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4 . J u l i 1984

INHALT
DOKUMENTATION
Reagan sucht Intensivierung der Kontakte zur Sowjetunion
- Rede des Präsidenten auf der Smithsonion-Konferenz Weinberger-Interview mit NATO-Journalisten
- Auszuge HINTERGRUNDMATERIAL
Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Informationspapier des Weißen Hauses Die Geschichte der amerikanischen Politik in der Frage des Dialogs mit
Nicaragua
US-Regierung: Kein Verzicht auf Synthesebrennstoffe
- Konkurrenzfähigkeit Ziel der technischen Weiterentwicklung WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erster Besuch bei einem Kometen
- Forschungssatellit ICE auf dem Weg zum Rendezvous -

HINWEIS FÜR UNSERE BEZIEHER
Der Themenindex der während des 2. Halbjahres 1983 und des 1. Halbjahres 1984 im "Amerika Dienst" erschienen Artikel ist jetzt verfügbar. Auf Anforderung senden wir Ihnen die Liste gerne zu.

Um Ubei/end ung von
Belegexemplaren
uiircl gebeten

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Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

4. Juli 1984

27

REAGAN SUCHT INTENSIVIERUNG DER KONTAKTE ZUR SOWJETUNION
- Rede des Präsidenten auf der Smithsonian-Konferenz -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat auf der SmithsonionKonferenz über amerikanisch-sowjetischen Austausch am 27. Juni 1984 erneut den Wunsch nach einer Verstärkung der Kontakte zur Sowjetunion ausgesprochen.

Wenn die Sowjets so sehr für den Frieden seien, wie sie er-

klärten, dann sollten sie auch zu Verhandlungen bereit sein, so sagte
Reagan.

Die Rede des Präsidenten war vorher vom amerikanischen Außenmi-

nisterium angekündigt worden.

Das Ziel der Vereinigten Staaten in allen

bilateralen Bemühungen, so erklärte ein Vertreter des Außenministeriums
vor der Presse, seien stabilere und konstruktivere Ost-West-Beziehungen.

Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:

Seit vielen Monaten habe ich die Sowjetunion ermutigt, sich uns in
einer großen Anstrengung anzuschließen, um herauszufinden, ob wir nicht
in folgenden allgemeinen Problemkreisen Fortschritte erzielen könnten:

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Telex: 8-85432

�erzielen könnten: Verringerung der Androhung und Anwendung von

Gewalt

zur Lösung internationaler Streitigkeiten; Verringerung der Rüstungen der
Welt und Herstellung besserer Arbeitsbeziehungen miteinander.

Vor den Vereinten Nationen, vor dem japanischen Reichstag, vor der
Georgetown-Universität und vor dem irischen Parlament habe ich unsere Bemühungen um eine Verringerung der Waffen, vor allem der Kernwaffen, und
die Herstellung eines nützlichen Dialogs über regionale Fragen dargelegt. Lassen Sie mich einige wenige der vielen Bemühungen aufzeigen, die
wir

unternehmen, um bessere Arbeitsbeziehungen zur Sowjetunion herzu-

stellen.

Wir haben die sowjetische Regierung in Kenntnis gesetzt, daß wir bereit sind, in Verhandlungen über ein neues Austausch-Abkommen einzutreten, und wir haben unsere Vorbereitungen für diese Verhandlungen abgeschlossen.

Wir haben vorgeschlagen, die Vorbereitungen für die Eröffnung von
Konsulaten in New York und in Kiew wieder aufzunehmen.

Wir haben Schrit-

te unternommen, um unsere Abkommen über Zusammenarbeit auf den Gebieten
des Umweltschutzes, des Wohnungsbaus, des Gesundheitswesens und der Landwirtschaft neu zu beleben.

Die Tätigkeiten im Rahmen dieser Abkommen ha-

ben in den letzten Jahren nachgelassen, weil keine Sitzungen unserer gemeinsamen Ausschüsse stattgefunden haben, um Projekte zu planen.

Wir haben vorgeschlagen, daß Vorbereitungen für solche Sitzungen beginnen sollen, um die Zahl der aktiven Projekte zu vergrößern.

Wir sind

dabei, mehrere bilaterale Abkommen zu erneuern, die sonst in diesem Jahr
ausgelaufen wären, und wir sind übereingekommen, unser Fischereiabkommen
um 18 Monate zu verlängern, und wir suchen nach Möglichkeiten, die Zusammenarbeit im Rahmen des Abkommens zu verstärken.

Wir haben vorgeschlagen, unser Abkommen zur Erleichterung der wirtschaftlichen, industriellen und technischen Kooperation auf weitere zehn
Jahre zu verlängern und mit Vorbereitungen für eine Sitzung unserer ge- 2 -

�unserer gemeinsamen Handeismission zu beginnen.
Die amerikanische Marinedelegation hielt im vorigen Monat mit der
entsprechenden Delegation der sowjetischen Marine im Rahmen unseres Abkommens über die Vermeidung von Zwischenfällen auf See Besprechungen ab,
und wir sind übereingekommen, dieses nützliche Abkommen um weitere drei
Jahre zu verlängern.

Wir überprüfen das Abkommen über die Weltmeere, das sich als nützlich
erwiesen hat für die Förderung der gemeinsamen ozeanographischen Forschung, und wir werden sorgfältig überlegen, dieses Abkommen vor seinem
Ablauf zu erneuern.

Wir haben auf mehreren anderen Gebieten Vorschläge gemacht, um den
Dialog zu fördern, die Zusammenarbeit zu verstärken und Probleme zu lösen.

Wir haben eine faire und gerechte Lösung unserer Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Seegrenzen vor der Küste von Alaska vorgeschlagen.

Wir haben eine gemeinsam simulierte Rettungsmission im Weltraum vorgeschlagen, in deren Rahmen Astronauten und Kosmonauten eine kombinierte
Übung im Weltraum durchführen sollen, um Techniken für die Rettung von
Menschen bei Funktionsstörungen in Weltraumfahrzeugen zu entwickeln.

Und schließlich führen wir derzeit eine weitere Gesprächsrunde über
konsularische Fragen durch, mit der wir versuchen, die Visa-Verfahren zu
verbessern und Reisen zwischen unseren beiden Ländern zu erleichtern.

Wir haben Besprechungen zwischen der amerikanischen Küstenwache und
dem sowjetischen Ministerium für die Handelsschiffahrt über die Verfahren
für die Suche und die Rettung von Bürgern aller Länder in Seenot vorgeschlagen.

Und wir haben Erfolge bei unseren Verhandlungen über die Verbesserung
des "Heißen Drantes" erreicht, indem wir Gespräche über potentielle nu-

�potentielle nukleare TerrorZwischenfälle, über die Errichtung einer gemeinsamen militärischen Fernmeldeverbindung und über die Verbesserung der
FernmeldeVerbindungen der Botschaften in beiden Ländern geführt haben.

Wir haben ferner regelmäßige Kontakte von Militärs unserer beiden
Länder auf hoher Ebene vorgeschlagen.

Wir haben also, wie Sie selbst sehen können, umfassende und vernünftige Vorschläge gemacht, um den amerikanisch-sowjetischen Dialog und unsere Arbeitsbeziehungen zu verbessern.

Und wenn sich die Sowjets ent-

schließen, sich uns in diesen Bemühungen anzuschließen, dann würden sich,
wie ich meine, neue Wege für unsere Anstrengungen eröffnen.

Es ist noch zu früh, um über die Ergebnisse zu urteilen.

Einige Vor-

schläge sind einer Einigung nahe; viele andere sind noch in der Diskussion; und einige werden, zumindest für jetzt, abgelehnt.

Echte Kontakte mit einer geschlossenen Gesellschaft werden niemals
leicht sein. Und ich bin, ebenso wie Sie, über Berichte aus jüngster Zeit
beunruhigt - über Berichte über neue Maßnahmen der sowjetischen Behörden,
die Kontakte zwischen sowjetischen Bürgern und Ausländern einzuschränken.
Diese Einschränkungen kommen noch zu der verstärkten Unterdrückung jener
tapferen sowjetischen Bürger hinzu, die es gewagt haben, Auffassungen zu
äußern, die im Gegensatz zu denen der politischen Elite in der Sowjetunion stehen.

Die Menschen in der Sowjetunion zahlen einen hohen Preis für die
Handlungen ihrer Regierung - ja, wir alle zahlen einen Preis.

Wenn die

sowjetische Regierung repressive Maßnahmen gegen ihre eigene Bevölkerung
ergreift und versucht, sie von der Außenwelt abzuriegeln, dann leidet ihr
eigenes geistiges und kulturelles Leben darunter.

Gleichzeitig wird der

übrigen Welt der kulturelle Reichtum des sowjetischen Volkes vorenthalten.

Was wäre die klassische Musik ohne Tschaikowski oder die Literatur

ohne Tolstoi oder die Chemie ohne Mendelejew.

Zivilisierte

Menschen

�Zivilisierte Menschen in der ganzen Welt haben ein Interesse daran,
soviel weitgehende, intensive und freie Kontakte, Verbindungen und schöpferische Anregungen wie möglich zu pflegen.

Das zentrale Problem ist und

bleibt, daß die Sowjets darauf beharren, ihre Bevölkerung abzuriegeln und
Kontakte und den Informationsfluß zu filtern und zu kontrollieren.

Wenn durch sowjetische Handlungen der Frieden bedroht oder ein feierliches Abkommen verletzt wird oder die grundlegenden Normen der zivilisierten Welt mit Füßen getreten werden, dann können und werden wir nicht
schweigen.
verraten.

Wenn wir das täten, dann würden wir unsere höchsten Werte
Es würde unser Gewissen verletzen und letztlich die Stabilität

der Welt und unsere Fähigkeit zur Erhaltung des

Friedens unterminieren.

Wir müssen über Wege unterhalb der Schwelle der militärischen Drohung
verfügen, die absolut klar erkennen lassen, daß sowjetische Handlungen
ernst genommen werden und daß manche Handlungen unausweichlich die Qualität der Beziehungen beeinflussen.

Diese Reaktionen führen zu einer Verringerung der Kontakte mit der
Bevölkerung der Sowjetunion, und das ist das Dilemma.

Wir haben jedoch

keinen Streit mit dem russischen Volk oder dem ukrainischen Volk oder mit
irgendeiner der anderen stolzen Nationalitäten in jenem multinationalen
Staat.

Wir müssen also in unseren Reaktionen auf Handlungen der sowje-

tischen Regierung vorsichtig sein, damit wir unseren Unmut nicht an jenen
auslassen, die nicht verantwortlich sind.

Und aus diesem Grund sind wir der Meinung, daß wir die Möglichkeiten
für amerikanische und sowjetische Bürger ausweiten sollten, sich gegenseitig besser kennenzulernen.

