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                  <text>^^H

nrormcition
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

8. August 1984

32

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan hebt einige Sanktionen gegen Polen auf
- Erklärung des Weißen Hauses USA: Verheißungen von Helsinki noch nicht erfüllt
- Erklärung zum neunten Jahrestag der Helsinki-Vereinbarungen
McFarlane: Sowjets stellen US-Position zu Wiener Gesprächen
falsch dar

HINTERGRUNDMATERIAL
Nicaragua: Einige Richtigstellungen

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Malaria-Impfstoff in etwa fünf Jahren
- Gentechnische Methoden könnten zum Ziel führen
USA wollen Bleigehalt im Benzin drastisch senken

Um Über/endung von
ßckgcKcmplorcn
wird gebeten

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D 5300 B o n n 2

T

e L : 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

8. August 1984

32

REAGAN HEBT EINIGE SANKTIONEN GEGEN POLEN AUF
- Erklärung des Weißen Hauses -

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Präsident Reagan hat am 3. August
1984 aufgrund der kürzlich durch die ponische Regierung verkündeten Freilassung von politischen Gefangenen einige Sanktionen gegen Polen aufgehoben und die Amnestie als einen Schritt zur nationalen Versöhnung bezeichnet.
Erstens wurde die Verweigerung der Landungsrechte für die staatliche
polnische Luftfahrtgesellschaft LOT in den Vereinigten Staaten aufgehoben
und der wissenschaftliche Austausch mit Polen wieder aufgenommen. Ferner,
so heißt es in der Erklärung des Weißen Hauses, könnte eine volle Verwirklichung der Amnestie zu einer Reaktivierung des Antrags Polens für
die Mitgliedschaft im Internationalen Währungsfonds führen.
Die Erklärung des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:
Der Präsident hat die von der polnischen Regierung am 21. Juli angekündigte Freilassung von politischen Gefangenen zur Kenntnis genommen. Er
ist der Überzeugung, daß sie ein wichtiger Schritt in Richtung auf die

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�auf die nationale Versöhnung in Polen ist.

Daher hat er in Übereinstim-

mung mit seiner Methode, die Lage in Polen Schritt für Schritt zu behandeln, zwei Maßnahmen beschlossen.

Erstens, der Präsident hat die Aufhebung der Verweigerung der Landungsrechte für reguläre Flüge der staatlichen polnischen Luftfahrtgesellschaft LOT angeordnet, wenn unsere Beziehungen auf dem Gebiet der
Zivilluftfahrt geregelt sind, und die volle Wiederaufnahme des wissenschaftlichen Austauschs zwischen den Vereinigten Staaten und Polen genehmigt .

Zweitens, der Präsident hat zu verstehen gegeben, daß die vollständige und vernünftige Verwirklichung der Amnestieentscheidung eine positive Atmosphäre schaffen wird, die die Reaktivierung des Antrags Polens
auf Mitgliedschaft
würde.

im Internationalen Währungsfonds

(IWF) ermöglichen

Die Vereinigten Staaten würden natürlich jeden endgültigen Antrag

auf seine Berechtigung prüfen, einschließlich der Bereitschaft Polens,
die Verpflichtungen der Mitgliedschaft im IWF zu erfüllen.
Ziel und Zweck unserer Sanktionen war von Anfang an, die Bewegung weg
von der Konfrontation und hin zur Versöhnung in Polen zu ermutigen.

Die

Vereinigten Staaten sind bezüglich der Situation in Polen zwar weiterhin
besorgt, aber wir betrachten die Amnestieerklärung der polnischen Regierung als eine potentiell positive Entwicklung.

Die Vereinigten Staaten sind bereit, als Antwort auf eine weitere wesentliche Bewegung hin zur nationalen Versöhnung in Polen weitere positive Schritte zu ergreifen.

Bis dahin werden wir uns mit unseren NATO-Ver-

bündeten und anderen über die Situation in Polen und eine wesentliche
Antwort darauf konsultieren.

- 2 -

�32

8. August 1984

USA: VERHEISSUNGEN VON HELSINKI NOCH NICHT ERFÜLLT
Erklärung zum neunten Jahrestag der Helsinki-Vereinbarungen -

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich des neunten Jahrestages der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki haben die Vereinigten Staaten darauf
hingewiesen,daß die Verweigerung der grundlegenden Menschenrechte in Osteuropa und insbesondere in der Sowjetunion ein konstruktiveres Verhältnis
zwischen Ost und West behindere. In einer am 2. August 1984 vom amerikanischen Außenministerium veröffntlichten Erklärung, heißt es, die Verheißungen der Vereinbarungen von Helsinki seien allzu oft unerfüllt geblieben.
Die Erklärung des State Department hat folgenden Wortlaut:
Vor neun Jahren unterzeichneten die Vereinigten Staaten und Kanada
gemeinsam mit 33 ost- und westeuropäischen Regierungen in Helsinki die
Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE). Die Vereinbarung von Helsinki, die die Unterzeichnerländer dazu
verpflichteten, sich an universelle Normen des internationalen Verhaltens

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�internationalen Verhaltens und an die grundlegenden Menschenrechte zu
halten, sind ein Leuchtfeuer der Hoffnung für die Wurde und Freiheit des
Menschen.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin nachdrücklich der vollen Verwirklichung der Bestimmungen der Helsinki-Vereinbarungen verpflichtet.
Während des vergangenen Jahres hat es eine Anzahl wichtiger Entwicklungen
im Rahmen der KSZE gegeben.

Im September letzten Jahres wurde die sich

über drei Jahre erstreckende Folgekonferenz von Madrid mit der Annahme
wichtiger neuer Bestimmungen abgeschlossen, die der Förderung der Sache
der Menschenrechte, einschließlich der gewerkschaftlichen und religiösen
Freiheiten dienen soll. Die Stockholmer Konferenz über Sicherheit in Europa wurde eröffnet, auf der wir Maßnahmen zur Verminderung des Risikos
eines Überraschungsangriffes in Europa vorgeschlagen haben.

