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                  <text>nrormcHion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1 . August 1984

31

INHALT

DOKUMENTATION
USA zu Weltraumwaffenverhandlungen ohne Vorbedingungen bereit
- Erklärungen des Weißen Hauses und des Außenministeriuias HINTEIGRLJtll^lArEKLAL
Die Wahlen in Amerika 1984

( 7 )
- Auszüge aus dem Wahlprogramm der Demokratischen Partei Die kommunistische Bedrohung der Freiheit in Lateinaiaerika
- Von Max Kampelman Bericht über die Lage in El Salvador
- Zusammenfassung Medizinische Versorgung in Afghanistan katastrophal
- Bericht eines amerikanischen Arztes WIRTSCHAFT
Die Erdölreserve als Mittel zur Preisregulierung
- IEA-Länder beschließen raschen Einsatz bei Versorgungsschwierigkeiten -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1. August 1984

31

USA ZU WELTRAUMWAEEm^ÄNTXJJfcGEN CHNE VORBEDINGUNGEN BEREIT
- Erklärungen des Weißen Hauses und des Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben die Behauptungen
der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS, wonach die USA nicht bereit
seien, in Wien über Weltraumwaffen zu verhandeln, zurückgewiesen.

In

Erklärungen des Weißen Hauses - vom 27. Juli 1984 - und des amerikanischen Außenministeriums - vom 28. Juli - wird nachdrücklich betont, daß
die Vereinigten Staaten bereit sind, im September in Wien "ohne Vorbedingungen" über Weltraumwaffen zu verhandeln.

Die Erklärung des Weißen Hauses, die von dessen Sprecher Larry
Speakes verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:

Die TASS-Meldung von heute vormittag interpretiert unsere Haltung
falsch, d.h. wir haben den sowjetischen Vorschlag für Verhandlungen in
Wien im September ohne Vorbedingungen akzeptiert.

Unsere Vorbereitungen

laufen auf Hochdruck, und wir gehen davon aus, nach Wien zu kommen. Wir
sind nicht der Meinung, daß solche Verhandlungen unmöglich seien, und wir

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�und wir behandeln dieses Thema auf vertraulichem diplomatischem Wege
weiter.
Die Vereinigten Staaten betrachten es als sehr beunruhigend, daß die
Sowjets die USA als verantwortlich für den Abbruch der Iluklearverhandlungen in Genf darstellen wollen, da die ganze Welt weiß, daß die Sowjets
diese Verhandlungen verlassen haben.

Bereits vorhandene Nuklearsysteme

bedürfen unserer dringenden Aufmerksamkeit. Wenn es die Sowjets vorziehen, unsere Auffassungen zu diesem Thema nicht anzuhören, so brauchen sie
das nicht, aber für uns und für die ganze Menschheit ist dieses Thema zu
wichtig, als daß man es einfach außer acht lassen könnte.

Diese amerikanische Auffassung stellt keine Vorbedingung dar.

Wir

werden alles, was die Sowjets zu Antisatelliten-Waffen zu sagen haben,
ernsthaft anhören und konstruktiv antworten. Wir wollen lediglich darauf
hinweisen, daß wir den Gedankenaustausch über das Thema offensive Kernwaffen wiederherstellen möchten.

Die Welt hat ein Recht, von der UdSSR

und den Vereinigten Staaten einen solchen Meinungsaustausch zu erwarten.

* * *

Die Erklärung

des

amerikanischen Außenministeriums hat

folgenden

Wortlaut:

Wir äußern uns nicht zu Botschaften über diplomatische Kanäle, aber
unser Standpunkt ist klar. Wie der Sprecher des Weißen Hauses, Speakes,
gestern erklärte, haben wir den sowjetischen Vorschlag angenommen.
ist uns ernst mit sachlichen Verhandlungen in Wien.

Es

Wir sind bereit,

dorthin zu gehen und über den Weltraum, einschließlich von den

Antisa-

telliten-Waffen, zu sprechen, und wir haben keine Vorbedingungen.

Wir

sind der Meinung, daß der amerikanisch-sowjetische Meinungsaustausch über
dieses Thema in vertrauliche diplomatische Kanäle zurückgeführt werden
sollte.
Wir

sind

�Wir sind nicht der Meinung, daß die Wiener Verhandlungen "unmöglich"
sind, wenn die Sowjets ernsthaft an Verhandlungen interessiert sind.

Heute hat unsere Botschaft in Moskau eine amerikanische Antwort auf
die jüngste sowjetische Note übergeben. Aufgrund der zeitlichen Verhältnisse liegt es auf der Hand, daß die öffentlichen Erklärungen der Sowjets
heute Vormittag unsere jüngste Note nicht berücksichtigt haben.

* * * * *

- 3-

�1. August 1984

31

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
( 7 )
- Auszüge aus dem Wahlprogramm der Demokratischen Partei -

SAN FRANCISCO - (AD) - Die Demokratische Partei hat auf ihrem Nationalkonvent in San Francisco vom 16. bis 19. Juli 1984 ein umfangreiches
Wahlprogramm diskutiert und verabschiedet.

Die herausragenden Punkte des

am 17. Juli gebilligten Programms sind Demokratie, Menschenrechte und
Bündnistreue.

In dem außenpolitischen Kapitel unter dem Titel "Frieden,

Sicherheit und Freiheit" heißt es, ein neuer demokratischer Präsident und
seine Administration treten für eine starke nationale Verteidigung und
nachhaltig für nukleare Rüstungskontrolle ein.

Es werden ein baldiges

amerikanisch-sowjetisches Gipfeltreffen und danach regelmäßige Gipfeltreffen sowie beiderseitige Moratorien für die Erprobung von Kernwaffen
und die Erprobung und Stationierung von Weltraumwaffen und Interkontinentalraketen sowie seegestützten Marschflugkörpern vorgeschlagen.

Die ab-

solute Verpflichtung zur Verteidigung wird aufrechterhalten.

Die wesentlichen Auszüge aus dem außenpolitischen Kapitel des Wahl-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�des Wahlprogramms - der sogenannten platform - haben folgenden Wortlaut:

Der nächste amerikanische Präsident wird einer Periode des historischen Wandels im internationalen System vorstehen.

Die relativ stabile

Weltordnung, die seit dem Zweiten Weltkrieg geherrscht hat, wird von den
mächtigen Kräften des Wandels - der Weiterverbreitung von nuklearen und
konventionellen Waffen, der unaufhörlichen sowjetischen Aufrüstung, der
Erreichung der annähernden nuklearen Parität zwischen der Sowjetunion und
den Vereinigten Staaten, der wachsenden Interdependenz der internationalen Wirtschaftsordnung, der Wiedergesundung und den Aufschwung europäischer und asiatischer Mächte aus den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und der Suche nach einem neuen politischen Konsens in Amerika im Gefolge von Vietnam und Libanon und im Schatten einer regionalen Krise in
Mittelamerika - aus allen Nähten gedrängt.

Das wichtigste außenpolitische Gebot der Demokratischen Partei und
des nächsten Präsidenten ist, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen
und sich diesen Kräften anzupassen, statt ihnen Widerstand zu leisten
oder sie zu ignorieren.

Obwohl wir die sowjetische Bedrohung nicht un-

terschätzen wollen, so können wir es uns nicht länger leisten, für alle
unsere Probleme in übervereinfachter Form eine einzige "Quelle des Übels"
verantwortlich zu machen, denn die Ursachen des internationalen Wandels
liegen tiefer als die Ursachen des Wettstreits der Supermächte. Wir müssen den Wandel als Chance und als Herausforderung begreifen.

Die Demokratische Partei hat eine konstruktive und vertrauensvolle
Vorstellung von der Fähigkeit Amerikas, alle unsere wirtschaftlichen, politischen und militärischen Ressourcen einzusetzen, um unsere weitreichenden Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen in einer mannigfaltigen
und sich ändernden Welt zu verfolgen.

Wir glauben an eine verantwor-

tungsbewußte Verteidigungspolitik, die unsere nationale Sicherheit erhöhen wird.

Wir glauben an eine Außenpolitik, die unsere Verbündeten re-

spektieren, Demokratien aufbaut und die Sache der Menschenrechte fördert.
Wir glauben, daß unsere wirtschaftliche Zukunft in unserer Fähigkeit
liegt,

vor

der

Herausforderung

des

- 2 -

internationalen

wirtschaftlichen

�internationalen wirtschaftlichen Wettbewerbs zu bestehen, indem wir unsere eigenen Industrien wettbewerbsfähiger machen.

Vor allem glauben wir,

daß unsere Sicherheit das direkte, persönliche Engagement des Präsidenten
der Vereinigten Staaten erfordert, die militärische Bedrohung durch die
Sowjets einzugrenzen und die Gefahr eines Atomkrieges zu verringern.

Die demokratische Alternative; Eine sicherere Zukunft für unser Land und
die Welt
Für die Demokratische Partei gibt es kein höheres Ziel als die Gewährleistung der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten.

Das be-

deutet eine starke nationale Verteidigung, nachhaltiges Streben nach nuklearer Rüstungskontrolle und eine Außenpolitik, die sich in einer Periode des globalen Übergangs der Förderung der Interessen Amerikas und der
Kräfte der Freiheit und Demokratie verschrieben hat.

Das wird eine neue

Führung, starke Bündnisse, geschickte Diplomatie, wirksame wirtschaftliche Zusammenarbeit und eine Außenpolitik erfordern, die von der Stärke
und den Idealen Amerikas getragen wird.

Wenn unsere Führer die Unter-

stützung des amerikanischen Volkes genießen wollen, dann müssen sie auch
sorgfältig und maßvoll im Umgang mit der Macht sein.

Die Demokratische Partei hat sich einer starken nationalen Verteidigung verschrieben.

Demokraten wissen, daß eine unaufhörliche sowje-

tische Aufrüstung - weit über die Verteidigungserfordernisse hinaus - die
Sicherheit der Welt, unsere demokratischen Werte und unsere freien Institutionen direkt herausfordert. Über die Natur der sowjetischen Bedrohung
und die wesentlichen Fragen der Sicherheit unseres Landes sind sich die
Amerikaner einig. Über das gemeinsame Interesse am Überleben der Menschheit sind sich das amerikanische und das sowjetische Volk einig.

Die Aufrechterhaltung starker und wirksamer Streitkräfte ist für die
Erhaltung des Friedens und die Gewährleistung der Freiheit wesentlich.
Unsere Verbündeten und unsere Gegner dürfen niemals an unserer militärischen Stärke zweifeln, noch an unserem Willen, unsere lebenswichtigen
- 3 -

�unsere lebenswichtigen Interessen zu verteidigen.

Zu diesem Zwecke ver-

pflichten wir uns zu einer starken Verteidigung - aufgebaut im Einklang
mit unseren Verbündeten, basierend auf einer kohärenten Strategie und gestützt von einer gesunden Wirtschaft.

