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                  <text>19. September 1984

38

INHALT

DOKUMENTATION
Ziel der NATO: Abschreckung vor einem Krieg
- Schreiben Reagans an den US-KongreQ Nukleares Gleichgewicht weiter gestört
- Schreiben Präsident Reagans an den Kongreß Shultz: Die internationale Dimension des Drogenhandels
- Rede des US-Außenministers vor der Handelskammer in Miami Auch Menschenrechte zentraler Punkt der Stockholmer Konferenz
- Presseerklärung von Botschafter Kampelman HINTERGRUNDMATERIAL
Afghanistan: Katastrophale Zustände auch im medizinischen Bereich
- Bericht eines amerikanischen Arztes WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Strahlentherapie zur Vorbeugung gegen Abstoßungsreaktion
Niereninsuffizienz-Komplikation bei schwerer Lebererkrankung
- Frühsymptome in Standardtests oft nicht zu erkennen -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren
uiifd gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

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V

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

38

19. September 1984

ZIEL DER NATO: ABSCHRECKUNG VOR EINEM KRIEG
-Schreiben Reagans an den US-Kongreß-

Washington - (AD) - In einem Schreiben vom 12. September 1984 an den
Sprecher des amerikanischen Repräsentantenhauses und den Senatspräsidenten, das einen Bericht des Präsidenten über die Verbesserung der konventionellen Verteidigungskapazitäten der NATO begleitete, betonte Präsident
Reagan, Hauptziel der Nordatlantischen Verteidigungsgemeinschaft sei es,
"sicherzustellen, daö es in Europa nie zu einem Krieg kommt."

Das Schreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Entsprechend Abschnitt 1104(b) des Wehrbewilligungsgesetzes für das
Haushaltsjahr 1984 (P.L. 98-94) enthält dieser Bericht meine Vorstellungen und Empfehlungen hinsichtlich der Verbesserung der konventionellen
Verteidigungskapazitäten der NATO. Diese Vorstellungen und Empfehlungen
berücksichtigen

die

Ergebnisse

des Berichts von Verteidigungsminister

Weinberger über die "Verbesserung der konventionellen Kapazitäten der
NATO".

Ich

habe

diesen

Bericht

überprüft

und

unterstütze

seine

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�unterstütze seine Empfehlungen. Er ist das Ergebnis sorgfältiger Analyse
und enthält eine offene Beurteilung der bisherigen Leistungen der NATO
sowie der weiteren Notwendigkeiten für die Zukunft.

Nur wenige werden nicht der Meinung sein, daß die dringende Notwendigkeit besteht, die konventionellen Streitkräfte der NATO zu verstärken,
um Abschreckung und Verteidigung zu verbessern. Die Qualität der Ausrüstung der NATO sowie Bereitschaft und Fähigkeiten der Streitkräfte, die
diese Ausrüstung bedienen, haben im Lauf der letzten Jahre beträchtlich
zugenommen. Absolut gesehen sind die Verteidigungskapazitäten der NATOStreitkräfte heute erheblich größer als vor drei oder vier Jahren. Allerdings ist der Maßstab für Angemessenheit bei Abschreckung und Verteidigung keine statische oder absolute Fähigkeit, sondern eine dynamische Beziehung zu der Bedrohung, vor der diese Verteidigung steht. Die Bedrohung
durch den Warschauer Pakt hat qualitativ und quantitativ nur noch stärker
zugenommen und dadurch für die NATO die Notwendigkeit mit sich gebracht,
umso wirksamer und leistungsfähiger zu sein.

Bei der Analyse der Notwendigkeiten im Bereich der Verbesserung der
konventionellen Streitkräfte müssen wir uns der Tatsache bewußt sein, daß
es nicht Hauptziel der NATO ist, einen Krieg auszutragen und zu gewinnen,
sondern sicherzustellen, daß es in Europa nie zu einem Krieg kommt. Weitere Verbesserungen bei den konventionellen Kapazitäten würden ein vitales Element der Gesamtabschreckung verstärken und den Druck auf frühzeitige Eskalation in Richtung nuklearer Konfrontation verringern. Gleichzeitig können aber - wie die Schlußfolgerung des Berichts des Verteidigungsministeriums belegt - die konventionellen Streitkräfte die nukleare
Dimension der Abschreckung nicht gänzlich ersetzen. Die NATO muß auch
weiterhin eine glaubwürdige nukleare Abschreckung aufrecherhalten, wie
dies in dem Bericht von Verteidigungsminister Weinberger hinsichtlich der
Nuklearsituation der NATO dargelegt wird.

Die Strategie der NATO muß sich auf die geographischen und politischen Realitäten der NATO gründen sowie auf die Tatsache, daß die NATO
als Verteidigungsbündnis zu Beginn eines Konflikts auf die Initiative

�die Initiative verzichtet. In diesem Zusammenhang bieten die flexible
Antwort und die Vorneverteidigung die einzig lebensfähige Abschreckungsund Verteidigungsstrategie des Bündnisses. Aufgabe der NATO ist es, bei
der Bereitstellung der Streitkräfte und der Doktrin zur Unterstützung der
Strategie noch besser zu werden.

Die Vereinigten Staaten können auf das Beispiel unserer Führung über
die letzten Jahre hinweg stolz sein. Wir müssen auch weiterhin jene Programme verfolgen, mit denen wir bereits begonnen haben, und dabei gleichzeitig nach noch wirksamerem Möglichkeiten Ausschau halten, um die konventionelle Verteidigung zu verstärken. Von entscheidender Bedeutung für
unsere Bemühungen ist die Unterstützung des Kongresses bei Bereitstellung
der Mittel für Operationen und Unterhaltung, für Bereitschaft, Verbesserungen und neue Ausrüstung, für Forschung und Entwicklung und andere Verteidigungsprogramme. Dennoch: Die Vereinigten Staaten können das Loch
nicht alleine stopfen. Alle Mitglieder des Bündnisses müssen sich an der
Verbesserung der konventionellen Streitkräfte beteiligen. Die Verbündeten
sind sich der Notwendigkeit bewuüt und müssen nunmehr die zusätzlichen
Opfer bringen, die nötig sind, um die militärischen Kapazitäten der NATO
noch weiter zu verbessern. Die jüngste Debatte im amerikanischen Senat
wird jene Verbündeten stärken, die den Versuch machen, ihren Anteil der
Lasten auf sich zu nehmen. Wir werden auch weiterhin alle Verbündeten dazu anspornen, noch bessere Beiträge zur Verteidigung der NATO zu leisten.

Der Bericht von Verteidigungsminister Weinberger sowie die davon

un-

abhängige Beurteilung des NATO-Oberbefehlshabers nennen die wichtigsten
Bereiche, die einer Verbesserung bedürfen. Ich stimme ihren Empfehlungen
zu. Wir müssen unsere Bemühungen sorgfältig ausbalancieren - sowohl jene
im Programmbereich (etwa die Bereitschaft) als auch die der verschiedenen
Aufgabenstellungen

(etwa die Verteidigung gegen eine erste Angriffswel-

le).

sicherstellen,

Wir

müssen

daß

die

Verteidigungsbemühungen

und

-mittel die bestmögliche Verteidigung mit sich bringen. Wir müssen die
Verwendung der Mittel so lange einer kritischen Prüfung unterziehen, bis
wir damit zufrieden sein können, daß sie die bestmögliche Verteidigungskapazität produzieren. Niemand kann sich Entwicklungsprogramme leisten,

�Entwicklungsprogramme

leisten, die durch ihre Duplizität Verschwendung

mit sich bringen; und niemand kann Programme verfolgen, die nur begrenzte
militärische

Notwendigkeit

haben. Kurz:

Wir müssen eine militärische

Strategie und eine Investitionsstrategie

haben. Und

diese

Strategien

sollten unsere eigenen Programme wie auch diejenigen unserer Verbündeten
beinhalten - in engerer Integration und Kooperation als bisher.

Die grundlegende und unausweichliche Voraussetzung für amerikanische
Zusammenarbeit und Führung besteht darin, daü eine starke NATO-Verteidigung in unserem innersten nationalen Selbstinteresse liegt und wir ganz
einfach allein nicht Erfolg haben können. Die Pläne und Programme des
derzeitigen amerikanischen Verteidigungshaushaltes und fünfjährigen Verteidigungsplanes unterstützen diese Zielsetzungen. Während wir auch weiterhin die Pläne einer Prüfung unterziehen und die Anforderungen modifizieren werden, um sie neuen Möglichkeiten und Bedürfnissen anzupassen,
ist eine fortdauernde Bereitschaft des Kongresses, die notwendigen Verteidigungsprogramme zu unterstützen, von entscheidender Bedeutung, wenn
wir die konventionelle

Verteidigung

der NATO verbessern wollen. Kein

Plan, ganz gleich, wie wohlerwogen er auch sein mag, kann Erfolg bringen,
wenn die zu diesem Erfolg notwendigen Mittel unzureichend und einander
widersprüchlich sind. Wir und unsere Verbündeten haben die Probleme der
konventionellen

Verteidigung

der

NATO

erkannt

und

haben

die

ersten

Schritte in Richtung auf eine Gesundung getan. Nunmehr müssen wir unsere
Bemühungen noch beschleunigen.

Um die zur Ergänzung bestehender oder zum Austausch überholter Pläne
notwendigen Veränderungen durchzusetzen, bedarf es mutigen Denkens und
mutiger Führung. Wir werden auch weiterhin unsere NATO-Verbündeten hinsichtlich neuer und besserer Möglichkeiten zur Verwendung der Verteidigungsmittel eng und regelmäßig konsultieren und dies auch mit dem amerikanischen Kongreß tun. Es gibt für keines der bestehenden Probleme eine
Sofortlösung. Lösungen wird es nur über einen langfristigen Einsatz geben. Dennoch müssen wir anfangen, uns auf den rechten Weg zu machen, wie
er in dem Bericht von Minister Weinberger vorgezeichnet wird.

