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                  <text>mr

und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1J&gt;. März 19öi&gt;

11

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan drängt auf Verpesserungen der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
- Beileidsschreiben des Präsidenten zum Tod Tschernenkos Bush überbringt Friedensbotschaft des US-Präsidenten
- Ankunftserklärung des US-Vizepräsidenten in Moskau Verhandlungsteam zu weitreichenden Entscheidungen ermächtigt
- Erklärung Präsident Reagans zu den Genfer-Abrüstunysyesprächen Kampelman: Wir kommen im Geist der Zusammenarbeit nach Genf
- Wortlaut der Ankunftserklärung Strategische V e r t e i d i g u n g s i n i t i a t i v e : Engste Konsultation zugesichert
- Erklärung von Sicherheitsberater McFarlane vor dem Overseas
W r i t e r s Club Die NATO und die amerikanischen S t r e i t k r ä f t e i n turopa
- Erklärung von General Rogers WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Nationale Wissenschaftsmedaille 1985
- Präsident Ronald Reagan ehrt 19 amerikanische Wissenschaftler und
Ingenieure * * * * *

Um Uber/endung von
ßelegcHempIcwen
wird gebeten

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Tel

••' 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�13. März 1985

11

REAGAN DRÄNGT ALF VERBESSERUNG DER AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN
- Beileidsschreiben des Präsidenten zum Tod Tschernenkos -

WASHINGTON - (AD) - In seinem Beileidsschreiben vom 11. März 1985 zum
Tod des sowjetischen Staats- und Parteichefs Konstantin Tschernenko wies
Präsident Reagan auf den Beginn der Gespräche zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in Genf hin und betonte:

"Wir müssen die

Chance für den Frieden ergreifen."

Wie Larry Speakes, der Pressesprecher des Weißen Hauses, bekanntgab,
wird die amerikanische Delegation zum Begräbnis Tschernenkos - betehend
aus Vizeprasdident Bush, Außenminister Shultz sowie dem amerikanischen
Botschafter
Michail

in Moskau

Gorbatschow,

Arthur
auch

Hartman

eine

- dem

Nachfolger Tschernenkos,

persönliche Botschaft

des Präsidenten

übermitteln, der aus Termingründen - der Besuch des ägyptischen Präsidenten Mubarak sowie ein Staatsbesuch des Präsidenten in Kanada stehen an
- nicht selbst an den Beisetzungsfeierlichkeiten teilnehmen wird.
Das Beileidsschreiben

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�Das Beileidsschreiben von Präsident Reagan an Wassili Kusnetzow, den
amtierenden Staatschef und Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjet der UdSSR, hat folgenden Wortlaut:
Gestatten Sie mir, mein Beileid zum Tod des Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjet, Konstantin Ustinovitsch Tschernenko, zum Ausdruck zu bringen.
In diesem ernsten Augenblick möchte ich die tiefe Sehnsucht des amerikanischen Volkes nach Frieden in der Welt erneut bekräftigen.

Obgleich

die Probleme, die unsere beiden Länder voneinander trennen, vielfältiger
und komplexer Natur sind, können und müssen wir unsere Meinungsverschiedenheiten durch Dialog und Verhandlung aus der Welt schaffen.
Unsere beiden Delegationen setzen sich jetzt in Genf zusammen, um
darüber zu verhandeln, wie die Kernwaffen verringert und beseitigt werden
können. Wir müssen die Chance für den Frieden ergreifen.

Wir müssen We-

ge finden, um die Drohung und den Einsatz von Gewalt bei der Lösung internationaler Dispute zu verringern.

und wir müssen eine Arbeitsbezie-

hung schaffen, die zwischen uns größeres Vertrauen und mehr Zusammenarbeit ermöglicht.
Ich hoffe, daß sich die sowjetische Führung mir in erneuerter Hingabe
anschließt, eine feste und dauerhafte Grundlage für bessere Beziehungen
zwischen unseren beiden Ländern zu schaffen.

* * * * *

�13. März 1985

11

BUSH ÜBERBRINGT FRIEDENSBOTSCHAFT DES US-PRÄ'SIDENTEN

- Ankunftserklärung des US-Vizepräsidenten in Moskau -

MOSKAU - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush, Leiter
der US-Delegation bei der Beisetzung des ehemaligen sowjetischen Staatsund Parteichefs Konstantin Tschernenko, überbrachte bei seiner Ankunft am
12. März 1985 in Moskau eine Friedensbotschaft Präsident Reagans und betonte in seiner Ankunftserklärung, die Vereinigten Staaten hätten "keine
größere Hoffnung und kein größeres Ziel als den Aufbau einer stabileren
und konstruktiveren Beziehung zur Sowjetunion".

Die Erklärung von Vizepräsident Bush hat folgenden Wortlaut:

Ich bin im Auftrag Präsident Reagans und des Volkes der Vereinigten
Staaten nach Moskau gekommen, um dem Volk der Sowjetunion unsere Anteilnahme anläßlich des Todes von Präsident Konstantin Tschernenko zum Ausdruck zu bringen. Wir möchten auch der Familie des verstorbenen Präsidenten unser tiefstes Mitgefühl bezeugen.
Präsident

Reagan

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�Präsident Reagan hat mich und Außenminister Shultz gebeten, dem sowjetischen Volk gegenüber die größte Achtung unserer Nation sowie unsere
Hoffnung zum Ausdruck zu bringen, daß wir gemeinsam Fortschritte in Richtung auf die Schaffung besserer Beziehungen und einer sichereren Welt machen können.
Ich habe eine Botschaft Präsident Reagans nach Moskau mitgebracht. Es
ist eine Botschaft des Friedens. Wir haben keine größere Hoffnung und
kein größeres Ziel als den Aufbau einer stabileren und konstruktiveren
Beziehung zur Sowjetunion. Präsident Reagan wird in Verfolg dieses Zieles
keine Anstrengung scheuen.
Es wird der Geduld und der Ausdauer bedürfen, denn es ist offenkundig, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in vielen wichtigen
Fragen unterschiedlicher Meinung sind. Dennoch: Wir sind bereit, diese
Meinungsverschiedenheiten zu überbrücken, und wir hoffen, daß die neue
sowjetische Führung ebenfalls bereit ist, Lösungen für die anstehenden
Probleme zu finden.

* * * * *

�A

r 31
V

TT

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
13. März 1985

11

VERHANDLUNGSTEAM ZU WEITREICHENDEN ENTSCHEIDUNGEN ERMÄCHTIGT
- Erklärung Präsident Reagans zu den Genfer Abrüstungsgesprächen -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan betonte am 8. März 1985 in Washington nach seinem letzten Zusammentreffen mit der amerikanischen Verhandlungsdelegation vor deren Abreise nach Genf zu den Gesprächen mit der
Sowjetunion, er habe seine Unterhändler angewiesen, "jeden Bereich zu
analysieren, in dem Aussicht auf Erfolg besteht"; auch gelte dem Bemühen
um eine radikale Verringerung der Kernwaffenarsenale seine "stärkste persönliche Unterstützung".

Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Es gehört zu den Herausforderungen des Staatsmannes, sich Visionen
einer besseren, sichereren Welt zu machen und zugleich den Mut, die Ausdauer und die Geduld zu haben, diese Visionen Wirklichkeit werden zu lassen.

Seit Anbruch des Atomzeitalters leben alle Menschen mit der Angst

vor einem Atomkrieg und der Gefahr nuklearer Verwüstung. Es ist für uns
ein moralisches Gebot, mit all unserer Macht auf den Tag hinzuarbeiten,
da die Jugend der kommenden Generationen ohne Furcht vor einem Atomkrieg

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einem Atomkrieg heranwachsen kann.

Aus diesem Grund bekräftigen wir heute erneut diese Vision - die Vision einer Welt, die sich der Beseitigung der Kernwaffen verpflichtet
hat, einer Welt, in der die Technik größere Sicherheit - und nicht größere Furcht - bringt.

Heute begeben wir uns auf einen neuen Weg in Rich-

tung auf Abkommen, die Umfang und Zerstörungskraft der bestehenden Atomraketen radikal verringern.

Staats- und Parteichef Konstantin Tschernenko erklärte im vergangenen Monat:

"Unser oberstes Ziel ist die vollständige Beseitigung der

Kernwaffen auf diesem Planeten, die vollständige Beseitigung der nuklearen Kriegsdrohung."

Ich begrüße diese Erklärung und versichere Herrn

Tschernenko, daß die Beseitigung der Kernwaffen auch oberstes Ziel der
amerikanischen Regierung und des amerikanischen Volkes ist.

Es ist nun unsere Aufgabe und Verantwortung, praktische Schritte zu
unternehmen, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Wir sollten

uns keiner Illusion darüber hingeben, daß dies womöglich leicht sein
könnte - denn ein jegliches Unterfangen dieser Größenordnung bedarf der
Zeit.

Und da es hier um die bedeutendsten Sicherheitsinteressen beider

Seiten geht, wird dies wohl lang und schwierig werden.

Wir sind realist-

isch, denn wir wissen, daß unsere Meinungsunterschiede mit der Sowjetunion erheblich sind. Geduld, Stärke und Einigkeit - westliche Einigkeit werden daher nötig sein, wenn das Ergebnis ein Erfolg sein soll.

In der nächsten Woche treffen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in Genf zusammen, um einen neuen Dialog über diese Themen zu eröffnen. Vor allem streben wir sobald wie möglich ein baldestmögliches Abkommen über echte und verifizierbare Verringerungen bei den offensiven Kernwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion an.

Was uns angeht,

so sind die Vereinigten Staaten bereit, mit Entschlossenheit, Geduld und
vernünftiger 'Überlegung faire und ausgewogene Abkommen auszuhandeln, die
die Gefahr eines Atomkrieges verringern und die strategische Stabilität
vergrößern.
Ich
- 2-

habe

gerade

�Ich habe gerade ein sehr gutes Treffen mit unseren drei Unterhändlern, den Botschaftern Max Kampelman, John Tower und Mike Glitman, zu
Ende gebracht, das Höhe- und Endpunkt einer umfangreichen Vorbereitungsrunde war.

In diesem Treffen habe ich meine Instruktionen für die erste Verhandlungsrunde gegeben.

Diese Instruktionen ermöglichen es unseren Unter-

händlern, jeden Bereich zu analysieren, in dem Aussicht auf Erfolg besteht.

Und sie haben meine persönliche Unterstützung.

Wie alle Amerikaner hege auch ich den Wunsch, daß diese Verhandlungen
ein Erfolg sein werden, und ich werde alles in meiner Macht Stehende tun,
damit es dazu kommt.

Und ich bete, daß die sowjetische Führung bereit

ist, die gleiche Verpflichtung einzugehen. *

Ich möchte unserem Team für die hervorragende Arbeit danken, die bereits bei der Vorbereitung auf dieses Unterfangen geleistet wurde.

Wäh-

rend Sie sich jetzt auf die Abreise nach Genf vorbereiten, kann ich an
keine willkommenere Botschaft denken als daran, daß Sie ein eindeutiges
Vertrauensvotum des amerikanischen Volkes und des amerikanischen Kongresses besitzen.

Meine Herren Botschafter Kampelman, Tower und Glitman sowie alle anderen Mitglieder unseres Verhandlungsteams:

Ich weiß, daß alle Ihre ame-

rikanischen Landsleute Ihnen den besten Erfolg wünschen.

Und ich weiß

aufgrund meiner Gespräche mit der überparteilichen Führung des Kongresses, daß der Kongreß der Vereinigten Staaten sich dieser Unterstützung
anschließt.

Deshalb gelten Ihnen allen - jenen, die in Genf sein werden wie auch
jenen, die diese so entscheidende Bemühung von Washington aus unterstützen

- unsere besten Wünsche.

Gott schütze Sie.

* * * * *

- 3-

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*

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11

13. März 1985

KAMPELMAN: WIR KOMMEN IM GEIST DER ZUSAMMENARBEIT NACH GENF
- Wortlaut der Ankunftserklärung -

GENF - (AD) - Der Leiter der US-Delegation bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen

über Nuklear- und

Weltraumwaffen

in Genf, Max

Kampelman, unterstrich am 9. März 1985, die USA kämen im Geist der Zusammenarbeit

unü

nicht

aes

Streites

zu

aen

Aorüstungsverhandlungen.

"Unsere Mission ist eine Mission für den Frieden", sagte aer amerikanische ChefUnterhändler bei der Ankunft in Genf,

die USA seien Dereit,

eine Brücke für ein konstruktiveres Verhältnis zur Sowjetunion zu bauen.

Kampelman ist Leiter der amerikanischen Gesamtdelegation und gleichzeitig für die Verhandlungen über Weltraum- una Defensivwaffen zuständig.
Der ehemalige Senator des Staates Texas, John Tower, wird auf amerikanischer Seite die Gespräche über strategische Kernwaffen führen, und der
amerikanische Berufsaiplomat Maynaro w. Glitman steht an oer Spitze der
Gruppe, die sich mit den nuklearen Mittelstreckensystemen (INF) befassen
soll.
Die Erklärung

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�Die Erklärung Kampelmans hat folgenden Wortlaut:

Die Delegation der Vereinigten Staaten freut sich sehr, hier in Genf
zu sein - einer Stadt, auf der so viele der Hoffnungen aer Welt auf Frieden ruhen.

