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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

35

29. August 1984

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Wahlen in Amerika 1984

75)
- Ronald Reagan: Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner Die Wahlen in Amerika 1984

TV
- George Bush: Der Vizepräsidentschaftskandidat der Republikaner
Die Wahlen in Amerika 1984

W)
- Auszüge aus dem Wahlprogramm der Republikanischen Partei Todesflug KAL 007
- Chronologie der Ereignisse WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Marihuana-Konsum im Rückgang
- Aber Alkohol und Rauchen verleiten Jugendliche zum Einstieg -

Um Ubcr/cnJung von
BckgcKcmploicn
wird gebeten

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�35

29. August 1984
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
( 8 )
RONALD REAGAN: DER PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER REPUBLIKANER

DALLAS, TEXAS - (AD) - Ronald Reagan, 40 Präsident der Vereinigten
Staaten von

Amerika und erneut Präsidentschaftskandidat der Republi-

kanischen Partei, wurde am 6. Februar 1911 in Tampico im Staate Illinois
geboren.

Sein Vater, katholisch, war irischer Abstammung; seine Mutter,

protestantisch, schottischer Herkunft. Zusammen mit einem älteren Bruder
wuchs er in bescheidenen Verhältnissen in dem ländlichen Gebiet im Norden
seines Heimatstaates auf. Als er neun Jahre alt war, fand die Familie
ihren festen Wohnsitz in Dixon, Illinois, wo er die Grundschule und dann
die höhere Schule besuchte. Bereits als Schüler fand er seine, von der
Mutter geförderte Liebe zur Schauspielkunst.

Seine Studien am Eureka

College in Eureka, Illinois, schloß Reagan 1932 mit dem Bachelor of Arts
ab und arbeitete anschließend als Sportreporter für eine Rundfunkstation
in Davensport im Staate Iowa. Er wurde weit über dessen Grenzen hinaus
bekannt, als sich sein Sender dem Netz der National Broadcasting Company
(NBC) anschloß und er vor allem über große Football- und Baseball-Spiele
berichtete (die in USA mit gleichem oder sogar noch größerem Interesse

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Telex: 8-85432

�größerem Interesse verfolgt werden als in der Bundesrepublik etwa Bundesligaspiele).
Als er 1937 im Trainingslager einer bekannten Baseball-Mannschaft in
Kalifornien einen Bericht gab, verpflichtete ihn ein Beauftragter der bekannten amerikanischen Filmgesellschaft Warner Brothers als Rundfunkansager in einem Film (Love is on the Air - etwa: Wir senden Liebe).

Damit

begann seine Karriere als Filmschauspieler, in deren Verlauf er in über
500 Filmen spielte, allerdings nur einmal, in "The Killers," einen Bösewicht.

Von 1942-46 diente Reagan im Fliegerkorps der amerikanischen Armee
und war auch dort berufsnahe mit Ausbildungsfilmen befaßt.
Bereits 1947 erhielt seine Karriere als Schauspieler einen stärkeren
politischen Akzent, als er zum Präsidenten der "Screen Actors Guild",
einer der großen Gewerkschaften, gewählt wurde, die das Talent Hollywoods
vertreten.

In den sechs Jahren, in denen Reagan diesen Posten bekleide-

te, führte er mehrere erfolgreiche TarifVerhandlungen.

Eine klare Hal-

tung nahm er gegen kommunistische Einflüsse ein, und in diesem Sinne trat
er auch im Oktober 1947 vor dem Ausschuß gegen Unamerikanische Tätigkeiten des amerikanischen Repräsentantenhauses auf.

Der politische Entwicklungsprozeß Reagans begann sich nach seiner
Militärzeit 1946 zu ändern.

In seiner im Jahr 1965 veröffentlichten

Autobiographie schreibt er, daß er Ende der vierziger Jahre noch ein
"Liberater bis aufs Blut" gewesen sei, der sich für eine Sache aufgerieben habe. Als Mitglied der liberalen Gruppierung "Americans for
Democratic Action" wurde er von seinen politischen Mitstreitern mehr und
mehr enttäuscht, und er fürchtete eine kommunistische Infiltration der
Vereinigungen, deren Mitglied er war. Reagan unterstützte zunächst die
Demokratische Partei, so 1948 deren Präsidentschaftskandidaten Henry S.
Truman, jedoch arbeitete er bereits 1952 und 1956 für den republikanischen Kandidaten Dwight D. Eisenhower.

Im Jahr 1960 trat er endgültig

zur Republikanischen Partei über und unterstützte die Kandidatur von
Nixon.
Reagan gab

�Reagan gab um diese Zeit seine Tätigkeit beim Film auf und trat im
Fernsehen hervor, das ihm ein politisches Forum bot. Sein Einsatz galt
mehr und mehr dem rechten Flügel der Republikanischen Partei, und nach
seiner berühmten "Insel der Freiheit"-Rede für Goldwater im Jahr 1964
wandten sich einflußreiche Kreise in Kalifornien an ihn, ob er nicht für
das Amt des Gouverneurs in Kalifornien kandidieren wolle.

In dem Maße,

in dem Reagan an die Spitze des politischen Lebens in Kalifornien drängte, verlor die Republikanische Partei auf gesamtnationaler Ebene an Einfluß, was Reagan in das nationale Interesse rückte. Die Demokraten unterschätzten bei den Wahlen 1966 ganz offensichtlich sein politisches
Talent, und er schlug den bisherigen kalifornischen Gouverneur Brown eindeutig.
Als Gouverneur des Staates Kalifornien von 1967 bis 1975 konnte
Reagan seine politische Basis überall in den Vereinigten Staaten festigen, und die Möglichkeit einer Kandidatur für die Präsidentschaft zeichnete sich immer deutlicher ab. So beschloß er, bei den Wahlen 1974 keine
dritte Amtsperiode als Gouverneur von Kalifornien anzustreben, sondern
sich für das Amt des Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei zu bewerben. Wie gefestigt seine Position in der Partei war, geht
daraus hervor, daß er die Kandidatur gegen den amtierenden Präsidenten
Gerald Ford auf dem Parteikonvent nur um 60 Stimmen verfehlte. Als Ford
im Oktober 1979 bekanntgab, daß er für die Wahlen 1980 nicht kandidieren
wolle, war die Spitzenposition Reagans praktisch unbestritten.

Bereits als Gouverneur von Kalifornien war Reagan bekannt dafür, daß
er sich mit fähigen Beratern umgab und deren Rat hörte; was ihm auch etwas den Ruf eintrug, er lasse den Dingen ihren Lauf.

Auch wurde ihm der

Vorwurf gemacht, er vereinfache die Dinge zu sehr. Bei seiner Antrittsrede als Gouverneur in Kalifornien im Jahr 1967 antwortete er darauf jedoch: "Man hat uns gesagt, daß es auf komplexe Probleme keine einfache
Antworten gebe... Ich meine, es gibt einfache Antworten, nur keine
leichten."
Nach fast vier

- 3 -

�Nach fast vier Jahren Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten
kann Reagan sagen, daß er das Selbstbewußsein und Selbstvertrauen der
Amerikaner neu gestärkt hat. Unser Kurs ist "Hoffnung, Zuversicht und
Wachstum", so erklärte er bei der Annahme seiner Kandidatur auf dem Nationalkonvent der Republikanischen Partei am 23. August 1984 in Dallas.
Reagan sprach von einem "neuen Anfang" und verwies vor allem auf seine
wirtschaftlichen Erfolge.
"Heute", so führte er wörtlich aus, "hat Amerika von allen großen
Industrienationen der Welt das stärkste wirtschaftliche Wachstum; eine
der niedrigsten Inflationsraten; die hochtste Rate bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze - allein 6,5 Millionen Arbeitsplätze in den letzten anderthalb Jahren - ; einen Rekord von 6000 000 Geschäftsneugründungen im
Jahre 1983 und das stärkste Anwachsen des realen Personaleinkommens nach
Steuern seit dem Zweiten Weltkrieg. Wir erfreuen uns des höchsten Standes der Geschäftsinvestitionen in unserer Geschichte, und Amerika hat
wieder die Führung in der Entwicklung der gewaltigen neuen Möglichkeiten
in Wissenschaft und Hochtechnologie übernommen."
Als die größte Herausforderung der Zukunft bezeichnete Reagan die
Verringerung des Risikos eines Atomkrieges durch eine Verringerung der
Zahl der Kernwaffen. "Ich habe in den letzten dreieinhalb Jahren vor
Parlamenten in Europa und Asien gesprochen", so sagte Reagan, "und erklärt, daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals geführt
werden darf."
"Es gibt nur zwei Nationen, die durch ihr Übereinkommen die Welt von
diesen Waffen des Untergangs befreien können: die Vereinigten Staaten von
Amerika und die Sowjetunion", so betonte Reagan. "Um unserer Kinder und
um der Sicherheit der Welt willen, bitten wir die Sowjets - die unsere
Verhandlungen verlassen haben - sich uns im Abbau (dieser Waffen) anzuschließen und die Erde von dieser schrecklichen Bedrohung zu befreien."
Als erneuter Präsidentschaftskandidat erinnerte Reagan daran, daß zu

- 4 -

�daß zu dem Zeitpunkt, als er sein Amt antrat, Amerika sich "in ernsten
Schwierigkeiten" befand.

Die amerikanischen Streitkräfte hätten sich in

einem schlechten Zustand befunden.
uns", so erklärte er.

"Viele unserer Verbündeten mißtrauten

"In den vier Jahren, bevor wir unser Amt antraten,

fiel ein Land nach dem anderen unter sowjetisches Joch.

Seit dem 20.

Januar 1981 ist kein Meter Boden an die Kommunisten verloren gegangen."

Reagan bekannte sich erneut zu einem militärisch starken Amerika und
zur Bündnispolitik.

"Wir haben auch damit begonnen, unsere wertvollen

Bündnisse zu reparieren, vor allem unser historisches NATO-Bündnis. Eingehende Gespräche in Asien haben uns in die Lage versetzt, eine neue Runde des diplomatischen Fortschritts dort einzuleiten.

Im Nahen und Mitt-

leren Osten ist es weiterhin schwierig, historische Konflikte zu einem
Ende zu bringen - aber wir lassen uns nicht entmutigen.

Und wir werden

immer unser Versprechen halten, daß wir einen unserer engsten Freunde Israel - niemals verlassen werden."

Auch die Freunde der Vereinigten

Staaten in Lateinamerika würden nicht im Stich gelassen.
In der Steuerpolitik versprach Reagan, daß sie "arbeitsfreundlich,
wachstumsfreundlich und familienfreundlich" gestaltet werde.

Der Pessimismus der Vergangenheit sei überwunden, so faßte Reagan
sein Programm zusammen.

"Amerika ist wieder da und blickt mit mehr Ver-

trauen denn je in die Zukunft."
Wie bei jedem Politiker in den Vereinigten Staaten ist auch bei
Reagan die Familie aus seinem politischen Leben nicht wegzudenken. Seine
Frau, Nancy Davis Reagan, bildet ein Team mit ihm und ergänzt ihn. Sie
unterstützt seine politischen Ziele selbstlos und stellt sich voll und
ganz hinter sie. Ein enger Mitarbeiter Reagans aus der Zeit als Gouverneur in Kalifornien erklärte, daß Reagan Dinge gerne mit seiner Frau bespreche, die den Denkprozeß ergänze.

Zur Familie gehören vier Kinder, Maureen und Michael, ein Adoptivsohn, die aus erster Ehe mit der Schauspielerin Jane Wyman stammen. Aus

- 5 -

�stammen. Aus der jetzigen Ehe gingen Patti und Ronald hervor, die sich
als Vertreter der jungen Generation fühlen.
Ronald Reagan hat ein klares Programm: Nur ein wirtschaftlich gesundes Amerika kann seinen Platz in der Welt behaupten. Reagan hat bei seinem Amtsantritt seine amerikanischen Mitbürger davor gewarnt, auf die
Dauer über ihre Verhältnisse zu leben. Aber gleichzeitig hat er die Forderung erhoben, "diesen industriellen Giganten wiederzuerwecken." Er hat
den Freunden und Verbündeten zugesagt, "Loyalität mit Loyalität" zu vergelten. Er hat aber auch den Feinden der Freiheit versichert, daß die
Vereinigten Staaten "niemals um des Friedens willen kapitulieren" werden.

* * * * *

- 6\

�35

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984

29. August 1984

( 9 )

GEORGE BUSH: DER VIZEPRÄ'SIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER REPUBLIKANER

DALLAS, TEXAS - (AD) - George Bush, erneut Vizepräsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei, brachte in das Amt des Vizepräsidenten
der Vereinigten Staaten von Amerika eine eindrucksvolle Liste bisheriger
Tätigkeiten, vor allem Erfahrung im außenpolitischen Bereich sowie Kenntnisse der Washingtoner Szene, ein.

Bereits im Wahlkampf wies Bush auf die wirtschaftliche Lage und die
Stellung der Vereinigten Staaten in der Welt hin:

"Die Leute machen sich

Sorgen über die Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit, die Inflation und den
Wohnungsbau.

Sie sind besorgt über den mangelnden Respekt gegenüber den

Vereinigten Staaten im Ausland."

Mochte George Bush als Kandidat lange unbekannt gewesen sein - als
Inhaber verantwortungsvoller öffentlicher Ä'mter hatte er sich schon lange
einen Namen gemacht.

Im Jahr 1971 ernannte ihn der frühere Präsident

Richard Nixon zum amerikanischen Botschafter bei den Vereinten Nationen.
Zwei Jahre später - während der schwierigen Monate der Watergate-Affäre -

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Telex: 8-85432

�Watergate-Affäre - war er Vorsitzender des Republikanischen Nationalkomitees und fuhr durchs Land - nicht nur in der Absicht, die Partei wieder
moralisch aufzurüsten, sondern auch, um die Trennungslinie zwischen Parteitätigkeiten und Aktivitäten der Nixon-Administration klar aufzuzeigen.

Im Jahr 1974, als Nixon aus dem Amt schied, ernannte sein Nachfolger,
Gerald Ford Bush zum Vertreter der Vereinigten Staaten in der Volksrepublik China.

