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nrormotion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

12. Dezember 1984

50
INHALT
DOKUMENTATION

Menschenrechtsverletzungen "Affront gegen das menschliche Gewissen"
- Erklärung Präsident Reagans -

"Solide Fortschritte" in Südafrika
- Pressekonferenz Präsident Reagans Demokratie und Wirtschaftswachstum in der Karibik
- Rede von US-Außenminister Shultz Europäische Abrüstungskonferenz möglicherweise vor Wendepunkt
- Rede des amerikanischen Chefdelegierten Goodby -

USA würdigen demokratische Wahlen auf Grenada
- Erklärung Reagans und des US-Außenministeriums -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Menschenrechtslage in Afghanistan
- Kurzinformation des US-Außenministeriums -

Um Übcr/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�12. Dezember 1984

50

MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN "AFFRONT GEGEN DAS MENSCHLICHE GEWISSEN"
- Erklärung Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung, in der er den 10. Dezember
1984 zum Tag der Menschenrechte und den 15. Dezember zum Tag der "Bill of
Rights", der Bürgerrechtsartikel der amerikanischen Verfassung, erklärte,
bezeichnete Präsident Reagan die Menschenrechtsverletzungen

in der So-

wjetunion als "Affront gegen das menschliche Gewissen". Er prangerte auch
Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern der Erde an und vermerkte,
daß "einer der Ursprünge der Spannungen auf der Welt in der Verweigerung
von Menschenrechten beruht, nicht jedoch im Eintreten für diese Rechte".

Die Proklamation des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Am 15. Dezember 1791 feierten unsere Gründerväter die Ratifizierung
der ersten zehn Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten.
Diese Bill of Rights hat dazu beigetragen, sicherzustellen, daß die Freiheiten aller Amerikaner gedeihen konnten.

Zum

erstenmal

in

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�Zum erstenmal in der Geschichte der Völker erließen unsere Gründerväter eine schriftlich niedergelegte Verfassung mit genau aufgezählten
Rechten.

Diese beruhten auf der Grundannahme, daß das Recht auf Leben

und Freiheit etwas ist, was nicht von der Regierung gewährt wird, sondern
jedem Einzelmenschen als ein grundlegendes Erbe der Menschheit zu eigen
ist.

Die Amerikaner glauben, daß alle Menschen im Besitz dieser unver-

äußerlichen Rechte gleich sind und daß ihnen kraft der hohen Würde und
des Werts jedes Einzelmenschen Achtung zukommt.

Im Bewußtsein dieser

wertvollen Prinzipien entwarfen die Gründerväter ein Regierungssystem,
das der Macht des Staates Grenzen setzt, auf gerechten Gesetzen beruht
und auf die Zustimmung der Regierten gegründet ist.

Als

die

Amerikaner

diesen

ehrenvollen

Versuch

unternahmen,

der

Selbstbestimmung und menschlichen Freiheit zum Durchbruch zu verhelfen,
erschien dies vielen Menschen zunächst als eine utopische, unrealistische
Idealvorstellung.

Bis zum heutigen Tage jedoch hat sich praktisch jede

Nation der Welt eine schriftlich niedergelegte Verfassung gegeben, in der
in unterschiedlichem Maße die grundlegenden Menschenrechte zum Ausdruck
kommen.

157 Jahre nach der Ratifizierung unserer Bill of Rights, nämlich

am 10. Dezember 1948, nahmen die Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte an, in der ein internationaler Konsens über die
Menschenrechte und persönlichen Freiheiten, die wir so hoch schätzen,
festgeschrieben wurde.

36 Jahre nach der Annahme der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte steht jedoch fest, daß dieser Konsens mehr auf dem Papier als in Wirklichkeit anerkannt wird.

Überall auf der Weit gibt es Regierungen, die

sich zwar formell zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bekennen,
gleichzeitig aber weder freie Wahlen noch unabhängige Gewerkschaften, weder ordentliche Gerichtsverfahren noch Religions- und Pressefreiheit zulassen.
Die Vereinigten Staaten fühlen sich in besonderer Weise verpflichtet,
die Ansprüche der Unterdrückten zu verfechten, für das Recht auf Leben
und Freiheit einzutreten, das ein Grundrecht Dildet, aus dem sich alle

�sich alle anderen Rechte herleiten, und das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit zu schützen.

Da wir in Freiheit leben, müs-

sen wir unsere Stimme für die erheben, die dies nicht können.

Die Inhaftierung von Männern und Frauen in der Sowjetunion, die versuchen, frei ihre Meinung zu äußern oder das Grundrecht auf Auswanderung
in Anspruch zu nehmen, die brutale Behandlung, die einem der größten
menschlichen Geister unserer Epoche, Andrej Sacharow, widerfährt; die
Verweigerung grundlegender Menschenrechte wie auch des Rechts auf Selbstbestimmung in Osteuropa und in den baltischen Staaten, die Weigerung der
polnischen Behörden, einen echten Dialog mit der freien Gewerkschaftsbewegung im Lande aufzunehmen; die offenkundige Ungerechtigkeit des Apartheidsystems der Rassendiskriminierung

in Südafrika; die Verfolgung der

religiösen Minderheit der Baha'i im Iran, der mangelnde Fortschritt in
Richtung auf eine demokratische Regierungsform in Chile und Paraguay; der
Feldzug gegen die römisch-katholische Kirche in Nicaragua; die Unterdrückung der Freiheit in Kuba und Vietnam; der brutale Krieg, der von sowjetischen Truppen gegen das afghanische Volk geführt wird, und die immer
noch andauernde vietnamesische Besatzungsherrschaft in Kambodscha - all
dies stellt einen Affront gegen das menschliche Gewissen dar.

Wir als

Amerikaner treten all dem nachdrücklich entgegen und streben nach Abhilfe.

Das amerikanische Volk hat erkannt, daß einer der Ursprünge der Spannungen auf der Welt in der Verweigerung von Menschenrechten beruht, nicht
jedoch im Eintreten für diese Rechte.

Wir erinnern uns der Opfer, die

Generationen von Amerikanern zum Schutz und zur Bewahrung der Freiheit
überall auf der Welt gebracht haben.

Allein in diesem Jahrhundert haben

Zehntausende von Amerikanern auf Schlachtfeldern in der Fremde ihr Leben
im Dienst für die Sache der Menschenrechte gelassen.
allen Achtung und halten ihr Andenken in Ehren.

Wir zollen ihnen

Heute gedenken wir in

bleibender Dankbarkeit und Ehrfurcht der großen Gabe der Freiheit, die
sie uns hinterlassen haben.

Während wir uns die Segnungen ins Bewußtsein rufen, derer wir uns als
ein freies Volk erfreuen, wollen wir auch die nicht vergessen, die in al-

�die in aller Welt Opfer von Verletzungen der Menschenrechte geworden sind.

Daher erkläre ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, hiermit den 10. Dezember 1984 zum Tag der Menschenrechte und
den 15. Dezember 198A zum Tag der Bill of Rights und fordere alle Amerikaner auf, die Woche, die mit dem 10. Dezember 1984 beginnt, als Woche
der Menschenrechte zu begehen.

Gegeben und besiegelt am zehnten Tag des Monats Dezember im Jahre des
Herrn 1984 und im 209. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten
von Amerika

gez.
Ronald Reagan

- 4-

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

12. Dezember 1984

50

"SOLIDE FORTSCHRITTE" IN SÜDAFRIKA
- Pressekonferenz Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - Auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus verwahrte sich Präsident Reagan am 7. Dezember 1984 gegen Kritik an seiner
Südafrikapolitik.

Die sich auf diese Thematik beziehenden Passagen der

Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:

Frage:

Bischof Tutu hat soeben erklärt, daß seine Unterredung mit

Ihnen zwar fruchtbar gewesen sei, daß Ihre Politik aber zu einer Verschlechterung der Lage der Schwarzen in der Republik Südafrika geführt
habe.

Erwägen Sie eine Änderung Ihrer Politik, wirtschaftliche Sanktio-

nen oder irgendwelche härteren Maßnahmen gegen die dortige Regierung?

ANTWORT:

Die Unterredung war in der Tat fruchtbar.

Der Bischof hat-

te eine Reihe von Anregungen und Vorschlägen. Außerdem gab sie uns Gelegenheit, ihm zu erläutern, was wir im Rahmen unserer, wie ich es nennen
möchte, "Diplomatie im Stillen" unternommen haben.
davon hat ihn überrascht.

Ich glaube, vieles

Einiges von dem, was er vorschlug, praktizie-

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Telex: 8-85432"

�vorschlug, praktizieren wir bereits...

In der Einschätzung, daß die Lage

sich verschlechtert habe, kann ich ihm nicht zustimmen. Dem ist nicht so.
Soweit es darum ging, unseren Abscheu vor der Apartheid zum Ausdruck zu
bringen und die südafrikanische Regierung zu Änderungen zu überreden, haben wir erhebliche Fortschritte erzielt.

Wir werden diese Politik fort-

setzen.

Frage:

Das Regime ist aber noch repressiver geworden, und die Inhaf-

tierungen haben sich vermehrt...

Antwort:

Ich weiß, daß es hier und da zu Gewaltausbruchen gekommen

ist, und daß die andere Seite darauf ihrerseits mit Gewalt reagiert hat.
Wir bedauern das. Aber wie ich schon sagte, meine ich, daß unsere Politik solide Fortschritte verbuchen konnte und daß wir sie deshalb fortsetzen sollten.

Wenn ich mich jedoch öffentlich über Einzelheiten äußern

würde, wäre es keine Diplomatie im Stillen mehr...

Ich war immer der

Meinung, daß es nur das Gegenteil bewirken würde, wenn eine Regierung
Schlagzeilen macht und von einer anderen Regierung bestimmte Maßnahmen
fordert.

Diese andere Regierung gerät nämlich in eine praktisch unmög-

liche politische Lage.

Schließlich kann sie sich nicht die Blöße geben,

den Anschein entstehen zu lassen, daß sie auf Forderungen von außen hin
ihren Kurs ändert.

Viele Leute stehen den amerikanischen Investitionen

und der Geschäftstätigkeit amerikanischer Firmen in Südafrika kritisch
gegenüber...

Wer das sagt, weiß nicht, wovon er spricht.

Die schlichte

Wahrheit ist, daß die meisten der schwarzen Stammesführer dort sich offen
für amerikanische Wirtschaftsinvestitionen ausgesprochen haben, weil die
amerikanischen Firmen, die im Lande

tätig sind, ihre Beschäftigten an-

ders behandeln, als dies südafrikanische Unternehmen tun.

Diese amerika-

nischen Firmen biecen faire Beschäftigungsmöglichkeiten und unterlassen
jede Rassendiskriminierung...

Amerikanische Unternehmen haben bislang

mehr als 10ü Millionen Dollar für Ausbildung und Bildung, Management und
Geschäftsführung und dergleichen mehr aufgewandt...

