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25. J u l i 1984

INHALT
DOKUMENTATION
Erklärung des Präsidenten zum 15. Jahrestag der ersten Mondlandung
Der "heiße Draht" zwischen Moskau und Washington
- Erklärung Präsident Reagans und Informationspapier des Weißen
Hauses i

HINTERGRUNDMATERIAL
Nicaraguas Aufrüstung und Unterstützung subversiver Aktivitäten in
Mittelamerika
- Bericht des Außen- und des Verteidigungsministeriums der Vereinigten
Staaten Amerikanische Initiativen zur Rüstungskontrolle - 1. Halbjahr 1984
- Chronologie Die Wahlen in Amerika 1984

TT1
- Walter F. Mondale: Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten Die Wahlen in Amerika 1984

"Ten
- Geraldine Ferraro: Die VizepräsidentSchaftskandidaten der
Demokraten
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NOVA - Neues Lasersystem zur Zündung von Fusionsreaktionen
Pestizide gehen in die Haut
BERICHTIGUNG

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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B

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25. Juli 1984

30

Erklärung des Präsidenten zum 15. Jahrestag der ersten Mondlandung

Washington

(AD) Im Rahmen einer Gedenkfeier am 20. Juli 1984 im

Weißen Haus, an der auch die drei Astronauten der ersten Mondlandung
teilnahmen, nannte Präsident Reagan das Unternehmen einen "strahlenden
Triumph der Forschung".

Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Wir begehen heute einen einzigartigen Augenblick in der Geschichte
der Menschheit - die Landung des EAGLE in der Nähe des südwestlichen
Ufers des Meers der Stille. Aber man kann sich nur schwer vorstellen, daß
fünfzehn Jahre vergangen sind, seit wir zum erstenmal die begeisternden
Worte von Neil Armstrong gehört haben.

Die heutige Feier bringt aber auch eine andere schöne Erinnerung
zurück. Im August 1969 ehrte das Weiße Haus die Mannschaft von Apollo 11,
aus langer Quarantäne entlassen, in Kalifornien mit einem Empfang. Als
Gouverneur hatte ich die Gelegenheit, den Präsidenten einzuführen - und

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�einzuführen - und ich erinnere mich, wie nein Blick über die Gäste
schweifte - Botschafter und andere Repräsentanten von 83 Ländern, 44
Gouverneure aus unseren Bundesstaaten, 50 Mitglieder des Kongresses, 14
Kabinettsmitglieder sowie die Führung der NASA - und ich daran denken
mußte, daß die Männer und Frauen der NASA für immer unsere Vorstellung
vom Universum und von unserem Verhältnis zu ihm verändert hatten. Es
konnte von nun an kein Mißverständnis mehr hinsichtlich des gemeinsamen
Erbes und des gemeinsamen Geschickes aller Menschen geben.

Das Apollo-Programm war eine hervorragende Leistung von Verstand,
Herz und Geist - und das ehrgeizigste und schwierigste Programm, das jemals in Friedenszeiten durchgeführt wurde. Die Landung auf dem Mond war
ein strahlender Triumph der Forschung. Die Mayflower hat ihre Fahrt fortgesetzt.

Gus Grissom, Ed White und Roger Chaffee bahnten den Weg und wir werden stets an ihr tragisches Opfer denken. Aber das Programm ging weiter
und 12 Amerikaner landeten auf dem Mond. Bei Ende des Apollo-Programms
hatten die COLUMBIA, die AMERICA

und die anderen Weltraumfähren

27

Apollo-Astronauten vom Mond und seinem Umfeld zurückgebracht. Ja, und wie
unsere Astronauten mit ihrer ruhigen Zuversicht, ihrem großartigen Professionalismus und ihrer inneren Stärke unsere Lebensgeister und unseren
Willen anfeuerten!

Apollo bereicherte unser geistiges und wirtschaftliches Leben und
wies uns die Richtung zum grenzenlosen Horizont der Menschheit. Wir hatten plötzlich ein neues Gefühl des Stolzes und wurden nur noch umso zuversichtlicher, daß dies nur der Anfang dessen war, was ein freies und
mutiges Volk leisten kann.

Natürlich war das Apollo-Programm ein gewaltiger Prüfstein für die
Technik - stets auf des Messers Schneide und oft genug darüber hinaus.
Niemals zuvor waren die Ansprüche an Verläßlichkeit, an Genauigkeit und
an Wirksamkeit so hoch. Niemals zuvor waren die Qualitätsprüfungen für
jedes der Tausende und Abertausende von Teilen so schonungslos.
Und

unsere

�Und unsere Forscher und Erfinder reagierten mit einer noch nie dagewesenen Kreativität. Die besten Köpfe in Staat, Industrie und Hochschulen zogen an einem Strang, und eine glänzende technische Erfindung folgte der anderen. Und stets dienten Raumforschung und Weltraumtechnik zugleich den täglichen Anforderungen unserer Menschen und der Menschen
überall auf der Welt.

Das Apollo-Programm umfasste das Fernmeldewesen, die Meteorologie,
die Navigation sowie Satelliten zur Erforschung der Ressourcen der Erde
und auch viele neue Industriezweige wie die Festkörperelektronik, medizinische Elektronik und Computerwissenschaften. Es öffnete die Tore für
aufregende

wissenschaftliche

und

kommerzielle

Möglichkeiten, Möglich-

keiten wie den programmierbaren Herzschrittmacher, bei dem eine Technik
angewandt wird, die zunächst dafür entwickelt wurde, um kodierte Anweisungen an erdumkreisende Satelliten zu schicken. Haushaltsgeräte ohne
Kabelanschluß und chirurgische Instrumente entwickelten sich aus Erfordernissen für die Mondexperimente Apollos. Sogar das Material für das
Dach des "Silverdome" in Michigan, der Heimat der "Detroit Lions", wurde
mit Materialien hergestellt, die für die Raumanzüge der NASA entwickelt
worden waren.

Die Apollo-Ära trug zum Aufbau einer technologischen Basis bei, wie
es sie sonst nirgends gab. Aber wir stehen erst an der Schwelle der Möglichkeiten im Weltraum. Die Apollo-Erfahrung war für Amerika erst ein
Anfang.

Aus Apollo heraus entwickelte sich die Raumfähre - das erste echte
Raumtransportsystem der Welt - und damit ein weiterer Sieg des amerikanischen Geistes. Die Raumfähre eröffnete eine neue Ära, um die vielen
wissenschaftlichen, erzieherischen, industriellen und kommerziellen Möglichkeiten des Weltraums zu verfolgen. Solange wir unsere Vorstellungskraft herausfordern und hohe Ziele angehen, solange wird das Potential
des Weltraums unendlich sein.

Es
- 3 -

gibt

�Es gibt keine Zeit, da wir in unserem Drang nach vorn, da wir mit dem
Träumen aufhören müssen. Und deshalb forderte ich im Januar dieses Jahres
in meinem Bericht über die Lage der Nation unser Volk dazu auf, eine
ständig bemannte Raumstation zu entwickeln - und dies innerhalb eines
Jahrzehnts. Und ich bin sehr erfreut darüber, daß der Kongreß die Mittel
genehmigt hat, die die NASA in die Lage versetzen, die ersten Schritte
zum Entwurf einer amerikanischen Raumstation zu unternehmen.

Die Fußabdrücke auf dem Mond zeigten uns, daß Amerikas Zukunft durch
unsere Träume und durch unsere Visionen gestaltet werden kann. Die Raumfähre und unsere Raumstation werden dazu beitragen, daß diese Träume
Wirklichkeit werden. Unsere Freiheit und unser Wohlergehen sind verbunden
mit neuen Leistungen und mit der Erweiterung unserer Grenzen. Aber wir
werden auch über diese Grenzen noch hinausgehen und der Forschung, den
Chancen und dem Fortschritt neue Tore öffnen. In dem Bericht über die
Lage der Nation sagte ich auch, daß wir bald Initiativen ergreifen würden, um dem Privatsektor dabei zu helfen, auf dem Gebiet der Raumfahrt zu
investieren. Derzeit befinden wir uns auf diesem Kurs.

Wir werden alles tun, was wir können, um sicherzustellen, daß die Industrie stets Zugang zum Weltraum hat und für sie dort ein angemessener,
verläßlicher Platz zum Arbeiten zur Verfügung steht. Und wir werden dies
ohne unnötige und beengende Vorschriften tun. Elf erfolgreiche Flüge der
Raumfähre bedeuten, daß wir uns kurz vor einem Raumtransportsystem befinden, das auf verläßliche Weise den Raumfahrtindustrien seine Unterstützung bieten kann. Und die Vorteile, die unser Volk aus den kommerziellen
Anwendungen der Raumfahrt ziehen kann, übersteigen im wahrsten Sinn das
VorStellungsvermögen.

Gemeinsam können wir Medikamente herstellen, die möglicherweise Tausenden das Leben retten und Hunderte von Millionen Dollar sparen werden.
Wir können "Superchips" produzieren, die unsere Wettbewerbslage auf dem
weltweiten

Computermarkt

verbessern. Wir

können

Weltraumobservatorien

bauen, die die Wissenschaftler in die Lage versetzen, tief in das Universum hineinzuschauen. Und wir können im Bereich der Schwerelosigkeit

�der Schwerelosigkeit spezielle Legierungen und biologische Materialien
herstellen.

Indem wir uns der Herausforderung des Weltraums stellen, tragen wir
den gleichen Mut und den gleichen unbeugsamen Geist weiter, der uns zu
einer großen Nation machte und der unsere Apollo-Astronauten auf den Mond
brachte.

*****

- 5-

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HM

ITTlTi

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30

25. Juli 1984

DER "HEISSE DRAHT" ZWISCHEN MOSKAU UND WASHINGTON
- Erklärung Präsident Reagans und Informationspapier des Weißen Hauses -

Washington -(AD)- Am 17. Juli 1984 kamen die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion formell überein, die bestehende direkte Fernmeldeverbindung (Direct Communications Link - DCL) zwischen beiden Hauptstädten besser bekannt unter der Bezeichnung "Heißer Draht" - um die Möglichkeit
zur Übermittlung von Faksimilevorlagen zu erweitern. Diese Maßnahme wird
die Leistungsfähigkeit des Systems steigern und seinen Wert für die Bewältigung von Krisen und die Vermeidung von Mißverständnissen vergrößern.

Aus Anlaß der amerikanisch-sowjetischen Übereinkunft veröffentlichte
das Weiße Haus am gleichen Tag eine schriftliche Erklärung Präsident Reagans sowie ein Informationspapier. Die beiden Dokumente haben folgenden
Wortlaut:
Das

Informationspapier

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�Das Informationspapier des Weißen Hauses

Die Erweiterung des Heißen Drahts um die Möglichkeit zur Übermittlung
von Faksimilevorlagen wird die Regierungschefs der Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion in die Lage versetzen, Mitteilungen sehr viel schneller auszutauschen, als dies über das bestehende Fernschreibsystem möglich
ist. Außerdem werden sie erstmalig in der Lage sein, graphische Darstellungen zu übermitteln. Die genauen, detaillierten und oft leicht interpretierbaren Informationen, die in graphischen Materialien wie z.B. Landkarten, Schaubildern und Zeichnungen enthalten sind, könnten wesentlich
zur Überwindung von Krisen und Mißverständnissen beitragen.

Vorgeschichte der Verhandlungen

Im Juni 1963 kamen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in einer Einverständniserklärung überein, für den Notfall eine direkte Fernmeldeverbindung einzurichten. Jede der beiden Seiten erklärte sich bereit, dafür Sorge zu tragen, daß über diese Fernmeldeverbindung einlaufende Mitteilungen des Regierungschefs der Gegenseite unverzüglich an den
eigenen Regierungschef weitergeleitet werden. Die Einverständniserklärung
wurde von den Leitern der amerikanischen und der sowjetischen Delegation
bei der Genfer Abrüstungskonferenz ausgehandelt und unterzeichnet. Im August 1963 ging die Fernmeldeverbindung in Betrieb.
Acht Jahre später wurde sie modernisiert. Die Grundlage hierfür bildete ein Abkommen vom 30. September 1971, das von einer besonderen Arbeitsgruppe der Delegationen beider Staaten bei den SALT-Verhandlungen
erarbeitet und von den beiden Außenministern unterzeichnet wurde. Gemäß
diesem Abkommen wurde der Heiße Draht um zwei Satellitenverbindungen erweitert, von denen die eine über den sowjetischen Molnija-II-Satelliten,
die andere hingegen über das amerikanische Intelsat-System lief. Diese
beiden Verbindungen wurden im Januar 1978 betriebsbereit.

