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                  <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2 3 . Januar 1965

I N H A L T

INFORMATION
Reagan ernennt Verhandlungsteam für Genfer Abrüstungsverhandlungen
DOKUMENTATION
Vereinigte Staaten fordern Auskunft über das Schicksal Raoul
Wallenbergs
- Erklärungen Präsident Reagans und Unterstaatssekretär Abrams' Vereinigte Staaten werfen Internationalem Gerichtsnof Kompetenzüberschreitung vor
- E r k l ä r u n g des US-Au3enministeriums

-

HINTERGRUNDS TERIAL
S a n d i n i s t i s c h e Führung Nicaraguas s t r e b t E r r i c h t u n g e i n e s m a r x i s t i s c h l e n i n i s t i s c h e n S t a a t e s an
- V e r ö f f e n t l i c h u n g des Weii3en Hauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
D i e n s t l e i s t u n g e n und V e r f a h r e n s t e c h n i k e n im Weltraum
- Branchen m i t groi3en Wachstumschancen -

Glaukombehandlung mit Ultraschall
- Ermutigende Ergebnisse einer amerikanischen Studie

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel

•'• 0228-339 2035
Telex: 8-85432

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

4

23. Januar 1985

REAGAN ERNENNT VERWNDLUNGSTEAM FÜR GENFER ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 18. Januar 1985
die Delegation der Vereinigten Staaten für die neue Runde der Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion ernannt.

Leiter der amerikanischen Ge-

samtdelegation und zugleich zuständig für den Bereich Weltraumwaffen wird
Botschafter Max Kampelman sein, der die USA bereits auf der KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid vertreten hat.

Der ehemalige Senator des Staates

Texas, John Tower, wird die Verhandlungen über strategische Kernwaffen
führen, und der amerikanische Berufsdiplomat Maynard W. Glitman wird die
Gruppe leiten, die sich mit den nuklearen Mittelstreckensystemen (INF)
befaßt.

Die Erklärung Präsident Reagans, in der die Ernennungen bekanntgegeben wurden, hat folgenden Wortlaut:

Ich habe heute drei überaus befähigte Amerikaner ersucht, jeweils eine der drei Verhandlungsgruppen zu führen, aus denen sich die amerikanische Delegation bei den Verhandlungen über nukleare und Weltraumwaffen

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Telex: 8-85432

�und Weltraumwaffen zusammensetzt.

Diese Verhandlungen werden gemäß der

Übereinkunft stattfinden, die am 8. Januar zwischen

Außenminister George

P. Shultz und dem sowjetischen Außenminister Andrei A. Gromyko in

Genf

erzielt wurde.

Senator John Tower aus Texas wird zum amerikanischen Unterhändler für
strategische Kernwaffen ernannt.

Botschafter Maynard W. Glitman, der im

Range eines Gesandten dem Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten angehört, wird zum amerikanischen Verhandlungsführer für die nuklearen Mittelstreckenraketen ernannt.

Botschafter Max M. Kampelman wird der Ver-

handlungsführer für die Weltraum- und Defensivwaffen sein.

Gleichzeitig

leitet Botschafter Kampelman die amerikanische Delegation.

Die Botschafter Paul H. Nitze und Edward L. Rowney werden dem Präsidenten und dem Außenminister als Sonderberater für die Rüstungsreduzierungsverhandlungen zur Verfügung stehen.

Ich freue mich, daß diese hervorragenden Amerikaner sich bereit erklärt haben, auf diesen Posten tätig zu sein, die von so großer Bedeutung
für die Vereinigten Staaten sind.

* * # * *

- 2-

�^3. Januar 19ö5

VEREINIGTE STAATEN FORDERN AUSKUNFT ÜBER DAS SLHICXSAL RAOUL WLLENBtRGS
- Erklärungen Präsident Reagans und Unterstaatssekretär Aörams' -

Washington -(AD)- Am 17. Januar 1945 wurde in Budapest Raoul Walle nberg , ein schwedischer Diplomat, der während des 2.

Weltkriegs rund

100 000 ungarischen Juden das Leben rettete, von sowjetischen Soldaten in
Gewahrsam genommen. Er tauchte nie wieder auf; sein Schicksal blieb bis
heute ungeklärt. Anläßlich des 40. Jahrestages seines Verschwindens gaben
Präsident Ronald Reagan und der Unterstaatssekretär für Menschenrechtsfragen, Elliott Abrams, Erklärungen ab, in denen sie von der Sowjetunion
Aufschluß über das Schicksal Wallenbergs forderten.

Die Erklärung Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:

Heute vor 40 Jahren verschwand in den Strafen des vom Kriege zerstörten Budapest ein tapferer junger Mann namens Raoul Wallenberg. Dieser
junge schwedische Diplomat war im März 1944 zur Vertretung seines Landes
in Ungarn abgestellt worden. Im Rahmen einer humanitären Mission versuchte er, so vielen ungarischen Juden wie möglich das Leuen zu retten.

Ohne Rücksicht

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Telex: 8-85432"

�Ohne Rücksicht auf Gefahren für seine eigene Person holte Wallenberg
Menschen aus Todesmärschen heraus, betrat er Eisenbahnzüge, in denen Menschen deportiert wurden, versorgte er Tausende von unschuldigen Menschen,
die bereits auf dem Weg in die Todeslager waren, mit schwedischen Papieren und bestand er gegenüber den nationalsozialistischen Besatzunysbehörden darauf, daß alle Personen, die im Besitz schwedischer Papiere waren,
ihm

überstellt wurden. Es ist daher Wallenberg zu verdanken, daß fast

1Ü0 000 jüdische Männer, Frauen und Kinder vom Tod in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern verschont blieben. Einige der Menschen, die
er rettete, zählen heute zu den prominenten Bürgern unseres eigenen Landes.

Am 17. Januar 1945 wurde Raoul Wallenberg von sowjetischen Soldaten
zu der provisorischen ungarischen Regierung nach Südungarn gebracht, angeblich zur Erörterung von hilfsdemühungen. Er kam nie zurück. Das war
vor 40 Jahren.

In der Heiligen Schrift steht: "Es gibt keine grauere Liebe, als wenn
einer sein Leben für seine Freunde hingibt." Die Freunde Raoul Wallenbergs waren alle, denen Unrecht angetan wurde. Tag für Tag bracnte er bewußt sein eigenes Leben in Gefahr, um anderen das ihre zu retten. Im Angesicht des Grauens und des Bösen bewahrte dieser edle junge Mann eine
aufrechte und unerschrockene haltung.

Eingedenk der Dankesschuld, aie alle Amerikaner gegenüber Raoul Wallenberg tragen, habe ich 1981 eine Verfügung unterzeichnet, die ihn zum
Ehrenbürger der Vereinigten Staaten macht. Abgesehen von Winston Churchill ist er der einzige Nichtamerikaner, der je in dieser Weise geehrt
worden ist. Wenn wir unseren eigenen Herten treu bleiben wollten, dann
war dies das mindeste, was wir als Amerikaner tun konnten, um unsere uneingeschränkte Bewunderung

für Wallenbergs Mut und Einstehen für die

Menschlichkeit zu unterstreichen und um unseren Abscheu über seine ungerechte und unrechtmäßige Einkerkerung durch die sowjetische Regierung zum
Ausdruck zu bringen.

Die amerikanische Regierung hat wiederholt den Fall Raoul Wallenberg
- 2 -

�Raoul Wallenberg gegenüber der sowjetischen Regierung zur Sprache gebracht und eine vollständige und befriedigende Aufklärung seines Schicksals gefordert. Die einzige sowjetische Äußerung zum Verbleib Wallenbergs
war jedoch eine Erklärung aus dem Jahre 1957, in der es hieß, daß er zehn
Jahre zuvor in sowjetischer Haft verstorben sei. Die Umstände seiner Inhaftierung und seines späteren Verschwindens blieben unerläutert. Außerdem mehrten sich im Laufe der Jahre Berichte von Überlebenden aus dem
"Archipel Gulag" , die darauf hindeuteten, daii auch Wallenberg noch am Leben sein könnte.