Wer hier Kritik übt,

weiß über diese Dinge nicht richtig Bescheid, und auch nicht darüber,
wieviel Gewinn sie für die Schwarzen Südafrikas gebracht haben...
* * * * *

- 2-

�12. Dezemoer 1984

50

DEMOKRATIE UND WIRTSCHAFTSWACHSTUM IN DER KARIBIK
- Rede von US-Außenminister Shultz -

MIAMI aus P o l i t i k

(AD) - Vor einem Publikum von prominenten
und P r i v a t w i r t s c h a f t

legte

Persönlichkeiten

der amerikanische

Außenminister

George Shultz am 6. Dezember 1984 i n Miami d a r , daß Demokratie und Wirtschaftswachstum von g l e i c h großer Bedeutung s e i e n , um den Staaten des Karibischen Beckens eine Zukunft
Shultz

in

Freiheit

sprach auf der Achten Jahreskonferenz

und
für

Wohlstand
Handel,

zu

sichern.

Investitionen

und Entwicklung im Karibischen Becken. Seine Rede hat folgenden Wortlaut:

F r e i h e i t und w i r t s c h a f t l i c h e Entwicklung gehen Hand i n hand, a l l e r dings nicht automatisch. Aber jeder unter den h i e r Versammelten - Regierungs- und W i r t s c h a f t s v e r t r e t e r

-

ist

daran i n t e r e s s i e r t ,

diesen Zusam-

menhang herzustellen und zu f e s t i g e n . Genau darum geht es im Rahmen der
amerikanischen P o l i t i k i n Lateinamerika und der K a r i ü i k . Unser E i n t r e t e n
f ü r die Demokratie ergänzt unser E i n t r e t e n f ü r w i r t s c h a f t l i c h e

Entwick-

lung und f r e i e Märkte - und umgekehrt. Wenn man noch das Moment der S i -

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der Sicherheit dazunimmt, dali zum Schutz dieser Elemente notwendig ist,
dann bilden sie ein in sich geschlossenes Ganzes, dessen Bestandteile
sich wechselseitig verstärken.

Die erneute Stärkung und Ausdehnung, die uie Demokratie in den letzten fünf Jahren in Lateinamerika und der Karibik erfahren hat, ist zum
Teil auf das wirtschaftliche Versagen ihrer Feinde zurückzuführen. Die
Menschen wollen Wachstum. Sie wollen Wohlstand. Wenn sie dies nicht bekommen, dann fangen sie an, das Vertrauen in ihre Regierungen und in die
Institutionen, denen diese ihre Macht verdanken, zu verlieren. Die alten
Diktatoren haben sich nicht bewährt: Wenn Ürdnung weder Frieden noch
Wohlstand hervorbringt, dann verliert sie ihre Anziehungskraft. Die neuen
totalitären Regime in Kuba, Nicaragua und bis vor einem Jahr auch in Grenada haben noch Schlimmeres angerichtet: Sie haben sowohl Gewalt als auch
die aus ihrem Versagen erwachsende Unsicherheit über die Grenzen ihrer
eigenen Länder hinausgetragen.

Aber auch Demokratien stehen unter einem inneren Druck zur produktiven Leistung. Wenn der demokratische Trend andauern soll, dann müssen die
Regierungen und

die Privatwirtschaft

nunmehr gemeinsam

selbst tragendes Wirtschaftswachstum sorgen.

für ein sich

Wenn man die Befähigung na-

tionaler Volkswirtschaften zum Wettbewerb auf dem Weltmarkt und zur Einnahme von Devisen verbessert, dann kann dies eine Stärkung der Freiheit
in jedem unserer Länder bewirken.

Wie sind die AussichtenV

Wacistumsaussichten

Ich möchte zunächst die Hemisphäre in ihrer Gesamtheit betrachten und
mich sodann dem Karibischen Becken im besonderen zuwenden.

Seit 20 Jahren hatten die Entwicklungsländer dieser Hemisphäre außer- 2 -

�Hemisphäre außergewöhnliche Wachstumsraten zu verzeichnen. Einige setzten
sogar dazu an, die Lücke im Prokopfeinkommen zwischen ihnen und den Industriestaaten zu verringern. Zwischen 1^60 und 19ts0 wuchsen die Volkswirtschaften Lateinamerikas und der Karibik um eine reale Durchschnittsrate von sechs Prozent jährlich - ein Prozentsatz, der die Zuwachsrate
der Bevölkerungsziffer um mehr als das doppelte übertraf.

Von 1981 bis 193-5 sank das Bruttoinlandsprodukt der Hegion dann wieder. Gemessen pro Kopf der Bevölkerung lag dieses Absinken bei einem Jahresdurchschnitt von etwa vier Prozent. Mit einem Rückgang von b ,7 Prozent
erzielten die Länder der Region im Jahre 19ö3 die schlechteste Leistung
des letzten haloen Jahrhunderts, sodau das Bruttoinlandsprodukt gemessen
pro Kopf der Bevölkerung auf den Stand von 1976 zurückfiel. Obwohl es Anzeichen für ein gewisses Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in diesem
Jahr gibt, wird es gemessen pro Kopf der Bevölkerung immer noch negativ
sein.
Woher bezog das Wachstum der Region in den sechziger und siebziger
Jahren seine Dynamik? Was können wir zu ihrer Wiedererlangung tun?

Die hauptsächlichen Triebkräfte ergaben sich aus der Liberalisierung
und Ausweitung des internationalen Handels- und Finanzsystems in der
Nachkriegszeit. Die Öffnung der Märkte der Industriestaaten, die Expansion der internationalen Ströme privaten Kapitals und ein dynamischer, in
beide Richtungen verlaufender Güterverkehr eröffneten nie dagewesene Möglichkeiten zur Diversifizierung und Modernisierung sowie zum Wachstum.
Während dieser Periode lieferte überwiegend das inländische Sparkapital
die Grundlage für den Großteil der Gesamtinvestitionen.

Auslandshilfe trug in den sechziger Jahren eDenfalls wesentlich zur
Anregung des Wachstums Dei. Die 1939 gegründete Interamerikanische Entwicklungsbank und die Allianz für den Fortschritt bildeten besonders nervorzuhebende Hilfsquellen. Staatliche Hilfen umfabten 40 Prozent der Nettozufuhr an Kapital in die Region. Ausländische Direktinvestitionen um-

�Direktinvestitionen

umfabten weitere 40 Prozent. Kommerzielle Kredite

bildeten keinen sehr wesentlichen Faktor.

Im Gegensatz dazu wurde in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre die
Finanzierung durch auswärtige Privatbanken zur Hauptquelle von Entwicklungskapital. Der Ülpreisschock von 1^1 z verschaffte der OPEL zwar Überschüsse und den Banken die zur Kreditvergabe nötigen flüssigen Mittel,
erzeugte in den Entwicklungsländern aber eine verzweifelte Nachfrage nach
Krediten zur Begleichung der Kosten der Ölimporte. Und sie nahmen Kredite
auf. Die Auslandsverschuldung wuchs von rund 75 Milliarden Dollar im Jahre 1974 auf schätzungsweise 336 Milliarden Dollar im Jahre 19ö3 an. Die
Gesamtveischuldung schnellte jährlich um fast z'Ü Prozent in die höhe.

Heute ist klar, daß die Aufnahme von Auslandskrediten nicht mehr die
Hauptrolle spielen kann. Die Interamerikanische Entwicklungsbank schätzt,
daß unter den realistischsten Umständen eine Nettokapitalzufuhr von jährlich rund 47 Milliarden Dollar erforderlich wäre, um eine gleichbleibende
jährliche Wachstumsrate von fünf Prozent zu erzielen. Das Finanzsystem
gibt aber schlicht nicht die Mittel her, die für eine Kreditvergabe in
dieser Größenordnung erforderlich wären. Selbst wenn die Mittel vorhanden
wären, würde doch der Schuldendienst ein untragbares Ausmaß erreichen.
Die Auslandsschulden der Region würden sich dann Ende 1989 auf etwa 6'ZU
Milliarden Dollar belaufen - eine Steigerung um öZ Prozent.

Wie steht es mit der Auslandshilfe? Wird sie die beherrschende Rolle
zurückgewinnen, die sie bei der Entwicklungsförüerung einmal gespielt hat?
Die Vereinigten Staaten steigern ihre bilaterale Hilfe für die Länder
des Karibischen Beckens, Wir haben uns zu Hilfe in dem von der Nationalen
Überparteilichen Kommission für Mittelamerika

geforderten Umfang ver-

pflichtet, und aucn unsere Hilfe für die Inselstaaten der Karibik haben
wir kontinuierlich erhöht. Andere Regierungen und internationalen Organisationen teilen unsere Interessen. Nun bewirken staatliche Hilfsleistungen zwar durchaus etwas, aber sie sind nicht umfangreich genug, um eine
- 4 -

�um eine dauerhafte wirtschaftliche Wende einzuleiten.

Letztendlich spielt die Privatwirtschaft die entscheidende Rolle. Nur
durch privatwirtschaftliche Initiative können die zusätzlichen Mittel finanzieller und unternehmerischer Art aufgebracht werden, derer es bedarf,
um die Chancen die die Region bietet, in vollem Umfany zu nutzen. Wie wir
aber alle zu unserem Mißvergnügen feststellen mußten, sind in- wie ausländische Privatmittel bislang nicht in hinreichendem Umfang geflossen.
Hier liegt der Kern des Problems. Wenn wir darin übereinstimmen, daß dies
große Reservoir

an Mittel angezapft

werden muß, dann haben wir die

Pflicht, alles Notwendige zu tun, um dies in die Wege zu leiten.

Ich fordere daher an dieser Stelle eine Revision der auf eine Erschwerung von Importen und Staatsbesitz (an Produktionsmitteln) gerichteten Politik (der betreffenden Länder), Diese Politik hat die privatwirtschaftlichen Agrar- und Industriebetriebe

lähmenden Kontrollmecha-

nismen unterworfen und sie in eine Abhängigkeit von beschränkten Märkten
gebracht. Diese Politik hat ferner an den Staatsgrenzen kostspielige protektionistische Barrieren errichtet und ineffiziente Staatsbetriebe ins
Leben gerufen, die produktiveren Bereichen die Ressourcen entziehen.

Ich fordere stattdessen eine Entwicklurgsstrategie, die sich des Mittels einer offenen Wirtschaft bedient, d.h., einer Wirtschaft, in der
Initiative, Investitionen und Sparsamkeit belohnt werden. Die Strategie,
die ich fordere, sollte die folgenden vier Schlü'sselelemente aufweisen:

- Erstens sollte Wachstum in erster Linie auf der Grundlage der Bildung einheimischen Sparkapitals und einheimischer Investitionen geschaffen werden. Dies setzt naheliegenderweise voraus, daß das einheimische
Kapital im Lande bleibt. Wenn die Menschen für ihre Sparsamkeit belohnt
werden, wird Kapital für Investitionen verfügbar. Wenn ihr unternehmerischer Elan belohnt wird, dann entfalten sie ihre produktiven und innovativen Kräfte.

- Zweitens sollten

�- Zweitens sollten ausländische und einheimische Investoren gleicnermaßen fair behandelt werden. Auslandsinvestitionen können mehr ins Land
bringen, als nur Geldmittel, nämlich Technologien, Ausbildung, Management- und Vertriebstechniken. Im Gegensatz zu Auslandsschulden

werden

Auslandsinvestitionen nicht durch Zinsen, sondern durch Gewinne amortisiert. In guten Zeiten kann man einer stabilen Volkswirtschaft den Rü'cktransfer von Unternehmensgewinnen ins Heimatland des Anlegers zumuten. In
schlechten Zeiten geht dieser Gewinntransfer zurück oder kommt ganz zum
Erliegen. Der Schuloendienst hingegen mub immer aufrechterhalten werden,
gleich, ob die Zeiten gut oder schlecht sind.