Gleichzeitig erarbeitete eine zweite Sonderarbeitsgruppe der beiden
SALT-Delegationen ein weiteres Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten

- 2 -

�Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über Maßnahmen zur Verminderung
der Gefahr des Ausbruchs eines Atomkriegs. Es wurde ebenfalls am 30. September 1971 unterzeichnet. Dieses Abkommen verpflichtete beide Seiten dazu, die jeweils andere vorab über geplante Raketenstarts zu informieren,
sofern die vorgesehene Flugbahn über das eigene Territorium hinaus und in
Richtung auf das der anderen Seite führt. Ferner wurden beide Seiten verpflichtet, die jeweils andere bei Eintritt bestimmter Situationen, die
die Gefahr eines Atomkriegs heraufbeschwören könnten, unverzüglich ins
Bild zu setzen. Beide Parteien kamen überein, sich in Situationen, die
einer sofortigen Klärung bedürfen, zur Übermittlung eiliger Informationen
der direkten Fermeldeverbindung zu bedienen.

Die Vorschläge Präsident Reagans

Im Mai 1983 schlug Präsident Reagan der Sowjetunion mit dem Ziel der
Verbesserung der bestehenden zweiseitigen Fernmeldeverbindungen drei Maßnahmen vor: die Erweiterung des Heißen Drahts um die Möglichkeit, mit hoher Geschwindigkeit Faksimilevorlagen zu übertragen, die Einrichtung einer gemeinsamen militärischen Fernmeldeverbindung und die Einrichtung von
Hochgeschwindigkeits-Datenübermittlungsanlagen

zwischen jeder der beiden

Regierungen und ihrer Botschaft in der jeweils anderen Hauptstadt.

Diese Maßnahmen waren dem Präsidenten vom Verteidigungsminister nach
einer umfassenden und eingehenden Untersuchung möglicher Initiativen zur
Stärkung der weltweiten Stabilität und zur Verringerung der Gefahr eines
Atomkriegs empfohlen worden. Die Vollmacht für diese Untersuchung, an der
sich alle betroffenen Dienststellen der amerikanischen Regierung beteiligten, war vom Kongreß im Haushaltsgesetz für das Verteidigungsressort
für 1983 erteilt worden. Die Ergebnisse und Empfehlungen dieser Untersuchung bezüglich der direkten Fernmeldeverbindung und anderer stabilitätsfordernder Maßnahmen wurden dem Kongreß im Jahresbericht des Verteidigungsministers für 1983 unterbreitet.

Die amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen zur Verbesserung der beiderseitigen Fernmeldeverbindungen wurden im August 1983 in Moskau eröffnet. Die nachfolgenden Gesprächsrunden fanden im Januar 1984 in Washing-

- 3 -

�in Washington und im April 1984 in Moskau statt. Die soeben abgeschlossene Runde fand im Juli 1984 in Washington statt. Diese Gespräche haben nun
zu einem amerikanisch-sowjetischen übereinkommen geführt, die bestehende
direkte Fernmeldeverbindung um die Möglichkeit zur Übermittlung von Faksimilevorlagen zu erweitern.

Die direkte Fernmeldeverbindung

Zum Heißen Draht wird nunmehr folgendes gehören:
- drei Fernmeldeverbindungen (zwei über Satellit und eine telegraphische
Kabelverbindung);
- eine Bodenstation in jedem Land für jede Satellitenverbindung;
- in jedem Land Terminals, die an die drei Verbindungen angeschlossen und
mit Fernschreib- und Faksimileübertragungsgerät ausgestattet sind.

Gemäß dem Grundsatz der Vertraulichkeit, der für Mitteilungen zwischen den Regierungschefs gilt, gibt es keine veröffentlichten Informationen darüber, wie oft genau sich die Regierungschefs des Heißen Drahts
bedient haben. Wir wissen jedoch, daß er während ernster Krisen unschätzbare Dienste geleistet hat. Nach Angaben der damals amtierenden amerikanischen Präsidenten selbst wurde er während der Nahostkriege von 1967 und
1973 benutzt.

Die Erklärung Präsident Reagans

Ich freue mich, heute bekanntgeben zu können, daß wir und die Sowjetunion übereingekommen sind, den Betrieb der direkten Fernmeldeverbindung
- oder des Heißen Drahts - zu erweitern und zu verbessern.

Dieses Abkommen bildet einen bescheidenen, aber positiven Schritt zur
Stärkung der weltweiten Stabilität und zur Verringerung der Gefahr einer
durch Pannen, Fehleinschätzungen oder Mißdeutungen hervorgerufenen Konfrontation oder eines Konfliktes zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion.
Die Ergänzung
- 4 -

�Die Ergänzung des Systems um die Möglichkeit zur Übermittlung von
Faksimilevorlagen wird uns nicht nur in die Lage versetzen, Mitteilungen
schneller auszutauschen, wir werden erstmalig auch graphische Materialien
wie z.B. Landkarten und Bilder übermitteln können, Unterlagen also, die
zur Überwindung bestimmter Krisen und Mißverständnisse entscheidend beizutragen vermögen.

Die Verhandlungen, die zu diesem Abkommen geführt haben, begannen vor
etwa einem Jahr (im August 1983) auf der Grundlage einer Reihe von Vorschlägen, die wir im Mai 1983 vorgelegt hatten.

Bei der Entwicklung dieser und anderer Initiativen zur Verminderung
der Gefahr eines durch Pannen, Fehleinschätzungen oder Mißdeutungen hervorgerufenen Krieges kam uns der sachkundige Rat einer Reihe von führenden Mitgliedern des Kongresses, darunter die Senatoren Warner und Nunn
und der verstorbene Senator Jackson, zustatten.

In meinen Augen bildet dies Abkommen sowohl eine angemessene technische Verbesserung des Heißen Drahts, der den Regierungen beider Länder
seit 20 Jahren gute Dienste leistet, als auch ein gutes Beispiel dafür,
wie wir in Zusammenarbeit Ansätze zur Verringerung der Kriegsgefahr entwickeln können.

- 5 -

�Hintergrund
materiell
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25. Juli 1984

30

NICARAGUAS AUFRÜSTUNG UND UNTERSTÜTZUNG SUBVERSIVER AKTIVITÄTEN
IN MITTELAMERIKA
- Bericht des Außen- und des Verteidigungsministeriums
der Vereinigten Staaten -

WASHINGTON - (AD) - Am 18. Juli 1984 wurde in Washington ein gemeinsamer Hintergrundbericht des Außen- und des

Verteidigungsministeriums

über "Nicaraguas Aufrüstung und Unterstützung subversiver Aktivitäten in
Mittelamerika" veröffentlicht. Im Folgenden geben wir den Text dieses Dokuments in umfassenden Auszügen wieder.

Einführung
Als im Juli 1979 die Sandinisten und andere Gruppen, die sich am
Kampf gegen Somoza beteiligt hatten, in Nicaragua die Macht übernahmen,
neigten die Menschen in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern
der Welt dazu, den öffentlichen Beteuerungen der Sandinisten Glauben zu
schenken, daß sie gewillt seien, in Nicaragua eine echte Demokratie einzuführen und mit den Nachbarländern in Frieden zu leben. Die dringlichste
Aufgabe für Nicaragua bestand damals eindeutig darin, wieder gesunde

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�wieder gesunde wirtschaftliche Verhältnisse herzustellen, sodaß sich die
Menschen allmählich besserer Lebensumstände erfreuen könnten. Die Nachbarländer Nicaraguas nahmen keineswegs eine feindliche Haltung ein. Zwei
von ihnen - Panama und Costa Rica - hatten die Nicaraguaner sogar in ihrem Kampf gegen Somoza unterstützt. Als Zeichen ihres guten Willens gewährte die Regierung der Vereinigten Staaten Nicaragua in den Jahren 1979
und 1980 umfangreichere Wirtschaftshilfe als jedem anderen mittelamerikanischen Land zu jener Zeit.

Anfangs waren die sandinistisehen Führer noch bestrebt, in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern der westlichen Welt ein gemäßigtes
Image zu wahren. Wahrend der zwei Monate, die der Machtübernahme im Juli
1979 vorausgingen, gelobten die sandinistisehen Führer in einer Reihe von
öffentlichen Erklärungen, in der Außenpolitik am Prinzip der Blockfreiheit festzuhalten, Wahlen abzuhalten, den Schutz der Menschenrechte zu
garantieren und das private Unternehmertum bestehen zu lassen. Bei ihren
ersten Begegnungen mit amerikanischen Regierungsvertretern, Kongreßmitgliedern und Vertretern privater Gruppen waren die Sandinisten noch bestrebt, ihr Regime als blockfrei und als nicht dem kubanischen oder sowjetischen Vorbild folgend darzustellen.

Die Beweise dafür, daß die ursprünglich von den Sandinisten gegebenen
Versprechen nicht eingehalten wurden, haben sich beständig vermehrt.
Schritt für Schritt haben sich die Sandinisten zu einer Gefahr für die
Nachbarländer wie auch für das nicaraguanische Volk selbst entwickelt.
Obwohl die meisten Mittelamerikaner sich über die Sandinisten keine Illusionen mehr machen, sehen manche Leute in den Vereinigten Staaten und in
anderen Ländern in ihnen immer noch idealistische und nationalistische
Revolutionäre. Diese Sichtweise ist illusionär. Während die Flitterwochen
der sandinistischen Führung mit der demokratischen Welt noch anhielten,
wurden hinter der Fassade der Mäßigung und der Freundschaft bereits ganz
andersgeartete Pläne geschmiedet. Nach noch nicht einmal fünf Jahren bieten die Politik und die Handlungen der Sandinisten ein Bild, das von dem,
das sie im Jahre 1979 zu präsentieren bemüht waren, erheblich abweicht.

In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache am 14. April 1984 stellte

�1984 stellte Präsident Reagan fest, daß
- Mittelamerika der Schauplatz eines kühnen Versuchs der Sowjetunion, Kubas und Nicaraguas geworden sei, den Kommunismus gewaltsam in der gesamten Hemisphere zu verankern;
- Cosa Rica, Honduras und El Salvador von der Armee und den Sicherheitskräften Nicaraguas bedroht werden, die mit der Unterstützung Kubas und
des Ostblocks von den 10 000 Mann, die sie unter der vorherigen Regierung
umfaßten, in weniger als fünf Jahren auf nunmehr über 100 000 Mann angewachsen sind;
- der

Ostblock im Jahre 1983 militärisches Material im Werte von über

100 Millionen Dollar geliefert habe, wodurch die Sandinisten in die Lage
versetzt wurden, eine schlagkräftige Streitmacht mit Artillerie, Raketenwerfern und Panzern aufzustellen, die stärker ist als die Streitkräfte
aller anderen Länder der Region;
- unsere Freunde in der Region sich subversiven Aktivitäten ausgesetzt
sähen, die ihren Ursprung jenseits ihrer Landesgrenzen haben, ihre demokratische Entwicklung unterhöhlen und ihre Wirtschaft zugrunde richten;
eine Entwicklung, unter der alle Nachbarn Nicaraguas leiden;
- El Salvador, das um demokratische Wahlen und um eine Verbesserung der
Lebensumstände seiner Bürger kämpft, zum Hauptziel der verdeckten Aggression Nicaraguas geworden sei;
- es in der Region Millionen von Menschen gebe, die Freiheit wollen und
sie auch verdienen. Wir können gegenüber dieser Krise vor unserer Haustür
nicht gleichgültig bleiben. Schon vor fast 23 Jahren warnte Präsident
Kennedy vor der Gefahr eines Eindringens des Kommunismus in unsere Hemisphäre.

Der vorliegende Bericht befaßt sich mit zweien der drei von Präsident
Reagan erwähnten Aspekte des Verhaltens der Sandinisten: die Aufrüstung
und der Export von Subversion in andere Länder der Region sowie die Verwicklung Kubas und der Sowjetunion in der einen wie in der anderen Hinsicht. (Bei dem dritten von Präsident Reagan angesprochenen Aspekt handelte es sich um den der Unterdrückung der eigenen Bevölkerung.)

Die Bilanz der Ereignisse in Mittelamerika während der letzten fünf
Jahre enthält umfangreiches Beweismaterial für die sandinistische Auf-

- 3 -

�sandinistische Aufrüstung, für Verbindungen zwischen den Sandinisten und
Kuba und anderen kommunistisehen Ländern und für die sandinistische Unterstützung von Guerillakämpfern. Bei der Erarbeitung dieses Berichts haben wir uns auf sandinistische Dokumente, Presseberichte und die Aussagen
von gefangengenommenen oder übergelaufenen Guerilleros gestützt. Geheimdienstquellen haben ebenfalls Tausende von Mosaiksteinchen an Information
beigesteuert, die die Schlußfolgerungen des vorliegenden Berichts erhärten. Wir haben jedoch darauf verzichtet, bestimmte Geheimdienstberichte
anzuführen, da in diesem Falle die Gefahr der Offenlegung von geheimdienstlichen Informationsquellen und Arbeitsmethoden bestanden hätte. Die
statistischen Angaben, z.B. über die Anzahl der Panzer, über die die sandinistischen Streitkräfte verfügen, beruhen, sofern nicht andere Quellen
genannt sind, auf Geheimdienstinformationen.