In einer Zeit, in der es etwa 50 000 Kernwaffen gibt, sind jedoch nukleare Rüstungskontrolle und Verringerung ebenso wesentlich für unsere
eigene Sicherheit.

Die höchste und feierliche Verpflichtung eines Präsi-

denten besteht darin, daß er oder sie verhindert, daß auch nur eine einzige Kernwaffe zum Einsatz gelangt. Die Demokraten sind der Überzeugung,
daß beiderseitige und verifizierbare Kontrollen der Kernwaffen ein ernsthafter und integraler Bestandteil der nationalen Verteidigung sein können
und sein müssen.

Echte nationale Sicherheit erfordert dringende Maßnah-

men, um das Wettrüsten einzufrieren und umzukehren - nicht das Streben
nach dem Phantom nuklearer Überlegenheit oder eitlen Plänen für einen
Krieg der Sterne.

Die Demokratische Partei ist der Überzeugung, daß die Aufgabe der
Kernwaffen darin besteht, vor einem Krieg abzuschrecken, nicht ihn zu
führen.

Die Demokraten glauben, daß Amerika die Stärke und Zähigkeit

besitzt, nukleare Rüstungskontrollabkommen auszuhandeln, die das Risiko
eines Atomkrieges verhindern und unsere militärische Sicherheit bewahren.

Wir stehen heute an einem der entscheidendsten Kreuzwege im Wettrüsten seit der Explosion der ersten Atombombe.
für die Kriegführung öffnen.

Reagan möchte die Himmel

Sein Vorschlag für den Krieg der Sterne

würde einen verwundbaren und provokativen "Schild" schaffen, der unsere
Nation in ein falsches Gefühl der Sicherheit wiegen würde.

Er würde un-

sere Verbündeten zu der Annahme führen, daß wir uns von ihrer Verteidigung zurückzögen.

Er würde das Ende des ABM-Vertrages bedeuten - des er-

folgreichsten Rüstungskontrollvertrages in der Geschichte -, und dieses
Billionen-Dollar-Programm würde ein gefährliches offensives und defensives Wettrüsten hervorrufen.

Wenn wir und unsere Verbündeten unsere Bevölkerung wirksam gegen ei- 4 -

�gegen einen Atomkrieg verteidigen könnten, dann wäre die Demokratische
Partei die erste, die sich hinter einen solchen Plan stellen würde.
Leider sind sich unsere besten Wissenschaftler darüber einig, daß ein
wirksamer Schutz der Bevölkerung wahrscheinlich unmöglich ist.

Deshalb

müssen wir uns einem Wettrüsten widersetzen, für das der Himmel keine
Grenze mehr ist.

Rüstungskontrolle und Abrüstung

Ronald Reagan ist der erste amerikanische Präsident in über 20 Jahren, der kein bedeutsames Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion
erreicht hat, und er ist der erste in über 50 Jahren, der nicht persönlich mit sowjetischen Führern zusammengetroffen ist.

Der ungerechtfer-

tigte Auszug der Sowjets aus wichtigen nuklearen Verhandlungen ist keine
Entschuldigung für das Versagen der Administration auf dem Gebiet der
Rüstungskontrolle.

Um den Dialog wieder zu eröffnen, wird ein demokratischer Präsident
ein baldiges Gipfeltreffen mit anschließenden

regelmäßigen

jährlichen

Gipfeltreffen mit den sowjetischen Führern sowie Zusammenkünften zwischen
leitenden zivilen und militärischen Regierungsvertretern vorschlagen, um
die Spannungen abzubauen und die Möglichkeiten formeller Abkommen zu sondieren.

In einer demokratischen Administration werden die Supermächte

nicht über ein Megaphon miteinander sprechen.

Eine neue demokratische Administration wird eine Strategie des Friedens verfolgen, die Rüstungskontrolle zu einem integralen Bestandteil der
nationalen Sicherheitspolitik macht.

Wir müssen die Welt wegführen vom

Abgrund der nuklearen Katastrophe und eine neue Richtung zu einem dauerhaften Frieden einschlagen, in dem niedrigere Verteidigungsausgaben möglich sein werden.

Unser letztliches Ziel muß die Abschaffung aller Kern-

waffen in einer für Frieden und Freiheit sicheren Welt sein.

Dies erfordert sofortige Schritte, um dem nuklearen Wettrüsten Ein-

�Wettrüsten Einhalt zu gebieten, mittelfristige Maßnahmen, um die Kriegsgefahr zu verringern, und langfristige Ziele, um die Welt auf einen neuen
und friedlichen Kurs zu bringen.

Der erste praktische Schritt besteht darin, am 20. Januar 1985 die
Initiative zu ergreifen und die Sowjets herauszufordern, das Wettrüsten
rasch anzuhalten.

Wie es Präsident Kennedy 1963 erfolgreich gelang,

überirdische Kernexplosionen zu stoppen, so wird ein demokratischer Präsident temporäre, verifizierbare und beiderseitige Moratorien einleiten,
die für einen festgelegten Zeitraum, in denen Verhandlungen stattfinden,
gelten sollen, solange die Sowjets das gleiche tun, und zwar für die unterirdische Erprobung von Kernwaffen und Antisatelliten-^Waffen; für die
Erprobung und Dislozierung aller Waffen im Weltraum; für die Erprobung
und Dislozierung neuer strategischer Paketen, die sich jetzt in der Entwicklung befinden; und

für die Dislozierung

nuklearer

seegestützter

Marschflugkörper.

Diese Schritte sollten sofort zu Verhandlungen über ein umfassendes,
beiderseitiges und verifizierbares Einfrieren der Erprobung, Herstellung
und Dislozierung aller Arten von Kernwaffen führen.
Auf dieser Initiative aufbauend, wird der demokratische Präsident:

- den SALT II-Vertrag ergänzen und dem Senat erneut zur Billigung und
Zustimmung (Ratifizierung) vorlegen;

- weitgehende, stabilisierende Verringerungen der nuklearen Arsenale
im Rahmen von SALT II anstreben und bis dahin die Grenzen von SALT II
einhalten und darauf beharren, daß die Sowjets das gleiche tun;

die Zusammenlegung der Verhandldungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) und der Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Rüstungen (START) vorschlagen, wenn der Präsident zu der
Überzeugung kommt, daß dies einem umfassenden Rüstungsbegrenzungsabkommen mit der Sowjetunion dienlich wäre;
-

dem

Senat

�- dem Senat sofort den Schwellen-Teststoppvertrag von 1974 und den
Vertrag über friedliche Kernexplosionen von 1976 erneut zur Billigung
und Zustimmung (Ratifizierung) vorlegen;

- einen verifizierbaren und umfassenden Vertrag über das Verbot von
Kemversuchen abschließen;

- unser Festhalten am ABM-Vertrag erneut bestätigen und die Einhaltung von amerikanischer Seite zusichern und nachdrücklich Antwort auf
Fragen der sowjetischen Einhaltung über die Ständige Konsultativkommission und andere geeignete Gremien einholen;

- aktiv einen verifizierbaren Vertrag über Antisatelliten-Waffen und
ein Verbot über Waffen im Weltraum anstreben;
- ein verifizierbares Abkommen über die Produktion von waffentauglichem Nuklearmaterial für Raketen, wie etwa Plutonium und angereichertem Uran, anstreben;

- alle nur möglichen Anstrengungen unternehmen, um die Weiterverbreitung (Proliferation) von Kernwaffen zu unterbinden;

- die Produktion der MX-Rakete und des B-1-Bombers einstellen;

- die Produktion von Nervengas verbieten und an einem verifizierbaren
Vertrag über das Verbot chemischer Waffen arbeiten;

- amerikanisch-sowjetische Zentren zur Senkung des nuklearen Risikos
und andere verbesserte Kommunikationsmittel für eine Krise einrichten;

- die bedeutsamsten Mitglieder der wissenschaftlichen Gemeinschaft
einladen, um das weltweite menschliche Leiden und die langfristigen
Umweltschäden, die in den Tagen nach einem Atomkrieg auftreten würden, zu untersuchen und zu berichten, und die Ergebnisse einer sol- 7 -

�einer solchen Studie so weit wie möglich bei der Formulierung unserer
Politik bezüglich der Kernwaffen und Rüstungskontrolle in Rechnung
stellen;

- die breite langfristige Unterstützung der Öffentlichkeit für die
Rüstungskontrolle durch eine enge Zusammenarbeit mit Gruppen aus den
Gemeinden, Bürgergruppen, Frauengruppen, Gewerkschaften, Unternehmerverbänden, Religionsgemeinschaften und Gruppen freier Berufe, einschließlich Physikern, Naturwissenschaftlern, Rechtsanwälten und Lehrern stärken;

- nationale Führung bei wirtschaftlichen Anpassungen in betroffenen
Gemeinden und Industriezweigen gewähren und für die Umschulung von
Personen sorgen, die in der Verteidigungsindustrie gearbeitet haben
und durch die Einstellung oder Kürzung von Waffenprogrammen arbeitslos geworden sind;

- in enger Konsultation mit unseren NATO-Verbündeten eine Strategie
des Friedens in Europa in die Wege leiten, einschließlich:

- der Herbeiführung einer

Ausgewogenheit der konventionellen Streit-

kräfte, um die Abhängigkeit von Kernwaffen zu verringern und es dem
Atlantischen Bündnis zu ermöglichen, bei der Einführung einer "Nichtersteinsatz"-Politik Fortschritte zu machen;

- der beiderseitigen Rücknahme von Gefechtsfeld-Kernwaffen von den
Frontlinien in Europa, um die Notwendigkeit zu vermeiden, die Wahl
treffen zu müssen, "sie einzusetzen oder sie zu verlieren", wenn
Feindseligkeiten in Europa ausbrechen sollten;

- Verhandlungen über neue Vorstellungen bezüglich einer Begrenzung
nuklearer Mittelstreckensysteme entsprechend den Ideen des "Waldspaziergangs "-Vorschlages (in Genf) und anschließender Bemühungen, der
Null-Lösung bei der Dislozierung von nuklearen Mittelstreckensystemen
(INF) der Vereinigten Staaten und der UdSSR näher zu kommen;
Verhandlungen
- 8 -

�- Verhandlungen über wesentliche beiderseitige und ausgewogene Verringerungen der konventionellen Streitkräfte der NATO und des Warschauer Paktes und über vertrauensbildende Maßnahmen zur Verringerung
der Gefahr eines Überraschungsangriffs.

Wir machen uns keine Illusionen, daß diese Rüstungskontrollvorschläge
leicht zu verwirklichen sein werden.

Die meisten werden Geduld und Aus-

dauer verlangen und vor allem eine Führung im Streben nach Frieden, Freiheit und Sicherheit. Die Sowjets sind harte Verhandlungspartner und versuchen nur zu oft, RüstungskontrollVerhandlungen für ihre eigenen Propagandazwecke zu nutzen.

