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2 ü . November li&gt;ö4

I N H A L T

DOKUMENTATION
USA und S o w j e t u n i o n v e r e i n ü a r e n neue K u s t u n g s k o n t r o l l v e r h a n d l u n g e n
- Außenminister t r e f f e n s i c h i n Genf -

Vereinigte Staaten begrüßen Tschernenkos Äußerungen zur
Rüstungskontrolle
- I n t e r v i e w m i t US-Außenminister S h u l t z -

HINTERGRUNDMATERIAL
S o w j e t i s c h e Desinformationskampagne nach Ermordung I n d i r a Gandhis
- L h r o n o l o g i e der s o w j e t i s c h e n M e i n u n g s m a n i p u l a t i o n -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Umweltprobleme
- Z w e i f e l an Eignung von Methanol a l s K r a f t s t o f f - Methangehalt d e r
L u f t nimmt zu -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28. November 1*84

48

USA UND SOWJETUNION VEREINBAREN NEUE RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- A u ß e n m i n i s t e r t r e f f e n s i c h i n Genf -

WASHINGTON -

(AD) - D i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n und d i e S o w j e t u n i o n

sind

übereingekommen,in neue Gespräche über den gesamten Bereich der Rüstungskontrolle einzutreten.

Wie der Berater des Präsidenten für nationale S i -

c h e r h e i t s f r a g e n , Robert McFarlane, am Tl.

November 198a m i t t e i l t e , werden

sich der amerikanische Außenminister George Shultz und sein sowjetischer
Amtskollege Andrei Gromyko am 7. und 8. Januar nächsten Jahres i n Genf
treffen,

um eine gemeinsame Verständigung über

Verhandlungen zu erreichen.

Inhalt

und Z i e l

dieser

McFarlane sagte, die USA würden mit der Be-

r e i t s c h a f t zum "echten Geben und Nehmen" nach Genf gehen, um konkrete Abkommen mit der Sowjetunion zu e r z i e l e n .
Vor der Presse gab der Sicherheitsberater Präsident Reagans dazu f o l gende Erklärung ab:
I c h freue mich, daß i c h a l s Ergebnis des während der l e t z t e n acht Wochen e r f o l g t e n Meinungsaustausches zwischen Präsident Reagan und dem so-

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�und dem sowjetischen Staats- und Parteichef Tschernenko heute mitteilen
kann, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion übereingekommen
sind, in neue Rüstungskontrollverhandlungen einzutreten. Auch die Sowjetunion gibt zu diesem Zeitpunkt folgendes bekannt:

"Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sind übereingekommen, in
neue Verhandlungen einzutreten, die das Ziel haben, beiderseitig annehmbare Abkommen über den gesamten Bereich der die Nuklear- und die Weltraumwaffen betreffenden Fragen zu erreichen.

Um zu einer gemeinsamen Verständigung hinsichtlich des Inhalts und
der Ziele solcher Verhandlungen zu gelangen, werden sich Außenminister
George P. Shultz und der sowjetische Außenminister Andrei A. Gromyko am
7. und 8. Januar 1985 in Genf treffen."

Als ich den Präsidenter am Montag dieser Woche in Santa Barbara über
diese Übereinkunft unterrichtete, sagte er:
richt.

"Dies ist eine gute Nach-

Es ist der erste Schritt auf einem langen und schwierigen Weg.

Aber die Welt verläßt sich auf uns.

Ich möchte, daß Sie nach Washington

zurückkehren und beschleunigt die Arbeiten fortsetzen, die zur Ausarbeitung unserer Position notwendig sind."

Die heutige Mitteilung hat ihren Ursprung in den persönlichen demühungen des Präsidenten, die ihren Höhepunkt in dem im September unterbreiteten Vorschlag fanden, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ihre auf einen Abbau der Kernwaffen gerichteten Verhandlungen wieder aufnehmen sollten.

Seit diesem Zeitpunkt haben die über vertrauliche

Kanäle geführten Erörterungen zwischen uns und der Sowjetunion eine Verständigung über den Umfang und die Prioritäten eines solchen Prozesses
gefördert.

Im Zuge dieses Meinungsaustausches während der letzten acht Wochen
hat der Präsident in über einem halben Dutzend Zusammenkünften, an denen
der Außenminister, der Verteigigungsminister

sowie

andere teilnahmen,

persönlich die Richtung abgesteckt; dies hat dann zu der heutigen Ankün- 2 -

�heutigen Ankündigung geführt.

Der Präsident hat die Regierungschefs der mit uns verbündeten Länder
unterrichtet.

Auch die Führung unseres Kongresses ist im voraus infor-

miert worden.

Der Präsident wird seine Bemühungen um die Stärkung und

Konsolidierung der überparteilichen Unterstützung des Kongresses fortsetzen, die von so entscheidender Bedeutung ist, wenn wir wirksame Rüstungsreduzierungen aushandeln wollen.

Wir haben immer wieder den Standpunkt vertreten, daß der Ahbau der
Kernwaffen das wichtigste Zeil für unsere beiden Länder ist, und wir sind
zu einem echten Geben und Nehmen mit der Sowjetunion bereit, um konkrete
Abkommen zu erreichen.

Wir haben unsere Vorbereitungen während dieses

Jahres fortgesetzt, und wir treten in die Gespräche im Januar mit dem
Geist echten Kompromisses und mit der Zielsetzung ein, zu Ergebnissen zu
gelangen.

In Beantwortung von Fragen unterstrich McFarlane, daß es das Ziel des
Treffens im Januar sei, "die Tagesordnung und den Kurs weiterer Verhandlungen abzustecken".

Präsident Reagan sei schon seit längerem der An-

sicht, daß eine Klärung der Atmosphäre erfolgen und ein neues, ernsthaftes Gespräch über den ganzen Fragenbereich - strategische Systeme, Mittelstreckensysteme und Weltraumsysteme - erfolgen müsse. Mit diesem Ziel
vor Augen habe der amerikanische Präsident in seiner Rede vor den Vereinten Nationen im September sowie in Zusammenkünften mit Außenminister
Gromyko die sogenannten "S^hirmgespräche" vorgeschlagen, die den ganzen
Bereich der Rüstungskontrollfragen umfassen würden.

Das Thema Weltraum-

waffen, so fügte der Sicherheitsberater hinzu, stelle kein Hindernis für
die allgemeinen Rüstungskontrollgespräche dar.

******

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2ö. November 1984

48

VEREINIGTE STAATEN BEGRUSSEN TSOERNENKOS ÄUSSERUNGEN
ZUR RÜSTUNGSKONTROLLE
- interview mit US-Außenminister Shultz -

Washington -(AD)- In einem Interview im Abendprogramm der NBL bewertete US-Außenminister George Shultz am 16. November 1984 die jüngsten
Äußerungen des sowjetischen Staats- und Parteichefs Tschernenko zu Fragen
der Rüstungskontrolle als "positiv", meinte aber, es sei an der Zeit, von
öffentlichen Erklärungen zum diplomatischen Meinungsaustausch zurückzukehren. Tschernenko hatte schriftlich auf Fragen geantwortet, die ihm von
der NBC gestellt worden waren.
Im folgenden geben wir die vom US-Außenministerium veröffentlicnte Umschrift des Interviews mit Shultz wieder:

FRAGE: Herr Minister, zunächst möchte ich Sie fragen, was Tschernenko
uns Ihrer Meinung nach zu verstehen geben will.