Schon allein die Tatsache, daß die 10 000 Guerilleros in El Salavdor
über genug Geld und Nachschub verfügen, um ihren Kampf fortführen zu können, bildet ein starkes Indiz dafür, daß sie von außen unterstützt werden. Was man in der Vergangenheit versäumt hat, ist, alle verfügbaren Indizien systematisch zusammenzufassen. In dem vorliegenden Bericht liefern
wir nicht nur Einzelheiten, sondern auch einen Bezugsrahmen für die Analyse der Aufrüstung Nicaraguas und seiner Unterstützung subversiver Aktivitäten in Mittelamerika. Dieser Bericht enthält wenig, was für sich allein genommen sensationell wäre, aber die Gesamtheit der ausgebreiteten
Informationen ergibt ein umfassendes Bild der Rolle Nicaraguas als Steigbügelhalter des Kommunismus in Mittelamerika ...

Die sandinistische Strategie im Jahre 1979; Ein doppeltes Gesicht für die
Welt
Als die Frente Sandinista de Liberacion National (FSLN) ihren Kampf
gegen die Diktatur Somozas aufnahm, waren die sandinistischen Führer
sorgsam darauf bedacht, sich der Öffentlichkeit und den Regierungen der
westlichen Welt als "Nationalrevolutionäre" zu präsentieren, die gegen
eine rechtsgerichtete Diktatur angetreten waren. Ihre Bestrebungen, sich
eine Art "Robin-Hood"-Image zu geben, erinnerten ein wenig an die diesbezüglichen Versuche, die Fidel Castro 20 Jahre zuvor unternommen hatte.

- 4 -

�unternommen hatte. Castro, der rückblickend offenbar zu dem Schluß gekommen war, daß er nach seiner Machtübernahme seine wahre, marxistisch-leninistische Gesinnung zu früh offenbart habe, riet den sandistischen Führern denn auch beständig, sich in dieser Hinsicht Zeit zu lassen, um
westliche Geldgeber nicht zu verschrecken und um keine heftige Reaktion
der Vereinigten Staaten zu provozieren, bevor ihre Herrschaft gefestigt
sei. Ferner riet er ihnen, ihre Revolution schnellstens zu konsolidieren.
Die sandinistischen Führer gaben sich größte Mühe, sich möglichst breiten
internationalen Rückhalt zu verschaffen. Sie reisten wiederholt in die
Vereinigten Staaten, um zu Gunsten des großen wirtschaftlichen Hilfspakets Stimmung zu machen, das die Carter-Administration dem Kongreß zur
Billigung vorgelegt hatte. Sie versuchten, Vertreter der Regierung und
der Privatwirtschaft in den Vereinigten Staaten von ihrer gemäßigten Haltung zu überzeugen.

Heute ist klar, daß die harten Marxisten-Leninisten unter den Sandinisten eine Strategie der Täuschung der Weltöffentlichkeit verfolgten.
Sie wußten, daß ihre Politik schließlich den Widerstand ihrer Nachbarländer und der Vereinigten Staaten hervorrufen mußte. Bis dahin versuchten
sie jedoch ganz bewußt, sich die Gunst und die Unterstützung der ihnen
Vfohlgesonnenen in der Regierung der Vereinigten Staaten, im Kongreß, in
der Privatwirtschaft, in den religiösen Gemeinschaften und in anderen Bereichen zu sichern, um über ihre tatsächliche Haltung hinwegzutäuschen
und um den Zeitpunkt der schließlichen Entfremdung hinauszuschieben. Die
Sandinisten hofften angeblich, daß die verwirrte und zutiefst gespaltene
öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten die amerikanische Politik
lähmen und von einer Reaktion abhalten würde, während das sandinistische
Regime aufrüstete, subversive Aktivitäten und Guerillakämpfer in Nachbarländern unterstützte und den für totalitäre Staaten typischen inneren Sicherheit sapparat aufbaute.

Beim Großteil der einfachen Gefolgsleute der Sandinisten wie auch bei
einigen ihrer ehemaligen Führer, wie z.B. Eden Pastora Gomez - besser bekannt unter dem Namen Commandante Zero - scheint es sich um echte Nationalisten zu handeln. Aber die neun Mitglieder des sandinistischen Nationaldirektorats, des Machtzentrums des heutigen Nicaragua, sind ausnahms-

- 5 -

�sind

ausnahmslos

Marxisten-Leninisten.

Schon

bald nach dem Sieg am

19. Juli 1979 fingen die Marxisten an, die nichtkommunistischen Führer
und Anhänger der Revolution an den Rand zu drängen. Es war klar, worum es
ging: Die neun "Commandantes" hatten begonnen, ein marxistisch-leninistisches Regime zu errichten ...

Arturo Cruz Sequeira, ein sandinistischer Regierungsbeamter, der mit
der Denkweise der obersten Führung der FSLN aufs innigste vertraut ist,
bestätigt, daß ihre langfristigen revolutionären Ziele für die Region den
Konflikt mit Nicaraguas Nachbarländern und mit den Vereinigten Staaten
unvermeidbar machten:

"In den Augen des Nationaldirektorats läßt eine so engräumige Region
wie Mittelamerika nur eine von zwei möglichen Entwicklungen zu: eine revolutionäre Lösung für die ganze Region infolge der wellenartigen Ausstrahlung der Revolution in Nicaragua oder die letztendliche Niederlage
Nicaraguas. Von daher konnte die Entspannung mit Honduras in der Anfangsphase der Revolution nur vorrübergehender Natur sein. Für die Commandantes galt nicht einmal als ausgemacht, daß die Beziehungen zu Panama und
Costa Rica freundschaftlich bleiben würden. Das neue Nicaragua konnte
nicht erwarten, daß ihm die Weltmeinung immer wohlgesonnen bleiben würde.
Nicaraguas Marsch zum Sozialismus und seine Bindungen an Kuba und die
Sowjetunion mußten früher oder später zu einer Entfremdung mit den europäischen Sozialdemokraten, den amerikanischen Liberalen und sogar mit den
Regierungen einiger Länder der Region, z.B. Venezuela und Mexiko, führen."

Die Sandinisten sind fortwährend bestrebt, ihre militärische Aufrüstung als Reaktion auf die Politik der Reagan-Administration und auf den
Widerstand in Nicaragua selbst darzustellen. In Wahrheit verhält es sich
ganz anders. Die Sandinisten schlugen ihren derzeitigen Weg lange vor
1981 ein. Viele der Nicaraguaner, die heute gegen die Sandinisten sind,
haben an dem Kampf gegen Somoza aktiv teilgenommen und nach 1979 versucht, mit den Sandinisten zusammenzuarbeiten. Einige der heutigen Köpfe
der antisandinistisehen Opposition - wie z.B. Alfonso Robelo und Eden
Pastora - hatten in der Zeit nach 1979 zunächst selbst zur Führung des
Landes gezählt und machten erst Front gegen die Sandinisten, als die

- 6 -

�als die militärische Aufrüstung bereits begonnen hatte und die Sandinisten keine Anstalten machten, die Entwicklung eines demokratischen Systems und einer gewaltfreien Opposition zuzulassen ...

Die größte Streitmacht in Mittelamerika

Nach dem 19. Juli 1979 verfolgten die Sandinisten mit Vorrang das
Ziel, ihre Guerillastreitmacht von etwa 6 000 Mann in eine Armee nach
herkömmlichem Muster umzuformen und gleichzeitig eine umfangreiche Miliz
und Reservestreitkräfte aufzubauen. Das "72-Stunden-Dokument" vom Oktober
1979 - (eine Situationsanalyse der Führung, die auf einer dreitägigen Kaderkonferenz vorgetragen und später veröffentlicht wurde; Anm. der Redaktion; ) - belegte die Absicht der Sandinisten, eine schlagkräftige Streitmacht aufzustellen.

Nach fünfjährigen Bemühungen haben die Sandinisten die Truppenstärke
ihrer aktiven Streitkräfte - Heer, Luftwaffe, Marine, aktive Reserven und
Miliz - auf etwa 48 800 erhöht. Außerdem bauen sie die Miliz weiter aus
und haben ein landesweites Allgemeines Wehrdienst-Gesetz erlassen. Alles
in allem, d.h. bei voller Mobilisierung und einschließlich aller Reserven, verfügt Nicaragua über mehr als 100 000 Mann unter Waffen. Gleichzeitig haben die Sandinisten die Zahl der militärischen Großeinrichtungen
mehr als verdoppelt. Die Anlage der meisten dieser Einrichtungen zeigt
klar den

sowjetisch-kubanischen

Einfluß. Darüberhinaus

sind

Dutzende

kleinerer militärischer Einrichtungen gebaut bzw. frühere Zivileinrichtungen umgebaut worden.

Nicaraguas Panzertruppe und Artillerie - eine offensivfähige Streitmacht ?

Nicaragua verfügt heute über etwa 100 mittelschwere Kampfpanzer sowjetischer Bauart (T-54/T-55), mehr als 20 leichte Amphibienpanzer (PT-76)
und 120 andere Panzerfahrzeuge. Die beiden Lieferungen von Panzern und
gepanzerten Mannschaftstransportwagen, die in diesem Jahr an Bord bulgarischer Schiffe eingetroffen sind, haben den Umfang der Panzer- und Panzergrenadiertruppen Nicaraguas gegenüber dem Stand vom Mai 1983 mehr als
verdoppelt. Im Gegensatz dazu verfügt etwa Honduras über nur 16 gepanzer-

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�16 gepanzerte Aufklärungsfahrzeuge, die sich nicht zum amphibischen Einsatz eignen und abgesehen von ihrer Besatzung keine Truppen transportieren können. Costa Rica hat überhaupt keine Armee, ganz zu schweigen von
Panzern. El Salvador besitzt zwar einige Dutzend gepanzerter Mannschaftstransportwagen, aber keine Kampfpanzer. Nicaragua hat auch seinen Bestand
an anderen Militärfahrzeugen drastisch erhöht. Während der ersten sechs
Monate des Jahres 1984 registrierte die amerikanische Regierung die Ankunft von mehr als 200 Militärlastkraftwagen, rund 300 Jeeps und einer
kleineren Anzahl anderer Fahrzeuge sowie von Ersatzteillieferungen in Nicaragua. Im Jahre 1983 erhielt Nicaragua fast 500 Militärlastkraftwagen,
über 500 Jeeps und rund 100 andere Fahrzeuge. Seit 1980 hat allein Ostdeutschland mehr als 1 000 Lastkraftwagen geliefert. Die Sowjets haben
zumindest sechs Schwerlastfähren geliefert, um die amphibische Mobilität
der nicaraguanisehen Streitkräfte zu erhöhen. Mittels dieser Fähren könnten die nichtamphibischen Panzer über Flüsse und andere Wasser laufe gesetzt werden.

Informationen, daß annähernd 50 sowjetische 152- und 122-MilimeterHaubitzen nach Nicaragua verbracht worden sind, haben sich bestätigt. Die
Sandinisten haben aus Lieferländern im Ostblock zumindest 24 122-Milimeter-Mehrfachraketenwerfer erhalten. Diese Werfer und Haubitzen sowie die
240 Panzer und gepanzerten Fahrzeuge verleihen den Streitkräften Nicaraguas eine Feuerkraft und Mobilität, die in der Region nicht ihresgleichen
hat. Durch die amphibischen Fähren bekommen die Panzertruppen außerdem
die Fähigkeit zum Überqueren von Wasserläufen ...

Die sandinistischen Luftstreitkräfte
Die Sandinisten haben nicht nur im Bereich der Landstreitkräfte aufgerüstet, sondern zusätzlich auch die Grundlage für eine kampfstarke
Luftwaffe geschaffen. Sie besitzen etwa 120 Flugabwehrgeschütze sowjetischer Bauart und zumindest 700 Boden-Luft-Raketen vom Typ SA-7. Ferner
haben sie aus dem Ostblock etwa zehn Mi-8-Hubschraüber und sechs leichte
Transportmaschinen vom Typ An-2 erhalten. Ungeachtet der ursprünglichen
Behauptungen der Sowjets und der Sandinisten, daß die Hubschrauber für
zivile Einsatzzwecke bestimmt seien, sind sie bewaffnet und mit einem

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�mit einem Tarnanstrich versehen worden und fliegen militärische Einsätze
gegen die antisandinistischen und indianischen Freischärler.

Weiterhin haben die Sandinisten vier Flugzeuge erhalten - unseres Erachtens aus Libyen - die sowohl als Trainer als auch zur Luftnahunterstvitzung verwendet werden können. Sie sind mit Maschinengewehren bewaffnet und wurden bereits bei Kampfeinsätzen gegen antisandinistische Kräfte
eingesetzt. Libyen hat den Sandinisten auch Hubschrauber geliefert und
rund 20 Piloten und Mechaniker nach Nicaragua entsandt. Die Sandinisten
haben eine neue Sondereiriheit, ein Luftlandebataillon, aufgestellt. Zwei
sowjetische An-26-Transportflugzeuge trafen im April 1983 ein.

