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                  <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. August 1984

33

INHALT
DQKUMEaüTATICN

Reagan u n t e r s t r e i c h t Bedeutung der Nonproliferation
- Bericht an den US-Kongreß
US-Außenpolitik zwischen Europa und Asien ausgewogen
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"DISCOVERY" soll am 29. August starten
Monoklonale Antikörper gegen Rhesusfaktor-Unverträglichkeit
- Von G. Weiss -

Um Über/endunQ von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�1mER1Kfa

1DlEl11SO

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

33

15. August 1984

REAGAN UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER NONPROLIFERATION
- Bericht an den US-Kongress -

SANTA BARBERA - (AD) - Auf die grosse Bedeutung der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (Nonproliferation) hat Präsident Reagan hingewiesen und dabei unterstrichen, daß die Initiativen, die die Vereinigten
Staaten auch im Jahre 1983 auf diesem Gebiet unternommen haben, positiv
zu dem Ziel der Verhinderung der Ausbreitung nuklearer Explosivstoffe
beigetragen hätten.
Reagan übersandte dem Kongress einen Bericht über die Aktivitäten der
Vereinigten Staaten auf diesem Gebiet im vergangenen Jahr.

In einem Be-

gleitschreiben, das vom Weißen Haus am 8. August 1984 veröffentlicht wurde, heißt es, die Weiterverbreitung nuklearer Explosivstoffe stelle eine
ernsthafte Bedrohung des Weltfriedens, der regionalen und globalen Stabilität sowie der Sicherheitsinteressen der USA und anderer Länder dar.
Das Begleitschreiben des amerikanischen Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:
An
den

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Telex: 8-85432

�An den Kongress der Vereinigten Staaten,
Ich habe die Aktivitäten der Ministerien und der Regierungsbehörden
der Vereinigten Staaten im Kalenderjahr 1983 im Zusammenhang mit der Verhinderung der nuklearen Proliferation überprüft, und ich freue mich, gemäß Abschnitt 601 (A) des Gesetzes über die nukleare Nichtweiterverbreitung aus dem Jahre 1978 meinen Jahresbericht zu diesem Thema vorlegen zu
können.
Der Bericht kommt zu dem Schluß, daß die amerikanischen Initiativen
auf dem Gebiet der Nichtweiterverbreitung auch während des Jahres 1983
positiv zu dem Ziel der Verhinderung der weiteren Ausbreitung von nuklearen Explosivstoffen beigetragen haben.
Wie ich immer wieder erklärt.habe, würde die nukleare Proliferation
eine ernste Bedrohung des Weltfriedens, der regionalen und globalen Stabilität sowie der Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und anderer Länder darstellen. Ich betrachte die Verhinderung der Ausbreitung
nuklearer Explosivstoffe auch weiterhin als fundamentales Ziel der nationalen Sicherheit und der Aussenpolitik, und ich bin weiterhin der Verfolgung einer Politik fest verpflichtet, die unsere Ziele der Nichtweiterverbreitung fördern soll.
gez. Ronald Reagan

* * * * *

- 2-

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. August 1984

33

US-AUSSENPOLITIK ZWISCHEN EUROPA UND ASIEN AUSGEWOGEN
- Rede des Stellvertretenden US-Aussenministers -

CHICAGO - (AD) -

Der stellvertretende amerikanische Aussenminister

Kenneth Dam hat die Außenpolitik der Vereinigten Staaten als "ausgewogen"
zwischen Europa und Asien bezeichnet.

"Sicherlich nimmt Asien in poli-

tischer, sicherheitspolitischer und vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht an Bedeutung zu," so sagte Dam, "aber unsere verstärkten Beziehungen zu Asien brauchen in keiner Weise unsere traditionellen Bindungen zu
Europa zu schwächen."
Die Rede Dams am 6. August 1984 vor der Amerikanischen Anwaltskammer
in Chicago hat folgenden Wortlaut:

Europa kontra Asien:

Ist Diplomatie ein Nullsummenspiel?

Es wird oft gesagt, daß die Gegend, in der man lebt, das Denken beeinflußt.

Zwei Jahrhunderte lang hat die Ostküste die Außenpolitik der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Außenpolitik der Vereinigten Staaten beherrscht.

Es ist nicht über-

raschend, daß Europa im Mittelpunkt unserer internationalen Beziehungen
stand.

Aber heute glauben einige bekannte und einflußreiche Denker, daß

sich dies ändert.

Sie sagen, daß Amerika sichh neuorientiert - vom At-

lantik zum Pazifik, von Europa nach Asien. Diese Neuorientierung, so behaupten sie, wird durch eine wachsende politische Divergenz - ja Spaltung
- zwischen den Vereinigten Staaten und Europa verschärft.

In einigen

Fällen ist nicht klar, ob diese Kommentatoren eine solche Neuorientierung
begrüßen oder einfach nur glauben, daß ihre Androhung eine heilsame Wirkung auf das Denken der Europäer haben werde.
Anwälte bringen besondere Fähigkeiten in die Weltpolitik ein, und die
Amerikanische Anwaltskammer hat als Einrichtung eine konstruktive Rolle
in der Entwicklung der amerikanischen Außenpolitik gespielt.

Vielleicht

können wir heute, da hier im Herzen Amerikas Anwälte von Maine bis Kalifornien versammelt sind, einen kritischen Blick auf die Asien-kontra-Europa-Debatte werfen.

