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                  <text>oimolion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. Februar 1985

k

INHALT
INFORMATION
Beryl W. Sprinkel zum Nachfolger von Martin Feldstein ernannt
- Neuer Vorsitzender des Virtschaftsbeirates des Präsidenten -

DOKUMENTATION
Vereinigte Staaten überprüfen Haltung zu SALT IlrAbkommen
- Pressekonferenz Präsident Reagans -

Shultz: Auslandshilfe ist Investition in die Zukunft
- Erklärung des US-Außenministers vor dem Auf3enpolitischen
Ausschuß des Repräsentantenhauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Sieben Astronauten an Bord
- Neuer CHALLENGER-Flug am 4. März 1985 -

Raumstation - Phase B
- Erste Kontrakte werden in Kürze vergeben

Um Übei/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�27. Februar 1985

BERYL W. SPRINKEL ZUM NACHFOLGER VON MARTIN FELDSTEIN ERNANNT
- Neuer Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten -

WASHINGTON
führenden

-(AD)- Präsident

Reagan

hat

Beryl

W. Sprinkel, einen

Vertreter der monetaristischen Denkrichtung, am 22. Februar

1985 zum neuen Vorsitzenden seines Wirtschaftsbeirates ernannt. Sprinkel
tritt damit die Nachfolge von Martin Feldstein an, der wieder an die
Harvard- Universität zurückkehrt.
Sprinkel, der seit März 1981 im Finanzministerium als Staatssekretär
für monetäre Angelegenheiten tätig ist, war an entscheidender Stelle bei
der Ausformulierung der Finanz- und Kreditpolitik der Reagan-Administration beteiligt, nachdem er bereits zuvor als strikter Verfechter einer
strengen Kontrolle des Geldzuwachses - gleich, welche kurzfristigen Auswirkungen dies auf die Zinsen haben würde - bekanntgeworden war. Es ist
nicht zuletzt dieser Strategie, die gegen Ende 1979 von der amerikanischen Bundesbank übernommen wurde, zuzuschreiben, daß die Inflationsrate
in den Vereinigten Staaten mittlerweile in den Griff bekommen wurde.

Sprinkel ist Gegner irgendwelcher staatlicher Eingriffe auf dem Geld-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�dem Geldmarkt, um den Dollarwert gegenüber ausländischen Währungen zu beeinflussen. Vielmehr geht seine Überlegung dahin, daß -

wie er vor Re-

portern im Foreign Press Center in Washington vergangenen Dezember sagte
- "wir hoffen, daß bei Wirtschaftswachstum im Ausland - etwa in Westeuropa und Japan - sich auch die Wechselkurse der Währungen dieser Länder
verbessern und sich dadurch die Investitionsentscheidungen wieder weniger
auf die Vereinigten Staaten konzentrieren und wir zu einer graduellen
Verringerung des Dollarwertes gelangen".

Im Finanzministerium war Sprinkel auch für die Entwicklung einer ame-

»

*

rikanischen Politik hinsichtlich der internationalen Finanzinstitutionen
wie etwa dem Internationalen Währungsfonds (INF) zuständig. In einem Interview, das er 1984 der vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebenen
Publikation "Economic Impact" gab, sagte Sprinkel, die Anpassungsprogramme des IWF seien eine pragmatische Reaktion auf die Schuldenprobleme der
Entwicklungsländer: "Kurzfristig wird dieser Prozeß wahrscheinlich ziemlich schmerzhaft sein..., doch schafft er die Voraussetzungen für eine
anhaltende Verbesserung des Lebensstandards, der Produktion und der Beschäftigungssituation."

Vor seinem Eintritt ins Finanzministerium war Sprinkel Vizepräsident
bei der Harris Trust and Savings Bank in Chikago, wo er insgesamt 28 Jahre tätig war. Daneben war er Direktor von "Harris Economics", einem Beratungsdienst dieser Bank in Wirtschafts- und Finanzfragen. Daneben war er
Mitglied des Wirtschaftbeirats der Zeitschrift TIME, Vorsitzender des Beraterausschusses der American Bankers Association sowie Mitglied des Direktionsgremiums der amerikanischen Handelskammer.
M

Sprinkel, 1923 auf einer Farm bei Richmond, Missouri, geboren, studierte an der University of Missouri und der University of Chicago und
schloß diese Studien mit einem M.A. und einem Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften ab. Er ist verheiratet und lebt in McLean im amerikanischen Bundesstaat Virginia.

* * * * *

�27. Februar 1985

VEREINIGTE STAATEN 'ÜBERPRÜFEN HALTUNG ZU SALT-II-ABKOMMEN
- Pressekonferenz Präsident Reagans -

Washington -(AD)- Präsident Reagan hielt

am 21. Februar

1985 in

Washington eine Pressekonferenz ab, die überwiegend im Zeichen innenpolitischer Themen, wie der geplanten Steuerreform und der Lage der Farmer,
stand. Die außenpolitischen Passagen, deren Wortlaut wir im folgenden
auszugsweise wiedergeben, bezogen sich auf Fragen der Rüstungskontrolle,
den Nahen Osten, Nicaragua und die Währungspolitik:

SALT-II-Abkommen

FRAGE: Jack Anderson schrieb heute in seiner Kolumne, daß Sie 1981
Moskau hätten wissen lassen, daß Sie das SALT-II-Abkommen selbst dann
nicht unterzeichnen würden, wenn es vom Senat ratifiziert würde, und daß
Moskau Ihnen 1982 mitgeteilt habe, daß die Sowjetunion nicht mehr an den
SALT-II-Vertrag gebunden sei und über dessen Grenzen hinaus aufrüsten
werde. Entspricht das den Tatsachen ? ...
ANTWORT

Ich kann mich an keine derartigen Erklärungen seitens

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Erklärungen seitens der Sowjetunion erinnern. Beide Länder haben sich
hauptsächlich wegen der weiterlaufenden Bemühungen um Rüstungskontrollverhandlungen an die Beschränkungen (des SALT-II-Vertrags) gehalten ...
Wir waren der Auffassung, daß es für den Fall, daß es zu neuen Gesprächen
käme, besser sei, an einem Abkommen festzuhalten, das zwar nicht ratifiziert, aber immerhin von unserer damaligen Regierung unterzeichnet worden
war ... Inzwischen sind wir jedoch sicher, daß die Sowjetunion sich über
einige der Beschränkungen hinweggesetzt hat ... Daher steht nun etwas in
Frage, woran wir bislang festgehalten haben. Wenn wir alte Waffen durch
neue ersetzt haben, haben wir stets die alten zerstört. Eine der Vertragsverletzungen der Sowjetunion besteht jedoch darin, daß sie mit Nuklearraketen ausgerüstete Unterseeboote zwar außer Dienst gestellt, sie
dann aber für den Einsatz von Marschflugkörpern umgebaut hat ...

FRAGE: Wollen Sie sich nun weiter an die ausgehandelten Verträge, also z.B. an den ABM-Vertrag halten, während die neuen Verhandlungen anlaufen ?

ANTWORT: Wir werden uns weiter an die Verträge halten, die ratifiziert und in Kraft sind ...
FRAGE: Und SALT-II ?

ANTWORT: Wir werden in einigen Monaten darüber entscheiden, ob wir
genau wie die Sowjetunion dazu übergehen, die vertraglichen Beschränkungen zu verletzen.

Naher Osten

FRAGE: Diese Wochen sind in Wien amerikanische und sowjetische Regierung svert reter zu zweitägigen Gesprächen über den Nahen Osten zusammengetroffen ... Können Sie uns darüber etwas sagen ? ...

ANTWORT: ... Wir waren einfach der Meinung, daß es Zeit für einen
Meinungsaustausch sei, um sicherzustellen, daß es nicht zu irgendwelchen
Fehlkalkulationen kommt, die zu Konfrontationen oder anderen Problemen

2

�anderen Problemen führen könnten. Wir haben die Sowjets über unsere derzeitige Haltung unterrichtet, und sie haben uns die ihre dargelegt; das
war alles.

FRAGE: Strebt die sowjetische Regierung immer noch eine unmittelbare
Verhandlungsrolle im Rahmen der Nahostdiplomatie an ? ...
ANTWORT: Man hat mich noch nicht soweit ins Bild gesetzt, daß ich sagen könnte, ob die Sowjets etwas Konkretes erwähnt haben. Sie haben bislang dazu geneigt, die Vorstellung einer großen internationalen Zusammenkunft zu unterstützen. .Vir sind nicht dafür. Wir glauben nicht, daß so
viele Hände in dem Topf rühren sollten. .Vir gehen auch nicht davon aus,
daß wir selbst an Verhandlungen teilnehmen würden. -Vir haben stets gesagt, daß wir am Rande stehen und nach bestem Vermögen helfen werden, daß
die eigentlichen Verhandlungen aber eine Angelegenheit der Araber, der
Palästinenser und der Israelis sind.

Nicaragua
FRAGE: Außenminister Shultz hat gestern zu verstehen gegeben, dab die
Beseitigung der sandinistischen Regierung Nicaraguas eines der Ziele Ihrer Politik ist ... Ist das Ihr Ziel ?
ANTWORT: Wir wollen sie in ihrer gegenwärtigen Form beseitigen, in
der sie einen kommunistischen, totalitären Staat bildet. Es handelt sich
nicht um eine vom Volke gewählte Regierung ... Wir fühlen uns verpflichtet, Freiheitskämpfern von Afghanistan bis Nicaragua zu helfen, wo wir
können ...

FRAGE: Wenn Sie "beseitigen in ihrer gegenwärtigen Form" sayen, heibt
das dann nicht, daß Sie den Sturz der gegenwärtigen Regierung Nicaraguas
befürworten ?

ANTWORT: Was ich sagen will, ist, daß diese gegenwärtige Regierung
nur ein Element im Kampf gegen Somoza war. Die Freiheitskämpfer waren ein
anderes Element dieser Revolution. Nachdem aber der Sieg errungen war,
- 3 -

�errungen war, haben die Sandinisten genau das getan, was zuvor schon Castro auf Kuba getan hatte. Sie schafften sich die anderen Elemente der
Revolution vom Leibe und brachen die Versprechen, die sie der Organisation Amerikanischer Staaten gegeben hatten, nämlich, daü die Ziele ihrer
Revolution Demokratie, Pressefreiheit, Redefreiheit, Gewerkschaftsfreiheit, Wahlen usw. seien ... Die, die gegen die Sandinisten kämpfen, die
Freiheitskämpfer, sind Nicaraguaner, die die Ziele der Revolution wiederherstellen wollen. Wir werden versuchen, ihnen zu helfen.

FRAGE: Lautet die Antwort auf die Frage, ob Sie den Sturz der gegenwärtigen Regierung Nicaraguas befürworten, dann Ja ? ...

ANTWORT: Nicht, wenn diese gegenwärtige Regierung anderen Sinnes werden und sagen würde: ... Laut uns die Probleme beilegen und die ursprünglichen Ziele verwirklichen.

Währungspolitik

FRAGE: ... Das Problem unserer Farmer besteht z.T. darin, daü sie wegen des überbewerteten Dollars im internationalen Handel preislich nicht
mehr wettbewerbsfähig sind ... Haben Sie erwogen, etwas zu unternehmen,
um den Wechselkurs des Dollar gegenüber anderen Währungen in Europa und
Asien zu senken ?
ANTWORT: Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als der Dollar unterbewertet war; darüber waren auch nicht sehr viele Leute glücklich. Ich
glaube, das Problem des Dollar besteht heute darin, daß unsere Handelspartner in der Welt bisher keinen so starken Konjunkturaufschwung wie wir
erzielen konnten ... Was wirklich notwendig ist, ist eine Belebung ihrer
Wirtschaft, so daß der Wert ihrer Währungen im Verhältnis zu dem der unseren wieder steigt. Das Problem des Handelsdefizits hat zwei Seiten ...
Einerseits haben wir wegen des hohen Dollarkurses Schwierigkeiten, Güter
im Ausland zu verkaufen ... Gleichzeitig profitieren davon aber auch die
Menschen in unserem Lande, indem sie billige Importwaren kaufen können
... Das hält die Inflation unten. Wenn man herumspielt und versucht, den
Dollarkurs zu senken, ohne sich um diese andere Seite des Problems zu

�Problems zu kümmern, dann setzt man die Inflationsschraube wieder in
Gang, und das wollen wir nicht.
Heltraumwaffen
FRAGE: denn Sie und Frau Thatcher in der Annahme rechtgehen, dalo die
Sowjets beabsichtigen, bei den Verhandlungen in Genf Fortschritte in den
Fragen der Mittelstreckenwaffen und der strategischen Waffen von Zugeständnissen Ihrerseits im Hinblick auf Weltraumdefensivwaffen abhängig zu
machen, zu welchen Konzessionen sind Sie dann bereit, um ein Rüstungskontrollabkommen unter Dach und Fach zu bringen ?