Seit mehr als drei Jahren laufen in Nicaragua die Vorbereitungsarbeiten für den Einsatz sowjetischer Kampfflugzeuge ... Ein nicaraguanischer
Überläufer, der für den Sicherheitsapparat der Sandinisten gearbeitet
hatte, sagte aus: "MIG-Kampfflugzeuge für Nicaragua stehen schon in Kuba
bereit. Nicaraguanische Piloten, die gegenwärtig in Bulgarien ausgebildet
werden, sollen sie fliegen."

Einen Hinweis jüngeren Datums, daß Nicaragua tatsächlich MIGs erhalten könnte, bildeten Äußerungen von Junta-Chef Daniel Ortega am 10. Juni
1984. Er sagte, daß nicaraguani sehe Piloten für den Einsatz auf sowohl
MIG- als auch Mirage-Kampfflugzeugen ausgebildet würden. Seinen Äußerungen folgte am 12. Juni ein Leitartikel in der regierungsfreundlichen Zeitung EL NUEVO DIARIO, in dem es hieß, daß das sandinistische Nationaldirektorat den Einsatz von Hochleistungskampfflugzeugen "beschlossen habe".
Wenn Nicaragua tatsächlich MIG-Kampfflugzeuge geliefert bekäme, so würde
dies zweifellos von seinen Nachbarländern und von den Vereinigten Staaten
als Anlaß zu ernster Sorge empfunden werden.

Kubanische Präsenz und Aktivitäten

Heute befinden sich etwa 9 000 Kubaner in Nicaragua. Bei etwa 3 000
von ihnen handelt es sich um militärisches oder Sicherheitsdienstpersonal. Sie sind den nicaraguanisehen Streitkräften und internen Sicherheits- und Nachrichtendienstorganisationen vom Generalstab bis hinunter

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�bis hinunter zu den einzelnen Bataillonen zugeteilt. Ohne die Anwesenheit
der kubanischen Militär- und Sicherheitsdienstberater und ohne die umfangreichen Lieferungen von Waffen und Ausrüstung aus der Sowjetunion wäre die rapide Aufrüstung Nicaraguas von 1979 bis heute unmöglich gewesen.
Andere Ostblockregierungen, radikale Regimes wie das in Libyen und Gruppen wie z.B. die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) waren am
Ausbau und der Ausbildung der Streitkräfte Nicaraguas ebenfalls maßgeblich beteiligt.

Von den Kubanern in Nicaragua üben zwar nur etwa 3 000 unmittelbar
Militär- oder Sicherheitsdienstfunktionen aus, aber viele von den übrigen
sind militärisch ausgebildet und könnten in eine militärische Streitmacht
integriert werden, wie dies etwa auf Grenada geschah. Die 2 000 Kubaner,
die Mitte 1982 nach Nicaragua geschickt wurden, hatten beispielsweise eine militärische Grundausbildung absolviert. Kubaner arbeiten in praktisch
allen nicaraguanisehen Regierungsbehörden, in den Massenorganisationen
und in Bereichen wie dem Unterrichts- und Gesundheitswesen mit ...

Der marxistisch-leninistische Charakter des sandinistisehen Direktorats
Schon zu Zeiten Somozas hielt sich zur Unterstützung der FSLN eine
begrenzte Zahl von Kubanern heimlich in Nicaragua auf. Nachdem die Sandinisten und andere Anti-Somoza-Gruppen im Juli 1979 mit allgemeiner Unterstützung der Bevölkerung die Macht übernommen hatten, trafen weitere
kubanische Berater in Managua ein. Panamesische Angebote zur Entsendung
von Militärberatern wurden zurückgewiesen. In weniger als zwei Jahren kamen ungeachtet der Proteste vieler nichtmarxistischer Führer des gemeinsamen Kampfes gegen Somoza rund 600 kubanische Militärberater nach Nicaragua. Aus Geheimdienstquellen erfuhr die amerikanische Regierung, daß
General Arnaldo Ochoa Sanchez, einer der erfahrensten von Castros hohen
Offizieren, im Juni 1983 nach Nicaragua entsandt worden war, um die Aufrüstung zu überwachen und den kubanischen Einfluß insgesamt zu stärken
... Kubaner sind in Schlüsselressorts innerhalb der sandinistischen Regierung, darunter auch ins Innen- und ins Verteidigungsministerium, delegiert worden. Der kubanische Einfluß geht über die Mitarbeit im nicaraguanischen Sicherheits- und Ausbildungsapparat hinaus ...
Militärische
- 10 -

und/oder

�Militärische und/oder zivile Berater aus der Sowjetunion, Bulgarien,
der Tschechoslowakei, Polen, Ungarn, Libyen und Ostdeutschland sind wenn auch in kleinerer Zahl als die Kubaner - ebenfalls in Nicaragua aktiv. Ihre Aufgabe besteht offenbar darin, einen von den Sandinisten kontrollierten politischen Apparat aufzubauen und das Militär und die Sicherheitskräfte Nicaraguas auf einen beispiellosen zahlenmäßigen Stand zu
bringen ...

Die Nationale Befreiungsfront Farabundo Marti

Die regierungsfeindliche Guerilla in El Salvador wird von der "Frente
Farabundo Marti de Liberacion Nacional" (FMLN) geführt. Die Mitarbeit von
Kubanern und Nicaraguanern in den Hauptgliederungen und Führungskadem
der FMLN in El Salavdor reicht noch in die Zeit vor dem Aufstieg der Sandinisten in Nicaragua zurück. Bis zum Juli 1979 hatte Kuba mehr als 200
Untergrundkämpfer der Volksbefreiungsarmee (FPL) der FMLN in Taktiken des
Guerillakrieges ausgebildet. Ferman Cienfuegos, der Führer einer anderen
salvadorianischen Gruppe, der "Bewaffneten Kräfte des Nationalen Widerstands"

(FAFN), die für zahlreiche Entführungen Salvadorianischer und

ausländischer Geschäftsleute verantwortlich zeichnet, traf ebenfalls regelmäßig mit kubanischen Geheimdienstoffizieren zusammen ...

Wie schon zuvor im Falle der Sandinisten machte Kuba auch die Ausbildungshilfe und materielle Unterstützung für die fünf salvadorianischen
Guerillagruppen von der Bildung einer Einheitsfront abhängig ... Nach Zusammenkünften von salvadorianischen Revolutionsführern - darunter Cayetano Carpio von der "Frente Populär de Liberacion" (FPL) und Shafik Handal,
der Vorsitzende der Kommunistischen Partei - mit ranghohen kubanischen
und sandinistischen Vertretern im Vormonat wurde im Mai 1980 das "Vereinigte Revolutionsdirektorat" (DRU) geschaffen. Es umfaßte sowohl den politischen als auch den militärischen Zweig des Guerillabündnisses. Im Oktober 1980 machten die fünf Guerillafraktionen, deren Aktivitäten unter
dem Dach des DRU lose koordiniert wurden, einen Schritt in Richtung auf
einen engeren Zusammenschluß, indem sie die FMLN bildeten ...
Der

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nicaraguanische

�Der nicaraguanische Nachschub für die salvadorianische Guerilla

Nach der Bildung des DHU im Juni 1980 nahmen die Waffenlieferungen
für die salvadorianische Guerilla über Nicaragua drastisch zu. Kommunistische Regierungen und andere ausländische "revolutionäre" Gönner begannen, der Guerilla über Kuba und Nicaragua Waffen westlicher Bauart, darunter auch M-16-Gewehre, zu schicken. Um den Zufluß von Waffen für die
sogenannte "Endoffensive", die im Januar 1981 begann, zu beschleunigen,
erklärten sich Kuba und andere Ostblockstaaten bereit, den Sandinisten
alle Waffen zu ersetzen, die sie aus eigenen Beständen nach El Salvador
lieferten.

Der Umfang und die Zusammensetzung des Nachschubs für die Guerilla in
El Salvador hat in Abhängigkeit von einer Reihe von Faktoren geschwankt.
Während der Anfangsphase der raschen Aufrüstung von November 1980 bis Januar 1981 bestand ein großer Teil der Lieferungen aus Waffen und Munition. Der Zustrom an Waffen war erheblich. Seitdem haben die salvadorianische Guerilla und ihre Schutzherren in Managua den Strom der Waffen und
anderen Nachschubgüter flexibel gesteuert, je nachdem, welchen taktischen
Erfordernissen sie sich gegenübersahen und was ihre Gegner taten, um diesen Strom zu unterbrechen. Während der ganzen Zeit hat es jedoch einen
beständigen Zustrom von Munition, Sprengmitteln, Medikamenten und Bekleidung gegeben. Es hat auch sporadische Steigerungen der Zufuhr an Guerillawaffen gegeben, um den Erfordernissen geplanter Offensiven oder der
Aufstellung neuer Guerillaverbände zu genügen.

Der Nachschub von Nicaragua nach El Salvador läuft über verschiedene
Routen. Die Lieferungen erfolgen sowohl über Land - nämlich über honduranisches Territorium - als auch über den See- und Luftweg. Als Fischerboote getarnte Schiffe gehen von der Nordwestküste Nigaraguas aus in See und
laden dann Waffen auf große Motorboote um, die sie sodann in den Myriaden
von Buchten und Einfahrten an der Südostküste El Salvadors anlanden. Zwei
nicaraguanische Verschiffungsstationen für Nachschub für die salvadorianische Guerilla - auf La Concha in Estero de Padre Ramos, 40 Kilometer
nordwestlich von Corinto, und bei Potosi am Golf von Fonseca - wurden im
September 1983 von antisandinistisehen Kräften angegriffen und beschä-

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�und beschädigt. Westliche Journalisten konnten La Concha besuchen. Die
Anlage auf der Insel, bestehend aus einer Funkstation, einem Lagerhaus
und einer Bootsanlegestelle - getarnt als Fischerei-Kooperative -

diente

in Wirklichkeit als Waffenumschlagplatz. Ortsansässige Fischer wußten zu
berichten, daß von Militärlastwagen Holzkisten abgeladen und an Bord von
Motorbarkassen gebracht worden seien. Überall lagen leere Munitionskisten
herum.

Auch weiterhin werden von verschiedenen Punkten in Nicaragua aus Waffen über den Golf von Fonseca an der Südostküste El Salvadors angelandet.
Die Bemühungen der salvadorianisehen Regierung, die Nachschublinien in
ihrem letzten, auf salvadorianischem Territorium verlaufenden Teil zu unterbrechen, haben einige Erfolge gezeitigt. Am 21. Mai 1984 beispielsweise verwickelten zwei salvadorianisehe Patrouillen im Gebiet von Isla Montecristo in der Nähe des Deltas des Lempa eine kleine Gruppe von Guerilleros in ein Feuergefecht, in dem zwei der Untergrundkämpfer getötet und
ein dritter gefangengenommen wurde. Auf die Aussagen des Gefangenen hin
konnte die salvadoriani sehe Armee am 25. Mai ein Guerilla-Lager angreifen, das nördlich von dem Ort lag, an dem der Mann gefangen genommen worden war. Das Lager wurde nach hartem Kampf genommen und zerstört. Es hatte hauptsächlich als Zwischenstation auf der Nachschubroute von Nicaragua
her gedient. 34 große Boote wurden erbeutet. Unter den vorgefundenen
Schriftstücken befand sich auch eine Karte des Küstengebiets, auf der
Nachschublinien der Guerilla eingezeichnet waren. Nachdem Waffen und andere Nachschubgüter im Südosten El Salvadors an Land gebracht worden
sind, werden sie normalerweise über versteckte Pfade, zumeist von Trägern, in die Kampfzone im Norden weitertransportiert. Jüngste Berichte
deuten darauf hin, daß junge Salvadorianer zum Dienst bei der Guerilla
gepreßt und zunächst als Waffenträger eingesetzt werden.

Die honduranischen Behörden fangen von Zeit zu Zeit einige Waffenlieferungen ab, die auf dem Landweg von Nicaragua über honduranisches Gebiet
nach El Salvador transportiert werden ... Für Waffentransporte auf dem
Landweg verwendet die Guerilla sowohl PKWs, kleine Lieferwagen und LKWs
als auch Maultiere und Träger ... Ein ehemaliger nicaraguanischer Sicherheitsbeamter berichtete 1983, daß Waffen auch über Mexiko und Guatemala

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�und Guatemala an ihre Bestimmungsorte bei der Salvadorianisehen Guerilla
gebracht würden und daß man sich in zunehmendem Maße kleiner Flugzeugzeuge bediene, um Nachschub auf dem Luftweg von Nicaragua nach El Salvador
zu transportieren ...

