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22. August 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: USA stehen zur Verpflichtung von Jalta

WIRTSCHAFT
US-Haushaltsdefizit geringer als erwartet
- Bericht der Bundesregierung -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Dem Sonnenwind auf den Fersen
- Drei EXPLORER-Satelliten beobachten Wechselwirkungen mit
Erdmagnetfeld Für Entwicklungsländer gratis
- INTELSAT stellt Nachrichtensatelliten für Bildungs- und Gesundheitsprogramme zur Verfügung -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. August 1984

34

REAGAN: USA STEHEN ZUR VERPFLICHTUNG VON JALTA

WASHINGTON (AD) Bei einem Empfang für amerikanische Führungspersönlichkeiten polnischer Abstammung erklärte Präsident Reagan am 17. August 1984
im Weißen Haus, das Abkommen von Jalta sei eine Verpflichtung der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und der Sowjetunion gewesen, "in allen,
von den Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg befreiten Ländern die volle Unabhängigkeit wiederherzustellen und freie und demokratische Wahlen zu ermöglichen." Der Präsident betonte, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin auf eine vollständige Einhaltung des Abkommens von Jalta drängen
würden.
Nach einleitenden Sätzen hat die Ansprache folgenden Wortlaut:
...Wir zollen heute einer Nation Tribut, die zwei Jahrhunderte lang um
Freiheit und Unabhängigkeit gekämpft hat. Von den Aufständen von 1794
über den Nov amber-Auf stand von 1830 und erneut von 1863 an bewies das
polnische Volk einen Mut und eine Verpflichtung zur Freiheit des Men-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Freiheit des Menschen, die freie Männer und Frauen in der gesamten Welt
inspiriert haben.
Diese zweihundertjährige Geschichte der Ausdauer und des Mutes fällt
zusammen mit der Entwicklung unserer eigenen kostbaren Freiheit hier in
den Vereinigten Staaten. Und dies ist nicht einfach nur ein Zufall. Unsere beiden Völker haben von demselben Brunnen der Freiheit getrunken, halten dieselben jüdisch-christlichen Werte hoch und achten die schlichten
Tugenden der Ehrlichkeit und der harten Arbeit. Und sogar heute noch läßt
sich oft genug feststellen, daß unsere beiden Volker - ganz im Gegensatz
zu manch anderen - ihre religiösen Überzeugungen ernst nehmen. Diese tief
im Herzen gefühlten Überzeugungen haben den Geist der Freiheit in unseren
Herzen brennen lassen, insbesondere in Zeiten größter Schwierigkeiten.
Papst Johannes Paul II. hat einmal gesagt: "Die Freiheit ist dem Menschen
von Gott als Teil seiner Würde und als Kind Gottes gegeben worden. Wir
können keine Sklaven sein."
Ich weiß, daß Sie so fühlen wie ich selbst: Wir sind in diesen Zeiten großer Bedrängnis gesegnet, einen geistigen Führer wie Johannes Paul
II. zu haben.
Die anhaltende Unterdrückung der nationalen Identität Polens brachte
Welle nach Welle polnischer Einwanderer in die Vereinigten Staaten. Hierfür können wir dankbar sein. Denn wir alle kennen die Vielzahl der Beitrage und die Namen all jener, die hier ihren Weg nach oben machten. Aber
gleich bedeutsam sind die Millionen jener, die hierher kamen und die
durch ihre harte Arbeit und ihre moralische Stärke dazu beitrugen, dem
amerikanischen Charakter Form zu geben.
In diesem Jahrhundert standen Amerikaner und Polen Seite an Seite in
jenen beiden Feuersbrünsten, die über die Welt hinweggtobten. Leider war
der Erste Weltkrieg nicht das Ende aller Kriege, aber er hatte die Wiedergeburt des polnischen Staates zur Folge.
Diesen Monat begehen wir den Jahrestag einer verzweifelten Schlacht
des Zweiten Weltkriegs, einen heldenhaften Versuch der freien Polen, ihr

