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27. März 1985

INHALT

1

INFORMATION
USA fordern Aufklärung über den Tod von Major Arthur Nictiolson
- Erklärung von Unterstaatssekretär Burt William Brock zum neuen US-Arbeitsminister nominiert
DOKUMENTATION
Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 2 1 . März 1985
- Auszüge Weltweite Abscheu gegen die sowjetische Invasion Afghanistans
- Erklärung Präsident Reagans zum Afghanistan-Tag WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Aufbruch zu den Planeten
Eingehende Klimaanalyse gefordert
- US-Experten schlagen Konsortium f ü r Wetterdaten vor * * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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Tel.:0228-339 2035
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United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. März 1985

13

USA FORDERN AUFKLÄRUNG ÜBER DEN TOD VON MAJOR ARTHUR NICHOLSON
- Erklärung von Unterstaatssekretär Burt -

Washington -(AD)- Wie am 26. März 1985 aus dem Weißen Haus verlautete, fordern die Vereinigten Staaten von der Sowjetunion eine Zusicherung,
daß es nie wieder zu Zwischenfällen wie der Erschießung eines amerikanischen Verbindungsoffiziers kommen wird. Auf Fragen über den Tod von Major
Arthur Nicholson hin erklärte der Stellvertretende Pressesprecher des
Weißen Hauses, Larry Speakes, daß die Administration die Absicht habe,
sich in Washington und in der DDR weiter um eine Aufklärung des Vorfalls
zu bemühen. "Wir werden bei den Sowjets auch weiterhin auf eine umfassende Erklärung dringen, und wir erwarten definitiv, auch eine zu bekommen.
Wir möchten zugesichert bekommen, daß es niemals wieder zu einem derartigen Vorfall kommen wird," sagte Speakes.

Im Hinblick auf die Äußerung Präsident Reagans, daß der Zwischenfall
ihm ein Gipfeltreffen mit seinem sowjetischen Amtskollegen Gorbatschow
als "noch dringlicher" erscheinen lasse, erklärte Speakes, daß ein solches Gipfeltreffen ebenso wie die Genfer Rüstungskontrollverhandlungen
einen "Versuch zum Abbau von Spannungen und damit zur Verhinderung sol-

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�Verhinderung solcher Vorfalle" darstelle.

Er bestätigte, daß bei früheren Gelegenheiten Angehörige des sowjetischen Verbindungspersonals in Sperrgebieten der amerikanischen Streitkräfte in der Bundesrepublik aufgegriffen und unversehrt wieder abgeschoben worden seien. Er fügte hinzu, daß die Vereinigten Staaten Angehörige
des sowjetischen Verbindungspersonals auch in Zukunft nicht anders behandeln würden.

Speakes meinte, daß das Weiße riaus keine Einwände gegen die Art und
Weise hege, in der sich Verteidigungsminister Weinberger zu der Tragödie
geäußert habe. Nach Presseberichten hatte Weinberger das Verhalten des
sowjetischen Wachsoldaten als erneuten Ausdruck der inzwischen bekannten
sowjetischen "KAL-Mentalität" bezeichnet, eine Anspielung auf den Abschuß
einer Passagiermaschine der Korean Air Lines durch sowjetische Kampfflugzeuge vor 18 Monaten.

Die Meldung der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS, in der es hieb,
daß Nicholson ein Fenster eines sowjetischen Lagergebäudes geöffnet und
durch die Öffnung photographiert habe, wurde vom Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Bernard Kalb, als "offenkundige Zweckbehauptung"
bezeichnet. "Wir können nur sagen, daß die Tatsache, daß die Sowjets nach
der unentschuldbaren Erschießung von Major Nicholson zu allem Überfluß
auch noch eine derart tendenziöse Darstellung des Vorfalls geben, uns mit
Abscheu erfüllt."
Von Journalisten gefragt, ob der Zwischenfall Auswirkungen auf die
Genfer Rüstungskontrollverhandlungen mit den Sowjets haben werde, sagte
Kalb, daß "dieser tragische Vorfall offenkundig nicht zu einer Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen beitragen wird. Ich halte
es jedoch für unangemessen, zum gegenwärtigen Zeitpunkt darüber zu spekulieren, welche speziellen Bereiche betroffen sein könnten."

Bereits am 25. März 1985 hatte der Leiter der Europaabteiluny im amerikanischen Außenministerium, Unterstaatssekretär Richard ßurt, vor Journalisten zu dem Vorfall Stellung genommen. Seine Erklärung hat folgenden

�hat folgenden Wortlaut:

Major Nicholson gehörte zu einer aus zwei Mann bestehenden Streife
der Militärischen Verbindungsmission der Vereinigten Staaten in der DDR.
Er und sein Begleiter, Sergeant Schatz, waren unbewaffnet und in einem
amerikanischen Militärfahrzeug unterwegs. Letzteres trug Militärkennzeichen und war als amerikanisches Militärfahrzeug zu erkennen. Die Männer
trugen amerikanische Felduniformen.

Die Militärischen Verbindungsmissionen versehen ihren Dienst auf der
Grundlage eines bilateralen Abkommens zwischen den Streitkräften der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, das kurz nach Ende des Zweiten
Weltkriegs unterzeichnet wurde; im Jahre 1947, um genau zu sein. Die sowjetische Mission ist bei den amerikanischen Streitkräften in der Bundesrepublik Deutschland akkreditiert und wird strikt im Einklang mit den Bestimmungen des Abkommens von 1947 behandelt.
Der Vorfall ereignete sich gestern, am 24. März, um 15.30 Uhr deutscher Zeit in der Nähe von Ludwigslust in der DDR. Ich zeige ihnen den
Ort des Geschehens. Es war genau hier (zeigt es auf einer Karte). Die
gelben

Markierungen

bezeichnen

sogenannte

PRAs,

Permanent

Restricted

Areas (= Sperrbezirke). Es handelt sich dabei um Gebiete, zu denen die
Sowjetunion den Militärischen Verbindungsmissionen den Zutritt verwehrt.
Der Vorfall ereignete sich genau hier (zeigt es auf der Karte), d.h., in
der Nähe, aber nicht innerhalb eines Sperrbezirks.