Die angebliche Verlagerung von Europa nach Asien
Wollen wir zunächst einmal die Vorstellung untersuchen, daß sich Amerika nach Asien "neige." Sicherlich scheint sich der Schwerpunkt des
amerikanischen Handels nach Westen zu verlagern. Seit 1978 hat mehr Handel den Pazifik überschritten als den Atlantik - und dieser Abstand nimmt
zu. Im Jahre 1983 betrug unser gegenseitiger Handel über den Pazifik
hinweg wertmäßig 137 Milliarden Dollar. Das waren rund 30 Milliarden
Dollar mehr als unser gegenseitiger Handel über den Atlantik hinweg. Der
"Ferne Osten" ist heute Amerikas "Naher Westen."
Darüber hinaus sind die asiatischen Volkswirtschaften gewachsen, während die europäischen stagnierten. Das wirtschaftliche Wachstum in Europa betrug im letzten Jahrzent im Durchschnitt etwa 2 Prozent jährlich.
Im Gegensatz dazu hatten die neuen Industriestaaten Asiens eine jährliche
Wachstumrate von 7 Prozent zu verzeichnen. Und ihre Ausfuhren an Fertig- 2 -

�An Fertigwaren stiegen um jährlich 18 Prozent.

Neben diesen Veränderungen in der Welt vollzogen sich Veränderungen
in den Vereinigten Staaten.

Wirtschaftliche Macht und Einfluß - wie auch

Menschen - wanderten nach dem Süden und Westen der USA.
rung spiegelte sich in den amerikanischen Exporten wider.

Diese VerlageDie neuesten

Statistiken - von 1981 - zeigen, daß Kalifornien und Texas die beiden
Hauptexporteure des Landes an Fertigwaren sind.

Die angebliche Divergenz zwischen USA und Europa
Diese angebliche Verlagerung von Europa nach Asien wurde nach Auffassung einiger Kommentatoren durch eine angebliche Divergenz zwischen den
Vereinigten Staaten und Europa in sicherheitspolitischen und wirtschaftspolitischen Fragen verschärft.

Ob diese Divergenz Ursache oder Folge der

angeblichen Verlagerung der Interessen von Europa nach Asien ist, bleibt
unklar.

Was das Gebiet der Sicherheit angeht, so liegt nach Meinung dieser
Kommentatoren das ernsteste Problem darin, daß die Vereinigten Staaten
einen unverhältnismäßig großen Anteil an den Lasten der Verteidigung
Europas tragen.

Sie stellen fest, daß wir rund 1,7 mal soviel von unse-

rem Bruttosozialprodukt für die Verteidigung aufwenden wie Westeuropa.
Aber das ist eine komplexe Frage.

Es gibt keine Einzelmaßnahme, die als

geeigneter Indikator für die relative Lastenverteilung dienen könnte.
Der Punkt ist, daß die Europäer ebenso mehr tun müssen wie wir selbst und
unsere asiatischen Freunde, um die unaufhörliche sowjetische Aufrüstung
abzufangen.

Nun hat Senator Nunn aus Georgia kürzlich im Kongreß vorgeschlagen,
daß die amerikanischen Streitkräfte in Europa jetzt auf ihrem derzeitigen
Stand eingefroren und in künftigen Jahren verringert werden sollten, wenn
die europäischen Verteidigungsanstrengungen nicht ansteigen, um festgelegte Ziele zu erreichen.

Die Administration und unsere Verbündeten ha-

�Verbündeten haben sich diesem Antrag nachdrucklich widersetzt, aber es
fehlten immerhin nur 14 Stimmen zu seiner Verabschiedung.

Im Kongress

ist offenbar ein starkes Gefühl vorhanden, daß Europa nicht seinen Anteil
an den Verteidigungslasten trage.

Auf wirtschaftlichem Gebiet hat das letzte Jahrzent eine starke Divergenz der Wirtschaftspolitik - und der Wirtschaftstätigkeit - der Vereinigten Staaten und Europas erlebt.

In den letzten zehn Jahren lag der

Hauptunterschied der amerikanischen und der europäischen Volkswirtschaften nicht im Wachstum oder in der Inflation, sondern in der Schaffung von
Arbeitsplätzen.

Zwischen 1973 und 1983 wurden in den Vereinigten Staaten

15 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen.

Im gleichen Zeitraum kam un-

ter dem Strich in Westeuropa kein neuer Arbeitsplatz heraus.

Das Ver-

hältnis der Beschäftigung zur arbeitsfähigen Bevölkerung ist in den Vereinigten Staaten - mit 66 Prozent - höher als in allen westeuropäischen
Ländern mit Ausnahme Schwedens.

Und das Verhältnis steigt in den Verei-

nigten Staaten, da mehr Frauen zu der arbeitenden Bevölkerung gehören,
während es in Europa fällt.

Aber warum wurden in den Vereinigten Staaten mehr Arbeitsplätze geschaffen, sei es für Männer, sei es für Frauen?

Die Antwort liegt zum

Teil darin, daß wir in Amerika einige lästige Bestimmungen abgeschafft
und die Steuern gesenkt haben, damit die Kräfte des Marktes wirksam werden können.

In Europa haben aufgespaltene Märkte - vor allem auf dem Ge-

biet der Dienstleistungen -, eine traditionelle Intervention der Regierung und unbewegliche teure Arbeitskräfte das wirtschaftliche Wachstum
behindert.

Statt des Anreizes des freien Marktes haben Europäer zu oft

zu der betäubenden Droge der Subvention und des Protektionismus gegriffen.

So kämpt Europa darum, mit der Vitalität Japans und unserem eigenen

"Silicon Valley" Schritt zu halten.
klagte:
Traum.

Wie ein europäischer Staatsmann

"Die Japaner haben eine Strategie.

