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                  <text>nformation
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. Dezember 19ö4

51

INHALT
DOKUMENTATION
Ethik und Macht
- Rede von US-Außenminibter Shultz -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die l a n g f r i s t i g e P l a n u n g s r i c h t l i n i e FüFA:

Behauptungen und Tatsachen

- Von General Bernard W. Rogers
Oberster Alliierter Befehlshaber Europa (SACEUR) -

Menschenrechte in der UdSSR beklagenswert
- Halbjahresbericht des US-Aubenministeriums Die Zukunft der Hochtechnologie in den westlichen Ländern
- Von Lionel H. Olmer, Staatssekretär für internationalen Handel im
amerikanischen Handelsministerium Wir wünschen unseren Beziehern ein
frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein
f r i e d l i c h e s und erfolgreiches Neues Jahr

Um Übcr/cndung von
nckgcxcmplcwcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: £-85432

�1DlElnso
i mIERiKb
&lt;

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1 * . Dezember 1*04

51

ETHIK UND MACHT
Rede von US-Aubenminister Shultz -

New York -(AD)- Am 9.

Dezember 1*84

hielt

Ub-Auuenminister

George

Shultz an der jüdischen Yeshiva-Universität i n New York eine Hede, i n der
er sich mit dem Problem "Ethik und Macht" auseinandersetzt. Die Ausführungen des amerikanischen Außenministers haben folgenden Wortlaut:
Wir haben uns heute zum Hanukkah-Aoendmahl zusammengefunden, um das
Wunder zu f e i e r n , das sicn vor zlüü Jahren ereignete. (Anmerkung der Hed a k t i o n : Das jüdische Hanukkah-Fest wird im uedenken an die erneute Weihung des Tempels durch die Makkabäer nach oeren Sieg über das s y r i s c h - s e leukidische Reich g e f e i e r t . Angeblich fand man im Tempel nur noch eine so
kleine Menge geweinten Ü l s , dab man die h e i l i g e Flamme damit nur noch e i nen Tag hätte nähren können. Durch e i n Wunder brannte sie jedoch acht Tage, bis neues Ol beschafft werden konnte. Im Gedenken hieran wird währenu
des achttägigen Hanukkah-Festes jeden Abend der achtarmige Leuchter

ent-

zündet.) Durch die gesamte Geschichte des jüdischen Volkes hindurch hat
ihm die Flamme a l s Symbol gedient, i n a l l den Jahrhunderten der V e r f o l gung und durch a l l jene dunklen Z e i t a l t e r

hauen der Geist des jüdischen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: &amp;-85432*

�des jüdischen Volkes und seine Treue zu seinen idealen mit hellem Licht
gebrannt und sind heute kraftvoller und lebendiger uenn je. Auch dies ist
ein Wunder. Aber es beruht nicht zuletzt auf dem Glauben ihres Volkes und
auf seiner Hingabe an seine Berufung zum Volk des Portes und zum Volk des
Buches, inr Mut und ihre moralische Stärke bilden ein Vorbild und eine
Inspiration für uns alle, denen unser gemeinsames Erbe der Freiheit und
Gerechtigkeit am Herzen liegt.

während wir neute zusammenkommen, nimmt auf der anderen Seite des
Erdballs eine schreckliche Tragödie ihren Lauf, Der Greuel der terroristischen Luftpiraterie von Teheran dauert an - eine brutale Herausforderung der Völkergemeinschaft und der elementarsten Mabstäbe des Hechts und
der Menschlichkeit. So oder so werden die dem Hecht verpflichteten Nationen der Welt dem Terrorismus und der Barbarei, die die Grundlagen der Zivilisation bedrohen, ein Ende bereiten.

Bis es soweit ist, werden wir alle uns mit den Dilemmata auseinandersetzen müssen, denen sich alle moralisch empfindenden Menschen in dieser
unvollkommenen Welt gegenübersehen. Wieder einmal sehen wir uns vor der
unter moralischem Gesichtspunkt so ungemein komplizierten Frage, wie wir
uns in einer Welt, in der das Böse sichere Zuflucht findet und Gefahren
allgegenwärtig sind, verteidigen und Gutes schaffen können.

Was sich gegenwärtig ereignet, verleiht dieser Frage zwar eine besondere Aktualität, aber eigentlich handelt es sich um ein altbekanntes Problem. Wie Sie wissen, plagen sich die Philosophen und Gelehrten seit
Jahrhunderten damit herum und rühren dabei an die yroiden Fragen des
menschlicnen Seins: In welchem Verhältnis steht das Individuum zu seinem
Gott und zu der Gemeinschaft, in der es lebt i

In welchem Verhältnis

steht diese Gemeinschaft zur übrigen Welt 'i Wie treffen wir die schwierigen moralischen Entscheidungen, die unweigerlich auf uns zukommen, wenn
wir gleichzeitig Gerechtigkeit und unser "Überleben zu sichern versuchen V
Die Bibel und die Talmudkommentare oieten zwar viele Antworten, lassen
aber auch viele Fragen offen; eine Tatsache, in der das Dilemma des
Menschseins zum Ausdruck kommt.
Als Amerikaner

�Als Amerikaner leiten wir aus unserem jüdisch-christlichen Erbe die
Überzeugung ab, daß unser Handeln eine moralische Grundlage haben sollte.
Der wahre Duell der Stärke Amerikas als Nation liegt weder in unseren umfangreichen natürlichen Ressourcen noch in unserer militärischen Tüchtigkeit, sondern heute wie zu allen Zeiten in unserer leidenschaftlichen
Hingabe an unsere Ideale.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Völkern werden die Amerikaner weder durch eine gemeinsame ethnisch-kulturelle Herkunft noch durch gemeinsame religiöse Überzeugungen geeint. Was uns eint, ist die gemeinsame
Verpflichtung auf einige Grundprinzipien: Toleranz, Demokratie, oleichheit vor dem Gesetz und vor allem Freiheit. Daß wir in unserer Geschichte
gegen so große Anfechtungen siegreich bleiben konnten, ist hauptsächlich
darauf zurückzuführen, daß wir an diesen Grundsätzen festgehalten haben.
Die Ideale, die wir in Amerika selbst hochhalten, leiten auch unsere
Außenpolitik. Da wir ein moralisch empfindendes Volk sind, versuchen wir,
unsere Stärke für die Sache des Friedens und der Gerechtigkeit in aller
Welt einzusetzen. Da wir aber auch eine mächtige Nation sind, sehen wir
uns in diesem Zusammenhang unweigerlich vor komplexe Entscheidungen gestellt. Stärke bringt moralische Verantwortung mit sich. Auch in diesem
Zusammenhang hat sich der intellektuelle Beitrag der jüdischen Tradition
als maßgeblich erwiesen.
Der Talmud spricht ein urundproblem an, mit dem unsere Nation sich
auseinanderzusetzen hatte, seit sie den Status einer Großmacht mit internationalen Verpflichtungen erlangte, zu entscheiden, wann der Einsatz unserer Macht gerechtfertigt und wann er ungerechtfertigt ist. Der Talmud
bestätigt

den allgemeinen urundsatz

der Selbstverteidigung, indem er

sagt: "Wenn jemand dich töten will, so komme ihm zuvor und töte ihn, bevor er seinen Vorsatz ausführen Kann." Solange es Bedrohungen gibt, haben Nationen, die das Gesetz achten, eindeutig das Recht und sogar die
Pflicht, sich zu schützen.
Der Talmud befaßt sich auch mit der komplizierteren Frage, wie und
wann zur Verteidigung der eigenen Nation Machtmittel eingesetzt werden
- 5 -

�eingesetzt werden sollen, bevor eine Bedrohung unmittelbar vor der lür
steht. In dieser Beziehung bietet der Talmud jedoch keine eindeutige Antwort. Genau diesem Dilemma stehen wir jedoch am häufigsten gegenüber und
müssen eine Lösung finden. Für die Führungsmacht der demokratischen Welt
geht es nicht nur um unmittelbare Selbsterhaltung. Wir haben auch eine
Verpflichtung zum Schutz des Weltfriedens, und die Sicherheit vieler anderer Staaten hängt von uns ab.

Die Amerikaner haben stets zutiefst an eine Welt yeylauüt, in der
Streitigkeiten auf friedlichem Wege beigelegt werden, an eine Welt des
Rechts, der internationalen Harmonie und der Menschenrechte, harte Erfahrungen haben uns jedoch gelehrt, daß guter Wille und Idealismus allein
eine solche Welt nicht zu schaffen vermögen. Wir haben gelernt, daB wir
zur Erhaltung des Friedens nicht nur stark, sondern darüber hinaus auch
bereit sein müssen, von unserer Stärke Gebrauch zu machen. Wir wollen
keine Konfrontation, aber wir haben aus den Ereignissen der dreißiger
Jahre eine Lehre gezogen; daB eine Beschwichtigungspolitik gegenüber einem Aggressor nur zu weiterer Aggression herausfordert und die Kriegsgefahr erhöht. Unsere Entschlossenheit zur Stärke ist jedoch stets mit einer aktiven und kreativen Diplomatie und einer Bereitschaft zur friedlichen L.ösung von Problemen einhergegangen.

Als ein moralisch empfindendes Volk wünschen die Amerikaner, daB unsere AuBenpoxxtik oie Werte widerspiegelt, denen wir als Nation anhängen.
Da wir aber auch ein praktisch denkendes Volk sind, wollen wir auch, daB
unsere Außenpolitik effektiv ist. Daher fragen wir uns Deständig, wie wir
unsere moralischen Ansprüche und unseren Pragmatismus in Einklang bringen
und wie wir unsere Stärke in Beziehung zu unseren idealen setzen können kurzum: wie wir das Verhältnis von Macht und Diplomatie gestalten sollen.
Wie bewahrt man den Frieden in einer Staatenwelt, in der der Einsatz
militärischer Macht eine nur allzu geläufige Erscheinung ist ? Nationen
müssen zweifellos in der Lage sein, sich zu schützen, wenn sie sich offenkundigen Bedrohungen gegenübersehen. Aber wie steht es mit den Grauzonen, die irgendwo zwischen offenem Krieg und einträchtiger Harmonie angesiedelt sind ? Wie schützt man den Frieden ohne die letztendliche Bereit- 4 -

�letztendliche Bereitschaft zum Linsatz militärischer Macht gegen diejenigen, die den Frieden zerstören wollen ?

Die Amerikaner haben zuweilen zu der annähme geneigt, daß Macht und
Diplomatie Gegenpole bilden. Dies ist ein grundsätzliches Mißverständnis.
In Wahrheit müssen Macht und Diplomatie immer Hand in Hand gehen, oder
wir werden in dieser Welt sehr wenig ausrichten. Macht muß stets von
Wertvorstellungen geleitet werden. Gleichzeitig sieht die harte Wirklichkeit so aus, daß eine Diplomatie, die sich nicht auf Stärke stützen kann,
im besten Falle unwirksam und im schlimmsten Falle gefährlich ist.

Wenn wir uns in der Welt umblicken, können wir unschwer erkennen, wie
wichtig es ist, daß Macht und Diplomatie in der Außenpolitik Hand in hanu
gehen. Im Nahen Osten beispielsweise streben die Vereinigten Staaten aus
innerster Überzeugung und fortwährend nach Frieden. Unser Ziel bestent
darin, Verhandlungen über eine friedliche Beilegung des arabisch-israelischen Konflikts zu fördern. Gleichzeitig tragen wir eine klare Verantwortung für die Sicherheit Israels. Wir glauben, daß Israel stark sein muß,
wenn in der Reyion ein dauerhafter Friede hergestellt weiden soll. Das
israeliscne Volk muß sich seiner Sicherheit gewiß sein können. Es muß die
Gewißheit naben, daß sein Überleben nie in Gefahr geraten kann, wie aies
in der Geschichte des jüdischen Volkes nur allzu oft geschehen ist. Jeder
in der Region muß einsehen, daß uewalt, Aggression und Extremismus zu
nichts führen und daß Verhandlungen den einzigen Weg zum Frieden bilden.

In Mittelamerika bedrohen aggressive Kräfte, die von Nicaragua, KuDa
und der Sowjetunion unterstützt werden, den Frieden und verhöhnen die
Sehnsucht der Menschen nach Freiheit und Demokratie. Nur ein stetiger
Einsatz unserer Diplomatie wie unserer militärischen Stärke bietet echte
Hoffnung auf Frieden in Mittelamerika und auf Sicnerneit für die gesamte
Hemisphäre. Wir haben einen Dialog mit der Führung Nicaraguas angestrebt.
Wir haben den Friedensbemühungen der Lontadora-Gruppe unsere volle Unterstützung gewährt. Wir haben denjenigen Kräften der Region, die für Frieden und Freiheit eintreten, politische und wirtschaftliche Hilfe geleistet. Aber wir haben der Region auch sicherheitspolitische Unterstützung
zukommen lassen, um bei der Errichtung eines Schildes behilflich zu sein,
- 5 -

�zu sein, in dessen Schutz sich effektive diplomatische Bemühungen entfalten können.