Unsere Mission ist eine Mission für den Frieden - eine Mis-

sion zur Verminderung der Gefahren eines Atomkrieges und der Bedrohung
durch Kernwaffen.

Präsident Reagan hat mich und meine Kollegen, die Botschafter Tower
und Glitman, angewiesen, bei der Suche nach fairen und gerechten Abkommen
auf dem Verhandlungswege keine Anstrengungen zu scheuen,

üie Vereinigten

Staaten werden gründlich und in verantwortungsbewußter Weise alle Wege
erkunden, die zu einem solchen Ergebnis führen können.

Wir sehen den Ge-

sprächen mit unseren sowjetischen Partnern erwartungsvoll entgegen.
sind bereit, uns ihre Ansichten positiv uno geoulaig anzuhören.

Wir

Darüber

hinaus glauben wir, daß ein Dialog mehr bedeutet als zwei Monologe.

Die

Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten uno oer Sowjetunion sind
tiefgehend.
gen sind

Unsere Meinungsverschiedenheiten über die nuklearen Rüstun-

tiefgreifend

und

werden mit Nachdruck

vertreten.

Es wäre

töricht anzunehmen, daß sie über Nacht überbrückt werden könnten.

Aber

zumindest können wir hoffen, daß unsere über allem stehenoen Ziele die
gleichen sind.

Vor drei Wochen erklärte Außenminister Gromyko, daß "die

völlige Beseitigung der Kernwaffen das höchste Ziel aller Staaten der
Welt werden sollte".

Dies ist ganz gewiß das Ziel Amerikas.

Wir sino

nach Genf gekommen, um erste, konstruktive und sachliche Schritte einzuleiten, die zum Ziel des Friedens in Würde führen können, das alle Völker
anstreben.

Das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
war bedauerlicherweise ein Verhältnis starker Gegensätze.
auch gekennzeichnet von Perioden der Zusammenarbeit.

Aber es war

Vor 30 Jahren un-

terzeichneten wir einen Vertrag, der Österreich die Unabhängigkeit gab.
Und vor 40 Jahren trafen wir uns an der Elbe als Freunde.

Es ist der

�Es ist der Geist der Zusammenarbeit und nicht der Geist des Streites,
den die amerikanischen Unterhändler bei ihrer Ankunft in Genf hervorheben
möchten.

Die Vereinigten Staaten sind bereit, beim ßau einer Brücke zu

einem konstruktiveren Verhältnis zur Sowjetunion mitzuhelfen.

Wir sind

bereit, eine Brücke zu bauen zu einem globalen Umfeld größerer Stabilität
durch die Bändigung und dann die Beseitigung von Kernwaffen.

Wir wollen

mit aller Tatkraft damit beginnen, eine Brücke zu einer zukünftiyen Welt
zu bauen - einer Welt, die in Frieden lebt, frei ist von Terror und der
Bedrohung der nuklearen Zerstörung.

Dies sind die Anweisungen, die der

Präsident der Vereinigten Staaten uns erteilt hat.

* * * * *

- 3-

�13. März 1985

11

STRATEGISCHE VERTEIDIGUNGSINITIATIVE: ENGSTE KONSULTATION ZUGESICHERT

- Erklärung von Sicherheitsberater McFarlane beim
Overseas Writers Club -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagans Sicherheitsberater, Robert McFarlane, erklärte im Rahmen einer Diskussion über die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) vor amerikanischen und ausländischen Journalisten im Overseas Writers Club am 7. März 1985 in Washington, die Vereinigten Staaten konsultierten aktiv ihre europäischen Verbündeten, um auf
deren Besorgnisse und Fragen im Rahmen dieser Initiative einzugehen.

Dabei betonte McFarlane, daß kein Schritt, der von einer offensiven
Abschreckung, die den Frieden in Europa so wirksam bewahrt habe, wegführen würde, die Stimme der amerikanischen Verbündeten ignorieren könne
oder werde",

unser eigenes nationales 'Überleben hängt davon ab, daS un-

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Telex: 8-85432

�daß unsere Verbündeten vor einem Angriff geschützt und vor jedwedem Krieg
sicher sind", sagte McFarlane

Die Bemerkungen des Sicherheitsberaters haben folgenden Wortlaut:

Kein Thema ist heute für die Menschheit von größerer Bedeutung als
die strategische Stabilität.

Die Welt wartet mit Spannung auf die Wie-

deraufnahme der Rüstungskontrollverhandlungen am 12. März.
union ist an den Verhandlungstisch
willkommen.

Die Sowjet-

zurückgekehrt, und wir heißen sie

Vor uns liegt ein schwieriges Stück Weges

Die Vereinigten

Staaten erstreben ausgewogene und verifizierbare Abkommen, die den Umfang
der amerikanischen wie der sowjetischen Arsenale um ein Beträchtliches
verringern sollen.

Wir hoffen, daß die Sowjetunion sich uns in dem kon-

struktiven Bemühen um notwendige Lösungen für unsere Meinungsverschiedenheiten anschließen wird.

Diese Meinungsverschiedenheiten sind tiefgehender Natur.

Um dies zu

verdeutlichen, ist es am besten, die Dinge aus historischer Perspektive
zu betrachten.

Wir leben in einer Welt des Wandels.

Wie der gesell-

schaftliche und wissenschaftliche Bereich so hat sich auch das strategische Bild seit den frühen siebziger Jahren, als der ABM-Vertrag unterzeichnet wurde, beträchtlich gewandelt.

Bestimmte Hoffnungen und Voraus-

setzungen, die diesem Vertrag zugrunde lagen, sowie das sie begleitende
Zwischenabkommen SALT I wurden erheblichen Wandlungen unterzogen.

Eine der zugrunde liegenden Annahmen bestand darin, daß die beiden
Abkommen zu echten Verringerungen bei den offensiven Nuklearsystemen führen würden.

Dem war nicht so.

In den Verhandlungen hat sich die Sowjet-

union immer wieder geweigert, sinnvolle und verifizierbare Verringerungen
bei den offensiven Nukleararsenalen zu akzeptieren.

SALT II tat nichts

weiter, als Begrenzungen bei den bereits gewaltigen Zahlen der strategischen Waffen festzulegen.

Nunmehr ist deutlich, daß die Sowjetunion nie

die Absicht hatte, einer ungefähren Gleichwertigkeit der strategischen
Offensivwaffen

zuzustimmen, wie dies das SALT I-Abkommen

signalisiert

hatte.
Seit Unterzeichnung
- 2-

�Seit Unterzeichnung von SALT I hat die Sowjetunion acht neue ballistische Raketen , fünf neue U-Boot-Klassen für ballistische Raketen sowie
einen neuen strategischen Bomber disloziert

Im Vergleich hierzu haben

die Vereinigten Staaten nur ein neues Raketensystem sowie eine U-BootKlasse in Dienst gestellt und die Dislozierung des B-l Bombers hinausgeschoben.

Diese Aufrüstung der Sowjetunion hat das Gleichgewicht zwischen

den Streitkräften, das für die Aufrechterhaltung einer stabilen Abschrekkung so dringend erforderlich ist, verändert.

»Vir sind über die Qualität

der neuen ballistischen Raketensysteme der Sowjetunion sehr besorgt.
Krisenzeiten

sind

diese

Waffen

die

destabilisierendsten;

sie

In
sind

schnell, sie tragen eine große Nutzlast, sie sind mobil und treffsicher.
Es wird in zunehmendem Maße offenkundig, daß die Sowjetunion sich eine
überlebensfähige Erstschlagkapazität

zulegt, vor der immer schwieriger

abzuschrecken ist.

Die zweite Annahme war die, daß es bei der strategischen Verteidigung
wechselseitige Zurückhaltung geben würde.

Dies gründete sich auf die

Hoffnung, daß die Sowjets in Doktrin und Praxis zu der 'Überzeugung gelangen würden, die wechselseitige Verletzbarkeit gegenüber den offensiven
Nuklearsystemen

der

anderen Seite

liege im beiderseitigen Interesse.

Diese unschuldige Erwartung erfüllte sich jedoch gleichfalls nicht. Während die Vereinigten Staaten die Dislozierung einer strategischen Verteidigung einstellten, fuhr die Sowjetunion mit der Entwicklung und Dislozierung mehrerer Generationen von antiballistischen Raketen, Suchradar,
Abfangjägern und Boden-Luft-Raketen fort.

Tatsächlich wurde gleich viel

oder sogar mehr für die strategische Verteidigung als für die strategische Offensive ausgegeben.

Rund um Moskau wurde ein Verteidigungssystem

aus ballistischen Raketen disloziert, wie es dies sonst in der Welt nicht
gibt.

In der Sowjetunion wurde während der gesamten siebziger Jahre und

bis Mitte der achtziger Jahre hinein die Forschung und Entwicklung fortgeschrittenster Militärtechnologien, einschließlich modernster Zielenergiewaffen, mit einem Tempo betrieben, das bei weitem unsere eigenen Bemühungen überstieg.

Zudem wird neben bereits dislozierten Raketenanlagen

mit phasengesteuerter Abtastung der Bau einer solchen in Mittelsibirien
betrieben, die offensichtlich in eindeutiger Verletzung des ABM-Vertrags
- 3-

�des ABM-Vertrags Kampftätigkeiten koordinieren kann.

Weiterhin wurde ei-

ne Vielzahl von gehärteten Führungsbunkern gebaut und das bereits dichte
Netz der Zivilverteidigung verstärkt. Zusammengenommen erhöhen diese Maßnahmen die Möglichkeit, daß die Sowjets plötzlich von diesem Vertrag zurücktreten und rasch ihre antiballistische Verteidigung landesweit ausdehnen könnten.

Schließlich - und nicht überraschend - bestand im Westen die Hoffnung, daß diese und andere Rüstungskontrollabkommen in vollem Umfang eingehalten werden würden.

Auch hier wurden wir enttäuscht.

Was die bishe-

rige Einhaltung durch die Sowjets anbelangt, so war sie - bestenfalls enttäuschend.

Besonders beunruhigend ist dies im strategischen Bereich,

wo sowohl Offensiv- als auch Defensivabkommen erheblich verletzt wurden.
Obwohl wir durch diplomatische Kanäle versucht haben, mit der Sowjetunion
über die Beilegung solcher Verletzungen zu sprechen, haben wir bislang
keine zufriedenstellende Reaktion gehabt.

Auf eine weitere Veränderung möchte ich noch eingehen.

Die Annahmen

der amerikanischen Unterhändler im Jahr 1972 hatten auch einen technologischen Hintergrund.

Damals war die Entwicklung einer wirksamen Vertei-

digung gegen Interkontinentalraketen noch nicht möglich.
nische Fortschritt macht nicht halt.

Aber der tech-

Genau wie wir Zeuge dieses Fort-

schritts bei den strategischen Offensivwaffen wurden, so lassen auch die
Durchbrüche der letzten Jahre die Hoffnung zu, daß eine militärisch sichere und kosteneffiziente Verteidigung möglich sein wird.

Das hervortretende Verhaltensmuster der Sowjetunion seit 1972 ist
deutlich und beunruhigend.

Ihre Taten haben unsere Hoffnungen enttäuscht

und echte Rüstungsverringerungen unmöglich gemacht.

Das Gleichgewicht

zwischen den Offensivwaffen, das seit Jahren die Abschreckung zwischen
den Nuklearmächten aufrechterhalten hat, wird von der Sowjetunion erschüttert.

Die Zurückhaltung unsererseits seit SALT I bei der Dislozie-

rung offensiver strategischer Waffen wurde von den Sowjets nicht erwidert.

Statt dessen haben sie Umfang, Mobilität und Zielgenauigkeit ihrer

offensiven Nukleararsenale auch weiterhin erhöht.
Nicht
- 4-

weniger

�Nicht weniger alarmierend - sowohl was Umfang als auch Wirkungsgrad
angeht - sind ihre Investitionen der letzten 20 Jahre bei der strategischen Verteidigung.

Da sie antiballistische Raketen entwickeln, die in-

nerhalb eines verhältnismäßig kurzen Zeitraums verlegt und in großer Zahl
disloziert

werden

können, müssen

wir uns fragen, welchem Zweck dies

dient; wenn sie ein expandierendes Befehls- und Kontrollsystem härten,
müssen wir uns die Frage nach dem Warum stellen; und wenn sie ihre Führung absichern, ihre Raketensilos verstärken und gewaltige Summen für die
Zivilverteidigung verwenden, dann müssen wir uns fragen, wozu?

Der Westen stellt einfach nicht diese immer größere Bedrohung dar,
die derlei sowjetische Schritte erforderlich machen würde.

Aber ange-

sichts der bisherigen Weigerung der Sowjets, hinsichtlich der beiderseitigen und verifizierbaren Verringerung der Offensivarsenale zu einem Abkommen zu gelangen, hat der Westen keine andere Wahl.

Wir müssen prüfen,

wie wir das Gleichgewicht wiederherstellen und andere Mittel zur Aufrechterhaltung

einer stabilen Abschreckung

bereitstellen

können.

Bei

diesen unseren Bemühungen um die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung
des Gleichgewichts stehen wir vor drei miteinander verknüpften Optionen.

Erstens: Wir können den Versuch unternehmen, die Sowjets durch Verhandlungen zu einer Verringerung der Offensivsysteme auf gleichen Umfang
zu bringen.