Die Hauptabwurfstellen liegen in den von der Guerilla beherrschten
Gebieten der Provinz Morazan im Nordosten El Salvadors. Das Nachschubmaterial wird nicht nur per Fallschirm abgesetzt, sondern die Flugzeuge
landen auch zum Entladen auf Wegen, Straßen und unbefestigten Rollbahnen.
Viele der Besatzungen, die diese Versorgungsflüge durchführen, bestehen
aus Ausländern, die von Jose Trejos rekrutiert werden, einem Costa-Ricaner, der schon die Luftversorgung der Sandinisten mit Waffen organisierte, als sie noch gegen Somoza kämpften ...

Die Herkunft der Waffen für die FMLN

Mitte 1980 besuchte eine Delegation der FMLN unter Führung von Shafik
Handal, dem Vorsitzenden der Kommunistischen Partei El Salvadors, Kuba,
die Sowjetunion, Vietnam, Ostdeutschland, Ungarn, Bulgarien und Äthiopien, um Waffen für den Einsatz in El Salvador zu erbitten. Mit Hilfe sowjetischer Regierungsbeamter wurden umfangreiche Lieferungen von Waffen
amerikanischer Bauart arrangiert, die zumeist aus Beutebeständen der
vietnamesischen Streitkräfte stammten. Diese Waffen wurden zunächst nach
Kuba verschifft, dann auf dem Luftweg nach Nicaragua verbracht und von
dort aus schließlich an die Guerilla in El Salvador weitergeleitet. Durch
dies Verfahren blieb die Tatsache im Dunkeln, daß die Waffen aus dem Ostblock kamen, und die Propagandabehauptung der FMLN, daß die Guerillakämpfer mit Waffen ausgerüstet werden, die sie selbst von den salvadorianischen Streitkräften erbeuten oder auf dem Schwarzmarkt kaufen, wurde
scheinbar in ihrer Glaubwürdigkeit bestärkt. Viele der M-16-Gewehre, die
die Streitkräfte El Salvadors von der Guerilla erbeuten konnten oder die
von Überläufern abgeliefert wurden, tragen noch Seriennummern, aus denen
man ersehen kann, daß es sich um Waffen handelt, die von den Vereinigten
Staaten während des Vietnamkrieges nach Südostasien verschifft worden
sind. Bei anderen hat man die Seriennummer herausgefeilt, um ihre Herkunft zu verschleiern. Ein ehemaliger Guerillaführer äußerte sich folgen-

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�sich folgendermaßen über die Waffenlieferungen, die die Untergrundkämpfer
von Dezember 1980 an erreichten: "Von dem Zeitpunkt an wurde die Mehrzahl
der Waffen - amerikanische M-16-Gewehre - von Vietnam geliefert. Die Waffen gingen von Vietnam nach Havanna, von Havanna nach Managua und von Managua nach El Salvador" ...

Ausbildungzentren, Fernmeldeeinrichtungen

und

Bereitstellungsräume

der

FMI2J

Gefangengenommene Guerilleros und nicaraguanische Überläufer haben
bestätigt, daß die Guerilla in Nicaragua Führungs- und Kommandozentralen,
Ausbildungs-, Fernmelde- und andere Hilfseinrichtungen errichten konnte
... In Managua stehen der FMLN abgeschirmte Zufluchtsorte zur Verfügung.
Als Flüchtlinge getarnte Guerilleros werden von sandinistischen Organisationen wie dem "Comite de Solidaridad con la Lucha Salvadorena" zu diesen
Einrichtungen weitergeleitet. An diesen Zufluchtsorten können Mitglieder
der FMLN ausruhen und sich medizinischer Behandlung unterziehen. Oftmals
werden sie dort hinbeordert, um zu warten, bis sie neue Befehle bekommen
oder zur Sonderausbildung in Guerillalager an anderen Orten in Nicaragua
cder in Kuba geschickt werden.

Ein ehemaliger salvadorianischer Guerillakommandeur hat beschrieben,
wie Befehle über das Femmeldesystem der FMUSt in Nicaragua an Feldtruppenteile der Guerilla in El Salvador weitergeleitet werden. Einige dieser
Fernmeldeeinrichtungen sind im Nordwesten Nicaraguas errichtet worden.
Eine oder möglicherweise auch zwei davon wurden am 2. und 3. Februar 1984
von Flugzeugen der anti-sandinistischen "Demokratischen Streitkräfte Nicaraguas" (FDN) angegriffen. Eine weitere Funkstation lag in den Außenbezirken Managuas in einem Wohngebiet am Ende der Via Panama. Die Großantennen ihres Hochfrequenzsenders waren von der Panamerikanischen Fernstraße aus zu sehen. Nachdem die Behörden zu dem Schluß gekommen waren,
daß die Anlage zu auffällig sei, wurde sie an einen abgeschiedeneren Ort
verlegt.

Zumindest drei Militärlager in Nicaragua werden ausschließlich zur
Ausbildung salvadorianischer Guerilleros genutzt: der Stützpunkt Ostional

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�Stützpunkt Ostional in der Provinz Rivas im Süden, ein umgewandeltes Lager der ehemaligen Nationalgarde im Nordwesten Nicaraguas in der Nähe des
Tamarindo und das Lager Tamagas etwa 20 Kilometer außerhalb von Managua.
Diese Einrichtungen werden von kubanischen Militärs betrieben, die als
Ausbildungs- und Verwaltungspersonal fungieren. Die direkte nicaraguanische Präsenz beschränkt sich auf einen Verbindungsoffizier und die Wachmannschaften der Lager. Im Lager Tamagas werden GueriHeros der FMLN in
speziellen Sabotagetechniken unterwiesen. Der Lagerkommandant

ist ein

kubanischer Major, der auch den FMLN-Stoßtrupp ausgebildet hat, der im
Januar 1982 den Überfall auf den salvadorianischen Luftwaffenstützpunkt
Ilopango durchführte, bei dem der größte Teil aller Militärflugzeuge El
Salvadors zerstört wurde ...

Die honduranische Front

Unmittelbar nach dem Sieg der Sandinisten in Nicaragua im Juli 1979
und lange bevor die antisandinistisehen Kräfte ihre Operationen aufnahmen, wurde Honduras, genau wie El Salvador, zum Ziel der Ausbreitung
marxistisch-leninistischer Subversion in Mittelamerika. Gefangengenommene
Guerilleros und nicaraguanische Überläufer haben dies bestätigt ...

Ende 1981 bildete die salvadorianische

"Revolutionäre Volksarmee"

(ERP) in Tegucigalpa ein vereintes salvadorianisch-honduranisches politisch-militärisches Oberkommando. Ihm unterstand eine militärische Organisation, die rund 50 Personen, davon 15 Salvadorianer, umfaßte. In dem
Oberkommando hatten Salvadorianer das Sagen. Den Honduranern hatte man
lediglich einige zweitrangige Führungspositionen zugewiesen, um den Eindruck einer vereinigten Organisation zu erwecken. Am 4. Juli 1982 verübte
die salvadorianische ERP einen Sabotageanschlag auf das größte Kraftwerk
von Tegucigalpa. Am 4. August 1982 folgten Bombenanschläge gegen die Niederlassungen mehrerer amerikanischer Firmen, darunter IBM und Air Florida. Um die Landesbehörden zu verwirren, schrieb die ERP diese Operationen
einer imaginären honduranischen Gruppe zu. Ein in Honduras gefangengenommener salvadorianischer Guerillakämpfer gab jedoch zu, an den Anschlägen
auf das Kraftwerk in Tegucigalpa und auf die IBM-Niederlassung beteiligt
gewesen zu sein. Die Sprengmittel hatte er aus Nicaragua bekommen. Nach

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�bekommen. Nach Tegucigalpa transportiert hatte er sie im versteckten Laderaum eines LKW, der in Werkstätten der Guerilla in Nicaragua zum Waffentransporter umgebaut worden war.

Die Waffen für diese Operationen waren von der salvadorianischen FMLN
in Nicaragua beschafft worden. Bevor man sie in verschiedenen Verstecken
deponiert hatte, waren sie durch einen "logistischen Hauptumschlagplatz
für Kriegsmaterial" geschleust worden, der in einem Bauernhaus in den
Außenbezirken von Tegucigalpa untergebracht war. Die Polizei nahm auch
vier Funktionäre der salvadorianischen FMLN fest, die sich zum Zeitpunkt
des Anschlags in Tegucigalpa aufgehalten hatten. Einer von ihnen war Commandante Alejandro Montenegro.

Wie schon im Falle von Nicaragua und El Salvador, versucht Kuba,
jetzt in Zusammenarbeit mit Nicaragua, in Honduras die Entwicklung einer
vereinten Guerillabewegung herbeizuführen. 1979 hatte die Ausbildung honduranischer Guerilleros bereits begonnen. Nach dem Muster der nicaraguanisehen und der salvadorianischen Guerilla, die gemeinsame Oberkommandos
gebildet hatten, um sich kubanische Unterstützung zu sichern, schlössen
sich die honduranischen Guerillaorganisationen im März 1983 im "Direktorat der Nationalen Einheit der Revolutionären Bewegung von Honduras"
(DNU-MRH) zusammen. Guerilleros, die später dieser Organisation den Rükken kehrten und überliefen, schätzten, daß im März 1983 zumindest 250
Honduraner zur Guerillaausbildung in Nicaragua angeworben wurden. Einige
wurden auch nach Kuba geschickt ...

Das Übergreifen von politischer Gewalt auf Costa Rica

Sogar Costa Rica, das die Sandinisten und andere nicaraguanische
Gruppen in ihrem Kampf gegen das Somoza-Regime unterstützt hat, ist zur
Zielscheibe dessen geworden, was die Sandinisten als "revolutionären Internationalismus" bezeichnen. Dies kleine Land, eine der stabilsten Demokratien Lateinamerikas, ist von der nicaraguanisehen Gefahr in besonderem
Maße bedroht. Seit 1981 sieht es sich sporadischen Terrorakten ausgesetzt, u.a. Bombenanschlägen, Entführungen und anderen Anschlägen, deren
Urheberschaft

teils

nach

Nicaragua,

- 17 -

teils

zu

den

salvadorianischen

�den salvadorianischen Guerillaorganisationen zurückverfolgt werden konnte. Im Januar 1984 äußerte sich der Präsident Costa Ricas, Luis Alberto
Monge, folgendermaßen zu der Bedrohung durch Nicaragua: "Ich hätte nie
geglaubt, einmal sagen zu müssen - und heute muß ich es - daß die Lage
nach vier Jahren (Sandinismus) schlimmer ist, als in den 40 Jahren unter
Somoza."

Geheimdienstquellen berichten seit einiger Zeit, daß eine kleine Anzahl von costa-ricanischen Linken an der Seite der sandinistischen Truppen gegen die nicaraguanisehen Rebellen kämpft. Einige von ihnen sind angeblich in Kuba ausgebildet. Wie ein amerikanischer Journalist nach einem
kürzlichen Besuch in Costa Rica berichtete, glauben einige Leute dort,
daß diese Linken zur gegebenen Zeit in ihr Land zurückkehren werden, um
dort den Guerillakampf aufzunehmen. Solche Befürchtungen ergeben sich aus
einer Reihe von gewalttätigen Vorfällen, u.a. Schießereien, Entführungen
und Bombenanschläge ... Gleichzeitig hat in den nicaraguanisehen, kubanischen und sowjetischen Medien eine Kampagne gegen Costa Rica begonnen, in
der man versucht, dies demokratische Land als Diktatur darzustellen ...
Außerdem haben die subversiven Kräfte Mittelamerikas über das Territorium
Costa Ricas Waffenlieferungen in die Region eingeschleust, um sie dann an
die Guerilla in El Salvador weiterzuleiten ...

Verbindungen zum Internationalen Terrorismus

Im September 1983 wurde Gregorio Jimenez Morales, ein Mitglied der in
Spanien aktiven baskischen Separatistenorganisation ETA, von der costaricanischen Polizei festgenommen. Die Behörden Costa Ricas kamen zu dem
Schluß, daß Jimenez, der sich unter dem falschen Namen Lorenzo Avila Teijon im Lande aufhielt, von der Regierung Nicaraguas den Auftrag bekommen
habe, Eden Pastora zu ermorden. Im Augenblick seiner Festnahme war Jimenez gerade damit beschäftigt, eine Karte der verschiedenen Zufährtswege
zu Pastoras Wohnung zu zeichnen. Er war im Mai 1983 aus Nicaragua nach
Costa Rica eingereist und bleibt in San Jose in Haft, bis über ein Auslieferungsersuchen der spanischen Regierung entschieden ist.

Angeblich hatten die Costa-Ricaner

- 18 -

von

spanischen

Behörden über

�Behörden über Interpol eine Warnung wegen der Anwesenheit von ETA-Mitgliedern in Mittelamerika erhalten. Während die sandinistische Regierung
jede Verbindung zu Jimenez oder der ETA bestritt, berichteten die offiziellen Presseorgane Nicaraguas, daß im Lande eine "baskische Brigade"
aufgestellt werde, die bei der Kaffeernte helfen solle ...