ANT1MDRT: Wir begrüßen seine Erklärung. Wir stimmen mit ihm hinsichtlich der von ihm dargelegten Ziele überein. Wir - der Präsident, der Vizepräsident und ich selbst - haben uns ebenfalls im Sinne vieler dieser

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�vieler dieser Ziele geäußert.

FRAGE: Ich habe Tschernenko unter anderem gefragt, ob er zu einem
Gipfeltreffen mit dem Präsidenten innerhalb der ersten sechs Monate der
zweiten Amtszeit der Reagan-Administration bereit sei. Er sagte: "Offengestanden glaube ich das nicht, weil die Zeit dafür noch nicht reif ist."
Was glauben Sie, welche Antwort ich von unserer Regierung bekäme, wenn
ich diese Frage an sie richtete ?

ANTWORT: ich glaube nicht, daß die Aussage "die Zeit ist noch nicht
reif" sich darauf bezieht, daß seit den Wahlen noch nicht genug Zeit verstrichen ist. Das bezieht sich genau auf das, was er in seinem interview
mit Ihnen zum Ausdruck brachte, nämlich, aaß erst Bedingungen hergestellt
werden müssen, unter denen ein Gipfeltreffen zu Ergeonissen führen Kann.
Das ist aber genau das, was auch Präsident Reagan immerzu sagt.

Ich möchte noch etwas anfügen. Der Schwerpunkt in dem Interview mit
Ihnen lag auf der Rüstungskontrolle, die ja auch zweifellos ein wichtiges
Thema von zentraler Bedeutung bildet. Wir sind bereit, uns mit der Sowjetunion zu echten Verhandlungen über Rüstungskontrolle an einen Tisch
zu setzen, konkrete Ergebnisse anzustreben und den Problemen zu ueibe zu
rücken. Das ist der Sinn und Zweck des vom Präsidenten unterbreiteten
Vorschlags über "Schirmgespräche". Wir dürfen aber nicht vergessen, dab
es um noch viel mehr geht, als um Rüstungskontrolle. Tschernenko sprach
auch von einer Verbesserung der bilateralen Beziehungen, und das ist
wichtig.

Überall auf der Welt gibt es Brennpunkte, wo große Spannungen bestehen, die sich explosiv

entladen

können. Diese

Gefahrensituationen

müssen so weit wie möglich entschärft werden. Es bestehen auch grobe
Sorgen bezüglich der Lage der Menschenrechte in der Sowjetunion. Die
Sowjets sprechen rächt gern darüber, aber uns ist diese Angelegenheit
sehr wichtig, und daher müssen wir sie auf der Tagesordnung halten.

FRAGE: Herr Minister, es klingt fast so, als wollten Tschernenko und
Sie im großen und ganzen mehr oder weniger das gleiche zum Ausdruck
- 2 -

�zum Ausdruck bringen. Was steht Ihnen denn dann noch im Wege i
ANTWORT: Ich meine, es gibt schon Ergebnisse und Fortschritte. Die
Antwort, die Sie bekommen haben, würde ich positiv werten. Was wir jetzt
grundsätzlich tun müssen, ist, von den verschiedenen öffentlichen Erklärungen, die abwechselnd von Tschernenko und Präsident Keagan abgegeben
worden sind, zur vertraulichen Diplomatie zurückzukehren, uns im kleinen
Kreis an einen Tisch zu setzen, konkret an den Problemen zu arbeiten und
nach echten Ergebnissen zu suchen. Das kommt als nächstes.

FRAGE: Noch eine Frage zur Entspannungspolitik. Eine unserer Fragen
bezog sich auf die Entspannungspolitik, wie sie in den siebziger Jahren
betrieben wurde, und Tschernenko schien sagen zu wollen, daß das das Ideal sei, an das er gern wieder anknüpfen wolle. Die amerikanische Administration hat aber häufig erklärt, daß die Entspannung tot sei. Sehen Sie
darin einen unüberbrückbaren weltanschaulichen Gegensatz ?
ANTWORT: Ich glaube, wir sollten uns nicht an Worten festklammern. Es
geht darum, daß wir auf konkrete Ergebnisse bei der Rüstungskontrolle
hinarbeiten sollten. Es gibt natürlich bilaterale Fragen, wie zum Beispiel die Getreideverkäufe, bei denen die Zusammenarbeit funktioniert,
und das kann auch in anderen Themenbereichen der Fall sein. Es gibt noch
mehr, worüber wir sprechen möchten, etwa die Frage, was wir tun können,
um Spannungen in bestimmten Reyionen abzubauen, wo wir in explosive Entwicklungen verstrickt werden könnten, oder, wie ich schon sagte, unsere
Sorgen bezüglich der Menschenrechte.

- 5 -

�28. November 1984

48

SOWJETISCHE DESINFORMATIONSKAMPAGNE NACH ERMORDUNG INDIRA GANDHIS
- Chronologie der sowjetischen Meinungsmanipulation -

Washington -(AD)- In den Tagen nach der tragischen Ermordung der indischen Ministerpräsidentin Indira Gandhi kam es zu einer erneuten Manifestation der sowjetischen Strategie, die Meinung der Weltöffentlichkeit
durch gezieltes Ausstreuen von Fehlinformationen unu falschen Verdächtigungen zu manipulieren. Noch am 31. Oktober 1984, dem Tag, an dem die
tödlichen Schüsse auf Indira Gandhi abgegeben wurden, wuroe in uen sowjetischen Medien eine Mitverantwortung und Mittäterschaft des amerikanischen Geheimdienstes CIA unterstellt. Die folgende Chronologie, die am
21. November 1984 vom amerikanischen Auüenministerium veröffentlicht wurde, vermittelt einen Eindruck vom Umfang der sowjetischen Desinformationskampagne und von der Resonanz, die sie in Drittländern fand.

31. Oktober

Der englischsprachige Weltdienst von Radio Moskau behauptet, dald die
für die Ermordung Indira Gandhis Verantwortlichen "ihre ideologischen Anregungen" von der CIA empfangen hätten, und bringt den amerikanischen

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�den amerikanischen Geheimdienst darüberhinaus auch in Zusammenhang mit
dem Tod von Lumumba, Allende, Frau Bandaranaike

und Torrijos. Radio

Moskau behauptet weiter, daß die Ermordung all dieser Persönlichkeiten
dem Ziel gedient hätte, "die Lage in dem einen oder anderen Staat zu destabilisieren, Regierungen ins Wanken zu bringen, die Washington nicht
genehm waren, und den Reaktionären den Weg frei zu machen". In der Sendung wird ferner behauptet, daß die amerikanische Politik gegenüber anderen unabhängigen Nationen auf "Terrorismus von Staats wegen" hinauslaufe.

- UdSSR - Die sowjetische Nachrichtenagentur Tass zitiert die Erklärung des Weltfriedensrats, in der der Mordanschlag als Ergebnis einer
"verabscheuungswürdigen Verschwörung reaktionärer Kräfte im Inneren und
von außen" bezeichnet wird.

- UdSSR - In einem Kommentar des spanischsprachigen Dienstes von Radio Moskau für Lateinamerika wird unterstellt, daß die Vereinigten Staaten hinter der Ermordung Indira Gandhis stecken. Weiterhin wird vermerkt,
daß der Tod von Allende, Roldos und Torrijos das Ergebnis einer "langen
Kette von Verschwörungen zur Beseitigung fortschrittlicher Staatslenker"
gewesen sei.