Auch für unsere Beziehungen zur Sowjetunion und den Bereich der Rüstungskontrolle gilt, daß Diplomatie allein nichts ausrichten kann. Wir
haben uns aktiv um Verhandlungen mit der Sowjetunion über eine Verminderungen der nuklearen Arsenale beider Seiten bemüht, aber wir haben im Interesse unserer eigenen Sicherheit wie der unserer freunde und Verbündeten auch die Modernisierung unserer Streitkräfte fortgesetzt. Unter den
Bedingungen eines Ungleichgewichts ist Rustungskontrollvernandlungen kein
Erfolg beschieden. Nur dann, wenn die sowjetische Führung erkennt, daß
der Westen zur Modernisierung seiner Streitkräfte entschlossen ist, wird
sie sich unter Umständen zu einem Abkommen bereit finden, mittels dessen
die Rüstung in verifizierbarer Weise auf einen gleichen und dabei niedrigeren Stand heruntergeschraubt werden kann.

Die Notwendigkeit, in unserer Außenpolitik Stärke und Diplomatie zu
vereinen, bildet nur einen Teil der Antwort. Jede Entscheidung über den
Einsatz unserer Macht stellt uns vor quälende Fragen. Man muß jedoch
nicht lange suchen, um auf Fälle zu stoßen, in denen der Einsatz von
Macht sowohl moralisch gerechtfertigt als auch sachlich geboten war.

Vor einer Woche fanden auf der Insel Grenada Wahlen statt, die ersten
freien Wanlen seit L91o. Wenn wir nicht bereit gewesen wären, zur Befreiung Grenadas von unserer Stärke Gebrauch zu machen, hätten die Menschen
dort immer noch die Faust des Tyrannen im Genick unu wäre Freiheit immer
noch nichts als ein Traum.
Grenada ist ein Zwergstaat, und obwohl es, wie meist bei militärischen Aktionen, zu einigen heftigen Kämpfen kam, war die Angelegenheit
bald erledigt. Das moralische Problem, das sie darstellte, war jedoch für
die Vereinigten Staaten vcn enormer Bedeutung. Was wir getan haben, war,
ein Land zu befreien und es seiner eigenen Bevölkerung zurückzugeben, um
sodann unsere Streitkräfte wieder abzuziehen. Wir sind wieder abgerückt,
obwohl wir von Grenadern gebeten wurden, zu bleiben. OLwohl einige Amerikaner ihrer eigenen Gesellschaft so sehr mißtrauten, daß sie vor jedem
- 6 -

�vor jedem Einsatz amerikanischer Macht Mnyst hatten, war aem amerikanischen Volk sofort klar, daß wir auf Grenada etwas Gutes und Anständiges
getan hatten, etwas, worauf wir stolz sein konnten, ich für meinen Teil
bin froh, daß der Präsident den Mut zum Handeln hatte. Grenada ist in der
Tat eine winzige Insel, und es war daher leicht, sie zu retten. Was aber
hätte es für dieses Land und für unsere Sicherheitsverpflichtungen gegenüber anderen Ländern bedeutet, wenn wir selbst vor dieser Rettungsaktion
zurückgeschreckt wären ?

Wir müssen uns mit der Tatsache abfinden, daß wir häufig vor Entscheidungen stehen werden, deren moralische Aspekte weit weniger klar umrissen sind, als dies in bezug auf Grenada der Fall war. Unsere Moralvorstellungen dürfen uns jedoch nicht lähmen. Sie müssen uns vielmehr in
schwierigen Situationen die Kraft zum Handeln verleihen. Dies ist die
Last, die Staatsmänner zu tragen haben. Es mag sein, dalo wir es in der
Zukunft mit moralischen Problemen zu tun haben werden, für die es keine
klaren Lösungen gibt.

Wir sollten uns auch nicht einem moralischen Relativismus ergeben, ich
meine durchaus, daß wir in der Lage sind, den Unterschied zwischen legitimem Gebrauch und Mißbrauch von Macht zu erkennen. Der Gebrauch von
Macht ist legitim
- wenn er zur Befreiung
Sehnsuch

nach Freiheit

eines Volkes und
beiträgt, nicht

zur Unterstützung

seiner

jedoch, wenn dadurch

menschliche Geist vergewaltigt und die Freiheit

der

des Menschen mit

Füßen getreten wird;
- wenn das Ziel in der Herstellung von Frieden oder in der Förderung
friedlicher Prozesse besteht oder wenn es darum geht, Oritte daran zu
hindern, ihre Macht zu Aggression und Unterdrückung zu mißbrauchen,
nicht jedoch, wenn dadurcn einem widerstrebenden Volk ein fremder
Wille aufgezwungen wird,
- wenn er mit dem größtmöglichen Bemühen um eine Vermeidung unnötiger
Opfer und mit einem Gewissen einhergeht, das sich des unvermeidbar
verursachten i_eids schmerzhaft uewußt ist, nicht jedoch, wenn Gewalt
unterschiedslos und ohne Rücksicht auf und Sorge um unschuldige Menschenleben angewandt wird.
Unsere große

�Unsere große Aufgabe besteht darin, zu lernen, unsere Macht dann einzusetzen, wenn sie Gutes bewirken, der Sache der Freiheit dienen und die
internationale Sicherheit und Stabilität stärken kann. Wenn wir im Linklang mit unseren Prinzipien und im realistischen Bewußtsein der Grenzen
unserer Macht handeln, können wir sehr wohl etwas ausrichten, in solchen
Fällen werden wir auch auf die volle Unterstützung durch das amerikanische Volk zählen können.

Eine Vorabgarantie für Unterstützung aurch die üffentlichkeit gibt es
nicht. Das Beispiel Grenadas lehrt, daß ein Präsident, der den Mut zum
Führen beweist, die Unterstützung der Üffentlichkeit bekommt, sofern er
klug und effektiv handelt. Das Beispiel Vietnams hingegen lehrt, daß man
sich die Unterstützung der "Öffentlichkeit auch verscherzen kann, wenn man
weder klug noch effektiv handelt.

Die Amerikaner werden immer einen Widerwillen gegen den Gebrauch von
Gewalt haben. Dies ist ein Kennzeichen unserer Rechtschaffenheit. Der Gebrauch von Gewalt muß natürlich immer als letztes Mittel verstanden werden und Fällen vorbehalten bleiben, in denen andere Mittel der Einflußnahme sich als unzureichend erwiesen haben. Eine Großmacht kann die Last
der Entscheidung jedoch nicht einfach abschütteln. Sie trägt die Verantwortung nicht nur für die Folgen ihrer Handlungen, sondern auch für die
Folgen ihrer Untätigkeit. Ihre Entscheidung hat in jedem Falle Auswirkungen für viele andere Menschen in vielen Teilen der Welt.
Man braucht sich nur nochmals zu vergegenwärtigen, welche tragischen
Auswirkungen es hatte, daß man es in äer Zeit vor liöy unterließ, Hitler
mittels militärischer Macht in seine Schranken zu weisen. Wenn die demokratischen Staaten schon im Frühstadium üer sicn in Europa anbahnenden
Krise ihre Macht mit Umsicht und Mut eingesetzt hätten, dann hätten sie
den furchtbaren Zwang zum Georauch eines weitaus höheren Maßes an Gewalt
in der Folgezeit, als die Krise unabwendbar zur Konfrontation gedieh,
vielleicht vermeiden können.

Die Verantwortlichen der amerikanischen Außenpolitik müssen darauf
vorbereitet sein, der "Öffentlichkeit
- 8 -

in klaren

Worten die Ziele und

�Ziele und Erfordernisse der von innen befürworteten Maßnahmen zu erklären. Den Männern und Frauen, denen die Ausführung der getroffenen Entscheidungen obliegt, müssen die Mittel zur Verfügung gestellt werden, die
sie benötigen, um ihre Aufgabe zu erfüllen, und die erforderlich sind, um
einen erfolg zu gewährleisten. Wenn wir diesen Maßstäben entsprechen, mit
Klugheit und Umsicht handeln und uns von den Grundprinzipien unserer Nation leiten lassen, dann werden wir ein wanrer Vorkämpfer der Freiheit
und ein Bollwerk des Friedens sein.

Wenn man sich nach einem Beispiel dafür umblickt, wie ein Volk sich
dem Dilemma stellt, das in dem Versuch besteht, Recht und Gesetz mit dem
Grundsatz der Selbsterhaltung in LinKlang zu bringen, ddnn braucht man
sich nur Israel anzuschauen.

Es ist keineswegs so, daß Israel in seiner ueschichte Keine Fenler
begangen hätte. In einer Welt wie der unseren wäre jede Nation durch eine
solche Erwartung überfordert. Das israelische VolK hat jedoen im Einklang
mit seiner Tradition eine offene, andauernde und aufgeklärte Debatte über
die zentrale Frage geführt, wann aer Einsatz von Macnt gerechtfertigt und
notwendig ist. Die großen Gefahren für sein Überleben, denen sich Israel
seine gesamte Geschichte hindurch geyenübergesehen hat, lassen dies umso
lobenswerter erscheinen. Daß Israel stark sein muß, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Die Israelis erörtern die Fragen von Krieg und
Frieden jedoch niemals, ohne auch die Kategorien "richtig oder falsch"
einzubeziehen.

Wir in Amerika dürfen uns unserer moralischen Verantwortung nicht weniger bewußt sein, einer Verantwortung, die uns aus unserer Rolle als
Großmacht und als einer Nation, die sich zutiefst der Freiheit und Gerechtigkeit verschrieben hat, zuwächst. Wir freuen uns auf den Tag, da
Gewalt und Tyrannei das Leben von Männern und Frauen nicht mehr überschatten. Wir freuen uns auf den Tag, da Terroristen wie die Luftpiraten
von Teheran keine Nation mehr bereit finden, ihre Lxistenz zu dulden.
Aber bis dieser Tag kommt, werden die Vereinigten Staaten die Rolle übernenmen, die ihnen von der Geschichte zugewiesen ist.
Die Vereinigten
- 9 -

�Die Vereinigten Staaten müssen ein unermüdlicher Wächter der Freiheit
sein. Wir müssen der Aggression die Stirn bieten. Wir müssen verteidigen,
was uns teuer ist. Wir müssen die Flamme der Freiheit auf ewig und für
die gesamte Menschheit brennen lassen.

Unsere Aufgabe besteht darin, eine Politik zu entwickeln, die im Linklang mit unseren Prinzipien steht. Als der mächtigsten unter den freien
Nationen der Erde ist uns bewußt, dab unsere Bürde grob ist, auer grob
sind auch unsere Möglichkeiten, Gutes zu bewirken. Wir müssen unsere
Macht wohlüberlegt einsetzen, aber wir dürfen vor der Herausforderung
durch jene, die unsere Ideale, Freunde und Hoffnungen auf eine bessere
Welt bedrohen, nicht zurückschrecken.

- 10 -

�Hintergrundmateriell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. Dezember 1984

51

DIE LANGFRISTIGE PLANUNGSRICHTLINIE FOFA: BEHAUPTUNGEN UND TATSACHEN
- Von General Bernard W. Rogers
Oberster A l l i i e r t e r Befehlshaber Europa (SACEUR) -

Nachdruck mit freundl i c h e r Genehmigung der
NATO Review

Am 9. November 1984 b i l l i g t e
NATO die

langfristige

der Verteidigungs-Planungsausschuß

Planungsrichtlinie

für

der

die Bekämpfung der Folge-

s t a f f e l n des Warschauer Paktes (Long Term Planning Guideline - Follow-on
Forces Attack = FOFA).

Nach den NATO-Planungsverfahren war diese

Billi-

gung e i n e r f o r d e r l i c h e r S c h r i t t , ehe die M i t t e l und Wege zur V e r w i r k l i chung von FOFA i n den zuständigen NATO-bremien o f f i z i e l l

geprüft

werderi

und Entscheidungen über die B e r e i t s t e l l u n g dieser M i t t e l g e t r o f f e n werden
können.

I n den 18 Monaten, s e i t die R i c h t l i n i e u n t e r u r e i t e t wurde, hat

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�wurde, hat es viele offizielle und inoffizielle Stellungnahmen zu FOFA
gegeben, die viele Mißverständnisse, falsche Vorstellungen und Fehleinschätzungen bezüglich dieses operativen Teilkonzepts erkennen lieben, die
nach meiner Überzeugung einer Richtigstellung bedürfen.