2

�freien Polen ihr Land von der Unterjochung durch die Nazis zu erlösen.
Jahrelang widerstanden sie im Verborgenen der Besatzung. Und dann, 1944,
wehrten - 63 brutale und von Höllenqualen gefüllte Tage lang - schlechtausgerüstete und zahlenmäßig so unendlich unterlegene Menschen - und ich
darf sagen: Viele von Ihnen hier - die Kriegsmaschinerie der Nazis ab.
Und es ist nur zu passend, daß wir und alle anderen freien Völker uns
dieses Anlasses ganz besonders erinnern.
Ich glaube, niemand, der je für die Freiheit gekämpft oder für die
Sache der menschlichen Freiheit sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, könnte
stolzer sein als jene, die sagen können: "Ich habe in der polnischen Heimatarmee gekämpft."
Heute ehren wir drei Männer, drei Helden der polnischen Heimatarmee,
denen nach dem Sieg der Alliierten nicht ihr Recht geworden ist. Und es
ist mir eine große Ehre, hier den Familien oder Vertretern dieser Männer
den Orden "Legion of Merit" zu verleihen.
Wir salutieren Stefan Rowecski, der den Widerstand anführte, bis er
gefangengenommen und von der Gestapo hingerichtet wurde.

Dann wird sich der Sohn von Bor-Komorowski erheben, der ein Führer
des Warschauer Aufstandes war und der in Armut im Londoner Exil starb.
Und schließlich General Leopold Okulicki, der in eine Falle gelockt
wurde und unter verdächtigen Umständen in Moskau starb.
Diese tapferen Männer und all die anderen mutigen Menschen, die unter ihrem Kommando kämpften, stehen stellvertretend für das Beste im Menschen. Sie riskierten für ihre Ideale, für ihren Gott und ihr Land alles
- in einer Zeit, da alles gegen sie war. Jetzt sind sie Teil des glänzenden polnischen Vermächtnisses.
Wenn man aus der Geschichte etwas lernen kann, so ist es die Tat-

3

�so ist es die Tatsache, daß Polen zwar geschlagen, aber nie besiegt werden kann. Es mag zur Unterwerfung gezwungen werden, aber es wird nie aufgeben. Es mag sich unter Druck fügen müssen, aber es wird niemals ausländische Beherrschung und Unterdrückung der gottgegebenen Freiheit akzeptieren. Nach zwei Jahrzehnten brutaler Unterdrückung von außen wurden wir
- vor nur kurzer Zeit - Zeugen eines Wiedererwachens des unbesiegbaren
Geistes des polnischen Volkes. Und ich versichere Ihnen, daß wir die Solidarität und die Freiheit des polnischen Volkes nicht vergessen haben
und nie vergessen werden.
Natürlich gibt es einige, die nur allzu bereit zu sein scheinen,
angesichts der sowjetischen Übergriffe ein Auge zuzudrücken, und dies
offensichtlich deshalb, um den Dialog zwischen Ost und West zu verbessern. Aber jene, die die entschlossene Unterstützung von Freiheit und
Demokratie verurteilen - und die, um ihre Ernsthaftigkeit unter Beweis zu
stellen, Schwäche signalisieren würden -, sind keine Freunde des Friedens, der menschlichen Freiheit oder des sinnvollen Dialogs. Unsere Politik gegenüber Polen und den anderen unterdrückten Nationen gründet sich
auf klar umrissene Prinzipien.
Lassen Sie mich zunächst mit Nachdruck unterstreichen, daß wir eine
jegliche Interpretation des Abkommens von Jalta zurückweisen, die ein
amerikanisches Einverständnis hinsichtlich der Teilung Europas in Einflußsphären vorschlägt.
Im Gegenteil: Wir sehen in diesem Abkommen eine Verpflichtung der
drei Großmächte, in allen von den Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg befreiten Ländern die volle Unabhängigkeit wiederherzustellen und freie und
demokratische mahlen zu ermöglichen. Und es gibt keinen Grund, die Sowjetunion oder uns selbst von dieser Verpflichtung zu entheben.
Wir werden auch weiterhin auf seine volle Einhaltung wie auf die der
Charta der Vereinten Nationen, der Schlußakte von Helsinki und aller anderen internationalen Abkommen drängen, die die fundamentalen Menschenrechte garantieren.
Die permanente Unterdrückung

4

�Die permanente Unterdrückung der Menschen in Osteuropa passiv hinzunehmen, ist keine annehmbare Alternative. Als es 1981 so aussah, als
könnte Polen ein Schicksal erleiden, das dem von Ungarn 1956 und dem der
Tschechoslowakei 1968 ähnlich sein würde, erhoben wir unsere Stimmen zur
Unterstützung des polnischen Volkes. Und wir blieben nicht untätig, als
unter starkem sowjetischen Druck das Kriegsrecht verhängt wurde.

