Sowjetunion h a t -

te die M ö g l i c h k e i t , ihre gewaltige Militärmacht i n Europa zum Tragen zu
bringen - nicht durch einen Einmarsch oder dessen Androhung, sondern a l l e i n durch die Demonstration dieser Macht mit

dem Hinweis:

"Wenn i h r

nicht so oder so handelt, dann wißt i h r j a , wie die A l t e r n a t i v e aussehen
könnte'."
Dies aber

stellte

�Dies aber s t e l l t e

uns vor die Notwendigkeit, a l l e

jene Gebiete zu

stärken, i n denen der Sowjetunion andernfalls e i n Vordringen l e i c h t g e f a l l e n wäre.

Das waren Deutschland i n Westeuropa, und Japan im Fernen Osten.

FRAGE:

Wieso brachten die Demokratien den Willen a u f , sich der kom-

munistischen Aggression nach dem Krieg zu widersetzen, nachdem sie

sich

Jahre zuvor a l s unfähig erwiesen h a t t e n , gegen die faschistische Aggression zusammenzustehen?

ANTWORT:

Die wahre Antwort hierauf l a u t e t wohl, daß sich die Demo-

k r a t i e n i n den dreißiger
fühlt

Jahren allzusehr dem Frieden v e r p f l i c h t e t

h a t t e n , wenn man das so sagen kann;

ge-

das h e i ß t , sie werteten den

Frieden sehr v i e l höher als a l l e s andere - wie die Preisgabe von P o s i t i o n
um P o s i t i o n an H i t l e r j a s c h l i e ß l i c h gezeigt hat.

Chamberlains

Politik

war "Frieden i n unserer Z e i t . "

Erst a l s er sah, daß H i t l e r , der wie-

derholt

die l e t z t e Forderung, die wir

erklärt

hatte,

"das i s t

haben",

s c h l i e ß l i c h doch i n Polen einmarschierte, entschlossen sich Chamberlain,
die B r i t e n und die Franzosen zum Widerstand.
Als wir i n der Nachkriegszeit, i n den späten v i e r z i g e r Jahren, eine
ähnliche Gefahr erkannten, wie sie H i t l e r d a r g e s t e l l t hatte - daß nämlich
die stärkste Macht auf dem Kontinent diesen zu beherrschen t r a c h t e t e
und w i r , wie im F a l l e

-

H i t l e r , f e s t s t e l l t e n , daß deren Normen, Moralvor-

stellungen und p o l i t i s c h e n wie w i r t s c h a f t l i c h e n Ziele sich von den unseren so stark unterschieden, mußten wir uns ihrem Vordringen widersetzen.
Oder wir

mußten i h r

zumindest

klarmachen:

"Falls

du dich

in

Marsch

s e t z t , wird das nicht ohne Folgen b l e i b e n . "
FRAGE:

Wird das Bündnis der Demokratien, das den Stürmen der l e t z t e n

40 Jahre zu t r o t z e n vermochte, seine K r a f t und Stärke bewahren können?
ANTWORT:

Das wird es meiner Überzeugung nach.

meiner Meinung nach darüber

Wir müssen uns aber

im klaren s e i n , daß sich heute wohl jeder

wohlhabender und zufriedener f ü h l t a l s Ende des Zweiten Weltkrieges.

Und

Menschen, die sich zufrieden und wohlhabend fühlen - und das t r i f f t

für

- A -

�trifft

für Europa, Japan und auch für uns zu - , h o f f e n , daß nichts i h r e n

Frieden s t ö r t .

Wir sind a l l e zufrieden.

Wir freuen uns des Lebens.

Wir lehnen uns geruhsam zurück.

Und wir wollen keine Störungen - wir wollen

keine Störungen etwa durch die Entwicklung neuer Waffen. Wir wollen nicht
den Eindruck erwecken, wir bedienten uns gegenüber den Russen eines rüden
Umgangstones, auch wenn sie uns gegenüber eine solche Sprache sprechen.
FRAGE:

Welche neuen Aufgaben g i b t es f ü r die demokratische A l l i a n z ?