Zunächst einmal

möchte ich jedoch FOFA in den Gesamtzusammenhang der NATO-strategie stellen.

Die NATü-Strategie der flexiblen Reaktion ist eine Strategie zur Abschreckung vor einem Krieg und - falls die Abschreckung versagen sollte für den Einsatz von Streitkräften des Bündnisses auf eine solche Art und
Weise, daß der Konflikt mit einem Minimum an zivilen und militärischen
Verlusten und ohne Aufgaoe von NATO-Territorium zu einem befriedigenden
Abschluß gebracht wird.

Diese Strategie wurde vom Bündnis im Jahr 1967

verabschiedet, um den politischen und militärischen Geboten der Abschrekkung im europäischen Umfeld gerecht zu werden.

Nach meiner Überzeugung

ist diese Strategie heute noch genau so gültig wie zu dem Zeitpunkt, als
sie gebilligt wurde - wenn ausreichende Streitkräfte hinter ihr stehen.

Um diese Strategie verwirklichen zu können, braucht die NATO eine
Streitkräfte-Triade:

strategische Nuklearstreitkräfte, taktische Nukle-

arstreitkräfte und konventionelle Streitkräfte.

Als Verteidigungsbündnis

brauchen wir auf keinem Gebiet des Streitkräftevergleichs mit dem Warschauer Pakt unbedingt gleichziehen.

Um jedoch das notwendige Gleichge-

wicht mit dem Warschauer Pakt zu erhalten, muß die NATO ausreichende
Streitkräfte für jedes Bein der Triade bereitstellen.

Wir unternehmen

die angemessenen Schritte, um den Abschreckungswert unserer strategischen
und nichtstrategischen Nuklearstreitkräfte zu erhalten, aber die NATO hat
keine ausreichende Anstrengung auf dem Gebiet der konventionellen Streitkräfte unternommen.

Auf der Suche nach Mitteln und Wegen zur Stärkung unserer konventionellen Kapazität - und damit zur Wiederherstellung der Flexibilität der
flexiblen ReaKtion - hat das Oberste Hauptquartier der Alliierten Mächte
in Europa (SHAPE) zu Beginn dieses Jahrzehnts drei Prioritäten für die
Verbesserung der konventionellen Streitkräfte aufgestellt. Die erste Priorität ist die Verbesserung der dem Alliierten Kommando Europa (ACE) zu- 2 -

�(ACE) zugesagten Streitkräfte, indem sie hinsichtlich Mannschaftsstärke,
Ausrüstung, Ausbildung, Durchhaltefähigkeit und Verstärkung auf den von
ALE geforderten Stand gebracht werden.

Das sind die Streitkräfte, die

unsere Verteidigungspositionen besetzen und gegen die erste Staffel des
Angreifers halten müssen.

Unsere zweite Priorität ist die Fortsetzung

der Modernisierung unserer Waffensysteme und, wie wir das tun, Aufstokkung der Mittel zur Verbesserung unserer Fähigkeit, die Zahl der auf unsere Allgemeine Verteidigungsposition (General Defensive Position = GDP)
stoßenden Streitkräfte des Warschauer Paktes auf einen Umfang zu reduzieren, mit dem wir fertig werden können.
reitstellung
Streitkräfte.

von

mobilisierbaren,

Die dritte Priorität ist die Be-

ausgebildeten

Reserven

für

unsere

Es ist wichtig festzustellen, daß jede dieser drei Priori-

täten bei ihrer Verwirklichung sowohl unsere Streitkräfte an der GDP als
auch unsere Fähigkeit für die Bekämpfung der Folgestaffeln stärker werden.

Das Operationskonzept von ALE

Um die Strategie der flexiblen Reaktion wirksamer zu verwirklichen,
hat der Oberste Alliierte Befehlshaber Europa ein Operationskonzept entwickelt, um den Einsatz unserer Streitkräfte zu lenken, falls die Abschreckung versagen sollte.

Ein Teilkonzept dieses Gesamtoperationskon-

zeptes ist "die Bekämpfung der Folgestaffeln" (FOFA).

Unser FOFA-Teil-

konzept ist der Versuch, mit den Realitäten fertig zu werden, wie sie
durch die sowjetiscne Doktrin der offensiven Operation und die annaltende
massive Aufrüstung der konventionellen sowjetischen Streitkräfte gegeben
sind.

Sich auf diese beiden Bereiche konzentrierend begann der Stab von

SHAPE Ende 1979 mit der Entwicklung dieses Teilkonzepts, um die auf unsere Allgemeine Verteidigungsposition stoßenden gegnerischen Streitkräfte
mit konventionellen Waffen auf ein zahlenmäßiges Verhältnis zu reduzieren, mit dem wir fertig werden können.

Ursprünglich konzentrierten sich

unsere Anstrengungen auf die Verbesserung unserer vorhandenen Luftwaffenkapazität zum Auffangen und auf den Angriff auf die zweite Staffel des
Warschauer Paktes.

Während wir jedoch unser Teilkonzept entwickelten,

erkannten wir, daß der Warschauer Pakt in seinem Manöver "Zapad ül" das
- 3 -

�"Zapad ö l " das Konzept der Operativen Manö'vergruppe (UMU) e r p r o b t e , was
eine Rückkehr zu dem Konzept der Mobilen Gruppe aus dem Zweiten Weltkrieg
a l s T e i l der offensiven D o k t r i n der Sowjets erkennen l i e b .
dieser Entwicklungen begannen wir i n SHAPE a l l e
Paktes h i n t e r den Truppen der ersten L i n i e

Angesichts

Truppen des Warschauer

(mit tatsächlichem Feindkon-

t a k t ) a l s " F o l g e s t a f f e l n " ( f o l l o w - o n forces) zu bezeichnen.

Unser T e i l -

konzept e r h i e l t daher die Bezeichnung "Bekämpfung der F o l g e s t a f f e l n " oaer
FOFA.

Die sowjetische D o k t r i n
Der Warschauer Pakt würde sich zu Beginn eines K o n f l i k t e s eines Übergewichts der

konventionellen S t r e i t k r ä f t e

e r f r e u e n , aber im Laufe

Z e i t würde die p o t e n t i e l l e Stärke der NATO zunehmen.

der

Der YP könnte ver-

suchen, einen V o r t e i l daraus zu ziehen, daß die NATO von Verstärkungen
abhängig i s t ,

i n cem er einen raschen Schlag gegen uns f ü h r t .

Schwung der Offensive aufrechtzuerhalten, sieht die

sowjetische

Um den
Doktrin

den Einsatz von F o l g e s t a f f e l n v o r , die sich aus a k t i v e n Truppen, Reserven
und Operativen Manövergruppen (OMG) zusammensetzen.

Durch A u f r e c h t e r h a l -

tung des Angriffsschwungs und der ständigen Zufuhr neuer Kampftruppen gegen unsere Verteidigungsposition würde der

W3 versuchen, größere Durch-

brüche durch unsere V e r t e i d i g u n g s l i n i e zu e r z i e l e n , um den Zusammenhalt
unserer
Zeitlang

Verteidigung
auf

sich

zu zerstören.

allein

gestellt

Operative Manövergruppen, die
operieren

können,

sollen

an

eine
allen

schwachen S t e l l e n unserer Verteidigung durchstoßen und unabhängig h i n t e r
den NATO-Linien operieren und wichtige Z i e l e , wie Befenlsstärxje, nukleare
Abschußstellungen und Nachschubkomplexe, überrennen.

Die Sowjets h o f f e n ,

datf dies zu einem raschen Zusammenbruch der konventionellen S t r e i t k r ä f t e
führen und uns daran hindern würde, auf den Einsatz

nichtstrategischer

Kernwaffen zurückzugreifen.

Das Z i e l von FOFA
Nach den f ü r den ersten A n g r i f f vorgesehenen Divisionen des Warschau- 4 -

�des Warschauer Paktes folgen weitere Divisionen, Armeen und Armeegruppen.
Unser FOFA-Teilkonzept ist darauf angelegt, diese feindlichen Streitkräfte, die unmittelbar hinter der ersten Angriffsstaffel stenen, so weit in
das rückwärtige Gebiet des Gegners hinein mit konventionellen Waffen anzugreifen, wie es unsere Zielerfassung und unsere konventionellen Waffensysteme erlauben.

Das Alliierte Kommando Europa kann den Angreifer daran hindern, den
Schwung seines Angriffs aufrechtzuerhalten, indem es diese Folgestaffeln
- zu denen die Operativen Manövergruppen gehören - angreift, bevor sie
unsere Allgemeine

Verteidigungsposition erreicht

haben.

Die NATO-Be-

fehlshaber wollten diese Folgestaffeln schon immer in die Zielplanung
einschließen, aber es war so, daß es uns an den geeigneten Mitteln zur
Zielerfassung und geeigneten konventionellen Waffensystemen - außer bemannten Flugzeugen - mit ausreichender Reichweite und
fehlte.

Treffsicherheit

In den letzten Jahren haben vielversprecnende Verbesserungen der

Zielerfassung sowie in der Vernichtungskraft, Reichweite und Treffsicherheit konventioneller Waffensysteme FOFA zu einem realistischeren Teilkonzept werden lassen.

Behauptungen behindern unsere Anstrengungen

Unsere Bemühungen, die Fähigkeit zur Verwirklichung unseres FOFATeiloperationskonzepts zu erwerben, werden durch eine ganze Anzahl von
Behauptungen bezüglich dessen behindert, was wir eigentlich wollen und
wie wir es erreichen wollen.

Diese Behauptungen, bei denen es sich um Halbwanrheiten oder völlige
Irrtümer handelt, entstellen die Wirklichkeit.

Wenn sie nicht aufgeklärt

werden, könnten sie zu einer unklugen politischen Einstellung führen und
die Unterstützung durch die Öffentlichkeit hindern, die von lebenswichtiger Bedeutung ist, wenn unsere Pläne zur Verbesserung unserer konventionellen Kapazität erfüllt werden sollen.

Ich möchte einige dieser Behaup-

tungen unter die Lupe nehmen und sie dem harten Licht der Realität aus-

�Realität aussetzen.

Behauptung; FOFA ist auf die Doktrin der Sowjetunion und des Warschauer
Paktes nicht anwendbar

Es gibt Kritiker, die behauptet haben, unser Konzept habe mit den
Entwicklungen der Offensivdoktrin der Sowjetunion und des Warschauer Paktes nicht Schritt gehalten - vor allem weil wir die zunehmende Bedeutung
der Operativen Manövergruppe und auch den Umstand nicht erkannt hätten,
daß unter bestimmten Bedingungen kaum versucht würde, Folgestaffeln einzusetzen.

Das stimmt nicht'.

Solche Kritiker versuchen häufig ihre Be-

hauptungen dadurch zu unterstützen, daß sie die Analysen der sowjetischen
Doktrin von Christopher Donnelly heranziehen, des Leiters des Forschungszentrums für Sowjetstudien an der Königlichen Militärakademie in Sandhurst in Großbritannien.

Man kennt in SHAPE sehr wohl Auffassungen von

außerhalb - wie etwa von Chris Donnelly - und schätzt sie, solange sie im
Einklang mit den nachrichtendienstlichen Erkenntnissen der Länder stehen.
Chris Donnelly stim,nt mit unserer Einstellung zu FOFA überein.

Wie ich bereits erwähnt habe, haben wir in SHAPE die Erprobung des
Konzepts der Operativen Manövergruppe (CMG) bei Manövern des Warschauer
Paktes genau verfolgt.

Die OMG ist nur eine der sowjetischen Optionen

für den Einsatz von Folgestaffeln, deren Struktur je nach Gelände, zu erwartendem Widerstand und der Nowtendigkeit der Überraschung unterschiedlich sein wird.

Wir betrachten die CMü als ein Vorrangziel für FOFA und

für einen raschen Gegenangriff, sollte sie unsere Allgemeine Verteidigungsposition durchbrechen.

Ein Großteil der neuen Zielerfassungs- und

Ortungsfähigkeit, die wir anstreben, brauchen wir, um festzustellen, welche Folgestaffeln als OMG organisiert sind, damit sie sofort angegriffen
werden können.

So wie die Kritiker Unrecht haben, daß wir die OMG nicht in Rechnung
stellen würden, so irren sie sich auch in der Annahme, daß wir uns nicht
im klaren darüber seien, daß unter bestimmten Umständen die Sowjets die
- 6-

�Sowjets die Truppen ihrer zweiten Staffel direkt hinter oder zusammen mit
den Truppen der ersten Staffel gegen uns anrennen lassen könnten.