Die Amerikaner haben einen

Aber wo bleiben wir?"
Die

aktuellen

�Die aktuellen Fragen
Die These, daß sich die Vereinigten Staaten von Europa weg nach Asien
hinwendeten, wirft einige grundsätzliche Fragen auf. Erstens, findet eine solche Verlagerung von Europa nach Asien wirklich statt? Zweitens,
wenn ja, hat das als Ursache oder Folge größere politische Differenzen
zwischen den Vereinigten Staaten und Europa? Und drittens, wie können
die demokratischen Industrieländer Europas, Nordamerikas und Asiens angesichts dieser Entwicklung weiterhin den gemeinsamen Herausforderungen ihrer Prosperität und ihres Friedens begegnen?
Ich möchte heute etwas näher auf diese Fragen eingehen.
Meine persönliche Auffassung ist, daß Weltpolitik kein Nullsummenspiel ist. Natürlich sind in Europa und Asien - und in den Beziehungen
Amerikas zu beiden - Veränderungen im Gange, aber unsere Politik ist
ausgewogen und nicht der einen oder der anderen Seite zugeneigt. Sicherlich nimmt Asien in politischer, sicherheitspolitischer und vor allem in
wirtschaftlicher Hinsicht an Bedeutung zu, aber unsere verstärkten Beziehungen zu Asien brauchen in keiner Weise unsere traditionellen Bindungen
zu Europa zu schwächen. Und diese Bindungen bleiben eng trotz - oder
manchmal gerade wegen - unserer Differenzen und Debatten. Ein großer Erfolg der Außenpolitik dieser Administration ist gerade, daß es uns gelungen ist, die demokratischen Industriestaaten - in Europa, Asien und
Nordamerika - dazu zu ermutigen, in der Entwicklung globaler, statt nicht
über den eigenen Bereich hinausreichender Lösungen unserer gemeinsamen
Wirtschafts- und Sicherheitsprobleme zusammenzuarbeiten.

Wie sieht die Verlagerung nach Asien wirklich aus?
Wollen wir einmal die sogenannte "Neigung" nach Asien näher betrachten.

Es scheint mir wahrscheinlich, daß das amerikanische Interesse am

�Interesse am Pazifischen Becken in den nächsten zehn Jahren zunehmen
wird.

Aber dieses verstärkte Interesse bedeutet nicht, daß die Amerika-

ner Asien gerade erst "entdeckt" haben.

Es bedeutet vielmehr die Rück-

kehr zu einer historischen Verbindung.
Wir dürfen nicht vergessen, daß Amerika seit den ersten Tagen der
Staatsgründung in Asien engagiert war.

Als George Washington in sein Amt

eingeführt wurde, lagen bereits amerikanische Clipper im Hafen von Kanton.

Seit 1945 haben wir zwei Kriege geführt - beide in Asien.

Die

Siebte Amerikanische Flotte (in Fernost) war immer größer als die Sechste
Amerikanische Flotte (im Mittelmeer).

In mindestens fünf von neun Präsi-

dentschaftswahlkämpfen nach dem Krieg haben Asienfragen eine Rolle gespielt:

1948: Wer hat China verloren?

Korea gehen;

1960: Quemoy und Matsu;

hirnwäsche unterzogen;

1952: Eisenhower: Ich werde nach
1968: Romney: Ich wurde einer Ge-

Nixon: Ich habe einen Plan; und 1972 Kissinger:

Der Frieden ist in Sicht.
Kurz gesagt, ein starkes amerikanisches Interesse an Asien war die
Norm. Was unnormal war, war das geringe öffentliche Interesse nach
Vietnam. Diese Administration hat jedoch unseren Beziehungen zu Asien
großen Nachdruck verliehen, und wir haben Ergebnisse erzielt: Die amerikanisch-chinesischen Beziehungen sind, wie es in dem kürzlichen Besuch
des Präsidenten zum Ausdruck kam, auf eine gesunde sachliche Grundlage
gestellt worden.
Die amerikanisch-japanischen Sicherheitsbeziehungen
sind besser als jemals zuvor, und es ist uns gelungen, viele weitere japanische Märkte für amerikanische Produkte und Kapital zu öffnen.

Wie sieht die politische Divergenz wirklich aus?
So wie Amerikas Interesse an Asien nichts Neues ist, so sind Dissens,
Spaltung und Debatte im Atlantischen Bündnis nichts Neues.

Wie könnte

das in einer Organisation von 16 lebendigen Demokratien auch anders sein?
Debatte innerhalb eines jeden Landes und der Länder untereinander wird
erwartet.

Und das ist besser als die Alternative.
Bevor

also

�Bevor also jemand das Ableben der NATO verkündet, sollten wir die
heutigen

Meinungsverschiedenheiten

mit

Europa

auf

den

Gebieten

der

Sicherheit und der Wirtschaft in die richtige Perspektive rücken.

Er-

innern Sie sich noch an die Debatte von 1949 darüber, ob die Vereinigten
Staaten sich überhaupt zu einem ständigen Bündnis in Friedenszeiten verpflichten sollten?

Oder an 1956, als wir uns mit Großbritannien und

Frankreich wegen Suez zerstritten?
ger Jahre mit der

Erinnern Sie sich noch an die sechzi-

Debatte über die Multilaterale Atomstreitmacht (MLF)

und den Auszug de Gaulles aus der militärischen Struktur der NATO?

Er-

innern Sie sich noch an die Debatten mit Europa in den siebziger Jahren
über Vietnam und den Nahen Osten?