Die amerikanischen

Programme

�Die amerikanischen Programme betonen die Notwendigkeit, die strategischen Transportkapazitäten bereitzustellen, um die Streitkräfte vor Ort
rasch ergänzen zu können und die dünnen strategischen Reserven aufzufüllen, die SACEUR zur Verfügung stehen. Wir arbeiten mit den Verbündeten
daran, um sicherzustellen, daß Europa in der Lage ist, diese Verstärkungen zu empfangen und sie dorthin zu bringen, wo sie am wirkungsvollsten
eingesetzt werden können. Wir haben die Notwendigkeit betont, die Mittel
für das vielleicht

nicht

so attraktive, aber

äußerst

kostenwirksame

Infrastrukturprogramm zu erhöhen. So können zum Beispiel durch die Bereitstellung von Hangars und anderen unterstützenden Anlagen für Flugzeuge die Uberlebensfähigkeit und somit die Möglicheiten unserer Luftwaffe erheblich verbessert werden.

Um die Abschreckung und die Verteidigung der NATO zu erhöhen, muß das
Bündnis auch bereit sein, ganz neue Richtungen einzuschlagen und bestehende Projekte zu modifizieren. "Die Nutzung neuer Technologien" ist ein
gutes Beispiel für solch neue Richtungen. Durch diese Initiative, von den
Vereinigten Staaten Mitte 1982 vorgeschlagen, wurden bereits Projekte für
beschleunigte Entwicklung ausgewählt. Auch wenn es noch mehrere Jahre
dauern wird, bis diese Initiative direkt zu den Verteidigungskapazitäten
der NATO beiträgt, so stellt diese Bemühung doch einen wichtigen ersten
Schritt dabei dar, den größten Vorteil des Westens ins Spiel zu bringen:
seine technologische Basis.

Kurzum:

Wir

müssen

die Abschreckungskapazität

des konventionellen

Teils der Abschreckungstriade der NATO dadurch verbessern, daß wir Bereitschaft und Ausdauer erhöhen. Längerfristig gesehen, müssen wir die
notwendigen Mittel bereitstellen, um alle Elemente einer wirksamen Verteidigung zu ermöglichen. Dies macht es erforderlich, daß die Öffentlichkeit in allen NATO-Staaten sich deutlich der Natur und des Umfangs
der Bedrohung bewußt ist, vor der wir alle stehen.

Ich ersuche den Kongreß, sich dem bedeutsamen Unterfangen der Stärkung

der

konventionellen

Verteidigung
- 5 -

der

NATO

anzuschließen.

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1DlEl11SO
V

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

17. September 1984

38

NUKLEARES GLEICHGEWICHT WEITER GESTÖRT
Schreiben Präsident Reagans an den Kongreß -

Washington -(AD)- In einem Begleitschreiben zu einem Bericht über
Strategie und Streitkräfteplanung der NATO im Bereich der taktischen Nuklearwaffen, der am 12. September 1984 dem Sprecher des amerikanischen
Repräsentantenhauses und dem Präsidenten des Senats zugeleitet wurde,
stellte Präsident Reagan fest, daß sich das militärische Kräftegleichgewicht zwischen Ost und West seit 1975 stetig zuungunsten der NATO verschoben habe. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:
Der vorliegende Bericht, der in Zusammenhang mit Abschnitt 110i&gt;(b)
des Wehrbewilligungsgesetzes für das Haushaltsjahr 1984 (P.L. 98-94) zu
sehen ist, gibt meinen Standpunkt zu den Fragen wieder, die im Bericht
des Verteidigungsministeriums über die Strategie und Streitkräfteplanung
der NATO im Bereich der taktischen Nuklearwaffen abgehandelten sind. Der
Bericht, den ich Ihnen hiermit zuleite, ist der erste von vieren, deren
Vorlage im Wehrbewilligungsgesetz für das Haushaltsjahr 1984 gefordert
wird. Er enthält eine Analyse einiger Kernprobleme, die sich im Rahmen
der Verteidigungspolitik der Vereinigten Staaten und der NATO stellen.

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�NATO stellen. Das Gewicht dieser Probleme ergibt sich sowohl aus der Natur der Waffen, um die es dabei geht, als auch aus der Tatsache, daß den
Atomwaffen im Abschreckungskonzept der NATO ein hoher Stellenwert zukommt.

Ich habe Verteidigungsminister Weinbergers sehr ausführlichen Bericht
über das nukleare Konzept der NATO geprüft und stehe voll und ganz hinter
den dort ausgesprochenen Empfehlungen. Ich suche daher dringend um die
Unterstützung des Kongresses nach, die zur Umsetzung der innerhalb des
Bündnisses getroffenen Vereinbarungen über den Ausbau der nichtstrategischen Nuklearstreitkräfte der NATO unabdingbar ist.

Seit der Vorlage des letzten Berichts im Jahre 1975 hat sich die militärische Bedrohung, der sich das Bündnis gegenübersieht, nicht vermindert. Sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Europäer haben in den
letzten Jahren beim Ausbau ihrer konventionellen Streitkräfte wie beim
Ausbau ihrer nichtstrategischen Nuklearwaffen erhebliches geleistet. Dennoch hat sich das numerische Kräftegleichgewicht weiter zuungunsten der
NATO verschoben. Nach wie vor geht es uns nicht darum, mit dem Warschauer
Pakt Waffe um Waffe oder Gefechtskopf für Gefechtskopf gleichzuziehen,
sondern lediglich darum, ihm Streitkräfte gegenüberzustellen, die stark
genug sind, um eine glaubwürdige Abschreckung und Verteidigung zu gewährleisten. Dieses Ziel kann die NATO erreichen, indem sie ihre Streitkräfte
weiter ausbaut, d.h., sowohl deren konventionelle als auch deren nukleare
Komponente weiter modernisiert, und indem sie von den ihr zur Verteidigung zur Verfügung stehenden Ressourcen wirksamer Gebrauch macht. Währenddessen werden wir auch weiterhin auf Rüstungskontrollabkommen hinarbeiten, die verifiziertbar sind, den Interessen aller Seiten gerecht werden und der NATO helfen können, auf einem niedrigeren Rüstungsniveau ein
höheres Maß an Stabilität und Sicherheit zu erlangen.

Im Oktober 1983 beschloß die Nukleare Planungsgruppe der NATO, im
Rahmen einer Überarbeitung ihres nuklearen Konzepts für ganz Europa zusätzlich zu den bereits im Jahre 1980 abgezogenen 1 000 Gefechtsköpfen im
Verlaufe der nächsten fünf oder sechs Jahre weitere 1 400 Gefechtsköpfe
abzuziehen. Diese Entscheidung wurde auf der Grundlage einer NATO-Studie
- 2 -

�einer NATO-Studie getroffen, die innerhalb des Bündnisses breite Zustimmung gefunden hatte. Auf dieser Studie fußt ganz wesentlich auch der Bericht des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten. Die Empfehlungen und mittelfristigen Maßnahmen, die in dem Bericht des Verteidigungsministeriums umrissen werden, stehen daher mit den Auffassungen unserer Verbündeter in vollem Einklang.

Mir ist bewußt, daß im Kongreß die Auffassung besteht, daß wir mehr
für den Ausbau unserer konventionellen Streitkräfte tun sollten. Ich
möchte jedoch beim Ausbau unserer militärischen Machtmittel in beiden Bereichen ein ausgewogenes Konzept wählen. Ein Bericht des Verteidigungsministeriums, in dem die Erfordernisse und Pläne im Bereich der konventionellen Rüstung im einzelnen untersucht werden, liegt Ihnen vor. Ich werde
darlegen, wie einige der dort ausgesprochenen Empfehlungen meines Erachtens kurzfristig verwirklicht werden können. Es ist richtig, daß wir mit
dem Ausbau unserer konventionellen Streitkräfte fortfahren müssen. Es ist
jedoch wichtig, daß wir, während wir uns den Problemen des konventionellen Bereichs widmen, nicht die Tatsache aus den Augen verlieren, daß ein
glaubwürdiges, überlebensfähiges und stabiles nukleares

Potential der

NATO auch eine ganz erhebliche und wesentliche Stärkung ihrer konventionellen

Verteidigung

bedeutet

und

daß

solche

Nuklearstreitkräfte

glaubwürdigste Abschreckungsmittel gegen einen Angriff

mit

das

chemischen

Waffen bilden, das wir zur Zeit besitzen.

Ich unterstütze insbesondere diejenigen Empfehlungen, die eine Verbesserung der Überlebensfähigkeit der Nuklearstreitkräfte der NATO zum
Gegenstand haben. Durch damit in engem Zusammenhang stehende Verbesserungen im Sicherheitsbereich kann darüberhinaus die Sicherheit unserer
Waffen im Frieden wesentlich erhöht werden. Die Durchführung

solcher

Verbesserungen hat für mich einen hohen Stellenwert. Ich werde unseren
Verbündeten nahelegen, diesen Problemen ein ähnliches Maß an Aufmerksamkeit zu widmen. Im Rahmen mehrerer NATO-Organisationen versuchen wir, unsere Verbündeten von der Notwendigkeit von Verbesserungen zu überzeugen
und sie zur Mitarbeit zu bewegen.
In

- 3 -

Montebello

�In Montebello kamen die Verteidigungsminister des Bündnisses überein,
den Bestand an Nuklearwaffen in Europa weiter zu verringern, so daß er
auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gebracht wird. Gleichzeitig
herrschte unter den Verbündeten Übereinstimmung darüber, daß die NATO bestimmte Modernisierungsprogramme durchführen muß, um zu gewährleisten,
daß auch dieser verkleinerte Bestand an Nuklearwaffen immer noch ein hinreichendes und glaubwürdiges Abschreckungspotential darstellt. Ich unterstütze sowohl die Entscheidung über den Umfang des Bestandes an Nuklearwaffen als auch die Modernisierungsprogramme, die die Aufrechterhaltung
eines glaubwürdigen Abschreckungspotentials sicherstellen werden. Die gegenwärtig laufenden amerikanischen Rüstungsprogramme und der Wehretat geben uns die Mittel zur Ausführung dieser Entscheidungen an die Hand. Ich
bitte Sie, durch Ihre Unterstützung dazu beizutragen, daß dies zeitgerecht und in einer geregelten Art und Weise geschehen kann. Der Bericht
des Verteidigungsministeriums gibt die bestehenden Notwendigkeiten korrekt wieder und umreißt die Maßnahmen, die wir treffen werden, um ihnen
zu genügen. Das im gleichen Zusammenhang stehende Erfordernis der Verbesserung unserer Zielerfassungs- und Fernmeldeeinrichtungen ist in dem Bericht ebenfalls zufriedenstellend dokumentiert.
Wie ich bereits erwähnte, bilden die Nuklearstreitkrä'fte der NATO zur
Zeit das wirksamste Instrument der Abschreckung gegen einen Einsatz chemischer Waffen durch die Sowjets. Hier müssen wir eine noch bessere
Grundlage für die Abschreckung schaffen. Die Vereinigten Staaten sollten
daher ein begrenztes, aber modernes Potential an chemischen Waffen aufbauen, das als direktes Abschreckungsmittel gegen den Einsatz solcher
Waffen durch die Sowjets dienen kann. Im Verteidigungshaushalt und in den
Rüstungsprogrammen

der

Vereinigten

Staaten

ist

für

die

notwendigen

Schritte zur Entwicklung eines solchen Abschreckungspotentials Vorsorge
getroffen.