- UdSSR - In einem Artikel von S. Bulantsew in der Moskowskaja Prawda
wird die Verantwortung für den Mord an Frau Gandhi dem CIA angelastet und
behauptet, daß "kein Zweifel daran bestehen kann, daß Washington bereit
ist, jeden Preis zu zahlen, um den von Inaira Gandhi geführten Indischen
Nationalkonkreß aus der Herrschaft über das Lana zu verdrängen". Die amerikanische Politik gegenüber den Entwicklungsländern wira als "Terrorismus von Staats wegen" gekennzeichnet.

- Ungarn - Das Budapester Fernsehen unterstellt eine amerikanische
Mittäterschaft an dem Mordanschlag, bezweifelt, daß es sich nur um eine
Verschwörung von drei Wachsoldaten gehandelt habe, und zitiert indische
Pressequellen, in denen von einer Unterstützung

der

separatistischen

Sikhs durch die Vereinigten Staaten und Pakistan die Rede ist.
- Indien - Im
- 2-

�- Indien - Im indischen Rundfunk und Fernsehen wird S.A. Uenge, der
Generalsekretär der Allindischen Kommunistischen Partei, mit der Behauptung

zitiert, daß

"westliche

Imperialisten"

hinter

dem

Mordanschlag

steckten und daß es sich dabei um die "gröbte Verschwörung des CIA" handele.

1. November

- UdSSR - In oem englischsprachigen Dienst der Moskauer Nachrichtenagentur Tass erscheint ein Bericht aus Berlin, in dem eine Erklärung des
Internationalen

Demokratischen

Frauenverbanas

(einer

kommunistischen

Frontorganisation) zitiert wird. In der Erklärung wird eine amerikanische
Verwicklung in das Geschehen in Indien unterstellt. Unter anderem heißt
es, daß "die reaktionärsten Kräfte, die sich aller erdenklichen Mittel
bedienen, ... um den gerechten Kampf des Volkes zum Scheitern zu bringen,
... hinter den Mördern" ständen.

- UdSSR - Uer Inlandsdienst von Raaio Moskau zitiert einen Bericht
aus der indischen Zeitung National Herald, in dem behauptet wird, aab der
indische Sicherheitsdienst eine vom Ausland gesteuerte Verschwörung nicht
ausschließe.

- UdSSR - In der ersten Ausyabe der Sowetskaja Rossija erscheint unter der Überschrift "Dem Leben Indira Gandhis wurde ein plötzliches Ende
gesetzt" ein Artikel von S. Bulantsew, in dem eine Verwicklung der Vereinigten Staaten in den Mordanschlag unterstellt wird.

- UdSSR - In der Prawda erscheint unter der Überschrift "Terrorismus
- die Politik Washingtons" ein Artikel von Wladimir Bolschakow, in dem
behauptet wird, daß "das amerikanische Aubenministerium in Zusammenarbeit
mit der CIA in der jüngsten Vergangenheit im Rahmen des 'Projekts Brahmaputra' eine Reihe von Operationen durchgeführt hat, deren Ziel aas Anheizen des Separatismus in Indien ist. Wie die indischen Wochenzeitung People's Democracy berichtete, bilden diese Operationen einen Bestandteil
der umfangreichen subversiven Aktionen der CIM gegen Indien."
- UaSSR - Das
- 3-

�- UdSSR - Das sowjetische Fernsehen unterstellt eine amerikanische
Beteiligung an dem Mordanschlag. Es strahlt eine Sendung aus, in der indische Demonstranten vor dem amerikanischen Konsulat in Madras gezeigt
werden, die das CIA bezichtigen, für den Mordanschlag verantwortlich zu
sein.

- Bulgarien - Die vom Zentralkomitee der bulgarischen KP herausgegebene Tageszeitung

Rabotnitschesko Delo unterstellt

eine

amerikanische

Mittäterschaft an dem Mordanschlag. Auch eine andere bulgarische Zeitung,
die Zemedelsko Znama, unterstellt eine ausländische Mitverantwortung am
Tode Indira Gandhis.

- Pakistan - Die englischsprachige Tageszeitung The Muslim berichtet,
daß der sowjetische Botschafter in Pakistan, Smirnow, der indischen Botschaft einen Besuch abgestattet habe, um sich über Einzelheiten zu informieren, und wartenden Journalisten zu verstehen gegeben habe, daß der
Mord an Frau Gandhi den "Imperialisten" anzulasten sei.

- Nicaragua - Die Sistema-Sandinista-Fernsehanstalt

in Managua be-

richtet, daß das Antiimperialistische Tribunal für unser Amerika (TANA)
den Mord an Indira Gandhi "dem amerikanischen Imperialismus anlastet".
Der Generalsekretär des TANA, Balzen, sagt, "dies Verbrechen, wie auch
andere, gehört zu der Politik des Terrorismus von Staats wegen, die vom
Imperialismus gefördert wird ... Das CIA.... ist zweifellos beteiligt."

- Polen - In der Warschauer Tageszeitung Trybuna Ludno erscheint ein
Bericht aus Delhi, in dem behauptet wird, daß das CIA und andere westliche Geheimdienste hinter den Sikhs ständen, und in dem diesen Diensten
unterstellt wird, hinter dem Mordanschlag zu stecken.

- Indien - Die Bombay Daily bemerkt, daß das Beileidstelegramm Präsident Reagans bereits um 14 Uhr eingegangen sei, während der Too der Ministerpräsidentin erst um 14.30 Uhr offiziell bekanntgegeben worden sei.
Die Zeitung unterstellt von daher, daß die Vereinigten Staaten im vornhinein von dem Mordanschlag gewußt hätten und zitiert nicht namentlich
genannte führende politische Persönlichkeiten mit der Behauptung, daß die
- 4 -

�daß die Mörder "lediglich Werkzeuge der westlichen Supermacht" gewesen
seien.

-

Indien - Die

führende

englischsprachiye

Tageszeitung

hindustan

Times berichtet, daß "eine überwältigende Mehrheit der Juristen am Obersten Gerichtshof ... ihre 'Überzeugung' zum Ausdruck gebracht haben, dau
ausländische Mächte hinter dem Mord an Indira Gandhi stecken. Juristen
der Kongrebpartei beschuldigten offen das CIA." Die Zeituny zitiert weiterhin eine Erklärung des Politbüros der Kommunistischen Partei Indiens,
in der es heißt, oaü "die imperialistischen Regierungsorgane der Vereinigten Staaten versuchen, Indien zu zerstückeln,

... und Indien mit

feindseligen Nachbarregierungen zu umgeben, indem sie Pakistan fieberhaft
aufrüsten und separatistische und sezessionistische Kräfte innerhalb Indiens selbst fördern und unterstützen."
- Indien - Die linksgerichtete Tageszeitung The Patriot veröffentlicht einen langen Artikel, in dem auf den angeblichen "Brahmaputra-Plan"
Bezug genommen und behauptet wird, dab "unser Land unter der Führung Indira Gandhis für Washington zu einer - wie ein amerikanischer Kolumnist
es ausdrückte - 'großen Enttäuschung' geworden war. Der Imperialismus und
die einheimische Reaktion wollten Indira Gandhi daher von den Schalthebeln der Macht entfernen. Da dies sehr schwer zu bewerkstelligen schien,
hat irgendjemand das Geschäft dieser Kräfte besoryt, indem er inoira
Gandhi umgebracht hat." In einem anderen Artikel ist die Rede von "geheimer Anstiftung von außen mit Rückendeckung durch Organe wie das CIA".