Inmitten des Grauens des Zweiten Weltkriegs war Raoul Wallenberg Symbol und Vorbild, ein Mann, der die Ehre der menschlichen Rasse bewahrte.
Die Welt schuldet diesem großen Mann gewaltigen und ewigen Dank. Die Sowjetunion hingegen schuldet der Welt vollständigen und umfassenden Aufschluß über sein Schicksal.

Die Erklärung von Unterstaatssekretär Mbrams hat folgenden tortlaut:
Die Gestalt Raoul Wallenbergs steht als Symbol - und, wie wir alle
hoffen und worum wir alle beten, als ein lebendiges bymbol - für eine
Reihe von Dingen: natürlich zunächst für reinen Mut, aber auch für ein
ungeteiltes Europa, in dem Menschen in einer Weise, in der dies hoffentlich eines Tages wieder möglich sein wird, von Schweden nach Ungarn, von
Schweden nach Frankreich oder von Ungarn nach Frankreich reisen können.
Raoul Wallenberg steht auch als Symbol für die Gültigkeit des Prinzips,
daß die Achtung vor den Menschenrechten und der Friede zwischen den Staaten unteilbar sind. Solange es in der Praxis keine Achtung vor den Rechten des Individuums gibt, wird es uns auch nicht gelingen, eine Welt zu
schaffen, in der wir uns sicher fühlen können in dem Bewußtsein, daß Konflikte zwischen den Nationen durch das Völkerrecht, nicht aber mit uewalt
geregelt werden.

Wenn ein Staat Akte der Gewalt und Unterdrückung gegen seine eigenen
Bürger begeht, dann wird man sich nie darauf verlassen können, daß er
sich gegenüber seinen Nachbarn solcher Akte der oewalt und Unterdrückung
- 3 -

�und Unterdrückung enthält. Wenn man die Verhältnisse überall auf der Erde
betrachtet, dann wird einem bald klar, daß die Staaten, die die Menschenrechte am gröbsten mißachten, zumeist gleichzeitig auch diejenigen sind,
die Instabilität und Aggression in die Welt tragen.

Das sowjetische Gemetzel in Afghanistan dauert an. Vietnam nält Kambodscha immer noch besetzt, und seine schreckliche Unterdrückung lastet
immer noch auf dem kambodschanischen Volk. Die enorme Aufrüstung Nicaraguas bedroht die gesamte mittelamerikanische Landenge. Obwohl die Logik
und die Sachlage einen anderen SchluJ nahelegen mögen, würde ich sagen,
daß der Grundsatz, daß die Achtung vor den Menschenrechten und der Friede
zwischen den Staaten unteilbar sind, etwas ist, was die demokratischen
Staaten nur sehr mühsam begreifen.

Da wir in einem Land leben, in dem die natürlichen Rechte des Individuums nicht nur in der Verfassung festgeschrieben sind, sondern auch
die Weltanschauung nahezu jeden Bürgers prägen, nehmen die Amerikaner zu
oft das Beste an und glauben, daß Gegensätze mit einem hinreichenden Maß
an gutem Willen beigelegt werden können.

Da wir die Rechte anderer achten, neigen wir dazu, zu zögern, wenn
bestimmte Staaten behaupten, daß unsere Fragen nach den Menschenrechten
eine Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten darstellen. Wegen unserer religiösen Tradition, die uns gebietet, uns unserer eigenen Unzulänglichkeiten bewuSt zu sein, neigen wir dazu, anderen zuzugestehen, daß
wir uns irren könnten. Uiese Eigenschaften sind unter normalen Umständen
zwar sicherlich bewunderungswürdig, können sich einer echten und wirksamen Menschenrechtspolitik aber als außerordentlich abträglich erweisen.

Sie können bisweilen einer entschlossenen Verfechtung amerikanischer
Wertvorstellungen in der Welt entgegenstehen und es denen, für die die
Menschenrechte nur Wbrte sind, ermöglichen, sie auch weiterhin zu verletzen. Es gilt jedoch, was Präsident Reagan im Juni 1982 in seiner Rede vor
dem Parlament in London sagte: "Wir müssen in unserer Überzeugung standhaft sein, daß die Freiheit kein ausschließliches Vorrecht einiger weniger Glücklicher ist, sondern das unveräußerliche und universale Recht
- 4 -

�universale Recht a l l e r . "
Es war diese Überzeugung, die Raoul

tellenberg

motivierte.

Sie muJ

auch uns motivieren und uns beständig daran e r i n n e r n , daß unser Bestehen
auf Beachtung der Menschenrechte kein Wuell von K o n f l i k t e n i n unseren Beziehungen zu anderen Nationen i s t , sondern vielmehr e i n M i t t e l

darstellt,

dessen wir uns bedienen, um w i r k l i c h e n Frieden zu schaffen.
Solange die Iflelt über den Verbleib von Wallenberg im Ungewissen gehalten werden kann, und solange e i n Nobelpreisträger wie Andrei Sacharow
von a l l e n Verbindungen zur Außenwelt abgeschnitten werden kann, wird es
keinen echten Frieden geben.

- 5 -

�23. Januar 1985

VEREINIGTE STAATEN WERFEN INTERNATIONALEM GERICHTSHOF
KOMPLTENZÜBERSCHRE1TUNG VOR
- Erklärung des US-Außenministeriums -

Washington - ( A u ) - Das US-Außenministerium gab am 18. Januar 1985 bekannt, daß die Vereinigten Staaten eine weitere Mitwirkung bei dem von
Nicaragua

vor

dem I n t e r n a t i o n a l e n

Gerichtshof

angestrengten

Verfahren

ablehnen, da e s , wie Sprecher Alan Romberg sagte, "einen Mißbrauch des
Gerichtshofs

für politische

und propagandistische Zwecke" d a r s t e l l e

da es b e i diesem Verfahren um p o l i t i s c h e Fragen gehe, die nicht

und

i n die

Zuständigkeit irgendeines Gerichts f i e l e n .
Der Text der Erklärung des US-Außenministeriums hat folgenden Wortlaut:
Aufkündigung der

amerikanischen Mitwirkung

bei dem von Nicaragua

beim

I n t e r n a t i o n a l e n Gerichtshof angestrengten Verfahren
Die Vereinigten Staaten waren s t e t s der Auffassung, daß das von N i caragua beim I n t e r n a t i o n a l e n Gerichtshof angestrengten Verfahren auf e i nen Mißbrauch des Gerichtshofs f ü r p o l i t i s c h e Zwecke hinausläuft und daß
F ä l l e wie der i n Frage stehende nicht unter die Rechtsprechung und Zu-

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Telex: 8-85432

�und Zuständigkeit des Gerichtshofs fallen. Der Beschluß vom 16. November
1984, mit dem der Gerichtshof sich für zuständig erklärte, steht im Gegensatz zum Gesetz und zu den Tatsachen. Die Vereinigten Staaten haben
daher widerstrebend beschlossen, bei dem Verfahren in dieser Sache nicht
weiter mitzuwirken.