Die NATO-Verbündeten sind sich der Notwendigkeit einer Modernisierung
der Nuklearstreitkräfte und einer Verbesserung ihrer Uberlebensfähigkeit
und Sicherheit bewußt. Die Vereinigten Staaten werden in dieser Hinsicht
auch weiterhin die treibende Kraft bleiben und ihre Verbündeten dazu anhalten, bei zukünftigen Rüstungsprogrammen ihren Teil der Aufgabe zu
- 4 -

�Aufgabe zu erfüllen. Im Einklang mit dem Doppelbeschluß über nukleare
Mittelstreckenwaffen von 1979 treibt die NATO die Stationierung solcher
Waffen weiter voran, da ein zufriedenstellendes Abkommen über Rüstungsverminderungen, oie solche Stationierungen

überflüssig

machen würden,

bislang nicht ausgehandelt werden konnte. Mir liegt selbstverständlich
nach wie vor an einer Lösung durch ein faires und verifizierbares Abkommen. Wie ich schon oft betont habe, befürworten die Vereinigten Staaten
jederzeit entsprechende Verhandlungen ohne Vorbedingungen. Bis eine solche Verhandlungslösung herbeigeführt werden kann, müssen die Vereinigten
Staaten jedoch die Mittel bereitstellen, die erforderlich sind, um sicherzustellen, daß die Schlagkraft des nuklearen Potentials der NATO
nicht soweit absinkt, daß die Abschreckung fragwürdig wird.

Alle konventionellen, chemischen und atomaren Waffen der NATO stehen
unwandelbar im Dienste des einen Zieles des Bündnisses: der Gewährleistung von Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit. Wenn wir die Abschrekkung aufrechterhalten und weiterhin in Frieden und Freiheit leben wollen,
müssen wir mit dem Ausbau unserer Streitkräfte über ihr ganzes Spektrum
hinweg fortfahren. Der Bericht von Verteidigungsminister Weinberger über
das nukleare Konzept der NATO skizziert sowohl die gegenwärtige Lage als
auch einen gangbaren Weg zur dauerhaften Weiterentwicklung dieses Konzepts. Ich stehe voll hinter seinen Empfehlungen.

- 5 -

�19. September 1984

38

SHULTZ: DIE INTERNATIONALE DIMENSION DES DROGENHANDELS
Rede des US-Außenministers vor der Handelskammer von Miami -

MIAMI -(AD)- In einer Rede vor der Handelskammer von Miami in Florida
ging der amerikanische Außenminister George Shultz am 14. September 1984
auf die Problematik des weltweiten Drogenhandels ein und forderte zu
durchgreifenden Maßnahmen im internationalen wie im nationalen Rahmen
auf: "Unser Erfolg im Kampf gegen den internationalen Rauschgifthandel
hängt von einem Erfolg unserer Kampagne gegen den Drogenmißbrauch hier in
den Vereinigten Staaten ab...Wir können nicht etwas predigen, was wir
selbst nicht praktizieren."
Die Rede hatte folgenden Wortlaut:
Ich spreche heute über ein Problem, das direkt oder indirekt das
Wohlergehen aller Amerikaner beeinflußt. Dieses Problem sind die Drogen.
Und ich möchte insbesondere die gewaltige internationale Dimension des
Problems diskutieren sowie das, was wir tun, um es anzugehen.
Sie alle wissen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Sie alle wissen sehr genau, was die Drogen für unsere Städte und un- sere
Gesellschaft bedeuten. In Miami, in New York, in Chikago, Detroit, Los
Angeles und Washington - ja, praktisch in fast allen amerikanischen
Städten - werden wir Zeuge des Drogenproblems auf unseren Straßen und hören darüber täglich in unseren Medien.
Wir sehen, wie es Jagd auf die Jugend unseres Landes macht. Wir sehen, wie es Familien und Gemeinschaften unterhöhlt. Wir sehen das Verbrechen, das daraus erwächst - die Morde, die Überfälle und die organisierten Verbrechensringe, die daraus ein so lukratives Geschäft gemacht
haben.
Wir sehen, wie dadurch willkürlich Leben zerstört wird - von reich
und arm, von schwarz und weiß, von jung und alt. Wir können die Kosten
des Drogenmißbrauchs auf vielfältige Weise messen - an verlorengegangener
Produktivität, an steigenden Gesundheits- und Sozialkosten und - am tiefgreifendsten - an der sinnlosen Vergeudung von Menschenleben.
Wir sehen das Drogenproblem in seiner ganzen Ungeheuerlichkeit, und
manchmal fragen wir uns, wie wir es überhaupt in den Griff bekommen. Ich
will hier nicht vor Sie treten und Ihnen sagen, es gäbe leichte Lösungen.
Und natürlich können Lösungen auch nicht allein über den Weg der
staatlichen Maßnahmen gefunden werden. Drogenmißbrauch ist eines der
zähen Symptome eines tieferen sozialen und kulturellen Phänomens: Der
Schwächung der traditionellen Werte von Familie, Gemeinschaft und Glaube,
worunter wir in der westlichen Gesellschaft schon seit einiger Zeit leiden.
Unsere Gründerväter schufen ein Regierungssystem, das die Rechte und
Freiheiten des Einzelmenschen schützen konnte, aber sie waren der tiefen
Überzeugung, daß es noch eines anderen bedurfte, um die geistige Gesundheit der Nation zu schützen. Das mit Sorgfalt errichtete Bauwerk einer
freien Gesellschaft mußte verfestigt werden durch eine dauerhafte öffentliche und private sittliche Gesinnung- Und die Gründer waren zugleich da-

�waren zugleich davon überzeugt, daß Bewahrung einer solchen Gesinnung in
erster Linie nicht Aufgabe der Regierung sei, sondern unserer erzieherischen, religiösen und sozialen Institutionen, unserer Familien und unserer Gemeinden.

Wenn wir also die Drogenprobleme der Nation betrachten, so müssen wir
uns stets daran erinnern, daß auch die Regierung nicht alle Antworten auf
alle Fragen bereithalten kann. Die von staatlichen Stellen entwickelten
technischen Lösungen können nicht für sich allein diese Schwachstelle in
der moralischen Struktur unserer Gesellschaft reparieren. Wir müssen in
unserem öffentlichen Leben den Glauben in Familie, Kirche und Gemeinschaft wiederherstellen, der die Demokratie über zwei Jahrhunderte lang
stark machte.
Ich glaube, daß eine solche geistige Genesung im Gange ist. Der Glaube an diese Institutionen kehrt zurück. Und wir können das sogar in der
gewandelten Einstellung der Nation gegenüber dem Drogenproblem erkennen.
Heute herrscht über ganz Amerika hinweg zunehmend Übereinstimmung dahingehend, daß Drogenmißbrauch nicht modisch, sondern unmoralisch ist. Wir
weisen die fatalistische Einstellung zurück, daß es den Drogenmißbrauch
als nationales Phänomen immer geben wird. Eltern, gemeindliche Organisationen, erzieherische und religiöse Institutionen schenken dem Aufruf von
Präsident Reagan Aufmerksamkeit, "an der Schlacht gegen den Drogenmißbrauch teilzunehmen."

Die Strategie der Bundesregierung

Natürlich muß die Regierung energisch und entschlossen ihr Teil beitragen. Wie Sie wissen, hat diese Administration die Verringerung des
nationalen Drogenmißbrauchs zu einer ihrer Prioritäten erklärt. Wir haben
hart daran gearbeitet, neue Möglichkeiten zu finden, um das Problem in
allen seinen Aspekten anzugreifen. Präsident Reagan hat den Drogenmißbrauch als "eines der ernstesten Probleme, vor denen die Vereinigten
Staaten stehen", bezeichnet. Und unter seiner Leitung hat diese Administration eine umfassende Strategie der Bundesbehörden zur Verhinderung
des Drogenmißbrauchs und des Drogenhandels erstellt. Diese Strategie ent-

�Diese Strategie enthält fünf zentrale Komponenten, die das Problem an jedem Glied der Kette angehen, die vom Anbau bis zum Verbrauch von Drogen
reicht. So haben wir umfangreiche Programme für folgendes erstellt:
Erstens: Vorkehrungsmaßnahmen, zu denen etwa die Aufklärung unserer
Jugend hinsichtlich der Gefahren der Drogen gehört;
Zweitens: Entzugsmaßnahmen und Behandlung von Drogenabhängigen;
Drittens: Forschung mit dem Ziel des Einblicks in Ursachen und Folgen
von Drogenmißbrauch;
Viertens: Antidrogengesetze zwecks Zerschlagung von Drogenringen und
Verbot von Drogenabgabe, bevor diese an den Konsumenten gelangen;
Fünftens: Internationale Zusammenarbeit zur Kontrolle von Produktion
und Transport von Drogen.
Diese Fünf-Punkte-Strategie stellt in ihrer Summe einen energischen
Schritt dar, um dieses so vielgestaltige Problem anzugehen. Und jeder Weg
wird mit Tatkraft und Entschlossenheit verfolgt.
Sie alle sind sich dessen bewußt, was diese Administration getan hat,
um die inländischen Aspekte unseres Drogenproblems in den Griff zu bekommen. Die Frau des Präsidenten hat es sich zur persönlichen Aufgabe gemacht, unsere Jugend über die Gefahren der Drogen aufzuklären, und diese
ihre wertvollen Bemühungen haben dieser Dimension der nationalen Verhütung gewaltigen Auftrieb gegeben. Vizepräsident Bush spielt eine führende
Rolle bei der Verbesserung unserer Bemühungen, hier im Inland die entsprechenden Drogen zu verbieten.
Wie Sie wissen, leitet er die diesbezügliche Einsatzgruppe Südfloridas sowie das System zur Überwachung unserer Grenzen hinsichtlich Drogenschmuggels ("National Narcotics Border Interdiction System"). Diese sowie
andere Bemühungen haben bereits ermutigende Resultate in bezug auf den
- 4 -

�»

in bezug auf den inländischen Aspekt des Problems gezeitigt. Es dürfte
offenkundig sein, daß die Nachfrage zur Schaffung des Angebots beiträgt,
und wir können nicht erwarten, die Herausforderung des Drogenmißbrauchs
in den Griff zu bekommen, wenn wir nicht alles in unserer Macht Stehende
tun, um die Nachfrage nach Drogen hier im Inland zu verringern.