ANTWORT: Wenn es den Sowjets ernst ist mit dem, was sie gesagt haben
- d. h. , daß sie die Kernwaffen wirklich vermindern und sogar ganz beseitigen wollen - dann werden sie nach unserer Überzeugung am Konferenztisch
bleiben und mit uns verhandeln. Alles, was wir vorgeschlagen haben und
tun, ist, Forschungsarbeiten zu betreiben. Nach dem AHM-Vertrag ist das
zulässig; wir verstoßen nicht gegen diesen Vertrag. Wenn sich durch unsere Forschungsarbeiten tatsächlich die Möglichkeit zum Bau einer Defensivwaffe ergibt, die das Gleichgewicht verändern könnte, dann wäre ich, wie
ich wiederholt gesagt habe, bereit, vor deren tatsächlicher Einführung zu
verhandeln und über die Aufstellung und den Einsatz dieser Waffe zu sprechen, so daß sie verwandt werden würde, um die Welt von der nuklearen Bedrohung zu befreien, nicht aber, um uns einen Vorteil gegenüber irgendjemand anderem zu verschaffen ...

* * * * *

- 5-

�27. Februar 1985

SHULTZ: AUSLANDSHILFE IST INVESTITION IN DIE ZUKUNFT

Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen
Ausschuß des Repräsentantenhauses -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz
hat sich vor dem Kongreß für ein kombiniertes Auslandshilfeprogramm in
Höhe von 14,8 Milliarden Dollar eingesetzt.

In einer längeren Erklärung

vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses am 19. Februar
1985 bezeichnete Shultz die Auslandshilfe als eine kluge Investition in
die Zukunft.

Der amerikanische Außenminister hob hervor, daß die Verei-

nigten Staaten in einer einmaligen Anstrengung seit Oktober vorigen Jahres über 400 Millionen Dollar aufgebracht haben, um über eine Million
Tonnen an Lebensmittel- und sonstiger humanitärer Hilfe nach Afrika zu
schicken.

Als die beiden Hauptempfängerländer amerikanischer Auslands-

hilfe nannte Shultz Israel und Ägypten.

In Europa erhalten die NMTO-

Länder Spanien, Portugal, Griechenland und Türkei Sicherheitshilfe.

Da-

bei streben die Vereinigten Staaten auch eine Lösung der Zypernfrage an.

Der

amerikanische

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�Der amerikanische Auf3enminister betonte vor dem Kongreßausschuß, daß
die Anforderungen der Reagan-Administration das "absolute Minimum" seien.

"Unsere Auslandshilfeprogramme

sind von lebenswichtiger Bedeutung

für die Erreichung unserer außenpolitischen Ziele", betonte Shultz.

Die Erklärung des Außenministers hat folgenden ,Vortlaut:

Ich weiß, daß wir uns über die Notwendigkeit einig sind, im Ausland
kluge Investitionen vorzunehmen, um unsere nationale Sicherheit zu stärken, wirtschaftliche und politische Freiheit zu fördern und den humanitären Anliegen des amerikanischen Volkes gerecht zu werden.
fe ist eine solche Investition.

Auslandshil-

Unser Auslandshilfeantrag für das Haus-

haltsjahr 1985 wird diesem Ausschuß jedoch zu einer Zeit unterbreitet, in
der diese Administration und der Kongreß sich verpflichtet haben, unser
Haushaltsdefizit abzubauen.

Als ehemaliger Direktor des Haushaltsamtes

weiß ich vielleicht besser als mancher andere, was für eine gewaltige
Aufgabe das ist und welch schmerzliche .V ahl hier und da getroffen werden
muß.

Aus der Erkenntnis der übergeordneten Bedeutung einer Senkung des
Haushaltsdefizits heraus haben wir unsere wirtschaftlichen und militärischen Hilfsprogramme sorgfältig auf einen Umfang und eine Zusammensetzung gebracht, die den Minimalanforderungen für die Unterstützung unserer
Außenpolitik entsprechen.
Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, daß unsere Auslandshilfsprogramme von lebenswichtiger Bedeutung für die Erreichung unserer außenpolitischen Ziele sind.

Eine Welt des Friedens, der Freiheit, der interna-

tionalen Stabilität und des menschlichen Fortschritts kann nicht von den
Vereinigten Staaten allein aufgebaut werden.

,V ir brauchen die Unterstüt-

zung und Kooperation der vielen Freunde und Verbündeten in der ganzen
Welt, die unsere Hoffnungen und Träume von einer besseren .Veit teilen und
die sich auf uns verlassen.

Und wenn wir angesichts der schweren und

manchmal gefährlichen Herausforderungen der modernen -Veit mit ihrer Unterstützung rechnen wollen, dann müssen wir selbst ein verläßlicher Part-

�verläßlicher Partner sein.

Wir müssen konsequent sein in unserer Hingabe

an die Werte, die wir so hoch schätzen und verkünden:

die Förderung des

Wohlstandes, die Verteidigung der Freiheit, der Aufbau der Demokratie und
die Achtung der Menschenrechte, die Linderung

des Leidens sowie der

Schutz unserer Freunde und Verbündeten vor Aggression.

In seiner Botschaft über die Lage der Nation hat Präsident Reagan
darauf hingewiesen, daß "Dollar für Dollar an Sicherheitsunterstützung
ebenso viel zur Sicherheit der Welt beiträgt wie unser eigener Verteidigungshaushalt".

Die Stärkung unserer Freunde ist einer der wirksamsten

Wege, unsere Interessen zu schützen und unsere Ziele zu fördern.

Sie

gibt ihnen die Fähigkeit und das Zutrauen, sich selbst zu verteidigen und
für den Frieden zu arbeiten.

Wenn wir heute bereit sind, den relativ be-

scheidenen Preis zu bezahlen und die notwendigen Opfer zu bringen, dann
können wir uns für die Zukunft einen sehr viel höheren Preis und sehr
viel größere Opfer ersparen.

Auslandshilfe ist eine kluge Investition in

unsere Zukunft und die Zukunft der Welt.

Vor zwei Jahren bin ich zum erstenmal vor diesem ehrenwerten Musschuß
erschienen, um unsere Auslandshilfeprogramme zu rechtfertigen.

Ich habe

damals wie auch im vorigen Jahr versucht aufzuzeigen, wie eng unsere Auslandshilfeprogramme

mit

unseren

grundlegenden

außenpolitischen

Zielen

verflochten sind.

Die Ereignisse der letzten zwei Jahre haben mich mehr denn je überzeugt, daß wir auf dem richtigen Weg sind.

Wir haben unsere Beziehungen

zu unseren Freunden in der Entwicklungswelt gegen den sowjetischen Expansionismus gestärkt.

Wir haben erlebt, daß eine Reihe von Entwicklungs-

ländern sich in Richtung freierer und offenerer Volkswirtschaften bewegen.

Die Welt begreift mehr und mehr, daß statische Wirtschaftssysteme

nicht funktionieren.

Freie Marktwirtschaften funktionieren.

Und wir ha-

ben einen außerordentlichen Fortschritt in der Entwicklung demokratischer
Institutionen und den Niedergang von Diktaturen, vor allem in unserer eigenen Hemisphäre, erlebt.

Es

ist

kein

�Es ist kein Zufall, daß wir mit der Entstehung freierer Gesellschaften auch offenere Volkswirtschaften sehen.
das andere.
Wachstum.

Das eine ergänzt und stärkt

Menschen wollen, wenn sie die Wahl haben, wirtschaftliches

Sie wollen Prosperität.

Sie brauchen nur die persönliche Si-

cherheit und das politische und wirtschaftliche Umfeld, das ihnen die
Ausübung ihres Willens und die Anwendung ihrer Talente erlaubt.

Wenn wir

also die Sicherheit und die territoriale Integrität unserer Freunde unterstützen, dann fördern wir damit die grundlegendsten menschlichen Ziele, nämlich Wohlstand und Freiheit.
nem weiteren Ziel, dem Frieden.

Aber wir dienen damit auch noch ei-

Wir haben im Laufe der Jahre immer wie-

der erlebt,daß wirtschaftlicher Fortschritt, persönliche Freiheit und
Weltfrieden eng miteinander verknüpft sind.
ner zweiten Amtsantrittsrede sagte:

Wie Präsident Reagan in sei-

"Amerika muß der unverbrüchliche

Freund der Freiheit bleiben, denn die Freiheit ist unser bester Verbündeter und die einzige Hoffnung der Welt, die Armut zu überwinden und den
Frieden zu bewahren.

Jeder Schlag, den wir der Armut zufügen, wird ein

Schlag gegen ihre dunklen Verbündeten der Unterdrückung und des Krieges
sein.

Jeder Sieg der menschlichen Freiheit wird ein Sieg des Weltfrie-

dens sein."

Heute erleben wir in der Dritten Welt Entwicklungen, die, wenn wir
sie weiterhin fördern, zu einer sichereren und blühenden Welt führen werden.

Es ist unvermeidbar, daß es gelegentlich Rückschläge gibt, aber

wenn wir den Kurs halten, dann wird nach meiner 'Überzeugung das Muster
stabiler und demokratischer Regierungen immer deutlicher hervortreten und
wachsen und stärker werden.

Es bleibt noch viel zu tun.

Der wirksamste Beitrag, den wir der Ent-

wicklungswelt leisten können, ist die Aufrechterhaltung einer gesunden
amerikanischen Volkswirtschaft. Unsere wirtschaftliche Wachstumsrate 1983
war einer der Hauptgründe für den scharfen Anstieg der Einfuhren aus
nicht der OPEC angehörenden Entwicklungsländern auf 92,3 Milliarden Dollar - etwa 14 Prozent mehr als im Jahr davor.

Die Entwicklungsländer

werden im Jahr 1984 noch mehr Gewinn aus dem starken Wachstum unserer
Wirtschaft ziehen.

Darüber hinaus profitieren viele der Entwicklungslän- 4 -

�der Entwicklungsländer von den niedrigeren Kosten des Schuldendienstes
als Ergebnis des Fortschritts, den wir bei der Senkung der amerikanischen
Zinssätze erzielt haben.

Sie gewinnen, wie wir, auch von unserer Ver-

pflichtung, protektionistische Kräfte nicht hochkommen zu lassen.

Mehr als durch jeden anderen Faktor wird jedoch die Innenpolitik
dieser Länder durch Stärke und Durchhaltekraft ihrer Volkswirtschaften
und ihrer politischen Institutionen bestimmt.

Unsere Auslandshilfe kann

jene entscheidend wichtigen Mittel zur Verfügung stellen, die sie brauchen, um diese Ziele zu erreichen.
Aus diesem Rahmenvorstellungen

heraus haben

wir eine

sorgfältige

Haushaltsprüfung vorgenommen, um dafür zu sorgen, daß die Summe unserer
Mittel und jeder einzelne Posten das absolute Minimum betragen, das für
die Verwirklichung und Unterstützung unserer Außenpolitik notwendig ist.

Überblick über den Haushalt 1986 und die Ergänzungsvorlage 1985

Die Auslandshilfevorlage für das Haushaltsjahr 1986 beläuft sich auf
insgesamt 14,8 Milliarden Dollar, d.h. um 300 Millionen weniger als der
Stand der Ausgabeermächtigungsresolution für das Haushaltsjahr 1985.

Wie

ich später darlegen werde, müssen wir noch den Umfang der Wirtschaftshilfe für Israel festlegen.

Wenn diese Zahl schließlich mit einbezogen sein

wird, dann wird die Gesamtsumme unserer Anforderung höher liegen als im
Vorjahr.

Die Wirtschaftshilfe - die Entwicklungshilfe, Lebensmittelhilfe

nach dem Gesetz PL 480, den Wirtschaftsunterstützungsfonds sowie Beiträge
zu multilateralen Entwicklungseinrichtungen
auf 8,2 Milliarden Dollar.

einschließt - beläuft sich

Die Militärhilfe, zu der Zuwendungen, Kredite

und Ausbildungshilfe gehören, beträgt 6,6 Milliarden Dollar.

Die weiteren 4,5 Milliarden Dollar, die für internationale Angelegenheiten beantragt werden - Haushaltsposten 150 - dienen hauptsächlich der
Finanzierung der Tätigkeiten des Außenministeriums, des US-Informationsamtes (USIA), der Export-Import-Bank, des Ausschusses für Internationale

�für Internationale Sendungen, unserer geschätzten Beiträge zu internationalen Organisationen, der Beiträge zu Friedensmissionen der Vereinten Nationen und der Beteiligung Amerikas an multilateralen

internationalen

Konferenzen.

Im Rahmen der Ausgaben für internationale Angelegenheiten - Haushaltsposten 150 - würden nach unserem Antrag einige Posten steigen und
andere zurückgehen.

Die Funktion 150 liegt jedoch insgesamt wesentlich

unter dem für das Haushaltsjahr 1985 verabschiedeten Stand.

Dies wird so

bleiben, selbst wenn eine zusätzliche Summe für Israel, die wir vielleicht beantragen werden, bewilligt wird.

Diese Erhöhungen und Verringe-

rungen in den einzelnen Bewilligungsposten lassen die Prioritäten der
Administration und den Grundgedanken des Einfrierens erkennen, der auf
die Aufstellung dieses Haushaltsvoranschlages angewandt wurde.

Sie las-

sen ferner unsere Bemühungen erkennen, unsere knappen Mittel so zu verteilen, daß sie einen maximalen Ertrag für unsere Außenpolitik erbringen
und dazu beitragen, den dringenden Entwicklungs- und Sicherheitsbedarf
unserer strategischen Partner zu decken.

Unsere Auslandshilfevorlage für das Haushaltsjahr 1986 enthält nur
eine bescheidene neue Initiative - ein verstärktes .Virtschaftshilfepaket
für die Andendemokratien Ecuador, Peru und Bolivien.