ANTWORT:

Ihr gesamte w i r t s c h a f t l i c h e , soziale und p o l i t i s c h e Stärke

zu m o b i l i s i e r e n und i h r e r

Entschlossenheit

Ausdruck zu v e r l e i h e n ,

sich

von niemandem ihre Rolle i n der Welt untergraben zu lassen.
FRAGE:

Können Sie uns einige der spezifischen Probleme nennen, vor

die sich die demokratische A l l i a n z i n naher und ferner Zukunft

gestellt

sehen wird?
ANTOWRT:

Eines der Probleme, mit denen wir es heute zu tun haben,

i s t die Tatsache, daß das i n t e r n a t i o n a l e Währungssystem, das wir nach dem
Krieg geschaffen haben -

Internationaler

regionalen Entwicklungsbanken -

mit

Währungsfonds, Waltbank und die

neuen Problemen k o n f r o n t i e r t

sind.

Es g i l t , darüber nachzudenken, was sie i n der derzeitigen S i t u a t i o n tun
können. Und sie müssen auch mit mehr M i t t e l n ausgestattet werden.
Um es anders zu sagen:

Bei einem noch so bemerkenswert günstigen i n -

ternationalen w i r t s c h a f t l i c h e n und f i n a n z i e l l e n Aufschwung, Wachstum und
Wahlstand, die unsere Demokratien produzieren, müssen wir

jetzt

riarauf

bedacht s e i n , daß die Veränderungen, die i n der Weltwirtschaft e i n t r e t e n ,
konstruktiver Natur s i n d .
Wir haben z u l e t z t d r e i schlechte Jahre durchlebt.
l a r auf eine beträchtliche höhe steigen sehen.
Währungen der

Er i s t verglichen mit den

größeren europäischen Ländern und auch mit

d u r c h s c h n i t t l i c h über 80 Prozent mehr wert.
bewertet.

Wir haben den D o l dem Yen um

Damit i s t der D o l l a r

über-

Die Folge davon i s t , daß i n den Vereinigten Staaten i n d r e i

�i n d r e i V i e r t e l der Wirtschaft e i n Boom h e r r s c h t , während e i n V i e r t e l
einer Rezession s t e c k t .

Das t r i f f t

in

zu f ü r die Landwirtschaft, den Berg-

bau und jenen T e i l unserer F e r t i g u n g s i n d u s t r i e n , der exportabhängig

ist

und mit Einfuhren konkurrieren muß.
Und i n Europa war eine nur schleppende Erholung von der l e t z t e n Rezession zu beobachten.

Der Grund f ü r den schleppenden Verlauf der Erho-

lung i s t d a r i n zu suchen, daß die europäischen Währungen an Wert verloren
haben.

Man i s t i n Europa gegenüber dem Wechselkurs und dem Außenwert der

eigenen Währung sehr empfindlich.

Dort sieht man die Aufrechterhaltung

der Stärke der eigenen Währung a l s das Problem Nr. 1 an und schirmt die
eigene Volkswirtschaft

nach außen h i n sehr ab -

insbesondere, was den

Geldmarkt angeht.
Hierher gehört auch das Problem der hohen Verschuldung der Entwicklungsländer.

Das sind Probleme, die wir lösen müssen, und i c h b i n über-

zeugt , daß wir sie lösen werden.
sichten der

Weltwirtschaft

Ich b i n kein Pessimist, was die Aus-

angeht.

Ich glaube, die Vereinigten Staaten

werden i n den nächsten 15 Jahren, bis zum Ende dieses Jahrhunderts, noch
mehr l e i s t e n , als sie i n den siebziger Jahren g e l e i s t e t haben.

Und wenn

es auch i n Europa nicht mehr ganz so rasant aufwärts gehen kann wie

in

der Vergangenheit - unmöglich i s t das deshalb schon, weil damals die Ausgangslage eine ganz andere war - , so werden die europäischen Länder - und
auch Japan - doch recht zufrieden sein können.

Und meines Erachtens werden wir eine konstruktive Lösung auch f ü r die
Probleme der Entwicklungsländer finden.
Deshalb b i n i c h , was die Wirtschaft angeht, o p t i m i s t i s c h .

Wir haben

Schwierigkeiten; aber es handelt sich doch um Schwierigkeiten, derer wir
Herr werden können.

Wir s o l l t e n uns a l l e r d i n g s z e i t i g an i h r e Überwin-

dung machen.
Ich kann nicht
sagen.

sehr v i e l zu diplomatischen und m i l i t ä r i s c h e n Fragen

Es besteht nach wie vor die hbffnung, daß wir eines Tages i r g e n d - 6 -

�Tages i r g e n d w i e zu einem E i n v e r s t ä n d n i s m i t der Sowjetunion gelangen werden.