Wir

sind uns dieser Möglichkeit nicht nur bewutit, sondern wir stellen auch
die Tatsache in Rechnung, dab das Gelände nur eine bestimmte Anzahl von
Bataillonen des Warschauer Paktes hintereinander aufnehmen kann, wodurch
die übrigen außerhalb der Feindberührung liegen, d.h. Folgestaffeln sind.

Behauptung: FOFA hat falsche Prioritäten gesetzt
Es gibt Leute, die behaupten, daid wir, wenn wir schon früh im Kampf
die Folgestaffeln anzugreifen strebten, unsere Prioritäten durcheinandergebracht hätten und die Streitkräfte schwächen würden, die in der Allgemeinen Verteidigungsposition kämpfen.

Auch das stimmt nicht.

Wie ich

bereits angedeutet habe, tragen alle drei Prioritäten für die Verbesserung unserer konventionellen Streitkräfte dazu bei, sowohl die erste Angriffswelle an der Allgemeinen Verteidigungsposition aufzuhalten als auch
unsere Fähigkeit zum Angriff auf die Folgestaffeln zu erhöhen.

Im übri-

gen sind die Verteidigung an der GDP und der Angriff auf Folgestaffeln
sich ergänzende und gegenseitig verstärkende Operationen.

Die Verteidi-

gung an der GDP schützt unsere Mittel für den Angriff auf Folgestaffeln, und der Angriff im tiefen Raum, um die Folgestaffeln aufzuhalten,
zu zersprengen und zu neutralisieren, wird uns dabei helfen, das Kräfteverhältnis an der GDP in einem überschaubaren Rahmen zu halten.

Um die

sowjetische Offensivdoktrin ausnützen und vor einem Angriff abschrecken
zu können, muü die NATO in der Lage sein, sich an der GDP zu verteidigen
und

gleichzeitig

sowjetische

Folgestaffeln

anzugreifen.

Durch

diese

Gleichzeitigkeit wollen wir die NATO-Streitkräfte an der GDP stärken, indem wir den Sowjets die Fähigkeit nehmen, an dem Punkt ihrer Wahl eine
überwältigende Kampfkraft zum Tragen zu bringen - und damit einen Durchbruch verhindern.

Behauptung: FOFA ist eine neue Strategie

Line der

�Eine der bemerkenswertesten Unterstellungen ist die Behauptung, FOFA
sei eine neue Strategie.

Das stimmt ebenfalls nicht.

Das Konzept des

Alliierten Kommandos Europa, die Folgestaffeln anzugreifen, steht in vollem Einklang mit unserer vereinbarten Strategie der flexiblen Reaktion.
Sie ist auf keinen Fall eine neue Strategie.

Wir versuchen vielmehr die

Mittel bereitzustellen, um unsere heutige Strategie wirksamer verwirklichen zu können.

Diese Strategie verlangt von den Befehlshabern, ihre

Allgemeine Verteidigungsposition auf dem am besten zu verteidigenden Gelände so weit vorn aufzubauen, daü wir nicht freiwillig mehr NATO-Territorium aufgeben als absolut notwendig ist.

Auch wenn Leute, die mit mi-

litärischen Fragen nicht vertraut sind, dies fälschlicherweise meinen, so
bedeutet Vorneverteidigung

nicht, daü wir unsere Allgemeine Verteidi-

gungsposition entlang den Grenzpfählen eingraben, die die Grenze zwischen
den Ländern der NATO und jenen des Warschauer Paktes markieren.

Sie be-

deutet , daü wir das am besten zu verteidigende Gelände so weit vorne wie
möglich zur Errichtung der GDP nutzen und Deckungstruppen zwischen der
GDP und der Grenze einsetzen.

Um sich richtig verteidigen zu können, muß das Alliierte Kommando
Europa Tiefe für das Schlachtfeld gewinnen.

Das Gebiet der NATO-Länder

kann weder vergrößert werden, noch ist es Verhandlungsgegenstand.

Line

ausreichende Tiefe wird sich also nicht auf Kosten von NATO-Territorium
gewinnen lassen, aber ALE kann seine konventionelle Feuerkraft weit über
den vorderen Rand des Gefechtsfeldes hinaus zum Tragen bringen, um Folgestaffeln des Gegners in dessen rückwärtigem Gebiet abzufangen und seine
Nachschubeinrichtungen

und

vorgeschobenen Flugplätze

zu treffen.

Die

Sperre im rückwärtigen Gebiet des Gegners mit weitreichenden Waffen - bemannten Flugzeugen - war schon immer Teil des Allgemeinen Verteidigungsplans und der Doktrin der NATO.

FOFA will nur Mittel und Wege aufzeigen,

wie dies mit anderen Systemen ebenso wie mit Flugkörpern besser erreicht
werden kann.

Behauptung: FOFA ist nur eine andere Bezeichnung für Airland Battle

Weiter leidet

�Weiter leidet FOFA unter der Behauptung, daß es sich nur um die amerikanische Airland Battle-Doktrin unter einer anderen Bezeichnung handle.
Das stimmt nicht. Die Erhebungen des Stabes von SHAPE über die ALE zugeteilten konventionellen Streitkräfte in den Jahren 1979-1980 zeigten Mängel dieser Streitkräfte auf, die,wenn sie nicht korrigiert würden, zu einer Senkung der Nuklearschwelle führen müßten.

Deshalb wurde der Stab

angewiesen, Mittel und Wege zu finden und zu empfehlen, wie die konventionellen Streitkräfte des Alliierten Kommandos Europa diese Mängel überwinden und größere Kapazität gewinnen könnten - einschließlich der Nutzung vielversprechender technologischer Entwicklungen.

Die damals vorgeschlagenen Mittel und Wege, um die Fähigkeit der konventionellen Streitkräfte zu stärken, Folgestaffeln des Warschauer Paktes
zu orten, zu identifizieren, als Ziel zu erfassen und zu vernichten, wurden in die Streitkräftevorschläge aufgenommen, die die ACE Oktober 1981
dem Militärausschuß der NATO unterbreitete.

In der SALEUK-Emebung der

Erfordernisse der konventionellen Streitkräfte vom 8. Dezember 1981, die
ich der Ministertagung

des Verteidigungs-Planungsausschusses

vorleyte,

wies ich darauf hin, daß wir, wenn wir ein Kräfteverhältnis der Landstreitkräfte gewährleisten wollten, das eine zusammenhängende Verteidigung erlauben würde, dringend dafür sorgen müßten, daß wir in der Lage
wären, die Folgestaffeln des Warschauer Paktes als Ziel zu erfassen und
zu vernichten, ehe sie in der Lage sind, auf dem Hauptgefechtsfeld einzugreifen.

Die Streitkräfteziele für den Zeitraum von 198.5 bis 1^88, die

die Minister auf ihrer Frühjahrstagung 198z: gebilligt hatten, enthielten
Verpflichtungen, zu einer stärkeren konventionellen Verteidiyungskapazität zu gelangen - einschließlich der Nutzung vielversprechender existierender und neuer Technologien für FOFA.

Die geschichtlichen Entwicklungen zeigen also, daß ACE schon seit
1980 an seinem FOFA-Teilkonzept arbeitet.

FOFA ist nicht das Produkt ei-

nes einzelnen Landes; es handelt sich vielmehr um ein Produkt von ACE,
das auf die europäischen Verhältnisse zugeschnitten ist.

Unabhängig von unseren Aktivitäten in ACE - wie das auch sein soll - 9-

�sein soll - hat die amerikanische Armee ihre Airland Battle-Doktrin entwickelt, wie sie in der 1962er Ausgabe des Handbuchs FM 100-5, Operations
enthalten ist, sowie das theoretische Konzept "Airland Battle 20UU" - das
jetzt unter der Bezeichnung "Army 21" läuft. Dieses Handbuch und das ins
Auge gefaßte künftige Konzept der US-Armee versuchen darzulegen, wie amerikanische Korps und Divisionen bei der Erfüllung der weltweiten militärischen Verpflichtungen der Vereinigten Staaten kämpfen würden.

Es gibt

zwar einige wenige Ähnlichkeiten zwischen dem FOFA-Teilkonzept von ACE
und dem Airland Battle-Konzept der US-Armee, aber sie wurden unabhängig
voneinander entwickelt. Es gibt einige sehr wichtige Unterschiede:

- Wir planen in ACE nicht für einen integrierten Einsatz von konventionellen, nuklearen und chemischen Waffen.

Wir machen einen deutlichen

Unterschied zwischen konventionellen Waffen und Massenvernichtungswaffen.

Jeder etwaige Einsatz von chemischen oder nuklearen Waffen

durch das Bündnis müßte auf jeden Fall im Einklang mit den Freigabeverfahren stehen, wie sie die politischen Behörden des Bündnisses gebilligt haben.

Wir werden keine Präventivschläge führen.

Die NATO

ist ein Verteidigungsbündnis und wird daher niemals den ersten Schuß
abgeben.

- Im Gegensatz zu den landläufigen Vorstellungen werden wir nicht mit
Landstreitkräften über unsere Grenzen hinweg angreifen, um tief in
das Hinterland des Gegners vorzustoßen.

Wir werden jedoch den Gegen-

angriff - das Kernstück einer wirksamen Verteidigung - anwenden, um
unsere Frenzen wiederherzustellen.

Dies läßt einige der Aspekte von Airland Battle und Airland Battle
2000 erkennen, die nicht für ALE gelten.

Obwohl zwar einiye der natio-

nalen Streitkräfte von NATO-Ländern nach taktischen und operativen Doktrinen und Verfahren operieren, die verschiedenartige Einstellungen zur
Kriegführung zu Lande erkennen lassen, so würden alle Streitkräfte, die
im Ernstfall unter das Kommando des SACEUR kämen, unter der Kommandokette
von ACE und nach der Politik, der Doktrin und den Konzepten von ACE operieren - nicht nach denen eines einzelnen Bündnislandes.
Behauptung:
- 10 -

FOFA

�Behauptung:

FOFA i s t eine Offensivstrategie

FOFA i s t weder eine Offensivstrategie noch e i n aggressives oder p r o vokatives
Angriff

Konzept.

Wie b e r e i t s

erwähnt,

läßt

die

NATO-Politik

von L a n d s t r e i t k r ä f t e n über die Grenzen hinweg zu.

sich ausschließlich auf einen A n g r i f f mit konventionellen
auf rückwärtige Gebiete des Gegners.
Angriff

FOFA

keinen
stützt

Waffensystemen

Manche Leute glauben, e i n solcher

stehe eineoi Verteidigungsbündnis

nicht

zu.

Aber warum s o l l t e n

w i r dem Gegner Sanktuarien im Hinterland z u b i l l i g e n , wo er seine S t r e i t k r ä f t e bewegen und besser auf einen A n g r i f f auf unsere Allgemeine V e r t e i digungsposition vorbereiten könnte?
wird s i c h e r l i c h

kein einziger Fleck

Warschauer Paktes s e i n .

Von dem T e r r i t o r i u m der NATO-Länder
e i n Sanktuarium

vor A n g r i f f e n

des

Wir wissen, daß die sowjetische D o k t r i n A n g r i f f e

i n der ganzen Tiefe des Kriegssschauplatzes v o r s i e h t , um Verstärkungen zu
verhindern, Befehls- und Leitwege zu unterbrechen und entscheidend wicht i g e Nachschublinien durchzutrennen.

Warum s o l l t e n wir den Gegner nicht

den gleichen Nachteilen aussetzen?

Behauptung:

Der E r f o l g von FOFA i s t von einem schwankenden Rohr abhängig:

Neuen Technologien
Auch diese Behauptung stimmt n i c h t .

Einige K r i t i k e r haben s i c h eine

Vorstellung von nicnt zu bezahlenden "Bück Rogers"-Waffen zurechtgemacht,
d i e , wenn überhaupt j e , irgend wann i n ferner Zukunft zur Verfügung s t e hen werden.

Unsere Vorstellungen sind ganz anders.

E i n G r o ü t e i l der Ka-

p a z i t ä t , die wir anstreben, i s t mit vorhandener und erprobter Technologie
zu e r r e i c h e n , die uns b e r e i t s mit konventionellen Systemen a u s s t a t t e t ,
mit denen wir F o l g e s t a f f e l n angreifen können.
So besitzen wir unter anderem:
- bemannte Kampfflugzeuge
- die LANCE-Rakete mit konventionellem Gefechtskopf
- das Mehrfachraketenwerfersystem
- fernverlegbare Minen
das
- 11 -

amerikanische

�- das amerikanische TR-1-Aufklärungsflugzeug
- das deutsche MW-1-Submunitionsausstoßgerät
- die b r i t i s c h e JP-2j&gt;3-Kratersprengmunition f ü r S t a r t - und
Landebahnen.
Was wir w o l l e n , i s t die Ausnutzung vorhandener, bewährter Technologie
und die Verbesserung i h r e r

Produkte, während wir

ganz systematisch

Chancen zu nützen suchen, die uns vielversprechende

neue

die

Technologien

b i e t e n , um herauszufinden, ob die für unsere Zwecke p o t e n t i e l l e n Systeme
aufgabengerecht und kostengerecht s i n d .

