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                  <text>nroimcition
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

Jy. Januar 1985

I N H A L T

DOKUMENTATIUN
USA und UdSSR kündigen neue Aürüstunysverhandlungen an
- Genfer E r k l ä r u n g von A u ß e n m i n i s t e r S h u l t z -

HINTE RG RUNÜMA TL" R1AL
Die Strategische

Verteidigungsinitiative

- F a k t e n und H i n t e r g r ü n d e

"Freiheit für Anatolij

-

Schtscharanskij1."

- M i t g l i e d e r des Repräsentantenhauses a p p e l l i e r e n an d i e Sowjets

WISSENSCHAFT UND TLCHNIK
Raumfähre D1SLLVERY im A u f t r a g des U S - V e r t e i d i g u n g s m i n i s t e r i u m s
- S t a r t f ü r 2 3 . Januar 1985 vorgesehen -

E n r i c o F e r m i - P r e i s 1984
- Robert Wilson und Georges Vendryes ausgezeichnet

Um Über/endung von
ßckgcKcmplorcn
wird gebeten

-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�y . Ja m a r

1*85

USA UND UDSSR KÜNDIGEN NEUE ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN AN
- Genfer E r k l ä r u n g von A u ß e n m i n i s t e r S h u l t z

GENF -

-

(AD) - Nach Beendigung der z w e i t ä g i g e n Gespräche zwischen dem

amerikanischen A u ß e n m i n i s t e r George S h u l t z

und seinem s o w j e t i s c h e n Amts-

kollegen Andrei

Januar

Presse d i e

Gromyko

gab S h u l t z

folgende Erklärung

am 8.

ab, die

zugleich

198b

die

in

Genf

vor

gemeinsame

der

amerika-

nisch-sowjetische Erklärung e n t h ä l t :

tortlaut

der gemeinsamen a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e n E r k l ä r u n g :

Entsprechend e i n e r

früheren

Vereinbarung

wurde am 7.

und

1985 i n Genf zwischen George P. S h u l t z , dem ameriKanischen
und A n d r e i A.

Gromyko, dem M i t g l i e d

der KPdSU, dem E r s t e n S t e l l v e r t r e t e r

des P o l i t b ü r o s

des

des V o r s i t z e n d e n

8.

Januar

Außenminister,
Zentralkomitees

des

Ministerrates

d e r UdSSR und A u ß e n m i n i s t e r d e r UdSSR e i n T r e f f e n a b g e h a l t e n .

Im V e r l a u f des T r e f f e n s

besprachen s i e Thema und Z i e l e der

henden a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e n

Verhandlungen über

Kern-

und

bevorsteWeltraum-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�und Weltraumwaffen. Beide Seiten stimmten überein, daio das Thema der Verhandlungen ein Fragenkomplex sein wird, der die Weltraum- und Kernwaffen
sowohl strategischer als auch mittlerer Reichweite betreffen wird, und
zwar mit all den Fragen, die in bezug auf deren wechselseitiges Verhältnis in Erwägung gezogen una gelöst werden müssen.

Das Ziel der Verhandlungen wird es sein, wirksame Abkommen auszuarbeiten, die darauf zielen, ein Kettrüsten im Weltraum zu verhindern und
es auf der Erde selbst zu beenden und zugleich die Kernwaffen zu begrenzen und zu verringern sowie die strategische Stabilität zu stärken.

Die Verhandlungen werden auf jeder Seite von einer in drei Gruppen
unterteilten Delegation geführt werden.

Beide Seiten sind der Überzeu-

gung , daf3 die anstehenden Verhandlungen letztlich, wie auch die Bemühungen allgemeiner Art zur Begrenzung und Verringerung von Waffen, zu der
vollständigen Beseitigung der Kernwaffen allerorts führen sollten.

Der Zeitpunkt des Beginns der neuen Verhandlungen und der Ort dieser
Verhandlungen werden innerhalb eines Monats auf dem Wege diplomatischer
Kanäle festgelegt.

(Ende der gemeinsamen Erklärung)

* * *

Wbrtlaut der Erklärung von Auf3enminister Shultz

Obgleich die Erklärung für sich selbst spricht, würde ich gerne meine
eigene Ansicht zu dem mitteilen, was während dieses zweitägigen Treffens
erreicht worden ist.

Aus unserer Sicht stellen diese Ireffen einen wichtigen Anfang dar.
- 2 -

�Anfang dar.

Wir können nicht sicher sein, wohin diese Verhandlungen füh-

ren werden, und es ist offenkundig, daß ein weiter Weg vor uns liegt.
Noch immer gibt es viele schwere und komplizierte Fragen zu lösen.

Wir sind jedoch hier in Genf hinsichtlich der Ziele für neue Verhanalungen über Kern- und Weltraumwaffen übereingekommen.

Wir sind auch da-

hingehend übereingekommen, dab diese Verhandlungen von jeder Seite durch
jeweils eine in drei Grupper, unterteilte Delegation geführt werden.

Wir kamen mit großen Hoffnungen, aber realistischen Erwartungen nach
Genf.

Unser vorangegangener Gedankenaustausch hat bestätigt, daß wir ye-

nereil darin übereinstimmen, daß die Probleme der Kern- und Weltraumwaffen miteinander in Beziehung stehen und daß ueide Seiten die Priorität
darin sehen, radikale Verringerungen bei den Kernwaffen als einen ersten
Schritt in Richtung auf ihre vollständige Beseitigung zu erzielen.

Wir wußten aber zugleich, daß Meinungsverschiedenheiten dahingehend
bestehen, auf welche Weise wir diese Ziele erreichen.

Die Tatsache, daß

wir in der Lage waren, heute ein Einverständnis über neue Verhandlungen
zu erreichen, läßt, wie wir hoffen, ein gemeinsames Interesse uaran erkennen, bei dem notwendigen Geben und Nehmen voranzukommen, aas notwendig
ist, um ein Aükommen zu erreichen, das dem Anlieyen beider Seiten gerecht
wird.

Ein wichtiges Element meiner Darlegungen gegenüber Herrn Gromyko betraf unsere Sicht der Natur unserer strategischen Beziehungen und unserer
Ziele für die Zukunft.

Ich erklärte, dau wir kurzfristig neben dem Bemühen um radikale Verringerungen der Kernwaffen der Erosion des ABM-Vertrags Einhalt gebieten
sollten, die sich im Verlauf der vergangenen zehn Jahre bemerkoar gemacht
hat.

In bezuy auf die Frage

der Strategischen

Verteiaigungsimtiative

(SDI) erklärte ich Herrn Gromyko, daß die SD1 ein Forschungsprogramm dar- 3 -

�Forschungsprogramm darstellt, die das Ziel hat, festzustellen, ob es möglich sei, zu einer stabileren Beziehung zu gelangen, zu der eine stärkere
Akzentuierung der Defensivsysteme gehören würae.

Ich stellte fest, daß

sie in vollem Einklang mit dem ABM-Vertrag steht und dalo keinerlei Entscheidungen gefallen seien, über die Forschung hinauszugenen und daß dererlei Entscheidungen auch mehrere Jahre lang

nicht getroffen werden

könnten.

Während die Fragen, die die SOI aufwirft, die Zukunft oetreffen, erklärte ich Herrn Gromyko, daß wir jetzt dennoch bereit seien, die Frage
der strategischen Verteidigung zu diskutieren.

Unsere Ansichten gehen in

dieser Fragen auseinander, wir haben uns jedoch auf ein Forum geeinigt,
um diese Fragen frontal mit dem Ziel anzugehen, Verringerungen bei den
Kernwaffen anzustreben und die strategische Stabilität zu stärken.

Zusätzlich zu einer Gruppe, in der wir beabsichtigen, sowohl auf der
Erde als auch im Weltraum stationierte oder zielgerichtete Weltraumwaffen
zu behandeln, sind wir mit den Sowjets übereingekommen, zwei weitere neue
Verhandlungsgruppen einzurichten, um Begrenzungen und Verringerungen bei
den strategischen Kernwaffen und den nuklearen Mittelstreckensystemen zu
besprechen.

Ich erklärte Herrn Gromyko, daß wir neue Ideen erarbeitet

haben, um alle diese Bereiche zu untersuchen und daß wir uns eine gleichermaßen konstruktive Haltung seitens der Sowjetunion wünschen.

Herr Gromyko und ich sind der Meinung, daß unser Austausch offen,
sachlich und nützlich war.

Wir beschäftigen uns mit dem Problem der

schwierigsten Fragen zwischen unseren beiden Ländern.

Es ist dies eine

Herausforderung, die unserer größten Anstrengungen würdig ist.

Beide Seiten werden diesem Meinungsaustausch sorgfältige Überleguny
angedeihen lassen und werden auch während der Vorbereitung der neuen Verhandlungen über Kontakte und diplomatische Kanäle in Verbindung bleiben.

Der Erfolg unseres Treffens hier wurde zu einem nicht geringen Teil
möglich durch den Rat und die Unterstützung der hervorragenden Delegati- 4 -

�hervorragenden Delegation, die mich hierher begleitet hat.

Hier hoif

wirklich jeder und leistete seine Beiträge, wobei ich besonders dem nationalen Siehe) u.ltsberater Robert McFarlane danken möchte.

Mitglieder unserer Delgation werden unsere Verbündeten und Freunde
innerhalb der nächsten Tage informieren und wir werden natürlich dem Kongreß eine sorgfältige Dokumentation vorlegen.

Ich werde dem Präsidenten

morgen persönlich über die Ergebnisse dieses Treffens berichten, wie ich
dies per Telefon schon heute nacht kurz getan habe.

Ich weiß, daß es seine Absicht ist, diese Verhandlungen mit Ausdauer
und Entschlossenheit zu verfolgen.

******

- b-

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

y. Januar l*ö!&gt;

DIE STRATEGISCHE VERTE^DIGUNGSlNxTIATIVE
- Fakten und Hintergründe -

Washington -(AD)- Anläßlich der Genfer Gespräche der Außenminister
Shultz und Gromyko am 7. und 8. Januar 198:? über Fragen der Rüstungskontrolle veröffentlichte die amerikanische Regierung am 3. Januar ein
Informationspapier

über die sogenannte

"Strategie Defense

initiative"

(SDI) , die Initiative der Vereinigten Staaten zur Entwicklung einer strategischen Verteidigung. Diese Veröffentlichung hat folgenden Wortlaut:

Vorwort des Präsidenten

Seit der Entwicklung der Atomwaffen ist jeder Präsident bestrebt gewesen, die Gefahr einer atomaren Vernichtung nach Möglichkeit zu verringern, und zwar einerseits durch die Aufrechterhaltung von Streitkräften,
die eine wirksame Abschreckung gegen Aggression ausüben können, andererseits aber auch durch den Versuch, ergänzend hierzu abkommen über Rüstungskontrolle abzuschließen. Dieser Weg hat sich als gangbar erwiesen.
Uns und unseren Verbündeten ist es gelungen, einen Atomkrieg nun schon
fast 40 Jahre lang zu verhüten und dabei gleichzeitig die Sicherheit des

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Sicherheit des Westens zu wahren.

Ursprünglich beruhte unsere Abschreckungsstrategie auf einem ausgewogenen Konzept von Offensiv- und Defensivstreitkräften. Während der letzten zu Jahre haben die Vereinigten Staaten jedoch die Bemühungen um die
Entwicklung und Einführung von Verteidigungsmitteln gegen Kernwaffen nahezu aufgegeben und sich stattdessen fast ausschließlich auf aie Drohung
mit nuklearer Vergeltung verlassen. Wir akzeptierten die Vorstellung, daß
eine stabile und dauerhafte Abschreckung dann gewährleistet sei, wenn sowohl wir als auch die Sowjetunion einen Erstschlag einstecken und danach
immer noch mit vernichtender Kraft Vergeltung üben könnten. Dies ziemlich
neuartige Konzept erschien seinerzeit aus zwei Gründen als einleuchtend:
Erstens erklärten die Sowjets, daß sie glaubten, daß ueide Seiten ungefähr gleich starke Streitkräfte besitzen sollten und daß keine Seite versuchen dürfe, dieses Gleichgewicht zu verändern, um einseitige Vorteile
zu gewinnen. Zweitens schien es keine Alternative zu geben. Nach dem damaligen Stand der Technik waren wirksame Defensivsysteme nicht möglich.

Heute werden diese beiden Grundannahmen Zusehens fragwürdig. Das Tempo der sowjetischen Aufrüstung Dei den Offensiv- wie bei den Defensivwaffen hat das Gleichgewicht in den Bereichen, die in Krisenzeiten am wichtigsten sind, ins Wanken gebracht. Darüberhinaus stenen heute moderne
Technologien zur Verfügung, die eine tatsächlich wirksame nichtnukleare
Verteidigung möglich machen könnten.