Die internationale Dimension

Es ist allerdings auch klar, daß wir mit der Herausforderung des Drogenmißbrauchs hier im Lande selbst nicht fertigwerden können, wenn nicht
zugleich das weltweite Netz der Drogenproduktion und des Drogenhandels
angegriffen wird. Sie sollten daher wissen , daß das Problem des Drogenmißbrauchs nicht nur eine der obersten Prioritäten der Innenpolitik dieser Administration ist. Es ist auch eine der obersten Prioritäten unserer
Außenpolitik.

Jedes Jahr schmuggeln Drogenhändler vier metrische Tonnen Heroin, 70
metrische Tonnen Kokain und 15 000 metrische Tonnen Marihuana in dieses
Land. Diese Drogen kommen aus der ganzen Welt: aus Kolumbien, Peru, Bolivien, Mexiko, Belize, Jamaika, Pakistan, Afghanistan, Iran, Thailand und
Birma.

Wenn erst einmal in diesen Ländern die Ernte vorüber ist, wird diese
oft zur Weiterverarbeitung an andere Orte verfrachtet, um dann in Drogenform erneut zu lokalen Anbietern in Westeuropa, in den Vereinigten Staaten und in der gesamten übrigen industrialisierten Welt zu gelangen.

Geld aus dem Drogenhandel wird auf den internationalen Finanzmärkten
reingewaschen. Mittelsmänner werden angeheuert, um die Drogen an Zoll und
Küstenwache vorbeizuschmuggeln. Es ist dies eine reibungslose und immer
effizientere Operation - eine internationale Bemühung im wahrsten Sinn
des Wortes.

Unsere Besorgnis über die wachsenden Netze des Drogenhandels haben
zweierlei Gründe. Ich habe bereits die schwerwiegenden Auswirkungen auf
- 5 -

�Auswirkungen auf unser Volk genannt. Aber sie stellen auch in anderer
Hin- sieht eine Bedrohung der amerikanischen Interessen dar. Tatsache
ist, daß es sich hier um ein Beispiel für ein umfassenderes und relativ
neuartiges außenpolitisches Problem handelt, vor dem heute die zivilisierte Welt steht. Sie sind Teil eines Trends hin zu internationaler
Rechtlosigkeit, der sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf bedenkliche Weise verstärkt hat.
Dieser Trend geht auf die Tage zurück, als noch das Piratentum auf
den Meeren herrschte und als die zivilisierten Nationen der Welt entweder
nicht fähig oder nicht willens waren, es systematisch zu bekämpfen. Die
modernen Formen der Piraterie sind der Drogenhandel, der Terrorismus und
ähnliche Arten ungesetzlichen Handelns.
Es ist nicht überraschend, daß es eine Menge Beweise dafür gibt, daß
alle diese unterschiedlichen Arten von Ungesetzlichkeit miteinander in
Verbindung stehen.
Gelder aus dem Drogenschmuggel unterstützen Terroristen. Terroristen
bieten den Drogenschmugglern Hilfe. Das organisierte Verbrechen arbeitet
Hand in Hand um eigenen Profites willen mit diesen anderen Verbrechern.
Und am beunruhigendsten dürften wohl die zunehmenden Beweise dafür sein,
daß sogar einige aus den unterschiedlichsten Gründen darin verwickelt
sind.
Es gibt nachweislich Verbindungen zwischen dem Drogenschmuggel, dem
Terrorismus und einigen kommunistischen Regierungen - ich werde noch
darauf zurückkommen.
Die zivilisierte Welt steht daher nicht nur vor separaten und isolierten Vorfällen der Gewalt und des Verbrechertums, sondern vor einem
systematischen, weltweiten Problem von wachsender Dimension. Und dieses
weltweite Problem stellt eine beispiellose - und vorsätzliche - Herausforderung der Weltordnung dar, die wir Amerikaner und alle anderen zivilisierten Nationen anstreben: Eine Weltordnung, die sich auf Gerechtigkeit und die Herrschaft des Gesetzes gründet.
Neue Probleme erfordern

�Neue Probleme erfordern neues Denken, neue Werkzeuge, neue Methoden.
Sie können auf mich zählen, daß das Außenministerium sich dieser Anstrengung verpflichtet fühlt. Wir arbeiten eng mit den Bundesstellen für die
Drogenfahndung zusammen, um neue Möglichkeiten zu finden, mit dem wachsenden Drogenproblem im internationalen Bereich fertigzuwerden. Und wir
tun dies nicht nur, um mit dem Elend des Drogenmißbrauchs in unserem Land
selbst fertigzuwerden, sondern auch, um gegen die wachsende Gefahr internationaler Rechtlosigkeit anzukämpfen.
Inangriffnahme des Problems
Um dem internationalen Drogenhandel entgegentreten zu können, bedarf
es vor allem der internationalen Zusammenarbeit zwischen den Ländern, die
unsere Besorgnis über diese wachsende Bedrohung unserer Gesellschaften
teilen.

Während der Amtszeit der Reagan-Administration ist weit mehr zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit getan worden, als dies je vorher der Fall war.
Im September 1981 hat Präsident Reagan unsere Zielsetzung dargelegt;
er trat für eine Außenpolitik ein, "die mit allem Nachdruck unerlaubte
Drogen verbietet und ausrottet, wo immer sie angebaut, weiterverarbeitet
oder weitergeleitet werden."
Amerikanische Regierungsvertreter auf höchster Ebene, darunter Präsident Reagan, Vizepräsident Bush und auch ich, unsere Botschafter sowie
hochrangige Beamte des amerikanischen Außenministeriums haben immer wieder gegenüber führenden ausländischen Persönlichkeiten die Bedeutung unterstrichen, die wir ihrer Zusammenarbeit in der Drogenfrage beimessen.
Wir haben mit größtem Nachdruck bilaterale Abkommen über Erntekontrolle, Ausrottung und Verbot mit Ländern angestrebt, in denen Drogen
angebaut, verschifft und verbraucht werden. Und auch im Rahmen der Ver-

�der Vereinten Nationen haben wir energisch internationale Anstrengungen
unterstützt, um den Drogenfluß einzudämmen und die Erzeugung zu reduzieren.

Zahlreiche Länder, die wie wir über dieses Problem besorgt sind,

haben bedeutsame Schritte unternommen. In Kolumbien hat ein mit Flugzeugen durchgeführtes Vernichtungsprogramm, mit dem am 5. Juli begonnen wurde, mehr als 4 200 Morgen an Marihuana zerstört - ein wirklich bedeutsamer Durchbruch auf dem Gebiet der weltweiten Kontrolle. Mit diesem ersten
Schritt allein konnten Marihuanamengen im Wert von nahezu 3 Milliarden
Dollar von unseren Straßen ferngehalten werden - und das kolumbianische
Programm hat gerade erst seinen Anfang genommen.
In Peru haben die dortigen Behörden trotz der Drohungen von Terroristen an die 5000 Morgen von Cocasträuchern vernichtet, die für die Kokainerzeugung verwendet werden; ja, die Regierung hat kürzlich sogar Militäreinheiten in die cocaerzeugende Region entsandt.

Wir arbeiten mit

anderen südamerikanischen Ländern zusammen, um die Ausdehnung der Drogenerzeugung auf neue Anbaugebiete zu verhindern.
In Asien hält die pakistanische Regierung ihr Verbot der Ausweitung
des Anbaus von Klatschmohn auf zusätzliche Gebiete in der nordwestlichen
Grenzprovinz weiterhin aufrecht, und sie hat darüber hinaus von wesentlich vermehrten Beschlagnahmen von Heroin im ersten Quartal 1984 berichtet. Und allein in diesem Monat haben pakistanische Behörden 163 kg
Opium und 20 kg Heroin bei einem Schlag gegen ein Heroin-Laboratorium
beschlagnahmt.
Die thailändische Regierung hat ebenfalls ihre Verpflichtung zur
Kontrolle des Opiumanbaus in Dörfern verstärkt, die Entwicklungshilfe
erhalten. Die Regierung von Birma untersucht gemeinsam mit uns systematischere Methoden der Vernichtung.
Alles in allem werden wir im Rahmen weltweiter Drogenkontrollprogramme im Jahre 1985 über 100 Millionen Dollar ausgeben. Wir wissen um
die Schwierigkeiten, die es bei der Reduzierung des Ernteergebnisses
gibt. In manchen Herstellerländern ist die Drogenerzeugung zu einem
- 8 -

�zu einem wichtigen Faktum des täglichen Lebens geworden.

Es gibt Teile der Welt, wo Opium und Coca zu jahrhundertealten Traditionen geworden sind, und natürlich haben viele Nationen in wachsendem Maße eigene Suchtprobleme, die die Drogenproduktion fördern.

Und

schließlich sind zahlreiche Länder einfach zu arm, um wirksame Kontrollund Ausrottungsprogramme in Angriff nehmen zu können.

Unsere internationale Drogenpolitik ziehlt darauf ab, diese Hindernisse zu überwinden.

Wir gewähren in diesem Jahr 18 Regierungen bilate-

rale Unterstützung, deren Fachwissen oder Ressourcen nicht ausreichen, um
mit dem Problem einer Erntereduzierung fertigzuwerden.

Wir haben über

den Fonds der Vereinten Nationen für Kontrolle des Drogenmißbrauchs sowie
über andere internationale Gremien die multilaterale Unterstützung gefördert.
Das amerikanische Außenministerium hat mit der Drogenfahndung, den
Zollbehörden und der Küstenwache zusammengearbeitet, um Vertreter ausländischer Regierungen auf dem Gebiete der Drogenkontrolle, der Drogenfahndung und des Drogenverbots auszubilden.