Behauptung:

FOFA wird an die S t e l l e der Nuklearoption t r e t e n

Und s c h l i e ß l i c h g i b t es noch Leute, die behaupten, daß FOFA darauf
angelegt s e i , die NATO i n die Lage zu versetzen, eine N i c h t e r s t e i n s a t z o p t i o n einzuführen.

Auch das i s t

falsch.

N a t ü r l i c h versuchen w i r , un-

sere Kapazität für eine konventionelle Kriegführung i n dem im Rahmen u n serer Abschreckungsstrategie größtmöglichen Umfang auszubauen - also auf
den Stand, der uns nach vernünftiyen Erwartungen i n die Lage
vor einem konventionellen A n g r i f f abzuschrecken.
weniger von einer Antwort
ganz unabhängig.

Dies wiederum wird uns

mit Kernwaffen abhängig machen -

aber

nicht

Wir haben nicht die A b s i c h t , den Lindruck zu erwecken,

w i r würden auf die Option des Ersteinsatzes
ten.

versetzt,

von Nuklearwaffen

verzich-

Solange die Kernwaffen nicht auf dem Verhandlungswege abgeschafft

worden s i n d , muß die NATO aus Gründen der Abschreckuny e i n ausreichenaes
und angemessenes Spektrum an Kernwaffen beibehalten.

Wenn unsere Nuklearwaffen bereitstehen, können sich die Sowjets n i c h t
auf einen r e l a t i v
verlassen.

b i l l i g e n und vorausberechenbaren konventionellen Sieg

Der Preis f ü r einen A n g r i f f auf Westeuropa muü die Möglich-

k e i t einschließen, daß er eine unberechenbare Kette der nuklearen Eskalat i o n auslösen würde.

Diese Unberechenbarkeit, diese Ungewißheit, i s t und

b l e i b t eine der entscheidenden Komponenten der NATO-Abschreckung.
Zusammenfassung
- 12 -

�I

Zusammenfassung

Die nächsten Jahre werden eine entscheidende Zeitspanne
Bündnis sein.

für unser

Entweder werden wir erleben, daß die NATU jene Maßnahmen

trifft, die notwendig sind, um unsere konventionelle Abschreckung zu
stärken, oder wir werden sehen, daß sich die Kluft zwischen der militärischen Kapazität des Warschauer Paktes und der der NATO immer weiter öffnen wird, und zwar bis zu einem Punkt, an dem die militärische Situation
selbst
wird.

für ein Verteidigungsbündnis nicht mehr wiederherstellbar

sein

Sollte dieser Fall eintreten, dann wären wir gegenüber dem Druck

des Warschauer Paktes anfällig, wenn uns dieser Konzessionen und Zugeständnisse durch die Drohung mit massiver militärischer Macht abverlangen
würde.

Wir dürfen auf keinen Fall die Vorstellung akzeptieren, diese letztere Situation werde unausweichlich eintreten.

Wir können das Notwendige

tun, um unsere konventionelle Kapazität zu stärken, indem wir die Prioritäten der Verbesserungen auf diesem Gebiet anpacken.

Das wird noch eini-

ge zusätzliche Opfer erfordern, aber es sind Opfer, die vernünftig sind
und die wir uns leisten können.

Unsere starke kollektive industrielle

Basis bietet uns vielversprechende vorhandene und neue Technologien, die
wir nutzen können, um unsere konventionelle Antwort auf eine Aggression
weiter zu stärken.

Wenn unsere Länder in der kollektiven Nutzung dieser

Technologie zusammenarbeiten, dann können sie sich der wirtschaftlichen
Vorteile einer gemeinsamen Forschung, Entwicklung und Produktion erfreuen, und die knappen Mittel des Bündnisses können besser und wirksamer genutzt werden.

Das Ziel ist unserer Anstrengungen wert,

indem wir die glaubwürdige

Aussicht schaffen, daß eine konventionelle Reaktion des Alliierten Kommandos Europa Erfolg haben kann, wird unsere Aoschreckungsposition gestärkt und die Nuklearschwelle angehoben.

Solcne Verbesserungen der kon-

ventionellen Streitkräfte werden uns unserem Ziel näherbringen, auch in
den nächsten 33 Jahren des Atlantischen Bündnisses den Frieden in Freiheit zu bewahren.
* * * * *

- 13 -

�19. Dezember 1984

51

MENSCHENRECHTSLAGE IN DER UDSSR BEKLAGENSWERT
- Halbjahresbericnt des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Einem Bericht des US-Aubenministeriums an den
Kongreß zufolge ist das Verhalten der Sowjetunion im Bereich der Menschenrechte auch weiterhin beklagenswert. Zu diesem Schluß gelangt das
Außenministerium in seinem 17. Halbjahresbericht über die Verwirklichung
der Schlußakte von Helsinki, den es am 4. Dezember 1984 dem Ausschuß über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa vorlegte - einer Abteilung im
Kongreß, die die Einhaltung der Schlußakte überwacht.
Die wesentlichsten Auszüge dieses Berichts haben folgenden Wortlaut:

Die Sowjetunion verletzt auch weiterhin Geist und Buchstabe der Prinzipien, die die Beziehungen zwischen den Staaten leiten, wie sie in der
Schlußakte von Helsinki niedergelegt wurden. Trotz weltweiter Verurteilung fährt die UdSSR mit ihrer militärischen Besetzung Afghanistans sowie
ihren Bemühungen fort, den afghanischen Widerstand durch brutale Waffengewalt auszumerzen; außerdem gewährt sie der vietnamesischen Besetzung
Kamputscheas ihre volle Unterstützung...

Außerdem

beging

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Außerdem beging die Sowjetunion den ersten Jahrestag ihres Abschusses
eines koreanischen Zivilflugzeuges ohne Warnung am 1. September 1983 der Tod von 269 Menschen war die Folge gewesen - dadurch, daß sie ihre
Verantwortung für diese Tragödie ableugnete. Damit Gestehen die Sowjets
auch weiterhin auf ihrem Recht, Zivilflugzeuge, die unabsichtlich über
die Grenze der Sowjetunion fJiegen, ohne Rücksicht auf Menschenleben zu
zerstören, wenn ihnen der Sinn danach steht...

Das

Verhalten

der

Sowjetunion

auf

dem

Gebiet

der Menschenrechte

(Prinzip Sieben) verschlechterte sich während des gesamten sechsmonatigen
Uberprüfungszeitraumes auf beklagenswerte Weise - trotz der erneuerten
Verpflichtung

"die

universelle

Bedeutung

aer

Menschenrechte

und

der

Grundfreiheiten" zu achten, wie sie sie vor einem Jahr in das Schlußdokument der Madrider KSZE-Konferenz eingegangen war...

Während des diesmaligen Uberprüfungszeitraumes beschnitten die sowjetischen Behördden die Grundfreiheiten noch weiter, indem sie einen Erlaß
veröffentlichten, der mit Wirkung vom 1. Juli an Sowjetbürger mit Strafen
bis zu loo Rubel dafür bedroht, sogenannte "Aufenthaltsregeln für Ausländer oder Staatenlose in der UdSSR" zu verletzen. Dieser neuen Regel zufolge kann ein Sowjetbürger bestraft werden, wenn er Ausländern Unterstützung in Form von "Obdach oder Transportmittel oder... andere Dienste
in Verletzung der bestehenden Regeln" anbietet.

Das neue Gesetz ist Teil einer ständigen Kampagne der sowjetischen
Behörden, den nicht amtlich genehmigten Kontakten zwischen Sowjetbürgern
und Ausländern ein Ende zu bereiten. Dieser Schritt hat schwerwiegende
Folgen für Dissidenten und Menschenrechtsaktivisten, die in so hohem Maß
von ausländischer Unterstützung abhängen...

Dieses neue sowjetische Gesetz zur Ausländerhilfe ging Hand in Hand
mit

einer

noch

nicht

dagewesenen Einschüchterungskampagne,

vor allem

seitens der Leningrader Behörden, die darauf abzielte, vor Kontakten

�vor Kontakten zwischen Einheimischen und Ausländern abzuschrecken. Zahlreiche amerikanische Touristen wurden Untersuchungen unterzogen, wurden
ausgewiesen, körperlich behelligt oder von der Miliz festgehalten - nur
weil sie sich mit Sowjetbürgern getroffen hatten...

Das vielleicht vielsagendste Beispiel der Intensität dieser noch andauernden sowjetischen Offensive gegen die Menschenrechte im Verlauf der
vergangenen sechs Monate war die Verhaftung und Verurteilung von Helena
Bonner, einem Gründungsmitglied der Moskauer Helsinki-Gruppe und Frau des
Dissidenten und Friedensnobelpreisträgers Andrei Sacharow. Der Konspiration mit amerikanischen Diplomaten zwecks Asylsuche in der amerikanischen
Botschaft angeklagt - von wo aus sie angeblich antisowjetische Propaganda
verbreiten wollte, während ihr Mann in Unterstützung ihrer Forderung nach
medizinischer Behandlung im Ausland in Hungerstreik trat -, wurde Helena
Bonner am Exilort ihres Mannes, in Gorki, am 2. Mai verhaftet, als sie
versuchte, ein Flugzeug zu besteigen, um Freunde in Moskau zu besuchen.

Unter der Anklage antisowjetischer Verleumdung wurde Frau Bonner in
Gorki für die Dauer der Voruntersuchungen festgehalten. Andrei Sacharow
trat sofort in Unterstützung der Forderung seiner Frau nach medizinischer
Versorgung im Ausland in den Hungerstreik, wurde jedoch nach fünf Tagen
mit Gewalt

von ihr

getrennt

und

in medizinische Gewahrsam genommen.

Darauf folgenden Berichten über seine Zwangsernährung und die Tatsache,
daß ihm bewußtseinsverändernde Drogen zugeführt worden seien, wurde durch
mehr oder minder offizielle Zusicherungen widersprochen, denen zufolge es
ihm gutgehe - einschließlich eines kurzen Filmstreifens, der ihn beim
Essen zeigte, während ihm die Juliausgabe einer westlichen Zeitschrift in
die Hand gegeben wird...

Trotz der vielen Stimmen in der ganzen Welt, die sich um das Schicksal von Sacharow und Frau Bonner besorgt zeigen, erlaubten die sowjetischen Behörden seit dem 6. März 1984 keinen Kontakt unabhängiger Stellen
mit ihnen... Die Welt wartet noch immer auf glaubwürdige Zusicherungen,
daß Andrei Sacharow noch am Leben ist und es ihm gutgeht.

Viele Sowjetbürger
- 3-

�Viele Sowjetbürger hauen sich darum bemüht, die Aufmerksamkeit auf
das allgemeine Problem der Verletzung der Menschenrechte in der Sowjetunion zu lenken. Diese Menschen, die oft auch im Bereich der Glaubensfreiheit oder dem der Verteidigung der Rechte der Minderheiten aktiv
sind, waren danach Verfolgungen ausgesetzt. In dieser Kategorie ragen
neben

Andrei

Sacharow

und

Helena

Bonner

noch

zwei

Persönlichkeiten

heraus: Anatoli Scharanski und Juri Orlow.

Anatoli Scharanski ist Gründungsmitglied der Helsinki-Uberwachungsgruppe, die 1975 von Privatleuten, einschließlich Bonner und Orlow, organisiert worden war, um die Einhaltung der Helsinki-Beschlüsse durch die
Sowjetunion zu überwachen. Derzeit verbüßt er eine 13jährige Gefängnisstrafe aufgrund der offenkundig

falschen Unterstellung, ein Spion zu

sein, und wird noch immer von den sowjetischen Behörden gnadenlos verfolgt.. .

Juri Orlow, Gründer der Helsinki-Überwachungsgruppe in Moskau, war
sieben Jahre lang - bis Februar 1984 - in einem Arbeitslager des Regimes
und verbüßt derzeit das erste von fünf Jahren inneren Exils, die ihm als
zusätzliche Strafe auferlegt wurden...

Die sowjetischen Menschenrechtsaktivisten halten es für entscheidend,
für einen freieren Informationsfluß innerhalb der sowjetischen Gesellschaft zu kämpfen. Zu diesem Zweck haben die Aktivisten schon seit vielen
Jahren im Untergrund Texte - die Samisdat-Manuskripte - über literarische, ethnische, religiöse, soziale, wirtschaftliche und politische Themen hergestellt. Die Verfolgung jener in der Sowjetunion, die mit dieser
Samisdat-Produktion in Verbindung gebracht wurden, hat im Zeitraum der
Überprüfung erheblich zugenommen...