- Indien - Die in Hindi erscheinende Tageszeitung Janayug der Kommunistischen Partei Indiens behauptet, daß das CIA hinter der trmoroung des
Staatschefs von Bangladesch, Mujibur Rahman, gesteckt habe und daß "das
CIA und von ihr formierte extremistische Kräfte" auch hinter dem Mordanschlag auf Frau Gandhi steckten. Die Zeitung spielt auch auf den angeblichen "Brahmaputra-Plan" an und berichtet über eine Demonstration vor
dem amerikanischen Konsulat in Madras, wo die Menge Schlagworte skandiert
hatte, in denen das CIA der Beteiligung an dem Mordkomplott bezichtigt
wurde.
- Griechenland - Die
- 5-

�- Griechenland - Die linksgerichtete regierungsfreundliche Zeitung
Ethnos veröffentlicht auf Seite eins unter der Schlagzeile "CIA steckt
hinter dem Mordanschlag" einen Artikel, in dem behauptet wird, daß "der
Mord an Indira Gandhi das Ergebnis einer bis ins einzelne geplanten Verschwörung von Kräften innerhalb und außerhalb Indiens ist ... Die Ministerpräsidentin selbst hatte den Vorwurf erhoben, daß ausländische Mächte
bestrebt seien, ihr Land zu destabilisieren. In Presseberichten hieb es
wiederholt, daß die faschistischen Generäle Pakistans und das CIA die
Hintermänner des Sikh-AufStands seien." Die Zeitung

führt ferner die

Festnahme von drei Verdächtigen im Pandschab als Indiz für eine amerikanische Mittäterschaft bei dem Mordanschlag an.

- Griechenland - Die linksgerichtete regierungsfreundliche Zeitung Ta
Nea veröffentlicht unter der Überschrift "Verdächtige Ausfälle - Vereinigte Staaten wütend über sowjetische Anschuldigungen gegen das CIA" einen Beitrag, in üem sie die Behauptungen von Tass bezüglich einer amerikanischen Verwicklung in das Mordkomplott zitiert und anmerkt, dab das
amerikanische Außenministerium "wie der Blitz" auf diese Anwürfe reagiert
habe.

- Tunesien - In einem Artikel unter der Überschrift "Moskau weist indirekt auf Verstrickung des CIA hin" gibt die regierungseigene Zeitung La
Presse die von Tass erhobenen Anschuldigungen wieder und vermerkt, aab
das CIA bereits in der Verqangenheit in Mordkomplotte verwickelt gewesen
sei und die Sikh-Extremisten unterstützt habe.
- Spanien - Die Zeitung El Pais veröffentlicht einen Artikel ihres
Moskauer Korrespondenten, in dem vermerkt wird, daß die sowjetischen
Medien das CIA schon häufig der Unterstützung separatistischer Gruppen
beschuldigt haben.

- Tschechoslowakei - Das Parteiorgan Rüde Pravo führt in einem Kommentar indische Pressestimmen an, in denen die Vereinigten Staaten der
Einmischung in die inneren Angelegenheiten Indiens bezichtigt werden,
weist auf einen angeblichen amerikanischen Plan zur "Balkanisierung" Indiens

hin

(der

"Brahmaputra-Plan")

una

- 6-

beschuldigt

aie

Vereinigten

�die Vereinigten Staaten der Unterstützung der Sikh-Extremisten.

- Tschechoslowakei - In einer Meldung von 8.30 Uhr führt der Prager
Inlandsdienst Berichte von Kude Pravo über die amerikanische Abneigung
gegen den politischen Kurs Indiens und über Eingriffe des CIA an: "Indira
Gandhi bezahlte für die Zusammenarbeit zwischen den Separatisten und dem
Imperialismus mit ihrem Leben ..."

- Tschechoslowakei - In einer Meldung von 17.30 Uhr stellt der Prager
Inlandsdienst die Aufrichtigkeit der Beileidsbezeugungen Präsident Reagans in Frage und fügt an, daß "man sich des Eindrucks nicht erwehren
kann, daf3 es sich hier nur um vorgebliche Entrüstung handelt, die geäußert wird, um die Menschen zu verwirren und von vornherein alle Stimmen
zum Schweigen zu bringen, die die Aufmerksamkeit auf die wirklichen Urheber dieses Verbrechens lenken wollen." Der Artikel nimmt Bezug auf den
angeblichen Brahmaputra-Plan zur Destabilisierung Indiens und enthält die
Behauptung,

daß

"die

Bestrebungen

zur

Errichtung

eines

unabhängigen

Staats Khalistan von Washington unterstützt und finanziert wurden ... Dafür liegt eine Fülle von Beweisen vor."

- Bulgarien - Die Zeitung Rabotnitschesko Delo unterstellt eine Verantwortung der Vereinigten Staaten für den Tod Indira Gandhis und bringt
ihn in Zusammenhang mit der Ermordung Lumumbas, Frau Bandaranaikes und
anderer Persönlichkeiten.

- Tschechoslowakei - Die Zeitung Bratislawa Prawda behauptet, daß
amerikanische, pakistanische, britische und israelische Geheimdienste als
Hintermänner der Separatisten fungieren und unterstellt damit implizit,
daß sie für den Too von Frau Gandhi die Verantwortung tragen.

- Nepal - Die Samiksha Weekly, das Sprachrohr einer der Fraktionen
der Kommunistischen Partei Nepals, behauptet, der Mordanschlag sei "das
Ergebnis einer fortwährenden Verschwörung der Imperialisten gegen die
antiimperialistische

Führung

Indiens." Die Madhyam

Weekly, Sprachrohr

einer anderen Gruppierung innerhalb der Kommunistischen Partei Nepals,
behauptet ebenfalls, daß "die imperialistischen Mörder Indira Gandhis

�Indira Gandhis diesen heimtückischen Anschlag augenscheinlich im Hahmen
einer Verschwörung inszeniert haben, deren Ziel ist, diesen Teil der Welt
in ein Spannungs- und Konfliktgebiet zu verwandeln."

- Argentinien - Die Tiempo Argentino unterstellt unter Berufung auf
die Prawda und Tass eine amerikanische Verstrickung in das Mordkomplott,
beschreibt den angeblichen "Brahmaputra-Plan" und führt Beschuldigen an,
die von der Sowetskaja Rossija (vgl. 1. November) und der Sel'skaja Zhizn
(eine sowjetische Landarbeiterzeitung) wegen Unterstützung separatistischer Bewegungen gegen das CIA erhoben worden waren.

- Argentinien - Der Buenos Aires Herald bringt eine Meldung mit dem
Zeichen der Nachrichtenagentur AP, in der die sowjetischen Beschuldigungen bezüglich einer amerikanischen Mittäterschaft wiederholt und die amerikanischen Dementis hervorgehoben werden. Das Blatt berichtet auch über
das "Brahmaputra-Projekt" und die Unterstützung für Separatistenbewegungen.

- Argentinien - La Nacion und La Prensa veröffentlichen kurze Artikel, in denen hauptsächlich gemeldet wird, daß die Vereinigten Staaten
eine Verwicklung in das Mordkomplott bestreiten.

- Indonesien - Die Zeitung Sinar Harapan berichtet im einzelnen über
die sowjetischen Anschuldigungen bezüglich einer Beteiligung des CIA und
fügt an, daß der Antiamerikanismus in Indien zugenommen habe, seit der
Iran 1979 Gerüchte über eine amerikanische Verantwortung für die Besetzung der Großen Moschee in Mekka in Umlauf gesetzt habe.

