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                  <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

43

24. Oktober 1984

INHALT

DOKUMENTATION
USA sichern sorgfältige Analyse der Vorschläge Tschernenkos zu
- Erklärung des Weißen Hauses Kenneth Dam: Wandel und Kontinuität - die amerikanische Außenpolitik
der achtziger Jahre
US-Studie über Management der UNESCO
- Erklärung der amerikanischen UNESCO-Botschafterin -

HINTERGRUNDMATERIAL
Überblick über die amerikanische Rüstunyskontrollpolitik
- Neue Broschüren des US-Außenministeriums Chronologie der Ereignisse in Afghanistan
- 3. Quartal 1984 -

HINWEIS
Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne den vollen englischen Text der
Reagan/Mondale-Fernsehdebatte vom 21. Oktober 1984 zur Verfügung.

Um Übcf/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

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&lt;

\

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

43

24. Oktober 1984

USA SICHERN SORGFÄLTIGE ANALYSE DER VORSCHLÄGE TSCHERNENKOS ZU
- Erklärung des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Larry Speakes, stellvertretender Pressesekretär
des Weißen Hauses, betonte in einer schriftlichen Erklärung am 17. Oktober 1984 in Reaktion auf das von der "Washington Post" am 17. Oktober
veröffentlichte Interview mit dem sowjetischen Partei- und Regierungschef
Tschernenko, das Weiße Haus werde dessen Vorschläge sorgfältig prüfen.

Die Erklärung des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:

Wir stimmen mit Präsident Tschernenko darin überein, daß es keine
echte Alternative zu einer konstruktiven Entwicklung der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern gibt.

Wir sehen mit Genugtung, die Beto-

nung, die er auf die positiven Möglichkeiten für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen legt.

Wir werden seine Ausführungen sorgfältig prü-

fen und werden - wie dies beim jüngsten Treffen des Stellvertretenden Ministerpräsidenten (Außenminister) Gromyko mit Präsident Reagan zum Ausdruck gebracht wurde - unseren Dialog mit der Sowjetunion fortsetzen und

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�fortsetzen und dabei die Möglichkeiten für einen Fortschritt mittels
diplomatischer Kanäle erörtern.
Präsident Reagan hat wiederholt gezeigt, daß wir zu einer Zusammenarbeit mit der Sowjetunion bereit sind.

Im April 1981 sandte er einen per-

sönlich verfaßten Brief an Präsident Breschnew, in dem er seine Gefühle
über die Frage von Krieg und Frieden zum Ausdruck brachte und Präsident
Breschnew aufforderte, mit ihm gemeinsam die Hindernisse zu beseitigen,
die dem Frieden im Wege stehen.

Seither haben die Vereinigten Staaten

mehrere praktische Vorschläge für ein Voranschreiten in allen Bereichen
unserer Beziehungen - einschließlich der Rüstungskontrolle - unterbreitet.
So haben die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten beispielsweise
im vorigen Jahr neue Vorschläge zur Begrenzung der strategischen Waffen,
der nuklearen Mittelstreckensysteme, der chemischen Waffen und der konventionellen Waffen

unterbreitet.

Am

4.

Juni

unterstrich

Präsident

Reagan in Dublin unsere Bereitwilligkeit, den sowjetischen Vorschlag einer gegenseitigen Verpflichtung zum Gewaltverzicht zu diskutieren, falls
dies zu ernsthaften Verhandlungen über die westlichen Vorschläge hinsichtlich praktischer Schritte führen sollte, das Vertrauen zu erhöhen
und das Risiko eines Überraschungsangriffs in Europa zu verringern.
Im Sommer dieses Jahres akzeptierten wir einen sowjetischen Vorschlag, in Wien ohne Vorbedingungen Rüstungskontrollverhandlungen für
Weltraumwaffen zu beginnen. Vor den Vereinten Nationen bekräftigte Präsident Reagan vorigen Monat seinen Wunsch, in diesen Bereichen voranzukommen und legte eine Reihe konkreter neuer Vorschläge für die amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit vor. Bei seinem darauffolgenden Treffen
mit dem Stellvertretenden Ministerpräsidenten Gromyko unterstrich der
Präsident unseren dringenden Wunsch, auf allen Gebieten zu einem produktiveren Dialog zu kommen, und unterbreitete zu diesem Zweck konkrete Vorschläge.
Wir können Präsident Tschernenkos Darstellung der Ereignisse der jüngeren Vergangenheit nicht zustimmen.

Es war die Sowjetunion, die die

�die die Verhandlungen über Kernwaffen abgebrochen hat und die von ihrem
eigenen Vorschlag zurückgetreten ist, mit Rüstungskontrollgesprächen für
Weltraumwaffen zu beginnen.

Die Vereinigten Staaten sind zu Verhandlun-

gen über diese und andere Fragen bereit, aber wir können uns der sowjetischen Vorstellung nicht anschließen, wonach es an den Vereinigten Staaten läge, einen Preis dafür zu zahlen, daß die Sowjetunion an den Verhandlungstisch zurückkehrt.

Präsident Tschernenko hat erklärt, eine Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen hänge von Taten, nicht von Worten ab.
stimmen dem zu.

Wir

Wenn die Sowjetunion bereit ist, von einem Austausch öf-

fentlicher Erklärungen zu echten Verhandlungen und konkreten Abkommen
überzuleiten, dann wird sie auch uns bereit finden.

* * * * *

- 3-

�24. Oktober 1984

fr

KENNETH DAM: WANDEL UND KONTINUITÄT - DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK
DER ACHTZIGER JAHRE

SAN FRANCISCO - (AD) - Der Stellvertretende amerikanische Außenminister Kenneth Dam hat vor dem Commonwealth Club in San Francisco am 15.
Oktober 1984 einen umfassenden Überblick über die Außenpolitik der Vereinigten Staaten für die Zukunft gegeben.
tel:

"Wandel und Kontinuität:

Seine Ausführungen mit dem Ti-

Die amerikanische Außenpolitik der acht-

ziger Jahre" haben folgenden Wortlaut:

Einleitung

Die letzten vier Jahre waren von einem Wandel im Klima der internationalen Politik gekennzeichnet.

Die Reagan-Administration hat unser na-

tionales Selbstvertrauen und die Führung Amerikas in der freien Welt wiederhergestellt.

Aber es entstehen ständig neue Bedrohungen des Friedens

und neue Herausforderungen der Freiheit.

Die Militärtechnologie entwik-

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Militärtechnologie entwickelt sich weiter und wirtschaftliche Kräfte wirken auf unvorhersehbare Weise.

Unsere Politik muß, um diesen Herausfor-

derungen zu begegnen, mit diesem dynamischen Prozeß Schritt halten.

Die Tagesordnung der Außenpolitik in den nächsten vier Jahren wird
nicht so aussehen wie die der vergangenen vier Jahre.

Im Bereich der Si-

cherheit wird die nukleare Rüstungskontrolle weiterhin Priorität haben.
Damit einhergehen wird jedoch das dringende Problem der konventionellen
Verteidigung.

Im wirtschaftlichen Bereich wird sich unser Augenmerk von

Versuchen, einige wenige Hauptschuldnerländer mit ausreichender Liquidität zu versorgen, auf die Bemühungen verlagern, in der ganzen Dritten
Welt ein sich selbst tragendes Wachstum zu fördern.

Und im politischen

Bereich werden wir eine Verdoppelung unserer Anstrengungen erleben, Lösungen der Konflikte in Afrika, im Nahen und Mittleren Osten und in Mittelamerika auf dem Verhandlungswege zu erreichen.

In den nächsten vier Jahren werden wir in verschiedenen Bereichen eine neue Richtung einschlagen müssen, während wir in anderen unsere Erfolge konsolidieren.

Ich möchte daher heute einige dieser Bereiche des Wan-

dels und der Kontinuität in unserer Außenpolitik aufzeigen.

Der Sicherheitsbereich

Im Sicherheitsbereich hat sich unsere Aufmerksamkeit in den letzten
Jahren auf die nuklearen Mittelstreckensysteme (INF) konzentriert.

Ende

der siebziger Jahre begann die Sowjetunion nukleare Mittelstreckenraketen
des Typs SS-20 zu dislozieren, die unsere Verbündeten in Europa und Asien
bedrohen.

Als Antwort auf die westeuropäischen Besorgnisse beschlossen

die NATO-Länder im Dezember 1979, Begrenzungen für die INF auszuhandeln
und, falls es nicht gelingen sollte, durch Verhandlungen die sowjetische
Bedrohung zu beseitigen, Gegenkräfte zu dislozieren.

Nach diesem "Doppelbeschluß" haben die Vereinigten Staaten in zwei- 2 -

^

�in zweijährigen intensiven Verhandlungen eine Verringerung der INF auf
einen gleichen Stand - vorzugsweise auf Null - für beide Seiten angestrebt.

Alle sowjetischen Vorschläge hätten die Aufrechterhaltung eines

sowjetischen Monopols an solchen Waffen bedeutet.

Die Sowjets benutzten

politischen Druck und militärische Drohung in dem Versuch, den Doppelbeschluii zu untergraben und einen Keil zwischen die Vereinigten Staaten und
Europa zu treiben, aber das Bündnis hielt fest zusammen.

Nachdem die So-

wjets im November vorigen Jahres den Verhandlungstisch verlassen hatten,
begann die NATO mit Gegendislozierungen.

Obwohl wir das "Jahr der Rakete" hinter uns haben, ist das Problem
der INF noch längst nicht abgeschlossen.

Die Sowjets haben heute über

375 SS-20-Raketen aufgestellt, von denen jede drei Gefechtsköpfe hat, und
die Dislozierung geht weiter.

Wir unsererseits sind weiterhin bereit,

ohne Vorbedingungen über Verringerungen zu verhandeln.

Aber solange es

zu keinem Abkommen kommt, werden die Dislozierungen der NATO weitergehen.

In den kommenden Jahren werden Verringerungen der Kernwaffen unsere
oberste Priorität sein.