In dieser Frage - Verhütung eines Atomkrieges -

muß Amerika die Führung übernehmen, und die Demokratische Partei hat die
Absicht, diese Führung zu übernehmen.

Verteidigungspolitik

Die Reagan-Administration mißt militärische Macht mit ausgegebenen
Dollar.

Die Demokratische Partei strebt eine kluge Verteidigungspolitik

an, die auf einer gesunden Planung und einer realistischen Beurteilung
der Bedrohung basiert. Auf dem Gebiet der Verteidigungspolitik wird eine
demokratische Administration:

- mit unseren Verbündeten in der NATO und anderen Verbündeten zusammenarbeiten, um unsere kollektive Sicherheit zu gewährleisten, vor
allem durch die Stärkung unserer konventionellen Verteidigung, um
damit die Notwendigkeit zu verringern, sich auf Kernwaffen zu verlassen, und dies durch erhöhte Ausgaben zu erreichen suchen, wobei die
Ausgaben weiterhin auf einem Stand gehalten werden sollen, der unserer kollektiven Sicherheit angemessen ist.

Dies erfolgt

in der

festen Hoffnung, daß erfolgreiche Schritte zum Abbau der Spannungen
und zur Erreichung von umfassenden und verifizierbaren Rüstungskontrollabkommen unserer Nation sowohl militärische Sicherheit als
auch haushaltsmäßige Erleichterungen bringen werden;

destabilisierende

�- destabilisierende und sich überschneidende Waffensysteme aufgeben,
jedoch

mit

der

notwendigen

Modernisierung

unserer

strategischen

Streitkräfte fortfahren, solange angemessene Rüstungskontrollabkommen
fehlen;

- den Bau großer, teurer und verwundbarer Nuklearflugzeugträger einschränken;

- unsere konventionellen Streitkräfte durch eine Ausgewogenheit in
der Beschaffung von neuem Gerät mit ausreichenden Mitteln für Ausbildung, Treibstoff, Munition, Wartung, Ersatzteilen und Luftbrückenund Seebrückenkapazität modernisieren, um unsere Einsatzbereitschaft
und Mobilität zu gewährleisten, sowie durch die Beschaffung von besserem Gerät für unsere Reserveeinheiten und unsere Nationalgarde;

- Das Management des Pentagon (US-Verteidigungsministerium) reorganisieren und das System des Gemeinsamen Stabes (JCS) stärken, um Rivalitäten zwischen den Teilstreitkräften zu verringern, der militärischen Führung Vorrang vor bürokratischer Geschicklichkeit zu geben,
die wirksame Umsetzung politischer Richtlinien und Entscheidungen zu
verbessern, eine bessere Planung auf mehrere Jahre auf der Basis realistischer Darstellungen der verfügbaren Mittel zu ermöglichen und
um einen Interessenkonflikt abzubauen;

- ein offenes und faires Ausschreibungssystem für die Beschaffung des
notwendigen Geräts und der notwendigen Teile sicherstellen und ein
System der wirksamen, unabhängigen Erprobung von Waffen unter Gefecht sbedingungen einrichten;

- ein Programm der militärischen Reform durchführen; unsere Streitkräfte müssen einsatzbereit sein; unsere Doktrinen müssen darauf ausgerichtet sein, unseren Gegnern geistig voraus zu sein und sie auszumanövrieren, und unsere politischen Richtlinien müssen die militärische Organisation und den Zusammenhalt in den Einheiten stärken;

unsere euro- 10 -

�- unsere europäischen Verbündeten drängen, ihre Beiträge zur NATOVerteidigung auf einen Stand der Anstrengungen zu erhöhen, der dem
unseren vergleichbar ist - eine Einstellung, die die jetzige Administration unterlaufen hat, indem sie das von ihren demokratischen
Vorgängern abgeschlossene NATO-weite Übereinkommen aufgegeben hat -,
und verbesserte transatlantische wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Koordination der Waffenbeschaffung anstreben;

- die Wichtigkeit der Geheimdienste anerkennen und den Nachdruck ihrer Aufgaben darauf legen, daß sie sich rechtzeitig Sammlung und Analyse von Informationen und Daten widmen; eine demokratische Administration wird auch auf die dringende Notwendigkeit eingehen, die Geheimdienste zu entpolitisieren und ihre professionelle Leitung wiederherzustellen ;

- sich der Wehrdienstpflicht in Friedenszeiten oder einer Registrierung zu diesem Zweck widersetzen; und

- Programme wie VISTA, Umweltschutzprogramme jugendlicher Erwachsener
und Friedenskorps auszuweiten suchen.

Diese und andere qualitativen Verbesserungen werden eine wirksame
amerikanische Stärke zu vertretbaren Kosten sicherstellen.

Mit dieser

Stärke werden wir das Vertrauen unserer Mitbürger und unserer Verbündeten
wiederherstellen; werden wir in der Lage sein, eine wirksame konventionelle Verteidigung aufzustellen, und werden wir unsere Gegner vor eine
glaubwürdige Fähigkeit zur Abschreckung vor einem Krieg stellen.

Außenpolitik

Eine demokratische Administration wird davon ausgehen, daß die größten politischen und sicherheitspolitischen Gefahren in der Entwicklungswelt aus Verhältnissen entstehen, die die Qiancen für die Sowjetunion und
ihre Stellvertreter eröffnen:

Armut, Unterdrückung und Verzweiflung.
- 11 -

�und Verzweiflung.
grenztem Wert.

Gegen Feinde wie diese ist militärische Macht von be-

Die leitenden Elemente unserer Präsenz und die Hauptih-

strumente des amerikanischen Einflusses in den Entwicklungsländern müssen
Wirtschaftshilfe, wirtschaftliche und politische Reform und die Unterstützung demokratischer Werte sein, indem unter anderem Stipendien zum
Studium

an

amerikanischen

Hochschulen

und

Universitäten

finanziert

werden...

Zu diesem

Zweck wird ein demokratischer

Präsident den Auswärtigen

Dienst stärken, die Praxis der Ernennung unqualifizierter

Personen

zu

Botschaftern beenden, die Programme unseres Bildungs- und Kulturaustausches ausbauen und in dem Streben nach Frieden die besten Köpfe unseres
Landes heranziehen.

Eine demokratische

Administration

wird

eine

Friedensakademie

ein-

richten. ..

Ein demokratischer

Präsident

wird die automatische

Militarisierung

der Außenpolitik in das Gegenteil verkehren und die Ursachen eines Konflikts prüfen, um herauszufinden, ob sie von innen oder von außen stammen
und ob sie politischer oder in erster Linie sozialer und wirtschaftlicher
Natur sind...

Ein demokratischer

Präsident

wird bereit

sein, militärische

Macht

einzusetzen, wenn lebenswichtige amerikanische Interessen bedroht sind,
vor allem im Falle eines Angriffs auf die Vereinigten Staaten oder ihre
unmittelbaren Verbündeten.

Aber er oder sie wird kein

amerikanisches

Leben aufs Spiel setzen oder sich einseitig militärisch engagieren:

- wenn unsere Ziele nicht klar sind;

- solange nicht alle angemessenen Instrumente der Diplomatie und der
nichtmilitärischen Einwirkung erschöpft sind;

- wo unsere Ziele mit unannehmbaren Kosten oder unvernünftig hohem
Einsatz militärischer Macht verbunden sind;
- 12 -

wc&gt;

die

�- wo die unterstützten lokalen Kräfte nicht an der Lösung der Ursachen des Konfliktes arbeiten;

- wo multilaterale oder alliierte Optionen zur Lösung des Konflikts
zur Verfügung stehen...

Europa und das Atlantische Bündnis;

Die amerikanische Führung ist

nicht dabei, gegen unsere Freunde einzustehen.
und für sie einzustehen.

Sie ist dabei mit ihnen

Wenn wir Verbündete haben wollen, dann müssen

wir wie ein Verbündeter handeln.

Die Aufrechterhaltung eines starken Bündnisses ist von entscheidender
Bedeutung.

Wir bleiben absolut der Verteidigung Europas verpflichtet,

und wir werden darauf hinarbeiten, daß unsere Verbündeten ihren fairen
Anteil an der Last der gemeinsamen Verteidigung tragen.

Eine demokra-

tische Administration wird sich umgekehrt zu verstärkter Konsultation in
Sicherheitsfragen verpflichten. Wir müssen daran arbeiten, die Einigkeit
des Westens aufrechtzuerhalten und zu stärken.

Wir müssen die nächste Generation von

Europäern überzeugen, daß Ame-

rika seine Macht verantwortungsbewußt in Bartnerschaft mit ihr einsetzen
wird. Wir Demokraten bekräftigen, daß die Sicherheit des Westens unteilbar ist. Wir haben ein vitales Interesse an der Sicherheit unserer Verbündeten in Europa.

Und es muß immer klar bleiben, daß ein Angriff auf

sie das gleiche ist wie ein Angriff auf uns - vom Vertrag und von der
Wirklichkeit her.

Ein starkes westliches Bündnis setzt offene Diskussionen unter Freunden über Fragen voraus, die uns von Zeit zu Zeit entzweien.

So müssen

wir beispielsweise in sinnvolle Verhandlungen mit der Europäischen Gemeinschaft eintreten, um deren ExportSubventionen für landwirtschaftliche
Erzeugnisse abzubauen, die in unfairer Weise die Wettbewerbsfähigkeit
amerikanischer Agrarerzeugnisse auf Märkten von Drittländern bedrohen...

Amerikanisch- 13 -

�Amerikanisch-sowjetische Beziehungen;

Die Beziehungen der Vereinig-

ten Staaten zur Sowjetunion sind ein entscheidendes Element unserer Sicherheitspolitik.

Alle Amerikaner erkennen die Bedrohung, die die Sow-

jetunion für den Weltfrieden darstellt. Die UdSSR ist der einzige Gegner
mit der Fähigkeit, die Vereinigten Staaten zu zerstören.

Darüber hinaus

sind die Amerikaner ganz allgemein über das gefährliche internationale
Verhalten der sowjetischen Führung und die totalitäre Natur des sowjetischen Regimes besorgt.

In den letzten Jahren haben die Sowjetunion und ihre Verbündeten eine
aggressivere Rolle in Ländern in der ganzen Welt gespielt.

Gleichzeitig

übersteigt das sowjetische nukleare und konventionelle Arsenal alle Erfordernisse der Verteidigung.

Und doch erkennen wir auch, daß die Sowjets ein gemeinsames Interesse
am Überleben haben.

Auch sie haben keine Verteidigung gegen einen Atom-

krieg. Unsere Sicherheit und ihre Sicherheit kann nur durch

Verhandlun-

gen und Kooperation gestärkt werden.