Viele der Kredit-, Handels- und Fischereiprivilegien, die Polen aufgrund seines etwas größeren Maßes an Freiheit gewährt wurden, als dies in
den anderen osteuropäischen Staaten der Fall ist, wurden außer Kraft gesetzt.

Gleichzeitig

unterstützten

wir

freiwillige

Organisationen,

um

durch die polnische Kirche humanitäre Hilfe zu leisten, damit es nicht
dazu käme, daß gerade dem Volk Schaden zugefügt würde, dem wir helfen
wollten.
Ich möchte hier besonders auf die Arbeit von AI Mazewski und des
Polnisch-Amerikanischen Kongresses hinweisen. In Zusammenarbeit mit der
Kirche wurden hierdurch dem polnischen Volk mehr als 40 Millionen Dollar
an Nahrungsmitteln, Kleidern und Medikamenten gespendet. Und ich weiß,
daß Nancy, meine Frau, begeistert davon ist, daß sie zur Ehrenvorsitzenden der Kinderinitiative des Polnisch-Amerikanischen Kongresses ernannt
wurde. Wir beide wünschen Ihnen bei diesem so sinnvollen Projekt alles
Gute.

Ich habe versprochen, daß unsere Sanktionen eine nach der anderen in
Reaktion auf sinnvolle Verbesserungen bei der Menschenrechtslage in Polen
aufgehoben werden können. So würde eine vollständige und sinnvolle Durchsetzung des Amnestiedekrets der polnischen Regierung eine positive Atmosphäre schaffen, die es ermöglichen würde, den Antrag Polens auf Mitgliedschaft beim Internationalen Währungsfonds zu reaktivieren.

Zwischenzeitlich

sind

wir

zusammen mit

unseren Verbündeten und

privaten Organisationen übereingekommen, bei der Ausstattung eines Fonds
für ein Programm der Katholischen Kirche behilflich zu sein, durch das

5

i

�zu ssin, durch das einzelne Bauern unterstützt werden sollen. Ich freue
mich, heute ankündigen zu können, daß wir Unterstützung für eine amerikanische Hilfe in Höhe von zehn Millionen Dollar anstreben, um das kirchliche Programm in seiner Anfangsphase zu unterstützen. Und wir werden den
Fortschritt dieses Programms sorgfältig im Auge behalten, um herauszufinden, ob zusätzliche Hilfe geboten ist.
Das vielleicht Sinnvollste, was wir tun können, besteht darin, das
polnische Volk und alle Völker Osteuropas wissen zu lassen, daß sie nicht
vergessen sind. Und aus diesem Grund auch modernisieren wir Radio Freies
Europa, Radio Liberty und die Stimme Amerikas. Unser Radioprogramm ist
dabei, wie geplant, die machtvolle Kraft des Guten zu sein. Wie es in der
Schrift heißt: Erkenne die Wahrheit und die Wahrheit wird dich frei
machen.
Unsere Sendungen werden die Wahrheit zu den unterdrückten Völkern in
der ganzen Welt tragen. Die freien Völker dieser Welt befinden sich in
einem ideologischen Wettstreit mit den Anhängern einer Doktrin, die die
grundlegenden Aspekte der Freiheit zurückweist und erklärt, daß die Anbetung Gottes ein soziales Übel sei. Wie wichtig dieser Wettstreit auch
ist, so haben doch die Demokratien - einschließlich der Vereinigten Staaten - noch bis vor kurzem den Eindruck gegeben, als seien sie durch Unsicherheit paralysiert und mangelten des Willens zum Wettstreit.
In den vergangenen dreieinhalb Jahren haben wir damit aufgehört, uns
zu entschuldigen, und erheben uns endlich, um unsere Stimme hören zu lassen. Unsere Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Jeane Kirkpatrick,
sagte, wir haben das Zeichen "Tritt' mich!" abgenommen.
Wir sind auf unsere Lebensweise stolz; wir sind zuversichtlich, daß
die Freiheit die Oberhand behalten wird, weil sie funktioniert und weil
sie das Richtige ist. Wir sind der Meinung, daß alle freien Völker dieser
Welt all jene unterstützen sollten, die unsere demokratischen WertVorstellungen teilen.
Die nationale Stiftung