Nach einjähriger Tätigkeit im Fernen Osten wurde er zum Di-

rektor des amerikanischen Amtes für Nachrichten und Abwehr (CIA) berufen.
Als im Jahr 1977 dann die Demokraten die Regierung übernahmen, schied er
aus dem Regierungsdienst aus.

Natürlich kam eine solche politische Karriere nicht von ungefähr:
George Bush entstammt einem politischen Elternhaus - sein Vater, Prescott
Bush, war Senator von Connecticut.

George Herbert Walker Bush wurde am 12. Juni 1924 in Milton im Staate Massachusetts geboren und wuchs zusammen mit drei Brüdern und einer
Schwester in Greenwich im Staate Connecticut auf.
in Neuengland.

Seine Wurzeln liegen

Im Jahr 1942 meldete er sich zur Marine und war mit 18

Jahren jüngster Pilot.

1945 ging er als Leutnant z. See ab.

Er setzte

seine Studien an der Yale-Universität fort und erwarb 1948 den akademischen Grad eines Bachelor of Arts.
um dort nach Öl zu suchen.

Im gleichen Jahr ging er nach Texas,

Die von ihm gegründete Zapata-Qlgesellschaft

entwickelte sich zu einem Konzern mit weltweiten Geschäftsverbindungen.
Seine politische Tätigkeit begann in Houston, Texas, wo er 1959 Vorsitzender der Republikanischen Parteiorganisation seines Wahlkreises war.
Als er 1966 zum erstenmal in das Repräsentantenhaus gewählt wworden war,
verkaufte er alle seine Anteile an der Ölgesellschaft.

Zwei erfolglosen Versuchen, für Texas in den amerikanischen Senat zu
kommen, stand eine vierjährige Tätigkeit als Mitglied des Repräsentantenhauses gegenüber.

Dort setzte er sich für Gesetze ein, die selbst die

Gesetzgeber zwang, ihre persönlichen Finanzverhältnisse aufzudecken.

Politik
- 2 -

in

�Politik in den Vereinigten Staaten bedeutet nicht nur politische Aktivität des Kandidaten oder Amtsinhabers.

Es bedeutet oft genug die Mit-

wirkung auch des Ehepartnerns, ja, selbst der ganzen Familie.

Die Familie Bush ist da keine Ausnahme, vielmehr ein hervorragendes
Beispiel für die Regel:

Seine Frau Barbara geb. Price und seine fünf

Kinder haben sich alle in dem Wahlkampf engagiert, durch den Bush die Nominierung der Republikanischen Partei erringen wollte.

Als Teenager trafen sich die beiden zum erstenmal; Frau Bush sagt
heute:

"Ich fand ihn atemberaubend gutaussehend.

das immer noch."

Ich war 16.

Ich denke

Im Jahr 1945 heiratete sie den Leutnant z. See George

Bush.

Das Leben einer Politikerfamilie führte die Bushs in 26 Länder und
brachte insgesamt 27 Wohnungswechsel in 17 Städten mit sich - so die offizielle Biographie.
enthalt in China.

Die stärksten

Eindrücke kamen dabei von ihrem Auf-

Noch heute reist Frau Bush durch die Vereinigten Staa-

ten, um Vorträge über dieses Land zu halten.

Als politisch geschickt er-

wies sie sich, als sie als Befürworterin des Verfassungszusatzes für
gleiche Rechte der Frauen auf eine diesbezügliche Frage feststellte: "Ich
bin mit meinem Mann nicht in jeder Hinsicht einer Meinung.

Aber ich wer-

de ihnen nicht sagen, ob ich anderer Meinung bin, denn ich werde zunächst
einmal George sagen, was ich denke."

Auf dem Nationalkonvent der Republikanischen Partei im Juli 1980 in
Detroit reiften die Früchte des jahrelangen Einsatzes: Ronald Reagan bot
George

Bush an, als sein "running mate" für das Amt des Vizepräsidenten

zu kandidieren. Bush nahm das Angebot in einer kurzen Rede an.

Kurz ist

die Rede, denn natürlich konzentriert sich das Interesse der Versammelten, der Medien, der Millionen Zuschauer draußen auf den Hauptakteur der
Veranstaltung, den Präsidentschaftskandidaten
seine eigene Rede hält.

selbst, der anschließend

Nachdem er dessen Angebot angenommen hatte, de-

finierte Bush das Ziel der kommenden politischen Auseinandersetzung:

"Ich

unterstütze

�"Ich unterstütze mit Begeisterung Ihr Programm und versichere Sie
meiner totalen Bereitschaft und aller meiner Energie in einer gemeinsamen
Anstrengung, damit am 20. Januar Ronald Reagan der 40. Präsident unseres
Landes wird und in diesem ersten Jahrzehnt der achtziger Jahre für Amerika ein neues Zeitalter beginnt."
Zugleich wies er warnend auf gegnerische Qualitäten hin.
Und seine Rede endere mit dem Aufruf: "Laßt uns das Jahr 1980 zu einem Jahr des Sieges machen - nicht nur für Ronald Reagan und unsere Partei, sondern zugleich für die Vereinigten Staaten von Amerika und die
Sache der Freiheit in der ganzen Welt!'
Der Nationalkonvent im August 1984 in Dallas brachte die politische
Bestätigung für George Bush.

* * * * *

- 4-

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

9. August 1984

35

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
(10)
- Auszüge aus dem Wahlprogramm der Republikanischen Partei -

DALLAS -(AD)- Die Republikanische Partei hat auf ihrem Nationalkonvent in Dallas, Texas, vom 20. bis 23. August 1984 ein umfangreiches
Wahlprogramm, die sogenannte "platform", diskutiert und verabschiedet.
Das am 21. August gebilligte Programm setzt als oberstes Ziel der Außenpolitik die Aufrechterhaltung der Freiheit in einer friedlichen internationalen Umwelt, in der die Vereinigten Staaten und ihre Freunde und Verbündeten sicher sind vor militärischen Bedrohungen und in der demokratische Regierungen in einer Welt steigenden Wohlstandes gedeihen. Die militärische Stärke Amerikas, so heißt es weiter, dient dem hohen moralischen Ziel der Abschreckung vor einem Konflikt und nicht der Führung eines Krieges. Als wichtigstes wirtschaftliches Ziel wird die Ausweitung
und Fortsetzung des wirtschaftlichen Aufschwungs gesetzt sowie Vollbeschäftigung ohne Inflation, niedrigere Steuern, weniger Regierungsausgaben und anhaltendes wirtschaftliches Wachstum. Innenpolitisch wird "eine
freie und gerechte Gesellschaft" gefordert mit Schutz für Minderheiten,
Schutz des ungeborenen Lebens und Gleichberechtigung der Frau.
In

dem

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�In dem Kapitel "Die Zukunft unserer Außenpolitik", das die Grundziele
Freiheit, Frieden, Demokratie umreißt, heißt es unter anderem:

Präsident Reagan hat den Glauben des amerikanichen Volkes an die
Prinzipien der liberalen Demokratie wiederhergestellt. Heute haben wir
mehr Vertrauen in die selbstverständlichen Wahrheiten der Demokratie als
jemals zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg.

Das erste Prinzip dieses Glaubens ist, daß alle Menschen gleich geschaffen sind in dem Naturrecht des Menschen, sich selbst zu regieren.

So wie wir an dem Recht der Selbstregierung festhalten, so folgt
daraus, daß alle Menschen in der ganzen Welt sich dieses gleichen Menschenrechtes erfreuen sollen. Dieses moralische Prinzip muß das Ideal
sein, nach dem sich unsere Politik gegenüber anderen Staaten richtet.

Wir Republikaner unterstreichen, daß ein grundlegender moralischer
Unterschied zwischen dem Handeln und den Idealen marxistisch-leninistischer Regime und dem Handeln und den Idealen demokratischer Regierungen
besteht, und wir lehnen die Vorstellungen der Schuld und der Entschuldigung ab, die die Außenpolitik der Demokratischen Partei in so starkem
Maße bewegen. Wir sind der Überzeugung, daß amerikanische Außenpolitik
nur dann Erfolg haben kann, wenn sie auf dem unerschütterlichen Glauben
an eine einzige Idee beruht: die Idee, daß alle Menschen gleich geschaffen sind - der Grundidee der liberalen Demokratie.
Das oberste Ziel unserer Außenpolitik muß die Aufrechterhaltung unserer Freiheit in einer friedlichen internationalen Umwelt sein, in der
die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten und Freunde sicher sind
vor militärischen Bedrohungen und demokratische Regierungen in einer Welt
wachsenden Wohlstandes gedeihen.

Das versprechen wir unserem

Volk und künftigen Generationen: Wir

werden den Frieden bewahren, indem wir unser Land stärker halten als
jeder potentielle Gegner.
Die
- 2 -

Amerikas

�Die Amerikas

Unsere Zukunft ist eng mit der Zukunft der Amerikas (den Staaten
Nord- und Südamerikas) verknüpft. Abstammung, Sprache, Kultur und Handel
verbinden uns eng mit Kanada, unserem größten Handelspartner, und unseren
Nachbarn im Süden. Die Bevölkerung von Mexiko und Kanada ist von fundamentaler Bedeutung für die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika - nicht nur wegen unserer gemeinsamen Grenze, sondern auch weil wir
Nachbarn sind, die eine gemeinsame Geschichte und ein gemeinsames Interesse an der Gegenwart und Zukunft haben ...

Sicherheit und Freiheit Mittelamerikas sind unerläßlich für unsere
eigene Sicherheit und Freiheit. Wir machen uns nicht nur Sorgen um die
Freiheit und das Wohlergehen unserer Nachbarn im Süden, sondern zwei
Drittel unserers Außenhandels passieren die Karibik und den Panamakanal.
Die gesamte Region wird jedoch schwer bedroht von der kommunistischen
Expansion, die von der Sowjetunion und Kuba inspiriert und unterstützt
wird. Wir stellen uns hinter die Monroe-Doktrin als solideste Grundlage
für die amerikanische Politik in der ganzen Region ...

Republikaner machen sich keine Illusionen hinsichtlich der brutalen
Diktatur Castros in Kuba. Nur unsere Festigkeit wird seine Versuche vereiteln, Terrorismus und Subversion zu exportieren, die Demokratie zu zerstören und Rauschgift in die Vereingten Staaten zu schmuggeln ...

Wir glauben an die Freundschaft zwischen dem kubanischen und dem amerikanischen Volk, und wir stellen uns im Geiste eine echte Demokratie in
der Zukunft Kubas vor.
Wir unterstützen den Präsidenten in der Durchführung der einstimmigen
Empfehlungen der überparteilichen Kommission für Mittelamerika ...
Heute ist die Demokratie in der ganzen Hemisphäre unter Beschuß. Das
marxistische Nicaragua bedroht nicht nur Costa Rica und Honduras, sondern
auch El Salvador

und

Guatemala. Das

sandinistische

Regime

baut die

größten Streitkräfte in Mittelamerika auf und führt sowjetisches Gerät
- 3 -

�sowjetisches Gerät und Berater aus dem Ostblock und von der PLO sowie
Tausende kubanischer Söldner ein ... Die Sandinisten haben die freien Institutionen, darunter Synagogen und Kirchen, Schulen, den privaten Sektor, die freie Presse, Minderheiten und Familien und Stämme in ganz Nicaragua systematisch verfolgt. Wir sind für die weitere Unterstützung der
demokratischen Freiheitskämpfer in Nicaragua. Es kann nicht zugelassen
werden, daß Nicaragua eine kommunistische Freistatt bleibt, von der aus
Terror und Waffen in die ganze Region exportiert werden ...
Die heroischen Bemühungen, die Demokratie in El Salvador aufzubauen,
sind von der von Kuba und den Sandinisten unterstützten kommunistischen
Guerilla brutal angegriffen worden... El Salvador liegt näher bei Texas
als Texas bei den Neuenglandstaaten, und wir können daher seinem Schicksal nicht gleichgültig gegenüberstehen. In der Tradition von Präsident
Trumans Nachkriegshilfe für Europa hat Präsident Reagan dem Volk von El
Salvador geholfen, sich selbst zu verteidigen... Wenn die Kommunisten
dort die Macht übernähmen, würden die Menschenrechte ausgelöscht und
Zehntausende aus ihrer Heimat vertrieben. Deshalb unterstützen wir den
Präsidenten in seiner Entschlossenheit, dafür einzutreten, daß das salvadorianische Volk seine eigene Zukunft gestalten kann.
Und wir bekräftigen die Erklärung Präsident Reagans in der Normandie: Es besteht ein grundlegender moralischer Unterschied zwischen der
Anwendung von Gewalt für die Befreiung und die Anwendung von Gewalt für
Eroberung und territoriale Expansion. Wir begrüßen die Befreiung des Menschen überall und sind gegen die Unterdrückung überall...
Die Initiative für das Karibische Becken ist ein gesundes Programm
zur Stärkung demokratischer Institutionen durch wirtschaftliche Entwicklung durch freie Menschen und nach den Prinzipien des freien Marktes ...
Die Sowjetunion
Stabile und friedliche Beziehungen zur Sowjetunion sind möglich und
wünschenswert, aber sie hängen von der Glaubwürdigkeit und Entschlossenheit Amerikas ab. Als unsere Macht in den siebziger Jahren zu schwinden
- 4 -

�zu schwinden begann, war unsere Schwäche provozierend. Die Sowjetunion
nützte sie aus in Afghanistan, dem Nahen Osten, in Afrika, Südostasien
und in der westlichen Hemisphäre. Unsere Politik des Friedens durch Stärke ermutigt freiheitsliebende Menschen überall und bietet jenen Hoffnung,
die auf den Tag warten, sich der Früchte der Selbstregierung zu erfreuen.

Wir betrachten die Sowjetunion nüchtern. Ihre auf die ganze Welt gerichtete Ideologie und ihre von militärischer Macht besessene Führung machen sie zu einer Bedrohung der Freiheit und des Friedens auf allen Kontinenten. Die Carter-Mondale-Administration

hat diese Bedrohung igno-

riert, und die heutigen demokratischen Kandidaten unterschätzen sie. Die
Carter-Mondale-Illusion, daß die sowjetischen Führer die gleichen Ideale,
Hoffnungen und Wünsche hätten wie wir, ist nicht nur falsch, sondern auch
eine ernste Gefahr für den Weltfrieden.

