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                  <text>mIER

Information
und
Dokumentation

Dl En

United States Information Service
Embassy of the United States of America

29

18. J u l i 1984
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan kündigt Initiative zur Verbesserung der Nahrungsmittelhilfe an
- Erklärung des Präsidenten vom 10. Juli 1984 -

INFORMATION
Sandinisten zensieren Berichterstattung über Ausweisung von Priestern

H INTERQ3UNDMATERIAL
Spitzentechnologie für Strategische Verteidigungsinitiative
- interview der "Stimme Amerikas" mit Dr. Qfeorge Keyworth,
Wissenschaftlicher Berater Präsident Reagans Anti-Satelliten-Waffen;

Ihr Wesen und ihre Wirkung

Verbot chemischer Waffen ohne Verifizierung wertlos
- Botschafter Fields vor Genfer Abrüstungskonferenz Kriegsverhütung beruht auf Abschreckung
- Expertenanhörung vor Kongreßausschuß -

Um Ubef/enclung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel-: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

29

18. Juli 1984

REAGAN KÜNDIGT INITIATIVE ZUR VERBESSERUNG DER NAHRUNGSMITTELHILFE AN
- Erklärung des Präsidenten vom 10. Juli 1984 -

Washington -(AD)- Am 10. Juli 1984 fand im Weißen Haus eine Feier aus
Anlaß des 30. Jahrestags der Verabschiedung des amerikanischen "Nahrungsmittel-für-den-Frieden"-Hilfsprogramms statt. Bei dieser Gelegenheit kündigte Präsident Reagan an, daß er dem Kongreß eine neue Gesetzesvorlage
zuleiten werde, die es der amerikanischen Regierung ermöglichen solle, in
Notfällen weltweit noch "raschere und wirksamere" Nahrungsmittelhilfe zu
leisten.

Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Heute vor 30 Jahren trat durch die Unterschrift Präsident Dwight D.
Eisenhowers das Öffentliche Gesetz Nr. 480, das die Grundlage des Nahrungsmittel-für-den-Frieden-Programms bildet, in Kraft. Zehn Jahre vor
der Unterzeichnungszeremonie, die hier im Weißen Haus stattfand, hatte
auf Befehl Präsident Eisenhowers die Invasion in der Normandie begonnen.
Nur ein Jahr vor der Unterzeichnugszeremonie war er erstmalig als Präsident vereidigt worden. Möglicherweise glaubte Ike an jenem 10. Juli 1954,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�10. Juli 1954, daß die meisten der großen Augenblicke seiner Laufbahn
hinter ihm lägen. Wie dies Programm beweist, war dem aber nicht so, denn
im Laufe der Zeit entwickelte es sich fort zu einer der größten humanitären Leistungen, die jemals von einer Nation zugunsten der Notleidenden
anderer Völker erbracht worden sind.

Nahrungsmittel-für-den-Frieden ist immer noch das größte Ernährungshilfsprogramm der Welt. Im Verlaufe der letzten 30 Jahre sind in seinem
Rahmen fast 296,2 Millionen Tonnen Nahrungsmittel an Menschen in über 100
Ländern geliefert worden. Es hat dazu beigetragen, über 1,8 Milliarden
Menschen neue Hoffnung und neue Chancen der Existenzsicherung zu geben.

Seit nunmehr drei Jahrzehnten sind den Empfängerländern im Rahmen des
Programms täglich 27 000 Tonnen Lebensmittel zugeflossen. Der Wert dieser
amerikanischen AgrarerZeugnisse übersteigt 33 Milliarden Dollar. Das sind
über drei Millionen Dollar pro Tag während der gesamten Laufzeit des Programms. Diese Zahlen vermitteln uns einen Eindruck von seinem Umfang und
von seinen Dimensionen. Sein größter Wert liegt jedoch in der Tatsache,
daß es ein Instrument amerikanischen Mitleids ist. Es ist aber auch Ausdruck des amerikanischen Pragmatismus. Vor 30 Jahren erkannten wir, daß
Menschen, die hungern, schwache Verbündete für die Sache der Freiheit
sind. Wir erkannten auch, daß, von plötzlichen Notfällen einmal abgesehen, Almosen keine wirkliche Hilfe darstellen. Von Anfang an haben die
Empfängerländer daher einen erheblichen Teil der gelieferten Nahrungsmittel bezahlt.

In diesem geschäftsmäßigen Ansatz liegt eine der Stärken des Programms. Wir haben niemals versucht, Länder, denen wir Nahrungsmittel geliefert haben, von unserer Hilfe abhängig zu machen. Vielmehr haben wir
unsere Hilfe dazu eingesetzt, die wirtschaftliche Entwicklung überall in
der Welt zu fördern. Daß viele der Staaten, denen wir geholfen haben, im
Laufe der Jahre schließlich zu wirtschaftlichen Großkunden wurden, erklärt sich nicht zuletzt aus dieser Tatsache.

In den Anfangsjahren des Nahrungsmittel-für-den-Frieden-Programms waren die Hauptempfänger die vom Kriege zerrütteten Länder Europas: Itali-

�Europas: Italien, Spanien, Westdeutschland - und auch Japan. Mit der Zeit
und dank unseres Hilfsprogramms konnten diese Länder wirtschaftlich wieder erstarken. Sie begannen, amerikanische Landwirtschaftserzeugnisse bar
zu bezahlen. Viele dieser Länder sind später zu unseren kommerziellen
Spitzenkunden geworden. Von den zehn Ländern, in denen wir die meisten
Agrarerzeugnisse absetzen, sind acht ehemalige Empfänger von Hilfslieferungen im Rahmen des Nahrungsmittel-für-den-Frieden-Programms. An den erzielten Erlösen gemessen, ist Japan heute unser wichtigster Markt für
landwirtschaftliche Produkte. All dies hat nicht nur den amerikanischen
Farmern und der amerikanischen Wirtschaft, sondern auch unseren internationalen Beziehungen zum Vorteil gereicht.

Das Nahrungsmittel-für-den-Frieden-Programm hat maßgeblich dazu beigetragen, dem guten Willen und der Großzügigkeit in der Welt zu einer
größeren Verbreitung zu verhelfen. Als im vergangenen Jahr die von der
Meeresströmung El Nino hervorgerufenen klimatischen Störungen in Peru,
Bolivien und anderen Ländern Lateinamerikas zu Dürren und Überschwemmungen führten und die Ernten vernichteten, übernahm das Nahrungsmittel-fürden-Frieden-Programm bei der Katastrophenhilfe die Führung. Während der
Hungersnot in Indien im Jahre 1966 wurden schätzungsweise 60 Millionen
Menschen zwei Jahre lang durch Lieferungen im Rahmen dieses Programms am
Leben erhalten.

Heute sehen wir uns wieder einer schweren Hungerkatastrophe gegenüber, die weite Gebiete in Afrika bedroht und dort Millionen von Menschenleben gefährdet. Und wieder einmal trägt unser Hilfsprogramm zur
Rettung von Menschenleben bei. Wir haben uns schon bereit erklärt, allein
in diesem Jahr über 400 Millionen Dollar für Katastrophenhilfe für Afrika
in Form von Lebensmittellieferungen bereitzustellen.

Ich möchte heute eine umfassende Initiative zur Hilfe für die Hungernden in Afrika und in anderen Teilen der Welt ankündigen. Es handelt
sich um ein neues Programm, das uns in die Lage versetzen soll, denen,
die unter der Hungerkatastrophe am schwersten zu leiden haben, rascher
und reibungsloser Nahrungsmittellieferungen zukommen zu lassen. Ich werde
in Kürze eine Gesetzesvorlage einbringen, die vorsieht, daß dem Präsiden-

- 3 -

�dem Präsidenten ein Sonderfonds von 50 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt wird, der es uns ermöglichen soll, vorhandene Mittel der Auslandshilfe bereitzustellen, um den Notwendigkeiten der Nahrungsmittelhilfe in
Katastrophenfallen gerecht zu werden. Wenn wir in Übersee dort, wo der
Bedarf am dringendsten ist, vorab Nahrungsmittelreserven einlagern würden, könnten wir in Notsituationen rascher und wirksamer reagieren. Weiterhin werde ich vorschlagen, daß die rechtliche Möglichkeit geschaffen
wird, im Rahmen des Nahrungsmittel-für-den-Frieden-Programms den bedürftigsten Ländern die Bürde der Transportkosten zu erleichtern. All diese
Maßnahmen zielen darauf ab, den Verlust an Menschenleben infolge von akuten Hungerkatastrophen in der Dritten Welt zu verringern.

Das Nahrungsmittel-für-den-Frieden-Programm verkörpert den amerikanischen Geist des freiwilligen Engagements. Die Bundesregierung hat eine
enge Partnerschaft mit Vereinigungen privater Bürger entwickelt, um unterernährten Kindern und Heranwachsenden, Müttern, Alten und Behinderten
zu helfen. An den diesbezüglichen Anstrengungen, die die Regierung gemeinsam mit privaten und freiwilligen Vereinigungen unternimmt, beteiligen sich z.B. Organisationen wie CARE (Cooperative for American Relief
Everywhere - Gemeinschaft für Weltweite Amerikanische Hilfe), die Katholischen Hilfsdienste und viele andere Gruppen.

Kurz gesagt: das Nahrungsmittel-für-den-Frieden-Programm ist ein wunderbares Instrument geworden, mittels dessen eine Nation des Überflusses
den Bedürftigen hilft. Es hat uns darüber hinaus gute Dienste dabei geleistet, die Märkte für unsere Agrarerzeugnisse zu erweitern, notleidenden Verbündeten wieder auf die Beine zu helfen und mögliche Verbündete so
erstarken zu lassen, daß sie im Kampf für die Sache der Freiheit an unsere Seite treten können. Das Programm hat sich bei der Koordination von
Wohltätigkeitsimpulsen aus dem privaten Bereich heraus bewährt - und es
hat dazu beigetragen, die Schwächsten dieser Welt zu ernähren.

Diese Bilanz des Fortschritts ist das Ergebnis dessen, was heute vor
30 Jahren geschah, als Dwight Eisenhower einen Stift zur Hand nahm und
ein Stück Papier unterzeichnete, das in aller Stille - und ohne von all
den klugen Leuten besonders beachtet zu werden - die Welt veränderte.
Ich
- 4 -

glaube,

�Ich glaube, Dwight D. Eisenhower wäre sehr stolz auf das, was im Rahmen des Nahrungsmittel-für-den-Frieden-Programms

geleistet worden ist.

Ich bin es sicherlich. Deshalb erfüllt es mich auch mit Stolz, daß ich
heute zusammen mit Ihnen den Jahrestag dieses Programms begehen kann.

Möge die großartige Arbeit, die im Rahmen des Nahrungsmittel-für-denFrieden-Programms geleistet worden ist, fortgesetzt werden; möge dies
auch weiterhin mit Umsicht geschehen; und mögen wir unseren Kampf gegen
Hunger und Unterernährung in der ganzen Welt fortführen.

- 5 -

�18. Juli 1984

29

SANDINISTEN ZENSIEREN BERICHTERSTATTUNG ÜBER AUSWEISUNG VON PRIESTERN

-(AD)- Die sandinistische Zensur hindert die Nicaraguaner daran, sich
über die Hintergründe der kürzlichen Ausweisung von zehn ausländischen
Priestern zu informieren. Nach Auskunft von Redakteur Pedro Joaquin Chamorro konnte die Oppositionszeitung LA PRENSA zwei Tage hintereinander
nicht erscheinen, weil 80 Prozent des Inhalts der Schere der Regierungszensur zum Opfer gefallen waren. "Alles, was sich auf die Priester bezog,
wurde gestrichen," sagte Chamorro. "Wir konnten noch nicht einmal Bilder
von ihnen bringen."

Der sandinistische Schritt wurde auch von Papst Johannes Paul II.,
dem Außenministerium der Vereinigten Staaten, dem Oberhaupt der Katholischen Bischofskonferenz von Mittelamerika und der Bischofskonferenz von
Venezuela kritisiert.

Wie Chamorro sagte, strichen die Zensoren den größten Teil der Titelseite von LA PRENSA, der Informationen über den Schritt der Regierung gegen die Priester - vier Spanier, zwei Costa Ricaner, zwei Italiener, einen Panamesen und einen Kanadier - enthielt. Ebenfalls gestrichen wurden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�gestrichen wurden Berichte über die kritischen Stellungnahmen des Papstes
zu der Ausweisung sowie ein Artikel über die vertriebenen Kleriker unter
der Überschrift "Sie verließen das Land mit nichts als den Kleidern, die
sie am Leibe trugen."

BARRICADA, die amtliche Zeitung der Sandinisten, brachte die offizielle Version über die Ausweisung unter der Überschrift "Ausländer beeinträchtigen den Elan der Revolution." In dem Bericht hieß es, die "Aufenthaltsgenehmigung" der Priester sei "widerrufen worden", weil sie "die Gesetze unseres Landes verletzt, politisch intensiv gegen die Regierung des
Nationalen Wiederaufbaus gearbeitet und sich an Plänen zur Herbeiführung
einer Konfrontation zwischen der Katholischen Kirche und der sandinistischen Revolution des Volkes beteiligt" hätten.

EL NUEVO DIARIO, ebenfalls ein von den Sandinisten

beherrschtes

Blatt, brachte einen Artikel, in dem es hieß, daß Erzbischof Obando y
Bravo einige der Priester zum Flughafen begleitet habe und daß sie ausgewiesen worden seien, weil sie "die Gesetze des Landes verletzt" hätten,
"indem sie sich an konterrevolutionären Aktivitäten beteiligten."

Man hatte den zehn ausländischen Priestern vorgeworfen, daß sie zusammen mit etwa 300 Gläubigen und Geistlichen einen Solidaritätsmarsch
zugunsten eines "konterrevolutionärer" Kontakte verdächtigten Paters unternommen hätten. Vater Benito Laplante, der kanadische Priester, der als
letzter der Zehn ausreiste, sagte jedoch vor Presseleuten, daß er an dem
Marsch nicht einmal teilgenommen habe. "Nachdem ich 14 Jahre lang für die
Armen Nicaraguas gearbeitet habe, ist das einfach unfair", sagte Laplante, der nur einen kleinen Koffer und eine Baseballmütze bei sich
trug, als er am 11. Juli ein Flugzeug nach Costa Rica bestieg. Ein militärisches Begleitkommando hinderte den Priester daran, vor seinem Abflug
von Sandino Airport in Managua weitere Erklärungen abzugeben.

* * * * *

- 2-

�18. Juli 1984

29

SPITZENTECHNOLOGIE FÜR STRATEGISCHE VERTEIDIGUNGSINITIATIVE

- Interview der "Stimme Amerikas" mit Dr. George Keyworth,
Wissenschaftlicher Berater Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - Einführung:

Präsident Ronald Reagan kündigte im

März 1983 ein Programm an, das als "Strategische Verteidigungsinitiative"
bekannt geworden ist.

Der Präsident sprach von der Ausschaltung der Be-

drohung durch strategische Nuklearwaffen mittels einer technologischen
Verteidigung gegen ballistische Raketen.

Diese Idee, die bald von vielen

als das "Star Wars"-Programm bezeichnet wurde, wird seitdem in den amerikanischen Medien und im US-Kongreß immer wieder erörtert.

Das Konzept einer Verteidigung gegen strategische Waffen ist nicht
neu.

Viele Ideen gehen bis in die sechziger Jahre zurück.

Neu an dem

vom Präsidenten skizzierten Programm ist lediglich die Einbeziehung modernster Wissenschaft und Technik.

Die Vereinigten Staaten haben bereits

eine Form der Verteidigung gegen Raketen getestet.

Anfang Juni fing hoch

über der Erde eine Rakete eine andere ab und zerstörte sie.

Verteidi-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sie.

Verteidigungsexperten sagen, daß andere in Entwicklung befindliche

Programme weiter fortgeschritten und technisch mehr verfeinert sein dürften.
Unser Gast im Studio heute abend (8. Juli 1984), Dr. George Keyworth,
der Wissenschaftsberater des Präsidenten und Direktor des Amtes für Wissenschafts- und Technologiepolitik, zählt zu dem Personenkreis, der an
den Konzepten zur strategischen Verteidigungsinitiative oder, wie auch
gesagt wird, zum Programm "Krieg der Sterne" arbeitet.