Wie Sie wissen, hat die Administration ein-

schneidende Kürzungen - bis zu einem Drittel - bei den strategischen Raketengefecht sköpfen

vorgeschlagen.

Das

kürzliche

Zusammentreffen

des

Präsidenten mit dem sowjetischen Außenminister Gromyko zeigt unsere Entschlossenheit, einen Weg zu finden, um Verhandlungen über eine Verringerung nuklearer Offensivwaffen in Gang zu bringen.

Gleichzeitig werden

wir - und Sie werden davon noch mehr hören - den Nachdruck auf die konventionelle Verteidigung legen, eine Frage, die eng mit den Kernwaffen
zusammenhängt.

Die konventionelle Verteidigung in Europa dient der ent-

scheidend wichtigen Funktion, das Risiko eines Atomkrieges zu verringern.
Je gröf3er die Fähigkeit der NATO ist, einer Aggression durch den Einsatz
konventioneller Streitkräfte zu begegnen, desto höher wird die Nuklearschwelle angehoben.

Die Verbesserung der konventionellen Verteidigung der NATO stand daher immer auf unserer Sicherheitstagesordnung.

Aus mehreren Gründen ist

�Gründen ist jedoch jetzt cier Zeitpunkt für eine verstärkte Anstrengung
auf dem Gebiet der konventionellen Verteidigung gekommen:

- Erstens, der Warschauer Pakt rüstet seine konventionellen Streitkräfte in einem Maße aus, das die eigenen Verteidigungserfordernisse weit
überschreitet.

- Zweitens, im Kongreß und in der Öffentlichkeit besteht Sorge ob der
Fairness der Beiträge der Verbündeten zur gemeinsamen Verteidigung.

- Drittens, nachdem wir die INF-Debatte weitgehend hinter uns haben,
sind unsere europäischen Verbündeten besser in der Lage, sich Fragen
der konventionellen Verteidigung zuzuwenden.

- Viertens, neue Technologien und Taktiken bieten jetzt kreative Lösungen für Probleme der konventionellen Verteidigung.

Lassen Sie mich einige Zahlen anführen, die die Drohung erkennen lassen, vor der wir durch diu Aufrüstung der konventionellen Streitkräfte
der Sowjets vis-ä-vis Westeuropa stehen:

- Der Warschauer Pakt hat heute - was die Mannschaftsstärke angeht rund vier Millionen Mann gegenüber Westeuropa stehen, also fast das
Doppelte der stehenden Streitkräfte der NATU.

- An Kampfpanzern verfügt der Warschauer Pakt über fast 27 000 - das
Doppelte der NATO.
- An Kampfflugzeugen besitzt der Warschauer Pakt etwa 300 mehr Jagdbomber und Luftunterstützungsflugzeuge und führt bei den Abfangjägern
fünf zu eins gegenüber der NATO (4000 gegen 800). Wir glauben, noch
einen Qualitätsvorsprung bei den Flugzeugen zu besitzen, aber die Sowjets engen diese Kluft weiter ein.

Manche
- 4 -

Kritiker

�Manche Kritiker behaupten, diese Uberlegenneit des Warschauer Paktes
sei so grob, dab die NATO ihre konventionellen Verteidigungsanstrengungen
aufgeben und sich ausschließlich auf die Androhung der nuklearen Vergeltung zur Verteidigung des Bündnisses verlassen sollte.

Andere, die sich

über den Schrecken nuklearer Vergeltung Sorge machen, sagen hingegen, die
NATO solle sich ausschließlich auf die konventionelle Verteidigung verlassen.
bleibt

Beide Argumente sind nicht stichhaltig.
gültig:

Eine

starke

konventionelle

Die Strategie der NATO

Verteidigung,

unterstützt

durch die Androhung nuklearer Vergeltung.

Was die NATO heute braucht, ist keine neue Strategie, sondern mehr
und bessere Mittel.

Die NATO braucht das Gerät und die Mannschaftsstär-

ke, um eine konventionelle Verteidigung zu stellen, die stark genug ist,
um vor einem Angriff auf Europa abzuschrecken.

Eine solche Verteidigung

würde die Abschreckung stärken und das Risiko verringern, dab das Bündnis
im Falle einer Krise gezwungen wäre, auf Kernwaffen zurückzugreifen.

Die Stärkung der konventionellen Verteidigung ist, wie ich bereits
gesagt habe, eine globale Herausforderung.

Die militärische Aufrüstung

der Sowjets in Asien und im Pazifik ist genau so grob und so bedrohlich
wie ihre Aufrüstung in Europa.

Aus diesem Grunde ermutigen wir weiterhin

eine stetige Verbesserung der Selbstverteidigungskapazität

Japans.

In

den letzten Jahren haben die Japaner um fast sieben Prozent jährlich erhöht - wenn auch von einem sehr niedrigen Ausgangspunkt.

Sie haben fer-

ner übernommen, die zu ihrem Lande führenden See- und Luftwege bis auf
eine Distanz von 1000 Meilen zu schützen.

Wie die Japaner selbst einse-

hen, mub noch sehr viel mehr getan werden, aber es ist ein vielversprechender Anfang gemacht worden.

Die NATO und Japan verfügen ohne Frage über die wirtschaftliche Stärke, die Bevölkerungszahl und die technologische Basis, um ausreichende
konventionelle Streitkräfte aufzustellen.

Das Problem hat immer darin

bestanden, die politische Unterstützung für eine verstärkte konventionelle Verteidigung in Friedenszeiten zu gewinnen.

Darüber hinaus besteht

�hinaus besteht eine Kontroverse über die jeweiligen Beiträge, die wir und
unsere Verbündeten zur gemeinsamen Verteidigung leisten.
komplizierte Frage.

Das ist eine

Unser Urteil, ob ein Land seinen "fairen Beitrag"

geleistet hat, hängt von der Zählweise ab.

So rangieren die Vereinigten

Staaten beispielsweise weit oben, was den für die Verteidigung aufgewandten Prozentsatz des Bruttosozialprodukts angeht.

Die europäischen Län-

der, von denen die meisten allgemeine Wehrpflicht haben, rangieren hoch,
was die aktiven Streitkräfte und die Reserven angeht.

Eines ist sicher:

Wir müssen alle mehr tun.

Der Wirtschaftsbereich
So wie im Sicherheitsbereich ein neues Problem - die konventionelle
Verteidigung - erhöhte Aufmerksamkeit erhalten wird, so wird auch im
wirtschaftlichen Bereich einem neuen Problem - dem sich selbst tragenden
Wachstum - vermehrte Aufmerksamkeit geschenkt werden.
In den letzten Jahren standen an der Spitze unserer internationalen
Wirtschaftstagesordnung die Schulden der Dritten Welt in Höhe von 700
Milliarden Dollar. Die Schuldenkrise, die 198Z ausbrach, bedrohte die
Lebensfähigkeit des internationalen Wirtschaftsssytems. Um diese Krise
in den Griff zu bekommen, haben wir und die anderen demokratischen Industriestaaten in mehreren der am schwersten verschuldeten Länder außerordentliche Finanzierungsprogramme in Angriff genommen. Unsere Strategie
konzentrierte sich auf die Sicherung der Liquidität und die Unterstützung
wirtschaftlicher Reformen sowie auf baldestmögliche Stabilisierung.
Diese Maßnahmen haben einige erste Erfolge gebracht.

Die Gesamtdefi-

zite der Leistungsbilanz der sieben größten Schuldner in Lateinamerika Argentinien, Brasilien, Mexiko, Kolumbien, Chile, Peru und Venezuela wurde von 34 Milliarden Dollar im Jahr 1981 auf gerade noch drei Milliarden Dollar im Jahr 1983 abgebaut.

Im gleichen Zeitraum stieg der Handel

dieser Länder zusammen von einem wertmäßigen kleinen Überschuß von weni-

�von weniger als einer Milliarde Dollar auf einen Überschuß von 31 Milliarden Dollar.

Mexiko und Brasilien dürften in diesem Jahr nach mehreren

Jahren der stagnierenden oder sinkenden Produktion wieder ein positives
Wachstum erleben.

Die eindrucksvolle Leistung Mexikos ermöglichte es

diesem Land, im vorigen Monat mit einem Handelsbanken-Beratungsausschuß
ein Abkommen über die Umschuldung zu schließen, das die Rückzahlung über
einen vieljährigen Zeitraum ermöglicht.

Die Vereinigter, Staaten trugen zu dem von Mexiko und den anderen lateinamerikanischen Schuldnerländern erzielten Fortschritt bei, indem sie
ihre Märkte für die Produkte dieser Länder öffneten - selbst wenn diese
Länder gezwungen waren, ihre Importe zu verringern.

Insgesamt sind die

Exporte Lateinamerikas im ersten Quartal 198A um 16 Prozent gewachsen und die Vereinigten Staaten haben vier Fünftel dieser Steigerung aufgenommen.

Diese Güter aus Lateinamerika tragen sicherlich zu unserem zu

erwartenden Handelsdefizit von 10Ü Milliarden Dollar bei.

Aber der Zu-

gang zu unseren Märkten bringt jenen Ländern die harte Währung, die sie
für ihren Schuldendienst und den Kauf unserer Exporte brauchen.

Umge-

kehrt helfen Importe aus dem Ausland, die Inflation in den Vereinigten
Staaten niedrig zu halten und den Lebensstandard des amerikanischen Verbrauchers zu heben.

Die wichtigsten Liquiditätsprobleme sind jetzt zunehmend unter Kontrolle.

Infolgedessen verlagert sich der Schwerpunkt unserer Aufmerksam-

keit jetzt darauf, eine ausreichende Finanzierung

einiger der Haupt-

schuldner zu gewährleisten, um in der ganzen Welt ein sich selbst tragendes Wachstum zu fördern.

Ohne Wachstum dürften die Schuldnerländer nur

von einer kurzfristigen Krise in die andere taumeln.

Das Ziel eines anhaltenden Wirtschaftswachstums bringt Herausforderungen mit sich, die komplexer sind als jene, bei denen es nur um die
Einführung von Maßnahmen geht, um den Gürtel enger zu schnallen, wie sie
etwa zur Bewältigung der Zchlungsbilanzprobleme notwendig sind.