Seit 1971 naben wir Mittel zur Verfügung gestellt, mit deren Hilfe 25
000 ausländische Fahndungsbeamte ausgebildet wurden, und 1985 werden wir
weitere Gelder bereitstellen, um zusätzliche Beamte in 30 verschiedenen
Ländern auszubilden.

Wir waren ferner bestrebt, ausländischen Regierun-

gen dabei zu helfen, ihre Öffentlichkeit auf die Gefahren des Drogenmißbrauchs für ihre Gesellschaften aufmerksam zu machen.

Aber die schwerste Aufgabe, vor der wir bis vor kurzem standen, lag
darin, andere Länder davon zu überzeugen, daß der Drogenhandel ein internationales Problem darstellt, welches internationale Anstrengung erforderlich macht.

über lange Jahre hinweg sahen ausländische Regierungen in den Drogen
ein ausschließlich amerikanisches Problem.
- 9 -

Inzwischen hat sich diese

�sich diese Einstellung geändert.
In Kolumbien, um nur ein Beispiel zu nennen, hat der Gesundheitsminister erklärt, daß Drogenabhängigkeit die größte gesundheitliche Bedrohung für die kolumbianische Jugend darstellt, und die Drogenfahndung des
Landes hat mit lobenswertem Nachdruck reagiert.
Im März entdeckte die kolumbianische Polizei große und komplizierte
Kokainaufbereitungsanlagen, die im Dschungel des Amazonas verborgen waren.

In einem Falle wurden zehn Tonnen Kokain und Kokaingrundstoffe im

Straßenverkaufswert von über 1 Milliarde Dollar vernichtet.
Die kolumbianische öffentliche Meinung war schockiert über die Entdeckung dieser Drogenlager, von denen einige Seite an Seite mit Guerillalagern operierten. Sie war empört über die dann folgende Ermordung des
kolumbianischen Justizministers, die offensichtlich von den Drogenhändlern befohlen worden war. Der kolumbianische Staatspräsident Betancur
hat einen rücksichtslosen Krieg gegen den Drogenhandel angeordnet.
Andere Länder sind mühsam zu der Erkenntnis gelangt, daß die Drogen
auch ihr Problem sind und daß die Staatengemeinschaft nur durch internationale Zusammenarbeit hoffen kann, das internationale Drogennetz zu
bekämpfen.
Die führenden Politiker anderer Andenstaaten sowie Argentiniens, die
im vergangenen Monat in Quito zusammentrafen, haben gegenüber Vizepräsident Bush ihre tiefe Besorgnis hinsichtlich der Probleme zum Ausdruck
gebracht, die durch die Drogenproduktion und den Drogenhandel in ihrer
Region verursacht werden.
Ermutigt durch die Dringlichkeit ihres Appells und durch ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit reagieren wir mit spezifischen Vorschlägen zur
Stärkung der regionalen Zusammenarbeit bei der Drogenfahndung, bei der
Nachrichtenübermittlung und beim Informationsaustausch.

- 10 -

Mehrere

wichtige

�Mehrere wichtige und zugleich schmerzliche Entwicklungen haben zu
dieser wachsenden internationalen Erkenntnis beigetragen.

In Westeuropa sowie in den Ländern, wo Drogen produziert werden, ist
die Drogenabhängigkeit im Begriff, alarmierende Proportionen anzunehmen.
Das Verbrechen, das unvermeidlicherweise den wachsenden Drogenmißbrauch
begleitet, ruft die Verärgerung der Öffentlichkeit selbst in jenen Ländern hervor, die aus Tradition dem Gebrauch von Drogen tolerant gegenüberstehen.

Und in einigen Ländern ist die gestiegene Korruption, die

aus der Suche nach Einflußnahme seitens des organisierten Verbrechens und
der Hauptdrogenschmuggler resultiert, zu einem nationalen Unglück geworden, das die Stabilität und das Überleben der Regierungen selbst bedroht.

Der Drogenhandel stellt eine besondere Bedrohung für die demokratischen Länder in der Entwicklungswelt dar.

Wo demokratische Institutionen

und Rechtssysteme noch in den Kinderschuhen stecken, können Korruption
und Verbrechen aufgrund von Drogenhandel für die jeweilige Regierung zu
einem Problem werden, das nicht in den Griff zu bekommen ist.

Die Wahl,

vor der diese Regierungen stehen, kann dann darauf hinauslaufen, entweder
auf undemokratische Maßnahmen zurückzugreifen oder aber vor den Verbrechern zu kapitulieren.

In jedem Fall wäre das Resultat der Verlust des

Vertrauens der Öffentlichkeit in die demokratischen Institutionen.

Ge-

wählte Politiker wie jene in Bolivien, Kolumbien und Peru sind sich der
Gefahren bewußt, die der Drogenhandel für die Demokratie sebst mit sich
bringt.

Zu all dem kommt, daß der Drogenhandel die Integrität internationaler
Finanzzentren unterminiert.

Schätzungen zufolge kann der Drogenhandel

sehr wohl 80 Milliarden Dollar jährlich umfassen, und das Drogengeld wird
häufig durch sonst respektable Finanzinstitutionen reingewaschen - darunter Bankzentren im Karibischen Becken, in Europa sowie in Hongkong und
Singapur.

Und schließlich werden - wie ich schon erwähnt habe - die internationalen Besorgnisse noch durch die Erkenntnis vermehrt, daß Drogenhänd- 11 -

�daß Drogenhändler, Terroristen und kommunistische Revolutionäre in immer
stärkerem Maüe bei ihren getrennten destruktiven Maönahmem gemeinsame
Sache machen. Ich möchte gerne einige Augenblicke darauf verwenden, ausführlicher darzulegen, welche Erkenntnisse wir im Hinblick auf diese beunruhigende Wechselbeziehung gewonnen haben.
Die Verbindungen zum Terrorismus und zu kommunistischen Untergrundaktivitäten
Die Welt hat seit Jahren guten Grund zu der Annahme, daß die Drogenschmuggler sich der Hilfe einiger Regierungen erfreuen, d.h., daß man
ihnen Geldmittel und Schutz, Unterschlupf und Unterstützung beim Einschleusen von Drogen in die Vereinigten Staaten und andere Länder gewährt. Das kommunistische Kuba gehört zu den Hauptverdächtigen.
Im Laufe der Jahre verdichtete sich der Verdacht gegen Kuba, bis
schließlich im November 1982 vor einem Schwurgericht in Miami gegen vier
hochrangige kubanische Regierungsbeamte wegen Unterstützung eines kolumbianischen Drogengroßhändlers Anklage erhoben wurde. Die Mittäter Kubas
im lateinamerikanischen Drogenhandel wurde durch diesen Fall in erschrekkender Eindringlichkeit beleuchtet.
Die Ermittlungen in dieser Sache ergaben, daß der kubanische Botschafter in Kolumbien einen kolumbianischen Drogenschmuggler namens Jaime
Guillot Lara angeworben hatte. Der Botschafter bot ihm die Hilfe seines
Landes beim Einschleusen von Drogen in die Vereinigten Staaten an. Das
Umladen von Drogen auf Boote, mit denen sie nach Miami weitergeleitet
wurden, ging im Schutze der kubanischen Hoheitsgewässer vor sich. Kubanische Behörden erhielten Anweisung, Guillot und seine Leute in Frieden
zu lassen, während sie ihren Geschäften nachgingen. Als Gegenleistung
erhielt die kubanische Regierung Zahlungen in harter Währung in Höhe von
mehreren Hunderttausend Dollar.
Bei diesem abgefeimten Geschäft ging es jedoch noch um etwas anderes. Guillot revanchierte sich für die Hilfe, die ihm bei seiner Dro- 12 -

�seiner Drogenschieberei gewährt worden war, indem er sich an Waffenlieferungen für die M-19, eine in Kolumbien aktive Terroristengruppe, beteiligte.

Man hatte schon lange etwas derartiges vermutet und erlangte

schließlich auch Gewißheit.
schmugglern, um

Terroristen

Kuba bediente sich der Hilfe von Drogenund

kummunistische

Untergrundkämpfer

mit

Waffen zu versorgen, und Kuba ist nicht das einzige Land, das in diese
dunklen Geschäfte verstrickt war.

Später ergaben sich Beweise dafür, daß auch das sandinistische Regime
in Nicaragua in den Rauschgiftschmuggel verwickelt war.

Um ihm sicheres

Geleit durch Mittelamerika zu verschaffen, bekam Guillot vom nicaraguanischen Botschafter in Mexiko ein nicaraguanisches Visum.
offenbar auf Ersuchen eines M-19-Führers hin.

Dies geschah

Ermittlungen, die von der

amerikanischen Drogenfahndung in der jüngsten Zeit geführt wurden, haben
das Ausmaß der fortdauernden Verwicklung der Sandinisten aufgedeckt.

Am 17. Juli erhob die amerikanische Regierung vor dem Bezirksgericht
in Miami Anklage gegen zwei Kolumbianer und einen nicaraguanischen Regierungsbeamten - Frederico Vaughan, ein Mitarbeiter

des Innenministers

Tomas Borge - wegen Besitzes, illegaler Verbreitung und Einfuhr von Kokain.

Zwischen März und Juli 1984 hatten sich diese Personen zusammen-

getan, um eine Ladung von rund 1500 kg Kokain aus Kolumbien über Nicaragua in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln.

Der Mitarbeiter des nica-

raguanischen Inneministers Tomas Borge half am 4. Juni bei der Verladung
des Kokains in ein Flugzeug, mit dem es in die Vereinigten Staaten weitertransportiert werden sollte.

Den Drogenhändlern wurde gestattet, ihr

Flugzeug auf dem militärischen Teil des

Flughafens von Managua abzustel-

len, und wir besitzen Fotos, auf denen sandinistische Soldaten zu sehen
sind, die den Schmugglern bei der Verladung des Kokains in die Maschine
zur Hand gehen.

Diese Tatsachen legen den Schluß nahe, daß nicht nur

Vaughan, sondern auch noch andere nicaraguanische Regierungsbeamte an
diesem Rauschgiftgeschäft beteiligt waren.