Die Republikaner bekräftigen' unsere Überzeugung, daß das sowjetische
Verhalten am Konferenztisch nicht von dem sowjetischen Verhalten anderswo
zu trennen ist. Übereifer, mit den Sowjets um jeden Preis zu Abkommen zu
gelangen - wie das bei der Carter-Mondale-Administration üblich war -,
darf uns niemals die Augen vor dieser Tatsache verschließen. Jedes künftige Abkommen mit den Sowjets muß volle Einhaltung voraussetzen, voll
verifizierbar sein und angemessene Sanktionen bei Nichteinhaltung vorsehen. Die Bemühungen der Carter-Mondale-Administration sowie die sowjetischen Verletzungen des Abkommens über die Begrenzung strategischer Rüstungen und des Vertrages über Raketenabwehr-Raketen von 1972 machten die
Sowjets nur noch dreister, ihre militärische Position weiter zu verstärken. Wir verurteilen diese Verletzungen wie auch die jüngsten Verletzungen der Verträge über das Verbot chemischer und toxischer Waffen in Afghanistan, Südostasien und im iranisch-irakischen Krieg. Wir beharren auf
der vollen Einhaltung aller Verträge und Regierungsabkommen durch die
Sowjets.

Wir versuchen, die sowjetische Politik von Aggression abzubringen und
zum friedlichen internationalen Verhalten zu bewegen. Zu diesem Zweck
werden wir wesentliche Verringerungen der Kernwaffen anstreben statt nur
eines Einfrierens der Nuklearwaffen auf ihrem gegenwärtigen gefährlichen
- 5 -

�gegenwärtigen gefährlichen Stand. Wir werden die multilateralen Bemühungen

fortsetzen, der

sowjetischen

Kriegsmaschinerie

moderne

westliche

Technologie zu verwehren.

Wir

werden

auf die Einhaltung

aller internationalen Abmachungen,

einschließlich der Schlußakte von Helsinki aus dem Jahre 1975 und der
Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen, durch die Sowjets drängen. Wir werden weiterhin gegen Antisemitismus und MenschenrechtsVerletzungen in der Sowjetunion protestieren. Wir bewundern den Mut solcher
Menschen wie

Andrei Sacharow

und

seiner Frau

Jelena Bonner, Anatol

Schtscharanski, Ida Nudel und Josef Begun, deren Auflehnung gegen die
sowjetische Unterdrückung ein Zeugnis der Größe des menschlichen Geistes
darstellt. Wir werden die Sowjetunion drängen, die ungehinderte Auswanderung von Juden, Christen und unterdrückten nationalen Minderheiten zuzulassen. Und schließlich werden wir, weil die Völker des sowjetischen Reiches unsere Zukunftshoffnung teilen, unsere Informationskanäle für sie
stärken, um

sie in ihrem Kampf

um

individuelle Freiheit, nationale

Selbstbestimmung und Frieden zu ermutigen.

Europa
Vierzig Jahre nach "D-Day" (dem Tag der Landung der Alliierten 1944
in der Normandie; Anm. der Redaktion) sind unsere Truppen noch in Europa.
Es war eine lange Wache, aber eine erfolgreiche. Vier Jahrzehnte lang haben wir den Frieden dort bewahrt, wo zweimal zuvor unsere Männer kämpften
und fielen. Wir haben aus ihren Opfern gelernt.

Wir wären in tödlicher Gefahr, sollte Westeuropa unter sowjetische
Herrschaft fallen. Das unmittelbare Ziel der sowjetischen Aufrüstung und
der sowjetischen Subversion ist die Aufspaltung der NATO. Während der
Carter-Mondale-Jahre verschafften sich die Sowjets beträchtliche militärische und diplomatische Vorteile in Europa. Sie besitzen heute dreimal
so viele Panzer wie wir und fast ein Monopol an nuklearen Mittelstreckensystemen (INF). Um den Frieden zu erhalten, gleicht die Reagan-Administration die sowjetische militärische Bedrohung durch die Verteidigungskraft des Bündnisses aus. Wir dislozieren Pershing II-Raketen und Marsch- 6 -

�und Marschflugkörper. In Erinnerung an das Nazi-Reich wissen sachkundige
Wähler auf beiden Seiten des Atlantik, daß sie eine militärische Überlegenheit der Sowjets in Europa nicht akzeptieren können. Das ist der
Grund, warum die Parlamente in Großbritannien, Italien und der Bundesrepublik Deutschland die Dislozierung von Euroraketen gebilligt haben und
warum neue NATO-Stützpunktabkommen mit Portugal, Spanien, der Türkei und
Griechenland geschlossen wurden.

Die Vereinigten Staaten führen erneut das Bündnis, indem sie die
Hoffnung auf eine sicherere Zukunft bieten. So wie die Stärke Amerikas
wiederhergestellt wurde, so ist das Vertrauen unserer Verbündeten in die
Zukunft der Freiheit wiederhergestellt worden. Wir werden sie ermutigen,
ihre Beiträge zu unserer gemeinsamen Verteidigung zu steigern.

Um die Südflanke der NATO zu stärken, räumen wir der Lösung des Zypernkonflikts und der weiteren Unterstützung Griechenlands und der Türkei
höchste Priorität ein, wobei wir keine Regime anerkennen, die in besetzten Gebieten errichtet wurden.

Wir teilen eine tiefe Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit in
Nordirland und verurteilen alle Gewalt und jeden Terrorismus in diesem
schwer geprüften Land.

Wir stehen solidarisch zu den Völkern Osteuropas: den Polen, Ungarn,
Ostdeutschen, Tschechoslowaken, Rumänen, Jugoslawen, Bulgaren, Ukrainern,
den baltischen Völkern, Armeniern und allen unterdrückten Nationen, die
sich täglich gegen ihre sowjetischen Herren wehren. Die heroischen Anstrengungen von Lech Walesa und der Gewerkschaftsbewegung Solidarität in
Polen sind eine Inspiration für alle Völker, die sich nach Freiheit sehnen. Wir sind in ihrem Kampf nicht neutral, wo immer die Flamme der Freiheit die dunkle Nacht der sowjetischen Unterdrückung erhellt.

Die tragische Unterdrückung des polnischen Volkes durch die sowjetisch inspirierte Militärdiktatur in Polen ist dem amerikanischen Volk zu
Herzen gegangen. Wir unterstützen politische Maßnahmen, die polnischen
Staatsbürgern, die Asyl und Zuflucht in den Vereinigten Staaten suchen,
Hilfe gewähren.

Der Nahe

�Der Nahe und Mittlere Osten

Die Politik Präsident Reagans in diesem Gebiet ist flexibel genug gewesen, sich den rasch verändernden Umständen anzupassen, und doch so in
sich geschlossen und glaubwürdig, daß alle Nationen unsere Entschlossenheit erkennen, unsere lebenswichtigen Interessen zu schützen. Das geschickte Krisenmanagement des Präsidenten im iranisch-irakischen Krieg
hat verhindert, daß dieser Konflikt unsere Lebensinteressen geschädigt
hat ...

Die sowjetische Invasion Afghanistans 1979, die die Carter-MondaleAdministration überrascht hat, brachte sowjetische Streitkräfte in eine
Entfernung

von weniger als 400 Meilen von der strategisch wichtigen

Straße von Hormus. Die Geiselnahme von Amerikanern im Iran im gleichen
Jahr fand die Vereinigten Staaten unvorbereitet und nicht in der Lage, zu
reagieren. Im Libanon herrscht trotz unserer besten Bemühungen, die Stabilität in diesem unglücklichen Land zu fördern, weiterhin Unruhe. Nachdem die syrische Führung unter wachsenden Einfluß der Sowjets gerät und
die PLO und ihre Selbstmord-Terrorgruppen sich in Syrien festsetzen, muß
die amerikanische Politik gegenüber dieser Region wachsam und stark bleiben. Die Republikaner bekräftigen, daß die Vereinigten Staaten nicht mit
der PLO verhandeln oder sie anerkennen sollten, solange diese Organisation auch weiterhin den Terrorismus fördert, Israels Existenzrecht bestreitet und sich weigert, die UN-Resolutionen 242 und 338 zu akzeptieren.

Der Eckpfeiler dieses Schutzes ist und bleibt wie in den letzten drei
Jahrzehnten unsere moralische und strategische Beziehung zu Israel. Wir
sind Verbündete in der Verteidigung der Freiheit. Israels Stärke zusammen
mit amerikanischer Unterstützung ist das Haupthindernis für eine sowjetische Beherrschung der Region. Die Souveränität, Sicherheit und Integrität
des Staates Israel ist ein moralisches Gebot. Wir verpflichten uns, die
qualitative militärische Überlegenheit Israels über seine Gegner erhalten
zu helfen ...

Unsere Entschlossenheit, uns aktiv an dem in Camp David begonnenen
Friedensprozeß zu beteiligen, hat uns in den letzten vier Jahren die
- 8 -

�Jahren die Unterstützung gemäßigter arabischer Staaten eingetragen. Israels Partner in den Abkommen von Camp David, Ägypten, ist mit amerikanischer Unterstützung eine konstruktive Kraft der Stabilität geworden. Wir
verpflichten uns zur weiteren Unterstützung Ägyptens und anderer gemäßigter Regierungen gegen sowjetische und libysche Subversion, und wir erwarten von ihnen, daß sie zu unseren Bemühungen um eine langfristige Lösung
der zerstörerischen Streitigkeiten der Region beitragen.

Wir glauben, daß Jerusalem eine ungeteilte Stadt mit freiem und ungehindertem Zugang zu allen heiligen Stätten für alle Gläubigen bleiben
sollte.

Asien und der Pazifik
Das freie Asien ist ein gewaltiger Erfolg. Den Vereinigten Staaten
wirtschaftlich und politisch nacheifernd, haben unsere Freunde in Ostasien die höchsten wirtschaftlichen Wachstumsraten der Welt erzielt. Ihre
Volkswirtschaften sind Ausdruck der Dynamik freier Märkte und freier Menschen im krassen Gegensatz zu der öden Starre und den volkswirtschaftlichen Fehlschlägen des zentral geplanten Sozialismus. Die amerikanischen
Investitionen in Asien übersteigen heute 30 Milliarden Dollar, und unser
jährlicher Handel übersteigt den mit jeder anderen Region.

Nicht in der Lage, mit diesem Fortschritt mitzuhalten, bedrohen die
Sowjetunion, Nordkorea und Vietnam die Region mit militärischer Aggression und politischer Nötigung. Die sowjetische Vergewaltigung Afghanistans, die verbrecherische Zerstörung des KAL-Flugzeuges, der Völkermord
in Vietnam, Kamputschea und Laos, das ständige Anwachsen der sowjetischen
SS-20-Streitmacht in Ostasien, der rasche Zuwachs der sowjetischen Pazifik-Flotte, die ständige Aufrüstung der nordkoreanischen Streitkräfte und
der brutale Bombenanschlag gegen südkoreanische Führer
kürzliche Dislozierung

in Ragun, die

sowjetischer Streitkräfte in Cam Ranh Bay, die

anhaltende Besetzung Kamputscheas durch die Vietnamesen sowie der Angriff
mit chemischen und biologischen Waffen auf die unschuldige Bevölkerung in
Afghanistan und Südostasien sind nur einige der offensichtlicheren Bedrohungen des Friedens in Asien und der Freunde Amerikas dort.
Die
- 9 -

Republikaner

�Die Republikaner blicken voll Achtung auf die tapferen Menschen in
Afghanistan, die um die Wiedergewinnung ihrer Freiheit und Unabhängigkeit
kämpfen. Wir werden die Freiheitskämpfer weiterhin unterstützen und verpflichten uns zu weiterer humanitärer Hilfe für die Tausenden von afghanischen Flüchtlingen, die in Pakistan und anderswo Zuflucht gesucht haben.
Um die wirtschaftlichen Fortschritte Asiens zu bewahren und unsere
Sicherheit zu fördern, werden wir den Frontstaaten Korea, Thailand und
Pakistan weiterhin Wirtschafts- und Sicherheitshilfe zukommen lassen. Wir
werden Verteidigungseinrichtungen in Korea, Japan, den Philippinen und im
Indischen Ozean beibehalten, um lebenswichtige Seewege zu schützen.

Wir werden das wirtschaftliche Wachstum fördern und gleichzeitig die
Menschenrechte und die Verpflichtung zu Demokratie und freien Märkten
stärken. Wir werden befreundeten Nationen helfen, mit der Flüchtlingsfrage fertigzuwerden und uns ihrer Hilfe beim Kampf gegen Rauschgiftanbau
und -handel versichern.

Unsere Beziehungen zu Japan sind von zentraler Bedeutung für die
Rolle Amerikas im Fernen Osten - und sie waren nie besser. Die zweitgrößte Industriemacht der Welt kann einen zunehmend wichtigen Beitrag zu
Frieden und wirtschaftlicher Entwicklung in einem großen Teil Asiens
leisten. Wir begrüßen die Verpflichtung Japans, sein Territorium, seinen
Luftraum und seine Schiffahrtswege zu verteidigen. Wir sind erfreut über
die Erhöhung seiner Verteidigungsausgaben und fordern Japan auf, seinen
Beitrag zur Verteidigung der Region weiter zu erhöhen. Wir haben in unseren Handelsbeziehungen Fortschritte erzielt und sind der festen Überzeugung, daß mit gutem Willen auf beiden Seiten ein umfassenderes Übereinkommen möglich ist.

In Übereinstimmung mit dem Versprechen im Wahlkampfprogramm von 1980
hat Präsident Reagan den Ausbau unserer Beziehungen zur Volksrepublik
China fortgesetzt. Wir begrüßen die Initiativen des Präsidenten, eine
solide Grundlage für die langfristigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China aufzubauen - mit dem Nachdruck
auf friedlichem Handel und anderen Maßnahmen zur Förderung des Friedens
- 10 -

�des Friedens in der Region. Trotz fundamentaler Unterschiede auf vielen
Gebieten vereint beide Länder ein wichtiges gemeinsames Ziel: Widerstand
gegen sowjetischen Expansionismus.