Dies wird in Genf unsere Hauptaufgabe sein.

Legt man jedoch

die Erfahrungen der Vergangenheit zugrunde, so zeigt sich, daß diese Aufgabe schwer werden wird.

Wir werden offen, flexibel und konstruktiv sein

und uns zusammen mit der Sowjetunion darum bemühen, wirksame, verifizierbare Rüstungsverringerungen auszuhandeln.

Man sollte sich jedoch stets

vor Augen halten, daß es zwei Seiten braucht, damit diese Verhandlungen
zu einem Ziel gelangen.
Zweitens: Wir können versuchen, diese Trends umzukehren, indem wir
einfach das Gleiche tun wie die Sowjets und ein offensives Nukleargleichgewicht

aufrechterhalten.

Kurzfristig

gesehen, werden wir

sicherlich

dieses Gleichgewicht wiederherstellen und aufrechterhalten müssen, bis
uns andere Optionen zur Verfügung stehen. Diesem Zweck dienen unser stra-

�unser strategisches Modernisierungsprogramm und die NATO-Programme einer
LRINF-Raketenmodernisierung.

Schließlich: Wir können unsere Energien einsetzen, um herauszufinden,
ob es nicht eine bessere Möglichkeit gibt, den Vereinigten Staaten und
ihren Verbündeten Sicherheit zu bieten - nämlich durch eine verstärkte
Abschreckung mit Hilfe von Defensivsystemen - Systemen also, die niemanden bedrohen.

Wir werden all diese Möglichkeiten über die notwendigen und angemessenen Wege verfolgen.

- Wir werden uns auch weiterhin um ausgewogene und verifizierbare Rüstungsverringerungen bemühen.

Aber es darf dies keine Einbahnstraße

sein, und es wird seine Zeit brauchen.

- Wir werden das nukleare Gleichgewicht aufrechterhalten, bis Alternativen zur Verfügung stehen.

Die "Friedenswahrer"-Rakete (MX) und das

NATO-Modernisierungsprogramm bei den weiterreichenden nuklearen Mittelstreckensystemen (LRINF) sind in dieser Hinsicht von entscheidender Bedeutung.
- Schließlich müssen wir das wachsende Potential der neuen Defensivtechnologien erforschen.

Lassen Sie mich noch etwas zu der Notwendigkeit der Erforschung der
strategischen Verteidigung sagen und Ihnen drei konkrete Argumente an die
Hand geben, warum die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) zu einem
zentralen Punkt unserer Verteidigungsprogramme geworden ist.

Das erste Argument bezieht sich auf die Abschreckung.

Wir haben ei-

nen grundlegenden Faktor hinsichtlich der Welt ignoriert, in der es keine
Verteidigung gibt.

Ohne Verteidigung ist es für einen Angreifer höchst

einfach, seinen Erstschlag zu planen. Wenn ein Angreifer erst einmal seine Interkontinentalraketen gestartet hat, so weiß er recht genau, welchen
- 6-

�genau, welchen Schaden er anrichten wird, denn es gibt nichts, was seinem
Angriff in die Quere kommen könnte.

Er kann also planen und kalkulieren,

welche Waffen er benötigt, um die Streitkräfte der anderen Seite zu zerstören.

Wenn er die entsprechenden Mittel und die entsorechende Absicht

hat, kann er sich dann diese Waffen zulegen.

Letztlich handelt es sich

dann dabei um ein technisches Problem. Nun, die Sowjets haben ihre Kalkulationen gemacht, und sie hatten Zeit und Geld, um sich Waffen zuzulegen.

Aber wenn eine Verteidigung vorhanden ist - selbst eine Verteidigung,
die nicht perfekt ist -, dann stellt sich das Problem ganz anders.

Ein

Angreifer wird dann nicht in der Lage sein, eine Rakete abzufeuern und
ein Ziel zu zerstören.

Er weiß nämlich nicht genau, ob sein Angriffsplan

funktionieren wird, oder - wenn er dies nur teilweise tut - welche Ziele
er verfehlen wird, weil er nicht wissen kann, wie gut unsere Verteidigung
sein wird.

Zwar ist sich auch der Verteidiger seiner Sache nicht sicher.

Aber bei ihm liegt die Entscheidung über den Angriff ja nicht.

Beim Vor-

handensein einer Verteidigung wird also das, was lediglich ein technisches Problem war, plötzlich zu einem wesentlich schwierigeren, kostspieligeren militärischen Problem.

Sogar eine Verteidigung, die unvollkommen

ist, stärkt die Abschreckung, weil sie demjenigen gewaltige Kopfschmerzen
und Ungewißheiten bereitet, der einen Angriff in Erwägung zieht.

Und das

ist gut so.

Beim zweiten Punkt geht es um Menschenleben.

Einfach gesagt, können

wir vor einem Angriff abschrecken, indem wir diesen Angriff zurückschlagen oder indem wir drohen, als Vergeltungsmaßnahme feindliche Zivilisten
zu töten. Meiner Meinung nach ist es gar keine Frage, daß es weit besser
ist, in der Lage zu sein, den Angriff zurückzuschlagen und es dadurch von
vornherein nicht zu einem solchen kommen zu lassen.

Aus den besprochenen

Gründen heraus läßt uns auch die SDI zu einem solchen Schluß gelangen.
Ohne eine Verteidigung müssen wir uns auch weiterhin auf Vergeltung verlassen, um vor einem Nuklearangriff abzuschrecken.

Viele von jenen, die gegen die SDI sind, argumentieren für die garantierte Zerstörung als Mittel zur Aufrechterhaltung des Friedens.

In letz-

�In letzter Zeit wurde viel über einen nuklearen Winter gesprochen.

Bei

aller Ungewißheit ist doch eines klar. Ein nuklearer Winter würde höchstwahrscheinlich durch den Rauch und Qualm von brennenden Städten erzeugt,
die von Kernwaffen getroffen wurden.

Alle Aspekte der Politik dieser Ad-

ministration hinsichtlich strategischer Waffen, einschließlich Süi, zielen darauf ab, uns von dieser Art von Angriff wegzubringen. Jene, die anderer Meinung sind als wir und die auch weiterhin die diskreditierte Politik der garantierten Zerstörung unterstützen, müssen sich der folgenden
Tatsache stellen:

Der Krieg, der sich aus der Verwirklichung ihrer Poli-

tik ergeben könnte, wäre genau die Art von Krieg, die am ehesten diesen
nuklearen Winter herbeiführen würde.

Schließlich möchte ich noch ein Problem ansprechen, das nicht so massiv, vielleicht aber noch dringlicher ist als die Abschreckung vor einem
sowjetischen Angriff.

Unsere Bemühungen um eine Verhinderung nuklearer

Proliferation hatten erheblichen Erfolg.

Sicherlich gibt es heute weni-

ger Länder mit Kernwaffen, als man dies vor 20 Jahren vorhergesagt hätte.
Aber viele Länder bemühen sich auch weiterhin um den Besitz von Kernwaffen.

Und wir wissen, daß viele von ihnen auch über die Technologie für

ballistische Raketen verfügen wollen.

Wir werden unsere Bemühungen bei

der Nonproliferation nicht einschränken.

Aber ich glaube, es ist ein Akt

schlichter Klugheit, Verteidigungssysteme zu untersuchen, die begrenzte
Nuklearangriffe oder Nuklearangriffe aus Versehen vereiteln könnten.

Aus diesen Gründen hat Präsident Reagan unser Land aufgefordert, ein
tatkräftiges Forschungsprogramm in Angriff zu nehmen - nämlich die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI).

Es wird sich auf moderne Vertei-

digungstechnologien konzentrieren mit dem Ziel, Mittel und Wege zu finden, um eine bessere Grundlage für die Abschreckung einer Aggression, die
Stärkung der Stabilität und die Förderung der Sicherheit der Vereinigten
Staaten und unserer Verbündeten zu schaffen.

Unsere Anstrengungen stehen

in voller Übereinstimmung mit dem ABM-Vertrag.

Praktisch gesehen muß eine strategische Verteidigungsoption kosteneffektiv sein, d.h., es muß billiger und leichter sein die Verteidigungs-

�die Verteidigungs- statt die Offensivkapazität zu stärken, denn sonst gäbe es nur den Anreiz, die Offensivrüstungen zu erweitern, die wir ja gerade verringern wollen.

Darüber hinaus muß ein jedes Defensivsystem an-

gesichts eines Angriffes überlebensfähig sein, wenn nicht, würde es zu
seiner eigenen Überwältigung ohne Rücksicht auf die Kosten einladen.
Ziel einer strategischen Stabilität erfordert

Das

einen solch hohen Lei-

stungsstandard.

In unseren Beziehungen mit anderen Ländern müssen die strategischen
Verteidigungsoptionen nicht nur unseren eigenen Sicherheitsanliegen Rechnung tragen, sondern auch aenen unserer Verbündeten und der Sowjetunion.
Die Vereinigten Staaten konsultieren aktiv ihre Verbündeten, um auf deren
Anliegen und Fragen hinsichtlich der SDI eingehen zu können.

Da es sich

hierbei um ein Forschungsprogramm handelt, sind deren Überlegungen von
großer Wichtigkeit, wenn wir die Kapazitäten überprüfen und Leistungskriterien für die Defensivtechnologie setzen.

Ferner kann oder wird kein

Schritt weg von der offensiven Abschreckungsstruktur, die den Frieden in
Europa so wirksam erhalten hat, die Stimme unserer Verbündeten ignorieren.

Unser eigenes Überleben hängt davon ab, daß unsere Verbündeten vor

einem Angriff geschützt und vor jedwedem Krieg sicher sind.

Bei den neuen Verhandlungen in Genf sowie im Rahmen anderer bespräche
hoffen wir, mit der Sowjetunion ein gegenseitiges Verständnis der Sicherheitsanliegen des jeweils anderen zu entwickeln.
streben keine Überlegenheit an.

Die Vereinigten Staaten

Für die Sowjetunion ist es schwer, dies

zu verstehen, weil sie uns nach ihren eigenen Ambitionen beurteilt.

Aber

die historischen Fakten sind in dieser Beziehung klar und eindeutig. Kein
Land hat in der Geschichte so verantwortungsbewußt wie die Vereinigten
Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg gehandelt, als wir eine so überlegene
Position auf dem Gebiet der Waffen innehatten und als wir das einzige
Land waren, das über Kernwaffen verfügte. Falls die Technologie sich als
durchführbar und kosteneffizient erweist, eine Integration von Defensivsystemen in das Streitkräftemix beider Seiten zu erwägen.

Dies würde im

Kontex eines kooperativen, ausgewogenen und verifizierbaren Umfelds erfolgen, das ein Gleichgewicht offensiver und defensiver Streitkräfte in
einer Weise widerspiegelt, die die bestehenden nuklearen Arsenale abbaut,
- 9-

�Arsenale abbaut, während gleichzeitig Sicherheit und Stabilität gefördert
würden.

Falls unsere Forschung die Durchführbarkeit dieser Konzepte er-

weist, wird Kernpunkt eine vereinbarte Übergangsperiode von vielen Jahren
mit der Garantie von Stabilität und Sicherheit sein.

Schließlich gibt es wenigsten vier Fiktionen über die Strategische
Verteidigungsinitiative, die ich ausräumen möchte.

Die erste Fiktion besagt, daß die Vereinigten Staaten eine "Militarisierung des Weltraums" versuchten.

Dies ist eine rein sowjetische Propagandalinie, und sie ist in bedrückender Weise irreführend.

Die Aktivitäten im Weltraum kann man im

allgemeinen in drei Kategorien einteilen:
liche und militärische.

kommerzielle, wissenschaft-

Über uns befinden sich gegenwärtig mehr als 8U0

sowjetische Satelliten in einer Umlaufbahn, verglichen mit etwa 40U Satelliten des Westens.

Dies ist ein Verhältnis von zwei zu eins, und -

anders als im Westen - ist die große Mehrheit der sowjetischen Satelliten
militärischer Natur.

Diese militärischen Satelliten bewegen sich über

uns in einem Raum, den die Sowjets mit den einzig derzeit vorhandenen Antisatellitenwaffen bedrohen.

Darüber hinaus war es die Sowjetunion, die

zuerst - nämlich 1957 - die ballistischen Interkontinentalraketen entwikkelte, die durch den Weltraum fliegen und gegenwärtig weit mehr Gefechtsköpfe insgesamt tragen als die amerikanischen Systeme.

Was bleibt dann

noch an Weltraum, den die Sowjetunion noch nicht militarisiert hat?

Der

Weltraum ist schon seit langem für militärische Zwecke benutzt worden.
Wenn die Sowjetunion von der "Verhinderung der Militarisierung des Weltraums" und von einem ASAT-Moratorium spricht, dann ist sie überaus unaufrichtig, weil sie nämlich 15 Jahre der eigenen entschlossenen Anstrengungen auf diesem Gebiet einfach ignoriert.

Die nächste Fiktion besagt, daß die Vereinigten Staaten eine gemeinsame Konzeption der "beiderseitig garantierten Zerstörung" über den Haufen werfen, auf der die strategische Stabilität angeblich beruhe.

