<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="1879" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/1879?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T01:24:39+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="1890">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/deba765ad624086d6805da2fdf57668e.pdf</src>
      <authentication>59da97d452f7c731a2f9569e4dfc7c38</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="9460">
                  <text>^^T^W^

nrormniion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States ot America

37

12. September 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan empfängt Gromyko im Weißen Haus
- Erklärung des Präsidenten Die Ziele der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik
- Rede Edward L. Rownys vor der Amerikanischen Legion WIRTSCHAFT
Strenge US-Gesetze gegen ausländische Subventionen
- USIA-Interviews mit Vertretern des Handelsministeriums
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumfähre "DISCOVERY" in Dienst gestellt
Industrieaktivitäten im Weltraum
- Erste Produkte für den Markt Infrarotastronomie am Südpol
- In der Antarktis beginnt wieder die Saison Von G. Weiss

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

T

^-- 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�mIERin?
pDlElno *

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

37

12. September 1984

REAGAN EMPFÄNGT GROMYKO IM WEISSEN HAUS
-Erklärung des Präsidenten-

Washington -

(AD) - Präsident

Reagan

kündigte

zu Beginn

seiner

Pressekonferenz vom 11. September 1984 an, daß der sowjetische Außenminister Gromyko die Einladung zu einem Treffen mit ihm am 28. September
im Weißen Haus angenommen hat.

Die Erklärung des Präsidenten sowie die diesen Punkt betreffenden
Fragen der Journalisten haben folgenden Wortlaut:
PRÄSIDENT REAGAN: Ich möchte gern eine kurze Erklärung abgeben und
werde dann gern auf Fragen antworten. Ich habe den stellvertretenden
sowjetischen Ministerpräsidenten und Außenminister Andrei Gromyko eingeladen, mit mir am 28. September im Weißen Haus zusammenzutreffen. Und
Herr Gromyko hat angenommen.

Ich glaube, es ist wichtig, die Gelegenheit zu nützen, die sich durch
Herrn Gromykos Aufenthalt in den Vereinigten Staaten bietet, um sich über

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sich über eine ganze Bandbreite von Themen internationaler Bedeutung zu
unterhalten.

Eine meiner höchsten Prioritäten besteht darin, Wege zu finden, um
den Umfang der Waffenarsenale zu verringern und unser Arbeitsverhältnis
zur Sowjetunion zu verbessern. Ich hoffe, daß mein Treffen mit ihm zu
diesem Ziel beiträgt, während unsere Administration weiterhin auf eine
sicherere Welt hinarbeitet.

FRAGE: Herr Präsident, nach dreieinhalb Jahren sehr geringen Fortschritts bei den amerikanisch-sowjetischen

Beziehungen

könnte mancher

dies als eine politische List Ihrerseits ansehen, um auf Mr. Mondales Behauptung zu reagieren, Sie seien in diesem Bereich zu nachlässig gewesen.
Was würden Sie dazu sagen?

PRÄSIDENT REAGAN: Nun, ich glaube, die Tatsachen widerlegen eine solch« Unterstellung. Faktum ist, daß wir bei einer ganzen Reihe von Gelegenheiten Treffen mit der Sowjetunion vorgeschlagen haben, und dies aus
mehreren Gründen. Wir haben kein Treffen mit ihr abgebrochen. Und da gerade die Eröffnung der Vollversammlung der Vereinten Nationen bevorsteht
und er seine Absicht lautwerden ließ, daran teilzunehmen, so habe ich
eine Einladung ausgesprochen, während seines Aufenthalts doch auch gleich
nach Washington zu kommen.

FRAGE: Glauben Sie, daß die Sowjets jetzt der Meinung sind, Sie würden sicherlich wiedergewählt und wollen daher aus diesem Grund jetzt ein
Treffen?
PRÄSIDENT REAGAN: Sie müssen sie schon selbst nach den Gründen dafür
fragen.
FRAGE: Glauben Sie, Sie können mit der Einladung den Leuten zeigen,
daß Sie eben nicht der Mann sind, der den Finger rasch am Abzug hat, wie
manche Sie darstellen wollen?
PRÄSIDENT REAGAN:

- 2 -

�PRÄSIDENT REAGAN: Das Wichtigste ist, daß ich Außenminister Gromyko vielleicht davon überzeugen kann, daß die Vereinigten Staaten nichts Böses im
Schilde führen.

* * * * *

- 3-

�12. September 1984

37

DIE ZIELE DER AMERIKANISCHEN RÜSTUNGSKONTROLLPOLITIK
- Rede Edward L. Rownys vor der Amerikanischen Legion -

Salt Lake City -(AD)- Das Ziel der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik ist die Gewährleistung einer gesicherten Abschreckung und erhöhter
Stabilität zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Dies erklärte der amerikanische Chefunterhändler

bei den START-Verhandlungen,

Edward L. Rowny, am 5. September 1984 in Salt Lake City in einer Rede vor
dem Verband ehemaliger Soldaten, der "American Legion". Rowny bot seinem
Publikum einen Überblick über die Rüstungskontrollvorschläge der ReaganAdministration und äußerte sich zuversichtlich über eine Wiederaufnahme
der START-Verhandlungen mit den Sowjets.
Seine Ausführungen, die wir auszugsweise wiedergeben, hatten folgenden
Wortlaut:
Im Bestreben, neue bedeutungs- und sinnvolle Rüstungskontrollabkummen
auszuhandeln, hat Präsident Reagan kühne und phantasiereiche Schritte ergriffen. Sein einziges Ziel in diesen Verhandlungen besteht darin, die
WeLt für uns und unsere Kinder sicherer zu machen. Kann man daraus vielleicht folgern, daß der Präsident unflexibel und gegen Rüstungskontrolle

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�gegen Rüstungskontrolle ist ? Sie sind sicherlich nicht dieser Meinung,
und ich kann Ihnen aufgrund meiner engen Zusammenarbeit mit ihm versichern, daß auch ich dies nicht zu glauben vermag.

Die Vorschläge, die die Vereinigten Staaten in Genf unterbreitet haben, sind fair und gerecht und geeignet, die Welt sicherer zu machen. Wir
jedenfalls würden sie sogleich annehmen, wenn sie von den Sowjets unterbreitet würden. Sie werden sowohl unseren Interessen als auch denen der
Sowjets gerecht. Man kann sogar sagen, daß sie den Interessen der ganzen
Welt dienen würden.

Was die Vereinigten Staaten überwinden wollen, ist jene Art von Rüstungskontrollabkommen der Vergangenheit, die einen weiteren Ausbau der
strategischen Waffen zuließen. Als wir die Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Waffen (SALT) abgeschlossen hatten, glaubten
wir, daß es uns gelungen sei, die strategischen Rüstungsprogramme der
Sowjets zu bremsen. Daher stoppten wir unsere eigenen Großprogramme, obwohl die Sowjets gleiches nicht taten. Die gesamten 70er Jahre hindurch
fuhren die Sowjets fort, neue Waffen zu bauen, wobei sie über alle vernünftigen Sicherheitsbedürfnisse weit hinausgingen. Um es mit den Worten
des ehemaligen Verteidigungsministers Brown zu sagen: "Als wir rüsteten,
rüsteten auch die Sowjets; als wir aufhörten zu rüsten, rüsteten die Sowjets trotzdem weiter." Bei den Verhandlungen über eine Verminderung der
strategischen Waffen (START) sind wir bestrebt, dafür zu sorgen, dau die
Rüstung heruntergeschraubt, nicht aber angekurbelt wird.