Um eine Politik zu gestalten, die sowohl fest als auch klug ist, müssen wir zunächst Vertrauen in uns selbst haben und dürfen niemals den
Ausgang eines Wettbewerbs unserer beiden Systeme fürchten.

Wir müssen

die Sowjetunion so sehen, wie sie ist - weder die Bedrohungen, die die
sowjetische Macht und Politik für die amerikanischen Interessen darstellen, verkleinern, noch die Stärke eines sowjetischen Regimes überschätzen, das von wirtschaftlicher Stagnation heimgesucht und von einer bankrotten und sterilen Ideologie beherrscht wird.

Wir müssen gemeinsam mit

unseren Verbündeten und Freunden eine wirksame Abschreckung gegen die
sowjetische Macht aufrechterhalten.

Wir müssen eine klare, konsequente

und feste Politik des friedlichen Wettbewerbs gegenüber der Sowjetunion
betreiben - eine stetige und pragmatische Einstellung an den Tag legen,
die weder sowjetische Aggression und Repression toleriert, noch die
sowjetische Paranoia anheizt.

Die Demokratische Partei verurteilt die Verfolgung von Dissidenten
- 14 -

�von Dissidenten und Verweigerern in der Sowjetunion, die den Nobelpreisträger Andrei Sacharow und seine Frau Jelena Bonner im inneren Exil in
Gorki an den Rand des Todes gebracht hat.

Wir werden nicht schweigen,

wenn sowjetische Maßnahmen wie die Inhaftierung von

Anatol Schtscha-

ranski und Ida Nudel und Tausende andere die grundsätzlich repressive und
antisemitische Natur des sowjetischen Regimes aufzeigen...

Osteuropa;

Wir müssen auf die Erwartungen und Hoffnungen der Völker

in Osteuropa reagieren und, wo immer möglich, die Kräfte des Wandels und
des Pluralismus ermutigen, die die Freiheit dieser Völker von der sowjetischen Tyrannei und der kommunistischen Diktatur vergrößern werden. Wir
sollten die osteuropäischen Länder ermutigen, eine unabhängige Außenpolitik zu verfolgen und eine größere Liberalisierung in innenpolitischen Angelegenheiten zu erlauben, und wir sollten unabhängige Beziehungen anstreben, um diese Ziele mit ihnen zu fördern...

Der Nahe und Mittlere Osten:

Die Demokratische Partei ist der Über-

zeugung, daß die Sicherheit Israels und das Streben nach Frieden im Nahen
und Mittleren Osten zu den fundamentalen Prioritäten der amerikanischen
Außenpolitik gehören.

Israel ist und bleibt mehr, als ein vertrauter

Freund, ein stetiger Verbündeter und eine Schwesterdemokratie. Israel ist
für die Vereinigten Staaten strategisch wichtig, und wir müssen in eine
bedeutsame strategische Zusammenarbeit eintreten.

Die Vereinigten Stataen und unsere Verbündeten haben lebenswichtige
Interessen im Persischen Golf. Wir müssen bereit sein, mit unseren Verbündeten in der Verteidigung dieser Interessen zusammenzuarbeiten.

Wir

sollten zu unserer historischen Unterstützung des Prinzips der Freiheit
der Meere stehen. Gleichzeitig sollten wir und unsere Verbündeten aktive
Diplomatie betreiben, um zur frühestmöglichen Beendigung des iranischirakischen Konflikts beizutragen.

Die westliche Hemisphäre;

Die westliche Hemisphäre liegt im argen.

Es ist höchste Zeit, dieser Hemisphäre Priorität einzuräumen. Wir müssen
Beziehungen entwickeln, die auf gegenseitige Achtung und gegenseitigem
- 15 -

�und gegenseitigem Wohl beruhen.

Über wesentliche

Sicherheitsanliegen

hinausgehend, müssen diese Beziehungen den Nachdruck

auf Diplomatie,

wirtschaftliche Entwicklung und Achtung der Menschenrechte legen.

Vor

allem müssen wir die Demokratie unterstützen...

Die Nationen der Hemisphäre müssen gemeinsam nach akzeptablen Lösungen streben, wobei Urteil und Maßnahmen auf Kriterien basieren müssen,
die auf alle angewandt werden.

Wir müssen Verletzungen der Menschen-

rechte, Aggression und Vorenthaltung der Grundfreiheiten verurteilen, wo
immer sie auftreten...

Die strategische Bedeutung Mittelamerikas steht außer Frage ebenso
wie die Tatsache, daß die Sowjetunion, Kuba und Nicaragua die Instabilität gefördert und die Revolution in der Region unterstützt haben.

Was

der Präsident jedoch außer acht läßt, sind die einheimischen Ursachen der
Unruhe.

Mittelamerika ist in seiner Geschichte mit verbreitetem Hunger

und verbreiteter Krankheit behaftet gewesen.

Und das historische Muster

des konzentrierten Reichtums hat wenig dazu beigetragen, stabile demokratische Gesellschaften hervorzubringen...

Amerika muß eine neue Einstellung finden.

Nur allzu oft denken die

Vereinigten Staaten in dem Sinne, was sie für die Länder Lateinamerikas
und der Karibik tun könnten.

Sie denken selten in dem Sinne, was sie

zusammen mit diesen Ländern tun könnten. Selbst bei besten Absichten ist
das mehr als nur ein Unterschied in Worten, denn Patemalismus läßt sich
niemals verbergen und wird immer abgelehnt - ob man ihn mit dem Etikett
einer "besonderen Beziehung" oder mit dem Etikett "Verteidigungsschild"
versieht...

Afrika;

Die Demokratische Partei wird für eine Reihe kühner neuer

Initiativen für die Länder der Dritten Welt im allgemeinen und Afrika im
besonderen eintreten.

Hunger, Dürre und Unterernährung haben für Mil-

lionen von Menschen in Afrika unermeßliches Leid gebracht. Dieses menschliche Elend - und die Armeen der Heimatlosen - erfordern eine Politik der
wesentlichen Erhöhung der humanitären Hilfe, einen starken Anstoß des

- 16 -

�Anstoß des landwirtschaftlichen Technologietransfers und eine Einstellung
der unglücklichen Tendenz, solche Hilfe zum Faustpfand der Ost-West-Konfrontation oder anderer geopolitischer Ziele zu machen.

Die Vereinigten

Staaten müssen auch wesentlich mehr Wirtschaftshilfe gewähren...

Ein de-

mokratischer Präsident wird zusammen mit unseren Freunden innerhalb und
außerhalb des Kontinents für die volle Achtung der Souveränität und territorialen Integrität aller afrikanischen Staaten eintreten...

Ein demokratischer Präsident wird die verfehlte Politik des "konstruktiven

Engagements" der

Reagan-Administration

nachdrücklich und eindeutig dem Apartheid-Regime

umkehren

und

sich

in Südafrika wider-

setzen. ..

Asien;

Unser Verhältnis zu den Ländern Asiens und des Pazifischen

Beckens wird weiterhin zunehmende Bedeutung gewinnen.

Die politischen,

kulturellen, wirtschaftlichen und strategischen Bindungen der Vereinigten
Staaten mit dieser Region dürfen nicht außer acht gelassen werden.

Mit unseren asiatischen Freunden und Verbündeten verbindet uns die
gemeinsame Sache der Erhaltung der Sicherheit und der Förderung der Demokratie in der Region.

Mit unseren asiatischen Handelspartnern verbindet uns ein gemeinsames
Interesse an der Ausweitung des Handels und eines fairen Handels untereinander, wie sich aus der Tatsache ergibt, daß 33 Prozent des amerikanischen Gesamthandels heute mit diesen Ländern abgewickelt wird.
Und mit der wachsenden Zahl von Amerikanern asiatischer und pazifischer Abkunft begrüßen wir die Stärke und Lebenskraft, die verstärkte
kulturelle Beziehungen unserem Lande bringen.

Unsere Beziehung zu Japan ist ein Schlüssel zur Aufrechterhaltung von
Frieden, Sicherheit und Entwicklung in
gion.

Asien und in der pazifischen Re-

Gegenseitige Achtung, verstärkte Zusammenarbeit und ruhige Diplo-

matie müssen unseren Umgang mit Japan bestimmen. Gleichzeitig müssen wir
- 17 -

�müssen wir als Verbündete und Freunde an der Lösung von unterschiedlichen
Auffassungen arbeiten.

Ein demokratischer Präsident wird daher auf einen

verstärkten Zugang zu japanischen wie auch anderen asiatischen Märkten
für amerikanische Firmen und Produkte drängen.

Und schließlich wird ein

demokratischer Präsident von Japan erwarten, daß es sich weiterhin bemüht, seinen fairen Anteil an der Last der kollektiven Sicherheit zu
übernehmen - in der Selbstverteidigung wie in der Auslandshilfe und demokratischer Entwicklung.

Unsere Sicherheit in der pazifischen Region ist auch eng mit dem
Wohlergehen unserer alten Verbündeten Australien und Neuseeland verknüpft.

Ein demokratischer Präsident wird unsere Sicherheitsverpflich-

tungen im Rahmen des ANZUS-Paktes wie auch gegenüber anderen Freunden in
Südostasien achten und stärken.

Auch unsere Beziehungen zur Volksrepublik China müssen genährt und
gestärkt werden. Die Demokratische Partei ist der Überzeugung, daß unsere Entwicklungsbeziehungen zur Volksrepublik China eine historische Chance bieten, ein Viertel der Menschheit in die Gemeinschaft der

Völker zu

führen, ein Gegengewicht zum sowjetischen Expansionismus zu stärken und
wirtschaftliche Beziehungen zu fördern, die ein großes Potential zum beiderseitigen Vorteil bieten.

Gleichzeitig erkennen wir unsere histori-

schen Bindungen zur Bevölkerung von Taiwan an, und wir werden weiterhin
unsere Verpflichtungen ihr gegenüber einhalten, wie es im Gesetz über die
Beziehungen zu Taiwan niedergelegt ist...

Wir müssen uns weiterhin der sowjetischen Aggression in Afghanistan
widersetzen. Wir sollen die Anstrengungen der afghanischen Freiheitskämpfer materiell unterstützen.

Weltweite Verschuldung und Entwicklung

Die Demokratische Partei wird eine Politik der wirtschaftlichen Entwicklung, der Hilfe und des Handels verfolgen, die den Ansprüchen der
- 18 -

�Ansprüchen der Völker der Entwicklungswelt entgegenkommt und die unseren
eigenen nationalen Interessen dient. Der nächste demokratische Präsident
wird eine Entwicklungspolitik unterstützen, die die Grundansprüche der
Armen auf Nahrung, Wasser, Energie, medizinische Versorgung und Unterkunft erfüllt, statt einer Gießkannenpolitik, die niemals jene ganz unten
erreicht.