Die amerikanische Politik in Mittelamerika

Die Politik der Vereinigten Staaten in Mittelamerika ist darauf gerichtet, Demokratie, Reformen, Freiheit und wirtschaftliche Entwicklung
zu fördern, einen Dialog und Verhandlungen sowohl innerhalb der Länder
der Region als auch zwischen ihnen zu unterstützen und zum Schutz gegen
solche Kräfte - wie Nicaragua, Kuba und die UdSSR - beizutragen, die gewaltsam die Tyrannei verbreiten wollen. Was diese Schutzmaßnahmen angeht,
so haben die Vereinigten Staaten sie in Ausübung des Rechts auf kollektive Selbstverteidigung getroffen, wie es in der Charta der Vereinten Nationen und im Vertrag von Rio niedergelegt ist. Wir haben in Verteidigung
der vitalen nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und
im Sinne von Frieden und Sicherheit in der Hemisphäre gehanaelt.
Die Bestrebungen Nicaraguas, den Konflikt in Mittelamerika als bilaterale Angelegenheit zwischen sich selbst und den Vereinigten Staaten
darzustellen, können nicht über die offenkundige Tatsache hinwegtäuschen,
daß das Problem weitaus umfassender ist. Seine sicherheitspolitische Dimension schließt eine Vielzahl von Aspekten ein: die gewaltige Aufrüstung
Nicaraguas mit sowjetischen Waffen und mit Hilfe kubanischer Berater,
seine grenzüberschreitenden Angriffe und seine Förderung des Untergrundkampfes in verschiedenen Staaten der Region sowie die Tätigkeit einheimischer Widerstandsgruppen in Nicaragua. Es ist auch klar, daß Bestrebungen
zur Beendigung der Kämpfe in der Region fruchtlos bleiben müssen, wenn
sie nicht Teil eines umfassenden Versuchs zur Herbeiführung einer politischen Regelung, zur Herstellung von Sicnerheit für die Region, zur Einleitung von wirtschaftlichem Fortschritt und Reformen und zur Durchsetzung der Demokratie uro der Menschenrechte sind.
Die Rolle

- 2 -

�Die Rolle des internationalen Gerichtshofs

Bei dem Konflikt in Mittelamerika handelt es sich somit nicht um einen eng eingrenzbaren Rechtsstreit, sondern um ein seiner Natur nach politisches Problem, das nicht juristisch zu lösen ist. Dieser Konflikt
laut sich nur mit politischen und diplomatischen Mitteln, aber nicht
durch ein Rechtsverfahren beilegen. Es war nie die Aufgabe des internationalen Gerichtshofs, Fragen der kollektiven Sicherheit und Selbstverteidigung zu lösen; der Gerichtshof ist für eine solche Funktion vollkommen ungeeignet. Anders als im Falle nationaler Gerichtshöfe reicht die
Zuständigkeit des Internationalen Gerichtshofs nur so weit, wie die Nationalstaaten sie akzeptieren. Als die Vereinigten Staaten im Jahre 1946
die verbindliche Rechtsprechung durch den Gerichtshof anerkannten, haben
sie sich mit Gewißheit nicht vorgestellt, daß er bei Streitigkeiten wie
denen, um die es hier geht, eine solche Rolle übernehmen könnte. Die von
Nicaragua gegen die Vereinigten Staaten erhobene Klage, an die absurde
Entschädigungsforderungen in Höhe von Hunderten von Millionen von Dollar
geknüpft sind, stellt einen flagranten Mißbrauch des Gerichtshofs für politische und propagandistische Zwecke dar.

Die Vereinigten Staaten zählen zu denen, die am nachdrücklichsten für
den Internationalen Gerichtshof eingetreten sind, und sie sind einer der
nur 44 von insgesamt 159 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen, die seine verbindliche Rechtsprechung übernaupt akzeptiert haben. Darüberhinaus
haben die weitaus meisten dieser 44 Staaten die Rechtsprechung durch den
Gerichtshof nur mit Vorbehalten akzeptiert, die die Tragweite dieses Einverständnisses ganz erheblich begrenzen. Großbritannien und die Vereinigten Staaten sind die einzigen ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats, die die Rechtsprechung durch den Gerichtshof akzeptiert haben. Und
von den 16 Richtern, die nun den Anspruch erheben, in diesem Fall über
die Vereinigten Staaten zu Gericht zu sitzen, stammen elf aus Ländern,
die die verbindliche Rechtsprechung durch den Gerichtshof nicht akzeptieren.

Nur wenige Staaten der Vtelt - wenn überhaupt irgendwelche - wären vor
Gericht erschienen, wenn sie, wie im vorliegenden Fall, der Auffassung
- 3 -

�der Auffassung gewesen wären, dai3 man sie zu Unrecht dorthin zitiert habe. Aus traditionaller Achtung vor der Rechtsstaatlichkeit haben die Vereinigten Staaten dennoch bis heute in vollem Umfang an dem oei dem Gerichtshof anliegenden Verfahren mitgewirkt, um ihren Standpunkt darzulegen, daß dieser Fall nicht unter die Rechtsprechung und Zuständigkeit des
Gerichtshof fällt.
Die Entscheidung vom 26. November 1984

Am 26. November 19ö4 entschied der Gerichtshof ungeachtet der Fülle
des ihm vorliegenden Faktenmaterials, daü die Ansprüche Nicaraguas in
seine Zuständigkeit fielen und daß eine regelrechte Einvernahme bezüglich
der Stichhaltigkeit dieser Behauptungen einzuleiten sei.

Diese Entscheidung ist juristisch gesehen irrig und beruht auf einer
Mißdeutung und Verzerrung des Faktenmaterials und der bisherigen juristischen Praxis:
- Der Gerichtshof befand es für angemessen, die unwiderlegbare Tatsache
außer acht zu lassen, daß Nicaragua selbst die verbindliche Rechtsprechung durch den Gerichtshof niemals akzeptiert hat. Indem der Gerichtshof Nicaragua gestattet hat, Klage zu erheben, wo es selbst
nicht verklagt werden kann, hat er sein ürundprinzip der Beiderseitigkeit verletzt, auf dem notwendigerweise unsere eigene Zustimmung
zur verbindlichen Rechtsprechung durch den Gerichtshof beruht. Dieser
zentrale Aspekt der Entscheidung vom 26. November 1984 - die mit 11
gegen b Stimmen gefällt wurde - veranlaßte die Richter, die das Minderheitsvotum abgegeben hatten, dazu, das Urteil als "unhaltbar" und
"befremdlich", den Standpunkt der Vereinigten Staaten aber als "über
alle Zweifel erhaben" zu bezeichnen. Wir stimmen dem zu.

- El Salvador versuchte, bei aem Rechtsstreit aufzutreten, um seine
Auffassung darzulegen, daß der Gerichtshof nicht das geeignete Forum
für eine Auseinandersetzung über den Konflikt in Mittelamerika bilde.
El Salvador erklärte, daß es einem bewaffneten Angriff durch Nicaragua ausgesetzt sei und in Ausübung seines Rechtes auf Selbstverteidi- 4 -

�auf Selbstverteidigung die Vereinigten Staaten um Hilfe gebeten habe.
Der Gerichtshof wies das Ersuchen El Salvadors pauschal ab, ohne dies
zu begründen und ohne El Salvador auch nur anzuhören, womit er die
Rechte dieses Landes verletzte und seine eigenen Regeln mißachtete.

Die Entscheidung des Gerichtshofs bildet eine klare Abkehr von der
vorsichtigen Art und Weise, in der er in der Vergangenheit Fragen der
Rechtsprechung handhabte. Die hast, mit der der Gerichsnof in diesen
Fragen zu einem Urteil kam und die von mehreren der Richter, die abweichende Meinungen äußerten, vermerkt wurde, trägt weiter zu dem Lindruck
bei, daß der Gerichtshof entschlossen ist, in diesem Fall zu einer Entscheidung zugunsten Nicaraguas zu kommen.

