<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="1904" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/1904?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T02:54:50+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="1915">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/307908fe5ab408b7b311f408b22a9b14.pdf</src>
      <authentication>eb31902e4b81e24f6fe8be8d329ab9c8</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="9565">
                  <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. März 1S85

10
1
INHALT

&gt;

DOKUMENTATION
Nltze: Amerikanisch-sowjetische Rüstungskontrollverhandlungen
werden schwierig
- Erklärung des Abrüstungsberaters vor dem US-Senat MX-Rakete wesentlich für Aufrechterhaltung der Abschreckung
- Anhörung vor dem Militärausschuß des Senats -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
USA richten Supercomputer-Zentren ein
Metalle in Medikamenten
- Schlüsselmoleküle:

Komplexverbindungen -

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel-: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�6. März 1983

10

NITZE: AMERIKANISCH-SOWJETISCHE RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
WERDEN SCHWIERIG

- Erklärung des Abrüstungsberaters vor dem US-Senat -

WASHINGTON - (AD) - Botschafter Paul Nitze warnte am 26. Februar 1985
vor dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Senats vor übertriebenen Hoffnungen auf rasche Ergebnisse bei den anstehenoen amerikanischsowjetischen RüstungskontrollVerhandlungen.

Diese Verhandlungen, so sag-

te Nitze, der jetzt als Sonderberater für Abrüstungsfragen für Präsident
Reagan und Außenminister Shultz tätig ist, müßten von der Solidarität des
Atlantischen Bündnisses, der Unterstützung durch aen amerikanischen Kongreß und den Modernisierungsanstrengungen der Verteidigung der Vereinigten Staaten getragen werden, wenn wirksame und verifizierbare Rüstungskontrollabkommen zustande kommen sollen, wie sie die Reagan-Administration erhofft.

Die Ausführungen von Botschafter Nitze vor dem Ausschuß haben folgenden Wortlaut:
Ich freue mich,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ich freue mich, heute vormittag mit Ihnen über das strategische Konzept der Vereinigten Staaten für die kommenden Genfer Verhandlungen sprechen und Ihnen meine Gedanken bezüglich aes Inhalts aieser Verhandlungen
mitteilen zu können.

Bei der Vorbereitung des Januar-Treffens mit Außenminister Gromyko
haben wir ein strategisches Konzept entwickelt, das unsere Vorstellungen
umfaßt, wie wir uns die Entwicklung des* amerikanisch-sowjetischen strategischen Verhältnisses denken.

Dieses Konzept, das unsere Haltung in

den im nächsten Monat beginnenden Verhandlungen im wesentlichen bestimmen
wird, kann in vier Sätzen zusammengefaßt werden:

Während der nächsten zehn Jahre besteht das Ziel aer Vereinigten
Staaten in einer radikalen Verringerung der Kraft der vorhandenen und geplanten nuklearen Offensivwaffen sowie in der Stabilisierung des Verhältnisses zwischen offensiven und defensiven Nuklearwaffen, ob sie am Boden
oder im Weltraum stationiert wären.

Wir rechnen schon jetzt mit einer

Übergangsperiode zu einer stabileren Welt mit einem stark verminderten
Stand an Kernwaffen und einer verstärkten Fähigkeit, vor einem Krieg abzuschrecken auf der Basis eines wachsenden Beitrags von nichtnuklearen
Verteidigungssystemen gegen offensive Nuklearwaffen.

Diese Übergangspe-

riode könnte zu der schließlichen Beseitigung aller Nuklearwaffen - ob
offensiv oder defensiv - führen.

Eine Welt frei von Kernwaffen ist ein

Endziel&gt; auf das wir, die Sowjetunion und alle anderen Länder uns einigen
können.
Dieses Konzept umfaßt drei Zeitphasen:

das kurzfristige Ziel, die

Übergangszeit und das endgültige Ziel.

Das kurzfristige Ziel

Auf kurze Sicht - d.h. mindestens für die nächsten zehn Jahre - werden wir weiterhin die Abschreckung auf der letztlichen Drohung mit der
nuklearen Vergeltung aufbauen.

Die heutige Technologie bietet keine AI-

�keine Alternative.

Das voraussetzend werden wir auf radikale Verringerungen der Zahl und
der Kraft strategischer Kernwaffen und Mittelstreckenkernwaffen drängen.
Die nuklearen Arsenale sind insgesamt zu groß und potentiell vernichtend,
vor allem was die mehr destabilisierenden Kategorien, wie die starke Interkontinentalraketen - uno SS-20-Streitmacht der Sowjets mit Mehrfachgefechtsköpfen, angeht.

Gleichzeitig werden wir versuchen, eine Umkehr in der Aushöhlung des
ABM-Vertrages herbeizuführen, wie sie durch sowjetische Maßnahmen entstanden ist.

Dazu gehört beispielsweise der Bau einer Radaranlage mit

phasengesteuerter Abtastung bei Krasnojarsk in Sibirien.

Was die nahe Zukunft anbetrifft, so haben wir die Absicht, aas Forschungsprogramm der Strategischen Verteidigungsinitiative

(SDI) fortzu-

setzen - und zwar im vollen Einklang mit dem ABM-Vertrag, der eine solche
Forschung gestattet.

Wir gehen in gleicher Weise davon aus, daß die So-

wjets ihre Untersuchungen der Möglichkeiten neuer defensiver Technologien
fortsetzen werden, wie sie das schon seit Jahren intensiv getan haben.

Die Übergangszeit
Sollten sich in Zukunft neue Verteidigungstechnologien als machbar
erweisen, dann würden wir gerne einen Übergang zu einem stabileren und
verläßlicheren Gleichgewicht auf der Basis einer Mischung von offensiven
und defensiven Systemen anstreben.

Wir haben angeboten, schon jetzt - in

den kommenden Verhanalungen - mit den Sowjets darüber zu sprechen, wie
wir einen solchen Übergang zusammen bewältigen könnten.

Ich möchte feststellen, daß wir bei der Beurteilung oer Anwendbarkeit
neuer defensiver Technologien einen strengen Maßstab anlegen werden.

Die

Technologie muß Defensivsysteme hervorbringen, die bis zu einem vernünftigen Grad überlebensfähig sind; wenn nicht, wären diese Verteidigungs- 3 -

�diese Verteidigungssysteme selbst ein verlockendes Ziel für einen Erstschlag.

Das würde die Stabilität eher schwächen als stärken.

Darüber hinaus müssen jene Verteidigungssysteme im letzten kosteneffektiv sein, d.h. effektiv genug und billig genug, um zusätzliche Verteidigungskapazität zu schaffen, damit die andere Seite keinen Anreiz erhält, sich zusätzliche Offensivkapazitäten zuzulegen, um die Verteidigung
zu überwinden.

Sonst könnten die Defensivsysteme, wenn sie nicht aurch

gegenseitige Übereinkunft eingegrenzt werden, eine Weiterverbreitung von
Gegenmaßnahmen und Offensivwaffen auslösen, um die dislozierten Verteidigungssysteme zu überwinden, statt die Anstrengungen von der Offensive auf
die Defensive zu verlegen.
Wenn die neuen Technologien diesen Anforderungen nicht entsprechen
können, dann sollten wir sie nicht dislozieren.

Unsere Abschreckung wür-

de dann weiterhin auf der letztlichen Androhung der nuklearen Vergeltung
basieren.

Wir hoffen jedoch und hegen große Erwartungen, daß die Wissen-

schaft mit der Herausforderung fertig werden wird.
Sollte ein Übergang möglich sein, dann würde die Rüstungskontrolle
eine wichtige Rolle spielen. Wir würden beispielsweise einen weiteren
Abbau der offensiven Kernwaffen anstreben.
Wir würden davon ausgehen, daß beide Seiten gleichzeitig damit beginnen würden, überlebensfähige und kosteneffektive Verteidigungssysteme zu
erproben, zu entwickeln und zu dislozieren - mit besonderem Nachdruck auf
nichtnukleare Verteidigungssysteme. Die Abschreckung würde sich dann mit
der Zeit mehr auf eine Mischung von offensiven Kernwaffen und Defensivsystemen stützen, statt auf die Drohung offensiver Nuklearwaffen allein.
Der Übergang würde einige Zeit dauern, vielleicht Jahrzehnte, wenn
die amerikanischen und sowjetischen Arsenale an strategischen Kernwaffen
und nuklearen Mittelstreckensystemen wesentlich zurückgingen, würden wir
danach streben, über Verringerungen anderer Typen von Kernwaffen zu verhandeln und irgendwie auch die anderen Kernwaffenmächte in die Verhand-

�die Verhandlungen einbeziehen.