Ich hoffe, ich
- 10 -

�Ich hoffe, ich habe diese Fiktion heute damit aus der Welt geschafft,
daö ich auf den destabilisierenden Verlauf des sowjetischen strategischen
Aufbaus und der immer größer werdenden Abschirmung ihrer Streitkräfte und
ihrer Führung von der "garantierten Zerstörung" hingewiesen habe.

Ein

amerikanisch-sowjetischer Vergleich hinsichtlich der Investitionen in die
sogenannte passive Verteidigungsabschirmung

von Bevölkerung

und wirt-

schaftlichen Basen vor nuklearen Angriffen ist einfach nicht möglich.

So

groß sind die sowjetischen Anstrengungen und so minimal die unsrigen, daß
das Verhältnis schon an Absurdität grenzt.
teidigungsvorbereitungen sind gewaltig.

Die sowjetischen zivilen Ver-

Unsere eigenen kleinen Anstren-

gungen zeigen, daß es uns im Westen überaus schwer fällt, sich ein Leben
nach einem Nuklearkrieg vorzustellen.

Drittens, die Sowjetunion behauptet, daß SDI destabilisierend wirke.

Ihre immer wieder erklärte Furcht vor einem Verschwinden einer stabilen Abschreckung mutet ironisch an.

Die Vereinigten Staaten sind stark

in diplomatischen und privaten Konsultationen engagiert, um die immer rasantere Entwicklung in der strategischen Verteidigung zu analysieren, die
eine Stärkung der Abschreckung in der Zukunft verheißt.

Wie ich schon

zuvor gesagt habe, müssen die strategischen Verteidigungsoptionen auch
die Stabilität stärken, oder sie kommen einfach nicht in Frage.

Die So-

wjetunion andererseits setzt die Entwicklung und Dislozierung einer neuen
Generation von strategischen Offensivraketen fort und erweitert ihre bereits beträchtlichen Verteidigungskapazitäten.

Die Sowjets haben nieman-

den konsultiert und sind der Meinung, sie seien niemandem eine Antwort
schuldig, während sie bei der Verfolgung ihrer eigenen internen Erfordernisse ein stabiles Gleichgewicht zusehends durcheinanderbringen.

Die letzte Fiktion ist, daß die Strategische Verteidigungsinitiative
den Rüstungskontrollprozeß Komplizieren würde.

Die Wahrheit ist vielmehr, daß es die Strategische Verteidigungsinitiative - verbunden mit der deutlichen Entschlossenheit der westlichen
Verbündeten, ihre strategische Abschreckung zu modernisieren - war, die
- 11

�war, die die Sowjetunion an den Verhandlungstisch zurückgebracht hat.

Es

gibt in wachsendem Maße Beweise dafür, daß defensive Technologien eine
echte Hoffnung auf Reduzierung der Notwendigkeit offensiver Nukleararsenale darstellen.

Wenn man sich auf Gesprächen einläßt, die auf Rüstungs-

kontrolle abzielen, ohne üüer das zu sprechen, was sich vielleicht als
das beste Mittel zur Unterstützung dieses Bemühens erweist, dann heißt
das doch, daß der gesamte Prozeß an Bedeutung stark verliert.

Präsident

Reagan hat sich ernsthaften und wesentlichen Fortschritten bei der Reduzierung des Umfangs der bestehenden Nukleararsenale und der Förderung von
Sicherheit und Stabilität verschrieben.

Es ist von entscheidender Bedeu-

tung, daß er die moralische Herausforderung akzeptiert hat, alle zu diesem Zweck zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu sondieren.

Abschließend

lassen Sie mich noch einmal unterstreichen, daß die

Strategische Verteidigungsinitiative eine umsichtige und moralische Antwort auf die anhaltenden sowjetischen Maßnahmen ist, die Stabilität und
Sicherheit der Welt gefährden.

Die SDI ist ein Forschungsprogramm, das

voll und ganz mit den Beschränkungen des ABM-Vertrages in Einklang steht.
Dieses Forschungsprogramm soll die Möglichkeit einer strategischen Verteidigung erkunden - angesichts neuer Technologien, die jetzt der Verteidigung zur Verfügung

stehen.

Die Strategische

Verteidigungsinitiative

sucht nach Antworten auf jene Fragen, die friedliebende Länder stellen
müssen.

Wenn wir das Gleichgewicht bewahren wollen, das den Frieden ga-

rantiert, ist das das Mindeste, was es zu tun gibt.

* * * * *

- 12 -

�13. März 1985

11

DIE NATO UND DIE AMERIKANISCHEN STREITKRÄFTE IN EUROPA
- Erklärung von General Rogers -

WASHINGTON - (AD) - Am 1. März 1985 gab NATO-Oberbefehlshaber beneral
Bernard Rogers in einer Annörung vor dem Militärausschuß des amerikanischen Senats einen umfassenden überblick über die Lage der NATO und der
amerikanischen Streitkräfte in Europa. Die Erklärung, die der ueneral abgab, hat folgenden Wortlaut:

Es ist mir ein Vergnügen, wieder einmal vor diesem Ausschuß zu erscheinen, um die Lage der amerikanischen Streitkräfte in Europa zu erörtern.
Da das US-Oberkommando Europa

(United

States European Command

-

EUCOM) den amerikanischen Beitrag zum Alliierten Befehlsbereich Europa
(Allied Command Europe - ACE) darstellt, möchte ich zunächst die sicherheitspolitischen Kernfragen ansprechen, denen sich AJE gegenwärtig gegenübersieht. Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Verteidigungsanstrengungen jeder der einzelnen Nationen des Bündnisses, und auf sie konzentriert sich die Aufmerksamkeit des Bündnisses insgesamt, insbesondere

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�insgesamt, insbesondere in Zusammenhang mit dessen gemeinsamen sicherheitspolitischen Zielen.

Sicherheitspolitische Probleme der NATQ

Das 36. Jahr des Bestehens der NATO neigt siqh dem Ende zu. Das Bündnis bildet die erfolgreichste Friedensbewegung der Geschichte. Sein Auftrag lautet: Abschreckung. Innerhalb des Bündnisses sind die Form und der
umfang der sicherheitspolitischen Anstrengungen der Mitgliednationen zwar
teilweise auch weiterhin umstritten, aber auf beiden Seiten des Atlantik
besteht Übereinstimmung darüber, daß die wesentlichen Elemente der Abschreckung die folgenden sind:
- eine angemessene Strategie,
- hinreichende militärische Mittel, um dieser Strategie Sgbstanz zu
verleihen, und
- Klarheit über die nötige politische Einmütigkeit und Entschlossenheit, diese Strategie in die Tat umzusetzen.
Eine angemessene Strategie

Was das erste Element, eine angemessene Strategie, angeht, so hat
sich die NATO auf die Abschreckungsstrategie der Flexiblen Antwort festgelegt, die sich auf Militärstreitkräfte in Form einer Triade stützt. Sie
umfaßt strategisch-nukleare, nichtstrategisch-nukleare und konventionelle
Streitkräfte. Diese Strategie beinhaltet eine einmütige Selbst Verpflichtung aller Bündnispartner, nicht als erste militärische Gewalt anzuwenden. Die NATO behält sich jedoch vor, im Falle eines Angriffs zu ihrer
Verteidigung als erste Kernwaffen einzusetzen. Eine solche Kombination
von Gewißheit darüber, daß die NATO auf eine Aggression reagieren würde,
und Ungewißheit über die genaue Art und den Umfang dieser Reaktion stärkt
die Abschreckung, indem sie es den Sowjets unmöglich macht, mit hinlänglicher Zuverlässigkeit die Risiken zu berechnen, die sie mit irgendwelchen aggressiven Akten eingehen würden. Diese Ungewißheit und Unberechenbarkeit bildet den entscheidenden Faktor in der Abschreckungsgleichung
der NATO. Auf ihren Zusammenkünften im Dezember 19ö4 haben die&gt; Auüen- und
Verteidigungsminister der NATO bestätigt, daü die Strategie der Flexiblen
- 2 -

�der Flexiblen Antwort das für die Gegenwart und die überschauoare Zukunft
angemessene Konzept bleibe.
Hinreichende militärische Mittel

Was das zweite Element, hinreichende militärische Mittel, anoelangt,
so muß die NATO für jede der Säulen der Triade genügend Streitkräfte unterhalten, um das zur Abschreckung notwendige Kräftegleichgewicht mit dem
Warschauer Pakt aufrechtzuerhalten. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien haben Programme zur Modernisierung ihrer strategischen Nuklearstreitkräfte eingeleitet. Wenn diese Modernisierungsprogramme in vollem
Umfang durchgeführt werden, wird der Abschreckungswert dieser Streitkräfte hoch bleiben. Der NATO-Beschluß vom Dezember 1979 zur Modernisierung
des nuklearen Mittelstreckenpotentials des Bündnisses trug den erheblichen Mängeln dieser wichtigen Säule unserer Triade Rechnung. Im Dezember
1983 haben wir mit der Durchführung dieses Modernisierungsprogramms begonnen; wir führen es planmäßig und ungeachtet sowjetischer Versuche, uns
daran zu hindern, fort. Das Bündnis braucht mit diesem Modernisierungsprogramm nur weiterzumachen, und wir werden die Lücke in diesem Bereich
unseres Abschreckungsspektrums schließen.

Seit Jahren weisen wir von SHAPE darauf hin, dab die größte Schwäche
der NATO in der konventionellen Säule der Triade liegt, ich habe diesem
Ausschuß schon in der Vergangenheit dargelegt, dab die politische Führung
der NATO

sich im Falle eines konventionellen Angriffs auf AJE senr

schnell vor die Entscheidung gestellt sehen würde, den Einsatz von nuklearen Gefechtsfeldwaffen freizugeben. Diese Lage ergibt sich in erster Linie aus der Tatsache, daß es uns im Hinolick auf ausgebildete Mannschaften, Munition und Reserven an Kriegsmaterial an oinsatzausdauer fehlt.
ACE wird zwar jedes Jahr stärker, aber die Anstrengungen des Bündnisses
können mit

denen

des Warschauer

Pakts

dennoch

auch

weiterhin

nicht

Schritt halten. Die sich ständig weiter verbreiternde Kluft zwischen der
konventionellen Schlagkraft der NATO und der des Warschauer Pakts berührt
die Glaubwürdigkeit der Abschreckung

der NATO, weil sie das Bündnis

zwingt, sich in äußerst hohem Maße auf den frühzeitigen Ersteinsatz von
Kernwaffen zu verlassen. Die Möglichkeit des Ersteinsatzes von Kernwaffen
- 3 -

�von Kernwaffen hat zwar auch weiterhin einen erheblichen Abschreckungswert, aber die Drohung mit einem frühzeitigen Ersteinsatz kann keinen
Ausgleich für' eine deutliche konventionelle unterlegenheit schaffen, denn
man sich in so starkem Maße auf einen frühzeitigen Ersteinsatz von Kernwaffen verlassen muß, so bildet dies keine glaubwürdige Grundlage für eine Abschreckung gegen das, was ich für die wahrscheinlichste Bedrohung
des Bündnisses halte: sowjetischer Druck und Einschüchterungsversuche gegen die Nationen Westeuropas auf der Grundlage der bedrohlichen und massiven militärischen Überlegenheit im Bereich der konventionellen Streitkräfte.

Die Aufrechterhaltung der politischen und wirtschaftlichen Handlungsfreiheit der Nationen Westeuropas liegt ebenso im sicherheitspolitischen
Interesse der Vereinigten Staaten wie in dem Europas. Wenn das militärische Kräfteverhältnis zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt einen
Punkt erreicht, an dem die militärische Lage sogar für ein Verteidigungsbündnis nicht mehr zu retten ist, besteht die sehr reale Gefahr, daß die
politische und wirtschaftliche Handlungsfreiheit Westeuropas unterminiert
werden könnte, da die politisch Verantwortlichen des Westens ihre Entscheidungen unter dem Schatten der militärischen Macht des Warschauer
Pakts treffen müßten.