Und an die Kritik am "Zick-Zack-Kurs"

der amerikanischen Außenpolitik Ende der siebziger Jahre?
Die Geschichte hat ihre Lehren. Eine davon ist, daß sie uns daran
erinnert, daß die heutige Situation keineswegs einmalig ist - und daß das
alles gar nicht so schlimm ist, wie wir uns vorstellen. Unsere Probleme
im Bündnis sind real, aber nicht annähernd von der Größenordnung wie die
eben von mir genannten.
Es ist beispielsweise richtig, daß auf dem Gebiet der Sicherheit der
Blick Westeuropas nicht über den eigenen Bereich hinausreicht. Aber wollen wir doch nicht vergessen, daß Amerikaner und Europäer die Sicherheit
schon immer in einem anderen Lichte gesehen haben. Der frühere deutsche
Bundeskanzler Helmut Schmidt wies oft darauf hin, daß sein Haus in Hamburg nur 50 Kilometer von der ostdeutschen Grenze entfernt liegt. Das
würde für einen Einwohner von Chicago etwa so viel heißen, daß der Eiserne Vorhang mitten im Michigan-See niederginge.
Und doch sind auch Fragen der internationalen Sicherheit ein echtes
Anliegen für Westeuropa. Amerikanische und euroäische Streitkräfte dienen nicht nur in Berlin zusammen, sondern auch auf dem Sinai. Frankreich
hat beispielsweise Streitkräfte, die westliche Interessen verteidigen,
nicht nur im Mittelmeer, sondern auch in Afrika stehen. Großbritannien
unterhält Streitkräfte im mittelamerikanischen Land Belize ebenso wie am

�wie am Rhein.
Es ist auch richtig, daß unsere NATO-Verbündeten mehr für die konventionelle Verteidigung Europas tun könnten.

Und doch hat das Bündnis im

Jahr 1983 - dem Raketen-Jahr - einen entschlossenen Versuch der Sowjets
zunichte gemacht, es zu spalten.

Wir und unsere

Verbündeten haben uns

vielmehr zusammengeschlossen und den NATO-Doppelbeschluß von 1979 verwirklicht.

Nachdem es RüstungskontrollVerhandlungen nicht gelungen war,

die Bedrohung durch über 200 sowjetische SS-20-Raketen in Europa zu beseitigen, haben wir damit begonnen, Gegenstreitkräfte zu dislozieren.
Die Bereitschaft der europäischen Regierungen, diese Flugkörper zu
dislozieren, ist ein weiterer Beweis ihres politischen Mutes und ihrer
Verpflichtung gegenüber dem Bündnis. Dieser Mut und diese Verpflichtung
sind nicht allein auf Regierungen beschränkt. Kürzliche Wahlen in Europa
haben gezeigt, daß die Bevölkerung den Konsens im Bündnis trägt. In Wahlen im vorigen Jahr haben die Verfechter des Bündnisses und des Doppelbeschlusses von 1979 in allen dreien der Hauptländer, die Mittelstreckensysteme als Gegengewicht gegen das sowjetische Monopol dislozieren, klare
Mehrheiten gewonnen.
Was jene wirtschaftlichen Differenzen angeht, von denen ich vorhin
gesprochen habe, so ist es richtig, daß Europa gelegentlich dem Protektionismus anheimfällt. Aber trotz des europäischen Protektionismus hat
sich unsere Leistungsbilanz mit den Ländern der Europäischen Gemeinschaft
von einem Defizit von 36 Milliarden Dollar im Jahr 1980 zu einem Überschuß von drei Milliarden Dollar im Jahr 1983 gewandelt. Und das Volumen
unseres gegenseitigen Handels mit Europa ist sehr groß - über 100 Milliarden Dollar jährlich. Wie Außenminister Shultz es bei einer Erörterung
des amerikanisch-europäischen Handels sagte, "irgendwas müssen wir doch
wohl richtig machen."

Die künftigen Aufgaben
Ich

habe

�Ich habe unsere Beziehungen zu Asien und zu Europa verglichen. Es
sollte auf der Hand liegen, daß die Stärkung unserer Bindungen zu Asien
und die gleichzeitige Ermutigung der Debatte und damit des Konsenses innerhalb des Atlantischen Bündnisses nicht nur miteinander vereinbar, sondern sich sogar gegenseitig bestärkende Tätigkeiten sind. Beide lassen
eine einfache geopolitische Tatsache erkennen: Die Vereinigten Staaten
sind eine globale Macht mit globalen Interessen. Wir können uns nicht
den Luxus leisten, für eine Region mehr zu sorgen als für eine andere.
Wir dürfen das Atlantische Bündnis nicht abschreiben oder Kuren - wie
TruppenVerringerungen im Sinne des Nunn-Vorschlages - verschreiben, die
bei weitem schlimmer wären als die Krankheit. Und ebenso wenig dürfen
wir das Aufblühen der asiatischen Volkswirtschaften ignorieren. Die
europäisch-asiatischen Beziehungen müssen im Sinne der gegenseitigen
Ergänzungen und nicht der Konkurrenz gesehen werden. Europa verliert
durch verstärkte amerikanisch-asiatische Bindungen nichts, sondern gewinnt dadurch. Und Asien verliert durch verstärkte amerikanisch-europäische Bindungen nichts, sondern gewinnt dadurch.
Kurz gesagt, wir müssen die Reihen schließen und gemeinsam an einem
Strang ziehen - nicht in verschiedene Richtungen. Das ist ganz besonders
wichtig, wenn wir die beiden bedeutsamsten Aufgaben der achtziger Jahre
lösen wollen: Kampf gegen den Protektionismus - der die Prosperität der
Welt bedroht; und Begegnung der sowjetischen Herausforderung - die den
Frieden der Welt bedroht.