Aber unsere Vorschläge in dieser Richtung

sind kein "Signal", daß wir Afghanistan vergessen hätten.

Wir werden

weiterhin unsere Sympathie und unsere nachhaltige Unterstützung für das
afghanische Volk zum Ausdruck bringen.

Die Vereinigten Staaten werden

seinen Kampf um die Beendigung der sowjetischen Besatzung und die Wiederherstellung eines unabhängigen und neutralen Afghanistan unterstützen.

Und unsere Vorschläge bedeuten auch nicht, daß wir Verletzungen der
- 5 -

�Verletzungen der Schlußakte von Helsinki oder das Elend von

Andrei

Sacharow, Jelena Bonner, Anatol Schtscharanski, Juri Orlow und vieler anderer ignorieren werden.

Die Verfolgung dieser tapferen, noblen Menschen

wiegt in unseren Herzen schwer.

Es wäre falsch zu glauben, daß ihre Be-

handlung und ihr Schicksal unsere Fähigkeit zu verstärkter Kooperation
nicht beeinflussen würden. Aus unserem Gewissen heraus, aus dem Gewissen
des amerikanischen Volkes und der freiheitsliebenden Menschen in der ganzen Welt heraus haben wir keine andere Wahl.

Ich weiß, daß diese Überlegungen das Dilemma nicht lösen, vor dem wir
stehen. Aber es ist ein Dilemma für uns alle.

Und ich werde gerne Ihren

Rat hören.
Ich weiß, daß Sie nicht annehmen, daß irgend etwas, zu dem wir die
sowjetischen Führer ermutigen, nicht auch ebenso in ihrem wie in unserem
Interesse läge. Wenn sie sich dem Frieden so verschrieben haben, wie sie
erklären, dann sollten sie sich uns in unserem Bemühen anschließen und
mit uns zusammenarbeiten.

Wenn sie ernsthaft die Rüstungen verringern

wollen, dann gibt es keine Entschuldigung dafür, Verhandlungen zu verweigern, und wenn sie wirklich mit uns als gleichwertige Partner verhandeln wollen, dann sollten sie Gesprächen über echte Probleme nicht ausweichen.

Manche Leute sagen, für die sowjetischen Führer gehe es in Wirklichkeit nicht um den Frieden, sondern es gehe vielmehr um den Versuch, die
Herrschaft durch den Einsatz militärischer Gewalt als Mittel zur Einschüchterung auszubreiten, und es gibt hinreichend
Auffassung.

Beweise für diese

Aber es sollte heute klar geworden sein, daß eine solche

Strategie nicht funktionieren wird, und wenn die Sowjets das eingesehen
haben, dann werden sie vielleicht begreifen, daß sie viel zu gewinnen
haben, wenn sie den Dialog verbessern, die Rüstungen verringern und Probleme lösen.

Der beste Weg, den Regierungen einschlagen können, um Kontakte zwischen Menschen zu fördern, ist, nicht im Wege zu stehen.

Unsere Admi-

�unsere Administration wird alles in ihren Kräften Stehende tun, um nicht
im Wege zu stehen und die sowjetische Regierung dazu zu bewegen, ebenso
zu handeln.

Wir wissen, daß das nicht über Nacht kommen wird.

Aber wenn

wir Erfolg haben wollen, dann müssen wir uns weiterhin engagieren und
mehr Amerikaner in einen umfassenderen und bedeutsameren Kontakt mit viel
mehr sowjetischen Bürgern bringen.

Es mag wie ein unerfüllbarer Traum aussehen zu glauben, daß eine Zeit
kommen könnte, in der amerikanische und sowjetische Bürger aus allen Lebensbereichen frei hin- und herreisen können, sich gegenseitig zuhause
besuchen können, in allen möglichen Problemen zusammenarbeiten können und
- wenn sie das wollen - die ganze Nacht zusammensitzen und über den Sinn
des Lebens und die unterschiedlichen Betrachtungsweisen der Welt reden
können.

In den meisten Ländern der Welt betrachten die Menschen solche Kontakte als etwas Selbstverständliches.
akzeptieren, daß amerikanische

Wir sollten niemals den Gedanken

und sowjetische Bürger sich nicht der

gleichen Kontakte und Verbindungen erfreuen könnten.

Ich glaube nicht,

daß dies ein unerfüllbarer Traum ist, und ich glaube, auch Sie sind nicht
dieser Meinung.

Und so möchte ich Ihnen zum Abschluß danken und für Ihre Tätigkeit
Gottes Segen wünschen.

- 7 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

4. Juli 1984

27

WEINBERGER-INTERVIEW MIT NATO-JOURNALISTEN
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) -

Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar

Weinberger hat in einem Interview mit NATO-Journalisten am 26. Juni 1984
in Washington mit allem Nachdruck unterstrichen, daß Europa keinerlei Befürchtungen zu haben brauche, eine neue strategische Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten könnte zu einem Abrücken der USA führen. Die
Vereinigten Staaten, so sagte Weinberger, "könnten nicht in einer Welt
leben, in der Europa überrollt wäre."

Die Eingangserklärung des amerikanischen Verteidigungsministers und
die wesentlichen Europa betreffenden Fragen haben folgenden Wortlaut:

Ich möchte zunächst auf zwei Punkte eingehen und mich dann so vielen
Ihrer Fragen stellen, wie Ihre Zeit erlaubt.

Der erste Punkt ist der Technologietransfer und die Art und Weise,

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�und Weise, wie wir unsere kollektiven gemeinsamen Technologien nutzen
können, um unsere Kräfte zu vervielfachen und unsere Verteidigungsorganisationen besser zu nutzen, unsere Abschreckungskapazität zu stärken
und damit die Grundaufgabe der NATO zu erfüllen, die natürlich darin besteht, den Krieg zu verhüten.

Die Technologien, von denen wir sprechen, sind zum Teil entwickelt.
Sie können durchaus erst ein Konzept oder eine Idee in den Köpfen von ein
oder zwei Menschen sein, aber es gibt viele Mittel und Wege, wie wir den
technologischen Fortschritt nutzen können.

Das ist einer der großen Vor-

teile, den der Westen gegenüber der Sowjetunion und dem Warschauer Pakt
hält.

Und wir können diesen Fortschritt so nutzen, daß er unsere Vertei-

digung verbessert, ohne daß wir mehr Soldaten brauchen, ohne daß wir versuchen, mit den Sowjets Panzer für Panzer oder Mann für Mann gleichzuziehen, und es ist von lebenswichtiger Bedeutung, daß wir diese großen Ressourcen auf diesem Gebiet, auf dem wir noch immer einen Vorsprung haben eines der sehr wenigen - nutzen.

Um das zu tun, sind zwei Dinge entscheidend wichtig.

Das eine ist,

daß wir zusammenarbeiten, d.h., daß wir uns von allen Ideen freimachen,
daß entstehende Technologien oder der Gebrauch dieser Technologien nur
zum wirtschaftlichen Wohle eines Landes bestimmt seien.

Das Wesen der

Idee der aufkommenden Technologien und der Idee der damit verbundenen
Kräftevermehrung besteht darin, daß wir zusammenarbeiten und daß wir das
auf eine Art und Weise tun, die, wie ich meine, die besten Arten von Waffensystemen hervorbringt.

Und das sind die, bei denen wir im Entwurf, in

der Entwicklung und der Herstellung und der Dislozierung gemeinsam zusammenarbeiten.

Und dafür gibt es viel Spielraum.

Der andere Aspekt ist der, daß wir besonders vorsichtig sein müssen,
diesen Vorsprung, den wir besitzen, auch zu halten.

Ich weiß, daß es

viele Leute gibt, die meinen, daß verstärkter Handel der beste Weg zum
Frieden sei. Das ist eine schöne Theorie, und ich wünschte mir, sie
stimmte.

Aber leider hat verstärkter Handel mit Ländern des Warschauer

Paktes bedeutet, daß sie in zunehmendem Maße etwas von unserer Techno-

�unserer Technologie erworben haben und unser Vorsprung zurückging und daß
sie große militärische Stärke erlangt haben, die sie sonst nicht hätten
beschaffen können - sicherlich nirgendwo so rasch wie bei uns. Wenn ich
also auch keineswegs Embargos errichten oder den Handel mit den Ländern
des Warschauer Paktes blockieren will, so ist es doch ganz wesentlich, zu
erkennen, daß diese Länder eine der unsrigen überlegene Fähigkeit besitzen, Technologien, die keine augenscheinliche militärische Anwendungsmöglichkeit haben - oder vielleicht Anwendungsmöglichkeiten sowohl als auch
- direkt zu ihrem militärischen Vorteil auszunutzen.

Wir müssen daher

sehr viel vorsichtiger sein, als irgend jemand von uns sein möchte - denn
wir alle ziehen natürlich den freiest möglichen Handel vor - um zu gewährleisten, daß wir ihnen nicht die Mittel an die Hand geben, die dazu
beitragen, uns zu vernichten, und wir haben ihnen bereits eine ganze beträchtliche Menge gegeben - oder sie haben sie gestohlen.

Dies ist ein

Gebiet sehr ernster Besorgnis, daß wir nämlich zu ihrer Stärke beitragen
und uns unsere eigene Aufgabe selbst schwerer machen.

Das ist der eine Punkt, den ich herausstellen möchte, und der andere
bezieht sich natürlich auf diese ganze Frage des Nunn-Gesetzeszusatzes
und der Versuche, Europa zu mehr Aktion anzufachen; oder durch Angst oder
Verdeutlichung, wie wichtig eine zusätzliche NATO-Stärke ist (durch irgendeinen der zahlreichen Gründe, die Senator Nunn und jene, die ihn unterstützen, hervorgebracht haben), einen größeren militärischen Beitrag
zu erreichen, eine zusätzliche größere militärische Stärke in den NATOLändern - und das alles durch einen Prozeß zu erreichen, den ich als Nötigung oder Drohung bezeichne, der in dem Nunn-Gesetzeszusatz zusammengefaßt ist. Die Idee ist die, daß Amerika - wenn es keinen größeren europäischen Beitrag zur NATO gibt - die NATO und die amerikanische Verpflichtung zur NATO schwächen würde, indem wir einen beträchtlichen Teil
unserer Truppen abziehen würden.

Dabei sollte natürlich alles sorgfältig

geplant sein und über drei Jahre ausgedehnt werden - und es würde natürlich niemandem wehtun, und es sei der einzige Weg, andere Länder dazu zu
bewegen, ihre Lasten zu übernehmen - und all solche Argumente.