Das endgültige Ziel

Wenn die richtigen technischen und politischen Umstänae gegeben wären, dann würden wir darauf hoffen, den Abbau aller Nuklearwaffen bis zum
Punkt Null fortsetzen zu können.

Das hätte natürlich weitreichende Aus-

wirkungen auf das militärische Gleichgewicht auf allen Ebenen.

Wenn bei-

spielsweise die nukleare Aoschreckung fehlt, dann wäre ein stabiles konventionelles Gleichgewicht noch sehr viel wichtiger als heute.

Wir müß-

ten dann besondere Aufmerksamkeit dem Problem zuwenden, wie wir zusammen
mit unseren Verbündeten der Drohung begegnen oder sie verminoern könnten,
die durch Ungleichgewicht der konventionellen Rüstungen entstehen würae.

Die völlige Abschaffung von Nuklearwaffen würde von weitverbreiteten
Dislozierungen nichtnuklearer Verteidigungssysteme begleitet.
den die Gewähr bieten, daß für den

Diese wür-

Fall, daß ein Land betrügen wollte,

indem es beispielsweise heimlich Raketen baut, dieses Lano keinen ausnutzbaren militärischen Vorteil erringen würde.

Um die Verteidigungssy-

steme zu überwinden, müßte der Betrug schon erhebliche Dimensionen annehmen, dann aber würde er nicht unbemerkt bleiben, und angemessene Gegenmaßnahmen könnten getroffen werden.

Sollten wir aie endgültige Phase erreichen, dann würde die Aoschrekkung auf die Fähigkeit der Verteidigung gestützt, dem nuklearen oder konventionellen Angriff eines potentiellen Aggressors den Erfolg zu verwehren.

Das strategische Verhältnis könnte dann als ein Verhältnis der ge-

genseitig garantierten Sicherheit bezeichnet weroen.

Anmerkungen

Nachdem ich unser strategisches Konzept umrissen habe, möchte icn
einige Anmerkungen dazu machen.
Erstens, das

�Erstens, das Konzept steht in vollem Einklang mit der Abschreckung.
Nicht nur auf kürzere Sicht, sondern auch in der Übergangsphase und in
der Endphase würde die Abschreckung weiterhin die Basis für das strategische Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
bilden.

Abschreckung erfordert, daß ein potentieller Gegner überzeugt sein
muß, daß die Risiken und Kosten einer Aggression bei weitem die Gewinne
überwiegen, die er sich erhoffen könnte.

Die populäre Vorstellung von

Abschreckung besteht darin, daß es darum geht, einen Aggressor durch die
letztliche Drohung mit nuklearer Vergeltung mit hohen potentiellen Kosten
zu konfrontieren.

Aber Abschreckung kann auch wirksam funktionieren, wenn man die Fähigkeit besitzt, dem Angreifer die Gewinne zu verwehren, die er zu erzielen hofft.

Unsere Aosicht ist, das Gleichgewicht der Abschreckung von

einem hauptsächlich auf der letztlichen Androhung einer verheerenden nuklearen Vergeltung basierenden Verhältnis auf ein Verhältnis zu verlagern, bei dem die Kernwaffen auf beiden Seiten stark verringert sind und
nichtnukleare Verteidigungssysteme eine immer größere Rolle spielen,

wir

sind der Überzeugung, daß das letztere Verhältnis eine viel gesündere Basis für ein stabiles und verläßliches strategisches Verhältnis bieten
würde.

Lassen Sie mich jedoch dazu sagen, daß für die absehbare ZuKunft,
selbst in den frühen Stadien eines möglichen Übergangs, offensive Nuklearstreitkräfte das entscheidende Element der Abschreckung bilden werden.
Ich appelliere daher an

Sie, das Strategische Modernisierungsprogramm zu

unterstützen.

Zweitens, wir sind uns darüber im klaren, daß die Übergangszeit wenn sich Verteidigungstechnologien als anwendbar erweisen und wir uns
entscheiden sollten, in diese Richtung zu gehen - recht kompliziert sein
könnte.

Wir müßten eine Mischung von überlebensfähigen Offensiv- und De-

fensivsystemen zustande bringen, die mit der Zeit den Anreiz für einen
- 6 -

�für einen Erstschlag in einer Krise immer mehr verringern würde. Aus diesem Grunde wollen wir ja den Übergang zu einer kooperativen Anstrengung
mit den Sowjets zusammen machen, und darum haben wir angeboten, jetzt mit
ihnen über die Fragen zu sprechen, mit denen wir fertig werden müßten.

Als drittes möchte ich sagen, daß wir uns, obwohl wir alles versuchen, unser Ziel einer Welt zu erreichen, aus der die Nuklearwaffen verschwunden sind, darüber im klaren sind, daß es dann noch immer große Risiken gäbe.

Die Technik der Herstellung von Kernwaffen ist weithin be-

kannt und kann nicht mehr ausgelöscht werden.
ausbricht oder betrügt, wäre weiterhin vorhanden.

Die Gefahr, daß jemand
Darüber hinaus bestün-

de auch das potentielle Problem der Atomoombe im Koffer und ähnliches.
Aber wenn auch nicht alle Risiken ausgeschaltet werden können, so
können sie doch stark verringert werden.
ko; man muß die Alternativen abwägen.

Nichts ist gänzlicn ohne Risi-

Es scheint mir, daß die Risiken

des Betruges oder der Atombombe im Koffer in einer Welt, in aer es keine
Nuklearwaffen in den Militärarsenalen mehr gibt, weiteaus geringer wären
als die Risiken und potentiellen Kosten eines möglichen Zusammenbruchs
des gegenwärtigen Abschreckungsregimes, das allein auf der letztlichen
Androhung einer massiven nuklearen Vergeltung basiert.

Die Genfer Gespräche

Dieses Konzept macht unsere Haltung bei den Genfer Verhandlungen im
nächsten Monat deutlich.

Bei diesen Verhandlungen werden wir Positionen

darlegen, die in Einklang mit dem von mir gerade umrissenen Konzept stehen und die dieses weiter fördern sollen.

Die Administration bemüht sich derzeit intensiv darum, die amerikanischen Positionen für jeden dieser drei Verhandlungsbereiche abzustecken der strategischen Kernwaffen, der nuklearen Mittelstreckensysteme

UNF)

sowie der Verteidigungs- und Weltraumwaffen.
Aus dem Meinungs- 7 -

�Aus dem Meinungsaustausch zwischen Außenminister Shultz und Herrn
Gromyko im Januar sowie aus den sich hieran anschließenden sowjetischen
Medienkommentaren wird deutlich, daß zwischen den Haltungen beider Seiten
erhebliche Unterschiede bestehen.

Bei den strategischen Waffen sprechen die Sowjets von ihrer Bereitschaft, "radikale Verringerung" sowie den Verzicht auf neue Typen bei
strategischen Waffen - wie etwa den Marschflugkörpern großer Reichweite,
den ICBM, den SLBM und den Bombern - in Erwägung zu ziehen.

Es ist nicht klar, ob die Sowjets die "radikalen Verringerungen" in
dem von uns vorgeschlagenen Sinn akzeptiert haben.

Ihr Angebot, auf neue

Typen strategischer Waffen zu verzichten, scheint wenig mehr als ein Neuaufguß des sowjetischen Vorschlags über ein Einfrieren der Kernwaffen zu
sein.

Bei INF wiederholten die Sowjets die bekannten Elemente ihrer Position, zum Beispiel, die amerikanischen LRINF seien "strategische Systeme"
und die britischen wie auch die französischen Systeme müßten mit in die
Rechnung einbezogen werden.

Wahrscheinlich fordern sie eine Beendigung

der amerikanischen Dislozierungen und der sowjetischen "Gegenmaßnahmen",
gefolgt von Verringerungen bei den Mittelstreckenraketen in Europa.

Die

Sowjets haben keinen Abzug der schon dislozierten amerikanischen Raketensysteme als Vorbedingung für Verhandlungen gefordert.

Es ist noch un-

klar, ob sie auch weiterhin die Möglichkeit eines Abkommens ausschließen,
das einige amerikanische Dislozierungen erlaubt.