Die nächste demokratische Administration wird mit ihrer Aus-

landshilfe Ländern mit demokratischen Institutionen und Achtung vor den
Menschenrechten den Vorzug geben.

Ein demokratischer Präsident wird eine Senkung des amerikanischen Rekorddefizits und der Rekordzinsen nicht nur um unseres eigenen wirtschaftlichen Wohlergehens willen anstreben, sondern auch um die Wirtschaftskrise zu mildern, vor der so viele Industriestaaten wie Entwicklungsländer stehen...

Die soziale und politische Stabilität dieser Entwicklungsländer wird
durch die Schuldenkrise ernsthaft'bedroht.

Angesichts der Interdependenz

der internationalen Wirtschaft bedroht die Krise auch die Grundlagen des
internationalen Finanzsystems selbst.

Um diesen Gefahren zu begegnen,

wird die demokratische Administration:

- sofortige Verhandlungen über die Verbesserung des Funktionierens
der internationalen Währungssysteme und über die Entwicklung eines
umassenden langfristigen Planes zur Lösung des internationalen Schuldenproblems fordern;

- das Finanzministerium anweisen, zusammen mit der amerikanischen
Bundesbank, amerikanischen BarikaufSichtsbehörden, wichtigen Privatbanken und den Finanzministern und Zentralbankpräsidenten Europas und
Japans ein kurzfristiges Programm zum Abbau der Schuldenbedienungsverpflichtungen der weniger entwickelten Länder auszuarbeiten, wobei
1. die Sicherheit und Gesundheit des internationalen Bankensystems
erhalten und 2. gewährleistet werden muß, daß die Kosten für das Programm gerecht unter allen Partnern der bestehenden und umgeschuldeten
Schulden aufgeteilt werden;
eine
- 19 -

Erhöhung

�- eine Erhöhung der Kreditvergabekapazität der Weltbank wie auch eine
Erhöhung der Kreditvergabekapazität der amerikanischen Export-ImportBank empfehlen, um zu gewährleisten, daß die Schuldnerländer ausreichendes Kapital für Investitionen in Exportindustrien erhalten;

- internationale Handelsschranken überprüfen, die die Fähigkeit dieser Länder einschränken, Devisen zu verdienen.

Sicherheitsunterstützung

kann

unter

geeigneten

Itaständen

unseren

Freunden helfen, legitime Verteidigungserfordernisse zu erfüllen.

Aber

eine Verlagerung des Schwerpunktes von Wirtschaftshilfe auf militärische
Verkäufe, wie dies in den letzten dreieinhalb Jahren der Fall war, bringt
einen Rückschritt für die Sache des Friedens und der Gerechtigkeit, heizt
regionales Wettrüsten an und gibt moderne Waffen in die Hände jener, die
sie eines Tages gegen uns und unsere Freunde und Verbündeten richten
könnten.

Die Demokratische Partei strebt heute, wie in der Vergangen-

heit, wirksame internationale Abkommen zur Begrenzung und Verringerung
des Transfers konventioneller Waffen an...

Menschenrechte und demokratische Solidarität

Ein demokratischer Präsident wird eine Außenpolitik betreiben, die
die bürgerlichen und politischen Grundsätze schützt - Redefreiheit, Versammlungsfreiheit, Freiheit des Denkens, Religionsfreiheit, Recht der
Freizügigkeit, Integrität der Person und Verbot der Folter, der willkürlichen Inhaftierung und grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung - und die gleichzeitig versucht, wirtschaftliche, soziale und
kulturelle Grundrechte zu erreichen.

Das Anliegen eines demokratischen

Präsidenten muß sich von dem russischen GULAG bis zu den Gefängnissen
lateinamerikanischer Generäle erstrecken.

Die Verbannung südafrikani-

scher Schwarzer ist ebenso unannehmbar wie das Mundtotmachen kubanischer
Dichter.

Ein demokratischer Präsident wird die amerikanische Unterstüt-

zung für Diktatoren in der ganzen Welt, von Haiti bis zu den Philippinen,

- 20 -

�den Philippinen beenden.

Er oder sie werden die Einhaltung der Grund-

rechte des Menschen, wie sie in der Allgemeinen Menschenrechtserklärung
und der Schlußakte von Helsinki niedergelegt sind, unterstützen und verteidigen.

Er oder sie werden durch stille Diplomatie und öffentliche

Maßnahmen die Freilassung von politischen Gefangenen und die freie Auswanderung verfolgter Personen und Völker auf der ganzen Welt anstreben.
Er oder sie werden die amerikanische Ratifizierung der Konvention über
Völkermord, der internationalen Menschenrechtsverträge und der amerikanischen Menschenrechtskonvention wie auch die Einsetzung eines UN-Hochkommissars für Menschenrechte anstreben.

Er oder sie werden den Geist

und den Buchstaben unserer Gesetze einhalten, die Militär- und Wirtschaftshilfe an Regierungen verbieten, die die Menschenrechte verletzen.

Die Demokratische Partei ist der Überzeugung, daß die Außenpolitik
der Vereinigten Staaten - ob als Antwort auf Total itarismus in der Sowjetunion oder auf Unterdrückung

in Lateinamerika oder Ostasien, auf

Apartheid in Südafrika oder auf Kriegsrecht in Polen, auf Terrorismus in
Libyen oder Terrorherrschaft im Iran oder auf barbarische Aggression in
Südostasien und Afghanistan - unmißverständlich auf der Seite jener sein
muß, die die Freiheit lieben.

Als Demokraten und als Amerikaner werden wir die Unterstützung der
Demokratie, der Menschenrechte und der wirtschaftlichen und sozialen Gerechtigkeit zum Eckstein unserer Politik machen.
tionärsten Ideen auf unserem Planeten.

- 21 -

Dies sind die revolu-

�31

1. August 1984

DIE KOMJNISTISCHE BEDECKUNG DER FREIHEIT IN LATEINAMERIKA
- Von Max Kampelman -

- (AD) - Botschafter Max Kampelman
leitete die amerikanische Delegation
auf dem zweiten Folgetreffen der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Madrid;
diese Folgekonferenz von 1980-83 diente
der Überprüfung der Schlußakte von
Helsinki aus dem Jahr 1975.

Von 1960 bis Mitte der siebziger Jahre ermutigte die Sowjetunion die
ertlichen kommunistischen Parteien, sich in den jeweiligen Ländern breite
gefächerten Wahlbündnissen anzuschließen.

Dazu gehörten auch Bemühungen

um die Entwicklung enger Beziehungen zu etablierten militärischen Kräften
in Lateinamerika, da die sowjetischen Parteitheoretiker damals der Ansicht waren, daß das Militär die einzige stabile Institution in einem

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�in einem sonst oftmals chaotischen politischen Umfeld sei. Diese Bemühungen schlugen jedoch fehl, und das Kuba Castros fand sich plötzlich in
zunehmendem Maße ebenfalls in einer isolierten Situation.

Mitte der siebziger Jahre wurde das Vorgehen deutlich: Moskau finanzierte und unterstützte über Kuba und seine osteuropäischen Satelliten
örtliche Terroristengruppen.

Kuba wurde bei dieser Aggression als vor-

geschobener Stützpunkt benutzt, wobei man auf ein aktives Programm der
Guerilla-Ausbildung, des Waffenschmuggels, des Drogenhandels, der direkten militärischen Präsenz und verdeckter Geheimdienstaktivität zurückgriff.

Die wirtschaftlichen,

sozialen und politischen Verzerrungen ver-

schlimmerten sich aufgrund dieser Aggression, der gleichzeitig steigenden
Energiekosten und der bekannten strukturellen Probleme, was dann zu einer
sich ständig verschlimmernden Krise in der Region führte. Das wirtschaftliche Wachstum kam zum Erliegen, die großen Handelsdefizite traten immer
stärker zu Tage, die Arbeitslosigkeit wuchs, die Inflationsraten schnellten in die Höhe, Kapital- und Geschäftsinvestitionen wurden angesichts
der Unruhen immer geringer und die sozialen Probleme nahmen zu. Dies alles fiel mit einem wohldurchdachten Programm militärischer Aktivitäten
der Sowjetunion zusammen, die gegen die Randgebiete der Entwicklungswelt
gerichtet waren.

In einem Artikel von General Schawrow, dem Leiter der sowjetischen
Generalstabsakademie wurde 1975 eine solche Aktivität angekündigt.

Eine

militärische Unterstützung seitens der Sowjetunion bei örtlichen kriegerischen Auseinandersetzungen, so hieß es dort, sei für die sowjetischen
Interessen von entscheidender Bedeutung.

Der Aufbau einer sowjetischen

Hochseeflotte und eine immer größer werdende Luftbrückenkapazität Moskaus, so schrieb der General, erlaube es der Sowjetunion, in regionalen
Konflikten eine wesentliche Rolle zu spielen.

Kuba wurde ein integraler Teil der strategischen Planung Moskaus. Man
erlebte, wie eine gegnerische Flotte in die Karibik eindrang.

Der Bau

�Der Bau einer Dockanlage für Atomunterseeboote im Süden der Insel bot
die Möglichkeit für die Wartung solcher Unterseeboote, die damit vor
den Küsten der Vereinigten Staaten operieren können, und zwar mit einer
Reichweite, die sich über die Hälfte des Landes erstreckt.

Die gesamte Wirtschaft Kubas beruht heute auf der Energieversorgung
seitens der Sowjetunion zu subventionierten Preisen.

Der Zuckerexport

Kubas geht zum größten Teil in die Länder des Ostblocks - ebenfalls zu
subventionierten Preisen.

So besteht heute eine totale wirtschaftliche

wie auch militärische Abhängigkeit Kubas.

Kuba, das einmal von den sowjetischen Theoretikern als "Bruderstaat",
dann als Mitglied des "sozialistischen Systems der Welt" gesehen wurde,
wird heute als eines der Mitglieder der "sozialistischen Gemeinschaft"
geführt. Mit dieser Bezeichnung wird die Insel in den Schutz der destabilisierenden Breschnew-Doktrin gerückt.

In jedem Jahr erreichen Zehn-

tausende von Tonnen militärischer Güter Kuba.

Die militärischen Anlagen

auf Kuba sowie die Mannschaftsstärke seiner Streitkräfte sind heute größer als die aller anderen karibischen Länder zusammengenommen.

Kuba verfügt heute über genügend Land-, See- und Luftstreitkräfte, um
innerhalb von 24 Stunden in jedes Gebiet der Karibik vordringen zu können.

Es besitzt eine bedeutende Anzahl von großen Raketen, die mit nu-

klearen Gefechtsköpfen ausgerüstet werden können.

Die von der Sowjet-

union gelieferten Flugzeuge vom

Typ MIG-27 können konventionelle wie

auch nukleare Nutzlasten tragen.