Gleichzeitig bekräftigen wir ausdrücklich unsere Sorge für die Sicherheit und das Wohlergehen der 18 Millionen Menschen auf Taiwan. Wir
versprechen, daß diese Sorge von Dauer sein wird und daß wir weiterhin
jeden Versuch, den Status von Taiwan mit Gewalt zu ändern, als eine Bedrohung des regionalen Friedens betrachten werden...

Die Republik Korea ist ein fester Bundesgenosse. Um vor einer Aggression abzuschrecken, werden wir unsere Streitkräfte dort, die zu unserer
gemeinsamen Verteidigung beitragen, beibehalten. Unsere zunehmenden wirtschaftlichen Beziehungen sind gut für beide Länder und fördern unseren
Einfluß im Sinne einer demokratischen Entwicklung dort.
Wir schätzen unsere besonderen Beziehungen zu den Philippinen. Wir
werden alle Anstrengungen unternehmen, um die wirtschaftliche Entwicklung
und die demokratischen Prinzipien dort zu fördern ...

Wir begrüßen

die wirtschaftlichen

Leistungen

der

Vereinigung

der

südostasiatischen Nationen (ASEAN). Wir werden die wirtschaftlichen und
politischen Beziehungen zu ihnen stärken und ihre Opposition gegen die
vietnamesische Besetzung Kamputscheas unterstützen ...
Afrika

Afrika steht vor einem neuen Kolonialismus. Die Dreierachse der Sowjetunion, Kubas und Libyens hat Krieg und Leiden auf dem Kontinent entfesselt. Wir sind der Demokratie in Afrika verpflichtet und der wirtschaftlichen Entwicklung, die zu ihrem Gedeihen führt ... Um den Geist
der individuellen Initiative in Afrika zu fördern, arbeitet unsere neugegründete Afrikanische Entwicklungsstiftung mit afrikanischen Unternehmern
auf Dorfebene zusammen ...

Wir werden weiterhin den afrikanischen Ländern, mit denen wir gute
- 11 -

�wir gute Beziehungen haben, die notwendige Sicherheits- und Wirtschaftshilfe zukommen lassen, um ihnen dabei zu helfen, die Infrastruktur des
demokratischen Kapitalismus aufzubauen, die so wesentlich ist für das
Wirtschaftswachstum und die Verwirklichung des einzelnen. Wir werden unsere Verbündeten in Europa und Ostasien ermutigen, ihre Hilfsanstrengungen zu koordinieren, damit die Industriestaaten in der Lage sein werden,
wirksam zur wirtschaftlichen Entwicklung des Kontinents beizutragen ...

Wir werden weiterhin bedrohte afrikanische Regierungen unterstützen,
sich selbst zu schützen, und wir werden mit ihnen zusammenarbeiten, um
ihren Kontinent vor Subversion zu schützen, ebenso wie ihre strategischen
Bodenschätze. Die jetzige Administration wird weiterhin nachhaltige Anstrengungen unternehmen, um die Unabhängigkeit Namibias und den Abzug der
Kubaner aus dem besetzten Angola zu erreichen.

Wir bekräftigen unsere Verpflichtung zu den Rechten aller Südafrikaner. Apartheid ist abstoßend. In Südafrika wie überall auf dem Kontinent
unterstützen wir wohlüberlegte Anstrengungen, um Frieden, Prosperität und
Stabilität zu fördern.

Auslandshilfe und regionale Sicherheit

Entwicklungsländer erwarten von den Vereinigten Staaten Rat und Anleitung bei der Erreichung wirtschaftlicher Möglichkeiten, Prosperität
und politischer Freiheit. Demokratischer Kapitalismus hat in den Vereinigten Staaten und anderswo eine unvergleichliche Fähigkeit bewiesen, die
politischen und bürgerlichen Rechte zu erweitern und für eine immer größere Zahl von Menschen langfristigen Wohlstand zu erreichen. Wir sind
überzeugt, daß Demokratie und freies Unternehmertum überall Erfolg haben
können. Ein zentrales Element unserer Wirtschaftshilfeprogramme muß darin
bestehen, mit anderen die vorteilhaften Ideen des demokratischen Kapitalismus zu teilen, die die Vereinigten Staaten zu wirtschaftlichem Wohlstand und politischer Freiheit geführt haben.

Unser Programm bilateraler Wirtschaftshilfe muß auf die Förderung des
wirtschaftlichen Wachstums und der Prosperität in den Entwicklungsländern
- 12 -

�den Entwicklungsländern ausgerichtet sein ... Wir haben die Carter-Mondale-Politik, einen zunehmenden Teil der amerikanischen Hilfe über multinationale Institutionen, die außerhalb unserer Kontrolle stehen, abzuwikkeln, geändert ... Wir werden keine internationalen Organisationen unterstützen, die mit unseren Interessen unvereinbar sind ...

Um die bilaterale Auslandshilfe zu stärken, werden wir die Hilfe an
Länder verringern oder streichen, deren Außenpolitik unseren Interessen
zuwiderläuft, und die Vollmachten des Außenministers stärken, indem wir
seine direkte Kontrolle unserer Hilfsprogramme sicherstellen.

Militärische Auslandshilfe stärkt unsere Sicherheit, indem sie befreundete Nationen in die Lage versetzt, für ihre eigene Verteidigung,
einschließlich der Verteidigung gegen Terrorismus zu sorgen. Terrorismus
ist eine neue Form der Kriegführung gegen die Demokratien ... Von der
Sowjetunion und anderen unterstützt, reicht der Terror vom PLO-Mord bis
zum Mordversuch am Papst. Die Bekämpfung des Terrorismus erfordert eine
integrierte Anstrengung unserer Diplomatie, unserer Streitkräfte, der Geheimdienste und des Rechtsvollzuges. Gesetzliche Hindernisse für die internationale Zusammenarbeit gegen den Terrorismus müssen beseitigt werden, und es muß ein nachhaltiges Programm zur Förderung der Antiterrorkräfte befreundeter Nationen folgen. Vor allem suchen wir die Zusammenarbeit unserer Nachbarn in der westlichen Hemisphäre, um umfassend mit
dem sowjetischen und kubanischen Terror fertig zu werden, der uns heute
bedroht.

Internationale Organisationen

Amerikaner können sich nicht auf die internationalen Organisationen
verlassen, wenn es darum geht, unsere Sicherheit zu garantieren oder unsere Interessen ausreichend zu schützen. Die Vereinigten Staaten sind
Gastland des Sitzes der Vereinten Nationen, bestreiten ein Viertel ihres
Haushalts und sind im Verhältnis der größte Beitragszahler der meisten
internationalen Organisationen; aber deren Mitglieder stimmen immer wieder gegen uns. Mit dem Anwachsen des sowjetischen Einflusses in diesen
Organisationen sind Zynismus und doppelte Moral zum Alltag geworden.
Aus
- 13 -

diesem

�Aus diesem

Grunde hat Präsident Reagan angekündigt, daß wir die

schlimmste dieser Organisationen, die UNESCO, verlassen werden. Er hat
den Vereinten Nationen mitgeteilt, daß sich die Vereinigten Staaten nachdrücklich der Tatsache widersetzen werden, daß diese Organisation zur
Förderung des Antisemitismus, der sowjetischen Spionage und der Feindseligkeit gegenüber den Vereinigten Staaten benutzt wird. Der Präsident hat
die UN-Seerechtskonvention eindeutig abgelehnt und eine eigene dynamische
Seerechtspolitik eingeschlagen, die sich an unserer traditionellen Verpflichtung zur Freiheit der Meere orientiert ... Wir unterstützen diese
Schritte begeistert und fordern von allen internationalen Organisationen
die gleichen Normen. Wir werden ihre Abstimmungen und Tätigkeiten, und
vor allem das Wahlverhalten der Länder, die amerikanische Hilfe erhalten,
genau beobachten. Die Amerikaner werden die Scheinheiligkeit vieler dieser Organisationen nicht länger ruhig hinnehmen.

Menschenrechte

Das amerikanische Volk ist überzeugt, daß die Außenpolitik der Vereinigten Staaten von der Sache der Menschenrechte für alle Völker der Welt
beseelt sein muß.

Eine wohlausgewogene Menschenrechtspolitik kümmert sich um den einzelnen Menschen, dem seine Rechte von Regierungen der Rechten oder der
Linken verwehrt werden, und um ganze Völker, deren kommunistische Regierungen den Anspruch auf Menschenrechte des Einzelmenschen verwehren und
nur die "Rechte" aus der Mitgliedschaft einer wirtschaftlichen Klasse anerkennt. Republikaner unterstützen eine Menschenrechtspolitik, die sich
um beide diese Anliegen kümmert ...

Republikaner begreifen, daß die Auseinandersetzung zwischen Ost und
West tiefe menschenrechtliche Aspekte hat. Wir wissen, daß kommunistische
Staaten, die ein Lippenbekenntnis

zu den Menschenrechten ablegen, in

Wirklichkeit ihre totalitären Systeme dazu benutzen, die Menschenrechte
in organisierter, systematischer Weise zu verletzen.

Die jetzige Administration hat sich weltweit für positive Verände- 14 -

�positive Veränderungen auf dem Gebiet der Menschenrechte eingesetzt. Unsere Bemühungen reichten von den Übereinkommen von Helsinki bis zu unserer Unterstützung der Rechts- und Politikreform in El Salvador ...

Für die Republikaner ist der Kampf um die Freiheit des Menschen mehr
als ein Selbstzweck. Er ist Teil einer Politik, die die Grundlagen des
Friedens schafft ...

Der Einsatz für die Demokratie
Um die Sache der Demokratie zu fördern und weiter zu tragen, muß Amerika sich aktiv am politischen Wettstreit zwischen den Prinzipien des
Kommunismus und

der Demokratie beteiligen. Dazu braucht Amerika eine

starke Stimme und aktive Instrumente der öffentlichen Diplomatie, um den
massiven Bemühungen des kommunistischen Blocks entgegentreten zu können,
die öffentliche Meinung der Welt falsch zu informieren und zu täuschen.
Republikaner sind der Überzeugung, daß die Wahrheit die mächtigste Waffe
Amerikas ist.

Die Reagan-Administration hat den Status der öffentlichen Diplomatie
in den Gremien der Regierung erhöht und den Haushalt des amerikanischen
Informationsamtes (United States Information Agency = USIA) in vier Jahren um 44 Prozent gesteigert ...

Dieses Eintreten in der Öffentlichkeit ist heute in dem weltweiten
Kampf zwischen Totalitarismus und Freiheit wichtiger denn je.
DIE ZUKUNFT UNSERER NATIONALEN SICHERHEIT

In einem eigenen Kapitel "Die Zukunft unserer nationalen Sicherheit"
befaßt sich das Wahlprogramm der Republikaner mit Fragen der Verteidigung
und der Rüstungskontrolle. Hier heißt es unter anderem:

Republikaner blicken mit dem Vertrauen in die Zukunft, daß wir den
Willen, die Waffen und die Technologie besitzen, Amerika als das Land der
Freien und

die Heimat der Tapferen zu bewahren. Wir fühlen uns mit
- 15 -

�uns mit Präsident Ronald Reagan vereint in seiner Hoffnung, daß amerikanische Wissenschaftler und Techniker die Technologie und die Instrumente
produzieren können, die einen Atomkrieg obsolet machen.

Die Friedensaussichten sind ausgezeichnet, denn Amerika ist wieder
stark. Die Verteidigung Amerikas dient nur einem einzigen Ziel: zu gewährleisten, daß unser Volk und unsere freien Institutionen überleben und
gedeihen.

Unsere Sicherheit erfordert sowohl die Fähigkeit, sich gegen Aggression verteidigen zu können, als auch den Willen dazu. Zusammen schrecken
Willen und Fähigkeit vor einer Aggression ab. Darum ist die Gefahr eines
Krieges unter Präsident Reagan in weitere Ferne gerückt ...

Wir sind stolz auf ein starkes Amerika. Unsere militärische Stärke
dient dem hohen moralischen Ziel der Abschreckung vor einem Konflikt,
nicht der Führung eines Krieges. Die Abschreckung vor Aggression ist
ethisch zwingend. Aus diesem Grunde haben wir die Verteidigungskapazität
Amerikas wiederhergestellt und den Willen unseres Landes erneuert. ...

Wir bekräftigen das Prinzip, daß die nationale Sicherheitspolitik der
Vereinigten Staaten auf einer Strategie des Friedens durch Stärke basieren muß - ein Ziel der republikanischen "platform" von 1980.

Die Aufrechterhaltung einer technologischen Überlegenheit, die historische Grundlage unserer Politik der Abschreckung, ist und bleibt von
entscheidender Bedeutung. Auf anderen Gebieten, wie etwa der Marine, müssen wir weiterhin nach einer qualitativen Überlegenheit streben.

Präsident Reagan hat unsere Nation auf eine modernisierte strategische und taktische Nuklearstreitmacht

verpflichtet, die ausreicht, vor

einem Angriff auf die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten abzuschrecken, während wir gleichzeitig Verhandlungen über ausgewogene, verifizierbare Verringerungen der Kernwaffen im Rahmen von Rüstungskontrollabkommen anstreben.
Um
- 16 -

abschrecken

�Um abschrecken zu können, müssen wir ausreichend stark sein, einen
potentiellen Gegner überzeugen zu können, daß es unter keinen Umständen
seinem Vorteil dienen könnte, einen Konflikt auf gleich welcher Ebene
anzufangen.

Wir verpflichten uns, alles Notwendige zu tun, damit die Vereinigten
Staaten im Falle eines Konflikts eindeutig die Oberhand behalten würden.

Wir werden unsere Abschreckungskapazität weiter modernisieren, während wir über verifizierbare Rüstungskontrolle verhandeln. Wir werden die
Politik fortsetzen, die friedliebenden Menschen überall neue Zuversicht
und neue Hoffnung gegeben hat.

Künftige Rüstungskontrolle
Die Amerikaner sind sehr stark an Rüstungskontrolle interessiert, sie
sind sich aber darüber im klaren, daß sie kein Selbstzweck ist, sondern
eine wichtige Komponente einer Außen- und Verteidigungspolitik, die Amerika frei, stark und unabhängig erhält.

Im Sinne der realistischen Vorstellung des amerikanischen Volkes von
der Sowjetunion

hat die Reagan-Administration

Rüstungskontrollabkommen

angestrebt, die den Stand der nuklearen Arsenale der Supermächte verringern würden. Präsident Reagan hat mit Flexibilität und immer aus einer
Position der Stärke heraus verhandelt ...