So wie die

Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in Madrid eine wesentliche Rolle
bei der Erreichung eines positiven Ergebnisses gespielt haben, haben wir
auch in Stockholm konkrete Vorschläge vorgelegt, die die Ost-West-Sicherheit verbessern sollen.
Leider sind die in der Schlußakte von Helsinki enthaltenen Verheißungen allzu oft unerfüllt geblieben. Die Vereinbarungen von Helsinki
verpflichten die Signatarstaaten, "die Menschenrechte und die grundlegenden Freiheiten zu respektieren, einschließlich der Freiheit des Denkens, des Gewissens, der Religion oder des Glaubens - und zwar für alle,
ungeachtet der Rasse, des Geschlechtes, der Sprache oder der Religion."
Die Vereinbarungen enthalten ferner Verpflichtungen zur Förderung der gewerkschaftlichen Freiheiten, zur Bekämpfung des Terrorismus, zur Familienzusammenführung, zur Verbesserung des freien Informationsflusses sowie anderes mehr.
Im Verlaufe der Jahre hat es einige allmähliche, hart gewonnene Fortschritte gegeben. Aber zu häufig müssen wir feststellen, daß in Osteuropa und insbesondere in der Sowjetunion die Dinge anders aussehen: Unterdrückung Andersdenkender, Beschränkungen der religiösen Freiheiten, Verweigerung von Ausreisegenehmigungen für die Bürger, Störung von westlichen Rundfunksendungen, Unterstützung des Terrorismus und Auflösung
- 2 -

�und Auflösung freier Gewerkschaften.

Die schlimme Situation von Dr.

Andreij Sacharow und seiner Frau Elena Bonner ist eines der vielen sehr
wichtigen

Beispie-

le,

wo

die

Verweigerung

der

grundlegenden

Menschenrechte die Entwicklung eines von uns angestrebten konstruktiveren
Ost-West-Verhältnisses behin- dert.

Die Herausforderung ist gewaltig:

Es geht darum, den Verheißungen

des Helsinki-Prozesses durch Taten eine reale Bedeutung zu geben.

Wir

haben realistische Erwartungen und gehen mit Geduld an die Dinge heran,
und wir sind zu einem ernsthaften Dialog bereit.

Wir rufen alle KSZE-

Staaten auf, die Menschenrechte und die Freiheiten des Menschen zu fördern, indem wir die Verheißungen und Verpflichtungen der Schlußakte von
Helsinki erfüllen.

- 3 -

�32

8. August 1984

MCFARLANE: SOWJETS STELLEN US-POSITION ZU WIENER GESPRACHEN FALSCH DAR

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Der Berater Präsident Reagans für
Fragen der nationalen Sicherheit, Robert McFarlane, hat darauf hingewiesen, daß Moskau die amerikanische Position hinsichtlich der Eröffnung von
Rüstungskontrollgesprächen in Wien am 18. September 1984 wiederholt
falsch dargestellt habe. Trotz eines von den Vereinigten Staaten klar
geäußerten positiven Standpunktes, so heißt es in einer am 1. August
veröffentlichten schriftlichen Erklärung des Sicherheitsberaters, habe
die Sowjetunion behauptet, die USA hätten die sowjetischen Vorschläge
abgelehnt und Vorbedingungen gestellt.
In Washington erklärte der Stellvertretende Unterstaatssekretär für
europäische Fragen im State Department, Mark Palmer, vor dem außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Senats in diesem Zusammenhang, die
Sowjetunion sei hinsichtlich des Wiener Treffens "sehr unbeweglich." Die
Vereinigten Staaten seien an einem solchen Treffen sehr interessiert und
hätten ihrerseits große Flexibilität gezeigt. Sie hätten auch keinerlei
Vorbedingungen gestellt.
Die

Erklärung

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�Die Erklärung McFarlanes hat folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten Staaten haben der sowjetischen Regierung gegenüber in
einer Reihe von Botschaften auf hoher Ebene deutlich zu verstehen gegeben, daß sie den Vorschlag der Sowjetunion vom 29. Juni akzeptieren und
zu ernsthaften Verhandlungen über den Weltraum, einschließlich der Antisatelliten-Waffen, in Wien bereit sind.

Wir haben die Ansicht zum Aus-

druck gebracht, daß das Problem der Weltraumwaffen nicht isoliert von dem
strategischen GesamtVerhältnis erörtert werden kann, daß wir jedoch keine
Vorbedingungen für die Wiener Tagesordnung stellen.
Trotz dieser klar formulierten positiven Haltung unsererseits hat die
Sowjetunion behauptet, die Vereinigten Staaten hätten den sowjetischen
Vorschlag abgelehnt.

Im Rahmen der jüngsten Presseunterrichtung in Mos-

kau wurden diese Behauptungen wiederholt, obwohl die amerikanische Position in einer Reihe von Botschaften auf hoher Ebene, die der sowjetischen
Regierung auf diplomatischem Wege übermittelt wurden, klar dargelegt
wurde.
In unseren Botschaften an die Sowjets haben wir erklärt, daß ihr Vorschlag für eine Konferenz über die "Militarisierung des Weltraums" eine
"ausgezeichnete Idee" sei und daß wir bereit seien, am 18. September in
Wien mit einer Delegation anwesend zu sein, die in solche Verhandlungen
eintreten werde.
Wir haben kürzlich einen Vorschlag für eine mögliche sowjetisch-amerikanische Erklärung über Inhalt und Ziel der Wiener Verhandlungen unterbreitet. Dieser Vorschlag macht ausdrücklich klar, daß es das Ziel dieser Gespräche sein sollte, Abkommen hinsichtlich der Militarisierung des
Weltraums, einschließlich der Antisatelliten-Systeme sowie anderer Aspekte dieser Frage, auszuarbeiten und abzuschließen.
Als Antwort auf den sowjetischen Vorschlag für ein beiderseitiges Moratorium für die Antisatelliten-Erprobung vom Beginn der Gespräche an ha-

�an haben die Vereinigten Staaten ihre Bereitschaft dazu erklärt, daß unsere Unterhändler erwägen sollten, welche beiderseitigen Beschränkungen
während des Verlaufes der Verhandlungen angemessen seien.