Als die Zwei-Mann-Streife angegriffen wurde, befand sie sich nicht
innerhalb eines Sperrgebiets, und es waren keine sowjetischen Soldaten in
Sicht. Major Nicholson war aus seinem Fahrzeug ausgestiegen, als auf ihn
und seinen Begleiter etwa um 15.30 Uhr von einem sowjetischen Soldaten,
der aus einem nahegelegenen Waldstück hervorgekommen war, Schüsse abgegeben wurden. Die beiden Männer wurden in keiner Weise gewarnt, bevor die
Schüsse fielen. Einer der ungefähr drei Schüsse, die der sowjetische Soldat abgab, traf Major Nicholson in die Brust.

Als sein Begleiter, Sergeant Schatz, ihm zu Hilfe kommen wollte, wur- 3 -

�wollte, wurde er mit vorgehaltener Waffe zurück zu seinem Fahrzeug befohlen. Mehrere andere sowjetische Soldaten erschienen unmittelbar danach
auf dem Schauplatz und hinderten Major Nicholsons Begleiter daran, ihm
Erste Hilfe zu leisten.
Um etwa 16.20 Uhr traf ein sowjetischer Soldat mit einem Verbandskasten ein. Bis etwa 16.50 Uhr wurden keinerlei Versuche gemacht, Major Nicholson zu helfen. Um diesen Zeitpunkt herum stellte man dann fest, daß
er tot war. Bis etwa 18.30 Uhr wurden Vertreter der Militärischen Verbindungsmission in Potsdam über die Art des Zwischenfalls nicht unterrichtet, so daß der erste amerikanische Vertreter den Schauplatz der Schießerei nicht vor 21.00 Uhr erreichen konnte.
Was ich soeben dargelegt habe, beruht auf den Tatsachen, soweit sie
uns heute bekannt sind. Wir werden natürlich die Einzelheiten weiter prüfen und Lücken in der Darstellung des Hergangs ausfüllen, falls es welche
gibt. Ich bin jedoch sicher, daß die weiteren Untersuchungen, wie umfassend sie auch sein mögen, an einer Grundtatsache nichts ändern werden,
nämlich, daß es für die Ermordung von Major Nicholson oder für den Einsatz von Gewaltmitteln irgendwelcher Art nicht die mindeste Rechtfertigung gibt.

�27. März 1985

13

WILLIAM BROCK ZUM NEUEN US-ARBEITSMINISTER NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 20. März 1985 den
bisherigen Sonderbeauftragten für HandelsVerhandlungen, William E. Brock,
zum neuen Arbeitsminister nominiert.

Brock, der sich konsequent für freien und fairen Handel eingesetzt
hat, wird - nach erfolgter Bestätigung durch den Senat - Nachfolger von
Raymond J. Donovan sein, der am 15. März von seinem Amt zurücktrat.

Der Präsident verwies auf die bisherige Tätigkeit Brocks mit den
Worten: "Er war Sonderbeauftragter für Handelsverhandlungen, und jemand,
der sich vier Jahre lang mit Fragen des Welthandels auseinandergesetzt
hat, kann mit praktisch jedermann verhandeln." Zugleich betonte Reagan,
daß zu den Hauptaufgaben des künftigen Arbeitsministers gehören werde,
"die Beziehungen zur organisierten und nichtorganisierten Arbeitnehmer-

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�nichtorganisierten Arbeitnehmerschaft weiter zu verstärken und sich mit
dem dringlichen Problem der Jugendarbeitslosigkeit, insbesondere bei den
Minderheiten, auseinanderzusetzen."
Brock war seit Januar 1981 als Sonderbeauftragter für Handelsverhandlungen Persönlicher Vertreter des Präsidenten für die Bereiche des Außenhandels. In dieser Eigenschaft setzte er sich mit einer Vielzahl von Problemen - von landwirtschaftlichen Exportsubventionen bis hin zum Stahldumping auf dem amerikanischen Markt - auseinander.
Er trug auch dazu bei, die amerikanischen Handelspartner - wie etwa
Japan, Kanada und die Europäische Gemeinschaft - von der Notwendigkeit
der Verbesserung und Ausweitung der Regeln des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens (GATT) zu überzeugen; ihm wird auch viel von dem Verdienst dafür zugeschrieben, daß es Ende 1985 zu einer neuen Runde multilateraler Handelsverhandlungen kommen dürfte. Gleichzeitig ging er gegen
protektionistische Vorschläge des Kongresses zum Schutz der heimischen
Industrie ebenso nachhaltig an wie gegen unfaire Handelspraktiken mancher
Handelspartner der Vereinigten Staaten.
Brock hat betont: "Wir müssen den Protektionismus beseitigen... Wir
stehen vor der Wahl, entweder mehr Handel zu treiben und damit mehr Beschäftigung zu schaffen oder aber weniger Handel zu treiben und mehr
Arbeitslosigkeit zu riskieren. Nur durch eine Ausweitung des Handels
können wir hoffen, in flexiblen Wachstumsindustrien und -Sektoren langfristige Arbeitsplätze zu schaffen."
Brock vertrat den US-Bundesstaat Tennessee als Senator von 1970 bis
1977; dem Repräsentantenhaus gehörte er von 1963 bis 1970 an.
Als gemäßigter Republikaner wurde Brock 1977 Vorsitzender des Republikanischen Nationalausschusses, ein Amt, das er bis 1981 ausübte. Durch
ihn stieg das Parteivermögen um mehr als das Doppelte, und die Partei
konnte ihre Abhängigkeit von relativ wenigen vermögenden Parteifreunden
reduzieren, indem die Beiträge von anderen Mitgliedern erhöht wurden.
- 2-

�erhöht wurden. Reagan wies darauf hin, daß Brock in dieser Position "dazu
beitrug, die Republikanische Partei neu zu formieren. Er legte den Grundstein für einen der größten Siege der Republikanischen Partei in mehreren
Jahrzehnten."