Die Sowjets haben jede Einladung durch Präsident Reagan abgelehnt,
die Verhandlungen wieder aufzunehmen und sich geweigert, zurückzukehren,
solange wir nicht die Pershing II und Marschflugkörper abziehen, die wir
auf Ersuchen unserer NATO-Verbündeten in Europa stationiert haben. Die
sowjetische Unnachgiebigkeit soll den Vereinigten Staaten Zugeständnisse
abringen, noch bevor Verhandlungen begonnen haben. Wir werden uns dieser
Strategie nicht unterwerfen. Die Sowjetunion wird nur dann an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn sie erkennt, daß die Vereinigten Staaten weder einseitige Zugeständnisse machen noch der Sowjetunion erlauben
werden, eine nukleare Überlegenheit zu erreichen. ...
Wir
- 17 -

unterstützen

�Wir unterstützen die Anstrengungen des Präsidenten, der Weiterverbreitung von Kernwaffen Einhalt zu gebieten und die internationalen Kontrollen und Sicherheitsvorschriften für sensitive Nukleartechnologie zu
verbessern ...

Verteidigungsressourcen

Der Schaden an unserer Verteidigung durch einseitige Abrüstung kann
nicht schnell repariert werden ... Wir teilen die Entschlossenheit Präsident Reagans, die glaubwürdige Sicherheit unseres Landes wiederherzustellen. Unsere Wahl ist nicht zwischen einer starken Verteidigung oder einer
starken Wirtschaft, sondern wir müssen auf beiden Gebieten erfolgreich
sein, sonst werden wir es auf keinem sein.

Unsere Streitkräfte dürfen hinter keinen anderen zurückstehen, und
wir verurteilen die Vorstellung, daß einseitiger militärischer Abbau die
Sowjets veranlassen würde, nach Frieden zu streben. Unsere militärische
Stärke bietet nicht nur die für eine friedlichere Welt notwendige Abschreckung, sondern auch den besten Anreiz für die Sowjets, einem Abbau
der Rüstungen zuzustimmen ...

Geheimdienste

Die Kenntnis der Fähigkeiten und Absichten unserer Gegner ist unsere
erste Verteidigungslinie. ... Wir werden unsere Geheimdienste weiterhin
stärken. Wir werden gesetzliche Hindernisse der wirksamen Leitung, Tätigkeit und Sicherheit von geheimen Quellen und Methoden beseitigen. Wir
werden unsere Fähigkeit, internationale Ereignisse in Unterstützung unserer außenpolitischen Ziele zu beeinflussen, weiter verbessern, und wir
werden unsere Spionageabwehr verstärken.

Strategischer Handel

... Wir haben kooperative Anstrengungen mit unseren Verbündeten verstärkt, die Abzweigung von militärisch kritischen Technologien zu verhindern. Wir werden die Bemühungen des Gesetzesvollzuges und der Spionageab- 18 -

�der Spionageabwehr verstärken, um der Industriespionage der Sowjets und
der illegalen Nutzung unserer Technologie Einhalt zu gebieten.

Terrorismus

Der internationale Terrorismus ist keine Randerscheinung, sondern eine neue Form der Kriegführung der Kräfte des Totalitarismus gegen die Demokratie ...
Terrorismus ist ein internationales Problem. Kein Land kann ihn allein erfolgreich bekämpfen. Wir müssen die freien Nationen in einer konzertierten Anstrengung

anführen, um die Mitglieder der Terrorliga zu

zwingen, ihren Schutz und ihre Unterstützung des Terrorismus aufzugeben.

Eine sichere Zukunft
... Republikaner sind sich darüber im klaren, daß nukleare Abschrekkungsstreitkräfte der letztliche militärische Garant der Sicherheit Amerikas und der Sicherheit unserer Verbündeten sind. Aus diesem Grunde werden wir weiterhin die Programme unterstützen, die notwendig sind, um die
Verwundbarkeit unserer strategischen Streitkräfte zu verringern und diese
zu modernisieren, einschließlich der baldmöglichsten Dislozierung einer
neuen kleinen mobilen Interkontinentalrakete.

Während die Carter-Mondale-Administration

sich hinter einem Schirm

von Wunschdenken versteckte, hat die Sowjetunion alle nur möglichen Anstrengungen unternommen, um sich im Falle eines Konflikts zu schützen.
Sie verfügt über ein einsatzbereites Antisatelliten-System; die Vereinigten Staaten nicht. Ein Netz riesiger hochmoderner Radar-Anlagen, neue Raketenabfang-Raketen, neue Boden-Luft-Raketen, all das sind Beweise für
die sowjetischen Anstrengungen des Selbstschutzes.

Präsident Reagan hat eine neue kühne strategische Verteidigungsinitiative eingeleitet, um uns gegen einen nuklearen Angriff zu verteidigen.
Wir unterstützen Präsident Reagans strategische Verteidigungsinitiative
mit allem Nachdruck. Wir unterstützen mit allem Nachdruck die Entwicklung
- 19 -

�die Entwicklung nichtnuklearer, weltraumgestützter Verteidigungssysteme,
um die Vereinigten Staaten vor der Zerstörung durch anfliegende Raketen
zu schützen. Unter Anerkennung

der Notwendigkeit einer engen Konsulta-

tion mit unseren Verbündeten unterstützen wir eine umfassende und intensive Anstrengung, die Doktrin der gewährleisteten gegenseitigen Vernichtung (Mutual Assured Destruction = MAD) obsolet zu machen. Die Demokratische Partei ist für MAD. Die Republikanische Partei lehnt die Strategie
der Verzweiflung ab und unterstützt statt dessen die Strategie der Hoffnung und des Überlebens.
Wir werden damit beginnen, die Bedrohung durch strategische Nuklearraketen so bald wie möglich zu beseitigen. Unser einziges Ziel - das alle
Menschen teilen - besteht darin, die Gefahr eines Atomkrieges zu verringern. Zu diesem Zweck werden wir überlegene amerikanische Technologie
einsetzen, um so bald wie möglich weltraumgestützte und bodengestützte
Verteidigungssysteme zu entwickeln, um das Leben des amerikanischen Volkes und unserer Verbündeten zu schützen.

- 20 -

�29. August 1984

35

TODESFLUG KAL 007
- Eine Chronologie der Ereignisse -

Washington -(AD)- Am 31. August jährt sich der Tag, an dem eine koreanische Verkehrsmaschine mit 269 Personen an Bord von sowjetischen Abfangjägern abgeschossen wurde. Nachstehend bringen wir einen Überblick
über den Ablauf der Ereignisse.

31. August 1983

14.00 Uhr (GMT): Eine Boeing 747 der Korean Air Lines (KAL), die sich
auf dem Wege von New York nach der koreanischen Hauptstadt Seoul befindet, startet von Anchorage in Alaska, wo sie eine Zwischenlandung gemacht
hatte. An Bord der Maschine - Flug 007 - befinden sich 269 Passagiere und
Besatzungsmitglieder.

16.00 Uhr: Das Flugzeug wird über der Halbinsel Kamtschatka von der
sowjetischen Radarüberwachung erfaßt. Sowjetische Abfangjäger nehmen die
Suche nach der Verkehrsmaschine auf und versuchen zweieinhalb Stunden
lang, sie aufzuspüren. Der Irrflug der Maschine führt über das Ochotski-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�das Ochotskische Meer und die Insel Sachalin.

17.10 Uhr: Funkspruch der Boeing ah das Bodenkontrollzentrum auf dem
japanischen Flughafen Narita bei Tokio: "Südspitze Kamtschatkas sicher
passiert." In dem Funkspruch wird der Kursverlauf als normal bezeichnet.

18.10 Uhr: Das Flugzeug überquert den Südteil der Insel Sachalin.

18.12 Uhr: Ein sowjetischer Pilot meldet Sichtkontakt mit der KALMaschine. Es werden keine Versuche unternommen, Flug 007 zu warnen oder
mit der Maschine Verbindung aufzunehmen.

18.15 Uhr: Die Boeing, die sich auf einer Flughöhe von 32 000 Fuß
befindet, sucht um Erlaubnis nach, auf 35 000 Fuß zu steigen. Das Kontrollzentrum auf Narita antwortet: "Bitte warten Sie einen Augenblick."

18.20 Uhr: Kontrollzentrum

Narita:

"Bestätigt,

steigen

Sie

auf

35 000."

18.21 Uhr: Der sowjetische Pilot meldet ein Flugzeug auf 33 000 Fuß
Höhe.
18.23 Uhr: Der letzte verständliche Funksprechverkehr zwischen Flug
KAL 007 und dem Kontrollzentrum Narita: "Haben 35 000 Fuß erreicht ...
Hier ist KAL 007."

18.26 Uhr: Der sowjetische Pilot meldet, daß er eine Rakete abgefeuert und das Ziel zerstört habe.

18.27 Uhr: Unverständlicher Funksprechruf der Boeing an Narita, dann
Stille.
18.30 Uhr: Die Maschine wird von der Radarüberwachung auf einer Höhe
von 16 500 Fuß erfaßt.

18.38 Uhr: Die Maschine verschwindet von den Radarschirmen. Offenbar

�Radarschirmen. Offenbar stürzte sie etwa 30 Meilen südwestlich der Südspitze der Insel Sachalin ab, etwa 700 Meilen nördlich von Tokio.

19.30 Uhr: Die Sowjets ordnen in der Nähe der letzten von der sowjetischen Luftraumüberwachung

gemeldeten Position der

koreanischen Ver-

kehrsmaschine eine Such- und Rettungsaktion an. Eines der Suchflugzeuge
meldet, daß es auf der Wasseroberfläche in diesem Seegebiet Kerosinflekken gesichtet habe.

23.00 Uhr: Die Nachricht, daß die Boeing vermißt werde, verbreitet
sich. Vertreter des amerikanischen Außenministeriums, insbesondere Unterstaatssekretär Richard Burt, nehmen Fühlung mit sowjetischen Regierungsvertretern auf, um Aufschluß über das Schicksal der Verkehrsmaschine zu
erlangen. Die Sowjets hüllen sich jedoch in Schweigen.

1. September
Sobald der Abschuß der Maschine von amerikanischen Quellen bestätigt
wird, zitieren amerikanische Regierungsvertreter, die sowohl im Namen der
Regierung der Vereinigten Staaten als auch im Namen der Regierung der Republik Korea handeln, den sowjetischen Geschäftsträger in Washington zu
sich, um der "ernsten Besorgnis" der genannten Regierungen über den Abschuß eines unbewaffneten Zivilflugzeuges Ausdruck zu verleihen. Wiederum
geben die Sowjets keinerlei Auskünfte.

Der japanische Außenminister Shintaro Abe gibt bekannt, daß die Maschine "wahrscheinlich" von den Sowjets abgeschossen worden sei.

Der amerikanische Außenminister George Shultz bestätigt, daß Flug 007
abgeschossen worden ist. Er fordert von der Sowjetunion eine Erklärung
und sagt in diesem Zusammenhang, daß er "keinerlei Entschuldigung für
diesen entsetzlichen Akt finden" könne.

Die sowjetische Nachrichtenagentur Tass veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt, daß ein nicht identifiziertes Flugzeug in den
Luftraum der Sowjetunion eingedrungen sei, daß es keine Navigationslich- 3 -

�keine Navigationslichter gesetzt und auf Anrufe nicht geantwortet habe.
Tass sagt, daß das Flugzeug vielmehr "seinen Flug in Richtung auf das
Japanische Meer fortgesetzt" habe.

Präsident Reagan gibt eine Erklärung ab, in der er sagt, daß "Worte
unsere Empörung über diesen schrecklichen Gewaltakt kaum ausdrücken können."

In Reaktion auf die amerikanische Forderung nach Aufklärung sendet
der sowjetische Außenminister Andrei Gromyko seinem amerikanischen Amtskollegen Shultz eine Nachricht, die auf der Linie der Tass-Erklärung
liegt. Er fügt jedoch hinzu, daß sowjetische Suchflugzeuge vor der Südwestküste Sachalins "Anzeichen eines möglichen Absturzes" entdeckt hätten.

Der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, John Hughes, erklärt, daß die Botschaft Gromykos an Außenminister Shultz "völlig unzureichend" sei und "eine fast wörtliche Wiederholung" der Tass-Meldung
darstelle, die zu einem früheren Zeitpunkt am gleichen Tag in Moskau veröffentlicht worden sei.
Die Vereinigten Staaten fordern eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, um den Abschuß der Maschine der
koreanischen

Luftverkehrsgesellschaft

durch

sowjetische

Kampfflugzeuge

vor der Völkergemeinschaft aktenkundig zu machen. Botschafter Charles
Lichenstein, einer der amerikanischen Vertreter bei den Vereinten Nationen, teilt dem Ratsprä'sidenten in einem Brief mit, daß die sowjetische
Handlung einen flagranten und schwerwiegenden Angriff auf die Sicherheit
der internationalen Zivilluftfahrt und eine Verletzung der grundlegenden
Rechtsnormen und Maßstäbe im Verkehr der Staaten miteinander darstelle.

Der amerikanische Kongreß reagiert unmittelbar und heftig auf diese
Tragödie der Luftfahrt. In ihren Äußerungen zu dem Vorfall greifen die
Vorsitzenden beider Kongreßparteien zu Kennzeichnungen wie "barbarisch"
und "erschreckend." Howard Baker, der Vorsitzende der Mehrheitsfraktion
im Senat, sagt, "ein solch unverschämter Angriff auf ein Verkehrsflugzeug, das zivile Passagiere befördert, ist verwerflich
- 4 -

... Nicht nur

�Nicht nur unser Land und Korea, sondern die gesamte Völkergemeinschaft
müssen dieser Angelegenheit ihre volle Aufmerksamkeit widmen und für ihre
gründliche Aufklärung sorgen."