Mit dieser einzigen

Ausnahme stellt unser Haushaltsantrag 1986 im großen und ganzen ein Programm der Kontinuität dar, nach dem wir arbeiten, und läßt sowohl die gesamtfiskalischen Begrenzungen erkennen, nach denen wir uns richten müssen, als auch die Tatsache, daß viele unserer früheren Initiativen - vor
allem in Mittelamerika - gut im Zuge sind und einen Fortschritt zu zeigen
beginnen.
Hie

in der Vergangenheit ist der größte Einzelposten unseres Aus-

landshilfeantrages - 28 Prozent der Gesamtsumme - für Israel und Ägypten
vorgesehen.

Dieser Prozentsatz wird natürlich höher liegen, wenn wir die

rtirtschaftshilfefonds für Israel einschließen.

Die Hilfe für Länder, die

uns Stützpunktrechte einräumen - Spanien, Portugal, Griechenland, die
Türkei und die Philippinen - machen weitere 16 Prozent aus; Staaten, in
denen wir militärischen Zugang haben, oder Frontstaaten wie Korea und
- 6 -

�Korea und Thailand bekommen weitere 13 Prozent.

Mittelamerika und die

Karibik machen weitere 11 Prozent unseres Antrages aus.

Die Programme

für alle anderen Staaten belaufen sich nur auf 12 Prozent der insgesamt
beantrag- ten Mittel.

Diese 12 Prozent sind jedoch auf über 80 verschie-

dene Länder und Regionalprogramme verteilt.

Und schließlich machen Bei-

träge zu multilateralen Entwicklungseinrichtungen und freiwillige Beiträge an internationale Organisationen und Programme rund 12 Prozent des Antrags aus; die restlichen Beträge werden aufgewandt für das amerikanische
Friedenskorps, die Auswanderer- und Flüchtlingshilfe, internationale Maßnahmen zur Rauschgiftkontrolle und eine Reihe kleinerer Programme.
rienn ich mich jetzt den einzelnen Posten unseres Antrages zuwende,
dann möchte ich folgende kurze Bemerkungen machen:

- Für die Entwicklungshilfe beantragen wir 2,1 Milliarden Dollar, um
gegen die große Armut in Afrika und Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten anzukämpfen und dazu beizutragen, die Grundlagen für wirtschaftlichen Fortschritt zu legen.

Wir legen großen Nachdruck auf

politische Reformen, eine größere Heranziehung des privaten Sektors
und auf Technologietransfer, um Durchbrüche in der Entwicklung zu erzielen.

Diese -JirtSchaftsprogramme sind ein entscheidender Aspekt

unserer außenpolitischen Gesamtziele.

- In einem engen Zusammenhang mit dem Entwicklungshilfeantrag steht ein
Antrag auf 1,3 Milliarden Dollar im Rahmen des Öffentlichen Gesetzes
480 für Lebensmittelhilfe
freundete Regierungen.

und Zahlungsbilanzunterstützung

für be-

Lebensmittel sind und bleiben das Kernstück

der humanitären Antwort des amerikanischen Volkes auf die tragische
Hungersnot in Afrika.

- Die 2,8 Milliarden Dollar, die wir für den rtirtschaftsunterstützungsfonds beantragt haben, liegen um eine Milliarde Dollar unter dem Betrag, der in der Ausgabeermächtigungsresolution für das Haushaltsjahr
1985 bewilligt wurde.

Dies ist zum Teil auf die Tatsache zurückzu-

führen, daß wir abgewartet haben, irgendwelche Mittel für Israel im

�Israel im Rahmen dieses Fonds zu beantragen.

Ich werde auf die Frage

der Wirtschaftshilfe für Israel später zurückkommen.

- Unser Antrag für Militärhilfe - d.h. direkte Kredite für ausländische
Militärkäufe und Zuwendungen für Militärhilfeprogramme - liegt 860
Millionen Dollar über den Bewilligungen von 1985.

Der größte Teil

dieses Anstiegs, nämlich 525 Millionen Dollar, entfällt auf Israel 1,8 Milliarden Dollar gegenüber 1,4 Milliarden Dollar 1985 - und
'Ägypten - mit 1,3 Milliarden Dollar gegenüber 1,175 Milliarden Dollar.

Darüber hinaus wurde unser Militärhilfeantrag für die Türkei

von dem Stand von 700 Millionen Dollar 1985 auf 785 Millionen Dollar
erhöht.

Für die Philippinen beantragen wir eine Erhöhung um 75 Mil-

lionen Dollar gegenüber dem Stand des Haushaltsjahres 1985.

- Die 2,5 Milliarden Dollar, die wir für die Haushaltsunterfunktion 153
beantragt haben, schließen entscheidend wichtige Mittel zur Förderung
unserer

Sicherheitsprogramme

angesichts

wachsender

terroristischer

Drohungen gegen amerikanisches Personal und amerikanische Einrichtungen ein.

Ferner werden zusätzliche Mittel beantragt, um die Fähig-

keit des Außenministeriums zu verbessern, außenpolitische Informationen zu sammeln und zu interpretieren.

Zusammen mit unserem Antrag für das Haushaltsjahr 1986 unterbreiten
wir drei Nachtragsanträge für das Haushaltsjahr 1985.

Dazu gehören 235

Millionen Dollar an neuen Ausgabeermächtigungen, um unser Ein-MilliardenDollar-Hilfspaket für die Opfer der Hungersnot abzuschließen, die weiterhin große Teile Afrikas südlich der Sahara heimsucht; 237 Millionen Dollar, um unseren rückständigen Zahlungen an mehrere multilaterale Entwicklungseinrichtungen nachzukommen; und 252 Millionen Dollar, um vor allem
zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für amerikanisches Personal und amerikanische Einrichtungen im Ausland zu treffea

DIE REGIONEN

�DIE REGIONEN

Lateinamerika und die Karibik

Nirgendwo erscheint die dynamische Verknüpfung von Auslandshilfe und
nationalen Interessen der Vereinigten Staaten wie auch die von Demokratie
und wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten in klarerem Licht als in
Lateinamerika und in der Karibik. Gerade im vergangenen Jahr hat sich mit
aller Deutlichkeit gezeigt, daß eine demokratische Entwicklung und eine
Absage sowohl an die kommunistische Linke als auch an die extreme Rechte
die Schlüsselfaktoren für einen dauerhaften Frieden und für eine Verbesserung des allgemeinen Lebensstandards bildea

Unsere Strategie der politischen, wirtschaftlichen und militärischen
Unterstützung von prodemokratischen Kräften hat sich als tragfähig erwiesen. In Anbetracht der Vielschichtigkeit der Lage sollten wir einen Blick
auf die bisherigen Ergebnisse werfen.
Noch 1979 mußte man vier der fünf Staaten Mittelamerikas als undemokratisch bezeichnen, aber in den vergangenen sechs Jahren ist es zu tiefgreifenden Veränderungen gekommen. Nur Nicaragua ist heute immer noch eine Diktatur, wobei an die Stelle eines rechtsgerichteten Tyrannen eine
linksgerichtete Tyrannei getreten ist. Nur Costa Rica hat sich politisch
nicht verändert: Wie damals schon ist es auch heute ein durch und durch
demokratisches Staatswesen, obwohl es sich zunehmend und berechtigterweise Sorgen über die Bedrohung macht, der es sich durch das neue und schwer
bewaffnete kommunistische Willkürregime in seiner unmittelbaren Nachbarschaft ausgesetzt sieht.

In El Salvador waren die spektakulärsten Fortschritte zu verzeichnen.
Noch vor einem Jahr war man in den Vereinigten Staaten, in Westeuropa und
sogar in Lateinamerika vielfach der Ansicht, daß El Salvador in einen
endlosen Krieg zwischen linksgerichteten Guerilleros und rechtsgerichteten Todesschwadronen verstrickt sei. Die Nationale Überparteiliche Kom- 9-

�überparteiliche Kommission für Mittelamerika hielt jedoch an der "Überzeugung fest, daß eine aus Wahlen hervorgegangene Demokratie und ein politischer Dialog - nicht aber eine dem Land von außen aufgezwungene "Teilung der Macht" - eine tragfähige Grundlage abgeben würde, von der aus
die unauflöslich ineinan- der verflochtenen wirtschaftlichen, sozialen,
allgemein- und sicherheitspolitischen Probleme angegangen werden können.
Es bedurfte verstärkter wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Unterstützung, um der Demokratie, den Reformen und der wirtschaftlichen
Niederbelebung eine Chance zu geben, sich durchzusetzen.

Das vergangene Jahr hat gezeigt, daß der von Präsident Duarte eingeschlagene lieg derjenige war, der die beste Gewähr für mehr Achtung vor
den Menschenrechten und für eine Verbesserung der Lebensumstände der Menschen bot.

Die Salvadorianer selbst haben im Jahre 1984 in den beiden

Wahlgängen der Nationalwahlen diese 'Überzeugung zum Ausdruck gebracht und nochmals, auf einer anderen Ebene, als ein ziviles Schwurgericht fünf
ehemalige Mitglieder der Nationalgarde des Mordes an vier amerikanischen
Ordensschwestern für schuldig befand. Diese demokratische Erneuerung fand
die einmütige Unterstützung der Nationalen Überparteilichen Kommission,
Präsident Reagans, einer Parteigrenzen übergreifenden Mehrheit des Kongresses sowie der europäischen Sozial- und Christdemokraten.

Es wäre naiv, zu behaupten, daß in El Salvador heute alles einen .Veg
der Reformen, der politischen Mitte und des Friedens geht.

Die Fort-

schritte sind jedoch tiefgreifend und unbestreitbar. Sie sind zu einem
nicht geringen Teil dem festen Einstehen der Vereinigten Staaten für bestimmte Prinzipien und für die Freunde Amerikas in El Salvador zu verdanken.

Nicht nur die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit in El Salvador,
sondern auch die in Guatemala bezeugen, wie gefährlich es ist, Urteile
auf der Grundlage von Klischees zu fällen. Guatemala, das oftmals als das
Land mit den "schärfsten inneren Gegensätzen" und den "geringsten Aussichten auf eine demokratische Entwicklung" betrachtet wurde, hat solche
herkömmlichen Urteile Lügen gestraft. Die vor sieben Monaten abgehaltenen
- 10 -

�Monaten abgehaltenen Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung wurden
nicht nur weithin als ehrlich und offen anerkannt, sondern enthüllten zur
Überraschung vieler Beobachter auch, daß Kräfte der Mitte die politische
Mehrheit bilden. Daß die Guatemalteken fast ausschließlich aus eigener
Kraft diesen ,Veg eingeschlagen haben, ist ermutigend.

Es gibt jedoch eine Frage, an der sich immer noch beträchtliche Meinung sgegensätze entzünden: Nicaragua. Nährend wir in ganz Mittelamerika
demokratische Reformen fördern, begünstigen die Sowjetunion und Kuba die
Errichtung einer kommunistischen Diktatur in Nicaragua.

Solange die Kräfte der Diktatur keine Hemmungen haben, im Namen des
"proletarischen Internationalismus" den Untergrundkampf anzuheizen und zu
unterstützen, wäre es absurd, wenn die demokratischen Staaten sich selbst
nicht das Recnt zugeständen, die Sache der Demokratie voranzubringen.
Der Friede und die wirtschaftliche Entwicklung in Mittelamerika erfordern sowohl eine verläßliche, sich über viele Jahre erstreckende Finanzhilfe als auch die Gewißheit, daß diese langfristigen Verpflichtungen
auch weiterhin an Gerechtigkeit, Reformen und Freiheit geknüpft bleiben.
Unterstützung durch beide Kongreßparteien ist wesentlich, wenn die Initiative für Mittelamerika den Ansprüchen der überparteilichen Kommission
gerecht werden soll, die gefordert hatte, daß die Vereinigten Staaten eine bis 1989 gültige Verpflichtung übernehmen sollten, in einer kontinuierlichen und voraussagbaren Weise eine Kombination von wirtschaftlichen,
diplomatischen,

allgemein-

und

sicherheitspolitischen

Hilfsmaßnahmen

durchzuführen, deren einzelne Elemente sich wechselseitig verstärken.

Im Rahmen dieser Initiative sollen durch eine Kombination aus umfangreichen wirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen und politischen Reformen die Wurzeln der Armut und des politischen Aufruhrs beseitigt werden.

Viele Ar-

beiten sind bereits in Angriff genommen worden. Gespräche mit den Empfängerländern über makroökonomische Anpassungsprozesse finden statt. Im Hinblick auf die wirtschaftliche Stabilisierung sind Fortschritte erzielt
worden. Im April werden in einzelnen Regionen technische Ausbildungspro- 11 -

�technische Ausbildungsprogramme anlaufen. In dem Bestreben, das Justizwesen der betreffenden Länder zu verbessern, haben wir mit verschiedenen
Regierungen und nicht regierungsamtlichen Organisationen die Zusammenarbeit aufgenommen.

Durch die AID (die amerikanische Behörde für Interna-

tionale Entwicklung - Agency for International Development) und die Export-Import-Bank ist ein Versicherungsprogramm für Handelskredite aufgestellt worden. Die Wiederbelebung und Stärkung der Mittelamerikanischen
Bank für Wirtschaftliche Integration wird geprüft.