Was den dritten Bereich anbelangt, so bestehen die Sowjets auf der
"Nichtmilitarisierung" des Weltraums; damit meinen sie ihrer eigenen Aussage nach ein Verbot aller Waffen im Weltraum, die "dazu entwickelt
sind", Objekte im Raum oder auf der Erde anzugreifen, sowie alle Systeme
auf der Erde, die "dazu entwickelt sind", Objekte im Weltraum anzugreifen.

Sie haben ihren Widerstand gegen Forschungsbemühungen für derlei

Systeme zum Ausdruck gebracht, und dies trotz ihrer eigenen konkreten Anstrengungen in diesem Bereich, zu denen die einzigen derzeit einsatzbe-

�derzeit einsatzbereiten ABM- und Antisatellitensysteme gehören.

Es hat Überlegungen hinsichtlich einer baldigen Möglichkeit für neue
Begrenzungen in diesem Bereich gegeben.

Wir werden natürlich jeden so-

wjetischen Vorschlag auf diesem Gebiet sorgfältig prüfen. Aber meiner eigenen Ansicht nach sind derlei Möglichkeiten zur Zeit begrenzt.

Lassen

Sie mich dies etwas näher ausführen.

Man kann die Verteidigungs- und Weltraumverhandlungen nicht mit einem
Tauschgeschäft vergleichen, bei dem ein paar Teppiche gegen ein Kamel gehandelt werden.

Es ist dies ein ganz anderer und weit ernsthafterer Ver-

handlungstypus.

über die meisten der Verteidigungs- und Weltraumprobleme wurde vor
vielen Jahren verhandelt und ein Abkommen erzielt; derzeit gibt es nicht
mehr so viel, worüber zu verhandeln wäre.

Das sowjetische Gerede über die "Nichtmilitarisierung" des Weltraums
ist Unsinn.

Es gibt eine Vielzahl von Militärsatelliten im Raum, die

meisten davon gehören den Sowjets.

Und ich möchte hinzufügen, daß einige

dieser Militärsatelliten auf beiden Seiten - wie etwa Warn-, Kommunikations- und NTM-Satelliten (National Technichal Means) - einen sehr großen
Nutzen haben.

Die Stationierung

von Massenvernichtungswaffen,

einschließlich

von

Kernwaffen, im Weltraum ist durch den Weltraumvertrag untersagt.
Kernexplosionen

zu Versuchszwecken im Weltraum sind durch das Be-

grenzte Teststoppabkommen untersagt.
Alle Systeme, die gegen Gefechtsköpfe strategischer Raketen - ob im
Weltraum oder sonstwo - eingesetzt werden können, unterliegen dem ABMVertrag.

Dieser Vertrag untersagt die Dislozierung von ABM-Systemen im

Weltraum oder auf der Erde - mit Ausnahme klar begrenzter, bodengestützter Elemente.
ABM-Systeme,
- 9-

die

�ABM-Systeme, die ansonsten laut ABM-Vertrtag erlaubt sind, sich jedoch auf "andere physikalische Prinzipien" stützen, unterliegen der Gemeinsamen Erklärung D des Vertrags.

Derlei Systeme können nicht ohne

vorherige Konsultation und Vertragszusatz disloziert werden.

Darunter

fallen Hochenergie-Laser, Neutralteilchen-Strahlensystem, Systeme auf kinetischer Energie etc.

Deshalb bietet der ABM-Vertrag - sollten neue De-

fensivtechnologien sich als realisierbar erweisen - eine Grundlage für
Diskussionen darüber, wie diese Systeme in die Streitkräftestruktur beider Seiten integriert werden könnten.

Die Forschung kann durch ein Abkommen weder überwacht noch kontrolliert werden.

Ich bin der Überzeugung, daß die Sowjets gleichfalls die-

ser Ansicht sind.

Die einzige Aktivität im Raum, über die noch zu verhandeln wäre, sind
die, durch Obiges nicht abgedeckten ASAT-Systeme. Hierbei handelt es sich
um eine besondere Klasse.

Außeratmosphärische

ABM-Systeme

-

einschließlich

des

bestehenden

Galosh-ABM-Systems, das in der Nähe von Moskau disloziert ist - sind ihrer Natur nach ASAT-Systeme.

Satelliten sind zumeist empfindlicher als

Wiedereintrittsflugkörper (RV) und bewegen sich auf vorhersagbarem Kurs;
sie sind daher verwundbarer als die RV auf ihrem ballistischen Flugweg.
ASAT-Systeme mit ABM-Kapazität sind bereits durch den ABM-Vertrag begrenzt.

Im Grunde genommen hat jede ballistische Rakete, die einen nuklearen
Gefechtskopf in den Raum und auf eine Erdumlaufbahn bringen kann, potentiell ASAT-Kapazitäten.

Die wesentlichsten ASAT-Kapazitäten, die nicht durch bestehende Begrenzungen abgedeckt werden, sind die nichtnuklearen Systeme, die zwar in
der Lage sind, Satelliten anzugreifen, jedoch keine ICBM-RV attackieren
können.

Zu dieser besonderen Systemklasse gehören das einsatzbereite so-

wjetische koorbitale ASAT-System sowie das von Flugzeugen aus dislozierte
- 10-

•

�aus oisiozierte Miniaturträgersystem, das derzeit von den Vereinigten
Staaten entwickelt wird.

Zwar ist die Beobachtung von Versuchsreihen für die Beurteilung der
Fähigkeiten eines Systems von großer Bedeutung; doch ist ein System erst
einmal ausreichend auf seine Einsatzfähigkeit hin getestet - wie dies bei
dem sowjetischen koorbitalen ASAT-System der Fall ist -, dann läßt sich
seine Dislozierung

nur noch unter viel größeren Schwierigkeiten über-

wachen.

Kurz: Der Vorschlag, alle ASAT-Systeme zu verbieten, ist nur sehr
schwer, wenn nicht gar unmöglich zu verwirklichen.

Ich persönlich bin

skeptisch, was ein militärisch bedeutsames und verifizierbares Verbot der
Erprobung und der Dislozierung von nichtnuklearen Systemen angeht, die
zwar in der Lage sind, Satelliten anzugreifen, aber keine RVs abwehren
können.
Ich glaube daher, daß die viel wichtigere Frage im Verteidigungs- und
Weltraumbereich erst einmal die ist, ob man die Sowjets zu der Einsicht
bringen kann, wie wichtig es ist, daß auch sie sich an den ABM-Vertrag
halten und aufhören, seine Grundlagen auszuhöhlen und zu untergraben.
Längerfristig gesehen ist dies das Forum, auf dem wir die Gelegenheit
haben werden, mit ihnen die beiderseitigen Vorteile zu besprechen, die
sich daraus ergeben würden, wenn wir zu einer Übereinkunft dahingehend
gelangen könnten, wie hochmoderne Defensivsyteme - erwiesen sie sich denn
als einsatzbereit - zu längerfristigem und beidseitigem Vorteil in die
Streitkräfte beider Seiten integriert werden könnten.

Neben unseren erheblichen Meinungsverschiedenheiten geht unsere Vorstellung und die der Sowjets auch hinsichtlich der Beziehung auseinander,
in der die drei Themenbereiche zueinander stehen sollten.

Die Sowjets

sind der Meinung, daß die drei Bereiche - strategische Kernwaffen, nukleare Mittelstrecken - sowie Verteidigungs- und Weltraumwaffen - nicht
nur in ihrer Wechselbeziehung diskutiert werden sollten, sondern daß es
nicht möglich sei, in einem Bereich zu einem Abkommen zu gelangen, ohne
- 11-

�gelangen, ohne daß auch in den anderen ein solches zustande kommt.

Wir

sind anderer Meinung: Sollte in einem Bereich ein Abkommen erzielt werden, so würde die gegenläufige Bestimmung wenig Sinn machen, derzufolge
nämlich ein Abkommen verhindert würde, das den Interessen beider Seiten
dienen könnte.

Wie Sie sehen können, liegt vor den Unterhändlern eine klarumrissene
Aufgabe; der Prozeß wird komplex und wahrscheinlich langwierig sein.

Ich

erwarte nicht, daß die Sowjets sofort unseren Standpunkt oder unser Konzept darüber akzeptieren werden, wie die strategische Beziehung in Zukunft aussehen könnte.

Aber mit Hartnäckigkeit, Geduld und konstruktiven

Ideen hoffen wir, daß die Sowjets die Vorteile unserer Position erfassen
werden, daß sie nämlich ihren nationalen Interessen genau so wie den unsrigen dienen würde.