Die militärische Lage ist für die NATO zwar schwierig, aber weder
hoffnungslos noch irreparabel. Da die NATO ein Verteidigungsbündnis ist,
braucht sie mit dem Warschauer Pakt nicht in jeder Kategorie des Kräftevergleichs im Verhältnis von eins zu eins gleichziehen. Im Rahmen der
NATO-Strategie der Flexiblen Antwort sind Verbesserungen im Bereich der
konventionellen Streitkräfte nur so weit erforderlich, wie sie den Warschauer Pakt zu der Überzeugung bringen, dab sie der NATO eine "realistische Chance" verschaffen, einen nichtnuklearen Angriff mit konventionellen Mitteln oder zumindest ohne frühzeitigen Einsatz von Kernwaffen
zum Scheitern zu bringen. So beschaffene

konventionelle Streitkräfte

müßten
- gewährleisten, daß unsere konventionelle Verteidiyung

lange genug

intakt bliebe, um die politische Führung der NATO in die Lage zu
versetzen,

mit

klarem

Kopf

und

voller Entschlußkraft

eine Ent-

�eine Entscheidung über den Einsatz von Kernwaffen zu treffen;
- den Schutz unserer nuklearen Trägermittel und wichtigen Führungs- und
Befehlssysteme gewährleisten, bis sie benötigt werden, und
- den Warschauer Pakt, falls er angriffe, vor die Alternative stellen,
den Angriff entweder wieder abzubrechen oder selost als erster zu eskalieren und Kernwaffen einzusetzen, was er nicht will.
Als SAJEIR (Oberster Alliierter Befehlshaber Europa) fühle ich mich
durch die Tatsache ermutigt, daß während der letzten Jahre eine Reihe von
schwierigen Entscheidungen getroffen worden sind, die zu einer Verstärkung der konventionellen Streitkräfte im Bereich von AJE führen werden.
Beispielsweise wurde der Umfang des gemeinsam finanzierten Infrastrukturprogramms gegenüber der letzten Tranche von einer Milliarde Infrastrukturverrechnungseinheiten (iMUs) auf drei Milliarden erhöht und somit verdreifacht. Dies wird uns in die Lage versetzen, auf Luftwaffenbasen, über
die im Ernstfall Verstärkungen eingeflogen würden, dringend benötigte Anlagen, so u.a. gehärtete Abstellplätze für Flugzeuge, zu errichten. Im
Dezember vergangenen Jahres beschlossen die Verteidigungsminister außerdem eine weitere Aufstockung der Munitionsbestände. Einer der meines Erachtens wichtigsten Schritte des Bündnisnisses

oestand

darin, daß im

Herbst vergangenen Jahres die langfristigen Planungsrichtlinien für die
Bekämpfung der Folgestaffeln des Warschauer Pakts angenommen wurden. Ich
glaube, daß die sich daraus ergebende Verbesserung unserer Fähigkeit, die
Operativen Manövergruppen, die zweite und dritte Staffel und die Reserven
des Warschauer

Pakts zu lokalisieren

und mit

konventionellen Waffen

Schläge gegen diese Einheiten zu führen, bevor sie auf unsere Verteidigungsstellungen treffen, sehr wohl bestimmend für den Erfolg unserer konventionellen Verteidigung sein könnte. Uiese tmtscheidungen werden sich
auf die Zeitspanne, während der AJE eine konventionelle Verteidigung aufrechterhalten kann, vorteilhaft auswirken.

Einmütigkeit und Entschlossenheit

Was das dritte Element der Aoschreckung, Bekundung von Einmütigkeit
und Entschlossenheit zur Durchführung der Strategie, anbelangt, so setzt
das Bündnis die Stationierung

von INf-Systemen auf europäischem Boden
- 5 -

�europäischem Boden fort. Auf den Zusammenkünften der außen- und Verteidigungsminister im Dezember 1984 bekundeten die Mitgliedstaaten der NATU
erneut ihre Entschlossenheit, die konventionelle Verteidigung zu verbessern und die Streitkräfteziele der NATO für den Zeitraum 1985 - 199U zu
verwirklichen. Auch die Entscheidungen vom vergangenen Jahr, die ich bereits erwähnte, bezeugten Einmütigkeit bezüglich der gemeinsamen Ziele
und Entschlossenheit zur Durchführung der Strategie. Auch bei einem der
besonders erfolgreichen Projekte des Bündnisses, dem gemeinsam finanzierten fliegenden Frühwarnsystem der NATO, werden Stationierung und Ausbildung planmäßig fortgesetzt. Außerdem haben die meisten Mitgliedstaaten
ungeachtet gravierender Finanzierungsprobleme ihre Verteidigungsausgaben
im Jahre 1984 real erhöht.

Die amerikanische Führungsrolle

Es ist wesentlich, daß die Vereinigten Staaten ihre Führungsrolle im
Bündnis auch weiterhin ausfüllen. Die Vereinigten Staaten haben ihre Führungsposition in den letzten Jahren gestärkt, indem sie ihren VerDÜndeten
vorgeführt haben, daß eine erhebliche

Verbesserung

des Zustands der

Streitkräfte selbst unter wirtschaftlich schwierigen dedingungen möglich
ist. Der beste Heg, die Verbündeten dazu zu bringen, auch weiterhin auf
eine Verbesserung ihrer konventionellen Verteidigung hinzuarbeiten, besteht für die Vereinigten Staaten darin, das Bündnis dazu anzuhalten,
ihrem eigenen Beispiel nach bestem Vermögen zu folgen, im Falle des Versagens aber nicht mit Repressalien zu drohen. Mit der Unterstützung des
Kongresses kann die NATO auch weiterhin Fortschritte erzielen.

Vorrangige Aufgaben des US-Oberkommandos Europa

Ich wende mich nun der Lage der amerikanischen Streitkräfte in Europa
zu. Während der letzten fünf Jahre hat sich das US-Oberkommando Europa
von vier vorrangigen Aufgaben leiten lassen. Angesichts der fortwährenden
Verbesserung der Schlagkraft der sowjetischen Streitkräfte und des sich
vergrößerten Ungleichgewichts im Bereich der konventionellen Streitkräfte
sind diese Aufgaben wichtiger denn je.
uie erste
- 6 -

�Die erste Aufgabe besteht darin, in angemessener Weise für unsere
Soldaten und deren Familien zu sorgen. Dies bedeutet, daß sie ausreichende Besoldung und materielle Vergütungen, medizinische Betreuung, Unterkünfte und Familienbeihilfen erhalten müssen und daß man ihnen angemessene Einrichtungen zur Verfügung stellen muü, in denen sie arbeiten, leben
und sich erholen können. Dies bedeutet auch, daU wir dafür sorgen müssen,
daß sie "psychisch im Lot" sind. Dazu müssen wir sie einer rigorosen, am
Auftrag orientierten Ausbildung unterziehen und ihnen das Bewußtsein verschaffen, daß sie imstande sind, ihre Ausrüstung ordentlich zu warten,
daß sie Teil eines gut geführten Teams sind und daß es ihren Führern keineswegs "egal" ist, wie es ihnen und ihren Familien geht. Die Herstellung
einer solchen Bewußtseinslage steht mit einer angemessenen Mittelzuweisung zur Deckung von Betriebs- und Materialerhaltungskosten in engem Zusammenhang.

Die zweite Aufgabe des US-Oberkommandos Europa besteht darin, das
beste aus den ihm unterstellten Streitkräften herauszuholen, indem man
sicherstellt, daß sie den Kriterien von ACE für Stellenbesetzung, Ausrüstung, Ausbildung, Materialerhaltung, Versorgung und Zuführung von Verstärkungen genügen. Diese Streitkräfte würden im Ernstfall gemeinsam mit
denen, die die Verbündeten für den Bereich von AJE bereitstellen, unsere
vorderen Verteidigungsstellungen besetzen und müßten sie gegen die erste
Angriffswelle des Warschauer Pakts halten.

Die dritte Aufgabe von EUCQM besteht darin, die erforderliche Modernisierung unserer Waffensysteme fortzuführen und, wie dies bereits geschieht, nach Mitteln zu suchen, die uns besser in die Lage versetzen,
die Truppen des Warschauer Pakts soweit zu dezimieren, daß wir mit ihnen
fertig werden können, wenn sie auf unsere Verteidigungsstellungen treffen. Kurzum: Wir müssen unsere Möglichkeiten, die Folgestaffeln eines Aggressors mit konventionellen Waffen anzuyreifen, verbessern.

Unsere vierte Aufgabe besteht darin, unsere Streitkräfte strukturell
zu verstärken, insbesondere durch mobilisierbare, ausgebildete Reserven.
Den bestehenden strikten haushaltsmäßigen Beschränkungen und anderen vorrangigen Aufgaben muß zwar gebührend Rechnung getragen werden, aber den- 7 -

�aber dennoch ist ein gewisser Ausbau der aktiven Streitkräfte notwendig,
um die Modernisierungsprogramme durchführen und den sich aus der Bedrohung ergebenden Erfordernissen gerecht werden zu können.

Wenn diese Aufgaben erfüllt werden können, so wird dies die gemeinsame Abschreckung stärken und die Fähigkeit der amerikanischen Streitkräfte
zur Vorneverteidigung in der Hauptabwehrlinie ebenso verbessern wie ihre
Fähigkeit zu Angriffen auf die Folgestaffeln des Warschauer Pakts. Dank
der Unterstützung durch den Kongreß konnten in den vergangenen Jahren in
diesen vorrangigen Bereichen bereits Verbesserungen vorgenommen werden.

Die Schlagkraft der Streitkräfte der Vereinigten Staaten konnte in
den vergangenen Jahren zwar erheblich erhöht werden, aber sie haben heute
immer noch nicht den Leistungsstand, den sie haben könnten. Außerdem köi&gt;
nen die amerikanischen Streitkräfte, die zur raschen Verstärkung der NATU
vorgesehen sind, immer noch nicht entsprechend dem erforderlichen Zeitplan verlegt werden. Diese Mängel behindern uns bei der Erfüllung unseres
Auftrags in Europa. Mit der Unterstützung des Kongresses können wir sie
jedoch beheben und damit die Abschreckung stärken.

Vor diesem Hintergrund mö'chte ich nunmehr einige meiner besonderen
Anliegen im Hinblick auf die Verbesserung der Linsatzfähigkeit der EüJOM
unterstellten amerikanischen Streitkräfte darlegen, ich darf ihnen ins
Gedächtnis rufen, daß Einsatzfähigkeit auf vier Faktoren beruht: Einsatzbereitschaft, Einsatzausdauer, Modernisierung und Streitkräftestruktur.
Die Einsatzbereitschaft von U5EUJ0M

Die Einsatzbereitschaft der amerikanischen Kampftruppen in Europa befindet sich heute auf einem höheren Stand als zu jedem anderen Zeitpunkt,
seit ich die Position des USCINJEUR (amerikanischer Oberbefehlshaber Europa) übernommen habe.

Ihnen als Kongreßabgeordneten verdanken wir die Mittel, mit denen
dies Niveau erreicht werden konnte, und wir in Europa wissen das sehr zu
schätzen. Das Personal bildet das wichtigste Element der Einsatzoereit-

- ö-

�der Einsatzbereitschaft einer Truppe, und die Uualitä't und der Ausbildunysstand unserer Soldaten sind besser als alles, was ich in den k'l Jahren meiner aktiven Dienstzeit erlebt habe. Die Herbstmanöver 1984 in Europa und die REFORGER-'übung vom vergangenen Monat haben den Enthusiasmus
und die hohe Moral unserer Truppen gezeigt; hinzu kommen teilweise noch
eine ausgezeichnete Ausbildung, ein hoher Leistungsstand der Einheitsführer und die Übernahme leistungsfähigerer Waffensysteme in den Truppendienst. Wir müssen den Bedürfnissen der Truppe auch weiterhin Rechnung
tragen, so daß sie sich voll ihren militärischen Aufgaben widmen kann,
unsere Nation erwartet von den Angehörigen der Streitkräfte, daß sie die
Interessen ihres Landes ihren eigenen überordnen, und unsere Soldaten tun
genau das. Es ist daher nur recht und billig, daü wir dafür angemessene
Rahmenbedingungen für ihren Dienst schaffen.

Einsatzbereitschaft

Was den Faktor Einsatzbereitschaft angeht, so bestehen einige Mängel.
Es sind zu wenig PüMCUS-Ausrüstung und -Einrichtungen vorhanden (.POMCUS =
Prepositioning of Materiel Confiyured to Unit Sets - Vorabeinlagerung der
Ausrüstung ganzer Einheiten am Einsatzort); gleiches gilt für die Zahl
des Kampfunterstützungspersonals für die bereits an Ort und Stelle befindlichen und die Verstärkungstruppen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist
erst die Hälfte der insgesamt eingeplanten PCMJ US-Tonnage in Depots in
Europa eingelagert. Es ist wesentlich, daß der Kongreß die Fortsetzung
der Verschiffung von PCMU US-Ausrüstung und die Anschaffung von Lagereinrichtungen genehmigt. Das POMCUS-Programm wurde vor einer Reihe von Jahren eingeleitet, da

man erkannte, daß man

zusätzliche

amerikanische

Streitkräfte benötigen würde, um einer Bedrohung begegnen zu können, wenn
sie sich im Frühstadium einer Krise oder eines Konflikts in Europa abzeichnete. Man kam zu dem Schluß, daß POMCUS kostengünstiger und effektiver sein würde als andere Lösungen, die zusätzliche kostspielige strategische Luft- und Seetransportkapazitäten erfordert hätten. Daher verpflichteten sich die Vereinigten Staaten gegenüber ihren Verbündeten, die
Ausrüstung von sechs Divisionen im Rahmen des POMJUS-Programms vorab einzulagern, um eine schnelle Zuführung von Verstärkungen nach Westeuropa zu
gewährleisten.
Für eine
- 9 -

�Für eine Stärkung der konventionellen Abschreckung und Verteidigung
ist von entscheidender Bedeutung, daß wir in der Lage sind, Verstärkungen
aus den Vereinigten Staaten nach Europa und weiter in ihre Kampfräume zu
bringen. Wenn die Programme, die in den letzten Jahren die Unterstützung
des Kongresses gefunden haben (CRAF, gestreckte C-141, KC-1U, £-5ö,
und schneller Seetransport) in vollem Umfang durchgeführt