Ich bin der Meinung, daß dies schon einmal der völlig falsche Ansatz

�falsche Ansatz ist. Wir müssen alle mehr tun. Es steht außer Frage, daß
bei der sowjetischen Bedrohung und mit der Welt, in der wir leben, es
einfach zwingend ist, daß alle NATO-Länder - die Vereinigten Staaten ausdrücklich eingeschlossen - mehr tun.

Wir dürfen nicht vergessen, daß

während der siebziger Jahre, als wir in unseren Verteidigungsausgaben und
-Investitionen um rund 20 Prozent zurückgingen, die europäischen NATOLänder die ihrigen steigerten.

Es gibt noch andere Beiträge, die viele

NATO-Länder leisten, die nicht umbedingt in ihren Verteidigungshaushalten
zum Ausdruck kommen.

Es ist richtig, daß viele von ihnen das Ziel der

sogenannten Dreiprozenterhöhung nicht erreicht haben, aber dafür gibt es
viele mildernde Umstände - die wirtschaftlichen Verhältnisse -, und es
ist in Amerika und in NATO-Ländern - in liberalen demokratischen Gesellschaften - immer schwer, für militärische Ausgaben sehr viel öffentliche
Unterstützung zu finden und zu organisieren.

Das sind sehr unpopuläre

Tätigkeiten.

... Ich habe niemals irgendeine Diskussion mit irgendeinem meiner
Kollegen, mit irgendeinem der Verteidigungsminister geführt, bei der mit einer Ausnahme - diese nicht das Gefühl gehabt hätten, daß es für
alle notwendig sei, mehr zu tun, und das in so wirkungsvoller Weise wie
nur möglich zu tun.

Aber sie alle hatten große Schwierigkeiten, es zu

tun - und zwar wegen des Zustandes der öffentlichen Meinung - in manchen
Fällen natürlich von der Sowjetunion manipuliert, in manchen Fällen einfach der natürliche Ausdruck, daß Menschen nicht gerne ihr Geld für die
Verteidigung ausgeben - wie das auch hier der Fall ist.

Aber die Frage ist nicht, ob es getan werden sollte oder nicht oder
ob es wünschenswert ist oder nicht. Darüber gibt es, wie ich meine, keine Zweifel - und sicherlich keine Zweifel seitens dieser Administration
und was unsere eigene Politik angeht.
sen, daß mehr getan werden muß.

Wir wollen mehr tun, und wir wis-

Die Frage ist lediglich, ob man dieses

Resultat durch ein Stück Gesetzgebung erreicht, das praktisch besagt, daß
wir, wenn ihr eure Verteidigungsausgaben nicht erhöht - was ihr nach unserer Meinung bisher nicht getan habt - euch ancircSori/ amerikanische
Truppen abzuziehen.

Und wenn ihr es tut, dann werden wir die amerika-

�die amerikanischen Truppen dort lassen. Daran ist vieles falsch.
Das ist nicht die Art und Weise, mit Verbündeten umzugehen.

So geht

man nicht mit einem Bündnis um, das außerordentlich erfolgreich war und
gerade seinen größten Sieg errungen hat, indem es Dislozierungen vornahm
gegen alle Propagandapläne, die die Sowjets nur erdenken konnten, und den
notwendigen Anfang einer Abschreckungskapazität machte, um das gegenwärtige sowjetische Monopol an Mittelstreckenwaffen auszugleichen.

Diese

Art von Gesetzeszusatz ist nicht das Richtige, um das gewünschte Resultat
zu erzielen.

Dies muß die NATO schwächen, wenn andere Länder nicht das

Ziel der dreiprozentigen Erhöhung erreicht haben - das ohnehin mit Unrealität verbunden ist -, und es wird nach meiner Meinung nichts weiter bewirken, als Länder zu entmutigen und damit den Sowjets direkt in die Hände spielen.

Ich kann mir nichts vorstellen, was den Sowjets mehr gefal-

len würde, als daß amerikanische Truppen abgezogen und das Bündnis gesprengt wird.

Und die Vorstellung, daß die europäischen Länder mehr Eigenleistung
bringen würden, wenn das Bündnis geschwächt würde, die müßte meiner Meinung nach erst noch bewiesen werden.

Dies ist ein Gebiet, das zu schwie-

rig und zu riskant ist, als daß man hier experimentieren dürfte.

Und schließlich ist Amerika nicht aus reiner Nächstenliebe Mitglied
der NATO.

Es dient den amerikanischen Interessen ebenso wie denen der

anderen Mitglieder,daß die NATO besteht und so stark wie möglich ist. Wir
helfen uns selbst, wenn sie in der NATO sind, und es ist wesentlich, daß
wir immer an Gegenseitigkeit denken und danach handeln.

Der Gedanke, daß

wir allen einen Gefallen tun, wenn wir in der NATO sind - den wir dann
aber zurückziehen, wenn die anderen nicht so handeln, wie wir es wollen ist meiner Meinung nach nicht nur ganz falsch, sondern findet leider in
unserem Lande, wie Sie gesehen haben, große Unterstützung.

Es besteht noch immer ein Hang zur Isolation, der sehr stark und
dicht unter der Oberfläche anzutreffen ist - und solche Gesetzeszusätze
kommen dem entgegen.

Das ist einer der Gründe, warum ich so nachdrück-

�so nachdrücklich gegen den Gesetzeszusatz war, weil es sich nach meiner
Meinung um eine unverantwortliche Handlungsweise handelt, wie sie in
Wahljahren vorkommt.

Sie kann das

Bündnis nur schwächen und - obwohl

nach einer harten Debatte abgelehnt und deutlich angelehnt -, kann sie
Ländern große Sorgen bereiten, die versuchen, das gleiche zu tun wie wir
- nämlich eine glaubwürdige Abschreckung aufrechtzuerhalten als bestes
Mittel zur Wahrung des Friedens.

Das sind die beiden Themen, zu denen ich grundsätzlich etwas sagen
wollte.

Ich werde jetzt gerne versuchen, Fragen dazu und zu anderen The-

men zu beantworten...

FRAGE: Wenn ich es richtig verstehe, so gab es am vergangenen Dienstag für den Nunn-Gesetzeszusatz eine Mehrheit und es scheint zu einem
Kompromiß gekommen zu sein, wonach... Wird Ihrer Meinung nach der Zusatz
in der einen oder anderen Form später im Jahr wiederkehren?

ANTWORT: Ich glaube nicht. Und ich hoffe es nicht. Aber er wird
wahrscheinlich seiner Natur nach jedes Jahr doch regelmässig wiederkehren, weil eine Reihe Leute den politischen Vorteil suchen, der ihrer Meinung nach darin steckt. Der sogenannte Kompromiß, der ihn ersetzte, war
ein Gesetzeszusatz, der sicher dieses Jahr keinerlei Probleme schaffen
wird, weil er nämlich die NATO-Streitkräfte bei genau der Zahl begrenzt,
die wir als notwendig ansetzten, nämlich bei 326 000.

Der Grundgedanke wird nicht verschwinden. Er ist ja nicht so ganz
neu.

Aber er würde uns auf den Gesetzeszusatz von Mansfield zurückwer-

fen, bei dem es vor einigen Jahren viele Mühe kostete, davon loszukommen.
FRAGE: Wie ist es Ihrer Meinung nach derzeit um das Bündnis bestellt?

ANTWORT: Ich meine, das Bündnis ist in guter Verfassung, und es ist
sehr stark. Meiner Meinung nach wurde hier ein Element ins Spiel gebracht, das leider entzweienden Charakter hat. Aber ich persönlich bin
der Ansicht, daß das Bündnis stark ist und hoffe, daß

6 noch stärker

�noch stärker werden wird, daß alle Staaten - einschliesslich der Vereinigten Staaten - mehr tun werden und höhere Verteidigungshaushalte haben werden, weil dies die Zeiten meiner Meinung nach erforderlich machen.
Und ich meine ganz einfach, daß dieser Gesetzeszusatz der schlechteste
Weg ist, um dies zu erreichen.

FRAGE: Sie sagten, der Nunn-Gesetzeszusatz sei nicht der Weg, wie
man auf die Verbündeten Druck ausüben könne. Aber wären Sie denn mit einer anderen Methode zufrieden?
ANTWORT: Nun, ich versuche, diesen anderen Weg zu gehen, nämlich den
der stillen Diplomatie und der Kraft der Argumente.
FRAGE: Ich denke nicht nur an die drei Prozent, sondern auch an die
Dislozierung bestimmter Marschflugkörper.
ANTWORT: Nun, die NATO trug ganz eindeutig einen Sieg davon und ging
aus all dem erheblich verstärkt hervor. Dies deshalb, weil man allen propagandistischen Bemühungen der Sowjetunion und ihren Manipulierungsversuchen der öffentlichen Meinung im Westen widerstand - wobei es keine öffentliche Meinung in der Sowjetunion gibt, die vielleicht auch wir beeinflussen könnten - und sich für eine Dislozierung aussprach. Dies geschah,
weil die Regierungen davon überzeugt waren, dass hier eine sehr reale Gefahr bestand, mit der man sich auseinanderzusetzen hatte, indem man sich
eine abschreckende Vergeltungskapazität beschaffte, über die man bislang
nicht verfügt hatte. Die Sowjets wollten sich hier ein Monopol erhalten
und als der Sieg der NATO erzielt war, verHessen die Sowjets alle Verhandlungen , die wir bis dahin mit solch großer Geduld geführt hatten und

sind

bislang

auch

noch

nicht

wieder

an

den

Verhandlungstisch

zurückgekehrt.

Ich meine, der beste Weg ist folgender: Darlegung der Fakten und Bereitschaft zur Zusammenarbeit, Beteiligung aller an den Technologien und
bei der Bereitstellung der notwendigen Waffensysteme - wobei der Öffentlichkeit stets alle Fakten dargelegt werden müssen. Dies ist auch der

�auch der Grund dafür, daß wir auf Ersuchen der Verteidigungsminister hin
vor drei Jahren mit der Veröffentlichung der Publikation "Die sowjetische
Militärmacht" begannen, die das Höchstmaß dessen darstellt, was unsere
Nachrichtendienste an Einblick gewähren konnten. Hier haben wir die Fakten. Jetzt kam die dritte Auflage mit zwischen 400 000 und 500 000 Kopien
heraus - und ich meine, das ist der richtige Weg: Darlegung der Fakten
und der entsprechenden klaren Schlußfolgerungen. Dies scheint mir auch
wirkungsvoller zu sein, als eine Pressekonferenz einzuberufen, auf den
Tisch zu schlagen und dieses oder jenes Land aufzufordern, mehr zu leisten und auf Bestrafung zu drängen, falls darauf keine Reaktion erfolgt.
Die Tragödie ist, daß wir alle bestrafen - die Freiheit und uns selbst -,
wenn wir so vorgehen.