Schlußfolgerung

Wichtig ist, unsere Erwartungen nicht zu hoch zu stecken und uns
selbst wie auch die Öffentlichkeit auf einen langen Prozeß vorzubereiten.
Das Übereinkommen vom Januar, in Genf mit neuen Verhandlungen zu beginnen, hat unser kompliziertes und kompetitives Verhältnis zur Sowjetunion
nicht verändert.

Die Gespräche im Januar haben nur erneut bestätigt, daß

diese Verhandlungen schwierig sein werden.

Wie ich dargelegt habe, haben die Sowjets sich sehr darum bemüht, eine Wechselbeziehung zwischen jenen Verhandlungsbereichen herzustellen, in
denen sie versuchen werden, das westliche Interesse an raschem Fortschritt bei den Verhandlungen als Hebel zu verwenden.

Die Tatsache, daß sich die Sowjets zu diesen Gesprächen bereiterklärt
haben, bedeutet nicht, daß sie auch bereit sind, ihre unannehmbare Position am Verhandlungstisch aufzugeben oder mit ihrer Propagandakampagne
außerhalb des Konferenzsaales aufzuhören.

Es ist daher wahrscheinlich, daß die Sowjets bei den neuen Verhand- 12-

�neuen Verhandlungen plötzlich den Versuch unternehmen werden, den Fortschritt bei den Mittelstreckenwaffen und den strategischen Kernwaffen als
Geisel für Bewegung unsererseits im Verteidigungs- und Weltraumwaffenbereich zu verwenden, wo sie eindeutig die Absicht haben, das amerikanische
Forschungsprogramm bei der strategischen Verteidigung zu behindern.

Dabei werden sie jede Gelegenheit ergreifen, unterschiedliche Meinungen innerhalb des NATO-Bündnisses und innerhalb der Vereinigten Staaten
auszunützen.

Wie 1983 wird Moskau versuchen, sich über den Kopf der westlichen Regierungen hinweg an die Öffentlichkeit im Westen zu wenden.
cher, daß dies, wie 1983, ein Fehlschlag sein wird.

Ich bin si-

Dies wird natürlich

einer koordinierten Anstrengung auf unserer Seite bedürfen - sowohl hier
im Lande wie auch mit unseren ausländischen Freunden -, um sicherzustellen, daß die Sowjets zu der Schlußfolgerung gelangen müssen, daß es keine
Alternative zu ernsthaften Verhandlungen gibt.

Insbesondere wird die Unterstützung durch den Kongreß von ausschlaggebender Bedeutung sein, um die Sowjets davon zu überzeugen, daß ihre
Kampagne in der Öffentlichkeit keine Früchte bringt und sie sich uns zu
ernsthaftem Verhandeln anschließen müssen.

Seitdem die Sowjets Ende 1983 die Genfer Gespräche verlassen haben,
haben wir unsere Bereitschaft deutlich gemacht, ohne Vorbedingungen an
den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Man kann nur Spekulationen darüber

anstellen, was die Sowjets dazu veranlaßte, mit uns in neue Verhandlungen
einzutreten, ohne auf eine Reihe von Dingen zu bestehen, die sie inzwischen so überaus intensiv verfochten haben.

Ein plausibles Motiv ist sicher dies, daß sie ein Instrument schaffen
wollten, um Druck auf die Vereinigten Staaten auszuüben - ein Instrument,
das einzig durch Verhandlungen an die Hand gegeben wird.

Entgegen ihren

Erwartungen wurde es ihnen durch ihr Verlassen der Verhandlungen Ende
1983 nur noch schwerer gemacht, die öffentliche Meinung in Europa und
- 13-

�Europa und Amerika gegen die amerikanische Haltung hinsichtlich einer
ganzen Reihe von Sicherheits- und Rüstungskontrollfragen zu mobilisieren.

Wir können davon ausgehen, daß sie die Tatsache wiederaufgenommener
Verhandlungen dafür einsetzen werden, um erneut zu behaupten, die amerikanischen Programme und die amerikanische Haltung würden die Aussicht auf
Erfolg der Verhandlungen gefährden.

Wir sind der Meinung, daß dieses Argument grundlos ist. Im Gegenteil:
Genau wie die Solidarität des Bündnisses und die Stärke der Unterstützung
im Kongreß für die amerikanischen Bemühungen um eine Modernisierung der
Verteidigung im Inland wie im Ausland entscheidende Faktoren für die Erklärung unseres bisherigen Erfolges sind, sind wir auch der Überzeugung,
daß sie für die Aussicht auf Erfolg bei wirksamen und verifizierbaren Rüstungskontrollvereinbarungen von entscheidender Bedeutung sind, die, so
unsere Hoffnung, am Ende des Prozesses stehen werden, der jetzt beginnen
soll.

Aus diesen Gründen, so meine ich, wäre es unklug, den Kurs zu ändern
und unsere Verpflichtung zu unseren strategischen Modernisierungsprogrammen, insbesondere der MX-Rakete, zu verringern.

Dies zu tun, würde der

Sowjetunion ein Signal der Schwäche und des Mangels an Entschlossenheit
setzen - zu einem Zeitpunkt, da wir bei unserer Zielsetzung Einhelligkeit
und Einigkeit beweisen müssen -, und würde den Vereinigten Staaten und
ihren Verbündeten eine wichtige militärische Kapazität verwehren.
Es wäre auch höchst unklug, die Forschung bei der strategischen Verteidigung zu beschneiden.

Diese Forschung ist, in vollem Einklang mit

dem ABM-Vertrag, eine Anzahlung für eine Zukunft, von der wir alle hoffen, daß sie verwirklicht werden kann - eine Zukunft der radikalen Verringerung und Beseitigung der Kernwaffen. Als solches ist sie entscheidender Teil unseres umfassenden Modernisierungs- und Rüstungskontrollprogramms zur nationalen Sicherheit.
* * * * *

- 14-

�6. März L965

10

MX-RAKETE WESENTLICH FÜR AUFRECHTE RHALTUNC DER ABSCHRECKUNG
- Anhörung vor dem Militärausschuß des Senats -

Washington -(AD)- Zwei führende Vertreter der Reagan-Administration,
Außenminister Shultz und Verteidigungsminister Weinberger, haben den Kongreß aufgefordert, das Programm des Präsidenten zur Modernisierung der
strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten zu unterstützen, da es
wesentlich für die Aufrechterhaltung des Friedens und der StaDilität wie
auch für die Durchsetzung der amerikanischen Position bei den Rüstungskontrollverhandlungen sei. Die Minister erschienen am 26. Februar iyöi&gt;
gemeinsam vor dem Militärausschuß des amerikanischen Senats. Wir geoen
ihre Erklärungen im folgenden leicht gekürzt wieder.

Die Erklärung von Außenminister Shultz hat folgenden Wortlaut:

Ich begrüße diese Gelegenheit, hier vor Ihnen erscheinen und meiner
Unterstützung für das Programm des Präsidenten zur Modernisierung der
strategischen Streitkräfte Ausdruck verleihen zu können. Dieses Thema ist
von enormer Bedeutung für unsere Diplomatie, da die Modernisierung der
strategischen Streitkräfte unmittelbare Auswirkungen auf unsere nationale

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�unsere

nationale

Sicherheit, unsere

Rustunyskontrollziele

und

unsere

grundlegendsten außenpolitischen Ziele hat.
Modernisierung der strategischen Streitkräfte und Außenpolitik

... Macht und Diplomatie stellen keine getrennten Dimensionen der Politik dar; sie sind vielmehr untrennbar miteinander verbunden. Deshalb
trete ich heute vor Sie hin, um Sie dringlich zu ersuchen, der Modernisierung der strategischen Streitkräfte, insbesondere aber der MX-PEACEKEEPER-Rakete, die einen zentralen Pfeiler

dieses Modernisierungspro-

gramms bildet, Ihre Unterstützung zu leihen. ...

Die Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte ist wesentlich.
Die strategische Aufrüstung der Sowjetunion hält unvermindert an. Seit
wir die MUNIUTEMAN

ilX, unsere modernste Interkontinentalrakete (luBM),

eingeführt haben, hat die Sowjetunion drei neue ICBM-Typen eingeführt,
nämlich die SS-17, die SS-lö und die SS-19. Von der SS-19, die in inren
Abmessungen in etwa der MX entspricht und sechs Gefechtsköpfe trägt, wurden 36ü Stück aufgestellt, von der sehr viel größeren und mit zehn uefechtsköpfen ausgerüsteten SS-18 hingegen 308. Darüberhinaus werden die
Sowjets innerhalb der nächsten beiden Jahre mit der Aufstellung zweier
weiterer neuer Typen - der SS-X-24 und der SS-X-25 - beginnen. Dies bedeutet fünf neue sowjetische ICBM-Typen gegenüber nur einem amerikanischen, eben der MX.