Aus ciesen Gründen und wegen aer schrecklichen Zerstörungskraft nuklearer Waffen müssen wir nach anderen Mitteln der Kriegsverhütung Ausschau halten. Dies ist militärisch wie auch moralisch geboten. Es muu
einfach einen besseren Weg zur Stärkung von Frieden und Stabilität geben,
einen Weg fort von einer Zukunft, in der man sich in einem derart starken
Maße auf die Moolichkeit sofortiger und massiver nuklearer Vergeltung
stützen muß, und hin zu einem Konzept, das stärker auf Defensivsystemen
beruht, die niemanden bedrohen.

Am 23. März 1983 gab ich meine Entscheidung bekannt, einen wichtigen
ersten Schritt in Richtung auf dieses Ziel zu tun. Zu diesem Zweck ordne- l

�Zweck ordnete

ich

die tinleitung

schungsprogramms, die

strategische

eines umfassenden, intensiven f-orVerteidigungsinitiative, an. Dieses

Programm soll die Bedrohung durch Nuklearwaffen tragende ballistische Raketen schließlich beseitigen.
Bei der strategischen Verteidigungsinitiative (.SD1) handelt es sich
um ein nachdrückliches Forschungsprogramm, in dessen Mittelpunkt modernste Defensivtechnologien stehen und dessen Ziel darin besteht, Mittel und
Wege zu finden, wie man die Abschreckung gegen Angriffskriege auf eine
bessere Grundlage stellen, die Stabilität stärken und die Sicherheit der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten erhö'nen

könnte. Durch dieses

Forschungsprogramm wird einem künftigen Hrasidenten una einem künftigen
Kongreß das technische Wissen zur Verfügung gestellt, das sie benötigen,
um eine Entscheidung darüber treffen zu Können, ob fortscnrittlicne uefensivsysteme tatsächlich entwickelt und eingeführt werden sollen.
Gleichzeitig bleiben die Vereinigten Staaten entschlossen, über verifizierbare Abkommen auf der Grundlage des Prinzips der Gleichbehandlung
beider Seiten zu verhandeln, d.h. , über Abkdmmen, die zu einer tatsächlichen Verringerung der Zerstörungskraft der Atomwaffenarsenale beider Seiten führen. Zu diesem Zweck nat meine Administration der Sowjetunion ein
umfangreiches

Paket

von

Rüstungskontrollvorschlägen

unterbreitet.

Wir

sind unermüdlich bemüht, in dieser Hinsicht Erfolge zu erzielen, aber bei
unseren Versuchen zur Festigung des Friedens können und müssen wir noch
ein übriges tun.

Unsere Forschungsarbeiten im Rahmen der strategischen Verteidigungsinitiative bilden eine Ergänzung zu unseren Bemühungen um Rüstungskontrolle und tragen dazu bei, einer stabileren und sichereren Welt den Weg
zu bereiten. Diese Forschungsarbeiten stehen im Einklang mit allen unseren vertraglichen Verpflichtungen, auch mit dem AdM-Vertrag von 197z.

Kurzfristig gesehen bildet dieses Forschungsprogramm auch eine Antwort auf die laufenden, umfangreichen Anstrengungen der Sowjets im Bereich der Raketenabwehrsysteme (ABM-Systeme); Bemühungen, die bereits bis
zur tatsächlichen Staticnierung solcher Systeme gediehen sind. Unser Pro- 3 -

�Unser Programm bildet auch ein gewichtiges Argument für die Sowjets, davon Abstand zu nehmen, ihr Raketenabwehrsystem über den nach dem ABM-Vertrag zulässigen Rahmen hinaus auszubauen, langfristig yesenen sind wir
zuversichtlich, daß die strategische Verteidigungsinitiative

die ent-

scheidende Grundlage schaffen wird, auf der aie Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion sich unter Wahrung ihrer Sicherheit auf einschneidende
Verminderungen und schlieülich auch auf eine Beseitigung aer ballistischen Raketen und der auf ihnen montierten Nuklearwaffen verständigen
können.

Unseie vitalen Interessen und die unserer Verbündeten sind unauflöslich verknüpft. Ihre Sicherheit und die unsrige bilden ein einheitliches
Ganzes. Auch unsere Verbündeten verlassen sich auf unsere Nuklearstreitkräfte, um vor einem Angriff auf sie abzuschrecken. Wenn wir also den
Möglichkeiten nachgehen, die sich uns durch die SDI bieten, dann werden
wir dabei auch weiterhin eng mit unseren Freunden und Verbündeten zusammenarbeiten. Falls einmal entschieden werden sollte, üefensivsysteme zu
entwickeln und einzuführen - eine Entscheidung, bei der die Konsultationen mit unseren Verbündeten eine wichtige Rolle spielen würden - so werden wir dabei sicherstellen, daü dies die Sicherheit der Vereinigten
Staaten und inrer Verbündeten vor Angriffen erhöht.

Mit dem SDI-Forschungsprogramm habe ich die besten wissenschaftlichen
Köpfe unseres Landes dazu aufgerufen, der Sache der Festiyung des Weltfriedens einen Dienst zu erweisen, indem sie dafür sorgen, daß die ballistischen Raketen eine wertlose und veraltete Waffe werden. Was ich vorgeschlagen habe, läuft, kurz gesagt, darauf hinaus, unser überragendes
technisches Können in den Dienst des Aufuaus einer sichereren und stabileren Welt zu stellen. Ich möchte hervorheben, daü die Vereinigten Staaten mit diesem Forschungsprogramm weder militärische Überlegenheit noch
politische Vorteile anstreben. Unser einziges Ziel besteht darin, Mittel
und Wege zur Verminderung der Gefahr eines Atomkriegs zu finden.

Wenn Sie die folgenden Seiten lesen, sollten Sie sich, wie ich meine,
vor Augen halten, daü es um unsere Zukunft geht und daü unser Ziel darin
besteht, unsere Fähigkeit zur Erhaltung des Friedens zu verbessern und

- 4-

�verbessern und g l e i c h z e i t i g von der Drohung mit nuklearer Vergeltung abzurücken, auf die wir uns gegenwärtig noch stützen müssen. Ich möchte Sie
ferner b i t t e n , das SOI-Forschungsprogramm sowohl im Lichte der diesbezügl i c h e n fortlaufenden und umfangreichen Anstrengungen der Sowjetunion als
auch im Lichte der verfassungsmäßigen Verpflichtung unserer eigenen Regierung zur Gewährleistung der gemeinsamen Landesverteidigung zu betracht e n . Ich h o f f e , daß danach auch Sie diese Forschungsanstrengungen nachh a l t i g und konsequent unterstützen werden, denn diese Anstrengungen könnten sich a l s entscheidend f ü r die Zukunft unserer Nation erweisen.

Die strategische Verteidigungsinitiative des Präsidenten
"Wie wäre e s , wenn f r e i e Menschen sicher leben könnten i n dem Wissen,
dab i h r e Sicherheit nicht auf aer amerikanischen uronung einer
Vergeltung beruht, um vor einem sowjetischen A n g r i f f

sofortigen

abzuschrecken; dab

wir strategische Raketen abfangen und vernichten könnten, bevor sie unseren Boden oder den unserer Verbündeten erreichen V"
(Auszug aus der Rede Präsident Reagans vom Z3. März 1983)
Die Vision des Präsidenten

In seiner Rede an die Nation vom 23. März 1983 oeschrieb der Präsident seine Vision einer Welt, die sich nicht mehr in solch überwältigendem Mabe auf Kernwaffen verlassen muu, einer Welt, die ein für allemal
von der Gefahr des Atomkriegs befreit ist. Für sich genommen kann die
strategische Verteidigungsinitiative weder diese Vision in vollem Umfang
Wirklichkeit werden lassen noch all die Sicherheitsprobleme lösen, denen
wir und unsere Verbündeten sich in der Zukunft gegenübersehen werden. Dazu werden wir nach vielen Lösungen Ausschau halten müssen, nach technischen wie nach politischen. Vor uns liegen ein langer Weg und viel narte
Arbeit. Der Präsident ist jedoch der Auffassung, dab wir damit heute beginnen müssen. Die strategische Verteidigungsinitiative bildet einen entscheidenden ersten Schritt.

Die Grundlagen der Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten beruhen in unserer gemeinsamen Fähigkeit, einen Aggressor abzu- 5 -

�Aggressor abzuschrecken. Unsere nuklearen Vergeltungswaffen tragen dazu
bei,

diese

Sicherheit

zu

gewährleisten; sie verhüten nun schon seit

40 Jahren den Ausbruch eines Krieges. Seit dem Zweiten Weltkrieg sind
keine Atomwaffen mehr eingesetzt worden. Es hat keinen direkten militärischen Konflikt zwischen den Deiden Weltmächten gegeben, una Luropa hat
seit dem letzten Jahrhundert keine so lange Zeit des Friedens mehr erlebt. Tatsache ist jedoch, daß wir gegen einen Angriff mit ballistischen
Nuklearraketen keine Verteidigungsmöglichkeiten haben. Da die sowjetische
Aufrüstung das Ungleichgewicht in Schlüsselbereichen der Offensivwaffen
vertieft und Moskau Systeme einführt, deren Stellenwert und Eigenschaften
immer schwieriger abzuschätzen sind, werden wir und unsere Verbündeten in
immer höherem Maße verwundbar für Erpressungsversuche. Falls die Abschreckung versagte, hätte der amerikanische Präsident nur die Wahl, zu
kapitulieren oder den Vergeltungsschlag anzuordnen. Nukleare Vergeltung ganz gleich, ob begrenzt oder massiv - würde jedoch zum Verlust von Millionen von Menschenleben führen.

Der Präsident ist fest davon überzeugt, daß wir uessere Mittel und
Wege finden müssen, um eine glaubwürdige Abschreckung zu gewährleisten.
Wenn wir das überragende Können unserer Wissenschaftler und inyenieure
auf das Problem der Abwehr von ballistischen Raketen anwenden, dann gibt
es eine reale Möglichkeit, daß zukünftige Präsiaenten einmal in der Lage
sein werden, Kriege anders zu verhüten als durch die Drohung, jeden Aggressor zu vernichten. Ihnen werden dann vielleicnt Mittel zur Verfügung
stehen, die keine Bedrohung für irgendjemanden bilden.

Das Ziel des Präsidenten und seine Erwartung an unsere Wissenschaftler und Ingenieure besteht darin, die technischen Probleme zu erfassen
und die technischen Mittel zu ihrer Lösung zu finden, so dau wir uns gegebenenfalls der einem

strategischen Verteidigungssystem

innewohnenden

Möglichkeiten bedienen Können, um auf wirksamere und stabilitätsdienlichere Weise die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
vor Aggression und Erpressung zu gewährleisten. Die Vereinigten Stabschefs, viele angesehene Wissenschaftler und

andere Experten sind der

Auffassung, daß sich unter einer entschlossenen Führung und bei ausreichender Finanzierung die jüngsten Fortschritte im Bereich der Defensiv- 6 -

�der Defensivtechnologien in entsprechende Abwehrsysteme ummünzen lieben.

Worum geht es bei der strategischen Verteidigungsinitiative des Präsidenten ?
Der Präsident gab seine strategische Verteidigungsinitiative (Sül) in
seiner Rede an die Nation vom 23. März 1983 bekannt. Das Ziel dieser Initiative besteht darin, Mittel und Wege zu üestimmen, wie man sicn kürzlich erzielte technologische Fortschritte im Bereich der Abwehr ballistischer Raketen, die Möglichkeiten für eine Verbesserung der Abschreckung
bieten, zunutze machen könnte, um unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten zu erhöhen. Das Programm soll eine Reihe von grundlegenden wissenschaftlichen und technischen Fragen beantworten, mit denen man sich
auseinandersetzen muk), bevor die diesen Technologien innewohnenaen Möglichkeiten in vollem Umfang gewürdigt werden können. Das Forschungsprogramm wird einem künftigen Präsidenten una einem künftigen Kongreß aas
technische Wissen zur Verfügung stellen, das sie benötigen, um Anfang der
neunziger Jahre eine cntscneidung darüber treffen zu können, oo fortschrittliche Defensivsysteme tatsächlich entwickelt und eingeführt werden
sollen.