FRAGE: In welchem Maß würde eine Verbesserung bzw. eine Neuaufnahme
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen Ihre Anstrengungen sowohl militärisch als auch politisch untergraben?

ANTWORT: Das würde unsere Bemühungen überhaupt nicht untergraben. Wir
wären hocherfreut, wenn wir ihre Zustimmung

zu größeren Waffenverringe-

rungen bekämen - insbesondere bei den strategischen Kernwaffen, wo sie so
in Führung gegangen sind. Das würde es uns ermöglichen, die Abschreckung
auf einem wesentlich niedrigeren Niveau aufrechtzuerhalten. Unsere Sorge
ist, daß bislang alle Verhandlungen, Gespräche und unterzeichnete Abkommen mit ihnen sich nicht in einer Verringerung der Waffen niederschlugen.
Vielmehr war immer eine Expansion die Folge - und zwar normalerweise immer auf dem Weg, den die Sowjets gehen wollten. Deshalb werden wir auch
immer wieder versuchen - wie auch bislang -, in jedem Forum und auf jede
mögliche Weise, bei allen Waffen zu umfassenden Verringerungen zu kommen.
Es ist für diese Administration und für diesen Präsidenten sicher frustrierend, daß wir irgendwie diesen unseren Wunsch der andern Seite nicht
begreiflich machen können, den Wunsch nach Rüstungsverringerungen und Abrüstungsvereinbarungen, die auch etwas bedeuten und die auch verifizierbar sind. Ein Rüstungsbegrenzungsabkommen, das beiden Seiten Expansion
ermöglicht, ist nicht sehr nützlich. Und Rustungsbegrenzui

abkommen, die

auf Parität hinauslaufen, gründlich verifizierbar sind und zu echten Ver-

�echten Verringerungen führen, sind eben das, worum wir uns bemühen und
auch weiterhin bemühen werden.
FRAGE: Wie würden Sie die Chancen eines Gipfeltreffens noch in diesem
Jahr beurteilen?

ANTWORT: Ich weiß wirklich nicht. Es scheint offenkundig, daß die
Sowjets in diesem Wahljahr kein Treffen haben wollen. Aber ich hoffe,
dass eine allgemeine Atmosphäre sinnvolle Gespräche ermöglichen würde.
FRAGE: Wie steht es um die informellen Gespräche, die in den letzten
Monaten zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten stattgefunden haben?

ANTWORT: Nun, sie sind informell und haben eine ganze Reihe von Fragen abgedeckt, vertrauensbildende Maßnahmen und dergleichen. So gab es
etwa vor einem Jahr Übereinstimmung dahingehend, daß der "Heisse Draht"
der Modernisierung bedürfe, nachdem er in den fünfziger Jahren eingerichtet worden war. Bislang haben die Sowjets viel darüber gesprochen, ob
es sich hierbei um ein informelles Schreiben handeln sollte oder um ein
Memorandum oder eher um eine umfassende Vereinbarung. Sie legen erhebliches Zögern an den Tag, überhaupt etwas zu unterzeichnen. Wir hatten
Verhandlungen, Gespräche, und diese dauern an, aber noch ist nichts abgeschlossen. Dies als Beispiel dafür, wo es zu Beginn prinzipiell Übereinstimmung gab.

FRAGE: Was sagen Sie zu der offenkundigen Opposition gegen die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI), die aus Europa kommt - und zwar
nicht nur aus Europa allgemein, sondern auch von den Regierungen der Verbündeten in Europa?

ANTWORT: Ich glaube, vieles dieser Opposition gegen die Strategische
Verteidigungsinitiative hat mit einem Mangel an Wissen zu tun. Wann immer
wir Gelegenheit hatten, darüber zu sprechen, verschwand ich eine Menge
Mißverständnisse.

Die

SDI

�Die SDI interessiert den Präsidenten und uns alle, weil es ein Versuch ist, ein Waffensystem zu entwerfen, das Waffen - und nicht Menschen
- zerstören soll. Wie der Präsident richtig sagte: Es soll Schützer und
nicht Rächer der Menschen sein. Es ist dies etwas, woran wir arbeiten in
der Hoffnung, ein absolut verläßliches System zu erhalten. Und wenn dem
auch jetzt noch nicht so ist, so besteht doch sehr viel Grund zu der Annahme, daß wir es erreichen können. Wir werden daran weiterarbeiten, weil
wir im Erfolgsfalle - wie der Präsident viele Male gesagt hat - die Technologie mit den Sowjets teilen könnten und dadurch der Schatten dieser
Kernwaffen von der Erde verbannt und diese machtlos werden könnten. Es
wäre dies ein überaus edles und wünschenswertes Ziel.

Derzeit bemühen wir uns um die Unterstützung mehrerer bekannter und
ausgezeichneter Wissenschaftler, und es ist unsere Hoffnung, daß noch
viele weitere an dieser Bemühung teilhaben werden. Wir haben unsere
produktiven und innovativen Fähigkeiten und unser technisches Geschick.
Es gibt erste, vielversprechende Ergebnisse. Bislang war der Kongreß bereit, erhebliche Summen dafür zur Verfügung zu stellen. Ich hoffe sehr,
daß wir Erfolg haben werden.

Es herrscht in Europa Nervosität und Furcht darüber, daß wir vielleicht eine SDI entwickeln und dann Europa einfach so dasitzen lassen
könnten. Das ist recht absurd. Wir haben insgesamt rund 350 000 Mann
dort, die Beweis dafür sind, was wir von einem Überleben Europas halten
und daß wir nicht in einer Welt leben könnten, in der Europa überrollt
wäre.

Die Grundideen des Systems wären auf die Mittelstreckenwaffen genauso
anwendbar wie auf die strategischen Waffen. Es ist natürlich ein neues
Konzept. Die Grundidee in der Vergangenheit war, daß jeder völlig sicher
sei, wenn weder die eine, noch die andere Seite überhaupt eine Verteidigung hat. Dem stimmt der Präsident nicht zu. Seiner Ansicht nach ist der
Versuch einer Entwickung dieser Verteidigung keineswegs cV stabilisierend,
sondern genau das Gegenteil. Wir befinden uns in einem frühen Stadium. Es
- 10 -

�Stadium.

Es wird lang dauern. Es bedarf erheblich mehr Computertechnik,

als wir sie bislang haben, aber ich zweifle nicht daran, daß wir das
schaffen können. Erste positive Ergebnisse liegen vor.

Der andere Hauptfaktor ist der, daß die Sowjets ebenfalls schon seit
1977 daran mit einigem Erfolg arbeiten. Sollten die Sowjets ein solches
System haben, das unsere Raketen machtlos werden liesse, ohne daß wir ein
gleiches hätten, so wäre dies in der Tat eine sehr gefährliche Situation.
Daher scheint es mir absolut notwendig, daran zu arbeiten.

Wir wollen vor allem verhindern, daß jemand auf die Idee kommen könnte, dies bedeute, daß wir die NATO verlassen würden oder daß wir uns dadurch irgendwie weniger auf unsere konventionelle Abschreckung verließen.
Beweis dafür sollten die sehr hohen Summen sein, die wir zur Modernisierung und Stärkung dieser Triade der bestehenden Verteidigung bereitstellen.

Wir arbeiten an der SDI, denn wenn wir ihre Raketen zerstören können,
bevor sie hier anlangen, und wenn wir dadurch eine ganze Waffengattung
machtlos machen, dann wäre dies sehr wertvoll und dieser Gedanke findet
Anklang beim Präsidenten. Wir versuchen alles, um die Mißverständnisse
aus der Welt zu schaffen, die es diesbezüglich gibt. Viele davon gründen
sich auf den Gedanken, daß man irgendwie sicherer sei, wenn man überhaupt
keine Verteidigung hat. Aber dieser stützt sich auf zweierlei. Einmal
darauf, daß man nichts als ein Verteidigungssystem rund um die Hauptstadt
hat, zum andern, dass man bei der Offensivkraft relativ gleichstark ist.
Leider ist keine der beiden Bedingungen vorhanden.

Wir arbeiten also daran, weil es unserer Meinung nach ein höchst wünschenswertes Ziel ist und weil wir daran arbeiten müssen. Die andere Seite arbeitet gleichfalls daran, und wir können uns nicht zurücklehnen und
es sie zuerst entwickeln lassen.
* * * * *

- 11 -

�27

4. Juli 1984

DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN
- Informationspapier des Weißen Hauses -

Washington -(AD)- In einer Rede am 27. Juni 1984 erwähnte Präsident
Reagan eine Reihe von Vorschlägen, die die Vereinigten Staaten der Sowjetunion mit dem Ziel der Verbesserung der bilateralen Beziehungen unterbreitet haben. Das Weiße Haus gab ein Informationspapier heraus, in dem
diese Vorschläge erläutert werden. Es hat folgenden Wortlaut:

- Neues Austauschabkommen: Wir haben ein neues allgemeines Abkommen
über Kontakte, Austauschbeziehungen und Zusammenarbeit erörtert und
werden den Sowjets in sehr naher Zukunft einen Entwurf für formelle
Verhandlungen vorlegen. Das bisherige Abkommen, das oft als "Kulturabkommen" bezeichnet wird, lief 1979 aus. Es gehörte zu einer Reihe
von ZweiJahresabkommen, die bis 1958 zurückreicht. Unser neuer Entwurf sieht unter anderem die Wiederaufnahme der offiziellen Förderung
des Austauschs von größeren Ausstellungen und von Einzelpersonen und
Gruppen aus den Bereichen des akademischen und kulturellen Lebens und
des Sports vor, außerdem die Wiederbelebung des Austauschs von Filmen. Die amerikanische Delegation bei den formellen Verhandlungen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�formellen Verhandlungen wird vom amerikanischen Botschafter in Moskau, Arthur Hartman, geleitet werden.

- Neue Generalkonsulate: Im Jahre 1974 vereinbarten die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion, in Kiew und New York neue Generalkonsulate zu errichten. Wir unterhalten bereits ein Generalkonsulat in
Leningrad, und die Sowjets unterhalten eines in San Francisco. Nach
dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan im Jahre 1979 setzte die
amerikanische Regierung das Abkommen über die neuen Generalkonsulate
aus. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich in Kiew bereits seit zwei Jahren
ein amerikanisches Vorkommando auf; von der offiziellen Eröffnung des
Konsulats waren wir nur noch etwa sechs Monate entfernt. Eine ähnliche sowjetische Gruppe hielt sich in New York auf. Beide Vorkommandos
wurden abgezogen. Seitdem haben wir über das Thema der Konsulate bei
zahlreichen Gelegenheiten gesprochen, wobei es im vergangenen Jahr
hauptsächlich um konkrete Schritte ging, die den Weg zur Eröffnung
der Konsulate ebnen könnten. Wir haben kürzlich vorgeschlagen, die
Sache in Angriff zu nehmen und eine Gruppe nach Kiew zu entsenden,
die die dort vorhandenen Liegenschaften in Augenschein nehmen soll.