Die Behörden Costa Ricas hegen den Verdacht, daß internationale Terroristen für den Mordanschlag auf Eden Pastora am 30. Mai 1984 in der
Nähe der costa-ricanisch-nicaraguanischen Grenze verantwortlich waren.
Bei diesem Anschlag wurden vier Menschen getötet - ein amerikanischer Reporter, ein Kameramann des costa-ricanisehen Fernsehens und zwei Mitglieder von Pastoras Rebellengruppe. 27 weitere wurden verwundet, darunter
auch Pastora selbst. Ein interessanter Aspekt des Mordanschlags auf Pastora liegt in der Tatsache, daß schon mehrere Stunden, bevor die CostaRicaner herausgefunden hatten, um was für eine Art von Sprengladung es
sich gehandelt hatte, der sandinistische Rundfunk zu berichten wußte, daß
Plastiksprengstoff verwendet worden sei.

Der ETA werden auch Verbindungen zur Salvadorianisehen FMLN nachgesagt. Nach Aussagen von Alejandro Montenegro haben ETA-Funktionäre 1979
in Nicaragua mit einer der größten Gruppen der FMLN, der Revolutionären
Völksarmee (ERP), ein Abkommen geschlossen, in dem die ETA sich verpflichtete die Guerillaoperationen in El Salvador mit Ausbildungshilfe
und

Personal

zu unterstützen. Angeblich übergab die ETA der ERP auch

250 000 Dollar und stellte ein Mordkommando zum Einsatz gegen hohe Regierungsbeamte in San Salvador ab. ETA-Mitglieder waren angeblich an zwei
fehlgeschlagenen Mordanschlägen auf den Salvadorianisehen Verteidigungsminister Jose Guillermo Garcia in den Jahren 1982 und 1983 beteiligt.

Die Bedeutung des subversiven Netzes

Ohne seine internationalen revolutionären Ambitionen wäre Nicaragua
allein nicht unbedingt eine ernste Gefahr für seine Nachbarn, außer vielleicht in militärischer Hinsicht, da seine Streitkräfte die größten in
der ganzen Region und außerdem die einzigen sind, die über eine größere
Zahl von Kampfpanzern und anderen Panzerfahrzeugen verfügen. Was die

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�Was die Bedrohung, die Nicaragua für seine Nachbarländer darstellt, jedoch vergrößert, ist die Tatsache, daß es das Nervenzentrum eines internationalen subversiven Netzes ist, das über erhebliche Mittel verfügt.
Neben Nicaragua bilden Kuba und, im Hintergrund, die Sowjetunion zentrale
Knotenpunkte in diesem Netz. Die Verbindungen erstrecken sich von anderen
kommunistischen Regierungen des Ostblocks einschließlich Vietnams über
die radikalen Regimes in Libyen und Äthiopien bis hin zu internationalen
Organisationen wie der PLO, der baskischen ETA, den argentinischen Montoneros und den uruguayischen Tupamaros. Die Zusammenarbeit dieser Akteure
bei gemeinsamen Operationen - die sich bei einigen der im vorliegenden
Bericht beschriebenen Vorfälle gezeigt hat - läßt die Drohung Nicaraguas
glaubwürdig erscheinen. Der vermutete Einsatz "internationaler Helfer"
durch Nicaragua bei Mordanschlägen auf nicaraguanische Oppositionsführer
in Costa Rica ist ein Beispiel. Ein weiteres Beispiel bildet das argentinisch-chilenische Mordkommando, das im Jahre 1980 Anastasio Somoza in
Paraguay tötete. Geheimdienstberichte, die damals offenbar der Presse zugespielt wurden, deuteten darauf hin, daß "die Regierung Nicaraguas in
der Tat bis zum Hals in die Planung und Finanzierung der Ermordung Somozas verstrickt war".

Bei Angriffen auf ihre Feinde können die Sandinisten also auf die
Mittel anderer Mitglieder des subversiven Netzes, das seinen Mittelpunkt
in Nicaragua hat, zurückgreifen. Nicaragua kann Mordanschläge durch eine
der internationalen Organisationen durchführen lassen und dabei den Anschein wahren, selbst nicht beteiligt zu sein. Weiterhin kann sich es zur
Unterstützung seiner Bestrebungen der machtvollen kubanisch-sowjetischen
Propagandamaschinerie bedienen.

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�25. Juli 1984

30

Amerikanische Initiativen zur Rüstungskontrolle
1. Halbjahr 1984
Chronologie

Wafihington

-(AD)- Seit März 1984 haben die Vereinigten

Staaten zur

Erhöhung der Stabilität in Europa bedeutende Rüstungskontrollvorschlage
im Bereich
chemischen

der

Truppenverringerung

Kriegführung

sowie

bei

in Mitteleuropa,
den

im Bereich

vertrauensbildenden

der

Maßnahmen

unterbreitet. Zudem akzeptierten sie den sowjetischen Vorschlag, sich ab
dem 18. September 1984 in Wien zu Gäsprächen über die "Verhinderung der
Militarisierung des Weltraums" zusammenzusetzen.

Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten die Sowjetunion mehrmals
dazu aufgefordert, zu den Qfesprächen über Nuklearraketen zurückzukehren,
die sie in Qfenf Ende 1983 abgebrochen hatte. Präsident Reagan hat immer
wieder die amerikanische Bereitschaft unterstrichen, die Verhandlungen
über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) wie auch die Verhandlungen über
eine Verringerung der strategischen Rüstungen (START) "an jedem Ort, zu
jeoer Zeit und ohne Vorbedingungen" wieder aufzunehmen.

Am

17.

Juli

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Am 17. Juli 1984 unterzeichneten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ein Abkommen über die Ausweitung des "Heißen Drahtes" zwischen
Washington und Moskau; eine Modernisierung dieser direkten Verbindungslinie hatten die Vereinigten Staaten im Mai 1983 vorgeschlagen.

Nachstehend ein Überblick über die wichtigsten Rüstungskontrollinitiativen des ersten Halbjahrs 1984:

Anfang 1984: AMERIKANISCH-SOWJETISCHE MILITÄRISCHE KONTAKTE

Präsident Reagan schlägt der sowjetischen Führung vor, die Möglichkeit einer regelmäßigen Form des Kontaktes und der Diskussion zwischen
beiden Staaten im militärischen Bereich und auf hoher Ebene zu eruieren,
um "das gegenseitige Verständnis zu vertiefen und die Möglichkeit von
Falschinterpretation und Fehlkalkulation zu verringern."

15. März 1984: WELTRAUMWAFFEN

Der unterStaatssekretär im US-Verteidigungsministerium Richard Perle
erklärt, es sei "schwierig, wenn nicht unmöglich, die sowjetische Einhaltung eines umfassenden Antisatellitenwaffen-(ASAT)-Verbots zu verifizieren, das im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten
läge." Er betont, daß die Sowjets auf der ganzen Welt das einzige funktionsfähige ASAT-System besitzen.

16.

März 1 9 8 4 : VERHANDLUNGEN ÜBER BEIDERSEITIGE UND AUSGEWOGENE TRUPPEN-

VERRINGERUNGEN (MBFR)

Die Vereinigten Staaten begrüßen die Rückkehr der Sowjetunion -nach dreimonatiger Abwesenheit- zu den Wiener Ost-West-Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverringerungen (MBFR) und drängen die Sowjets darauf, die Genfer INF- und START.-Verhandlungen wieder aufzunehmen.
- 2 -

�wieder aufzunehmen.

2. April 1984: WELTRAUMWAFFEN

. Der Bericht der Administration an den Kongreß über die Politik der
Vereinigten Staaten hinsichtlich Rüstungskontrolle bei Antisatellitensystemen betont, daß "bislang noch keine Möglichkeiten bestehen, ein umfassendes ASAT-Verbot auszuarbeiten", das "wirksam verifizierbar ist" und
die "(fesamtverteidigungsposition" der Vereinigten Staaten unterstützt.

Präsident Reagan wiederholt, was zum erstenmal am 4. Juli 1982 als
die nationale Weltraumpolitik der Vereinigten Staaten definiert wurde:
"Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin Optionen

für die

Kontrolle von Weltraumwaffen untersuchen. Die Vereinigten Staaten werden
verifizierbare und ausgewogene Rüstungskontrollmaßnahmen erwägen, die die
Erprobung und Dislozierung spezieller Waffensysteme verbieten oder begrenzen würden, solange diese Maßnahmen in Einklang mit der nationalen
Sicherheit der Vereinigten Staaten stehen."

6. April 1984: INF/START

In einer Rede im Zentrum für strategische und internationale Studien
der Universität Gfeorgetown erklärt Präsident Reagan, die primäre Herausforderung bestehe darin, "die (fefahr eines Atomkrieges zu verringern und
den Umfang der Nuklearrüstung in einer Weise zu verkleinern, die auch die
Gfefahr verkleinert, daß sie niemals eingesetzt wird."

Und er fügte hinzu: "Wenn die neue sowjetische Führung wirklich die
Schaffung einer sichereren und menschlicheren Welt -anstatt eines noch
größeren Wettrüstens -will, wird sie im Westen einen verständnisvollen
Partner finden."

18. April 1984: CHEMISCHE WAFFEN

Auf der Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen

in

Genf legt

Vizepräsident Bush einen Vertragsentwurf für ein weltweites Verbot der
Entwicklung, der Herstellung, des Besitzes, des Einsatzes, der Lagerung
und des Transfers chemischer Waffen vor.
Der

amerikanische

�Der amerikanische Vertragsentwurf enthalt Maßnahmen der Verifizierung, die ein System regelmäßiger, internationaler Inspektionen vor Ort
vorsehen - zwecks

Prüfung von Informationen,

ständen und Anlagen vor ihrer Zerstörung, zwecks

Kontrolle von LagerbeBestätigung von Still-

legungen und Überwachung erlaubter Aktivitäten - wie etwa der Herstellung
bestimmter Chemikalien, die besondere Risiken beinhalten.

Ein besonderer Mechanismus der "Überprüfung durch Inspektionen vor
Ort zu jeder Zeit und an jeder Stelle" von militärischen und anderen
staatlichen Anlagen würde eingebaut, um

mögliche Vertragsverletzungen in

den Qriff zu bekommen.

19. April 1984: MBFR

Bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverringerungen in Wien bringen die Vereinigten Staaten und ihre westlichen
Verbündeten eine neue große Initiative ein. Der westliche Vorschlag, der
zur Diskussion steht, soll das Patt überwinden, das hinsichtlich der Unfähigkeit des Warschauer Paktes und der NATO besteht, zu einer Einigung
hinsichtlich der Streitkräfte des Ostens in Mitteleuropa zu gelangen.

Die vier Hauptelemente des westlichen Vorschlages sind:

(1) Eine neue Art und Weise, die Truppen der NATO und des Warschauer
Paktes in Mitteleuropa zu zählen. Statt seiner Forderung nach einer
förmlichen Übereinkunft hinsichtlich der Daten aller

Streitkräfte

in

Mitteleuropa vor Beginn einer Verringerung würde der Westen einen Datenaustausch akzeptieren, "der sich innerhalb einer akzeptablen Bandbreite" der westlichen Schätzungen der Kampf- und Kampfunterstützungstruppen beider Seiten bewegt.
(2) Eine neue Methode beim Prozeß der Truppenverringerung und -begrenzung. Die einzigen Truppenverringerungen, die festzulegen wären, bevor
der Vertrag in Kraft tritt, würden diejenigen der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion sein.
(3)

Der

Westen

�(3) Der Westen geht in wichtigen Bereichen auf östliche Bedenken ein, indem er folgendes vorschlägt:
(A) Die amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte sollten hauptsächlich in ganzen Einheiten abgezogen werden;
(B) Eine"verifizierbare und kollektive Verpflichtung zum Verzicht auf
weitere Erhöhungen", die "die Gesamtstärke der Bodentruppen aller unmittelbar Beteiligten" abdeckt, "würde sofort nach dem ersten Schritt der
amerikanisch-sowjetischen Reduktionen in Kraft treten;"
(C) der Gesamtprozeß der Truppenverringerungen würde von sieben auf
fünf Jahre verkürzt werden.
(4} Im Gfegenzug zur Flexibilität bei den Daten schlägt der Westen wirksamere Maßnahmen bei der Verifizierung vor.

30. April 1984: DER "HEISSE DRAHT"

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion beenden die dritte Gesprächsrunde in Moskau und diskutieren den Vorschlag Präsident Reagans
vom 24. Mai 1983 zur Verringerung des Kriegsrisikos in Krisenzeiten durch
Verbesserung

des

amerikanisch-sowjetischen

"Heißen

Drahtes", der

ur-

sprünglich 1963 installiert worden war.

Die Vereinigten Staaten erklären, daß es erheblichen Fortschritt in
Richtung auf ein Abkommen über technische Verbesserungen beim

"Heißen

Draht", der direkten Kommunikationslinie zwischen Washington und Moskau,
gegeben habe.