Man h ö r t

immer wieder

einem neuen Kremlchef
bensstandards

sagen:

"Schließlich

haben w i r es j e t z t

zu t u n , der den Nachdruck a u f

des r u s s i s c h e n Volkes

legen w i r d .

die

mit

Hebung des L e -

Das wiederum

bedeutet,

daß e r mehr Ressourcen a u f d i e w i r t s c h a f t l i c h e E n t w i c k l u n g i n d e r S o w j e t u n i o n verwenden muß , und weniger a u f m i l i t ä r i s c h e Zwecke verwenden k a n n .
Und so könnte es s e i n , daß auch i h r e D i p l o m a t i e weniger Schärfe

Das bekomme i c h
Tages auch so s e i n .

FRAGE:

heute o f t

zu h ö r e n .

Und v i e l l e i c h t

zeigt."

w i r d das

eines

I c h h o f f e , womöglich i n den nächsten 15 J a h r e n .

Was s i n d d i e b l e i b e n d e n Lehren aus dem N a c h k r i e g s v e r s u c h , e i n

neues demokratisches

System i n

Europa

zu e r r i c h t e n

und es

gegen

seine

Gegner zu schützen?

ANTWORT:

Die

Menschen A r b e i t
geben muß.

erste

Lehre

besagt

meiner Meinung

n a c h , daß man den

zu einem g u t e n R e a l l o h n und d i e Hoffnung a u f

I c h g l a u b e , wenn s i e

beides

Fortschritt

haben, e n t w i c k e l n s i e

B e w u ß t s e i n , daß s i e etwas zu v e r t e i d i g e n haben.

auch das

Und genau darum geht es

heute.

Erzfeind

der Demokratie

der Demokratie i s t

ist

eine

die berechtigte

tiefe

Depression.

Stärkste

Stütze

H b f f r u n g a u f e i n hohes Maß an B e s c h ä f -

t i g u n g , gute Löhne und e i n anhaltendes

Wachstum.

Und d i e haben w i r

tat-

sächlich.

FRAGE:

Worin i s t

der

Hauptgrund f ü r

den F o r t b e s t a n d der A l l i a n z

zu

sehen?

ANTWORT:

Der Hauptgrund d a f ü r

ist,

daß s i e

so Gutes g e l e i s t e t

Wir s i n d a l s Verbündete und P a r t n e r insbesondere a u f dem Gebiet der
s c h a f t gut g e f a h r e n .
dem E r s t e n

Weltkrieg

hat.
Wirt-

Und wenn man diesen S a c h v e r h a l t m i t dem U n h e i l nach
und

der

k l a r , welcher Wandel e i n g e t r e t e n

großen

Depression

vergleicht,

dann

wird

ist.
Wenn i c h
- 7 -

sage ,

�Wenn i c h sage, die Realeinkommen haben sich s e i t

1944 v e r d r e i f a c h t

oder nahezu v e r d r e i f a c h t , bedeutet das, daß wir i n diesen 40 Jahren größere - doppelt so große - w i r t s c h a f t l i c h e F o r t s c h r i t t e gemacht haben wie
i n der bisherigen Geschichte der Menschheit i n M i l l i o n e n Jahren.

So ge-

w a l t i g war also das Wachstum.
Dennoch tauchen von Z e i t zu Z e i t Probleme a u f , die uns Sorgen machen.
Wir mußten uns wegen der I n f l a t i o n sorgen.
Arbeitslosigkeit
mern müssen.

sorgen.

Und wir müssen uns wegen der

Es g i b t soziale Probleme, um die wir uns küm-

Jedermann aber

ist

heutzutage

zuversichtlich,

daß

diese

Probleme lösbar sind.
So h ä l t die A l l i a n z meiner Auffassung nach i n e r s t e r L i n i e
zusammen, weil

sie

funktioniert.

wirtschaftlichem Gebiet.
sagen:

Besonders

bewährt

hat

sie

Auf diplomatischem Gebiet können wir

deshalb
sich

auf

immerhin

"Sie f u n k t i o n i e r t i n dem Sinne, daß keine echte Gefahr eines neu-

en Krieges b e s t e h t . "

Wir fühlen uns sicherer.

Wir haben somit auf w i r t s c h a f t l i c h e r Ebene gewaltigen E r f o l g und auf
d i p l o m a t i s c h - m i l i t ä r i s c h e r Ebene mindestens eine echte Leistung.
ben Frieden.