In den jüng-

sten sowjetischen Erklärungen wurde dieser Vorschlag in eine Vorbedingung
verdreht - eine Verdrehung, die auf eine unaufrichtige Haltung der Sowjets schließen läßt.

Wir sind weiterhin der Ansicht, daß mögliche bei-

derseitige Beschränkungen ein zweckmäßiges Thema der Verhandlungen darstellen. Die gemeinsame Erklärung sollte jedoch das Ergebnis dieser Verhandlungen nicht präjudizieren.

Die Sowjetunion hat wiederholt die amerikanische Position hinsichtlich der Eröffnung von Rüstungskontrollverhandlungen
beiden Ländern in Wien falsch dargestellt.

zwischen unseren

Nach der jüngsten sowjeti-

schen Erklärung hat es den Anschein, als hätten die Sowjets es mit ihrem
Vorschlag nicht ernst gemeint.

Wir bedauern dies.

Wie schon erklärt,

haben wir ihren Vorschlag, in Wien zusammenzutreffen, konsequent akzeptiert.

Wir ziehen es vor, daß diese Angelegenheit auf diplomatischem We-

ge behandelt wird.

* * * * *

- 3-

�Hinlcrgiund
motcrial
United States Information Service
Embassy of the United States of America

8. August 1984

32

NICARAGUA: EINIGE RICHTIGSTELLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Bezüglich der Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Nicaragua gibt es eine ganze Anzahl von Mißverständnissen, die im
Folgenden richtiggestellt werden sollen.
Erstes Mißverständnis:
Die amerikanische Feindschaft gegenüber der sandinistisehen Revolution habe diese radikalisiert und in die Arme Kubas und der Sowjetunion
getrieben.
Richtigstellung:
—Nicaraguas enge militärische Bindungen zu Kuba und der Sowjetunion
sind eine Ursache - und nicht eine Folge - der Verschlechterung unserer
bilateralen Beziehungen. Die Chronologie der Ereignisse schafft hierüber

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�schafft hierüber Klarheit.
—Innerhalb einer Woche nach der Machtübernahme der Sandinisten hatte
Kuba etwa 100 Mann Militär- und Sicherheitspersonal in Nicaragua. Drei
Monate später, im Oktober 1979, war diese Zahl auf 200 angestiegen. Heute
gibt es in Nicaragua zwischen 2 500 und 3 500 kubanische Militär- und
Sicherheitsberater, mindestens 100 weitere aus der Sowjetunion und dem
Ostblock sowie etwa 50 Berater der PLO und Libyens.
— A l s die Sandinisten im Juni 1979 vor der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) die Zusage machten, ein demokratisches, pluralistisches und bündnisfreies System mit gemischter Volkswirtschaft aufzubauen,
stimmten auch die Vereinigten Staaten der OAS-Resolution zu, die eine Abdankung des Somoza-Regimes forderte.
— D i e ersten Nahrungsmittellieferungen, die nach dem Sturz Somozas in
dem vom Krieg verwüsteten Nicaragua eintrafen, waren Lebensmittelspenden
der amerikanischen Regierung im Wert von mehreren Millionen Dollar.
— D i e Vereinigten Staaten spielten eine führende Rolle bei dem internationalen Bemühen, der sandinistischen Regierung Hilfestellung zu leisten. In den ersten achtzehn Monaten der sandinistischen Regierung genehmigten die Vereinigten Staaten annähernd 118 Millionen Dollar bilateraler
Wirtschaftshilfe und unterstützten die Refinanzierung der Verbindlichkeiten Nicaraguas über private Banken. Die Vereinigten Staaten setzten sich
zudem dafür ein, daß rund 1,6 Milliarden Dollar von internationalen Kreditinstitutionen und aus den westlichen Demokratien nach Nicaragua
flössen.
— I n diesem Zeitraum stellte die amerikanische Regierung Nicaragua
mehr Hilfe zur Verfügung als jeder andere Staat. Die amerikanische Regierung machte ein Angebot zur Entsendung von Freiwilligen des Friedenskorps; doch wurde dies von dem sandinistischen Regime nicht akzeptiert.
—Erst als sich herausstellte, daß die Sandinisten die Guerilla in El
- 2 -

�Guerilla in El Salvador unterstützten, stellte die Regierung Carter ihre
Hilfszahlungen ein.
— I m Oktober 1980 - noch unter Präsident Carter - und im August 1981
sowie im April 1982 unter der Reagan-Administration bemühten sich die
Vereinigten Staaten, Nicaragua dazu zu bewegen, seine Unterstützung des
Guerilla-Aufstandes in El Salvador einzustellen. Nicaragua reagierte auf
diese diplomatischen Bemühungen nicht.
— D i e Feindseligkeit der Sandinisten gegenüber den Vereinigten Staaten läßt sich noch bis vor den Zeitpunkt ihrer Machtergreifung zurückverfolgen. Ein Beispiel hierfür findet sich in ihrer Parteihymne, die die
Vereinigten Staaten den "Feind der Menschheit" nannte - und dies noch
immer tut.
Zweites Mißverständnis:
Die Feindseligkeit der Vereinigten Staaten gegenüber dem sandinistischen Regime sei für den dortigen Ausnahmezustand sowie für die Unterdrückung der elementaren bürgerlichen Rechte durch das Regime verantwortlich.
Richtigstellung:
— D e r Hirtenbrief der nicaraguanischen Bischöfe vom 22. April 1984
zum Thema der Versöhnung weist diese Unterstellung eindeutig zurück. In
dem Brief heißt es: "Es ist unehrlich, die Aggression und Gewalt im
Innern immer wieder auf Aggression von außen zu schieben. Es ist sinnlos,
die schlimme Vergangenheit für alles verantwortlich zu machen, ohne dabei
die Probleme der Gegenwart zu sehen."
—Dieses Argument ist das politische Äquivalent zu dem Satz: "Der
Teufel hat mich dazu getrieben." Die Sandinisten wollten die Welt glauben
machen, daß die FSLN wirklich demokratische Intentionen habe, sie aber
durch die Feindseligkeit der Vereinigten Staaten zu repressiven und ex-