- Spanien - Die Zeitung Diario 16 veröffentlicht einen nicht namentlich gezeichneten Bericht aus Moskau, in dem die Vorwürfe der Prawda gegen die Vereinigten Staaten in Zusammenhang mit dem Mordanschlag zusammengefaßt wiedergegeben werden.

3. November
- Indien - Die linksgerichtete Tageszeitung The Patriot veröffent- 8 -

�Patriot veröffentlicht unter der Überschrift "Sowjetische Presse macht
indirekt CIA verantwortlich" einen Artikel, in dem die sowjetischen Behauptungen einer amerikanischen Mittäterschaft ausführlich zitiert werden. Der Bericht beruft sich unter anderem auf Wladimir Lomeiko, den
Sprecher des sowjetischen Außenministeriums, und auf den englischsprachigen Dienst von Radio Moskau. In einem weiteren Beitrag wird ein Vertreter
der Kommunistischen Partei Indiens mit der Behauptung zitiert, dau "aer
Mord an Frau Gandhi von einem amerikanischen Geheimdienst in die Wege geleitet wurde." In einem dritten Artikel wird, allerdings ohne speziellen
Bezug auf Indien, behauptet, daü Präsident Reagan "den CIA-Apparat einsetzt, um das Leben von Millionen von Menschen überall auf der Welt zugrunde zu richten." In einer Meldung von drei Absätzen wird berichtet,
daß die Vereinigten Staaten bei der UdSSR wegen der Anschuldigungen bezüglich einer Verstrickung des CIA Protest eingelegt haben.

- Indien - Die Times of India und der Statesman veröffentlichen Artikel, in denen sachlich über das amerikanische Dementi gegen die Behauptung einer Beteiligung an dem Mordkomplott berichtet wird. Der Indian
Express vermerkt, daü sich keine Indizien für eine Verschwörung ergeben
hätten. Die Hindustan Times berichtet über "eine teuflische Freude", die
von in den Vereinigten Staaten lebenden Sikhs bekundet werde, behauptet
aber nicht, daß eine amerikanische Mittäterschaft bestehe.

- Spanien - Die Zeitung ABC veröffentlicht einen Artikel, in aem die
sowjetischen

Anschuldigungen

bezüglich

einer

amerikanischen

Mittäter-

schaft an dem Mordanschlag wiederholt werden.

- Argentinien - In einem Artikel über die im New Delhi Statesman beschriebenen Verzweigungen der Sikh-Verschwörung zitiert Tiempo Argentino
den Prawda-Bericht vom Vortag.

4. November

- UdSSR - Sowohl die Prawda als auch die Iswestija veröffentlichen
einen Tass-Artikel, in dem amerikanische Vorwürfe, daü die Sowjets versuchten, aus dem Mord an Frau Gandhi im Sinne ihrer eigenen Interessen
- 9-

�eigenen Interessen Kapital zu schlagen, zurückgewiesen werden. In dem Artikel heißt es, daß die amerikanischen Erklärungen "für amerikanische Regierungskreise und einige Presseorgane ein Startsignal für die Einleitung
einer neuerlichen antisowjetischen Kampagne gewesen sind".

- UdSSR - Die iswestija zitiert die linksgerichtete indische Tageszeitung The Patriot mit der Behauptung, daß die westliche Presse und einige Blätter der indischen "Bourgeoisie" Gerüchte über Instabilität in
Indien verbreitet hätten. Ebenfalls zitiert wird ein Kommentar der indischen Zeitung, in dem es heißt: "Es ist bemerkenswert, daß Washington
eilfertig mit einer provokativen

'Vorhersage' der weiteren Entwicklung

der Lage in Indien bei der Hand war."

- UdSSR - In seiner "Der Internationale Beobachter" betitelten Kolumne in der Prawda lastet der Kommentator Wsewolod Owtschinnikow den
"äußeren Feinden" Indiens die Schuld an dem Mordanschlay an und gibt klar
zu verstehen, wen diese "imperialistischen Kräfte" repräsentieren.

- UdSSR - In einem Artikel von S. Bulantsew in der Sowetskaja Rossija
wird behauptet, daß "die (indische) Presse einmütig der Meinung ist, daß
dieses ungeheuerliche Verbrechen das Ergebnis einer sorgfältig geplanten
Verschwörung reaktionärer Kräfte mit ausländischen Helfershelfern sei".
Der Artikel enthält auch ein Interview mit dem indischen Publizisten V.D.
Chopra, der den Moidanschlag dem Westen und Pakistan zur Last legt.

- Tschechoslowakei - Der Prager Inlandsdienst führt Waffen mit der
Kennzeichnung "Made in the United States", die angeblich im Goldenen
Tempel von Amritsar gefunden wurden, als Beweismittel für eine Unterstützung der Sikh-Separatisten durch die Vereinigten Staaten an und wertet
die Entwicklung von Atomwaffen in Pakistan als Beleg für die Bedrohungen,
denen sich Indien gegenübersehe.

- Indien - The Mirror, das wöchentlich erscheinende Ürgan der Kommunistischen Fortschrittlichen Volkspartei, behauptet, daß "es innerhalb
Indiens und der Vereinten Nationen als Binsenwahrheit gilt, daß die amerikanische Regierung und das CIA bei der sezessionistischen Agitation der
- 10 -

�Agitation der

fehlgeleiteten Sikh-Extremisten seit Jahren die Hand im

Spiel haben und daß der Mord an Frau Gandhi nur dem Imperialismus, und
zwar insbesondere dem amerikanischen Imperialismus, nutzen konnte."

Die

Zeitung erwähnt auch den angeblichen amerikanischen Plan zur "Balkanisierung Indiens.

- Argentinien - Die linksgerichtete Tageszeitung La Voz wiederholt
die Verschwörungstheorie und bringt kurze Zitate aus den Anschuldigungen
von Tass.

Der Buenos Aires Herald veröffentlicht einen Artikel, in dem

Präsident Reagans Einspruch gegen die sowjetischen Anwürfe zitiert wird.

5. November
- UdSSR - Radio Moskau zitiert auf Hindi einen Prawda-Artikel, in dem
behauptet wird, Frau Gandhi sei ein "Opfer der Konspiration internationaler Reaktionäre und imperialistischer Kräfte" gewesen. Die Sendung wird
anschließend auf Urdu wiederholt.

- Tschechoslowakei - Die Parteizeitung Rüde Pravo druckt einen TASSBericht nach, in dem zwar die amerikanischen Proteste in bezug auf eine
Verwicklung des CIA erwähnt werden, dazu jedoch ein Kommentar dies nur
als eine Taktik bezeichnet, um die Aufmerksamkeit von den "wirklichen
Eindringlingen" abzulenken.

- Indien - The National Herald und die Times of India bringen Artikel, in denen von den Beschuldigungen von Tass oder Prawda gegenüber einer amerikanischen Verwicklung in die Ermordung von Frau Gandhi die Rede
ist, und nennen dabei die sowjetischen Quellen dieser Unterstellungen.

- Indien - The Statesman bringt ein Interview mit dem altgedienten
indischen Journalisten V.D. Chopra (vgl. 4. November), der dann so zitiert wird, als erinnere er sich der Not Chiles und anderer Staaten, wo
es den "imperialistischen Kräften gelang, ihre subversiven Pläne zu verwirklichen."