Religionsangehörige, Vertreter
densaktivisten,

Verfechter

einer

jüdischer
größeren

Kultur, unabhängige Frieregionalen

Autonomie

sowie

jene, die lediglich aus der Sowjetunion auswandern wollen, litten auch in
diesen sechs Monaten wieder unter der Verfolgung durch staatliche Stellen.

Mitglieder

aller

�Mitglieder aller religiösen Bekenntnisse wurden Opfer derartiger Verfolgung. Sergei Markus, ein Anhänger des russisch-orthodoxen Glaubens,
wurde am 18. August zu drei Jahren Arbeitslager verurteilt, weil er angeblich religiöses Informationsmaterial verbreitet sowie zu viele religiöse Anspielungen in seinen privaten Vorlesungen über russische Kultur
eingearbeitet habe...

Am 30. Juni hielt die Polizei in Kasachstan das Auto der drei Baptisten Eduard Ewert, Iwan Tkatschenko und Nikolai Loeven (einem Geistlieben) an und

konfiszierten

religiöse Literatur. Zwei Wochen später

wurden alle drei verhaftet...
Der staatliche Druck auf die sowjetischen Pentekostalisten und ihre
Glaubensausübung ließ nicht nach; auf ihre Bemühungen um Auswanderung
wurde nicht eingegangen...

Die Juden in der Sowjetunion hatten besonders schwierige sechs Monate
hinter sich, da sich die Verfolgung der Verfechter einer jüdischen Kultur
in der Sowjetunion noch verstärkte.
Die Moskauer Hebräischlehrer Alexander Kolmianski und July Edelstein
wurden im Sommer wegen angeblichem Rowdytum und Drogenbesitz verhaftet...

Jakob Levin, ein jüdischer Aktivist aus Odessa, wurde ebenfalls im
Sommer verhaftet und sieht der Anklage wegen antisowjetischer Verleumdung
aufgrund

der

Verbreitung

religiöser

Materialien

entgegen.

In

die

Uberprüfungsperiode fiel auch das Gerichtsverfahren gegen den jüdischen
Aktivisten Zakar Zunschain aus Riga. Zunschain wurde am 29. Juni zu drei
Jahren Arbeitslager verurteilt, obwonl er nichts weiter getan hatte, als
für seine eigene Familie im Zusammenhang mit deren Emigrationsbemühungen
Briefe zu schreiben... Während des Uberwachungszeitraums wurden sogar
jüdische "Refusniks" von den sowjetischen Staatsstellen bedroht, die sich
lediglich um ihre eigene Auswanderung bemühten...

Die Gruppe zur Schaffung von Vertrauen zwischen der UdSSR und den USA

�und den USA ist eine unaDhängige Gruppe Desorgter Sowjetbürger, deren
unparteiische, polemikfreie Haltung in der Diskussion über die Rüstungskontrolle und die Vertrauensbildung sich deutlich von den Erklärungen des
offiziell sanktionierten sowjetischen Friedenskomitees abhebt. Mitglieder
dieser Gruppe wurden ebenfalls in den sechs beobachteten Monaten weiterhin behelligt und verfolgt. Gruppenmitglieder wurden verhaftet, in Haft
behalten und geschlagen...

Die Einweisung in psycniatrische Kliniken wird von den staatlichen
Stellen in der Sowjetunion regelmäßig als Strafmaßnahme gegen jene angewendet, die als Gegner der Interessen von Partei und Regierung angesehen
werden. Die Sowjetunion hat in der Tat mittlerweile eine derart beklagenswerte Liste von Vergehen im Bereich der Psychiatrie aufzuweisen, daß
sie 1983 aus der Internationalen Vereinigung für Psychiatrie austrat, um
einem Mißtrauensvotum

und dem möglichen Ausschluß zu entgehen. Statt

durch die Erfahrung ernüchtert zu sein, fuhren die sowjetischen Behörden
mit dieser unmenschlichen Praxis auch während des Uberprüfungszeitraums
fort...

Seinen Höhepunkt erreichte dieser Mißbrauch der Psychiatrie im Frühjahr 1984 mit dem Tod von Alexei Nikitin, einem bekannten Bergbauingenieur aus Donetsk, der mit Gewalt in eine psychiatrische Klinik verschleppt wurde, nachdem er zwei amerikanische Korrespondenten 1980 mit
sowjetischen Bergarbeitern zusammengebracht hatte, um deren Lebensbedingungen bekanntzumachen.

Trotz ihrer Verpflichtungen gemäß der Schlußakte von Helsinki verweigerte die Sowjetunion auch weiterhin Tausenden ihrer Bürger, die zu ihren
Verwandten ins Ausland ziehen möchten, die Ausreisegenehmigung. Die Ausreise jüdischer Bürger ging seit 1979, als über 50 000 das Land verliessen, dramatisch zurück. In der Zeit vom 1. März bis zum 30. August verließen 423 Juden die Sowjetunion. Demgegenüber stehen etwa 473 Juden, die
die UdSSR in den vorausgegangenen sechs Monaten verließen...

In
- 6-

dem

jetzigen

�In dem jetzigen Zeitraum zeigte sich auch eine Zunahme der antisemitischen Rhetorik, die sich nur schlecht als "Antizionismus" tarnt. Die sowjetische Propaganda behauptet, israelische und westliche Geheimdienste
ermutigten zur Emigration, um von Sowjetbürgern Staatsgeheimnisse zu erhalten... Grobe sowjetische Propagandaplakate zeigen oft das Bild Hitlers
zusammen mit israelischen Regierungsvertretern. Viele dieser Plakate zeigen Israelis beim Vergiften arabischen Trinkwassers...

Während des gesamten Bericntzeitraumes war auch die Auswanderung von
deutschen Minderheiten aus der Sowjetunion sehr niedrig. Vom 1. März bis
zum 30. August verließen 356 Personen aus dieser Gruppe die Sowjetunion.
Im Vergleich hierzu waren es in den vorausgegangenen sechs Monaten 585...

- 7-

�19. Dezember 1984

51

DIE ZUKUNFT DER HOCHTECHNOLOGIE IN DEN WISTLICHEN LÄNDERN
Von L i o n e l H. Olmer, Staatssekretär für i n t e r n a t i o n a l e n Handel im
amerikanischen Handelsministerium -

WASHINGTON -

(AO) - Bei Diskussionen über die Zukunft der Hochtech-

nologie i n den westlichen Ländern sind zwei wichtige Punkte zu berücks i c h t i g e n . Erstens hat f ü r die Weltwirtschaft eine Wachstumsära der Hochtechnologie begonnen, die sich praktisch i n einem weltweiten Rahmen v o l l z i e h t . Das i s t neu. Zweitens wurde eine Säule westlicher S i c h e r h e i t , näml i c h die europäische W i r t s c h a f t , durch niedriges Wirtschaftswachstum und
hohe A r b e i t s l o s i g k e i t geschwächt, was die Aufnahmefähigkeit f ü r Hochtechnologie verzögern könnte.

I n manchen Kreisen Europas scheint man diese

beiden w i r t s c h a f t l l i c h e n Realitäten a l s etwas zu betrachten, was s i c h gegenseitig ausschließt. Die Erfahrungen Amerikas zeigen jedoch, daß es Wege g i b t , um Überlegungen zu Wachstum und Arbeitsmöglichkeiten mit den Rea l i t ä t e n einer Ära der Hochtechnologie zu vereinbaren.

Ära

der

Hochtechnologie

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ära der Hochtechnologie
Die I n d u s t r i e w i r t s c h a f t hat sich ihrem Wesen nach grundlegend veränd e r t . Früher wurde W i r t s c h a f t s p o l i t i k von regionalen oder nationalen Faktoren geprägt.

Heute dagegen steht die Weltwirtschaft auf dem Boden der

Interdependenz.

Internationalisierte

Kapitalmärkte,

RekordVolumina

für

den Welthandel und globale Inanspruchnahme von Energiequellen sowie nat ü r l i c h e n Ressourcen sind kennzeichnend für die Interdependenz der westl i c h e n Wirtschaft.

Während beispielsweise Anfang der siebziger Jahre der

Kapitalverkehr zwischen den Vereinigten Staaten und der übrigen Welt etwa
20 M i l l i a r d e n D o l l a r pro Jahr ausmachte, wuchs er i n den achtziger Jahren
auf 200 M i l l i a r d e n D o l l a r .

Und wo einst die r e l a t i v beständigen Aktiva

von A r b e i t s k r a f t , K a p i t a l und natürlichen Ressourcen i n e r s t e r L i n i e den
Schlüssel zu v o r t e i l h a f t e r

Entwicklung d a r s t e l l t e n , bedeutet

heutzutage

eine besonders f l e x i b l e F ä h i g k e i t , Technologie aufzugreifen und zu nutzen, den Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit.
Überlegungen zu S t r a t e g i e -

Auch werden i n unserer Z e i t

und Verteidigungsfragen

vom technologischen

F o r t s c h r i t t beherrscht.

Durch den E i n t i i t t der westlichen Länder i n die Ära der Hochtechnologie sind die e t a b l i e r t e n Verfahrensweisen, Geschäfte zu t ä t i g e n , ebenso
herausgefordert wie die I n s t i t u t i o n e n a l s Träger kommerzieller A k t i v i t ä ten.

Ein ganz neuer Aspekt i n der neuen Ära i s t der Grad der O f f e n h e i t ,

den eine Hochtechnologie-Wirtschaft

erfordert.

Hochtechnologie-Industrien

machen i n zunehmendem Maße die Erfahrung, daß sie
Ebene operieren müssen.

auf

multinationaler

Hohe F &amp; E-AufWendungen ( d . h . Aufwendungen

für

Forschung und Entwicklung) zur Produktentwicklung, ferner die rapide Ausbreitung von Technologien und immer kürzere Lebenszykluszeiten der Produkte machen es zunehmend schwieriger, durch Operieren auf nur einem Markt
wettbewerbsfähig zu bleiben - selbst bei einem Markt von der Größe jenes
der Vereinigten Staaten.

Wachstumsprobleme
- 2 -

in

Europa

�Wachstumsprobleme in Europa

Zu der Herausforderung durch die globale Natur der Hochtechnologie
und die damit gegebene Interdependenz kommen die wirtschaftlichen Probleme von Arbeitslosigkeit und niedriger Wachstumsrate in Europa noch hinzu.
Wirtschaftlicher Pessimismus ist immer noch vorherrschend in Europa.

Die

wirtschaftliche Erholung der jüngsten Zeit, die zu Wachstumsraten von etwa 2,5 Prozent führte, wird als "Wachstumsrezession" bezeichnet.

Damit

ist eine Wirtschaft gemeint, die zwar wächst, aber weiterhin einen hohen
Grad von Arbeitslosigkeit hat.

Diese pessimistischen Empfindungen rei-

chen über die unmittelbare Zukunft hinaus. Aufgrund einer kürzlich durchgeführten Umfrage des deutschen Meinungsforschungsinstituts in Allensbach
rechnet nur etwa jeder zehnte Deutsche damit, daß sich im nächsten Jahrzehnt der Lebensstandard erhöht.

Und 37 Prozent der Befragten waren der

Ansicht, daß die Mehrzahl der Deutschen Anfang der neunziger Jahre ärmer
sein würden als heute.

Dies steht in auffälligem Gegensatz zu dem Opti-

mismus in den sechziger Jahren.
Welche Dimension die von Europa zu bewältigende Aufgabe hat, zeigt
sich im Hinblick auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Die Zahl der

Stellenanwärter in Europa, die in den siebziger Jahren Arbeit suchten,
weitete sich um 12 Millionen aus.

Aber nur drei Millionen neue Arbeits-

plätze wurden geschaffen (gegenüber ZI Millionen in den Vereinigten Staaten).

Somit konnten in Europa neun Millionen Menschen, die ins Arbeits-

leben eintreten wollten, keine Arbeit finden.

Selbst wenn man die Ar-

beitslosenzahl nur auf dem gegenwärtigen Stand - 11,3 Prozent - halten
wollte, müßten in Europa bis Ende der neunziger Janre sechs bis sieben
Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Will man aber die Ar-

beitslosenrate auf den eher akzeptablen Anteil von 5,5 Prozent verringern, wie er im Jahr 1979 war, so erforderte dies bis 1990 die Schaffung
von 14 Millionen neuer Arbeitsplätze.