Die SJI ist ein breit angelegtes Forschungsprogramm. Sie beruht nicht
auf einer einzelnen oder von vornherein feststehenden Vorstellung davon,
wie ein wirksames Abwehrsystem auszusehen hätte, eine Anzahl verschiedener Konzepte, die eine große Spannbreite von Technologien einbeziehen,
wird gegenwärtig geprüft. Bislang ist kein einzelnes Konzept oder keine
einzelne Technologie als das bzw. die beste oder angemessenste hervorgehoben worden. Mehrere nichtnukleare Technologien versprechen Möglichkeiten zur wirksamen Abwehr von ballistischen Raketen.
Wir meinen jedoch, dau die Technologien, die heute verfügoar weraen,
die Möglichkeit zum Aufbau eines gestaffelten Abwehrsystems bieten könnten, eines Systems, das sich verschiedener Technologien bedient, um angreifende Raketen in jeder Flugphase zu zerstören.

- Einige Raketen könnten kurz nach dem Start zerstört werden, während
- 7 -

�werden, während ihre Triebwerke noch brennen und sie ihre Gefechtsköpfe in den Weltraum befördern. Wenn man eine Rakete noch in der
Startphase zerstört, zerstört man mit einem Schlag auch alle ihre Nukleargefechtsköpfe. Interkontinentalraketen etwa

würden wahrschein-

lich schon zerstört werden, bevor sie über aas Hoheitsgebiet des Aggressors hinaus wären.
- teiterhin könnte man Diejenigen Nukleargefecntskopfe, die die btartphase überstehen, zerstören, indem man sie während der Marschphase
angreift. In aieser Phase würden sich die Mbwehrwaffen gegen üie Vorrichtung auf der Spitze der Rakete richten, deren Zweck darin besteht, die Gefechtsköpfe über einen bestimmten Zielraum zu verteilen.
Der Abwehrschlag würde in dem Augenblick erfolgen, in dem dieser Behälter seine Fracht freigibt. Wenn man inn zerstört, kann man alle
Gefechtsköpfe vernichten, die er noch nicht abgestoßen hat.

- Diejenigen Gefechtsköpfe, die abgestoßen worden sind und bis zu diesem Punkt überlebt haben, fliegen zehn oder mehr Minuten lang auf ihren ballistischen Flugbahnen durch die Weite des Weltraums auf ihre
Ziele zu. Man müßte nun zwar die einzelnen Gefechtsköpfe selbst orten, identifizieren und zerstören, aoer diese relativ lange mittlere
Flugphase gibt uns noch einmal Zeit, um bestimmte fortschrittliche
Technologien zum Linsatz zu bringen und genau dies zu erreichen.

- Schließlich könnten diejenigen Gefechtsköpfe, die die äußeren Abwehrgürtel heil passiert naben, nocnmals in der Enoanflugphase angegriffen werden, während

sie

sich

dem Ende

ihrer

ballistischen

Bahnkurve nähern.

Das Konzept eines gestaffelten Mbwenrsystems könnte sich als außerordentlich wirksam erweisen, weil die hintereinander gestaffelten Abwehrgürtel so zusammenwirken, daß sich viele Gelegenheiten ergeben würden,
die angreifenden Nukleargefechtsköpfe lange, bevor sie unser Hoheitsgebiet oder das unserer Verbündeten erreichen könnten, zu zerstören. Einern
Gegner, der es mit mehreren getrennten Abwehrgürteln zu tun hätte, würde
es schwerfallen, seine Raketen und deren Nukleargefecntskopfe technisch
- 8 -

�Nukleargefeentskopfe technisch sc aozuwandein, da^ sie alle uiese uürcel
zu durchdringen vermöchten. Eine Abwehr in der Start-, Nachstart- und
Marschphase ballistischer Raketen würde keine unterschiede naen aen Zielen der angreifenden Raketen machen. Sie würde einfach angreifende Nukleargefechtsköpfe zerstören und dabei unser i_ana und dessen Büryer senützen. Um die Abschreckung merklich zu stärken, müßte das in mehrere Gürtel
gestaffelte Abwehrsystem nicht unbedingt eine insgesamt hundertprozentige
Schutzwirkung erreichen. Es genügt, wenn es im Bewußtsein eines möglichen
Aggressors ein hinreichendes Maß an Ungewißheit darübei schafft, ob es
ihm gelingen wird, einen Angriff erfolgreich durchzuführen. Das Konzept
einer gestaffelten Mbwenr ist sicherlich geeignet, diesen Effekt hervorzurufen.

Seit die Vereinigten Staaten

in den sechziger Jahren die ersten

Schritte zur Entwicklung von Raketenabwehrsystemen getan haben, sind erhebliche technologische Fortschritte erzielt worden, zum ZeitpunKt der
Unterzeichnung des ABM-Vertrages (1^72) besenränkten sich die Möglichkeiten der Raketenabwehr im wesentlicnen darauf, Nukleargefeentskopfe in der
Endanflugphase mit Abfangraketen, die ihrerseits einen Nukleargefechtskopf trugen, anzugreifen, inzwischen eröffnen neue lechnologien oie Möglichkeit , Raketen und die von ihnen beförderten Nukleargefechtsköpfe in
allen Fluypnasen mit nichtnuklearen Mitteln zu zerstören. Neue lecnnologien könnten den Aufbau einer gestaffelten Abwehr ermöglichen, weil sie
uns folgende Hilfsmittel an die Hand geben: Sensoren, mittels aerer Raketen und Nukleargefechtsköpfe identifiziert und erfaßt werden können; moderne bouen- und weltraumgestützte Aofangsysteme und Waffen, die nach dem
Prinzip der Energiebündelung und -ausrichtung

arbeiten, Systeme also,

mittels derer sowohl Raketen als auch einzelne Nukleargefeentskopfe zerstört werden können; ferner die Befehls-, Kommando- und Fernmeldeeinrichtungen, die zum Betrieb eines gestaffelten Aowehrsystems erforderlich
sind.

Bei den Planungen für das Sui-Forschungsprogramm entschieden wir uns
bewußt dafür, eine breite Palette von Möglichkeiten der Raketenabwehr zu
prüfen und dabei eine Abwehr in allen Fluypnasen einer Raketen in Betracht zu ziehen, d.h., in der Start-, Nachstart-, Marsch- und Endanflug- &gt; -

�und Enaanflugphase. Es ist zwar noch zu früh, um im einzelnen sagen zu
können, welche Technologien oder Anwendungsmöglichkeiten sich schließlich
als die effektivsten erweisen werden, aber das Konzept einer gestaffelten
Abwehr erlaubt den größtmöglichen Einsatz neuer Technologien und bietet
die Möglichkeit, Nukleargefechtsköpfe lange, bevor sie aas Hoheitsgebiet
der Vereinigten Staaten oder ihrer Verbündeten erreichen, zu zerstören.

Wie Präsident Reagan bei tinleitung des SDi-Forschungsprcgramms klargestellt hat, steht es im Einklang mit allen vertraglichen Verpflichtungen der Vereinigten Staaten, einschließlich des AtM-Vertrags. Die Sowjets
unterhalten das einzige bestehende Raketenabwehrsystem der Welt (es bildet einen Schutzgürtel um MosKau), und sie verbessern es fortlaufend, inr
Forschungsprogramm im Bereich der herkömmlichen und modernen Raketenabwehrtechnologien läuft seit vielen Janren una wird weitergeführt. Während
Präsident Reagan jedoch angeordnet hat, daß das amerikanische Programm in
einer Art und Weise vorangetrieben wird, die im Einklang mit uem AüM-Vertrag steht, kann man mit einiger Gewißheit davon ausgehen, daß die Sowjetunion diesen Vertrag verletzt, indem sie bei Krasnojarsk in Sibirien
eine große Raketenfrühwarnradaranlage baut, die in einer Art und Weise
aufgestellt und ausgelegt ist, die nach den Bestimmungen des Vertrages
unzulässig

ist. Diese

Radaranlage

könnte

die

ohnehin

beträchtlichen

Möglichkeiten der Sowjetunion zum schnellen Ausbau inres bereits bestehenden Raketenabwehrsystems noch einmal erheblich erweitern.

Die Vereinigten Staaten haben angeboten, mit der Sowjetunion die Polgewirkungen der vdn beiden Ländern genutzten Defensivtechnologien zu erörtern. Solcne Gespräche wären insofern nützlich, als sie dazu beitragen
könnten, Klarheit darüber zu schaffen, wie beide Seiten den Zusammenhang
zwischen offensiven und defensiven Waffen sehen und welche Zielsetzungen
dem amerikanischen und dem scwjetischen Programm zugrunde liegen. Darüberhinaus könnte ein solcher Dialog zu einer Übereinkunft führen, gemeinsam auf strategische Verhältnisse hinzuarbeiten, die stabiler sind
als die heute bestehenden.
Warum strategische

- 10 -

�Warum strategische Verteidigung ?

Strategische Verteidigung und Apschreckung: Die hauptaufgade einer
Regierung besteht darin, für die Sicherheit ihres Volkes Sorge zu tragen.
Die Verhütung von Aggression durch Abschreckung bildet den sichersten
Weg, zu gewährleisten, daß wir und unsere Verbündeten als freie und unabhängige Nationen überdauern werden. Die Schaffung einer besseren und stabileren Grundlage für eine verstärkte Abschreckung bildet das Kernziel
der strategischen Verteidigungsinitiative.
Im Rahmen dieses Programms betreiben wir intensive Forschung, in deren Mittelpunkt die modernen Defensivtechnologien stehen und deren Ziel
darin besteht, die Grundlagen der Abschreckung zu festigen, die Stabilität zu stärken und somit die Sicherheit der Vereinigten Staaten und inrer
Verbündeten zu erhöhen. Der Präsident hat bei vielen Gelegenheiten seiner
festen Überzeugung AusdrucK verliehen, dald "ein Atomkrieg nicht zu gewinnen ist und daher niemals geführt werden darf". Die amerikanische Politik
war stets auf die Verhütung von Aggression durch MDscnreckung gerichtet
und wird dies auch weiterhin bleiben, selbst wenn in der Zukunft entschieden werden sollte, Defensivsysteme aufzustellen. Der Sinn der initiative zur Entwicklung einer strategischen Verteidigung besteht darin,
die AQsenreckung zu stärKen und den umfang der Nuklearstreitkräfte zu
verringern.

Defensivsysteme stehen sowohl historiscn als auch theoretiscn mit aer
Abschreckungspolitik im Einklang. Heute verlassen wir uns im Hinblick auf
die strategische Abscnreckung zwar fast ausschließlich auf die Dronung
der Vergeltung mittels Offensivwaffen, aber dies war nicht immer so. Während der gesamten fünfziger und während eines Großteils der sechziger
Jahre unterhielten die Vereinigten Staaten zum Schutze Nordamerikas gegen
sowjetische Bomberverbände ein ausgedehntes Luftverteidigungsnetz. Damals
bildete dieses Netz einen wichtigen Bestandteil unseres Abschreckungspotentials. Wir maßen ihm erst dann weniger Bedeutung bei, als die Sowjets
sich in verstärktem Maße auf Interkontinentalraketen konzentrierten, die
eine Bedrohung bilden, gegen die es früher Keine wirksame Verteidigung
gab. Die Fortschritte, die in der jüngeren Vergangenheit im Bereich der
- 11 -

�Bereich der Raketenabwehrtechnologien erzielt werden konnten, geben jedoch mehr als genug Grund zu der Annahme, daß Defensivsysteme letztlich
eine bessere und stabilere Grundlage für die Aoschreckung abgeben können.

Eine wirksame Raketenabwehr könnte in der Zukunft die Abschreckung in
mehrfacner Hinsicht stärken. Erstens dürfte sie es für einen Aggressor
erheblich ungewisser machen, ob seine Waffen eine solche Abwehr durchdringen und unsere Raketen und andere militärischen Ziele zerstören könnten. Es wäre für einen möglichen Aggressor ungemein schwierig, vorherzusagen, wie weit er angesichts solcner Ungewißheiten selbst verwunduar wäre. Er müßte dann wieder davon ausgehen, daß er, wenn er angriffe, ninterher auf keinen Fall in einer günstigeren Position wäre. Wenn ein Aggressor sich seines Erfolges nicht sicher sein kann, dann ist es selbst
unter Krisenbedingungen

weitaus weniger

wahrscheiniicn, dau

er einen

Atomschlag in Erwägung zieht.