Dr. Keyworth ist Kernphysiker.
boratorium

Er war mehrere Jahre am Forschungsla-

Los Alamos tätig, wo er zuletzt die Abteilung für experimen-

telle Physik leitete.

FRAGE:

In Europa gibt es, wie Sie wissen, ein beträchtliches Maß an

Sorge, daß es sich bei dem "Star Wars"-Programm um ein rein amerikanisches Verteidigungskonzept handeln, das sogar zur Isolierung der Vereinigten Staaten beitragen könnte.

Könnten Sie uns sagen, ob vorgesehen

ist, mit diesem System sowohl die Vereinigten Staaten als auch Europa zu
verteidigen, und wenn ja, auf welche Weise?

ANTWORT:

Die Verteidigung Europas ist ein Schlüsselelement in der

Entwicklung des Programms seit seiner Entstehung.

In seiner Rede im März

vergangenen Jahres machte der Präsident sogar sehr deutlich, daß es im
Kern um den Schutz unserer Verbündeten ebenso wie den des Territoriums
der USA geht.

Von meinem persönlichen Standpunkt aus als Wissenschaftler kann ich
sagen, daß die Technik, mit der die Vereinigten Staaten verteidigt werden könnten, weitestgehend auch auf die Verteidigung Europas und sogar
weitestgehend auf die Verteidigung gegen so gefürchtete Systeme wie die
SS-20, die gegenwärtig in Europa stationiert wird, anwendbar wäre.
FRAGE:

Stimmt es, daß eine SS-20 leichter als eine Interkontinen-

talrakete zu bekämpfen wäre, wie manche behaupten?

ANTWORT:

Das

�ANTWORT:

Das wäre denkbar.

Da wir uns vor allem auf das Abfangen

von Raketen konzentrieren - auf die Technik des Abfangens von Raketen in
den ersten paar Flugminuten -, halte ich den Unterschied zwischen einer
SS-20 und, sagen wir einer SS-18 tatsächlich für recht gering.

FRAGE:

Vielleicht könnten wir jetzt auf die wesentlichen Punkte zu

sprechen kommen - viele Wissenschaftler reagieren zurückhaltend auf die
vorgeschlagene Anti-Satelliten-Technik.

Sie äußern Zweifel daran, daß

solche Dinge wie Weltraum-Laser in einer kritischen Situation überhaupt
funktionieren.

Wie sicher können wir sein, daß diese Technik tatsächlich

funktioniert und nicht durch ziemlich einfache Gegenmaßnahmen mattgesetzt
würde?

ANTWORT:

Das ist natürlich eine weitreichende Frage.

Zuallererst

meine ich, wir sollten einen soziologischen Punkt hervorheben.

Wir Wis-

senschaftler neigen dazu, Phantasie zu entwickeln, wenn wir unserer Wissenschaft nachgehen.

Aber ich glaube, daß wir in bezug auf die Verspre-

chungen, die wir machen wollen, ziemlich konservativ sind.

Ich meine

aber auch, die herkömmliche Ansicht, daß nämlich Verteidigungssysteme
starr und Angriffssysteme flexibel seien - denken wir beispielsweise an
die Maginot-Linie zurück - ist in diesem Fall nicht anwendbar.

Der Magi-

not-Linie stand das flexibelste militärische System gegenüber, das es je
gab.

Hier haben wir es mit den starrsten Offensivsystemen zu tun - den
ballistischen Raketen.

Sobald eine Rakete abgeschossen wird, ist ihre

Position an jedem Punkt im Raum zu jedem Zeitpunkt überaus genau bekannt.

Sie durchfliegt, wenn Sie so wollen, einen sehr engen Kegel, bis

sie schließlich in ihr Ziel einschlägt.

Sicherlich kann man Verfahren

anwenden, um die Rakete zu manövrieren - aber nur innerhalb eines sehr,
sehr engen Winkels.

Und des weiteren zeigt eine sorgfältige Analyse des Standes der heutigen Technik, daß wir diese Methode ja gar nicht gegen existierende sowjetische Raketen anwandten.

Vielmehr benutzten wir sie gegen das, was
- 3-

�das, was von solchen Raketen wohl logischerweise an

noch schlimmeren

Auswirkungen zu erwarten wäre, oder auch beispielsweise gegen eine Vergrößerung ihres Wirkungsbereichs, zu der es kommt, wenn man ihnen einen
Drall gibt, oder gar gegen eine neue Generation von Raketen, deren erste
Flugphase - die sog. Bechleunigungsphase — nur sehr kurze Zeit dauert.
So nahmen wir recht radikale Veränderungen ins Kalkül und kamen trotzdem
zu dem Schluß, daß es sich um eine vielversprechende Technik handelt.

FRAGE:

Ist es denn aber nicht so, daß ein potentieller Gegner nur

die Zahl von Anti-Satelliten-Systemen

zu zählen brauchte, die wir im

Weltraum oder am Boden in Bereitschaft haben, um sie in den Weltraum zu
schicken, und der dann einfach mehr Raketen abschießt?

ANTWORT:

Bei der Dislozierung eines Systems, wie dieses letztlich

auch aussehen mag, muß jene Art von

Gleichgewicht, das die Experten als

Austauschverhältniszahlen bezeichnen, sorgfältig berechnet werden.

Aber

ich glaube, das hieße die Sache einfach von der falschen Seite aus betrachten.

Ich meine, der wirklich wichtige Punkt ist der, daß sich kein

Gegner, noch dazu präventiv, zum Angriff auf eine andere Nation entschließen würde, wenn er nicht sicher wäre, sein militärisches ziel zu
erreichen.

Heute und in unserer Zeit bedeutet das, daß die Sowjetunion niemals
die Vereinigten Staaten angreifen würde, wenn sie nicht sicher ist, unsere Fähigkeit zur Vergeltung zerstören zu können.
teidigungssystem, selbst ein Verteidigungssystem
Stadium, jegliche Vorstellung von

Ich meine, daß ein Verin einem sehr frühen

Gewißheit, dieses Ziel zu erreichen,

beseitigen würde, und dies ist das wirklich Wichtige hier.

FRAGE:

Um auf die Strategische Verteidigungsinitiative zurückzukom-

men, soweit sie Europa betrifft - würde diese Basen in Europa, Verteidigungsbasen in Europa erfordern, um sie zu realisieren?

Denn so wie ich

sie verstehe, würde die Verteidigung Europas in einer Endphase des Fluges
von angreifenden Raketen und nicht in deren Beschleunigungsphase geschehen.
ANTWORT:

Ich

�ANTWORT:

Ich vermute sehr stark, daß jede Technologie, welche wir

auch immer anwenden werden, wahrscheinlich einige Basen in Europa erfordern würde.

Aber ich möchte keineswegs behaupten, damit auch dem

Argument zustimmen zu wollen, daß die Verteidigung gegen SS-20-Raketen
erst in den letzten Augenblicken ihres Fluges zu geschehen habe.

Ich

meine, es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, SS-20-Raketen auch in
der Frühphase, in der mittleren Flugphase und schließlich als letztes
Mittel in der Erdphase abzufangen.

Aber mit Sicherheit müßte es einige

Systeme in Europa geben, wobei es gleichgültig wäre, ob sich die Waffe
selbst am Boden oder vielleicht im Weltraum befindet.

FRAGE:

Eine der wichtigen, immer wiederkehrenden Fragen - und warum

sollten wir sie nicht sofort beantworten, wenn dies möglich ist? - ist
die, was denn eigentlich die amerikanische Regierung verspricht.

Wann

erwartet, oder wann hofft sie, ein wirksames System zu haben, und wie
wirksam wird es sein?

So wie ich es verstehe, verheißen Sie gegenwärtig

keine Wunderwaffe oder ein vollkommen sicheres System.

Auf welche Art

von Verteidigung soll dies also tatsächlich hinauslaufen?

ANTWORT:

Bedenken Sie doch bitte zunächst einmal, daß der Präsident

ja ein Forschungs- und

Entwicklungsprogramm forderte.

Und ich möchte

hinzufügen, ein Programm, um künftigen Politikern neue Möglichkeiten zu
geben - andere Möglichkeiten, als einfach die Zahl und die Qualität offensiver Systeme zu erhöhen.

Und das ist ein Weg, den wir seit vielen

Jahren verfolgen.

Notwendigerweise werden wir und unsere Verbündeten in den kommenden
Jahrzehnten Jahr um Jahr Entscheidungen treffen.

Aber ich meine schon,

daß wir bereits in ein paar Jahren - vielleicht Ende dieses Jahrzehnts,
vielleicht Anfang des nächsten Jahrzehnts - der Welt die Leistungsfähigkeit einer Abfangrakete demonstrieren und, wie ich betonen möchte, die
Technik demonstrieren können, eine Rakete in den so überaus wichtigen
ersten paar Flugminuten abzufangen.
sind.

Ich glaube, daß wir dazu imstande

Und dann werden Entscheidungen darüber folgen, wie viele dislo-

�viele disloziert werden müssen und welche Art von Wirkungsgrad wichtig
ist.

Ich meine auch,daß wir, wenn Sie so wollen, Generationen von tech-

nischen Weiterentwicklungen vor uns haben, mit denen schließlich ein extrem hoher Wirkungsgrad erreicht werden wird.

Einen Plan zu einer perfekten Verteidigung halte ich für sinnlos,
weil es uns darum geht, den Überlegungen des Gegners im wesentlichen die
Optionen zu entziehen.

Und meines Erachtens ist es für uns weitaus wich-

tiger, daß wir uns künftig auf diesen Punkt konzentrieren, anstatt auf
die Frage, ob eine einzige von 10 000 Raketen das Verteidigungssystem
jemals durchdringen könnte. Alles was wir tun, ist,die Optionen des Gegners zu begrenzen und vor allen Dingen den gegenwärtigen übergroßen Verlaß auf die Drohung des Einsatzes nuklearer Waffen zu verringern, wie es
jetzt der Fall ist, und zu einer besseren ausgewogenen Form zwischen nuklearer

Vergeltung und Verlaß auf konventionelle, nicht-nukleare Streit-

kräfte zu gelangen.

FRAGE:

Um an dieser Stelle rasch noch einen Punkt zu klären - an

welche Systeme denken Sie zur Stationierung in Europa?

ANTVDRT:

Es gilt noch manche, wohl auch sehr grundlegende und im

wesentlichen technische Entscheidungen zu treffen, so daß wir noch ein
paar Jahre Forschung benötigen, um überhaupt eine Wahl treffen zu können.

Da gibt es beispielsweise Systeme wie Laser, Partikelstrahlen,

Hochgeschwindigkeitsprojektile.
wägung gezogen.

Alle diese Optionen werden jetzt in Er-

Jede davon könnte effektiv sein.

den sich um einiges voneinander.

Sie alle unterschei-

Bei den beiden erstgenannten - Laser

und Partikelstrahlen - liegt die Bedeutung darin, daß sich Laserlicht und
Partikel mit Lichtgechwindigkeit bzw. mit Geschwindigkeiten
Lichtgeschwindigkeit bewegen.

nahe der

Und ich erinnere daran, daß die Lichtge-

schwindigkeit fast 300 000 km pro Sekunde beträgt - es handelt sich also,
wenn Sie so wollen, fast um eine Sofortwaffe.

Natürlich wissen wir vieles über Projektile, nur ist deren Geschwindigkeit viel geringer, und deshalb können sie eher abgefangen werden.
- 6 -

�abgefangen werden.

Wir haben heute sehr reale Optionen, und wir haben

enorme Durchbrüche gesehen, insbesondere auf dem so wichtigen Gebiet der
Datenverarbeitung.

Deshalb kann ich Ihnen nicht genau sagen, welches In-

strument benutzt und welches Instrument in Europa disloziert werden wird.
Aber ich denke, daß wir in den nächsten paar Jahren erleben werden, wie
sich diese Optionen entwickeln.

FRAGE:

Sie sprachen soeben etwas an, was mich beschäftigt und viel

zur Besorgnis in der Welt beitragen dürfte - nämlich die Fähigkeit, in
einer einzigen Sekunde womöglich Tausende von Zielen, oder etwa in dieser
Größenordnung, abdecken zu müssen.

Wird es die Schlagzeilen geben, daß

es Computer sind, die den Dritten Weltkrieg erklären, oder besteht irgendeine Möglichkeit, daß ein Mensch dabei mitzureden hat?

ANTWORT:

Erstens glaube ich, daß Sie damit einen Kernpunkt in bezug

auf Verteidigung ganz allgemein angesprochen haben.

Und hier haben wir

den eindeutigen Unterschied zwischen Verteidigung und Angriff.
ginnen mit Verteidigung keinen Krieg.

Sie be-

Zweitens bin ich überzeugt, daß

so, wie heute den führenden Politikern Optionen zur Verfügung stehen, der
Mensch sicherlich immer, immer mitzureden haben wird.

Aber bedenken Sie

bitte auch ein Drittes - eine Minute ist für einen Menschen eine sehr
kurze, für einen modernen Computer eine unglaublich lange Zeitspanne.
Ist also erst einmal die Entscheidung von einem Menschen getroffen, erfordert es sehr wenig Zeit, um eine sehr große Anzahl von Abfangaktionen
durchzuführen, solange dafür ein Computer zuständig ist. Was jedoch die
auslösende Entscheidung angeht, so glaube ich wirklich, daß diese stets,
so wie heute auch, von Menschen getroffen wird.

FRAGE:

Augenblick, bitte.

Sie sagten, Verteidigung löse den Krieg

nicht aus. Verteidigung könnte den Krieg aber auslösen, wenn die Verteidigung sich in der Beurteilung irrt, ob jemand angreift oder nicht.

Und

meine Frage ist, wer entscheidet hier - ein Mensch, oder der Computer?

ANTWORT:

Ich denke, ein Computer wird das Gros der Daten liefern,

aber letztlich wird der Mensch die meisten Entscheidungen treffen.
- 7-

Aber

�treffen. Aber ich möchte, wenn Sie gestatten, doch noch einen Punkt besonders hervorheben, und zwar den, daß eine Verteidigung gegen eine fremde Rakete in den meisten Fällen keine, wie ich mir vorstellen könnte,
ausreichend bedrohliche Aktion darstellte, um einen Krieg auszulösen.
Wir sprechen nicht vom Töten, nicht von der

Vernichtung eines einzigen

Menschenlebens.

FRAGE:

Dr. Keyworth, könnten wir nun unser Gespräch auf ein anderes

Thema lenken, ein Thema allerdings, das zum bisherigen in Beziehung
steht?

Die Bundesregierung läßt eine Studie durchführen, oder will sie

durchführen lassen, mit der die möglichen Klimaauswirkungen, eines Nuklearkrieges unter dem Aspekt untersucht werden sollen, was geschehen
könnte, wenn durch Nuklearwaffen ungeheure Mengen von Staub in die Atmosphäre gejagt werden und vielleicht weltweite Abkühlung, einen "nuklearen
Winter" verursachen könnten?

Was ist der Umfang dieser Studie, und wie

könnte sie sich eventuell auf Bemühungen auswirken, die Verhandlungen zur
Rüstungsbegrenzung wieder aufzunehmen?

ANTWORT:

Nun, da meine ich zunächst einmal, daß mit der Studie ver-

sucht werden soll, mittels der bestmöglichen wissenschaftlichen Belege
von den besten Leuten, die wir auf das Programm ansetzen können, die Frage nach den weltweiten Auswirkungen eines Atomkrieges zu beantworten.
Das ist bis jetzt nicht geschehen.

Die ersten Schätzungen sind ober-

flächlich, ziemlich simplifiziert, und wir wollen ganz einfach die Antwort wissen.

Was langfristige Auswirkungen anlangt, so meine ich, daß

wir hier ziemlich unkompliziert und praktisch vorgehen müssen.