C-17

werden, und

wenn die PCMC US-Depots voll aufgefüllt werden, dann wird dies einen großen Schritt in Richtung auf die Gewährleistung der Zuführung der erforderlichen Verstärkungen bedeuten. Ich ersuche den Kongreb dringend um
seine weitere Unterstützung im Hinblick auf diejenigen Teile dieser wichtigen Transportprogramme, deren Finanzierung bislang noch nicht gesichert
ist.
Eine meiner Hauptsorgen gilt der Tatsache, daß USEUCOM in den ersten
Tagen einer Krise oder eines Konflikts nur unzulängliche Kampfunterstützung seinheiten (Combat Service Support - CSS) zur Verfügung stehen würden. Ein entscheidender Faktor, der sich beschränkend auf die Kampfkraft
auswirken kann, liegt in der Verfügbarkeit von Personal und Einrichtungen
zur Bewachung, Wartung und Reparatur von Material und zur Weiterleitung
von Nachschub zu den Kampf verbänden. Dies ist die Funktion der CSS-Einheiten. Was das Heer heute an CSS-Einheiten besitzt, genügt nicht, um die
ersten eintreffenden PQ^ü US-Verbände zu unterstützen, und reicht nocn
nicht einmal für die bereits heute in vornegelegenen Stellungen in Europa
stationierten Kampftruppen. Die gegenwärtig an Ort und Stelle vornandenen
CSS-Einheiten haben im allgemeinen Untersollstärke; bei einigen bis hinunter zu 70 Prozent. Außerdem machen die vor Ort befindlichen CSS-Einheiten nur 56 Prozent dessen aus, was zur Unterstützung der permanent in Europa stationierten

amerikanischen Kampftruppen eigentlich erforderlich

wäre. Falls wirklich POMCUS-Verbände herangeführt würden, würde sich die
Lage noch verschlimmern. Die für sie notwendiyen CSS-Funktionen müuten
zum großen Teil von Reserveeinheiten übernommen werden, die in den Vereinigten Staaten stationiert sind und vielfach personell und materiell Untersollstärke haben. Es muß noch mehr getan werden, um zu gewährleisten,
daß CSS-Reserveeinheiten frühzeitig zur Verfügung stehen. Beim gegenwärtigen Ausrüstungsstand würden viele Reserveeinheiten zunächst in den Vereinigten Staaten bleiben und auf die Zuführung wichtigen Materials warten
- 10 -

�Materials warten müssen. Dieses Material mub schon im Frieden bereitgestellt werden. Für diese Einheiten muU auch in verstärktem Malöe strategischer See- und Lufttransportraum verfügbar gehalten werden.

Ob wir Verstärkungen heranführen können, hängt auch davon ab, daü in
Europa hinreichende Hilfseinrichtungen bestehen, mittels derer die Verstärkungsoperationen befehligt und geleitet werden könnten. Wir brauchen
Einrichtungen für die Unterbringung des Hilfspersonals, dessen Aufgabe es
wäre, die aus den Vereinigten Staaten nach Europa verlegten amerikanischen Heereseinheiten in Empfang zu nehmen und auf den Weitertransport in
die Kampfzone vorzubereiten. Im Frieden entwirft dieses vorne stationierte Hilfspersonal Pläne für die Durchführung dieser Inempfangnahme- und
Weiterleitungsaufgaben, nimmt Verbindung mit dem Personal der Gaststaaten
auf, das ihm im Kriegsfalle bei der Durchführung dieser Aufgaben behilflich sein würde, konzipiert gemeinsam mit ihm entsprechende Pläne und
übernimmt die Befehls- und Leitungsfunktionen für die PlMülS- und Munitionslagereinrichtungen, die der Unterstützung der im entsprechenden Teil
der Bundesrepublik Deutschland stationierten amerikanischen Streitkräfte
dienen. Das Riechel-Gebäudes in Rheinberg in der Bundesrepublik Deutschland bildet ein Beispiel für eine Einrichtung von der Art, die notwendig
ist, um sicherzustellen, daü unsere Verstärkungen in Empfang genommen und
zeitgerecnt in ihre Einsatzräume geleitet werden. Es hat eine ideale Lage
mitten auf den Verbindungslinien zur Heeresgruppe Nord und im geographischen Mittelpunkt des Gebiets, in dem PCMCU5- und andere Versorgunys- und
Hilfseinrichtungen angesiedelt sind. Die Vereinigten Staaten haben zur
Zeit 35 Prozent der Anlage zu einem jährlichen Preis von 64U UUU Dollar
angemietet. Beim gegenwärtigen Wechselkurs würde sich der Kaufpreis für
das Gebäude auf 11,8 Millionen Dollar belaufen. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland hat sich bereit erklärt, den Grund und Boden für die
Nutzung durch die Vereinigten Staaten zum Preis von zwei Millionen Dollar
zu erwerben. Ohne eine solche Einrichtung wäre es fraglich, OD wir Verstärkung soperationen im Bereich der Heeresgruppe Nord in Mitteleuropa befehligen und leiten könnten, und es wäre zweifelhaft, ob die Vereinigten
Staaten ihr Versprechen, notfalls innernalb von zehn Tagen nacn Mobilmachungsbeginn zehn Divisionen und die dazugehörigen Einheiten der Luftwaffe nach vorn zu verlegen, einlösen könnten. Ich bitte den Konyreü drin- 11 -

�KongreB dringend, dem Ankauf des Riechel-Gedäudes seine Unterstützung zu
leihen.

Gemäü einer Initiative des Verteidigungsministers ist USEOLüM aktiv
um Abkommen mit unseren Verbündeten über Unterstützung durch das Gastgeberland in Kriegszeiten (Wartime riost Nation Support - WHNS) bemünt, die
den Mangel an amerikanischen Kampfunterstützungstruppen zu einem großen
Teil ausgleichen können. Unser wichtigster Erfolg bis zun gegenwärtigen
Zeitpunkt ist das WHNS-Abkommen mit der Bundesrepublik Deutschland, in
dem sich die Deutschen formell verpflichtet haben, deutsche Reserveeinheiten und zivile Kräfte in logistischen und anderen Hilfsfunktionen für
die amerikanischen Verstärkungstruppen einzusetzen. Mit zehn anderen verbündeten Nationen haben wir ähnliche, aber weniger umfassende Abkommen
geschlossen, in denen sie sich zur Unterstützung amerikanischer Streitkräfte verpflichtet haben. Die Mittelzuweisung durch den Kongreü zur Finanzierung des amerikanischen Anteils an diesen WHNS-Abkommen bleibt ein
kosteneffektiver und wesentlicher Schritt in Richtung auf eine Verbesserung

der Einsatzbereitschaft

der der NATO

zugeteilten

amerikanischen

Streitkräfte.

Einsatzausdauer

Ich möchte mich nunmehr dem Faktor Einsatzausdauer in der Gleichung
der Einsatzfähigkeit zuwenden. Der Grad der Einsatzausdauer der der NATO
unterstellten amerikanischen Einheiten ist im allgemeinen in den meisten
Bereichen höher, als dies bei anderen Verbündeten der Fall ist. Weitere
Verbesserungen werden vorgenommen. Es bestehen jedoch Engpässe üei einzelnen Munitionsarten, z.B. bei Luft-Luft-Raketen und bestimmten Typen
von Artilleriemunition. Während der letzten fünf Jahre hat sich die Lage
zwar erheblich verbessert, aber die Bevorratung mit wichtigem Heeresgrougerät und Fachversorgungsmitteln für die Luftwaffe ist unzureichend. Wenn
die Versorgung mit diesen Dingen oder mit bestimmten Munitionsarten zum
Erliegen käme, wäre auch die Einsatzfähigkeit der Truppe am Ende.

Ob wir Kampfhandlungen über einen längeren Zeitraum hinweg führen
können, hängt auch davon ab, ob wir imstande sind, besonders wichtige
- 12 -

�besonders wichtige Kampfmittel zu schützen. Uie frühzeitige Verstärkung
der Luftwaffe

in Europa

durch Entsendung

zusätzlicher

amerikanischer

Flugzeuge könnte in erheblichem Maioe zur Abschreckung beitragen oder den
Ausgang eines Konflikts bestimmen. Die Verbündeten haben mehr als 70 Einsatzbasen für die Nutzung durch zur Verstärkung eingeflogene Flugzeuge
zur Verfügung gestellt. Wenn auf diesen Einsatzbasen hinreichende Einrichtungen und geschützte Flugzeugabstellplätze vorhanden wären, so könnten diese Maschinen, wenn sie erst einmal eingetroffen wären, auch über
längere Zeit hinweg für Kampfeinsätze verwendet werden; außerdem wären
sie dann weniger verwundbar. Bevor man sie in längerdauernde Kampfeinsätze schicken kann, ist jedoch die Errichtung von bestimmten unabdingbaren
Grundeinrichtungen (sogenannten Minimum Essential Facilities - MEF) erforderlich. Die Finanzierung dieser MEF-Einrichtungen und der geschützten
Abstellplätze erfolgt im Rahmen des NATO-lnfrastrukturprogramms. Sowohl
die MEF-Anlagen als auch die geschützten Abstellplätze stehen weit ooen
auf der Prioritätenliste des Infrastrukturprogramms. Auf der Grundlage
des gegenwärtigen Finanzierungsrahmens für die Infrastruktur gehen wir
davon aus, daü bis 1987 alle MEF-Projekte und bis 199!) alle AbstellplatzProjekte konkrete Formen angenommen haben werden, wobei ou Prozent der
letzteren schon auf die gegenwärtig Tranche des Infrastrukturprogramms,
also die für den Zeitraum 1985 - 1990, entfallen werden.

Was das NATO-Infrastrukturprogramm angeht, so höre ich seit einiger
Zeit, daß der Kongreß sich über die Rückerstattung amerikanischer Mittel
Sorgen macht, die in der Vergangenheit zur Vorfinanzierung von Projekten
eingesetzt worden sind, für die eigentlich die NATO gemeinsam aufkommen
sollte. In der Tat verhält es sich so, daü die Mittelbewilligung für den
Bau von Militäranlagen im Rahmen der Verpflichtungsermächtigung vom vergangenen Jahr meine Möglichkeiten zur Ausgabe von bewilligten amerikanischen Infrastrukturmitteln im Haushaltsjahr 1985 auf vier Dollar für jeden rückerstatteten Dollar begrenzte. Meines Erachtens
schränkung

ungerechtfertigt, da nach meiner Überzeugung

ist diese Beunsere Bilanz

besser ist, als der Kongreß glaubt.

Im Jahre 1980 haben wir von GSEüJQM uns mit Nachdruck darangemacht,
die Rückerstattung von vorfinanzierten Infrastrukturmitteln effektiver zu
- 13 -

�effektiver zu betreiben. Seit 19dü sind von einem rückerstattungspflichtigen Gesamtbetrag von 473 Millionen Dollar 235 Millionen Dollar rückerstattet bzw. sind die entsprechenden Haushaltstitel aufgelöst worden. Die
restlichen 238 Millionen sollen im Rahmen der Tranche von 19ö5 bis 1990
rückerstattet werden. Zusammengenommen aüdieren sich diese beiden Zanlen
auf 100 Prozent aller vom Kongreß für Vorfinanzierungszwecke in Europa
zur Verfügung gestellten Mittel. Was Ihnen vielleicht nicht bekannt ist,
ist jedoch die Tatsache, daß von den verbleibenden 23ö Millionen Dollar
nur 32,5 Millionen Dollar den Prozeio von der Auftraysvergaüe bis zur Abnahme der erstellten Anlage so weit durchlaufen haben, daß sie schon zum
gegenwärtigen Zeitpunkt zur Rückerstattung fällig werden, ich glaube, unsere Rückerstattungsbilanz rechtfertigt die Aufhebung der 1985 vom Kongreß verhängten Beschränkungen. Ich bitte daher um ihre Beseitigung.

Ein letzter unter die Oberbegriffe Einsatzbereitschaft und Einsatzausdauer zu subsummierender Bereich, in dem erhebliche Verbesserungen und
mithin auch die Unterstützung des Kongresses erforderlich sind, ist der
der kriegsmäßigen Lazarettbetreuung und des Abtransports unserer Verwundeten. Wenn in der nahen Zukunft in Europa ein Krieg ausbräche, könnten
wir mit den zu erwartenden Verlusten nicht fertig werden. Erforderlich
ist unter anderem die Beschaffung und Vorabeinlagerung am Ort des möglichen Geschehens von Marine-, Not- und allgemeinen Lazaretten, dem dazugehörigen Gerät zur medizinischen Versorgung, medizinischen Nachschubgütern
und zusätzlichem Transportraum zum Abtransport von Verwundeten auf dem
Land- und Luftweg. All dies müßte am Mobilmachungstag zur Verfügung stehen, ich ersuche daher dringend um volle Finanzierung dieses Programms.