Das En-

gerschnallen des Gürtels läßt sich politisch als kurzfristige Notwendig- 7 -

�kurzfristige Notwendigkeit verkaufen.
doch

strukturelle Anpassungen.

Anhaltendes Wachstum erfordert je-

Solche Anpassungen

verlangen ständige

Verlagerungen in der Einkommensverteilung, der Ressourcen und der politischen Macht - oft zwischen Stadt und Land, Arbeitnehmern und Arbeitgebern, Verbrauchern und Exporteuren.

Verlagerungen dieser Art können das

soziale und politische Netz eines Landes schwer belasten.

Zwei wichtige

Faktoren können jedoch den Anpassungsprozeß erleichtern - erstens stärkere Kooperation zwischen dem IWF und der Weltbank, und zweitens höhere
ausländische Direktinvestitionen.

Die Programme des Internationalen Währungsfonds (IWF) zielen hauptsächlich darauf ab, die Zahlungsbilanzposition eines Landes auf kurze
oder mittlere Sicht zu verbessern.

Programme der Weltbank konzentrieren

sich hingegen stärker auf langfristige

wirtschaftliche Veränderungen.

Das Programm der Weltbank für Strukturanpassungsanleihen (SAL) hat beispielsweise seit seiner Einführung 1980 über vier Milliarden Dollar an
etwa 16 Länder vergeben.

Diese Kredite können zusammen mit den sektora-

len und Projektanleihen der Weltbank den Entwicklungsländern helfen, Reformen zu einem Zeitpunkt durchzuführen, an dem niedriges Wachstum und
Kreditknappheit solche Reformen notwendig machen.

Wir sind überzeugt,

daß es Spielraum für verstärkte Kooperation zwischen IWF und Weltbank
gibt.

Eine solche Zusammenarbeit kann dazu beitragen, die langfristigen

Reformen zu fördern, die notwendig sind, um ein anhaltendes Wachstum in
den Schuldnerländern zu erreichen.
Die Neustrukturierung einer Volkswirtschaft erfordert auch direkte
Investitionen aus dem Ausland.

So wie Unternehmen können auch Länder

nicht allein durch Kredite wachsen.

Es müssen vielmehr die einheimische

Spartätigkeit ermutigt und ausländische Privatinvestitionen attraktiv gemacht werden.

Es besteht noch ein großer Spielraum für die Erhöhung des

frei finanzierten Anteils an der Gesamtfinanzierung der Entwicklungsländer:

Im Jahr 197Ü machten die ausländischen Direktinvestitionen noch

fast 20 Prozent des langfristigen Nettokapitalzuflusses in die Entwicklungsländer aus; heute ist dieser Prozentsatz auf etwas über zehn Prozent
- 8 -

�zehn Prozent gesunken.
Um diesen Trend umzukehren, werden die Entwicklungsländer eine Politik einschlagen müssen, die direkte Auslandsinvestitionen anzieht.

Zu

einer solchen Politik müßte ein realistischer Wechselkurs gehören, der
eine freie Konvertierbarkeit der Währungen erlaubt, sowie ein gesetzliches Umwelt, das es Kapitaleignern ermöglicht, attraktive und dem Risiko
entsprechende Erträge zu erzielen.

Diese Schritte werden umgekehrt auch

die Kapitalflucht eindämmen und die einheimische Spartätigkeit anregen.

Die Probleme der strukturellen Anpassung, der Zusammenarbeit von IWF
und Weltbank sowie der Direktinvestitionen werden in den kommenden Jahren
verstärkte Beachtung finden.

Auf den Tagungen des IWF und der Weltbank

im vorigen Monat in Washington haben diese Institutionen den Vorschlag
des amerikanischen Finanzministers Regan angenommen, diese und andere
Themen in Angriff zu nehmen in dem Bemühen, Mittel und Wege zu finden,
wie Industriestaaten und Entwicklungsländer das Ziel eines weltweiten
nichtinflationären Wachstums erreichen können.

Wenn wir ein solches Wachstum fördern, dann werden zwei Arten von
Ländern wachsende Aufmerksamkeit erhalten:

die an Ressourcen armen Län-

der der Subsahara-Zone Afrikas und eine strategisch wichtige Gruppe kleiner Schuldnerländer, vor allem in Lateinamerika.

Die Länder in der Subsahara-Zone Afrikas gehören zu den ärmsten Ländern der Welt und haben von dem weltweiten Wiederaufschwuny weniger profitiert als andere.

Das Bruttoinlandsprodukt dieser Region ist seit 1980

jedes Jahr zurückgegangen.

Mit einem Bevölkerungszuwachs von über drei

Prozent jährlich wird das Prokopfeinkommen im Jahr 1983 um etwa vier Prozent niedriger angesetzt als 197Ü.

Der langfristige Rückgang der land-

wirtschaftlichen Erzeugung wird durch die Dürre der letzten Jahre noch
verschärft.

Die Zahl der hungernden und sogar an Unterernährung sterben-

den Menschen geht in die Millionen.

Diese

Zahlen

�Diese Zahlen sind erschreckend.

Aber die Weltbank hat in einem kürz-

lichen Bericht über Afrika - "Toward Sustained Development:

A Joint Ac-

tion Program for Sub-Saharan Africa" (Auf dem Wege zur anhaltenden Entwicklung:

Ein gemeinsames Aktionsprogramm für die Subsahara-Region Afri-

kas) - festgestellt, daß das Potential für ein wirtschaftliches Wachstum
vorhanden ist:

Einheimische Reform verbunden mit Hilfe von außen können

die Subsahara-Zone Afrikas neu beleben.

Die Vereinigten Staaten unter-

stützen voll und ganz den Nachdruck, den der Bericht auf die politische
Reform und die Koordinierung der Hilfe legt.
zugesagt, unseren Teil dazu beizutragen.

Darüber hinaus haben wir

Die Vereinigten Staaten stellen

derzeit über die Hälfte aller Nahrungsmittelhilfe für Afrika.

Darüber

hinaus hat der Kongreß in Erfüllung des Ersuchens des Präsidenten nach
einem Sonderprogramm zur Ermutigung wirtschaftspolitischer Reformen in
Afrika in der, in der vorigen Woche verabschiedeten Haushaltsresolution
75 Millionen Dollar für diesen Zweck bereitgestellt.

Die zweite Kategorie von Ländern, von denen Sie sicherlich in naher
Zukunft mehr hören werden, sind die kleineren Schuldnerländer - Länder
wie die Dominikanische Republik, Jamaika und Peru.
vergleichsweise kleine Schuldner.

Diese Länder sind

Die Dominikanische Republik beispiels-

weise hat wenig mehr als drei Milliarden Dollar an Auslandsverpflichtungen, während es bei Mexiko fast 100 Milliarden Dollar sind.

Die kleinen

Schuldner werden jedoch jetzt - und werden auch in Zukunft - mehr Aufmerksamkeit erhalten.
Das soziale Netz vieler dieser Länder ist durch notwenaige, aber politisch undurchsetzbare Anpassungsmaßnahmen gefährlich belastet worden.
Solche Belastungen bedrohen die Aussichten für wirtschaftliche Reform in
diesen Ländern und in einigen Fällen auch die strategischen Interessen
der Vereinigten Staaten.
Die peruanische Regierung hat beispielsweise immer wieder dem IWF gegenüber Zusagen gemacht, ein schmerzliches Sparprogramm einzuführen, um
ihre Schulden von 13 Milliarden Dollar abzubauen.
- 10 -

Aber die starke Oppo-

�starke Opposition - seitens politischer Parteien, Gewerkschaften, Unternehmern und Interessengruppen - hat die Bemühungen um die Durchführung
dLeser Reformen untergraben.

Vor einem Jahr wurde ein Marxist zum Bür-

germeister von Lima gewählt.

Im März wurde ein landesweiter General-

streik weitgehend befolgt und Guerilla-Tätigkeit und Gewalt halten an.
Diese Entwicklungen stellen heute eine ernste Bedrohung der Regierung in
Peru dar, die erst 1980 zur zivilen demokratischen Kontrolle zurückgekehrt war.

Die durch den AnpassungsprozeU hervorgerufenen Belastungen müssen ohne Frage genau beobachtet werden. Denn wenn wir auch nach Wachstum streben, so dürfen wir doch nicht unempfindlich gegen die Probleme werden,
vor denen Peru und andere Länder der Dritten Welt stehen, wenn sie einen
Ausgleich zwischen langfristigem wirtschaftlichem Aufschwung und kurzfristiger politischer Stabilität schaffen müssen.

Der politische Bereich

So wie die Dinge sich Ende der achtziger Jahre entwickeln werden,
wird also die konventionelle Verteidigung als Verteidigungsproblem in den
Vordergrund treten, und als wirtschaftliche Frage das sich selbst tragende Wachstum.

In dem Bereich, den man in etwa als "politisch" bezeichnen

könnte, werden auf unserer Tagesordnung keine wesentlich neuen Fragen
hinzukommen.

Wir werden vielmehr eine Verdoppelung der Anstrengungen er-

leben, die wir bereits begonnen haben.

Forderung von Verhandlungen in regionalen Konflikten

In Lateinamerika, Afrika sowie im Nahen und Mittleren Osten gehen die
regionalen Konflikte weiter.

Wir haben unsere Mittel eingesetzt, um eine

Lösung dieser Konflikte am Verhandlungstisch statt auf dem Schlachtfeld
zu erreichen.

Auf diese Weise haben wir die Möglichkeit einer Konfronta-

tion zwischen den Großmächten verringert.
Das
- 11 -

Gebiet,

wo

�Das Gebiet, wo unsere diplomatischen Bemühungen am produktivsten waren, ist das südliche Afrika.

In dieser Region haben die Vereinigten

Staaten zu einem Dialog zwischen Südafrika und seinen Nachbarn angeregt.
Dieser Dialog hat das Ausmaß der Gewalttätigkeit über die Grenzen hinweg
verringert und hat eine willkommene Verbesserung in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Mosambik gefördert, das sich nach seiner Unabhängigkeit dem Sowjetblock angeschlossen hatte.