Meines

Erachtens kann es keinen globalen Nuklearkrieg ohne globale Konsequenzen
geben.

Im Grunde ist Nuklearkrieg unvorstellbar.

Ich glaube in der Tat,

daß die meisten Menschen in unserem Lande - und ich glaube, die meisten
Menschen in der ganzen Welt - erkannt haben, daß Atomkrieg einfach unannehmbar ist.

Deshalb sehe ich auch nichts Neues an der Vorstellung von

einem nuklearen Winter.

Ich halte es für eine der, wenn Sie wollen, qu-

antitativen Bewertungen genau dessen, was wir mit dem Begriff "unannehmbar" meinen. Aber ich glaube nicht, daß diese Vorstellung jetzt oder in
der Zukunft die Bedeutung, das Kraftmoment oder die Natur der Diskussionen um eine Rüstungskontrolle verändern könnte. Die Ziele bleiben meiner
- 8 -

�bleiben meiner Ansicht nach die gleichen.

FRAGE:

Wieviel Zeit wird für die Studie benötigt werden, und wann

etwa könnten wir mit etwas umfassenderen Daten rechnen?

ANTWORT:

Wir können vielleicht in einem Jahr einige sinnvolle Daten

erwarten. Es handelt sich um eine höchst komplizierte Frage, die wir gestellt haben, wenn man bedenkt, daß beispielsweise Niederschlag, Staubstürme, alle komplexen Naturvorgänge das Ganze zu einem überaus komplizierten Problem machen. Aber ich denke, daß wir angesichts der hohen Qualifikation derjenigen, die sich damit befassen, in etwa einem Jahr einige sinnvollen Ergebnisse haben werden.

FRAGE:

Herr Dr. Keyworth, die Sowjets attackierten pausenlos Präsi-

dent Reagan und lehnten immer wieder jeden Schritt in Richtung auf Abrüstungsgespräche über strategische Waffen oder Mittelstreckenwaffen usw.
ab.

Nun sind sie plötzlich sehr rege geworden und wünschen Gespräche

über Anti-Satelliten-Waffen.

Manche Beobachter meinen nun, sie tun dies

aus dem Gefühl heraus, weit, weit zurückzuliegen, und weil sie über die
technologischen Überlegenheit der USA besorgt seien.
die richtige Perspektive bringen?

Könnten Sie dies in

Sind wir so weit voraus, daß sie ver-

suchen wollen, unser Programm zu stoppen, wie sie es mit den ABM-Waffen
taten, und daß sie außerdem in ihrer gegenwärtigen Propagandakampagne von
der Regel abgehen und Gespräche führen wollen?

ANttWORT:
diese

Ich muß hier natürlich Fakten mit

Frage zu beantworten.

Programm der Sowjets?
schon weit gediehen.

Aber was wissen wir erstens über das ASAT-

Im gegenwärtigen Augenblick ist dieses natürlich
Sie haben ein

haben dies schon seit 12 Jahren.
stationiert.

Spekulation mischen, um

Anti-Satelliten-System stationiert,

Wir haben kein Anti-Satelliten-System

Sie haben in der ganzen Sowjetunion ein großes Programm für

technische Entwicklungen aufgebaut, das ihnen in Zukunft einige wesentliche Optionen an die Hand geben wird.

Sie lassen viele der besten Köpfe

der Sowjetunion an Spitzentechnologie-Entwicklungen wie z.B. Großlasern
arbeiten, was ihnen echte neue Möglichkeiten für Anti-Satelliten-Waffen
- 9 -

�Anti-Satelliten-Waffen höchster Leistung verschaffen könnte.

Sicherlich

fürchten sie unsere umfassende nationale Technologieleistungsfähigkeit,
wenn wir uns erst einmal einer Sache verschrieben haben.

Sie erkennen,

wie ich meine, daß wir ihnen ziemlich schnell voraus sein könnten, wenn
wir dazu entschlossen sind.
jetzt tun?

Aber weshalb schlagen sie vor, was sie eben

Meines Erachtens handelt es sich dabei offensichtlich um ei-

nen Teil eines umfassenden Propagandafeldzuges.

Die Sowjetunion hat sich

eindeutig gegen Präsident Reagan gestellt, weil er eine starke Führungspersönlichkeit ist und in der Lage war, Entschlossenheit zu starker nationaler Sicherheit in den Vereinigten Staaten zu entwickeln, wie wir sie
seit vielen Jahren nicht mehr erlebt haben.

Ich glaube jedoch, daß diese

in jüngster Zeit hergestellte Verbindung zwischen den Verhandlungen über
Anti-Satelliten-Waffen

und die

Strategische

Verteidigungsinitiative

-

"star wars", wenn Sie wollen - eine politische kluge Verbindung ist. Nach
meiner Ansicht bestreiten wenige Wissenschaftler, daß es für uns heute
praktisch keinen Weg gibt, um die Einhaltung eines Anti-Satelliten-Vertrags zu verifizieren.

Und die Sowjets haben keine große Bereitschaft,

und haben eine solche auch nicht erkennen lassen, unserem Volk den Weg in
sowjetisches Territorium zur Gewährleistung einer Verifikation zu gestatten - wie sehr wir uns auch selbst an die Abmachungen halten würden. Deshalb glaube ich, recht einfach formuliert, daß anscheinend eine große
Wolke an Verwirrung vorhanden ist. Und als wir wiederum sagten, wir seien bereit, Anti-Satelliten-Verträge zusammen mit den Strategischen Verteidigungsinitiative zu erörtern, wenn die Sowjets an den Verhandlungstisch zur Strategischen Rüstungskontrolle zurückkämen, so war zu sehen,
daß die sowjetische Bereitschaft sehr schnell erlahmte.
FREAGE:

Die Sowjets sagen natürlich, "seht, wir haben uns um Ge-

spräche über strategische Waffen bemüht und sind nicht weitergekommen;
wir haben uns um INF-Gespräche bemüht und sind nicht weitergekommen warum es also nicht hier versuchen, die Anti-Satelliten-Gespräche abzukoppeln und herauszufinden, ob wir auf diese Weise ein Geschäft machen
können?"

Ist Ihrer Ansicht nach dieses Argument in irgendeiner Weise

stichhaltig?
ANTWORT;
- 10 -

Rüstungskontrollgespräche

�ANTWORT:

Rüstungskontrollgespräche als Eröffnungsangebote haben na-

türlich einen Hauch von Weiterentwicklung an sich, und wir werden zwangsläufig in Zukunft die eingeschlagene Richtung genau herausfinden.
ich würde davor warnen, unsere Hoffnungen zu hoch zu schrauben.
bereits

sagte, ist die Verifizierung

überaus schwierig.

eines

Aber

Wie ich

Anti-Satelliten-Vertrages

Ich zumindest vermag kaum zu erkennen, wie wir unse-

ren Völkern die Gewähr geben könnten, daß er verifizierbar ist. Andererseits wissen wir auch, daß die Sowjetunion willens war, sich Verletzungen, wenn nicht gar die Preisgabe früherer Verträge zu leisten - sicherlich eine recht deutliche Demonstration, und ich meine, wir müßten zu Beginn sehr vorsichtig sein. Auf der anderen

Seite stimmen wir meines Er-

achtens wohl alle darin überein, daß wir für unsere Zukunft letztlich
mehr Stabilität erkennen müssen, als wir sie heute sehen.

Und ich glau-

be, daß Rüstungskontrolle ein wesentliches Element dabei sein muß.

FRAGE:

Können Sie kurz erklären, weshalb es so schwierig oder unmög-

lich ist, einen Anti-Satelliten-Vertrag zu verifizieren?
ANTWORT:

Nun, wir haben natürlich heute eine Anzahl von Möglichkei-

ten, sogenannte nationale technische Mittel in

Verbindung mit Satelli-

ten, um die Einhaltung eines Vertrages abzusichern.

Aber eine potentiel-

le Waffe, die fähig ist, einen sehr verletzlichen Satelliten im Weltraum
zu zerstören, könnte eine sehr kleine Waffe sein.

Und es könnte sehr

einfach sein, eine solche Waffe zu verbergen. Vor allem in einem so großen Gebiet, über das die Sowjetunion verfügt.

Es ist möglich, Vertrags-

treue bei etwas zu gewährleisten, was so groß uns sichtbar ist wie eine
in einem Silo untergebrachte ballistische Rakete.

Aber das dürfen wir

nicht gleichsetzen mit, nun, sagen wir, etwa einen mittelgroßen Laser in
einer großen Garage unterzubringen, was technisch durchaus möglich ist.
Wenn wir also, einfach nur weil wir guten Glaubens sind, sagen, wir seien
natürlich in der Lage, Vertragseinhaltung zu verifizieren, so teile ich
zwar auch persönlich manche der Wünsche, aber ich sehe einfach nicht die
technischen Mittel, mit denen wir dies bewerkstelligen können.

FRAGE:

Wollen Sie damit sagen, es sei nutzlos, Verhandlungen über
- 11 -

�Verhandlungen über die Begrenzung von Anti-Satelliten-Waffen aufzunehmen?

ANTWORT:

Nein, für nutzlos halte ich das nicht.

Weil ich glaube,

daß reden mit einem potentiellen Gegner stets ungemein wichtig ist.

Ich

halte es durchaus für möglich, daß wir im Verlauf der Debatte mit einigen
stabilisierenden Lösungen aufwarten könnten.

Ich möchte nur ganz einfach

zum Ausdruck bringen, daß wir nicht mit falschen Hoffnungen in diese Debatte gehen sollten.

Weder wir noch die Sowjetunion haben gegenwärtig

irgendwelche Mittel, mit denen wir einen umfassenden Anti-Satelliten-Vertrag verifizieren könnten. Aber ich meine eben doch, wir sollten uns zusammensetzen und versuchen, herauszufinden, was wir tun können, um die
Welt sicherer zu machen.

FRAGE:

Wenn wir von Anti-Satelliten-Waffen sprechen, könnten Sie

zwei, drei oder vier Varianten angeben?
kleine, den Laser in der Garage.

Sie erwähnten schon eine sehr

Und wir denken an einen großen, mäch-

tigen Apparat, den die Sowjets in den Orbit schießen.

Welches sind ei-

nige der Anti-Satelliten-Waffen?

ANTWORT:

Nun, wir können natürlich heute praktisch genommen eine

große ballistische Rakete als eine

Anti-Satelliten-Waffe betrachten,

wenn man sie dafür verwenden wollte. Anscheinend hat sich keiner von uns
offen dafür entschieden, dies zu tun.

Wir entwickeln seit einiger Zeit

eine sehr, sehr kleine Rakete, die unter einem modernen Jagdflugzeug, der
F-15, transportiert wird und in der Lage ist, eine Rakete in sogenannter
niedriger Umlaufbahn abzufangen.
Kilometer über der Erde.

Es ist ein Satellit, ein paar Hundert

Aber ich glaube, beide Nationen suchen nach

Mitteln und Wegen, Satelliten sowohl zu schützen als auch abzufangen, die
über der Erdoberfläche fixiert zu sein scheinen, und das sind solche in
mehr als 35 000 km Höhe.

Das aber erfordert etwas Neues, und die wahr-

scheinlichsten Kandidaten dafür sind meines Erachtens starke Laser, bei
denen es sich trotz hoher Leistung nicht unbedingt um große Apparate handeln müßte.

Ich halte das für eine mögliche, sehr wichtige technische

Zukunftsentwicklung.

FRAGE:
- 12 -

Was

�FRAGE:

Was wäre denn unter "nicht sehr groß" zu verstehen, wenn wir

beispielsweise von einem Röntgen-Laser reden, der einen kleinen Kernreaktor als Energiequelle benutzt?

Wie groß müßte der sein?

Und wie könn-

ten wir ihn starten?

ANTWORT:

Nun, erstens einmal müßte er gar nicht gestartet werden.

Es ist durchaus möglich, am Boden einen starken Laser zu haben, der die
Atmosphäre durchdringen könnte.

Zwar würden die Wellen etwas verzerrt,

aber ich glaube, wir wissen, wie wir das ausgleichen könnten.
zuvor von Garage.

Ich sprach

Es könnte sich beispielsweise um eine Garage handeln,

die vier bis sechs Wagen aufnimmt.

Und in einer Garage solcher Größe

könnten wir einen Laser installieren, der einen der heute gebräuchlichen
Satelliten irreparabel zerstört.

FRAGE:

Was kann man gegen die verzerrende Wirkung der Erdatmosphäre

tun?
ANTWORT:
bilden den

Das ist eine ziemlich komplizierte Technik, aber im Grunde
Schlüssel dafür Spiegel, die wiederum aus einer Vielzahl win-

ziger Spiegelsegmente zusammengesetzt sind.

Davon ist jedes einzelne ab-

stimmbar, so könnte man das vielleicht bezeichnen, ähnlich wie bei der
Einstellskala eines Radios, um die von der Atmosphäre verursachten Verzerrungen an einem durch sie hindurchgeschickten Lichtimpuls zu korrigieren.

FRAGE:

Greift man dabei auf die Technik zurück, die beim Bau von

Mehr-Spiegel-Teleskopen angewandt wird?

ANTWORT:

Es werden Techniken aus vielen Gebieten benutzt, von denen

die meisten aus dem zivilen Sektor kommen.

Es werden u.a. Präzisionsbe-

arbeitungsmethoden angewandt, wie sie ja auch beim Teleskopbau erforderlich

sind.

Datenschnellübermittlung, Hochgeschwindigkeitsverfahren

der Kommunikationstechnik spielen eine Rolle.

Auch wird von der Fähig-

keit Gebrauch gemacht, etwas mit allergrößter Präzision anzuvisieren.
werden hochwertige Materialien, Elektrooptik benutzt.
- 13 -

in
Es

Man bedient sich,

�bedient sich, wie ich ganz einfach sagen möchte, der Instrumente der modernen Spitzentechnologie.

FRAGE:

Nun röchte ich noch kurz das kommerzielle Gebiet ansprechen.

Werden wir die Japaner bei den neuen Supercomputern abhängen?

ANTWORT:

Nun, ich glaube nicht, daß es darum geht, sie abzuhängen,

weil wir meines Erachtens ziemlich weit voraus sind.

Wir haben einige

interessante Artikel in der Presse gelesen, in denen Vergleiche zu manchen neuesten Entwicklungen japanischer Technologie angestellt wurden,
sowie zu älteren Entwicklungen und zur Technologie des letzten Jahres in
den USA.

Ich bin überzeugt, daß die amerikanischen Hersteller von Super-

computern noch in Führung sind.

Für wichtig halte ich, daß das, was wir

erleben, eine Herausforderung auf einem Gebiet ist, das wir lange Zeit
allein beherrschten.

Ich persönlich sehe darin eine großartige Heraus-

forderung.

•

- 14 -

�18. Juli 1984

29

ANTI-SATELLITEN-WAFFEN: IHR WESEN UND IHRE WIRKUNG

-(AD)- Die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten am 29. Juli 1984 auf
den sowjetischen Vorschlag eingegangen sind, im September in Wien Gespräche aufzunehmen, deren Ziel es sein wird, einer

"Militarisierung des

Weltraums" vorzubeugen, hat die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die
Anti-Satelliten-Waffen (ASATs) gelenkt.

Im Folgenden informieren wir in Frage-und-Antwort-Form über Wesen und
Wirkungsweise dieser Waffen:

Frage: Was sind Anti-Satelliten- oder ASAT-Waffen ?
Antwort: Es handelt sich bei diesen Waffen in erster Linie um nichtatomare Geschosse, deren Aufgabe es ist, Satelliten im Weltraum anzugreifen und zu zerstören. In der Vergangenheit hat man zwar ASAT-Waffen konstruiert, die atomare Gefechtsköpfe tragen können, aber wenn man solche
Waffen zur Explosion bringen würde, um einen feindlichen Satelliten zu
zerstören, so würde dabei in einem solch gewaltigen Umfang elektromagnetische Energie und Strahlung freigesetzt werden, daß gleichzeitig auch

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�gleichzeitig auch die eigenen Satelliten Schaden nehmen würden.