6

�Die nationale Stiftung für Demokratie, die ich zum erstenmal in
einer Rede vor dem Parlament in London vor zwei Jahren vorgeschlagen
habe, wurde ins Leben gerufen, um die demokratischen Kräfte und die Entwicklung freier Institutionen in der ganzen Welt zu ermutigen. Zu ihren
Themenkreisen gehören gewaltfreie, demokratische Bewegungen wie die Solidarität in Polen. Und der Aufstieg der Solidarität ist eine Sache von historischer Bedeutung.
Sie ist auch weiterhin eine Veranlassung für alle freien Völker,
sich bewußt zu werden, daß der marxistisch-leninistische Mythos von der
historischen Notwendigkeit am Zusammenbrechen ist. Der Kommunismus hat
nur Mangel und Tyrannei mit sich gebracht. Die Ereignisse in Polen sind
ein Zeichen dafür, daß sich das Blatt gewendet hat. Mit seinem Mut und
seiner Ausdauer wird das polnische Volk führend sein auf dem Weg zur
Freiheit und zur Unabhängigkeit - nicht nur für sich selbst, sondern auch
für all jene, die sich danach sehnen, in Freiheit atmen zu können.
Der Schlachtruf der polnischen Heimatarmee gilt auch heute noch:
"Polen kämpft. Polen wird leben. Polen wird bestehen."

7

�22. August 1984

34

US-HAUSHALTSDEFIZIT GERINGER ALS ERWARTET
- Bericht der Bundesregierung -

WASHINGTON - (AD) - Das Defizit für das am 30. September 1984 ablaufende Haushaltsjahr wird um 3,5 Milliarden Dollar niedriger liegen als
erwartet.

Dies geht aus einem am 15. August 1984 veröffentlichten Be-

richt des amerikanischen Amtes für Verwaltung und Haushalt (OMB) hervor.
Die Verringerung des Defizits durch die Reagan-Administration wird vor
allem dem stärkeren Wirtschaftswachstum, niedriger Inflation, abnehmender
Arbeitslosigkeit und höheren Zinsen zugeschrieben.

Das Bruttosozialpro-

dukt wird voraussichtlich vom vierten Quartal 1983 bis zum vierten Quartal 1984 um real 6,5 Prozent wachsen - im Februar war ein Wachstum von
4,5 Prozent erwartet worden.

Nachfolgend wesentliche Auszüge aus dem Bericht:

Die

derzeitigen

Haushaltsvoranschläge

lassen

den

robusten

schaftsaufschwung erkennen, der seit 21 Monaten vor sich geht.

Wirt-

Die Kom-

bination weiterhin niedriger Inflation und starker Zunahmen in Leistung

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�in Leistung und Beschäftigung, die sich Mitte des Jahres abgezeichnet
hat, war noch bei keinem der früheren Konjunkturzyklen der Nachkriegszeit
festzustellen.

Diese Resultate bestätigen Klugheit und Zweckmäßigkeit

der fundamentalen Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik, die im Januar
1981 begann.

Zu den wichtigen Indikatoren, die zeigen, daß das Land auf dem Weg
zum wirtschaftlichen Aufschwung und anhaltender Prosperität ist, gehören
unter anderem:

- Die 105,4 Millionen Beschäftigten in Amerika im Juli 1984 stellen
gegenüber November 1982 einen Zuwachs von 6,4 Millionen Arbeitsplätzen und 6,1 Millionen gegenüber 1980 dar.

- Das durchschnittliche verfügbare Realeinkommen der Familie ist 1984
bis jetzt um eine Rate von 6,9 Prozent gestiegen - verglichen mit einem Rückgang von 0,6 Prozent im Kalenderjahr 1980.

- In den im Juni 1984 abgelaufenen 12 Monaten stiegen die Lebenshaltungskosten nur um 4,2 Prozent - verglichen mit einer Zunahme von
12,4 Prozent im Kalenderjahr 1980.

- Das Bruttosozialprodukt wächst nach Schätzungen im Jahr 1984 um real 7,2 Prozent - verglichen mit 0,3 Prozent im Kalenderjahr 1980.
- In den letzten 12 Monaten sind die Festinvestitionen der Wirtschaft
um eine Rate von real 23 Prozent gestiegen - verglichen mit einem
Rückgang von 2,4 Prozent im Jahr 1980.

Diese Indikatoren sind nur ein Hinweis auf die konstruktiven Veränderungen, die in der amerikanischen Wirtschaft aufgrund der Steuer-, Ausgaben-, Währungs- und Verordriungspolitik eingetreten sind, die die ReaganAdministration eingeleitet hat.