Das bedeutet, daio Europa, das in

den letzten zehn Jahren nur drei Millionen neue Arbeitsplätze bereitstellte, innerhalb der nächsten sechs Jahre 2,3 Millionen neue Arbeitsplätze jährlich einrichten müßte.
Unter
- 3 -

Europäern

�Unter Europaern sind
Politik

betrachtliche

Diskussionen üüer die

spezielle

auf dem p r i v a t e n und ö f f e n t l i c h e n Sektor im Gang, mit

Z i e l e wie bessere Beschäftigung, Wettbewerbsfähigkeit

der man

i n der Hochtechno-

l o g i e und e i n akzeptables Ausmaß von Wirtschaftswachstum erreichen könnte.

Die Schaffung neuer A r b e i t s p l ä t z e d ü r f t e i n den paar Jahren b i s zum

Ende des

Jahrzehnts

Z i e l Europas werden.

das

vorherrschende

politische

und

wirtschaftliche

Es könnte sogar andere ungemein wichtige Ziele,etwa

das der nationalen Sicherheit und der Erhaltung eines Wirtschaftssystems,
das eine

Hochtechnologie-Wirtschaft

trägt

und v o r a n b r i n g t ,

noch

über-

schatten.
Die Vereinigten Staaten haben, was Beschäftigung, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit b e t r i f f t , die gleichen Z i e l e wie Europa.

Unsere Erfah-

rung z e i g t , daß im Streben nach Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum i n der
Ära der Hochtechnologie weder die Wirtschaft noch die Regierung die g l o bale Natur und die v ö l l i g , offenen Bedingungen der Märkte f ü r

technisch

hochentwickelte Produkte i g n o r i e r e n können.
Wirtschaftliche
beitsplätze

Anpassungsvorgänge,

die

zu schaffen und wettbewerbsfähig

erforderlich

sind,

zu b l e i b e n ,

um A r -

brauchen

ein

w i r t s c h a f t l i c h e s Umfeld, das auch Geschäftszusammenbrüche t o l e r i e r t ,

zur

Risikoübernahme ermutigt und den Erfolgreichen belohnt.

Die amerikani-

sche Wirtschaft hat im l e t z t e n Jahrzehnt eine enorm hohe Zahl neuer F i r men hervorgebracht; jedoch verdient die Tatsache Beachtung, daß fast
H ä l f t e dieser neuen Unternehmen innerhalb der ersten fünf Jahre

die

wieder

aufgeben muß.

Offenheit der Hochtechnologie-Märkte
Eine Regierung s o l l t e

nicht

i n t e r v e n i e r e n , um bestimmte

mit Spitzentechnologie zu f ö r d e r n , andere dagegen n i c h t .

Industrien

Die Rolle der

Regierung s o l l t e es s e i n , das allgemeine Umfeld so zu g e s t a l t e n , daß e i n

�daß ein lebhafter Wettbewerb gesichert ist. Die Regierung sollte dem entgegenstehende Bestimmungen aufheben und fiskalische Veränderungen zugunsten von Investitionen und Unternehmergeist in die Wege leiten. Das heißt
mit anderen Worten, daß die Regierung den Prozeß technischer Innovation
im Auge haben sollte, aber nicht eine bestimmte Industrie, ein bestimmtes
Unternehmen oder ein bestimmtes Produkt.

Die kürzlich erfolgte Aufhebung der Vorschriften für die nachrichtentechnische Industrie in Amerika ist ein
Maßnahme

führte zu enormen

Beispiel für diese Politik.

Wettbewerbschancen

auf dem

Die

amerikanischen

Markt und zur Gründung vieler neuer, innovativer Firmen des Sektors Telekommunikation.

Daraus wird sich eine rapide Ausbreitung von Technologie

und Kreativität ergeben.

Die Freigabe wird auch einige negative Auswir-

kungen haben - es wird Verlierer ebenso wie Gewinner geben.

Eine der ziemlich rasch folgenden negativen Auswirkungen war die Verschlechterung unserer Außenhandelsbilanz auf dem Gebiet Telekommunikation, weil wir mehr ausländische nachrichtentechnische Produkte aus Asien
und Europa importieren.

Unsere Handelspartner sollten sich der wachsen-

den Besorgnisse seitens der amerikanischen Industrie und Regierung wegen
der Tatsache bewußt sein, daß dem freien Zugang zum amerikanischen Markt
nicht ein vergleichbar freier Zugang zu den Märkten Europas und Japans
gegenübersteht.

Neuerdings gibt es einige Anzeichen dafür, daß europäische Länder
vielleicht mehr Bereitschaft zeigen, restriktive Politik auf dem Gebiet
Telekommunikation zu liberalisieren, um so die Handelsschranken zu verringern und die lückenhaften Märkte, die den Erfolg europäischer Unternehmen behinderten, in Ordnung zu bringen.

Jüngsten Vorschlägen zufolge

sollen Normen harmonisiert und zehn Prozent der nachrichtentechnischen
Produkte von ausländischen Lieferanten bezogen werden.

Dies ist für die

Vereinigten Staaten von großem Interesse als Beweis dafür, daß Europa
vielleicht die Notwendigkeit erkennt, einen integrierten großen Markt zu
schaffen.
In
- 5 -

einer

für

�I n einer f ü r Hochtechnologie günstigen Atmosphäre muß es auch A n t i k a r t e l l v o r s c h r i f t e n geben, die die Zusammenarbeit oder die

Realisierung

ausreichend großer Einsparungen nicht behindern. Den amerikanischen A n t i trustgesetzen l i e g t die Idee zugrunde, daß unserer Wirtschaft durch l e b haften

Wettbewerb unter

gedient w i r d .

unabhängigen kommerziellen Einheiten am besten

Nichtsdestoweniger können diese Gesetze auch die Tatsache

berücksichtigen, daß i n marchen F ä l l e n Zusammenarbeit unter unabhängigen
Wirtschaftseinheiten,

selbst

unter Konkurrenten, notwendig werden kann.

Technologische Innovation i s t e i n Bereich, wo Zusammenarbeit, insbesondere i n Forschung und Entwicklung, sehr v o r t e i l h a f t sein kann. Das Kongreßgesetz über Forschung und Entwicklung von 1984 ergänzt A n t i k a r t e l l g e s e t z e
i n einer Weise, die Innovation fördern d ü r f t e . Es erkennt u.a. eine "Vern u n f t r e g e l " bei der Bewertung wettbewerbsfeindlicher Implikationen derges t a l t a n , daß auch die Auswirkung auf die Märkte im F a l l der Unterlassung
einer gemeinsamen A k t i v i t ä t i n Betracht gezogen werden s o l l t e .

Exportkontrollen und Technologietransfer
Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaften wird immer s t ä r k e r
von unserer Fähigkeit

abhängen, eine

rasche Technologie-Ausbreitung

bewirken - und dies unmittelbar i n den I n d u s t r i e n mit
wie auch auf anderen Gebieten.

zu

Spitzentechnologie

Sowohl der Dienstleistungssektor a l s auch

die Grundstoffindustrien können enorm an P r o d u k t i v i t ä t

und Wettbewerbs-

f ä h i g k e i t gewinnen, wenn s i e technische Innovationen i h r e n Zwecken anpassen.

Es müssen also Mechanismen eingeführt werden, die den Technologie-

t r a n s f e r und den f r e i e n Austausch von Waren, Menschen und Ideen e r l e i c h tern.

Die amerikanische Regierung hat

den Umfang von

Technologietransfer

als eine besonders wichtige Problemfrage bei der Hochtechnologie i n den
Mittelpunkt g e s t e l l t .

Wir fanden beispielsweise auf dem Sektor V e r t e i d i -

gung heraus, daß für eine neue Technologie wie die von H a l b l e i t e r n hoch-

�H a l b l e i t e r n höchster Arbeitsgeschwindigkeit b i s zu sechs und sieben Jahren e r f o r d e r l i c h s i n d , um sie i n e i n neues Waffensystem einzubeziehen,
während eine neue Technik bei H a l b l e i t e r n schon nach sechs Monaten b i s
zwei Jahren T e i l eines handelsüblichen Produkts w i r d .

I n den z i v i l e n wie

m i l i t ä r i s c h e n Forschungseinrichtungen Amerikas sucht man nach Wegen, um
den Transferprozeß i n einer

Weise zu beschleunigen, d i e die

Wirtschaft

der westlichen Länder s t ä r k t .
Das Stevenson-Wydler-Gesetz
verabschiedet

wurde, forderte

über

technische

Innovationen,

das

i n jedem Bundesforschungslaboratorium

lböü
die

Bildung einer Abteilung f ü r angewandte Forschung und Technologie, um die
Kommerzialisierung der von der Bundesregierung f i n a n z i e r t e n F &amp; E durch
die P r i v a t w i r t s c h a f t zu beschleunigen.

Wir haben auch bundeseigene Labo-

r a t o r i e n e r m u t i g t , mehr exklusive Lizenzvereinbarungen mit

Privatfirmen

zu t r e f f e n , die Produkte auf den Markt bringen möchten, welche auf Techniken aus dem betreffenden Laboratorium basieren.

Wir schätzen, daß das

P o t e n t i a l f ü r v e r s t ä r k t e Vermarktung von F &amp; E-Resultaten aus d e r a r t i g e n
regierungseigenen Laboratorien b e i etwa 17 M i l l i a r d e n D o l l a r l i e g t .

G l e i c h z e i t i g macht es jedoch die weltweite Ausbreitung hochentwickelt e r Technologien mit möglicher m i l i t ä r i s c h e r Anwendung für uns zum zwingenden Gebot, a l l e s zu t u n , um die Weitergabe von Technologien mit dopp e l t e n Anwendungsmöglichkeiten an p o t e n t i e l l e Gegner zu verhindern.
müssen unsere gemeinsamen Anstrengungen f o r t s e t z e n , den Export

Wir

hochent-

w i c k e l t e r und vom m i l i t ä r i s c h e n Standpunkt aus sehr wichtiger Technologie
und Produkte an die Sowjets zu begrenzen.

Die Überlegenheit

westlicher

Technik i s t nach wie vor e i n Hauptgrund d a f ü r , daß wir i n der Lage s i n d ,
der sowjetischen Bedrohung zu begegnen.
kelter

Technologien würde unausweichlich

ischen P o s i t i o n

Ein Transfer solcher hochentwikzu einer

schwächeren

führen und höhere Verteidigungsbudgets

e r f o r d e r l i c h machen, um der so vergrößerten Schlagkraft

der

militär-

Verbündeten

der Sowjets

zu

begegnen.

I c h fordere nicht eine I n d u s t r i e p o l i t i k der A l l i i e r t e n , die i n irgend
- 7 -

�in irgendeiner Weise zu Handelsbehinderungen führen würde. Der Präsident
ist überzeugt, daß die wirtschaftliche Stärke der Vereinigten Staaten und
Europas von einem freien und offenen Handelssystem abhängt.

Für die Re-

gierung bedeutet dies einen der wichtigen Stützpfeiler ihrer Politik. Die
Stärke unserer Volkswirtschaften ist die Hauptquelle unserer militärischen Stärke.

Wir brauchen mehr Bewußtsein für die Konsequenzen unserer

Handelspolitik in bezug auf die Verteidigung, damit ein freier und offener Handel in einer Weise geführt werden kann, die unsere Einsatzbereitschaft stärkt, nicht aber schwächt. Ich halte dies für erreichbar und erhöhter Beachtung seitens der Verbündeten wert.

Im Verlauf der letzten drei Jahre haben wir bedeutsamen Fortschritt
erzielt, um in der Frage einer Kontrolle des Transfers von Technologie,
die in doppelter Weise anwendbar ist, zu einer Übereinstimmung zu kommen.
Ein zuvor moribunder Kontrollmechanismus, nämlich der Koordinierungsausschuß für multilaterale Exportkontrollen (LOCCM), wurde neu belebt.

Wir

haben uns über Definitionen neuer Technologie auf dem Gebiet der Lomputer
geeinigt.

Diese Definitionen berücksichtigen die dynamischen Technolo-

gie-Veränderungen der letzten Jahre und erlauben den Verkauf von weniger
hochwertigen, ausreichend verfügbaren Produkten an Osteuropa und an die
Sowjetunion.

Wir haben die Kontrolliste erweitert, um neue Technologien

einzubeziehen, die gerade beginnen, sich in Produkten für nichtmilitärische Verwendung niederzuschlagen, gleichzeitig aber für die militärische
Kraft unserer Gegner enorm vorteilhaft sein könnten.

Und was vielleicht

am wichtigsten ist - wir sind uns in der Erkenntnis einig, daß ein wirklich effektives Programm Übereinstimmung unter Partnern darin verlangt,
daß es heutzutage niemand mehr fertigbringt, den Technologiefluß in den
Osten einseitig zu begrenzen - falls dies überhaupt je möglich war.