Ein glaubwürdiges, flexibles

strategisches Strextkräftekonzept

der

Vereinigten Staaten ist von entscheidender Bedeutung für ein stabiles
Gleichgewicht der Kräfte, auf dem Frieden und Sicherneit beruhen. Die MX
wiederum ist ein entscheidendes Element dieses stabilen Gleichgewichts.
Sie stellt eine Erwiderung dar, die vier aufeinander folgende Administrationen - und zwar sowohl demokratische als auch republikanische - für
notwendig gehalten haben, um zumindest teilweise ein Gegengewicht zu dem
äußerst schlagkräftigen sowjetischen ICBM-Potential zu schaffen.

Die MX ist nach dem SALT-II-Vertrag zulässig. Ihr Beitrag zum strategischen Gleichgewicht bildete sogar eine der Voraussetzungen, auf denen

�au ^dnen dieser Vertrag beruhte. Auch die überparteiliche Scowcroft-Kommission kam, wie im übrigen auch ich, zu dem Schlub, daß die MX einen wesentlichen Bestandteil einer modernisierten strategischen Triade bilden
müsse.

Wenn die Sowjets in der Lage wären, wirksame Schläge gegen unsere
landgestützten ICBM zu führen, während unser eigenes landgestütztes Abschreckung spotential dies nicht in vergleichbarer Weise vermöchte, könnten sie meinen, daß sie in einem entscheidenden Bereich des strategischen
Kräfteverhältnisses deutlich im Vorteil seien, und sie könnten versuchen,
mittels nuklearer Erpressung politischen Druck auszuüben. Ein derart einschneidendes Ungleichgewicht im Bereich der strategischen Waffen könnte
sie sehr wohl veranlassen, in einem regionalen Konflikt oder auch in einer größeren Krise kühner aufzutreten.

Wir müssen die Einführung der MX jetzt vorantreiben, weil sie ein
glaubwürdiges Mittel der Abschreckung darstellt. Nach Jahren der Planung
und nach Aufwendung von Milliarden von Dollar bietet nur die MX die Möglichkeit, dieses ernstzunehmende strategische Ungleichgewicht enalich zu
korrigieren. Viele Kritiker der MX haben sich besonders auf den Zusammenhang zwischen der Art inrer Aufstellung und ihrer Überlebensfähigkeit
konzentriert, ich möchte diesbezüglich drei Argumente geltend machen:

Erstens müßten sowjetische Planer in der ungewissen Lage, die währena
eines Krieges bestehen würde, damit rechnen, daß einige unserer MX-Kaketen einen Angriff überstehen und im Rahmen von Vergeltungsschlägen gegen
die Ziele eingesetzt werden könnten, die für die Sowjets den höchsten
Wert haben, so u.a. gegen die Raketen, die die Sowjets für weitere angriffe auf unser Land in Reserve halten würden.

Zweitens muß die Überlebensfähigkeit der MX in Zusammenhang mit den
anderen Elementen unserer strategischen Triade gesehen werden. Die drei
Säulen dieser Triade - Bomber, Unterseeboote und landgestützte Raketen erhalten die Abschreckung aufrecht, indem sie die sowjetischen Planungen
erheblich komplizieren. Falls die Sowjets einen Großangriff erwägten, sähen sie sich gezwungen, zu wählen, welche der Säulen unserer Triade sie
- 3 -

�Triade sie treffen wollen, wobei ihre Entscheidung die Möglichkeiten,
auch die jeweils anderen Säulen wirksam anzugreifen, erheblich einschränken würde. Beispielsweise ist es nicht möglich, unsere Bomoerstützpunkte
und ICBM-Silos gleichzeitig anzugreifen, ohne daß uns die Möglichkeit
bleibt, in gewissem Umfang Vergeltung zu üben. Die Abschreckung beruht
darauf, daß die sowjetischen Planer wissen, daß sie einen erfolgreichen
Erst- oder Entwaffnungsschlag gar nicht erst in Erwägung zu ziehen brauchen.

Drittens können die Möglichkeiten der Härtung von Silos in der Zukunft erheblich verbessert werden, wodurch auch die Überlebensfähigkeit
der MX-Streitmacht steigen würde. Die Scowcroft-Kommission hat dies in
ihrem Bericht erwähnt, und der Kongreß hat die entsprechenden Forschungsmittel bewilligt. Die Aussichten sind gut und vielversprechend, so daß
sichergestellt werden kann, daß die MX selbst in fernerer Zukunft ein
Schlüsselelement der Triade bleiben wird.

Außerdem ist es wichtig, sich klar zu machen, daß das Ganze unsere
strategischen Triade größer ist als die Summe ihrer einzelnen Bestandteile. Im Gesamtzusammenhang gesehen, wird die MX unsere Triade, auf der unsere Sicherheit seit so vielen Jahren beruht, als Ganze stärken und damit
auch die Abschreckung und den Frieden.

Modernisierung der strategischen Streitkräfte und Rüstungskontrolle

Auch im Hinblick auf unsere rüstungskontrollpolitischen Ziele spielt
die MX zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine zentrale Holle, wenn wir im Laufe
der Jahre etwas gelernt haben, dann ist es die Tatsache, dab die Sowjets
Stärke und Standfestigkeit respektieren. Ich bin davon überzeugt, daß die
Standfestigkeit, die wir und unsere Verbündeten in den letzten Jahren bezeugt haben, indem wir die Aufstellung neuer Mittelstreckenwaffen vorangetrieben und den Versuchen der Sowjets, uns und unsere Verbunaeten zu
entzweien, widerstanden haben, die Sowjets zu der Erkenntnis gebracht
hat, daß sie ihre Ziele nicht durch politischen Druck erreichen können
und daß sie sich nicht bequem zurücklehnen und auf einseitige Zugeständnisse warten dürfen, sondern stattdessen am Konferenztisch
- 4 -

verhandeln

�Konferenztisch verhandeln müssen.

Dank des Zusammenhalts und der Entschlossenheit des Westens während
dieser Zeit und auch dank der Unterstützung beider Kongreßparteien für
das Programm zur Modernisierung der strategischen Streitkräfte während
der letzten drei Jahre ist unsere Verhandlungsposition heute stark. Die
Sowjets müssen erkennen, daß wir entschlossen sind, unsere Sicherheit zu
schützen, so lange keine entsprechenden Rüstungskontrollabkommen bestehen, und daß es genauso sehr in ihrem wie in unserem Interesse liegt,
Mittel und Wege zu finden, die Kernwaffenarsenale und die Kriegsgefahr zu
verringern. Diese Grundlage der Stärke verbessert die Aussichten auf erfolgreiche Verhandlungen.

Die neuen Waffen sind keine "Faustpfänder für die Verhandlungen"; sie
bilden einen Teil der Stärke, auf der wirkliche Verhandlungen beruhen,
und ein dringend notwendiges Modernisierungsprogramm, das sich im Linklang mit den bestehenden Hustungskontrollabkommen befindet. Sie stellen
ein wesentliches Element unseres Abschreckungskonzepts aar, und sie bilden die Grundlage, auf der eine wirkungsvolle und ausgewogene Rüstungskontrollregelung getroffen werden kann.

Verhandlungen auf der Grundlage von Stärke und Einigkeit
Wie Sie wissen, stehen wir kurz vor der Eröffnung einer neuen Kunde
von Rüstungskontrollverhandlungen in Genf. Sowohl das amerikanische Volk
als auch seine Regierung - d.h., der Kongreß und der Präsident - hoffen,
daß diese Verhandlungen Früchte tragen werden. Wir müssen bereit sein,
unsere Ideale und Interessen zu verteidigen, ganz gleich, ob die Verhandlungen erfolgreich sind oder nicht. Die Vereinigten Staaten bemühen sich
jedoch seit langem um konstruktivere und produktivere Beziehungen zur Sowjetunion. Wir haben während des ganzen Jahres 15o4 betont, wie wichtig
es sei, den amerikanisch-sowjetischen Dialog mit dem Ziel der Verminderung der Kernwaffenarsenale wiederaufzunehmen.