- Drittens sollten ausländische Mittel das einheimische Sparkapital
ergänzen, aber nicht ersetzen. Wenn man sich zu stark auf ausländische
Hilfe oder ausländisches Kapital verläßt, so kann dies zur Abhängigkeit
führen und die Produktivität untergraben.

- Viertens muß der Handel den Motor der wirtschaftlichen Entwicklung
bilden. Volkswirtschaften, die sich dem internationalen Itettbewerb öffnen, können den einheimischen Lebensstandard heben.

Die Strategie, die ich empfehle, beruht auf einem einfachen, aber ungemein wirkungskräftigen Prinzip: Lin System, das die produktiven Kräfte
der Menschen und ihrer privat finanzierten Organisationen freisetzt und
ihren Fleiß und ihre Kreativität belohnt, wird wachsen und florieren.

Die Initiative für das Karibische Becken

Die Initiative für das KariDische Becken trägt diesen Fragen, so, wie
sie sich in unserer unmittelbaren Nachbarschaft stellen, auf gleichzeitig
visionäre und praktische Weise Rechnung.

Die Volkswirtschaften der Inselstaaten der Karibik und der Länder der
mittelamerikanischen Landenge waren einem noch ausgeprägteren Wechselbad
- 6 -

�ausgeprägteren Wechselbad von Auf- und Abschwüngen ausgesetzt, als der
Rest der Hemisphäre. Während der sechziger und siebziger Jahre lag das
Realwachstum im Karibischen Becken nahe bei einer Jahresrate von sieben
Prozent. Von 1981 bis 1983 sank das Bruttoinlandsprodukt, gemessen pro
Kopf der Bevölkerung, in den yröüeren Staaten des Karibischen Beckens
dann um durchschnittlich sieben Prozent im Jahr. Die Dominikanische Republik, Panama und Jamaika konnten ein geringfügiges positives Wachstum
verbuchen, aber in Costa Rica, £1 Salvador, Guatemala und Honduras kam es
zu einer ernsthaften Prokopfabnähme. Auch in anderen Ländern, wie z.B.
Barbados, Trinidad &amp; Tobago und Haiti ging das Bruttoinlandsprodukt gemessen pro Kopf der Bevölkerung zurück. In einigen Ländern sank das Bruttoinlandsprodukt gemessen pro Kopf der Bevölkerung wieder auf den Stand
von Anfang der siebziger Jahre.

Die Staaten des Karibischen Beckens müssen auch eine Reihe weiterer
Probleme bewältigen. Erstens sind die meisten von ihnen zu klein, um
Volkswirtschaften von nennenswerter bröüe zu entwickeln. Selbst zusammengenommen hatten die 20 Staaten, für die die Initiative für das Karibische
Becken konzipiert wurde, im Janre 1982 nur ein BruttoinlandsproduKt von
46 Milliarden Dollar.

Zweitens schaffen die geographischen Gegebenheiten einen wirtschaftlichen Teufelskreis: Schiffsfracht aus der Karibik ist teuer, weil die
Ladungen meist klein sind. Höhere Transportkosten dämpfen die nachfrage,
was wiederum bewirkt, daü die Ladungen auch in Zukunft klein bleiben.
Dies führt dazu, daü die Verschiffung von Fracht von Barbados nach Miami
teurer sein kann, als die Frachtraten von Hongkong nach New York.

Drittens leidet die gesamte Region an einem drückenden Mangel an infrastrukturellen Einrichtungen. Es fehlen nicht nur Strafien und Energieversorgungsnetze, sondern auch Schulen, Krankenhäuser und Wohnungen.

Der Wettbewerb mit anderen Exportländern bildet ein weiteres Schlüsselproblem. Beispielsweise bieten sowohl der Ferne Osten als auch Mexiko
gute Standorte für Montagewerke der Exportindustrie. Auch die Vereinigten
- 7 -

�die Vereinigten Staaten, Japan und einige Länder Lateinamerikas bieten
Investoren günstige Bedingungen.

Gesellschaften mit stagnierender oder schrumpfender Volkswirtschaft
sind anfällig für gewaltsame Umstürze. Sicherheitspolitische Zusammenarbeit kann einen gewissen Schutz gegen kommunistisches Abenteurertum Dieten. Aber es muß auch tatsächlich etwas schützenswertes geben.

Als Präsident Reagan vor drei Jahren erstmals die Initiative für das
Karibische Becken (IKB) vorschlug, schwebte ihm mehr als eine Partnerschaft zur Förderung von Handel und xnvestitionen zwischen den Vereinigten Staaten und den Ländern des Karibischen Beckens vor. Er folgte einer
weitergehenden Vision einer friedlichen und prosperierenden Karibik, wo
die Menschen ihre Ambitionen verwirklichen und für sich und ihre Kinder
eine bessere Gesellschaft aufbauen konnten.

Dem Präsidenten war klar, daß ein kurzfristiges Programm, das jedes
Jahr mit einem neuen Wundermittel aufwartete, nicht ausreichen würde. Das
war nicht die Art von praktischer und vertrauensbildender Unterstützung,
die unsere Nachbarn brauchen und von den Vereinigten Staaten erwarten.
Deshalb lieü er die weitgehenden Handelsbestimmungen der Initiative für
das Karibische Becken auf eine Dauer von zwölf Jahren auslegen. Eine solche Verpflichtung hat in der amerikanischen Handelspolitik bislang nicht
ihresgleichen: Den Staaten, die in den Genuß der Initiative für das Karibische Becken kommen, werden für einen so langen Zeitraum einseitige
Freihandelsmöglichkeiten eröffnet, üaü es wirklich ins Gewicht fällt.

Vom amerikanischen Standpunkt aus liegt der Initiative für das Karibische Becken die Prämisse zugrunae, daü diese Hegion von vitaler Bedeutung für unsere Sicherheit und unser soziales und wirtschaftliches
Wohlergehen ist. Tatsächlich bildet sie unsere dritte urenze. Was sich
dort in wirtschaftlicher, sozialer und politischer Hinsicht abspielt, hat
direkte und schwerwiegende Bedeutung für die Vereinigten Staaten.

Es

ist

im

�Es ist im eigenen Interesse der Vereinigten Staaten, ein guter Nachbar zu sein. Wir müssen alles tun, wozu wir realistischerweise imstande
sind, um den Ländern des Karibischen Beckens beim Aufuau stabiler, prosperierender, gerechter und demokratischer Gesellschaften zu helfen. Dies
bedeutet, daß wir uns alle mit der wirtschaftlichen Lage, der wir uns gegenübersehen, realistisch auseinandersetzen müssen.

Die Initiative für das Karibische Decken stellt sich den harten wirtschaftlichen Realitäten dieses Jahrzehnts. Als wir als politisch Verantwortliche mit unseren Nachbarn aus der Karibik und mit Vertretern der
Privatwirtschaft über die Konzipierung dieser Initiative berieten, stimmten wir alle darin überein, daü einheimische und ausländische Investitionen den Schlüssel zu wirtschaftlicher Erholung und zu anhaltendem Wachstum in den achtziger Jahren bilden.

Die Tatsache, daß den Erzeugnisse aller Exportbranchen - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - der 20 Länder, die bislang zu Nutznießern der
Initiative ausersehen worden sind, zollfreien Zugang zum amerikanischen
Markt gewährt wird, verschafft der Region einen Wettbewerbsvorteil und
regt sowohl die einheimische als auch aie ausländische Investitionstätigkeit an. Solche Investitionen wiederum können Beschäftigung schaffen und
eine Diversifizierung der Produktivkräfte in jedem der begünstigten Länder bewirken.

Neben Zollbefreiungen für den Handel oieten wir Entwicklungshilfe,
deren Ziel es ist, eine materielle Infrastruktur aufzubauen und das Reservoir an unternehmerischer Begabung und Managementfähigkeiten zu entwickeln, das für dynamische Investitionstätigkeit und Handel unerläßlich
ist. Die Vereinigten Staaten haben sich zu umfangreicher Wirtschaftshilfe
für die Region verpflichtet, sowohl bilateral als auch in Zusammenarbeit
mit internationalen Finanzinstitutionen und anderen Geberländern.

Die Initiative für das Karibische Becken ist ein Ausdruck der Erkenntnis, daß in der heutigen Welt keine Alleingänge mehr möglich sind.
- 9 -

�möglich sind.

Wenn Anstrengungen in einem wirklich multilateralen Rahmen

unternommen werden, dann vervielfachen sich die Erfolgsaussichten. Unsere
gemeinsamen Interessen gebieten eine Festigung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen dieser Region mit der Gemeinschaft aller demokratischen Staaten der Welt.

Die bisherigen IKB-Fortschritte

Die Freihandelsbestimmung der Initiative gibt es nun seit 11 Monaten.
Das ist sicher nicht lang genug, um ein 12-Jahres-Programm zu beurteilen.
Wir sollten uns auch davor hüten, alle Fortschritte auf die IKB zurückzuführen, denn viele der positiven Nachrichten dürften auch von der Intensität der wirtschaftlichen Wiederbelebung in den Vereinigten Staaten
selbst herrühren. Aber einige der ersten Indikatoren sind doch sehr vielversprechend.

Die amerikanischen Einfuhren aus den meisten Ländern des Karibischen
Beckens nahmen rasch zu. Vergleicht man die ersten acht Monate des Jahres
1984 mit dem gleichen Zeitraum 1983, so zeigt sich, daß die amerikanischen Einfuhren - Erdöl ausgenommen - aus den IKB-Ländern um fast 34 Prozent anstiegen. Sie liegen damit im Vergleich zu den Gesamtimporten der
Vereinigten Staaten wesentlich günstiger. Einige dieser Länder haben dabei sogar ein wirklich spektakuläres Wachstum zu verzeichnen - Barbados
um 78 Prozent, Belize um 91, Grenada 114 und Jamaika 83 Prozent.

Noch immer gibt es bei Handel und Investitionen grobes Interesse an
der Initiative. So hat zum Beispiel "The Overseas Private Investment Corporation" in diesem Jahr 43 Projekte für dieses Gebiet gebilligt; das
amerikanische Handelsministerium erhält täglich 100 Anfragen über dieses
Programm.

Die Förderung von Investitionen liegt natürlich in erster Linie in
der Hand der dortigen Länder selbst. So hat zum Beispiel Barbados indie-

- 10 -

�in diesem Jahr durch gemeinsame Unternehmungen im Hochtechnologiebereich
mehr als 2000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Jamaika hat in den ersten
zwei Jahren seines neuen Investitionsförderungsprogramms
vestitionsprojekte

rund 300 In-

genehmigt. Und die Dominikanische Republik hat In-

vestitionsseminare in den Vereinigten Staaten abgehalten, um für rund 30
Investitionsmöglichkeiten und mehr als 100 Investitionsstudien zu werben.
Die Regionalabteilungen des amerikanischen Handelsministeriums halfen bei
der Abhaltung dieser Seminare und sind bereit, dies auch bei anderen IKBStaaten zu tun.
Ich habe noch mehr gute Nachrichten. Es kamen Klagen von Exporteuren
dieser Staaten hinsichtlich der Zollvereinbarungen, die sich im Zusammenhang mit Erklärungen bei zollfreien Gütern als lästig erwiesen hatten.
Ich kann heute mitteilen, daß diese Verfahren vereinfacht wurden, um derlei Klagen abzufangen.