Kampf gegen den Protektionismus
Die amerikanische Bevölkerung ist nach dem Süden und Westen gezogen,
nachdem die alten Schwerindustrien im Norden und Osten an Bedeutung abgenommen haben. Manche Leute glauben, wir sollten diese rückläufigen Industrien gegen Importkonkurrenz schützen. Sie alle kennen die Argumente
gegen den Protektionismus. Sie kennen die Bedeutung des Konkurrenzvorteils und der Verbraucherauswahl. Ich möchte auf diese Dinge heute nicht
näher eingehen, denn es ist uns in den Vereinigten Staaten im wesent-

�im wesentlichen gelungen, den Protektionismus zu vermeiden.

Wir haben

statt dessen die Aufhebung von Verordnungen und Steueränderungen benutzt,
um ein Klima zu schaffen,in dem neue Technologien - und neue Arbeitsplätze - gedeihen.

Es hat Ausnahmen und Einschränkungen dieser Politik

gegeben, aber im großen und ganzen haben wir daran festgehalten.
Der Rückgang unserer alten Industrien hat uns dazu geführt, mehr
Grundgüter aus dem Ausland einzuführen.
defizit bei.

Das trägt zu unserem Handels-

Bis zum vorigen Jahr betrug das größte Leistungsbilanz-

defizit, das je ein Land in einem Jahr zu verzeichnen hatte 15 Milliarden
Dollar.

Arthur B u m s hat kürzlich festgestellt, daß das Leistungsbilanz-

defizit, mit dem wir für dieses Jahr rechnen müssen und das jetzt auf 80
bis 100 Milliarden Dollar geschätzt wird, sich in erschreckender Weise
von allen Erfahrungen der Vergangenheit unterscheidet.

Dieses Defizit

macht es noch zwingender und noch schwieriger als je zuvor, zusammen mit
Europa und Asien den Protektionismus zu bekämpfen.
Die alten Industrien Europas sind wie die unsrigen ebenfalls im Rückgang. Die Stahlwerke in Lothringen und an der Ruhr sind in Schwierigkeiten. Aber anders als die Vereinigten Staaten hat es Europa im letzten
Jahrzehnt versäumt, neue Arbeitsplätze zu schaffen und neue Technologien
zu entwickeln. Versuche, sterbende Industrien durch Subventionen und
Handelsschranken zu schützen, haben die technische Innovation erstickt,
die die europäischen Volkswirtschaften brauchen. Schwache Wirtschaftstätigkeit wiederum erschwert die Anstrengungen, die Stärke der europäischen
Verteidigung zu erhöhen. Es ist daher zwingend geboten, Europa zu ermutigen, dem Protektionismus zu widerstehen.
Glücklicherweise haben die Europäer immer begriffen, daß Marktzugang
etwas Gegenseitiges sein muß - zumindest auf allen Gebieten außer der
Landwirtschaft. Die Japaner waren jedoch etwas langsamer, die Gegenseitigkeit zu akzeptieren. Die amerikanische Handelspolitik zielt darauf
ab, den gleichen Zugang zu Japans Märkten zu gewinnen, den japanische
Güter zu unserem Markt haben. Das im April dieses Jahres von Ministerpräsident Nakasone verkündete Handelspaket ist der jüngste von mehreren
- 10 -

�von mehreren erfreulichen Schritten in diese Richtung.

Es hat Fort-

schritte bei Rindfleisch, Zitrusfrüchten, Tabak, Fernmeldegerät, Halbleitern und bei der Liberalisierung des Kapitalmarktes gegeben.

Aber es

muß noch mehr getan werden auf dem Gebiet der Zölle für Holz und für
künstliche Satelliten - und vor allem etwas Wichtiges für mich wie für
Sie:

auf dem Gebiet der Rechtshilfe.

Fortschritt

weiterbauen.

Wir müssen auf dem erzielten

Die Vereinigten

Staaten, Europa

und Asien

dürfen alle nicht vergessen, daß die Errichtung von Handelsschranken zu
Vergeltungsmaßnahmen einlädt.

Und Vergeltung bedroht den einen von acht

amerikanischen Arbeitsplätzen, der vom Export abhängt.

Begegnung der sowjetischen Herausforderung

Die zweite Aufgabe, die gemeinsame Anstrengungen

der Vereinigten

Staaten, Europas und Asiens erfordert, ist die, der sowjetischen Herausforderung zu begegnen.

Wenn wir Erfolg haben wollen, dann müssen alle

drei Regionen eine globale und nicht eine regionale Einstellung an den
Tag legen.

So betrachtete bespielsweise Europa die Verhandlungen über

nukleare Mittelstreckensysteme (INF) als ein rein europäisches Problem.
Jedoch über ein Drittel der sowjetischen SS-20-Raketen sind im asiatischen Teil Rußlands disloziert.

Aus diesem Grunde betrachteten die Ver-

einigten Staaten die INF als ein globales Problem und schlugen globale
Begrenzungen vor.

Während der Verhandlungen kamen die Europäer und die

Japaner zu der Einsicht, daß die SS-20 ein globales Problem darstellen.
Angesichts dieser gemeinsamen Front akzeptierten die Sowjets schließlich
die Notwendigkeit einer globalen Lösung für die INF.

Leider wurde kein

Abkommen erzielt, weil die Sowjets ein Monopol an solchen Waffen fordern
und sich geweigert haben, weiter zu verhandeln.