Obwohl das Haushaltsdefizit noch hoch

bleibt und eine Herausforderung für die Politik der öffentlichen Hand in
dei kommenden Jahren darstellt, hat doch die gegenwärtige starke Wirtschaftstätigkeit wesentlich dazu beigetragen, seinen Umfang einzuschrän- 2 -

�Umfang einzuschränken, und die entscheidende Bedeutung eines anhaltenden
wirtschaftlichen Wachstums unterstrichen, um in den restlichen Jahren
dieses Jahrzehnts einen Ausgleich der öffentlichen Haushalte zu erzielen.

Die Haushaltserwartungen für 1984

Nach fast völligem Abschluß der Maßnahmen und neunmonatiger Wirkung
wird das Defizit jetzt auf 174,3 Milliarden Dollar veranschlagt.

Damit

wird es voraussichtlich um 21,1 Milliarden Dollar oder elf Prozent unter
dem Defizit von 1983 liegen.

Diese Verbesserung ist Ausdruck eines Ein-

nahmenzuwachses von fast 12 Prozent - verglichen mit einem veranschlagten
Ausgabenzuwachs von knapp über sechs Prozent. Als Folge dieser Erwartungen dürfte das Defizit als Anteil des Bruttosozialproduktes 1984 um mehr
als ein ganzes Prozent zurückgehen.

GESAMTZAHLEN HAUSHALT 1984 VERGLICHEN MIT

1983

(in Milliarden Dollar)

IST

VORANSCHLAG

1983

1984

Einnahmen

600,6

670,7

Ausgaben

796,0

845,0

195,4

174,3

12,4

13,0

207,8

187,3

Haushaltsausgaben (in Prozent)

6,1

4,8

Gesamtdefizit (in Prozent)

6,4

5,2

Defizit
Ausgaben außerhalb des Haushalts

Gesamtdefizit

Anteil des Defizits am Bruttosozialprodukt

Die

Haushaltsaussichten

�Die Haushaltsaussichten für 1985-89

Die derzeitigen Haushaltserwartungen gehen von den Auswirkungen wichtiger politischer Maßnahmen und wesentlicher Revisionen der kurzfristigen
Wirtschaftsvoraussegen aus.

Zu den ersteren gehören eine Revision der

Verteidigungsvoranschläge nach unten in Übereinstimmung mit dem "Rosengarten-Vorauszahlungsplan", der Verabschiedung des Defizitsenkungsgesetzes von 1984 und den Auswirkungen damit zusammenhängender gesetzgeberischer Maßnahmen.

Die wesentlichen Revisionen der wirtschaftlichen Vor-

aussagen sind eine wesentliche Erhöhung des Bruttosozialproduktes für
1984 auf der Basis der tatsächlichen Ergebnisse der ersten zwei Quartale
und eine weitere Erhöhung der erwarteten Zinssätze für 1984-85.

Die sich daraus ergebenden Haushaltsvoranschläge bis 1989 lassen erkennen, daß unter den in den Voraussagen angenommenen Bedingungen das Defizit bis 1987 auf etwa der gleichen Höhe bleiben wird wie derzeit, um
dann in den folgenden Jahren langsam zurückzugehen.

Zu diesen Bedingun-

gen gehören ein anhaltendes Wachstum des Bruttosozialprodukts von jährlich real vier Prozent nach 1984; anhaltend niedrige Inflationsraten im
Bereich von vier Prozent während des ganzen Zeitraums sowie ein stetiger
Rückgang der nominalen und realen Zinssätze in den kommenden Jahren...
Die Voraussagen gehen ferner von weiteren Änderungsmaßnahmen aus, wie sie
jetzt vorgechlagen werden, einschließlich einer Erhöhung der Einnahmen um
rund 37 Milliarden Dollar und einer Einsparung von 28 Milliarden Dollar
in den Ausgaben im Zeitraum von 1985 bis 1989...