�repressiven und extremen Maunahmen gezwungen würde.

—Die Regierung der FSLN bedurfte zur Unterdrückung des Volkes aber
ohnehin keiner Erklärungen. Tatsächlich hatte die nicaraguanische Regierung - sogar schon zu der Zeit, da noch, während der ersten beiden Jahre
des Sandinista-Regimes, relativ freundliche Beziehungen zu den Vereinigten Staaten unterhalten wurden - damit begonnen, ihre Kritiker zu verhaften, die Presse zu zensieren, die katholische Kirche anzugreifen und die
Miskito-, Rama- und Sumo-Indianer graumsam zu behandeln.

Zwei Monate nach dem Sieg vom Juli 1979 bereitete das sandinistische
Nationaldirektorium ein Dokument vor ("Analyse der Lage und Aufgaben der
sandinistischen

Volksrevolution",

auch

als

"72-Stunden-Dokument"

be-

kannt), in dem es hieß, daß es Ziel des Direktoriums sei, im Innern die
Revolution zu konsolidieren und "den revolutionären Internationalismus"
zu fördern.

Das "72-Stunden-Dokument" stellte des weiteren fest, daß das Direktorium keinerlei Bedrohung durch mögliche Insurgentengruppen erkenne, da
diese von benachbarten Staaten abhängig sein würden. "Keiner unserer
Nachbarn könnte sich auf ein solch unsicheres Abenteuer einlassen, Honduras nicht, weil es inmitten einer recht komplexen innenpolitischen Situation neutral bleiben muß, El Salvador und Guatemala nicht, weil beide mit
sozialen Unruhen fertigwerden müssen." Dennoch machte sich Nicaragua an
eine militärische Aufrüstung, wie es sie bis dahin in der Geschichte Mittelamerikas noch nicht gegeben hatte.

In
äußerer

Nicaragua

hat

Feindseligkeit

sich

ein

diktatorisches

entwickelt,

sondern

Regime

weil

die

nicht

aufgrund

sandinistische

Führung von Anbeginn an die Absicht hatte, ein marxistisch-leninistisches
Regime aufzubauen. Zudem hat diese Führung aus ihrem politischen Glaubensbekenntnis nie ein Hehl gemacht.

—Zwischen 1979 und 1982 - noch bevor die antisandinistische Guerilla
zu einer merklichen Kraft wurde - geschah Folgendes:
— I m November 1980
- 4 -

�— I m November 1980 töteten Agenten der Sandinista den unbewaffneten
Jorge Salazar, eine Führungspersönlichkeit des privaten Sektors;
—

Im März 1981 hinderte dieser Mob die Anhänger Alfonso Robelos

daran, eine rechtmäßige politische Veranstaltung abzuhalten (Robelo war
Mitglied der ursprünglichen Junta-Regierung des nationalen Wiederaufbaus);
—

Im Juli 1981 hinderten die Sandinisten Erzbischof Obando Y Bravo

daran, im Fernsehen die Messe zu lesen;
— Ebenfalls 1981 ließen die Sandinisten mehrmals die unabhängige
Zeitung "La Prensa" schließen und drohten jenen Personen Strafe an, die
"falsche Wirtschaftsnachrichten" verbreiten würden; d a m verhafteten sie
bekannte Mitglieder der wichtigsten Organisation des nicaraguanischen
Privatsektors, COSEP; Ende 1981 und Anfang 1982 zwangen die Sandinisten
etwa 10 000 Miskito-Indianer aus ihren Heimatgebieten in entfernt
liegende Umsiedlungslager;
— Im März 1982 riefen die Sandinisten den Notstand aus und "legalisierten" dadurch die systematische und fortwährende Verhängung von Restriktionen im Bereich der Menschen- und der Bürgerrechte.
Drittes Mißverständnis;
Nicaragua habe gegen Ende 1983 mehrere positive Schritte unternommen,
um seine guten Absichten unter Beweis zu stellen und seine Beziehungen zu
den Vereinigten Staaten zu verbessern. Dies sei bei den Vereinigten Staaten auf Zynismus gestoßen.
Richtigstellung:
—

Die amerikanische Regierung hat hochrangige Regierungsvertreter

nach Managua entsandt, um Themen von beiderseitiger Bedeutung zu diskutieren. Zu den amerikanischen Schritten gehörten:

- 5 —Gespräche des amerikanischen

�—Gespräche des amerikanischen Sonderbotschafters für Mittelamerika, Harry Shlaudeman, mit dem stellvertretenden nicaraguanischen Außenminister, Victor Hugo Tinoco, vom 25. bis 27. Juni in Mexiko;

—der Besuch von Außenminister Shultz am 1. Juni 1984 und die Ernennung von Botschafter Harry Shlaudeman zum Chefunterhändler für die Gespräche mit Nicaraga;

—der Besuch von Unterstaatssekretär Motley sowie der Besuch von
Sonderbotschafter Shlaudeman in Managua am 4. April 1984;

—das

Treffen zwischen dem amerikanischen Sonderbotschafter für

Mittelamerika, Stone, mit Daniel Ortega am 4. Januar 1984; und

—die Erklärung von Außenminister Shultz vom 5. Dezember, in der er
die Ankündigung der Sandinisten über bevorstehende Wahlen und ein Amnestieangebot an die Rebellen begrüßte. Er brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, daß ihren Worten auch die Tat folgen werde.