Solche Ungewißheiten würden auch aen Anreiz zu einem trstschlag vermindern oder beseitigen. Wenn man moderne, treffsichere Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen in einer im Verhältnis zum militärischen Potential des Gegners ausreichenden Zahl aufstellt - was die Sowjets getan haben -, dann erhält man die Möglichkeit zu einem schnellen
Erstschlag, mit dem man den Gegner der Fähigkeit zur wirksamen Vergeltung
berauben kann. Moderne Abwehrsysteme könnten nun aber aiesen potentiellen
Hauptfaktor von Instabilität beseitigen, indem sie die Eignung ballistischer Raketen zum wirksamen Angriff auf militärische Ziele herabsetzen
oder ganz aufheben und sie somit als Instrumente der Aggression unwirksam
und veraltet machen.

Zusammen mit dem Luftabwehrsystem könnte ein hochwirksames Raketenabwehrsystem schließlich dazu beitragen, den militärischen Nutzen eines
atomaren Angriffs für einen Aggressor zu verminaern oder aufzuheoen. Wenn
ein Aggressor nicht mehr in der Lage ist, einen größeren Teil unseres
Landes zu zerstören, dann hat er nichts mehr zu gewinnen, wenn er zuerst
zuschlägt. Daher könnte ein hochwirksames Abwehrsystem die Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs erheblich nerabsetzen.
Wenn wir
- 12 -

�Wenn wir in umsichtiger Weise die notwendigen Schritte zur Aufrechterhaltung eines starken und glaubwürdigen militärischen Potentials ergreifen, dann spricht alles dafür, daß die Abschreckung aucn weiterhin
den Frieden bewahren wird. Aber selbst bei äußerster Wachsamkeit gibt es
auf dieser Welt nur weniges, dessen man sich absolut gewiß sein kann, eine verantwortungsbewußte Regierung muß daher auch die entfernte Möglichkeit eines Scheiterns der Abschreckung in Betracht ziehen, heute verfügen
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten über keinerlei Abwehrmöglichkeiten gegen einen Angriff mit ballistiscnen Kaketen. Aucn unsere
Möglichkeiten, die Vereinigten Staaten gegen einen Angriff feindlicher
Bomoer zu verteidigen, sind senr Gegrenzt. Wenn die Abschreckung versagte, ohne daß wir irgendeinen Schutzschild besäßen, dann könnte dies den
Tod des überwiegenden Teils unserer Bevölkerung und die Zerstörung unserer Nation, wie wir sie kennen, zur Folge haben. Das Programm zur Entwicklung einer strategischen Verteidigung Dildet langfristig unsere einzige Hoffnung auf eine Änderung dieser Situation.

Ein Abwehrsystem könnte aucn eine Art Rückversicherung gegen den irrtümlichen Abschuß ballistischer Raketen bilden und auch gegen ihren Einsatz durch irgendeinen irrationalen Staatschef, den es irgenawann in der
Zukunft einmal geben könnte und der in den Besitz von Nuklearraketen gelangen könnte. Dergleichen ist unwahrscheinlich, aber nicht undenkbar.
Die Vereinigten Staaten und andere Atommächte haben gegen einen unabsichtlichen Abschuß ihrer eigenen Raketen

angemessene

^icnerheitsvor-

kehrungen getroffen und gemeinsam politische Richtlinien formuliert, um
eine Weiterverbreitung von Atomwaffen auszuschließen. Dennoch läßt sich
schwer vorhersehen, wie sich die Dinge weiterentwickeln werden. Wir hoffen und erwarten zwar, daß unsere intensiven Bemühungen auch weiternin
erfolgreich

sein werden, aber

ein energisches Forschungsprogramm

zur

Entwicklung einer strategischen Verteidigung, das eine zusätzliche Absicherung gegen solche Eventualfälle und ihre möglicherweise katastrophalen
Folgen darstellen könnte, ist sicherlich geeignet, unseren nationalen Sicherheitsinteressen zu dienen.

Heute bildet unser Vergeltungspotential ein scharfes Schwert, das
eine abschreckende Wirkung gegen Angriffe ausübt. Der Präsident sucht
- 13 -

�Präsident sucht jedoch nach einem besseren Weg zur Aufrechterhaltung der
Abschreckung. Das SDI-Programm soll uns für die Zukunft einen Schutzschild verschaffen, der mehr leisten wird, als einfacn nur die Abschrekkung stärker zu machen. Er wird uns in die Lage versetzen, die Aoschrekkung auf eine bessere und stabilere Grundlage zu stellen. Gleichzeitig
wird dieser Schild für den Schutz sorgen, der dann notwendig würde, wenn
sich ein Aggressor nicht abschrecken ließe.

Rückversicherung gegen das sowjetische

Defensivtechnologieprogramm:

Während wir unser Programm als die strategische Verteidigungsinitiative
des Präsidenten bezeichnen, hängen einige Leute der irrigen Vorstellung
an, daß einzig die Vereinigten Staaten sich mit vermehrtem Nachdruck aem
Konzept eines Abwehrsystems widmeten und daß es sich hierbei um ein einseitiges amerikanisches Voryehen handele, durch das sich das strategische
Gleichgewicht ändern werde. Dies ist nicht der Fall. Die Sowjetunion hat
ein solches Defensivkonzept stets als einen zentralen una selbstverstänalichen Bestandteil ihrer nationalen Sicherheitspolitik

betrachtet. Das

ausgedehnte, moderne sowjetiscne L.uftverteidigungsnetz und die umfangreiche Zivilverteidigung bilden offensichtliche Beispiele für diese Priorität.

Darüberhinaus arbeiten die Sowjets seit vielen Jahren an einer Reihe
von Technologien, herkömmlichen und modernen, die gewisse Möglichkeiten
zur Raketenabwehr eröffnen könnten. Beispielsweise ist die Sowjetunion
gegenwärtig dabei, die Leistungsfähigkeit

des einzigen einsatzbereiten

Raketenabwehrsystems der Welt - dem, das Moskau umgibt - zu verbessern,
eine Maßnahme, die sich innerhalb der durch den ABM-Vertrag gesetzten Beschränkungen bewegt.

Die Sowjets betreiben auch Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für
ein Raketenabwehrsystem, das sehr schnell aufgestellt werden könnte und
Anlaß zu der Sorge gibt, daß sie möglicherweise in oer i_aye sind, urplötzlich den vom ABM-Vertrag gesteckten Rahmen zu sprengen und, falls
sie sich dazu entschließen, innerhalb der näcnsten zehn Jahre ein landesweites Raketenabwehrsystem aufzubauen. Wenn sie tatsächlich das in die
Tat

umsetzten, wozu

sie

theoretisch
- 14 -

imstande

sind, dann

würde

die

�würde die Abschreckung zusammenbrechen, so daB uns nur die Wahl zwischen
Kapitulation und Selbstmord bliebe.
Nicht nur diese Anstrengungen im Bereich der Raketenabwehr, sondern
auch einige sowjetische Flugabwehrraketen und -radaranlagen geben Anlab
zu besonderer Sorge. Die Sowjetunion unterhält bereits ein ausgeaehntes
LuftVerteidigungsnetz. Wenn die Verbesserung dieses Netzes weiter voranschreitet , könnte es der Sowjetunion und ihren Verbünaeten im Ranmen des
Warschauer Paktes auch einen gewissen Schutz gegen Raketen verschaffen,
und dies formal innerhalo der vom ABM-Vertrag gezogenen Grenzen.

Seit Ende der sechziger Jahre treibt die Sowjetunion außerdem ein
umfangreiches Programm zur Nutzung moderner üefensivtechnologien voran,
das sich in vielen Fällen mit den gleichen Technologien befabt, für die
sich auch die Vereinigten Staaten im Rahmen der Sül interessieren. Das
sowjetische Programm erfaßt nicht nur eine breite Spanne moderner Technologien, wie z.B. verschiedene Laser- und Neutralpartikelstrahlen, sonaern
ist augenscheinlich auch sehr viel umfangreicher als sein amerikanisches
Gegenstück, wenn man die eingesetzten Ressourcen - Produktionsanlagen,
Kapital und Arbeitskräfte - berücksichtigt. Tatsächlich hat die Sowjetunion während der letzten beiden Jahrzehnte groo gerechnet für Defensivsysteme das gleiche ausgegeben, wie für ihre massive Aufrüstung im Bereich der Offensivwaffen.

Das SDI-Programm ist eine wohiabgewogene Erwiderung auf die sehr intensiven sowjetischen Forscnungs- und Entwicklungsarbeiten

auf diesem

Gebiet und bildet eine Rückversicherung gegen sowjetische BestreDungen,
einseitig ein modernes Abwehrsystem zu entwickeln und aufzustellen, im
Verein mit dem massiven Offensivpotential der Sowjetunion una mit ihrer
schon heute beeindruckenden Luftverteidigung und ihren passiven Schutzeinrichtungen würde eine einseitige Aufstellung eines solchen modernen
Abwehrsystems durch die Sowjets die Grundlagen zerstören, auf denen die
Abschreckung seit 10 Jahren Deruht.

Mit der strategischen Verteidigungsinitiative versuchen die Vereinigten Staaten, für die Zukunft Bedingungen zu schaffen, die nicht nur den
- 15 -

�nur den Sicherheitsinteressen Amerikas und seiner Verbündeten, sondern
auch denen der Sowjetunion dienen, Wenn es sich daher als möglich erweisen sollte, ein hochwirksames Mbwenrsystem gegen ballistische Raketen zu
entwickeln, würde uns ein paralleler Aufbau desselben in den Vereinigten
Staaten wie auch in der Sowjetunion vorschweben, wobei das Resultat eine
Stärkung der beiderseitigen Sicherheit und der internationalen Stabilität
wäre.

Die Erforoernisse für ein wirksames Abwehrsystem

Wenn moderne Defensivtechnologien wirklich einen Nutzen naben sollen,
dann müssen sie zumindest die Möglichkeit schaffen, einen so großen Teil
der anfliegenoen Raketen eines Aggressors zu vernichten, daß er nicnt auf
den Erfolg eines Angriffs vertrauen kann oder daß er nicht mehr in der
Lage ist, einen militärisch ins Gewicht fallenden Prozentsatz der angegriffenen Ziele auch tatsächlich zu zerstören. Gegenwärtig ist es nicht
möglich, definitiv zu sagen, wie hoch der Wirkungsgrad eines Aowenrsystems sein muß, wenn es dieser Zielsetzung gerecht werden soll; das hängt
ab vom Umfang, der Zusammensetzung, der Leistungsfähigkeit und der passiven 'Überlebensfähigkeit

des

militärischen

Potentials

der

Vereinigten

Staaten im Vergleich zu den entsprechenden Eigenschaften oes sowjetiscnen
Potentials. Jedes wirksame Abwehrsystem muß natürlich aucn überlebensfähig und kosteneffektiv sein.

Um das notwendige Maß an überlebensfä'higkeit zu erlangen, muß ein Abwehrsystem nicht unbedingt unverwundbar sein, aber es muß selbst dann,
wenn es selbst mit Entschiedenheit angegriffen wird, genügend Wirksamkeit
bewahren, um seine Funktion erfüllen zu können. Dies ist nicht nur für
die Aufrechterhaltung der Wirksamkeit eines Apwehrsystems, sondern auch
für die Wahrung der Stabilität wesentlich.

Damit es nicht zu einer Vermehrung des Bestandes an ballistischen Raketen kommt, muß ein Abwehrsystem schließlich seine Wirksamkeit gegen einen Angriff zu geringeren Kosten bewahren können, als aufgewendet werden
müßten, um offensive Gegenmittel gegen ein solches System zu entwickeln
oder um die Zahl der ballistischen Raketen soweit zu ernöhen, dau sie
- 16 -

�daß sie dieses System überwinden könnten. Den Raketenabwehrsystemen der
Vergangenheit ging diese wesentliche Eigenschaft ab, aber die nun verfügbar werdenden Technologien, denen das Programm

zur Entwicklung

einer

strategischen Verteidigung gewidmet ist, sind in dieser Hinsicht äußerst
vielversprechend.

Laufende Programme
Heute beruht die Abschreckung vor einer sowjetischen Aggression nanezu ausschließlich auf der Schlagkraft unseres offensiven Vergeltungspotentials, und dies wird wahrscheinlich noch für eine geraume Zeit so
bleiben. Daher sollte das SDI-Programm nicht als Anzeichen für eine kurzfristig zu erwartende Abkehr von der Modernisierung unserer strategischen
Waffen, unserer nuklearen Mittelstreckenwaffen und unserer konventioneilen Streitkräfte verstanden werden. Während wir uns der Entwicklung tecnnisch realisierbarer Defensivmöglichkeiten widmen, bleibt diese Modernisierung wesentlich für die Aufrechternaltung der Abschreckung. Und falls
ein zukünftiger Präsident beschließen sollte, ein Abwehrsystem tatsächlich aufzubauen, wäre ein modernes und schlagkräftiges Vergeltungs- uro
Abschreckungspotential wesentlich für die Erhaltung eines stabilen Umfeldes, in dem der Übergang zu einer anderen und tragfänigeren Grundlage für
die Abschreckung vollzogen werden könnte.