* * * * *

- 4-

�22. August 1984

34

DEM SONNENWIND AUF DEN FERSEN
Drei EXPLORER-Satelliten beobachten Wechselwirkungen
mit Erdmagnetfeld -

- (AD) - Rund 12 Jahre Entwicklungsarbeit waren für das amerikanischdeutsch-britische Gemeinschaftsprojekt AMPTE erforderlich, bis schließlich am 16. August 1984 mit dem Start von gleichzeitig drei Satelliten
auf der Spitze einer Trägerrakete vom Typ THOR-DELTA die praktische Phase
begann. Jim Ball, ein Sprecher des amerikanischen Amtes für Luft- und
Raumfahrt (NASA) vom Kennedy-Raumfahrtzentrum in Florida, erläuterte die
wichtigste Aufgabe: Erforschung von Wechselwirkungen zwischen Sonnenwind
und Erdmagnetfeld sowie möglichst detaillierte Beobachtung der damit zusammenhängenden physikalischen Vorgänge. Für AMPTE (Abkürzung für "Active Magnetospheric Particle Tracer Explorers") wenden die drei Staaten zusammen ca. 80 Millionen Dollar auf. Davon entfallen auf die Vereinigten
Staaten für Satellit und Betriebskosten 35 Millionen Dollar, auf die Bundesrepublik Deutschland etwa 12 Millionen Dollar, auf Großbritannien drei
bis vier Millionen Dollar. Weitere 30 Millionen Dollar sind für die Trä-

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�für die Trägerrakete zu veranschlagen.
Jeder der drei EXPLORER-Satelliten hat spezielle Funktionen und Meßaufgaben, die die internationale Wissenschaftlergruppe aufeinander abstimmte und in ihrem zeitlichen Ablauf koordinierte.

Denn eine Voraus-

setzung für den Erfolg des Unternehmens ist die "Zusammenarbeit" der drei
Satelliten.

Eine der ersten Hürden nach dem Dreifach-Start war eine er-

hebliche Geschwindigkeitsänderung

für das von den Vereinigten

beigetragene Gerät, um es in eine neue Bahnebene zu bringen.

Staaten

Während der

deutsche und der britische Satellit die Erde in der Einschußebene, 28
Grad zum Äquator geneigt, umkreisen, wurde der amerikanische EXPLORER in
eine sehr flache Bahnebene mit nur vier Grad Neigung zur Äquatorebene manövriert.

Auf seiner Umlaufbahn liegt jetzt der erdnächste Punkt bei ca.

1000 km, der erdfernste bei fast 50 000 km. Damit sind Beobachtungen in
den sog. Van Alien-Strahlungsgürteln gewährleistet, wo der amerikanische
Satellit die Konzentration ionisierter (d.h. elektrisch geladener) Partikel mißt.

Die Dichte der vom irdischen Magnetfeld eingefangenen natür-

lichen Ionen ist in diesen Bereichen am größten.

Und dort werden sich

vermutlich auch künstlich eingebrachte Ionen konzentrieren.
Lieferant der letztgenannten Partikel, die als eine Art von Markiersubstanzen dienen, ist der in der Bundesrepublik gebaute Satellit. Mit
ca. 705 km Masse wiegt er fast dreimal mehr als der amerikanische und
über neunmal mehr als der britische Satellit. Er hat vor allem die Aufgabe, gasförmiges Lithium und Barium im Weltraum freizusetzen - Substanzen, die unter der Einwirkung des Sonnenlichts rasch ionisiert werden,
sich jedoch verschieden schnell im Raum ausbreiten, so daß dieser Umstand
weitere Hinweise bei der Untersuchung physikalischer Prozesse zu geben
vermag. Die offizielle Bezeichnung für den deutschen Satelliten der
Dreierkombination: "Ion Release Module".
Seine Bahnhöhen und die des brititschen Geräts, mit dem er nach dem
Absprengen von der Trägerrakete noch eine Zeitlang verbunden war, mit der
er aber jetzt in einer Art Formationsflug die Erde umkreist, liegen zwischen 550 und 112 000 km. Kleine Kaltgasdüsen am britischen Gerät sorgen
- 2 -