Aus diesen Gründen sehen wir uns zu der Schlußfolgerung genötigt, daß
unsere weitere Mitwirkung in dieser Sacne nicht mehr zu rechtfertigen ist.
Außerdem ist ein Großteil des Beweismaterials, durch das sich belegen
ließe, daß Nicaragua seine Nachbarn angreift, nachrichtendienstlicher Art
und daher äußerst geheimhaltungsbedürftig. Wir werden die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten nicht aufs Spiel setzen, indem wir solches geheimhaltungsbedürftige Material öffentlich ausbreiten oder einem
Gerichtshof vorlegen, dem auch zwei Richter aus Ländern des Warschauer
Pakts angehören. Dieses Problem bestätigt nur die Tatsache, daß solche
Sachverhalte sich nicht

zur Behandlung

durch den internationalen Ge-

richtshof eignen.
Längerfristige Konsequenzen der Entscheidung des Gerichtshofs

Die Entscheidung des Gerichtshofs wirft eine grundsätzliche Souveränitätsfrage auf. Das Recht eines Staates zur Selbstverteidigung oder zur
Beteiligung an einer kollektiven Selbstverteidigung gegen einen Angriff
ist ein Souveränitätsrecht, das durch ein unangemessenes Verfahren vor
dem Internationalen Gerichtshof nicht in Frage gestellt werden kann.
Wir sind auch über die langfristigen Konsequenzen für den Gerichtshof
selbst zutiefst besorgt. Die Entscheidung vom 26. NovemDer 1984 stellt
- 5 -

�1984 stellt ein Hinausgreifen über die dem Gerichtsnof gesteckten Grenzen, eine Abkehr von seiner traditionellen juristischen Zurückhaltung und
einen gewagten Vorstoü in trügerische politische Gewässer dar. Wir haben
in den Vereinten Nationen während des letzten Jahrzehnts und darüber hinaus erlebt, wie internationale Organisationen immer stärker politisiert
wurden und sich dabei gegen die Interessen der westlichen Demokratien
wandten. Es wäre eine Tragödie, wenn auch der Internationale Gerichtshof
von diesen Trends angesteckt würde. Wir hoffen, dai3 es dazu nicht kommen
wird, weil eine Politisierung das Ende des Gerichtshofs als ernstzunenmende und geachtete Institution bedeuten würde. Eine solche Entwicklung
würde der Sache der Rechtsstaatlichkeit schmerzhaften Schaden zufügen.

Diese Konsequenzen zwingen uns, unser Einverständnis mit der verbindlichen Rechtsprechung durch den Gerichtshof, das wir im Jahre 1946 gegeben haben, zu klären. Wichtige Voraussetzungen, auf denen unser ursprüngliches Einverständnis beruhte, scheinen in bezug auf die besagte Art von
Fällen zweifelhaft geworden zu sein. Wir haben daher Schritte eingeleitet , um unser Einverständnis mit aer verbindlichen Rechtsprechung durch
den Gerichtshof zu klären und um explizit zu machen, wovon wir von Anfang
an ausgegangen sind, nämlich, daiö Fälle von der Art des vorliegenden sich
nicht zur Behandlung durch den Gerichtshof eignen.

Wir werden den Internationalen Gericntshof auch weiter unterstützen,
sofern er sich innerhalb seiner Kompetenzen bewegt, also z.B. dann, wenn
sich streitende Parteien dahingehend einigen, ihm klar umrissene Streitfragen vorzulegen. Ein Beispiel für eine solche Vorgehensweise bildet der
kürzliche Rechtsstreit, der von den Vereinigten Staaten und Kanada vor
einer fünfköpfigen Sonderkammer des Gerichtshofs mit dem Ziel der Festlegung der Grenzen der Hoheitsgewässer beider Länder im Gebiet des Golfes
von Maine geführt wurde. Da wir uns dem Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit
verpflichtet fühlen, müssen wir jedoch unterstreichen, dai der Kurs, den
der Gerichtshof möglicherweise eingeschlagen hat, nach unserer

festen

Überzeugung ihm selbst als Institution und der Sache des Völkerrechts
enorm schaden konnte.
(Ende der Erklärung des US-ALHenministeriums)

Gleichzeitig mit
- 6 -

�G l e i c h z e i t i g n i t der obigen Erklärung v e r ö f f e n t l i c h t e das US-Aißenministerium eine

Chronologie

des von Nicaragua

beim I n t e r n a t i o n a l e n Ge-

r i c h t s h o f gegen die Vereinigten Staaten angestrengten Verfahrens. Sie hat
folgenden Wortlaut:

6. April 1984
Die Vereinigten Staaten gaben dem Generalsekretär der Vereinten Nationen zur Kenntnis, daß sie ihr 1946 gegebenes Einverständnis mit der
verbindlichen Rechtsprechung durch den Internationalen Gerichtshof dahingehend abzuändern wünschten, daß davon für die Dauer von zwei Jahren
Streitigkeiten ausgeschlossen bleiben sollten, "die mit jedwedem mittelamerikanischen Staat bestehen, sich aus den Ereignissen in Mittelamerika
ergeben oder mit diesen Ereignissen in Zusammenhang stehen".
9. April 1984

Nicaragua reichte bei dem Gerichtshof ein Gesuch ein, in dem behauptet wurde, daß die Vereinigten Staaten unter Verletzung des Völkerrechts
gegen Nicaragua

gerichtete militärische

und

paramilitärische Aktionen

durchführten. Gleichzeitig beantragte Nicaragua, daß der Gerichtshof die
Vereinigten Staaten auf dem Wege einer einstweiligen Verfügung veranlassen solle, diese angeblichen Aktionen bis zum Vorliegen einer richterlichen Entscheidung in der Sache zu unterlassen.

25. und 27. April 1984

Die Vereinigten Staaten und Nicaragua trugen dem Gerichtshof mündlich
ihre Standpunkte im Hinblick auf den Antrag Nicaraguas auf Erlaß einer
einstweiligen Verfügung vor.

10. Mai 1984

Der Gerichtshof erließ eine einstweilige Verfügung (die inhaltlich
jedoch erheblich von dem abwich, was Nicaragua beantragt hatte).

14. Mai
- 7 -

�14. Mai

Der Gerichtshof erlief eine Verfügung, durch die ein Verfahren zur
Feststellung seiner Zuständigkeit und der Zulässigkeit der Ansprüche Nicaraguas anberaumt wurde.

30. Juni 1984

Nicaragua machte eine Eingabe, in der es seinen Standpunkt im Hinblick auf die Fragen der Zuständigkeit und Zulässigkeit darlegte.

14. August 1984

El Salvador reichte eine Erklärung ein, mittels derer es versuchte,
aufgrund seines Rechts als mitbetroffene Partei zu den besagten Fragen
der Zuständigkeit und Zulässigkeit Gehör zu finden.

17. August

Die Vereinigten Staaten machten eine Gegeneingabe zu den Fragen der
Zuständigkeit und Zulässigkeit.
4. Oktober 1984

Der Gerichtshof erlied eine Verfügung, in der der Versuch El Salvadors, aufgrund seines Rechts als mitbetroffene Partei Gehör zu finden,
zurückgewiesen wurde. Der Gerichtshof lehnte es ab, El Salvador Gelegenheit zur Darlegung seiner Gründe zu geben.

8. - 10. und 15. - 18. Oktober 1984

Die Vereinigten Staaten und Nicaragua legten mündlich ihre Standpunkte in den Fragen der Zuständigkeit und der Zulässigkeit der Ansprüche Nicaraguas dar.
26. November

�26. November 1*84
Der Gerichtshof
Gesuch Nicaraguas

e r l i e f eine Verfügung, i n der er f e s t s t e l l t e , da3 das
in

seir 2 Zuständigkeit

Nicaraguas zulässig seien.

f a l l e und dai3 die

Ansprüche

�23. Januar 1985

SANDINISTISCHZ FÜHRUNG NICARAGUAS STREBT ERRICHTUNG
EINES MARXISTISCH-LENINISTISCHEN STAATES MN
- Veröffentlichung des Weißen Hauses -