Ein anderer Aspekt der Aufgabe, mit der sowjetischen Herausforderung
fertig zu werden, ist die Stärkung unserer kollektiven Verteidigung.

Die

Vereinigten Staaten erhöhen ihre Anstrengung in dem uns nötig scheinenden
Umfang. Aber auch Europa muß seinen vollen Anteil leisten.

Nur auf die-

se Weise können wir hoffen, einen Zusammenhalt im Bündnis und eine glaub- 11 -

�eine glaubwürdige Abschreckung aufrechtzuerhalten.
Die Höhe der Ausgaben ist nicht das einzige Problem.
wurde in der NATO über Nuklearraketen debattiert.

Im vorigen Jahr

In den kommenden Jah-

ren wird der Schwerpunkt auf der konventionellen Verteidigung liegen.

In

der Vergangenheit gab es unterschiedliche Auffassungen in dieser Frage,
wobei die Vereinigten Staaten für eine starke konventionelle Verteidigung
eintraten, um die Nuklearschwelle hoch zu halten, während viele Europäer
dazu neigen, sich mehr auf Kernwaffen als die einzige Garantie dafür zu
verlassen, daß auf ihrem Territorium kein konventioneller Krieg geführt
werden wird.

Heute ist das Ferment neuer Ideen in die konventionelle

Verteidigung gekommen:
cen.

neue Technologien, neue Taktiken, neue Ressour-

Wenn wir diese Chancen mit Geschick und Einfallsreichtum nutzen,

dann kann das Bündnis militärisch stärker und politisch geschlossener
daraus hervorgehen, so wie das bei der Dislozierung der INF der Fall war.
In Asien muß auch Japan mehr tun. Wir unterstützen die Verpflichtung
Japans, seinen Luftraum und seine Seewege im Umkreis bis zu 1000 Meilen
zu schützen. In den letzten Jahren sind die Verteidigungsausgaben Japans
jährlich um real beinahe fünf Prozent gestiegen. Aber wir sind der Meinung, daß das Tempo der japanischen Bemühungen angesichts der sowjetischen Bedrohung der Stabilität Asiens noch weiter gesteigert werden muß.
Und schließlich müssen sich Japan und Europa mehr Gedanken machen
über Bedrohungen unserer gemeinsamen Sicherheit in fernen Regionen. Europäer argumentieren oft, daß die Entspannung in Europa weitgehend funktioniert habe. Aber Europa hat ebenso wie die Vereinigten Staaten lebenswichtige Interessen in Gebieten, wie dem Persischen Golf, die weit
von seinen Grenzen entfernt liegen. Darum müssen die Vereinigten Staaten, Europa, Japan und andere asiatische Staaten zusammenarbeiten, um
sich dem sowjetischen Abenteurertum zu widersetzen und in der ganzen Welt
die Stabilität zu fördern.

Zusammenfassung
Wir
- 12 -

haben

�Wir haben große Fortschritte bei der Ausarbeitung aufeinander abgestimmter Politiken erzielt.

Diese Administration hat sich nicht nur da-

rum bemüht, unsere bilateralen Bindungen zu Asien und Europa zu festigen,
sondern auch eine größere Interaktion unter allen Mitgliedern der Gemeinschaft moderner demokratischer Industriestaaten herbeizuführen.

Dieser

neue und festere alliierte Konsens, der drei Kontinente überspannt, kam
auf dem Wirtschaftsgipfel in Williamsburg im vorigen Jahr deutlich zum
Ausdruck.

Mit Präsident Reagan als Gastgeber unternahmen die Führer der

sieben größten demokratischen Industriestaaten von Nordamerika, Europa
und Asien einen historischen Schritt. Bis zu jenem Zeitpunkt hatten sich
die jährlichen Gipfeltreffen, die 1975 begannen, nur mit wirtschaftlichen
Fragen befaßt.

Aber in

Williamsburg haben die sieben Führer über die

traditionelle wirtschaftliche Tagesordnung des Gipfeltreffens hinaus eine
Erklärung veröffentlicht, in der sie ausdrücklich feststellen, daß die
Sicherheit jeder einzelnen Nation unteilbar mit der Sicherheit der anderen verbunden ist.

Die Erklärung hat auch die Dislozierung von nuklearen

Mittelstreckensystemen in Europa zur Begegnung der sowjetischen Bedrohung
gebilligt.
Das diesjährigen Gipfeltreffen in London unter Leitung der Premierministerin Thatcher hat auf dem Erfolg von Williamsburg weiter aufgebaut.
Und wiederum haben die Staats- und Regierungschefs der sieben am Gipfel
beteiligter Länder einen zunehmenden politischen Konsens gezeigt, der uns
als eine Gemeinschaft demokratischer Staaten mit gemeinsamen Werten und
gemeinsamen Interessen verbindet.

Die sieben Führer erörterten einen

ungewöhnlich weiten Bereich politischer und sicherheitspolitischer Probleme.

Sie gaben eine Reihe von Erklärungen über demokratische Werte,

Ost-West-Beziehungen und Terrorismus heraus.

Der weitere Bereich ihrer

Gespräche demonstrierte, daß die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Anliegen der demokratischen Industriestaaten allen gemeinsam und
wahrhaft global sind.

In der Wirtschaft wird allgemein anerkannt, daß Handel kein Nullsummenspiel ist.

Wachstum in unserem Handel mit Europa oder Asien schafft
- 13 -

�Asien schafft größere Chancen und Möglichkeiten - und Wohlstand - für
alle.
Internationale Beziehungen brauchen genauso wie der Handel kein Nullsummenspiel.