In einem Appell an den sowjetischen Botschafter Anatoly Dobrynin fordert der Internationale Verband der Luftfahrtpassagiere "sofortigen und
umfassenden Aufschluß über alle Tatsachen", die mit der Luftfahrttragödie
in Zusammenhang stehen. Der Verband, der weltweit mehr als 100 000 Menschen vertritt, die häufig im Luftverkehr reisen, bringt seine Empörung
über den "beispiellosen Angriff" zum Ausdruck und erklärt, die Sicherheit
aller Luftfahrtpassagiere "vor unprovozierten militärischen Angriffen muß
gewährleistet sein, da dem Reiseverkehr zwischen den Nationen aus geschäftlichen wie aus kulturellen Gründen lebenswichtige Bedeutung zukommt
..." Der Verband fordert daher "umfassenden Aufschluß darüber, wie dieser
empörende Vorfall ablief und wie es dazu kommen konnte." In einem Telegramm an Außenminister Shultz betont der Verband, daß "es wesentlich ist,
provokativen Handlungen Einhalt zu gebieten, die den friedlichen Ablauf
des zivilen Luftverkehrs überall in der Welt beeinträchtigen." Der Verband sichert seine Bereitschaft zu, "dazu beizutragen, daß dieser tragische Vorfall unverzüglich und in vollem Umfang aufgeklärt wird und daß
sich dergleichen nicht wiederholt."

Der Verkehrspilotenverband, der 34 000 amerikanische

Zivilpiloten

vertritt, verurteilt den "unmenschlichen Akt", den die Sowjetunion mit
"dem Abschuß eines unbewaffneten zivilen Verkehrsflugzeuges" begangen
habe. In einer Erklärung, die der Verband im Namen seiner Mitglieder abgibt, heißt es: "Wir können uns keinen Beweggrund vorstellen, der eine
solch abscheuerregende Tat zu rechtfertigen vermöchte."

2. September

Der Internationale Lufttransportverband (IATA), der die große Mehrheit der internationalen Luftverkehrsgesellschaften

vertritt, bedauert

den sowjetischen Angriff auf KAL 007. Die Organisation erklärt, daß sie
"die Geschehnisse als äußerst schwerwiegend" betrachte und daß sie es
"für unbedingt geboten" halte, daß "die betroffenen
- 5 -

Regierungen der

�Regierungen der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) so bald
wie möglich alle relevanten Informationen zur Verfügung stellen, die diese als Grundlage für eine umfassende und objektive Untersuchung benötigt
...M Der Verband erklärt weiterhin, daß "die Offenlegung der wahren Tatsachen wesentlich ist, nicht zuletzt, um eine Entscheidung darüber zu
treffen, ob es zusätzlicher Schritte von Regierungsseite bedarf, um sicherzustellen, daß sich derart tragische Vorkommnisse nicht wiederholen."

Tass erklärt, die sowjetischen Kampfflugzeuge hätten auf die koreanische Maschine Warnschüsse mit Leuchtspurmunition abgegeben. Die Agentur
merkt weiterhin an, daß "die Führungskreise der Sowjetunion ihr Bedauern
über die Menschenopfer zum Ausdruck

gebracht

haben." Die

Sowjetunion

übernimmt in dieser Erklärung jedoch keineswegs die direkte Verantwortung
für den Tod der 269 Menschen an Bord der Maschine. Das Eindringen der ursprünglich

als

"nicht

identifiziertes Flugzeug"

angesprochenen

Boeing

kann, wie die Sowjets nunmehr erklären, "nicht anders betrachtet werden
als ein vorab geplantes Unternehmen." Tass: "Man hielt es offenbar für
möglich, besondere nachrichtendienstliche Ziele ungehindert zu erreichen,
indem man sich zur Tarnung ziviler Verkehrsflugzeuge bediente."

Ein hochrangiger Vertreter des amerikanischen Außenministeriums erklärt, daß die Tonbandaufzeichnungen des Sprechverkehrs des sowjetischen
Piloten, der die koreanische Maschine abschoß, "keine Anhaltspunkte" dafür liefern, daß die Sowjets zuvor versucht haben, den koreanischen Piloten zu warnen.
Während eines Besuchs auf der Marinefliegerbasis Point Mugu in Kalifornien bemerkt Präsident Reagan, der Abschuß der koreanischen Verkehrsmaschine durch die Sowjets sei "ein Schock für das Empfinden der Menschen
überall auf der Welt." Er fährt fort: "Man sollte über diese brutale
Handlung nicht mit Stillschweigen hinweggehen oder gar zynisch die jetzt
vorliegenden Beweise entstellen."

John Hughes, der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, kündigt vor Journalisten an, daß der Abschuß des KAL-Jumbos im Mittelpunkt
der Begegnung zwischen Außenminister Shultz und seinem sowjetischen Amts- 6 -

�sowjetischen Amtskollegen Gromyko am 8. September in Madrid stehen werde.

Shultz erklärt, die Sowjetunion halte auch weiterhin "mit den Tatsachen hinter dem Berg", die mit dem Angriff auf die südkoreanische Verkehrsmaschine in Zusammenhang stehen. Er fügt hinzu, daß die Sowjets "immer noch nicht bereit sind, die Wahrheit einzugestehen - daß sie ein unbewaffnetes Zivilflugzeug abgeschossen haben."

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nimmt in einer Dringlichkeitssitzung die Debatte über die Luftfahrttragödie auf. Korea, Japan,
Kanada, Australien, die Niederlande, Pakistan, Frankreich, China, Großbritannien, Zaire, Neuseeland und die Bundesrepublik Deutschland schließen sich den Vereinigten Staaten in der Verurteilung der sowjetischen
Handlung an.

Hunderte von empörten Koreanern und Amerikanern ziehen vor den Sitz
der Vereinten Nationen, verdammen die Sowjets als "Mörder" und verbrennen
die sowjetische Flagge. Die Demonstranten drängen sich über ganze Häuserblocks hinweg auf den Bürgersteigen. Mit ihrem Massenaufmarsch versuchen
sie, den UN-Delegierten, die zu der Dringlichkeitssitzung eintreffen, einen plastischen Eindruck von der Sorge und äußersten Empörung zu verschaffen, mit der sie die sowjetische Aktion gegen den Jumbo-Jet und die
Erklärungsversuche Moskaus erfüllt haben.

3. September

In seiner wöchentlichen Rundfunkerklärung sagt Präsident Reagan, die
Sowjetunion schulde der Welt für den Abschuß des südkoreanischen Verkehrsflugzeugs "möglichst umfassende Aufklärung und eine Entschuldigung."
Er merkt an, daß die Sowjets auch weiterhin die Wahrheit über ihre Handlungsweise "entstellen und leugnen."

4. September

In einer Tass-Meldung wird die Version, daß es sich bei der Boeing um
ein Spionageflugzeug gehandelt habe, weiter entwickelt. In der Meldung
- 7 -

�der Meldung wird eine Äußerung des Stabschefs der sowjetischen Luftverteidigung s verbände zitiert, der den Einflug des Jumbos als eine "grobe
und vorsätzliche Provokation" bezeichnet. In der Meldung wird wiederum
behauptet, daß die sowjetischen Abfangjäger auf die Boeing "Warnschüsse
mit

Leuchtspurmunition

abgegeben

haben."

In

den

Aufzeichnungen

des

Sprechverkehrs der sowjetischen Piloten mit ihren Leitstellen am Boden
findet sich jedoch keine Erwähnung solcher Warnschüsse.

Nach zweieinhalbstündigen Gesprächen im Weißen Haus erklären die Führer der amerikanischen Kongreßfraktionen, daß sie Präsident Reagan in der
Haltung unterstützten, die er gegenüber den Sowjets in der Frage des Abschusses einer unbewaffneten Verkehrsmaschine einnehme. "Dies ist keine
Angelegenheit, in der die Vereinigten Staaten gegen die Sowjetunion stehen. Hier steht die ganze Welt gegen die Sowjetunion", sagt Thomas "Tip"
O'Neill, der Sprecher des Repräsentantenhauses, nach der Besprechung mit
Präsident Reagan und Experten des Nationalen Sicherheitsrats.

In einem Fernsehinterview erklärt Lawrence Eagleburger, Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium,
die Vereinigten Staaten hofften, daß andere Nationen gemeinsam mit ihnen
Schritte ergreifen würden, um den Sowjets "schmerzhaft klarzumachen", daß
sie mit dem Abschuß der koreanischen Verkehrsmaschine die ganze Welt gegen sich aufgebracht hätten.

Richard Burt, Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im
Außenministerium, weist darauf hin, daß sich die "grundsätzliche politische Haltung" der Vereinigten Staaten gegenüber der Sowjetunion auch nach
dem Abschuß des koreanischen Verkehrsflugzeugs "nicht ändern" werde. Als
er in einem Fernsehinterview gefragt wird, was die Sowjetunion nun, da
der Angriff geschehen sei, tun solle, führt Burt eine Reihe von Schritten
auf: die Sowjets sollten ihre Verantwortung für den Angriff eingestehen,
die Personen, denen er anzulasten ist, finden und bestrafen, sich vor der
Welt für den Angriff entschuldigen, den Familien der bei dem Angriff ums
Leben Gekommenen Wiedergutmachung und Schadenersatz leisten und anderen
Ländern gestatten, sich an der Suche nach den Leichen der Opfer zu beteiligen.
Im
- 8 -

Lafayette-Park

�Im Lafayette-Park gegenüber dem Weißen Haus in Washington versammeln
sich schätzungsweise 2 500 Demonstranten zu einer Trauerkundgebung für
die 269 Opfer des sowjetischen Raketenangriffs auf das südkoreanische
Verkehrsflugzeug. Fast zweieinhalb Stunden lang skandiert die zumeist aus
Koreanern

und

Amerikanern

bestehende

Menge

anti-sowjetische Parolen,

lauscht Rednern und stimmt Gesänge an, bevor sie in Richtung auf die nahegelegene sowjetische Botschaft marschiert und sich ihr bis auf einen
Häuserblock nähert.

5. September
In einer Rede an die Nation schlägt Präsident Reagan Maßnahmen vor,
die in Reaktion auf den Angriff auf KAL 007 getroffen werden sollten. Zu
den vorgeschlagenen Maßnahmen gehört auch die Aussetzung der Verhandlungen über mehrere bilaterale Übereinkommen. Reagan kündigt an, daß die
Vereinigten Staaten sich gemeinsam mit den 13 Ländern, aus denen sich
Reisende an Bord der koreanischen Maschine befunden hatten, um Wiedergutmachungsleistungen für die Familien der Getöteten bemühen würden. Im Hinblick auf die Wirtschaft sagt er, die Vereinigten Staaten werden "zusammen mit unseren Verbündeten unsere Anstrengungen verdoppeln, den Fluß militärischer und strategischer Güter in die Sowjetunion zu einem Ende zu
bringen." Wie der Präsident weiter sagt, haben die Vereinigten Staaten
ihre frühere Entscheidung bestätigt, der

sowjetischen Luftverkehrsge-

sellschaft Aeroflot die Landerechte in Amerika zu verweigern. Er unterstreicht die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, auf eine vollständige Aufklärung der Geschehnisse, auf eine Entschuldigung, auf ein Eingeständnis der sowjetischen Verantwortlichkeit, auf Abhilfe und auf konkrete Zusicherungen, daß dergleichen sich nicht wiederholen werde, zu dringen.

Botschafterin Diana Dougan, die amerikanische Chefdelegierte auf einer Konferenz über Fernmeldewesen, deren Veranstalter die Erziehungs-,
Wissenschafts- und Kulturorganisation der Vereinten Nationen ist und die
unter Teilnahme von 35 Ländern in Taschkent stattfindet, geht mit der
Sowjetunion wegen des Abschusses des unbewaffneten koreanischen Verkehrsflugzeuges scharf ins Gericht. Frau Dougan erklärt, "das Mißtrauen, die
- 9 -

�Mißtrauen, die Unsicherheit und die Furcht, mit denen solche Willkürakte
das internationale Klima belasten, machen es noch schwieriger, gegenseitiges Verständnis zwischen den Völkern zu entwickeln."

Kanada setzt die Lande- und Auftankrechte der sowjetischen Luftverkehrsgesellschaft Aeroflot für die Dauer von 60 Tagen aus.

6. September

In einer offiziellen sowjetischen Regierungserklärung wird bestätigt,
daß die sowjetischen Piloten "die Anweisung ihrer Leitstelle, den Flug
(KAL 007) anzuhalten, ausgeführt haben." Der Kreml läßt verlauten, man
sei deshalb zu dem Schluß gekommen, daß KAL 007 ein Spionageflugzeug gewesen sei, weil die Maschine "strategisch wichtige Gebiete der Sowjetunion" überflogen habe. In der Erklärung heißt es zwar, daß die sowjetische Regierung ihr "Bedauern" über den Tod unschuldiger Menschen zum Ausdruck bringe, aber noch im gleichen Atemzug wird wiederum jede Verantwortung für den Tod dieser Menschen geleugnet.

Staatssekretär Lawrence Eagleburger, der die Amtsgeschäfte des Außenministers wahrnimmt, betont, daß die Welt in der Frage des Abschusses der
koreanischen Verkehrsmaschine "immer noch auf klare Antworten wartet."
Das Eingeständnis der Sowjets vom gleichen Tage, daß sie die Zivilmaschine abgeschossen haben, sei erst erfolgt, "nachdem die gesamte zivilisierte Welt die sowjetische Aktion verurteilt hat", sagt Eagleburger.

Die UN-Delegationen vieler Staaten wenden sich an den Sicherheitsrat,
um ihrer Verurteilung des Abschusses der koreanischen Maschine Ausdruck
zu verleihen. Der japanische Botschafter Mizuo Kuroda stellt vor dem Rat
fest, daß die sowjetische Weigerung, dem Ersuchen seines Landes zu entsprechen, in dem Seegebiet, in dem die Maschine abstürzte, ein Such- und
Rettungsoperation durchführen zu dürfen, "eine Mißachtung

humanitärer

Grundsätze und eine Verletzung der Konvention von Chicago über die internationale Zivilluftfahrt darstellt." Kuroda hält seine Rede, nachdem die
amerikanische Botschafterin Jeane Kirkpatrick dem Rat die Tonbandaufzeichnungen des Funksprechverkehrs der sowjetischen Kampfflieger während
- 10 -

�Kampfflieger während der Verfolgung der koreanischen Zivilmaschine vorgespielt hat. Der unverschlüsselte Sprechverkehr zwischen den Abfangjägern
und ihrer Bodenleitstelle, der, wie Kuroda sagt, "den springenden Punkt
des ganzen Vorfalls betrifft", war von den japanischen Selbstverteidigungsstreitkräften aufgezeichnet worden. Nach den Worten Kurodas entschloß sich die japanische Regierung zur Veröffentlichung der Tonbänder und zur Vorlage dieser Beweisstücke durch die Vereinigten Staaten, die
Mitglied des UN-Sicherheitsrats sind - "um der Weltöffentlichkeit zu beweisen, daß die koreanische Maschine tatsächlich von einem sowjetischen
Kampfflugzeug abgeschossen wurde."