Indien
- 11 -

-

Die

�- Indien - Die linksgerichtete Tageszeitung The Patriot zitiert den
indischen Botschafter in den Vereinigten Staaten, K.S. Bajpai, der behauptet , es sei "in zunehmendem Maß deutlich", daß die Sikh-Extremisten
in Indien finanzielle und andere Unterstützung von im Ausland lebenden
Sikhs erhielten.

- Indien - Die in der Marathi-Sprache erscheinende Tageszeitung Loksatta verurteilt die Sowjetunion für deren Behauptung einer amerikanischen Verwicklung in die Ermordung von Frau Gandhi und betonte, daß das
sowjetische Abstreiten derartiger Behauptungen "heuchlerisch" und erst
gekommen sei, "nachdem der Schaden bereits angerichtet war." Die Zeitung
stellte ferner fest, daß dieses Abstreiten sich für die kommunistischen
Parteien vor Ort als peinlich erwiesen habe, da diese die Propaganda ohne
Zögern wiederholt hatten.

-

Indien - Die auf Marathi erscheinende Tageszeitung Maharashtra

Times verurteilt gleichfalls die sowjetischen Unterstellungen und nannte
diese Behauptungen "den Höhepunkt der Dummheit". Auch sie verweist auf
die Schnelligkeit, mit der prosowjetische Parteien in Indien die Verleumdungen wiederholt hatten und stellt mit Genugtuung fest, daß die Sowjetunion diese mittlerweile bestritten hatte, bevor noch in größerem Umfang
antiamerikanische Demonstrationen organisiert werden konnten.

- Griechenland - Ta Nea zitiert in einem Artikel, betitelt "Ausländer in die Ermordung •verwickelt' - Prawda beschuldigt erneut die imperialistischen Kräfte", einen Leitartikel der Prawda , der die Frage aufwirft
"Wer profitiert" vom Tod von Frau Gandhi und zu dem Schluß gelangt, daß
dies "die Kräfte des Imperialismus und Kolonialismus" seien.

- Griechenland - Rizospastis, Parteiblatt der Kommunistischen Partei , beschuldigt das CIA, für die Ermordung von Frau Gandhi verantwortlich zu sein - wie auch für die angeblich beabsichtigte Ermordung von
Castro und Ghadafi. Das Blatt behauptet, "die ganze Welt und Washington
wissen, daß Indien durch die fanatische Aufwiegelung der Sikhs auf seine
Auflösung hingetrieben wird.. Der wohltätige Geheimdienst der USA ...
schämt sich nicht, offen zu sagen, daß jeder sein Teil bekommen wird, der
- 12 -

�wird, der sich ihr in den Weg stellt." Das Blatt nützt den Artikel zugleich dazu, ihrer Opposition zur Rechten eines auszuwischen, indem diese
als "quiekende" Verteidiger des CIA hingestellt werden.

- Indonesien - The Jakarta Post, ein unabhängiges, englischsprachiges Organ, verweist auf die anhaltenden Bemühungen Moskaus, die USA trotz deutlicher Beschwerden aus Washington - für den Mord verantwortlich
zu machen. Das Blatt zitiert sowohl die sowjetischen Erklärungen zu diesem Thema wie auch Präsident Reagans Charakterisierung der Beschuldigungen als "billiges Gerede".

6. November
- Indien - In einem Artikel "US-Beteiligung nicht ganz zurückzuweisen" zitiert die Hindustan Times Ralph Buultjens, Träger des "Toynbee
Literary Award" und Freund der toten Indira Gandhi, der sowjetische Behauptungen

"nicht gänzlich

zurückweisen" wolle, wonach ihre Ermordung

Teil einer breiterangelegten, vom Ausland gestützten Verschwörung gewesen
sei. Nach Buultjens "betreiben die Großmächte extensive Geheimoperationen
in Indien. Der Fall Larkins zeigte kürzlich das Ausmaß der Durchdringung
der verschiedenen Streitkräfte durch das CIA. Vielleicht tut dies auch
der KGB. Ich würde deshalb diese Art von Kommentar nicht gänzlich zurückweisen. Aber man muß ihn auch einer verantwortungsbewußten Beurteilung
unterziehen." Ein anderer Artikel zitiert längere Passagen eines PrawdaArtikels des Kommentators Wsewolod Owtschinnikow, der die Behauptung einer amerikanischen Verwicklung in die Ermordung aufstellt.

- Indien - Die linke Tageszeitung The Patriot fragt: "Wer zieht Vorteile" aus der Ermordung von Frau Gandhi und kommt zu dem Schluß, daß
"Indiens Verurteilung der amerikanischen Intervention in Indochina, seine
Unterstützung der arabischen Sache, seine Opposition gegen den Rassismus,
seine Forderung nach Schaffung einer Friedenszone Indischer Ozean, seine
realistische

Haltung

in der Frage Afghanistans und seine Anerkennung

Kamputscheas - daß all dies bei Indiens Feinden die Unzufriedenheit hat
steigen lassen, wie Prawda sagte."
- Indien - In
- 13 -

�- Indien - In einem Leitartikel mit dem Titel "Keine Zeit für den
Kalten Krieg" schreibt die Hindustan Times daß "Die sowjetischen Medien
in dem schrecklichen Ereignis eine goldene Gelegenheit sahen, die Propaganda des Kalten Krieges gegen die Vereinigten Staaten auszuweiten...
aber Propaganda des Kalten Krieges durch die Sowjetunion bei einer solch
tragischen

Angelegenheit

ist

unerwünscht

und

äußerst

unglücklich...

Gleichzeitig können die USA - auch wenn man das zeitliche Erscheinen der
sowjetischen Beschuldigungen in Frage stellen mag - nicht das Wissen um
abtrünnige Aktivitäten der in den USA lebenden militanten Sikhs abstreiten. Die Tatsache, daß Washington sich gsgenüber den aufrührerischen Reden und Aktionen dieser fanatischen Gruppe blind stellte, läßt den Verdacht aufkommen, daß sie Verbindungen zum CIA haben. Die USA können sich
nicht aus dieser Verantwortung herausstehlen. Sie sollten wissen, daß
Washingtons ehrliche Absichten, wie gutgemeint auch immer, verdächtig
sein müssen, solange diese militanten Sikhs, auch wenn sie nur einen
Bruchteil (der Bevölkerung) ausmachen, sich in antiindischen Aktivitäten
ergehen und von den USA eine Vorzugsbehandlung erhalten."

7. November

-

UdSSR

- Ein Artikel des indischen Journalisten Summit Chakra-

vartti in der Literaturnaya Gazeta behauptet, es sei "ein offenes Geheimnis, daß einige westliche Länder versuchen, Bedingungen zu schaffen, um
Indiens Einheit zu stören sowie die derzeitige indische Regierung zu destabilisieren und zu verdrängen ... die dunklen Kräfte, die versuchten,
die Situation in Indien zu destabilisieren, waren sicher, daß es ihnen
nicht gelingen würde, Indira Gandhi zu zerbrechen; deshalb begannen sie
damit, Pläne zu ihrer physischen Vernichtung zu schmieden und diese mit
Sorgfalt vorzubereiten."

- Kolumbien - die führende kolumbianische Tageszeitung El Tiempo kritisiert nachhaltig die sowjetische Desinformation bezüglich des Todes von
Frau Gandhi und nennt sie auf der ersten Seite ein klassisches Beispiel
sowjetischer Desinformation, wobei ein Bericht erst in einem obskuren

- 14 -

�einem obskuren linksgerichteten Blatt zur Veröffentlichung gebracht, dann
aufgegriffen und von den Sowjets zitiert wird.