Der beunruhigendste Aspekt der sowjetischen Rüstung liegt in dem massiven Ausbau der Interkontinentalraketen (ICBMs). Dieser Ausbau steht in
einem völligen Mißverhältnis zu allen legitimen Sicherheitsbedürfnissen
der Sowjetunion. Diese Systeme sind deshalb die gefährlichsten von allen,
weil sie eine kurze Flugzeit haben, weil sie eine große Anzahl äußerst
treffsicherer Gefechtsköpfe mit hoher Sprengkraft tragen können und weil
ihre Unterbringung in ortsfesten Silos sie verwundbar macht. Diese Verwundbarkeit der ICBMs kann in Krisenzeiten ein erhebliches Maß an Instabilität hervorrufen.
Während
- 2 -

nach

�Während nach den sowjetischen Vorschlägen bei den START-Verhandlungen
eine Vermehrung der Zahl der Raketengefechtsköpfe um die Hälfte des gegenwärtigen Bestandes zulässig wäre, müßte dieser Bestand nach den amerikanischen Vorschlägen um ein Drittel vermindert werden. Außerdem zielt
der amerikanische Vorschlag darauf ab, durch eine Verringerung des sowjetischen Arsenals den Vorteil von mehr als 3 : 1 abzubauen, den die Sowjets unter dem Gesichtspunkt des Wurfgewichts der Raketen haben. Das
Wurfgewicht ist deshalb so wichtig, weil man es nutzen kann, um sowohl
die Zerstörungskraft als auch die Treffgenauigkeit einer Rakete zu erhöhen. Außerdem ist die Seite, die einen Überschuß an ungenutztem Wurfgewicht besitzt, in der Lage, die Zahl der Gefechtsköpfe auf ihren Raketen
schlagartig zu erhöhen. Indem sie betonen, daß ihre Vorschläge zu einer
20prozentigen Verringerung des Wurfgewichts ihrer ICBMs führen würden,
geben die Sowjets zu erkennen, daß ihnen die Bedeutung dieses Kriteriums
mittlerweile voll bewußt geworden ist.

Der amerikanische Vorschlag zielt auf eine umfassende Verminderung
der atomaren Bestände beider Staaten ab. Während der eineinhalbjährigen
Verhandlungen haben wir den Sowjets unsere Vorschläge sorgfältig erläutert, wobei wir eines vorausgesetzt haben: daß sowohl wir als auch die
Sowjets an einem stabileren strategischen Kräfteverhältnis interessiert
sind. In einigen Fällen haben sich die Sowjets unseren Auffassungen angeschlossen; in anderen Fällen haben sie dies nicht getan. Im Bestreben,
den von den Sowjets geäußerten Bedenken Rechnung zu tragen, hatte micn
der Präsident ermächtigt, erhebliche Veränderungen in unserer Position
vorzunehmen und zusätzliche, neuartige Vorschläge einzubringen, um eine
gemeinsame Grundlage mit den Sowjets zu entwickeln. Präsident Reagan hatte mich von Anfang an angewiesen, flexibel zu sein, auf die Sowjets einzugehen und mir alles anzuhören, was sie zu sagen hatten. Kein amerikanischer Vorschlag ist jemals in ultimativer Form unterbreitet worden.

Im Verlaufe der Verhandlungen haben die Sowjets bezüglich der Folgen,
die die amerikanischen START-Vorschläge für die strategischen Waffen der
Sowjetunion haben würden, einige extreme und unbegründete Vorwürfe erhoben. Insbesondere haben sie uns vorgeworfen, daß unser Vorschlag sie gemäß den von uns vorgegebenen Kriterien zu einer völligen Umstrukturierung
- 3 -

�völligen Umstrukturierung ihrer Streitkräfte in einem "beispiellosen Umfang" zwingen würde, während die Streitkräfte der Vereinigten Staaten angeblich SO gut wie unberührt bleiben würden.

Die Grundannahme der Sowjets in diesem Zusammenhang war, daß der amerikanische Vorschlag sie zum Bau neuer strategischer Waffen zwingen würde. Die Sowjetunion versuchte, sich als ein Land zu präsentieren, daß
nichts sehnlicher wünscht, als seine Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden, von den Vereinigten Staaten aber gegen seinen Willen zu immensen Rüstungsanstrengungen und zum Bau von Waffen gezwungen wird, an denen
ihm eigentlich nicht das mindeste liegt. Dieses Bild hält einer genauen
Prüfung nicht stand. Tatsächlich ist offenkundig, dab die Sowjetunion
keineswegs aufgehört hat, neue Waffen zu bauen, noch hat sie aufgehört,
neue Waffen zu testen und aufzustellen. Vielmehr hat sie die Entwicklung
in allen Bereichen kräftig vorangetrieben. Beispielsweise hat die Sowjetunion mit der Einführung eines neuen Typs raketentragender U-Boote begonnen. Es handelt sich dabei um die TYPHOON, das größte U-Boot, das je gebaut worden ist. Ferner erproben die Sowjets zwei neue Typen landgestützter Interkontinentalraketen und zwei neue Typen von unterseebootgestützten Raketen, von denen einer für die TYPHOON vorgesehen ist. Was schwere
Bomber angeht, so bauen die Sowjets nicht nur weitere Maschinen der Typen
BEAR und BACKFIRE, sondern haben auch einen weiteren Typ in der Flugerprobung, nämlich die BLACK JACK, die größer ist als die B-1B, die der erste neue schwere Bomber ist, den die Vereinigten Staaten seit einem Vierteljahrhundert einführen.

Wir glauben, daß Stabilität unser gemeinsames Ziel ist. Da die Sowjets mir zu verstehen gegeben haben, daß auch sie das strategische Kräfteverhältnis auf eine stabilere Grundlage zu stellen wünschen, ist der
Abbau und die Zerstörung eines Teils der gegenwärtig vorhandenen amerikanischen wie sowjetischen Waffen notwendig.

Kritiker unserer Politik, die sagen, daß wir zu viel von den Sowjets
verlangen, sollten sich einmal fragen, was sie eigentlich wollen. Wie
können diese Kritiker uns beschuldigen, nicht genug zu tun oder es mit
der Rüstungskontrolle nicht ernst zu meinen, dann aber andererseits sa- 4 -

�andererseits sagen, daü unsere Vorschläge, die nicht nur umfangreiche RüstungsVerminderungen, sondern sogar das gänzliche Verbot einiger Arten
von Waffen vorsehen, zu weit gehen oder ein höheres Mab an Rüstungskontrolle darstellen, als die Sowjets akzeptieren werden ? Wie können wir
und die Sowjets das strategische Kräfteverhältnis

auf eine stabilere

Grundlage stellen, ohne gefährliche und destabilisierende Raketen zu beseitigen V Wie kann man die Rüstung vermindern, wenn nichts beseitigt
werden soll ? Grundsätzlich ist festzuhalten, daß wir die Sowjets keineswegs zu einer radikalen Umstrukturierung ihrer Streitkräfte zwingen wollen. Vielmehr wollen wir einen allmählichen Übergang zu Systemen anregen,
die mehr Stabilität erlauben.

Ein anderer Hauptvorwurf der Sowjets besagte, daß der amerikanische
Vorschlag

sie

zu

weitreichenden

Rüstungsverminderungen

zwinge,

die

Streitkräfte der Vereinigten Staaten aber unberührt lasse. Dies ist nicht
wahr. Auch die Vereinigten Staaten würden erhebliche Rüstungsverminderungen vornehmen müssen. Ich möchte betonen, daß die RüstungsVerminderungen
auf unserer Seite keineswegs belanglos oder auf die Beseitigung alter,
unerwünschter Systeme beschränkt sein würden, ich möchte nachdrücklich
darauf hinweisen, daß die Vereinigten Staaten gemäß dem von ihnen selbst
eingebrachten Vorschlag gezwungen sein würden, etwa ein Drittel der gegenwärtig vorhandenen Raketengefechtsköpfe zu beseitigen, u.a. einen Teil
der neuesten und schlagkräftigsten Waffen. Nach allen objektiven Maßstäben wären dies tiefgreifende Schritte, die die sowjetische Anschuldigung
widerlegen, daß der amerikanische Vorschlag nur die Sowjetunion zu Rüstungsverminderungen zwingen würde.