Seit über 20 Jahren sucht die internationale Gemeinschaft nach einer
Formel, nach der Südafrika seine Verwaltung von Namibia - oder Südwestafrika - aufgeben könnte.

Seit 1977 haben die Vereinigten Staaten und ei-

nige ihrer engsten Verbündeten mit allen afrikanischen Staaten der Region
daran gearbeitet, eine Lösung dieses Problems zu finden.

Ein sorgfältig

erarbeitetes Abkommen, das dieser letzten afrikanischen Kolonie die Unabhängigkeit bringen wird, ist jetzt in Reichweite.

Aber vor seinem Ab-

schluß werden Pretoria und Angola noch schwierige Entscheidungen zu treffen haben.

Die wichtigste davon ist der Abzug von 30 000 kubanischen

Soldaten aus Angola, die ein starkes Eindringen sowjetischer Macht in die
Region darstellen.

Wir sind weiterhin der Ansicht, daß der arabisch-israelische Konflikt
einer geduldigen, beharrlichen Diplomatie nachgeben kann, so wie es ein
Nachgeben im südlichen Afrika gibt.

Die Parteien dieses Streits werden

bald erkennen müssen, daß es keinen Ersatz für direkte Verhandlungen
gibt.

Die Initiative Präsident Reagans vom 1. September 1982 ist und

bleibt die beste und praktikabelste Basis für solche Verhandlungen.

Wenn

die Parteien bereit sind, die aktive Suche nach dem Frieden wieder aufzunehmen, dann werden sie auch die Vereinigten Staaten hierfür bereit finden.

Keine Drohung, keine Nötigung, kein noch so großes Maß an willkürli-

chem Terror wird uns daran hindern, als voller Partner teilzunehmen.

Der regionale Konflikt, der den Vereinigten Staaten die größten direkten Sorgen bereitet, ist natürlich der Konflikt in Mittelamerika.

Die

�Mittelamerika.

Die populären und demokratisch gewählten Regierungen von

El Salvador und Honduras werden weiterhin durch eine kommunistische Guerilla bedroht, die von Nicaragua und Kuba unterstützt und ausgebildet
wird.

Das Ziel dieser Guerilla ist es, verfassungsmäßig gewählte demo-

kratische Regierungen durch marxistisch-leninistische Regime zu ersetzen.
Unsere wirtschaftliche, militärische und diplomatische Unterstützung hat
demokratischen Kräften in dar ganzen Region geholfen, Schritt für Schritt
die Entwicklung zu ihren Gunsten zu wenden.

Dieser Konflikt wird jedoch nicht nur durch militärische Mittel gelöst werden:

Es sind auch diplomatische Initiativen notwendig.

Die Be-

mühungen der CONTADORA-Gruppe - Mexiko, Panama, Kolumbien und Venezuela
-, einen umfassenden, verifizierbaren, regionalen Frieden auszuhandeln,
stehen im Mittelpunkt unserer Politik.

Die Vereinigten Staaten unter-

stützen die Ziele des CONTADORA-Prozesses voll und ganz und sind der
Überzeugung, daß sie die beste Chance für einen stabilen Frieden in der
Region

bieten.

Auf

Ersuchen

der

CONTADORA-Gruppe

hat

Außenminister

Shultz im Juni dieses Jahres bilaterale Gespräche mit Nicaragua eingeleitet.

Seither

Shlaudeman,

ist

unser

sechsmal

mit

Sonderbotschafter
hochrangigen

für

Mittelamerika,

Regierungsvertretern

Harry

Nicaraguas

zusammengetroffen.

Diese Gespräche sollen dazu dienen, den CONTADORA-

Prozeü zu fördern.

Jedes erreichte Abkommen wird in den CONTADORA-Prozeß

einbezogen werden: Es wird keine separaten Abkommen geben.

Die Förderung von Demokratie und Menschenrechten

Die Beilegung regionaler Konflikte trägt dazu bei, die Chancen für
sowjetische Intervention auf der ganzen Welt zu verringern.

Das Gleiche

tut auch unsere Verpflichtung zu Demokratie und Menschenrechten, denn Autokratie und Unterdrückung brüten die Instabilität aus, die unsere Gegner
auszunützen suchen.

Unsere Politik besteht nicht lediglich darin, Menschenrechtsverietzer
- 13 -

�darin, Menschenrechtsverletzer zu meiden, sondern zusammen mit befreundeten Regierungen auch aktiv daran zu arbeiten, Verbesserungen in der Menschenrechtspraxis zu erreichen:

die Freilassung politischer Gefangener,

mehr Ausreisegenehmigungen und einen Abbau amtlicher Brutalität.

Letztlich wissen wir jedoch, daß Demokratie und Herrschaft des Rechts
die einzige dauerhafte Garantie für die Menschenrechte sind.
wir auch blicken: die Demokratie ist auf dem Vormarsch.

Und wohin

In Südostasien

geht mit dem wachsenden Wohlstand eine immer stärkere Öffnung der politischen Systeme einher.

Die Wahlen auf den Philippinen im Mai dieses Jah-

res und die wachsende Ungeduld des Volkes mit autokratischer Herrschaft
stellen einen Fortschritt zur Rückkehr dieser Nation zu ihren demokratischen Traditionen dar.

Die Demokratie hat ihre auffallendsten Fortschritte gerade hier in
unserer eigenen Hemisphäre gemacht. Die Zahlen sind eindrucksvoll:

- In den letzten fünf Jahren haben Argentinien, Bolivien, Ecuador, El
Salvador, Honduras, Panama und Peru militärische Machthaber durch
gewählte zivile Präsidenten ersetzt.

Im nächsten Januar wird Brasi-

lien seinen ersten zivilen Präsidenten seit 20 Jahren wählen.

Uru-

guay hat einen festen Zeitplan für die Rückkehr zur Demokratie und
Guatermala ist in den ersten Phasen des Übergangs.

Wir freuen uns

ganz besonders, daß die Wahlen in Grenada, die für Dezember dieses
Jahres angesetzt sind, dieses Land zur Demokratie zurückführen werden.

Das Ergebnis ist, daß heute 90 Prozent der Menschen in Latein-

amerika und in der Karibik unter Regierungen leben, die entweder demokratisch oder auf dem Weg zur Demokratie sind.

- Nicht ein einziges Land, das vor vier Jahren demokratisch war, hat
seine Freiheit verloren.

Nicht eine einzige Guerilla-Bewegung ist an

die Macht gekommen seit 1979, als die Sandinisten an die Stelle von
Somoza traten - und dann ihre Versprechungen nicht gehalten haben,
freie Wahlen abzuhalten, eine blockfreie Außenpolitik anzustreben und
- 14 -

�anzustreben und eine offene Marktwirtschaft zu entwicken.

- Seit November 1980, als die Vereinigten Staaten das vorige Mal an die
Wahlurnen gingen, um einen Präsidenten zu wählen, haben unsere südlichen Nachbarn rund 150 Millionen Stimmen in 33 Wahlen und 24 Ländern abgegeben.

Das sind mehr Stimmen in mehr Wahlen und in mehr

Ländern als je zuvor in vier Jahren der Geschichte Lateinamerikas und
der Karibik.

Wir dürfen nicht zulassen, daü uns diese ermutigenden Zahlen in den
Kopf steigen.

Die Diktaturen wurden beseitigt, weil sie die ernsten

wirtschaftlichen und sozialen Probleme ihrer Länder nicht lösen konnten.
Demokratische Regierungen müssen, wenn sie überleben wollen, beweisen,
daü sie diese Probleme lösen können.

Ich sprach vorhin von den Maßnahmen, die wir ergreifen, um den Hauptschuldnerländern in Lateinamerika zu helfen, das wirtschaftliche Wachstum
wiederherzustellen.

Nach meiner Meinung ist es der vielleicht wichtigste

Beitrag, den wir zur Stärkung der neuen Demokratien Lateinamerikas leisten können, daß wir dieses Problem in einer Art und Weise anpacken, die
sensitive politische Auswirkungen in Rechnung stellt.

Zusammenfassung

Das sind also die Fragen, über die Sie etwas lesen werden, wenn Sie
in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren die Zeitung aufschlagen werden:

konventionelle Verteidigung und die Notwendigkeit der Anhebung der

nuklearen Schwelle;

wirtschaftliches Wachstum und die Notwendigkeit der

Durchführung von Reformen; Lösung regionaler Konflikte auf dem Verhandlungswege und Notwendigkeit der Unterstützung des Vormarsches der Demokratie auf der ganzen Welt.

All diese Fragen werden Forderungen an die amerikanischen Ressourcen
- 15 -

�amerikanischen Ressourcen und die amerikanische Entchlossenheit stellen.
Aber unsere Nation muß ihren Teil leisten.
Die Vereinigten Staaten tragen bereits am meisten zum Verteidigungshaushalt der NATO bei;

wir nehmen die Hälfte aller Fertigwaren auf, die

die Dritte Welt in die Industrieländer exportiert; wir allein versuchen,
Konflikte auf drei Kontinenten gleichzeitig zu lösen.
Verbesserte Verteidigung, wirtschaftliches Wachstum und die Beilegung
regionaler Konflikte werden den Vereinigten Staaten und ebenso unseren
Verbündeten nützen.

Wir sind bereit, diese neuen Aufgaben zu übernehmen

- und wir fordern unsererseits unsere Verbündeten auf, sie mit uns zusammen anzupacken.

# * * * *

- 16 -

�mERl

1DlElIt

SR

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

24. Oktober 1984

43

US-STUDIE ÜBER MANAGEMENT DER UNESCO
- Erklärung der amerikanischen UNESCO-Botschafterin -

PARIS - (AD) - Die amerikanische Botschafter.!n bei. der UNESCO, Jean
Gerard, wins in einer Erklärung am 17. Oktober 198^ die Behauptung des
ExekutIvausschusses der UNESCO zurück, wonach eine Studie der Bucbprüfungsabteilung des amerikanischen Kongresses für ihn keine Bedeutung habe.