Wir sprechen miteinander.

Wir ha-

Niemand war bisher w i l l e n s , zu

e r k l ä r e n , er wäre b e r e i t , Gewalt anzuwenden, um seinen Willen durchzusetzen.

Das i s t w i c h t i g .
FRAGE:

»

Meinen S i e , wie Präsident Reagan, die Demokratie steht im Be-

g r i f f , die t o t a l i t ä r e Staatsformen zu überflügeln?
ANTWORT:

Es besteht meines Erachtens bei uns Übereinstimmung

dar-

über, daß sich die Demokratie, so wie wir sie verstehen - a l s den Willen
des Volkes, wie er
wird.

in

freien

Wahlen zum Ausdruck kommt - ,

durchsetzen

Denken wir dann noch an die Organisierung der Wirtschaft auf eine

Weise, daß sie nicht vom Staat selbst i n s t a a t l i c h e n Unternehmen gelenkt
wird - was ja s c h l i c h t gesagt Sozialismus i s t - , so sehen wir doch übera l l , daß die Regierungen jener Entwicklungsländer, die den russischen Wag
zur Entwicklung erprobt haben, gescheitert s i n d .
Und auf der

�Und auf der anderen Seite geht es den Ländern i n Lateinamerika und im
Fernen Osten, die e i n f r e i e s Wirtschaftssystem haben, bemerkenswert g u t .
Es i s t

schier u n g l a u b l i c h , was i n Formosa, Südkorea, Hongkong, Malaysia

und Singapur e r r e i c h t wurde.

Diese Länder haben i h r e Produktion v e r f ü n f -

und versechsfacht, so daß sie i n den l e t z t e n 20 Jahren zwischen 50 und
100 Prozent zugenommen - i h r reales Pro-Kopf-Einkommen sich im gleichen
Zeitraum verdoppelt bis verdreifacht hat.
Und i n Lateinamerika, wenn wir von Mexiko, B r a s i l i e n und Argentinien
sprechen, das eben e r s t - wie zuvor B r a s i l i e n - zur Demokratie zurückgekehrt
fache.

ist,

betragen die Produktionssteigerungen das Doppelte oder D r e i -

Das i s t eine große Leistung.

derne Volkswirtschaften.

Diese Länder haben heute sehr mo-

Sie befinden sich gegenwärtig i n Schwierigkei-

t e n ; aber das sind Schwierigkeiten, mit denen sich irgendwie fertigwerden
läßt.
Wir müssen uns klarmachen, daß i n weiten Teilen Lateinamerikas, wo
bisher M i l i t ä r r e g i m e bestanden, heute demokratische Regierungen die Macht
ausüben, die auf den Willen i h r e r

Völker hören.

Ich b i n w i r k l i c h

er-

s t a u n t , wie weit wir i n Lateinamerika auf dem Weg zu p o l i t i s c h e r Demokrat i e vorangekommen s i n d .
Selbst i n A f r i k a , wo noch immer extreme Armut h e r r s c h t , sind die Länd e r , denen es am besten geht, nicht s o z i a l i s t i s c h o r i e n t i e r t .

Und d i e j e -

nigen, die es mit dem Sozialismus versucht haben, kehren zu einer

freien

Weltwirtschaft zurück.
Somit bin i c h , was die w i r t s c h a f t l i c h e Seite angeht, sehr zuversichtlich,

daß die

Form der

staatlich

gelenkten

Wirtschaft

schwinden w i r d , daß man den Völkern gestatten w i r d , f r e i
und f r e i Handel zu t r e i b e n .

- 9 -

irgendwie

ver-

zu produzieren

�15. Mai 1985

KREUZZUG GEGEN DIE DROGENSUCHT
- Internationale Aktionen notwendiger denn je -

- (AD) - Die Drogenseuche, ein weltumspannendes Problem, gefährdet
jetzt immer mehr junge Menschen.

Ihnen und ihren Familien zu helfen,

aber auch dem Übel vorzubeugen und es, wo immer möglich, an der Wurzel zu
packen, hat sich Nancy Reagan zum Ziel gesetzt.

Der ungeheuren Schwie-

rigkeiten, die ihrem mit hohem persönlichen Einsatz geführten Kampf entgegenstehen, ist sich die Frau des amerikanischen Präsidenten durchaus
bewußt.

Aber sie weiß auch, daß die Eltern und Angehörigen der Opfer die

wichtigsten Verbündeten in diesem Kampf sind.