William Emerson Brock, III. wurde am 23. November 1930 in Chattanooga
als Erbe der Brock Candy Company geboren. Er besuchte bis 1953 die
Washington und Lee University in Virginia und ging im selben Jahr als
Leutnant zur Marine. Von 1954 bis 1956 diente er bei der Siebten Flotte
im Fernen Osten.
Im Jahr

1956 trat er in die Süßwarenfabrik

der Familie ein und

leitete die Marktforschungsabteilung des Unternehmens. Als Vizepräsident
der Firma eroberte er sich dann seinen Platz im amerikanischen Kongreß.

Brock ist mit der ehemaligen Laura Handly verheiratet; das Ehepaar hat
drei Söhne und eine Tochter.

- 3-

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mt

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. März 1985

13

PRESSEKONFERENZ DES US-PRÄSIDENTEN VOM 2 1 . MÄRZ 1985
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan nahm auf einer Pressekonferenz am 21. März 1985 zu einer Vielzahl innen- und außenpolitischer
Fragen Stellung.

Im außenpolitischen Bereich wurden die Möglichkeiten

eines Gipfeltreffens mit Gorbatschow, die jüngsten Ereignisse in Südafrika, der Besuch des Präsidenten in der Bundesrepublik Deutschland sowie
die Themen Mittelamerika und der Nahe Osten angesprochen.

Auf Fragen

nach der Haltung der Vereinigten Staaten im Nahostkonflikt betonte der
Präsident erneut, daß die Vereinigten Staaten zur Lösung der Probleme
beitragen, aber nicht direkt an Verhandlungen teilnehmen wollten.
ist Sache direkter Verhandlungen
Israel", sagte Reagan wörtlich.

"Dies

zwischen den arabischen Staaten und
Er würdigte die Bemühungen des ägypti-

schen Staatspräsidenten Mubarak und des jordanischen Königs Hussein und
sicherte die Unterstützung der Vereinigten Staaten für alle Friedensbemühungen im Sinne der Abkommen von Camp David zu.

Allerdings komme eine

Zusammenkunft mit der PLO nicht in Frage.

Der Präsident gab

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�Der Präsident gab zunächst eine kurze Eingangserklärung ab, die folgenden W ortlaut hat:

Ich möchte zunächst ein paar Worte sagen.

Ich möchte den Senat der

Vereinigten Staaten für seine Entscheidung loben, die Produktion von weiteren 21 MX-Raketen zu bewilligen.

Der Senat hat die Entscheidung von vier Präsidenten gebilligt, daß
die MX-Rakete eine lebenswichtige Komponente der amerikanischen Abschreckung ist.

Jetzt ist die Zeit - die Zeit der Bewährung - für das Reprä-

sentantenhaus gekommen.

Die Abstimmung dort wird die Frage beantworten,

ob wir in Genf Einigkeit demonstrieren, oder ob Amerika der Sowjetunion
als eine Nation gegenüberstehen wird, die in den fundamentalsten Fragen
ihrer nationalen Sicherheit gespalten ist.

Seit über einem Jahrzehnt haben wir über die MX debattiert.

Und wäh-

rend wir debattierten, haben die Sowjets über 600 gleichartige Raketen
disloziert und gegen die Vereinigten Staaten gerichtet.

Jetzt stehen sie

kurz davor, zwei neue landgestützte strategische Systeme zu dislozieren,
und wir debattieren immer noch.

Vor kurzem haben die Parlamente von vier NATO-Ländern mutig dafür gestimmt, die Dislozierung von PERSHING II-Raketen und Marschflugkörpern zu
akzeptieren.

Die NATO-Länder warten jetzt darauf, daß der amerikanische

Kongreß den gleichen Mut an den Tag legt - oder die gleiche Entschlossenheit, wie ich sagen möchte.

Keine Anforderung eines amerikanischen Präsidenten für ein wichtiges
strategisches System ist jemals vom amerikanischen Kongreß verweigert
worden.

Es ist diese überparteiliche Einigkeit in Fragen der nationalen

Verteidigung, die die Sowjets (an den Verhandlungstisch) nach Genf zurückgebracht hat.

Wenn diese Tradition in der nächsten Woche im Reprä-

sentantenhaus nicht aufrechterhalten wird, dann ist wenig Aussicht auf
Erfolg in Genf.

Gipfeltreffen
- 2 -

�Gipfeltreffen

FRAGE:

Herr Präsident, können Sie uns Ihre Gedanken zu einem Gipfel-

treffen sagen - warum glauben Sie, wäre es gut, sich mit Gorbatschow zu
treffen; was, glauben Sie, könnte erreicht werden; und warum wurden Sie
bisher abgewiesen?

ANTWORT:

Ich möchte eigentlich nicht von einer Zurückweisung spre-

chen, denn der Mann ist erst einige Tage im Amt, und ich kann mir in etwa
vorstellen, was jetzt auf ihn zukommt.

Aber ich habe das gleiche bei je-

dem seiner drei Vorgänger empfunden, und dann kamen Dinge dazwischen, die
es unmöglich machten - es gibt eine Reihe von Dingen, bilateralen Fragen,
zwischen unseren beiden Ländern - andere Dinge, über die wir sprechen
müßten, als die, über die wir verhandeln oder auf Ministerebene miteinander reden, und einige dieser Dinge könnten vielleicht weitergebracht werden, wenn wir uns auf einem Gipfel treffen.