Seit dem Beginn der START-Verhandlungen im Jahre 1982 hat Präsident
Reagan in seinem Bestreben, zu einem Übereinkommen zu gelangen, ein hohes
Maß an Flexibilität bewiesen. Zunächst sind einige Tatsachen zu erwähnen,
vor deren Hintergrund diese Thematik zu sehen ist. In seiner Rede vor dem
Eureka-College im Mai 1982 schlug der Präsident vor, die Zahl der ballistischen Raketen auf jeweils 850 - was der Hälfte des gegenwärtigen amerikanischen Bestandes entspricht - zu verringern und die Zahl der Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen auf jeweils b 000 zu senken, was
gleichbedeutend mit einer Verkleinerung der gegenwärtig bestehenden ame- 5 -

�bestehenden amerikanischen und sowjetischen Arsenale um ein Drittel wäre.
In Eureka schlug der Präsident weiterhin vor, daß man sich in den Verhandlungen zunächst auf die gefährlichsten und destabilisierendsten Systeme, d.h., auf die ballistischen Raketen konzentrieren solle. Wir haben
dabei jeaoch die übrigen Elemente der strategischen Streitkräfte und die
schweren Bomber keineswegs vernachlässigt. Bei den START-Verhandlungen
haben die Vereinigten Staaten von Anfang an bezüglich der schweren Bomber
einen zahlenmäßigen Gleichstand auf einem Niveau vorgeschlagen, das deutlich unter dem liegen sollte, daß nach den Bestimmungen des SALT-II-Vertrags zulässig ist.

Die Sowjets wollten jedoch keine so umfangreichen Rüstungsverminderungen vornehmen, wie wir. Sie behaupteten, daß wir etwas zu verbergen
suchten, indem wir unser Hauptaugenmerk auf die Raketen richteten, im
Frühjahr 1983 trugen wir den sowjetischen Vorbehalten Rechnung, indem wir
unseren Vorschlag in dreierlei Hinsicht abänderten. Erstens: Da die Sowjets eine Obergrenze von 850 nicht akzeptierten, änderten wir unseren
Vorschlag so ab, dab unsere Zahl näher bei der von ihnen vorgeschlagenen
lag. Zweitens: Da die Sowjets gleichzeitig über alle Arten von Waffen
verhandeln wollten, legten wir alles auf einmal auf den Tisch. Drittens
schließlich gaben wir den Sowjets zu verstehen, daß sie ihren Vorteil von
3 : 1 beim Wurfgewicht der Raketen nicht so weit aufgeben mußten, daß ein
völliger Gleichstand erzielt worden wäre. Natürlich möchten wir einen
solchen Gleichstand lieber heute als morgen hergestellt sehen. Wir sind
an sofortigen Rüstungsverminderungen interessiert, werden aber auch weiter auf solche Verminderungen und auf Gleichstand hinarbeiten. Von der
Verfolgung dieser vorrangigen Ziele werden wir nicht ablassen. Indem wir
die genannten und andere technische, aber dennoch bedeutsame Abänderungen
an unseren Vorschlägen vornahmen, bezeugten wir unsere Bereitschaft zur
Flexibilität und einer ernsthaften Verhandlungsführung. Die Sowjets ihrerseits nahmen ebenfalls gewisse Änderungen an ihrer ursprünglichen Position vor.

Infolge unserer Bereitschaft, um eines Abkommens willen Flexibilität
an den Tag zu legen und neue Vorschläge einzubringen, wurden im Frühjahr
und Sommer 1983 große Fortschritte erzielt, größere Fortschritte, als
- 6 -

�Fortschritte, als allgemein erkannt wird.

Wir waren der Meinung, daß unser Vorschlag vom Herbst 1983, der Konzessionen in einem Bereich als Gegenleistung für Konzessionen in einem
anderen Bereich vorsah, den Weg zu einem Abkommen ebnen könne. Beispielsweise sind wir dazu bereit, die Zahl unserer unterseebootgestützten ballistischen Raketen (SLBMs) und unserer Bomber zu verringern und die Zahl
der von Flugzeugen aus gestarteten Marschflugkörper (ALCMs) zu begrenzen,
die wir an sich bauen dürften. Wir sind bereit, diejenigen Waffen, die
den Sowjets Sorge bereiten, zu vermindern oder zu begrenzen, wenn sie im
Gegenzug die Waffen vermindern oder begrenzen, die uns Sorge bereiten.
Wir brachten auch das Abbau-Konzept in die Diskussion ein, das vorsieht,
daß mehr Waffen abgebaut werden müssen als aus Modernisierungsgründen neu
gebaut werden. Dieses Konzept ist deshalb so wichtig, weil es den Beginn
der Entwicklung einer überparteilichen Position in der Rüstungskontrollpolitik im Kongreß markiert.

Im November letzten Jahres verließen die Sowjets aus Protest gegen
die Stationierung von Pershing-II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern (GLCMs) in Europa die Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF). Wie wir uns vergegenwärtigen müssen, werden die besagten
Waffensysteme aufgrund eines entsprechenden Ersuchens unserer europäischen Verbündeten aus dem Jahre 1979 stationiert. Mit ihnen soll der großen Bedrohung begegnet werden, die sich aus der von den Sowjets im Jahre
1977 begonnenen Stationierung von über 1 000 auf Ziele in Europa gerichteten SS-20-Gefechtsköpfen ergeben hat.

Niemand kann vorhersagen, was die Sowjets tun werden. Als sie die
INF-Verhandlungen verließen, haben sie nicht gesagt, daß sie überhaupt
nicht zu den START-Verhandlungen zurückkehren würden. Sie haben einfach
nur gesagt, daß sie nicht zu den START-Verhandlungen zurückkehren würden,
bevor sie ihre Neubewertung der strategischen Lage abgeschlossen hätten.
Aufgrund meiner zehnjährigen Erfahrung, die ich in unmittelbaren Verhandlungen mit den Sowjets gewonnen habe, bin ich jedoch davon überzeugt, daß
ihre Rückkehr an den Verhandlungstisch keine Frage des "ob", sondern lediglich eine Frage des "wann" ist. Sie haben immer entsprechend ihren
- 7 -

�entsprechend ihren Interessen gehandelt, und es liegt in ihrem Interesse
- ebenso wie in unserem - dab die Gefahr eines Atomkriegs verringert wird.

All dies stellt eine gewaltige Herausforderung für die Vereinigten
Staaten dar. Eines ist klar: Wir müssen mit der Modernisierung unserer
Streitkräfte fortfahren. Dadurch bekommen die Sowjets einen Grund mehr,
mit uns zu verhandeln. Sie sind kalt rechnende Realisten. Sie haben mir
zu verstehen gegeben, daß auch sie einen Atomkrieg vermeiden wollen.
Außerdem wissen sie, daß sie langfristig keine Chance haben, mit den Vereinigten Staaten im technologischen Bereich Schritt zu halten. Daher kann
ihnen ein kostspieliger Rüstungswettlauf nichts einbringen. Ferner müssen
wir um der Stabilität willen das Ungleichgewicht korrigieren, das wir haben entstehen lassen. Wenn wir dies tun, erreichen wir zweierlei: Erstens
gewährleisten wir unsere eigene Sicherheit, indem wir für mehr Stabilität
sorgen. Zweitens sind wir dann eher in der Lage, ein Rüstungskontrollabkommen auszuhandeln. Die Sowjets haben uns schließlich oft genug gesagt,
daß sie umsonst keine Konzessionen machen. Die landgestützten Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen, die die Sowjets aufgebaut haben, verschaffen ihnen die Möglichkeit zum Erstschlag. Die Sowjets haben
über 8U0 schwere und mittelschwere ICBMs aufgestellt, darunter 308 der
Ungeheuer von Typ SS-18. Die ICBMs von Typ MINUTEMAN, über die die Vereinigten Staaten z.Z. verfügen, erreichen nur ein Drittel der Schlagkraft
der mittelschweren sowjetischen Raketen vom Typ SS-19 und SS-17 und nur
ein Sechstel der Schlagkraft der SS-18.