Das Jahr 1983 hat unter positiven Vorzeichen begonnen. Die Ergebnisse
meiner Zusammenkünfte mit Muljenminister Gromyko im Januar kennzeichnen
- 5 -

�Januar kennzeichnen einen möglicherweise wichtigen Neubeginn. Die Übereinkunft, am 12. März in Genf neue Verhandlungen zu eröffnen, bedeutet
die Wiederaufnahme des Dialogs über die wichtigsten strategischen Fragen,
denen sich unsere beiden Nationen heute gegenübersehen. Wir werden die
Gelegenheit dieser Verhandlungen dazu nutzen, unsere Ansichten über die
Entwicklung der strategischen Abschreckung in vollem Umfang zu erörtern,
d.h., unter anderem auch unsere Forschungsarbeiten im Rahmen der Strategischen Verteidigungsinitiative, von der wir hoffen, dab sie uns in die
Lage versetzen wird, eine neue strategische Gesamtlaye zu schaffen, die
auf Verteidigung und nicht einfach auf der Aussicht auf Beiderseitige Garantierte Zerstörung (Mutual Assured Destruction) beruht. Wir haben einen
Prozeb in Gang gebracht, der sowohl für die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten als auch für den Frieden und die Sicherheit in der Welt Nützliches erbringen kann.

Der Erfolg erfordert jedoch Festigkeit und Entschlossenheit, ein gewisses Maß an Flexibilität und ein gewisses Mab an Vorsicht. Er verlangt
aucn etwas noch grundlegenderes, nämlich Einigkeit im eigenen Lande über
die Wichtigkeit dieser Erfordernisse wie auch über die Bedeutung einer
Grundlage der Stärke.

Wir müssen in diese Verhandlungen als ein einiges Volk hineingehen.
Wenn wir am Verhandlungstisch Platz nehmen, um all diese Fragen mit der
Sowjetunion zu erörtern, ist es wesentlich, dab wir mit einer Stimme
sprechen und nicht den Anblick einer Nation bieten, die im Konflikt mit
sich selbst liegt und sich Blöben gibt, die die Sowjets ausnützen können,
oder die bei ihnen die falsche Hoffnung erweckt, dab sie einseitige Zugeständnisse machen werde, für die die Sowjets keine uegenleistung erbringen müßten. Die Verhandlungen, in die wir bald eintreten werden, finden
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion statt. Wir können
und dürfen nicht zulassen, dab sie zu Verhandlungen herabsinken, die wir
selbst untereinander führen. ...

Dies ist nicht die Zeit, um Zweifel an unserer nationalen Entschlossenheit aufkommen zu lassen. Wenn wir unsere Unterhändler nach Genf an
den Konferenztisch schicken, dann sind wir es ihnen und uhserem Land
- 6 -

�unserem Land schuldig, daß wir sie in die Lage versetzen, aus einer möglichst starken Verhandlungsposition heraus anzutreten und die Nation voll
hinter sich zu wissen. Das heißt, daß keine einseitigen Zugeständnisse
ins Spiel gebracht werden dürfen, die die Anreize zum Verhandeln für die
Sowjets verringern könnten. Das heißt ferner, daß Programme, die für unser strategisches Konzept von entscheidender Bedeutung sind, nicht zusammengestrichen werden dürfen. Das heißt weiter, dau wir gemeinsam hinter
einer soliden Verhandlungsposition stehen müssen, die die besten Aussichten dafür bietet, daß wir das Ziel, um das es uns, wie ich weiß, allen
geht, aucn erreichen.
(Ende der Erklärung von Außenminister Shultz)
Die Erklärung von Verteidigungsminister Weinberger hat folgenden Wortlaut:

Die Sowjets haben von Mitte der siebziger Jahre bis heute 8Uö Interkontinentalraketen der Typen SS-17, SS-18 und SS-19 mit fast 6 UUU neuen
Gefechtsköpfen aufgestellt. Zwei neue sowjetische ICBM der fünften Generation, die SS-X-24 und die SS-X-25, befinden sich in der Flugerprobung.
Unsere Erwiderung, die MX-PEMCEKEEPER, ist nach einer zwölfjanrigen, aber
immer noch nicht abgeschlossenen Debatte noch nicht über das Stadium der
Flugerprobung hinausgekommen.

Die Flugerprobung der MX war ein voller Erfolg. Die Treffsicherheit,
die wir erzielen, übertrifft sogar noch die strengen Vorgaben der Typenspezifikation. Dennoch und trotz der fast 13 Milliarden Dollar, die wir
insgesamt in das MX-Programm gesteckte haben, und trotz der strategischen
Rüstungsprogramme der Sowjets gibt es immer noch Stimmen, die dazu raten,
die Vorbereitungen für die Einführung dieser Rakete anzuhalten und weiter
darüber zu debattieren, was zu tun ist.

Eigentlich sollte inzwischen jedermanns Debattierbedürfnis gestillt
sein. Der früheste Zeitpunkt, zu dem diese Waffe, die zur Modernisierung
unserer Triade dringend notwendig ist, ihre Einsatzreife erlangen kann,
ist der Dezember 19Ö6. Wir können es uns nicnt erlauben, noch länger zu
warten. Die Verzögerungen haben zu dem strategischen Ungleichgewicht beigetragen, dem wir uns heute gegenübersehen und das wir korrigieren müssen.
Wenn die
- 7 -

�Wenn die Abschreckung wirksam bleiben soll, dann müssen wir sicherstellen, daß der sowjetischen Führung klar ist, daü ein Vergeltungsschlay
unsererseits den Preis eines Angriffs in eine für sie nicht mehr hinnehmbare Höhe treiben würde. Diese Aufgabe ist nicht einfach, denn während
wir uns in den siebziger Jahren dazu beglückwünschten, daü wir die Sowjetunion davon überzeugt hatten, daü ein Atomkrieg nicht zu gewinnen
ist, leitete die sowjetische Führung während dieses nämlichen Zeitraums
ein massives Rüstungsprogramm in die Wege, um unserem Abschreckungspotential die Grundlagen zu entziehen. Die Gesamtschau dieser Anstrengungen
vermittelt heute ein klares Bild:

- Indem die Sowjets ihr Luftverteidigungssystem, das ohnenin schon das
umfangreichste und weitestentwickelte der Welt war, weiter modernisierten und ausbauten, versuchten sie, die Bombersäule unserer Triade
matt zu setzen.

- Indem sich die sowjetische Führung mit den Raketen der Typen SS-18
und SS-19 eine begrenzte Erstschlagsfähigkeit zulegte, versuchte sie,
sich in die Lage zu versetzen, einen amerikanischen Vergeltungsangriff durch einen Präventivschlag zu verhindern.
- Indem die Sowjets ihre Raketensilos und Abschuüleitanlagen härteten
und Hunderte von verstreut gelegenen, gehärteten Befehls- und Kommandoeinrichtungen schufen, versuchten sie, sich in die Lage zu versetzen, einen Vergeltungsschlag einzustecken und dennoch die militärischen Machtmittel, die politisch-militärischen Führungsmittel und die
übrigen zur Kriegführung notwendigen Mittel zu behalten, die für den
sowjetischen Staat so wichtig sind.

Wenn die sowjetische Führung infolge unseres Unvermögens, auf diese
Bemühungen zu reagieren, zu der Überzeugung käme, dak) die Risiken der Androhung oder des tatsächlichen Gebrauchs von militärischer Gewalt gegen
uns oder unsere Verbündeten auf ein hinnehmbares Mab aogesunken seien,
dann wäre die Abschreckung in der Tat gefährdet.

Glücklicherweise sind wir jetzt dabei, zu reayieren. Wir überholen
- 8 -

�Wir überholen unsere Triade. Wir haben luftgestützte Marschflugkörper,
die von B-52-Bombern abgeschossen werden, eingeführt, und im vergangenen
Jahr wurde der erste B-1-Bomber ausgeliefert. Wir haben die ProDieme des
TRIDENT-Unterseebootprogramms bereinigt; an diesem Programm wird jetzt
stetig gearbeitet. Aber eine starke Triade Pracht drei starke Säulen. Wir
besitzen nach immer kein modernisiertes ICBM-Potential. Wir sind immer
noch nicht in der Lage, prompte und glaubwürdige Vergeltungsschläge gegen
die entsprechenden gehärteten Waffen der Sowjets, die für sie eine so
große Rolle spielen, androhen zu können.