8. November

- UdSSR - Tass zitiert auf Englisch einen Bericht, demzufolge ein
ehemaliger Offizier der indischen Armee, der angeblich "enge Beziehungen
zu einem ausländischen Geheimdienst unterhält", in Zusammenhang mit der
Ermordung von Frau Gandhi festgenommen wurde.
- Polen - Ein Artikel in der regierungsnahen Tageszeitung Rzeczpospolita mit dem Titel "Mörder GmbH" unterstellt die Existenz einer solchen
Organisation, behauptet die Verantwortlichkeit der Gruppe unter anderem
für den Mord an Kennedy , King und Aquino sowie ihre engen Beziehungen zum
CIA. Der Artikel spricht von dem vom CIA finanzierten Handbuch der Contras in Nicaragua und unterstellt deutlich eine Verstrickung des CIA in
die Ermordung von Frau Gandhi.

- UdSSR - Tass zitiert auf Englisch den National Herald und andere
indische Presseerzeugnisse, in denen die Besorgnis staatlicher Stellen in
Indien hinsichtlich "der Duldung von Sikh-Emigrantenorganisationen durch
die amerikanischen, britischen und kanadischen Behörden." Der Artikel zitiert Beschuldigungen des Deccan Herald, wonach die "New York Times und
das US-Fernsehen sich in den unterschiedlichsten Gerüchten und Behauptungen hinsichtlich der Lage in Indien ergehen, wobei die Schritte, die die
neue indische Regierung unternimmt, um das indische Volk zu einen und
seine Einheit zu fördern, absichtlich entstellt und in einer falschen
Perspektive dargestellt werden."

10. November

- UdSSR - In einem Artikel der Sovetskaya Rossiya mit der Überschrift "Wer im Westen inspiriert die antiindische Kampagne?" beschuldigt
S. Bulantsew die amerikanischen Medien einer "verleumderischen Kampagne"

- 15 -

�"verleumderischen Kampagne" gegen Indien. "Die amerikanische Presse ist
wieder einmal von einer Welle antiindischer Artikel überflutet, von denen
viele nur als eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Indiens bezeichnet werden können. ... Washingtons Propagandaapparat versucht, ganz
konkret Einfluß zu nehmen auf die Stimmung und die Einstellung der indischen Wählerschaft." Bulantsew fährt in seiner Anschuldigung fort, "ein
skrupelloses antiindisches Spiel wird auch in Großbritannien gespielt,"
wobei er behauptet, die Briten hätten es versäumt, Schritte gegen separatistische Sikhs in ihrem Land zu unternehmen.

- UdSSR - Die Prawda behauptet in einem längeren Artikel mit dem Titel "Indien: Treu dem gewählten Weg", daß "Imperialisten" Frau Gandhi ermordet hätten, um Indiens "unabhängigen außenpolitischen Kurs" zu untergrabens - wobei als Beweis Zitate aus dem prosowjetischen Magazin Blitz
herhalten. Der Artikel zitiert auch den National Herald, der die Frage
stellt, warum die britische und die amerikanische Regierung es extremistischen Sikhs erlauben, in ihren Ländern zu bleiben.

- UdSSR - Eine Sendung des Moskauer Rundfunks auf Persisch nach dem
Iran behauptet, daß Sezessionisten, "die in den Vereinigten Staaten und
in Großbritannien nisten", gedroht hätten, Rajiv Gandhi zu ermorden.

11. November
- UdSSR - TASS berichtet auf Englisch über das Buch "Die geheimen
Kriege des CIA" des Inders Pauly Parakal, wobei besondere Aufmerksamkeit
dem vermeintlichen

"Brahmaputra-Plan" zur DeStabilisierung

Indiens ge-

schenkt wird und in dem es heißt, den Sikh-Separatisten sei es sogar erlaubt worden, im Westen ein Konsulat des "Sikh Khalistan Staates" zu errichten.

12. November

- UdSSR - Jewgeni Kachanow, der Kommentator des Inlandsdiensts von
- 16 -

�Inlandsdiensts von Radio Moskau behauptet, "mehrere hochrangige Angehörige der US-Botschaft in Dehli verliessen sofort Indien - eher, als es der
normale Zeitplan vorsah", als eine Reihe angeblicher Agenten des CIA in
Delhi vor Gericht gestellt werdsen sollte; "Ein natürlich indirekter,
aber ausreichend überzeugender Beweis für eine Verwicklung amerikanischer
diplomatischer Dienste in Aktivitäten, die in keinster Weise in Einklang
mit ihrem Status standen." Bulantsew verwies auch auf das Buch von Parakal (vgl. 11. November), zitierte den sogenannten "Brahmaputra-Plan" und
beschuldigte

auch

die

Bundesrepublik

Deutschland

und

Großbritannien,

Sikh-Separatisten unterstützt zu haben.

- UdSSR - Eine Sendung von Radio Moskau in Bengali für Bangladesh zitiert die BBC-Sendung einer Rede von Sikh-Separatisten als Beweis offizieller britischer Unterstütung dieser Fraktionen. "Diesen antiindischen
Elementen die Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, um die Sendekanäle
der BBC zu benützen, ist Beweis für diesen Einfluß," behauptet Radio Moskau und zitiert einen Artikel im National Herald, der gleichfalls Skepsis
zum Ausdruck bringt.

13. November

- UdSSR - Eine Sendung von Radio Moskau in Hindi spricht von einer
Konferenz "indischer Organisationen im Ausland" , die in Lahore abgehalten
wurde, als Beweis für die Unterstützung der Feinde Indiens durch Pakistan. Die Sendung wiederholt die Behauptung, wonach es den Sikh-Extremisten erlaubt sei, in einer Reihe westlicher Länder Konsulate zu eröffnen,
Pässe auszustellen, Briefmarken herauszugeben und Geld für den "SikhStaat von Khalistan" zu drucken.

- UdSSR - Literaturnaya Gazeta zitiert selektiv aus ausländischen
Zeitungen, durch die eine amerikanische Unterstützung der Sikh-Extremisten unterstellt wird. Zu den aus dem Zusammenhang zitierten Zeitungen
gehören die New York Times, Globe und Mail (Kanada), L' Humanite (Kommunistische Partei Frankreichs), National Herald, Hindustan Times, Statesman
(alle aus Indien) und People1s World (Kommunistische Partei, USA).

17. November
- 17 -

�17. November

- UdSSR - Tass spricht auf Englisch von der Existenz eines umfangreichen europäischen "Syndikats", das für die Unterstützung von Bemühungen
zur Destabilisierung Indiens verantwortlich sei und nennt als Beweis Separatistenbewegungen des Punjab, die in Belgien, Frankreich, den Niederlanden, in der Bundesrepublik Deutschland und in den USA repräsentiert
sind. Tass behauptet: "Das in Westeuropa aufgedeckte kriminelle Syndikat
ist, wie die "Times of India" aufzeigt, genügend Beweis dafür, daß die
Ereignisse im Punjab im vergangenen Sommer, gegen die sich die tote Premierministerin Indira Gandhi entschlossen wandte, keine 'örtliche Meuterei' waren, wie manche Stimmen im Westen jetzt zu behaupten versuchen,
sondern eine Verschwörung, die auf eine Destabilisierung des Landes abzielte und die vom Ausland aus organisiert und finanziert wurde."