So nahm sie die Europareise und den Staatsbesuch Präsident Reagans
Anfang Mai in der Bundesrepublik als besondere Chance wahr, auch hier mit
Eltern Drogenabhängiger zusammenzutreffen.

Frau Marianne von Weizsäcker,

die Frau des Bundespräsidenten, hatte bereits für den ersten Tag in Bonn
Gespräche mit Angehörigen und mit Vertretern von Betreuungsorganisationen
arrangiert, die alle aus eigener schlimmer Erfahrung die Auswirkungen von
Drogen kennen.
Meinungs- und

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Meinungs- und Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern machte erneut
deutlich, was sich wenige Tage zuvor auf einer internationalen Konferenz
in Atlanta (Georgia) so eindrucksvoll gezeigt hatte:

Eltern und Angehö-

rige sind von allen, die sich bemühen, am ehesten in der Lage, ein Bollwerk gegen die Drogenflut zu schaffen.

Für sie bedeuten Drogen nicht we-

niger als für abhängig gewordene junge Menschen selbst eine Tragödie. Und
sie sind es zuallererst, die durch Aufklärung, Informieren und Überzeugen
versuchen, vorzubeugen.

Gut, wenn auch Schule und Organisationen mithel-

fen, junge Menschen zu motivieren, es gar nicht erst aufs "Probieren" ankommen zu lassen.

Dieses Probieren gilt nicht nur für Drogen, sondern

ebenso für den Alkohol - bei Jugendlichen häufig der "Einstieg" zu den
Suchtstoffen.

Auf der PRIDE-Konferenz in Atlanta (PRIDE ist die Abkürzung von "Parents' Resource Institute on Drug Education" - einer privaten Organisation
für Hilfe und Eltemberatung bei Drogenproblemen) zeigte sich eindrucksvoll, daß tatsächlich Hoffnung besteht, eine Art Immunbarriere zu schaffen.

Im Rahmen der PRIDE-Bewegung, die sich die Arbeit an der Basis zum

Ziel gesetzt hat, bildeten sich in den Vereinigten Staaten in den letzten
paar Jahren mehr als 4000 Elternkreise als sehr aktive Arbeitsgruppen in
allen Bundesstaaten.

Erfolge beginnen sich abzuzeichnen:

sum unter Jugendlichen geht langsam zurück.

Der Drogenkon-

Viele machen sich Gedanken

über drogenabhängig gewordene Altersgenossen, möchten sich und ihre Familie frei halten von dem, was noch vor wenigen Jahren als "in" galt.

Die Tagung (24. - 27. April 1985) wurde von mehr als 3000 Personen
besucht, etwa die Hälfte von ihnen Jugendliche.
40 Ländern nahmen an ihr teil.

Auch 125 Delegierte aus

Während der zwei letzten Tage kam Nancy

Reagan mit prominenten Gästen hinzu.

Sie hatte die Frauen ausländischer

Staats- und Regierungschefs nach Washington und Atlanta zu Aussprachen
über Drogenprobleme eingeladen.
ihnen Frau von Weizsäcker.
formulierte:

17 waren der Einladung gefolgt, unter

Sie kamen, wie es Außenminister George Shultz

"... als Erste Damen, als Mütter und als Repräsentanten ih-

rer Völker und Kulturen, die einer internationalen Öffentlichkeit deutlich machen, daß es bei Drogenmißbrauch keine Grenzen, keine nationalen
Tagungen gibt".
Sprecher

der

�Sprecher der Elternkreise, aber auch von Jugendorganisationen, Behörden und Kirchen verwiesen darauf, daß noch in den achtziger Jahren durch
Mytholisierung, medizinische

Fehlinformationen

über Gesundheitsschäden,

aber auch falsche Behauptung über die psychogene Wirkung im Zusammenhang
mit Drogen dem Konsum

von Suchtstoffen viel Vorschub geleistet wurde.

Dr. Carlton Turner, zuständig im Weißen Haus für das Amt für Politik gegen Drogenmißbrauch, prangerte "Gewährenlassen und den Mangel an glaubwürdigen Informationen" in der zurückliegenden Zeit an.

Mrs. Reagan for-

derte allgemein von den Eltern, die "Mauer des Leugnens" von Drogenproblemen ihrer Kinder zu überwinden.