Wir sind fest davon überzeugt, auch wenn gewisse wirtschaftliche Zugeständnisse gemacht werden müssen, daß diese Kontrollen notwendig sind nicht nur im Interesse der nationalen Sicherheit Amerikas, sondern auch
der Europas.

Ich weiß, daß manche in Europa behaupten - ohne dies mit

exakten Angaben zu untermauern -, die Vereinigten Staaten benutzten Ex- 8 -

�benutzten Exportkontrollen dazu, durch Verweigerung von Technologie

für

Westeuropa amerikanischen Firmen einen kommerziellen V o r t e i l zu verschaffen.

Das i s t absolut f a l s c h .

Amerikanische Exportkontrollen t r e f f e n u n -

sere eigenen Unternehmen und unsere Exporte mehr a l s europäische Firmen.
Kürzlich

hieß e s , EG-Minister

Maßnahmen zur Exportkontrolle
für Europa gehabt hätten.

seien übereingekommen,

a u f z u l i s t e n , die

Vielleicht

ist

amerikanische

nachteilige

Auswirkungen

diese L i s t e n ü t z l i c h , um die

Aufmerksamkeit auf Gebiete zu lenken, wo eine besser k o o r d i n i e r t e
uns unseren S i c h e r h e i t s z i e l e n näher b r i n g t und g l e i c h z e i t i g

Politik

ungebührlich

Härten sowohl für die amerikanische als auch f ü r die europäische

Indu-

s t r i e vermeidet.

Beschäftigung und Hochtechnologie
Die Auswirkungen rascher

technologischer

Veränderungen auf

schäftigungslage bereiten s i c h e r l i c h große Sorge.

die Be-

Die starke Verbreitung

neuer Techniken im informationswesen b e t r a f eine wachsende Zahl von Fabrikationsprozessen und verschlimmerte die Besorgnisse über die schon bestehenden Arbeitsmarktprobleme.

Selbst wenn s i c h diese Besorgnisse

als

unbegründet erweisen, müssen sie ernst genommen werden, w e i l sie zum großen T e i l die Basis für Widerstand dagegen b i l d e n , was s i c h nach den E r fahrungen der Vereinigten Staaten a l s überaus v o r t e i l h a f t e

Auswirkungen

der Hochtechnologie auf Wachstum und Beschäftigung erwies.
I n den USA hat sich die Forschung e i n i g e r dieser Fragen angenommen
und p r ä s e n t i e r t wichtige Beobachtungen.
Annahme, durch Verlangsamung

So wird beispielsweise mit

des Automatisierungsprozesses

könnten

der
Ar-

b e i t s p l ä t z e i n der F a b r i k a t i o n g e r e t t e t werden, aer kompensatorische E f fekt f ü r die Beschäftigung i n der F a b r i k a t i o n durch den Ankauf von Ausrüstungen i n anderen Sektoren der
leistungswesen,

übersehen.

Wirtschaft,

Gesamtwirtschaftlich

insbesondere
betrachtet,

im Diensthaben

die

USA und Japan v i e l e dieser Technologien schnell und umfassend übernommen

�umfassend übernommen -

bisher ohne negative d i r e k t e Auswirkung auf

Beschäftigungssituation.

Diese Erfahrung deutet

s i c h t s beständiger A r b e i t s l o s i g k e i t

darauf

die

h i n , daü ange-

i n Europa das Problem nicht

Einführung neuer Techniken zu suchen i s t , sondern i n der

in

der

Inflexibilität

des Arbeitsmarktes - d . h . beispielsweise durch Mangel an M o b i l i t ä t

der

Arbeitnehmer oder von Umschulungsprogrammen.

Die Erfahrunger. der Vereinigten Staaten h i n s i c h t l i c h Beschäftigung i n
der Ära der Hochtechnologie waren bisher überaus p o s i t i v , da man s i c h
allgemein auf

das f r e i e

Spiel

der Marktkräfte

verläüt,

internationale

Wettbewerbsfähigkeit i n einem offenen Markt anstrebt und um eine rasche
Aneignung der Techniken bemüht i s t .

Der Versuch, mehr Bescnäftigung zu erlangen, indem man die Annahme
neuer Techniken u n n a t ü r l i c h einengt oder vorhandene Arbeitsplätze

gegen

i n t e r n a t i o n a l e n Wettbewerb abschirmt, kann nur die F l e x i b i l i t ä t und Wettb e w e r b s f ä h i g k e i t von Firmen verringern und Langzeitprobleme

hinsichtlich

der w i r t s c h a f t l i c h e n Stärke hervorrufen.

Finanzierung der Hochtechnologie
E i n bemerkenswerter Aspekt der amerikanischen Hochtechnologie i s t

die

r e l a t i v e L e i c h t i g k e i t , mit der zur Ausnutzung von Innovationen Firmen gegründet und wieder aufgegeben werden.

Jegliche A r t

von Innovation kann

ausreichen, e i n Geschäft anzufangen, und geschäftliches Versagen i s t
neswegs gleichbedeutend mit einem Brandmal.

kei-

I n den Vereinigten Staaten

bedarf es nicht a l l z u v i e l an K a p i t a l oder gar bestimmten Arten von Kapit a l , um e i n Geschäft zu f i n a n z i e r e n .

Eine der am meisten d i s k u t i e r t e n Quellen zur Finanzierung von Hochtechnologie-Firmen i s t R i s i K o k a p i t a l .

I n den l e t z t e n fünf Jahren e r f u h r

R i s i k o k a p i t a l i n den Vereinigten Staaten eine dramatische Ausweitung.

Es

e r r e i c h t e im Jahr 1983 einen Umfang von 12,1 M i l l i a r d e n D o l l a r . Dem steht
- 10 -

�Dem steht für 1982 Risikokapital von insgesamt 7,6 Milliarden Dollar, für
1977 gar nur von drei Milliarden gegenüber.

Obgleich es wahrscheinlich

weniger als zwei Prozent des in den USA ausgewiesenen Eigenkapitals ausmacht, hat es doch den Anschein, daß die Auswirkungen von Risikokapital
auf technologische Innovation und Wachstum über den tatsächlichen Umfang
des Risikokapitalsektors we±t hinausgehen.

Die Ausweitung der Mittel für Risikokapital ist auch ein Zeichen für
eine günstigere fiskalische Situation, die aus der niedrigeren Besteuerung von Kapitalgewinnen in den Jahren 1976 und 1981 und einer lebhaften
Börse für neue Angebote resultiert.

Dies gab Investoren die Möglichkeit,

hohe finanzielle Erträge aus einer Risikoübernahme zu erzielen.

Obgleich

der europäische Markt für Risikokapital gegenwärtig noch nicht so weit
entwickelt ist wie der amerikanische, ist doch deutlich das enorme Potential für private Investitionen zu erkennen.

Und während die europäischen

Regierungen nach Wegen suchen, das Klima für die Investition von Risikokapital zu verbessern, sollten sie auch eine Reform der Steuer- und Verordnungsschemata in Erwägung ziehen, um Hindernisse gegen Investitionen
zu beseitigen und zur Risikoübernahme zu ermutigen.

Kooperative 'Übereinkünfte

Die Notwendigkeit für Kooperative Vereinbarungen zu dem Zweck, die
Vorteile

internationaler

technologischer

erforderliche Einsparungen

Ressourcen

wahrzunehmen

und

in ausreichender Höhe zu erzielen, wird in

der Privatwirtschaft der Vereinigten Staaten, Europas und Japans weitgehend erkannt.

Bei den Regierungen dauert es gelegentlich etwas länger,

dies wahrzunehmen.

Auf den meisten Hochtechnologie-Sektoren müssen diejenigen, die dabei
sein wollen, sich einen beachtlichen Anteil vom Weltmarkt sichern, um
wettbewerbsfähig zu bleiben.

In diesem Zusammenhang wird Wettbewerb in

rein nationalem Rahmen sinnlos.

Es gibt keinen Grund, weshalb denn die
- 11 -

�denn die über 320 M i l l i o n e n Menschen i n Europa nicht einen ebenso i n t e g r i e r t e n und homogenen Markt f ü r Produkte und Dienstleistungen der Hochtechnologie d a r s t e l l e n s o l l t e n wie die 240 M i l l i o n e n Bürger der V e r e i n i g ten Staaten.
Tatsächlich g i b t es j a auch immer mehr Übereinkünfte zwischen Hochtechnologiefirmen, um gemeinsame A k t i v i t ä t e n zu arrangieren.

Die

kürz-

l i c h e r z i e l t e Übereinkunft zwischen P h i l i p s und Siemens, l e i s t u n g s f ä h i g e re Mikrochip-Speicher zu entwickeln und zu produzieren, i s t nur e i n z e i t gemäßes B e i s p i e l für die A r t der Bemühungen um Zusammenarbeit, die gegenwärtig unternommen werden.

Auch die Regierungen kümmerten sich um eine

Förderung der Kooperation, beispielsweise mit dem ESPRIT-Programm (ESPRIT
- Europäisches Strategisches Forschungsprogramm f ü r

Informationstechhik).

Es handelt sich um e i n Programm der Europäischen Gemeinschaft, unter dem
b i s zu 50 Prozent der Forschungsmittel

i n der Informationstechnik

grund von akzeptierten Vorschlägen von p r i v a t e r
Stellen

bereitgestellt

werden.

auf-

Seite und ö f f e n t l i c h e n

Wir ermutigen diese Anstrengungen

als

M i t t e l und Wege, unnötige Duplizierung von F &amp; E zu vermeiden und die
technische Innovation zu fördern.

Wir freuen uns, daß i n Europa angesie-

d e l t e amerikanische Firmen die Chance bekamen, sich am ESPRIT-Programm zu
b e t e i l i g e n und so i h r e technologischen Ressourcen mit einzubeziehen, wovon

die

tiert.

amerikanisch-europäische

technologische

Zusammenarbeit

profi-

Diese Art Kooperation, die sich an unsere Grundsätze des f r e i e n

Handels, der

Investitionen

und der

Nicht-Diskriminierung

ausländischer

Firmen h ä l t , wird die technologische Leistungsfähigkeit Europas erheblich
voranbringen.
Während der l e t z t e n paar Monate a r b e i t e t e n w i r daran, diese P r i n z i pien

i n den m u l t i l a t e r a l e n Rahmen von GATT (Allgemeines Z o l l - und Han-

delsabkommen) und der OECD (Organisation für w i r t s c h a f t l i c h e Zusammenarb e i t und Entwicklung) einzubringen.
Bereich g e l e i s t e t e A r b e i t

Die von der OELD im Hochtechnologie-

hat bisher unsere Überzeugung b e s t ä t i g t ,

technologieintensive

Industrien

einen

besonders

wichtigen

Wirtschaftswachstum,

bessere Beschäftigungsmöglichkeiten,

für

hohe P r o d u k t i -

v i t ä t und bessere Lebensqualität f ü r a l l e Länder d a r s t e l l e n .
- 12 -

Faktor

daß

Gleichzei-

�&lt;

darstellen.

G l e i c h t i g hat die A r b e i t b e s t ä t i g t , daß offene i n t e r n a t i o n a -

l e Märkte eine Voraussetzung dafür s i n d , diese V o r t e i l e nutzen zu können.
Wer sich i n der j e t z i g e n Ära der Hochtechnologie nicht aufs Vorankommen e i n s t e l l t ,
Raum.

fällt

unweigerlich zurück.

Für Verharren g i b t

Selbst Regierungen haben eine wichtige Rolle zu s p i e l e n :

es keinen
Wir müs-

sen uns Wege überlegen, wie der Mechanismus f ü r eine rasche Ausbreitung
von Technologie

verbessert

und r e s t r i k t i v e

Tendenzen auf

Gebieten

wie

Z ö l l e n , technischen Normen und im s t a a t l i c h e n Beschaffungswesen reduziert
werden können.

Wir hegen die Hoffnung, dafc) unsere europäischen Partner

sich uns anschließen, damit wir gemeinsam nach kreativen neuen Lösungen
suchen, die es a l l e n unseren Ländern erlauben, von den gewaltigen w i r t s c h a f t l i c h e n Möglichkeiten, die die Hochtechnologie s c h a f f t , zu p r o f i t i e ren.

* * * * *

- 13 -

�</text>
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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
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              <text>Amerikadienst 19.12.1984</text>
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          <name>Description</name>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ethik und Macht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von US-Außenminister Shultz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die langfristige Planungsrichtlinie FOFA: Behauptungen und Tatsachen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von General Bernard W. Rogers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Oberster Alliierter Befehlshaber Europa (SAOEUR) -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechte in der UdSSR beklagenswert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Halbjahresbericht des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Zukunft der Hochtechnologie in den westlichen Ländern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Lionel H. Olmer, Staatssekretär für internationalen Handel im amerikanischen Handelsministerium -&lt;/em&gt;</text>
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