Das Leitungsgremium der Internationalen Vereinigung der Verkehrspilotenverbände dringt auf eine 60tägige Aussetzung aller Flüge nach Moskau. Nach einer Dringlichkeitssitzung gibt das Gremium eine Erklärung ab,
in der es heißt: "Wir bedauern die sowjetische Handlungsweise, die mit
der Zerstörung eines wehrlosen zivilen Verkehrsflugzeugs endete." Wie das
Gremium weiter ausführt, ist ein Protest geboten, "um die Zivilluftfahrt
vor militärischen Eingriffen einschließlich des Einsatzes von Waffen zu
schützen."

7. September

In Madrid äußert Außenminister Shultz seine Enttäuschung über die
Erklärung des sowjetischen Außenministers Gromyko vor der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, daß ein Vorfall wie der um die
koreanische Verkehrsmaschine sich wiederholen könne, falls es abermals zu
einer Verletzung des sowjetischen Luftraums käme. Gromyko sagte, sowjetische Abfangjäger hätten dem Flug der koreanischen Maschine ein Ende gesetzt, als sie zu entkommen versuchte, nachdem sie eine "kriminelle Aktion über unseren wichtigsten strategischen Einrichtungen durchgeführt"
habe.

8. September

Vizepräsident George Bush sagt, es sei "unvorstellbar, daß irgendein
Land billigt, was die Sowjetunion tat", als sie den KAL-Jumbo abschoß.
- 11 -

�KAL-Jumbo abschoß. Auf einer Pressekonferenz für ausländische Korrespondenten verkündet Bush, der sowjetische Angriff auf die Zivilmaschine werde "die Tagesordnung" seiner bevorstehenden Reise nach Nordafrika und
Europa "ändern."

Nach seinem Zusammentreffen mit seinem sowjetischen Amtskollegen Gromyko in Madrid erklärt der amerikanische Außenminister Shultz, daß die
Antworten Gromykos auf seine Fragen über den Abschuß der zivilen Verkehrsmaschine "völlig unannehmbar" gewesen seien. "Diese brutale sowjetische Handlung hat allen das Fehlen eines jeglichen Interesses an den betroffenen Menschenleben seitens der Sowjetunion deutlich gemacht. Und die
absurde Erklärung, die die Sowjets einer Welt, die dies einfach nicht
glauben kann, angeboten haben und immer noch anbieten, hat das Problem
nur noch kompliziert", sagt Shultz.

Präsident Reagan verfügt, daß die sowjetische Luftverkehrsgesellschaft Aeroflot ihre Büros in den Vereinigten Staaten bis zum 15. September zu schließen habe. Der Präsident bittet die amerikanische Aufsichtsbehörde für die Zivilluftfahrt, mit Wirkung vom 12. September eine
Reihe von Maßnahmen zu treffen. So soll die Behörde Aeroflots Recht aussetzen, in den Vereinigten Staaten Flugscheine zu verkaufen; ferner soll
sie

amerikanischen

Fluggesellschaften

untersagen, in

den

Vereinigten

Staaten Tickets für Aeroflot-Flüge zu verkaufen und Passagiere von oder
nach den Vereinigten Staaten oder innerhalb des Landes zu befördern, auf
deren Gesamtflugschein auch ein Aeroflot-Flug steht.

Dem UN-Sicherheitsrat wird ein Resolutionsentwurf vorgelegt, in dem
eine umfassende Untersuchung der Umstände des Abschusses von KAL 007 gefordert und darüberhinaus festgestellt wird, daß der Einsatz von Waffengewalt gegen Zivilflugzeuge den internationalen Normen menschlichen Verhaltens widerspreche. Der Resolutionsentwurf, der von den Niederlanden
auch im Namen Australiens, Kanadas, Frankreichs, Japans, Neuseelands,
Großbritanniens und der Vereinigten Staaten eingebracht wird, enthält
auch eine Präambel, in der das Recht auf Entschädigungsleistungen bestätigt wird; er verurteilt jedoch nicht namentlich die Sowjetunion.
British
- 12 -

Airways

�British Airways kündigt an, daß man die planmäßigen vier Flüge pro
Woche von London nach Moskau absetzen werde. Die Gesellschaft erklärt,
sie ergreife diese Maßnahme, da sie ihre Piloten nicht zwingen wolle,
Flüge durchzuführen, die ihnen widerstrebten.

9. September

Präsident Reagan bestimmt Sonntag, den 11. September, zum nationalen
Trauertag "zum Andenken an die ermordeten Passagiere von Flug 007 der Koreanischen Luftverkehrsgesellschaft und als Ausdruck der Sorge der Öffentlichkeit." In einer vom Weißen Haus herausgegebenen Erklärung stellt
der Präsident fest, daß das "Korean-Air-Lines-Massaker" ein "Verbrechen
gegen die Menschlichkeit" gewesen sei, das "weder in unserem Lande noch
sonstwo auf der Welt jemals in Vergessenheit geraten darf."

Nach einem Gedenkgottesdienst in der Kathedrale von Washington trifft
Präsident Reagan mit den Familienangehörigen und Freunden der Opfer der
KAL-Tragödie zusammen. In der Kathedrale versammeln sich der Präsident,
Mitglieder des diplomatischen Korps und Regierungsbeamte des Außenministeriums zum Gebet für die 269 Menschen, die bei dem Angriff ums Leben
kamen.

Die Reagan-Administration wiederholt ihren Standpunkt, daß "die Sowjetunion der Weltöffentlichkeit" über den Abschuß von KAL 007 "immer noch
Antworten schuldig ist." In Erwiderung auf Ausführungen von Marschall Nikolai Ogarkow, dem Chef des Generalsstabs der Streitkräfte der Sowjetunion, auf einer Pressekonferenz in Moskau erklärt der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums Alan Romberg: "Die sowjetische Veranstaltung
vom heutigen Tage hat uns und dem Rest der Welt eindeutig keine Antworten
auf die Fragen gegeben, die wir alle im Hinblick auf das sowjetische Verhalten bei dem Vorfall haben."

10. September

Schwedische Fluglotsen kündigen an, daß sie sowjetische Flüge boykottieren werden. Der finnische Pilotenverband kündigt an, daß seine Mit- 13 -

�seine Mitglieder Flüge nach Moskau zwei Monate lang boykottieren werden.

12. September

Eine Entschließung des UN-Sicherheitsrats, in der eine unparteiische
Untersuchung der KAL-Tragödie gefordert und der Gebrauch von Waffengewalt
gegen Zivilflugzeuge für unvereinbar mit den Regeln der Menschlichkeit
und des normalen zwischenstaatlichen Verkehrs erklärt wird, scheitert am
Veto der Sowjetunion. Für die Entschließung stimmten neun Mitglieder des
Sicherheitsrats, dagegen zwei, vier enthielten sich der Stimme. Polen
schloß sich dem sowjetischen Votum gegen die Resolution an.

Die Sowjetunion verweigert die Annahme einer diplomatischen Note, in
der die Vereinigten Staaten Schadenersatz für den Tod der amerikanischen
Staatsbürger fordern, die sich an Bord von KAL 007 befunden hatten. Die
Note wurde dem stellvertretenden Missionschef der sowjetischen Botschaft
in Washington, Oleg Sokolow, von John Kelly, dem AmtsVertreter des Unterstaatssekretärs für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, übergeben. Kelly übergab außerdem noch eine ähnliche Note,
in der Schadenersatzleistungen im Namen der Republik Korea gefordert wurden. Sie wurde ebenfalls von Sokolow zurückgewiesen.

14. September

Das amerikanische Repräsentantenhaus verurteilt die Sowjetunion mit
416 gegen Null Stimmen wegen ihres "kaltblütigen, barbarischen Angriffs"
auf Flug 007 der Korean Air Lines. In der Entschließung heißt es, die
Zerstörung der Verkehrsmaschine stelle "eine der infamsten und verabscheuungswürdigsten Handlungen der Geschichte" dar.

15. September

Präsident Reagan spricht dem amerikanischen Kongreß für die Verabschiedung der Resolution, in der die Ermordung der 269 unschuldigen Menschen an Bord der koreanischen Verkehrsmaschine verurteilt wird, seine
Anerkennung aus. Das Weiße Haus veröffentlicht Reagans Erklärung, nachdem
- 14 -

�Erklärung, nachdem auch der Senat die vom Repräsentantenhaus am Vortag
gebilligte Entschließung mit 95 gegen Null Stimmen angenommen hat.

Vor dem 33köpfigen Exekutivrat der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation werden begründete, aber emotional

vorgetragene Forderungen

nach einer unparteiischen Untersuchung der Einzelheiten des Abschusses
von KAL 007 durch die Sowjets laut. Weiter wird gefordert, Maßnahmen zu
prüfen, durch die gewährleistet werden kann, daß es nie wieder zu einer
derartigen Tragödie kommt. Keun Park, der koreanische Beobachter bei dem
Rat, verwahrt sich entschieden gegen die sowjetischen Behauptungen, daß
sich die koreanische Passagiermaschine auf einem Spionageflug für die
Vereinigten Staaten oder Japan befunden habe. Er bezeichnet die Handlungsweise der Sowjetunion als einen Versuch, die Welt einzuschüchtern
und zu terrorisieren, und fügt hinzu, es handele sich möglicherweise auch
um einen Versuch, die Grundlagen der Zivilluftfahrt zu untergraben.
Die meisten NATO-Staaten, die Schweiz und Japan beginnen mit einer
zweiwöchigen Sperre der Flüge von und nach der Sowjetunion. Gleichzeitig
wird in Montreal eine Konferenz der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation eröffnet. Der Boykott, der eine Vergeltungsmaßnahme
Abschuß

von KAL 007

durch die

für den

Sowjetunion darstellt, erfaßt mehr als

60 Prozent des zivilen Luftverkehrs der ganzen Welt. Nach Angaben des
amerikanischen Verkehrsministeriums betrifft der Boykott 48 Prozent aller
Flüge aus nichtkommunistischen Ländern in die Sowjetunion und 29 Prozent
aller Aeroflot-Flüge in die nichtkommunistische Welt.

16. September

Auf der Konferenz der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation in
Montreal wird eine Entschließung verabschiedet, in der der Generalsekretär der Organisation angewiesen wird, eine Untersuchung in die Wege zu
leiten, "um die Tatsachen und technischen Aspekte zu ergründen", die mit
Flug KAL 007 und der Zerstörung der Maschine durch ein sowjetisches
Kampfflugzeug in Zusammenhang stehen. In der Resolution wird vermerkt,
daß "ein solcher Gebrauch von Waffengewalt gegen die internationale Zivilluftfahrt im Widerspruch zu den grundlegenden Geboten der Menschlich- 15 -

�der Menschlichkeit wie auch zu den Normen steht, die für den zwischenstaatlichen Verkehr gelten ..., und eine schwerwiegende Bedrohung der
Sicherheit der internationalen Zivilluftfahrt darstellt."

Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Tagen verweigert die Sowjetunion
die Annahme einer förmlichen diplomatischen Note der Vereinigten Staaten
über den Abschuß von KAL 007. Der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums John Hughes erklärt, in der Note werde "von der Sowjetunion
Schadenersatz gefordert für den Tod von amerikanischen und koreanischen
Staatsbürgern und für den Verlust von Sachwerten infolge des unrechtmäßigen Abschusses" von KAL 007.

Ein Sprecher des Weißen Hauses gibt bekannt, daß Präsident Reagan beschlossen habe, daß die Vereinigten Staaten Zivilflugzeugen die Nutzung
der Einrichtungen ihres erdumfassenden Systems zur Standortbestimmung gestatten werden, sobald es im Jahre 1988 einsatzbereit wird. Wie der
stellvertretende Pressesekretär Larry Speakes mitteilt, wird dieses weltraumgestützte Funknavigationssystem

"äußerst genaue, wetterunabhängige,

dreidimensionale erdumfassende Informationen zur Navigation und Standortbestimmung liefern." Er fügt hinzu, daß der Präsident nach dem KAL-Massaker "eine interministerielle Arbeitsgruppe angewiesen hat, alle Maßnahmen
zu überprüfen, die die Sicherheit der Luftfahrt erhöhen könnten. Die genannte Maßnahme ist Teil unserer Reaktion."

Der Republikanische Beratungsausschuß des Repräsentantenhauses hält
Anhörungen ab, um festzustellen, welche weiteren Sanktionen wegen der
Vernichtung von KAL 007 gegen die Sowjetunion verhängt werden könnten.
Vor dem Ausschuß, dessen Vorsitz der Abgeordnete Philip Crane führt, sagt
eine Reihe von Personen aus dem Regierungsapparat wie aus dem Privatbereich aus, die den sowjetischen Angriff, der 269 Menschenleben forderte,
verurteilen.

21. September
Eine überwältigende Mehrheit der Organisation Amerikanischer Staaten
(OAS) gibt ihre "Verurteilung" des Abschusses von KAL 007 zu Protokoll.
- 16 -

�zu Protokoll. Nachdem Paraguay die Angelegenheit auf die Tagesordnung gebracht hat, verleihen alle 24 Mitglieder der Tagung des Permanenten Rats
der OAS in einer ungewöhnlichen Bekundung von Einmütigkeit ihrer Empörung
über den Vorfall Ausdruck.