Frage: Worin liegt die Bedeutung der Satelliten, zu deren Zerstörung
diese Waffen konstruiert worden sind ?

Antwort: Im Jahre 1983 hatten die Vereinigten Staaten im Durchschnitt
94 militärische und zivile Nachrichtensatelliten in einer Erdumlaufbahn.
Die Sowjetunion hatte 90, von denen ein hoher Prozentsatz militärischen
Zwecken diente. Während Amerika eine relativ geringe Anzahl von teueren,
aber langlebigen Satelliten einsetzt, verwenden die Sowjets eine große
Zahl von kurzlebigen, aber billigen Satelliten. Die Sowjets könnten daher
mit einer kleinen Zahl von ASAT-Waffen den Vereinigten Staaten ernsten
Schaden zufügen, während umgekehrt die Vereinigten Staaten wesentlich
größere Anstrengungen unternehmen müßten, um die sowjetischen Systeme
ähnlich hart zu treffen.

Die Bedeutung von Satelliten ergibt sich aus ihren Einsatzmöglichkeiten. Dazu gehören:
1. Frühwarnung vor einem atomaren Angriff durch feindliche Raketen,
2. Photoaufklärung zur Erfassung von militärischen Aktivitäten wie z.B.
Alarme, Manöver oder Bau von Raketenabschußstellungen,
3. elektronische Aufklärung und Überwachung,
4. Fernmeldeverkehr,
5. Wetterbeobachtung,
6. Navigationshilfe.
Viele Wissenschaftler und Strategen messen diesen Satelliten, die
sich in Umlaufbahnen zwischen 100 und 36 000 Kilometern Höhe befinden,
eine maßgebliche Bedeutung im Rahmen der nuklearen Abschreckung bei.
Außerdem laufen etwa 70 Prozent des militärischen Fernmeldeverkehrs der
Vereinigten Staaten über Satellit. Darüberhinaus können die Sowjets über
Satellit Zieldaten für die Bekämpfung amerikanischer Marineeinheiten sammeln und damit Amerikas Fähigkeit zur Heranführung von Verstärkungstruppen nach Westeuropa im Notfall in Frage stellen.
Frage:

- 2 -

Ist

�Frage: Ist heute schon irgend ein Land in der Lage, Satelliten zu
zerstören ?

Antwort: Ja. Die Sowjetunion ist das einzige Land der Welt, das über
ein erprobtes ASAT-System verfügt. Ein Moratorium für ASAT-Erprobungen wie es von den Sowjets im August 1983 vorgeschlagen wurde - würde der
UdSSR ein ungefährdetes Monopol auf Anti-Satelliten-Waffen belassen.

Frage: Seit wann ist die Entwicklung eines ASAT-Systems in der Sowjetunion schon im Gange ?

Antwort: Das sowjetische System ist bereits seit Anfang der 70er Jahre einsatzfähig. Die Erprobung von Anti-Satelliten-Waffen begann im Jahre
1968. Bis zum 18. Juni 1982 haben die Vereinigten Staaten 20 sowjetische
Tests registriert, von denen 45 Prozent erfolgreich waren.
Frage: Welche Art von Anti-Satelliten-Waffe haben die Sowjets ?

Antwort: Die sowjetische ASAT-Waffe wird vom Boden aus mittels einer
modifizierten

Version

der

50 Meter

hohen

SS-9-Interkontinentalrakete

gestartet. Die Waffen soll Satelliten durch die Splitterwirkung

ihres

nicht-atomaren Gefechtskopfs zerstören. Dies Geschoß wurde ursprünglich
durch Radar ins Ziel gesteuert. Bei späteren Tests, von denen allerdings
keiner erfolgreich war, wurde ein System mit einem Infrarotsuchkopf, der
auf Wärmestrahlung anspricht, eingesetzt.

Frage: Wie wirksam ist die sowjetische Waffe ?

Antwort: Trotz einiger Schwächen, eines gewissen Maßes an Unzuverlässigkeit und einer relativ hohen Versagerquote bei den Tests stellt das
sowjetische ASAT-System eine reale Bedrohung dar.

Frage: In welchem Stadium befindet sich die Entwicklung von Anti-Satelliten-Waffen in den Vereinigten Staaten ?
Antwort: Die Vereinigten Staaten entwickeln ein moderneres System als

- 3 -

�System als das, das gegenwärtig von der Sowjetunion eingesetzt wird. Das
amerikanische System besteht aus einem 28 Zentimeter langen "Kleinstendanflugkörper" (Miniature Homing Vehicle - MHV), der auf eine 6 Meter lange Rakete montiert ist, die von einem F-15-Kampflugzeug abgefeuert wird
und ihr Ziel innerhalb von zehn Minuten erreichen kann. Speziell entwikkelte Sensoren, die auf die schwache Wärmeabstrahlung eines Satelliten
ansprechen, lenken den Endanflugkörper ins Ziel, das beim Auftreffen zerstört wird. Im Januar 1984 führte die amerikanische Luftwaffe die ersten
Flugerprobungen mit der ASAT-Trägerrakete durch. Sie wurde ohne ASAT-Gefechtskopf in eine senkrechte Flugbahn geschossen. Für Ende dieses Jahres
ist ein weiterer Test angesetzt, bei dem ein spezieller, 2 Meter großer
Ballon im Weltraum als Ziel dienen wird.

Frage: Wie leistungsfähig ist die gegenwärtige Generation von ASATSystemen ?
Antwort: Die gegenwärtig bestehenden und geplanten amerikanischen und
sowjetischen ASAT-Systeme sind nur für den Einsatz gegen Ziele in erdnahen Uniaufbahnen ausgelegt. Sie eignen sich für den Einsatz gegen Aufklärungssatelliten, wie sie im Verlaufe von Krisen zum Sammeln hieb- und
stichfester Daten verwendet werden.

Raketen, mit denen man auch Ziele in erdfernen Umlaufbahnen erreichen
könnte, müßten so groß und schwer sein, daß sie nur vom Boden aus gestartet werden könnten, nicht aber - wie das in Entwicklung befindliche amerikanische System - von einem Flugzeug aus. Sowjetische ASAT-Waffen haben
noch

nie Höhen über 1650 Kilometern erreicht und könnten daher nur den

18 amerikanischen Satelliten, die sich in erdnahen Umlaufbahnen befinden,
gefährlich werden. Die wirklich wichtigen amerikanischen Satelliten, u.a.
auch die drei Frühwarnsatelliten, befinden sich in Umlaufbahnen von rund
36 000 Kilometern Höhe.

Die Vereinigten Staaten sind

in einer Hinsicht klar

im Vorteil:

Einige wichtige sowjetische Satelliten befinden sich in elliptischen Umlaufbahnen,

d.h., sie

steigen über

der nördlichen Hemisphere bis auf

38 600 Kilometer, nähern sich dann aber über den südlichen Breitengraden

- 4 -

�südlichen Breitengraden der Erdoberfläche bis auf einige Hundert Kilometer an und werden dabei möglicherweise verwundbar.

Frage: Welche möglichen Gegenmaßnahmen gegen ASAT-Waffen gibt es ?

Antwort: Es gibt viele Arten von militärischen Gegenmaßnahmen, mit
denen man der Bedrohung durch ASAT-Waffen begegnen kann, z.B. mit einfachen Ausweichmanövern oder dadurch, daß man Satelliten in höhere Umlaufbahnen bringt. Bei einer "aktiven Endanfluglenkung", wie sie von den Sowjets ursprünglich verwendet wurde, ist ein Angriff eindeutig zu erkennen
und kann daher leichter abgewehrt werden. Das von den Vereinigten Staaten
eingesetzte "passive" Lenksystem gibt dem Gegner dagegen keine Warnung.

Frage: Welches sind die besondere Probleme der Rüstungskontrolle im
Weltraum ?
Antwort: Es handelt sich dabei um einen sehr komplexen Teilbereich
der Rüstungskontrolle. Beispielsweise wäre es praktisch unmöglich, den
Abbau oder die Zerstörung des einsatzfähigen sowjetischen ASAT-Systems
nur durch nationale technische Mittel zu verifizieren. Das sowjetische
ASAT-System ist relativ klein und auf eine Trägerrakete montiert, die
auch für andere Aufgaben in der Raumfahrt Verwendung findet. Es wäre für
die Sowjets relativ leicht, heimlich einen Bestand an solchen Waffen
zurückzubehalten, dessen sie sich dann

in Krisensituationen

bedienen

könnten. Die Zahl der Satelliten, die von den Vereinigten Staaten und
ihren Verbündeten für Zwecke der Landesverteidigung eingesetzt werden,
ist klein. Die Möglichkeit, daß die Sowjets - und sei es auch nur in
kleinem Umfang - gegen die Bedingungen eines ASAT-Abkommens verstoßen
könnten, bildet daher ein Risiko, daß so groß ist, daß sich der Westen
veranlaßt sehen könnte, von einem solchen Abkommen Abstand zu nehmen.

* * * * *

- 5 -

�18. Juli 1984

29

SANDINISTEN ZENSIEREN BERICHTERSTATTUNG ÜBER AUSWEISUNG VON PRIESTERN

-(AD)- Die sandinistische Zensur hindert die Nicaraguaner daran, sich
über die Hintergründe der kürzlichen Ausweisung von zehn ausländischen
Priestern zu informieren. Nach Auskunft von Redakteur Pedro Joaquin Chamorro konnte die Oppositionszeitung LA PRENSA zwei Tage hintereinander
nicht erscheinen, weil 80 Prozent des Inhalts der Schere der Regierungszensur zum Opfer gefallen waren. "Alles, was sich auf die Priester bezog,
wurde gestrichen," sagte Chamorro. "Wir konnten noch nicht einmal Bilder
von ihnen bringen."

Der sandinistische Schritt wurde auch von Papst Johannes Paul II.f
dem Außenministerium der Vereinigten Staaten, dem Oberhaupt der Katholischen Bischofskonferenz von Mittelamerika und der Bischofskonferenz von
Venezuela kritisiert.

Wie Chamorro sagte, strichen die Zensoren den größten Teil der Titelseite von LA PRENSA, der Informationen über den Schritt der Regierung gegen die Priester - vier Spanier, zwei Costa Ricaner, zwei Italiener, einen Panamesen und einen Kanadier - enthielt. Ebenfalls gestrichen wurden

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�gestrichen wurden Berichte über die kritischen Stellungnahmen des Papstes
zu der Ausweisung sowie ein Artikel über die vertriebenen Kleriker unter
der Überschrift "Sie verließen das Land mit nichts als den Kleidern, die
sie am Leibe trugen."

BARRICADA, die amtliche Zeitung der Sandinisten, brachte die offizielle Version über die Ausweisung unter der Überschrift "Ausländer beeinträchtigen den Elan der Revolution." In dem Bericht hieß es, die "Aufenthaltsgenehmigung" der Priester sei "widerrufen worden", weil sie "die Gesetze unseres Landes verletzt, politisch intensiv gegen die Regierung des
Nationalen Wiederaufbaus gearbeitet und sich an Plänen zur Herbeiführung
einer Konfrontation zwischen der Katholischen Kirche und der sandinistischen Revolution des Volkes beteiligt" hätten.

EL NUEVO DIARIO, ebenfalls ein von den Sandinisten

beherrschtes

Blatt, brachte einen Artikel, in dem es hieß, daß Erzbischof Obando y
Bravo einige der Priester zum Flughafen begleitet habe und daß sie ausgewiesen worden seien, weil sie "die Gesetze des Landes verletzt" hätten,
"indem sie sich an konterrevolutionären Aktivitäten beteiligten."

Man hatte den zehn ausländischen Priestern vorgeworfen, daß sie zusammen mit etwa 300 Gläubigen und Geistlichen einen Solidaritätsmarsch
zugunsten eines "konterrevolutionärer" Kontakte verdächtigten Paters unternommen hätten. Vater Benito Laplante, der kanadische Priester, der als
letzter der Zehn ausreiste, sagte jedoch vor Presseleuten, daß er an dem
Marsch nicht einmal teilgenommen habe. "Nachdem ich 14 Jahre lang für die
Armen Nicaraguas gearbeitet habe, ist das einfach unfair", sagte Laplante, der nur einen kleinen Koffer und eine Baseballmütze bei sich
trug, als er am 11. Juli ein Flugzeug nach Costa Rica bestieg. Ein militärisches Begleitkommando hinderte den Priester daran, vor seinem Abflug
von Sandino Airport in Managua weitere Erklärungen abzugeben.

- 2 -

�18. Juli 1984

29

SPITZENTECHNOLOGIE FÜR STRATEGISCHE VERTEIDIGUNGSINITIATIVE

- Interview der "Stimme Amerikas" mit Dr. George Keyworth,
Wissenschaftlicher Berater Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - Einführung:

Präsident Ronald Reagan kündigte im

März 1983 ein Programm an, das als "Strategische Verteidigungsinitiative"
bekannt geworden ist.

Der Präsident sprach von der Ausschaltung der Be-

drohung durch strategische Nuklearwaffen mittels einer technologischen
Verteidigung gegen ballistische Raketen.

Diese Idee, die bald von vielen

als das "Star Wars"-Programrn bezeichnet wurde, wird seitdem in den amerikanischen Medien und im US-Kongreß immer wieder erörtert.

Das Konzept einer Verteidigung gegen strategische Waffen ist nicht
neu.

Viele Ideen gehen bis in die sechziger Jahre zurück.

Neu an dem

vom Präsidenten skizzierten Programm ist lediglich die Einbeziehung modernster Wissenschaft und Technik.

Die Vereinigten Staaten haben bereits

eine Form der Verteidigung gegen Raketen getestet. Anfang Juni fing hoch
über der Erde eine Rakete eine andere ab und zerstörte sie.

Verteidi-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sie.

Verteidigungsexperten sagen, daß andere in Entwicklung befindliche

Programme weiter fortgeschritten und technisch mehr verfeinert sein dürften.

Unser Gast im Studio heute abend (8. Juli 1984), Dr. George Keyworth,
der Wissenschaftsberater des Präsidenten und Direktor des Amtes für Wissenschafts- und Technologiepolitik, zählt zu dem Personenkreis, der an
den Konzepten zur strategischen Verteidigungsinitiative oder, wie auch
gesagt wird, zum Programm "Krieg der Sterne" arbeitet.

Dr. Keyworth ist Kernphysiker.
boratorium

Er war mehrere Jahre am Forschungsla-

Los Alamos tätig, wo er zuletzt die Abteilung für experimen-

telle Physik leitete.

FRAGE:

In Europa gibt es, wie Sie wissen, ein beträchtliches Maß an

Sorge, daß es sich bei dem "Star Wars"-Programm um ein rein amerikanisches Verteidigungskonzept handeln, das sogar zur Isolierung der Vereinigten Staaten beitragen könnte.

Könnten Sie uns sagen, ob vorgesehen

ist, mit diesem System sowohl die Vereinigten Staaten als auch Europa zu
verteidigen, und wenn ja, auf welche Weise?

ANTWORT:

Die Verteidigung Europas ist ein Schlüsselelement in der

Entwicklung des Programms seit seiner Entstehung.

In seiner Rede im März

vergangenen Jahres machte der Präsident sogar sehr deutlich, daß es im
Kern um den Schutz unserer Verbündeten ebenso wie den des Territoriums
der USA geht.

Von meinem persönlichen Standpunkt aus als Wissenschaftler kann ich
sagen, daß die Technik, mit der die Vereinigten Staaten verteidigt werden könnten, weitestgehend auch auf die Verteidigung Europas und sogar
weitestgehend auf die Verteidigung gegen so gefürchtete Systeme wie die
SS-20, die gegenwärtig in Europa stationiert wird, anwendbar wäre.

FRAGE:

Stimmt es, daß eine SS-20 leichter als eine Interkontinen-

talrakete zu bekämpfen wäre, wie manche behaupten?

ANTWORT:

Das

�ANTWORT:

Das wäre denkbar.

Da wir uns vor allem auf das Abfangen

von Raketen konzentrieren - auf die Technik des Abfangens von Raketen in
den ersten paar Flugminuten -, halte ich den Unterschied zwischen einer
SS-20 und, sagen wir einer SS-18 tatsächlich für recht gering.