Rüstungskontrolle

Gemäß den /Anweisungen des Präsidenten wird das SDi-Forschunysprogramm
in einer Art und Weise vorangetrieben werden, die mit allen vertraglichen
Verpflichtungen der Vereinigten Staaten einschließlich des ABM-Vertrags
von 1972 völlig in Einklang steht. Der ABM-Vertrag verbietet die Entwicklung, Erprobung und Aufstellung von Raketenabwenrsystemen oder Teilen davon, die Weltraum-, luft-, see- oder in mobiler Weise landgestützt sind.
Wie jedocn Gerard Smith, der amerikanische InefUnterhändler bei den AöMVernandlungen, 1972 vor dem Streitkräfteausschuß des amerikanischen Senats aussagte, erlaubt das Abkommen Forschungsarbeiten, sofern aiese
nicht bis zur praktischen Erprobung eines Prototyps eines Raketenabwehrsystems oder einzelner Bestandteile eines solchen Systems getrieben wer- 17 -

�getrieben werden. Das SDI-Programm wird sicn auf Forschungsarbeiten dieser zulässigen Art beschränken.

Ein zukünftiger nationaler Bescnluß zum Aufbau von Mbwenrsystemen
würde natürlich zu einer wichtigen Veränderung der Struktur des amerikanischen und sowjetischen Potentials führen. Wir prüfen, wie das Verhältnis von Offensiv- zu Defensivwaffen so ausgelegt werden kann, daß sich
auf dem Wege der strategischen Rüstungskontrolle ein stabileres oleichgewicht herstellen läßt. Vor allem sind wir bestrebt, sicherzustellen, daß
durch das Zusammenspiel von Offensiv- und Defensivwaffen beiden Seiten
die Möglichkeit zum Erstschlag genommen wird.

Die Vereinigten Staaten sehen in Defensivmaßnahmen kein Mittel zur
Erlangung militärischer "Überlegenheit. Da wir in dieser Hinsicht keinerlei Ambitionen haben, wäre es am sinnvollsten, den Aufbau von Deiensivsystemen im Gesamtzusammenhang einer gemeinsam zu erarbeitenden, fairen und
verifizierbaren Rüstungskontrollregelung

durchzuführen, die Richtlinien

für die Entwicklung und den Aufbau offensiver wie auch defensiver Waffensysteme in den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion vorgibt. Eine solche Regelung wäre besonders nützlich in der Periode des Übergangs, die
bei einem Abschreckungpotential, das auf der Dronung mit nuklearer Vergeltung beruht, beginnt, dann fortschreitet zu einer Abschreckung auf der
Grundlage eines Gleichgewichts zwischen offensiven und defensiven Waffen
und schließlich mit dem Abschluß der Neukonzeption der Grundlagen der Abschreckung und des Mufbaus moderner Defensivsysteme endet. Während dieses
Übergangs könnten Rüstungskontrollabkommen

dazu beitragen, Richtlinien

für den Aufbau solcher Defensivsysteme zu setzen und anzuwenden.

Das

SDI-Forsc.hungsprogramm

wird

die

Bestrebungen

der

Vereinigten

Staaten, durch Rüstungskontrollverhandlungen angemessene und verifizierbare Verminderungen der offensiven Nuklearwaffen herbeizuführen, ergänzen
und unterstützen. Solche Verminderungen würden einen nützlichen Beitrag
zu mehr Stabilität darstellen, und zwar sowohl im Rahmen des heutigen Abschreckungssystems als auch im Rahmen eines möglichen zukünftigen Abschreckungssystems, in dem Defensivsysteme die größte Rolle spielen würden.
Eine künftige
- 18 -

�Eine künftige Entscheidung zur Entwicklung und zum Aufbau wirksamer
Abwehrsysteme gegen ballistische Raketen könnte unserer auf erhebliche
Verminderungen der Bestände an solchen Raketen gerichteten Politik neuen
Nachdruck verleihen. In dem Maße, in dem solche Abwehrsysteme die Schlagkraft und somit auch den Wert ballistischer Raketen herabzusetzen vermöchten, könnten sie auch stärkere Anreize für die Verminderung dieser
Raketen auf dem Verhandlungswege schaffen. Tiefgreifende Verminderungen
wiederum würden die Wirksamkeit und den Abschreckungswert der Abwehrsysteme erhöhen.

Die strategische Verteidigungsinitiative und die Verbündeten
Da unsere Sicherheit unlösbar mit der unserer Freunae und Veralindeten
verknüpft ist, wird das SDI-Programm sich nicht allein auf eine Nutzung
solcher Technologien beschränken, die Möglichkeiten zur Abwehr von Interkontinentalraketen und unterseebootgestützten Raketen eröffnen, sondern
auch eine sorgfältige Untersuchung von Technologien einoeziehen, die sich
möglicherweise zur Abwehr von ballistischen Raketen mit kürzerer Reichweite eignen.

Eine wirksame Abwehr gegen solche Waffen könnte eine erhebliche Bedeutung für die Abschreckung vor einer Aggression in Europa haben. Die
nicht

strategischen Raketen der

Typen SS-ZU, SLALEBÜARD

USW.

, deren

Reichweiten sich teilweise überlappen, geben den Sowjets die Möglichkeit
zu Schlägen gegen das gesamte Territorium aller europäischen NATU-Staaten. Außerdem betont die sowjetische Militärdoktrin den Einsatz ballistischer Raketen mit konventionellem üefechtskopf zu raschen und weitreichenden Angriffen auf wichtige militärische Ziele der NATQ in ganz Europa. Der Zweck dieser Taktik besteht darin, die Kampfkraft der NATU soweit
zu schwächen, daß sie dem ersten Aufprall der angreifenden konventionellen Streitkräfte der Sowjets nicht standhalten kann, und die NATO nacn
Möglichkeit daran zu hindern, der kämpfenden Truppe von außerhalb Europas
Nachschub und Verstärkungen zuzufünren. Wenn Defensivsysteme die Schlagkraft solcher ballistischer Raketen herabsetzen oder aufheben könnten,
würde dies nicht nur die Apschreckung gegen einen strategischen Atomkrieg , sondern auch die Abschreckung vor nuklearen und konventionellen
- 19 -

�und konventionellen Angriffen auf unsere Verbündeten verstärken.

In den nächsten Jahren werden wir eng mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dato, falls einmal entschieden werden
sollte, Defensivsysteme aufzubauen (eine Entscheidung, bei der Konsultationen mit unseren Verbündeten eine wichtige Rolle spielen würden), nicht
nur die Sicherheit der Vereinigten Staaten, sondern auch die ihrer Verbündeten erhöht würde.

Behauptungen und Tatsachen bezüglich der strategischen Verteidigungsinitiative

Vorbemerkung

Die strategische Verteidigungsinitiative ist ein Forschungsprogramm,
kein Rüstungsprogramm. Diese Grundtatsache

wird

von vielen Kritikern

nicht zur Kenntnis genommen. Die Frage, ob man zum tatsächlicnen Aufbau
eines Abwehrsystems gegen ballistische Raketen übergehen soll, wird sich
erst in den kommenden Jahren stellen, nämlich dann, wenn die Forscnungsarbeiten im Rahmen der SDI Möglichkeiten zur Entwicklung von Abwehrsystemen aufzeigen, die leistungsfähig, technisch macnoar und

finanzierDar

sind.

Kritiker der SDI erheben oftmals irreführende Anschuldigungen und Behauptungen:

Behauptungen und Tatsachen
Behauptung: Die SDI bedeutet einen radikalen Wandel der Grundlagen
der politisch-militärischen Strategie der Vereinigten Staaten.

Tatsache: Der Grundgedanke der Verteidigungspolitik der Vereinigten
Staaten und der NATO besteht in der Kriegsverhütung durch Abschreckung.
Eine Kombination von Offensiv- und Defensivsystemen ist mit diesem Ziel
ohne weiteres verträglich. Der Zweck der SDI besteht darin, herauszufinden, ob es kosteneffektive Defensivtechnologien gibt, die die nbschrek- 20 -

�die Abschreckung verstärken und die Stabilität erhöhen könnten. Technologische Fortschritte haben zwangsläufig tiefgreifende militärische und politische Auswirkungen. Die Aufgabe des Staatsmannes besteht nicnt darin,
den technischen Fortschritt zu ignorieren, sondern vielmehr darin, nach
vorn zu schauen und die Vorteile und möglichen Tücken solcher Fortschritte zu studieren, insbesondere aber ihre Auswirkungen auf die internationale Sicherheit, Genau dies ist der Sinn der Initiative zur Entwicklung
einer strategischen Verteidigung.

Behauptung: Die SDI wird dazu führen, daß unsere Verbündeten wenrlos
dastehen; sie ist gleichbedeutend mit einer Rückkehr zum Konzept der "Festung Amerika".

Tatsache: Der Präsident hat klargestellt, daß der technologische tandel an unseren Bündnisverpflichtungen

niemals etwas änaern kann oder

wird. Insbesondere Dehält die NATO-Strategie aer flexiblen Reaktion, die
die Grundlage für Abschreckung und Frieden in Europa bildet, heute die
gleiche Gültigkeit, die sie bei inrer Einführung im Jahre 1967 natte. in
seiner Rede vom März 1983, in der er die strategische Verteidigungsinitiative ankündigte, hat der Präsident ausdrücklich unterstrichen, daß wir
an unseren Bündnisverpflichtungen

festhalten. Folgerichtig

befaßt sich

die SDI daher mit der gesamten Bandbreite der Bedrohung durcn ballistische Raketen, d.h., die Bedrohung durch Raketen kürzerer Reichweite, der
sich unsere Verbündeten gegenübersehen, wird einbezogen.

Behauptung: Die Experten wüßten sehr wohl, daß schon der Versuch
einer Verteidigung gegen ballistische Raketen sinnlos ist.

Tatsache: Die Geschichte der technologischen Entwicklungen spricht
nachdrücklich gegen die Position derjenigen, die schlichtweg behaupten,
daß etwas technisch unmöglich sei. Die Fortschritte in der Physik, der
Datenverarbeitung und anderen Bereichen lassen es mehr als gerechtfertigt
erscheinen, zu prüfen, ob es auf diesen und anderen Gebieten Technblogien
gibt, die zur Verteidigung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
eingesetzt werden können. Meinungsunterschiede zwischen den Wissenschaftlern des Westens über die Möglichkeit einer Verteidigung gegen ballisti- 21 -

�gegen ballistische Raketen können nur durch weitere Forschungsarbeit beigelegt werden. Die besagte Behauptung ist auch ein Lieblingsargument der
"besorgten sowjetischen WLssenschaftler", die vor westlichem Publikum zu
sagen pflegen, daß die Vereinigten Staaten davon Abstand nehmen sollten,
überhaupt zu prüfen, ob eine Verteidigung gegen nukleare uffensivsysteme
möglich sei. Dabei sehen sie über die diesbezüglichen Bemühungen der Sowjetunion sorgfältig und ganz bewuot hinweg.

Behauptung: Mit der SDi beschleunigen die Vereinigten Staaten einseitig den Rüstungswettlauf.

Tatsache: Wie schon bemerkt, arbeiten die Sowjets bereits intensiv an
Technologien für die Verteidigung gegen ballistische Raketen, wobei sie
ihre Aufmerksamkeit unter anderem den Lasern und anderen Richtene giewaffen widmen. Auch konventionellere Ansätze im Bereich der Verteidigung gegen ballistiscne Raketen werden verfolgt. Die Verbesserung des Raketenabwehrsystems, das um Moskau herum in Stellung gebracht ist (und das einzige einsatzfähige System dieser Art auf der Welt Dildet), und die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für ein neues Raketenabwehrsystem, das
sehr schnell aufgebaut werden könnte, sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Diese sowjetischen Programme laufen, ohne daß ein Zusammenhang zu
amerikanischen Unternehmungen uestünde. Die meisten wurden schon viele
Jahre vor der Rede des Präsidenten über strategiscne Verteidigung in Uany
gebracht. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, daß sie angehalten würden,
wenn wir jetzt beschlössen, unsererseits keine Forschungsarbeiten aufzunehmen. Während des letzten Jahrzehnts haben die Sowjets außerdem in allen Offensivwaffenbereichen massiv aufgerüstet, und zwar ungeachtet des
ABM-Vertrags und der Tatsache, daß er auf eine öeschränkung sowohl der
Offensiv- als auch der Defensivwaffen abzielt.