Jeder gewinnt, wenn jeder eine globale statt einer nicht

über die eigenen Grenzen hinausgehenden Einstellung

zu den Problemen

einnimmt, vor denen wir alle stehen. Kurzum, wenn wir - wie wir es müssen - der Versuchung widerstehen, unser Denken und Handeln von Engstirnigkeit bestimmen zu lassen, dann wird es keine Verlierer geben.

- 14 -

�15. August 1984

35

"DISCOVERY" SOLL AM 29. AUGUST STARTEN

- (AD) - Einer Mitteilung des amerikanischen Amtes für Luft- und
Raumfahrt (NASA) zufolge soll DISCOVERY nunmehr am 29. August 198A zum
Jungfernflug starten. Der bereits für den 26. Juni geplante erste Einsatz des dritten amerikanischen Raumtransporters der Vereinigten Staaten
mußte wegen des Startabbruchs im Juni verschoben werden. Der Hauptcomputer hatte damals die Automatik vier Sekunden vor dem Abheben, als zwei
Triebwerke bereits arbeiteten, abgeschaltet, als sich die Öffnung des
Treibstoffventils zum Triebwerk Nr. 3 um Sekundenbruchteile verzögerte.
DISCOVERY wurde vom Startplatz in die Montagehalle zurückgefahren,
die Fehlersuche begann. Ingenieure der NASA sind jetzt der Ansicht, daß
die Hydraulikflüssigkeit nicht völlig sauber gewesen sei. Allerdings
gelang es im Verlauf der zahlreichen, inzwischen durchgeführten Versuche
nicht, die Reaktion des Computers zu wiederholen. "Wir sind überzeugt,
daß sich im Hydrauliköl, das das Ventil öffnet und schließt, mikroskopisch kleine Partikel befanden, wodurch das Öffnen zur Treifstoffzufuhr
um den Bruchteil einer Sekunde aufgehalten wurde", sagte ein Sprecher.

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D 5300 Bonn 2
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�ein Sprecher.

"Unsere Sicherheitstoleranzen sind derart eng, daß der

Computer daraufhin sofort abschaltete."

Im Hangar wurden inzwischen Veränderungen im Frachtraum des Orbiter
vorgenommen.

Denn einige für den Flug im Juni eingeplante Nutzlasten, so

die Großformatkamera der NASA, hat man vorläufig zurückgestellt, dafür
andere hinzugefügt.

So wird die DISCOVERY-Besatzung nicht nur den sieben

Tonnen schweren SYNCOM-Satelliten, der nach Erreichen seines Standortes
in 36 000 km Höhe der US-Marine zur Verfügung steht, sondern auch zwei
private Nachrichtensatelliten im Orbit absetzen.

Es handelt sich um

TELSTAR 3-C (für "American Telephone &amp; Telegraph" ATT) und um SBS-D (für
"Satellite Business Systems").

Nach dem Absetzen aus dem Frachtraum der

DISCOVERY wird ihr eigenes Feststofftriebwerk gezündet, um sie auf 36 000
km Höhe weiterzubefordern.

Ihr Start war ursprünglich für den zweiten

DISCOVERY-Flug vorgesehen.

Ein Sonnenenergiekollektor, der erst im Weltraum entfaltet wird und
dann eine Fläche von 32 m Durchmesser besitzt, verbleibt ebenso an Bord
wie das Elektrophorese-Experiment
Reihe weiterer Nutzlasten.

der Fa. McDonnell-Douglas

An der Zusammensetzung der für den Juni-Flug

vorgesehenen Besatzung hat sich nichts geändert:
Hartsfield, Kopilot Mike Coats.

Kommandant ist Henry

Als Missionsspezialisten arbeiten Dr.

Judy Resnik, Steve Hawley, Mike Mullane und Charles Walker.
soll sechs Tage dauern.

und eine

Der Flug

Am 4. September wird DISCOVERY auf dem Flugfeld

Edwards Air Force Base in Kalifornien zurückerwartet.

* * * * *

- 2-

�15. August 1984

33

MONOKLONALE ANTIKÖRPER GEGEN RHESUSFAKTOR-UNVERTRA'GLICHKEIT
- Von G. Weiss -

- (AD) - Gentechnische Methoden machen es möglich, reine monoklonale
Antikörper zu gewinnen, die Schädigungen durch eine Rhesusfaktor-Unverträglichkeit verhindern können. Eine Wissenschaftlergruppe der StanfordUniversität entwickelte eine Mischzellen-Linie (Hybridzellen), die die
spezifischen Antikörper kontinuierlich produziert. Sie entstand aus der
Verschmelzung einer menschlichen Lymphoidzelle, welche Antikörper gegen
den Rhesus-Blutfaktor bildet, mit einer zur fortlaufenden Teilung fähigen
hybriden Tumorzelle. Ein Bericht zur Entwicklung der betreffenden Hybridomlinie erschien Angaben der Stanford-Universität zufolge kürzlich in
den "Proceedings of the National Academy of Sciences". Zu den Verfassern
zählen neben Dr. Nelson Teng, Assistenzprofessor für Gynäkologie, dem z.
Zt. in Stanford tätigen belgischen Gastforscher Dr. Dominique Bron und
Mark Feinberg auch der weltbekannte Krebsforscher Prof. Henry Kaplan, der
vor wenigen Monaten verstorben ist.
Der sog.

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der sog. Rhesusfaktor wird im Blut von ca. 85 Prozent aller Menschen
weißer Rasse gefunden sie sind "Rhesus-positiv", (abgekürzt "Rh").
restlichen 15 Prozent sind "Rhesus-negativ" (abgekürzt "rh").