Ich habe bereits von unserer umfangreichen Wirtschaftshilfe für das
Karibische Becken gesprochen, die das Ziel hat, beim Abbau der strukturellen Hindernisse für ein Wachstum behilflich zu sein.

Während der ersten Amtszeit von Präsident Reagan verdreifachte sich
die amerikanische Wirtschaftshilfe für das Karibische Becken fast. Für
das Haushaltsjahr 1985 stimmte der Kongreß einer Wirtschaftshilfe von
nahezu 1,5 Milliarden Dollar zu. Wir beabsichtigen auch weiterhin eine
beträchtliche Unterstützung der Entwicklung, solange die Notwendigkeit
vorhanden ist und die Länder des karibischen Beckens sich auch weiterhin
ernsthaft darum oemühen, sich selbst zu helfen.

Die amerikanische Politik will die Kooperation und die wirtschaftliche Integration unterstützen, um dabei zu helfen, gegen die Aufsplitterung des Karibischen Beckens in kleine Volkswirtschaften und kleine
Märkte anzugehen. Der Gemeinsame Markt Mittelamerikas (CACM) und CARIC0M
in der Karibik sollten ursprünglich das Wachstum durch eine Zollpolitik
stimulieren, die sich für Importsubstitutionen starkmachte. Als aber die
- 11 -

�aber die Möglichkeiten für diese Art der Expansion abund die makroökonomischen Schwierigkeiten zunahmen, begannen sich jene, die CARICOM und
CACM entworfen hatten, über die Notwendigkeit einer Modernisierung nachzudenken. Die Mitgleider des CACM zum Beispiel erwägen zum Beispiel nunmehr Reduktionen bei ihren Außenzöllen, um den Umfang der Protektion zu
verringern. Dies würde zu effizienteren

Inlandsindustrien

führen, die

besser in der Lage sind, sich der Konkurrenz der Weltmärkte zu stellen.

Wir bieten bilaterale Hilfe, um den CACM wiederzubeleben und eine
Ausweitung der Exporte in Drittländer wie auch zwischen den Mitgliedstaaten selbst zu erleichtern. Das Amt für internationale Entwicklung (AID)
fördert die Handelsexpansion, indem sie Darlehen zur Verfügung stellt,
die von der Carribean Development Bank verwaltet werden und zu denen die
Vereinigten Staaten die größten Beiträge leisten. Andere AID-Programme
unterstützen Handel- und Investitionsförderung durch die Regierungen der
Inselstaaten.

Aber sogar eine völlige regionale Integration wäre nur eine unzureichende Leistung, wenn sie sich auf eine Entwicklungsstrategie gründet,
die nach innen blickt. Kein nationaler oder regionaler Markt hat angesichts der rasch sich wandelnden Technologien dieser Tage ausreichenden
Umfang. Um wettbewerbsfähig zu sein und am weltwirtschaftlichen Wachstum
und am technoJogischen Fortschritt teilzuhaben, gelangen die Staaten zur
Erkenntnis, daß sie sich dem internationalen Wettbewerb öffnen müssen.

Ich bin davon überzeugt, daß es auf der ganzen Welt eine große Menge
Geld und unternehmerisches Talent gibt, das durch verzerrte Wirtschaftspolitik bislang daran gehindert wurde, seinen angemessenen Beitrag zur
Entwicklung zu leisten. Nur wenn sie inländisches und ausländisches Kapital anziehen, nicht aber abstoßen, werden die Regierungen das notwendige
wirtschaftliche Wachstum hervorrufen. Ein gutes Investitionsklima für die
einheimische Wirtschaft wird auch für den internationalen Anleger attraktiv sein. Damit Investitionen tatsächlich wirksam werden können, muß der
inländische wie ausländische Anleger die Spielregeln kennen. Diese aber
- 12 -

�Diese aber müssen widerspruchsfrei, klar und gerecht sein. Sie müssen sichere Vereinbarungen über die Rückführung von Gewinnen, Schutz von Urheberrechten und Patenten sowie beiderseitig zufriedenstellende Mechanismen
der Disputregelung haben. All dies würde zeigen, daß man sich langfristig
für die Aktivitäten des Privatsektors einzusetzen gewillt ist.

Allerdings gibt es noch immer unter einigen Gruppen in einigen Ländern dieser Region Vorurteile gegenüber ausländischen Investitionen. Sie
gibt es auch in den Vereinigten Staaten.

Aber mein Argument ist, daß die

Furcht vor einem sogenannten "Wirtschaftsimperialismus" nie so überholt
war wie heute. Sogar die kleinen Länder haben gelernt, wie man Großfirmen
kontrolliert. Sie wissen, wie man die Gesetze macht und wie man sie anwendet. Und sie haben die Macht, dies auf eine Weise zu tun, die den Investor eher ermutigt als abschreckt. So sagte etwa der ehemalige Präsident von Costa Rica, Jose Figueres über einen Vertrag, den er 1954 mit
einer großen amerikanischen Firma abschloß: "Wir haben nicht versucht,
die Gans zu schlachten, die die goldenen Eier legt. Wir bemühten uns
vielmehr darum, daß sie sie hier in unserem Nest legt."

Mir geht es darum, daß die Art von Gänsen, von denen Präsident Figueres sprach, domestiziert werden können. Die wirtschaftlich erfolgreichsten Staaten der achtziger und neunziger Jahre werden wahrscheinlich diejenigen sein, die das beste Umfeld für produktive Investitionen bereitstellen. Detroit und Chikago fangen an, mit Tokio und Frankfurt in Wettstreit zu treten. Kingston und San Salvador müssen dasselbe im Hinblick
auf Singapur und Bangkok tun.

Die Rolle der Demokratie
Schließlich ist, um zu meinem Ausgangspunkt zurückzukommen, die Integrität des politischen Systems für den Fortschritt lebenswichtig.

Und

hier hat die Region immer mehr zu oieten hinsichtlich demokratischer Regierungen, die auf die Bedürfnisse ihrer Bürger eingehen und gerechte und
- 13 -

�gerechte und gleiche Behandlung anbieten. Starke Demokratien können sehr
geschickt dabei sein, wenn es darum geht, die Probleme der Entwicklung zu
lösen - und gar nicht so schwach, wie manche ihrer Kritiker behaupten.
Ja, ich behaupte, daß es der schlechteste Weg zur Förderung des Wachstums
wäre, wenn eine Elite ihre vielleicht auch gutgemeinten Vorstellungen einer Öffentlichkeit aufzwingen wollte, deren Zustimmung ihr fehlt. Die Geschichte hat zu oft gezeigt, daß in solchen Systemen die Korruption auftritt. Eine Demokratie, die dem Volk über Wahlen verantwortlich ist, kann
die kritischen Fragen der wirtschaftlichen Anpassung und des Wachstums
angehen, weil sie die Zustimmung des Volkes hat - ihre Legitimität entstammt dem öffentlichen Mandat.

Vor einem Jahr sprach der stellvertrendende Außenminister Kenneth Dam
vor der gleichen Gruppe über unsere Sorge, wir in den Vereinigten Staaten
hätten zu langsam begriffen, wie wichtig es ist, die Demokratie im politischen Leben zu verteidigen. Er sprach über die große Notwendigkeit nach
Ausbildung in Demokratie. Und er nannte einige erstaunliche Tatsachen,
die zeigten, daß die Sowjets sehr genau die Bedeutung der "Ausbildung"
der Jugend dieses Teils der Welt erkennen, wie der Anstieg um 500 Prozent
- auf nahezu 4000 - bei den sowjetischen Stipendien für Studenten aus
diesem Gebiet zeigt.

Kenneth Dam brachte unsere Hoffnung zum Ausdruck, daß die neue Nationalstiftung für Demokratie (NED) dabei helfen würde -wie er sagte-, "von
den

kurzfristigen

Rückzügen

oder

der

kostspieligen

Neuschaffung

von

staatlichen Stellen loszukommen und auf konzertierte Weise dafür zu sorgen, daß es Männer und Frauen mit modernen wirtschaftlichen, technischen
und politischen Fähigkeiten gibt." Insbesondere sollten hierbei die Maßnahmen im Rahmen der Karibik-Mittelamerika-Aktion

"eine Schlüsselrolle

spielen, diese Veränderung zu beschleunigen und für Funktionsfähigkeit zu
sorgen."

Ein Jahr später reichen unsere Leistungen in dieser Hinsicht noch
nicht aus. Die NED hat mit ihrer Arbeit angefangen. Programme der NED - 14 -

�der NED - insbesondere jene, um die sich die amerikanische Handelskammer
kümmert - sollten für diese Gruppe von besonderem Interesse sein, denn zu
lernen, wie man sich in einer Wettbewerbssituation

verhält, ist der

Schlüssel zum Erfolg in dem weltweiten wirtschaftlichen Wettbewerb, den
ich beschrieben habe. Dies gilt für Studenten der Wirtschaftswissenschaften genau wie für Inhaber von Stellen im öffentlichen Leben. Das neue
Zentrum der Handelskammer für internationale Privatunternehmen arbeitet
bereits mit vielen von Ihnen zusammen.
Aber wir kommen zu langsam voran. Es gibt nicht genug öffentliche
Mittel und Programme. Private Mittel müssen die Lücke füllen. Ich weiß,
daß Karibik-Mittelamerika-Aktion bestimmte Programme mit NED diskutiert.
Aber hat die Aktion genug getan? Könnten Sie nicht ein umfassenderes Programm für Stipendien, Austausch und andere Formen der Ausbildung anregen?
Ist diese Investition in Menschen - künftige Unternehmer genau wie Professoren der Wirtschaftswissenschaften oder Finanzminister - nicht diese
Anstrengung werd? Ich meine, ja.

Auf dem Weg der wirtschaftlichen - und politischen - Erholung

Trotz der vielen Hindernisse bei der Entwicklung des Karibischen
Beckens ist bereits ein oetrachtlicher Fortschritt erzielt worden. Es
gibt einige sehr positive externe Faktoren - wie etwa die weltwirtschaftliche Erholung und die Anreize der IKB. Noch wichtiger ist, wie ich meine, das zunehmende Bewußtsein, daß der mit Abstand wichtigste Faktor, der
Wachstum und Entwicklung beeinflußt, die Innenpolitik ist - politische
Stabilität in Verbindung mit den angemessenen wirtschaftlichen Anreizen
zum Sparen und zum Investieren.

Langsam aber sicher wendet sich das

Blatt in Richtung auf einen wirtschaftlichen Konsens zugunsten der Förderung des zum Privatsektor orientierten, vom Export bestimmten Wachstums.

Wir sind auf dem richtigen Weg. Wir müssen auf ihm bleiben.