—Ende 1983 verkündete die nicaraguanische Regierung, daß sie die
Zahl der kubanischen Militärberater verringern, die strenge Pressezensur
lockern und ihren politischen Gegnern politische Rechte gewähren sowie
Wahlen vorbereiten werde. Während die Presse und die anderen Medien hiervon berichteten, wurden folgende Tatsachen übersehen:
—Einige Kubaner verließen Nicaragua lediglich gemäß eines
Rotationsprinzips, nicht aber als Teil einer Verringerung. Viele der abziehenden Kubaner waren in Wirklichkeit Lehrer und andere Zivilisten, die
in die Ferien gingen. Wir haben inzwischen davon Kenntnis, daß die Zahl
der kubanischen militärischen, nachrichtendienstlichen

und politischen

Berater in Nicaragua seit Ende 1983 noch zugenommen hat.

—Die FSLN-Regierung

erleichterte die Zensurbedingungen für

kurze Zeit, erlegte strikte Zensur jedoch sogleich in dem Moment wieder

�in dem Moment wieder auf, da die weltweite öffentliche Meinung von
jener"positiven" Maßnahme erfahren hatte.

— A m 50. Todestag Sandinos verbot die Zensur einen Leitartikel
von "La Prensa", in dem es hieß, Sandino sei ein national gesinnter Patriot - nicht aber ein Kommunist gewesen. Die Zensur wird derzeit immer
schärfer und hat dazu geführt, daß "La Prensa" in diesem Jahr bislang bereits 11 mal nicht erschien.

—Der

Hirtenbrief

des

Ostersonntag

1984

wurde

durch

"La

Prensa" völlig beschnitten, nachdem die Sandinisten den Brief und die
Forderung der katholischen Bischöfe nach einem Dialog öffentlich angeprangert hatten.
—Die

Sandinisten verhafteten am 29. April einen bekannten

Journalisten von "La Prensa" und zensierten diesbezügliche Artikel der
Zeitung. Später wurde auch noch ein Fotograph von "La Prensa" verhaftet.
Beide befinden sich noch immer in Haft.

—Nach dem Attentat auf Eden Pastora am 30. Mai wurde "La
Prensa" am 31. Mai nicht gedruckt. Rund 90 Prozent des Zeitungsinhaltes
wurden zensiert, einschließlich der Artikel über das Attentat auf Pastora.

—Nach längerem Hin und Her kündigte die FSLN-Regierung schließlich
an, daß am 4. November 1984 Wahlen stattfinden würden. Die FSLN-Führung
erklärte jedoch, daß es sich hierbei nicht um eine "bürgerliche" Wahl
handeln, sondern diese dazu dienen werde, die Revolution zu "ratifizieren" .

—Die Regierung senkte das Wahlalter auf 16 Jahre, wodurch die von
den sandinistischen Jugendorganisationen indoktrinierten und kontrollierten Jugendlichen die Möglichkeit zu wählen erhielten.
—Die nicaraguanische Regierung behinderte Angehörige der Opposition
dabei, sich an die Medien zu wenden und Wahlveranstaltungen zu organisie- 7 -

�WahlVeranstaltungen

zu organisieren. Außerdem wurde die Teilnahme von

Führern der bewaffneten Opposition am Wahlprozeß verboten.

— A m 10. Juli wies das sandinistische Regime nach einer Demonstration
zugunsten des Priesters Luis Amado Pena, die von Obando Y Bravo, dem Erzbischof von Managua angeführt worden war, zehn ausländische katholische
Priester aus. Pena darf staatlichen Anweisungen zufolge ein Priesterseminar nicht verlassen und es gibt Presseberichte, denen zufolge die Sandinisten den Versuch unternehmen könnten, Pena wegen angeblicher "konterrevolutionärer Aktivitäten" vor ein "Sondertribunal11 zu stellen.

—Der Notstand, der am 19. Juli 1984 auslief, wurde um weitere drei
Monate verlängert. Das sandinistische Regime hat den Wahlkampf auf die
Zeit zwischen den 1. August und den 31. Oktober beschränkt.

Viertes Mißverständnis:

Die Regierung der Vereinigten Staaten sei dem amerikanischen Volk gegenüber nicht ehrlich, was ihre Beteiligung an der Guerillatätigkeit in
Nicaragua angehe.

Richtigstellung:

— E s gehörte stets zur amerikanischen Politik, daß die Regierung der
Vereinigten Staaten öffentlich Berichte weder bestätigt noch bestreitet,
die sich auf geheimdienstliche Tätigkeiten beziehen.
—Dennoch sind einige Anmerkungen hinsichtlich der FSLN und den bewaffneten antisandinistischen Gruppen zu machen:
—Erstens versprach die FSLN 1979 in einem Schreiben an die OAS,
daß sie sich für demokratischen Pluralismus einsetzen und die Menschervrechte achten werde. Seither hat sie die Rechte des einzelnen unterdrückt
und erst seit kurzem - vor allem aufgrund des äußeren Drucks seitens der
Vereinigten Staaten und anderer Staaten - für den November 1984 Wahlen

�November 1984 Wahlen angesetzt.

—Zweitens waren die radikalen, marxistischen Elemente der Kräftekoalition, die Somoza besiegte, in der Lage, ihre Macht in der nachrevolutionären Periode vor allem deshalb zu konsolidieren, weil sie bis vor
kurzem die einzigen waren, die über Waffen verfügten.