Behauptung: Eine Verteidigung gegen ballistische Raketen wäre immens
teuer und könnte durch Gegenmaßnahmen leicht funktionsunfähig

gemacht

werden.

Tatsache: Es ist viel zu früh, Urteile über technische Machbarkeit
und

mögliche

Kosten

(einschließlich
- zz -

des Kostenvernaltnisses

zwischen

�Kostenverhältnisses zwischen Offensiv- und Defensivwaffen,) abzugeben. Soweit sie nicht Ausdruck von Vorurteilen oder Voreingenommenheit

sind,

zeugen die Behauptungen vieler Kritiker von einer statiscnen Einstellung
zu komplexen Fragen der technologischen Entwicklung und der strategischen
Abschreckung, Gebiete, die ihrem Wesen nach äußerst dynamisch sind.

Behauptung: Indem sich die Vereinigten Staaten der Frage einer Verteidigung

gegen ballistische

Raketen

widmen, streben

sie

eine Erst-

schlagsfähigkeit an.

Tatsache: Die Vereinigten Staaten streben keine Erstschlagsfähigkeit
an und werden nicht versuchen, eine solche Fähigkeit zu erlangen. Der
Präsident hat bestätigt, daß wir im Bereich der Verteidigung gegen ballistische Raketen keinen einseitigen Vorteil suchen. In Wirklichkeit würde
eine leistungsfähige Verteidigung gegen ballistische Raketen dadurch, dau
sie die Ungewißheiten erhöht, denen sich ein möglicher Angreifer gegenübersähe, einen Faktor darstellen, der es allen Seiten höchst unratsam
erscheinen lassen müßte, einen nuklearen Erstschlag in Erwägung zu ziehen. Durch eine Verringerung der ballistischen Offensivraketen Könnte man
dies sogar noch unratsamer machen - und genau dieses Ziel haben wir im
Rahmen der Rüstungskontrolle zu erreichen versucht. Das urundziel der
amerikanischen Rüstungskontrollpolitik besteht darin, ein Rüstungsgleichgewicht auf dem niedrigstmöglichen Niveau herzustellen, wobei die Streitkräfte beider Seiten so strukturiert sein sollten, daß die Krisenstabilität nach Möglichkeit erhöht wird. Das strategische Modernisierungsprogramm der Vereinigten Staaten soll einerseits die Sowjetunion zu Schritten in diese Richtung bewegen und andererseits die Abschreckung und Stabilität verstärken, unabhängig davon, ob die Sowjets sich zu solchen
Schritten bereitfinden oder nicht. Bei sowjetischen Kommentatoren kann
man sich natürlich darauf verlassen, daß sie jede neue amerikanische Waffe als "Erstschlagssystem" bezeichnen; sie haben soyar die amerikanische
Raumfähre mit aiesem Begriff belegt. Vergleichbare sowjetische Systeme
einschließlich vieler, die Jahre vor ihren amerikaniscnen Gegenstücken
eingeführt wurden, werden hingegen niemals so benannt. Die sowjetischen
Äußerungen zur SDI entsprechen voll und ganz diesem Muster.
Behauptung: Die
- 23 -

�Behauptung: Die SDI verstößt gegen den ABM-Vertrag.
Tatsache: Die Vereinigten Staaten verletzen keineswegs i h r e v e r t r a g l i c h e n Verpflichtungen und werden dies auch i n Zukunft nicht t u n . Die A r t
von Forschungsarbeit, die im Rahmen der SDI vonstatten gehen s o l l ,
nach dem ABM-Vertrag ausdrücklich erlaubt una wird v o l l s t ä n d i g

ist

innerhalo

der durch den Vertrag gezogenen Grenzen bleiben. K r i t i k e r , die oehaupten,
daß die SDI diesen Vertrag oder andere v e r l e t z e , sind s c h l i c h t im I r r t u m ,
oftmals deshalb, w e i l sich i h r e K r i t i k

gegen e i n Programm r i c h t e t , das

nach Natur und Richtung l e d i g l i c h i n i h r e r Phantasie e x i s t i e r t , dem t a t sächlich geplanten Forschungsprogramm der Vereinigten Staaten aüer
nesfalls entspricht.

Außerdem betreiDen die Sowjets

seit

kei-

v i e l e n Jahren

g l e i c h a r t i g e Forschungsarbeiten. Sie haben im Zusammenhang mit ihrem e i genen Programm nicht von einer Verletzung des ABM-Vertrags gesprochen wir i n diesem Zusammenhang übrigens auch n i c h t . Die Sowjets sind jedoch
dabei,

eine

array radar)

große

Radaranlage

mit

phasengesteuerter

Abtastung

zu bauen, die i h r ABM-Potential verbessern w i r d ,

Ortes und der A r t und Weise i h r e r A u f s t e l l u n g s t e l l t

(phased

liegen des

diese Anlage

fast

mit Sicherheit einen Verstoß gegen den ABM-Vertrag von 1972 dar. Dieser
Vertrag sieht sowohl die Möglichkeit
mäßige Kontrollausschußsitzungen

von Zusatzklauseln a l s auch r e g e l -

vor,

auf

denen mögliche

Veränderungen

besprochen werden können. Wenn die Forschungsarbeiten im Rahmen der SDi
tatsächlich

konkrete Möglichkeiten

zur Entwicklung

Raketenaowehrsystemen aufzeigen, werden wir
dieser

und A u f s t e l l u n g

vdn

uns überlegen, ob wir

uns

Verfahrensregeln bedienen s o l l e n , um eine Änderung des Vertrags

herbeizuführen.

Bis dahin jedoch sind die Vereinigten Staaten und die

UdSSR durch den ABM-Vertrag aufgerufen, wirksame Maßnanmen zur Verminderung i n r e r nuklearen Offensivwaffen zu t r e f f e n . Die Vereinigten Staaten
begrüßen die Entscheidung der Sowjetunion, die diesDezüglichen Verhandlungen, die sie s e i t Ende 1983 b o y k o t t i e r t haben, wiederaufzunehmen. Darüberhinaus haben wir den Sdwjets wiederholt zu verstehen gegeben, daß wir
die Auswirkungen dieser neuen Defensivtechnologien gern mit ihnen auf Regierungsebene e r ö r t e r n möchten.

Wir haben Vorschläge bezüglich des Ta-

gungsorts gemacht und die Sowjets a u f g e f o r d e r t , i h r e Vorstellungen darzulegen.
Behauptung: Die
- 24 -

�Behauptung: Die SDi bedeutet "die Militarisierung des Weltraums".

Tatsache: Die sowjetische Propaganda betont neuerdings die angebliche
Notwendigkeit, "die Militarisierung des Weltraums zu verhindern". Tatsächlich jedoch besitzen die Sowjets schon seit mehr als einem Jahrzehnt
ein voll einsatzbereites Antisatellitensystem, das einzige seiner Art auf
der Welt. (Ein amerikanisches Antisatellitensystem befindet sich noch im
Entwicklungsstadium.) Ende der sechziger Jahre entwickelten die Sowjets
ein Mehrkomponenten-ürbitalbombardierungssystem, zu dem auch ein Nukleargefechtskopf in einer Erdumlaufbahn gehörte. Zu diesem System gab es weder damals noch später ein amerikanisches Gegenstück. Muüerdem begann die
"Militarisierung des Weltraums" schon Ende der fünfziger Jahre mit der
Erprobung der ersten sowjetischen ballistischen Raketen. Das angebliche
sowjetische Anliegen, die Vereinigten Staaten an der "Militarisierung aes
Weltraums" zu hindern, ist daher, um es wohlwollend auszudrücken, nicht
eben originell. Falls irgendwann in der Zukunft beschlossen würde, ein
Raketenabwehrsystem aufzubauen, könnte es gut sein, dato einige seiner
Teile weltraumgestützt wären. Dabei würde es sich jedoch um Defensivsysteme handeln, deren Zweck darin bestünde, den Einsatz von Waffen zu vereiteln, die sich ihrerseits aurch den Weltraum bewegen, um Ziele auf der
Erde anzugreifen. Es ist schwer einsichtig, warum es falsch sein sollte,
zumindest darüber nacnzuaenken, wie man den Weltraum nutzen kann, um nukleare Verheerungen auf der Erde zu verhindern. Schon heute wird der
Weltraum in beträchtlichem Umfang "militärisch" genutzt, aber in einer
Art und Weise, die unmittelbar zur Erhaltung der Stabilität und zur Bewahrung des Friedens beiträgt. Beispielsweise nutzen sowohl die Vereinigten Staaten als auch die UdSSR den Weltraum zum Zwecke der Frühwarnung
oder der Überwachung der Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen.

Fragen und Antworten zur SDI

Frage: Worum handelt es sich bei der SDi, einer initiative, die zuweilen mit dem Stichwort "Krieg der Sterne" beschrieben wird ? Bedeutet
sie, daß wir das Vertrauen in die Abschreckung verloren haben V

Antwort: Unser nukleares Abschreckungspotential bewahrt den Frieden

- 25 -

�den Frieden seit fast 40 Jahren. Es hat nicht nur einen Atomkrieg, sondern auch andere direkte militärische Konflikte zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion und zwischen Ost und West in Europa verhindert. Wie Präsident Reagan im März 1983 darlegte, ist es jedoch gleichzeitig wichtig, zu prüfen, was die Defensivtechnologien zur noch weitergehenden Verminderung der Kriegsgefahr möglicherweise beitragen könnten.
Er beschrieb die seiner Initiative zugrunde liegende Vision mit den folgenden Worten: "Wie wäre es, wenn freie Menschen sicher leben könnten in
dem Wissen, dau ihre Sicherheit nicht auf der amerikanischen Urohung
einer sofortigen Vergeltung beruht, um vor einem sowjetischen Angriff
abzuschrecken;

daü

wir

strategische

Raketen

aofangen

und

vernicnten

könnten, bevor sie unseren Boden oder den unserer Verbündeten erreichen 't
Dies könnte in der Zukunft zu einer sichereren und staoileren Welt führen." Bei der SDi handelt es sich um ein Forschungsprogramm zur intensiven Untersuchung neuer Technologien, die genutzt werden können, um eine
Verteidigung gegen ballistische Raketen zu schaffen, wodurch die Abschreckung gestärkt und unsere Sicherheit wie auch die unserer Vercü'ndeten erhöht werden könnte. Dieses Forschungsprogramm soll einen zukünftigen Präsidenten und einen zukünftigen Kongreß in die Lage versetzen,
eine Entscheidung darüber zu fällen, ob ein solches System tatsächlich
gebaut werden

soll. Die SDI ist mit all unseren

vertraglichen Ver-

pflichtungen im Rahmen der Rüstungskontrolle voll zu vereinbaren.
Frage: Warum hat die Administration die SDi eingeleitet i
Antwort: Prinzipiell aus drei Gründen: Erstens könnte eine Verteidigung gegen ballistische Raketen die Abschreckung und die StaDilität
erheblich stärken. Zweitens legen die technologischen Durchbrüche der
jüngeren Vergangenheit die Annahme nane, dab es möglicn sein könnte, die
Schwierigkeiten zu überwinden, die einer Verteidigung gegen ballistische
Raketen bislang im Wege gestanden haben. Drittens arbeiten die Sowjets
seit langem intensiv auf diesem üebiet. Wir können es uns nicht erlauben,
das Risiko einzugehen, daü sie einen erheblichen tecnnologischen Vorsprung gewinnen, der mit der Zeit in einen militärischen Vorsprung umgesetzt werden könnte. Wenn wir nun Forschungsarbeiten im Bereich der strategischen Verteidigung einleiten, dann werden wir mehr über die Aussich-

�die Aussichten einer Verteidigung gegen oallistische Raketen erfahren und
können uns wohlweislich gegen die Möglichkeit eines sowjetischen Durchdruchs auf dem Gebiet der üefensivtecnnologien absichern - und aucn dagegen, daß die Sowjets urplötzlich den vom ABM-Vertrag gesteckten Rahmen
sprengen oder diesen Vertrag für ungültig erklären.