Die IKB ist daher ebenso Symbol wie Programm. Sie ist eine politische
- 15 -

�1

eine politische Verpflichtung der Vereinigten Staaten. Sie sagt: Wir werden unseren Teil zu den Lösungen beitragen, die ich umrissen habe. Präsident Reagan hat diese Verpflichtung gerade wieder bekräftigt. Er hat die
entsprechenden Mitglieder des Kabinetts und andere hochrangige Regierungsvertreter angewiesen, den das Karibische Becken betreffenden Programmen ihre persönliche Aufmerksamkeit zu schenken und die für deren Erfolg notwendige institutionelle Unterstützung zu gewähren. Der Präsident
betonte, daß "die IKB von persönlicher Bedeutung für mich und bedeutend
für die Zukunft unserer Nation ist."

Die IKB ist eine Verpflichtung, die über diese Administration wie
auch über jede einzelne Situation der amerikanischen Politik hinausreichen wird. Sie ist Folge der Bindungen zwischen dem Karibischen Becken
und den Vereinigten Staaten, und sie wird an Kraft gewinnen, gleich, wer
in den jeweiligen Ländern an der Regierung ist.

Auch im politischen wie im sicherheitspolitischen

Bereich gab es

Fortschritte. Demokratisch gewählte Regierungen sind auf dem Vormarsch,
die bereit sind, echte politische und wirtschaftliche Reformen durchzuführen. Das kubanische und sowjetische Abenteurertum hat schwere Rückschläge erlitten.

Vor einem Jahr ersuchten uns sieben Regierungen in der Karibik, sich
ihnen bei einer Rettungsmission in Grenada anzuschließen. Seither hat
sich die Sicherheitslage und das generelle Vertrauen in der östlichen Karibik stark verbessert. Am vergangenen Montag wählte die Bevölkerung von
Grenada eine neue Regierung, die den demokratischen Grundsätzen und der
Schaffung besserer, freierer Lebensbedingungen verpflichtet ist. Dies ist
eine bedeutsame Leistung - auf die sie stolz sein sollte.

In Mittelamerika bemühen sich die demokratischen Staaten mit Geduld
um die Suche nach Frieden, während sie gleichzeitig daran arbeiten, gegen
die Propaganda und die Subversion einheimischer und ausländischer Kommunisten anzugehen. Auch hier verbessert sich die Situation langsam.
In
- 16 -

der

Karibik

�r

In der Karibik wie in ganz Mittelamerika ist es Ziel der amerikanischen Politik, die Politik der Freiheit, des freien Unternehmertums, der
wirtschaftlichen Initiative, der politischen Möglichkeiten und der Hoffnung zu unterstützen. Die Reaktion, die wir erkennen - eine Reaktion, die
sich an dem Selbstvertrauen messen läßt, das an der Wahlurne und auf den
öffentlichen Foren zum Ausdruck kommt -, signalisiert, daß wir uns auf
dem rechten Weg befinden. Wir sollten auf ihm bleiben.

- 17 -

�12. Dezember 1984

50

EUROPÄISCHE ABRÜSTUNGSKONFERENZ MÖGLICHER WIISE VOR WINDEPUNKT
- Rede des amerikanischen Chefdelegierten Goodoy -

PARIS - (AD) - Die Bereitschaft der Sowjetunion, auf der Stockholmer
Konferenz für Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (.KVAt)
die anstehenden Sachfragen gemeinsam mit den anderen Teilnehmern im Rahmen eines neuen Arbeitsverfahrens anzugehen, könnte nach Meinung des amerikanischen Chefdelegierten bei der Konferenz, Botschafter James Goodby,
bedeuten, daß nun "ernsthafte und detaillierte Verhandlungen" möglich
sind und daß die Konferenz vor einem "Wendepunkt" steht. Der Botscnafter
sagte dies am 3. Dezember 1984 in einer Rede vor dem Institut Francais
Des Relations Internationales in Paris.
Seine Ausführungen haben folgenden Wortlaut:

I. Was auf dem Spiel steht

Im Juli dieses Jahres schrieb Pierre Lellouche vom Institut Francais
Des Relations Internationales in dem amerikanischen Nachrichtenmagazin
Newsweek, daß "die Sowjets dabei sind, das Stockholmer Forum klammheimlich in eine tödliche Maschinerie zu verwandeln, mittels derer sie die

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sie die politische und strategische Ordnung Europas, wie sie in der Nachkriegszeit entstanden ist, zu ihrem Vorteil zu verändern versuchen". Lellouche meinte weiter, die Methode der Sowjets bestehe darin, die öffentliche Meinung des Westens durch "leere, aber gefällig klingende Erklärungen" zu beeinflussen, ihr Ziel sei die Errichtung eines "gesamteuropäischen Sicherheitssystems, von dem die Vereinigten Staaten letztlich ausgeschlossen sein würden". Nach seiner Auffassung ist es "die Schwäche des
Westens, ... die den beständigen Erfolg der sowjetischen Strategie ermöglicht" .

Es wird zu selten zur Kenntnis genommen, daß es auf der Stockholmer
Konferenz in Wirklichkeit um Fragen geht, aus denen sich grundlegende
Veränderungen in dem gegenwärtig in Europa bestehenden Sicherheitssystem
ergeben könnten. Da auf der Konferenz einige der fundamentalsten Probleme
der Sicherheit des Westens auf der Tagesordnung stehen, ist es nicht
übertrieben, zu sagen, daß es in Stockholm im wesentlichen um die künftige politische und strategische Ordnung Europas yeht. Stockholm ist ein
Teilschauplatz des Kampfes zwischen rivalisierenden Zukunftsvisionen. Die
Ideen, die dort diskutiert werden, müssen daner unbedingt als potentielle
Beiträge zum Erfolg der einen oder anderen dieser Visionen verstanden
werden.

Die sowjetische Vision kennen wir zur Genüge. So, wie sie in der Vergangenheit in die Tat umgesetzt worden ist, läuft sie auf eine Begrenzung
der Souveränität der Nachbarländer der OdSSR hinaus. Sie beruht auf der
Annahme einer endlosen Konfrontation und beinhaltet einen Drang zur Hegemonie, die letztendlich als Bedingung für Sicherheit aufgefaßt wird. Die
Vision des Westens hingegen beinhaltet die Hoffnung, dab ungeachtet tiefgreifender und anhaltender ideologischer Gegensätze die Mauer, die immer
noch die Gemeinschaft der europäischen Völker teilt, durch ein System ersetzt werden kann, das mehr Raum für Unterschiedlichkeit läßt, und dab
Gleichgewicht und Zurückhaltung zur Grundlage von Sicherheit gemacht werden können. Wir sprechen hier natürlich von langfristigen historischen
Prozessen, und die Stockholmer Konferenz bildet natürlich nur einen der
Schauplätze, auf denen dieser "lange Kampf im Zwielicht" ausgefochten
wird. Wenn man aber von der scheinbar trivialen Debatte hört, die in

�die in Stockholm über obskure oder unverständliche Fragen geführt wird,
dann tut man gut daran, sich, wie Herr Lellouche, daran zu erinnern, daß
dort letzten Endes doch sehr viel auf dem Spiel steht.

II. Die Bilanz

Wenn es bei diesem "groben Spiel" um so schicksalsschwere Einsätze
geht, dann müssen wir uns darüber Rechenschaft ablegen, was die Sowjets
unternommen haben, um eine neue strategische Ordnung in Europa zu errichten, und wieviel Erfolg sie dabei verzeichnen konnten. Wie Pierre Lellouche meinte, handelt es sich bei einigen der sowjetischen Vorschläge in
Stockholm um "leere, aber gefällig klingende Erklärungen". Andere waren
inhaltlich bedeutsamer, aber aarauf angelegt, den Westen in eine nachteilige Position zu bringen. Wieder andere Vorschläge, wie z.B. die über
chemische Waffen und Rüstungsausgaben, würden nützliche und vielversprechende Ansätze, die andernorts bearbeitet werden, beeinträchtigen. In
diese Kategorie fallen aie folgenden sowjetischen Vorschläge: Verpflicntung zum Verzicht auf Ersteinsatz von Atomwaffen, atomwaffenfreie Zonen,
Einfrieren und Kürzen der Verteidigungshaushalte una Verbot von chemischen Waffen in Europa. Herr Lellouche meinte denn auch, diese Vorschläge
könnten unter Umständen das globale Machtgleichgewicht verändern.

Tatsächlich bewegt sich die Grundströmung in Stockholm aber keineswegs in Richtung auf eine Unterstützung dieses sowjetiscnen Programms
oder einzelner Teilvorschläge. Die neutralen und blockfreien Staaten haben eine Reihe von Vorschlägen eingebracht, die sich in ihrer Grundtendenz vom sowjetischen Ansatz ganz erheblich unterscheiden. Oie Staaten
des Atlantischen Bündnisses ihrerseits naben geduldig die Mängel jedes
dieser sowjetischen Vorschläge dargelegt. Niemand kann glaubwürdig behaupten, daß es den Sowjets gelungen sei, Stockholm in ein Forum für Propaganda und Täuschung der öffentlichen Meinung zu verwandeln. Die Presse
hat im Rahmen ihrer Berichterstattung über Stockholm klugerweise bemerkt,
daß das sowjetische Standardrepertoire nicht sonderlich interessant ist.
Moskau hat nach Kräften versucht, den Gang der Konferenz in Ricntung auf
eine polemische Atomwaffendebatte zu lenken. Da die Sowjets aber diejenigen waren, die es im vergangenen Jahr für richtig befunden haben, den
- 3 -

�haben, den Kernwaffenverhandlungen den Rücken zu kehren, mangelte es ihrer Argumentation doch sehr an Schlüssigkeit.

Nunmehr sollten wir uns der Frage zuwenden, was in Stockholm aus den
Vorstellungen des Westens geworden ist. Der Norweger Johan Holst schrieb
unlängst, daß "vertrauensbildende Maßnahmen als Teilaspekte eines friedlichen W&amp;ndlungsprozesses der politischen Nachkriegsordnung in Europa in
Richtung

auf offenere, gerechtere und

stärker

kooperationsorientierte

Strukturen verstanden werden sollten". In diesen Worten werden die graueren Ziele elegant zusammengefaßt, die das Atlantische Bündnis mit den
Vorschlägen verfolgt, die es in Stockholm eingebracht hat.

Der Westen ist der Meinung, daß Stockholm ein Schauplatz ernsthafter
Rüstungskontrollbemühungen sein kann und daß diese auf der Grundlage der
gleichberechtigten

Zusammenarbeit

aller

Teilnehmer

unternommen

werden

sollten. Ein Ansatz, der auf Vertrauensbildung zum allseitigen, und nicht
nur einseitigen Vorteil sowie auf die Erlangung gröberer Stabilität gerichtet ist, verlangt Beziehungen zwischen allen Völkern Europas, die einem Streben nach Hegemonie strikt entgegenstehen. Die Vorschläge des Atlantischen Bündnisses betonen unter anderem, dalö es notwendig ist, daß
die militärischen Operationen zugrunde liegenden Absichten allseits richtig eingeschätzt werden, weil dies sowohl Fehlkalkulationen vorbeugen als
auch eine abschreckende Wirkung gegen Überraschungsangriffe ausüben kann.
Dieses Ziel erfordert positive Zusammenarbeit, da es dabei darum geht,
der anderen Seite zu versichern, daß sie sich nicht in Gefahr befindet.
Dies bedeutet mehr Offenheit oder, wie es der belgische Delegierte in
Stockholm treffend ausdrückte, die "Entmystifizierung" militärischer Unternehmungen auf dem europäischen Kontinent.