- Umweltschutzabkommen: Das amerikanisch-sowjetische Abkommen zur Zusammenarbeit beim Umweltschutz wurde am 23. Mai 1972 von Präsident
Nixon und Staatspräsident Podgorny in Moskau unterzeichnet. Es ist
dreimal um jeweils fünf Jahre verlängert worden und wird am 23. Mai
1987 auslaufen. Zu den Aktivitäten im Rahmen dieses Abkommens gehörten u.a. Seminare, gemeinsame Veröffentlichungen, Besucheraustausch
sowie gemeinsame Projekte in verschiedenen Gebieten, so z.B. dem des
Schutzes gefährdeter Arten, dem der Erarbeitung von Modellen der
langfristigen Luftverschmutzung und dem der Erdbebenvorhersage. William D. Ruckeishaus, der Direktor der amerikanischen Umweltschutzbehörde (EPA), hat die Position des amerikanischen Mitvorsitzenden des
gemeinsamen Umweltausschusses übernommen und wird bestrebt sein, dieses Forum zur Wiederbelebung des Abkommens zu nutzen. Mr. Ruckeishaus
vertritt gegenwärtig die Vereinigten Staaten auf der Internationalen
Umweltkonferenz in München, wo er das Abkommen mit den sowjetischen
Vertretern erörtert hat.
Bauwesen:

Das

�- Bauwesen: Das amerikanisch-sowjetische Abkommen über Zusammenarbeit
im Bauwesen wurde am 28. Juni 1974 von Präsident Nixon und Ministerpräsident Kossygin in Moskau unterzeichnet. Im Dezember

1983 be-

schlossen wir, das Abkommen um weitere fünf Jahre zu verlängern. Die
Verlängerung tritt am 28. Juni 1984 in Kraft. Abgesehen von Seminaren
und Besucheraustausch wurden im Rahmen des Abkommens gemeinsame Projekte organisiert, so z.B. im Bereich der Bautechnik unter extremen
klimatischen und ungewöhnlichen geologischen Bedingungen, der Kanalisation unter Permafrost-Bedingungen und des Brandschutzes bei der
Entwicklung von Baustoffen. Dank der Entscheidung des Präsidenten,
die Aktivitäten im Rahmen des Abkommens zu verlängern, wird es zur
Einberufung der ersten Sitzung des gemeinsamen Ausschusses für Bauwesen seit 1978 und zu einer Zunahme der bereits umfangreichen privatwirtschaftlichen Mitarbeit bei gemeinsamen Projekten kommen. Unsere
Tätigkeiten im Rahmen des Abkommens werden unter der Federführung des
Ministers für Wohnungsbau und Städteplanung, Samuel Pierce jr., stehen.

- Gesundheitswesen: Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion nahmen
die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen im Rahmen von zwei Abkommen
auf, die Anfang der 70er Jahre unterzeichnet wurden: das Abkommen
über Zusammenarbeit im Bereich der medizinischen Wissenschaften und
der öffentlichen Gesundheit (unterzeichnet in Moskau am 23. Mai 1972
von Außenminister Rogers und Gesundheitsminister Petrovsky) und das
Abkommen über

Zusammenarbeit bei der Erforschung

und

Entwicklung

künstlicher Herzen (unterzeichnet in Moskau am 28. Juni 1974 von den
Außenministern Kissinger und Gromyko). Das Gesundheitsabkommen ist
bis zum 23. Mai 1987 verlängert worden, während die Laufzeit des
Kunstherzabkommens am 28. Juni 1987 enden wird. Der Präsident hat für
die nahe Zukunft Schritte angeordnet, die der Verstärkung der Zusammenarbeit im Rahmen dieser Abkommen dienen sollen, und zwar durch
Wiederaufnahme der Besuche hochrangiger Vertreter beider Seiten, gemeinsame Ausschußsitzungen und die Vorbereitung neuer Projekte und
möglicher neuer Abkommen. Ein Zeitplan für solche Schritte ist noch
nicht aufgestellt worden. Im Rahmen der Abkommen kam es u.a. zu gemeinsamen Forschungsanstrengungen auf den Gebieten der Laserbehand-

- 3 -

�der Laserbehandlung des grünen Stars, der angeborenen Herzkrankheiten, des mechanisch unterstützten Blutkreislaufs in künstlichen Herzen und der Krebsvorsorge und -behandlung.

- Landwirtschaft: Das Landwirtschaftsabkommen, das am 19. Juni 1973 in
Washington von Landwirtschaftsminister Butz und Außenminister Gromyko
unterzeichnet wurde, ist bereits dreimal verlängert worden und wird
erst am 19. Juni 1988 auslaufen. Das Landwirtschaftsministerium wird
nun das Abkommen, das während der letzten Jahre geruht hat, durch
eine gemeinsame Ausschußsitzung, Besuche hochrangiger Vertreter beider Seiten und Anregung neuer Projekte mit neuem Leben erfüllen. In
früheren Zeiten waren im Rahmen des Abkommens wissenschaftliche Arbeiten auf den Gebieten der Pflanzen- und Tierzucht und der Bodenforschung (Keimplasmastudien) sowie der Austausch von Wirtschaftsinformationen im Bereich des Getreideanbaus gefördert worden. Der Besucheraustausch war besonders rege und erstreckte sich auch und gerade
auf Vertreter der Privatwirtschaft. All diese Programme werden wiederangekurbelt werden.

- Fischereiabkommen: Im April kamen die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion überein, das bestehende Fischereiabkommen um 18 Monate zu
verlängern. Das Abkommen ist bereits zweimal verlängert worden, jedoch nur um jeweils 12 Monate. Die endgültige Zustimmung des Kongresses steht noch aus. Das Fischereiabkommen wurde erstmals im November
1976 unterzeichnet. Der Sowjetunion wird jedoch z.Z. keine Fangquote
eingeräumt. Nach dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan entzogen
die Vereinigten Staaten der UdSSR die Fangrechte innerhalb der amerikanischen 200-Meilen-Zone. Bis dahin war der Sowjetunion eine jährliche Fangquote von 400 000 - 500 000 Tonnen eingeräumt worden. Die
Verarbeitung der Fänge amerikanischer Fischer an Bord sowjetischer
Fabrikschiffe auf hoher See im Rahmen eines "Joint Venture" wurde
auch weiterhin zugelassen, da die amerikanischen Fischer davon profitierten. Z.Z. überprüfen die Vereinigten Staaten die amerikanischsowjetischen Fischereibeziehungen, um zu einer Entscheidung darüber
zu kommen, ob Schritte zu einer engeren Zusammenarbeit, die beiden
Seiten zum Vorteil gereichen würden, möglich erscheinen.
Das
- 4 -

langfristige

�- Das langfristige Kooperationsabkommen: Die Vereinigten Staaten haben
vorgeschlagen, das amerikanisch-sowjetische Abkommen zur Erleichterung der wirtschaftlichen, industriellen und technischen Zusammenarbeit um zehn Jahre zu verlängern. Das Abkommen wurde von Präsident
Nixon und Staats- und Parteichef Breschnew während ihres Gipfeltreffens in Moskau im Jahre 1974 unterzeichnet. Es ist am 28. Juni 1984
ausgelaufen. Im Rahmen der wichtigsten Bestimmungen des Abkommens
sind beide Parteien gehalten, die Zusammenarbeit in den Bereichen der
Wirtschaft, der Industrie und der Technik nach bestem Vermögen zu erleichtern. In der Praxis ist das Abkommen ausschließlich im Wirtschaftsbereich angewandt worden und hat bestimmte Geschäfte zwischen
den beiden Staaten vereinfacht. Falls das Abkommen verlängert werden
sollte, so würden wir erwarten, daß die Expertenarbeitsgruppe gemäß
Artikel III zusammenkommt, um die Handelsaussichten zu prüfen. Falls
diese Zusammenkunft erfolgreich wäre, könnte eine Sitzung der gemeinsamen Komission für gewerbliche Wirtschaft anberaumt werden, wann immer dies sinnvoll erschiene.

- Das amerikanisch-sowjetische Abkommen zur Vermeidung von Zwischenfällen auf hoher See: In diesem Abkommen, das im Jahre 1972 geschlossen
wurde, wurden bestimmte "Verkehrsregeln" festgelegt, die in besonderen Situationen gelten sollten, an denen Überwasser-Marineeinheiten
und Flugzeuge der beiden Nationen beteiligt sind. Es enthält auch
Bestimmungen über die Einrichtung direkter Kommunikationskanäle zwischen den Marineleitungen beider Länder, die eine sofortige Lösung
von Problemen, die im Rahmen dieses Abkommens auftreten können, ermöglichen sollen. Ranghohe Offiziere der amerikanischen und der sowjetischen Marine treffen sich einmal im Jahr zu einer allgemeinen
Beurteilung der Einhaltung des Abkommens und zur Erörterung von Möglichkeiten zu seiner weiteren Verbesserung. Die jüngste Begegnung
dieser Art fand Ende Mai in Moskau statt. Zum damaligen Zeitpunkt
waren sich die amerikanische und die sowjetische Seite über die Verlängerung des Abkommens um weitere drei Jahre einig.

- Das Abkommen über die Meeresforschung: Das amerikanisch-sowjetische
Abkommen über die Meeresforschung wurde 1973 unterzeichnet und 1981

- 5-

�und 1981 um drei Jahre verlängert. Es war insofern nützlich, als es
zur Förderung der ozeanographischen Forschung beigetragen hat. In
seinem Rahmen haben Seminare, Besucheraustausch und gemeinsame Meeresforschungsunternehmen stattgefunden. Die Bundesverwaltung für die
Erforschung der Atmosphäre und der Meere ist auf amerikanischer Seite
federführend für dieses Abkommen.
- Der Grenzverlauf auf See: Zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion gibt es Meinungsgegensätze im Hinblick auf die genaue
Lage und kartographische Darstellung der Grenzlinie, die in der Konvention von 1867 über die Abtretung Alaskas festgelegt wurde. Die
Meinungsunterschiede ergeben sich aus der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten diese Linie, die den Grenzverlauf auf See markiert, in
Kreisbögen darstellen, während die Sowjetunion diese Linie in Loxodromen darstellt. Wir haben eine faire und gerechte Lösung dieses
Problems vorgeschlagen. Auf technischer

Ebene haben bereits drei

Gesprächsrunden stattgefunden, und der Beginn einer vierten Runde
steht für die nahe Zukunft zu erwarten.