Die Kommission des Präsidenten für die strategischen Streitkräfte,
die Scowcroft-Kommission, überprüfte Anfang 1983 unser strategisches Abschreckungspotential im Lichte dieser unerfreulichen Tatsachen, im Lichte
dieser Tatsachen schlug die Kommission einen später dem Kongreß vom Präsidenten vorgelegten Stufenplan für die Modernisierung unseres ICBM-Potentials vor. Um diese wichtigen, unmittelbaren Mängel zu beseitigen, war
in dem Plan die Aufstellung von 100 MX-Raketen in bestehenden M1NUTEMANSilos gefordert. Ls steht kein anderes System zur Verfügung, das kurzfristig in ähnlich überzeugender Weise demonstrieren konnte, daß die sowjetische Führung trotz allem, was sie zur Härtung und zahlenmäßigen Vermehrung ihrer Waffen unternommen hat, nicht damit rechnen kann, einen Atomkrieg zu gewinnen. Daher brauchen wir die MX zur Mufrechterhaltung der
Abschreckung.

Wir braucnen das MX-Programm auch, um eine kleine ICBM mit nur einem
Gefechtskopf bauen zu können. Viele der wichtigsten Komponenten dieser
neuen kleinen Rakete werden von der MX abgeleitet sein, so u.a. die i_enkund Steuerungssysteme, Computerbauteile und -Software, die Hilfssysteme
des Gefechtskopfs und der Gefechtskopf selbst. Daher hängen unsere Pläne
zur Entwicklung stabilerer strategischer Verhältnisse - nicht nur für die
zweite Hälfte der achtziger, sondern auch für die erste Hälfte der neunziger Jahre - in entscheidendem Maße davon ab, was der Kongreß in diesem
Jahr unternimmt.

Ferner wird die MX es den Sowjets als geboten erscheinen lassen, sich
nicht mehr in so starkem Maße auf große ICBM mit vielen Gefechtsköpfen zu
- 9 -

�Gefechtsköpfen zu stützen. Die MX wird somit sowohl zur crhöhung der
Uberlebensfähigkeit unserer neuen kleinen ICBM beitragen (indem sie die
Fähigkeit der Sowjets, nukleares Sperrfeuer zu schieben, vermindert) als
auch die Stabilität im strategischen Bereich weiter verbessern.

Wie dem Ausschuß bekannt ist, stehen wir im Begriff, die Verhandlungen mit den Sowjets in Genf wiederaufzunehmen. Wir streben umfassende
beiderseitige und verifizierbare Verminderungen der strategischen Arsenale beider Seiten an. Die Fortführung des MX-Programms ist von entscheidender Bedeutung dafür, ob es uns gelingt, die von uns angestrebten tiefgreifenden Verminderungen tatsächlich herbeizuführen.

Es gibt dafür zwei wesentliche und offenkundige üründe. Wenn wir erstens zu erkennen geben, daß wir keine Anstalten machen, die gegenwärtig
bei uns bestehenden Mängel zu beseitigen, besteht für die Sowjets nur wenig Anreiz zu ernsthaften Verhandlungen. Warum sollten sie ihr Arsenal
verkleinern, wenn wir signalisieren, daß wir ihnen gestatten, ihre gegenwärtigen Vorteile zu behalten und vielleicht sogar noch auszubauen ?

Wenn wir zweitens ein Programm anhalten oder verlangsamen, dessen
entscheidende Bedeutung wir an sich erkannt haben, geben wir der sowjetischen Führung unmißverständlich zu verstehen, daß uns der Wille und die
Entschlossenheit fehlen, unsere Ziele in der Welt zu erreichen.

Um in Genf Erfolg zu haben, müssen wir die gleiche Standfestigkeit
und Entschlossenheit an den Tag legen, die die Sowjets bereits veranlaßt
hat, den Kurs zu ändern und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ihre
Augen sind heute auf uns gerichtet.
Ich möchte abschließend noch etwas weiter in die Zukunft schauen. Wie
dem Ausschuß bekannt ist, sind der Präsident, ich und Außenminister
Shultz entschlossen, die neuen technologischen Möglichkeiten zu prüfen,
die uns vielleicht in die Lage versetzen können, die Bedrohung zu beseitigen, die von den ballistischen Kaketen aller Reichweiten ausgeht. Die
ersten Ergebnisse unserer Studien und die bis zum heutigen Tag bereits
durchgeführten Forschungsarbeiten sind ermutigend. Wir sehen die Möglich- lü -

�die Möglichkeiten zur Entwicklung dieser Technologien und zur Schaffung
voll wirksamer, kosteneffektiver und überlebensfähiger Üefensivsysteme
optimistisch.

i

Während wir aber diese Forschungsarbeiten durchführen, müssen wir die
Abschreckung gegen einen Angriff weiter wirksam halten. Auch wenn die
Entscheidung, von der Forschung zur Entwicklung überzugehen, einmal getroffen würde, würden wir immer noch eine wirksame Abschreckung aufrechterhalten müssen. Und da die Einführung von Defensivsystemen sich über einen Zeitraum von Jahren hinziehen würde, würden wir sicherstellen müssen,
daß auch während dieser Übergangsperiode die Stabilität gewahrt bleibt.
Eine starke und moderne Triade wird für die Abschreckung sorgen, die
wir brauchen, um diesen Weg gehen zu können. Eine starke und moderne
Triade braucht eine starke ICBM-Säule. Und zu einer starken ICBM-Säule
gehören 10U MX-Raketen.
Ich ersuche den Ausschuß, sich an die Spitze der Bemühungen zu stellen, den Kongreß dazu zu bewegen, die Beschränkungen aufzuheben, denen
die Beschaffungsfinanzierung der MX im Haushaltsjahr 1985 unterworfen
wurde, und unseren Anträgen für das Haushaltsjahr 1986 für die Produktion
der MX zu entsprechen.

* * * * *

- 11 -

�März 1985

USA RICHTEN SUPERCOMPUTER-ZENTREN EIN

- (AD) - Vier Supercomputer-Zentren will die Nationale rtissenschaftsstiftung der USA (NSF - National Science Foundation) im Verlauf der nächsten fünf Jahre einrichten und in Betrieb nehmen.
Erich Bloch am 25. Februar 1985 bekannt.

Dies gab NSF-Direktor

Sie werden mit 2GU Millionen

Dollar finanziert und sind für die Universität Kalifornien in San Diego,
die Universität Illinois, die Cornell-Universität in Ithaca (New York)
und das John von Neumann-Institut in der Nähe von Princeton (New Jersey)
vorgesehen.

Bereits Ende 1985 oder Anfang 1986 sollen sie amerikanischen

Wissenschaftlern und Ingenieuren aus dem ganzen Land zur Verfügung stehen.

Bloch verwies darauf, da(3 die Führungsrolle der Vereinigten Staaten
"von unseren ausländischen Handelspartnern in die Schranken gefordert
wird.

Es ist klar geworden, daß die Festigung unserer Forschungsbasis,

mit der dieser Herausforderung begegnet werden muü, weitgehend vom Zugang
unserer Wissenschaftler und Ingenieure zu Supercomputern abhängt...

Die-

se werden neue Wege für Problemlösungen und neue Forschungsgebiete eröffnen."
Die modernsten,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die modernsten, in den Vereinigten Staaten hergestellten Supercomputer sind Cray XMP und Cyber 205 - sie können 1ÜU Millionen Operationen
pro Sekunde durchführen.

Supercomputer geben den Forschern die Möglich-

keit zur Untersuchung sehr komplexer Probleme, die häufig durch Experimente gar nicht untersucht werden können.

Dazu zählen beispielsweise die

Simulation von Kernreaktorunfällen für Sicherheitsstudien, die Erstellung
von Modellstudien über die Verschmutzung der Atmosphäre oder die Konstruktion neuer Flugzeuge und Autos.

Wie Bloch erklärte, werde jedes Computerzentrum mit einer groben Anzahl von Universitäten und Forschungsinsitituten direkt verbunden sein.
So sei vorgesehen, das Zentrum in San Diego einem Konsortium von 18 Universtitäten anzuschließen; das Management für das John von Neumann-Zentrum werde dem Konsortium für wissenschaftliches Computerwesen übertragen,
einer von 12 wichtigen Forschungsinstitutionen gebildeten gemeinnützigen
Organisation.