Während das, was die Sowjets in der Annahme, uaß es sich um spektakuläre Vorstöße handele, einbrachten, nur höfliche, aber ziemlich indifferente Reaktionen auslöste, trafen die handfesteren Vorstellungen, die von
den Ländern der Atlantischen Allianz unterbreitet wurden, die auf der
Konferenz vorherrschende Grundströmung. Die Gruppe

aer Neutralen und

Blockfreien hat sehr ähnliche Vorschläge vorgelegt. Die Debatten auf der
Konferenz naben sich hauptsächlich um die Frage bewegt, wie die prakci- 4 -

�die

praktischen

vertrauensbildenden

Maßnahmen, die

erstmals

in

der

Schlußakte von Helsinki aus dem Jahre 1975 entwickelt wurden, mit mehr
Leben erfüllt werden könnten. Die westeuropäische Presse sieht den Zweck
der Stockholmer Konferenz einhellig darin, die Kriegsgefahr durch Durchführung praktischer Schritte zur Krisenverhütung und Stärkung Konkreter
Formen der Zusammenarbeit zu vermindern. Kurzum: Die Vorstellungen des
bestens und die Methoden zu ihrer Ausführung scheinen in Stockholm als
den Kern der Sache treffend akzeptiert zu werden.

Ich wende mich nun der Darstelluny einiger der speziellen westlicnen
Vorschläge und Ziele in Stockholm und einiger besonders wichtiger Entwicklungen in diesem, sich nun dem Ende zuneigenden Jahr zu.

III. Ein neuer rüstungskontrollpolitischer Ansatz

In Stockholm geht es nicht nur um politische Visionen, sondern auch
und am unmittelbarsten um einen neuen rüstungskontrollpolitischen Ansatz.
Im letzten ViertelJahrhundert hat es nur sehr wenige rüstungskontrollpolitische Bemühungen gegeben, die naheliegenasten Ursachen von Kriegen,
also z.B. fehlwahrnehmungsbedingte Krisen, zu beseitigen. Bei Rüstungskontrollverhandlunyen ging es im Normalfall darum, tatsächlich wahrgenommene Gefahren zu verringern, sei es die Bedrohung, die im Verständnis
der Menschen von den Arsenalen an atomaren Gefechtsköpfen nerrührt, oder
sei es die, die vom Umfang der konventionellen Streitkräfte in Europa
ausgeht. Die wenigen Bemühungen, im Rahmen der Rüstungskontrolle die "unmittelbaren" Ursachen von Kriegen zu erfassen, waren zwar wichtig, aber
nach Trayweite und Zielen oegrenzt; der "Heibe Draht" zwischen Moskau und
Washington und das amerikanisch-sowjetische Abkommen zur Vermeidung von
Zwischenfällen auf Hoher See bilden zwei Beispiele. Bislang ist es nicht
gelungen, im Rahmen umfassender Verhandlungen Vorkehrungen zu vereinbaren, deren Ziel darin besteht, Krisen vorzubeugen oder sie einzudämmen
oder beizulegen, falls sie dennoch auftreten. Genau dies ist jedoch das
Ziel der in Stockholm vertretenen westlichen Nationen. Wenn wir im Hinblick auf dieses Ziel einen Erfolg verbuchen könnten, so würde sich dies
aucn förderlich

für unbefangene und

normale Beziehungen zwischen den

Staaten ganz Europas auswirken.
Unter einem

�Unter einem anderen Blickwinkel könnte man den Unterschied zwischen
der "klassischen" Rüstungskontrolle und den neuen Ideen, die in Stockholm
erörtert werden, dahingehend beschreiben, daß sich erstere mit der zahlenmäßigen Stärke von Streitkräften befaßt, während im Mittelpunkt der
letzteren die Operationen von Militärstreitkräften stehen, in "klassischen" Rüstungskontrollverhandlungen wird im Normalfall versucht, langfristige Stabilität zu sichern, indem man beispielsweise mehr Überschaubarkeit hinsichtlich der Arten und der Anzahl von strategischen Waffen
herstellt, die während eines bestimmten Zeitraumes in der Zukunft existieren werden. In Stockholm jedoch dringen die Verbündeten auf Abkommen
zur Sicherung kurzfristiger Stabilität, d.h., Stabilität in Phasen dynamischer und möglicherweise turbulenter internationaler politischer Entwicklungen, die äußerste Aufmerksamkeit erfordern können. Das Ziel besteht darin, Vorkehrungen zu treffen, mittels derer sich Mißverständnisse
vermeiden lassen, die zu einer gefänrlichen Eskalation führen könnten,
bzw. Vorkehrungen, die es den beteiligten Nationen erleichtern würden,
potentiell gefährliche Situationen unter Kontrolle zu behalten. Wie gut
es dem Westen gelungen ist, um Unterstützung für diesen Gesichtspunkt zu
werben, möge der folgende Überblick über andere in Stockholm unterbreitete Vorschläge zeigen.

Im Verlaufe des Jahres 1984 wurden auf der Stockholmer Konferenz fünf
Vorschlagspakete eingebracht. Außer den Staaten des Atlantischen Bündnisses unterbreiteten auch Rumänien, die Gruppe der Neutralen und Blockfreien, die Sowjetunion und Malta Vorschläge.

Die Vorschläge Rumäniens waren aus einer Reine von Gründen wichtig,.
Diese Vorschläge enthielten zwar Elemente, die auf den politischen Vorstellungen des Warschauer Pakts fußten, aber auch interessante Ansätze,
die darauf abzielten, die in der Schlußakte von Helsinki niedergelegten
vertrauensbildenden Maßnahmen zu verbessern. Auch bei einem der sowjetischen Vorschläge ging es um Verbesserungen bei den vertrauensbildenden
Maßnahmen "nach Art von Helsinki". Die von den neutralen und blocKfreien
Staaten eingebrachten Vorschläge verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil
sie bei der Bestimmung des "Schwerpunktes" der Stockholmer Konferenz von
Nutzen sind. Neun der zwölf Vorschläge, die diese Initiative umfaßt,
- 6 -

�Initiative umfaßt, ähneln denen, die auch von den Verbündeten vorgetragen
worden sind. Die drei restlichen gehen insofern über den von der Allianz
gesteckten Rahmen hinaus, als sie darauf abstellen, die Art der Stationierung von Streitkräften bestimmten Begrenzungen oder Beschränkungen zu
unterwerfen. In diesem Zusammenhang Destimmten die Neutralen eine "ürauzone", die zwischen den auf Stabilität abzielenden Vorschlägen des Bündnisses und den Rüstungsverminderungszielen der "klassischen" Rüstungskontrolle liegt. Dieser Ansatz sollte - und wird - ernsthaft geprüft.

Aus all dem ergibt sich eines mit völliger Klarheit: zwischen all
diesen Vorschlägen und denen des Bündnisses besteht ein bemerkenswertes
Maß an 'Übereinstimmung.

IV. Die Mechanismen vertraglich vereinbarter Stabilität
Gemeinsamer Ausgangspunkt

der Staaten des Atlantischen

Bündnisses

sind die vertrauensbildenden Maßnahmen der Schlußakte von Helsinki aus
dem Jahr 1973.

Diese Maßnahmen waren bescheidene Experimente und bedurf-

ten einer beträchtlichen Verbesserung.

Daher bemühen sich die westlichen

Länder in ihren Vorschlägen, Abkommen auszuhanaeln, die unter anderem auf
den anfänglichen Benachrichtigungs- und Beobachtungsverfahren aufbauen,
wie sie in der Schlußakte von Helsinki niedergelegt sind. Schon durch ihr
Mandat geht die Stockholmer Konferenz erheblich über die Schlußakte hinaus:

In Stockholm geht es, und hierüber haben alle Staaten Einigkeit er-

zielt, um ganz Europa - vom Atlantik bis zum Ural -, während die Schlußakte das meiste des europäischen Teils der Sowjetunion ausnahm.

Die Staaten des Atlantischen Bündnisses sind bestrebt, die Informationen über Manöver auszuweiten, wobei Alarme, amphibische Operationen
und Mobilisierungen mit eingeschlossen werden sollen.

Sie drängen dar-

auf, militärische Einheiten - besonders die Division - zur Grundlage von
Notifikationen zu machen - und nicht allgemeine Angaben über die Zahl der
Soldaten.

Sie schlagen einen Informationsaustausch vor, der als Maßstab

dienen kann, um die Bedeutung militärischer Aktivitäten außerhalb der Kaserne zu Deurteilen.

Vor-Drt-Inspektionen zur Klärung von Fragen, die
- 7 -

�Fragen, die sich aus der Verwirklichung dieser Vereinbarung ergeben, sowie zur Behebung potentieller Krisen sollten Teil eines strafferen Systems sein, um die Stabilität zu erhöhen. Mittel für eine Kommunikation
zwischen den Beteiligten in dringlichen Fällen könnten gleichfalls dazu
dienen, Krisen abzuwenden oder zu bereinigen. Die Verbündeten wünschen
eine noch frühere Benachrichtigung hinsichtlich militärischer Aktivitäten
sowie Informationen bereits auf einem niedrigeren Niveau, als dies in der
Schlußakte von Helsinki vorgesehen war. Außerdem schlagen die westlichen
Länder vor, jährliche Vorhersagen von militärischen Operationen innerhalb
der Zone auszutauschen. Diese jährlichen Vorhersagen hätte eine begrenzende Wirkung, da es schwieriger wäre, zum Zweck politischer Einschüchterung plötzlich eine Militärübung in die Wege zu leiten. Zusammen mit der
vertraglich zugesicherten Beobachtung aller angesagten Militäraktivitäten
würden diese Maßnahmen die Stabilität in Europa stärken. Durch die Festlegung von Normen bei militärischen Aktivitäten für Militäroperationen in
Europa und durch Arrangements für eine gemeinsame Reaktion auf Situationen außerhalb dieser "Normen" würden Bedingungen geschaffen , die die Lösung potentieller Krisen erleichtern könnten.

Johan Holst hat vorgeschlagen, "vertrauensbildende Maßnahmen als Instrumente anzusehen, die den Zweck haben, den Druck der Waffen auf den
politischen Prozeß in Friedenszeiten sowie auf die Entscheidungsfindung
in Krisen und Krieg zu verringern." Die Vorschläge des Bündnisses wollen
genau dies. Wenn ein System geschaffen werden kann, das die Stabilität
fördert, potentielle Krisen drosselt, vom Einsatz militärischer Gewalt
zwecks politischer Einschüchterung abrät und in dem Krisen eingedämmt und
rasch gemeistert werden können, werden wir in der Tat "den Druck der Waffen auf den politischen Prozeß verringern".

V. Ein Blick auf das Jahr 1984
Die Außenminister der 35 Teilnehmerstaaten eröffneten die Konferenz
im Januar 1984, zu einer Zeit, die - im Rückblick gesehen - den Beginn
einer Wandlung der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen darstellte. Am

�darstellte. Am 16. Januar hielt Präsident Reagan eine der wichtigsten Reden zum Thema der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen; unmittelbar danach kam es zu Gesprächen zwischen Außenminister Shultz und seinem sowjetischen Amtskollegen Gromyko. Obgleich die eisigen Winde aus dem Osten
die Temperaturen allerorts zum Sinken brachten, wurde doch zu diesem
Zeitpunkt die Saat für kommende Verhandlungen gelegt.