Sie betonte, daß es angesichts "der Aussicht auf einen Austritt der

Vereinigten Staaten von Amerika aus der UNESCO5' sehr wohl von Bedeutung
sei, daß sich die UNESCO mir. den amerikanischen Vorstellungen vertraut
mache.

Die Erklärung der UNESCO-Botschafterin, in der auch ein Resolutionsentwurf enthalten ist, hat folgenden Wortlaut:

Wie die Mitglieder wissen, wird mein Land am Ende dieses Jahres seinen Austritt vollziehen, falls nicht umfassende Reformen durchgeführt,
werden.

Unsere Probleme mit vielen der Programme der UNESCO haben zu un-

serem Austrittsentschluß beigetragen.

In der Vergangenheit haben wir un-

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Telex: 8-85432

�wir unsere Bedenken hinsichtlich einer Vielzahl von Programmen ausführlich dargelegt, und es gibt keinen Grund, unsere Diagnose bei dieser Gelegenheit zu wiederholen.
Die meisten der Programme sind gekennzeichnet von einer übermäßigen
Politisierung, wobei periphere und unwesentliche Programme die Energien
der UNESCO von Bereichen abziehen, wo Kooperation möglich ist, und auf
Bereiche lenken, in denen der Konflikt unvermeidlich ist.
Zudem konzentrieren sich die Programme nicht auf das Wesentliche und
verstreuen unsere begrenzten Mittel.

Viele der Programme verschwenden

die Mittel der Organisation und lenken ihre Aktivität in Bereiche, in denen ihr wirkliche Sachkompetenz fehlt. Außerdem greifen viele der UNESCOProgramme in die legitimen Arbeitsbereiche anderer spezialisierter Behörden, ja sogar der Vereinten Nationen, selbst ein.

Daher wiederhole ich

die Aufforderung meines Landes, wonach sich alle UNESCO-Programme auf die
Kernbereiche konzentrieren sollten, wo wenigstens im groüen und ganzen
allgemeine Übereinstimmung herrscht.
Ich glaube nicht, daß es sich lohnt, auf diese Fragen noch weiter
einzugehen. Es gibt jedoch noch einen Punkt, der, wie ich meine, von
entscheidender Bedeutung ist. Auf die Anregung eines Mitglieds der Demokratischen Partei hin, hat die Buchprüfungsabteilung des amerikanischen
Kongresses kürzlich in voller Übereinstimmung mit dem Generaldirektor eine umfassende Überprüfung des Managements sowie der Haushalts- und Personalpolitik dieser Organisation fertiggestellt.
Ich akzeptiere die Tatsache, daß die Mitglieder des Exekutivausschusses nicht in der Lage sind, diese Überprüfung auf unserem heutigen Treffen zu diskutieren.

Wir hatten noch nicht die Zeit, den Bericht sorgfäl-

tig zu studieren, und wir kennen bislang noch nicht die Reaktion des Generaldirektors darauf.

Gleichzeitig wehre ich mich jedoch entschieden

gegen die Behauptung, dieses Dokument habe für den Exekutivausschuß keine
Bedeutung, da es das Produkt einer behördlichen Stelle eines Mitgliedstaates sei.
In

der

�In der Tat finde ich diese Ansicht - und ich will dies in aller Deutlichkeit sagen - äußerst anstößig, da es sich hier in jeder Hinsicht um
die sorgfältigste Analyse des Managements der UNESCO handelt, die je
durchgeführt wurde.

Sie wurde von einer Institution durchgeführt, die

für ihre genaue und unvoreingenommene Arbeit bekannt ist.

Sie wird von

einem Land vorgelegt, das dabei ist, die UNESCO zu verlassen, sollte es
nicht in allernächster Zeit zu grundlegenden Änderungen kommen.
Zu behaupten, eine solche Überprüfung sei für diesen Exekutivausschuß
nicht eine Frage von entscheidender Bedeutung, ist, wie ich betonen möchte, leichtfertig und unverantwortlich. Wenn die Analyse in ihren Kernaussagen zutrifft, so ist sie von größter Bedeutung. Ist die Analyse
falsch, so sollten ihre Fehler unverzüglich offengelegt werden. Wie dem
auch sei, es ist von entscheidender Bedeutung, daß sie in diesem Forum
diskutiert wird.
Ich lege aus diesem Grund den folgenden Resolutionsentwurf vor:
"Angesichts der Tatsache, daß
erstens der Exekutivausschuß vom Generaldirektor von dessen Entscheidung informiert wurde, wonach dieser einer Überprüfung des Managements
und der Haushalts- und Personalpolitik der UNESCO durch die Buchprüfungsabteilung des amerikanischen Kongresses zugestimmt hat,
zweitens der Exekutivausschuß Kopien der hieraus entstandenen Überprüfung der Buchprüfungsabteilung erhielt,
drittens der Generaldirektor entschied, auf die Vorlage der Buchprüfungsabteilung zu reagieren und bis zum 17. Oktober ihren Uberprüfungsentwurf zu kommentieren,
viertens der Bericht der Buchprüfungsabteilung die gründlichste Überprüfung des Managements und anderer Verwaltungspraktiken der UNESCO dar-

�UNESCO darstellt, die es bislang gab,
fünftens der Bericht einen wesentlichen Beitrag zur Debatte über die
Reform dieser Organisation darstellt,
beschließt der Exekutivausschuß:
Erstens, es gehört zu den Verantwortlichkeiten des Exekutivausschusses, die Überprüfung der Buchprüfungsabteilung sowie den Kommentar des
Generaldirektors genau zu untersuchen und zu diskutieren.
Zweitens, es ist angesichts der Aussicht auf einen Austritt der Vereinigten Staaten von Amerika absolut notwendig, diese Überprüfung und
Diskussion sofort durchzuführen, nachdem die Mitgliedstaaten die Möglichkeit hatten, diese Analyse sowie die Erwiderung darauf zu studieren.
Drittens, diese Überprüfung und Diskussion soll die notwendige Gelegenheit bieten, Themenbereiche wie Programmbewertung, Arbeit der externen
Buchprüfer, Errichtung einer Gruppe von Finanzexperten, Überprüfung der
Personalpolitik etc. gründlich zu durchdenken.
Viertens, in Einklang mit Regel 3 der Verfahrensregeln wird der Exekutivausschuü zu diesem Zweck vom 8. November bis zum 12. November 19ö4
zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Ich ersuche außerdem darum, daß
die Abstimmung über diese Resolution protokolliert wird.

* * * * *

- 4-

�Hintergrundmateriell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

24. Oktober 1984

43

ÜBERBLICK ÜBER DIE AMERIKANISCHE RÜSTUNG5K0NTR0LLP0LITIK
- Neue Broschüren des OS-Außenministeriums -

Washington -(AD)- Das amerikanische Außenministerium veröffentlichte
im Oktober dieses Jahres eine überarbeitete Neuauflage der Broschüre "Sicherheit und Rüstungskontrolle: Die Suche nach einem stabileren Frieden"
sowie eine 34seitige Kurzfassung unter dem Titel "Überblick über die amerikanische Rüstungskontrollpolitik". Die letztere Publikation enthält eine zusammenfassende Kurzdarstellung der amerikanischen Ziele und Ansätze,
deren Wortlaut wir im folgenden wiedergeben:

Die Vereinigten Staaten stehen heute vor der Aufgabe, einerseits ihre
eigene Freiheit sowie die ihrer Verbündeten zu sichern, andererseits aber
die Sowjetunion dazu zu bewegen, sich an Bemühungen zur Verminderung der
Kriegsgefahr zu beteiligen. Diese Aufgabe ergab sich mit dem Anbruch des
Atomzeitalters, als sich die Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg in die Rolle der Führungsmacht der demokratischen Nationen des Westens versetzt fanden. Nach 1945 konnten sich die Vereinigten Staaten
nicht mehr von der Weltpolitik fernhalten. Da verschiedene Staaten nun
über die Mittel verfügten, sich gegenseitig in einem Ausmaß mit Verwü-

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Telex: 8-85432

�mit Verwüstung zu überziehen, das vorher undenkbar erschien, war eine
solche Selbstisolation nicht länger möglich.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben sich die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten gezwungen gesehen, auf eine Reihe von Bedrohungen ihrer Sicherheit zu reagieren. Obwohl sich die Sowjetunion in der
Nacnkriegszeit wiederholter Gewaltakte schuldig machte - sie reichten von
der Besetzung und Unterdrückung Osteuropas bis hin zum Einmarsch in Afghanistan -, konnte ein direkter Zusammenstoß zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion ebenso vermieden werden, wie ein Einsatz von
Kernwaffen.

Während dieses ganzen Zeitraumes haben wir jede Gelegenheit zur Verminderung der sich aus der Existenz von Kernwaffen ergebenden Gefahr
wahrgenommen, im Jahre 1946 legten die Vereinigten Staaten den BaruchPlan vor, der eine Beseitigung aller Kernwaffen und eine Unterwerfung der
Nutzung der Atomenergie unter internationale Kontrolle vorsah. Dieser
Plan wurde von der Sowjetunion ebenso zurückgewiesen, wie der Vorschlag
Präsident Eisenhowers für einen "offenen Himmel" aus dem Jahre 19i&gt;i&gt;, der
besagte, daß die Vereinigten Staaten wie die UdSSR der jeweiligen Gegenseite Aufklärungsflüge über dem eigenen Hoheitsgebiet gestatten sollten.
Dennoch ist der Dialog nicht abgerissen, nicht einmal in Spannungszeiten
oder während der Führungswechsel auf beiden Seiten. Während der letzten
25 Jahre sind alle amerikanischen Präsidenten dem von Truman und Eisenhower eingeschlagenen Weg zur Verminderung der Kriegsgefahr gefolgt.

Die Rüstungskontrolle bildet einen wichtigen Bestandteil der Bemühungen zur Erhöhung der Sicherheit und zur Erhaltung des Friedens. Wir meinen, Ziel der Rüstungskontrolle sollte es sein, das militärische Gleichgewicht auf dem niedrigstmöglichen Niveau zu stabilisieren, beiderseitiges Vertrauen zu schaffen und die Gebiete der Zusammenarbeit zwischen den
Supermächten zu erweitern.