Ferner unterstützen

wir aktiv die Wiederbelebung des Gemeinsamen Marktes Mittelamerikas.

Auch der demokratische Trend in der Andenregion ist eindrucksvoll.
Alle der fünf Länder dort besitzen demokratisch gewählte Regierungen. Wie
ihre lateinamerikanischen Nachbarländer im Norden sehen sich auch viele
dieser Staaten ernstzunehmenden Gefahren für ihre Wirtschaft gegenüber.

Ecuador, Peru und Bolivien waren von der letzten weltweiten Rezession
besonders hart betroffen. Ihre Schwierigkeiten wurden durch verheerende
Unwetter, durch Preiseinbrüche bei ihren Hauptexportgütern und im Falle
Perus auch durch eine bösartige maoistische Guerillabewegung noch weiter
verschlimmert.

Die genannten Länder verdienen unsere Hilfe, und es liegt in unserem
Interesse, sie ihnen zu gewähren. Wir schlagen vor, ihre Bemühungen um
wirtschaftliche Erholung mit einem besonderen Andenprogramm zu unterstützen, das im wesentlichen Mittel der Wirtschaftshilfe in Höhe von 70 Millionen Dollar umfassen sollte.

Eine Demokratie, die nicht in der Lage ist, die gravierendsten Wirtsc haftsprobleme anzugehen, wird letzten Endes nicht dauerhafter sein als
die rechts- oder linksgerichteten Diktaturen, an deren Stelle sie getreten ist.
Wir finden es ermutigend, daü die Mehrzahl unserer Nachbarn in Lateinamerika die notwendigen und oftmals schmerzhaften Schritte zur Wiederbelebung der Wirtschaft ergreift. Sie haben die Staatsausgaben gesenkt
- 12 -

�Staatsausgaben gesenkt und den Staatseinnahmen angeglichen. Sie haben aus
Gründen der Devisenersparnis die Einfuhr nicht wesentlicher Güter beschränkt. Sie haben die Wechselkurse ihrer Währungen den wirtschaftlichen
Realitäten angepaßt und so ihrer Exportwirtschaft

neues Leben einge-

haucht. Sie haben in Zusammenarbeit mit den internationalen Finanzinstitutionen ihre Schulden neu geordnet, um eine kontinuierliche und ordentliche Tilgung zu gewährleisten. Sie haben knappe Ressourcen sogar dann
umverteilt, wenn diese in zunehmend geringerem Maße zur Verfügung standen.

Diese Bemühungen fangen an, Ergebnisse zu zeitigen. Die Handelsbilanz
Lateinamerikas mit dem Rest der Welt hat sich erheblich verbessert. Nach
einem Defizit von zwei Milliarden Dollar im Jahre 1981 war 1984 wieder
ein 'Überschuß von schätzungsweise 37,6 Milliarden Dollar zu verzeichnen.
Das kräftige Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten hat für diese
Länder neue Exportmöglichkeiten geschaffen. Auch das reale Prokopfeinkommen ist 1984 um etwa 0,2 Prozent gestiegen - nicht viel, aber besser als
die Schrumpfung um 5,8 Prozent im Jahre 1983 bzw. um 3,3 Prozent im Jahre
1982.

Die Initiative für das Karibische Becken zeigt positive Ergebnisse.
Bei Abzug der Erdölimporte sind die Einfuhren der Vereinigten Staaten aus
dieser Region in den ersten elf Monaten des Jahres 1984 gegenüber 1983 um
19 Prozent gestiegen. Der offene amerikanische Markt bietet den Ländern
der Region auch weiterhin gute Exportmöglichkeiten.

Was Lateinamerika und die Karibik anbelangt, so meine ich, daß die
Administration und der Kongreß Anlaß zu der Schlußfolgerung haben, daß
unsere Politik in den vergangenen vier Jahren erfolgreich war. Das beste,
was wir in den nächsten vier Jahren tun können, ist, unsere Bemühungen
auf der Grundlage einer festen Unterstützung durch beide Kongreßparteien
fortzusetzen.

Die Lehren der jüngeren Vergangenheit und die Richtlinien für die nahe Zukunft lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Die Skeptiker hatten
Unrecht im Hinblick auf El Salvador, sie hatten Unrecht im Hinblick auf
- 13 -

�Hinblick auf Grenada und sie haben Unrecht im Hinblick auf Nicaragua, und
zwar immer aus den gleichen Gründen.

Herr Vorsitzender, die Lehren, die die Administration und der Kongreß
gemeinsam aus der Vergangenheit gezogen haben, bilden einen Auftrag für
die Zukunft. Ohne die aktive Unterstützung durch den Kongreß kann die Administration diesen Auftrag nicht erfüllen. Wenn Sie und wir nicht fest
zu unseren Prinzipien und unseren freunden stehen, dann werden wir beide
verlieren.

Ein Margel an politischer Kontinuität würde uns bei der Ver-

wirklichung unserer nationalen Ziele in der besagten Region im Verlaufe
der nächsten Monate und Jahre erheblich im Wege stehea

Afrika

Nach der Erörterung der vielversprechenden Entwicklungen in Lateinamerika wende ich mich nunmehr einer Region zu, in der nach wie vor gravierende Probleme bestehen. Die verzweifelte wirtschaftliche Lage Afrikas
ist mehr denn je ins öffentliche Bewußtsein gerückt.

Ich möchte meine

Darstellung der heutigen Situation in Afrika zum größeren Teil der Wirtschaftskrise widmen, die dort besteht.

Das bedeutet nicht, daß ich den

Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und der nationalen
Sicherheit der Länder Afrikas für unbedeutend halte. Sicherheitspolitische Unterstützung bleibt für viele von ihnen wesentlich. Staaten, die
von libyschem Abenteurertum oder von mit sowjetischen Waffen versehenen
feindseligen Nachbarn bedroht sind, können nicht die Energie und die Ressourcen aufbringen, die für ihre wirtschaftliche Entwicklung notwendig
wären.

Wirtschaftlich brüchige Gesellschaften wiederum sind die, die für

Subversion oder direkte Angriffe am anfälligsten sind.

Die Mittel, die wir im Rahmen des Haushaltsplans für 1986 für Afrika
beantragt haben, belaufen sich auf etwas mehr als 1,2 Milliarden Dollar.
Davon sind rund i7 Prozent für Militärhilfe veranschlagt, also ungefähr
der gleiche Betrag wie im Haushaltsjahr 1985. Der Löwenanteil von mehr
als einer Milliarde Dollar ist für die Wirtschaftshilfe vorgesehen. Der
- 14 -

�Vorgesehen.

Der Militäranteil ist zwar klein, aber dennoch äußerst wich-

tig, wenn wir die Ausbildungs- und logistischen Unterstützungsprogramme
fortführen wollen, die wir in die -Vege geleitet haben, und wenn wir denjenigen unter unseren Freunden, die sich Bedrohungen gegenübersehen, zumindest ein Minimum an Rüstungsmaterial zukommen lassen wollen. Die Tatsache, daß das Hörn von Afrika in so geringer Entfernung vom Nahen Osten
und außerordentlich wichtigen Tankerrouten im Roten Meer und im Indischen
Ozean liegt, verleiht unserem Interesse an der Herstellung politisch stabiler und wirtschaftlich gesunder Bedingungen in dieser Region eine zusätzliche strategische Dimension von entscheidender Bedeutung. Daher bemühen wir uns um die Mittel, die notwendig sind, um dem Sudan, Kenia,
Somalia und Djibouti bei der Bewältigung ihrer wirtschaftlichen Probleme
zu unterstützen und dem Sudan und Somalia dabei zu helfen, den sehr realen Gefahren für ihre Sicherheit zu begegnen.

Im südlichen Afrika arbeiten wir auch weiterhin nachdrücklich auf eine gerechte und dauerhafte Regelung für Namibia auf der Grundlage der Resolution Nr. 435 der Vereinten Nationen hin. Desgleichen bemühen wir uns
um eine Änderung des abstoßenden Apartheidsystems in der Republik Südafrika und um die politische und wirtschaftliche Stabilität der Region im
allgemeinen. Die Mittel, die wir für Programme in südafrikanischen Staaten beantragt haben, werden uns in die Lage versetzen, den Ursachen der
wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Region direkt zu Leibe zu rücken.
Wie in Ostafrika, so beabsichtigen wir auch im südlichen Teil des Kontinents, dem destabilisierenden Einfluß der Sowjetunion und des Ostblocks
entgegenzutreten, indem wir Wirtschaftshilfe leisten und eine Alternative
zur Ausbildungs- und sonstigen Militärhilfe der Sowjetunion und des Ostblocks anbieten. Mosambik hat bewiesen, daß es wirklich die Absicht hat,
sich aus seiner starken Abhängigkeit von der Sowjetunion zu lösen und
sich auf eine Position echter Blockfreiheit zuzubewegen. Die kleinen MAPund IMET- (internationale militärische Ausbildungs- und Schulungs-) Programme Mosambiks sind im Hinblick auf eine Ermutigung dieses Prozesses
von besonderer Bedeutung.

In Westafrika hat sich in der jüngeren Vergangenheit gezeigt, was die
- 15 -

�was die Dürre, von der die Region heimgesucht war, die langfristige wirtschaftliche Stagnation und das libysche Abenteurertum angerichtet haben.
Unsere Unterstützung dient sowohl der Bewältigung der unmittelbaren Krise
als auch der 'Überwindung der Langzeiteffekte der Wirtschaftskrise.

Ich möchte mich insbesondere auf die beiden drängendsten Krisen konzentrieren, denen sich Afrika heute gegenübersieht: den Hunger und die
wirtschaftliche Stagnation. In den vergangenen Monaten sind Tausende und
Abertausende von Afrikanern umgekommen. Nach unseren Schätzungen ist das
Leben von 14 Millionen Afrikanern weiterhin in Gefahr. Wenn sie überleben
sollen, braucnen sie schnellstens Hilfe in Form von Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung und Unterkünften.

Das Problem der Unterernährung ist noch umfassender. Die Ernährung
von schätzungsweise 20 Prozent der Bevölkerung Afrikas unterschreitet das
zur Erhaltung der Gesundheit erforderliche Minimum.

Afrika ist die ein-

zige Region der Welt, in der im Verlaufe der vergangenen beiden Jahrzehnte die Nahrungsmittelerzeugung pro Kopf der Bevölkerung abgenommen hat das Ergebnis eines Produktivitätsrückgangs bei gleichzeitig rapide anwachsender Bevölkerung. Die Abhängigkeit Afrikas von Nahrungsmittellieferungen von außerhalb hat in erschreckendem Tempo zugenommen.

Während der

letzten 20 Jahre sind die kommerziellen Getreideeinfuhren Afrikas um neun
Prozent jährlich gestiegen.

Nicht nur die schwere gegenwärtige Nahrungsmittelkrise, sondern auch
die enttäuschenden wirtschaftlichen Leistungen Afrikas haben es für viele
seiner Staaten schwierig gemacht, ihre Schulden zu tilgen, was viele dieser Länder von einer Finanzkrise in die nächste getrieben hat.

Die Wirt-

schaftskrise zwingt die Staaten Afrikas, sich regelmäßig um Umschuldung
zu bemühen. 1984 betrafen 10 der 14 umschuldungen im Club von Paris afrikanische Länder.

Die Vereinigten Staaten haben eine beispiellose Kampagne in die Wege
geleitet, um Afrika sowohl Wirtschaftshilfe als auch Nahrungsmittelnothilfe zu leisten.

In diesem Zusammenhang haben wir unsere Entschlossen- 16 -

�unsere Entschlossenheit zur direkten Hilfeleistung für die Notleidenden
von politischen oder ideologischen Gegensätzen mit irgendwelchen Regierungen nicht beeinträchtigen lassen.

Seit Oktober letzten Jahres haben

wir über 400 Millionen Dollar aufgewandt, um mehr als eine Million Tonnen
an Nahrungsmittelnothilfe und anderen humanitären Hilfgütern nach Afrika
zu schicken.

Wenn man die normalen Nahrungsmittelhilfsprogramme der AID

dazurechnet, dann ist unsere gesamte Nahrungsmittelhilfe für Afrika sogar
noch größer - sie beläuft sich dann bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt des
laufenden Haushaltsjahres auf fast 600 Millionen Dollar.

Die von uns ge-

genwärtig beantragten 235 Millionen Dollar für zusätzliche Nothilfemittel
für Afrika wird unsere uesamtaufwendungen für Nahrungsmittel- und Nothilfe in diesem Jahr auf über eine Milliarde Dollar bringen.

Ich meine, wir

können mit Recht stolz sein auf das, was wir in so kurzer Zeit leisten
konnten.

Auch die unmittelbare Reaktion des amerikanischen Volkes und der Privatwirtschaft war beeindruckend.

Durch großzügige Spenden an freiwillige

private Hilfsorganisationen konnten abermals viele Tausende von Menschenleben gerettet werden.

Die freiwilligen Mitarbeiter dieser Hilfsorgani-

sationen verteilen vor Ort Nahrungsmittel, Medikamente, Bekleidung und
Zelte an die Opfer der Dürre in den abgelegensten Teilen Afrikas.

Sie

kümmern sich auch sonst um diese Menschen, nehmen dabei äußerste Strapazen auf sich und riskieren sogar das eigene Leben.