Neben der Wahrnehmung ihrer Aufgabe, Forschern modernste

Computersysteme an die Hand zu geben, werden die Zentren auch Studenten
und Forscher in der Nutzung von Supercomputern ausbilden und der Computerindustrie Anregungen geben, "künftig noch bessere Supercomputer zu
entwickeln."

Der Astrophysiker Larry Smarr, der das Zentrum an der Universität Illinois leiten wird, gab bekannt, daß man für dieses Zentrum in den nächsten fünf Jahren ca. 75 Millionen Dollar von Bundesregierung, bundesstaatlichen Stellen und der Industrie erwarte.

Wichtigstes System des

Zentrums werde zunächst der Cray XMP-Supercomputer sein, zu aem Forscher
von der Universität und aus dem ganzen Land freien Zugang haben. Man werde sich darauf konzentrieren, technologische Fortschritte, üie die Wirtschaft produziere, zu Durchbrüchen in Natur- und Ingenieurwissenschaften
sowie für neue Anwendungsmöglichkeiten in der Industrie zu nutzen.

Wei-

tere Programmziele neben der Entwicklung schnellerer, leistungsstärkerer
Supercomputer seien sicherere und effizientere Fabriken, eine genauere
und zeitgerechtere Wettervorhersage und Durchbrüche im Studium von Krankheiten wie z. B. von Krebs, sagte Smarr.

Katastrophen wie die von Bhopal

(Indien) sollten durch die mit Hilfe von Supercomputern möglichen Simula- 2 -

�möglichen

Simulationsberechnungen

verhindert werden können.

ausgeschlossen,

d.h.

von

vornherein

"Das gesamte Universum laut sich in diese

Maschinen packen - von der 'Ursuppe', aus der sich Sterne und lilaxien
entwickelten, bis zum kleinsten Elementarteilchen", meinte Smarr.

* * * * *

- 3-

�Wi/scn/choft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. März 198b

10

METALLE IN M£DIKAMENTEN
- Schlüsselmoleküle: KomplexVerbindungen -

Aus: The Economist. Bei Nachdruck
Angabe der Quelle und Vermerk "Copyright 'The Economicst Newspaper Ldt.,
London, 1984'" erforderlich.

- (AD) - Metalle spielen eine immer größere Rolle in der Pharmazie.
Schon seit langem hilft Gold, Beschwerden bei Polyarthritis zu lindern.
Platin wird bei bestimmten Formen von Krebs benutzt. Manche Wissenschaftler halten auch weniger edle Metalle, z.B. Kupfer, für eine wichtige Komponente.

Sie vermuten dies aufgrund der Entdeckung,daß manche Arznei-

stoffe nur in Verbindung mit Metallen wirksam sind.

Der Körper braucht Metalle für viele Zwecke.

Elemente wie Natrium

und Calciun z. B. sind in jeder Nahrung und praktisch in allen Geweben im
Körper vorhanden.

Andere, Eisen und Kupfer etwa, sind ebenfalls von gro-

Postfach 20 03 00 Tel : 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�von großer Bedeutung für die chemischen Vorgänge, werden aber nur in ganz
winzigen Mengen benötigt.
eingebettet.

Meist sind sie in das Zentrum großer Molaküle

So ist beispielsweise das als Sauerstoffträger

wichtige

Blutprotein Hämoglobin um ein Eisenatom herumgebaut.

Zwei weitere Punkte wurden als bedeutsam erkannt. Erstens bilden viele

pharmazeutische

Substanzen

"Komplexverbindungen"

mit Metall-Ionen.

Zweitens ist es typischerweise die Kombination Arzneistoff-Metallkomplex,
der die erwünschte Wirkung erzielt, nicht der Arzneistoff allein.

So

wird vermutet, daß das Antikrebsmittel Bleomycin mit Eisen im Blut reagiert, bevor es zu wirken beginnt.
die Komplexe wichtig sind:

Es gibt zwei Theorien dazu, weshalb

Entweder verändere das Metall-ion die chemi-

schen Eigenschaften des Arzneistoffs, der als Molekül daran haftet, oder
der Arzneistoff helfe, das Metall zum gewünschten Wirkungsort zu transportieren, und ihm neue chemische Eigenschaften zu verleihen.

Prof. John Sorenson von der Universität Arkansas befaßt sich mit den
sog. Chelaten (d.h. Komplexen von Metallen mit organischen Verbindungen)
besonders intensiv, seit er herausfand, daß die Kupferkonzentration im
Blutplasma von Patienten mit Arthritis und anderen Erkrankungen, die mit
Entzündungen einhergehen, erhöht ist.

Bekannt war bereits, daß entzün-

dungshemmende Arzneistoffe mit Metallen, mit Kupfer im besonderen, Komplexe bilden können.

Bekannt war ferner, daß einige von ihnen, wenn Kup-

fer fehlt, Geschwüre verursachen, die gleichen Arzneistoff aber in Verbindung mit Kupfer Geschwüre heilen.

Die Idee, Medikamente zu entwik-

keln, die von vornherein auf Kupferkomplexen basieren, war für Sorenson
eine logische Folgerung aus diesem Sachverhalt.
•

Inzwischen stellte er eine ganze Liste von Erkrankungen zusammen, die
durch Kupferkomplexe beeinflußt werden.

Ihr Umfang ist beeindruckend -

allerdings sagen auch manche, er sei verdächtig.

Seit den zwanziger Jah-

ren weiß man, daß Kupferkomplexe bei einer bestimmten Form von Anämie
hilfreich sind, und seit den dreißiger Jahren ist bekannt, daß sie Rheumakranken helfen können.

Auf der Liste Sorensons stehen ferner Geschwü-

re, Epilepsie (die oft mit Kupfermangel in Zusammenhang gebracht wird),
- 2 -

�gebracht wird), Diabetes und, aufgrund der Ergebnisse von Tierversuchen,
bestimmte Formen von Krebs. So wurde bei einer Mäusepopulation die Anzahl
von Tumoren, die normalerweise durch ein spezielles Carcinogen hervorgerufen werden, auf die Hälfte reduziert.

Interessanterweise verbesserte

die Komplexverbindung auch die Widerstandsfähigkeit der Tiere gegen hohe
Bestrahlungsdosen.

Die meisten dieser Wirkungen, vielleicht sogar alle,

dürften nach Meinung von Sorenson über ein Enzym, und zwar über eine kupferabhängige Superoxid-Dismutase, erfolgen.

Noch sei unklar, ob die Kup-

ferkomplexe das so wichtige Kupfer zum Enzym transportieren oder aber ihm
direkt helfen, das giftige (und krebsverursachende) Superoxid abzubauen.

Die z. T. sehr unangenehmen, außerdem für die Nieren vielfach schädlichen Nebenwirkungen von Gold- und Platinpräparaten versucht man durch
Umstrukturierung der Komplexmoleküle zu mildern.

Das scheint bisher am

besten mit Carboplatin (zur Bekämfpung von Eierstock- und Hodentumoren)
gelungen zu sein.

Die Verbindung verursacht nicht nur weniger häufig und

weniger stark Brechreiz und Beeinträchtigung der Nierenfunktion, sondern
führt auch zu einer besseren Reduzierung des Tumors.

Sie beeinflußt den

Mechanismus der bei Tumoren sich schneller als bei normalen Zellen vollziehenden Zellteilung - auf welche Weise, ist noch nicht bekannt.

Manche große pharmazeutische Unternehmen (z.B. SmithKline Beckman und
Bristol Myers in den Vereinigten Staaten und Rhone Poulence in Frankreich), aber auch Edelmetallproduzenten (wie z.B. Johnson Matthey in England) beginnen bereits mit noch selteneren Metallen zu experimentieren.
Möglicherweise könnte Palladium für die Therapie von Magenkrebs Bedeutung
erlangen.

Alles in allem dürften etwa 5Ü Elemente als Komplexbildner in

Frage kommen, um neue, bessere Medikamente zu entwickeln.

- 3 -

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9560">
              <text>06.03.1985</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9561">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9562">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9563">
              <text>Amerikadienst 06.03.1985</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9564">
              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nltze: Amerikanisch-sowjetische Rüstungskontrollverhandlungen&amp;nbsp;werden schwierig &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Abrüstungsberaters vor dem US-Senat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;MX-Rakete wesentlich für Aufrechterhaltung der Abschreckung &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Anhörung vor dem Militärausschuß des Senats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA richten Supercomputer-Zentren ein&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Metalle in Medikamenten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schlüsselmoleküle: Komplexverbindungen -&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