�Gerät sorgen dafür, daß sich die beiden bis auf wenige Kilometer Entfernung nähern, und dann wieder bis etwa 1000 km Abstand auseinanderstreben. Er soll im natürlichen interplanetaren Plasma, d.h. in dem in elektrisch geladene Partikel aufgespaltenem Medium im Weltraum, Störungen
bzw. Veränderungen erfassen und messen, die sich möglicherweise durch die
vom deutschen Satelliten freigesetzten und ionisierten Substanzen ergeben.
Die stark exzentrische Bahn der deutsch-britischen Geräte bietet in
den erdfernen Abschnitten die Möglichkeit, aktive Experimente und Messungen in Zonen durchzuführen, wo der Sonnenwind und interplanetare Magnetfelder von Einfluß sind, nicht aber die Magnetosphäre der Erde. Diese
wird zwar bestimmt vom irdischen Magnetfeld, erweist sich aber unter der
Einwirkung des mit Überschallgeschwindigkeit anströmenden Sonnenwindes
als ungemein "elastisch" in Ausdehnung (theoretisch bis ca. 68 000 km Höhe) und Form.
Während auf der Tagseite, d.h. der der Sonne zugewandten Seite, dieser Wind eine Schockwelle erzeugt und die Magnetosphäre so stark zusammenpresse kann, daß ihre äußere Grenze einem Abstand von nur ca. fünf
Erddurchmessern entspricht, bildet sie auf der sonnenabgewandten Seite
einen kometenähnlichen Schweif mit einer Ausdehnung bis zum 20fachen Erddurchmesser und mehr.
Im Zusammenhang mit den sog. Van Allen-Strahlungszonen sind in bestimmten Höhen über der Erde Verdichtungen zu beobachten. Der untere
Gürtel beginnt oberhalb der Ionosphäre in ca. 1000 km Höhe, erreicht ca.
4000 km über der Erdoberfläche die größte Partikeldichte und liegt wie
ein "Ring" um den erdmagnetischen Äquator. In 13 000 km Höhe folgt die
zweite Van Alien-Zone mit einer höchsten Strahlungsdichte bei ca. 18 000
km und wesentlich größerer Ausdehnung. Sie umschließt die Erde schalenförmig, ist aber an den Polen "offen". In diesen Strahlungszonen sammeln
sich unter Wirkung von Kräften des Erdmagnetfeldes elektrisch geladene
Partikel aus dem Raum (Ionen und Elektronen), denen es gelang, in die
Magnetosphäre der Erde einzudringen. Sie ist nach außen begrenzt von der
sog. Magnetopause in ca. 63 400 km Höhe. Es ist dies, wie Ball erklärt,
- 3 -

�Ball erklärt, eine stromführende Grenzzone, die Sonnenwind und Magnetosphäre trennt. Wenn der Sonnenwind in den Schockwellenbereich eindringt,
wird er abgebremst und aufgeheizt.

Er umströmt die Magnetosphäre, noch

außerhalb der Magnetopause, und bildet eine Art magnetischer Hülle.

Mit

dem AMPTE-Projekt hoffe man herauszufinden, wie und wo die Sonnenwindpartikel die Magnetopause zu durchdringen vermögen (und ein Teil der vom
deutschen Satelliten ausgestoßenen, ionisierten Lithium- und Bariumpartikel wird dies auf gleichen Wegen tun) und wie die Energie dieser Partikel, wie von solaren Partikeln bekannt, dabei teilweise auf das Millionenfache verstärkt wird.

"Im Grunde wollen wir besser verstehen lernen,

wie die Sonne die Erde beeinflußt", meint Ball.

"Wir wissen ja, daß sie

eine Rolle beim Wetter und bei anderen Phänomenen spielt, die wir beobachten."

(Dazu gehören neben vielen anderen Vorgängen und Effekten z. B.

die Polarlichter, Störungen im weltweiten Funkverkehr.)
Das Ausstoßen von Markiergasen, die in patronenähnlichen Behältern am
Außenring des deutschen Satelliten gespeichert sind, wird im September
beginnen. Als erstes wird Lithium freigesetzt werden, das nach ca. einer
Stunde ionisiert ist und sich rasch über ein großes Gebiet ausbreitet.
Barium dagegen bleibt für längere Zeit "zusammengeballt" und benötigt zum
Ausbreiten sehr viel mehr Zeit, verhält sich ähnlich wie ionisierte Materie eines Kometen. So wird man im Dezember 1984 versuchen, durch Freisetzen einer Bariumwolke innerhalb des Schockwellenbereichs auf der Tagseite, und zwar genau in Bahnebene der Erde, einen "künstlichen Kometen"
zu erzeugen. Das Verhalten und der Weg der Partikel wird dann vor allem
mit Hilfe der anderen beiden AMPTE-Satelliten ständig beobachtet werden.
Für das kommende Jahr ist eine ganze Serie von Lithiumgas- und BariumgasFreisetzungen in der "Erdschweifregion" auf der sonnenabgewandten Seite
der Erde vorgesehen. Diese Region kann sich über Hunderttausende von Kilometern in den Weltraum hinaus erstrecken.
Wenn die Lithium- und Bariumvorräte aufgebraucht sind, können die
drei EXPLORER-Satelliten noch für lange Zeit Meßdaten von natürlichen
Phänomenen in ihrem Beobachtungsbereich zur Erde übermitteln. Die Signale werden im Jet Propulsion Laboratory in Pasadena (Kalifornien), im Be- 4 -

�im Beobachtungszentrum Oberpfaffenhofen der Deutschen Versuchsanstalt für
Luft- und Raumfahrt und im Rutherford Appleton Laboratory in Chilton
(Großbritannien) ausgewertet.