Frage: Was genau unternehmen die Sowjets im Bereich der strategischen
Verteidigung ?
Antwort: Die Sowjets setzen seit langem für die strategische Verteidigung weitaus größere finanzielle und personelle Ressourcen ein, als wir
das tun. Sie unterhalten das einzige einsatzbereite Raketenabwehrsystem
der Welt. Es ist um Moskau herum in Stellung gebracht und wird gegenwärtig verbessert. Sie bauen in Sibirien eine neue Radargroßanlage mit phasengesteuerter Abtastung, die fast mit Sicherheit gegen den ABM-Vertrag
verstößt. Ferner betreiben die Sowjets Forschungs- und EntwicKlungsarbeiten für ein neues Raketenabwehrsystem, das schnell aufgebaut werden
und die Grundlage für eine landesweite Verteidigung bilaen könnte, falls
Moskau sich zur Errichtung einer solchen entschlösse. Darüberhinaus betreiben die Sowjets seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten intensive Forschungsarbeiten im Bereich moderner Technologien - unter anderem Laserund Neutralpartikelstrahlen -, die für Zwecke der Raketenaowenr eingesetzt werden könnten.

Frage: Worin bestent der Unterschied zwischen der SDi una den Antisatellitenwaffen ?

Antwort: Sowohl die SDI als auch unser Hntisatellitenprogramm verfolgt - allerdings in unterschiedlicher Weise - das Ziel, die Abschrekkung zu stärken und aie strategische Stabilität zu erhöhen. Viele der
Technologien, um die es bei diesen beiden Programmen geht, sind miteinander verwandt. Bei dem Antisatellitenprogramm handelt es sich jedocn um
kurzfristige Bemühungen zur Entwicklung entsprechender Waffen, die ein
Ungleichgewicht in einem ganz bestimmten militärischen Bereicn ausgleichen sollen. Bei der SDi handelt es sich dagegen um ein langfristig angelegtes Forschungsprogramm zur Untersuchung künftiger Möglichkeiten oer
- 27 -

�Möglichkeiten der Verteidigung gegen die Bedrohung durch ballistische Raketen. Dies Programm soll darüberhinaus eine Rückversicherung gegen einen
möglichen sowjetischen Entschluß zur Aufstellung weiterer Raketenabwehrsysteme bilden.
Frage: Ist die SD1 nach dem AEM-Vertrag zulässig (
Antwort: Ja. Bei der SDI handelt es sich um ein Forschungsprogramm.
Der ABM-Vertrag erlaubt Forschung. Die Vereinigten Staaten und, in noch
größerem Umfang, auch die Sowjetunion haben seit der Unterzeichnung des
Vertrages schon andere Forschungsprogramme durchgeführt.

Frage: Wie würde eine Verteidigung gegen ballistische Raketen funktionieren ? tos würde uns eine Verteidigung gegen ballistische Raketen
nützen, wenn wir immer noch von Bombern und Marschflugkörpern angegriffen
werden könnten ?

Antwort: Im Rahmen unseres Forschungsprogramms untersuchen wir eine
Reihe von Möglichkeiten, so unter anderem, ob neue Technologien sich so
kombinieren lassen, daß sie ein Verteidigungsnetz ergeben - bestehend etwa aus verschiedenen Systemen, die auf verschiedenartigen Tecnnologien
beruhen -, das ballistische Raketen aDwehren kann. Ein solches System
bzw. eine solche Kombination von Systemen wäre so ausgelegt, daß es ballistische Raketen in den verschiedenen Phasen inres Fluges abwehren könnte, d.h., in der Startphase, während des Fluges und bei der Zielannäherung. Wir konzentrieren uns auf die Verteidigung gegen ballistische Raketen, weil sie wegen ihrer hohen Geschwindigkeit und den dementsprechend
kurzen Vorwarnzeiten sowie wegen ihrer groben Zerstörungskraft die Stabilität stärker gefährden, als Bomber oder Marschflugkörper mit ihrer geringeren Fluggeschwindigkeit. Eine Überprüfung von Technologien, die für
eine Verteidigung gegen Bomoer und Marschflugkörper in Frage kommen, ist
jedoch ebenfalls veranlaßt.

Frage: Führt die SDI nicht zu einem weiteren Rüstungswettlauf, und
wird sie die Bereitschaft der Sowjets zu einer Verringerung der Offensivwaffen nicht noch weiter vermindern ?
Antwort: Das
- 28 -

�Antwort: Das sowjetische Programm zur strategischen Verteidigung oesteht unabhängig von den amerikanischen Unternehmungen auf diesem Gebiet,
und dies wird so bleiben. Die SD! wird keinen neuen Rüstungswettlauf auslösen, sondern vielmehr unsere Bemühungen um faire und verifizierbare Abkommen zur Verringerung der Bestände an nuklearen Offensivwaffen ergänzen. Diese Wechselbeziehung zwischen den Offensiv- und den Defensivwaffen
ist seit langem ein wichtiger Aspekt in unserem strategischen Denken und
bei der Konzipierung von Rüstungskontrollabkommen. Im gleichen Maße, in
dem das SDI-Forschungsprogramm sich als erfolgreich erweist una zu Mdwehrmöglichkeiten gegen ballistische Raketen führt, würden dieselben ihren Wert als Offensivwaffen einbüßen. Dies wiederum könnte es beiden Seiten mehr als bisher sinnvoll erscheinen lassen, die Zahl ihrer ballistischen Raketen erheblich zu verringern.

Frage: Könnte ein Raketenabwehrsystem dazu führen, daß lebenswichtige
Entscheidungen im Bereich der Landesverteidigung nicht mehr vom Präsidenten, sondern von Lomputern getroffen werden V

Antwort: Die Vereinigten Staaten sind stets mit Vorrang bestreut gewesen, sicherzustellen, daß die Kontrolle über unser Abscnreckungspotential in den Händen des Präsidenten bleibt. Die SDl beinnaltet nicnts, was
daran etwas ändern würde. Ein hauptziel dieses Forschungsprogramms bestent darin, zu gewährleisten, daß jedes mögliche Verteidigungssystem von
einem Höchstmaß an Sicherheit und Zuverlässigkeit gekennzeichnet

sein

würde und dab sein Status als Instrument in der Hand der politischen Führung in keiner Weise in Frage gestellt würde.

Frage: Würde der Aufbau einer Verteidigung gegen ballistische Raketen
bedeuten, daß deren Schutzwirkung sich nur auf die Vereinigten Staaten
selbst, nicht aber auf die NATO-Verbündeten, Japan und die anderen Sicherheitspartner im pazifischen Raum erstrecken würde ?

Antwort: Nein. Onsere Verpflichtung zum Schutz unserer Verbündeten
bleibt unberührt. Wir werden dafür sorgen, daß jegliches Verteidigungssystem, das wir in der Zukunft vielleicht entwickeln werden, die weltweite
Stabilität stärken und nicht nur die Sicherheit der Vereinigten Staaten,
- 29 -

�Vereinigten Staaten, sondern auch die unserer Verbündeten ernönen würde.
Wir untersuchen nicht nur solche Verteidigungstechnologien, mittels derer
sich ballistische Raketen, die die Vereinigten Staaten treffen können,
abwehren ließen, sondern auch solche Technologien, die man gegen ballistische Raketen kürzerer Reichweite, die unsere Verbündeten bedrohen,
einsetzen könnte. Wir stehen bezüglich der SDI in engen Konsultationen
mit unseren Verbündeten und anderen Nationen und werden diese Konsultationen fortführen, während das Programm voranschreitet.

Frage: Was für eine Rechtfertigung gibt es dafür, Milliarden von uollars für die Erforschung von etwas auszugeben, das vielleicht niemals gebaut werden wird ?

Antwort: Angesichts der Fortschritte, die die Sowjetunion auf aiesem
Gebiet gemacht hat, und im Hinblick auf den Beitrag zur Abschreckung, den
eine strategische Verteidigung vielleicht leisten könnte, bildet dieses
Forschungsprogramm eine kluge und notwendige Investition in die Sicherung
unserer Zukunft. Nacn unseren Schätzungen wird das SDl-Forschungsprogramm
in den Haushaltsjahren von 1985 bis 1990 rund 26 Milliarden Dollar kosten, d.h. , etwa zehn Dollar pro Jahr für jeden amerikanischen bürger.
Wenn es gelingt, auf diese Weise die Kriegsverhütung durch Abschreckung
aufrechtzuerhalten und gleichzeitig den militärischen Wert ballistischer
Raketen zu vermindern, dann wird man sagen können, dab sich diese Investition gelohnt hat.

- 30 -

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

9. Januar 1984

"FREIHEIT FÜR ANATOLIJ SCHTSCHARANSKIJ!"
- Mitglieder des Repräsentantenhauses appellieren an die Sowjets -

WASHINGTON - (AD) - Mehrere Angehörige des amerikanischen Repräsentantenhauses forderten am 3. Januar 1985 auf einer von dem Kongreßabgeordneten John Kasich organisierten Pressekonferenz, an der auch die Frau des
sowjetischen Dissidenten Anatolij Schtscharanskij teilnahm, mit Nachdruck
dessen Freilassung und wiesen darauf hin, daß das bevorstehende Treffen
zwischen dem amerikanischen Außenminister Shultz und dessen sowjetischem
Amtskollegen Gromyko hierzu der geeignete Moment sei.

Die Pressekonferenz hatte folgenden Wortlaut:

JOHN KASICH (Republikanisches Mitglied des Repräsentantenhauses für
Ohio): Ich habe Frau Schtscharanskij von unseren ständigen Bemühungen im
Kongreß hinsichtlich der Menschenrechte, der politischen Oppositionellen
in der Sowjetunion und insbesondere hinsichtlich ihres Ehemannes, Anatolij Schtscharanskij, berichtet.
Ich habe Frau

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ich habe Frau Schtscharanskij in Jerusalem getroffen, wobei sie mir
erklärte, sie sei hierher gekommen, um Mr. Armacost (den Staatssekretär
für politische Angelegenheiten im Außenministerium) zu treffen und ihm
gegenüber auf die bevorstehenden (Genfer) Gespräche sowie darauf zu verweisen, daß ihr Problem zur Sprache gebracht werden solle, wobei der Präsident erklärt hat, es werde auf jedem Treffen angesprochen.

Auf Frau Schtscharanskijs Frage nach unserer Unterstützung erklärte
ich: "Wenn Sie nach Washington kommen, so wird es schwer werden, aber wir
werden versuchen, so viele von jenen, die im Kongreß an vorderster Front
der Menschenrechtsbewegung wirken, wie nur möglich dazu zu bringen, mit
Ihnen vor das Kapitol zu ziehen, um erneut unsere Unterstützung für Anatolij Schtscharanskij sowie für Ihre Anstrengungen zum Ausdruck zu bringen, mittels derer Sie nun schon seit sage und schreibe zehn Jahren versuchen, für Ihren Mann die Freiheit zu erringen."

Wir sind davon überzeugt, daß es wichtig ist, die Stimme zu erheben.
Frau Schtscharanskij wird Ihnen das bestätigen; und es ist für die Vereinigten Staaten wichtig, diese Frage immer wieder aufzuwerfen, denn es
übt Druck auf die Sowjetunion aus, und dadurch wird letztlich die Freilassung von Anatolij Schtscharanskij möglich werden - genau wie die der
anderen politischen Oppositionellen, und dies wird der Anfang der Lösung
des Menschenrechtsproblems sein, das es in der Sowjetunion gibt.

Wir werden noch heute einen Brief an Herrn Tschernenko schicken, in
dem wir ihn dazu auffordern, etwas über den Zustand von Anatolij Schtscharanskij zu sagen.

Erst jetzt wieder wurde Frau Schtscharanskij berichtet, daß ihr Ehemann krank sei und in einem Krankenhaus liege. Wir wissen nichts über
seinen Zustand. Wir werden Herrn Tschernenko auffordern, uns darüber zu
informieren, und die Freilassung Anatolij Schtscharanskijs fordern.

Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, daß in den sieben Jahren, die er
nun schon gefangen ist, seine Frau insgesamt ganze sieben Briefe von ihm
- 2-

�von ihm erhalten hat.

Hier mit uns sind heute zwei Männer, die hinsichtlich der Menschenrechtsbemühungen im Kongreß

wirklich

führend

sind. Der eine ist Tom

Lantos, ein Demokrat aus Kalifornien, der selbst die Tyrannei kennengelernt hat. Mit der Hilfe von Raoul Wallenberg konnte er dieser Tyrannei
entkommen und gelangte schließlich in die Vereinigten Staaten, wo er Mitglied des Kongresses wurde. Tom, würden Sie bitte etwas zu Frau Schtscharanskij sagen.

TOM LANTOS (Demokratisches Mitglied des Repräsentantenhauses für Kalifornien): Wir sind der Meinung, daß das bevorstehende Treffen zwischen Herrn
Gromyko und Außenminister Shultz eine gute Gelegenheit für die Freilassung von Anatolij Schtscharanskij ist. Schtscharanksij ist ein Symbol der
Unterdrückung geworden; und wenn wir jetzt hoffentlich auf eine neue Ära
zugehen, in der es zu Abkommen über die Rüstungskontrolle kommt, dann
müssen wir auch Fortschritte im Bereich der Menschenrechte machen.