Nur dann seien sie zu tatkräftiger

Hilfe mit Liebe und Zuwendung, aufmerksamem Beobachten, Engagement und
fortdauernder Verpflichtung fähig - zu einer Hilfe, die Regierungsprogramm nie zu geben vermögen.

Drogen - ein Feind aller Nationen
Längst sei das Suchtproblem "kein amerikanisches Problem mehr, das
eine amerikanische Lösung fordere", sagte Jon Thomas, Unterstaatssekretär
im US-Außenministerium für internationale Rauschgiftfragen.
nationale Lösung sei dringend notwendig.

Eine inter-

Die jüngsten Entwicklungen in

Lateinamerika und Afrika in bezug auf Drogenmißbrauch verlangten unmittelbare Aufmerksamkeit.

Unter dem Druck von Altersgenossen habe sich, wie der Psychiater Dr.
Raul Jeri (Peru) berichtete, unter jungen Peruanern ebenso wie in Kolumbien, Ecuador und Bolivien neben dem Konsum von Alkohol der von Kokapaste
wie ein Buschfeuer ausgebreitet.
der Herstellung von Kokain.

(Kokapaste ist ein Zwischenprodukt bei

Sie enthält viele chemische Verunreinigun-

gen, die vom Körper aufgenommen werden und schwere Gesundheitsstörungen
verursachen.)

"Wir haben miterlebt,wie sich diese Epidemie vor unseren

Augen entwickelte, wie Hunderttausende von Menschen der Kokapaste verfielen", sagte er.

Ähnliches

berichtete

�Ähnliches berichtete Dr. Oluwolfe Famuyiwa aus Nigeria und aus anderen Teilen Afrikas, wo bis Mitte der sechziger Jahre nur Marihuana bekannt gewesen sei, und das eng begrenzt. Inzwischen werde es in großer
Menge konsumiert - einer kürzlich in Nigeria angestellten Erhebung zufolge rauche jeder vierte Oberschüler Marihuana.

Wie sehr die Regierung

über die Entwickung besorgt sei, zeige sich u.a. darin, daß Drogenhändlern die Todesstrafe drohe.

Auf Europa komme eine Kokainwelle zu, war sowohl von John Thomas als
auch von Charles Vella, dem Direktor eines Zentrums für Familienstudien
in Mailand, zu hören, als die Beobachtungen von Dr. Giuseppi Degennaro,
einem Beamten der Vereinigten Staaten, zur Sprache kamen.

In Italien

wiesen einige Studien darauf hin, daß dort mindestens 280 000 Jugendliche
drogenabhängig seien.

Auf einem von Bonn aus unternommenen Kurzbesuch in

Rom informierte sich Mrs. Reagan vor Ort über die dortige Situation.

Unter der Diktatur von Verbrechern

"Die Suchtstoffkette vom Erzeuger zum Verbraucher hinterläßt Opfer
entlang des gesamten Weges, den sie nimmt", erklärte Thomas.

Die Men-

schen an beiden Enden, die Produzenten wie die Verbraucher, seien in
Elend aneinandergekettet.

Die Bauern in den Bergen Thailands und Burmas,

die Schlafmohn für Opium anbauen, lebten in Armut, ausgebeutet von den
Händlerorganisationen.

Diesen Bauern sei nicht bewußt, daß ihr Produkt

Aufstände entlang der thailändisch-burmesischen Grenze mitfinanziere und
zum Tod zahlreicher Polizisten und Soldaten beider Länder im Einsatz gegen den Drogenhandel geführt habe.

Das Endprodukt, Heroin, ziehe seine

Spur von Südost- und Südwestasiens bis zu den Süchtigen in Europa, in den
USA und sonstwo.
zu kommen.

Und diese schreckten vor nichts zurück, um an den Stoff

Nichts anderes interessiere sie mehr - nicht die Familie,

nicht ihr Land, nicht einmal sie selbst, nur noch die Droge.

Alle Süchtigen, so Thomas, trügen direkte Mitverantwortung für Korruption, Gewalt und Tod im Zusammenhang mit dem Drogenhandel.
- 4 -

Das gelte

�Das gelte auch für jene, die Suchtstoffe "zur Erholung" konsumieren.
zitierte

Justizminister

Edwin Meese:

"Drogenkonsumenten

Er

leisten sich

nicht nur persönlichen Genuß... Sie unterstützen gleichzeitig jene, die
mit Terror, Folter und Tod Geschäfte machen."