Es gibt Skeptiker, die den Wert des Rüstungskontrollprozesses in Frage stellen. Eines ihrer Argumente lautet: "Wenn wir uns schon nicht darauf verlassen können, daü die Sowjets Abkommen auch einhalten, warum ma- 2 -

�warum machen wir uns dann überhaupt, die Mühe, mit ihnen zu verhandeln V"
Andere werfen die Frage auf, ob unsere Ziele einer starken Verteidigung
einerseits und funktionsfähiger Rüstungskontrollabkommen andererseits eigentlich miteinander zu vereinbaren sind.

Unser entschiedenes Ja zur Rüstungskontrolle beruht auf der Überzeugung, daß die Vermeidung eines Atomkriegs und das Überleben der Menschheit im gemeinsamen Interesse der Vereinigten Staaten wie der Sowjetunion
liegt. Eine verantwortungsbewußte nationale Sicherheitspolitik muß sowohl
eine starke Abschreckung als auch ein aktives Bemühen um Rüstungskontrolle umfassen. Wir können es uns nicht erlauben, einen dieser beiden Aspekt
zu vernachlässigen. Angesichts der unbedingten Notwendigkeit einer wirksamen Rüstungskontrolle, derer sich beide Seiten bewußt sein sollten,
müßten wir, wie wir meinen, eigentlich im Stande sein, schließlich doch
zu Übereinkünften mit den Sowjets zu kommen, die möglichen Vertragsverletzungen einen wirksamen Riegel vorschieben,
Bestrebungen zur Rüstungskontrolle gibt es natürlich nicht erst seit
Anbruch des Atomzeitalters. Im Verlaufe der Geschichte hat es zahlreiche
Versuche gegeben, die Rüstung Beschränkunaen zu unterwerfen. Diese Versuche waren stefs von dem Bestreben geleitet, die vorhandenen Ressourcen
produktiveren Verwendungszwecken zuzuführen und die Welt ungeachtet aller
politischen Rivalitäten sicherer zu machen. Vor dem Ersten Weltkrieg verhandelten Großbritannien und Deutschland über Möglichkeiten der Begrenzung der Flottenbauprogramme. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen
gab es ebenfalls Verhandlungen über eine Begrenzung des Baus von Kriegsschiffen, die u.a. zu einem umfassenden Abrüstungsabkommen im Bereich der
Seestreitkräfte führten, das im Jahre 1922 in Washington, D.G. unterzeichnet wurde. Der Kellogg-Briand-Pa^t aus dem Jahre 192ö stellte sogar
einen Versuch dar. den Krieg selbst als ein Mittel der Politik zu ächten.

All diese Bemühungen haben den nächsten Krieg nicht verhindern können. Daraus läßt sich eine Lehre ziehen: Rüstungskontrollbemühungen finden nicht im luftleeren Raum statt. Rüstungskontrolle bietet keine Lösung
der Konflikte, die den Rüstungswettlauf zunächst in Gang setzen« Für sich
genommen kann sie keine Sicherheit schaffen oder den Ausbruch von Kriegen
- 3 -

�von Kriegen verhindern, l-aire und verifizierbare Rüstungskontrollabkommen
können zwar zum Abbau von Spannungen beitragen, aber die politischen Beziehungen zwischen den Supermächten müssen dabei grundsätzlich von Stabilität gekennzeichnet sein.

Rüstungskontrollverhandlungen

zwischen den Vereinigten Staaten und

der Sowjetunion waren immer schwierig und mühsam. Die Vorstellungen der
Sowjets von den militärischen Machtmitteln, ohne die sie meinen, nicht
auskommen zu können, sowie ihre Abneigung gegen wirksame Verifikationsmaßnahmen haben Übereinkünften oft im Wege gestanden.

Unsere Bemühungen um Rüstungskontrolle waren oft sehr zeitaufwendig.
Der Begrenzte Teststopvertrag von 1963 stand am Ende von acht Jahren des
Verhandeins und der Gespräche. Um den Vertray über die Nichtweiterverbreitung Kernwaffen (Nonproliferationsvertrag) von i960 auszuhandeln, waren vier Jahre nötig. Bis das SALT-I-Abkommen über die Begrenzung strategischer Waffen im Jahre 1972 abgeschlossen werden konnte, mußte drei Jahre lang verhandelt werden, und die Verhandlungen über den SALT-II-Vertrag
dauerten fast sieben Jahre.

Zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion bestehen Unterschiede in der geschichtlichen Erfahrung, den geographischen Gegebenheiten, der strategischen Doktrin, den Bündnisverpflichtungen und den militärischen Teilgebieten, auf denen sie jeweils im Vorteil sind. All dies
kompliziert die Aufgabe, einen Kompromiß zu entwickeln, ganz ungemein.
Den Sowjets verschafften lange Zeit ihre größeren und leistungsfähigeren
Interkontinentalraketen (ICBMs) einen Vorteil, während die Vereinigten
Staaten sich ihre technologische Überlegenheit zu Nutze machten, indem
sie mit Raketen bestückte Unterseeboote, kleinere Gefechtsköpfe und ein
stärker

diversifiziertes

Abschreckungspotential

entwickelten.

Es

ist

schwierig, für unterschiedlich strukturierte Streitkräfte Gleichgewicht
zu definieren. Weiter kompliziert wird das Problem durch andere Faktoren,
wie z.B. den Umfang der Luftverteidigung und des zivilen Bevölkerungsschutzes sowie die "Härtung" von Raketensilos und Befehls- und Kommandoeinrichtungen

-

durch Faktoren

mithin,

hinsichtlich

derer

sich die

Streitkräfte beider Seiten ebenfalls unterscheiden.
Ein weiteres

�Ein weiteres Erschwernis für die Aufgabe der Rüstungskontrolle beruht
in der fortdauernden technologischen Revolution. Im Verlaufe der letzten
Jahrzehnte sind viele unserer strategischen Prämissen vom raschen technologischen Wandel überholt worden. Im Bereich der Rüstungskontrolle gibt
es daher weder rasche Patentlösungen noch Dauerlösungen.

Beispielsweise waren zahlenmäßige Höchstgrenzen für Abschußeinrichtungen für Interkontinentalraketen solange äußerst sinnvoll, wie Raketen
mit einem einzigen Gefechtskopf das übliche waren. Da es heute aber
schwere Interkontinentalraketen gibt, von denen jede einzelne eine große
Anzahl höchst treffsicherer Gefechtsköpfe tragen kann, reicht eine zahlenmäßige Begrenzung von Raketen oder Abschußeinrichtungen für sich genommen nicht mehr aus. Im Sinne der strategischen Stabilität wäre eine
erhebliche Verminderung der Zahl der Gefechtsköpfe und ein Abrücken der
Sowjets vom Konzept der schweren Interkontinentalraketen notwendig.

Die Reagan-Administration hat vier Grundziele ihrer Rüstungskontrollpolitik unterstrichen:
Rüstungsverminderung:

Mögliche

Abkommen

sollten

die

militärischen

Machtmittel der Supermächte begrenzen, indem sie sie zu einer erheblichen
Verminderung ihrer Waffen und Streitkräfte veranlassen. Abkommen sollten
sich nicht damit begnügen, die Rüstung nur auf dem erreichten Stand einzufrieren, noch dürfen sie, wie dies bei den meisten früheren Abkommen
der Fall war, sogar ein weiteres Anwachsen zulassen.

Stabilität:

Rüstungskontrollmaßnahmen

müssen

die

Krisenstabilität

wirksam verbessern, d.h., nach Rüstungsverminderungen sollte das Vergeltungspotential beider Seiten sicher genug sein, um einen Erstschlag der
Gegenseite zu überstehen. Wenn dies gewährleistet wäre, würde im Bewußtsein der mit Gewißheit zu erwartenden Vergeltung keine Seite eine Neigung
zum Erstschlag verspüren.

Gleichgewicht: Am Ende von Rüstungsverminderungen sollten gleich hohe
Rüstungsniveaus auf beiden Seiten stehen. Ein Abkommen, das ein Ungleichgewicht der Kräfte bestehen ließe, würde Instabilität erzeugen und könnte
- 5 -

�und könnte die Kriegsgefahr erhöhen.

Verifizierung: Schließlich müssen Rüstungskontrollabkommen nach unserer Auffassung Maßnahmen beinhalten, durch die

sichergestellt

werden

kann, daß beide Seiten ihren Verpflichtungen nachkommen. Die Erfahrung
lehrt, daß nicht verifizierbare Abkommen die Friedensaussichten nicht
verbessern, sondern vielmehr Spannungen und Mißtrauen erzeugen. Die Liste
der nachweisbaren oder wahrscheinlichen Vertragsverletzungen durch die
Sowjets unterstreicht die Bedeutung wirksamer Verifizierungsmaßnahmen.

Die Vereinigten Staaten arbeiten auch weiterhin auf eine Verringerung
der Kriegsgefahr und auf eine gleichzeitige Stärkung des internationalen
Vertrauens und der Sicherheit hin, wobei ihnen die genannten Grundsätze
als Leitlinien dienen. Im Bereich von acht zentralen Rüstungskontrollkomplexen haben die Vereinigten Staaten umfassende Vorschläge entwickelt,
die darauf abzielen, das Rüstungsniveau zu senken, ein stabileres militärisches Kräftegleichgewicht auf niedrigeren Rüstungsniveaus zu schaffen
und den Weltfrieden sicherer zu machen.

Verhandlungen und amerikanische Initiativen
- START (USA - UdSSR): Revision der amerikanischen Position im Juni und
Oktober 1983
- INF (USA - UdSSR): Revision der Position der Vereinigten Staaten und
der NATO im März, September und November 1983
- MBFR (NATO - Warschauer Pakt): Revision der Position der Vereinigten
Staaten und der NATO im April 1984
-Europäische Abrüstungskonferenz (Europa, USA und UdSSR): Im Januar
1984 eröffnet
- Abrüstungskonferenz in
Waffen im April 1984

uenf:

Vorschlag

eines

Verbots

chemischer

- Verbesserung der Fernmeldeverbindungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion: Abkommen über die Modernisierung des
Heißen Drahts im Juli 1984

* * * * *

- 6-

�m.