Washington -(AD)-

Die

marxistisch-leninistische

Führung

Nicaraguas

t u t zwar i h r Möglichstes, um die Amerikaner und Europäer davon zu überzeugen, daß die
und f ü r

sandinistische

niemanden bedrohlich

Spitzenpolitiker

selbst

Revolution
sei,

enthüllen

aber
ihre

gemäßigt,

die

nichtkommunistisch

Worte der

tatsächlichen

sandinistischen
weltanschaulichen

Positionen und Z i e l e . Einer der beharrlichsten Mythen über den Sandinismus besagt, daß er zwar eine l i n k s g e r i c h t e t e , aber keine marxistische und
schon gar keine m a r x i s t i s c h - l e n i n i s t i s c h e Bewegung s e i . Dieser Mythos i s t
durch Studien i n Frage g e s t e l l t worden, i n aenen das Verhalten der Sanainisten

mit

dem

anderer

marxistisch-leninistischer

Staaten

verglichen

w i r d . Zahlreiche Erklärungen aus dem Munde der Sandinisten selbst

wiaer-

sprechen dem n i c h t m a r x i s t i s c h - l e n i n i s t i s c h e n Image, das s i e sich zu geben
versuchen. Eine vor e i n i g e r Z e i t erschienene Ausgabe des White House D i gest z i t i e r t Erklärungen sandinistischer S p i t z e n p o l i t i k e r

zum Marxismus-

Leninismus und zu i h r e r Revolution. Die V e r ö f f e n t l i c h u n g , die wir im f o l genden mit einigen geringfügigen Straffungen wiedergeben, hat

folgenden

Wortlaut:
. . . Man betrachte

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�... Man betrachte die folgende Erklärung des sandinistischen Verteidigungsministers Humberto Ortega:

"... Der Marxismus-Leninismus ist die wissenschaftliche Lehre, die
unsere Revolution leitet, das analytische Instrument, dessen sich unsere Vorhut bedient, um den geschichtlichen Prozeo zu verstehen und
die Revolution zu schaffen; ... ohne den Sandinismus können wir keine
Marxisten-Leninisten sein, und ein Sandinismus ohne Marxismus-Leninismus kann nicht revolutionär sein. Deshalb gehört beides unauflöslich zusammen, und deshalb liegt unsere moralische Stärke im Sandinismus und ist die Lehre, der wir folgen, der Marxismus-Leninismus." (1)

Auch Hugo Torre, Mitglied des ueneralstabs der Sandinistischen Volksarmee, pries die Rolle des Marxismus-Leninismus, indem er sagte:
"Die Grundsätze des Marxismus-Leninismus, mit Umsicht angewandt auf
unsere gesellschaftliche Wirklichkeit, führten die revolutionären Unternehmungen der fSLN, der Vorhut des nicaraguanischen Volkes, zum
Sieg über die Diktatur ... Lenin sagte, daß das Volk eine Vorhut
brauche, um zu siegen, und das nicaraguanische Volk siegte, weil es
die FSLN hatte." (2)

Victor Tirado, einer der neun marxistisch-leninistischen "Lommandantes", die den Kern der sandinistischen Führung bilden, äußerte sich sowohl zur Rolle des Marxismus als auch zur geplanten Vorherrschaft der
FSLN:

"Unser brillanter Führer Carlos Fonseca (der im Kampf fiel) lehrte
uns, die wirtschaftliche Struktur des Landes zu untersuchen, um einen
Einblick in die Eigenarten, die psychologische Verfassung und die Gefühle des Volkes zu bekommen und so zu Lösungen zu gelangen, die auf
den Realitäten beruhen; dies ist gleichbedeutend mit der Anwendung
des Marxismus auf unsere Wirklichkeit. Deshalb hat die FSLN einen Regierungsplan entworfen und sich auf eine Vorherrschaftsrolle innerhalb der Regierung vorbereitet ... Wie wir alle wissen, stand im Mit- 2 -

�im Mittelpunkt aller Bemühungen der bewaffnete Kampf, da dies die
Schlußfolgerung

war, die sich aus der marxistischen

Analyse er-

gab." (3)
Tomas Borge, der nicaraguanische Innenminister, und zwei seiner Kollegen traten im September 1983 mit einer Reihe von verblüffenden Eingeständnissen an die Öffentlichkeit, indem sie sich eines ungewöhnlichen
Mediums bedienten: Sie gaben dem Playboy ein umfangreiches Interview.
Borge sagte unter anderem:
"Ich sagte (meiner Mutter), daß icn mich durch ihre Gutnerzigkeit und
Naivität nicht erpressen lassen würde und daß ich Kommunist sei." (4)
Diese marxistiscn-leninistische Orientierung ist schon seit aer Gründung der sandinistischen Bewegung einer ihrer beherrschenden Wesenszüge.
Schon vor der Machtübernahme der FSUM, d.h., während sie noch versuchte,
ihr wahres Gesicht zu verbergen und sich als Teil einer breiten politischen Koalition darzustellen, trat das Moment des Marxismus-Leninismus
klar in Erscheinung. In einem sandinistischen Kommunique aus dem Jahre
1978 hieb es:

"Diese kernartige sandinistische Vorhut muß die Regierungsorgane in
die Hand bekommen und leiten ... Dieser Kern muß seine Verankerung in
der

wissenschaftlicnen

Lehre

des

Proletariats

finden,

d.h. , im

Marxismus-Leninismus, der eine verläßliche Richtschnur für die Umgestaltung der Gesellschaft bildet."

Sowohl Außenminister Miguel D'Escoto als auch Kultusminister Ernesto
Cardenal sind katholische Priester. Dennoch haben sich beide wohlwollend
über den Marxismus geäußert, über eine Philosophie also, die ihrem Wesen
nach atheistisch ist.

In einem Interview vom Mai 1980 bezeichnete D'Escoto den Marxismus
als "eine der größten Segnungen für die Kirche". (5) Lardenal sagte in
einem Interview, das er 1978 in Spanien gab: "Man kann sagen, daß mich
das Evangelium zum Marxisten gemacht hat. Der Marxismus bildet für die
- 3 -

�für die Welt die einzige Lösung."

Tomas Borge äußerte sich über den Zusammenhang zwischen dem Sandinismus und dem "wahren" Glauben wie folgt:
"Ich bin der aufricntigen Überzeugung, daü Christus von uns Sandinisten getreulicher geachtet wird als von den falschen Christen, den
Pharisäern und Verrätern an der Sache und am wahren Denken Jesu Christi." (6)

Der Versuch einer Verschmelzung von Marxismus und Christentum, ein
häufiges Motiv im sandinistischen Schrifttum, gipfelte in der Veröffentlichung eines "Sandinistischen Glaubensbekenntnisses", einer Parodie auf
das apostolische Glaubensbekenntnis, durch einen nicaraguanischen Professor in El Nuevo Diario, einer Zeitung, die zwar nicht regierungsamtlich,
aber doch sehr regierungsnah ist. In Auszügen lautet es wie folgt:

"Ich glaube an die sandinistische Volksrevolution und an die weise
politisch-militärische Leitung

durch unsere nationalen Führer der

FSLN, die um das Wohlergehen der Massen in Nicaragua bemüht sind,
welche einstmals ausgebeutet und vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen waren und heute für den Frieden in Mittelamerika kämpfen."
"Ich glaube an die Lehre und den Kampf von Marx, Engels, Lenin und
Che, der groben Lehrer und Führer der werktätigen Klasse. Ihre Lenre
bildet die produktive, bewegende Kraft des Klassenkampfes, der die
ausbeuterische, antichristliche und unmenschliche Klasse auf immer
vernichten wird."
"Ich glaube an den Aufbau einer sozialistischen, marxistischen und
leninistischen Gesellschaft. Ich glaube an die Unsterblichkeit und
Verehrungswürdigkeit unserer Helden und Märtyrer. Ich glaube an die
Macht des Volkes, die in den Händen der Arbeiter und Campesinos
liegt,

und daran, daü sie bis ans Ende der Zeit bestehen wird.

Amen." (7)

Verteidiger des Sandinismus versuchen nicht nur, den marxistisch-leninistischen Charakter des Regimes in Abrede zu stellen, sondern auch

�sondern auch glauben zu machen, daß es keineswegs dem Terrorismus in anderen Staaten Vorschub leiste und daß die massive Aufrüstung seit 1979
eine Reaktion auf den Druck und die feindselige Haltung der Vereinigten
Staaten sei.
Diese Theorie läßt unberücksichtigt, daß die Aufrüstung begann, während die Hilfsgelder der Vereinigten Staaten noch flössen, fast 120 Millionen Dollar von Mitte 1979 bis Anfang 1981. Ferner läßt diese Theorie
die Tatsache außer acht, daß im Frühjahr 1980 in der atlantischen Küstenregion mehr als 5 üOO Menschen durch Personal aus den Vereinigten Staaten
medizinisch behandelt wurden.