Die PEACEKEEPER- oder MX-Rakete stellt eine begrenzte Antwort auf den
einseitigen Vorteil dar, den die Sowjets durch ihre schweren und mittelschweren ICBMs erlangt haben, und selbst aus dieser Antwort spricht Mäßigung. Weder haben wir versucht, genauso große und schlagkräftige Raketen
zu bauen, wie die SS-18, noch haben wir versucht, genauso viele Raketen
zu

bauen,

wie

die

Sowjets

besitzen.

Wir beabsichtigen lediglich,

100 PEACEKEEPER-Raketen aufzustellen, d.h., nur die Hälfte der Zahl, die
von früheren Administrationen vorgeschlagen worden ist. Dies entzieht der
sowjetischen Behauptung, daß wir eine Erstschlagsfähigkeit

anstreben,

jegliche Grundlage.
Schließlich
- 8 -

besteht

�Schließlich besteht unser Ziel darin, einen Atomkrieg durch Abschrekkurifj zu verhindern. Dies Ziel könnten wir erreichen, indem wir mit den
Sowjets gleichziehen, aber das wollen wir gar nicht. Worum es uns geht,
ist, die Abschreckung in einer solchen Weise zu sichern, daß gleichzeitig
auch ein höheres Mab an Stabilität gewährleistet wird. Dies ist dann möglich, wenn wir zu einer Übereinkunft mit den Sowjets kommen, die dafür
sorgt, daß das Rüstungsniveau auf beiden Seiten gesenkt wird, und zwar
dergestalt, daß das Kräfteverhältnis zwischen uns auf eine stabilere
Grundlage gestellt wird.

Ich glaube, daß sich den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eine
historische Gelegenheit bietet, die Entwicklung hin zu immer größeren
atomaren Arsenalen auf beiden Seiten umzukehren. Es steht auber Zweifel,
daß wir unsere ernsthaften Bestrebungen, solch tiefgreifende Rüstungsverminderungen herbeizuführen, fortsetzen müssen und werden. Ich glaube aber
auch, dab der Vorschlag, den wir nun auf den Tisch gelegt haben, der beste ist, den es während der zehn Jahre, in denen ich Verhandlungen mit
den Sowjets geführt habe, je gegeben hat. Er kann den Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und sogar der gesamten Menschheit in vielfacher Weise zum Nutzen gereichen.

Als für uns nach mehreren Monaten des Verhandeins offenkundig wurde,
daß wir mit unseren ursprünglichen Vorschlägen die Sowjets überforderten
und daß sie nicht dazu bereit waren, im Interesse der Stabilität erhebliche Änderungen in der Struktur ihrer Streitkräfte vorzunehmen, veränderten wir unsere Position. Ohne unseren grundlegenden Prinzipien untreu zu
werden oder unsere langfristigen Ziele aufzugeben, änderten wir unsere
Vorschläge ab, um den Hauptvorbehalten Rechnung zu tragen, die die Sowjets gegen sie hegten. Die Sowjets ihrerseits änderten ihre ursprünglichen Vorschläge in mehrerlei Hinsicht, um unseren Vorbehalten Rechnung zu
tragen, wovon wir angenehm überrascht waren. Dies führte dazu, daß wir im Gegensatz zu der in der Öffentlichkeit vorherrschenden Meinung - bei
den START-Verhandlungen erhebliche Fortschritte erzielen konnten, bevor
die Sowjets den Verhandlungstisch verließen.

Im Hinblick auf den Umfang, den Inhalt und die Tragweite seiner Rü- 9 -

�seiner Rüstungskontrollvorschlage ist Präsident Reagan weiter gegangen,
als jeder andere Präsident vor ihm. Er hat erhebliche Verringerungen bei
mehr Typen und Kategorien von Atomwaffen - und sogar die völlige Beseitigung einiger Arten - angestrebt, als jeder seiner Vorgänger. Seien Sie
daher versichert, daß die Rüstungskontrolle eine wichtige Angelegenheit
ist und daß wir sie sehr ernst nehmen.

- 10 -

�12. September 1984

37

STRENGE US-GESETZE GEGEN AUSLANDISCHE SUBVENTIONEN
-USIA-Interviews mit Vertretern des Handelsministeriums-

WASHINGTON - (AD) - Ausländische Waren, die mit Hilfe von Subventionen
der Regierungen ihrer Ursprungsländer in die Vereinigten Staaten gelangen, werden künftig aufgrund strikter amerikanischer Gesetze mit beträchtlichen Zöllen zu rechnen haben, um damit einem unfairen Wettbewerb
auf dem amerikanischen Markt entgegenzuwirken.
Dem amerikanischen Handelsministerium zufolge haben die Vereinigten
Staaten 1984 bereits entweder formell oder informell sechs Warentypen aus
11 Ländern geprüft, die der Ansicht des Ministeriums zufolge von ihrem
Ursprungsland subventioniert sein könnten.
Die
amerikanische
Handelsgesetzgebung
ermöglicht
es
dem
Handelsministerium,
bei
subventionierten
Einfuhren
Ausgleichszölle
(Ausgleichsabgaben) zu verhängen, sollte ein inländischer Industriezweig
materiell geschädigt werden, der ähnliche Produkte herstellt, oder sollte
er aufgrund subventionierter Importe der Gefahr eines solchen Schadens
ausgesetzt sein. Zweck dieser Bestimmung ist, einen jeglichen unfairen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�jeglichen unfairen Vorteil auszugleichen, der aufgrund ausländischer Subventionen gegenüber einem amerikanischen Hersteller erlangt werden
könnte.
Amerikanischen Regierungsvertretern zufolge steht dieses Handelsgesetz der Vereinigten Staaten auch in Einklang mit den internationalen
Handelsvereinbarungen, wie sie im Zusammenhang mit dem Allgemeinen Zollund Handelsabkommen (GATT) ausgehandelt wurden. So erlaubt GATT es beispielsweise einem Mitgliedstaat, Ausgleichszölle zu erheben, wenn es zu
dem Schluß gelangt, daß die Auswirkungen einer Subvention, die ein anderer Mitgliedstaat androht oder durchführt, einem seiner eigenen Industriezweige einen materiellen Schaden zufügt bzw. zuzufügen droht.
Während allgemeines internationales Einverständnis dahingehend zu
herrschen scheint, daß Subventionen einem Land gegenüber einem anderen
gewisse Vorteile einräumen, so herrscht eine beträchtliche Meinungsverschiedenheit dahingehend, welche Praktiken eine Subvention darstellen und
wann die GATT-Regeln es erlauben, Ausgleichszölle zu verhängen.
Gilbert B. Kaplan, beim US-Handelsministerium für solche Untersuchungen zuständig, erklärte gegenüber dem amerikanischen Informationsamt
(USIA), daß gemäß des Gesetzes über Handelsvereinbarungen von 1979 Ausgleichszölle festgesetzt werden können, um sowohl Export- als auch Importsubventionen auszugleichen.
Ihm zufolge wird eine Praxis, durch die eine Regierung den Export
unterstützt, als Exportsubvention angesehen - ganz gleich, ob diese
Praxis allen Exporten zur Verfügung steht oder lediglich den Exporten
eines einzelnen Industriezweiges.
"Am häufigsten sind Steuerabschreibungen bei Exporten, staatliche
Subventionen, die von einer Steigerung der Exporte abhängig gemacht
werden, sowie andere Praktiken, bei denen es um einen Bonus für Exporte
geht," so Roland MacDonald, der im Handelsministerium die Untersuchungen
- 2-