FRAGE:

Vielleicht könnten wir jetzt auf die wesentlichen Punkte zu

sprechen kommen - viele Wissenschaftler reagieren zurückhaltend auf die
vorgeschlagene Anti-Satelliten-Technik.

Sie äußern Zweifel daran, daß

solche Dinge wie Weltraum-Laser in einer kritischen Situation überhaupt
funktionieren.

Wie sicher können wir sein, daß diese Technik tatsächlich

funktioniert und nicht durch ziemlich einfache Gegenmaßnahmen mattgesetzt
würde?

ANTWORT:

Das ist natürlich eine weitreichende Frage.

Zuallererst

meine ich, wir sollten einen soziologischen Punkt hervorheben.

Wir Wis-

senschaftler neigen dazu, Phantasie zu entwickeln, wenn wir unserer Wissenschaft nachgehen.

Aber ich glaube, daß wir in bezug auf die Verspre-

chungen, die wir machen wollen, ziemlich konservativ sind.

Ich meine

aber auch, die herkömmliche Ansicht, daß nämlich Verteidigungssysteme
starr und Angriffssysteme flexibel seien - denken wir beispielsweise an
die Maginot-Linie zurück - ist in diesem Fall nicht anwendbar.

Der Magi-

not-Linie stand das flexibelste militärische System gegenüber, das es je
gab.

Hier haben wir es mit den starrsten Offensivsystemen zu tun - den
ballistischen Raketen.

Sobald eine Rakete abgeschossen wird, ist ihre

Position an jedem Punkt im Raum zu jedem Zeitpunkt überaus genau bekannt.

Sie durchfliegt, wenn Sie so wollen, einen sehr engen Kegel, bis

sie schließlich in ihr Ziel einschlägt.

Sicherlich kann man Verfahren

anwenden, um die Rakete zu manövrieren - aber nur innerhalb eines sehr,
sehr engen Winkels.

Und des weiteren zeigt eine sorgfältige Analyse des Standes der heutigen Technik, daß wir diese Methode ja gar nicht gegen existierende sowjetische Raketen anwandten.

Vielmehr benutzten wir sie gegen das, was
- 3 -

�das, was von solchen Raketen wohl logischerweise an

noch schlimmeren

Auswirkungen zu erwarten wäre, oder auch beispielsweise gegen eine Vergrößerung ihres Wirkungsbereichs, zu der es kommt, wenn man ihnen einen
Drall gibt, oder gar gegen eine neue Generation von Raketen, deren erste
Flugphase - die sog. Bechleunigungsphase - nur sehr kurze Zeit dauert.
So nahmen wir recht radikale Veränderungen ins Kalkül und kamen trotzdem
zu dem Schluß, daß es sich um eine vielversprechende Technik handelt.

FRAGE:

Ist es denn aber nicht so, daß ein potentieller Gegner nur

die Zahl von Anti-Satelliten-Systemen zu zählen brauchte, die wir im
Weltraum oder am Boden in Bereitschaft haben, um sie in den Weltraum zu
schicken, und der dann einfach mehr Raketen abschießt?

ANTWORT:

Bei der Dislozierung eines Systems, wie dieses letztlich

auch aussehen mag, muß jene Art von

Gleichgewicht, das die Experten als

Austauschverhältniszahlen bezeichnen, sorgfältig berechnet werden.

Aber

ich glaube, das hieße die Sache einfach von der falschen Seite aus betrachten.

Ich meine, der wirklich wichtige Punkt ist der, daß sich kein

Gegner, noch dazu präventiv, zum Angriff auf eine andere Nation entschließen würde, wenn er nicht sicher wäre, sein militärisches Ziel zu
erreichen.

Heute und in unserer Zeit bedeutet das, daß die Sowjetunion niemals
die Vereinigten Staaten angreifen würde, wenn sie nicht sicher ist, unsere Fähigkeit zur Vergeltung zerstören zu können.
teidigungssystem, selbst ein Verteidigungssystem
Stadium, jegliche Vorstellung von

Ich meine, daß ein Verin einem sehr frühen

Gewißheit, dieses Ziel zu erreichen,

beseitigen würde, und dies ist das wirklich Wichtige hier.

FRAGE:

Um auf die Strategische Verteidigungsinitiative zurückzukom-

men, soweit sie Europa betrifft - würde diese Basen in Europa, Verteidigungsbasen in Europa erfordern, um sie zu realisieren?

Denn so wie ich

sie verstehe, würde die Verteidigung Europas in einer Endphase des Fluges
von angreifenden Raketen und nicht in deren Beschleunigungsphase geschehen.
ANTWORT:

Ich

�ANTWORT:

Ich vermute sehr stark, daß jede Technologie, welche wir

auch immer anwenden werden, wahrscheinlich einige Basen in Europa erfordern würde.

Aber ich möchte keineswegs behaupten, damit auch dem

Argument zustimmen zu wollen, daß die Verteidigung gegen SS-20-Raketen
erst in den letzten Augenblicken ihres Fluges zu geschehen habe.

Ich

meine, es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, SS-20-Raketen auch in
der Frühphase, in der mittleren Flugphase und schließlich als letztes
Mittel in der Erdphase abzufangen.

Aber mit Sicherheit müßte es einige

Systeme in Europa geben, wobei es gleichgültig wäre, ob sich die Waffe
selbst am Boden oder vielleicht im Weltraum befindet.

FRAGE:

Eine der wichtigen, immer wiederkehrenden Fragen - und warum

sollten wir sie nicht sofort beantworten, wenn dies möglich ist? - ist
die, was denn eigentlich die amerikanische Regierung verspricht.

Wann

erwartet, oder wann hofft sie, ein wirksames System zu haben, und wie
wirksam wird es sein?

So wie ich es verstehe, verheißen Sie gegenwärtig

keine Wunderwaffe oder ein vollkommen sicheres System.

Auf welche Art

von Verteidigung soll dies also tatsächlich hinauslaufen?

ANTWORT:

Bedenken Sie doch bitte zunächst einmal, daß der Präsident

ja ein Forschungs- und

Entwicklungsprogramm forderte.

Und ich möchte

hinzufügen, ein Programm, um künftigen Politikern neue Möglichkeiten zu
geben - andere Möglichkeiten, als einfach die Zahl und die Qualität offensiver Systeme zu erhöhen.

Und das ist ein Weg, den wir seit vielen

Jahren verfolgen.

Notwendigerweise werden wir und unsere Verbündeten in den kommenden
Jahrzehnten Jahr um Jahr Entscheidungen treffen.

Aber ich meine schon,

daß wir bereits in ein paar Jahren - vielleicht Ende dieses Jahrzehnts,
vielleicht Anfang des nächsten Jahrzehnts - der Welt die Leistungsfähigkeit einer Abfangrakete demonstrieren und, wie ich betonen möchte, die
Technik demonstrieren können, eine Rakete in den so überaus wichtigen
ersten paar Flugminuten abzufangen.
sind.

Ich glaube, daß wir dazu imstande

Und dann werden Entscheidungen darüber folgen, wie viele dislo- 5 -

�viele disloziert werden müssen und welche Art von Wirkungsgrad wichtig
ist.

Ich meine auch,daß wir, wenn Sie so wollen, Generationen von tech-

nischen Weiterentwicklungen vor uns haben, mit denen schließlich ein extrem hoher Wirkungsgrad erreicht werden wird.

Einen Plan zu einer perfekten Verteidigung halte ich für sinnlos,
weil es uns darum geht, den Überlegungen des Gegners im wesentlichen die
Optionen zu entziehen.

Und meines Erachtens ist es für uns weitaus wich-

tiger, daß wir uns künftig auf diesen Punkt konzentrieren, anstatt auf
die Frage, ob eine einzige von 10 000 Raketen das Verteidigungssystem
jemals durchdringen könnte. Alles was wir tun, ist,die Optionen des Gegners zu begrenzen und vor allen Dingen den gegenwärtigen übergroßen Verlaß auf die Drohung des Einsatzes nuklearer Waffen zu verringern, wie es
jetzt der Fall ist, und zu einer besseren ausgewogenen Form zwischen nuklearer

Vergeltung und Verlaß auf konventionelle, nicht-nukleare Streit-

kräfte zu gelangen.

FRAGE:

Um an dieser Stelle rasch noch einen Punkt zu klären - an

welche Systeme denken Sie zur Stationierung in Europa?
ANTWORT:

Es gilt noch manche, wohl auch sehr grundlegende und im

wesentlichen technische Entscheidungen zu treffen, so daß wir noch ein
paar Jahre Forschung benötigen, um überhaupt eine Wahl treffen zu können.

Da gibt es beispielsweise Systeme wie Laser, Partikelstrahlen,

Hochgeschwindigkeitsprojektile.
wägung gezogen.

Alle diese Optionen werden jetzt in Er-

Jede davon könnte effektiv sein.

den sich um einiges voneinander.

Sie alle unterschei-

Bei den beiden erstgenannten - Laser

und Partikelstrahlen - liegt die Bedeutung darin, daß sich Laserlicht und
Partikel mit Lichtgechwindigkeit bzw. mit Geschwindigkeiten
Lichtgeschwindigkeit bewegen.

nahe der

Und ich erinnere daran, daß die Lichtge-

schwindigkeit fast 300 000 km pro Sekunde beträgt - es handelt sich also,
wenn Sie so wollen, fast um eine Sofortwaffe.

Natürlich wissen wir vieles über Projektile, nur ist deren Geschwindigkeit viel geringer, und deshalb können sie eher abgefangen werden.
- 6 -

�abgefangen werden.

Wir haben heute sehr reale Optionen, und wir haben

enorme Durchbrüche gesehen, insbesondere auf dem so wichtigen Gebiet der
Datenverarbeitung.

Deshalb kann ich Ihnen nicht genau sagen, welches In-

strument benutzt und welches Instrument in Europa disloziert werden wird.
Aber ich denke, daß wir in den nächsten paar Jahren erleben werden, wie
sich diese Optionen entwickeln.

FRAGE:

Sie sprachen soeben etwas an, was mich beschäftigt und viel

zur Besorgnis in der Welt beitragen dürfte - nämlich die Fähigkeit, in
einer einzigen Sekunde womöglich Tausende von Zielen, oder etwa in dieser
Größenordnung, abdecken zu müssen.

Wird es die Schlagzeilen geben, daß

es Computer sind, die den Dritten Weltkrieg erklären, oder besteht irgendeine Möglichkeit, daß ein Mensch dabei mitzureden hat?

ANTWORT:

Erstens glaube ich, daß Sie damit einen Kernpunkt in bezug

auf Verteidigung ganz allgemein angesprochen haben.

Und hier haben wir

den eindeutigen Unterschied zwischen Verteidigung und Angriff.
ginnen mit Verteidigung keinen Krieg.

Sie be-

Zweitens bin ich überzeugt, daß

so, wie heute den führenden Politikern Optionen zur Verfügung stehen, der
Mensch sicherlich immer, immer mitzureden haben wird.

Aber bedenken Sie

bitte auch ein Drittes - eine Minute ist für einen Menschen eine sehr
kurze, für einen modernen Computer eine unglaublich lange Zeitspanne.
Ist also erst einmal die Entscheidung von einem Menschen getroffen, erfordert es sehr wenig Zeit, um eine sehr große Anzahl von Abfangaktionen
durchzuführen, solange dafür ein Computer zuständig ist. Was jedoch die
auslösende Entscheidung angeht, so glaube ich wirklich, daß diese stets,
so wie heute auch, von Menschen getroffen wird.

FRAGE:

Augenblick, bitte.

Sie sagten, Verteidigung löse den Krieg

nicht aus. Verteidigung könnte den Krieg aber auslösen, wenn die Verteidigung sich in der Beurteilung irrt, ob jemand angreift oder nicht.

Und

meine Frage ist, wer entscheidet hier - ein Mensch, oder der Computer?

ANTWDRT:

Ich denke, ein Computer wird das Gros der Daten liefern,

aber letztlich wird der Mensch die meisten Entscheidungen treffen.
- 7 -

Aber

�treffen.

Aber ich möchte, wenn Sie gestatten, doch noch einen Punkt be-

sonders hervorheben, und zwar den, daß eine Verteidigung gegen eine fremde Rakete in den meisten Fällen keine, wie ich mir vorstellen könnte,
ausreichend bedrohliche Aktion darstellte, um einen Krieg auszulösen.
Wir sprechen nicht vom Töten, nicht von der

Vernichtung eines einzigen

Menschenlebens.

FRAGE:

Dr. Keyworth, könnten wir nun unser Gespräch auf ein anderes

Thema lenken, ein Thema allerdings, das zum bisherigen in Beziehung
steht?

Die Bundesregierung läßt eine Studie durchführen, oder will sie

durchführen lassen, mit der die möglichen Klimaauswirkungen, eines Nuklearkrieges unter dem Aspekt untersucht werden sollen, was geschehen
könnte, wenn durch Nuklearwaffen ungeheure Mengen von Staub in die Atmosphäre gejagt werden und vielleicht weltweite Abkühlung, einen "nuklearen
Winter" verursachen könnten?

Was ist der Umfang dieser Studie, und wie

könnte sie sich eventuell auf Bemühungen auswirken, die Verhandlungen zur
Rüstungsbegrenzung wieder aufzunehmen?

ANTWORT:

Nun, da meine ich zunächst einmal, daß mit der Studie ver-

sucht werden soll, mittels der bestmöglichen wissenschaftlichen Belege
von den besten Leuten, die wir auf das Programm ansetzen können, die Frage nach den weltweiten Auswirkungen eines Atomkrieges zu beantworten.
Das ist bis jetzt nicht geschehen.

Die ersten Schätzungen sind ober-

flächlich, ziemlich simplifiziert, und wir wollen ganz einfach die Antwort wissen.

Was langfristige Auswirkungen anlangt, so meine ich, daß

wir hier ziemlich unkompliziert und praktisch vorgehen müssen.

Meines

Erachtens kann es keinen globalen Nuklearkrieg ohne globale Konsequenzen
geben.

Im Grunde ist Nuklearkrieg unvorstellbar.

Ich glaube in der Tat,

daß die meisten Menschen in unserem Lande - und ich glaube, die meisten
Menschen in der ganzen Welt - erkannt haben, daß Atomkrieg einfach unannehmbar ist.

Deshalb sehe ich auch nichts Neues an der Vorstellung von

einem nuklearen Winter.

Ich halte es für eine der, wenn Sie wollen, qu-

antitativen Bewertungen genau dessen, was wir mit dem Begriff "unannehmbar" meinen.

Aber ich glaube nicht, daß diese Vorstellung jetzt oder in

der Zukunft die Bedeutung, das Kraftmoment oder die Natur der Diskussionen um eine Rüstungskontrolle verändern könnte. Die Ziele bleiben meiner
- 8 -

�bleiben meiner Ansicht nach die gleichen.

FRAGE:

Wieviel Zeit wird für die Studie benötigt werden, und wann

etwa könnten wir mit etwas umfassenderen Daten rechnen?

ANTWORT:

Wir können vielleicht in einem Jahr einige sinnvolle Daten

erwarten. Es handelt sich um eine höchst komplizierte Frage, die wir gestellt haben, wenn man bedenkt, daß beispielsweise Niederschlag, Staubstürme, alle komplexen Naturvorgänge das Ganze zu einem überaus komplizierten Problem machen. Aber ich denke, daß wir angesichts der hohen Qualifikation derjenigen, die sich damit befassen, in etwa einem Jahr einige sinnvollen Ergebnisse haben werden.

FRAGE:

Herr Dr. Keyworth, die Sowjets attackierten pausenlos Präsi-

dent Reagan und lehnten immer wieder jeden Schritt in Richtung auf Abrüstungsgespräche über strategische Waffen oder Mittelstreckenwaffen usw.
ab.

Nun sind sie plötzlich sehr rege geworden und wünschen Gespräche

über Anti-Satelliten-Waffen.

Manche Beobachter meinen nun, sie tun dies

aus dem Gefühl heraus, weit, weit zurückzuliegen, und weil sie über die
technologischen Überlegenheit der USA besorgt seien.
die richtige Perspektive bringen?