Noch wichtiger ist, dau man sich, wenn man argumentiert, dab der Sandinismus nicht expansionistisch sei, in Widerspruch zu Erklärungen setzt,
die die Sandinisten selbst aogegeben haben. Ungeachtet konkreter Beweise
für die sandinistische Unterstützung von Terroristen in Nachbarländern
hat die sandinistische Führung häufig Gestritten, daü sie ihre Revolution
exportiere. Die folgenden Erklärungen dokumentieren jedoch die Zielstrebigkeit, mit der die Sandinisten Untergrundkämpfer in anderen Staaten unterstützen.

In einer Rede, die Tomas Borge anläßlich des zweiten Jahrestages des
Sieges der Sandinisten in Managua hielt, bestritt er zwar, daß die Revolution exportiert werde, sagte aber auch:

"Diese Revolution geht über unsere Grenzen hinaus. Unsere Revolution
war immer internationalistisch, schon von der Zeit an, als Sandino in
La Segovia kämpfte."

Borge rühmte die Beteiligung von Ausländern am Sieg der Sandinisten
und brachte in der gleichen Rede an späterer Stelle seine moralische Unterstützung für "revolutionäre" Bewegungen in anderen Teilen Mittelamerikas zum Ausdruck.
In einem Artikel im New York Magazine vom 12. September 198.&gt; zitierte
Michael Kramer zwei prominente Sandinisten wie folgt:
Bayardo Mrce:

�Bayardo Arce: "Wir werden niemals von der Unterstützung unserer Brüder in El Salvador ablassen."
Humberto Ortega: "Wir schämen uns natürlich keineswegs dafür, daß wir
El Salvador helfen. Wir möchten allen Revolutionen helfen."

Schon im Mai 198U, d.h., lange, bevor die amerikanische Regierung ihre Hilfe für das sandinistische Regime einstellte, vernahm man aus berufenem Munde, nämlich von Außenminister D'Escoto, folgendes:

"Es mag sein, daß Sie (die Vereinigten Staaten) uns als fünf verschiedene Staaten betrachten bzw. als sechs Staaten, wenn man Panama
mitzählt, aber wir selbst sehen uns lediglich als die sechs verschiedenen Länder einer einzigen Nation, die sich im Prozeß der Wiedervereinigung befindet." (8)

Noch expliziter als D'Escoto äußerte sich zu diesem Aspekt Tomas Borge, der mit der Bemerkung zitiert wurde, daß "Costa Rica das Dessert"
sei, (9) womit er zweifellos sagen wollte, daß der Fall dieses unbewaffneten demokratischen Landes den Höhepunkt der von D'Escoto angeführten
"Wiedervereinigung" bilden werde.

Borge sagte im Juni 19ÖU in Nordkorea, daß "die nicaraguanischen Revolutionäre sich nicht zufriedengeben werden, bis die Imperialisten
in allen Teilen der Welt gestürzt worden sind. ... Wir stehen auf der
Seite der Kräfte des Friedens und Fortschritts, d.h., auf der Seite
der sozialistischen Länder."
Vor noch kürzerer Zeit wurde Borge während des Interviews für den
Playboy gebeten, zu der Äußerung Stellung zu nehmen, daß die Revolution
nach ihrem Triumph in Nicaragua "nach El Salvador, dann nach Guatemala,
dann nach Honduras, dann nach Mexico exportiert werden wird". Borge erwiderte: "Das ist ausnahmsweise

eine

historische Prophezeiung

Ronald

Reagans, die absolut richtig ist." (10)
Die Sandinisten hielten zwar am 4. November 1984 Wahlen ab, schränk- 6 -

�ab, schränkten die dem nicaraguanischen Volk gebotenen politischen Alternativen aber offenkundig ein.
Bereits 1981 gab HumDerto Ortega zu verstehen, welche Art von Wahlen
den Sandinisten vorschwebten: "Vergeßt auf keinen Fall, daß diese Wahlen
die

Macht

der Revolution festigen, aber nicht aufs Spiel setzen sol-

len." (11) Im Jahre 1983 wiederholte er diese Auffassung, als er sagte,
daß das nicaraguanische Volk bereits bei der Revolution seine Stimme abgegeben und die FSLN gewählt habe.
Sergio Ramirez, ein Mitglied der dreiköpfigen Koordinierungsjunta,
hatte zu den Wahlen folgendes zu sagen:
"Das nicaraguanische Volk wird nur einen Kandidaten zu wählen und nur
für einen Kandidaten seine Stimme abzugeben haben. Dieser Kandidat
ist die Revolution. Dies ist sehr wichtig." Später fügte er hinzu:
"Es geht darum, welche Parteien die verantwortungsbewußtesten Programme haben und welche dem Volk wirklich garantieren können, daß sie
den revolutionären Fortschritt weiter vorantreiben werden." (1^)

Anmerkungen
1

Rede vor sandinistischen Militärs, zitiert von Branko Lazitch in Est
et Ouest (Paris), 25. August 1981

2 Managua Inlandsdienst, 23. April 1982
3

Radio Sandino , Managua, 26. Februar 1983

4

Playboy, September 1983, S. 60

5

"Nicaragua
S. 141 *

6

Bericht der nicaraguanischen Regierung an den Menschenrechtsausschuß
der Vereinten Nationen 1983, S. 107, Abschnitt 525

7

Dionisio Herrera y Lanales, El Nuevo üiario, 7. Januar 1983 (Der Artikel erschien auf der Kommentarseite)

8

"Nicaragua and the World", a.a.O.

and

the Wbrld", Christianity and Lrisis, 12. Mai 1980,

9 Hubert Matos,

- 7 -

�9

Hubert Matos, "Borge's Hunger for a Costa Rican 'Dessert'", Wall
Street Journal, 2. Dezember 1983

10 Playboy, a.a.O., S. 192
11 Henri Weber, Nicaragua: the Sandinist Revolution, London : Verso tditions 1981, S. 118
12 Managua Inlandsdienst, 14. Januar 1984

* * * * *

- 8-

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23. Januar 1985

DIENSTLEISTUNGEN UND VERFAHRENSTECHNIKEN IM WILTRAUM
- Branchen mit großen Wachstumschancen -

-

(AD) - Fernmeldesatelliten

marktfähig gemacht.

haben Dienstleistungen

im

Weltraum

Im Juli 1962 wurde der erste kommerzielle Nachrich-

tensatellit der Welt - TELSAT - gestartet.

Bis Mitte Januar 1985 beför-

derte das amerikanische Amt für Luft- und Raumfahrt (NASM) 111 solcher
"Relaisstationen am Himmel" für in- und ausländische Auftraggeber.

Die

rasante Entwicklung der Elektronik führte zu einer damals kaum vorstellbaren Steigerung der Leistungsfähigkeit

von Fernmeldesatelliten.

Aber

ebenso ermöglichten die technischen Verbesserungen bei Trägerraketen und
Antriebsaggregaten sowie neue Starttechniken (z.B. Absetzen von Bord eines Raumtransporters) die Stationierung immer größerer und rentablerer
Geräte auf der günstigsten Erdumlaufbahn - nämlich über dem Äquator in
knapp 36 000 km Höhe. Da dort die Umlaufgeschwindigkeit eines Satelliten
der Geschwindigkeit der Erddrehung an der Oberfläche entspricht, scheint
er still zu stehen und ist, von der Erde aus gesehen, über Kontinente und
Meere hinweg ständig erreichbar.