Auf den Flugplätzen der Insel können

jetzt schwere sowjetische Interkontinentalbomber landen.

Mit seiner von der Sowjetunion gestützten enormen Militärmacht ist
die Insel ganz offen zu einer Basis für die Unterstützung terroristischer
Bewegungen in Mittelamerika und der Karibik geworden.

Terroristische

Gruppen aus nahezu jedem Land des Karibischen Beckens und anderen Teilen
der Welt, einschließlich der baskischen ETA, wurden und werden auf Kuba
sowie in Osteuropa ausgebildet.

Die

Sandinisten

�Die Sandinisten haben bereits 1979 ihren "revolutionären Internationalismus" sowie ihre Identifizierung mit sowjetischen Zielen proklamiert
-

zu einem Zeitpunkt also, als die Vereinigten Staaten Nicaragua be-

trächtliche Wirtschaftshilfe gewährten.

Der Aufbau einer sandinistischen

Militärmaschine, die allen anderen Ländern in der Region zusammengenommen
weitaus überlegen ist, begann, bevor irgendeine bedeutsame innere Opposition vorhanden war, ja, während viele der Männer, die heute eine aktive
Opposition betreiben, noch hohe Regierungsämter besetzt hielten.

Im Juni 1980 begannen die Sandinisten mit ihrer aktiven Einmischung
in die inneren Angelegenheiten El Salvadors, indem sie die salvadorianischen Guerilleros aufforderten, ihr Hauptquartier in Nicaragua zu errichten.

Über eine massive Luftbrücke wurden Waffen und Nachschubgüter

geliefert. Die Sabotageanschläge wurden immer intensiver.

Die Bemühungen El Salvadors, eine echte, auf Wahlen beruhende Demokratie als wichtigen ersten Schritt zur Erreichung einer gewissen wirtschaftlichen Stabilität und sozialen Gerechtigkeit zu schaffen, führten
zu heftiger Einmischung der von den Sandinisten unterstützten Terroristen.

Um die Wahlen zu stören, wurden Straßen vermint, Bomben gezün-

det, Menschen bedroht, die Stromversorgung unterbrochen - das alles, um
freie Wahlen unmöglich und den terroristischen Aufstand erfolgreich zu
DBChflQ«

El Salvador war nicht das einzige Opfer der sandinistischen Aggression.

Anfang 1981 fingen die Sandinisten damit an, die vertraglichen

Rechte Costa Ricas zu verletzen und die Handelsschiffe dieses Landes zu
behindern.

Diese Einschüchterungsversuche gingen weiter, wobei man sich

vor Augen halten muß, daß Costa Rica, das eine gemeinsame Grenze von 180
Meilen mit Nicaragua hat, über keine Streitkräfte verfügt.

Vor etwa zwei Jahren drangen die Sandinisten in Honduras ein - ein
erster Schritt, um die dortige Regierung zu untergraben.
jaahr als 200 Grenzzwischenfälle gegeben.

Seither hat es

Sandinistische Truppen haben

internationale Grenzzeichen zwischen Nicaragua und Honduras entfernt und

�entfernt und dann diese Landstreifen besetzt.

Das sind die Tatsachen.

Es ist also nicht verwunderlich, daß es in

der Moskauer Publikation "Neue Zeiten" am 19. August vorigen Jahres prahlend hieß, die Sandinisten hätten den Vereinigten Staaten "im Rücken" eine "strategische" Niederlage beigebracht. Wen wundert es dann noch, daß
der ideologische Status Nicaraguas in der sowjetischen Literatur der einer "Volksdemokratie" ist - ein Etikett, das unmittelbar nach dem Krieg
nur den Regimen in Osteuropa verliehen wurde.

Es ist auch nicht verwun-

derlich, daß ein sowjetischer Wissenschaftler kürzlich schrieb, Nicaragua
sei "der Beginn eines neuen Abschnittes im Kampf um den gesamten Kontinent."

Und es wundert somit auch niemanden, wenn es in autorisierten

sowjetischen Artikeln - so in der Iswestija am 6. Januar 1984 - ganz
deutlich heißt, daß die nächsten Ziele Guatemala, Honduras und Costa Rica
seien.

Es ist allerdings für viele in unserem Lande verwunderlich, daß zahlreiche Menschen guten Willens, die zutiefst an die demokratischen Werte
glauben, die ernsthafte Bedrohung dieser Werte gerne ignorieren oder als
unbedeutend hinstellen möchten - eine Bedrohung, die, wäre sie erfolgreich, für Millionen von Menschen den Verlust von Freiheit und Menschenwürde nach sich zöge.

Viele Leute sind der Ansicht, die Vereinigten Staaten sollten nicht
so sehr den kommunistischen Einfluß herausstellen, sondern vielmehr auf
die örtlichen sozialen und wirtschaftlichen Faktoren blicken, die der Reform bedürfen, anstatt militärischer Lösungen.

Wir sind uns völlig darüber im klaren, daß die politischen Unruhen in
Mittelamerika auf tiefverwurzelten sozialen und wirtschaftlichen Problemen beruhen. Wir wissen, daß dort, wo es Hunger, unzureichende Wohnverhältnisse und Analphabetentum gibt, keine Stabilität herrschen kann.

All

das ist richtig, und wir bemühen uns naclidrücklich, auf diese Erfordernisse einzugehen.

Wir wissen aber auch, daß die Kommunisten...

die Un-

gerechtigkeit und Armut für ihre Zwecke auszuschlachten suchen, zwar nur
- 5 -

�zwar nur eine kleine Gruppe darstellen, dieser Nachteil für sie voll und
ganz ausgeglichen wird durch die Waffen-, Finanz- und andere praktische
Hilfe, die sie von ihren sowjetischen Hintermännern erhalten.

Wir alle stimmen mit der Vorstellung überein, daß militärische Lösungen nicht die besten sind und mit allem Nachdruck vermieden werden sollten. Deshalb setzen wir uns so nachhaltig für Verhandlungen ein und bieten unsere Mitarbeit im Rahmen des CQNTADORA-Prozesses an. Aber wir würden doch die Augen vor unserer Verantwortung verschließen, wenn wir nicht
einräumen würden, daß militärische Lösungen angesichts der militärischen
Aggression und des bewaffneten Terrorismus manchmal die einzig möglichen
Lösungen sind.

Amerika hat sowohl Castro als auch die Sandinisten unterstützt, als
sie die Macht übernahmen. Unsere Regierung gewährte diese Unterstützung,
weil wir uns der sozialen und wirtschaftlichen Mißstände bewußt waren,
die dort herrschten.

Wir waren uns ebenfalls unserer eigenen histori-

schen Fehler bewußt, die zu diesen Problemen beitrugen.

Wir wollten

glauben, daß die Worte von Demokratie echt waren, die von diesen neuen
revolutionären Kräften geäußert wurden.
handelten wir entsprechend.

Weil wir dies glauben wollten,

Wir begingen den Fehler, die Hinweise zu

ignorieren, daß diese "revolutionären Kräfte" sich in erster Linie auf
den komraunisstischen Totalitarismus statt auf Freiheit und

emokratie

festgelegt hatten.

In dem echten Bestreben, die Demokratie in Nicaragua zu fördern und
zu stärken, unterstützten wir die Bemühungen, Somoza su stürzen.
halfen bei den Verhandlungen über seine Abreise mit.

Wir

Wir setzten uns

für die Resolution der Organisation Amerikanischer Staaten (QAS) ein, die
seine Amtsenthebung forderte.

In der ersten

Woche der Machtübernahme

durch die Sandinisten stellten wir 25 Millionen Dollar an Nahrungsmittelhilfe und medizinischer Unterstützung zur Verfügung.

Wir gewährten wei-

tere 115 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe. Wir befürworteten nicaraguanische Anleihen bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank.

Während

der ersten beiden Jahre der sandinistischen Kontrolle gewährten wir dem

�wir dem neuen Regime mehr Wirtschaftshilfe, als die Somoza-Regierung in
den 20 Jahren davor erhalten hatte.

In El Salvador unterstützten die Vereinigten Staaten die Bestrebungen, die die dortige Militärdiktatur im Oktober 1979 zur Aufgabe zwangen
und die Christdemokraten an die Macht kommen ließen.

Wir förderten die

Landreformen, die durch Spezialisten des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO entworfen wurden. Wir haben in der Folgezeit den Prozeß der demokratischen Entwicklung in diesem Land ermutigt und unterstützt, so daß die Kräfte der Demokratie dort einen gewissen Spielraum
haben.

Die Bevölkerung in El Salvador ging an die Wahlurnen und lehnte

den Terrorismus ab. Um ihre Stimme für die Demokratie abzugeben, gingen die Menschen meilenweit zu den Wahllokalen und standen stundenlang an
trotz aller Drohungen und Schießereien.
Wir halten es nicht für moralisch, kleine Länder und hilflose Menschen gegenüber Terroristen im Stich zu lassen, die von Kommunisten oder
irgendeiner anderen diktatorischen Gruppe ausgebildet werden.

Wir sehen

in der Darstellung der sowjetischen Militärmacht in der westlichen Hemisphäre eine Bedrohung unserer Sicherheit und unserer Werte.

Der Grund-

satz, der die Politik unseres Landes geleitet hat und weiterhin leiten
wird, ist, daß wir immer dort Hilfe gewähren werden, wo diese Hilfe effektiv sein kann und die nach Freiheit strebenden Menschen befähigt, in
Freiheit zu leben. Wir sind uns darüber im klaren, daß weder Demokratie
noch Menschenrechte Produkte "Made in America" sind, die einfach ins Ausland exportiert werden können. Doch dies schließt nicht aus, daß wir uns
mit diesen Rechten aktiv identifizieren und uns mit jenen assoziieren,
die diese Rechte gegenüber allen Angriffen verteidigen wollen.

Wir sind

davon überzeugt, daß der Widerstand gegen militärische Aggression unverzichtbar ist für die Bewahrung unserer Werte der Menschenwürde und für
die Verwirklichung unseres Zieles einer demokratischeren, gerechteren und
stabileren Hemisphäre.

Es ist gelegentlich enttäuschend, wenn Freunde, die es eigentlich
besser wissen müßten, anscheinend mehr Sympathie für jene haben, die den

�die den Frieden, die Unabhängigkeit und die Freiheit ihrer Nachbarn bedrohen, als für die Nachbarn selbst. Es scheint manchmal mehr "Verständnis" für die Anwesenheit von vielen tausend Militärberatern aus Kuba und
dem Ostblock in Nicaragua zu bestehen als für die etwa 37 amerikanischen
Militärberater in El Salvador. Es hat für viele von uns zuweilen den Anschein, als ob einige unserer Freunde geneigt sind, den Mindesteinsatz
begrenzter Macht seitens der USA zur Verteidigung der Selbstbestimmung
der dort lebenden Menschen übertrieben darzustellen und den systematischen Einsatz brutaler Macht zur Unterjochung hilfloser Völker der Dritten Welt durch den Sowjetblock herunterzuspielen.