43

Oktober iyö4

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- 3. Uuartai l^Öa -

8. Juli

Wie ein Sprecher der Jamiat-i-islami (islamische Gesellschaft Afghanistans), einer c'er bedeutendsten Bündnisorganisationen des Widerstands,
mitteilte, hatte Ahmad Shah Massoud, der Kommandeur der Mujahedin im
strategisch wichtigen Panjsher-Tal, kurz zuvor angegeben, dab sich lediglich ein Teilabschnitt von J&gt;0 Kilometern im Rubersten Südwesten des
110 Kilometer langen Tals in der Hand der Sowjets und der afghanischen
Regierungstruppen befinde. Wie Ayence France Presse melüete, teilte der
Sprecher im Hauptquartier der Widerstandsbewegung im pakistanischen Peshawar mit, dab man einen vom z6. Juni datierten Brief Massuuds eiiiditen
habe, in dem er schrieb, dab der Feind Ende Juni schwere Verluste erlitten habe und dab auch ein Dutzend Mujanedin gefallen sei. Die siebente
und bislang gröbte sowjetische Offensive zur Unterwerfung des PanjsherTals hatte am l l . April begonnen.

10. Juli

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�1U. Juli

Am zy. Juni und in den darauf folgenden lagen kamen bei Vergeltuugsbombardements der sowjetischen Luftwaffe auf die Vororte der im Süden Afghanistans gelegenen Stadt Kandahar rund AJU Zivilisten ums Leuen. Wie
westliche Diplomaten in Neu Delhi und Islamabad zu berichten wußten, kam
es zu den Bombenangriffen, nachdem die Mujahedin Militärpostei i der Sowjets und der Regierungstruppen in der zweitgrößten Stadt des Landes angegriffer hatten.

'

13. Juli

Der sowjetische Partei- und Regierungschef

Konstantin

Tschernenko

teilts UN-Generalsekretär Javier Peraz de Cuellar während eines Besuches
in Moskau mit, da.3 die Bedingungen, unter denen die UdSSR zu einer politischen Lösung des Afghanistan-Konflikts bereit sei, sich nicht geändert
hätten, obgleich er die Vermittlungsdemühungen des UN-Vertreters unterstütze. Dies gab ein sowjetischer Sprecher bekannt. Perez de buellar
schloß seine dreitägigen bespräche mit sowjetischen Regierungsvertretern
ab, mit denen er eine Wiederaufnahme der benfer Verhandlungen im August
erörtert hatte. Schon zuvor hatten in üenf besprächsrunden zwischen Vertretern Pakistans und des Kabuler Regimes über eine politische Lösung des
Afghanistan-Konflikts stattgefunden.

17. Juli
Im gemeinsamen Abschiußkommunique der 33. Ratstagung der Staaten des
ANZUS-Paktes, dem Australien, Neuseeland und die Vereinigten Staaten angehören, forderten die Außenminister dieser Länder in Wellington den Abzug der sowjetischen Besatzungstruppen aus Afghanistan, In der Stellungnahme der Minister zu weltpolitischen wie regionalen Lntwickiungen hieb
es: "Die Mitglieder des Rates bekräftigten ihre Verurteilung der andauernden sowjetischen Besetzung Afghanistans ... Die Mitglieder des Rates
forderten die Sowjetunion auf, ihre Streitkräfte gemäß den wiederholten
Entschließungen der Vereinten Nationen abzuziehen."
24. Juli

�24. Juli

Wie westliche Diplomaten in Islamabad mitteilten, eröffneten sowjetische Verbände und Truppen des Kabuler Regimes nach heftigen Bombenangriffen, die in der vergangenen Woche "schwere Verluste" unter der Zivilüevölkerung forderten, eine neue Offensive im Logar-Tal südlich der Hauptstadt Afghanistans. Das Tal dient den Mujahedin als Ausgangsbasis für Angriffe auf Kabul und auf die Versorgungslinien zwischen Kabul und uardez
und den südöstlichen Grenzprovinzen Pakita und Paktika, von wo intensive
militärische Bewegungen gemeldet wurden. Wie die Diplomaten weiter angaben, war das Shomali-Gebiet nördlich von Kabul, eine andere Hocnburg des
Widerstands, schwerem Artilleriebeschuß ausgesetzt.

2b. Juli
Vor dem in Peshawar gelegenen Hauptquartier der Hezb-i-islami (islamische Partei), einer fundamentalistischen Widerstandsgruppe unter der
Führung von Gulbuddin Hekmetyar, explodierte ein mit Sprengstoff beiadenes Fahrzeug und tötete vier Personen. Die Partei veröffentlichte anschließend eine Erklärung, in der das Attentat dem sowjetischen KGB angelastet wurde. Eine zweite Bombe explodierte in dem von Flüchtlingen bewohnten Grenzort Saddam^ auch hier kamen vier Menschen ums Leben. Vertreter der pakistanischen Behörden in Peshawar, einem Sammelbecken von Widerstandsorganisationen und Flüchtlingen aus Afghanistan, mutmaioten, dau
die Bombenanschläge das Werk einer rivalisierenden afghanischen Gruppe
gewesen sein könnten.

30. Juli

Wie Rustam Shah Mohmand, der Regierungskommissar für Flüchtlingsfragen in der nordwestlicnen Grenzprovinz Pakistans, mitteilte, hatten die
pakistanischen Behörden angeordnet, daß alle afghanischen Widerstandsbewegungen Peshawar bis zum 31. August zu verlassen hätten. Er sagte, die
Stadt sei derart mit Flüchtlingen üuerfülit, daß sicn ihre iou üuu pakistanischen Einwohner unsicher zu fühlen begännen. In den Lagern in den
westlichen Grenzprovinzen Pakistans leben schätzungsweise zwei bis drei

�bis drei Millionen afghanische Flüchtlinge.

31. Juli
i

Nach Mitteilung westlicher diplomatischer Quellen in Islamabad führten die sowjetischen Streitkräfte und die afghanischen Regierungstruppen
ihre vor zwei Wochen begonnenen uroidoffensiven im Shomali-uebiet nördlich
von Kabul und im Logar-Tal im Süden fort, in einem der Berichte hieu es,
dab im Shomali-uebiet ganze Dörfer von sowjetischer Artillerie und Luftstreitkräften zerstört worden seien und dab an den Operationen Hunderte
von Panzern und gepanzerten Mannschaftstransportwagen beteiligt seien, im
Nordwesten Afghanistans forderten Luftangriffe nördlich und westlich von
Herat Hunderte von Opfern unter der Zivilbevölkerung

und

veranlagten

zahlreiche Menschen zur Flucht in den Iran.

7. August

Wie westliche Diplomaten in Islamabad und Neu Delni berichteten, war
das Shomali-Gebiet nördlich von Kabul bereits drei Wochen hintereinander
sowjetischen Angriffen aus der i-uft unu am Boden ausgesetzt, in den Städten Istalaf, Guldara und Snakardara kamen dabei zuü - iou Zivilisten ums
Leben. Den Diplomaten zufolge töteten die Mujanedin im Panjsher-Tai oei
nächtlichen Angriffen in den letzten zehn Tagen schätzungsweise 16U Soldaten der kommunistischen Truppen.

10. August
Die MenschenrechtsKommission der Vereinten Nationen in üenf kündigte
an, dau man einen Sonderberichterstatter ernennen werde, der im Rahmen
der ersten derartigen Studie unter einem Mandat der Vereinten Nationen
die an der afghanischen Bevölkerung begangenen Menschenrechtsverletzungen
untersuchen solle, derer die Sowjets und die afghanische Regierung beschuldigt werden. Ernannt wurde Professor Felix Ermacora von der Universität Wien. Der Rat der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Soziales
billigte eine von der Kommission am 15. März voryelegte Entschließung.
!•&gt;. August

- 4-

�1.5. August

Hadic

Karatschi

meldete,

daid

drei Flugzeuge des Kauuler Regimes

ZU Kilometer tief in die nordwestliche Grenzprovinz Pakistans eingedrungen seien und ein Dorf in der Haue von Paracninar bombardiert hätten. Line Frau wurde getötet, fünf Menschen wurden verletzt und elf Wohnhäuser
wurden zerstört oder beschädigt. In einer offiziellen Protestnote des pakistanischen Auuenministerium, die dem Geschäftsträger des Kabuler Regimes in islamaoad übergeben wurde, hieio es, der Vorfall werde den Afghanistan-Gesprächen, die unter der Schirmherrscnaft der Vereinten Nationen im
gleichen Monat in Genf eröffnet werden würden, nicht förderlich sein.

14. August

Nach Berichten aus westlichen diplomatischen Wueilen in Neu Ueihi eröffneten sowjetische Verbände una afghanische Reyierungstruppen am 7. August gruks angeleyte Operationen, deren Ziel es war, uelagerte Miiitärposten in den im Südwesten gelegenen und an Pakistan angrenzenden Provinzen
Paktia und Paktika zu entsetzen. Menrere Kunvois bewegten sich von Kabul
nach Süden in die Provinz Logar, um die lebenswichtige Versurgungsstrabe
von der Hauptstadt nach Gardez in PaKita und darüber ninaus zu sichern.
Wie aus Gen besagten Wuellen weiter verlautete, yriffen die Mujahedin die
Konvois an und bracnten dem Gegner Verluste in Höhe von mehr als ZUU Mann
bei.