Die

Der Orga-

nismus Rhesus-negativer Personen bildet in einer Art Immunreaktion Antikörper gegen den Rhesusfaktor, sobald er Blutzellen von einer Rhesus-positiven Person aufnimmt.

Das kann z. B. die Folge einer Transfusion mit

nicht geeignetem Spenderblut sein, wenn die Blutfaktoren von Spender und
Empfänger nicht ausreichend auf Verträglichkeit getestet wurden.

Beim

Empfänger kommt es dann leicht zu einem krankhaften Abbau der roten Blutkörperchen, einer hämolytischen Anämie, infolge immunologischer Vorgänge.
Im umgekehrten Fall, d.h. mit der Übertragung von Rhesus-negativem Blut
auf einen Rhesus-positiven Empfänger, besteht diese Gefahr nicht.
Gefährdet ist auch das Kind im Mutterleib, wenn die Mutter Rhesus-negativ, der Vater Rhesus-positiv ist und beim Fötus die Blutfaktoren des
Vaters gegeben sind. Sobald Blutkörperchen des Kindes in den mütterlichen Kreislauf übertreten, können diese "Fremdfaktoren" (und das gilt
nicht nur für den Rhesusfaktor, sondern auch für Blutgruppen und andere
Blutfaktoren, die die Mutter nicht besitzt) als Antigene wirken. Sie
lösen Abwehrreaktionen aus, der mütterliche Organismus bildet gegen sie
spezifische Antikörper. Diese vermögen die Plazenta zu passieren, so daß
sie im Körper des Fötus mit den ihnen entsprechenden Antigenen in Reaktion treten können - unter Umständen mit katastrophalen Folgen für das
Kind.
Deshalb sind im Rahmen einer rh-Rh-Konstellation serologische Untersuchungen bei der Schwangeren auf das Vorhandensein von Rhesusfaktor-Antikörpern, die bei positivem Befund eine Sensibilisierung der Mutter befürchten lassen, ebenso wichtig wie die Vornahme einer Amniozentese mit
Fruchtwasseruntersuchungen zu Beginn des zweiten Schwangerschaftsdrittels. Sie kann Hinweise auf eine mögliche Gefährdung oder eine bereits
eingetretene Schädigung des Fötus geben. In diesem Fall wäre eine intrauterine Transfusion Rhesus-negativer Erythrozyten auf das Kind möglich. Beim Neugeborenen kann eine Austauschtransfusion unmittelbar nach

�unmittelbar nach der Geburt eine Heilung herbeiführen, sofern noch nicht
Systemschäden an Gefäßwänden, inneren Organen und am zentralen Nervensystem eingetreten sind.

Für die Rhesus-negative Mutter wird unmittelbar nach der Entbindung
vom ersten Rhesus-positiven Kind (auch nach einer Fehlgeburt) zur Verhütung einer bleibenden Sensibilisierung gegen den Rhesusfaktor eine spezifische Immunisierung vorgenommen.

Denn während sich in der Regel das

erste Rhesus-positive Kind einer Rhesus-negativen Mutter dank der erwähnten Therapiemöglichkeiten normal weiterentwickelt, nehmen bei den folgenden Schwangerschaften die fetalen Schädigungen erheblich zu:

Jeder neue

Kontakt des mütterlichen Blutes mit Rhesus-positiven Erythrozyten vom Fötus verstärkt nicht nur die Rh-Antikörperbildung bei der Mutter ganz erheblich, sondern setzt sie auch wesentlich früher in Gang.

Dem versucht

man zu begegnen, indem die Mutter nach der Entbindung (u.U. auch schon
während der Schwangerschaft) ein spezifisches, gegen den Rhesusfaktor
wirkendes Immunglobulin injiziert bekommt.

Dieses Serum-Protein erfaßt

die in den mütterlichen Kreislauf eingeschwemmten Rhesus-positiven Erythrozyten, so daß sie für Abwehrreaktionen in der Form von Antikörperbildung durch den Organismus der Mutter gewissermaßen uninteressant werden.

Verstärkter Sensibilisierung gegen den Rhesusfaktor wird auf diese

Weise vorgebeugt.

Wie es in einer Mitteilung der Stanford-Universität heißt, wird die
Beschaffung

dieses

wirksamen

Prophylaxe-Serums

zunehmend

schwieriger.

Außerdem bringe die Verwendung von Blutprodukten die Gefahr einer Übertragung von Krankheitskeimen mit sich (z. B. Infektion mit Hepatitis,
Cytomegalie, Masern, Malaria oder der erworbenen Immunschwäche AIDS).
Das Serum wird

aus dem Blut

von nicht-therapierten

Rhesus-negativen

Frauen gewonnen, die ein Rhesus-positives Kind geboren haben, oder von
Rhesus-negativen Personen, die Rhesus-positivem Blut (etwa durch Transfusion) ausgesetzt waren.

"Da heutzutage die meisten Rhesus-negativen

Frauen die Serumprophylaxe bekommen, stehen immer weniger von ihnen als
Serumspender zur Verfügung, erklärt Dr. Teng.
Die Wirksamkeit

�Die Wirksamkeit der monoklonalen Antikörper wird z. Zt. noch im Laboratorium getestet, klinische Versuche sollen in KJrze beginnen.

Sie

könnten, wie Dr. Teng betont, auch bei der Blutgruppe,!- und Blutfaktorenbestimmung

sowie für biochemische und genetische ! tudien des Rhesus-

Systems beim Menschen von Wert sein, dessen Funktionen man noch viel zu
wenig kenne.

* * * # #

�</text>
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