—Drittens war die Unterstützung von Gewalt und Terrorismus im
übrigen Mittelamerika für das nicaraguanische Regime bis zu dem Zeitpunkt
weder mit wirtschaftlichen noch mit politischen Kosten verbunden, da es
sich zum erstenmal einer bewaffneten, inneren Opposition gegenüber sah.

—Viertens vermochten es weder wirtschaftlicher noch diplomatischer Druck allein, eine Veränderung der Politik des sandinistischen
Regimes herbeizuführen. Der Verlust amerikanischer Wirtschaftshilfe wurde
durch die Hilfe von seiten Mexikos, Europas und der Regierungen des Ostblocks mehr als wettgemacht.

—Fünftens sind die Antisandinisten Nicaraguaner, die eher bereit sind, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, als unter dem sandinistischen
Regime zu leben. Sie waren enttäuscht von den gebrochenen Versprechen der
Sandinisten und dem Lauf der Revolution. Viele der Antisandinisten hatten
sich bereits gegen das Regime Somozas gestellt und dabei sogar schon damals zu den Waffen gegriffen.

—Sechstens wurde die bewaffnete Opposition von der Teilnahme am
politischen Leben Nicaraguas - einschließlich der für den November 1984
vorgesehenen Wahlen - ausgeschlossen.
—Schließlich begannen die Sandinisten erst in dem Moment, da
sich für sie aus dem Kampf gegen eine innere Opposition Kosten ergaben,
damit, eine Bereitschaft zu sinnvollen Verhandlungen mit ihren mittelamerikanischen Nachbarn zu signalisieren.

—

Zusätzliche Anreize - diplomatischer, politischer und militäri- 9 -

�politischer und militärischer Art - haben zu dem diplomatischen Fortschritt der jüngsten Zeit im Rahmen des CONTADORA-Prozesses beigetragen.
Aber es hat den Anschein, als seien erste Anzeichen eines Aufweichens der
diplomatischen

Kompromißlosigkeit

auf

sandinistischer

Seite unmittel-

bare Folge der Besorgnis über verdeckte Aufstandsbewegungen im Innern.

Fünftes Mißverständnis:

Die Vereinigten Staaten würden versuchen, Nicaragua wirtschaftlich zu
strangulieren.

Richtigstellung:

— I n den ersten achtzehn Monaten nach dem Sturz Somozas rief die amerikanische Regierung die größte Hilfsaktion ins Leben, die es für Nicaragua je gegeben hatte. Dafür wurden annähernd 118 Millionen Dollar an Entwicklungshilfe und Nahrungsmittelhilfe genehmigt. In den ersten dreieinhalb Jahren des Sandinistenregimes kam von den Vereinigten Staaten mehr
Hilfe für Nicaragua als von irgendeinem anderen Land.

—Die amerikanische Regierung half einem System, das ihrer Ansicht
nach reformistisch, pluralistisch und blockfrei sein und die bürgerlichen
Freiheiten und die Selbstbestimmung seiner Nachbarn respektieren würde.
Erst als Nicaraguas Unterstützung für Terrorismus und Guerillagruppen in
Mittelamerika deutlich wurde - nämlich ab Ende 1980 -, stellten die Vereinigten Staaten ihre Hilfe für Nicaragua ein.

—Der amerikanische Kongreß machte Wirtschaftshilfe für Nicaragua von
einem Nachweis seitens des Präsidenten abhängig, daß Nicaragua keinen Export von Subversion betreibe. Nach mehreren Warnungen auf diplomatischem
Weg an die

Nicaraguaner

hinsichtlich

zunehmender

Beweise

dafür, daß

Nicaragua die salvadorianische FMLN tatkräftig unterstützte, blockierte
die Carter-Administration im Dezember 1980 und Januar 1981 die Zahlungen
im Rahmen der Wirtschaftshilfe. Die jetzige Administration kam zu dem
Schluß, daß Nicaragua tatsächlich Subversion exportiert und stellte wei- 10 -

�und stellte weitere Zahlungen im Rahmen der Wirtschaftshilfe im April
1981 ein.
—1983 verteilte die Administration den größten Teil der nicaraguanischen Zuckerquote auf El Salvador, Honduras und Costa Rica. Die amerikanische Regierung konnte es nicht rechtfertigen, Nicaragua indirekte
Subventionen dadurch zukommen zu lassen, daß das Land auch weiterhin Zugang zu den höheren amerikanischen Zuckerpreisen hatte.

—Wir haben uns gegen einige multilaterale Darlehen an Nicaragua gestellt, weil die Wirtschaftspolitik der Sandinisten einem Wirtschaftswachstum abträgig ist. Auch andere Staaten teilen diese Ansicht. Nicaragua schuldet seinen Nachbarn Millionen von Dollar und die Olexporteure
der Region sind besorgt darüber, daß Nicaragua

seinem

Schuldendienst

nicht mehr nachkommt.

—Am

wichtigsten ist die Tatsache, daß die FSLN-Regierung willkür-

liche, ruinöse und in einigen Fällen rechtswidrige Wirtschaftsentscheidungen getroffen hat - zum Beispiel Konfiszierung von Privatvermögen sowie Verhaftung

von Führungspersonen aus dem Privatsektor wegen angeb-

licher Kritik an der Politik der Regierung.

—Die Vereinigten Staaten haben dem Handel mit Nicaragua keine Restriktionen auferlegt; die Vereinigten Staaten sind noch immer einer der
größten Exportmärkte für Nicaragua mit annähernd 15 bis 20 Prozent der
Exporte des Landes.

Sechstes Mißverständnis:

Die Vereinigten Staaten würden versuchen, die Regierung der Sandinisten zu stürzen.