Heutzutage

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

zählen

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Heutzutage zählen Fernmeldesatelliten zu den Branchen mit den höchsten Wachstumsraten, erklärte kürzlich NASA-Administrator James Beggs.
Der jährliche Umsatz werde derzeit auf drei Milliarden Dollar geschätzt.
Beggs und zahlreiche andere führende Repräsentanten von Organisationen
und Firmen, die in der Raumfahrt engagiert sind, erörterten auf der Tagung "Internationale Wirtschaftsaktivität im Weltraum" (9.

- 11. Januar

1985) in Washington den gegenwärtigen Stand und die Aussichten für Weltraummärkte.

Dienstleistungen und Fabrikation könnten, so meinen die Ex-

perten, schon in 15 Jahren mehrere hundert Milliarden Dollar wert sein.
Wissenschaftler, Ingenieure, zahlreiche Vertreter von Wirtschaft und Industrie sowie Politiker meldeten sich auf der ersten Konferenz dieser Art
zu Wort.

William Bishop vom amerikanischen Amt für Meere und Atmosphäre (NUAA)
prophezeite weltweit den Start von etwa 300 kommerziellen Nachrichtensatelliten in den nächsten zehn Jahren.

Der Anteil der Vereinigten Staaten

an diesem Weltmarkt dürfte bei 70 Prozent liegen.

Bishop verwies darauf,

da3 die amerikanische Regierung erst vor kurzem das für zivile Aufgaben
eingesetzte Fernerkundungssystem LANDSAT der Privatwirtschaft übertragen
habe.

Künftig werden sich die Firmen Hughes Aircraft Company und die RLA

Corporation um Bau und Start weiterer LANDSAT-Geräte kümmern.

Die durch

sie gewonnenen Daten werden weltweit an Interessenten gegen entsprechende
Gebühren abgegeben und verteilt. Mit Hilfe dieser Satelliten, die in 700
km Höhe um die Erde kreisen, können geologisch wichtige Gebiete karto- \
graphiert, Waldbestände erfa3t und klassifiziert, landwirtschaftliche Anbauflächen überwacht, Wasservorräte günstiger eingesetzt, demographische
Studien und Bodennutzungsanalysen durchgeführt werden.

Ein Sprecher der Firma Lockheed (Kalifornien) unterstrich, daü die
Revolution im Kommunikationswesen dazu führe, gesprochene, geschriebene
und über Funk weitergegebene Informationen immer mehr in digitaler Form
zu übermitteln.

So erhielten auch "Nachrichtensatelliten, die jetzt von

einem guten Dutzend Firmen in mehreren Ländern gebaut werden,...

den

Charakter von Datenverarbeitungszentren hoch über der Erde und stehen
zahllosen Anwendern in den einzelnen Ländern und auf ganz verschiedenen
- 2 -

�ganz verschiedenen Spezialgebieten zur Verfügung."

Jeffrey

Rosendahl

(NASA) bewertet die Möglichkeit

internationaler

Zusammenarbeit in der Grundlagenforschung als besonders aussichtsreich.
"Es fragt sich wirklich", sagte er, "ob es sich ein einzelnes Land angesichts der enormen Kosten überhaupt leisten kann, eigene, sehr umfangreiche Weltraumprojekte weiterzuführen".

In den kommenden zehn Jahren

werden die Flüge des amerikanischen Raumtransporters zu einem Drittel
wissenschaftlichen Projekten der Vereinigten Staaten, Japans und der europäischen Weltraumorganisation ESA gewidmet sein.

Ein weiteres Drittel

sind kommerzielle Flüge, finanziert von zahlenden Kunden in aller Welt.

Im April 1985 ist der zweite, im Juni der dritte Einsatz des in der
Bundesrepublik Deutschland
Raumtransporter geplant.

gebauten

Weltraumlabors SPACELAB

mit einem

Die vierte SPACELAB-Mission im Oktober 198i&gt;,die

unter deutscher Leitung steht und eine Vielzahl von Experimenten deutscher, europäischer und amerikanischer Wissenschaftler vorsieht, wird von
Regierung, Forschungsorganisationen und Industrie der Bundesrepublik finanziert.

Eine Reihe der Experimente sind weitere Vorbereitungen für künftige
Fabrikationsprojekte

im

Weltraum.

Die

amerikanische

Firma

McDonnell

Douglas begann bereits beim dritten CCLUMBIA-Flug im März 1982 mit Versuchen zur Trennung biologischer Substanzen mittels Elektrophorese - ein
Verfahren, das zwar schon seit geraumer Zeit angewendet wird, dessen
Nutzeffekt auf der Erde jedoch in vielen Fällen zu gering ist. Der nahezu völlig schwerelose Zustand in der Erdumlaufbahn schafft die Voraussetzungen, unter denen bestimmte Prozesse wesentlich besser,
ausschließlich im Weltraum durchführbar sind.

einige sogar

Das trifft z. B. zu, wenn

man bestimmte Moleküle aus größeren Molekülverbänden biologischer Stoffe
herauslösen, geschmolzene Metalle ganz unterschiedlichen spezifischen Gewichts mischen und legieren, gleichgroße Einheiten eines Materials (z.B.
Kügelchen aus Latex, Trägersubstanz für Medikamente) oder ideal ausgebildete Kristalle besonderer Reinheit erzeugen will.

Beim
- 3 -

DISLOVERY-Flug

�Beim DISCOVERY-Flug im November 1984 schickte das amerikanische Unternehmen "3 M" Versuchsausrüstungen mit sechs chemischen Reaktoren zur
Kristallerzeugung aus Lösungen organischer Substanzen für acht Tage in
den Weltraum.

Chefwissenschaftler Christopher Podsiadly verwies darauf,

dad es sich dabei um völlig neuartige Experimente für die Grundlagenforschung gehandelt habe und die Auswertung der Ergebnisse wahrscheinlich
ein Jahr in Anspruch nehmen werde. Erst dann könne man sich über künftige Nutzungsmöglichkeiten und erforderliche Verfahrenstechniken äußern.

Unter Mikrogravitation erzeugte organische Kristalle könnten, wie ein
Sprecher des Unternehmens sagte, beispielsweise für die Faseroptik (zur
Übermittlung von Information auf optischem statt auf elektrischem Wege),
aber auch für die Entwicklung von Empfangs- und Schaltelementen am Einund Ausgang einer optischen Leitung Bedeutung erlangen. Man denke außerdem an die Verbesserung von Silizium-Chips durch solche Kritalle und an
die Möglichkeit, über gelenkte Kristallisationsprozesse sehr viel dünneres und gleichzeitig festeres Filmmaterial für Minikassetten herstellen
zu können. Mit der NASA verhandelt "3 M" derzeit über eine auf zehn Jahre angesetzte Vereinbarung über Kommerzialisierungsprogramme.

Hühepunkt

des Projekts wäre ein ständiges Laboratorium an Bord der für Anfang der
neunziger Jahre vorgesehenen Raumstation.

Diese soll mit sechs bis acht Mann ständig besetzt sein und über einige Jahrzehnte betriebsfähig bleiben. Zwei oder mehrere unbemannte, frei
fliegende Plattformen werden in das Projekt einbezogen.
Ländern sind an einer Beteiligung interessiert.

Eine Anzahl von

Die Regierung der Bun-

desrepublik Deutschland faöte bereits einen Kabinettsbeschluu,in dem sie
sich im Rahmen des ESA-Projekts COLUMBUS zur Mitwirkung bereit erklärte.