�die Untersuchungen über Ausgleichszolle leitet, in einem Interview mit
USIA.
Eine öffentliche Subvention ist, wie Kaplan erklärte, ein "Vorteil,
den eine Regierung einem bestimmten Industriezweig bzw. einer Reihe von
Industriezweigen gewährt, der aber in dem Land als ganzem nicht allen Industriezweigen insgesamt gewährt wird." Dies stellt für bestimmte Industriezweige einen wirtschaftlichen Vorteil dar, der sie im Wettbewerb gegenüber anderen Produzenten ähnlicher Güter begünstigt.
Zu den Kategorien von Praktiken, die gemäß dem amerikanischen Ausgleichszollgesetz Subventionen darstellen, gehören:
— Kapital, Darlehen oder Darlehensgarantien unter Bedingungen, die
nicht in Einklang mit normalen Geschäftsbedingungen stehen;
Güter oder
gewährt werden;

Dienstleistungen,

die

unter

Präferenzbedingungen

-- Bereitstellung von Mitteln oder die Erlassung von Schulden zur
Abdeckung von Verlusten, die ein bestimmter Industriezweig gemacht hat;
— Übernahme jeglicher Kosten oder Ausgaben bei Produktion und Vertrieb.
Kaplan betonte, daß Subventionspraktiken den amerikanischen Ausgleichszöllen nicht unterliegen, wenn die Hilfen der Regierung generell
allen Industrien eines Landes zugänglich seien.
MacDonald wies darauf hin, daß die gemäß amerikanischem Recht als
Subventionen definierten Praktiken diejenigen umfassen, die der GATTKodex als solche auflistet - sich jedoch nicht auf diese beschränken.
Dem Handelsministerium zufolge wurden seit 1982 unter anderem die
folgenden Subventionspraktiken aufgedeckt, die Ausgleichszölle zur Folge
haben:
— Stahlprodukte aus Korea:

�-- Stahlprodukte aus Korea: Die dortige Regierung ermöglichte eine
präfereniieile Exportfinanzierung. So bot sie steuerliche Exportanreize
für staatliche Firmen, für Stahlerzeuger, für die regionale Entwicklung
und für Firmen in ausländischem Besitz. Die koreanischen Firmen erhielten
Zollvergünstigungen auf Rohstoffe für Fertigwarenexporte und zogen Nutzen
aus den Zuschüssen zu den Transportkosten für Stahlhersteller.
— Kohlestahldraht aus Südafrika: Die südafrikanischen Hersteller
zogen Vorteile aus Programmen für Exportanreize, Vorzugspreise beim
Schienenverkehr für Transporte ins Ausland sowie staatliche Rückzahlungen
bei derlei Transporten. Die südafrikanische Regierung übernahm die Finanzierungskosten bei speziellen Industriezweigen, einschließlich der Stahldrahthersteller.
—Stahlblech und Walzstahl aus Großbritannien: Die britischen Hersteller erhielten Vorzugsdarlehen und Kapitalzuschüsse zu Bedingungen,
die nicht in Einklang mit kommerziellen Kriterien standen. So übernahm
zum Beispiel die Regierung Verbindlichkeiten der Stahlfirmen, um die Bildung einer vom Staat gestützten Gesellschaft zu ermöglichen und brachte
je nach Bedarf Mittel in diese Gesellschaft ein. Die Regierung stellte
außerdem Darlehen für regionale Entwicklung bei ausgewiesenen Produktionssektoren und Zuschüsse bei der entsprechenden beruflichen Ausbildung
zur Verfügung.
--Unlegierter Stahl aus Brasilien: Die Regierung stellte der
Stahlindustrie Kapital und langfristige Darlehensgarantien zur Verfügung,
die nicht in Einklang mit kommerziellen Bedingungen standen. Sie vergab
außerdem Vorzugsdarlehen und Steuervergünstigungen bei Stahlerzeugung und
-export, Steuerrückzahlungen an die Stahlindustrie aus Steuerzahlungen
der anderen Industriezweige sowie Steuerbefreiung bei Importerzeugnissen
für Projekte dieser Industrie.
Bei der Frage, ob es zu einem Ausgleichszoll kommen soll oder nicht,
gilt es eine weitere Unterscheidung dahingehend zu treffen, ob die
- 4-

�ob die Subvention in einer Marktwirtschaft oder einer Planwirtschaft vergeben wird. In einer grundlegenden Entscheidung vom 2. Mai 1984 kam das
amerikanische Handelsministerium zu dem Schluß, daß das amerikanische
Ausgleichszollgesetz aufgrund der Definition der Subvention "keine Anwendung auf Planwirtschaften" finden soll: Subventionen sind Maßnahmen,
die durch die Zuweisung von Mitteln die Marktkräfte des Angebots und der
Nachfrage verzerren. Kaplan gegenüber USIA: "Wir gelangten zu dem Schluß,
daß es keine Marktkräfte gibt, wenn die gesamte Wirtschaftsstruktur subventioniert wird. Gegen diese Entscheidung liegen derzeit Einsprüche vor,
aber solange der entsprechende Schiedsspruch aussteht, wird es keine Ausgleichszollfälle geben, die Planwirtschaften betreffen."
Es könne jedoch wegen der Gesetze, die sich mit subventionierten Importen befassen, zwischen verschiedenen Ländern zu Meinungsverschiedenheiten kommen, weil GATT den Regierungen keine festumrissene Ratschläge
gibt, wie der Vertreter einer anderen Behörde gegenüber USIA erklärte. So
verlangen die GATT-Regeln im Bereich Subvention und Ausgleichszölle - wie
dies im Verlauf der Tokio-Runde der Handelsverhandlungen 1973-1979 beschlossen wurde - bei Exportsubventionen für Fertig- und Halbfertigwaren
von Industriestaaten eindeutig deren Verbot; weder GATT noch der Kodex
definiere jedoch exakt, was eine Subvention ist.
GATT zufolge ergeben sich auch aus subventionierten Exporten eines
Landes, die die Exporte gleicher Natur eines Drittstaates verdrängen,
Nachteile. Aus diesem Grunde sollten im Rahmen des GATT Konsultationen
stattfinden, um über eine Begrenzung der Subventionen zu sprechen. Doch,
so ein Regierungsvertreter, ergeben sich hierbei Probleme, weil die
GATT-Bestimmungen, die sich mit Drittländermärkten befassen, nicht präzise genug sind.
So verlangen bestimmte GATT-Regelungen von einem Land, auf Rohstoffe
nicht mehr Exportsubventionen zu vergeben, als zu einem "angemessenen Anteil" dieses Rohstoffs auf dem Weltmarkt führt. Andere Regelungen wiederum erlauben

den Entwicklungsländern

Exportsubventionen

.5-

bei Fertigwaren,

�bei Fertigwaren, Halbfertigwaren und Rohstoffen, vorausgesetzt, diese
Subventionen führen nicht zur Schädigung der Exporte oder der Industrie
anderer Länder.
Allerdings, so der Regierungsvertreter, definiert GATT nicht diesen
"angemessenen Anteil" und die Staaten sind sich hinsichtlich einer
gemeinsamen Definition nicht nähergekommen.
In einem Fall etwa, in dem die Vereinigten Staaten einen Fall von
Exportsubventionen bei GATT zur Regelung einbrachten, erklärten die
Vereinigten Staaten, daß subventionierte Exporte es der Europäischen,
Gemeinschaft ermöglichten, ihren Anteil am Weizenmehlmarkt auf Kosten
anderer Weizenmehlexporteure -wie etwa der Vereinigten Staaten und
Kanadas- zu vergrößern. Bei GATT wurde indessen erklärt, man wisse nicht,
was "ein angemessener Anteil" sei und sei "praktisch nicht in der Lage,
zu einer Entscheidung zu gelangen."
"Wir", so der amerikanische Regierungsvertreter, "sind der Meinung,
daß GATT und der Subventionskodex eine Art rechtlicher Dokumente sind,
während die Europäische Gemeinschaft, unterstützt von einer Reihe anderer
Länder, die Haltung einnimmt, es handle sich hierbei um eine Art von
Verhandlungs- oder Konsultationsregelungen, nicht jedoch um rechtliche
Verpflichtungen, über die Jahre hinweg hat dies natürlich eine gewaltige
Auswirkung auf das Funktionieren von GATT."