Könnten Sie dies in

Sind wir so weit voraus, daß sie ver-

suchen wollen, unser Programm zu stoppen, wie sie es mit den ABM-Waffen
taten, und daß sie außerdem in ihrer gegenwärtigen Propagandakampagne von
der Regel abgehen und Gespräche führen wollen?

ANTWORT:
diese

Ich muß hier natürlich Fakten mit

Frage zu beantworten.

Programm der Sowjets?
schon weit gediehen.

Aber was wissen wir erstens über das ASAT-

Im gegenwärtigen Augenblick ist dieses natürlich
Sie haben ein

haben dies schon seit 12 Jahren.
stationiert.

Spekulation mischen, um

Anti-Satelliten-System stationiert,

Wir haben kein Anti-Satelliten-System

Sie haben in der ganzen Sowjetunion ein großes Programm für

technische Entwicklungen aufgebaut, das ihnen in Zukunft einige wesentliche Optionen an die Hand geben wird.

Sie lassen viele der besten Köpfe

der Sowjetunion an Spitzentechnologie-Entwicklungen wie z.B. Großlasern
arbeiten, was ihnen echte neue Möglichkeiten für Anti-Satelliten-Waffen
- 9 -

�Anti-Satelliten-Waffen höchster Leistung verschaffen könnte.

Sicherlich

fürchten sie unsere umfassende nationale Technologieleistungsfähigkeit,
wenn wir uns erst einmal einer Sache verschrieben haben.

Sie erkennen,

wie ich meine, daß wir ihnen ziemlich schnell voraus sein könnten, wenn
wir dazu entschlossen sind.
jetzt tun?

Aber weshalb schlagen sie vor, was sie eben

Meines Erachtens handelt es sich dabei offensichtlich um ei-

nen Teil eines umfassenden Propagandafeldzuges.

Die Sowjetunion hat sich

eindeutig gegen Präsident Reagan gestellt, weil er eine starke Führungspersönlichkeit ist und in der Lage war, Entschlossenheit zu starker nationaler Sicherheit in den Vereinigten Staaten zu entwickeln, wie wir sie
seit vielen Jahren nicht mehr erlebt haben.

Ich glaube jedoch, daß diese

in jüngster Zeit hergestellte Verbindung zwischen den Verhandlungen über
Anti-Satelliten-Waffen

und

die

Strategische

Verteidigungsinitiative

-

"star wars", wenn Sie wollen - eine politische kluge Verbindung ist. Nach
meiner Ansicht bestreiten wenige Wissenschaftler, daß es für uns heute
praktisch keinen Weg gibt, um die Einhaltung eines Anti-Satelliten-Vertrags zu verifizieren.

Und die Sowjets haben keine große Bereitschaft,

und haben eine solche auch nicht erkennen lassen, unserem Volk den Weg in
sowjetisches Territorium zur Gewährleistung einer Verifikation zu gestatten - wie sehr wir uns auch selbst an die Abmachungen halten würden. Deshalb glaube ich, recht einfach formuliert, daß anscheinend eine große
Wolke an Verwirrung vorhanden ist. Und als wir wiederum sagten, wir seien bereit, Anti-Satelliten-Verträge zusammen mit den Strategischen Verteidigungsinitiative zu erörtern, wenn die Sowjets an den Verhandlungstisch zur Strategischen Rüstungskontrolle zurückkämen, so war zu sehen,
daß die sowjetische Bereitschaft sehr schnell erlahmte.

FREAGE:

Die Sowjets sagen natürlich, "seht, wir haben uns um Ge-

spräche über strategische Waffen bemüht und sind nicht weitergekommen;
wir haben uns um INF-Gespräche bemüht und sind nicht weitergekommen warum es also nicht hier versuchen, die Anti-Satelliten-Gespräche abzukoppeln und herauszufinden, ob wir auf diese Weise ein Geschäft machen
können?"

Ist Ihrer Ansicht nach dieses Argument in irgendeiner Weise

stichhaltig?

ANTWORT;
- 10 -

Rüstungskontrollgespräche

�ANTWORT:

Rüstungskontrollgespräche als Eröffnungsangebote haben na-

türlich einen Hauch von Weiterentwicklung an sich, und wir werden zwangsläufig in Zukunft die eingeschlagene Richtung genau herausfinden.
ich würde davor warnen, unsere Hoffnungen zu hoch zu schrauben.
bereits

sagte, ist die Verifizierung

überaus schwierig.

eines

Aber

Wie ich

Anti-Satelliten-Vertrages

Ich zumindest vermag kaum zu erkennen, wie wir unse-

ren Völkern die Gewähr geben könnten, daß er verifizierbar ist. Andererseits wissen wir auch, daß die Sowjetunion willens war, sich Verletzungen, wenn nicht gar die Preisgabe früherer Verträge zu leisten - sicherlich eine recht deutliche Demonstration, und ich meine, wir müßten zu Beginn sehr vorsichtig sein. Auf der anderen

Seite stimmen wir meines Er-

achtens wohl alle darin überein, daß wir für unsere Zukunft letztlich
mehr Stabilität erkennen müssen, als wir sie heute sehen.

Und ich glau-

be, daß Rüstungskontrolle ein wesentliches Element dabei sein muß.

FRAGE:

Können Sie kurz erklären, weshalb es so schwierig oder unmög-

lich ist, einen Anti-Satelliten-Vertrag zu verifizieren?
ANTWORT:

Nun, wir haben natürlich heute eine Anzahl von Möglichkei-

ten, sogenannte nationale technische Mittel in

Verbindung mit Satelli-

ten, um die Einhaltung eines Vertrages abzusichern.

Aber eine potentiel-

le Waffe, die fähig ist, einen sehr verletzlichen Satelliten im Weltraum
zu zerstören, könnte eine sehr kleine Waffe sein.

Und es könnte sehr

einfach sein, eine solche Waffe zu verbergen. Vor allem in einem so großen Gebiet, über das die Sowjetunion verfügt.

Es ist möglich, Vertrags-

treue bei etwas zu gewährleisten, was so groß uns sichtbar ist wie eine
in einem Silo untergebrachte ballistische Rakete.

Aber das dürfen wir

nicht gleichsetzen mit, nun, sagen wir, etwa einen mittelgroßen Laser in
einer großen Garage unterzubringen, was technisch durchaus möglich ist.
Wenn wir also, einfach nur weil wir guten Glaubens sind, sagen, wir seien
natürlich in der Lage, Vertragseinhaltung zu verifizieren, so teile ich
zwar auch persönlich manche der Wünsche, aber ich sehe einfach nicht die
technischen Mittel, mit denen wir dies bewerkstelligen können.

FRAGE:

Wollen Sie damit sagen, es sei nutzlos, Verhandlungen über
- 11 -

�Verhandlungen über die Begrenzung von Anti-Satelliten-Waffen aufzunehmen?

ANTWORT:

Nein, für nutzlos halte ich das nicht.

Weil ich glaube,

daß reden mit einem potentiellen Gegner stets ungemein wichtig ist.

Ich

halte es durchaus für möglich, daß wir im Verlauf der Debatte mit einigen
stabilisierenden Lösungen aufwarten könnten.

Ich möchte nur ganz einfach

zum Ausdruck bringen, daß wir nicht mit falschen Hoffnungen in diese Debatte gehen sollten.

Weder wir noch die Sowjetunion haben gegenwärtig

irgendwelche Mittel, mit denen wir einen umfassenden Anti-Satelliten-Vertrag verifizieren könnten. Aber ich meine eben doch, wir sollten uns zusammensetzen und versuchen, herauszufinden, was wir tun können, um die
Welt sicherer zu machen.

FRAGE:

Wenn wir von Anti-Satelliten-Waffen sprechen, könnten Sie

zwei, drei oder vier Varianten angeben?
kleine, den Laser in der Garage.

Sie erwähnten schon eine sehr

Und wir denken an einen großen, mäch-

tigen Apparat, den die Sowjets in den Orbit schießen.

Welches sind ei-

nige der Anti-Satelliten-Waffen?

ANTWORT:

Nun, wir können natürlich heute praktisch genommen eine

große ballistische Rakete als eine

Anti-Satelliten-Waffe

betrachten,

wenn man sie dafür verwenden wollte. Anscheinend hat sich keiner von uns
offen dafür entschieden, dies zu tun.

Wir entwickeln seit einiger Zeit

eine sehr, sehr kleine Rakete, die unter einem modernen Jagdflugzeug, der
F-15, transportiert wird und in der Lage ist, eine Rakete in sogenannter
niedriger Umlaufbahn abzufangen.
Kilometer über der Erde.

Es ist ein Satellit, ein paar Hundert

Aber ich glaube, beide Nationen suchen nach

Mitteln und Wegen, Satelliten sowohl zu schützen als auch abzufangen, die
über der Erdoberfläche fixiert zu sein scheinen, und das sind solche in
mehr als 35 000 km Höhe.

Das aber erfordert etwas Neues, und die wahr-

scheinlichsten Kandidaten dafür sind meines Erachtens starke Laser, bei
denen es sich trotz hoher Leistung nicht unbedingt um große Apparate handeln müßte.

Ich halte das für eine mögliche, sehr wichtige technische

Zukunftsentwicklung.

FRAGE:
- 12 -

Was

�FRAGE:

Was wäre denn unter "nicht sehr groß" zu verstehen, wenn wir

beispielsweise von einem Röntgen-Laser reden, der einen kleinen Kernreaktor als Energiequelle benutzt?

Wie groß müßte der sein?

Und wie könn-

ten wir ihn starten?

ANTWORT:

Nun, erstens einmal müßte er gar nicht gestartet werden.

Es ist durchaus möglich, am Boden einen starken Laser zu haben, der die
Atmosphäre durchdringen könnte.

Zwar würden die Wellen etwas verzerrt,

aber ich glaube, wir wissen, wie wir das ausgleichen könnten.
zuvor von Garage.

Ich sprach

Es könnte sich beispielsweise um eine Garage handeln,

die vier bis sechs Wagen aufnimmt.

Und in einer Garage solcher Größe

könnten wir einen Laser installieren, der einen der heute gebräuchlichen
Satelliten irreparabel zerstört.

FRAGE:

Was kann man gegen die verzerrende Wirkung der Erdatmosphäre

tun?
ANTWORT:
bilden den

Das ist eine ziemlich komplizierte Technik, aber im Grunde
Schlüssel dafür Spiegel, die wiederum aus einer Vielzahl win-

ziger Spiegelsegmente zusammengesetzt sind.

Davon ist jedes einzelne ab-

stimmbar, so könnte man das vielleicht bezeichnen, ähnlich wie bei der
Einstellskala eines Radios, um die von der Atmosphäre verursachten Verzerrungen an einem durch sie hindurchgeschickten Lichtimpuls zu korrigieren.

FRAGE:

Greift man dabei auf die Technik zurück, die beim Bau von

Mehr-Spiegel-Teleskopen angewandt wird?
ANTWORT:

Es werden Techniken aus vielen Gebieten benutzt, von denen

die meisten aus dem zivilen Sektor kommen.

Es werden u.a. Präzisionsbe-

arbeitungsmethoden angewandt, wie sie ja auch beim Teleskopbau erforderlich

sind.

Datenschnellübermittlung,

Hochgeschwindigkeitsverfahren

der Kommunikationstechnik spielen eine Rolle.

Auch wird von der Fähig-

keit Gebrauch gemacht, etwas mit allergrößter Präzision anzuvisieren.
werden hochwertige Materialien, Elektrooptik benutzt.
- 13 -

in
Es

Man bedient sich,

�bedient sich, wie ich ganz einfach sagen möchte, der Instrumente der modernen Spitzentechnologie.

FRAGE:

Nun richte ich noch kurz das kommerzielle Gebiet ansprechen.

Werden wir die Japaner bei den neuen Supercomputern abhängen?

ANTWORT:

Nun, ich glaube nicht, daß es darum geht, sie abzuhängen,

weil wir meines Erachtens ziemlich weit voraus sind.

Wir haben einige

interessante Artikel in der Presse gelesen, in denen Vergleiche zu manchen neuesten Entwicklungen japanischer Technologie angestellt wurden,
sowie zu älteren Entwicklungen und zur Technologie des letzten Jahres in
den USA.

Ich bin überzeugt, daß die amerikanischen Hersteller von Super-

computern noch in Führung sind.

Für wichtig halte ich, daß das, was wir

erleben, eine Herausforderung auf einem Gebiet ist, das wir lange Zeit
allein beherrschten.

Ich persönlich sehe darin eine großartige Heraus-

forderung.

•

- 14 -

�29

18. Juli 1984

ANTI-SATELLITEN-WAFFEN: IHR WESEN UND IHRE WIRKUNG

-(AD)- Die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten am 29. Juli 1984 auf
den sowjetischen Vorschlag eingegangen sind, im September in Wien Gespräche aufzunehmen, deren Ziel es sein wird, einer "Militarisierung des
Weltraums" vorzubeugen, hat die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die
Anti-Satelliten-Waffen (ASATs) gelenkt.

Im Folgenden informieren wir in Frage-und-Antwort-Form über Wesen und
Wirkungsweise dieser Waffen:

Frage: Was sind Anti-Satelliten- oder ASAT-Waffen ?

Antwort: Es handelt sich bei diesen Waffen in erster Linie um nichtatomare Geschosse, deren Aufgabe es ist, Satelliten im Weltraum anzugreifen und zu zerstören. In der Vergangenheit hat man zwar ASAT-Waffen konstruiert, die atomare Gefechtsköpfe tragen können, aber wenn man solche
Waffen zur Explosion bringen würde, um einen feindlichen Satelliten zu
zerstören, so würde dabei in einem solch gewaltigen Umfang elektromagnetische Energie und Strahlung freigesetzt werden, daß gleichzeitig auch

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�gleichzeitig auch die eigenen Satelliten Schaden nehmen würden.

Frage: Worin liegt die Bedeutung der Satelliten, zu deren Zerstörung
diese Waffen konstruiert worden sind ?

Antwort: Im Jahre 1983 hatten die Vereinigten Staaten im Durchschnitt
94 militärische und zivile Nachrichtensatelliten in einer Erdumlaufbahn.
Die Sowjetunion hatte 90, von denen ein hoher Prozentsatz militärischen
Zwecken diente. Während Amerika eine relativ geringe Anzahl von teueren,
aber langlebigen Satelliten einsetzt, verwenden die Sowjets eine große
Zahl von kurzlebigen, aber billigen Satelliten. Die Sowjets könnten daher
mit einer kleinen Zahl von ASAT-Waffen den Vereinigten Staaten ernsten
Schaden zufügen, während umgekehrt die Vereinigten Staaten wesentlich
größere Anstrengungen unternehmen müßten, um die sowjetischen Systeme
ähnlich hart zu treffen.

Die Bedeutung von Satelliten ergibt sich aus ihren Einsatzmöglichkeiten. Dazu gehören:
1. Frühwarnung vor einem atomaren Angriff durch feindliche Raketen,
2. Photoaufklärung zur Erfassung von militärischen Aktivitäten wie z.B.
Alarme, Manöver oder Bau von Raketenabschußstellungen,
3. elektronische Aufklärung und Überwachung,
4. Fernmeldeverkehr,
5. Wetterbeobachtung,
6. Navigationshilfe.
Viele Wissenschaftler und Strategen messen diesen Satelliten, die
sich in Umlaufbahnen zwischen 100 und 36 000 Kilometern Höhe befinden,
eine maßgebliche Bedeutung

im Rahmen der nuklearen Abschreckung bei.

Außerdem laufen etwa 70 Prozent des militärischen Fernmeldeverkehrs der
Vereinigten Staaten über Satellit. Darüberhinaus können die Sowjets über
Satellit Zieldaten für die Bekämpfung amerikanischer Marineeinheiten sammeln und damit Amerikas Fähigkeit zur Heranführung von Verstärkungstruppen nach Westeuropa im Notfall in Frage stellen.
Frage:

- 2-

Ist

�Frage: Ist heute schon irgend ein Land in der Lage, Satelliten zu
zerstören ?