Den vielleicht wichtigsten politischen Anstoß, den die Stockholmer
Konferenz in diesem Jahr erhielt, war die Rede von Präsident Reagan am 4.
Juni in Dublin. In dieser Rede ging der Präsident im Grunde schon auf die
Form eines späteren Abkommens ein, als er die Möglichkeit erwähnte, einen
sowjetischen Gewaltverzichtsvorschlag zu diskutieren, sobald auch die Sowjets bereit wären, über konkrete, vertrauensbildende Maßnahmen zu verhandeln - wie etwa jene, für die sich das Bündnis und die neutralen Staaten einsetzten.

Auf den vier Sitzungen, die 1984 stattfanden, zeigten die Sowjets jedoch wenig Neigung, die Einladung des Bündnisses zu Verhandlungen anzunehmen. Allerdings stimmten am 3. Dezember alle Teilnehmer, einschließlich der Sowjetunion, einer Arbeitsstruktur zu, die zu ernsthaften und
detaillierten Verhandlungen ermuntern dürfte. Dies könnte ein Wendepunkt
sein. Mehr denn je gibt es nunmehr die Gelegenheit für den "flexiblen
Verhandlungsprozeß des Gebens und Nehmens", den Präsident Reagan im September gefordert hatte. Die Zeichen werden immer günstiger, und wir hoffen, daß die Sowjets diese neue Gelegenheit nutzen werden, um Abkommen
auszuhandeln,

die

sich

auch

wirklich

auf

Verhandlungsvorschläge

von

Stockholm gründen. Es gibt seit einiger Zeit bereits einen konkreten
"Ausgangspunkt" für Verhandlungen, den viele Delegationen bereits erkannt
haben. Nunmehr steht den Verhandlungspartnern eine Struktur zur Verfügung, die einen detaillierten Vergleich der Vorschläge erleichtert und
durch die mit dem Unterfangen begonnen werden kann, die noch bestehende
Kluft zu überbrücken.

Man sollte darauf hinweisen, daß viele Delegationen erkannt haben,
daß man sich unmöglich in Stockholm mit all den Problemen auseinander-

�Problemen auseinandersetzen kann, denen die einzelnen Staaten hohe Priorität beimessen. Aber auch diese bleiben dadurch nicht unbeachtet, ganz
im Gegenteil. So unterbreitete Präsident Reagan im Verlauf seiner Rede
vor den Vereinten Nationen am 24. September mehrere Vorschläge, die zur
Bildung von Vertrauen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion beitragen würden. Es ist offensichtlich, daß die Stockholmer Konferenz
nicht alles sein kann. Viele Dinge können auch auf bilateralem Weg oder
in anderen Foren angegangen werden, um das Vertrauen zwischen den Staaten
zu verbessern; dadurch wiederum könnten Maßnahmen verstärkt werden, zu
denen man sich in Stockholm entschlossen hat.

VI. Zusammenfassung

Während wir uns nunmehr dem Ende des ersten Jahres dieser Konferenz
nähern, hat es den Anschein, der Westen stehe - gemessen an der Grundthese von Pierre Lellouche - gar nicht so schlecht da. Die Schwäche, von
der er spricht, ist nicht zu erkennen. Vielleicht dürfen wir sogar sagen,
daß die Wiederherstellung des Gefühls für Stärke, Zielsetzung und Vertrauen in Amerika etwas hiermit zu tun hat.

Die Konferenz scheint ein westliches Konzept der Sicherheit akzeptiert zu haben. Viele östliche Erklärungen wurden vorgetragen, aber die
Mehrheit der Konferenzteilnehmer scheint fest zu ernsthaften Verhandlungen über praktische Maßnahmen entschlossen zu sein, durch die die Stabilität in Europa verbessert werden kann. Ein konsensschaffender Prozeß hat
stattgefunden, der ein Ergebnis möglich erscheinen läßt, das zweierlei
miteinander verbindet: Die erneute Bekräftigung des Verzichts auf Gewalt
mit praktischen, vertrauensbildenden

Maßnahmen in der Absicht, diesem

Prinzip einen realen Ausdruck zu verleihen. Und auch der Gedanke eines
offeneren Kontinents ist verwurzelter denn je.

Selbst wenn sich die Sowjets der neuen Arbeitsstruktur bedienen, mit
der ein Konsens herbeigeführt werden soll, so werden sie doch auch weiterhin dem Westen für Europas Sicherheitsprobleme Allheilmittel vorschla- 10-

�Allheilmittel vorschlagen, die ihnen selbst dienen. Es wird stets die
Versuchung bleiben, auf Kosten sinnvoller Ergebnisse zu raschen Resultaten zu kommen, und dies wird stets, wenn möglich, zum Nachteil des
Westens ausgenützt werden. Aber das erste Jahr der Gespräche deutet auch
darauf hin, daß in Stockholm sinnvolle Ergebnisse möglich sind, wenn der
Westen einig bleibt.

Das Treffen zwischen Außenminister

Shultz und seinem Amtskollegen

Gromyko im Januar wird hoffentlich zu einem gemeinsamen Verständnis hinsichtlich des Themas und des Ziels von Verhandlungen über eine ganze
Bandbreite von Nuklearthemen führen. Es ist auch zu hoffen, daß die an
der Stockholmer Konferenz beteiligten Staaten in diesem selben Geist in
der Lage sein werden, auch im Lauf des Jahres 1985 Fortschritte in Richtung auf stabilere und kooperativere Beziehungen zu machen und den Konfrontationscharakter

im militärischen

Bereich abzuschwächen.

Wie groß

auch immer die Erfolge bei anderen Verhandlungen zur Verringerung der
Waffen und der Mannschaftsstärken sein mögen, es wird noch für eine lange
Zeit eine gewaltige und potentiell vernichtende militärische Macht geben.
Während unsere Staaten sich darum bemühen, das Ausmaß der Rüstungen zu
verringern, müssen wir in Stockholm

auch versuchen, die Gefahr eines

Krieges, den niemand wünscht, so gering wie nur irgend möglich zu halten.

Als die Stockholmer Konferenz vor mittlerweile fast einem Jahr zusammentrat, sprach Präsident Reagan von den sowjetisch-amerikanischen Beziehungen auf eine Weise, die, wie ich meine, die amerikanische Haltung gegenüber diesem Unterfangen zusammenfasst. Er sagte:

"Stärke und Dialog gehen Hand in Hand. Wir sind entschlossen, uns mit
unseren Differenzen friedlich und durch Verhandlungen auseinanderzusetzen. Wir sind bereit, die Probleme zu besprechen, die uns trennen, und
auf praktische, gerechte Lösungen auf der Grundlage eines wechselseitigen
Kompromisses hinzuarbeiten. Wir werden uns nie von Verhandlungen zurückziehen."
# * * * #

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

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L'/L. Dezember 1^134

i&gt;0

USA MJRDIGEN DEMOKRATISCHE WAHLEN AUF GRENADA
- E r k l ä r u r g Reagans und des uS-Auüenministeriums

WASHINGTON Grenada
tät

zu der

(Aü)

-

Präsident

Ronald Reagan hat d i e Bevölkerung

f r i e d l i c h e n und demokratischen Ausübung

ihrer

b e i den Wahlen vom J&gt;. Dezember 1984 beglückwünscht.

amerikanische P r ä s i d e n , daß d i e s d i e

erste

marxistisch-leninistischer

befreites

Herrschaft

V.ahl war,
Land

von

Souveräni-

I n einer

Dezember 1964 vom Weinen Haus v e r ö f f e n t l i c h t e n t r k l ä r u n g

rückgekehrt

-

am 4 .

unterstricn

durch d i e

der

ein

von

&lt;:ur ü e m o k r a t i e

zu-

sei.

Der s t e l l v e r t r e t e n a e Sprecher des S t a t e D e p a r t m e n t , A l a n Romberg, b e glückwünschte d i e Neue N a t i o n a l p a r t e i , d i e b e i den Wahlen e i n e n ü b e r w ä l t i g e n d e n Sieg d a v o n t r u g , und
mit

der

neuen Regierung

auf

f ü g t e h i n z u , dab d i e
der K a r i b i k i n s e l

bei

Reagan-Administration
der

Bewältigung

ihrer

Probleme zusammenarbeiten werde.

D i e E r k l ä r u n g P r ä s i d e n t Reagans hat f o l g e n d e n W o r t l a u t :

Am

Montag,

den

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�Am Montag, den 3. Dezember 1984, hat die Bevölkerung auf Grenada ihre
erste demokratische Kahl seit 1976 abgehalten.

Diese Wahl stellt einen

Erfolg von historischer Bedeutung dar - es war das erstemal, daii ein Land
zur Demokratie zurückkehrte, nachdem es von marxistisch-leninistiscner
Herrschaft befreit wurde.

Die Vereinigten Staaten sind stolz darauf, daß sie an dieser Rückkehr
der Demokratie nach Grenada Anteil hatten. Am 25. Oktober 19ö3 beteiligten sich die Vereinigten Staaten auf Ersuchen des Gouverneurs von Grenada
und der Organisation Ostkaribischer Staaten an der Rettungsmission, aurcn
die das grenadische Volk von chaotischer und brutaler Mitoherrschaft befreit wurde.

Diese Aktion führte zur Einsetzung einer Interimsregierung

unter Nicholas Brathwaite, die große Verdienste an der Ausführung des
Versprechens hatte, die Verwaltung des Landes durch freie und faire Wahlen wieder in die Hand des Volkes zurückzulegen.

Die Interimsregierung

verdient ebenfalls Bewunderung für die Menschlichkeit und die Respektierung des Rechts, die sie bei der Behandlung jener ausgeübt hat, die in
Diensten der früheren grenadischen Regierung standen.

Wir beglückwünschen die Bevölkerung Grenadas zu der frieulichen, ordnungsgemäßen und echt demokratischen Ausüoung der Souveränität des Volkes
am :&gt;. Dezember und sehen einer engen Zusammenarbeit mit der neuen Regierung von Grenada entgegen.

* * *

Die Erklärung des US-Außenministeriums hat folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten Staaten bewerten mit Befriedigung die yestrigen Wahlen auf Grenada.

Die Unterstützung der Demokratie und des demokratischen

Prozesses, wie sie bei diesen Wahlen zum Ausdruck kam, ist einer der entscheidenden Punkte der Außenpolitik der USA.
Erste

Berichte

�Erste Berichte lassen erkennen, daß ein hoher Prozentsatz der registrierten Wähler Grenadas in dieser ersten Wahl seit 1^76 an die Wahlurnen trat. Die Stimmabgabe erfolgte in friedlicher Weise in den IJO Wahllokalen, die auf die 13 parlamentarischen Wahlbezirke des Landes verteilt
waren.

Durch ihre enthusiastische Beteiligung

naben uie

Wahlberechtigten

Grenadas einen einjährigen ProzeB erfolgreich aogeschlossen, der darauf
abzielte, Grenada fest auf einen demokratischen Weg zurückzuführen.