***********

_ 6-

�T

Wi//en/ch&lt;ift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

37

12. September 1984

RAUMFÄHRE "DISCOVERY" IN DIENST GESTELLT

- (AD) - Acht Stunden nach dem Start der amerikanischen Raumfähre
DISCOVERY am 30. August 1984 zu ihrem sechstä'gigen Jungfernflug wurde der
erste Auftrag ausgeführt: Die Besatzung setzte den kommerziellen Nachrichtensatelliten SBS 4 in der Umlaufbahn ab, 294 km über der Erdoberfläche. Automatisch zündete 45 Minuten später das Feststofftriebwerk von
SBS 4 für den Weitertransport - zunächst in eine elliptische Übergangsbahn. Die Aktivierung eines weiteren kleinen Feststofftriebwerks führte
den Satelliten schließlich in die kreisförmige geostationäre Bahn in 36
000 km Höhe. Er ist Eigentum der Fa. Satellite Business Systems, die
Kommunikationssysteme für Wirtschaft und Industrie anbietet. Das 485 kg
schwere Gerät ist mit zehn Transpondern ausgerüstet. Fünf davon dienen
der Ausweitung des SBS-Telefondienstes, fünf werden an eine Gesellschaft
für Satellitenfernsehen vermietet. Die Drei ersten SBS-Satelliten sind
nach wie vor in Betrieb und voll ausgelastet, über SBS 4 können 1 300
Ferngespräche gleichzeitig laufen.
Auch das Absetzen und der Weitertransport der Nachrichtensatelliten
TELSTAR (im Auftrag von "American Telephone and Telegraph") und SYNCOM
(im Auftrag der Fa. Hughes für den Mietbetrieb durch die US-Marine)

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die US-Marine) verliefen planmäßig.

TELSTAR war, wie SBS 4, mit einem

inzwischen verbesserten PAM-Antrieb ausgerüstet (PAM ist die Abkürzung
für "payload assist module").

Der von der Fa. McDonnell Douglas ent-

wickelte Nutzlasten-Zusatzantrieb war bereits einige Male mit Erfolg verwendet worden, hatte jedoch beim Start zweier Nachrichtensatelliten von
Bord der Raumfähre CHALLENGER im Februar 1984 versagt.

Sowohl PALAPA B

(Auftraggeber war die indonesische Regierung) als auch WESTAR 6 (für das
amerikanische Fernmeldeunternehmen Western Union) gerieten damals in viel
zu niedrige, nutzlose Bahnen.

Wie jetzt die NASA (US-Amt für Luft- und

Raumfahrt) mitteilte, soll bei einem Raumtransporterflug im November 1984
versucht werden, zunächst PALAPA B, vielleicht auch Westar 6 zu bergen.
Ein Neustart dieser Satelliten wäre dann Mitte 1985 möglich.

Der neun Tonnen schwere SYNCOM-Nachrichtensatellit

ist von seiner

Formgebung her auf den Raumtransporter als Trägergerät zugeschnitten und
auf diesen angewiesen.

Nach dem Ausrollen aus dem Frachtraum der Raum-

fähre wird der Koloß mit einem eingebauten, mit Flüssigtreibstoff arbeitenden Raketenmotor zur geostationären Bahn katapultiert.

Es war vor allem die Aufgabe von Dr. Judith Resnik, nach Dr. Sally
Ride die zweite Amerikanerin im Weltraum, den neuartigen Sonnenenergie-Kollektor zu betreuen.

Voll entfaltet hat die segelähnliche Kon-

struktion (Gewicht: 90,8 kg) eine Breite von 32 m, ist jedoch verpackt
nur wenige Meter lang und 18 cm hoch.

Sie kann ohne Schwierigkeiten

wieder gefaltet, zur Erde zurückgebracht und mehrfach wiederverwendet
werden.

Die Solarzellen, mit denen das "Segel" besetzt ist, erzeugen

zusammen 12,5 kW Strom.

Der Kollektor ist eine von zahlreichen Appara-

turen, die erprobt werden, um ihre Eignung zur Energieversorgung künftiger Raumstationen zu testen.

Charles Walker von der Fa. McDonnell Douglas, erster Nicht-Astronaut
an Bord eines amerikanischen Raumtransporters, war für die Überwachung
einer Elektrophorese-Apparatur

zuständig, mit der

hochreine Ausgangs-

stoffe für pharmazeutische Produkte gewonnen werden.
higkeit ist unter Weltraumbedingungen,

- 2 -

d.h.

Die Leistungsfä-

in der Schwerelosigkeit,

�der Schwerelosigkeit, 700 Mal größer als auf der Erde. Bei der jetzt erprobten Apparatur handelt es sich bereits um den Prototyp einer für den
Betrieb im Weltraum entwickelten Fabrikationsanlage.

Einsatzmaterial für

den kontinuierlichen Trennungsprozeß durch Elektrophorese war ein Hormon,
von dem zur Aufnahme klinischer Versuche größere Mengen erforderlich
sind, als bisher zur Verfügung standen.

* * * * *

- 3-

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
12. September 1984

37

INDUSTRIEAKTIVITÄTEN IM WELTRAUM
- Erste Produkte für den Markt -

- (AD) - Nachrichtensatelliten waren bisher die einzigen Entwicklungen der Raumfahrttechnik, die Unternehmen der Wirtschaft für eigene Aktivitäten im All einsetzten.

Jetzt hat der Raumtransporter der Industrie

neue Wege eröffnet, und zwar für eine "Fabrikation im Weltraum".

Sowohl

die Erprobung erster Versuchsausrüstungen für die Reinigung oder Abtrennung bestimmter Komponenten aus Mischsubstanzen oder die Herstellung winziger Latex-Kügelchen bei den ersten Einsätzen amerikanischer Raumtransporter als auch die Experimente im Europäischen Weltraumlabor SPACELAB
während des COLUMBIA-Kluges im November 1983 lieferten dazu aufschlußreiche Daten.

Beim Jungfernflug der Raumfähre DISCOVERY (30. August bis 5. September 1984), des dritten Raumtransporters der Vereinigten Staaten, wurde
ein weiterer wichtiger Schritt getan.

Die Firma McDonnell Douglas hatte

einen ihrer Ingenieure, Charles Walker, mit auf die Reise geschickt, um
eine Apparatur zu betreuen, die bereits als Prototyp für eine kommerzielle pharmazeutische Produktionsanlage gilt.

Es war eine Elektropho-

rese-Apparatur, mit der in der Schwerelosigkeit in einem kontinuierlichen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einem kontinuierlichen Prozeß eine hormonelle Substanz in Mengen gewonnen
wurde, die die Durchführung von Tierversuchen und die klinische Erprobung
im nächsten Jahr erlauben.

Die Betriebsdauer der Maschine an Bord der DISCOVERY betrug 100 Stunden.

Der Sprecher der Fa. McDonnell Douglas, die bei diesem Project mit

der Ortho Pharmaceutical Corporation zusammenarbeitet, machte keine Angaben darüber, um welches Hormon es sich handelte.

Er sagte lediglich, daß

es "eines Tages für die Behandlung einer Reihe von Krankheiten von Nutzen
sein soll". Mit einer größeren Maschine, die im kommenden Jahr bei "Space
Shuttle"-Flügen eingesetzt werden soll, dürfte die Produktionsmenge bereits kommerziellen Umfang erreichen.

Beide Firmen hoffen, das neue Hor-

mon 1987 auf den Markt bringen zu können. Mit diesem Verfahren wird im
elektrischen Feld aus der flüssigen Mischung von Substanzen biologisches
Material abgetrennt.