Humanitäre Hilfe die-

ser Art entspricht den besten Traditionen Amerikas und den Herten, für
die Amerika einsteht.

Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit hat sich vor allem auf die unmittelbare Dürrekatastrophe gerichtet, aber es liegt auf der Hand, daß
die wirtschaftlichen Probleme Afrikas tiefgründige Ursachen haben, die
schon viele Jahre zurückliegea

Die Dürre hat die Probleme verschärft, aber sie ist nicht die Hauptursache der afrikanischen Wirtschaftskrise.

Viele afrikanische Regierun-

gen räumen ein, daß politische Fehler der Vergangenheit zu der gegenwärtigen Wirtschaftskrise beigetragen haben.

Wir müssen daher, während wir

die unmittelbare Krise angehen, gleichzeitig nach dauerhafteren Lösungen
- 17 -

�dauerhafteren Lösungen für die wirtschaftlichen Probleme Afrikas suchen.
Die Vereinigten Staaten stehen an der Spitze derer, die versuchen, den
Ländern Afrikas dabei zu helfen, von planwirtschaftlichen Wirtschaftsmodellen zu solchen überzugehen, die den Kräften des Marktes erlauben, sich
frei zu entfalten, und

die

insbesondere

den Kleinbauern

angemessene

Preisanreize bieten. Zu den strukturellen Problemen, mit denen man sich
auseinandersetzt, zählen ineffiziente Staatsbetriebe, unrealistisch hohe
Wechselkurse, Negativzinsen auf Bankguthaben, unwirtschaftliche Subventionen für Verbraucher und künstlich niedrig gehaltene Herstellerpreise.
Abgesehen von der Nothilfe, mittels derer der Dürrekatastrophe und der
Hungersnot begegnet werden soll, leisten die Vereinigten Staaten Afrika
Wirtschaftshilfe, deren Umfang von 787 Millionen Dollar im Haushaltsjahr
1981 auf mehr als eine Milliarde Dollar im Haushaltsjahr 1985 gestiegen
ist.

Für das Haushaltsjahr 1986 haben wir für die Wirtschaftshilfe wie-

derum insgesamt eine Milliarde Dollar beantragt.

Um reformwilligen Regierungen bei der Durchführung

wünschenswerter

Reformen zu helfen, hat die Administration zwei neue Programme eingeleitet:

1. Der Afrika-Fonds für 'Wirtschaftspolitische Reformen:

Es handelt

sich dabei um ein Programm, für das im Haushaltsjahr 1985 Mittel der
Wirtschaftshilfe in Höhe 75 Millionen Dollar bereitgestellt wurden und
das folgende Hauptziele hat:
- Erstens, denjenigen afrikanischen Ländern zusätzliche Hilfe zu leisten, die dabei sind, politische Veränderungen durchzuführen, oder
die bekundet haben, daß sie bereit und in der Lage sind, einen wachstumsorientierten politischen Kurs einzuschlagen; und

- zweitens, das internationale Hilfssystem für Afrika durch eine bessere Koordination der multilateralen und bilateralen Mittelvergabe auf
Länderebene zu stärken.
Dieses politische Reformprogramm befindet sich zwar noch im Anfangs- 18 -

�im Anfangsstadium, aber bislang waren die Reaktionen auf diese neue Initiative ermutigend.

Die afrikanischen Staaten beginnen in wachsender

Zahl, ihre nationale Wirtschaftspolitik grundlegend zu ändern.

Vor allem

sind sich die politisch Verantwortlichen Afrikas besser denn je zuvor
über die Vorzüge der freien Marktwirtschaft gegenüber planwirtschaftlichen Lösungen im klaren,

dir sind dabei, die ersten afrikanischen Län-

der auszuwählen, die in den Genuß dieses Sonderprogramms kommen sollen.
Darüber hinaus bitten wir andere Geberländer und die internationalen Finanzinstitutionen, mit uns zusammenzuarbeiten und sich an der Finanzierung dieser Unternehmungen zu beteiligen.

Am Rande sei vermerkt, daß

unsere Sicht der Wurzeln der gegenwärtigen .Wirtschaftskrise in Afrika
weltweit von vielen anderen Staaten geteilt wird.

Den letzten Bericht

der .Weltbank über das Afrika südlich der Sahara, in dem betont wird, daß
wirtschaftliche Reformen erforderlich sind, um dem wirtschaftlichen Niedergang Afrikas Einhalt zu gebieten, haben wir mit besonderer Genugtuung
zur Kenntnis genommen. Die Weltbank hat unlängst ein Sonderorgan eingerichtet, das reformwilligen Ländern finanzielle Hilfe leisten und damit
unsere eigenen Bemühungen ergänzen und stützen wird.

2. Die Initiative "Nahrungsmittel für den Fortschritt". Sie wurde unlängst vom Präsidenten angekündigt und dient ebenfalls dem Ziel politischer Reformen, ist aber ausschließlich dem landwirtschaftlichen Bereich
gewidmet.

Diese Initiative wird sich der Nahrungsmittelhilfe bedienen,

um in strategisch bedeutsamen afrikanischen Ländern Reformen im landwirtschaftlichen Schlüsselbereich zu fördern.

Der Hauptakzent liegt auf der

Unterstützung marktwirtschaftlicher Ansätze bei der Preisgestaltung für
landwirtschaftliche Erzeugnisse, auf der Förderung der Vermarktung dieser
Erzeugnisse und auf Hilfestellung bei der Beschaffung und Verteilung von
Düngemitteln, Saatgut und anderen landwirtschaftlichen Grundstoffen.

Ei-

nes der Ziele dieser Initiative besteht darin, reformwilligen Ländern
über einen Mehrjahreszeitraum
Verfügung zu stellen.

hinweg

amerikanische

Nahrungsmittel

zur

Der Verkauf dieser .Waren im Rahmen der jeweiligen

nationalen Wirtschaft würde den Regierungen Mittel an die Hand geben, derer sie sich bedienen könnten, um die notwendigen Anreize und Vorgaben
für die 3auern zu schaffen, gleichzeitig aber für die Verbraucher in den

- 19 -

�in den Städten die Begleiterscheinungen des Übergangs zur Marktwirtschaft
abzumildern.

Die Einzelheiten dieses Vorschlags - so u.a. über die Höhe

der benötigten Mittel und darüber, woher sie genommen werden sollen werden dem Kongreß in Kürze zugeleitet.

Naher Osten und Südasien

Eines der wichtigsten außenpolitischen Ziele dieser Administration
besteht darin, zur Schaffung eines dauerhaften Friedens zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarn beizutragen. Es gibt für den Frieden im
Nahen Osten keine raschen und einfachen Lösungen, aber unsere Hilfestellung ist für die Förderung dieses Friedensprozesses von entscheidender
Bedeutung. Bei der Suche nach Frieden sind Israel und Ägypten auch weiterhin unsere wichtigsten Partner, und diese beiden Staaten würden auch
die größten Empfängerländer der von uns vorgeschlagenen Auslandshilfe für
das Haushaltsjahr 1986 sein. Unsere Wirtschafts- und Militärhilfeprogramme sind nötig, um die Sicherheit und die Wirtschaft Jordaniens zu stärken, da beide von entscheidender Bedeutung dabei sind, Jordanien in die
Lage zu versetzen, sich den Risiken zu stellen, die damit verbunden sind,
eine wirklich bedeutsame Rolle in diesem Friedensprozeß zu spielen. Unsere Beziehungen zu Saudi-Arabien und zu den arabischen Golfstaaten sind
wichtige Elemente unserer Bemühungen, den Friedensprozeß zu fördern und wie ich später noch erläutern werde - unsere Interessen im Persischen
Golf zu schützen.

Die Vereinigten Staaten sind seit mehr als drei Jahrzehnten der Sicherheit Israels verpflichtet. Unser Vorschlag zur Sicherheitshilfe zielt
darauf ab, die gewaltige Last zu verringern, die Israels Verteidigungserfordernisse seinen Schultern aufbürden.

Das Programm des Haushaltsjahres

1986 für Verkäufe von Militärgütern ins Ausland wird Israel in die Lage
versetzen, im militärischen Bereich gegenüber seinen potentiellen Gegnern
in der Region einen qualitativen Vorsprung beizubehalten. Weiterer Fortschritt in Richtung Frieden hängt zum Teil davon ab, ob Israel genügend
Vertrauen in seine Fähigkeit hat, Druck von außen zu widerstehen, aber

- 20 -

�widerstehen, aber auch Vertrauen in Unterstützung und Hilfe seitens der
Vereinigten Staaten. Aus diesen Gründen empfehlen wir einen beträchtlichen Anstieg der Auslandsverkäufe militärischer Güter an Israel auf Kredit.
Die amerikanische und die israelische Regierung kamen im vergangenen
Oktober überein, eine Gemeinsame Gruppe für Wirtschaftliche Entwicklung
ins Leben zu rufen, um die wirtschaftliche Entwicklung in Israel, die
Rolle der amerikanischen Hilfe zur Unterstützung des israelischen Anpassungsprogramms sowie die längerfristigen Entwicklungsziele Israels einer
Überprüfung zu unterziehen. Auf einem Treffen im Dezember legten Vertreter der israelischen Regierung das jährliche Weißbuch vor, das die Wirtschaftsziele Israels sowie die Hilfserfordernisse für den Rest dieses
Fiskaljahrs und des Haushaltsjahres 1986 darlegt.

Unsere Sicherheitshilfe spiegelt die amerikanische Verpflichtung zu
Israels Sicherheit und wirtschaftlichem Wohlergehen wider. Außerdem haben
wir unsere Bereitschaft angedeutet, zusätzliche Hilfe in Unterstützung
eines

umfassenden

israelischen

Wirtschaftsprogramms

zur

Verfügung

zu

stellen, das sich wirksam mit den grundlegenden Unausgewogenheiten der
israelischen Volkswirtschaft auseinandersetzt. Denn ohne ein solches Reformprogramm würde eine weitere amerikanische Hilfe die wirtschaftlichen
Probleme Israels nicht lösen, sondern nur dazu beitragen, sie zu verewigen. Mehr noch: Ohne wirtschaftliche Anpassung würde Israel in Zukunft
nur noch stärker von amerikanischer Hilfe abhängen. Die israelische Regierung hat mittlerweile schon

beträchtlichen Fortschritt dabei erzielt,

ein Anpassungsprogramm zu entwickeln. Aber weiterer Fortschritt ist notwendig, wenn dieses Programm Israel wieder auf den Pfad wirtschaftlicher
Gesundung zurückführen soll, und die zusätzliche amerikanische Hilfe wird
daher daher einem solch nützlichen Zweck dienen. Unsere Gespräche werden
sich auch weiterhin nicht nur auf kurzfristige Stabilisierungsmaßnahmen,
sondern auch auf Israels längerfristige Entwicklungsziele konzentrieren,
damit die Bürger dieses Landes auf eine hellere, gedeihlichere Zukunft
hoffenkönnen. Beim Besuch von Ministerpräsident Peres im vergangenen Oktober kamen wir überein, zur Förderung von Auslandsinvestitionen in Israel zusammenzuarbeiten - insbesondere auf dem Hochtechnologiesektor, wo

- 21 -

�Hochtechnologiesektor, wo Israel überaus wettbewerbsfähig ist. Die Regierungen beider Länder überprüfen derzeit die existierenden Programme sowie
die Rahmenbedingungen, die zur Verbesserung des Investitionsklimas in Israel beitragen und ausländisches Kapital ins Land bringen könnten. Es ist
offensichtlich, daß im Fall Israel - genau wie bei anderen Staaten - die
Mobilisierung des inund ausländischen Kapitals von einer Atmosphäre abhängt, die den privaten Unternehmensbereich ermutigt sowie angemessene
Steuerstrukturen und eine Politik des entsprechenden Marktpreises ermöglicht. Initiativen des Privatsektors sind am ehesten dazu in der Lage,
dazu beizutragen, daß Israel seine Entwicklungsziele erreicht, und wir
sind von dem Interesse ermutigt, das sich auch in dieser Hinsicht in beiden Ländern bemerkbar gemacht hat. Unser Ziel ist es, Israel bei dessen
eigenen Bemühungen dahingehend zu unterstützen, die grundlegenden Bedingungen zu schaffen, die in einem Zeitalter neuer Technologie für wirtschaftliches Wachstum notwendig sind.

Das Camp-David-Abkommen wie auch der ägyptisch-israelische Friedensvertrag bleiben auch weiterhin der Eckstein unserer Friedenspolitik im
Nahen Osten. Ägypten hat immer wieder bewiesen, wie sehr es das damit Erreichte zu schätzen weiß, wurde doch wiederholt die Möglichkeit zurückgewiesen, mit einem Abrücken hiervon den Preis für die erneute Übernahme
der historischen Führungsrolle in der arabischen Welt zu bezahlen. Unsere
Hilfe gibt Ägypten die Möglichkeit, stark genug zu bleiben, um auch weiterhin dem Druck radikaler Kräfte zu widerstehen, die das Erzielte zunichte machen wollen. Ägypten bleibt eine wichtige Kraft der Mäßigung und
der Stabilität - nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Afrika, wo es
eine wichtige Rolle bei dem Bemühen der afrikanischen Staaten spielt, vor
libyschem

Abenteurertum

abzuschrecken.