Richtigstellung:

—Die amerikanische Regierung beabsichtigt nicht, das sandinistische
Regime zu stürzen.
Das
- 11 -

Boland-Amendment

�—Das Boland-Amendment zum Geheimdienst-Ermächtigungsgesetz des Haushaltsjahres 1983, an das sich diese Regierung hält, verbietet verdeckte
Aktionen zum Zweck des Sturzes der nicaraguanischen Regierung. Die Administration wird sich auch weiterhin an dieses Gesetz halten.

—Unsere Beziehungen zu Nicaragua haben sich aufgrund der immer engeren militärischen Bindungen des Landes zu Kuba und zur Sowjetunion sowie
aufgrund

der Repression im Innern, seiner Unterstützung des Guerilla-

Aufruhrs in El Salvador, des Terrorismus in Honduras und Costa Rica und
seiner extensiven Aufrüstung verschlechtert.

—Sogar jetzt noch könnten die Vereinigten Staaten konstruktive Beziehungen zu den Sandinisten unterhalten, würden diese zu den ursprünglichen Zielen der Revolution zurückkehren. Auf dieses Ziel arbeitet die
amerikanische Regierung aktiv im Rahmen des CONTADORA-Prozesses hin.

—Die Ziele unserer Politik gegenüber Nicaragua sind klar definiert.
Bei seinem Besuch am 1. Juni in Managua hat Außenminister Shultz erneut
diese vier Ziele genannt:
—Beendigung

der

Unterstützung

von

Guerillagruppen

durch

Nicaragua;
—Abbruch

der Beziehungen zu Kuba und dem Sowjetblock im

militärischen und sicherheitspolitischen Bereich;
—Rückführung
Niveau,

das

das

der militärischen Stärke Nicaraguas auf ein

militärische

Gleichgewicht

in

dieser

Region

wieder

herstellt;
—Erfüllung des ursprünglichen Versprechens der Sandinisten
hinsichtlich

einer

Unterstützung

des

- 12 -

demokratischen

Pluralismus.

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11
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1»]
*

Uli//cn/choft
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8. August 1984

MALARIA-IMPFSTOFF IN ETWA FÜNF JAHREN
Gentechnische Methoden könnten zum Ziel führen -

- (AD) - Schätzungsweise 200 Millionen Menschen in der Welt erkranken
jedes Jahr an Malaria. In Afrika allein fordert die Seuche jährlich etwa
eine Million Menschenleben - davon viele durch die Infektion mit dem gefährlichsten Erreger, "Plasmodium Falciparum". Mit den bisher üblichen
Bekämpfungsmethoden ist ihm ebenso wie den anderen Erregertypen immer weniger beizukommen. Aus diesem Grund konzentrierten sich in jüngster Zeit
die Bemühungen in den Vereinigten Staaten, Impfstoffe gegen Malaria zu
entwickeln, zunächst auf den Falciparum-Typ. Wie M. Peter McPherson, der
Administrator des amerikanischen Amtes für Internationale Entwicklung
(AID), auf einer Pressekonferenz in Washington Anfang August bekanntgab,
bestehe nunmehr Hoffnung, daß in etwa fünf Jahren Schutzimpfungen möglich
seien.
Diese Hoffnung gründet sich auf einen an der Universität New York
erzielten Durchbruch.

Im Auftrag des AID arbeitet dort ein Forscherteam

seit drei Jahren an dem Malariavakzin-Projekt, wofür bereits mehr als

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�mehr als 12,6 Millionen Dollar bereitgestellt wurden.

AID investierte in

den letzten 20 Jahren 35 Millionen für Anti-Malaria-Projekte aller Art angefangen von der Sanierung von Sumpfgebieten, den Brutstätten der die
Erreger übertragenden Malaria-Mücken, und dem Einsatz von Insektiziden
bis zu hygienischen, medizinischen und nicht zuletzt sozial-wirtschaftlichen Programmen.

Der bedeutsamste Teil der Forschungsarbeiten an der Universität New
York wurde, wie McPherson erklärte, in den letzten zwei Jahren von einem
Team durchgeführt, dem Dr. Ruth Nussenzweig, die Leiterin der Arbeteilung
für Parasitologie, und Dr. Victor Nussenzweig, Professor in der Pathologie, vorstehen.

Es gelang mit gentechnischen Verfahren, ein Protein zu

synthetisieren (und in großen Mengen herzustellen), das den Malaria-Erreger ummantelt.

Die New Yorker Wissenschaftler sind der Meinung, daß die-

ses Protein schließlich dazu dienen könne, im menschlichen Körper eine
Immunreaktion gegen Malaria-Parasiten auszulösen.

Wenn dieses Programm,

das von den Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH), dem
Walter-Reed-Forschungsinstitut

der US-Armee und anderen Organisationen

unterstützt wurde, erfolgreich zu Ende gebracht werden kann, wäre der
Impfstoff nicht nur das erste vollsynthetische Vakzin, sondern auch das
erste Vakzin, das auf breiter Basis gegen Parasiten beim Menschen eingesetzt würde.

Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Gebieten, in denen mit
Malariaproblemen zu rechnen sei, erklärte McPherson.

Durch die in der

Nachkriegszeit immer stärker intensivierten und ständig mehr ausgedehnten
Sprühaktionen mit Insektiziden, ergänzt von einer verbreiteten Anwendung
von Medikamenten, glaubte man noch zu Beginn des letzten Jahrzehnts, die
Malaria zumindest unter Kontrolle gebracht zu haben.

Jetzt aber sehen

sich Gesundheitsbehörden und Medizin mit der Tatsache konfrontiert, daß
die überraschend große Resistenzentwicklung sowohl der Malariamücken gegen die bisher üblichen Insektizide als auch die der Malariaerreger im
menschlichen Körper gegen Medikamente die Erkrankungszahlen wieder ansteigen lassen.

Das gilt vor allem für Gebiete, in denen Malaria immer

endemisch war.