Modernisierung
Modernisierung bildet ein weiteres wesentliches Element der Einsatzfähigkeit. Dank der Unterstützung durch den Kongreß kommen nunmehr moderne Flugzeuge, Panzer,

Schiffe, Mehrfachraketenwerfer,

Kampffahrzeuge,

Fernmeldeausrüstung und andere Systeme zur Truppe. Ich hoffe, daß das,
was der Haushaltsentwurf vorsieht, auch tatsächlich bewilligt wird und
daß im Hinblick auf die Folgegenerationen Forschung und Entwicklung zügig
vorangetrieben werden. Heute möchte ich mich bei meinen Darlegungen über
- 14 -

�Darlegungen über diesen Bereich auf das beschränken, was EuJUM am dringendsten braucht.
Die vorne stationierten Streitkräfte der NMFO und die ersten Verstärkungskontingente müssen in der Lage sein, die erste Welle eines Angriffs
des Warschauer Pakts aufzufangen. Um die Truppen, gegen die wir uns danacn in unseren Verteidigungsstellungen behaupten müssen, so weit zu dezimieren, daß wir mit ihnen fertig werden können, müssen wir imstande
sein, den Anmarsch der Folgestaffeln des Warschauer Pakts zur Front zu
verzögern und diese Einheiten - nämlich die Operativen Manövergruppen,
die zweite und dritte strategische Staffel und die Reserven - zu zerschlagen und zu neutralisieren. Wenn der Gegner annehmen muü, daü wir imstande sind, seine erste angreifende Staffel aufzuhalten und gleichzeitig
erfolgreiche Schläge gegen die Folgestaffeln zu führen, so würde dies die
Glaubwürdigkeit der Abschreckung erhöhen, da wir dann eine "reelle Chance" hätten, einen konventionellen Angriff durch den Warschauer Pakt zum
Scheitern zu bringen. Das wichtigste Programm, das USoUCOM

in seiner

Hauptfunktion, der Unterstützung des Alliierten Befehlsbereichs Europa,
durchzuführen hat, ist die Verbesserung unserer Fähigkeit zur Bekämpfung
der Folgestaffeln (Follow-un Forces Attack - FüFAj.

Um einem Angreifer die Fähigkeit zur Fortführung seiner Operationen
zu nehmen, den Schwung seines Angriffs zu brechen und eine erfolgreiche
Vorneverteidigung aufrechtzuerhalten, brauchen wir 1. Mittel der Raumüberwachung und Zielerfassung, 2. Führungs-, Befehls- und üatenaufbereitungsmittel sowie 3. Offensivmittel, die über das hinausgehen, was wir
bislang für die allgemeineren und schwerpunktartigeren Aufgaben der Gefechtsfeldabriegelung aus der Luft benötigt haben. Es stehen verbesserte
Technologien zur Verfügung, die viele der Mängel in den Bereichen der
Raumüberwachung, Aufklärung und Zielerfassung beheben werden. Wenn sie
erst einmal in ausreichender Zahl bei der Truppe sind, werden das Gemeinsame Überwachungs- und Zielbekämpfungsradarsystem (Joint Surveillance and
Target Attack Radar System - JSTARS), das Fortgeschrittene Radarsystem
mit Synthetischer Apertur (Advanced Synthetic Aperture Radar System ASARS) und das Präzisionsortung s- und Angriff System (.Precision Location
Strike System - PLSS) uns die erforderlichen Möglichkeiten zur Raumüber- 15 -

�zur Raumüberwachung und Zielerfassung verschaffen, in Veroindung mit den
Flugzeugen vom Typ TR-1, Bodenstationen zum Empfang und zur Darstellung
von Zieldaten und dem Gemeinsamen Taktischen Informationsverteilungssystem (Joint Tactical Information Distribution System - JTIDS) werden uns
diese Systeme die Mittel an die Hand geben, den Aufgaben gerecht zu werden, die sich unter dem ersten der drei genannten Aspekte des Angriffs
auf die Folgestaffeln des Warschauer Pakts stellen.

Die Vereinigten Staaten haben USEUJOM das Versuchsmodell einer teilstreitkräfteübergreifenden taktischen Datenaufbereitungszentrale, die allerdings erst bedingt einsatzbereit ist, zur Verfügung gestellt. Das System ist in Europa unter der Bezeichnung JTF-LQJE bekannt. Mit JTF-LUUE
wird EUuOM in Zusammenarbeit mit anderen Verbündeten, die ein Datenaufbereitungssystem entwickeln, versuchen, für MGE ein System zur crfassung
und Auswertung von Aufklärungsdaten auf dem Gefechtsfeld (Battlefield lntelligence Gollection and Evaluation System - BlJES) zu errichten. Es
wird noch erheblicher Anstrengungen und eines großen Zeitaufwands bedürfen, um üIGES zum Funktionieren zu bringen und um es in die richtigen
Führungs- und Befehlssysteme einzubinden.
Um die richtige Kombination von kosteneffektiven und auftragsgerechten Abstandswaffen und anderen Waffensystemen zum direkten und indirekten
Angriff im Rahmen der FOFA-Funktion zu entwickeln, müssen die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten alle Möglichkeiten der ihnen bereits zur
Verfügung

stehenden

Systeme

ausschöpfen,

um

herauszufinden,

ou

ihre

Reichweite, Treffsicherheit und Zerstörungskraft erhöht werden können.
Bis dahin sollten die Verbündeten gemeinsam alle Möglichkeiten der in
Frage kommenden neuen Technologien zum Einsatz im Rahmen der FüFA-Aufgabe
ausschöpfen.

Eine

andere

wichtige Modernisierung sauf gaue,

die

sich

für cüJUM

stellt, ist die Entwicklung eines modernen Vergeltungspotentials an chemischen Waffen. Mit der Unterstützung des Kongresses ist es uns verhältnismäßig gut gelungen, unsere Abwehrmöglichkeiten gegen chemische Waffen
und unsere Überlebensfähigkeit zu verbessern. Selbst die beste defensive
Schutzausrüstung, die zu haben ist, würde jedoch die Schlagkraft unserer
- 16 -

�Schlagkraft unserer Kampftruppen in ernstzunehmenaer Weise neraüsetzen,
nämlich um 30 bis 50 Prozent.
Mittels ihrer modernen, sowohl offensiven als auch defensiven chemischen Kampfmittel könnten die Sowjets in entscheidenden Frontabschnitten
ihrer Wahl unsere Truppen zum Anlegen ihrer ninderlichen Schutzausrüstung
zwingen, während ihre eigenen Streitkräfte ohne eine solche Behinderung
weiterkämpfen könnten. Wir benötigen moderne chemische Munition, die uns
ein glaubwürdiges Vergeltungspotential verschaffen und die Sowjets vom
Einsatz chemischer Waffen abschrecken würde. Wir hätten dann wieder die
gleiche Situation wie im Zweiten Weltkrieg, als zwar beide Seiten chemische Waffen besaßen, sie jedoch nicht einmal in äußersten Notlagen einsetzten, da jede Seite die Vergeltung der anderen fürchtete.

Wir besitzen bereits ein begrenztes Potential an chemischen Waffen,
aber sie sind unzureichend, überholt und schwer zu lagern und zu warten.
Die Mehrzahl unserer weltweiten Lagerbestände ist veraltet. Die Kampfstoffe sind in Großbehältern eingelagert, oder es stehen keine brauchbaren Trägermittel zur Verfügung, ich bitte daher dringend um ihre Unterstützung für die Herstellung binärer Kampfstoffe der benötigten Art. Wir
brauchen ein modernes, einsetzbares Vergeltungspotentidl, wenn wir die
Sowjets vom Einsatz chemischer Waffen in Europa abschrecken wollen und
wenn wir aus einer Position der Stärke heraus über das verhandeln wollen,
was letztlich unser Ziel ist, nämlich die Beseitigung aller chemischer
Waffen vom Antlitz der Erde.

Der Terrorismus bildet immer noch eine ernstzunehmende Bedrohung für
unsere Streitkräfte. Zur Verbesserung unserer Verteidigungsfähigkeit gegen diese Bedrohung ist bereits viel getan worden, aber weitere Schritte
müssen folgen und werden auch bereits unternommen. So werden z.B. zur Abschreckung terroristischer Anschläge die materiellen Sicherheitsvorkenrungen vervollkommnet, die Antiterrorismusausbildung in Europa wird intensiviert, und der Mannschaftsstand

des Wachpersonals, das mit dem

Schutz unserer Einrichtungen betraut ist, wird erhöht. Wir haben dem
Kampf gegen den Terrorismus eine hohe Prioritätsstufe eingeräumt und versuchen in Zusammenarbeit mit unseren
- 17 -

Verbündeten, diese Bedrohung zu

�Bedrohung zu beseitigen, aber die fortdauernde Unterstützung durch den
Kongreß ist erforderlich.

Schließlich ist eine Modernisierung der amerikanischen Sonderoperationsverbände erforderlich. Die Erreichung der Einsatzziele auf einem
möglichen europäischen Kriegsschauplatz erfordert die Verbesserung der
Einsatzausdauer dieser Verbände und die Entwicklung von Einsatzmöglichkeiten bei Nacht und schlechtem .Jetter, von Möglichkeiten zur Ein- und
Ausschleusung solcher Verbände und von Möglichkeiten zu ihrer Versorgung.
Die Errichtung verläßlicher, gemeinsam nutzbarer, sicherer und schwer abhörbarer Fernmeldeeinrichtungen würde diese operativen Möglichkeiten meßbar verbessern.

Streitkräftestruktur

Ich möchte mich nun dem Element der Einsatzfähigkeit zuwenden, das in
der Streitkräftestruktur besteht. Erweiterungen der Streitkräftestruktur
sind erforderlich, wenn die Bedienung der gegenwärtig vorhandenen und
noch zu beschaffendenrtaffensystemegewährleistet sein soll. Zusätzliche
nationale Anstrengungen zur Entwicklung eines Reservoirs an ausgebildetem, und zwar besonders in Kampffunktionen ausgebildetem Personal, aus
dem heraus Einheiten auf Kriegsstärke gebracht oder die in den ersten Tagen eines Krieges entstehenden KampfVerluste ausgeglichen werden könnten,
ist wesentlich für die konventionelle Verteidigung der NATU. Die Ergebnisse erster Bemühungen deuten darauf hin, daß sich durch gut durchdachte
Pläne in den einzelnen Mitgliedstaaten die Zahl der bei Mobilmachung Ausgehobenen erhöhen ließe. Es müssen Mittel und Hege gefunden werden, urn
diese Bemühungen weiterzuführen und um den Erfordernissen der Mouilmachung und des Ausgleichs von Verlusten gerecht zu werden.

Was mir im Hinblick auf die Struktur der Streitkräfte von USEUuOM besondere Sorge bereitet, ist die gegenwärtig bestehende, vom Kongreß gesetzte

Obergrenze

für

die

Truppenstärke

in

Europa

(european

Troop

Strength - ETS), die bei 326 400 Mann liegt. Die LTS-Obergrenze hat-in
allen Bereichen nachteilige Konsequenzen für die konventionellen Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Europa. Das EUJUM-Hauptquartier hat
- 18 -

�tLCCM-Hauptquartier hat erhebliche Zeit und Mühen auf die Entwicklung eines Verwaltungssystems verwandt, dir haben bis heute mehr als 1U DUO militärische Ausgabepositionen gestrichen, um die ETS-Obergrenze einhalten
zu können, gleichzeitig aber noch Spielraum für wesentliche Modernisierungsvorhaben zu behalten, dir müssen Einheiten in die Vereinigten Staaten zurückschicken, die wir eigentlich brauchen, oder uns damit abfinden,
dab Linheiten, die wir ebenfalls brauchen, mit Verzögerung nach curopa
entsandt werden; manchmal auch beides. Um die ETS-Obergrenze auch weiterhin einhalten zu können, müssen wir uns heute zu Einsparungen beim Personalstand eigentlich benötigter konventioneller Streitkräfte bereitfinden,
wenn wir Raum für das Bedienungspersonal der landgestützten Marschflugkörper (Ground-Launched Cruise Missiles - GLCM) schaffen und die deiterführung von deren Aufstellung sicherstellen wollen, ich glaube, daö wir
es uns nicht länger leisten können und sollten, diese Obergrenze einzuhalten, da wir dann Abstriche an der Kampfkraft machen müssen, die wesentlich für die Abschreckung und die Verteidigung ist.

Ich ersuche den Kongreö, die Obergrenze für die amerikanischen Truppen in Europa aufzuheben. Ich glaube, dab wir eine straffe Verwaltung aller Planstellen in Europa geschaffen haben, was auch die Einheiten einschliebt, deren Führungsstäbe

in den

Vereinigten Staaten

stationiert

sind. Die Argumente für eine Verstärkung der konventionellen Verteidigung
sind zwingend. Eine Aufrechterhaltung der ETS-Obergrenze für Verbesserungen der konventionellen Verteidigung würde nachteilige Konsequenzen nahen, die schwerer wiegen als alle Vorteile, die sich daraus ergeben können, dab wir unsere Verbündeten anspornen, selbst mehr zu tun. Uie Notwendigkeit, die Stationierung der GLCM fortzuführen, ist ebenfalls zwingend. Ich hoffe, dab der Kongreb und die Administration Mittel und liege
finden können, auf die Verbündeten einzuwirken, ohne Zuflucht zu ETSObergrenzen, Drohungen mit dem Abzug amerikanischer Streitkräfte, Versagen der Unterstützung für das Infrastrukturprogramm oder anderen Strafmaönahmen nehmen zu müssen.

Schlubfolgerungen

Abschliebend möchte ich Ihnen für die Beratungen über den Verteidi- 19 -

�den Verteidigungshausnalt für das Haushaltsjahr 1966 einige bedanken mit
auf den Weg geben.