Ägyptens

Fähigkeit, diese

Ab-

schreckungsrolle auch weiterhin beizubehalten, hängt in einem hohen Maß
von unserem Beistand ab. Das Programm des Haushaltsjahres 1986 für Verkäufe von Militärgütern ins Ausland wurde erweitert, um Ägypten in die
Lage zu versetzen, auch weiterhin veraltete sowjetische Ausrüstung zu ersetzen und eine glaubwürdige Abschreckungsmacht in der Region zu bleiben.

Gleichfalls von größtem Interesse für die Vereinigten Staaten ist es,

- 22-

�ist es, im Mittleren Osten den Zugang der Freien Welt zu den lebenswichtigen Ölquellen des Persischen Golfs jetzt und in Zukunft offenzuhalten.
Die Staaten des Persischen Golfs fördern über 25 Prozent des Ölbedarfs
der Freien Welt. Durch unsere Hilfe erhöhen wir die Sicherheit unserer
Freunde in diesem Gebiet. Oman arbeitet eng mit den Vereinigten Staaten
auf unser gemeinsames Ziel hin, Sicherheit und Stabilität in diesem so
wichtigen Gebiet sowie die ungehinderte Durchfahrt der Schiffe durch die
Straße von Hormus zu gewährleisten; das Abkommen mit Oman über die Benutzung seiner Einrichtungen stellt für das amerikanische Oberkommando einen
entscheidenden Aspekt dar. Obgleich sie keine amerikanischen Finanzhilfen
erhalten, haben die anderen GolfStaaten und Saudi-Arabien, die zusammen
mit Oman Mitglieder im Rat für Zusammenarbeit der GolfStaaten sind, Willen und Fähigkeit bewiesen, sich selbst gegen eine Verstrickung in den
iranisch-irakischen Krieg zu wehren. Die Administration führt derzeit eine umfassende Überprüfung unserer Sicherheitsinteressen und unserer Strategien in diesem Bereich durch, wobei sie sich besonders auf die Frage
konzentriert, wie unsere verschiedenen Programme im Sicherheitsbereich
unsere Bemühungen beim Friedensprozeß ergänzen und zu einer allgemeinen
Stabilität der Region beitragen können.

Im nördlichen Afrika unterhalten wir seit langem enge Beziehungen zu
Marokko und Tunesien als echten Freunden und, geopolitisch gesehen, strategisch gelegenen Partnern. Marokko - mit dem wir Transit- und Manöverabkommen haben - und Tunesien sind beide in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Unser Hilfsprogramm für Marokko zielt in Gemeinschaft mit anderen
Geberstaaten darauf ab, die marokkanische Regierung bei der Durchführung
der notwendigen wirtschaftlichen Reformen zu unterstützen. Wir haben der
marokkanischen Regierung gegenüber unsere Enttäuschung hinsichtlich der
unwillkommenen Entwicklung im Rahmen des libysch-marokkanischen Vertrags
vom August 1984 zum Ausdruck gebracht. Ghadafis aggressives Verhalten gegenüber

seinen Nachbarstaaten

und

seine

anhaltende

Unterstützung

des

weltweiten Terrorismus und der Subversion sind noch immer Grund zur Sorge. Wir haben diese Sorge den Marokkanern vorgetragen und ihnen erklärt,
daß wir die Möglichkeit ausschließen, wonach eine Assoziation mit König
Hassan Ghadafi konstruktiv beeinflussen könnte. Trotz unterschiedlicher

- 23-

�Trotz unterschiedlicher

Meinung

hinsichtlich

der Art

und Weise, wie

Ghadafi zu begegnen sei, besteht das wirtschaftliche und politische Argument für diese Hilfe an Marokko fort, ja, es ist nur noch umso triftiger
geworden.

Südasien

Ein Hauptziel unsrer Außenpolitik in Südasien besteht darin, eine
Verhandlungslösung zu erreichen, um die Sowjetunion zum Rückzug aus Afghanistan zu bringen, damit die Flüchtlinge dorthin zurückkehren und die
Afghanen ihre eigene Souveränität und Unabhängigkeit wiedererlangen können. Bei unseren Bemühungen ist es von ausschlaggebender Bedeutung, die
Sicherheit Pakistans angesichts der sowjetischen Einschüchterung zu garantieren. Unser sechsjähriges Hilfsprogramm

für Pakistan dient genau

diesem Ziel. Es soll die Volkswirtschaft Pakistans und deren Entwicklung
unterstützen und durch Vereinbarungen hinsichtlich militärischer Ausrüstung und Ausbildung zur Stärkung seiner Verteidigung beitragen.
Die Vereinigten Staaten haben in Südasien eine Reihe wichtiger Ziele.
Wir sind darum bemüht, Konflikte zwischen den Staaten der Region zu verhindern, zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beizutragen und den
Erfolg demokratischer Institutionen zu fördern. Indien, die größte Demokratie der Welt, spielt bei Frieden und Stabilität der Region eine entscheidende Rolle. Unser Entwicklungshilfsprogramm für Indien möchte sich,
gestützt auf die starke wissenschaftliche und technische Basis Indiens,
auf intensive Forschung und noch bessere technische Ausbildung konzentrieren. Unsere Hilfsprogramme für Bangladesh, Sri Lanka und Nepal sind
Beweis für die amerikanische Unterstützung der gemäßigten, bündnisfreien
Politik und der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Länder.

Europa
Die Vorschläge für die Sicherheitshilfe im europäischen Bereich sollen das militärische Ungleichgewicht in Europa beseitigen sowie der yer- 24-

�der verstärkten militärischen Bedrohung durch die Sowjetunion in Mitteleuropa und in Südwestasien entgegenwirken. Die Hilfe unterstützt wichtige
NATO-Verbündete und hat das doppelte Ziel sowohl des weiteren Zugangs der
Vereinigten Staaten zu wichtigen Militäranlagen als auch der Unterstützung dieser Staaten bei der Modernisierung ihrer eigenen Militärkapazitäten. Dadurch fördert unsere Sicherheitshilfe das weitere Vertrauen in
unsere Verpflichtungen, die die Grundlage von Stützpunktabkommen sind.

Ziele der amerikanischen Außenpolitik in Spanien sind die Unterstützung der spanischen Demokratie, die Ermutigung zu Bewegung in Richtung
auf eine offenere Wirtschaft sowie ein Beitrag zur westlichen Verteidigung

durch die Garantie weiteren amerikanischen Zugangs zu wichtigen

Luftwaffen- und Marineeinrichtungen in Spanien. Das Sicherheitshilfsprogramm spielt zum Erreichen dieser Ziele eine entscheidende Rolle.

Das spanische Militär hat eine Rolle übernommen, wie sie für Streitkräfte in einer Demokratie angemessen ist. Unsere Hilfe ist notwendig,
damit Spanien sein Ziel einer Anpassung an NATO-Maßstäbe erreichen kann
und um einen greifbaren Beweis für die Vorteile zu liefern, die sich für
Spanien als Partner des westlichen Bündnisses ergeben und wie sie sich
etwa in seiner bilateralen Beziehung zu den Vereinigten Staaten und in
seiner Mitgliedschaft in der NATO niederschlagen. Unser Sicherheitshilfsprogramm spielt daher eine bedeutsame Rolle dabei, zur Konsolidierung und
Stärkung der neuen demokratischen Institutionen in Spanien beizutragen.

Die Regierung von Premierminister Gonzalez hat den politisch schwierigen Schritt unternommen, die traditionell protektionistische Wirtschaft
Spaniens den Kräften des Marktes zu öffnen. Diese Entscheidung war vor
allem auch deshalb so mutig, weil Spaniens wirtschaftliches Sparprogramm
von hoher Arbeitslosigkeit begleitet war. Doch hat sich die Lage der spanischen Wirtschaft daraufhin im Jahr 1984 eindrucksvoll verbessert. Ohne
unsere Unterstützung hätte das Wirtschaftsprogramm dem spanischen Volk
eine noch weit größere Last auferlegt. Das Sicherheitshilfsprogramm trägt
zur Modernisierung der Wirtschaft durch wissenschaftlichen und technischen Austausch bei und erlaubt es Spanien, seine wirtschaftliche Erho-

- 25-

�wirtschaftliche Erholung ohne Gefährdung seiner militärischen Modernisierung fortzusetzen.

Unsere Ziele hinsichtlich Portugal sind jenen in bezug auf Spanien
gleich. Portugal bemüht sich darum, seine zehn Jahre alten demokratischen
Institutionen zu konsolidieren, während es gleichzeitig eine größere Rolle innerhalb der politischen und militärischen Strukturen des Westens
übernimmt. Zudem führt es ein anspruchsvolles wirtschaftliches Sparprogramm in dem Versuch durch, seine gefährdete Volkswirtschaft zu reformieren, die in Westeuropa an vorletzter Stelle steht. Das amerikanische Sicherheitshilfsprogramm

unterstützt

die

portugiesischen

Bemühungen

um

wirtschaftliche Entwicklung und ermöglicht es Portugal, sein Programm der
militärischen Modernisierung fortzusetzen, das darauf abzielt, in verstärktem Maß Verteidigungsverantwortung im Rahmen der NATO zu übernehmen.

Die amerikanische Sicherheitshilfe für Portugal ist daher eine reale
wie symbolische Unterstützung des Versuchs Portugals, seine Demokratie
und seine freie Marktwirtschaft zu stärken. Sie stellt einen Eckstein bei
Portugals Bemühen dar, innerhalb der NATO eine noch wirksamere Rolle zu
spielen. Und sie dient dazu, den Zielvorstellungen gerecht zu werden, zu
denen die Vereinigten Staaten im Rahmen des Abkommens von 1983 verpflichtet sind.

Unsere Sicherheitshilfe für Griechenland und die Türkei ist ein Beitrag zu den wichtigen strategischen Zielsetzungen an der Südflanke der
NATO. Die Lage der Türkei zwischen der Sowjetunion und dem Nahen Osten
sowie seine Nähe zu Südwestasien macht sie zu einer natürlichen Barriere
gegenüber der sowjetischen Expansion im Mittleren Osten und dem Persischen Golf. Die sowjetische Invasion Afghanistans, der iranisch-irakische
Krieg und die Desintegration des Libanon unterstreichen die Bedeutung eines politisch stabilen und militärisch glaubwürdigen türkischen Verbündeten in dieser unruhigen Region. Unsere militärischen Beziehungen zur Türkei sind für uns auch aufgrund der Tatsache von Vorteil, daß wir die äußerst wertvollen militärischen und nachrichtendienstlichen Anlagen mitbenutzen. Daher haben die Vereinigten Staaten größtes Interesse daran, die
Fähigkeit

der Türkei weiter zu verbessern, ihren NATO-Verpflichtungen

- 26

�NATO-Verpflichtungen nachzukommen und vor einer potentiellen Aggression
in Südwestasien durch die Vorkehrung der Sicherheitshilfe abzuschrecken.

Unsere Interessen beschränken sich nicht auf die Sicherheitsziele der
NATO. Wir haben uns um die Mitarbeit der türkischen Regierung zur Förderung einer friedlichen Regelung der Zypernfrage bemüht. Die türkische Regierung hat die Initiative des UN-Generalsekretärs akzeptiert und unterstützt. Wir arbeiten nun mit allen Parteien daran, um sicherzustellen,
daß die Bemühungen im Anschluß an den jüngsten Gipfel in New York um eine
Beilegung des Konflikts zwischen der Regierung Zyperns und der türkischzypriotischen Gemeinschaft vorankommen. Aus diesem Grund sind wir der
Meinung, daß ein jeder einseitige Versuch, die Sicherheitshilfe für die
Türkei mit Bedingungen hinsichtlich Zypern zu belasten, nicht nur ungerechtfertigt wäre, sondern einen Rückschlag für Aussichten auf eine Regelung des Zypernproblems bedeuten würde.
Im wirtschaftlichen Bereich hat die Türkei weitreichende und mutige
Schritte zur Stabilisierung und Liberalisierung ihrer Wirtschaft unternommen. Die amerikanische Hilfe für die Türkei steht in direktem und konstruktivem Zusammenhang mit den türkischen Bemühungen um die Schaffung
einer freieren und solideren Volkswirtschaft.

Wir bemühen uns auch um einen beträchtlichen Betrag an Sicherheitshilfe für Griechenland. Obgleich wir unsere Meinungsverschiedenheiten mit
der griechischen Regierung haben, so sehen wir diese Differenzen doch im
Rahmen

einer

Beziehung

zwischen

zwei demokratischen

Verbündeten, die

wichtige Interessen teilen. Wir sehen die strategische Bedeutung Griechenlands

im östlichen Mittelmeerraum. Die militärischen Anlagen dort

sind für uns von beträchtlichem Vorteil. Unser Sicherheitshilfsprogramm
ist ein wichtiges Element unserer Beziehungen zu Griechenland. Es wird
nur noch von unseren Anträgen für Israel, Ägypten, die Türkei und Pakistan überboten.

Ostasien und der Pazifik
Auslandshilfe
- 27-

ist

�Auslandshilfe ist eine Investition in die Zukunft, aus der sowohl die
Empfänger als auch der Geber Nutzen ziehen können.

Dies ist besonders

evident im Fernen Osten sowie im Gebiet des Pazifik, wo die aus unserer
Auslandshilfeinvestition resultierenden Erfolge gewaltig sind.