Anatolij Schtscharanskij hat mehr gelitten, als der Mensch verstehen
und aushalten kann. Ein Jahrzehnt ist im Leben eines jeden Menschen eine
lange Zeit. Er ist inzwischen krank und schwach. Er ist ein Mann von unglaublichem moralischen Mut, der nun endlich wieder zu seiner Frau kommen
sollte, die mit Mut und Ausdauer zu ihm gehalten hat.

Wir fordern die Sowjetunion auf, diese Gelegenheit zu ergreifen, da
die ganze Welt mit Hoffnung und in Gebeten nach Genf blickt, eine symbolische Geste zu machen - Anatolij Schtscharanskij freizulassen.

JOHN PORTER (Republikanisches Mitglied des Repräsentantenhauses für Illinois und Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses): An diesem Tag, da
wir den 99.

Kongreß eines freien Volkes eröffnen, erinnert uns Avital

Schtscharanskij an unsere wichtigste und größte Verpflichtung als Amerikaner - nämlich das Bemühen um die Menschenrechte für alle Völker dieser
Welt und insbesondere das Bemühen um die Freilassung ihres Mannes, Anato-

�Mannes Anatolij Schtscharanskij, der nun schon so lange wegen seiner
Überzeugung gefangengehalten wird und dem in der Sowjetunion die Menschenrechte vorenthalten werden.

Wir erneuern heute unsere Verpflichtung als Amerikaner, als ein Volk,
das der Herrschaft des Rechtes verpflichtet ist, und als ein Volk, dessen
Verpflichtung für die Menschenrechte in der ganzen Welt auch der Entlassung von Anatolij Schtscharanskij gilt, einem Symbol für Unterdrückung
und Tyrannei in der Sowjetunion.

FRAU SCHTSCHARANSKIJ:

Ich bin den Mitgliedern des Kongresses zutiefst

dankbar dafür, daß sie heute an einem solch wichtigen Tag mit mir sind,
und ich hoffe, daß die sowjetischen Behörden, das sowjetische Volk uns
heute hören, daß sie die Menschenrechte achten und die Regierung meinen
Ehemann diesmal gehen läßt.

Wir haben seit Monaten nichts mehr über Anatolij gehört. Etwas Handgeschriebenes von ihm haben wir seit dem 5. September nicht mehr, eine
letzte Botschaft kam an seine Mutter in Moskau, wo die arme alte Frau von
einem Amt zum andern läuft, um etwas darüber zu erfahren, wo er ist.

Er ist angeblich vom Gefängnis in ein Lager gekommen, und auf den Ämtern sagt man ihr immer nur, es sei alles mit ihm in Ordnung, er sei gesund und sie werde einen Brief von ihm bekommen; aber sie hörte erst am
vergangenen Donnerstag etwas, als ein hochrangiger Angehöriger der kommunistischen Partei sie anrief und ihr mitteilte, Anatolij sei im Krankenhaus.

Er weigerte sich, Näheres mitzuteilen. Er sagte nur, sie werde später
mehr hören. Aber ich kann Ihnen über Anatolij nichts weiter sagen. Seine
Mutter rief mich nur in Israel an und sagte mir, sie wisse nicht, ob er
noch am Leben sei.

Aufgrund dessen und aufgrund der schrecklichen Lage der sowjetischen
Juden insgesamt sowie der neuen Inhaftierten, von denen einige schon fast

�schon fast zu Tode geprügelt wurden, machen wir uns größte Sorge um sein
Leben und seine Gesundheit. Wir wissen nicht, wo er ist.

Letzte Nacht rief ich Anatolijs Bruder Leonid in Moskau an; normalerweise sprechen wir einige Minuten miteinander. Aber als ich erwähnte, ich
würde heute hier mit Mitgliedern des Kongresses zusammenkommen, meine
Sorge zum Ausdruck bringen und den Kongreß um Hilfe bitten, wurde das
Gespräch unterbrochen. Die sowjetische Vermittlung wurde sehr nervös.

Ich wende mich erneut an das amerikanische Volk und die amerikanische
Regierung und bitte, alles nur Mögliche zu unternehmen, um herauszufinden, wie seine Lage ist, und die Russen aufzufordern, ihn freizulassen.

Ich glaube, dafür gibt es jetzt eine gute Gelegenheit; zwei Länder
reden in Genf über den Frieden, und ich glaube, dies ist eine Frage des
Friedens.

- 5-

�9. Januar 1985

RAUMFÄHRE DISCORERY IM AUFTRAG DES US-VERTEIDIGUNGSMINISTERIUMS
- S t a r t f ü r 23. Januar 1985 vorgesehen -

- (AD) - Zum ersten Mal i n der Geschichte der bemannten Raumfahrt der
Vereinigten Staaten wird e i n Unternehmen a u s s c h l i e u l i c h

im Auftrag des

amerikanischen Verteidigungsministeriums durchgeführt werden.

Es handelt

sich um den f ü r den 23. Januar 1985 vorgesehenen Einsatz der Raumfähre
DISCOVERY.

Aus Sicherheitsgründen werden an die Medien weder Vorausin-

formationen über abzusetzende Geräte und Nutzlasten gegeben, noch werden
s p e z i e l l e Z i e l e der Mission e r ö r t e r t .
die Ö f f e n t l i c h k e i t s a r b e i t
streitkräfte

zuständige

Wie General Richard A b e l , der f ü r
Offizier

der

amerikanischen

e r k l ä r t e , e n t f a l l e n auch exakte Zeitangaben f ü r

Luft-

den S t a r t

vom Kennedy-RaumfahrtZentrum - dieser erfolge "irgendwann zwischen 19.15
und 22.15 Uhr MEZ" - die Landung werde frühestens 16 Stunden vor dem vorgesehenen Zeitpunkt angekündigt.
zen aus dem Weltraum mit

Mit den bisher üblichen Pressekonferen-

der Besatzung, Fernsehaufnahmen von Bord der

DISCOVERY oder dem Mithören von Berichten der Astronauten während des
Fluges sei nicht zu rechnen.
Kommandant

der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Kommandant der DISCOVERY ist Thomas "Ken" Mattingly, der im Juni/Juli
1982 den Einsatz der COLUMBIA bei ihrem vierten und letzten Testflug leitete.

Auch der Kopilot, Loren Shriver, und die beiden Missionsspezia-

listen, James Buchli und Ellison Onizuka, sind NASA-Astronauten.

Für die

militärische Nutzlast ist Major uary Payton verantwortlich - der erste
von 25 Astronauten des amerikanischen Verteidigungsministeriums, die für
Raumtransporterflüge ausgebildet wurden.

Laut General Abel werden allerdings offizielle Sprecher über das Ergebnis der weiteren Erprobung der sog. Inertial-Stufe U U S ) oerichten.
Dabei handelt es sich um ein für einen Satellitenstart aus dem Orbit benutztes zweistufiges Antriebsaggregat, mit dem Nutzlasten großer Masse in
höhere Umlaufbahnen katapultiert werden.

Die erste Erprobung im April

1983, bei der das Aggregat einen TDRS-Satelliten der NASA (TDRS = "Tracking and Data Relay Satellite", d.h. Satellit für Bahnbeobachtung und Datenübermittlung) zum geostationären Orbit in 36 01)0 km Höhe transportieren sollte, war insofern nur ein Teilerfolg, als TDRS 1 zunächst 640 km
an Höhe fehlten.

Mit Hilfe, diffiziler Korrekturmanöver gelang es jedoch

innerhalb von zwei Monaten, seine Bahn weiter anzuheben und ihn über Brasilien zu stationieren.

Das von der amerikanischen Luftwaffe entwickelte IUS-System macht es
möglich, Satelliten bis etwa 2250 kg Masse auf sog. erdsynchrone Bahnen
zu bringen.

Das bedeutet, dato ihre Umlaufgeschwindigkeit der Erddrehung

entspricht und sie deshalb als Relaisstation für weite Regionen der Erdoberfläche ständig erreichbar sind.
In einer früheren Presseverlautoarung des Verteidigungsministeriums
war mitgeteilt worden, daß der bevorstehende Flug u.a. Verbesserungen für
Nachrichtentechnik und Überwachung, präzisere Navigationshilfen, umfangreichere Wetterinformationen und zuverlässigere und schnellere Warnungen
vor Angriffen zum Ziel habe.

Ein Beispiel für ein Satellitensystem, das

}.m Auftrag des Verteidigungsministeriums mit Hilfe der Raumfähren eingerichtet werden soll, ist das "NAVSTAR Global Positioning System". NAVSTAR
umfaßt 18 Satelliten in 20 200 km hohen Umlaufbahnen.
- 2 -

Jedes Gerät meldet

�Jedes Gerät meldet kontinuierlich seine Position und die exakte Sendezeit. Diese Daten geben Schiffen und Flugzeugen die Möglichkeit, mit Hilfe der NAVSTAR-Signale die eigene Position und Flughöhe auf 19 m genau zu
bestimmen, wo immer sie sich gerade befinden.
soll das System voll betriebsbereit sein.

* * * * *

- 3 -

Ende der achtziger Jahre

�9. Januar 15»ö!&gt;

ENRICO FERMI-PREIS 1984
- Robert Wilson und Georges Vendryes ausgezeicnnet -

-

(AD) - Der Enrico Fermi-Preis 1984 ging an den Amerikaner Robert

Wilson und den Franzosen Georges Vendryes i n Anerkennung i h r e r Verdienste
um die kernphysikalische Grundlagenforschung und die Nutzbarmachung der
Kernenergie zur Erzeugung von Strom.

Der Preis wurde 1984 zu Ehren des

berühmten

Physikers

der

mit

italienisch-amerikanischen
einer

Gruppe

von M i t a r b e i t e r n

in

Enrico

Lhicago

Fermi

gestiftet,

den ersten

kleinen

"Atommeiler" k o n s t r u i e r t e und d a r i n im Dezember 1942 die erste k o n t r o l l i e r t e Kettenreaktion i n Gang setzen konnte.

Es i s t die höchste wissen-

s c h a f t l i c h e Auszeichnung, die das amerikanische Energieministerium
gibt.

ver-

Sie i s t mit L00 üOO D o l l a r f ü r jeden Preisträger d o t i e r t . " I n d i e -

sem Jahr geht der Enrico Fermi-Preis an zwei Wissenschaftler, die sich um
die Entwicklung und den Einsatz e i n z i g a r t i g e r technischer Anlagen f ü r die
nukleare Forschung besonders verdient gemacht haben", e r k l ä r t e Energiemin i s t e r Donald Hodel, der den beiden Preisträgern am 2U. Dezember 1984 die
Ehrenurkunde von Präsident Reagan und die Goldmedaille überreichte.

Dr. Robert

Wilson,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dr. Robert Wilson, 1914 in Frontier, Wyoming, geboren, gilt als einer
der genialsten und erfolgreichsten Konstrukteure von Teilchenbeschleunigern.

Als Direktor des firme National Accelerator Laboratory baute er

ein Projekt auf, dessen Höhepunkt die Inbetriebnahme des Tevastrons im
vergangenen Jahr war.

Bei dieser Anlage werden supraleitende Magnete zur

Beschleunigung atomarer Teilchen in ringförmiger Bahn benutzt.

Das Tevatron ist ein unterirdisch angelegtes 4,6 kg grobes Synchrotron-System, wo Protonen so stark beschleunigt werden können, daß sie nahezu mit Lichtgeschwindigkeit aufeinanderprallen.

Dabei werden sie in

kleinere atomare Teilchen aufgebrochen, deren Studium der kernphysikalischen Forschung wichtige Anhaltspunkte zum Wesen der Materie und der Naturkräfte vermittelt - von Kräften, die im Kosmos wirksam sind und bei
der Entstehung des Universums wirKsam waren.

Georges Vendryes, 1920 in Paris geboren, spielte in Frankreich während der letzten drei Jahrzehnte bei der crschlieüung der Kernkraft als
Energiequelle eine besonders wichtige Rolle.

U.a. setzte er sich für die

Entwicklung des mit Flüssigmetall gekühlten schnellen Brüters ein.

Sei-

ner Sachkenntnis undn Initiative ist es mit zu verdanken, daß das internationale Projekt "Superphenix" in Gang kam, an dem neben Kraftwerksgesellschaften aus Frankreich auch solche der Bundesrepublik Deutschland
und Italiens beteiligt sind.

* * * * *

- 2-

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