Das ist also, was ich mit einer Tagesordnung von Dingen meine, über
die man sprechen könnte - beiderseitige Probleme, vor denen wir stehen und ich meine, es ist höchste Zeit, daß wir das tun.

FRAGE: Wie stehen die Aussichten, daß das bald zustandekommt?
ANTWORT:

Ich glaube, daß sie gut sein sollten.

Einige von uns hat-

ten ein anderthalbstündiges Gespräch mit ihm (Gorbatschow) - der Vizepräsident und der Außenminister, als sie dort waren.

Ich meine daher, die

Chancen sind gut.

Der Grund, warum ich die Einladung ausgesprochen habe, liegt in der
Art des Protokolls, wie es besteht.

Wenn Sie zurückblicken, wissen Sie,

warum. Wir sind an der Reihe als Gastgeber. Darum habe ich den Vorschlag
gemacht, die Einladung wurde für den Zeitpunkt ausgesprochen, an dem er
(Gorbatschow) es für passend findet.

Südafrika

�Südafrika
FRAGE:

Sir, heute wurden von Regierungsorganen in

Südafrika bei ei-

ner, wie es aussieht, anhaltenden Woge von Gewalt der Regierung der weißen Minderheit gegen die Mehrheit der schwarzen Bevölkerung 17 Schwarze
erschossen.

Denken Sie daran, Ihre Politik zu ändern und mehr Druck auf

die südafrikanische Regierung auszuüben, um ihr Verhalten zu ändern?
ANTWORT:

Nein.

Ich kenne den Druck, den wir auf sie ausüben, und

ich kenne die Fortschritte, die wir gemacht haben.
noch ein weiter Weg zurückzulegen ist.

Aber wir wissen, daß

Aber - um es einmal so auszudrüc-

ken - ich glaube, die Tatsache, daß diese Menschen einfach getötet wurden
und daß die Gewalt total von der Seite von Recht und Ordnung ausging,
läßt die Tatsache außer acht, daß die Unruhen dort im Namen von anderen
ausgingen.

Das alles ist tragisch, und wir hoffen, daß das behoben wer-

den kann.

Und es ist auch wichtig zu bedenken, daß auf Seiten der Poli-

zei... einige von der Vollzugsseite, die Gewehre benutzten, auch Schwarze
waren - schwarze Polizisten.
FRAGE: Sehen Sie die Situation so, daß Schwarze eine Bedrohung für
die Weißen darstellten, die Gewehre hatten und die Schwarzen keine?
ANTWORT:

Nein.

Ich sage nur, daß es wachsende Gewalt gegeben hat,

und daß es in Südafrika ein Element gibt, das keine friedliche Regelung
dieser Frage will - das eine gewaltsame Lösung will, das Unruhe in den
Straßen will - und das ist das, was dort vor sich geht.

Ich billige das

nicht, was geschehen ist, und ich glaube, daß wir alle, wie ich sagen
möchte, dieses Regime als widerlich betrachten, aber wir werden weiterhin
versuchen, zu einer friedlichen Lösung beizutragen, wenn wir können.

Besuch in der Bundesrepublik Deutschland
FRAGE:

Herr Präsident, können Sie uns sagen, warum Sie die Entschei-

�die Entscheidung getroffen haben, während Ihrer Deutschlandreise im Mai
am Tag des Sieges in Europa kein Nazi-Konzentrationslager zu besuchen?

ANTWORT:

Jawohl, das kann ich Ihnen sagen.

Ich bin sehr dafür, daß

dieses Mal bei dem Gedenken an die Beendigung des großen Krieges wir
statt der Wiedererweckung der Erinnerungen usw. und der Leidenschaften
jener Zeit diesen Tag vielleicht als den Tag begehen sollten, an dem vor
40 Jahren Frieden und Freundschaft begannen, denn heute finden wir uns
als Verbündete und Freunde der Länder, gegen die wir einst gekämpft haben.

Und daß wir es beinahe als eine Feier des Endes einer 'Ära und des

Beginns dessen begehen sollten, was jetzt für uns rund 40 Jahre des Friedens bedeutet.

Und ich war der Meinung, weil das deutsche Volk - und es leben nur
noch recht wenige, die sich noch an den Krieg erinnern, und sicher kaum
einer, der als Erwachsener irgendwie daran teilgenommen hat - sie (die
Deutschen) haben ein Gefühl, ein Schuldgefühl, das ihnen aufgezwungen
worden ist - und ich halte das für unnötig.

Ich meine, sie sollten Aner-

kennung finden für die Demokratie, die sie aufgebaut haben und die demokratischen Prinzipien, für die sie heute eintreten.

FRAGE:

Hat die westdeutsche Regierung sie gebeten, sich so oder so

zu entscheiden?

ANTWORT:

Nein, aber bei informellen Gesprächen vor einiger Zeit mit

Bundeskanzler Kohl und anderen waren sie der gleichen Ansicht, daß wir
dies als den Beginn von Frieden und Freundschaft zwischen uns begehen
könnten.

Mittelamerika

FRAGE:

Eine Frage zu Mittelamerika:

Stellen Sie, Sir, irgendwelche

'Überlegungen an, die Contras, die gegen die Sandinisten in Nicaragua
kämpfen, als Exilregierung anzuerkennen?
ANTWORT:
- 5 -

Nein,

�ANTWORT:

Nein, daran haben wir überhaupt nicht gedacht, und doch muß

ich Ihnen sagen, daß die Angelegenheit, die jetzt vor dem Kongreß ist die 14 Millionen Dollar (Unterstützung) - nicht das Problem ist.
Es geht darum, daß die Vereinigten Staaten versuchen, einem Volk zu
helfen, dem mit Gewalt, Täuschung und Betrug eine kommunistische Tyrannei
aufgezwungen worden ist, und entweder wir setzen eine Tradition fort, die
wir immer vertreten haben, oder wir geben das ganz auf.
wir sollten das nicht aufgeben.