Seit etwa

20 Jahren haben die ostasiatischen Länder eine größere Wachstumsrate er,zielen können als jede andere Region der Welt.

Sie haben diese bemer-

kenswerten Erfolge in erster Linie dadurch erreicht, daß sie sich auf die
Dynamik freier Marktsysteme stützten.

Als Resultat dieses raschen wirt-

schaftlichen Wachstums entfällt auf diese Region ein größerer Anteil unseres Außenhandels als auf irgendein anderes Gebiet der Welt. Da die früheren Hilfeempfänger in diesem Raum jetzt ein Entwicklungsstadium erreicht haben, in dem sie keine bilaterale Unterstützung mehr benötigen in einigen Fällen sind sie sogar selbst zu Geberländern geworden -, entfällt auf Länder im ostasiatischen und pazifischen Raum nunmehr nur ein
geringer Anteil unserer weltweiten Hilfsprogramme - und das trotz der
überaus wichtigen Bedeutung dieser Region für die Vereinigten Staaten.
Aber dennoch hat diese Region, obwohl das Bild im allgemeinen positiv
ist, dringende Wirtschafts- und Sicherheitsprobleme, denen wir uns stellen müssen. Die Auslandshilfeanforderung der Regierung für das Haushaltsjahr 1986 für Ostasien und den Pazifik, das auf diese Pobleme ausgerichtet ist, beläuft sich auf annähernd 818 Millionen Dollar. Die angeforderte Wirtschaftshilfe von 335 Millionen Dollar konzentriert sich
auf die drei größten Mitglieder des Zusammenschlusses Südostasiatischer
Länder (ASEAN) - die Philippinen, Indonesien und Thailand. Der größte
Teil der für die Militärhilfe angeforderten 483 Millionen Dollar ist dafür bestimmt, vor einer direkten militärischen Bedrohung Koreas und Thailands abzuschrecken und unsere engen militärischen Beziehungen zu den
Philippinen, einem Vertragsverbündeten, zu fördern. Ferner schlagen wir
kleinere Hilfsprogramme in anderen ASEAN-Ländern vor sowie in Burma, einem Land, das in zunehmendem Maße im Rahmen unserer Drogenbekämpfungsmaßnahmen wichtig wird -, und für die Inseln des Südpazifik. Ich möchte
jetzt einige unserer spezifischen Besorgnisse und Anliegen aufzeigen.
Die

Philippinen

�Die Philippinen haben schwierige Zeiten hinter sich, die sich nachteilig auf die Wirtschaft ausgewirkt haben.

Die Regierung hat korrigie-

rende Maßnahmen ergriffen und ein wirtschaftliches Stabilisierungsabkommen mit dem

WeltWährungsfonds

abgeschlossen.

Diese Maßnahmen

lassen

Zeichen des Fortschrittes erkennen.

Die Situation auf den Philippinen

wird ferner durch

militärischen

einen

wachsenden

Aufstand

der

Neuen

Volksarmee, des militärischen Arms der Kommunistischen Partei der Philippinen, erschwert, die sich die politischen, wirtschaftlichen und sozialen
Schwierigkeiten des Landes zunutze machen konnte.

Die Wiederbelebung de-

mokratischer Institutionen, die Schaffung eines langfristigen Wachstums
durch eine strukturelle Wirtschaftsreform, die Aufrechterhaltung unserer
so wichtigen Sicherheitsbeziehungen sowie der erfolgreiche Widerstand gegen eine kommunistische Machtübernahme auf den Philippinen - dies alles
ist eng miteinander verbunden.

Unser integriertes Wirtschafts- und Mili-

tärhilfeprogramm soll all diese Ziele fördern.

Wie die Philippinen, so ist auch Thailand ein Vertragsverbündeter der
Vereinigten Staaten.

Es ist ebenfalls ein Staat in der ersten Linie und

sieht sich ernsthaften Sicherheitsherausforderungen gegenüber, die durch
die von der Sowjetunion unterstützte vietnamesische Aggression im benachbarten Kamputschea verursacht werden.

Unsere Sicherheitshilfe für Thai-

land unterstützt die Bemühungen der Regierung um eine Verbesserung der
sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen in den vom Krieg heimgesuchten
Gebieten an der thailändisch-kambodschanischen Grenze, in die wegen der
anhaltenden

brutalen

Angriffe

Flüchtlingen eingeströmt ist.

seitens

Vietnams

eine

große

Zahl

von

Unsere Militärhilfe soll die Modernisie-

rung der thailändischen Verteidigungskräfte fördern, damit eine Abschrekkung vor einer weiteren Aggression Vietnams geschaffen wird.

Die spezifischen Anstrengungen der Philippinen und Thailands werden
durch die ASEAN-Mitgliedschaft dieser Länder verstärkt - ein Zusammenschluß, der die beste Hoffnung auf Frieden und Stabilität in Südostasien
bietet.

In Übereinstimmung mit unserer nachhaltigen Unterstützung von

ASEAN und in Anerkennung der Bedeutung unserer Beziehungen zu Indonesien
haben wir auch für dieses Land Wirtschafts- und Militärhilfe vorgeschla-

- 29

�Militärhilfe vorgeschlagen.

Trotz einer internationalen Rezession hat

Indonesien bei seinem Entwicklungsprogramme und bei der Fortführung einer
gesunden Wirtschaftspolitik weiterhin gute Fortschritte gemacht.

Unsere

Verkäufe von militärischen Gütern an Indonesien haben unsere gemeinsamen
strategischen Interessen in Südostasien gefördert.

Wir planen ferner die

Fortführung des technischen Hilfspogramms für das ASEAN-Gebiet.

In einem

weiteren ASEAN-Land, nämlich Malaysia, wo amerikanische Privatinvestitionen auch in Zukunft einen wesentlichen Katalysator des wirtschaftlichen
Wachstums und der Entwicklung darstellen werden, hat die Regierung Interesse an einer anhaltenden Verteidigungszusammenarbeit mit den Vereinigten
Staaten im Kontext mit dem bündnisfreien Status dieses Landes bekundet.
Malaysia hat bei internationalen Angelegenheiten eine konstruktive Rolle
gespielt und die ASEAN-Strategie, einen Abzug der vietnamesischen Streitkräfte aus Kampuschea zustande zu bringen, nachhaltig gefördert.

Wir

schlagen vor, unser bescheidenes Militärhilfeprogramm zur Unterstützung
dieser Anstren- gungen fortzusetzen.

Ein weiterer wichtiger Bündnispartner der Vereinigten Staaten ist die
Republik Korea.

Die Verhinderung einer Aggression Nordkoreas gegen Süd-

korea ist unerläßlich für Frieden und Stabilität in diesem Raum und wichtig für unsere eigene Sicherheit.

Bisher waren wir erfolgreich bei der

Abschreckung vor einer Aggression und der Verhinderung eines Wiederauflebens der Feindseligkeiten auf der koreanischen Halbinsel.

Um unsere Un-

terstützung des amerikanisch-koreanischen Bündnisses aufrechterhalten zu
können, schlagen wir eine Fortsetzung des FMS-Kreditprogramms (Verkauf
militärischer Güter im Ausland) vor, das der Republik Korea die Verbesserung der Kapazität ihrer Kampftruppen gestatten wird, von denen zahlreiche Verbände zusammen mit unseren Truppen entlang der entmilitarisierten Zone stationiert sind und die mit uns im Ernstfall unter einem gemeinsamen Kommando operieren würden.

Multilaterale Entwicklungsbanken

Bisher habe ich die überaus wichtige Rolle unterstrichen, die die bi-

- 30-

�die bilaterale Hilfe der Vereinigten Staaten bei der Förderung der Sicherheit und der Stabilität der Entwicklungswelt spielt.

Sie werden mir

sicher zustimmen, daß diese Aufgabe bei weitem zu groß isdt, als daß sie
ein Land allein bewältigen könnte.
auch nicht allein zu tun.

Glücklicherweise brauchen wir dies

Unsere Freunde und Verbündeten in der in-

dustrialisierten Welt setzen beachtliche Mittel für die Förderung des
Entwick- lungsprozesses ein, was wiederum Dividenden in Form der Ausweitung des Handels und der Stärkung demokratischer Institutionen abwirft.
Diese Mittel werden jedoch zu knapp, als daß man sie auf unwirksame Weise
einsetzen dürfte.

Ein koordinierter Ansatz zwischen den Geberländern war

schon immer wünschenswert.

Jetzt ist er von entscheidender Bedeutung.

Ein wesentliches Werkzeug, das einer solchen Zusammenarbeit zur Verfügung steht - und auch weiterhin zur Verfügung stehen wird -, ist die
Zusammenfassung eines Teils unserer Ressourcen durch die Multilateralen
Entwicklungsbanken (MDB).

Die Kreditgewährung durch diese Banken stellt

auch weiterhin eine bedeutsame und wachsende Quelle an Investitionskapital für die Entwicklungsländer dar.

Im Haushaltsjahr 1984 gewährten die

Multilateralen Entwicklungsbanken insgesamt 22 Milliarden Dollar an neuen
Anleihen.

Daß ein solches Kreditgewährungsprogramm mit einer amerikani-

schen Einlage von 1,3 Milliarden Dollar fortgeführt wurde, ist der Beweis
für die Vorteile der Heranziehung dieser Banken, um die Lasten der Hilfe
zu teilen.

Die Vereinigten Staaten ziehen direkten Nutzen aus den Bemü-

hungen dieser Banken um starke und anhaltende Fortschritte in den Entwicklungsländern, indem mehr amerikanische
verkauft werden.

Güter und

Dienstleistungen

Ja, ein beträchtlicher Teil des amerikanischen Handels-

defizits ist dem Rückgang der Käufe schuldengeplagter Entwicklungsländer
zuzuschreiben - einem Rückgang, der mit Hilfe einer angemessenen Entwicklungshilfe in sein Gegenteil verkehrt werden kann.

Während die Multilateralen Entwicklungsbanken eine wertvolle Quelle
der Entwicklungsfinanzierung darstellen, spielen sie eine genauso wichtige Rolle, wenn es darum geht, den Kreditaufnehmern gesunde marktorientierte Ratschläge hinsichtlich der jeweiligen Wirtschaftspolitik zu erteilen.

Ferner legen sie ihren Klienten eine finanzielle Disziplin in

- 31

�Disziplin in bezug auf deren Entwicklungsziele auf.

Auch stellen diese

Institutionen immer mehr Mittel für Projekte und Programme zur Verfügung,
die das private Unternehmertum in der Entwicklungswelt fördern sollen,
über viele Jahre hinweg hat die Tochterorganisation der Weltbank, die Internationale Finanzierungsgesellschaft

(IFC), sich auf die spezifischen

Bedürfnisse des Privatsektors konzentriert.
banken

Die regionalen Entwicklungs-

fangen jetzt an, dem Beispiel der Weltbank zu folgen.

Das ver-

stärkte Eintreten dieser Institutionen für das private Unternehmertum
wird sich vielleicht eines Tages als einer der wichtigsten Faktoren bei
der Unterstützung eines erfolgreichen Entwicklungsprozesses erweisen.

Wir sind davon überzeugt, daß die Multilateralen Entwicklungsbanken
bei der Förderung des weltweiten Wachstums und der Entwicklung sowie bei
der Stärkung des Beitrages des privaten Sektors zu diesem Prozeß eine
entscheidend wichtige Rolle spielen müssen.

Wir erwachten daher unsere

Beteiligung an diesen Banken als notwendige Ergänzung unserer bilateralen
Hilfepolitik.

In den vergangenen Jahren hat sich diese Administration in

engen Konsultationen mit dem Kongreß darum bemüht, die sich aus einer effektiven Unterstützung dieser Institution ergebenden Kosten zu reduzieren, während gleichzeitig eine führende Rolle der Vereinigten Staaten
beibehalten wurde.

Wir waren bei der Aushandlung eines Gesamtauffül-

lungsrahmens erfolgreich, der unserer Meinung nach den Erfordernissen der
Kreditnehmer angemessen ist, aber gleichzeitig unseren finanziellen Zwängen Rechnung trägt.

Die Wahrung einer amerikanischen Führungsrolle hängt

jedoch davon ab, daß wir unseren Verpflichtungen in amgemessener Weise
nachkommen.

Ich fordere daher den Kongreß auf, unsere Anforderungen für

das Haushaltsjahr 1986 in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar sowie unseren
Ergänzungsantrag für das Haushaltsjahr 1985 in Höhe von 237 Millionen
Dollar voll und ganz zu unterstützen.

Zusammenfassung
Zum Abschluß, Herr Vorsitzender, möchte ich das Grundsätzliche der
diesjährigen Haushaltsvorlage unterstreichen.

- 32-

Wir haben die Verantwor-

�die Verantwortung, an der Politik festzuhalten, die bisher gegriffen hat
oder zu greifen beginnt.

Schnellrezepte, die an der eigentlichen Sache

vorbeigehen, oder die Hoffnung auf diplomatische Wunder sind keine verantwortungsbewußten Optionen.

Wenn wir jedoch zusammenstehen, unsere

Grundsätze und unsere Freunde entschlossen, kalkulierbar und realistisch
verteidigen - und dies mit der Standfestigkeit, die diese Probleme erfordern -, dann können wir obsiegen.