Dabei ist die Schwerelosigkeit ein ganz wichtiger

Faktor, um sehr hohe Konzentrationen, dazu in besonders großem Reinheitsgrad, zu bekommen.

Wie James Beggs, der Administrator der NASA, berichtete, stehen gegenwärtig 20 Firmen aus verschiedenen Wirtschaftsbranchen mit der NASA
wegen Fabrikationsprojekten im Weltraum in Verhandlung.

Neben pharmazeu-

tischen Produkten interessieren vor allem Elektronik-Materialien, Gläser
und neuartige Legierungen.

Das US-Bundesamt für Technische Normen wird

Anfang 1985 an Bord von Raumtransportern mit einem Speziaireaktor erzeugte Latex-Kügelchen u.a. als Eichmaterial zulassen.

Dank der schwerelosen

Bedingungen im Weltraum konnten diese Kügelchen, die z.B. auch als Trägersubstanz für Medikamente dienen, in völlig einheitlicher Größe hergestellt werden (was auf der Erde nicht gelingt).

Sie sind ein Hundertstel

Millimeter groß und dürfen als "Standard-Referenz" verwendet werden.

In

Industrie und medizinischer Forschung werden sie z.B. auch zum Eichen
empfindlicher Instrumente benutzt.

Die NASA wird ca. 600 "Einheiten" des

Latex-Materials zu je 400 Dollar verkaufen.

Eine "Einheit" ist ein Glas-

röhrchen von 5 ccm Inhalt, das etwa 15 Millionen Latex-Kügelchen in Wasser aufgeschwemmt enthält.
Anfang

- 2 -

November

�Anfang November 1984 nimmt die 3M Company ein umfangreiches Forschungsprogramm zur Herstellung von Produkten im Weltraum auf.

An Bord

des Raumtransporters wird ein Experiment aus der organischen Chemie installiert.

Firmensprecher James Schwinn erläuterte, daß man neuartige

und qualitativ besonders hochwertige Kristalle züchten wolle.

Das neue

Material werde in erster Linie im Computerbau und in der Kommunikationstechnik zur Informationsübertragung mit Licht verwendet.

Auch sei die

Herstellung ultradünner Filme für die Elektronik und andere Industrien
geplant.

Das eigentliche Programm sei sehr umfangreich und auf einen

langen Zeitraum ausgelegt.

* * * * *

- 3-

�37

12. September 1984

INFRAROTASTRONOMIE AM SÜDPOL
- In der Antarktis beginnt wieder die Saison Von G. Weiss

- (AD) - "Sonnenseismologie" werden einige amerikanische und französische Wissenschaftler

in

der

im

Oktober

schungssaison 1984/85 am Südpol betreiben.

beginnenden

Antarktis-For-

In der von den Vereinigten

Staaten unterhaltenen Amundsen-Scott-Station ist eine Gruppe französischer Astrophysiker bei ür. Martin A. Pomerantz von der Universität
Delaware und seinen amerikanischen Kollegen zu Gast, um gemeinsam mit
diesen unter Einsatz neuentwickelter Instrumente Oszillationen der Sonne
zu beobachten.

Daß die Sonne "pulsiert", wurde 1975 zum ersten Mal beobachtet.

Vier

Jahre später begann die sog. Polar-Astronomie, als zum ersten Mal in den
Polargebieten ein paar kleine Instrumente, Spezialkonstruktionen, für die
Sonnenforschung erprobt wurden.

Trotz der harten Lebensbedingungen bie-

tet der Südpol gerade für die Solarforschung manche Vorteile: Mitte September geht am Südpol die Sonne auf und verschwindet erst wieder Mitte
März, läßt also den Astrophysikern eine ungewöhnlich lange ununterbrochene Beobachtungszeit.

'Ähnlich günstige Verhältnisse finden Wissenschaft-

�finden Wissenschaftler für Sternenbeobachtungen - allerdings sind dazu
die polaren Wintermonate erforderlich.

Die Sonne kommt nicht mehr über

den Horizont, ihr Licht kann Untersuchungen mit verschiedensten Instrumenten an den Sternen nicht stören.

Allerdings wurden am Südpol im

"Austral-Winter" (Sommer auf der Nordhalbkugel) schon Temperaturen unter
minus 80 Grad Celsius gemessen.

Im Gegensatz zum Nordpol, der inmitten eines vereisten Meeres liegt,
befindet sich die Südpolstation auf einem riesigen Block von Eis, der
festem Gestein aufliegt.

Fernrohre am Südpol haben etwa die gleiche

günstige Postion wie ein Observatorium auf einem 3 300 m hohen Berg.
Auch sind Tage und Nächte am Südpol häufig klar und wolkenfrei - ganz im
Gegensatz zu dem oft unter Nebel liegenden Nordpolargebiet.
hohe Windstärken sind erfahrungsgemäß selten.

Stürme und

Und weil die Luft meist

trocken wie in der Wüste ist, bleibt die Absorption von Licht bestimmter
Wellenlängen aus - ein Faktor, der für die Infrarotastronomie eine entscheidende Rolle spielt.

Das solare Seismologieprojekt ist Teil des bisher unfangreichsten
Programms der Vereinigten Staaten für astrophysikalische Forschung in der
Antarktis.

Langzeitbeobachtungen der Sonne liefern Daten zum Aufbau des

Sonneninnern und der dynamischen Prozesse, insbesondere zur Dynamik der
sog. Konvektionszone unter der sichtbaren Sonnenoberfläche.

Der gröbte

Teil der Sonnenaktivitität hat dort ihren Ursprung.

Bei den verwendeten Kompakt-Instrumenten

(einige wurden

schon im

Antarktissommer 1982/83 erprobt) handelt es sich u.a. um ein neuartiges
optisches Teleskop und ein spezielles Resonanzspektrometer, das auf eine
einzige Spektrallinie fixiert wird.

Es vermag selbst geringste Verän-

derungen der Wellenlängen zu registrieren.
längenverschiebungen

An Hand der erfaßten Wellen-

können die Wissenschaftler ermitteln, in welchem

Ausmaß sich die Sonnenoberfläche hebt und senkt.

Mit einem Fotometer für den Submillimeterbereich wird Prof. Pomerantz
vom Südpol aus auch erstmals den südlichen Teil der galaktischen Ebene

- 2 -

�galaktischen Ebene und kosmische Molekülwolken im Nachbarbereich beobachten.

Die Untersuchungen geschehen im Zusammenhang mit der Frage, ob

die Sternenbildung ein kontinuerlicher Prozeß ist oder ob er sich stoßweise vollzieht.

Außerdem wird die "Temmperatur", d.h. die Bewegungs-

energie der Staubpartikel in bereits abgesonderten Materiezusammenballungen, die der Sternenbildung vorausgehen, gemessen.

Zur chemischen

Evolution in unserem Milchstraßensystem werden von diesen Studien ebenfalls Informtionen erwartet.

Mit einem transportablen Kompaktinstrument (Apertur: 15 cm) setzt eine andere amerikanische Forschergruppe die Beobachtung der periodisch
auftretenden Dunkeleffekte am Sonnenrand fort.
chung von Helligkeitsschwankungen der Sonne.

Dies dient der Untersu-

Die Daten werden im Natio-

nalen Sonnenobservatorium der USA in Sunspot (New Mexico) analysiert.

Für eine weitere Wissenschaftlergruppe beginnt die Arbeit erst im
Juni 1985, weil sie für ihre Untersuchungen am Stern Gamma 2 Velorum (im
Sternbild Vela) auf Lichtschwankungen und bestirnte Spektrallinien der
Elemente Helium und Kohlenstoff auf "Nachtbedingungen" angewiesen ist.
Vergleichende Beobachtungen werden an drei weiteren Sternen unternommen,
außerdem werden das veränderliche "Hintergrundleuchten" des Firmaments
und Unterschiede in der Durchlässigkeit der Erdatmosphäre für bestimmte
Wellenlängen gemessen.