- Rettungsunternehmen im Weltraum: Der Vorschlag der Vereinigten Staaten sieht Zusammenarbeit zwischen der NASA und den sowjetischen Raumfahrtbehörden im Rahmen einer Rettungsübung im Weltraum vor. Eine
amerikanische Raumfähre würde bei dieser Übung an der sowjetischen
Raumstation anlegen, um Verfahren zu erproben, die sich eines Tages
als notwendig erweisen könnten, wenn es darum geht, in Not befindliche Besatzungen der anderen Seite zu bergen. Einzelheiten dieses Vorschlags müßten noch ausgearbeitet werden.

- Gespräche über Konsularfragen: Die Runde der amerikanisch-sowjetischen Gespräche über Konsularfragen, die gerade in Moskau begonnen
hat, ist die jüngste in einer Reihe solcher Gespräche, die 1976 eröffnet wurde, als Vertreter der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zusammentrafen, um eine Lösung der offenen Konsularfragen zwischen beiden Ländern zu versuchen. Bei diesen Problemen ging es in
erster Linie um Visafragen und um Verwaltungsfragen, die mit der
Arbeitsweise

unserer

diplomatischen

- 6 -

Vertretungen

zusammenhingen.

�Vertretungen

zusammenhingen. Gespräche über diese Thematik

fanden

1976 in Moskau und 1979 und 1983 in Washington statt.

- Gespräche über Such- und Rettungsaktionen: Im Oktober 1981 wurde die
amerikanische
direkter

Küstenwache

ermächtigt, zum

Notfallverbindungsleitungen

mit

Zwecke der

den

Einrichtung

sowjetischen

Seenot-

rettungsbehörden im Pazifik tätig zu werden. Bei den nachfolgenden
Fühlungnahmen wurde im Juni 1983 vereinbart, auf Arbeitsebene eine
Zusammenkunft abzuhalten, bei der eine breite Palette von Gesichtspunkten des Such- und Rettungsdienstes erörtert werden sollte. Diese
Zusammenkunft war für Anfang Dezember 1983 anberaumt, wurde aber auf
Ersuchen der sowjetischen Seite vertagt. Wir haben vorgeschlagen, einen neuen Termin festzulegen.

- Gespräche über die Verbesserung der Fernmeldeverbindungen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion: Auf der Grundlage der
Vorschläge des Präsidenten vom Mai 1983 ist eine Gruppe amerikanischer Fachleute dreimal mit sowjetischen Fachkollegen zusammengetroffen, um zu erörtern, wie die amerikanisch-sowjetischen Fernmeldeverbindungen, derer sich beiden Seiten sowohl in Zeiten politischer Ruhe
als auch in Krisenzeiten bedienen, verbessert werden könnten. Das
jüngste Treffen fand Ende April in Moskau statt. Hinsichtlich der
Herstellung von Einverständnis mit den Sowjets darüber, daß eine
Ergänzung der bestehenden direkten Fernmeldeverbindung

(des "Heißen

Drahts") durch Möglichkeiten zur störsicheren Übermittlung von Faksimilevorlagen wünschenswert sei, wurden bei diesen Gesprächen bemerkenswerte Fortschritte erzielt. Solche Zusatzeinrichtungen würden die
Arbeitsgeschwindigkeit des bestehenden Systems ebenso erhöhen wie
seine Zuverlässigkeit und es darüber hinaus vielfältiger einsetzbar
machen. Wir gehen davon aus, daß es in Kürze zu einer weiteren Zusammenkunft kommen wird. Außerdem haben die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, die fernmeldetechnische Ausstattung der amerikanischen und
sowjetischen Botschaft im jeweils anderen Land zu verbessern, eine
gemeinsame militärische Fernmeldeverbindung zur Übermittlung eiliger
technischer Daten zu schaffen und die Vorkehrungen für Konsultationen
für den Fall eines von Terroristen verübten oder angedrohten nuklea-

- 7 -

�angedrohten nuklearen Anschlags zu vereinfachen.

- Amerikanisch-sowjetische Militärkontakte: Seit der einmaligen Begegnung des Verteidigungsministers und des Chefs des gemeinsames Stabes
der Vereinigten Staaten mit ihren sowjetischen Amtskollegen am Rande
des Wiener Gipfeltreffens von 1979 hat es kein amerikanisch-sowjetisches Forum für Kontakte zwischen hochrangigen Militärs beider Seiten
mehr gegeben. Eine Ausnahme bilden lediglich die besonderen Gespräche
zwischen den Marineleitungen beider Länder gemäß dem Abkommen über
die Vermeidung von Zwischenfällen auf hoher See von 1972 und die Gespräche im Bereich der Rüstungskontrolle. Zu einem früheren Zeitpunkt
in diesem Jahr hat der Präsident die sowjetische Führung darauf hingewiesen, daß es wünschenswert sei, zu erörtern, ob man nicht den für
die Landesverteidigung Verantwortlichen beider Seiten ein reguläres
Forum für Kontakte und Meinungsaustausch schaffen könne, um das gegenseitige Verständnis zu fördern und die Gefahr von Mißdeutungen und
Fehleinschätzungen nach Möglichkeit zu verringern.

- Menschenrechtsfälle:

- Andrei Sacharow: Dr. Andrei Sacharow, der als Physiker und Mitglied
der Akademie der Wissenschaften bei der Entwicklung der sowjetischen
Wasserstoffbombe eine maßgebliche Rolle spielte, ist als nachdrücklicher Verfechter der Menschenrechte in der Sowjetunion hervorgetreten. 1975 wurde ihm in Anerkennung dieses Einsatzes der Friedensnobelpreis verliehen. Seit 1980 ist er gezwungen, in der gesperrten
Stadt Gorki im inneren Exil zu leben. Anfang Mai trat er in einen
Hungerstreik, um durchzusetzen, daß seine Frau Jelena Bonner zu einer
dringend erforderlichen medizinischen Behandlung ins Ausland reisen
darf. Seitdem gibt es über seine gesundheitliche Verfassung und seine
Lebensumstände keinerlei bestätigte Informationen mehr.

- Jelena Bonner: Jelena Bonner, eine ausgebildete Ärztin, ist die Gattin von Dr. Sacharow und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Moskauer Helsinki-Gruppe. Seit sich Dr. Sacharow im Exil in Gorki befindet, sind seine Verbindungen zur Außenwelt haupsachlich über sie

- 8 -

�über sie gelaufen. Man nimmt an, daß auch sie Anfang Mai in einen
Hungerstreik getreten ist, um die Erlaubnis zu einer Auslandsreise
zwecks einer lebenswichtigen medizinischen Behandlung zu erzwingen.
Sie leidet sowohl unter einer Herzschwäche als auch unter ernsthaften
Sehstörungen.
- Juri Orlow: Juri Orlow, der die Moskauer Helsinki-Gruppe mitbegründete und leitete, hat sich lange Zeit für die Menschenrechte in der
Sowjetunion eingesetzt. Er ist Gründungsmitglied der Moskauer Sektion
von Amnesty International und hat an nichtoffiziellen wissenschaftlichen Seminaren teilgenommen, die für regimekritische Wissenschaftler
organisiert worden sind. Er wurde im Februar 1977 verhaftet und im
Mai 1978 der "anti-sowjetischen Agitation und Propaganda" für schuldig befunden. Er wurde zu sieben Jahren verschärfter Zwangsarbeit
verurteilt, aber Anfang dieses Jahres entlassen und für weitere fünf
Jahre ins innere Exil geschickt.

- Anatol Schtscharanski: Anatol Schtscharanski

ist seit langem ein

Verfechter der Menschenrechte und der jüdischen Kultur in der Sowjetunion. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Moskauer Helsinki-Gruppe und zu den Führern der jüdischen Auswanderungsbewegung und
fungierte als Kontaktmann zwischen westlichen Journalisten und sowjetischen Dissidenten. Im März 1977 wurde er verhaftet und im Juli 1978
der "anti-sowjetischen Agitation und Propaganda" und des "Verrats"
für schuldig befunden. Er befindet sich z.Z. im Gefängnis von Tschistopol; seine Frau Avital lebt in Israel.

- 9 -

�4. Juli 1984

27

DIE GESCHICHTE DER AMERIKANISCHEN POLITIK
IN DER FRAGE DES DIALOGS MIT NICARAGUA

Washington -(AD)- Den Vereinigten Staaten ist wiederholt vorgeworfen
worden, daß sie am Dialog mit der Regierung Nicaraguas nicht interessiert
seien. Tatsächlich sind die" Vereinigten Staaten jedoch seit der Machtübernahme der Sandinistas im Juli 1979 bereit - und waren dies sogar
schon vorher - mit ihnen alle Themen zu erörtern, die für beide Seiten
von Belang sind. Sie haben diese Bereitschaft zum Gespräch durch konkrete
Handlungen unter Beweis gestellt.

Die Vereinigten Staaten, die mittelamerikanischen

Demokratien und

andere Mitglieder der Staatengemeinschaft dieser Hemisphere haben wiederholt versucht, das sandinistische Regime zu einem Dialog zu bewegen, der
den Belangen jedes Landes der Region, also auch denen Nicaraguas, Rechnung tragen würde.

Die Vereinigten Staaten waren an folgenden bilateralen und multilateralen Versuchen, auf Nicaragua zuzugehen, beteiligt:
1978

beteiligten

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Telex: 8-85432

�- 1978 beteiligten sich die Vereinigten Staaten an einer unter der
Schirmherrschaft der OAS von drei Nationen übernommenen Mission der
"Freundschaft und des Friedens" in Nicaragua, deren Ziel es war, eine
friedliche Lösung des Konflikts in diesem Lande zu finden und einen
Dialog zwischen dem damaligen Präsidenten Somoza und der Breiten
Oppositionsfront

(FAD) herbeizuführen. Die FAD war eine gemäßigte

Gruppe, zu der auch der FSLN-Vertreter Sergio Ramirez gehörte, der
jetzt eines der drei Mitglieder der regierenden Junta in Nicaragua
ist. Diese Mission scheiterte an der ünnachgiebigkeit Somozas.

- Im Jahre 1979 nahmen die Kämpfe zwischen der FSLN und der Nationalgarde zu. Während dieser Zeit unterhielten die Vereinigten Staaten
Kontakte mit der sandinistischen Führung, fuhren fort, Somoza zum
Rücktritt zugunsten einer gemäßigteren Koalition

zu drängen, und

bemühten sich um Zusicherungen der Sandinistas, daß sie eine demokratische, pluralistische Regierung unterstützen würden, die die Rechte
der politischen Oppositionsparteien, die Menschenrechte, die Pressefreiheit und das Wahlrecht respektieren würde. In ihrem Grundstatut
vom 9. Juli 1979 und in ihrem Brief an die OAS vom 12. Juli 1979
gaben die Sandinistas schließlich entsprechende Zusagen ab, Zusagen,
die sie bis heute nicht eingehalten haben.