Und genau diesem Ziel dient unsere An-

forderung für das Haushaltsjahr 1986.

* * * * *

- 33 -

�27. Februar 1985

SIEBEN ASTRONAUTEN AN BORD
- Neuer 3HAü_ENGER-Flug am 4. März 1985 -

- (AD) - Mit sieben Mann an Bord soll Challenger am 4. März 1985 zum
nächsten Raumtransporterflug starten.

Es ist das 16. Unternehmen im Rah-

men des amerikanischen "Space Shuttle"-Programms.

Während der vier Flug-

tage ist u.a. vorgesenen, einen kanadischen Fernmeldesatelliten sowie den
zweiten TDRS-Satelliten im All abzusetzen.

Der Start war ursprünglich

für den 20. Februar anberaumt, mußte jedoch wegen Reparaturarbeiten am
Hitzeschild auf das jetzige Datum verschoben werden.

Bei TDRS handelt es sich um einen zweieinviertel Tonnen schweren
Nachrichtensatelliten, der in einer erdsynchronen Bahn 35 890 km über dem
Äquator südwestlich von Hawaii stationiert werden wird.

Er dient zur

'Überwachung der Flugbahn anderer amerikanischer Satelliten sowie als besonders leistungsfähige Relaisstation zur Aufnahme und Weitergabe von Daten, die von bis zu 26 Forschungssatelliten ausgestrahlt werden.

Gleich-

zeitig können der Sprechfunkverkehr mit der Besatzung von Raumtransportern in der Erdumlaufbahn und die Flut von Meß- und Arbeitsdaten, die an

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die an Bord eines Raumtransporters anfallen, über das TDRS-System bewältigt werden.

Schon zwei solcher Satelliten, entsprechend postiert, geben

der NASA (US-Behörde für Luft- und Raumfahrt) die Möglichkeit, auf die
meisten der bisher bei bemannten Raumfahrtmissionen benutzten Bodenstationen zu verzichten.

Diese vermögen jeweils nur während eines Fünftels

der Zeit, die ein Orbiter in niedriger Umlaufbahn zu einer Erdumkreisung
benötigt, mit ihm Funkkontakt zu halten.

Mit TDRS würde die ständige

Verbindung auf mindestens t&gt;5 Prozent der Dauer eines Erdumlaufs erhöht,
erklärte Lome Robinson von der NASA.

Das erste TDRS-Gerät wurde im April 1983 gestartet.

Ein drittes soll

im November 1985 bei einem späteren Space Shuttle-Flug abgesetzt werden
und als Ersatz zur Verfügung stehen, wenn eines der beiden anderen ausfiele.

Ein TDRS-Nachrichtensatellit kostet ca. 100 Millionen Dollar und

verkörpert die neuesten Entwicklungen der Nachrichtentechnik und Elektronik.

Das TDRS-System wird von der NASA auf zehn Jahre gegen eine Jahres-

gebühr von 250 Millionen Dollar gemietet.

Eigentümer und Betreiber ist

das private Unternehmen SPACECOM (Space Communications Company).

Der bevorstehende CHALLENGER-Flug steht unter dem Kommando von Karol
Bobko, Kopilot ist Donald Williams.

Als Missionsspezialisten wurden Rhea

Seddon, Jeffrey Hoffman und David Griggs von der NASA ausgewählt, als
Nutzlastspezialisten der Franzose Patrick Baudry und Jake Garn, Senator
des US-Bundesstaates Utah.

Senator Garn, Oberst im Reserveoffizierskorps

der US-Luftstreitkräfte und Vorsitzender des für die NASA-Gelder zuständigen Senatsausschusses, ernielt im November 1984 eine Einladung der NASA
zur Teilnahme an einem Raumtransporterflug.

Er nimmt an medizinischen

Experimenten teil, die der weiteren Erforschung der Raumkrankheit gelten.
Zwar sind deren Symptome, die vor allem in den ersten Tagen eines Weltraumflugs bei etwa 40 Prozent der Astronauten auftreten, bestens bekannt,
aber nur teilweise ihre Ursachen.

Das Auftreten der Raumkrankheit ist

dazu angetan, das Arbeitsprogramm zu stören und den Fortgang einer Raumflugmission zu beeinträchtigen.

Patrick Baudry aus Frankreich beabsichtigt, eine Reihe von Experimen- 2 -

�von Experimenten zur Anpassung des menschlichen Organismus an die Schwerelosigkeit durchzuführen.

Dazu gehören u. a. die Messung der Geschwin-

digkeit und Menge des strömenden Blutes und die Ermittlung von Veränderungen dieser Daten in der Start- und Landephase.
mentierausrüstung

Kernstück der Experi-

ist ein Echograph, mit dem Ultraschallaufnahmen

vom

schlagenden Herzen und anderen Organen sowie von Blutgefä'üen und Volumenveränderungen beim strömenden Blut zeitgleich zum Vorgang gemacht werden
sollen.

Die dafür erforderlichen Apparaturen kommen aus Frankreich und

wurden an Bord der CHALLENGER installiert. Der Einfluü von Seheindrücken
auf den Gleichgewichtssinn bei Schwerelosigkeit soll erneut untersucht
werden.

Verschiedene Studien haben bereits gezeigt, daü Seheindrücke zur

Raumkrankheit beitragen können, wie auch
Rolle dabei spielen.

- 3 -

Veränderungen im Innenohr eine

�27. Februar 1985

RAUMSTATION - PHASE 8
- Erste Kontrakte werden in Kürze vergeben -

- (AD) - Für vorbereitende Arbeiten zum Programm "Raumstation" der
Vereinigten Staaten hat die NASA (US-Behörde für Luft- und Raumfahrt) 230
Millionen Dollar aus ihrem Gesamtbudget von 7,9 Milliarden Dollar vorgesehen (Aufwendungen im Jahr 1985: 155,5 Millionen Dollar).

Wie NASA-Chef

James M. Beggs vor dem Ausschuß für Wissenschaft und Technik des amerikanischen Repräsentantenhauses erklärte, seien in erster Linie Definition
der Raumstation und Voranalysen geplant. "Nach unseren gegenwärtigen Terminvorstellungen könnte im Jahr 1987 mit der Entwicklung der Hardware begonnen werden."

Diese Planung gebe internationalen Partnern die Möglich-

keit, so Beggs, im Gleichtakt mit der NASA an eigenen Beiträgen zur Raumstation zu arbeiten.

Nach der Bundesrepublik Deutschland haben inzwi-

schen weitere Mitgliedstaaten der Europäischen .Veitraumbehörde ESA ihre
Bereitschaft zur Teilnahme an der Definitions- und vorläufigen Entwurfsphase (Phase B) erklärt.

Ziel der NASA ist es, innerhalb eines Jahr-

zehnts eine ständig besetzte Raumstation im Orbit zu haben.

Diese Station

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Diese Station soll nach Umfang und Leistungskapazität so ausgelegt
sein, daß sie über mehrere Jahrzehnte in Betrieb gehalten werden kann.
In knapp 500 km Höhe wird sie auf einer um 28,5 Grad zur 'Äquatorebene geneigten Bahn um die Erde kreisen.

Zylinderförmige Druckmodule dienen als

Quartier, Labor- und Arbeitsräume für die Besatzung.

Diese besteht aus

sechs bis acht Spezialisten; jede Gruppe soll sich einige Monate in der
ständig besetzten Station aufhalten.

Die bemannte Weltraumbasis wird von

zwei oder mehr frei fliegenden unbemannten Plattformen begleitet.

JBle

sind Träger von Instrumenten und Ausrüstungen für Langzeitversuche sowie
für die Herstellung bestimmter Produkte und werden von der bemannten Station aus betreut.

Zumindest eine unbemannte Plattform soll in eine pola-

re oder polnahe Umlaufbahn gebracht werden.

Für deren Versorgung und Be-

treuung werden Raumtransporter zuständig sein.

Die Raumfähren haben eine Schlüsselrolle in dem gesamten Programm.
Sie befördern sämtliche Elemente für die Raumstation in den vorgesehenen
Orbit, damit sie dort zusammengebaut werden können.

Außerdem befördern

sie Astronauten, Versorgungsgüter, Ersatzteile, wissenschaftliches Material und Produkte, die im Weltraum erzeugt wurden.

Die Erfahrungen, die

im Laufe der Zeit gesammelt werden, bilden eine Grundlage für Veränderungen, aber auch für die Verwendung von Systemen zur Erweiterung der Raumstation.

Weisungszenträle in der praktischen Arbeit für das vor einem Jahr in
Angriff genommene Programm ist das Johnson-RaumfahrtZentrum in Houston
(Texas).

Im vergangenen Jahr wurden sieben Arbeitsgruppen gebildet, die

verfügbare Technologien nach ihrer Einsatzfähigkeit für das Projekt Raumstation sondieren und sich um die Weiterentwicklung
neuer Technologien kümmern.

vielversprechender

Vier NASA-Zentren sind in die Arbeiten für

Definition und vorläufigen Entwurf eingeschaltet.

Die Federführung für

das Gesamtprojekt liegt bei einer neugeschaffenen Abteilung der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt in Washington.

Ausschreibungen für die Phase B (Definition vorläufiger Entwurf) sind
bereits ergangen.

Nach Abschluß der Prüfung der eingereichten Vorschläge
- 2 -

�eingereichten Vorschläge durch die NASA im Frühjahr 1985 werden die ersten Verträge über sog. Arbeitspakete (mit 18 Monaten Laufzeit) vergeben.
Erste VertragserteiLungen über Entwicklung und Bau von Hardware-Elementen
werden 1987 erwartet. Interessierte Firmen wurden aufgefordert, sich an
der Konfiguration "Power Tower" (Gerüststruktur von Moduleinheiten und
Kraftwerk) für Definitionsstudien zu orientieren.

Dies ist eine von meh-

reren Konzeptionen für den Bau einer bemannten Raumstation.

Jedoch wird

von vornherein angenommen, daß es im Verlauf der Studien zu wesentlichen
Änderungen kommen wird.

Der Beteiligung internationaler Partner wird große Bedeutung beigemessen.

Die Regierungen der interessierten Länder finanzieren eigene De-

finitions- und Entwurfsprogramme, die parallel zu den bei der NASA laufenden Programmen durchgeführt werden.

Eine internationale Beteiligung

könnte sich auf drei Ebenen vollziehen: 1) als Mitarbeit von Benutzern,
die Missionen definieren und die Raumstation für eigene Zwecke nutzen;
2) Mitarbeit bei Definitions- und Entwicklunysaufgaben sowie bei der Planung von Aktivitäten, die von einer Raumstation aus wahrgenommen werden
können; 3) aktive Mitwirkung beim Betrieb der Raumstation.

Eigene Pläne und Aktivitäten interessierter Länder zum Projekt Raumstation wurden erstmals im Herbst 1984 mit Vertretern der NASA im Rahmen
internationaler Expertengespräche

erörtert.

Bereits im Frühjahr

1984

hatte sich in den Vereinigten Staaten der wissenschaftliche Beraterausschuß für die NASA konstituiert, zu dessen Vorsitzenden Prof. Peter Banks
(Stanford-Universität) berufen wurde.

Die 22 Mitglieder dieses Komitees

sind Forscher, Universitätsprofessoren und Leiter wissenschaftlich-technischer Laboratorien, auch aus der Industrie.

Der Ausschuß soll die NASA

u. a. bei der Planung wissenschaftlicher Aufgaben für eine Raumstation sowie bei der Koordinierung schon bestehender Programme der Weltraumforschung mit speziellen, von einer Weltraumbasis aus durchzuführenden Projekten unterstützen.

Auch soll er Kontaktstelle für Wissenschaftler der

verschiedensten Fachrichtungen sein, welche Vorschläge zur Nutzung der
Raumstation unterbreiten wollen.

Die NASA berief außerdem ein Beraterko-

mitee für Automatisierung und Robotertechnik - für Technologien also, die
beim Betrieb der Raumstation wichtig sind.
Konkurrenz für den
- 3 -

�Konkurrenz für den Raumtransporter

Vor dem Ausschuß für Wissenschaft und Technik verwies NASA-Chef 3eggs
darauf, daß dem Raumtransporter als Trägergerät für Satelliten, die von
diesem in der Umlaufbahn abgesetzt werden, sowohl von dem europäischen
Konsortium ARIANESPACE als auch von der US-Luftwaffe Konkurrenz durch die
Verwendung von Verlustraketen erwachse.

ARIANESPACE habe sich in den

letzten 14 Monaten einen erheblichen Anteil am Markt für den Start kommerzieller Satelliten gesichert.

Die Europäische Weltraumbehörde ESA be-

absichtige nunmehr den Bau von ARIANE 5, einer Trägerrakete, mit der sehr
viel größere Nutzlasten oder auch ein bemanntes Raumschiff gestartet werden könnten.

Die US-Luftstreitkräfte planten den Aufbau einer Reserve an

(nicht wiederverwenbaren) Trägerraketen für den Start von Satelliten.
Das US-Amt für Meere und Atmosphäre (NOAA) habe sich dafür entschieden,
drei Wetterbeobachtungssatelliten mit TITAN 2-Raketen, die ebenfalls zu
den Verlustraketen zählen, starten zu lassen.

Solche Entwicklungen be-

deuten wachsende Konkurrenz für die wiederverwendbare Raumfähre.

* * * * *

- 4-

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