- 96 Forschungsprojekte Mit insgesamt 96 Forschungskprojekten aus verschiedenen Disziplinen neben Astronomie z.B. Geologie, Atmosphärenforschung, Gletscherforschung,
Ozeanography und Biologie - wollen sich in der bevorstehenden Saison in
der Antarktis mehr als 300 Wissenschaftler befassen.

Für die Vereinigten

Staaten, die seit nunmehr drei Jahrzehnten regelmäßig Naturwissenschaftler in die Antarktis entsenden, werden die vorgesehenen Projekte von der
National Science Foundastion (NSF - Nationale Wissenschaftsstiftung) finanziert und koordiniert.
Auf Fossiliensuche

�Auf Fossiliensuche geht eine 19köpfige Gruppe aus sechs amerikanischen Universitäten und Instituten auf der Seymour-Insel (vor der Ostküste der Antarktischen Halbinsel), wo 1982 Fossilien von Säugetieren gefunden wurden.

Dies bestätigte damals Theorien, denen zufolge Landsäu-

getiere, vor allem Beuteltiere, in der einst klimabegünstigten, warmen
Antarktis zuhause waren.

Das Studium von Sedimenten aus Kreidezeit bis

Tertiär, was eine 1U0 Millionen bis 40 Millionen Jahre zurückliegende
Periode der Erdgeschichte umfaßt, gilt zahlreichen Arten pflanzlicher und
tierischer Fossilien.

Von besonderem Interesse sind Fossilien von Wir-

beltieren - von Fischen, Vögeln, Land- und Meeresreptilien sowie von
Säugetieren.

Denn die Seymour-Insel ist einer der wenigen Orte auf der

Erde, wo Überreste von Lebewesen aus dieser Periode kontinuierlich dokumentiert sind.

Bodenproben aus dem heute völlig kahlen Gebiet könnten

außerdem Hinweise liefern, ob auch hier, wie schon in einigen anderen
Teilen der Erde nachgewiesen, eine "Iridium-Anomalie" im Übergang von
Kreidezeit zu Tertiär festzustellen ist.

Die Existenz einer an Iridium reichen Schicht - eines chemischen Elements, das zu den Edelmetallen der Platingruppe zählt - wurde erstmals
1980 von vier Wissenschaftlern der Universität Kalifornien (unter ihnen
der Physiker und Nobelpreisträger Luis W. Alvarez) als mögliches Anzeichen gewertet, daß vor ca. 65 Millionen Jahren ein riesiger Komet oder
Asteroid auf die Erde gestürzt sei.

Diese Katastrophe könnte infolge

einer plötzlichen Kälteperiode, die Staub- und Schuttmassen nach dem Einschlag in der Atmosphäre über einen längeren Zeitraum verursachten, zum
Aussterben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten geführt haben.
Der feine Staub, der in den folgenden Jahren allmählich zu Boden
sickerte,

enthielt

verhältnismäßig

viel

Iridium

und

andere

Elemente, wie sie gewöhnlich in Eisenmeteoriten vorkommen.

seltene

Die Theorie,

daß eine Vielzahl von Arten, von Einzellern bis zu Ammoniten und Dinosauriern, der Katastrophe zum Opfer fielen, wurde durch die Ergebnisse
einer neuen Studie teilweise erhärtet.

Eine amerikanische Forschergruppe

unter der Leitung von Dr. Walter Alvarez, Professor für Geologie und Geophysik an der Universität Kalifornien in Berkeley, überprüfte kritisch
- 4 -

�überprüfte kritisch die Hypothesen von sieben verschiedenen Wissenschaftlerteams, zu denen diese auf Grund ihrer Untersuchungen zum Verschwinden
niederer und höherer Spezies des Pflanzen- und Tierreiches während des in
Frage stehenden Zeitabschnitts gekommen waren.

Vor allem die Berichte

über vier Gruppen wirbelloser Meerestiere aus einem Gebiet, von dem kontinuierliche geologische Daten über die gesamte Periode vorliegen, führten Alvarez und Mitarbeiter zu der Schlußfolgerung, daß diese Arten
plötzlich, vielleicht sogar innerhalb eines einzigen Jahres ausgelöscht
wurden. Die klassische Theorie der Paläontologie, derzufolge gegen Ende
der Kreidezeit eine Reihe von Tier- und Pflanzenarten allmählich ausgestorben ist, wird von den Forschern nicht in Frage gestellt.

Sie for-

dern jedoch weitere Studien in bezug auf andere Fossiliengruppen, um mehr
wissenschaftliches Material zu bekommen, das die vermutete Katastrophe
besser als das bisher vorliegende belegen könnte.
- Reine Luft - wie lange noch? -

Ein ausgeklügeltes Experiment zum Studium großräumiger Luftströmungen
zur und aus der Antarktis unternehmen Wissenschaftler des Los Alamos National Laboratory unter der Leitung von Dr. Paul R. Guthals.

Noch hat

die Antarktis die sauberste Luft, die es auf der Erde überhaupt gibt.
Wie lange noch?

Wird die mit Staub und chemischen Verbindungen aller Art

beladene Luft aus den Industrieländern bis zur Antarktis vordringen?

Wie

wird die zunehmende Industrialisierung von Ländern der Dritten Welt auf
der Südhalbkugel schließlich die Erdatmosphäre beeinflussen?

Frühere Luftuntersuchungen in der Antarktis ergaben u.a., daß die
chemische Zusammensetzungen von Aerosolen (Luftschwebstoffen) am Südpol
in den Sommermonaten anders sind als in den Wintermonaten.

Wahrschein-

lich muß mit saisontypischen Strömungsrichtungen gerechnet werden.
Bereits im Juni und Juli 1984 hat die Gruppe Guthals angefangen, von
Flugzeugen aus über Gebieten zwischen Neuseeland und der Antarktis Schweres Methan als Spurengas in Höhen von 5 500 und 6 000 m freizusetzen.

Im

Oktober werden nochmals zwei deutlich unterscheidbare Formen von Schwermethan in 5 500 m Höhe und wenige Meter über der Wasseroberfläche frei-

�Wasseroberflacne freigesetzt.

Das Gas besteht aus seltenen schweren Iso-

topen von Wasserstoff und Kohlenstoff, so daß die mit den Luftströmungen
zur Antarktis getragenen Partikel in den dort auf Forschungsstationen von
fünf Ländern regelmäßig genommenen Luftproben auffallen werden.

Man er-

hofft sich Hinweise zur Beantwortung der Fragen, wie schnell und auf welchen Wegen die Spurengase zur Antarktis transportiert und wie stark sie
verdünnt wurden.

Die Meßdaten könnten eine bessere Basis für die Vorher-

sage des Transports von Aerosolen zur Antarktis schaffen - Aerosolen, die
natürlichen Ursprungs sind oder durch menschliche Aktivität verursacht
sein können.

Windströmungen in der Antarktis entstehen, indem das Defi-

zit an Luftmassen, die zu den Meeren hin und über den Meeren abströmen,
durch eine ständige Zufuhr von Luft aus hohen Schichten der Atmosphäre
ausgeglichen wird.

* * * * *

- 6-

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9457">
              <text>12.09.1984</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9458">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9459">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="13668">
              <text>Amerikadienst 12.09.1984</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="13669">
              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan empfängt Gromyko im Weißen Haus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ziele der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Edward L. Rownys vor der Amerikanischen Legion -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strenge US-Gesetze gegen ausländische Subventionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USIA-Interviews mit Vertretern des Handelsministeriums -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumfähre "DISCOVERY" in Dienst gestellt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Industrieaktivitäten im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Produkte für den Markt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Infrarotastronomie am Südpol&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- In der Antarktis beginnt wieder die Saison - Von G. Weiss&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