Und ich meine,

Ich meine, unser Standpunkt ist klar.

* * * * *

- 6-

�27. März 1985

13

WELTWEITE ABSCHEU GEGEN DIE SOWJETISCHE INVASION AFGHANISTANS
- Erklärung Präsident Reagans zum Afghanistan-Tag -

WASHINGTON - (AD) - In einer Proklamation, die den 21. März 1985 den traditionellen Neujahrsbeginn der Bevölkerung Afghanistans - zum Gedenktag gegen die vor fünf Jahren erfolgte Invasion des Landes durch sowjetische Truppen erklärte, sagte Präsident Ronald Reagan: "Die überwältigende Mehrheit der Afghanen befindet sich in einem leidenschaftlichen Kampf, um der sowjetische Besetzung ihres Landes sowie der Herrschaft des Marionettenregimes mit Babrak Karmal an der Spitze ein Ende zu
bereiten."

Der Text der Proklamation hat folgenden Wortlaut:

In einer Zeit des Wohlstands denken wir nicht an Hunger und Mühsal.
In einer Zeit des Friedens denken wir nicht an Leiden und Krieg. In einer
Zeit, da unsere Familien in Gesundheit zusammenleben, denken wir nicht an

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�wir nicht an das Leid, das über uns käme, würden sie auseinandergerissen.
Und doch kann das afghanische Volk sich von derlei Gedanken nicht losreissen, denn Terror, Mühsal und Leiden sind zu einem Teil seines Lebens
geworden, seit die Sowjetunion vor über fünf Jahren brutal in dieses Land
eingefallen ist und es besetzt hat.

Der 21. März ist für das afghanische Volk der Beginn eines neuen
Jahres. Dies ist traditionell ein Feiertag, wenn die Familien zusammenkommen, um den Neubeginn des Lebens zu begehen, um sich zu erfreuen und
um Gott für seine vielen Gaben zu danken.

Aber heute dürfte es in Afghanistan schwer sein, sich an die Tage zu
erinnern, als das Land in Frieden lebte, als es genug zu essen gab und
als das Heim der Menschen sicher war, denn die überwältigende Mehrheit
der Afghanen befindet sich in einem leidenschaftlichen Kampf, um der sowjetische Besetzung ihres Landes sowie der Herrschaft des Marionettenregimes mit Babrak Karmal an der Spitze ein Ende zu bereiten.

Das Jahr 1984 war für die Afghanen besonders hart. Die Sowjets überkam angesichts ihrer Unfähigkeit, den Geist der afghanischen Freiheitskämpfer zu brechen, ein Gefühl der Vergeblichkeit und sie setzten daher
ihre militärische Macht in verstärktem Maße gegen die Zivilbevölkerung
des Landes ein und zwangen weitere Hunderte und Tausende unschuldiger
Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen.

Berichte über die sowjetischen Scheußlichkeiten und Menschenrechtsverletzungen werden von der Weltöffentlichkeit immer stärker beachtet.
Geachtete Organisationen wie die Menschenrechtskommission der Vereinten
Nationen, wie Amnesty International und wie die Helsinki-Beobachtungsgruppen haben erst kürzlich Studien veröffentlicht, die Einzelheiten des
Terrors aufzeigen, dem das afghanische Volk durch die Sowjets und das
Regime Karmals ausgesetzt ist. Karmals unlegitimierte und brutale Machtausübung dauert nur deshalb an, weil sie durch mehr als 100.000 Soldaten
der sowjetischen Besatzungstruppen gestützt wird.

Alle

Amerikaner

�Alle Amerikaner sind empört über die wachsende Brutalitat der Sowjets
gegen das stolze und freiheitsliebende Volk Afghanistans. Auch hat die
gesamte Staatengemeinschaft diese Besetzung Afghanistans verurteilt. Tatsächlich hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen - mit der Unterstützung der überwältigenden Mehrheit aller Staaten - sechsmal eindeutige
Resolutionen verabschiedet, die

- den sofortigen Abzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan forderten;
- das Recht des afghanischen Volkes bekräftigten, seine eigene Regierungsform zu bestimmen und sein eigenes wirtschaftliches, politisches
und gesellschaftliche System zu wählen;

- bekräftigten, daß die Bewahrung der Souveränität, der territorialen
Integrität, der politischen Unabhängigkeit und des bündnisfreien Charakters Afghanistans für eine friedliche Lösung des Problems von entscheidender Bedeutung ist; und

- die Schaffung von Bedingungen forderten, die die afghanischen Flüchtlinge in die Lage versetzen sollen, aus freien Stücken, gesichert und
ehrenhaft wieder in ihre Heimat zurückzukehren.

Alle Amerikaner sind geeint in dem Ziel der Freiheit für Afghanistan.
Ich fordere das amerikanische Volk dazu auf, sich zu einer Zeit, da wir
mit Wohlstand und Sicherheit gesegnet sind, an den afghanischen Kampf gegen Tyrannei und Gewaltherrschaft zu erinnern. Wir sind voll der Bewunderung für den unbeugsamen Mut des afghanischen Volkes, das eine Inspiration für alle freiheitsliebenden Nationen der ganzen Welt ist.

Der Afghanistan-Tag wird dazu dienen, die grundlegenden Prinzipien
wieder in die Erinnerung zurückzurufen, um die es geht, wenn ein Volk um
die Freiheit kämpft, seine eigene Zukunft zu bestimmen wie auch um das
Recht, sich ohne Einmischung von außen selbst zu regieren.

Zollen wir

daher dem tapferen afghanischen Volk unseren Tribut, indem wir den 21.