Eine solche unbegreifliche, kurzsichtige Entstellung der Realität
kann für alle von uns gefährlich sein. Was die Sicherheit in der Karibik
und in Mittelamerika anbetrifft, so steht für uns alle viel auf dem
Spiel.

Die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten sind sich über die

strategische Bedeutung dieser Region im klaren.

Es ist an der Zeit, daß

unsere Freunde in Europa und anderswo in der Welt diese Bedeutung für uns
- ihrem Freund und ihrer Schwesterdemokratie - und für sich selbst richtig einschätzen.

Der größte Teil des Erdöls und anderer wichtiger strategischer Materialien, die die Vereinigten Staaten in einem Ernstfall nach Europa verschiffen würden, geht über die karibischen Seewege.

Andererseits machen

die Sowjets kein Geheimnis daraus, daß es ihr Ziel ist, die Vereinigten
Staaten durch militärische und politische Verpflichtungen so an die westliche Hemisphäre zu binden, daß es schwerer für uns ist, auf Ernstfälle
in Europa, Asien oder anderswo zu reagieren.

Es ist an der Zeit, daß die Demokratien in aller Welt moralische und
politische Festigkeit und Entschlossenheit zeigen. Wir, die wir uns mit
Demokratie und menschlicher Freiheit identifiziert haben, haben eine Verantwortung gegenüber der Geschichte und gegenüber zukünftigen Generationen.
* * * * *

- 8-

�31

1 .August 1984

Bericht über die Lage in El Salvador
-Zusammenfassung-

Washington (AD) Ein Bericht des amerikanischen Außenministeriums zur
Vorlage beim Kongreß, der am 13. Juli 1984 den Medien zugänglich gemacht
wurde, "hat die Absicht, dem Kongreß und der amerikanischen Öffentlichkeit eine umfassende Beurteilung der Situation in El Salvador zur Verfügung zu stellen."

Die zusammenfassende Darstellung des Berichtes hat folgenden Wortlaut
Jose Napoleon Duarte, der erste demokratisch gewählte Präsident in El
Salvador seit 5o Jahren wurde am 1. Juni 1984 in sein Amt eingeführt. Die
von ihm am 6. Mai gewonnenen Wählen waren die dritten freien und offenen
Wahlen innerhalb von zwei Jahren und bildeten eine Wasserscheide bei der
Stärkung des institutionellen Rahmenwerkes für politische Reform in El
Salvador.

Präsident Duarte steht vor gewaltigen Herausforderungen: Die gewalt-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�Die gewalttätige Geschichte des Landes, eine entschlossene marxistische
Aufstandsbewegung mit starken Bindungen und mit materieller Unterstützung
Nicaraguas und des kubanisch/sowjetischen Blocks, eine stark angeschlagene Volkswirtschaft sowie schwache Institutionen der öffentlichen Verwaltung und der Justiz. Die neue Regierung hat sich dazu verpflichtet,
sich aktiv für ein Ende der Gewalt von rechts wie von links einzusetzen,
die Herrschaft des Rechts zu starken, den Dialog innerhalb des demokratischen Prozesses zu fördern sowie das wirtschaftliche Wachstum voranzutreiben und dabei gleichzeitig die sozialen Reformen zu schützen.

Der Rückgang der Zahl politisch motivierter Gewalttaten innerhalb der
letzten drei Jahre dauerte auch im ersten Halbjahr 1984 an. Nach Zusammenstellungen von Presseberichten gab es in den ersten fünf Monaten des
Jahres 1984 durchschnittlich 93 gegenüber durchschnittlich 14o politischen Morden je Monat im Jahr 1983. Es wird großer Anstrengungen bedürfen, um diese Vorkommnisse politischer Gewalt in El Salvador weiter zu
verringern. Insbesondere bedarf der Prozeß der Errichtung eines wirksamen
Justizsystems in El Salvador einer anhaltenden Anstrengung über die nächsten Jahre hinweg. Aufbauend auf der im Mai erfolgten Verurteilung der
Mörder der amerikanischen Nonnen hat Präsident Duarte tatkräftige Schritte unternommen, um an die Spitze der Sicherheitskräfte des Landes ehrenhafte Offiziere zu stellen, diese Sicherheitskräfte einer zentralen Kontrolle zu unterwerfen und die unter Verdacht stehenden Sondereinheiten
der Polizei aufzulösen. Eine Einheit für Rechtsschutz -die anfänglich
eine amerikanische Ausbildung erhielt- erfüllte ihre erste große Aufgabe
beim Schutz von Richtern und Geschworenen im Fall der Nonnen, und es gibt
derzeit auch Bemühungen, um die Untersuchungsbehörden sowie die beruflichen Fähigkeiten der dort Tätigen zu verbessern, damit Beweismaterial
zur Verfolgung von Terroraktivitäten von links und rechts erstellt werden
kann.

Die Salvadorianisehen
fassung und

beweisen

Streitkräfte zeigen eine bessere Dienstauf-

im Kampf

verstärkte Angriffsbereitschaft.

Seit

Januar zeigt sich eine eindrucksvolle Erfolgsrate. Der Verlust militärischer Ausrüstung an die Insurgenten hält sich innerhalb akzeptabler Gren- 2 -

�akzeptabler Grenzen. Dennoch erhielt die Guerilla trotz mangelnder Unterstützung in der Öffentlichkeit (was zu verstärkter Zwangsaushebung führte) auch weiterhin beträchtliche Hilfe aus dem Ausland und behält dadurch
die Fähigkeit zur Durchführung sporadischer, doch spektakulärer Aktionen.
Es gibt Anzeichen einer größeren Guerilla-Offensive für die zweite Jahreshälfte. Ohne verstärkte amerikanische Militärhilfe dürfte das sich
hinziehende Patt zwischen dem Militär und der Guerilla wahrscheinlich andauern, wobei letztere ihre Strategie der Zerstörung der salvadorianischen Volkswirtschaft noch stärker betonen würde.
Während und seit seiner Präsidentschaftskampagne hat Präsident Duarte
immer wieder
Marti

seine Bereitschaft betont, mit Vertretern der Farabundo

Nationalen

Befreiungsfront/Revolutionären

Demokratischen

Front

(FMLN/FDR) Z U sprechen. Aber er ist nicht bereit, der Guerilla einen Anteil an der politischen Macht als Alternative zu ihrer Teilnahme am demokratischen Prozeß zu gewähren.

El Salvador erlebte 1983 in seiner jüngeren Geschichte das erste Jahr
ohne wirtschaftlichen Rückgang. Dennoch steht die Wirtschaft auch weiterhin unter erheblichem Druck - das Bruttosozialprodukt ist gegenüber jenem
Mitte der siebziger Jahre um mehr als ein Drittel zurückgegangen und das
große Ausmaß an Arbeitslosigkeit wird noch durch die Kriegsschäden verstärkt. Eine zusätzliche Belastung ist die große Zahl der vor dem Konflikt Fliehenden und die Versuche der Guerilla, sich mittels Zwang zu
verstärken. Anstrengungen dauern an, die organisatorischen Fähigkeiten
und die Produktivität der Kooperativen im Rahmen der ersten Phase der Bodenreform zu verbessern. Denjenigen, die sich gemäß der dritten Phase
("Land für die Ackerbauern") um Land bewarben, wurde garantiert, daß ihre
Anträge nicht dadurch beeinträchtigt werden, daß die Frist für derlei Anträge am 30. Juni abgelaufen ist. Durch die Ernennung älterer Repräsentanten der Campesinos in leitende Funktionen des Landwirtschaftsministeriums und der Leitung des Instituts für Agrarreform erhielten die Campesino-Gruppen die Möglichkeit, diejenigen Institutionen direkt zu beeinflussen, die die Agrarreform verbessern und konsolidieren können.

Dieser

Bericht

�Dieser Bericht hat die Absicht, dem Kongreß und der amerikanischen
Öffentlichkeit eine umfassende Beurteilung der Situation in El Salvador
zur Verfügung zu stellen. Er geht auf alle Punkte ein, wie sie das
Öffentlichkeitsgesetz

98-332

erfordert:

Wahlen,

Versammlungsfreiheit,

Rechtssystem, Bodenreform, Entwicklung eines Systems der medizinischen
Ausbildung, Ausbildung der Streitkräfte, Verluste bei Waffen und kampfunterstUtzendem Material (Quantifizierung), Ausgaben für Munition (quantifiziert in einem gesonderten Bericht), Bereitstellung von unterstützendem und taktischem Fernmeldegerät sowie umfang des Einsatzes von Ersatzteilen. Um diese Punkte noch zu vertiefen, geht der Bericht auch ein
auf
Erwägungen hinsichtlich der Menschenrechtslage;
Mordfälle an amerikanischen Bürgern;
allgemeine wirtschaftliche Fragen und Beurteilung der amerikanischen
Wirtschaftshilfsprogramme;
die derzeitige militärische Lage;
die Lage der Flüchtlinge und Vertriebenen.

*****

Der volle Wortlaut des Berichtes in englischer Sprache kann angefordert
werden bei:

Amerika Dienst
Postfach 200 300
5300 Bonn 2

- 4 -

�1. August 1984

31

Medizinische Versorgung in Afghanistan katastrophal
-Bericht eines amerikanischen Arztes-

Washington - (AD) - Auf einem, von Mitgliedern des amerikanischen Repräsentantenhauses veranstalteten Forum berichtete der Arzt Dr. Robert R.
Simon über seine persönlichen Erfahrungen in Afghanistan. Der an der Universität von Kalifornien tätige Mediziner, der einer aus dem Libanon in
die USA eingewanderten Familie entstammt und selbst Moslem ist, erlebte
ein Jahr in Afghanistan unter Kampfbedingungen in einer der im Geheimen
tätigen Kliniken und beabsichtigt nunmehr, acht mobile Operationseinheiten, von Amerikanern betrieben, aufzustellen, um damit den Cpfern der
sowjetischen Besetzung zu helfen.

"In Afghanistan verwundet zu werden ist gleichbedeutend mit dem Tod,"
erklärte der 34 Jahre alte Arzt. "Die medizinische Lage allgemein wie
auch speziell die chirurgische ist katastrophal."

Seiner Schätzung zufolge stehen in 80 Prozent des Landes den Mujahedin der afghanischen Widerstandsbewegung sowie deren Sympathisanten in

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Tel.: 0228-339 2035
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�Sympathisanten in der Zivilbevölkerung keinerlei medizinische Einrichtungen zur Verfügung. Das Gesundheitsnetz der Vorkriegszeit wurde zerstört, die sowjetischen Flugzeuge bombardieren alle krankenhausähnlichen
Einrichtungen, derer sie ansichtig werden.