Im Mai 1983 schlagen die Vereinigten Staaten auch Maßnahmen vor zur
(1) Einrichtung

extrem

rascher

Datenverbindungen

zwischen

den

beiden

Regierungen und ihrer jeweiligen Botschaft;
(2) Einrichtung gemeinsamer militärischer Kommunikationslinien zwecks des
Austausches zeitempfindlicher technischer Daten sowie zur Erleichterung
der Konsultationen im Fall einer atomaren Drohung oder eines atomaren
Vorfalls durch terroristische Aktivitäten.

28.

Mai-

�28. Mai- 2. Juni 1984: KONFERENZ ÜBER ZWISCHENFÄLLE AUF HOHER SEE

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion stimmen einer dreijährigen Verlängerung ihres Abkommens aus dem Jahr 1972 zu, Vorfälle auf
hoher See zu vermeiden. Das Abkommen legt bestimmte "Straßenverkehrsregeln" fest, um dadurch Situationen in den Griff zu bekommen, in die
Schiffe und Flugzeuge beider Staaten verwickelt werden könnten.

4.

Juni

1984:

KONFERENZ

ÜBER

VERTRAUENS-

UND

SICHERHEriSBILDENDE

MASSNAHMEN UND ABRÜSTUNG IN EUROPA (KVAE)

In einer

Rede

vor dem

irischen Parlament unterbreitet Präsident

Reagan das Angebot, den sowjetischen Vorschlag zu diskutieren, auf der
KVAE den Grundsatz der Nichtanwendung von Gfewalt erneut zu bekräftigen,
sobald die UdSSR zustimmt, "Abkommen auszuhandeln, die diesem Prinzip
eine konkrete neue Bedeutung geben."

Der Präsident wiederholt zudem seine Forderung, die Sowjetunion möge
die INF- und START-Verhandlungen wieder aufnehmen.
14. Juni 1984: WELTRAUMWAFFEN. AMERIKANISCH-SOWJETISCHER GIPFEL
Auf einer Pressekonferenz erklärt Präsident Reagan, die Tür zu Gesprächen mit der Sowjetunion über Antisatellitenwaffen sei nicht zugeschlagen. Er unterstreicht seine Bereitschaft zu einem Treffen und zu
Gesprächen mit der sowjetischen Führung "zu jeder Zeit."
2 9 . J u n i 1984: VORSCHLAG EINES AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN TREFFENS IN WIEN
Die Vereinigten Staaten greifen sofort den sowjetischen Vorschlag vom
29. Juni auf, sich im September in Wien zu treffen, um mit Verhandlungen
zur "Verhinderung der Militarisierung des Weltraums" zu beginnen.
Der nationale Sicherheitsberater

im Weißen Haus, Robert McFarlane,

erklärt, die Vereinigten Staatn werden

(1) wechselseitig
- 6 -

�(1) wechselseitig

annehmbare Abkommen diskutieren und ausarbeiten,

gemäß derer die Verhandlungen über die Verrringerung strategischer und
nuklearer Mittelstreckenwaffen wieder aufgenommen werden können;

(2) sich an Diskussionen bei der
sichtlich

einer

verifizierbaren

akzeptablen
und

wirksamen

Suche nach Übereinstimmung

Verhandlungsführung
Begrenzungen

von

beteiligen,

die

hinzu

Antisatellitenwaffen

führen könnten;

(3) über jedes Abrüstungsthema oder jede andere Frage sprechen, die
für beide Seiten von Interesse ist.

1. Juli 1984: VORSCHLAG EINES AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN TREFFENS IN WIEN

Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärt, die Vereinigten Staaten werden an den für September vorgeschlagenen Rüstungskontrollgesprächen mit
der Sowjetunion in Wien ohne Vorbedingungen teilnehmen. Er fügt hinzu,
daß die sowjetische Bereitschaft zu einer amerikanischen Tagesordnung,
welche die Frage nach einer Wiederbeteiligung Moskaus an den INF- und
START-Verhandlungen beinhalten würde, keine amerikanische "Bedingung" für
dieses Treffen sei.

17. Juli 1984: ABKOMMEN ÜBER "HEISSEN DRAHT"
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion paraphieren in Washington
eine diplomatische Note, worin sie sich hinsichtlich technischer Verbesserungen der 21 Jahre alten direkten Kommunikationslinie

-des "Heißen

Drahts"- zur Verwendung in Krisenfällen einigen.

Diese Verbindung wurde zum erstenmal im September 1971 mittels einer
Vereinbarung modernisiert, zwei Satelliten in das System einzubeziehen,
die im Januar 1978 in Dienst gestellt wurden.

Eine Modernisierung des "Heißen Drahtes" wurde zum erstenmal im Mai
1983 von den Vereinigten Staaten vorgeschlagen. Die neue Vereinbarung
- 7 -

�neue Vereinbarung sieht vor, zusätzlich zum "Heißen Draht" noch die Übermittlung von Faksimilevorlagen zu ermöglichen. Der amerikanische und der
sowjetische

Regierungschef

können dadurch

in Krisenzeiten

Botschaften

dreimal so rasch wie beim derzeitigen System übermitteln, das 64 Wörter
je Minute sendet. Das neue System ermöglicht die Übermittlung von graphischen Darstellungen, Landkarten, Schaubildern und

Zeichnungen

zwischen

beiden Hauptstädten.

Zum amerikanisch-sowjetischen

direkten Kommunikationssystem

gehören

dann:
(1) zwei Satellitensysteme plus ein Fernschreibsystem;
(2) jeweils eine Bodenstation für jedes Satellitensystem;
(3)

Terminals

in

beiden

Ländern,

die

an

die

drei

Systeme

angeschlossen sind und die mit Fernschreib- und Faksimilegeräten bestückt
sind.

Präsident Reagan erklärt, daß das amerikanisch-sowjetische Abkommen
zur Ausweitung und Verbesserung der Krisenkommunikation zwischen Washington und Moskau einen "bescheidenen, aber positiven Schritt zur Stärkung
der weltweiten Stabilität und zur Verringerung der

Q&amp;fahr einer durch

Pannen, Fehleinschätzungen oder Mißdeutungen hervorgerufenen Konfrontation oder eines Konfliktes bildet."

17. Juli 1984: KONFERENZ ÜBER VERTRAUENS- UND SICHERHEITSBILDENDE MASSNAHMEN UND ABRÜSTUNG IN EUROPA (KVAE)
Präsident Reagan erklärt, daß die Vereinigten Staaten darüber enttäuscht sind, daß die Sowjetunion "bislang dabei versagt hat", sich der
Mehrheit der 35 Staaten anzuschließen, "die den Wunsch demonstriert haben, bei der KVAE ... mit konkreten Verhandlungen über konkrete Maßnahmen
zu beginnen, das Prinzip (der Nichtanwendung von G&amp;walt) in die Tat umzusetzen. "

* * * * *

�30

25. Juli 1984

DIE WAWHLEN IN AMERIKA 1984
( 5.,)
- Walter F. Mondale: • Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten -

SAN FRANZISKO - (AD) - Walter Frederick ("Fritz") Mondale wurde auf
dem Parteikonvent der Demokratischen Partei in San Franzisko am 18. Juli
1984 zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei gewählt.

Der bisher

eher als kühl und vorsichtig geltende ehemalige Vizepräsident der Vereinigten Staaten unter Präsident Carter hat seinen ersten großen Erfolg als
"Kämpfer" zu verzeichnen.

Zusammen mit der von ihm nominierten Kandida-

tin für das Amt des Vizepräsidenten, der Kongreßabgeordneten Geraldine
Ferraro, wird er jetzt gegen Präsident Ronald Reagan und Vizepräsident
George Bush antreten.

Die Wahl einer Frau zur Vizepräsidentschaftskandi-

datin - zum erstenmal in der Geschichte der Vereinigten Staaten - ist
eine politische Sensation.

Mondale war im Jahr 1976 mit seiner Nominierung - und späteren Wahl zum Vizepräsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei in das po-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�das politische Rampenlicht getreten.

Damals hatte er auf dem Parteikon-

vent erklärt:
"Wir glauben daran, daß Amerikas größte Stärke in seinen Werten
liegt.

Unsere Liebe zur Freiheit, unser Gfefühl für Fairness, unser Sinn

für Hilfsbereitschaft: . Diese Überzeugungen wurden in allen Sprachen weitergegeben, die in Amerika gesprochen werden:
nisch, in Jiddisch und in

in Polnisch und Italie-

Griechisch, am Küchentisch in

Boston, auf den

kleinen Bauernhöfen des Mittleren Westens, wo ich herkomme.

Wir Demokraten glauben daran, daß die Regierung diesen Wertvorstellungen dienen kann.

Keine Regierung kann einem jeden einzelnen ein per-

fektes Leben garantieren.

Keine Regierung kann Ersatz sein für unsere

Familien, unsere Kirchen, unsere Synagogen, unsere Nachbarn, unsere Freiwilligen.

Aber eine fortschrittliche Regierung muß zweierlei tun:

Sie

muß die Bedingungen schaffen, um allen Menschen dabei zu helfen, sich
selbst ein besseres Leben aufzubauen.
und fair tun.

Und sie muß dies wirksam, ehrlich

Dies sind die Überzeugungen, die wir als Demokraten

teilen."

Vier Jahre lang hat Walter E. Mondale das Amt des Vizepräsidenten der
Vereinigten Staaten ausgefüllt - ein Amt, das oft nur als "dekorativ" angesehen wird und dem Mondale von Anfang an mehr Gewicht verleihen wollte.
Damals machte er Carter gegenüber kein Hehl aus seiner Einstellung:

"Ich

sagte, daß ich an einem zeremoniellen Job überhaupt nicht interessiert
sei."

So sagte Carter schon zwei Tage nach seiner eigenen Wahl 1976 im

Hinblick auf seinen künftigen Vizepräsidenten:

"Ich erwarte von ihm, in

der kommenden Administration eine größere Rolle zu spielen, als dies jeder bisherige Vizepräsident getan hat." Außerdem wies er darauf hin, daß
sein Stellvertreter in alle Unterlagen Einblick erhalten werde, die ihm
selbst vorgelegt würden.

"Ich glaube, daß das Ausmaß, in dem er in den

Entscheidungsprozeß einbezogen wird, seine Funktionen in unserem eigenen
Land und im Ausland viel wirkungsvoller gestalten wird."

Symbolisch für die Aufwertung war deshalb sofort bei Amtsübernahme
- 2 -

�bei Amtsübernahme der Umzug von den bisherigen Amtsräumen der Vorgänger
in den Westflügel des Weißen Hauses.

Und schon wenige Tage nach der Amtseinführung beauftragte Präsident
Carter seinen Stellvertreter mit einer eminent politischen Mission: Eine zehntägige Reise führte Mondale nach Belgien, in die Bundesrepublik
Deutschland, nach Italien, Großbritannien, Frankreich und nach Japan.
Seither haben solche Staatsbesuche Mondale in zahllose Länder geführt.
So hielt er sich eine Woche lang in der Volksrepublik China auf, vertrat
Präsident Carter beim Begräbnis Titos, sprach vor der Flüchtlingskonferenz der Vereinten Nationen in Genf.

Eine der letzten Reisen war ein

Besuch mehrerer afrikanischer Länder, der es ihm gestattete, in einem
Kontinent, dem die Regierung Carter stets besondere Bedeutung beigemessen
hatte, die Entwicklungsprinzipien der demokratischen Gesellschaften darzulegen:

"Wir Demokratien", so führte er aus, "werden stärker werden -

nicht weil wir unsere Meinungsverschiedenheiten
weil wir sie schätzen.

unterdrücken, sondern

Wir werden reicher werden - nicht weil wir die

persönliche Freiheit zerstampfen, sondern weil wir sie respektieren. Wir
werden gerechter werden - nicht weil wir unsere Ungleichheiten verleugnen, sondern weil wir uns ihnen stellen."

Den Weg bis dahin bewältigte der "problemorientierte, pragmatische,
progressive Demokrat", wie Mondale sich selbst einmal definierte, mit
Intelligenz und Fleiß.

Die "New York Times" schrieb schon vor Jahren:

"Mondale wird allgemein als einer der klügsten Köpfe im Senat angesehen... Er machte seine Hausaufgaben."

Mondale wurde am 5. Januar 1928 als eines von sieben Kindern des
Methodistenpfarrers Theodore Sigvaard Mondale in dem kleinen Städtchen
Ceylon im südlichen Minnesota geboren.
Herkunft und hieß eigentlich Mundal:
Schreibfehler

Seine Familie ist norwegischer
der heutige Name geht auf einen

der Einwanderungsbehörde

zurück.

Was aus Namen werden

kann, zeigt sich auch daran, daß aus Frederick der Spitzname "Fritz" wurde, der Mondale heute noch anhängt.

Er besuchte die öffentliche Schule

seines Heimatortes und von 1946 bis 1949 das Macalester College in St.
- 3 -

�College in St. Paul, Minnesota.