Die Mittäterschaft kommunistischer Regierungen im Drogenhandel ist
für die Länder der freien Welt ein Anlaß zu ernster Besorgnis.
- 13 -

All dies

�All dies ist eingebettet in den größeren Zusammenhang der Mißachtung des
Völkerrechts durch kommunistische Staaten, die, wie wir gesehen haben,
auch den internationalen Terrorismus und andere Formen organisierter Gewalt gegen rechtmäßige Regierungen unterstützen. Die Verflechtung von
Drogenhandel, Terrorismus und Kommunismus ist auch nicht auf Lateinamerika beschränkt. Solche Verbindungen wurden auch in Italien und in der
Türkei beobachtet, obwohl die Regierungen dieser beiden Staaten mit aller
Härte und bemerkenswertem Erfolg dagegen vorgegangen sind. Ähnliche Netze gibt es immer noch in Birma und in Thailand. Außerdem liegen uns Indizen für eine bulgarische Beteiligung an illegalen Waffen und Rauschgif tgeschäften vor.
Wir können nur mutmaßen, was kommunistische Regierungen veranlaßt,
sich am Drogenhandel zu beteiligen.

Daß Kuba und Nicaragua ein zerrüt-

tetes Wirtschaftssystem haben und für die Einfuhr wichtiger Güter dringend harte Devisen benötigen, ist bekannt.

Außerdem haben wir erlebt,

wie Kuba sich der Hilfe von Rauschgiftschmugglern bediente, um kommunistische Untergrundkämpfer und Terroristen mit Waffen zu versorgen. Man
kann

sich

auch

unschwer

vorstellen, daß die Einschleusung

riesiger

Rauschgiftmengen in die Länder des Westens im Rahmen des allgemeineren
Ziels der Kommunisten zu sehen ist - das Gefüge der demokratischen Gesellschaft des Westens zu schwächen.
Ich will keineswegs sagen, daß die Drogenprobleme in unserem Land
überwunden oder auch nur wesentlich vermindert wären, wenn es uns gelingen würde, der kommunistischen Unterstützung des internationalen Rauschgifthandels Einhalt zu gebieten. Das Problem reicht darüber eindeutig
weit hinaus. Aber die freie Welt kann bei der Suche nach einer Lösung
für das Problem des Drogenmißbrauchs die Rolle, die kommunistische Regierungen in diesem Zusammenhang spielen, nicht ignorieren. Ich meine, daß
die Implikationen der Beteiligung dieser Regierungen an dieser Art von
internationalem Rechtsbruch über das Drogenproblem hinausweisen. Wenn
wir wirklich eine weltweit gültige Ordnung auf der Grundlage von Recht
und Gesetz schaffen wollen, dann dürfen die zivilisierten Nationen regierungsamtliche Unterstützung für Rechtsbrecher keinesfalls tolerieren.
Die
_ 14 _

Leistungen

�Die Leistungen der Reagan-Administration

Wir sehen uns bei der Bewältigung dieses Problems einer Vielzahl von
Hindernissen gegenüber, haben in den vergangenen Jahren aber dennoch
erhebliche Fortschritte gemacht.

Unsere Politik in der Frage des in-

ternationalen Rauschgifthandels beruht auf vier Grundprinzipien:

- Erstens:

Länder, in denen Rauschgift erzeugt bzw. über deren Ho-

heitsgebiet es transportiert wird, müssen zu der ihnen durch internationale Verträge auferlegten Verpflichtung

zur

Unterbindung

des

Anbaus von Rauschgiftkulturen und des Drogenschmuggels stehen.

-

Zweitens:

Die Völkergemeinschaft

muß den Ländern helfen, die

selbst nicht die Mittel besitzen, um die erforderlichen Maßnahmen
ergreifen zu können.

- Drittens:

Der Schwerpunkt muß weltweit bei der Erfassung und Un-

terbindung des Anbaus von Rauschgiftkulturen liegen.

Wie sich ge-

zeigt hat, bilden Maßnahmen gegen den Drogendhandel für sich genommen
keine Lösung.

- Viertens:

In den Herkunftsländern, die unserer Unterstützung be-

dürfen, müssen unsere wirtschaftlichen Hilfsprogramme im Rahmen der
Rauschgiftbekämpfung

an

Abkommen

zur

Eindämmung

des

Anbaus

von

Rauschgiftkulturen geknüpft werden.

Unser Ziel muß darin bestehen, die Rauschgifterzeugung in allen geographischen Regionen gleichzeitig unter Kontrolle zu bekommen.

Frühere

Mißerfolge haben uns gelehrt, daß sich Märkte verlagern können, wenn es
darum geht, eine Nachfrage zu befriedigen.

Es nützt nichts, wenn wir uns

immer nur auf einige wenige Regionen gleichzeitig konzentrieren.

Als

beispielsweise mit unserer Hilfe die Herstellung von Heroin in der Türkei
heruntergedrückt wurde, stieg die Produktion in Mexiko, so daß der Ausfall wettgemacht wurde.

Es ist daher wesentlich, wirklich in internatio- 15 -

�in internationalem Maßstab vorzugehen, und zwar in allen Herkunftsländern
gleichzeitig. Genau darauf arbeiten wir hin.
Als die gegenwärtige Administration im Jahr 1981 die Amtsgeschäfte
übernahm, hatten sich Birma, die Türkei und Mexiko verpflichtet, gegen
den Anbau von Rauschgiftkulturen vorzugehen. Dank der Bemühungen der
gegenwärtigen Administration unseres Landes und dank der wachsenden Besorgnis der politisch Verantwortlichen in den Herkunftsländern haben inzwischen auch Pakistan, Kolumbien, Belize, Peru und Bolivien solche Verpflichtungen auf sich genommen.
In Pakistan, das auf der Liste der Herkunftsländer von Heroin ganz
oben steht, konnte man bereits durchschlagende Erfolge beobachten. Dank
der außergewöhnlichen Anstrengungen der pakistanischen Regierung und
dank der Hilfe der Vereinigten Staaten konnte die Erzeugung von Rohopium
in Pakistan von einem enorm hohen Niveau von 800 Tonnen im Jahr 1979 auf
weniger als 60 Tonnen im Jahr 1983 heruntergedrückt werden. In Mexiko
konnte der Ausstoß an weiterverarbeitetem Heroin, der früher mit 7,5 Tonnen im Jahr einen erheblichen Umfang hatte, auf 1,4 Tonnen im Jahr 1983
gedrosselt werden.

Was zu tun bleibt
Vieles ist schon erreicht worden, aber unser Kampf hat erst begonnen. Vor uns liegt noch ein langer Weg. Einige Länder haben noch nicht
genug unternommen, um den Anbau von Rauschgiftkulturen auf ihrem Gebiet
zu unterdrücken. Wir müssen eine engere Zusammenarbeit anstreben und gegen den Anbau in allen Herkunftsländern wirksamer vorgehen. Es besteht
immer noch eine Überschußproduktion, die die Nachfrage nach Rauschgiften
nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern in der ganzen Welt weit
übersteigt. Wir wissen, daß das internationale Drogennetz verzweigter,
leistungsfähiger und ausgfeilter ist als je zuvor. Der Drogenmarkt verlagert sich ständig und paßt sich so jeder neuen Methode an, die wir zu
seiner Bekämpfung entwickeln. Es ist den Drogenschmugglern gelungen,
- 16 -

�Drogenschmugglern gelungen, neue Mittel und Wege zu finden, um ihr Geschäft unseren verstärkten Gegenmaßnahmen zu entziehen.

Schließlich haben wir die Erfahrung gemacht, daß einige kommunistische Länder den Drogenhandel nach wie vor für ihre eigenen Zwecke einsetzen und daher an seinem Weiterbestehen interessiert sind.

Das inter-

nationale Drogenproblem bildet deshalb eine wachsende Herausforderung für
unsere Nachrichtendienste, deren Aufgabe es ist, zuverlässige Schätzungen
des Umfangs der Rauschgiftproduktion zu liefern und die Verbindungen zwischen Drogenhandel, Terrorismus und kommunistischen Untergrundaktivitäten
aufzuspüren.

Wir machen aber Fortschritte.

Wir verfolgen eine Politik, die alle

Aspekte dieses internationalen Problems abdeckt - den Anbau von Rauschgif tkulturen, die Herstellung und Verteilung der Drogen, den Weg, den die
Profite nehmen und die Folgewirkungen für unser eigenes Land wie für andere Staaten.

Außerdem haben wir umfassende internationale Mittel zur

Unterdrückung des Rauschgifthandels entwickelt.

Ich glaube, daß dank unserer diplomatischen Bemühungen und unserer
Programme wie auch dank der Tatsache, daß sich die Anbauländer der verheerenden Auswirkungen des Drogenhandels zunehmend bewußt werden, die
Aussichten im Hinblick auf eine wirksame Unterdrückung des Rauschgiftgeschäfts besser geworden sind.

Ob die bemerkenswerten Erfolge, die

bereits erzielt werden konnten, wieder gefährdet werden, hängt jedoch
auch davon ab, wie die Vorgänge in den Vereinigten Staaten selbst im
Ausland wahrgenommen werden.

Unser Erfolg im Kampf gegen den interna-

tionalen Rauschgifthandel hängt in stärkerem Maße, als vielen Menschen
bewußt ist, von einem Erfolg unserer Kampagne gegen den Drogenmißbrauch
hier in den Vereinigten Staaten ab.

Es wird schwer sein, andere Länder

von der Notwendigkeit zu überzeugen, dem Anbau von Rauschgiftkulturen
Einhalt zu gebieten, wenn sie den Eindruck gewinnen, daß wir unserer eigenen Verantwortung, das Drogenproblem in unserem Land in den Griff zu
bekommen, nicht gerecht werden.
selbst nicht praktizieren.

Wir können nicht etwas predigen, was wir

Deshalb ist das, was wir hier in unserem ei- 17 -

�unserem eigenen Lande tun, so wichtig für den Erfolg unserer gesamten Bemühungen.

Die Vertreter der Obrigkeit in jeder Gemeinde überall in unse-

rem Lande müssen verstehen, daß die Wirksamkeit von außenpolitischen Anstrengungen zur Bekämpfung des Drogenhandels eindeutig mit der Wirksamkeit des Programms zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs in unserem Lande
selbst verknüpft ist.