�wir den 21. März 1985 als Afghanistan-Tag begehen. Unsere Bewunderung
gilt auch weiterhin seiner Sache und seiner Standhaftigkeit; wir werden
auch weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun, um dem tapferen afghanischen Volk humanitäre Hilfe zukommen zu lassen - einschließlich jenen Millionen afghanischer Flüchtlinge, die gezwungen wurden, aus ihrer
Heimat zu fliehen.

Deshalb erkläre ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, hiermit den 21. März 1985 zum Afghanistan-Tag.

Zum Zeugnis dessen habe ich dies unterzeichnet am 21. Tag des März im
Jahr unseres Herrn 1985 und im 209. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.

(gezeichnet) Ronald Reagan.

* * * * *

- 4-

�27. März 1985

13

NEUER AUFBRUCH ZU DEN PUANETEN

- (AD) - Mehr als zweieinhalb Jahre wird die Sonde GALILEO zum Jupiter unterwegs sein, bis sie (Ende 1988) in die vorgesehene Umlaufbahn um
diesen grötiten Planeten unseres Sonnensystems eintritt.

Wie Geoffrey

Briggs, Direktor des NASA-Programms für die Erforschung

des Sonnensy-

stems, kürzlich auf der 16. Internationalen Konferenz für Mond- und Planetenforschung

(11. -

15. März

1985 im

Johnson-Raumfahrtzentrum

von

Houston, Texas) berichtete, soll diese Orbitersonde im Mai 1986 an Bord
eines Raumtransporters zunächst in eine Erdumlaufbahn und dann mittels
einer Oberstufe der CENTAUR-Rakete auf den Weg zum Planeten Jupiter gebracht werden.

Der Start vom Kennedy-Raumfahrtzentrum in Florida sei nur

eine Woche nach dem Start von ULYSSES geplant, einer von des amerikanischen Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA) gemeinsam mit der Europäischen
Weltraumbehörde (ESA) gebauten interplanetaren Sonde zur Erforschung der
Sonne aus einer polaren Umlaufbahn.

Gegenwärtig wird erwogen, GALILEO auch zur Beobachtung eines Kleinplaneten einzusetzen.

Es handelt sich um Amphitrite im Asteroidengürtel

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�Astero.1 je* .gürtel zwischen Mars und Jupiter, einen Körper von ca. 200
km Durchmesser.

GALILEO wird ihn im Abstand von 10 000 bis 20 000 km

passieren und, da er rotiert, Aufnahmen von großen Teilen seiner Oberfläche machen können.

Die Bildauflösung dürfte ca. 100 m betragen - was

bedeutet, daG das kleinste, noch erkennbare Objekt in Wirklichkeit etwa
100 m groß ist. Mit einem speziellen Spektrometer unter den Instrumenten
von GALILEO würde der Kleinplanet komplett abgetastet.

Daraus ergäben

sich Rückschlüsse auf seine Größe, seine Form, die spezifische Dichte und
auf die Zusammensetzung der Minerale an der Oberfläche.

Die Auswertung

der Daten könnte die Frage beantworten helfen, ob es sich bei "Amphitrite" um das Fragment eines aufgebrochenen Planeten handelt und ob der
Asteroidengürtel möglicherweise eine Quelle für viele der Meteorite ist,
die auf die Erde stürzen.

Wenn GALILEO im Dezember 1988 in eine Umlaufbahn um den Planeten Jupiter eintritt, beginnen zum ersten Mal Langzeituntersuchungen an seiner
Atmosphäre, an seiner Magnetosphäre und an seinen zahlreichen Monden.
Die Sensoren an Bord dieses Orbiters werden durch eine Atmosphärensonde
ergänzt, die GALILEO ausstoßen wird und die in die dichte Wolkenhülle
eindringen soll.

Messungen über Turbulenzen, Strömungsvorgänge und Zu-

sammensetzung der Lufthülle wären für die Wissenschaftler von größtem
Interesse.

Auch ULYSSES wird nach dem Absetzen aus dem Nutzlastraum des Raumtransporters zunächst einmal den Weg in Richtung Jupiter nehmen.

Die

hohe Gravitationskraft dieses Planeten wird jedoch in einem bestimmten
Routenabschnitt dazu benutzt, die Sonde aus der Umlaufebene der Planeten
um die Sonne hinauszukatapultieren und auf eine Sonnen-Umlaufbahn
bringen, deren Ebene nahezu senkrecht zur Planetenebene steht.

zu

Nur so

ist es möglich, Beobachtungen an der Sonne auch in deren polaren Bereichen zu machen.
lich.

Sie waren bisher einer direkten Sondierung nicht zugäng-

Diese könnte jedoch zu einem besseren Verständnis der Sonnenakti-

vität und deren Einfluß auf Klima und Wetter auf der Erde beitragen.

Am 15. und 21. Dezember 1984 wurden von der Sowjetunion zwei VEGA- 2 -

�zwei VEGA-Sonden zur Venus gestartet.

Sie sollen, so berichtete Valeri

Barsukov, im Juni 1985 bei Annäherung an den Planeten Landegeräte absetzen, die durch die dichte Wolkenhülle bis zur Oberfläche vordringen.
ter Ausnutzung der Gravitationsbeschleunigung

Un-

durch den Planeten Venus

hoffe man schließend die VEGA-Sonden auf eine Route zu lenken, von der
aus im März 1986 die Nahbeobachtung des Halleyschen Kometen möglich wird.
Außerdem wird VEGA Ballongondeln mit Meßgeräten in die Venus-Atmosphäre
senden.

Dies ist ein Gemeinschaftsprojekt der USA mit Frankreich und hat

zum Ziel, die Häufigkeit von Blitzentladungen, vertikale Windböen, Temperatur und Druck der Atmosphäre sowie Positionen und Dichte der Wolken zu
untersuchen.

Möglicherweise bringen die Meßdaten eine Erklärung für die

Tatsache, daß die Venus-Wolken an der Oberfläche mit 400 km Stundengeschwindigkeit um den Planeten kreisen, während es tief unten, nahe der
Oberfläche, kaum Bewegung gibt.