Internationale Forschungsprojekte mit Sonden

Als weitere Beispiel für Grundlagenforschung in internationalem Rahmen nannte Rosendahl die Mission AMPTE, an der neben den Vereinigten
Staaten, die

Bundesrepublik

Deutschland
- 4 -

und

Groüoritannien

beteiligt

�Großbritannien b e t e i l i g t s i n d . Sie dient u.a. der Erforschung des Sonnenwindes, d . h . der von der Sonne ständig abströmenden i o n i s i e r t e n Teilchen.
Vor allem i n t e r e s s i e r e n Wechselwirkungen mit der Magnetosphäre der Erde
sowie mit den S t r a h l u n g s g ü r t e l n , die i n bestimmten Bereichen

innerhalb

der Magnetosphäre die Erde umschließen.
E i n spektakuläres Experiment im Zusammenhang mit dem D r e i - S a t e l l i t e n Projekt AMPTe war Ende Dezember 1984 die Freisetzung einer Wolke von Bariumdampf aus dem deutschen S a t e l l i t e n i n ca. 116 0U0 km Abstand von der
Erde.

Das bedeutete, da3 sich die zunächst e l e k t r i s c h

n e u t r a l e n , aber

rasch i o n i s i e r t e n Bariumteilchen weit außerhalb des Einflußbereiches der
i r d i s c h e n Magnetosphäre und der sog. Schockwelle an i h r e r der Sonne zugekehrten Seite befanden.

Während sich die Wolke im i n t e r p l a n e t a r e n Raum

wie e i n Kometenschweif a u s b r e i t e t e , zeigten Farbveränderungen das F o r t s c h r i t t e n des Ionisationsprozesses unter der Einwirkung des "Gebläses",
nämlich der e l e k t r i s c h geladenen P a r t i k e l des Sonnenwindes an.

Da B a r i -

umdampf i n genau bekannter Menge f r e i g e s e t z t wurde, sind nunmehr an Hand
der Beobachtungen Berechnungen über Stärke und Teilchendichte des Sonnenwindes im f r e i e n Raum eher möglich.
A l s Gemeinschaftsprojekt

der NASA und der Europäischen Weltraumorya-

n i s a t i o n ESA werde, so Rosendahl, von Bord eines Raumtransporters ULYSSES
gestartet.

Drei Jahre später passiere diese Sonde den Planeten J u p i t e r .

ULYSSES wird übrigens der erste S a t e l l i t
überfliegt

s e i n , der die Pole der Sonne

und Meßdaten über den Sonnenwind, das solare Magnetfeld und

andere Bedingungen aus bisher nicht sondierten Regionen im i n t e r p l a n e t a ren Raum ü b e r m i t t e l n kann.

Bei einem weiteren "Space Shuttle"-Unternehmen im Jahr 19Ö6 wird das
große Weltraumteleskop abgesetzt - e i n "Observatorium" außerhalb der

für

Beobachtungen so störenden Erdatmosphäre, das Studien an sehr lichtschwachen und sehr weit e n t f e r n t e n Objekten im Universum zuläßt.
wichtigen Instrumente f ü r

das 1,2 M i l l i a r d e n - D o l l a r - P r o j e k t

päische Länder beigesteuert.
* * * * *
- 5 -

Einige der
haben euro-

�23. Januar 1985

GLAUKOM BEHANDLUNG MIT ULTRASCHALL
- Ermutigende Ergebnisse einer amerikanischen Studie -

- (AD) - U l t r a s c h a l l i n der Augenheilkunde, bisher f a s t nur zu d i a g nostischen Zwecken b e r u t z t , wird j e t z t
Glaukom ("Grüner S t a r " ) angewandt.

versuchsweise zur Behandlung von

Bei dieser Erkrankung i s t

der Augen-

innendruck i n f o l g e einer mehr oder minder starken Blockierung der A b f l u ü möglichkeiten f ü r F l ü s s g i k e i t e n im Augapfel erhöht.

Die Folge i s t

eine

Degeneration des Sehnervs, was zur Beeinträchtigung des Sehvermögens b i s
h i n zur Erblindung führen kann.

Die herkömmliche Behandlung e r f o l g t

mit

Medikamenten und o p e r a t i v .

Eine Gruppe von Wissenschaftlern der C o r n e l l - U n i v e r s i t ä t

(New York)

begann vor zwei Jahren eine Studie mit dem Z i e l , U l t r a s c h a l l zur Glaukomtherapie einzusetzen.
Universität)
kelt.

Die Methode wurde von Jackson Loleman ( L o r n e l l -

und Frederic

Lizzi

(Riverside

Research I n s t i t u t e )

entwik-

Einer Meldung der Z e i t s c h r i f t "Science News" zufolge (Vol lze&gt;, Nr.

14, 1984) b e r i c h t e t e Dr. Michael E. Yablonski ( C o r n e l l - U n i v e r s i t ä t )
die

bis j e t z t

vorliegenden Ergebnisse.

über

Demnach wurden inzwischen mehr

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: S-85432

�inzwischen mehr a l s

100 Glaukom-Patienten,

Dei denen die

herkömmliche

Therapie versagt h a t t e , mit U l t r a s c h a l l behandelt - , i n f a s t 80 Prozent
der F ä l l e mit E r f o l g .

Über die Langzeitwirkuny des Verfahrens könne a l -

l e r d i n g s noch nichts ausgesagt werden.
Die Behandlung e r f o l g t

nach I n j e k t i o n eines Lokalanästhetikums unter

Anwendung von Ultraschall-Impulsen von j e w e i l s

fünf Sekunden Dauer, die

auf fünf bis acht Punkte der Sklera (Lederhaut des Auges) g e r i c h t e t werden.

Damit der S c h a l l w e l l e n - S t r a h l einen Querschnitt von 0,3 mm b e h ä l t ,

wird er durch einen Tunnel g e l e i t e t . Die Scnallwellen schwächen die S k l e ra

im Wirkungsbereich.

Yablonski zufolge

wird der Augeninnendruck

auf

d r e i e r l e i Weise v e r r i n g e r t : Zum einen könne F l ü s s i g k e i t an den geschwächten S t e l l e n l e i c h t e r aussickern.

Auch wird die Absonderung mancher Z e l -

l e n , die F l ü s s i g k e i t e n i n s Augeninnere abgeben, r e d u z i e r t ;

und d r i t t e n s

werden die Blutgefäße im Auge veranlaßt, mehr F l ü s s i g k e i t aufzunehmen und
abzuleiten.

Die medikamentöse Anti-Glaukomoehandlung
beibehalten.

wurde

bei

allen

Patienten

I n 20 F ä l l e n aus der üruppe, bei der s i c h eine p o s i t i v e Re-

a k t i o n auf die U l t r a s c h a l l t h e r a p i e

z e i g t e , wurde diese wiederholt.

Je-

doch sind Yablonski zufolge noch keine Angaben darüber möglich, wie o f t
dies geschehen könne.

Auch b e i den a l s

Fherapie-Fehlschlag

gewerteten

F ä l l e n sei es zu einer Senkung des Augeninnendrucks gekommen - jedoch nur
f ü r kurze Z e i t .

A l s Nebenwirkungen wurden bei einigen Patienten l e i c h t e

Blutungen i n s Augeninnere, bei anderen eine gewisse Erweichung des Augapf e l s beobachtet.

Jedoch seien diese Erscheinungen binnem kurzem wieder

verschwunden gewesen.
Exemplare der an der C o r n e l l - U n i v e r s i t ä t entwickelten U l t r a s c h a l l - I n strumente wurden inzwischen an zwei weitere amerikanische Forschungsins t i t u t e zur Erprobung weitergegeben.

* * * * *

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              <text>Amerikadienst 23.01.1985</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan ernennt Verhandlungsteam für Genfer Abrüstungsverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten fordern Auskunft über das Schicksal Raol Wallenbergs &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärungen Präsident Reagans und Unterstaatssekretär Abrams&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten werfen Iinternationalem Gerichtshof Kompetenzüberschreitung vor &lt;br /&gt;-&lt;em&gt;Erklärung des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sandinistische Führung Nicaraguas strebt Errichtung eines marxistisch-leninistischen Staates an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Veröffentlichung des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dienstleistungen und Verfahrenstechniken im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Branchen mit großen Wachstumschancen&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Glaukombehandlung mit Ultraschall &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ermutigende Ergebnisse einer amrikanischen Studie -&lt;/em&gt;</text>
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