Genpralgouverneur Sir Paul Scoon und die Interimsregierung unter Führung von Nicholas Brathwaite müssen zu ihrer Behutsamkeit und ihrer Entschlossenheit beglückwünscht werden, die sie bei der Vorbereitung einer
Rückkehr des ..arides zu einer demokratisch gewählten Regierung gezeigt haben.
Die Interimsregierung nat eine bemerkenswert erfolgreiche Kegistrierungskampagne geführt, durch die mehr als &gt;Ü Prozent der Wahlberechtigten
erfaüt wurden.

Sie schuf ferner die Bedingungen für einen wirklich frei-

en und demokratischen Wahlkgmpf, wozu Redefreiheit, Presse- und Versammlungsfreiheit sowie Freiheit der politischen Koalition gehörten.

Kandi-

daten aller Richtungen konnten sich beteiligen - und taten dies auch -,
wobei den Wählern eine volle Bandoreite der politischen Möglichkeiten geboten wurde.

Die Vereinigten Staaten beglückwünschen die Neue nationalpartei, die
von der überwältigenden Mehrheit der Stimmberechtigten Grenadas gewählt
wurde.

Wir sehen der Zusammenarbeit mit der neuen Regierung bei üer Be-

wältigung der zahlreichen verbleioenden Probleme, insbesondere auf dem
wirtschaftlichen Sektor, entgegen.

* * *

Die

Neue

�Die Neue Mationalpartei, die sich aus drei verschiedenen politischen
Gruppierungen zusammensetzt und als gemäßigt gilt, konnte 14 der insgesamt 15 Sitze desrtepräsentantennausesgewinnen.

Von den 40 121 Wahlbe-

rechtigten oeteiligten sich über 8!&gt; Prozent an der Stimmabgabe.

»

- 4 -

�XI. Dezember 19U4

50

DIE MENSCHENRECHTSLAGE IN AFGHANISTAN
Kurzinformation des US-Auüenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Im Dezember 1964 veröffentlichte das amerikanische Außenministerium das nachstehende Informationspapier über die Lage
der Menschenrechte im sowjetisch besetzten Afghanistan:
HINTERGRUND:
ein.

Im Jahr 1979 marschierten die Sowjets in Afghanistan

Seitdem halten sie das Land besetzt und versuchen, dem afghanischen

Volk ein ihm wesensfremdes politisch-soziales System aufzuzwingen.

In-

folgedessen zählt Afghanistan heute zu den Ländern der Welt, in denen es
um die Menschenrechte am schlechtesten bestellt ist.

Das leidenscnaft-

lich unabhängigkeitsliebende und zutiefst moslemische Volk Afghanistans
hat sich seit Jahrhunderten jeder Form von Fremdherrschaft widersetzt.
Nach dem marxistisch-leninistischen Staatsstreich vom April 1978, der zur
Ausrufung der Demokratischen Republik Afghanistans führte, stieb das Regime sehr bald auf Widerstand, der nach und nach das gesamte Land erfaßte.

In dem Bestreben, den Sturz eines kommunistischen Regimes in einem

Nachbarland zu verhindern, marschierten die Sowjets am 2.1. Dezember 1979

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�27. Dezember 1^7y in Afghanistan ein, liquidierten den marxistischen Ministerpräsidenten und setzten das Marionettenregime des Babrak Karmal ein.

Nach fünf Jahren einer immer orutaler werdenden Besatzungsnerrscnaft
beherrschen die vom Volke unterstützten Widerstandskämpfer, die sich Mujahedin ("Streiter im Heiligen Krieg") nennen, die ländlichen Gebiete Afghanistans und halten sowjetische Streitkräfte in Stärke von lli&gt; ÜÜO Mann
in Schach.

Die Sowjets und ihre afghanischen Verbündeten, zu denen auch

die berüchtigte, nach dem Vorbild des sowjetischen KGB organisierte afghanische Geheimpolizei KHAD zählt, hoffen immer noch, den Widerstandswillen der Mujahedin und der sie unterstützenden Zivilbevölkerung brechen
zu können.

Durch gnadenlosen Terror und Unterdrückung versuchen sie, in

Afghanistan schließlich doch noch einen fügsamen, totalitären, kommunistischen Staat zu errichten.

MEhiSCHENRECHlSVERLETZUIMGEN:

Die Akte der Brutalität, oie von den So-

wjets in Afghanistan begangen werden, umfassen Morde im Rahmen von Vergeltungsaktionen, Folter und Verstümmelung von politischen Gefangenen sowie die Zerstörung von Ernten, Viehbeständen und anderem Eigentum.

Seit

197b&gt; haben sich die Berichte über die willkürliche Ermordung afghanischer
Zivilisten durch sowjetische Truppen ständig vermehrt.

Für jeden Angriff

der Mujahedin auf sowjetische Truppen üben die Sowjets automatisch Vergeltung an Dörfern, von denen sie annehmen, daB sie die Widerstandsbewegung unterstützen.

Alles, was über diese Vergeltunysschläge bekannt ist, legt den Schluid
nahe, daü dabei vielfach unschuldige Frauen, Kinder und Greise getötet
werdpn. Darüber hinaus bedienen sich die Sowjets auch der Taktik des Abwurfs von Mienen, die oftmals als Gebrauchsgegenstände oder Spielzeug getarnt sind.

Diese Sprengkörper sind dazu bestimmt, afghanische Zivi-

listen zu verwunden und zu verstümmeln. Auf diese Weise soll die die Mujahedin unterstützende Bevölkerung demoralisiert und in Angst und Schrekken versetzt werden.

Eine weitere Taktik besteht in der vorsätzlichen

Zerstörung von Gehöften und ernten in Gebieten, in denen die Mujahedin
Unterstützung finden.

Hierdurch soll die Bevölkerung zur Flucht gezwun- 2 •-

�Flucht gezwungen werden.

Auch Flächenbombardements gegen ganze Dörfer

wurden von den Sowjets durchgeführt. Die Bombardierungen, Morde und weitreichenden Zerstörungen, die diese Taktiken mit sich brachten, haben über
3,5 Millionen Afghanen (fast 25 Prozent der Vorkriegsbevölkerung) zur
Flucht nach Pakistan oder in den Iran veranlagt.

Weitere Hunderttausende

von Menschen sind auf der Flucht vor dem Krieg in die Städte, besonders
nach Kabul, geströmt.

Das Regime von BabraK Karmal nat politische Gefangene nach öffentlichen Schauprozessen hinrichten lassen.

Um Informationen zu erlangen,

Gefangene zu bestrafen und die Bevölkerung einzuschüchtern, bedient sich
die KHAD in großem Umfang des Mittels der physischen und psychischen Folter. Überlebende Insassen afghaniscner Gefängnisse berichten von Elektroschockbehandlungen, Schlägen, Ausreißen der Fingernägel und anderen barbarischen Praktiken.

Oftmals sind dabei sowjetische "Berater" zugegen.

Verscniedene Quellen, darunter auch Amnesty International, haben zumindest acht von der KHAD unterhaltene Zentren identifiziert, wo Menscnen
gefangengehalten und gefoltert werden.

In den vom Regime beherrschten Gebieten leben die Menschen in Angst
vor willkürlicher Verhaftung und Inhaftierung durch die Geheimpolizei.
Haftbefehle sind nicht üblich, und bis zur Anklageerhebung können Monate
vergehen, falls es überhaupt dazu kommt.

Nach langer Haft werden poli-

tische Gefangene im allgemeinen in Geheimprozessen abgeurteilt, wobei die
KHAD eine Hauptrolle spielt.

Wenn überhaupt ein Prozeß stattfindet, geht

man dabei von Anfang an davon aus, daß der Gefangene schuldig ist, verweigert ihm einen

Rechtsbeistand und erlaubt ihm nur selten, die Zeugen

der Anklage ins Kreuzverhör zu nehmen. Freisprüche gibt es kaum.

BÜRGERRECHTE:

In den vom Karmal-Regime und den Sowjets beherrschten

Gebieten gibt es keine Rede- , Presse- oder Versammlungsfreineit und auch
kein Recht auf Freizügigkeit.

Die Medien befinden sich im Besitz und un-

ter der Kontrolle des Regimes und spiegeln dessen Politik sowie die der
Sowjets wider.

Der
- 3 -

Vollzug

aer

�Der Vollzug der den Bürgern Afghanistans auferlegten Beschränkungen
obliebt der KHAD, der rund 20 000 Bedienstete angehö'rden und deren Einfluß in den von der Regierung kontrollierten Gebieten Afghanistans alle
Lebensbereiche durchdringt. Unter anderem unterhält die KHAD ein ausgedehntes Netz von Informanten. Infolgedessen achten die Afgnanen sehr
darauf, was sie sagen, damit sie nicht von KHAD-Beamten regimefeindlicher
Äußerungen beschuldigt werden können. Da sich die Reihen der Streitkräfte des Regimes durcn Desertion gelichtet haben, ist die KHAD dazu übergegangen, sie durch Zwangsrekrutierung wieder aufzufüllen. Auf der Suche
nach Rekruten streifen Geheimkommandos durch die Basars und werden ganze
Blocks Haus für Haus durchkämmt.

'

Wegen der Beschädigung von Strafen und Brücken und der Kämpfe zwischen den sowjetischen Streitkräften und den Mujahedin ist der Inlandsreiseverkehr extrem schwierig geworden. Auslandsreisen unterliegen strikten Beschränkungen und sind Personen vorbehalten, von denen das Regime
annimmt, daß sie auch zurückkommen werden. Trotz dieser Erschwernisse
ist zumindest jeder fünfte Afghane aus seiner Heimat geflohen, um der sowjetischen Besatzungsherrschaft zu entgehen.
POLITISCHE RECHTE: Seit 1979 erhalten die sowjetischen Streitkräfte
in Afgnanistan eine totalitären Staatsapparat aufrecht. Die Mitgliedschaft in der Demokratischen Volkspartei Afghanistans, der einzigen zugelassenen Partei, ist für jede höherrangige Position im Beruf oder öffentlichen Leben obligatorisch. Seit 1978 gibt es keinerlei Gesetzgebung
oder Wahlen mehr. Jas Regime regiert vielmehr durch Erlasse.
DIE AMERIKANISCHE POSITION: Diese massiven Verletzungen der Menschenrechte des afghanischen Volkes sind eine direkte Folge der sowjetischen Entscheidung, das Land zu besetzen, und des Versuchs, es zu unterwerfen. Der Einmarsch ist von den Vereinten Nationen, regionalen und islamischen Organisationen und zahlreichen Menschenrechtsorganisationen wie
z. B. Amnesty International und der 'Überwachungsorganisation für die Einhaltung der Schlußakte von Helsinki, wiederholt und in scharfer Foprm
verurteilt worden. Diese Frage hat die Beziehungen zwischen dem testen
- 4 -

*

�dem Westen und der Sowjetunion insofern erheblich beeinträchtigt, als sie
nachdrücklich gezeigt hat, daß die Sowjets entschlossen sind, ihren Willen gegebenenfalls auch mit Gewalt durchzusetzen, und daß sie die Menschenrechte geringschätzen.
tung eindeutig umrissen:

Präsident Reagan hat die amerikanische Hal-

"Wir streuen den Abzug der sowjetischen Streit-

kräfte an, damit das afghanische Volk in Freiheit in seinem Lande leben
kann und in der Lage ist, seinen Lebensstil und seine Regierungsform
selbst zu wählen."

- 5 -

�</text>
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