Der Marihuana-Raucher wisse gewöhnlich nichts von den Bedingungen,
unter denen Marihuana in Mexiko, eine der Hauptquellen, angebaut werde.
Bei der Großaktion gegen den illegalen Anbau im mexikanischen Bundesstaat
Chihuahua stellte sich z.B. heraus, daß Kinder regelrecht als Sklaven zu
dieser Arbeit gezwungen werden.

Auch mache sich der Raucher keine Gedan-

ken darüber, daß er mit dem Kauf von neuem Stoff zu den Millionen der
Händlerbosse beitrage - von Leuten, deren Geld durch die "Waschanlagen"
von Geldinstituten gehe, um die illegale Herkunft zu verschleiern, sagte
Thomas.

Überall in der Welt setzten die Händler ihre verbrecherischen

Mittel ein, um im Geschäft zu bleiben, ja es noch auszuweiten.

Und da

derzeit die illegale Drogenherstellung umfangreicher sei als die Nachfrage, suchten sich die Händler zunehmend Absatzmärkte auch in den Erzeugerländern.

Ermutigung durch internationale Zusammenarbeit

Dennoch sähen sich die USA, wie Jon Thomas hervorhob, durch die Mitarbeit der Erzeugerländer bei der Zerstörung illegaler Anbauflächen sowie
durch die Anstrengungen vieler Staaten ebenso wie der Vereinten Nationen
ermutigt, anderen Nationen dabei zu helfen, dem Vertrieb und dem Weiterschleusen von Drogen Einhalt zu gebieten. Den politischen wie den gesellschaftlichen

Auswirkungen

von Drogenmißbrauch

und Drogenhandel

auch die Teilnehmer am Weltwirtschaftsgipfel in Bonn Rechnung.

trugen

Sie ver-

sicherten, alles in ihren Kräften stehende tun zu wollen, um vor allem
die Machenschaften der Händler zu unterbinden.

Das Programm der Reagan-Administration zielt Dr. Turner zufolge auf
folgende Punkte ab:

Aufhalten der Drogenflut so nahe wie möglich an der

Quelle, verschärfter Rechtsvollzug und härtere Strafen für verurteilte

�für verurteilte Drogenhändler, Abfangen von Drogen, bessere Therapieprogramme, Einbeziehung der Öffentlichkeit in das Informations- und Erziehung sprog ramm.

Allerdings sei die Mitarbeit und das Engagement der Fami-

lien, von Menschen an der Basis das Wichtigste in diesem Kampf.

Die PRIDE-Zentrale in Atlanta unterstützt sie mit Informationen, mit
Anregungen und Anleitungen in ihrem Bemühen, der Drogengefährdung ihrer
Kinder wirksam vorzubeugen.

Dr. Thomas Gleaton, Mitgründer und Leiter

von PRIDE, versorgt die Eltern mit Material über Trends in der Drogenszene, über die Auswirkungen von Suchtstoffen, auch über die neuesten Erkenntnisse der medizinischen Forschung.

Mark Gold, der einen landeswei-

ten telefonischen Beratungsdienst gegen die Kokainwelle eingerichtet hat,
berichtete in Atlanta beispielsweise, daß 14 Prozent der Hilfesuchenden
als Folge ihrer Abhängigkeit von Kokain unter Krämpfen und epileptischen
Anfällen litten und daß ihm neun Prozent sagten, Selbstmordversuche unternommen zu haben.

Als Gold im Jahr 1983 mit dem Beratungsdienst be-

gann, rechnete er mit etwa 10 000 Anrufen pro Jahr.
heute ca. 1000 Personen pro Tag Rat und Hilfe.

Statt dessen suchen

Kokain bezeichnete er als

"eine Droge, die geradezu teuflisch für die achtziger Jahre ersonnen ist".

Dr. Gleaton appellierte leidenschaftlich an die anderen Nationen,
doch aus den Erfahrungen Amerikas mit Drogen zu lernen.

"Leider werden

unsere schlimmsten Fehler in der Zeit der siebziger Jahre jetzt in vielen
Ländern noch einmal gemacht", sagte er.

Damit bezog er sich vor allem

auf die Diskussionen, die es zur Zeit in Australien, Dänemark und in den
Niederlanden darüber gibt, ob Marihuana "entkriminalisiert" werden solle.
Solche Kampagnen kämen de facto einer Legalisierung gleich - zum Schaden
junger Menschen, aber ebenso der betroffenen Familien.

* * * * *

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