In den letzten zehn Jahren hat sich, weltweit gesehen,
- 2 -

\

�weltweit gesehen, die Zahl der Malariafälle verdoppelt.

Mancherorts hat

sie sich sogar um das Dreißig- bis Vierzigfache erhöht. Sorgloser Tourismus trägt dazu bei, daß auch in normalerweise malariafreien Gebieten immer häufiger Fälle mit z. T. schweren Krankheitsformen auftreten.

Noch müssen gründliche Sicherheits- und Wirksamkeitstests mit dem
Vakzin zunächst im Tierversuch durchgeführt werden, ehe es beim Menschen
erprobt werden kann.

McPherson schätzt, daß damit in ca. 12 bis 18 Mona-

ten zu rechnen sei.

Dann erst könne mit der Großproduktion für Massen-

impfungen begonnen werden.

Weiterentwicklungen zielen darauf ab, einen

Schutz gegen alle vier Arten der Malariaerreger herbeizuführen und nach
Möglichkeit auch Abwehrreaktionen gegen die Parasiten in mehreren Stadien
ihrer Lebenszyklen auszulösen.

Die Gentechnik, die bei dem ersten Malariavakzin angewandt wird,
könnte auch eine Chance bieten, Impfstoffe gegen andere parasitäre Krankheiten und bestimmte Tropenkrankheiten zu entwickeln.

Für die Forschung

auf dem Gebiet der Tropenkrankheiten stellt die amerikanische Regierung
jährlich ca. 100 Millionen Dollar zur Verfügung.

* * * * *

»

�T

Wi//en/chcift
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8. August 1984

USA WOLLEN BLEIGEHALT IM BENZIN DRASTISCH SENKEN

- (AD) - Das Tanken von bleifreiem Benzin gehört bei Neuwagen aus
amerikanischer Produktion seit mehreren Jahren zur Betriebsvorschrift. An
den Tankstellen gibt es meist nur noch eine einzige Zapfsäule für die alten Modelle.

Importwagen sind den strengen Abgasvorschriften der USA an-

gepaßt, die meisten mit Katalysatoren ausgerüstet.

Das amerikanische

Bundesamt für Umweltschutz (EPA) bereitet jetzt den nächsten Schritt vor
und will durchsetzen, daß bis zum 1. Januar 1986 der Bleigehalt des Benzins um 91 Prozent vermindert wird.

Das bedeutet eine Reduzierung des

Bleizusatzes von 290 Milligramm pro Liter auf 26 Milligramm pro Liter.
Sollte sich diese Forderung aus technischen und finanziellen Gründen in
eineinhalb Jahren nicht verwirklichen lassen, würde das EPA schrittweise
die Verringerung des Bleianteils auf 26 mg/1 bis zum Jahr 1988 zugestehen.

Der Vorschlag des EPA würde am 1. Oktober 1984, nach zwei Monaten

der Erörterung in der Öffentlichkeit und nach der Entscheidung für die
erste oder die zweite Möglichkeit, rechtswirksam werden.

Wie

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D 5300 Bonn 2

der

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Wie der Leiter des Bundesamtes, William Ruckeishaus, auf einer Pressekonferenz am 30. Juli 1984 ausführte, erwäge das EPA ein totales Verbot
zur Verwendung von verbleitem Benzin ab 1995.

Aber bereits das jetzt

vorgestellte Programm sei geeignet, die Gefahren vor allem für Schwangere
und Kleinkinder, die durch

Blei verursacht werden können, erheblich ein-

zudämmen.

Eine Reihe von Studien, die das EPA in letzter Zeit durchführen ließ,
lieferte weitere Beweise dafür, daß ein direkter Zusammenhang zwischen
den mit Kraftfahrzeugabgasen emittierten Bleimengen und dem Bleispiegel
im menschlichen Blut bestehe, erklärte Ruckeishaus.

Verbleites Benzin

sei zu 80 Prozent für alle Bleiemissionen verantwortlich, die die Luft
belasten.

Sie haben auch einen sehr hohen Anteil am Bleigehalt von

Staub, Erde und Sand - und damit kommen Kinder ja mehr als Erwachsene in
Berührung.

Die Studien zeigten ferner, so Ruckeishaus, daß Gesundheitsschäden
durch Blei schon bei weitaus niedrigeren Konzentrationen, als bisher angenommen, ausgelöst werden können.

Erhöhte Bleispiegel im Blut führten

u.a. zu bleibenden Nervenschädigungen, zu Verhaltensstörungen, Lernbehinderungen und geistiger Behinderung.

Nach EPA-Schätzungen würden für die Mineralölindustrie die Produktionskosten des bleiärmeren Benzins um weniger als ein Prozent steigen.
Dem widerspricht allerdings das "American Petroleum Institute
eine landesweite Organisation der Mineralölindustrie.

(API)",

Ihre Vertreter

erklären, daß eine so starke Verminderung des Bleigehaltes im Benzin "wegen der Notendigkeit der Installierung neuer Raffinerie-Ausrüstungen, des
Imports von mehr und qualitativ höherwertigem Rohöl und wegen des Anfallens zusätzlicher Raffinerie-, Betriebs- und Wartungskosten die Kosten
der Herstellung aller Arten von

Benzin erhöht."

Die EPA-Maßnahme führe

zu einer Steigerung der amerikanischen Rohölimporte und zur Ausweitung
des Handelsdefizits der USA.

Die

Diskussionen

�Die Diskussionen der nächsten Wochen werden zeigen, wie man die
notwendigen Lösungen für die anstehenden Probleme anzugehen gedenkt.
Ruckeishaus ist überzeugt, daß ab 1995 ohnehin kaum mehr Fahrzeuge auf
den Straßen sein werden, die bleihaltiges Benzin benötigen.

* * * * *

- 3-

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