Barsukov gab in Houseton auch einen Bericht über die spektakulären
Radar-Bilder, die die beiden Sonden VENERA 15 und 16 aus ihren Umlaufbahnen um die Venus zur Erde übermittelten.

Mit Hilfe des Seitenradars -

Mikrowellen, die die Dichte Wolkenhülle über der nördlichen Halbkugel
durchdringen konnten - bekam man die bisher klarsten Bilder von Einschlagkratern, Hügelland, Gebirgsketten und anderen auffälligen Merkmalen
der Venus-Oberfläche.

"Die Aufnahmen erlauben uns einen Vergleich der

Venus-Oberfläche mit der anderer Planeten", sagte Barsukov.

"Sie zeigen

geologisch junge Formationen, Land mit vulkanischer Aktivität und starker
horizontaler Spannung - ähnlich wie auf der Erde.

Derartige Spannungs-

zonen sind auf dem Mond, auf dem Mars oder Merkur nicht zu finden.

Dem-

nach ist die Venus in dieser Hinsicht wirklich ein Schwesterplanet der
Erde."

Geoffrey Briggs kündigte an, daß die Vereinigten Staaten die VenusForschung mit dem Start einer Radar-Kartierungssonde im April 1988 von
Bord eines Raumtransporters fortsetzen wollen.

Die Sonde soll in eine

Umlaufbahn um die Venus eintreten und im Laufe der Zeit die gesamte Oberfläche des Planeten abtasten.

Die Bildauflösung dürfte etwa zehnmal grö-

ßer sein als die der VENERA-Radarsonden.
Vorerst

konzentriert

�Vorerst konzentriert sich jedoch das Interesse auf den Halleyschen
Kometen, über dessen Erscheinen schon in manchen alten Chroniken berichtet wurde. ' Nur alle 76 Jahre kommt er auf seiner weit ausschwingenden
Bahn in Sonnennähe und zeigt sich dann als der größte und lichtstärkste
Komet in unserem Sonnensystem.

Nie zuvor verfügte die Wissenschaft über

so leistungsstarke und vielseitige Forschungsinstrumente, um Geheimnissen
dieses Wanderers im kosmischen Raum auf die Spur zu kommen. Von der Europäischen Weltraumbehörde ESA wird das Forschungsgerät GIOTTO auf den Kometen angesetzt.

Japan beabsichtigt mit zwei Sonden den 160 Millionen

Kilometer langen Schweif zu beobachten und zu fotografieren.

Die Verei-

nigten Staaten planen neben ihrer Beteiligung an den VEGA-Missionen eine
spezielle Raumtransportermission ("Astro 1"), um u.a. mit drei Teleskopen
Untersuchungen im ultravioletten Spektralbereich am Kometen durchführen
zu können.

Auch in die äußeren Regionen unseres Sonnensystems dringen jetzt Forschungssatelliten vor.

Die amerikanische Sonde VOYAGER 2 passiert im Ja-

nuar 1986 den Planeten Uranus in einem Abstand von 102 000 km und gibt
damit den Wissenschaftlern erstmals die Möglichkeit, den 1781 von Friedrich Wilhelm Herschel entdeckten Planeten aus relativer Nähe zu beobachten.

Im vergangenen Jahr wurde auf Fotografien mit lichtstarken Fern-

rohren ein Ringsystem um den Uranus gefunden.

VOYAGER 2, im August 1977 gestartet, sandte von seiner Erkundungsfahrt durch den interplanetaren Raum bereits spektakuläre Bilder von
Jupiter und seinen Trabanten sowie von Saturn, dessen Ringsystem und Monden zur Erde.

Von seinem gegenwärtigen Ziel, dem Uranus, ist er noch

etwa 480 Millionen Kilometer entfernt.

Aber er übermittelt bereits Auf-

nahmen, deren Bildauflösung größer ist als auf den Fotos stationärer Teleskope.

Und es ist zu erwarten, daß die Bildschärfe in den nächsten Mo-

naten immer besser wird.

Nach seinem Vorbeiflug am Uranus wird VOYAGER 2

den Planeten Neptun ansteuern.

Briggs berichtete, daß technische Verbesserungen am "Deep Space Net- 4 -

�Space Network" - einer Kette von amerikanischen Bodenbeobachtungsstationen für interplanetare Sonden - zu großen Hoffnungen auf wissenschaftliche Erkenntnisse durch die Uranus- und Neptun-Sondierung berechtigt.
"Als VOYAGER 2 gestartet wurde, konnten wir Meüdaten und andere wissenschaftliche Informationen aus Bereichen nur wenig jenseits der SaturnBahn empfangen", sagte Geoffrey Briggs.

Inzwischen wurde es dennoch mög-

lich, die wegen der großen Entfernung unvorstellbar schwachen VOYAGERSignale weiterhin aufzunehmen und so zu verstärken,

daß sie der wissen-

schaftlichen Analyse zugänglich sind.

Planetenprogramme

Planet

mittlerer Sonnenabstand

Programm

Venus

108 Millionen km

VEGA, VENERA 15, 16,
Venus-Radarkartierung

Jupiter

779 Millionen km

GALILEO, ULYSSES,
VOYAGER 2

Saturn

1427 Millionen km

VOYAGER 2

Uranus

2872 Millionen km

VOYAGER 2

Neptun

45U1 Millionen km

VOYAGER 2

* * * * *

- 5-

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

13

27. März 1985

EINGEHENDE KLIMAANALYSEN GEFORDERT
- US-Experten schlagen Konsortium für Wetterdaten vor -

WASHINGTON - (AD) - Die gegenwärtige Dürre in Afrika ist nach Meinung
amerikanischer Wissenschaftler in erster Linie die Folge von einschneidenden Veränderungen im Erdklima.