Antwort: Ja. Die Sowjetunion ist das einzige Land der Welt, das über
ein erprobtes ASAT-System verfügt. Ein Moratorium für ASAT-Erprobungen wie es von den Sowjets im August 1983 vorgeschlagen wurde - würde der
UdSSR ein ungefährdetes Monopol auf Anti-Satelliten-Waffen belassen.

Frage: Seit wann ist die Entwicklung eines ASAT-Systems in der Sowjetunion schon im Gange ?
Antwort: Das sowjetische System ist bereits seit Anfang der 70er Jahre einsatzfähig. Die Erprobung von Anti-Satelliten-Waffen begann im Jahre
1968. Bis zum 18. Juni 1982 haben die Vereinigten Staaten 20 sowjetische
Tests registriert, von denen 45 Prozent erfolgreich waren.
Frage: Welche Art von Anti-Satelliten-Waffe haben die Sowjets ?
Antwort: Die sowjetische ASAT-Waffe wird vom Boden aus mittels einer
modifizierten

Version

der

50 Meter

hohen

SS-9-Interkontinentalrakete

gestartet. Die Waffen soll Satelliten durch die Splitterwirkung ihres
nicht-atomaren Gefechtskopfs zerstören. Dies Geschoß wurde ursprünglich
durch Radar ins Ziel gesteuert. Bei späteren Tests, von denen allerdings
keiner erfolgreich war, wurde ein System mit einem Infrarotsuchkopf, der
auf Wärmestrahlung anspricht, eingesetzt.

Frage: Wie wirksam ist die sowjetische Waffe ?
Antwort: Trotz einiger Schwächen, eines gewissen Maßes an Unzuverlässigkeit und einer relativ hohen Versagerquote bei den Tests stellt das
sowjetische ASAT-System eine reale Bedrohung dar.

Frage: In welchem Stadium befindet sich die Entwicklung von Anti-Satelliten-Waffen in den Vereinigten Staaten ?

Antwort: Die Vereinigten Staaten entwickeln ein moderneres System als

- 3 -

�System als das, das gegenwärtig von der Sowjetunion eingesetzt wird. Das
amerikanische System besteht aus einem 28 Zentimeter langen "Kleinstendanflugkörper" (Miniature Homing Vehicle - MHV), der auf eine 6 Meter lange Rakete montiert ist, die von einem F-15-Kampflugzeug abgefeuert wird
und ihr Ziel innerhalb von zehn Minuten erreichen kann. Speziell entwikkelte Sensoren, die auf die schwache Wärmeabstrahlung eines Satelliten
ansprechen, lenken den Endanflugkörper ins Ziel, das beim Auf treffen zerstört wird. Im Januar 1984 führte die amerikanische Luftwaffe die ersten
Flugerprobungen mit der ASAT-Trägerrakete durch. Sie wurde ohne ASAT-Gefechtskopf in eine senkrechte Flugbahn geschossen. Für Ende dieses Jahres
ist ein weiterer Test angesetzt, bei dem ein spezieller, 2 Meter großer
Ballon im Weltraum als Ziel dienen wird.

Frage: Wie leistungsfähig ist die gegenwärtige Generation von ASATSystemen ?

Antwort: Die gegenwärtig bestehenden und geplanten amerikanischen und
sowjetischen ASAT-Systeme sind nur für den Einsatz gegen Ziele in erdnahen Umlaufbahnen ausgelegt. Sie eignen sich für den Einsatz gegen Aufklärungssatelliten, wie sie im Verlaufe von Krisen zum Sammeln hieb- und
stichfester Daten verwendet werden.

Raketen, mit denen man auch Ziele in erdfernen Umlaufbahnen erreichen
könnte, müßten so groß und schwer sein, daß sie nur vom Boden aus gestartet werden könnten, nicht aber - wie das in Entwicklung befindliche amerikanische System - von einem Flugzeug aus. Sowjetische ASAT-Waffen haben
noch

nie Höhen über 1650 Kilometern erreicht und könnten daher nur den

18 amerikanischen Satelliten, die sich in erdnahen Umlaufbahnen befinden,
gefährlich werden. Die wirklich wichtigen amerikanischen Satelliten, u.a.
auch die drei Frühwarnsatelliten, befinden sich in Umlaufbahnen von rund
36 000 Kilometern Höhe.

Die Vereinigten Staaten sind

in einer Hinsicht klar

im Vorteil:

Einige wichtige sowjetische Satelliten befinden sich in elliptischen Umlaufbahnen,

d.h., sie

steigen über

der nördlichen Hemisphere bis auf

38 600 Kilometer, nähern sich dann aber über den südlichen Breitengraden

- 4 -

�südlichen Breitengraden der Erdoberfläche bis auf einige Hundert Kilometer an und werden dabei möglicherweise verwundbar.

Frage: Welche möglichen Gegenmaßnahmen gegen ASAT-Waffen gibt es ?

Antwort: Es gibt viele Arten von militärischen Gegenmaßnahmen, mit
denen man der Bedrohung durch ASAT-Waffen begegnen kann, z.B. mit einfachen Ausweichmanövern oder dadurch, daß man Satelliten in höhere Umlaufbahnen bringt. Bei einer "aktiven Endanfluglenkung", wie sie von den Sowjets ursprünglich verwendet wurde, ist ein Angriff eindeutig zu erkennen
und kann daher leichter abgewehrt werden. Das von den Vereinigten Staaten
eingesetzte "passive" Lenksystem gibt dem Gegner dagegen keine Warnung.

Frage: Welches sind die besondere Probleme der Rüstungskontrolle im
Weltraum ?
Antwort: Es handelt sich dabei um einen sehr komplexen Teilbereich
der Rüstungskontrolle. Beispielsweise wäre es praktisch unmöglich, den
Abbau oder die Zerstörung des einsatzfähigen sowjetischen ASAT-Systems
nur durch nationale technische Mittel zu verifizieren. Das sowjetische
ASAT-System ist relativ klein und auf eine Trägerrakete montiert, die
auch für andere Aufgaben in der Raumfahrt Verwendung findet. Es wäre für
die Sowjets relativ leicht, heimlich einen Bestand an solchen Waffen
zurückzubehalten, dessen sie sich dann

in Krisensituationen

bedienen

könnten. Die Zahl der Satelliten, die von den Vereinigten Staaten und
ihren Verbündeten für Zwecke der Landesverteidigung eingesetzt werden,
ist klein. Die Möglichkeit, daß die Sowjets - und sei es auch nur in
kleinem Umfang - gegen die Bedingungen eines ASAT-Abkommens verstoßen
könnten, bildet daher ein Risiko, daß so groß ist, daß sich der Westen
veranlaßt sehen könnte, von einem solchen Abkommen Abstand zu nehmen.

- 5 -

�18. Juli 1984

29

Verbot chemischer Waffen ohne Verifizierung wertlos
-Botschafter Fields vor Genfer Abrüstungskonferenz-

Genf (AD) Ein internationales Verbot chemischer Waffen ohne wirksame Verifizierungsmaßnahmen wäre "weniger als wertlos", erklärte Botschafter
Louis G. Fields vor den 40 Mitgliedern der Abrüstungskonferenz in Genf am
12. Juli 1984.
"Es wäre sogar gefährlich", unterstrich der amerikanische Vertreter:
"Träte ein solches Abkommen in Kraft, so bestünden unvermeidlicherweise
anhaltende Bedenken und Ungewißheit dahingehend, ob die anderen Vertragsparteien ihren Verpflichtungen gerecht werden. "

Das fehlende Vertrauen und die Ungewißheiten, die Folge eines solchen Abkommens wären, würden bei der internationalen Gemeinschaft Spannungen erzeugen und das Vertrauen in die anderen bestehenden und vorgeschlagenen Rüstungskontrollvereinbarungen schwächen. Eine solche Situation muß und kann vermieden werden."

In

seiner

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-333 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�In seiner vierten Rede vor der Abrüstungskonferenz in Genf erläuterte
Fields die Bestimmungen des Vertragsentwurfs bezüglich Entwicklung, Produktion, Lagerung, Transfer und Einsatz von chemischen Waffen, den Vizepräsident

George

Bush

der

Abrüstungskonferenz

im April

unterbreitet

hatte. Fields betonte, daß wirksame und umfassende Verifizierungsmaßnahmen notwendig seien, da chemische Waffen hinsichtlich ihres äußeren Erscheinungsbildes sich nicht allzu sehr von konventioneller Munition unterscheiden würden - "außer bei unmittelbarer Inspektion". Zudem seien
"Produktionsanlagen für chemische Waffen nur schwer von chemischen Werken
für nichtmilitärische Produkte zu unterscheiden."

Er wies darauf hin, daß es "bereits weitverbreitete Anerkenntnis der
Tatsache" gebe, daß die nationalen technischen Mittel der Verifizierung
(Satelliten wie auch andere Mittel, die nicht vor Ort eingesetzt sind)
nicht ausreichend seien, um die Einhaltung eines Verbots chemischer Waffen sicherzustellen. Aus diesem Grund schlage der amerikanische Vertragsentwurf

auch

"genauere

Mittel

der

Verifizierung,

insbesondere

Vorort-Maßnahmen, vor".
So fordert der amerikanische Vertragsentwurf, daß die deklarierten
chemischen Waffen und Produktionsstätten einer systematischen internationalen Verifizierung vor Ort unterliegen sollen, und zwar "von dem
Augenblick ihrer Deklarierung bis zum Augenblick ihrer Zerstörung".
"Die Deklaration einer Vertragspartei würde einer sofortigen Inspektion vor Ort unterliegen, um die Richtigkeit der abgegebenen Erklärungen zu bestätigen. Dann würden die chemischen Waffen einer ständigen
Überwachung durch Instrumente vor Ort sowie regelmäßigen Inspektionen vor
Ort unterzogen werden, um sicherzustellen, daß sie nicht von ihren genannten Punkten verlagert werden, es sei denn zu einer festgesetzten
Vernichtungsanlage."

"Wegen der
Umgehens

Gefahr

im Verlauf

von Ablenkungsmanövern
des Vernichtungsprozesses
- 2 -

und anderen Formen des
haben die Vereinigten

�die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, diese Zerstörung chemischer Waffen
ständig nicht nur durch

Instrumente vor Ort, sondern auch durch die

ständige Anwesenheit von Inspektoren zu überwachen," erklärte Fields.

Hinsichtlich der Produktionsanlagen würden die internationalen Beobachter ein Inventar der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände erstellen und
"sicherstellen, daß diese ebenfalls vernichtet werden."

Obgleich die Beobachter nicht während des Zerstörungsprozesses ständig vor Ort zu sein brauchten, "müßten Instrumente vor Ort die Anlage
ständig überwachen, um sicherzustellen, daß sie während des Vernichtungsprozesses nicht weiterhin produziert."

Der amerikanische Vertreter unterstrich, daß auch Anlagen, die zwar
keine chemischen Waffen herstellen, die aber hochgiftige, tödliche Chemikalien und andere chemische Bestandteile produzieren, die für chemische
Waffen verwendet werden könnten, gleichfalls einer Überwachung vor Ort
unterliegen sollten.

"Zweck dieser Inspektionen ist es, sicherzustellen, daß die von diesen Anlagen hergestellten Chemikalien nicht zum Zweck der Produktion chemischer Waffen umgeleitet werden," sagte Fields.

Fields legte der Abrüstungskonferenz ein Arbeitspapier vor, das sich
mit verschiedenen Arten von Überwachungsgeräten beschäftigt, die bei einem Vertrag vor Ort benutzt werden könnten, um sicherzustellen, daß einmal erklärte chemische Waffen nur zum Zweck ihrer Zerstörung weitertransportiert werden können.

Der Botschafter unterstrich auch die Bedeutung der Garantie, daß "die
Beobachter ihre Tätigkeit wirksam auf dem Territorium der Vertragsparteien ausüben können."

Ihnen sollten daher spezielle Privilegien und

Immunitäten zuerkannt werden - wie etwa sofortiges Einreisevisum und
Ausschaltung von Verzögerungstaktiken.

Fields
- 3 -

erklärte,

�Fields erklärte, ein solches System internationaler Verifizierung vor
Ort sei entworfen, "um sicherzustellen, daß deklarierte chemische Waffen
wie auch ihre Produktionsstatten zerstört werden und daß keine verbotenen
Aktivitäten an anderen deklarierten Orten und Anlagen stattfinden."

Dieses System, so Fields, sei jedoch "unzureichend", würde es nicht
durch ein "wirksames System der Auskunftspflicht" vervollständigt. Dies,
so Fields, würde es Ländern erlauben, andere Parteien zu einem Abkommen
über

unterstellte

würde, daß

Verletzungen

"keine undeklarierten

aufzufordern,

wodurch

sichergestellt

chemischen Waffen oder Produktions-

anlagen chemischer Waffen existieren oder daß keine verbotenen Aktivitäten stattfinden."

i

�18. Juli 1984

29

KRIBGSVERHUTUNG BERUHT AUF ABSCHRECKUNG
- Expertenanhörung vor Kongreßausschuß -

Washington -(AD)- Die Vereinigten Staaten tun "alles, was in ihrer
Macht steht," um sicherzustellen, daß es niemals zu einem Atomkrieg
kommt. Die diesbezüglichen Bemühungen der amerikanischen Regierung beruhen auf der Strategie der nuklearen Abschreckung. Dies bestätigten zwei
Regierungsexperten - David F. Emery, der stellvertretende Direktor des
Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), und Richard L. Wagner,
Berater für Atomenergiefragen im Verteidigungsministerium - in einer Anhörung am 12. Juli 1984 vor dem Unterausschuß für Internationalen Handel,
Finanzen und sicherheitspolitische Aspekte der Wirtschaftspolitik des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses des amerikanischen Kongresses. Die Erklärungen der beiden Regierungsbeamten vor dem Ausschuß haben folgenden
Wortlaut:

Die Erklärung von David F. Emery
Seit den ersten Atomwaffenexplosionen über Hiroshima und Nagasaki
sind die schrecklichen Folgen des Einsatzes solcher Waffen der ganzen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der ganzen Menschheit bewußt. Seit dieser Zeit hat die Verhütung eines
Atomkriegs unter allen amerikanischen Präsidenten in der Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten stets erste und oberste Priorität genossen.
Schon vor der Entdeckung des Phänomens, das unter der Bezeichnung "nuklearer Winter" bekannt geworden ist, war klar, daß die Folgen eines Atomkriegs absolut untragbar sein würden. Diese Auffassung wurde vom Präsidenten in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen bestätigt. Er sagte damals: "Ein Atomkrieg kann nicht gewonnen und darf nie
geführt werden." Daher ist diese Administration - wie auch alle früheren
Administrationen - bestrebt, die Sowjetunion durch Abschreckung davon abzuhalten, einen Krieg zu beginnen. Diese Politik beruht in erster Linie
auf der Aufrechterhaltung eines glaubwürdigen Abschreckungspotentials.
Aus diesem Grunde ist das Modernisierungsprogramm für unsere strategischen Waffen so wichtig und bedeutsam. Gleiche Bedeutung kommt den Bemühungen der Administration zu, die Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs
durch Rüstungskontrollverhandlungen zu vermindern. Diesbezügliche Abkommen müssen verifizierbar sein, den Interessen beider Seiten gerecht werden und dazu führen, daß die Zahl der nuklearen Waffen auf beiden Seiten
auf ein gleiches und stabileres Niveau abgesenkt werden kann.

In der jüngeren Vergangenheit ist einer der möglichen Folgewirkungen
eines Atomkriegs - dem Phänomen des sogenannten "nuklearen Winters" größere Aufmerksamkeit zuteil geworden. Einige Wissenschaftler glauben,
daß dies Phänomen eine erhebliche Abkühlung der Erdoberfläche und eine
längere Phase der Verdunkelung mit sich bringen könnte. Es ist gut möglich, daß der nukleare Winter ein weiteres Phänomen ist, das der Liste
der Katastrophen, die die Menschheit in der Folge eines Atomkriegs zu
gewärtigen hätte, angefügt werden muß. Viele Wissenschaftler, die dieses
Phänomen erforscht haben, sind zwar davon überzeugt, daß es tatsächlich
auftreten würde, aber die Meinungen über seinen Umfang, seine Dauer und
das Ausmaß des atomaren Schlages, der notwendig sein würde, um es hervorzurufen, gehen weit auseinander. Da dies Phänomen erst vor kurzem entdeckt worden ist und noch große Ungewißheiten bestehen, können wir über
seine möglichen politischen Implikationen noch nichts aussagen.