Im letzten Studienjahr wechselte er an

die Staatsuniversität von Minnesota, wo er 1951 den akademischen Grad eines Bachelor of Arts erwarb. Sein Studium finanzierte er durch Arbeit in
einer Lebensmittelfabrik.

Schon 1948 war er in der Politik zu finden. Damals war er als Wahlkampfleiter im zweiten Kongreßwahlbezirk des Staates für den - erfolgreichen - Senatskandidaten Hubert H. Humphrey, damals Bürgermeister von
Minneapolis, tätig.

Mondale trug wesentlich dazu bei, daß Humphrey in

dem vorher stark republikanischen Wahlbezirk als demokratischer Senator
mit beachtlicher Mehrheit gewann.

Seit dieser Zeit datierte die politi-

sche Freundschaft der beiden.

Im Jahr 1951 wurde Mondale Soldat und diente in Korea.

Nach seiner

Entlassung mit dem Rang eines Unteroffiziers im Jahr 1953 studierte er
Jura an der Universität von Minnesota.

Er heiratete 1955 Joan Adams, die Tochter eines Geistlichen.

Das

Paar hat drei Kinder - zwei Söhne, Theodore und William, und eine Tochter, Eleanor Jane.
Nach seiner Zulassung bei der Anwaltskammer von Minnesota im Jahr
1956 arbeitete Mondale vier Jahre in dem großen Anwaltsbüro von Larson,
Loevinger, Lindquist, Freeman und Fräser.
ros,

Orville

L.

Freeman, der

spätere

Einer der Partner dieses BüLandwirtschaftsminister

unter

Kennedy und Johnson, kandidierte für den Posten des Staatsgouverneurs von
Minnesota. Mondale führte für ihn den Wahlkampf und war wiederum erfolgreich.

Nachdem er zwei Jahre als Sonderberater des Generalstaatsanwalts seines Heimatstaats gearbeitet hatte, wurde er 1960 von Gouverneur Freeman
auf den Posten des Generalstaatsanwalts berufen, der mit dem Rücktritt
seines bisherigen Inhabers vakant geworden war.

Im November 1962 wurde

er mit einer überzeugenden Mehrheit von 59,6 Prozent erneut für dieses
Amt gewählt.
Unter

den

�Unter den Delegierten Minnesotas nahm Mondale 1964 am Nationalkonvent
der Demokraten teil, auf dem der damalige Präsident Lyndon B. Johnson
Senator Humphrey zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten auswählte. Am
17. November - nach dem überwältigenden Wahlsieg des G&amp;spanns Johnson/
Humphrey

- wurde Mondale von

Gouverneur Roolvag mit dem Senatssitz

Humphreys betraut, der nach dessen Ausscheiden noch für zwei Jahre vakant
war.

Seither hat Mondale zweimal - 1966 und 1972 - selbst als Senator

kandidiert und wurde beide Male mit überzeugender Mehrheit gewählt.

Mondale gehörte dem einflußreichen Haushalts-Ausschuß des Senats, dem
Finanz-Ausschuß, der mit der Abfassung der Steuer- und Handelsgesetze betraut ist, und dem Ausschuß für Arbeit und öffentliche Wohlfahrt an. Außerdem arbeitete Mondale in dem Sonderausschuß mit, der unter Vorsitz von
Senator Frank Church aus Idaho mit der Untersuchung der Verbindung zwischen Regierung und G&amp;heimdiensttätigkeiten betraut war.
Bei seinen Kollegen im Senat galt Mondale als Vertreter gemäßigter
bis liberalter Anschauungen.

In seinem Buch "The Accountability of Power" (Die Verantwortlichkeit
der Macht) tritt Mondale für eine Ausgewogenheit der Macht des Präsidenten und eine stärkere Verantwortlichkeit der Exekutive gegenüber dem
Kongreß und dem Volk ein.

- 5 -

�25. Juli 1984

30

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
( 6 )
- Geraldine Ferraro: Die Vizepräsidentschaftskandidatin der Demokraten -

SAN FRANCISCO - (AD) - Die Kongreßabgeordnete Geraldine Ferraro aus
New York wurde auf dem Parteikonvent der Demokratischen Partei in San
Francisco am 19. Juli 1984 zur Vizepräsidentschaftskandidatin ihrer Partei gewählt.
Geraldine Ferraro glaubt, daß auch heute noch in Amerika alles möglich ist, wenn man nur hart genug dafür arbeitet.

Sie selbst ist ein

Beispiel für ihre Maxime.

Ihre Mutter, deren Namen sie auch nach ihrer Heirat mit John Zaccaro,
einem Grundstücksmakler in Manhattan, zum Andenken beibehielt, brachte
als Witwe die Familie als Näherin in Newburgh im Staate New York mühsam
durch.

Geraldine Ferraro, Jahrgang 1936, absolvierte zunächst das Mary-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�das Marymount Manhattan College und begann 1956 als Lehrerin an öffentlichen Schulen in New York, um sich das Geld für ein Abendstudium in Jura
zu verdienen.

Im Jahr 1960 legt sie ihr juristisches Staatsexamen an der

Oordham-Universität in New York ab.

Zunächst praktiziert sie als Rechtsanwalt in und wird im Jahr 1974 zur
leitenden Staatsanwaltin im New Yorker Vorort Queens berufen.

Sie wird

in der Demokratischen Partei aktiv und gewinnt 1978 einen Sitz im Repräsentantenhaus in Washington für ihre Partei, den sie 1980 und 1982 erfolgreich behaupten kann.

Sie gilt als aufsteigender Stern in ihrer Par-

tei und wurde 1984 in die Hunt-Kommission berufen, die die Wahlregeln und
die Plattform für den Parteikonvent in San Francisco ausgearbeitet hat.

Geraldine Ferraro, Katholikin italienischer Abstammung, wird zum liberalen Flügel der Demokratischen Partei gerechnet und hat sich besonders
deutlich für die Menschenrechte in aller Welt ausgesprochen.

Die wich-

tigste Aufgabe des nächsten Präsidenten, so sagte sie, ist die Verringerung der Gefahr eines Atomkrieges.

Sie tritt für ein umfassendes, bei-

derseitiges und verifizierbares Einfrieren der Erprobung, Herstellung und
Dislozierung aller Kernwaffen ein.

Sie ist gegen die Dislozierung der

MX-Rakete, aber für die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht.

Innenpolitisch wendet sie sich gegen die zwangsweise Integration an
Schulen und befürwortet Ausbildungsfreibeträge bei der Einkommensteuer.
Während ihrer Tätigkeit als Kongreßabgeordnete hat sie sich in zahlreichen Ausschüssen vor allem für den Schutz der Frauen und Kinder vor
Sexualverbrechen und den Schutz älterer Menschen eingesetzt.

Sie hat im

Kongreß ein besonderes Büro gegründet, an das sich Opfer solcher Verbrechen vertraulich wenden können. Sie spielt auch eine gewichtige Rolle im
Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses sowie im Ausschuß für öffentliches Bauwesen und Verkehr.

Hier hat sie besonders auf den schlechten

Zustand der Straßen, Brücken und Wasserstraßen New Yorks hingewiesen.
Selbstverständlich hat sie sich in der Partei und im Kongreß auch nachdrücklich für die Gleichberechtigung der Frau im Berufs- und Wirtschafts- 2 -

�und Wirtschaftsleben eingesetzt.

Mit unermüdlichem Eifer und großem Können hat sie alle ihr gestellten Aufgaben mit Schwung und Charm gemeistert und sich weitgehende Anerkennung und Achtung verschafft.

Der Sprecher des amerikanischen Reprä-

sentantenhauses, Thomas O'Neill, der sich für ihre Nominierung einsetzte,
meinte: "Sie macht keine Fehler".

Seit 1960 ist Geraldine Ferraro verheiratet; sie hat zwei Töchter und
einen Sohn.

- 3 -

i

�T

Wi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25. J u l i 1984

30

NOVA - NEUES LASERSYSTEM ZUR ZÜNDUNG VON FUSIONSREAKTIONEN

- (AD) - Eine Vorstufe zum Fusionsreaktor, der aus einer kontrollierten Verschmelzung leichter Atomkerne mehr Energie gewinnen soll, als für
den Prozeß selbst verbraucht wird, bildet die riesige Laseranlage NOVA im
"Lawrence Livermore National Laboratory" von Livermore (Kalifornien). Sie
ist seit 1978 in Bau und wird im Verlauf dieses Jahres fertiggestellt.
Anfang 1985 soll der Vollbetrieb beginnen, nachdem im Juli 1984 bereits
mit acht von insgesamt zehn vorgesehenen NOVA-Laserstrahlen infrarote
Lichtimpulse von einer Milliardstel Sekunde Dauer (Energiegehalt: 57 Billionen Watt) erzeugt wurden.
stehen noch aus.

Fusionsversuche mit sog. Targetsubstanzen

In Laboratorien vieler Länder arbeiten Physiker z. Zt.

an verschiedenen Verfahren, um kontrollierte Kernverschmelzungsreaktionen
zu erzielen und kontinuierlich zu unterhalten. Und eine Methode, die Reaktion zu "zünden", ist die Verwendung von Lager-Energie.

Wenn die mit 176 Millionen Dollar errichtete NOVA-Anlage fertiggestellt sein wird (das Lager-System allein füllt einen Raum von 90 m Län-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�90 m Länge), können Fusionsexperimente in drei Spektralbereichen durchgeführt werden - im Infrarotbereich bei 1,05 mm Wellenlänge, im sichtbaren
Grün bei 0,53 mm Wellenlänge und im Ultraviolettbereich bei 0,35 mm Wellenlänge.

Die Energieleistung wird mit Infrarot-Laserlicht 80 bis 120

Billionen Watt, im Grünbereich 50 bis 80 Billionen Watt und im Ultraviolettbereich 40 bis 70 Billionen Watt betragen. Außerdem haben die NOVAForscher die Möglichkeit, zu ihren Experimenten verschiedenartige Pulsformen und Zielsubstanzen zu benutzen.

NOVA dürfte z. Zt. das stärkste

Laser-System der Welt sein.

* * * * *

.

�Wi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25. Juli 1984

30

PESTIZIDE GEHEN IN DIE HAUT

- (AD) - Obgleich sie Handschuhe und Schutzkleidung tragen, können
Heimgärtner und landwirtschaftliche Arbeitskräfte beim Versprühen von
Schädlingsbekämpfungsmitteln geringe Mengen davon über die Haut absorbieren.

Dies zeigen Messungen einer Forschergruppe des Instituts für Öf-

fentliches Gesundheitswesen der Universität Kalifornien in Berkeley.

Prof. Robert C. Spear und Mitarbeiter setzten Pestiziden einen fluoreszierenden Farbstoff zu. Mittels einer hochempfindlichen Fernsehkamera
wurden unmittelbar nach der Sprühaktion die Hautflächen aufgenommen.

Die

Auswertung mit einem Mikrocomputer zeigte, daß an beiden Handflächen und
sämtlichen Fingern, dazu auch am rechten Unterarm die Hautexposition am
größten war, obgleich die betreffenden Personen beim Sprühen Gummihandschuhe getragen hatten. Aufgrund dieser Meßergebnisse sei erneut zu fragen, so die Wissenschaftler, in welcher Menge Pestizide beim Versprühen
tatsächlich auf den Menschen einwirken können.

Eine Exposition der Haut

gebe Anlaß zur Sorge, weil die meisten Pestizide leicht von der Haut absorbiert werden und so ins Blut gelangen können, erklärte Prof. Spear.
* * * * *

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�Berichtigung
In unserem Artikel "Spitzentechnologie für strategische Verteidigungsinitiative" (Amerika Dienst-Ausgabe Nr. 29, 18. Juli 1984) muß es auf
Seite 12, dritter Absatz, sechste Zeile richtig heißen:

M

in der Lage

ist, einen Satelliten in sogenannter"....

In unserem Artikel "Anti-Satelliten-Waffen: Ihr Wesen und ihre
Wirkung" (Amerika Dienst-Ausgabe Nr. 29, 18. Juli 1984) muß es auf
Seite 1, erste Zeile richtig heißen:

"....am 29. Juni 1984...."

�</text>
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              <text>Amerikadienst 25.07.1984</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Präsidenten zum 15. Jahrestag der ersten Mondlandung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der "heiße Draht" zwischen Moskau und Washington&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Präsident Reagans und Informationspapier des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nicaraguas Aufrüstung und Unterstützung subversiver Aktivitäten in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des Außen- und des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Initiativen zur Rüstungskontrolle - 1. Halbjahr 1984&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Chronologie -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1984&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(5)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Walter F. Mondale: Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1984&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(6)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Geraldine Ferraro: Die Vizepräsidentschaftskandidaten der Demokraten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NOVA - Neues Lasersystem zur Zündung von Fusionsreaktionen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pestizide gehen in die Haut&amp;nbsp;</text>
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