26. September

John Kelly, der Amtsvertreter des Unterstaatssekretärs für Europäische Angelegenheiten

im amerikanischen Außenministerium,

übergibt dem

stellvertretenden Missionschef der sowjetischen Botschaft in Washington,
Oleg Sokolow, eine diplomatische Note, in der gegen die Weigerung der
Sowjetunion protestiert wird, den Koreanern die Beteiligung an der Bergung der Trümmer von KAL 007 zu erlauben. In der Note werden die Sowjets
darauf hingewiesen, daß die Boeing in der Republik Korea registriert sei,
daß dieses Land außerdem der Eigentümer der Maschine sei, daß es ausschließlich die Vereinigten Staaten und Japan bevollmächtigt habe, Suchund Bergungsoperationen durchzuführen und daß daher kein anderes Land,
also auch nicht die UdSSR, berechtigt sei, in internationalen Gewässern
nach den Überresten zu suchen oder diese zu bergen.

27. September

J. Lynn Helms, der Leiter der amerikanischen Bundesluftfahrtbehörde,
erklärt, die Vereinigten Staaten unterstützten in vollem Umfang die Untersuchung des Abschusses von KAL 007, die die Internationale Zivilluftfahrtorganisation in die Wege geleitet habe, und ersuchten dringend alle
betroffenen Parteien, bei den Bemühungen mitzuarbeiten, eine Wiederholung
solcher Zwischenfälle für alle Zukunft auszuschließen.

28. September

Präsident Reagan unterzeichnet

eine Resolution

des

amerikanischen

Kongresses, in der die Sowjetunion für die Vernichtung von Flug 007 der
Korean Air Lines verurteilt wird. In einer vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung sagt Reagan, "alle Amerikaner verurteilen einmütig diesen
schrecklichen Akt und fordern, daß die Sowjetunion die volle Verantwor- 17 -

�volle Verantwortung für ihre Handlungsweise übernimmt."

6. Oktober

Elinor Constable, stellvertretende Unterstaatssekretärin im amerikanischen Außenministerium, sagt, der Abschuß einer koreanischen Verkehrsmaschine durch die Sowjets habe "augenfällig gemacht, daß es notwendig
ist, mit aller Sorgfalt Maßnahmen zu erwägen, um ähnliche Vorfälle in Zukunft auszuschließen." In einer Erklärung für den Unterausschuß für Ostasiatische und Pazifische Angelegenheiten des Außenpolitischen Ausschusses des Senats führt sie aus: "Wir müssen uns Gedanken über Maßnahmen und
Vorgehensweisen machen, die zur Anwendung kommen könnten, falls ein Flugzeug eines Landes sich in den Luftraum eines anderen Landes verirrt."

17. Oktober

In einem vorläufigen Bericht des Generalsekretärs der Internationalen
Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) an den Rat der Organisation heißt es,
daß Untersuchungsgruppen dreien der vier in den KAL-Zwischenfall verwikkelten Staaten - den Vereinigten Staaten, Japan und Südkorea, nicht aber
der Sowjetunion - Besuche abgestattet hätten und daß die Nachforschungen
in den drei erstgenannten Ländern "im wesentlichen abgeschlossen" seien.
In dem Bericht wird dargelegt, daß das Ersuchen der ICAO an die Sowjetunion, ihr alle relevanten Informationen zur Verfügung zu stellen und
Nachforschungen durch eine Untersuchungsgruppe vor Ort zu gestatten, bislang ohne Antwort geblieben sei.

21. Oktober

Paul Byrnes, der Leiter der amerikanischen Delegation auf der Konferenz der Welttourismusorganisation (WTO), die vom 3. bis 18. Oktober in
Neu Delhi stattfand, erklärt vor Journalisten in Washington, daß die auf
der WTO-Tagung verabschiedete Entschließung dem Zweck diene, "die Sowjetunion Druck seitens der internationalen Völkergemeinschaft auszusetzen,
um sicherzustellen, daß dergleichen nie wieder vorkommt", und andere Länder davon abzuhalten, militärische Machtmittel gegen Zivilflugzeuge ein- 18 -

�Zivilflugzeuge einzusetzen. In der Resolution bedauert die WTO den KALZwischenfall und erklärt sich bereit, die von der ICAO am 16. September
in die Wege geleitete Untersuchung "in vollem Umfang zu unterstützen."

12. Dezember

Ein internationaler Luftfahrtausschuß kommt in seinem Bericht zu dem
Schluß, daß das von sowjetischen Abfangjägern abgeschossene koreanische
Verkehrsflugzeug irrtümlich vom Kurs abgekommen sei und sich nicht auf
einem Spinnageflug befunden habe. In dem dem Rat der ICAO in Montreal zugeleiteten Bericht heißt es, daß "sich keine Hinweise darauf gefunden haben", daß die Besatzung von KAL 007, "ungeachtet der Tatsache, daß sie
etwa 5 Stunden und 26 Minuten lang auf ihrem falschen Kurs blieb, zu irgendeinem Zeitpunkt die Abweichung von der geplanten Route bemerkt hat."
J. Lynn Helms, der Leiter der amerikanischen Bundesluftfahrtbehörde, erklärt vor dem Rat, daß der Abschuß von KAL 007 nicht auf eine Unzulänglichkeit der Regeln der internationalen Zivilluftfahrt

zurückzuführen

sei, sondern vielmehr darauf, daß die Sowjetunion diese Regeln nicht beachtet habe. Helms stellt weiterhin fest, daß die Untersuchung des Zwischenfalls durch die ICAO durch die Weigerung der Sowjets behindert worden sei, technische Informationen zur Verfügung zu stellen oder eine Untersuchungsgruppe der ICAO ins Land zu lassen.

- 19 -

�29. August 1984

35

MARIHUANA-KONSUM IM RÜCKGANG

- Aber Alkohol und Rauchen verleiten Jugendliche zum Einstieg -

-

(AD) - In den Vereinigten Staaten ist seit ca. fünf Jahren ein

Rückgang des Drogenkonsums zu beobachten. Dr. Richard Lindblad vom "U.S.
National Institute on Drug Abuse" (NIDA - Nationales Institut zur Bekämpfung von Drogenmißbrauch) sieht dies u.a. als eine Folge wachsenden Gesundheitsbewußtseins bei jungen Menschen, großer Anstrengungen seitens
vieler Eltern, die sich zu Aktionsgemeinschaften zusammengeschlossen haben, und anderer Bürgerinitiativen, sowie von Programmen

staatlicher

Stellen zur Eindämmung des Konsums von Drogen. Dazu kommen, so Lindblad,
ein bemerkenswerter Wandel in der allgemeinen Denkweise.

Drogen und Dro-

genkonsum begegne man verbreitet mit immer mehr Vorbehalten und akzeptiere dies sehr viel weniger als noch vor ein paar Jahren.

Dennoch sei

der Konsum bestimmter Suchtstoffe und Rauschgifte, insbesondere von Kokain und Heroin, nach wie vor ein großes Problem.

Vor allem für Kokain

scheine es immer mehr Quellen zu geben, und die Zahl der Todesfälle im
Zusammenhang mit Kokain habe in den letzten paar Jahren erheblich zugenommen.
Einen

kontinuierlichen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Einen kontinuierlichen Rückgang des Drogenkonsums vor allem bei Schülern seit 1979 lassen jedoch Studien erkennen, die von NIDA und anderen
Organisationen in allen amerikanischen Bundesstaaten unter Jugendlichen
und Erwachsenen durchgeführt wurden und z.T. auch noch weitergehen.

Der

Anteil der Schüler, die irgendwann einmal Marihuana probiert haben, ging
von 51 Prozent im Jahr 1979 auf 42 Prozent im Jahr 1983 zurück.

Noch

auffallender sind die Zahlen bei jenen, die monatlich 20 Mal oder öfter
zum Joint greifen - 10,7 Prozent waren es 1978, 5,5 Prozent im Jahr 1983.

"Der Konsum von Marihuana, Kokain und Halluzinogenen war vor 1979 wie
eine Epidemie und schien ganz außer Kontrolle zu geraten",

sagt Lind-

blad. Das "gesellschaftliche Klima" habe damals diese Entwicklung begünstigt.

Mit Annoncen wurde für Drogen geworben, selbst eine Lobby begann

sich zu organisieren.

Der Drogenmißbrauch bei Jugendlichen hatte sich,

gemessen am Stand Ende der fünfziger Jahre, um das Zehn- bis Zwanzigfache
ausgeweitet.

Erst groß angelegte Kampagnen der Regierung in den Medien, dazu die
Veröffentlichung von Forschungsergebnissen über Gesundheitsschäden durch
Rauschgifte und Suchtstoffe, trugen, wie Lindblad weiter berichtet, zu
einer Wende bei.

Gleichzeitig schlössen sich immer mehr Eltern zu Akti-

onsgruppen gegen Drogenkonsum zusammen; z. Zt. gibt es mehr als 4 000
davon im Lande.

Die Regierung mit einem landesweiten Netz behördlicher

Stellen und das Präsidentenehepaar persönlich schalteten sich in die Kampagnen

ein.

Privatinitiativen

erhielten

größtmögliche

Unterstützung.

Alle diese Anstrengungen blieben nicht ohne Erfolg: Der Rückgang im Konsum von Halluzinogenen wie LSD und PCP sind nach Ansicht Lindblads Beispiele für die Wirksamkeit von Vorbeugungsprogrammen und ausführlicher
Information der Öffentlichkeit.

Der Trend der letzten fünf Jahre sei, so Lindblad, kein kurzfristiges
* oder zyklisches Phänomen, sondern der Beginn einer echten Abwärtsentwicklung im Drogenkonsum.

Dies sei u.a. darauf zurückzuführen, daß Drogen an

Symbolwert verloren haben und ihr Konsum nicht mehr das für bestimmte gesellschaftliche Gruppen Verbindende besitze. So sei die Hoffnung berechtigt, daß die jetzige Kinder-Generation relativ drogenfrei aufwach- 2 -

�drogenfrei aufwachse.
sagt Lindblad.

"Ich arbeite seit 1961 in der Drogenbekämpfung",

"Aber noch nie habe ich so viel Engagement und Enthusias-

mus erlebt wie gerade jetzt".

- Rauchen und Alkohol sind Einstiegsrisiken -

Bei Teenagern, die Zigaretten rauchen und Alkohol trinken, ist die
Wahrscheinlichkeit, auch zu Marihuana und Haschisch zu greifen, größer
als bei jenen, die es nicht tun. Eine im Staat New York unter Mitwirkung
einer Reihe von Universitäten durchgeführte

Langzeituntersuchung, die

sich auf Studien seit 1971 stützt, zeigt dies sehr deutlich.

Im Bericht

der Forschergruppe von Denise B. Kandel, Psychologin an der ColumbiaUniversität in New York (veröffentlicht im Juliheft 1984 der Zeitschrift
"American Journal of Public Health"), wird außerdem auf die Bedeutung bestimmter Faktoren wie Persönlichkeit des einzelnen und Milieu-Einfluß
hingewiesen.

Daran habe sich seit Beginn der Befragungen und Erhebungen

unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Jahr 1971 nichts geändert.
Marihuana-Raucher sind meist Teil einer weitverzweigten Gruppe Gleichgesinnter und befreundeter junger Leute, die alle mit dem Suchtstoff zu tun
haben.

An Verbindungen zu Institutionen der Gesellschaft sei kaum einem

von ihnen etwas gelegen.

Aufklärung Jugendlicher über erwiesene und mögliche Auswirkungen von
Rauchen, Trinken und Marihuana-Rauchen, und die überzeugende Vermittlung
der Erkenntnis, daß es besser sei, solche Gewohnheiten gar nicht erst
aufzunehmen, seien ganz wichtige präventive Maßnahmen gegen ernste Drogenprobleme, schreibt Kandel.

Wer sich als sehr junger Mensch Rauchen

und Trinken angewöhne, greife auch mit größerer Wahrscheinlichkeit zur
Marihuana-Zigarette.

Und wer gewohnheitsmäßig Marihuana rauche, probiere

eher als andere weitere Suchtstoffe und selbst harte Drogen.

Wissenschaftliche Studien, so ein vor zwei Jahren veröffentlichter
Bericht der "National Academy of Sciences", zeigen auf, in welcher Weise
gewohnheitsmäßiger
ändert.

Marihuana-Genuß die

Persönlichkeit

allmählich ver-

Diese Veränderung erklärt auch z.T. die Gefahr, daß der "Stoff"

leicht zur Einstiegsdroge für harte Drogen wird.
- 3 -

Zuvor geistig äußerst

�geistig äußerst rege und energiegeladene Jugendliche werden, wie der Bericht "Marijuana and Health" aus dem Jahr 1982 besagt, gleichgültig gegenüber ihrer Umgebung, sind unfähig zur Konzentration, kümmern sich
nicht mehr um ihr schulisches Fortkommen und haben keinen Sinn für ein
Streben nach Zielen, wie Eltern und Lehrer sie schätzen.

Allerdings sei

offen, ob der tägliche Genuß von Marihuana die Veränderungen bewirke,
oder ob der Drogenkonsum schon die Folge von zuvor veränderten Lebensumständen war. Viele suchten ja über die Droge einen "Fluchtweg" aus einer
belastenden Situation.
gen

Jedenfalls verschlimmere Marihuana die Bedingun-

- gleichgültig, of es die primäre Ursache dafür sei oder nicht.

Auch über die körperlichen Gesundheitsrisiken des Marihuana-Rauchens
liegen bereits zahlreiche Untersuchungen vor, viele Studien sind noch in
Gang.

Die Risiken betreffen die Funktionen von Herz, Gehirn, Kreislauf

und Lunge, des Immunsystems und der Fortpflanzungsorgane.

Exakte Nach-

weise für Schädigungen auf Zellebene waren bisher ungeachtet der Tatsache, daß die rauschauslösende Verbindung der Cannabispflanze und ihre
Stoffwechselprodukte sehr lange im Körper verbleiben - vor allem in Fettgewebe im Gehirn, in den Lungen und anderen Organen -, noch kaum zu erbringen.

Allerdings zeigen z.B. neue Studien von Forschern der Univer-

sität Kalifornien (u.a. von Prof. Donald P. Tashkin, Los Angeles) eindeutige Gewebsschädigungen an Luftröhre und Bronchien sowie Beeinträchtigungen der Lungenfunktion.

So war beispielsweise bei Personen, die zwei

Jahre lang täglich eine Marihuana-Zigarette geraucht hatten, der Widerstand für den Gasaustausch in der Lunge um 25 Prozent gegenüber früher
ermittelten Werten erhöht.

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