14. - 2z. August

Pakistan nahm die wiederholten Luftangriffe und Artillenebombardements über die Grenze hinweg, bei denen im Gebiet von Paracninar bi afghanische Flüchtlinge und Pakistanis getötet unu u

verwundet worden wa-

ren, zum AnlaB für eine Reihe von Protesten an die Adresse des Kabuler
Regimes. Die Anyriffe hatten sich auf das Städtchen leri Manyal konzentriert, das an einer der Hauptrouten liegt, die von den nach Afghanistan
einsickernden Mujahedin benutzt werden, uas Auuenministenum des Kauuler
Regimes reagierte am zz. August auf die pakistanischen Proteste mit einer
Note, in der es hieu. "Die zuständigen Behörden der URA iDemokratiscne
- b -

�DRA (DemokratischJ Republik Afghanistan) erklären hiermit, dau pakistanisches Hoheitsgebiet weder in der Luft noch am Boden verletzt worden ist.
Sie betrachten die pakistanischen Behauptungen als Lügen unü weisen sie
kategorisch zurück."

Ü4. August

im dritten Jahr hintereinander wurden in Genf unter der Scmrmherrschaft der Vereinten Nationen Gespräche über eine politische Lösung für
Afghanistan

wiedereröffnet. Der

Beigeordnete

UN-Generalsekretär

Diego

Cordovez konferierte mit dem pakistanischen Außenminister Sahabzaaa Yaqub
Khan und seinem afghanischen Amtskollegen Mohammed Dost. Der Iran verweigerte wiederum die Teilnahme, sollte aber über den Fortgang der Gespräche
auf dem Laufenden gehalten werden. Diese dritte Runde der indirekten Gespräche fand erstmals auf der Grundlage "räumlicher Nähe" statt, d.h.,
Cordovez führte getrennte Gespräche mit den beiden Parteien, die in aneinander angrenzenden Sälen des Palasts der Nationen untergebracht waren.
Die Aussichten für wesentliche Fortschritte wurden von politischen Beouachtern skeptisch beurteilt.
2ö. August
in Berichten aus Islamabad wurden westliche Diplomaten dahingehend
zitiert, daio nach ihren Informationen die sowjetischen Streitkräfte in
der Ustprovinz Paktia, die an Pakistan anyrenzt, um 1/ UUU Mann oder mehr
verstärkt worden seien, tin Teiiabschnitt der Grenze in der Näne des pakistanischen Ortes Parachinar, durch den eine der Hauptrouten führt, die
von den nach Afgnanistan einsickernden Mujahedin benutzt werden, war in
diesem Monat wiederholten Bombardements durch Luftstreitkräfte und Artillerie der Sowjets und des Kabuler Regimes ausgesetzt.
3u. August

Nach Presseberichten aus Genf endete die dritte Runde der unter der
Schirmherrschaft

der Vereinten Nationen stehenden Gespräche über eine

Lösung des Afghanistan-Konflikts ohne greifbare Hinweise auf Fortschrit- 6 -

�auf Fortschritte. Weder die Vertreter PaKistans noch uie der UHM gaben
Erklärungen ab. Diego Lordovez, der die Gespräche in seiner Ligenschaft
als persönlicher Bevollmächtigter des UN-Generalsekretärs geleitet hatte,
äuuerte auf einer Pressekonferenz am 31. August, dau man "fortwährend
Fortschritte erzielt" habe und dau beide Parteien ihm mitgeteilt hätten,
dau sie mit den Ergebnissen "sehr zufrieden" seien. Lordovez sagte, dau
die Gespiäcne, die möglicherweise im Februar nächsten Jahres wiederaufgenommen werden sollen, sich im wesentlichen um technische Fragen bewegt
hätten, insbesondere um den "Status und die Formulierung" von Texten, die
schließlich als Instrumente der Ausführung von in bestimmten Gegenstandsbereichen erzielton Übereinkünften dienen sollten.

A, September

Westliche Diplomaten in Islamabad lieben verlauten, dau am J&gt;1. August
auf dem internationalen Flughafen von Kabul inmitten einer Menschennenge,
die auf einen Flug der sowjetischen Luftverkehrsgesellschaft

Aeruflot

nach Moskau und Taschkent wartete, eine Sprengladung explodiert sei, wobei Zu Menschen getötet und mehrere Hundert verletzt worden seien. Man
ging davon aus, dau die Bombe von den Mujahedin gelegt worden sei. Die
Diplomaten berichteten weiterhin, dau afghanische WiderstanüSKämpfer einen sowjetischen Voiposten südlich des Saiany-Tunnels, durch den die
HauptferrstraUe nach der Sowjetunion fünrt, angegriffen und bis zu Hundert Soldaten getötet hätten.

13. September

Abdul Halim Mutawakil, der steilvertretende Kommandeur der Mujanedin
in der Provinz Wardak, äuberte vor Publikum in Washington, dau in Afghanistan "im kommenden Winter und Frühjahr eine Hungersnot droht," weil die
Zerstörung von Dörfern und landwirtschaftlichen Anbaugebieten durch die
Sowjets umfassend und unausgesetzt vuranscnreite. in diesem Zusammenhang
ist erwähnenswert, daU Ärzte und Journalisten aus dem Westen, die in diesem Jahr Afgnanistan besucht oder Flüchtlingslager in Pakistan besichtigt
haben, vom vermehrten Auftreten von durch Unterernährung bedingten Krankheiten berichteten. Mutawakil war übrigens in die Vereinigten Staaten ge- 7 -

�Staaten gereist, um um "dringend benötiyte" Lieferungen von Lebensmitteln, Medikamenten und Waffen nachzusuchen.
14. September
Nach Auskunft des pakistanischen Auidenministeriums warfen Fiuyzeuye
aus Afghanistan acht Bomben auf Satra Shikra in Nordwaziristan ab, woraufhin Pakistan in Kabul protestierte. Angeulich waren keine Verluste zu
beklagen. Der Bombenangriff stellte die zehnte Verletzung des pakistanischen Huneitsgebiets oder Luftraums seit dem Vorfall vom i&gt;, Muyust in
der nordwestlichen Grenzprovinz dar.
17. September
Das Afghanische informations- und Dokumentationszentrum, eine Agentur
des Widerstands in Peshawar, berichtete, dab zwei ehemalige Generäle der
afghaniscnen Armee, drei Beamte des Aubenministeriums und ein Beamter der
Abteilung für Kunstdünger übergelaufen seien.
18. September
Aus Protest gegen die Bombardierung afghanischer Städte und Dörfer
durch die Sowjets kehrte die dreiköpfige Belegschaft des Büros der afghanischen Luftverkehrsgesellschaft Ariana Airlines in Neu uelhi dem
Kabuler Regime den Rücken. Aus westlichen diplomatischen Wuellen in Neu
Delhi verlautete, dab Anfang dieses Monats im Verlaufe eines fehlgeschlagenen sowjetischen Kommandounternehmens, dessen Ziel die Gefangennahme
von Ahmad Shah Massoud, dem Kommandeur der Widerstandskämpfer im Panjsher-Tal, war, in der Nordosthälfte des Tals ZUO - 3UU Mujahedin gefallen
seien.
19. September
Wie Radio Kabul meldete, gab Babrak Karmal, der ühef des Kabuler Regimes, einen kürzlich gefällten Entschlub des Politbüros bekannt, wonach
"entschiedene und sofortige Maidnahmen zur Gewährleistung eines wirksamen
- 8 -

�eines wirksamen bchutzes und der Verteidigung" der brennen zu Pakistan
und dem Iran "yegen bewaffnete Mygression" yetroffen werden sullen. in
einer Rede vor einer Plenarsitzung des ZentraiKomitees der Kommunistischen Partei Afghanistans sagte Karmai weiterhin, dau in einer Reihe von
Gebieten "grobe Banditenbanden" zerschlagen worden seien, in einem Bericht über Karmals Rede fügte die Prawda hinzu, daü im Verlaufe der Frühjahrs- und Sommeroffensiven 23 uuü "ReDellen" getötet und 2 uuu gefangengenommen worden seien.

22. September

Das Kabuler Regime protestierte beim iranischen beschäftsträger gegen
eine kürzlich von iranischen Grenzwachen begangene "Aggression" sowie gegen "frühere Aggressionen". Angeblich wurden dabei zwei Soldaten des Regimes getötet und sechs weitere gefangengenommen, Ein Regierungssprecher
in Islamabad gab bekannt, daio ein Pilot der afghanischen Luftwaffe mit
einer Transportmaschine nach Pakistan geflogen sei und dort um politisches Asyl gebeten nabe. in Presseberichten hieu es, daio vier weitere Offiziere, die sich an Bord der Maschine befunden hätten, ebenfalls um Asyl
gebeten hätten.

25. September

Nach Angaben westlicher Diplomaten in Neu Delhi beschossen Mujaheoin
im Panjsher-Tal bei Bazarak in der vergangenen Woche einen sowjetischen
Hubschrauberlandeplatz und griffen Stellungen der Regierungstruppen bei
Anawa und Khenj an. Die Diplomaten sagten ferner, es lägen erneut Berichte über den Linsatz von chemischen Waffen durch sowjetische Truppen in
dem Tal vor. Am Ende des Sommers konnte man Presseberichten, die auf Analysen von diplomatischen Experten und von Journalisten sowie auf Meldungen der Mujahedir. beruhten, entnehmen, dab es den Sowjets entgegen früheren Behauptungen des Kabuler Regimes im Verlaufe ihrer fünfmonatigen Offensive im Panjsher-Tal keineswegs gelungen war, dieses zu erobern oder
die Streitkräfte der Mujahedin unter ihrem Kommandeur Ahmad Shah Massoud
niederzukämpfen. Die Truppen der sowjetischen Armee und der afghanischen
Regierungsstreitkräfte hatten augenscheinlich in weniger als zwei Drit- 9 -

�zwei Dritteln des schwer verwüsteten Tals Lager anlegen können, und die
Kämpfer Massouds trugen von ihren Stützpunkten in den Seitentälern aus
weiterhin Angriffe vor.
29. September
Kadio Karatschi meldete, daü Pakistan in Kabul wegen des Luftangriffs
auf den Grenzort Teri Mangal am 27. September einen "scharfen" Protest
eingelegt habe. Der Bombenangriff auf das Basarviertel aes Städtchens
forderte 32 Menschenleben und *+8 Verletzte; ,2uu Läden und Wohngebäude
wurden zerstört.

- lu -

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