Ferner muß uns klar sein, daß der Erfolg unserer

diesbezüglichen Kampagne letztlich davon abhängt, ob es uns gelingt, die
Nachfrage nach Drogen in den Vereinigten Staaten zu vermindern.
Indem wir unsere Anstrengungen landesweit verdoppeln, geben wir den
Menschen in anderen Ländern und ihren Regierungen zu verstehen, daß wir
in den Vereinigten Staaten entschlossen sind, unser eigenes Drogenproblem
in den Griff zu bekommen. Präsident Reagan hat die letzte Septemberwoche
landesweit zur Woche der Aufklärung über den Drogenmißbrauch und seine
Bekämpfung erklärt. Der Präsident ist entschlossen, bei diesen Anstrengungen die Führung zu übernehmen, da das Rauschgiftproblem eine direkte
Bedrohung der außen- wie innenpolitischen Werte und Ziele unseres Landes
darstellt.
Wir stellen uns dieser Bedrohung und machen dabei erhebliche
Fortschritte. Es wird einiger Zeit und harter Arbeit bedürfen, bis sich
der Erfolg einstellt. Aber wir schaffen eine Grundlage für die Zukunft
- für eine Zukunft, in der es nicht nur weniger Drogenmißbrauch in unserem eigenen Lande geben sollte, sondern auch eine Welt, in der es für
Rechtsbrecher keinen Platz und keine Nachsicht mehr gibt. In diesem
Kampf brauchen wir landesweit die breite Unterstützung aller Amerikaner.

- 18 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. September 1984

38

AUCH MENSCHENRECHTE ZENTRALER PUNKT DER STOCKHOLMER KONFERENZ
- Presseerklärung von Botschafter Kampelman -

STOCKHOLM - (AD) - In der Eröffnungserklärung auf einer Pressekonferenz am 14. September 1984 in Stockholm betonte Botschafter Kampelman,
der die amerikanische Delegation auf der Madrider KSZE-Folgekonferenz geleitet hatte, daß noch immer die "humanitären Dimensionen des HelsinkiProzesses verbessert werden müssen".
Die Eröffnungserklärung von Botschafter Kampelman hat folgenden Wortlaut:
Es ist nur zu passend, daß wir hier am Ort der Konferenz über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE)
zusammentreffen - einer Konferenz, um deren Zustandekommen wir uns im
Rahmen der Schlußakte von Helsinki auf dem Madrider Folgetreffen drei
Jahre lang bemühten. Als Leiter der amerikanischen Delegation in Madrid
freue ich mich außerordentlich, daß die Stockholmer Konferenz nunmehr

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Konferenz nunmehr stattfindet.

Meine Anwesenheit in Schweden ist Beweis für Präsident Reagans Verpflichtung gegenüber dem Helsinki-Prozeß und seine tiefe Besorgnis hinsichtlich der Verschlechterung der Menschenrechtslage in der Sowjetunion.
Der Präsident hat mich gebeten, mehrere europäische Staaten aufzusuchen,
um die schwerwiegenden Folgen zu besprechen, die mit dieser Verschlechterung für uns alle einhergehen. Es ist nur angemessen, daß eine solche
Aufgabe mich nach Schweden bringt, einem freien und demokratischen Land,
das den Werten der Menschenwürde verpflichtet und die Heimat von Raoul
Wallenberg ist, der für viele von uns ein herausragendes Beispiel für
jene ist, die sich um das Wohlergehen anderer sorgen.

Und es ist nur angemessen, daß ich zur Frage der Menschenrechte am
Ort einer Konferenz spreche, die sich mit der Bildung von Vertrauen zwischen den Staaten beschäftigt. Keine andere Entwicklung untergräbt so
sehr unser Vertrauen in die Intentionen der Sowjetunion wie ihre so
offensichtliche Verachtung gegenüber den humanitären Verpflichtungen, die
sie 1975 eingegangen ist, als sie die Schlußakte von Helsinki unterzeichnete.

Präsident Reagan erklärte kürzlich, "es gibt einige, die nur zu bereitwillig zu sein scheinen, angesichts der sowjetischen Übertretungen
ein Auge zuzudrücken, offenkundig in der Absicht, den Dialog zwischen
West und Ost zu verbessern. Aber diejenigen, die die standhafte Unterstützung von Freiheit und Demokratie verurteilen, sind keine Freunde des
Friedens, der menschlichen Freiheit oder des sinnvollen Dialogs". Ja,
diejenigen, die sich wirklich um den Frieden bemühen, sind Menschen wie
Dr. Andrei Sacharow, Bürger und Gewissen dieser Welt, dessen Verpflichtung zur Menschenwürde ihm die Verleihung des Friedensnobelpreises einbrachte.
Dem tragischen Schicksal von Dr. Sacharow

und

seiner Frau Elena

Bonner ist die Aufmerksamkeit der gesamten zivilisierten Welt zuteil

- 2 -

�Welt zuteil geworden. Es ist nur ein Beispiel für die vielen tausenden
anderer menschlicher Tragödien, die Folge der verstärkten Unterdrückung
sind, die wir mit großer Sorge in der Sowjetunion feststellen. Diese Verletzungen der Schlußakte von Helsinki untergraben nicht nur das Vertrauen
in die Integrität der Verpflichtungen, die die sowjetische Regierung eingegangen ist, sondern sie bedeuten auch einen unnötigen Rückschlag für
das Verlangen nach gegenseitigem Verständnis und dauerhaftem Frieden, wie
dies durch den Prozeß von Helsinki in Aussicht gestellt wurde. Die 35
Staaten, die die Schlußakte von Helsinki unterzeichneteN, verpflichteten
sich dazu, "die Menschenrechte und die Grundfreiheiten für alle zu achten". Wir müssen uns fragen, ob ein Staat, der bereit ist, internationale
Vereinbarungen in seinem Handeln gegenüber seinen eigenen Bürgern zu verletzen, das Vertrauen verdient, er werde auch den Abkommen entsprechen,
die sein Verhalten anderen Staaten gegenüber anbelangt.

Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten erstreben angesichts
dieses untergrabenen Vertrauens auf der Stockholmer Konferenz die Verabschiedung

konkreter,

praktischer,

vertrauensbildender

Maßnahmen,

die

nicht von Vertrauen allein abhängen, sondern die durch verifizierbare Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich Vertrauen schaffen können. Wir hoffen,
daß, langfristig gesehen, die Stockholmer Konferenz ein Abkommen in Europa bringen kann. Wir sind jedoch davon überzeugt, daß die humanitären Dimensionen des Helsinki-Prozesses verbessert werden müssen, wenn unsere
Völker, die jene Abkommen mit großer Freude aufnahmen, mit dem zufrieden
sein sollen, was wir zu erreichen hoffen. Das ist die Essenz des Gleichgewichtes, zu dem man in Helsinki und in Madrid nach schwierigen Verhandlungen gelangte.

Die Regierungen müssen eines begreifen: Wir dürfen nie vergessen, daß
jene Versprechungen, zu denen wir nach langer Arbeit in Abkommen und Erklärungen gelangt sind, von Taten begleitet sein müssen, die in Einklang
mit solchen Verpflichtungen stehen. Und wir dürfen außerdem bei unserer
täglichen gemeinsamen Arbeit, bei der es um wichtige Fragen der Diplomatie und der internationalen Beziehungen geht, nicht vergessen, daß es
auch die tägliche Realität für diejenigen gibt, die der Grundfreiheiten

- 3 -

�der Grundfreiheiten ermangeln, weil ihre Regierungen nicht in der Lage
waren, den Abkommen zu entsprechen, die sie in anderen diplomatischen Foren ausgehandelt hatten. Unsere Verpflichtung

gegenüber dem Helsinki-

Prozeß zwingt uns dazu, uns an diese menschliche Dimension zu erinnern.
Die Vereinigten Staaten hoffen zutiefst, daß bald die Zeit kommen
wird, da das echte und sinnvolle Vertrauen, nach dem den Unterzeichnern
der Schlußakte von Helsinki der Sinn stand, Früchte tragen wird. Diese
Verpflichtungen zeigen uns die klare Richtung hin auf Frieden, Zusammenarbeit und Sicherheit, die wir für uns selbst und für kommende Generationen wollen.

- 4 -

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. September 1984

38

AFGHANISTAN: KATASTROPHALE ZUSTÄNDE AUCH IM MEDIZINISCHEN BEREICH
-Bericht eines amerikanischen Arztes-

Washington -(AD)- Der amerikanische Arzt Dr. Robert Simon, Gründer
des World Medical Corps, zeichnete am 12. September 1984 im Kapitol in
Washington vor Reportern und Mitarbeitern des amerikanischen Kongresses
ein Bild von der medizinischen Lage in Afghanistan, die er "eindeutig die
bedenklichste auf der ganzen Welt heute" nannte.

Dr. Simon, der einzige amerikanische Arzt, der seit der sowjetischen
Invasion Afghanistans 1979 in diesem Land tätig ist und seither Hunderte
von Zivilisten behandelt hat, die Opfer sowjetischer Waffen waren, kam in
die Vereinigten Staaten, um Gelder für etwas zu sammeln, was er als "die
nahezu irreversible gesundheitliche Tragödie für das aghanische Volk" bezeichnete. Dabei wiederholte er seine bereits am 24. Juli dieses Jahres
erhobenen Vorwürfe, daß die sowjetischen Streitkräfte in Afghanistan mit
Absicht auch zivile medizinische Versorgungseinrichtungen bombardieren.

Dem müsse, so Dr. Simon, endlich Einhalt geboten werden: "Wir sind
eine rein ärztliche Organisation. Wir haben öffentlich angekündigt, daß

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�angekündigt, daß wir es gerne sehen würden, wenn die Sowjetunion diese
Hospitäler einer Inspektion unterziehen würde. Wir werden uns um Afghanen
kümmern; und wir werden uns um sowjetische Soldaten kümmern. Wir werden
uns um jeden kümmern, der zu uns kommt. Alles bei uns ist rein medizinisch."

Allerdings ist er in dieser Hinsicht pessimistisch: "Wir erwarten
keine Antwort. Denn das Ziel des Terrors ist ein ganz einfaches - man
will

die

Zivilbevölkerung

mit

Mitteln

der Angst

unterdrücken."