Deshalb sei es dringend erforderlich,

weltweit meteorologische Daten zu sammeln, um über die Dauer und das zu
erwartende Ausmaß dieser Dürreperiode zuverlässige Voraussagen machen zu
können.

Anläßlich eines von der amerikanischen Bundesbehörde für Meere

und Atmosphäre (NOAA) Anfang März in Washington veranstalteten internationalen Seminars wurde von amerikanischer Seite die Bildung eines Konsortiums vorgeschlagen, das sich um die Beschaffung solcher Daten kümmert.

Ihm sollen Experten aus den USA und aus afrikanischen Ländern an-

gehören.

Wie Dr. Eugene Rasmusson, der Leiter der Abteilung Diagnostik

des NOAA-Zentrums für Klimaanalyse, erklärte, bemühe man sich um Unterstützung des Vorhabens sowohl durch Organisationen

wie NOAA und WMO

(Weltwetterwacht, Organisation der Vereinten Nationen) als auch durch die
Weltbank und durch Stiftungen, die sich auf afrikanische Angelegenheiten
konzentrieren.
Dr. Alan D. Hecht,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel : 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dr. Alan D. Hecht, der Direktor des NOAA-Amtes für Nationale Programme in Klimafragen, verwies in einem Interview auf Aktivitäten, die als
erstes in Angriff genommen werden sollten:

Bessere Datenerfassung, bes-

sere Kommunikation (d.h. Weitergabe der meteorologischen Daten), Ausbildung von Spezialisten in Afrika, damit diese eigene Forschungsprojekte
durchführen können, und Aufbau eines Informationsnetzes sowohl zwischen
afrikanischen Ländern als auch zwischen Afrika und der übrigen Welt.

Durch die wachsende Zahl von Stationen zur Wetter- wie zur Satelliten-Beobachtung fallen, so Dr. Hecht, unvergleichlich mehr Daten an als
in früheren Jahren.

Diese Einrichtungen geben der Forschung "leistungs-

fähige Instrumente" an die Hand, die dazu genutzt werden müssen, alle
Möglichkeiten zu sondieren.

Es gehe u. a. um Forschungen zur Vorhersage

großräumiger Zirkulation in der Atmosphäre oder z. B. um Untersuchungen
zur Auswirkung von Phänomenen wie des El Nino-Effekts (einer Meeresströmung im Pazifik, die infolge regionaler Änderungen ihres Verlaufs periodische Klimaänderungen zur Folge hat). Solche Studien könnten auch dazu
beitragen, Vorhersagen über klimatische Veränderungen und Bedingungen in
anderen Teilen der Welt, etwa in Afrika, Indien oder Brasilien, zu verbessern.
len.

Es seien komplexe Prozesse, die sich in der Atmosphäre abspie-

Aber die Lufthülle ist nun einmal ein Ganzes, so daß sich Vorgänge

z. B. über dem Pazifik oder über Nordamerika weltweit auswirken.

Dr. Sharon Nicholson, Meteorologin an der Clark University in Worcester (Massachusetts), befaßt sich mit der Frage von KlimaVeränderungen
über lange Zeiträume.

Es gebe einige fragmentarische Unterlagen, aus de-

nen hervorgehe, daß Anfang des 19. Jahrhunderts Afrika eine ähnliche
schwere und anhaltende Dürreperiode durchgemacht haben müsse wie jetzt,
erklärte sie.

Dr. Nicholson ist überzeugt, daß die Ursache für die ge-

genwärtige Trockenheit "in einem schwerwiegenden und sehr wichtigen meteorologischen Phänomen" zu suchen sei, das den Menschen zwinge, sich den
Bedingungen anzupassen.

Möglicherweise dürften Methoden der Bodennut-

zung, die jahrhundertelang üblich waren, jetzt grundsätzlich nicht mehr
angewandt werden.
Über neue Erkenntnisse

�Über neue Erkenntnisse aus Satelliten-Daten berichtete Dr. Yale Mintz
vom amerikanischen Goddard-Institut für Weltraumforschung.

Sie betreffen

die Vorgänge, durch die Bodenfeuchtigkeit in die Atmosphäre gelangt und
zum Niederschlag wird.

Mintz zeigte auf, da(3 die Oberflächenverhältnisse

auf dem Festland

seine Vegetation, insbesondere

und

der Bewuchs mit

Blattpflanzen und Laubbäumen, die Menge der Verdunstungsfeuchtigkeit und
damit auch die Regenmenge bestimmt.

Diese Daten müßten gesammelt und

sorgfältig untersucht werden, sagte Mintz.

Sie seien schon deshalb von

besonderer Bedeutung, weil die Forschung mittels Satelliten noch jung sei
und die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse künftig immer wichtiger
würden.

Dr. Atanas Todorov, Experte der NOAA und der WMO für Agrometeorologie
und Kenner der Verhältnisse in Afrika, forderte die sofortige Beendigung
der verfehlten Bodennutzung.

Dies sei schwer zu bewerkstelligen und

wahrscheinlich sogar unrealistisch, aber es sei der unbedingt notwendige
erste Schritt, wenn Lösungen für die durch den Menschen und die Natur
verursachten überaus komplexen Probleme gefunden werden sollen.

Todorov

und Nicholson traten für flexible Systeme landwirtschaftlicher Nutzung
ein, wie sie in früheren Jahrhunderten üblich waren.

"Hände weg von be-

sonders ergiebigen Feldfrüchten, die nur unter ganz bestimmten Bedingungen gedeihen und zu Mißernten führen, sobald sich diese Bedingungen ändern" , meinten sie.

Vielmehr sollten sich die Bauern auf verschiedenar-

tige Sorten und Pflanzenkulturen umstellen, damit sowohl in trockenen als
auch in regenreichen Perioden Erträge erwartet werden können.

- 3 -

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