* * * *

- 5-

�34

22. August 1984

FÜR ENTWICKLUNGSLÄNDER GRATIS
- INTELSAT stellt Nachrichtensatelliten für Bildungs- und Gesundheitsprogramme zur Verfügung -

- (AD) - INTELSAT, die Internationale Fernmeldesatelliten-Organisation, hat ein für die Dauer von 16 Monaten vorgesehenes Demonstrationsprojekt angekündigt, das Entwicklungsländern die Möglichkeit zur kostenlosen Benutzung des weltweiten Satellitennetzes für Bildungs- und Gesundheitsprogramme geben soll. Die Aktion ist vor allem dafür gedacht, die
vom Verkehrs- und Nachrichtennetz abgelegenen Gebiete zu erreichen. Wie
Richard Colino, Generaldirektor von INTELSAT, auf einer Pressekonferenz
am 13. August 1984 erläuterte, sei das Projekt SHARE (Satelliten für Gesundheits- und Bildungsprogramme auf dem Lande) Teil der Feierlichkeiten
zum 20. Jahrestag des Bestehens der Internationalen FernmeldesatellitenOrganisation. "INTELSAT versorgt heute ca. 170 Länder und Territorien
mit Dienstleistungen auf dem Fernsprech- und Fernsehsektor. Aber mehr
als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in ländlichen und weit abseits
gelegenen Gebieten, wo es kaum oder überhaupt kein Fernmeldewesen gibt",

�erklärte Colino.

Diese Menschen könnten somit nicht von den Bemühungen

um Bildungs- und Gesundheitswesen und den zu erzielenden Leistungen profitieren, die normalerweise als selbstverständlich gelten.
Ein internationaler beratender Ausschuß von Fachleuten für das Kommunikationswesen auf dem Erziehungs- und Gesundheitssektor soll in Kürze
Vorschläge über einschlägige kostenlose Tests und Demonstrationsprogramme
mit Nachrichtensatelliten prüfen.

"In erster Linie werden sich regionale

Organisationen wie das 'Asiatische Medienzentrum für Unterrichtswesen'
und ähnliche Gruppen, die bereits Bildungsprogramme über Fernsehen durchführen, dafür interessieren", meinte Colino.

"Aber zum gegenwärtigen

Zeitpunkt können wir nicht genau sagen, wo die Interessen liegen, hoffen
jedoch, dies während der praktischen Anwendung herauszufinden."
Bei INTELSAT wird angenommen, daß z.B. in Gemeinden ländlicher Gebiete Informationen über landwirtschaftliche Aufgaben und Probleme erwünscht
sind. Auch erwartet man Vorschläge zu nationalen und internationalen
Rundfunksendungen im Rahmen von Unterrichtsprogrammen für den Empfang mit
Kleinantennen, zu Lehrveranstaltungen in Koferenzschaltung, zu internationalen Fernsehkonferenzen unter Teilnahme von Experten des Gesundheitswesens aus mehreren Ländern sowie für den Einsatz von Personal-Computern
im Verbund unter Einbeziehung kleiner Erde-Terminals zum Austausch medizinischer Informationen oder von Diagnosen.
INTELSAT ist eine gemeinnützige Organisation mit 109 Mitgliedstaaten,
die für internationale und nationale Dienstleistungen im Nachrichtenwesen
ein weltweites System betreibt. In ihre Regie fallen zwei Drittel der
Uberseedienstleistungen im Fernmeldewesen und praktisch alle Dienstleistungen für das Fernsehen rund um den Erdball.

* * * * *

- 2-

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA stehen zur Verpflichtung von Jalta&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Haushaltsdefizit geringer als erwartet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht der Bundesregierung -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dem Sonnenwind auf den Fersen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Drei EXPLORER-Satelliten beobachten Wechselwirkungen mit Erdmagnetfeld -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für Entwicklungsländer gratis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- INTELSAT stellt Nachrichtensatelliten für Bildungs- und Gesundheitsprogramme zur Verfügung -&lt;/em&gt;</text>
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