Und

weiter: "Wir würden natürlich auch gern helfen, ohne daß wir von den
MIG-Flugzeugen bombardiert werden."

Dr. Simon zeigte seiner Zuhörerschaft Diapositive, die er während
seines Aufenthaltes in Afghanistan aufgenommen hatte und die Kinder und
alte Menschen zeigen, die von den Bomben, den Raketen und den Minen der
Sowjets verstümmelt wurden und denen durch Dr. Simon und seinen Mitarbeitern oft geholfen werden konnte.

Für viele andere der Verwundeten aber fehlt meist jede Hilfe: "Seit
1979 sind rund eine Million Afghanen umgekommen. Viele Tausende hätten
aber nicht sterben müssen. Aber wenn man in Afghanistan verwundet wird
und sich nicht nahe der Grenze zu Pakistan befindet, so wird man sterben."

Seit 1979 sei die medizinische Versorgung vor allem auch deshalb
immer schlechter geworden, weil durch die sowjetische Invasion des Landes
das Rote Kreuz und andere internationale Hilfsorganisationen im medizinischen und humanitären Bereich von dort vertrieben wurden. Außerdem wurden
auch die meisten ausländischen Journalisten des Landes verwiesen, wodurch
es möglich wurde, daß die Grausamkeiten und Verletzungen des Völkerrechts
durch die Sowjets weitgehend im Dunkeln verbleiben und der Welt draußen
nicht bekannt werden.: "Sie haben um Afghanistan einen Eisernen Vorhang
gezogen."

Eine

der

Beispiel der

Verletzungen

des Völkerrechts

"erzwungene künstliche

ist

nach

Dr.

Nahrungsmittelmangel",

Simon
zu dem

zum
es

durch die Flächenbombardierung von Anbaugebieten durch die Sowjets kommt,
- 2 -

�Sowjets kommt, sowie die Hungersnot, die die große Zahl der Flüchtlinge
begleitet, die vor der Invasion fliehen. "Vier oder fünf Millionen Menschen sind Flüchtlinge. Es ist dies das größte Flüchtlingsproblem der
Welt."

Eine weitere Verletzung der Menschenrechte ist das Legen von Minen,
durch die bereits viele Kinder getötet wurden. Dabei handelt es sich, wie
Dr. Simon erklärt, um Minen in Form von Spielzeug, von Schmetterlingen
und von Bleistiften, die dazu dienen, Zivilisten zu töten.

"Wenn wir nicht sofort etwas dagegen unternehmen, wird dieses Volk
bald ausgerottet sein. In zwei oder drei Jahren wird die Situation irreversibel sein."

Die Lage werde auch durch die Tatsache verschärft, daß die Patienten
oder deren Angehörige immer wieder darauf beharren, auf die eine oder
andere Art für die ärztliche Behandlung zu bezahlen.

In Verbindung mit dem "Ausschuß für ein freies Afghanistan" bemüht
sich nunmehr Dr. Simon darum, die Aufmerksamkeit der Medien auf Afghanistan zu ziehen und Mittel für medizinische Einrichtungen im Lande dort zu
beschaffen.

Paul

Simon,

Angehöriger

des

amerikanischen

Repräsentantenhauses

(nicht mit Dr. Simon selbst verwandt) hat eine Resolution im Kongreß eingebracht, die die Reagan-Administration auffordert, die Höhe der Hilfsmittel für die Mujahedin einer Prüfung zu unterziehen. Elf Mitglieder des
Kongresses haben Resolutionen eingebracht, durch die sowjetische Flächenbombardements verurteilt werden sollen. Mehrere verwundete Afghanen, die
größerer chirurgischer Eingriffe bedürfen, wurden im vergangenen August
zu staatlichen amerikanischen Krankenhäusern in der Nähe von Washington
gebracht, und Mitarbeiter des Kongresses betonen, daß weitere Transporte
zu privaten amerikanischen Kliniken möglich seien.

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19. September 1984

STRAHLENTHERAPIE ZUR VORBEUGUNG GEGEN ABSTOSSUNGSREAKTION

- (AD) - Mit der voroperativün Bestrahlung aller Lymphknotenregionen
(TLI = Total Lymphoid Irradiation) ist bei Empfängern einer Fremdniere
eine drastische Einschränkung der Medikamente zur Unterdrückung von Abstoßung sreaktionen möglich. Es handelt sich dabei um eine Form der
Strahlentherapie, die ursprünglich zur Behandlung der Lymphogranulomatose
(Hodgkinsche Krankheit) entwickelt wurde.
Über das neue Verfahren, das noch als Experiment gilt, berichteten
Dr. Samuel Strober (Klinikum der Standord-Universität) und Dr. Barry
Levin (Pacific Medical Center, San Francisco) auf einem von der "Transplantation Society" Ende August 1984 in Minneapolis veranstalteten internationalen Kongreß. Bei 14 der 19 Patienten, die für die Studie ausgewählt wurden, blieb nach der strahlentherapeutischen Vorbereitung auf die
Nierenübertragung die im ersten Jahr nach der Operation gewöhnlich auftretende Krise immunbiologischer Reaktionen aus. Erfahrungen über einen
längeren Zeitraum liegen noch nicht vor. Jedoch bezeichneten die beiden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die beiden Wissenschaftler das Verfahren bei Nirentransplantationen als
äußerst vielversprechend.

Der Effekt von TLI, eine Abstoßungsreaktion zu

verhindern, halte lange Zeit an, so daß die Abhängigkeit von massiven immunsuppressiven Medikamenten nicht mehr gegeben sei.
Immunbiologische Reaktionen des Empfängerorganismus gegen das fremde
Organ stellen eine besondere Barriere dar.

Gelingt es nicht, sie unter

Kontrolle zu bekommen, wird das implantierte Organ nicht angenommen und
ist verloren.

Aus diesem Grund werden nach herkömmlicher Technik immun-

suppressive Medikamente gegeben - z. B. Cyclosporin, Azathioprin (Imuran)
und Prednison in hohen Dosen.

Diese können jedoch bei Langzeitanwendung

schwere und problematische Nebenwirkungen haben.
Wie Strober und Levin erläuterten, konnte unter TLI auf Cyclosporin
und Azathioprin völlig verzichtet werden. Die Patienten erhielten lediglich Prednison - und dies in so niedriger Dosierung, daß sie dem natürlichen Cortisonspiegel sehr nahe kam. Für Diabetiker, von denen sich einige unter den Empfängern einer neuen Niere befanden, sei dieser Umstand
sehr wichtig, weil hohe Prednisondosen ihre Krankheit komplizierten.
Mit den Bestrahlungen beginne man bereits einige Monate vor der
Transplantation. Dabei werden jeweils die Hauptregionen des Lymphgewebes, einschließlich Thymusdrüse und Milz, niedrigdosierter Röntgenstrahlung ausgesetzt. Gesamtdosis: 2000 rad. Durch die Bestrahlung werde
die Aktivität des Immunsystems unterdrückt, jedoch die Fähigkeit des Organismus zur Abwehr von Infektionen nicht ernsthaft beeinträchtigt, erklärte Strober. Nach der Operation erhalte der Patient eine einmalige
Gabe von Antithymozytenglobulin in hoher Dosierung, dann jedoch nur noch
Prednison in kleinen Mengen, sofern es nicht zu einer Abstoßungsreaktion
komme, die Nebenwirkungen der TLI-Therapie - Übelkeit, Müdigkeit und Absinken des Spiegels bestimmter Blutkomponenten - seien gewöhnlich begrenzt und vorübergehender Natur. Als häufigste Komplikation seien Infektionen mit Herpesviren beobachtet worden, jedoch seien diese normalerweise mit entsprechender antiviraler Therapie schnell zu beherrschen. Bei
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�beherrschen.

Bei einem der 19 Patienten, die in der Studie zusammenge-

faßt wurden, sei dies allerdings nicht gelungen.

Er bekam eine Herpes-

infektion, gleichzeitig entwickelte sich eine Abstoßungsreaktion;
Patient verstarb.

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der

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19. September 1984

NIERENINSUFFIZIENZ-KO^LIKATION BEI SCHWEFER LEBERERKRANKUNG
- Frühsymptome in Standardtests oft nicht zu erkennen -

- (AD) - Bei Patienten mit einer Lebererkrankung im fortgeschrittenen
Stadium, insbesondere bei Personen, die Alkohol in übermäßigen Mengen
konsumiert haben, treten häufig die klassischen Frühsignale für ein Nierenversagen nicht in Erscheinung. Wie Dr. Maxine Papadakis und Dr. Allen
Arieff vom "Veterans Administration Medical Center" in San Francisco auf
einer Tagung der "American Society of Nephrology" in Washington berichteten, gaben die routinemäßig vorgenommenen Labortests bei der Aufnahme von
13 leberkranken Patienten zur stationären Behandlung keinerlei Hinweise
auf eine Funktionsstörung der Nieren. Aber bereits kurze Zeit danach kam
es zu schwerer Niereninsuffizienz. Dieses "hepatorenale Syndrom" ist eine Komplikation, deren Ursachen noch nicht eindeutig geklärt sind. Es
wird u.a. auf diagnostische Verfahren, aber auch auf Nebenwirkungen bestimmter Lebertherapien zurückgeführt.
Ihre Beobachtungen nahmen Papadakis und Arieff zum Anlaß, auf die
Notwendigkeit hinzuweisen, Patienten mit schweren Erkrankungen der Leber

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Leber besonders sorgfältig auf die Funktionsfähigkeit der Nieren zu
untersuchen.

Insuffizienzen treten häufig früher auf, als man bisher an-

genommen habe, jedoch fehlten oft die üblichen ersten Symptome.

Gegen-

wärtig gebe es für das hepatorenale Syndrom so gut wie keine Behandlungsmöglichkeit.

Dies sei einer der Gründe, so die beiden Internisten, daß

in den Vereinigten Staaten Leberzirrhose und ihre Komplikationen bei Männern über 50 Jahre als Todesursache an fünfter Stelle stehen.

Jedoch sei

der Arzt durch eine exakte Bestimmung der Nierenfunktion bei Patienten
mit Lebererkrankung im fortgeschrittenen Stadium in der Lage, Therapien
zu meiden oder abzuändern, die das Risiko eines völligen Nierenversagens
vergrößern könnten.

* • * #

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