Die Administration ist entschlossen, ein Forschungsprogramm zur Be-

- 2 -

�zur Beseitigung dieser technischen Ungewißheiten durchzuführen, und die
ACDA wird daran mitarbeiten. Was die Diskussion über dies Phänomen jedoch
vor allem und erneut unterstreicht, ist die absolute Notwendigkeit der
Verhütung eines Atomkriegs. Die Vereinigten Staaten sind schon 1946 zu
einer Politik der Abschreckung übergangen und haben seitdem unter jeder
Administration daran festgehalten. Die Abschreckung dient der nationalen
Sicherheit der Vereinigten Staaten wie auch der ihrer Verbündeten auf
zweierlei Weise: Sie hält andere Länder davon ab, einen Krieg zu beginnen, und sie gewährleistet den Schutz unserer lebenswichtigen Interessen.
Gegenwärtig sind wir bestrebt, die Abschreckung zu verstärken, indem wir
unsere strategischen Nuklearwaffen modernisieren, um zu gewährleisten,
daß ihre Vergeltungsfähigkeit in der Wahrnehmung unserer Gegner glaubwürdig erscheint. Wir versuchen aber auch, die Abschreckung auf dem Wege der
Rüstungskontrolle zu verstärken und haben zu diesem Zweck Vorschläge vorgelegt, die die Zahl der nuklearen Waffen auf beiden Seiten deutlich vermindern und ein stabileres und ausgewogeneres strategisches Verhältnis
zwischen uns und der Sowjetunion schaffen würden. Leider hat die Sowjetunion jedoch die Verhandlungen über nukleare Waffen unterbrochen und ist
nach wie vor nicht bereit, durch Verhandlungen im Bereich der Atomwaffen
stabilere Verhältnisse herbeizuführen.

Man argumentiert zuweilen, daß unser Endziel die völlige Beseitigung
der Atomwaffen sein solle. Es ist das langfristige Ziel des Präsidenten,
darauf hinzuwirken, daß die Atomwaffen sich eines Tages überleben. Bis
dahin haben wir jedoch keine andere Wahl, als auf dem Weg, den wir eingeschlagen haben, weiter voranzuschreiten, d.h., ein glaubwürdiges nukleares Abschreckungspotential aufrechtzuerhalten und zu versuchen, auf dem
Verhandlungswege die Zahl der Atomwaffen so weit zu vermindern, daß wir
zu größerer Stabilität kommen und die Kriegsgefahr sinkt.

Die Erklärung von Richard L. Wagner

Die Politik der Vereinigten Staaten beruht auf der Erkenntnis, daß
ein Atomkrieg eine der schrecklichsten Katastrophen wäre, die die Menschheit treffen könnten. Die unmittelbare Schadenswirkung der von nuklearen
Explosionen hervorgerufenen Druck- und Hitzewellen sowie der radioaktiven

- 3 -

�der radioaktiven Verstrahlung könnte für Millionen von Menschen Tod oder
Verletzung bedeuten. Die durch radioaktiven Niederschlag

(Fallout) her-

vorgerufenen Spätfolgen könnten die Verlustzahlen noch einmal um Millionen von Menschenleben erhöhen. Es besteht kein Zweifel daran, daß ein
solcher Krieg katastrophale Folgen hätte. Die Vereinigten Staaten müssen
daher auch weiterhin alles tun, was in ihrer Macht steht, um sicherzustellen, daß es niemals zu einem Atomkrieg kommt.

Die neueren Forschungsarbeiten der letzten Jahre haben weitere Fragen
bezüglich der möglichen Langzeitwirkungen eines Atomkriegs aufgeworfen.
Neu sind z.B. die Einschätzungen der langfristigen klimatischen Auswirkungen, die von den Rauch- und Aschewolken der durch atomare Explosionen
angefachten Brände hervorgerufen werden würden. In der wehrpolitischen
Expertenszene sind auf diesem Gebiet verschiedene Arbeiten durchgeführt
worden. So haben etwa die Labors des Energieministeriums Beiträge geleistet, und Ende 1982 hat das Verteidigungsministerium über seine Atomenergiebehörde bei der Nationalen Akademie der Wissenschaften eine Studie
über diese Materie in Auftrag gegeben. Aber die ersten, die zu der Auffassung gelangten, daß der Kenntnisstand über die besagten Auswirkungen
eines Atomkriegs hoch genug sei, um publiziert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden, waren die Autoren Turco, Toon, Ackerman, Pollack und Sagan. In ihren Arbeiten kommen sie zu der Schlußfolgerung, daß
es infolge der Rauch- und Aschewolken der Brände zu einem über Monate
hinweg andauernden Temperatursturz um mehrere Zehnereinheiten auf der
Fahrenheitskala kommen könne - d.h., zu einem "nuklearen Winter." Die bis
zum gegenwärtigen Zeitpunkt von den technischen Fachleuten geleistete
Gesamtarbeit - die viele, aber nicht alle der Faktoren berücksichtigt,
die eine Rolle spielen, und deren Berechnungen mit vielen Ungewißheiten
behaftet sind - zeigt, daß es in der Tat zu einem "nuklearen Winter,"
aber auch zu weniger weitreichenden Auswirkungen kommen könnte.

Aber selbst wenn die Wahrscheinlichkeit für solch katastrophale Auswirkungen nur gering wäre, müßten sie doch sehr ernsthaft in Betracht gezogen werden. Die Administration untersucht daher die möglichen Implikationen, die dieser neuen Aspekt eines Atomkriegs sowohl für unsere Strategie der Abschreckung als auch für das Modernisierungsprogramm für unse-

- 4 -

�für unsere strategischen Waffen haben könnte. Die Administration hat zum
besseren Verständnis dieser Phänomene ein ausgedehntes Forschungsprogramm, das später beschrieben werden soll, veranlaßt. Es ist wichtig,
sich zu vergegenwärtigen, daß die Ungewißheiten in Bezug auf die globalen
Auswirkungen grob in zwei Kategorien eingeordnet werden können. Zum einen
bestehen hinsichtlich der Natur des Phänomens selbst nicht unerhebliche
wissenschaftliche und technische Ungewißheiten; zum anderen variieren die
Annahmen über den Verlauf eines Atomkriegs. Was den letzteren Aspekt angeht, so kann man zwar zu Analysezwecken ein bestimmtes Szenario herausgreifen, den tatsächlichen Verlauf eines Atomkriegs aber nicht mit hinreichender Zuverlässigkeit vorhersagen. Angesichts solch großer Ungewißheiten ist es schwierig, die politischen Implikationen im Einzelnen einzuschätzen.

Eines erscheint mir gewiß: Die zuverlässigste Methode, die Möglichkeit eines "nuklearen Winters" wie auch all die anderen furchtbaren Auswirkungen eines Atomkriegs auszuschließen, besteht darin, dafür zu sorgen, daß es niemals zum Krieg kommt. Dies ist das vorrangige Ziel unserer
Sicherheitspolitik, unserer Streitkräftestruktur und unserer Forschungsund Entwicklungsprogramme. Man sollte

festhalten, daß die allgemeine

Richtung, die wir bei unseren Modernisierungsprogrammen

eingeschlagen

haben und die wir im Einklang mit der Initiative des Präsidenten im Bereich der strategischen Verteidigung weiter verfolgen werden - vielleicht
zufällig - dahin geht, die globalen Auswirkungen eines Atomkriegs selbst
dann zu verringern, wenn die Abschreckung versagen sollte.

Ich glaube, alles, was wir z.Z. mit einiger Gewißheit sagen können,
ist dies:

1. In Anbetracht der Erkenntnis, daß es in einem Atomkrieg keinen
Sieger geben würde und daß er daher niemals geführt werden darf, besteht
das Ziel unserer Verteidigungspolitik darin, glaubwürdige Abschreckung
gegen einen Atomkrieg auf allen Ebenen auszuüben. Ich meine, daß die Verhütung eines Atomkriegs das Ziel unserer Strategie bleiben muß und daß
dies Ziel von den möglichen Auswirkungen eines Atomkriegs auf das globale
Klima unberührt bleibt.
2. Die

�2. Die Vereinigten Staaten stehen auf dem Standpunkt, daß eine stabile Abschreckung auch bei einer wesentlichen Verminderung der Zahl der
Atomwaffen auf beiden Seiten gewährleistet werden kann. Auf dieser Annahme beruhen unsere Vorschläge an die Sowjetunion über einen Abbau der
strategischen Waffen. Ich glaube, daß wir dieses Ziel einer erheblichen
Verminderung der nuklearen Waffen der Sowjetunion wie auch der Vereinigten Staaten weiter verfolgen sollten. Wenn die Möglichkeit schwerwiegender klimatischer Auswirkungen eines Atomkriegs etwas nahelegt, so ist es
diese Einsicht.

3. Wir sind ferner der Meinung, daß eine stabile Abschreckung am besten mit modernisierten Streitkräften zu gewährleisten ist. Sie sollten
sich u.a. durch eine verbesserte Fähigkeit zum Überleben eines Angriffs
und durch Betriebssicherheit auszeichnen und außerdem so beschaffen sein,
daß sie durch die Führungs- und Kommandoinstanzen sicher zu beherrschen
sind. Ich glaube, dies Ziel behält seine Gültigkeit. Es ist wesentlich,
daß wir mit der Modernisierung unserer Nuklearstreitkräfte fortfahren, um
die Glaubwürdigkeit des Abschreckungspotentials der Vereinigten Staaten
sicherzustellen.
Mit fortschreitendem Kenntnisstand mögen sich für uns darüberhinaus
noch andere Wege ergeben, wie wir die Wahrscheinlichkeit des Eintretens
des Phänomens des "nuklearen Winters" verringern können bzw. wie wir es
abmildern könnten, falls die Abschreckung versagt.

Wegen der Bedeutung dieser Angelegenheiten haben das Verteidigungsund das Energieministerium vor einigen Monaten damit begonnen, unser
Forschungsprogramm zum besseren Verständnis dieser Auswirkungen zu erweitern. Im Rahmen des Programms werden alle Aspekte der Auswirkungen
eines Atomkriegs auf das globale Klima erforscht. Der Schwerpunkt liegt
bei den Aspekten, hinsichtlich derer die meisten Ungewißheiten bestehen:
Wie es zu Großbränden kommt, wie sich große Rauchwolken bilden, die physikalischen und chemischen Eigenschaften von Partikeln in der Atmosphäre,
die Bewegung und das Verhalten von Rauchwolken und das Verhalten von solchen aufgewirbelten Stoffen, wenn sie in einen atmosphärischen Kreislauf
geraten, der sich über den ganzen Erdball erstreckt. Um klimatische Ver-

- 6 -

�klimatische Veränderungen so gut wie möglich einschätzen zu können, werden zwei- und dreidimensionale Wettermodelle entwickelt, bei denen man
sich der jüngsten und neuesten Erkenntnisse der Physik bedient. Frühere
Großbrände werden analysiert, um Daten über die Ausbreitung von Bränden,
das Aufsteigen von Partikeln und die Vermischung von Rauch mit der umgebenden Atmosphäre sowie seine Verteilung in derselben zu erhalten. Sogar
Vulkanausbrüche werden untersucht, um Einblick in die Vermischungs- und
Verteilungsprozesse in der Atmosphäre zu gewinnen. Außerdem verstärken
wir unsere Forschungsanstrengungen auf dem Gebiet der biologischen Folgen
längerandauernder Temperaturstürze, verringerter Sonneneinstrahlung und
radioaktiver Strahlung. Dies Gebiet ist zwar ungemein schwierig, für die
Erforschung klimatischer Auswirkungen aber wesentlich. Unser Ziel ist,
den Entscheidungsträgern unseres Landes zu einem hinlänglichen Verständnis der technischen Aspekte zu verhelfen und die Auswirkungen eines Atomkriegs auf das globale Klima in den Zusammenhang seiner übrigen Langzeitfolgen einzuordnen. Das Forschungsprogramm wird sowohl von staatlichen
Labors als auch von privaten und universitären Stellen durchgeführt.

Um die Forschungsbasis zu verbreitern und einen weiteren Blickwinkel
zu eröffnen, hat die Administration die Bundesverwaltung für die Erforschung der Atmosphäre und der Meere angewiesen, ein nationales Forschungsprogramm zu entwickeln, dessen Ziel es sein sollte, zu einem besseren Verständnis der Auswirkungen eines Atomkriegs auf das globale Klima
zu kommen und die in Zusammenhang mit den geschilderten Phänomenen bestehenden Ungewißheiten nach Möglichkeit auszuräumen. Das Verteidigungsministerium unterstützt dies Programm nachdrücklich und ist bereit, seine
laufenden wissenschaftlichen Forschungsprogramme mit diesem größeren nationalen Programm zusammenzulegen.

Offengestanden erwarten wir jedoch nicht, daß die Ungewißheiten im
Hinblick auf die globalen Auswirkungen eines Atomkriegs rasch ausgeräumt
werden können. Angesichts der Komplexität des Gegenstands und der spärlichen Daten über die physikalischen und chemischen Aspekte der Phänomene,
um die es hier geht, erscheint dies unwahrscheinlich. Außerdem könnten
der Gewißheit, die wir über die klimatischen Auswirkungen zu erlangen
vermögen, grundsätzliche Grenzen gezogen sein, weil die unter dem Begriff

- 7-

�dem Begriff

"nuklearer Winter" zusammengefaßten

Veränderungen

in den Eigenschaften

Phänomene weitgehende

und dem Verhalten der Atmosphäre

selbst verursachen würden, wenn sie in ihrer vollen Tragweite aufträten.
Dies bedeutet, daß die einzige brauchbare Grundlage für die Beurteilung
der Stimmigkeit unserer Modelle - der gegenwärtige ungestörte atmosphärische Kreislauf - von nur begrenztem Wert ist, wenn es darum geht, die
besagten Auswirkungen einzuschätzen. Daher bildet das bestehende Maß an
Ungewißheit selbst - genau wie viele anderen Auswirkungen nuklearer Waffen auch - einen wichtigen Faktor bei der Erörterung der politischen
Implikationen.

Da also das bestehende Maß an Ungewißheit selbst einen wesentlichen'
Faktor bei den Überlegungen über die Implikationen für die Sicherheitspolitik und die Streitkräftestruktur bildet und da wir diese Überlegungen
parallel zu den technischen Forschungsarbeiten fortführen werden, wäre es
unklug, unsere Politik oder Streitkräftestruktur jetzt, d.h., bevor wir
die technische Seite der Angelegenheit besser begreifen, zu ändern.

Ich möchte abschließend unterstreichen, daß diese neuen Forschungsarbeiten zwar unseren Vorstellungen von den Folgen eines Atomkrieges eine
weitere Dimension hinzugefügt, unsere Grundauffassung, daß ein solcher
Krieg vermieden werden muß, aber nicht verändert haben. Die Abschreckung
bildet die Grundlage unserer Strategie, und sie muß dies auch bleiben.
Unsere Streitkräfte müssen so beschaffen sein, daß die sowjetischen Planer sich ihrer Fähigkeit zur Erreichung ihrer militärischen Ziele niemals
sicher fühlen können. Das Modernisierungsprogramm des Präsidenten für unsere strategischen Streitkräfte, seine Abrüstungsvorschläge

und seine

Initiative im Bereich der strategischen Verteidigung stellen allesamt Bemühungen dar, dieses Ziel zu erreichen, gleichzeitig aber die Auswirkungen eines Atomkriegs, einschließlich der möglichen globalen Auswirkungen,
so klein wie möglich zu halten..

- 8 -

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