Erstens: Die Strategie der NATO für die Kriegsverhütung durch Abschreckung und die Verteidigung unserer vitalen Interessen in Westeuropa
ist nach wie vor fundiert. Bei den Streitkräften, die zur vollen Umsetzung der NATO-Strategie der Flexiblen Antwort erforderlich sind, gibt es
jedoch Mängel. Wir haben bereits begonnen, bezüglich der Mängel im Bereich der strategischen und nichtstrategischen Sä'ulen der Streitkräftetriade, auf die sich unsere Strategie stützt, Abhilfe zu schaffen. Was zu
tun bleibt, ist lediglich, diese Programme auch zu Ende zu führen.

Zweitens: Eine weitere Verbesserung der konventionellen Streitkräfte
ist wesentlich und auch machbar, da die NATO als ein Verteidigungsbündnis
auf der Grundlage der Strategie der Flexiblen Antwort mit der Sowjetunion
und dem Warschauer Pakt nicht in jedem dereich des Kräftevergleichs im
Verhältnis von eins zu eins gleichzuziehen braucht. Verbesserungen des
amerikanischen Beitrags zur NATO-Verteidigung

sollten

den Prioritäten

folgen, die ich bereits skizziert habe.

Drittens: Das Oberkommando Europa braucht Ihre Unterstützung im Hinblick auf einige besonders wichtige verteidigungspolitische Programme.
Dies sind:
- Personalpolitische Vorhaben, z.ä.

in den Bereichen Besoldung und me-

dizinische Betreuung; militärische Bauvorhaben und Projekte in den
Bereichen Betrieb und Materialerhaltung zum Zwecke der Ausbildung und
der Errichtung von Hilfseinrichtungen und Unterkünften; Familienbeihilfe und Instandhaltung von Liegenschaften.

- Stationierung aller GLCM und Pershing-II.

- Projekte, die im Hinblick auf eine Mobilmachung von Bedeutung sind,
z.B. Einlagerung von POMCUS-Ausrüstung, Errichtung von Lagereinrichtungen, Bereitstellung von Hilfspersonal und Vornestationierung von
CSS-Einheiten.
- ZU -

�- Programme im Hinblick auf die Erfordernisse der Mobilität und Sachführung von Verstärkungen, insbesondere aber im Hinblick auf die von
den Vereinigten Staaten übernommene Verpflichtung, ihre Truppen in
Europa innerhalb von zehn Tage nach Mobilmachung um zehn Divisionen,
88 taktische Kampf staffeln der Luftwaffe und eine amphibische Brigade
des Marinekorps zu verstärken.

- Mittelzuweisung für das WI-NS-Programm, um die Streitkräfte der Vereinigten Staaten voll und ganz in die Lage zu versetzen, die Kampfkraft
der amerikanischen und NATü-Verbände in Europa gemäü den HNS-AbKommen
zu verstärken.
- Progiamme im Hinblick auf die Erfordernisse der Einsatzausdauer, insbesondere im Hinblick auf die Einlagerung von und Bevorratung mit besonders wichtigen Munitionsarten und Grougerät, dessen Fehlen unsere
Verbände im Ernstfall der Fähigkeit zur Fortführung der Kampfhandlungen berauben könnte.

- Ausbau der Mittel zur kriegsmäßigen Lazarettbetreuung und zum Abtransport von Verwundeten. Erforderlich sind in diesem Zusammenhang
die Beschaffung und Vorabeinlagerung an Ort und Stelle von allgemeinen und Notlazaretten mit entsprechender Ausstattung und Ausrüstung
und allen dazugehörigen medizinischen Versorgungsgütern.

- Einführung der überwachungs- und Zielerfassungssysteme, der Datenaufbereitung s-, Führungs- und Befehlssysteme

sowie Waffensysteme, die

zur wirksamen Bekämpfung der Folgestaffeln des Warschauer Pakts erforderlich sind. Besondere Beachtung sollte der Standardisierung geschenkt werden; die Systeme sollten mit entsprechendem Gerät der Verbündeten kompatibel sein.

- Entwicklung eines modernen Vergeltungspotentials an chemischen Waffen
auf der Grundlage binärer Kampfstoffe.
- Kampf gegen den Terrorismus.
- Erhöhung der
- 21 -

�- Erhöhung der Schlagkraft der Sonderoperationsverüände, insbesonaere
Verbesserung der Möglichkeiten zur Ein- und Ausschleusung

solcher

Verbände sowie Verbesserung der entsprechenden ui-Systeme (.Liommand,
Controll, Communication = Befehls-, Führungs- und Fernmeldesysteme).

Viertens möchte ich nochmals darauf hinweisen, daü die Aufrüstungsmaschinerie der Sowjetunion und des Warschauer Pakts mit unverminderter
Kraft weiterläuft. Was die NATO braucht, sind gemeinsame, aus den Verbänden aller Verbündeter zusammengesetzte Streitkräfte, deren operative Fähigkeiten in den Augen des Warschauer Pakts so überzeugend sind, daü sie
es ihm nicht geraten erscheinen lassen, seine militärische Stärke gegen
die NATO zum Einsatz zu bringen. Die Kosten, die ein solches Abschrekkungspotential verursacht, sind freilich hoch; das war immer so.

Seit dem Ende des Unabhängigkeitskrieges haben die Bürger unseres
Landes stets vom immerwährenden Frieden geträumt und sich dem Wunschdenken hingegeben, daü es nie wieder Krieg geoen werde. Dies hat immer wieder dazu geführt, daü unsere Nation sich selbst so weit geschwächt hat,
daü keine Abschreckung gegen eine Aggression mehr gegeben war und daü wir
nicht richtig auf den Kampf vorbereitet waren, wenn die Abschreckung
schlieülich versagte. Dazu dürfen wir es nicht noch einmal kommen lassen.
Es wird aber dazu kommen, wenn wir nicht die Schlagkraft und Kampfbereitschaft unserer Streitkräfte und der unserer Verbündeten weiter erhöhen.
Die Maünahmen der jüngeren Vergangenheit haben insgesamt zu einer deutlichen Erhöhung der Wehrkraft der Vereinigten Staaten geführt. Während der
letzten Jahre haben die Amerikaner groüe Opfer gebracht, um das Ungleichgewicht im militärischen Kräftevergleich zu verkleinern. Diese Anstrengungen bewirken durchaus etwas. Der Leistungsstand der Streitkräfte der
Vereinigten Staaten ist heute der nöchste in ihrer Geschichte, ganz
gleich, welchen Maüstab man auch anlegt. Die Soldaten sind gut ausgerüstet, gut ausgebildet und werden gut geführt. Ihr fachliches Können, ihre
Intelligenz, ihr Pflichtgefühl und ihre Bereitschaft, im Dienste unserer
Nation Upfer zu bringen, sind eine Beflugelung für alle, die das ülück
haben, sie befehligen zu dürfen. Die operativen Fähigkeiten der in Europa
stationierten amerikanischen Streitkräfte haben sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Wir können es uns nicht leisten, in unseren
- 22

�in unseren Anstrengungen ausgerechnet dann nachzulassen, wenn sie sich
auszuzahlen beginnen. »Vir müssen auch weiterhin hinreichende Mittel für
die Verteidigung aufwenden, um in den vollen uenuß der Mufwertuny der
Kampfkraft unserer Streitkräfte zu kommen, für die wir bereits so grobe
Opfer gebracht haoen, und um das hohe Niveau zu halten, das wir brauchen,
um unsere Verbündeten dazu anzuspornen, weiterhin mehr für die kollektive
Verteidigung unserer gemeinsamen Werte zu tun, so daß keine andere Nation
es wagen wird, das westliche Bününis anzugreifen.

Abschließend möchte ich bemerken, dab ich die Notwendigkeit zur Verringerung des Haushaltsdefizits sehe und verstehe und auch den Wunsch einiger Kongreßabgeordneter, nicht nur soziale und andere öffentlichkeitswirksame Leistungen, sondern auch den Verteidigungshaushalt zu kürzen,
nachvollziehen kann. Wie ich jedoch schon bei früherer Gelegenheit vor
diesem Ausschuß bemerkte, scheint mir das höchste moralische Gebot für
eine demokratische Regierung darin zu bestehen, die wichtigste aller sozialen Leistungen sicherzustellen, nämlich die, die darin besteht, den
Bürgern die Freiheit, das Leben und den Frieden zu erhalten.

Ich hoffe, daß man bei den Haushaltsberatungen, die unsere Nation
Jahr für Jahr führt, der Tatsache Beachtung schenken wird, dab diese
spezielle soziale Leistung alle anderen übergreift.

- 23 -

�ä

Wi//cn/choft
und Technik

I II13

ITTI3T

United States Information Service
Embassy of the United States of America

13. März 1985

11

NATIONALE WISSENSCHAFTSMEDAILLE 1985

Präsident Ronald Reagan ehrt 19 amerikanische Wissenschaftler
und Ingenieure -

WASHINGTON - (AD) - In einer feierlichen Zeremonie im Weißen Haus
zeichnete Präsident Reagan am '11. Februar 1985

19 amerikanische Wissen-

schaftler und Ingenieure mit der Nationalen Wissenschaftsmedaille 19ö5
aus.

Sie wird in Würdigung der Gesamtleistung des Betreffenden und deren

Auswirkungen auf den gegenwärtigen Stand der Forschung in den physikalischen, biologischen, mathematischen und technischen Wissenschaften, in
Verhaltens- und Sozialforschung verliehen.

Ongewöhnlicne Einzelleistun-

gen, die große Bedeutung für wissenschaftliche Ideen und Überlegungen auf
bestimmten Gebieten erlangen könnten, werden ebenfalls gewertet.

"Wir haben immer wieder bewiesen, daß Freiheit plus Wissenschaft mit
Chancen und Fortschritt gleichzusetzen sind", sagte der Präsident in seiner Ansprache.

Er verwies darauf, daß trotz verringerter Regierungsaus-

gaben im Haushalt 1986 eine Erhöhung der Mittel für Grundlagenforschung

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel : 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�für Grundlagenforschung in den physikalischen Wissenschaften um 6,7 Prozent angefordert worden sei. Außerdem sei geplant, alle für Wissenschaft
und Technik einzusetzenden Mittel von sofort an bis zum Ende des Jahrzehnts anzuheben.

"Letztlich ist mehr Wissen die Quelle für Innovation,

neue Technologien und menschlichen Fortschritt...

Das ist nun einmal

Sache der Wissenschaft", erklärte Präsident Reagan.

"Unser beneidenswer-

ter Lebensstandard, unsere nationale Sicherheit, unsere Fähigkeit, neue
Arbeitsplätze zu schaffen - mehr als sieben Millionen in den letzten zwei
Jahren... - das braucht neue Begabungen, Erkenntnisse und neues Wissen,
dazu unser Talent, dies alles zu nutzen."

Ausgezeichnet wurden u.a.:

- John Trump, Professor für Elektrotechnik am Massachusetts Institute
of Technology, für die Einführung neuer Verfahren, die die Anwendungsmöglichkeiten für ionisierende Strahlung in Medizin, Industrie
und Kernphysik ausweiten;

- Walter Munk, Professor für Geophysik an der Universität Kalifornien,
für Untersuchungen, die zu einem besseren Verständnis der Erdrotation
und der Wellenbildung in den Meeren führte,

- Bruno Rossi, Professor für Physik (Emerit) am Massachusetts Institute
of Technology, für Forschungsarbeiten zur Natur und zum Ursprung kosmischer Strahlen, außerdem für bahnbrechende Studien, die eine direkte Messung des Sonnenwindes ermöglichen und zur Entdeckung nicht-solarer Röntgenquellen führten;

- Howard Bachrach, ehemaliger Uhefwissenschaftler des U.S. Landwirtschaftsministeriums, für die Identifizierung

eines immunisierenden

Proteins und für seine Beiträge zu genchirurgischen Methoden, mit
denen das erste wirksame Vakzin für die Tier- und Humanmedizin erzeugt wurde;

- Herman

Uoldstine, Vorsitzender

der

- 2 -

Amerikanischen

Philosophischen

�- Amerikanischen Philosophischen Gesellschaft, für grundlegende Beiträge zur Entwicklung des Digitalcomputers, der Computerprogrammierung
und der numerischen Analyse.

Die Medaille wird seit 1962 vergeben.

Dem "Komitee für die Nationale

Wissenschaftsmedaille" werden Vorschläge für die Auswahl von Preisträgern
von der Nationalen Akademie der Wissenschaften und anderen Urganisationen
aus den Bereichen Natur- und Geisteswissenschaften sowie Ingenieurwissenschaften unterbreitet.

* * * * *

- 3-

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan drängt auf Verbesserungen der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Beileidsschreiben des Pärsidenten zum Tod Tschernenkos -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush überbringt Friedensbotschaft des US-Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ankunftserklärung des US-Vizepräsidenten in Moskau -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verhandlungsteam zu weitreichenden Entscheidungen ermächtigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Präsident Reagans zu den Genfer-Abrüstungsgesprächen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kampelman: Wir kommen im Geist der Zusammenarbeit nach Genf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Ankunftserklärung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strategische Verteidigungsinitiative: Engste Konsultation zugesichert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Sicherheitsberater McFarlane vor dem Overseas Writers Club -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die NATO und die amerikanischen Streitkräfte in Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von General Rogers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nationale Wissenschaftsmedaille 1985&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Ronald Reagan ehrt 19 amerikanische Wissenschaftler und Ingenieure -&lt;/em&gt;</text>
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