- Nach dem Sturz Somozas im Jahre 1979 bedienten sich die Vereinigten
Staaten nahezu zwei Jahre lang des Mittels der Wirtschaftshilfe und
der diplomatischen Unterstützung, um die Sandinistas dazu anzuhalten,
ihren Verpflichtungen zu politischem Pluralismus, freien Wahlen, einer gemischten Wirtschaft und einer blockfreien Außenpolitik nachzukommen. Zwischen Juli 1979 und Januar 1981 sagten die Vereinigten
Staaten Wirtschaftshilfe im Werte von 118 Millionen Dollar zu und
befürworteten Anleihen der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank an Nicaragua im Werte von 200 Millionen Dollar. Darüberhinaus ermutigten die Vereinigten Staaten andere westliche Staaten zur Hilfeleistung und drängten amerikanische und ausländische
Banken zu einem Umschuldungsabkommen mit Nicaragua.

Dennoch

hatte

�- Dennoch hatte sich der amerikanische Kongreß ausbedungen, daß die
Gewährung amerikanischer Auslandshilfe davon abhängig gemacht werden
solle, daß die Sandinistas sich der Unterstützung

terroristischer

Aktivitäten in Drittländern enthielten. Ende 1980 lagen unumstößliche
Beweise dafür vor, daß die Sandinistas den Salvadorianischen Guerillas materielle Unterstützung einschließlich Waffenlieferungen sowie
Ausbildungshilfe zukommen ließen.

- Am 11. August 1981 reiste Unterstaatssekretär Enders nach Managua und
bot der sandinistischen Führung einen 5-Punkte-Friedensplan an, um
die beiderseitigen Spannungen zu vermindern. Der Plan, der auf der
Voraussetzung beruhte, daß die Unterstützung

der

Sandinistas für

Guerillagruppen eingestellt werden müsse, sah öffentliche Nichteinmischungserklärungen vor; ferner eine Erklärung der Vereinigten Staaten zur Frage der Durchsetzung der amerikanischen Gesetze, denen die
Aktivitäten nicaraguanischer Exilgruppen in den USA unterliegen, eine
Beendigung der Aufrüstung Nicaraguas, die Wiederaufnahme der amerikanischen Wirtschaftshilfe und die Wiederherstellung der kulturellen
Bindungen zwischen beiden Ländern. Die Sandinistas hielten es nicht
für angebracht, auf den amerikanischen Vorschlag einzugehen.

- Am 7. Oktober 1981 verdammte der Koordinator der Junta der Republik
Nicaragua in einer Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen die Politik der Vereinigten Staaten in aller Welt.

- Im Dezember 1981 führten Außenminister Haig und sein nicaraguanischer
Amtskollege D'Escoto am Rande eines OAS-Treffens in St. Lucia ein Gespräch. D'Escoto bestritt, daß Nicaragua die Guerillas in El Salvador
unterstütze und daß sich in Nicaragua irgendwelche kubanische Militär- und Sicherheitsberater aufhielten.

- Am 8. April leitete Botschafter Quainton der nicaraguanischen Regierung in Managua einen Friedensvorschlag zu, der acht Punkte umfaßte.
Dieser Plan sah folgendes vor: Einstellung der Unterstützung Nicaraguas für Untergrundaktivitäten in anderen Ländern, eine Zusage der
amerikanischen Regierung, die Einhaltung der Gesetze zu gewährlei-

- 3-

�zu gewährleisten, denen die Aktivitäten von Exilgruppen in den Vereinigten Staaten unterliegen, eine gemeinsame Verpflichtung zur Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des anderen oder in die
inneren Angelegenheiten anderer Staaten der Region, ein für die ganze
Region gültiges, allseitiges Verbot des Imports schwerer Angriffswaffen, eine allseitige Verminderung der Zahl ausländischer Militärberater in der Region, internationale Verifizierung des letztgenannten
Punktes, Wiederaufnahme der amerikanischen Wirtschaftshilfe an Nicaragua, Austausch von Gruppen von Kulturschaffenden und eine Bestätigung der schon früher von den Sandinistas eingegangenen Verpflichtungen zur Gewährleistung von Pluralismus, freien Wahlen und einer gemischten Wirtschaft.

- Am 14. April 1982 erwiderten die Sandinistas darauf mit einer Reihe
von Anschuldigungen und Forderungen. Sie gingen auf die amerikanische
Initiative nur pro forma, aber nicht inhaltlich ein und schlugen vor,
weitere Verhandlungen in Mexiko mit den Mexikanern als "Zeugen" zu
führen.

- Am 29. April 1982 reagierten die Vereinigten Staaten auf die von
Nicaragua am 14. April in Managua veröffentlichte Note und sprachen
dabei alle von der Regierung Nicaraguas erhobenen Anschuldigungen und
Forderungen an. Die Vereinigten Staaten ersuchten die Regierung Nicaraguas, auf den ihr unterbreiteten 8-Punkte-Vorschlag einzugehen.

- Am 7. Mai 1982 reagierte die Regierung Nicaraguas mit einem langen
Dokument, in dem, verbrämt mit sandinistischer Rabulistik, die acht
Punkte der Vereinigten Staaten erörtert wurden. Das Dokument enthielt
viel Polemik und versuchte in keiner Weise, den Dialog zur Erlangung
eines Kompromisses fortzuführen. Die Regierung Nicaraguas bestand
darauf, daß Verhandlungen in einem Drittland und mit einer dritten
Partei als Zeugen stattzufinden hätten.

- Am 3. Juli ersuchten die Vereinigten Staaten die sandistische Regierung, die in Nicaragua gelegene Führungs- und Kommandozentrale der
Salvadorianischen Guerillas zu schließen. Die Vereinigten

- 4-

Staaten

�Vereinigten Staaten nahmen damit ein Stichwort aus der Erwiderung der
nicaraguanischen Regierung vom 7. Mai auf, in der sie versichert hatte, daß sie gewillt sei, ihren "internationalen Verpflichtungen nachzukommen." Die Vereinigten Staaten gaben zu verstehen, daß sie eine
Schließung der Guerillazentrale als Anzeichen des ernsthaften Friedenswillens der Regierung Nicaraguas betrachten würden und daß beide
Länder daraufhin zu substantielleren Gesprächen übergehen könnten.
Die Vereinigten Staaten boten ferner an, eine Gruppe technischer Spezialisten zu entsenden, die der Regierung Nicaraguas bei der Lokalisierung der Führungs- und Kommandozentrale behilflich sein würden.

- In ihrer Erwiderung vom 13. August 1982 ignorierte die Regierung
Nicaraguas den amerikanischen Vorschlag vom 3. Juli bezüglich der
Schließung der Führungs- und Kommandozentrale der Salvadorianischen
Guerillas. Die Regierung Nicaraguas wiederholte lediglich ihre Forderung nach Verhandlungen auf hoher Regierungsebene und in Gegenwart
einer dritten Partei.

- Im Oktober 1982 unterzeichneten die Vereinigten Staaten gemeinsam mit
sieben anderen Demokratien aus der Region die Deklaration von San
Jose, in der die Signatarstaaten u.a. ihre Verpflichtung auf die
Demokratie und auf die Achtung für das Selbstbestimmungsrecht und das
Prinzip der nationalstaatlichen Souveränität unterstrichen. Die Sandinistas weigerten sich, den Außenminister Costa Ricas zu Gesprächen
über die Eignung der Deklaration als Grundlage für eine die ganze Region umfassende Verhandlungsrunde zu empfangen.

- Am 10. Juni besuchte Richard Stone, der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Nicaragua, wo er mit verschiedenen Gesprächspartnern

zusammentraf, u.a. mit Vertretern der politischen

Parteien, der Kirche und der Privatwirtschaft sowie mit nicaraguanischen Regierungsvertretern, zu denen auch der Koordinator der Junta, Daniel Ortega, und Außenminister Miguel D'Escoto gehörten. Zwischen dem 10. Juni 1983 und dem

5. Januar 1984 traf Botschafter

Stone bei zumindest vier Gelegenheiten mit Vertretern der Sandinistas
zusammen.
Seit
- 5-

Anfang

�- Seit Anfang

1983 ermutigen die Vereinigten

multilateralen

Bemühungen

der

Staaten außerdem die

Contadora-Gruppe, die

Konflikte

in

Mittelamerika einer friedlichen politischen Lösung zuzuführen.
- Auf Verlautbarungen von Ende 1983 hin, die besagten, daß die Sandinistas einen gemäßigteren politischen Kurs erwägten, gaben die Vereinigten Staaten den Sandinistas in öffentlichen Erklärungen wie auch
durch informelle Kanäle zu verstehen, daß sie solche Anzeichen der
Mäßigung begrüßen würden. Die Vereinigten Staaten erklärten, daß sie
zwar zunächst abwarten wollten, ob die verbalen Beteuerungen der
Sandinistas tatsächlich einen substantiellen Kern hätten, daß sie
jedoch bereit seien, auf bedeutsame, konkrete Schritte in gleicher
Weise zu reagieren.

Während die Vereinigten Staaten auf eine substantielle Erwiderung der
Sandinistas auf die amerikanischen Bemühungen um einen Dialog warteten,
war deren Reaktion leider stets völllig unzweideutig. Die Sandinistas
haben

- die Zahl der Nicaraguaner unter Waffen auf 75 000 erhöht (während
Somozas Nationalgarde zum Zeitpunkt ihrer zahlenmäßigen Höchststärke
nur etwa 14 000 Mann umfaßte);

- zumindest 3 000 kubanische Militärberater wie auch eine kleinere Anzahl sowjetischer und osteuropäischer Sicherheitsexperten ins Land
geholt;

- ihr Waffenarsenal

mit

sowjetischen

Panzern, Raketen, Artillerie-

geschützen, Hubschraubern und Schützenpanzerwagen

sowie mit Mili-

tärlastkraftwagen osteuropäischen Ursprungs aufgestockt;

- gemäßigte Oppositionsgruppen unterdrückt, die Vorzensur für die Medien aufrechterhalten, religiöse Gruppen bedrängt, einheimische indianische Gruppen verfolgt und die Schaffung eines mit der Sowjetunion
und mit Kuba verbündeten Staatswesens in die Wege geleitet;
in

Zusammenarbeit

�- in Zusammenarbeit mit Kuba den Guerillagruppen in El Salvador aktive
militärische Unterstützung geleistet sowie Gruppen von Untergrundkämpfern ausgebildet und nach Honduras eingeschleust.