- 18 -

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28. November lS&gt;8a

48

UMWELTPROBLEME
- Zweifel an Eignung von Methanol als Kraftstoff - Methangehalt der i_uft
nimmt zu -

- (AD) - Auf Methanol als Ersatztreibstoff gründen sich seit der ersten Energiekrise vor zehn Jahren manche Hoffnungen.

Wissenschaftler der

Universität Kalifornien in Riverside bezweifeln jetzt jedoch, daß eine
verbreitete Anwendung

des Alkohols Methanol

anstelle

von Benzin als

Kraftstoff für Personenwagen die Luft sauberer machen würde.

Im Gegen-

teil - sie vermuten sogar, daß sich Verbrennungs- und Reaktionsprodukte
von Methanol länger als die meisten Verbindungen aus Benzin und Dieselöl
in der Luft halten.

Eine Studie, die im Auftrag der kalifornischen Behörde zur Überwachung der Luftqualität vom Forschungszentrum für Luftschadstoffe an der
Universität Riverside durchgeführt wird, soll nun klären helfen, welcher
Art die Abgasemissionen aus methanolbetriebenen Kraftfahrzeugen tatsächlich sind und wie sie sich auf die Belastung aer Luft auswirken würden.
Bei den umfangreichen Experimenten, für die gegenwärtig 18 Monate ange-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Monate angesetzt sind, wird u.a. die Methanolverbrennung in Klimakammern
unter den verschiedensten Witterungsbedingungen simuliert.

Die Chemiker William Carter und Koger Atkinson, die die Untersuchungen leiten, befassen sich seit geraumer Zeit mit Möglichkeiten der Nutzung von Methanol als Kraftstoff.

Er erfordere zwar gewisse technische

Veränderungen am Auto, beeinträchtige dann jedoch in keiner Weise Fahreigenschaften oder Kilometerleistung, sagt Carter.
ten gezeigt, daß Methanolabgase unter

Frühere Studien hät-

Verhältnissen, welche z. B. Smog-

bildung begünstigen, im 24-Stunden-Zeitraum weniger rasch reagieren als
Kohlenwasserstoffe.

Das sei bisher ein Hauptgrund dafür gewesen, Metha-

nol als aussichtsreichen Kraftstoff zu betrachten.

Als attraktiv gilt er

auch aufgrund der Tatsache, daß er aus einheimischen Energieträgern wie
Erdgas und Kohle sowie aus "nachwachsenden" Energieguellen gewonnen werden kann.

Zu letzteren zählen neben bestimmten landwirtschaftlichen Ab-

fällen Biomassen von Pflanzen, aie sich in regelrechten Energiefarmen
anbauen ließen.

Die Abgase von methanolbetriebenen Fahrzeugen enthalten Carter zufolge Methanol und Formaldehyd.

Diese sind zwar chemisch weniger aktiv als

Kohlenwasserstoffe aus Benzin, könnten sich aber länger als eine
statt nur ein bis zwei Tage in der Luft halten.

Woche

Infolge dieses Umstandes

könnte die Anreicherung der Luft mit Methanolabgasen in Zeiten problematisch werden, in denen die Witterungsverhältnisse eine ausreichende Luftdurchmischung nicht zulassen.

Methan verstärkt "Gewächshauseffekt"
Die Konzentrationen von Methan in der Luft nehmen seit 1977 zu, wie
Dr. F. Sherwood Rowland, Professor für Chemie der Atmosphäre (Universität
Kalifornien in Irvine), auf der Jahrestagung der "American Chemical Society" in Philadelphia berichtete.

Die Analyse der Luftproben, die Rowland

seit sieben Jahren weltweit sammeln läßt und mit einer Gruppe von Mitarbeitern untersucht, lasse erkennen, daß in der gesamten Troposphäre der
- 2 -

�Troposphäre der Methangehalt um jährlich 1,1 Prozent angestiegen sei.
Diese Meßergebnisse entsprächen den lokal ermittelten Befunden einer Reihe anderer Forschergruppen in verschiedenen Regionen sowohl auf der Nordais auch auf der Südhalbkugel.

Da Methan infrarote Strahlung sehr stark absorbiert, sei Rowland zufolge auch zu erwarten, daß ein höherer Methangehalt erheblich dazu beitrage, daß die Erde weniger Sonnenwärme in den

Weltraum zurückstrahle.

Diese allmähliche Erwärmung wird auch als "Gewächshauseffekt" bezeichnet.
Nicht alle, jedoch die meisten Experten sind sich einig darüber, daß die
Erde wärmer wird.
ten.

Allerdings ist der Grad der Aufwärmung sehr umstrit-

Als Hauptursache einer Aufwärmung wird das Verbrennen fossiler Ma-

terialien wie Kohle, Ol und Benzin angesehen. Das dabei freigesetzte Kohlendioxyd hält die Sonnenwärme zurück.

Die Auswirkungen von Methan sind nicht auf den "Gewächshauseffekt"
beschränkt.

Das Gas spielt aucn eine wichtige Rolle im Smogzyklus bzw.

der Bildung einer Dunstglocke über Stadt- und Industrieregionen sowie
heim Abbau von üzor in der Stratosphäre durch chlorhaltige Verbindungen.

Methan wird z. B. beim Vieh bei der Verdauung von Zellulose, ferner
durch biologische Reaktionen unter Wasser in überfluteten Reisfeldern und
in Sümpfen produziert.

Rowland nimmt an, daß die Methankonzentration

steigt, weil der Abbau der Verbindung in der Atmosphäre mit der Anreicherung nicht Schritt zu halten vermag.

Die wachsende Zahl der Erdbevölke-

rung führte zwischen 1^50 und 197!&gt; auch zu einem Anstieg des Viehbestandes um ca. 5Ü Prozent (im letzten Jahrzehnt sei allerdings ein wesentlich
geringerer Anstieg zu verzeichnen gewesen).

Die neuen Reisanbaumethoden,

die seit etwa zehn Jahren in weiten Gebieten angewendet würden, seien
nicht ohne Einfluß.

Mehrfachernten mit ertragreichen Sorten setzten sich

immer mehr durch.

Der geringe Abbau von Methan könne, so Rowland, ein Anzeichen für
grundlegende

Veränderungen

in

atmosphärischen

Wechselwirkungen

sein.

"Methan hält sich zehn Jahre in der Atmosphäre und wird durch einen Oxy- 3 -

�einen Oxydationsprozeü, nämlich durch die Reaktion mit Hydroxylradikalen,
abgebaut. Die steigende Methankonzentration deutet wahrscheinlich an, dato
andere organische Verbindungen in der Atmosphäre jetzt weniger schnell
als noch vor ein paar Jahren oxydiert werden, was ebenso bedeutsam wäre
wie ein Anstieg von Methan selbst."

Jedes Methanmoiekül in der Atmosphä-

re binde ein Hydroxylradikal, der Rest werde in Kohlenmonoxyd umgewandelt.

Dieses sei nur auf Kosten eines weiteren Hydroxylraaikals zu ent-

fernen, so daß schon ein geringes Ansteigen des Methangehalts die Konzentration immer höher treibe, erklärte Rowland.

Über den Umfang des Methananstiegs vor 1977 wisse man, so Rowland,
kaum etwas, cbgleicn Gasanalysen von Bohrkernen aus dem Antarktiseis vermuten ließen, daß die Werte gegenwärtig doppelt so hoch sind wie vor einigen hundert Jahren.

Jetzt komme es vor allem darauf an, die Methanpro-

duktion aus den verschiedenen biologischen Quellen besser abschätzen zu
können.

* * * * *

- 4-

�</text>
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