Die Diapositive, die Dr. Simon von seiner Reise nach Afghanistan zurückbrachte, vermittelten den Teilnehmern des Forums einen Einblick in
das Leiden von Männern, Frauen und Kindern im Gefolge von Bombenabwürfen,
Maschinengewehr feuer sowie Tret- und Tarnminen, die von den Sowjets und
dem Regime Babrak Karmal im Land verlegt werden.

"Eine größere Wunde -etwa im Unterleib oder in der Brust- ist tödlich," so Dr. Simon, denn ein Verwundeter muß erst auf dem Rücken eines
Esels durch unwirtliches Gelände über große Entfernungen zu einem Krankenhaus jenseits der Grenze nach Pakistan gebracht werden.

Die intensiven, systematischen Bombardements der Sowjets auf Dörfer,
Felder und Bewässerungsanlagen sowie das Erschießen von Vieh in Gegenden,
wo die Mujahedin aktiv sind oder sich verborgen halten, haben zu akuter
Lebensmittelknappheit geführt. So ernähren sich die Mujahedin und die Zivilbevölkerung häufig nur noch von Getreidekörnern, Beeren, Tee und dem,
was durch einen Überfall auf einen Versorgungslastwagen der Sowjets beschafft werden konnte.

"Unterernährung grassiert," berichtet Dr. Simon. "Ich sah zum ersten
Mal in meinem Leben Fälle von Skorbut." Außerdem behandelte er Kranke,
viele davon Kinder, die an Malaria, Tuberkulose, Lungenentzündung, Masern
und Keuchhusten litten.

Durch seine afghanischen Patienten hatte der amerikanische Arzt Einblick in das Land: "Kein Zweifel", so Dr. Simon, daß die Truppen der Sowjets und des Karmal-Regimes chemische Kriegführung betreiben. "Ich verstehe nicht, wie jemand daran zweifeln kann." Dr. Simon stellt sich damit
gegen die Skepsis mancher Kreise, die dem keinen Glauben schenken wollen.
Die von ihm erkannten Symptome lassen den Schluß zu, daß zwei giftige
- 2 -

�zwei giftige Substanzen -Phosgen und Diphosgen- eingesetzt wurden.

Der Bericht von Dr. Simon über die medizinische Lage in Afghanistan
deckt sich praktisch mit dem der afghanischen Ärzte in Pakistan und dem
zweier in Paris ansässiger Organisationen -Aide Medicale Internationale
und Medecins Sans Frontieres-.

Der Arzt zeigte auch Bilder von Opfern dessen, was er "russische Folter" nannte - Versuche, von Dorfbewohnern Informationen über die Mujahedin zu erhalten. So war unter seinen Patienten ein Junge, dem russische
Soldaten in Anwesenheit der Eltern Kerosin über die Arme gegossen und
dann entzündet hatten, nachdem jene sich weigerten, die entsprechenden
Informationen zu geben. Ein weiteres Mittel zu diesem Zweck besteht
darin, Dorfbewohner dazu zu zwingen, bei eisigen Temperaturen barfuß im
Schnee zu stehen - ein Mann, den Dr. Simon behandelte, hatte auf diese
Weise alle Zehen verloren.

Kranke und Verwundete behandelte Dr. Simon in einem kleinen, temporären Behelfskrankenhaus, das in einem Tal in der noröstlichen KonarhaProvinz, 65 Kilometer von der pakistanischen Grenze entfernt, errichtet
worden war. Unterstützt von der Union afghanischer Mujahedin-Ärzte in
Peshawar, einem Zentrum afghanischer Flüchtlinge, überquerten Dr. Simon
und eine Gruppe Afghanen mit medizinischer Ausrüstung im Rucksack zu Fuß
die Grenze und marschierten durch die über 2 loo Meter hohen Berge, um
das Tal zu erreichen.

Das temporäre Krankenhaus bestand aus wenig mehr als einer aus Lehm,
Stein und Zeltleinwand konstruierten Behausung, die sich an den Fuß eines
Berges anlehnte. Der Amerikaner und seine Helfer empfingen ihren ersten
Patienten früh um halb sechs, den letzten abends gegen neun Uhr.

In Peshawar besprach Dr. Simon seinen Plan zur Einsetzung von acht
medizinisch-chirurgischen Einheiten in Afghanistan mit afghanischen Ärzten und Vertretern der Mujahedin; außerdem hat er zu diesem Zweck die
"World Medical Corps Organization" ins Leben gerufen. Spenden sollen die
- 3 -

�Spenden sollen die Einheiten, von denen jede etwa 40 000 Dollar kosten
wird, finanzieren. Weitere 12 000 Dollar sind für den Transport von Ärzten und Krankenschwestern sowie Medikamenten und medizinischen Geräten
notwendig.

Dr. Simon teilte mit, daß sich bereits eine ganze Reihe amerikanischer Ärzte und Krankenschwestern freiwillig hierfür gemeldet hätten. Für
ihn selbst erfüllt sich damit der Wunsch, einem unterentwickelten Land zu
helfen, in dem "die größte Not" herrscht und das unter "Aggression von
außen"

leidet.

*

- 4 -

�1. August 1984

31

DIE ERDOLRESERVE ALS MITTEL ZUR PREISREGULIERUNG
- IEA-Länder beschließen raschen Einsatz bei Versorgungsschwierigkeiten -

- (AD) - Was die Vereinigten Staaten bereits Anfang 1984 als ihre
politische Linie umrissen, nämlich die frühzeitige Inanspruchnahme der
strategischen Erdölreserve bei

schwerwiegenden Versorgungsschwierigkei-

ten, wurde Mitte Juli von der Internationalen Energieagentur (IEA) für
alle 21 Mitgliedstaaten vereinbart.

Nach Beendigung der Konferenz des

Gouverneursrates der IEA am 11. Juli 1984 in Paris hatte der amerikanische Energieminister Donald Hodel das beabsichtigte Vorgehen der Vereinigten Staaten nochmals erläutert und erklärt, daß man auf diese Weise
Angebot und Nachfrage für Öl in Krisenzeiten ins Gleichgewicht bringen
wolle.

Er begrüßte die grundsätzliche Zustimmung der IEA-Länder zu den

amerikanischen Plänen und zu weiteren Aktionen zur gegenseitigen Hilfe
als wesentliche Elemente, um den wirtschaftlichen Schaden durch Unterbrechungen der Ölversorgung so gering wie nur irgend möglich zu halten.

Die Partnerländer der IEA sollen laut Hodel ermutigt werden, alles zu

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�alles zu tun, um auch ihre eigene Position in der Reservehaltung von Öl
zu stärken.

Dies sei eine wichtige Voraussetzung für eine gerechte Ver-

teilung von Lasten, die sich für die Vereinigten Staaten und ihre Partner
im Fall schwerwiegender Störungen von Öllieferungen ergeben könnten.
Hodel verwies darauf, daß die USA in den letzten drei Jahren ihre strategische Ölreserve nahezu vervierfacht hätten und z. Zt. über Vorräte von
mehr als 410 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) verfügten.

Das

zweite, inzwischen ebenfalls erreichte Ziel war die Schaffung geeigneter
Mechanismen innerhalb der USA, um Notstandspläne für den Fall schwerwiegender Unterbrechungen in der Ölversorgung in Aktion zu setzen und die
Funktionsfähigkeit des Systems der strategischen Erdölreserve zu gewähr-

&gt;

leisten.

Allen E. Wendt, Stellvertretender Unterstaatssekretär für internationale Energiepolitik im amerikanischen Außenministerium, gab am 25. Juli
vor der Auslandspresse in Washington weitere Abmachungen mit den Partnernländern in der IEA bekannt. So könne beispielsweise eine neugeschaffene Konsultativgruppe, die zur Freigabe von Vorräten berechtigt sei, eine "rechtzeitige, koordinierte Inanspruchnahme der Erdölreserven" in Krisenzeiten einleiten. Diese Gruppe, die allen Mitgliedern der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) offenstehe,
stelle ein Forum für die wichtigsten Energieverbraucher dar, um rasch und
informell

Beratungen aufzunehmen.

(Gegenwärtig

Frankreichs alle IEA-Mitglieder der OECD an.)

gehören mit Ausnahme

Länder, in denen es keine

regierungseigenen Reservehaltung von Kohöl gebe, würden entsprechend der
vom IEA-Gouvemeursrat verabschiedeten politischen Richtlinien ermutigt,
auf Reserven in Privateigentum zurückzugreifen. Und von solchen Ländern,
in denen für die Gemeinschaft verwertbare Erdölreserven nicht vorhanden
seien, erwarte man entsprechende andere Beiträge, etwa durch äußerste Zurückhaltung bei der Inanspruchnahme von Importöl.

Im Fall einer völligen Einstellung von Ölexporten durch den Persischen Golf könnte, wie Wendt erklärte, der Verlust weitgehend dadurch
ausgeglichen werden, daß die USA ihrer strategischen Erdölreserve etwa
zwei Millionen Barrel pro Tag, die anderen IEA-Länder gleichzeitig entsprechende weitere Mengen ihren eigenen Reserven entnehmen.
- 2 -

"Eine koor-

*

�"Eine koordinierte Inanspruchnahme in der vom IEA-Gouverneursrat vorgesehenen Form würde dem Markt eindeutig signalisieren, daß die Regierungen
entschlossen und verantwortungsbewußt handeln, um Versorgungslücken zu
überbrücken."

Dies wiederum würde dazu führen, daß die Märkte beruhigt

und Spekulationskäufe oder Panikkäufe vermeiden würden.

Nach den Auskünften von Donald H. Pearlman vom amerikanischen Energieministerium liegt die Menge, die der Erdölreserve der USA über einen
längeren Zeitraum entnommen werden könne, bei maximal
Barrel pro Tag.

2,1 Millionen

Allerdings sei dafür zunächst eine Verfügung des Präsi-

denten zur Inanspruchnahme der Ölreserve erforderlich, und dann müsse das
Öl an kommerzielle Abnehmer zu den jeweils üblichen Marktpreisen versteigert werden.

Nach gegenwärtigen Schätzungen dürften 20 bis 24 Tage ver-

gehen, bis die ersten Lieferungen den Markt erreichten. Für das Gros der
Ölmengen mit 2,1 Millionen Barrel pro Tag seien aber angesichts der erforderlichen organisatorischen Maßnahmen bei den Aufkäufern Fristen bis
zu 45 Tagen zu erwarten.

Bei besonders schwerwiegenden Versorgungsstö-

rungen würden die Vereinigten Staaten, so Pearlman, zusätzlich zu den Regierungsmaßnahmen die Privatwirtschaft ermutigen, freiwillig Energie zu
sparen und auf andere Brennstoffe umzuschalten.

- 3 -

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