Diese Trends hatten ihren Anfang während der ersten 18 Monate des
Regimes und ungeachtet der Bemühungen der Vereinigten Staaten, Einvernehmen mit der neuen Regierung herzustellen.

Dennoch kam es im Juni 1984 zu erneuten Gesprächen zwischen amerikanischen Regierungsbeamten und Vertretern der sandinistischen Junta. Nachdem Außenminister Shultz am 1. Juni in Managua mit Juntachef Daniel Ortega zusammengetroffen war, gab der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, John Hughes, am 26. Juni bekannt, daß diese Gespräche am Vortag
im mexikanischen Seebad Manzanillo mit einem Treffen zwischen Botschafter
Harry Shlaudeman, dem Sonderbeauftragten der amerikanischen Regierung für
Mittelamerika, und dem stellvertretenden Außenminister Nicaraguas, Victor
Hugo Tinoco, ihre Fortsetzung gefunden hatten.

"Gemäß der Übereinkunft, die Außenminister Shultz mit seinen nicaraguanischen Gesprächspartnern getroffen hat, werden wir weder Erklärungen
abgeben noch Informationen über den Inhalt dieser Gespräche veröffentlichen," sagte Hughes. Auf Fragen von Journalisten hin erinnerte er an eine
Erklärung des mexikanischen Außenministeriums, die besagte, daß mexikanische Regierungsvertreter an den Gesprächen nicht teilnehmen würden. Später erfuhren Reporter von amerikanischen Regierungsbeamten, daß es bei
den Gesprächen am 25. Juni eher um prozedurale als um inhaltliche Fragen
gegangen sei. Einzelheiten gaben die Regierungsbeamten jedoch nicht bekannt.

- 7 -

�27

4. Juli 1984

US-REGIERUNG: KEIN VERZICHT AUF SYNTHESEBRENNSTOFFE
- Konkurrenzfähigkeit Ziel der technischen Weiterentwicklung -

WASHINGTON - (AD) - "Als Teil unserer Strategie, ein ausgewogenes und
gemischtes System von Energieressourcen zu fördern, sollten wir auch bei
Synthesebrennstoffen über gewisse Grunderfahrungen verfügen;

Falls es

der Markt irgendwann verlangt, könnte dann die amerikanische Industrie
ordnungsgemäß, rechtzeitig und in vernünftiger Weise die erforderlichen
Anlagen zur Produktion synthetischer Brennstoffe erstellen und betreiben." Dies war ein wesentlicher Punkt in der Stellungnahme des amerikanischen Energieministers Donald F. Hodel vor einem Kongreßausschuß, mit der
er kürzlich den Standpunkt der Reagan-Administration in der Frage der
Beibehaltung der "Synthetic Fuels Corporation - SPC" erläuterte.

Die SPC

- staatliche Gesellschaft für Synthesebrennstoffe - war im Jahr 1980 geschaffen worden, um die Industrie bei der Erprobung und Einführung wirtschaftlicher Verfahren zur Produktion synthetischer Brennstoffe vor allem
auf der Basis von Erdgas, Kohle und Ölschiefer zu unterstützen.

Jedoch

stellen heute angesichts der geringeren Nachfrage nach Öl und des Rückgangs der Preise viele die Existenzberechtigung der mit einem Milliarden-

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einem Milliarden-Etat ausgestatteten SFC in Frage.

Im Mai 1984 unterbreitete Präsident Reagan dem US-Kongreß eine Gesetzesvorlage, die eine Kürzung der SFC-Gelder um neun Milliarden Dollar
(von 14,1 auf 5,1 Milliarden) vorsieht.

Die Regierung versuche damit,

wie Hodel erklärte, einen Mittelweg zur Lösung des Fragenkomplexes "Synthesebrennstoffe" zu gehen, der den weiteren Ausbau des technischen Knowhow ermögliche, jedoch dem Fiskus zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zu
verantwortende Ausgaben erspare.

Der amerikanischen Wirtschaft würde es

nur schaden, wenn eine umfangreiche Synthesebrennstoff-Industrie aufgebaut würde, die auf Regierungssubventionen angewiesen ist, um überleben
zu können.

Es gebe derzeit vielerlei Wege, um Energie einzusparen oder

zu niedrigeren Kosten, als die meisten Synthesebrennstoffe sie jetzt erfordern, zu produzieren.

Die der SFC verbliebenen 5,1 Milliarden Dollar sollten, wie Hodel erklärte, auf Projekte beschränkt bleiben, mit denen Brennstoffe produziert
werden können, deren Preis nicht wesentlich über den Marktpreisen konkurrierender anderer Brennstoffe liege.

Allerdings liege es, längerfristig

gesehen, im nationalen Interesse, sich auch weiterhin um die Entwicklung
synthetischer Brennstoffe zu bemühen.

Gegenwärtige Schätzungen über den

künftigen Energiebedarf ließen zwar für die nächste Zukunft weder Versorgungsschwierigkeiten noch große Preissteigerungen erkennen.

Jedoch könn-

te im kommenden Jahrhundert das Ziel, eine angemessene Energieversorgung
zu vernünftigen Kosten zu erreichen, die Vereinigten Staaten veranlassen,
herkömmliche Brennstoffe immer mehr durch synthetische Brennstoffe zu ersetzen.

Aber auch in einer solchen Situation werde, so betonte Hodel, das
Tempo der Ausweitung bei der Synthesebrennstoff-Industrie durch Marktkräfte bestimmt.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt seien nur einige wenige

Anlagen wünschenswert - Anlagen, die im Sinne technischer, umweltpolitischer und finanzpolitisher Aspekte sowie für die Ermittlung eines geeigneten regulativen Rahmens durch den Staat Schrittmacherdienste leisten.
Die Bundesregierung fördere derzeit vier Projekte (Kohlevergasung und Öl-

�und

Ölschiefer-Aufbereitung), die

Industrie

unterhalte

bereits

ohne

staatliche Zuschüsse zwei weitere Projekte (Kohlevergasung sowie Kohlevergasung in Verbindung mit einem Chemiewerk).

Diese Betriebe liefern

wertvolle Informationen und Erfahrungen, die nur mit großtechnischen Anlagen zu bekommen sind.

* * * * *

- 3-

�4. Juli 1984

27

ERSTER BESUCH BEI EINEM KOMETEN
- Forschungssatellit ICE auf dem Weg zum Rendezvous -

-

(AD) - Mit Hilfe eines mit modernsten elektronischen Detektoren

ausgerüsteten 4 rn-Teleskops auf dem Kitt Peak bei Tuscon, Arizona, konnte
der Komet Giacobini-Zinner geortet und fotografiert werden.

Er ist noch

äußerst lichtschwach - seine Leuchtkraft betrug nur ein Fünfmillionstel
der Helligkeit eines Sterns, der mit dem Auge gerade noch wahrgenommen
werden kann.

Aber seine exakte Positionsbestimmung ist eine wesentliche

Voraussetzung für das Gelingen eines Experiments, das Astronomen rund um
die Erde fasziniert:

Im September 1985 soll zum ersten Mal ein For-

schungssatellit den Schweif eines Kometen passieren.

Und dieser Komet

ist der im Jahr 1900 von dem Italiener Giacobini entdeckte, im Jahr 1913
von dem Deutschen Zinner wiedergefundene und seitdem nach beiden Forschern benannte SchweifStern.

Wie die Auswertung der Aufnahmen ergab, war der Komet vier Bogensekunden von der Position entfernt (das entspricht ca. 10 000 km), wo man
ihn zum Zeitpunkt der Aufnahmen Anfang April 1984 erwartet hatte.

Er

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�hatte.

Er kommt alle sechseinhalb Jahre in Sonnennähe und wurde seit

seiner Wiederauffindung zehnmal beobachtet - das letzte Mal im Jahr
1979.

Obgleich es sich um einen relativ kleinen Himmelskörper handelt,

zeichnet sich Giacobini-Zinner durch eine besondere Aktivität unter Sonneneinstrahlung aus, so daß er infolge des Verdampfens von Materie seines
Kerns in Sonnennähe hell leuchtet.

Das dabei

ausgestoßene Material

- Gase

und Staub - bildet den

Schweif, den der "International Cometary Explorer" (ICE) am 11. September 1985 in ca. 15 000 km Abstand vom Kern des Kometen durchqueren und
sondieren soll.

Die Bewegung des Kometen gilt jedoch wegen der Kräfte,

die das verdampfende Material (ähnlich wie beim Austritt von Gasen aus
der Düse einer Rakete) auf die Kernmasse ausübt, als nicht genau vorausberechenbar.

Aus diesem Grund sei die optische Beobachtung schon mög-

lichst lange vor dem Rendezvous sehr wichtig, erklärte Dr. Michael Beiton
vom "Kitt Peak National Observatory".

Die im August 1978 unter der Bezeichnung ISEE-3 (International SunEarth Explorer - gestartete Sonde war ursprünglich nur zur Erforschung
des Sonnenwindes sowie bestimmter Vorgänge und Bedingungen im Raum zwischen Sonne und Erde bestimmt. Umlaufbahn, Aufgaben und die Zuverlässigkeit von ISEE-3, dazu sein geringer Verbrauch an Treibstoff für Manöver
zur Nachsteuerung brachten jedoch NASA-Wissenchaftler auf die Idee, seinen Kurs so zu ändern, daß er vorübergehend zur Nahbeobachtung von Kometen eingesetzt werden kann.

Nach sorgfältigen Berechnungen wurde er

schließlich 1982 zum ersten Mal so weit in Mondnähe manövriert, daß der
Erdtrabant, ähnlich wie schon mehrmals mit PIONIER- und VOYAGER-Sonden an
den Großplaneten Jupiter und Saturn durchexerziert, als bechleunigende
Kraft wirkte und gleichzeitig den Kurs beeinflußte.

Das letzte "Swing-

by"-Manöver dieser Art vollführte der inzwischen in ICE umbenannte, knapp
500 kg schwere Forschungssatellit am 22. Dezember 1983.

Die Sonde wird, wenn sie im September 1985 durch den Schweif von
Giacobini-Zinner hindurchgeht, fast 71 Millionen km von der Erde entfernt
sein. Wenn ein Jahr später der Halleysche Komet, der etwa alle 76 Jahre
- 2-

�76 Jahre seine größte Sonnennähe erreicht, Ziel von Forschungssonden aus
mehreren Ländern sein wird, ist die bis dahin wieder aufgenoninene Beobachtung des Sonnenwindes durch ICE von großer Bedeutung.

Die ICE-Daten

können helfen, z. B. Ionisationseffekte am Schweif des sehr viel massereicheren Kometen Halley durch Sonnenmaterie oder andere Wechselwirkungen
genauer zu untersuchen.

- 3 -

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