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                  <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. J u n i 1984

26

INHALT

DOKUMENTATION
US-Chefdelegierter wendet sich gegen östliche Hinhaltetaktik auf der
]

KVAE in Stockholm
- Erklärung von Botschafter Goodby -

HINTERGRUNDMATERIAL
Adelman: Amerikanisch-sowjetische Beziehungen sind sicher

USA für Zusammenarbeit beim Kampf gegen die Luftverschmutzung
- Erklärung von Umweltschutzdirektor Ruckeishaus -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Was fördert die Blitzentstehung?
- Umfangreiches Forschungsprojekt in den USA

Schichtaufbau für Stähle
- Superplastisch und schlagfest -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. Juni 1984

26

US-CHEFDELEGIERTER WENDET SICH GEGEN OSTLICHE HINHALTETAKTIK
AUF DER KVAE IN STOCKHOLM

- Erklärung von Botschafter Goodby -

STOCKHOLM - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei der Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) in Stockholm, Botschafter James Goodby, wandte sich am 21. Juni
1984 gegen die Hinhaltetaktik der östlichen Teilnehmer. Aufgabe und Ziel
der Konferenz - die Androhung oder Anwendung von Gewalt zur Lösung internationaler Streitigkeiten zu verringern und schließlich abzuschaffen dürfte nicht in Frage gestellt werden.

Nach sechs Monaten in Stockholm

sei es endlich an der Zeit, in wirkliche Verhandlungen einzutreten.

Die Erklärung von Botschafter Goodby hat folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender,

am 4. Juni hat Präsident Reagan einen Rahmen für die Politik der Ver-

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�der Vereinigten Staaten auf dieser Konferenz abgesteckt, als er sagte:
"Wir möchten nicht nur die Rüstungslasten vermindern, sondern auch Mittel
und Wege finden, um den Einsatz der Waffen in unruhigen oder potentiell
schwierigen regionalen Situationen zu begrenzen.

Wir streben ernsthafte

Gespräche mit den Sowjets darüber an, wie wir sicherstellen können, daß
es in unruhigen oder strategisch heiklen Gebieten nicht zu Fehleinschätzungen oder Mißverständnissen kommt.

Ich möchte heute nochmals unter-

streichen, daß es den Vereinigten Staaten hieran ernsthaft gelegen ist."
Der Präsident bezog sich ganz ausdrücklich auf die Arbeit dieser Konferenz hier, als er erklärte:

"Wir müssen diese Idee in praktische Maß-

nahmen umsetzen, die wirksame Sperren gegen die Anwendung von Gewalt in
Europa errichten.

Wenn die Sowjetunion solchen konkreten Maßnahmen zu-

stimmen würde, die von anderen Teilnehmerstaaten der Stockholmer Konferenz augenscheinlich bereits akzeptiert werden, so wäre dies ein wichtiger Schritt vorwärts in dem Bestreben, eine friedlichere Welt zu schaffen."

In der gestrigen Erklärung des Vertreters der Sowjetunion war jedoch
leider wenig herauszuhören, was die Überzeugung ermutigen würde, daß es
dieser Konferenz dieses Mal vergönnt sein wird, die Aufgaben zu erfüllen,
die nach dem ihr gegebenen Mandat vorgesehen sind.

Meine Delegation hat seit Beginn dieser Konferenz versucht, einen
Dialog über jene konkreten und wirksamen Maßnahmen in Gang zu bringen,
die das Ziel unterstützen, die Androhung oder Anwendung von Gewalt zur
Lösung internationaler Streitigkeiten zu verringern und schließlich abzuschaffen. Meine Delegation hat diese Anstrengung praktisch im gleichen
Lichte gesehen wie Botschafter Andropow, als er von "dynamischen" Maßnahmen zur Unterstützung der "statischen" Verpflichtung sprach.

Diese Bemü-

hungen meiner Delegation, in unserer Arbeit hier neue Gebiete der Übereinstimmung zu finden, wurden jedoch von Delegationen, die den sowjetischen Vorschlag unterstützen, weitgehend zurückgewiesen. Es wurde vielmehr eine systematische Anstrengung unternommen, Schwierigkeiten zu übertreiben und eine konstruktive, zukunftsweisende Diskussion zu vermeiden.

�zu vermeiden.

Ich teile den

Eindruck, den der Vertreter Portugals in

seiner scharfen Intervention vom 19. Juni zum Ausdruck brachte, daß nämlich einige Delegationen Lösungen hinausschieben möchten.

Meine Regierung und natürlich auch meine Delegation sind entschlossen, zu einer Atmosphäre der Ruhe und nicht der Krise in internationalen Beziehungen beizutragen.

Wir möchten auf eine konstruktive Koopera-

tion mit der Sowjetunion wie mit allen anderen Ländern hinarbeiten.
Diese Botschaft ist bei verschiedenen Gelegenheiten und auf höchster Regierungsebene übermittelt worden.

Aber hier in Stockholm sind wir nach

sechs Monaten noch immer nicht in Verhandlungen eingetreten.

Ich kann,

Herr Vorsitzender, nur sagen, daß es an der Zeit, ja daß es höchste Zeit
ist, mit der schwierigen Aufgabe zu beginnen, uns ernsthaft den Vorschlägen zuzuwenden, die auf dem Tisch liegen.

Hier ist viel Arbeit zu

leisten, und wir haben wenig Zeit, sie zu vollenden.

Herr Vorsitzender, die erste Erklärung, die vor dieser Konferenz abzugeben ich die Ehre hatte, enthielt folgenden Gedanken:

"Das amerika-

nische Ziel bei diesen Verhandlungen besteht darin, das Risiko des Krieges - aller Kriege überall - zu verringern."

Dies ist, wie ich hoffe,

doch unser aller Zielsetzung - eine Zielsetzung, auf die wir uns alle in
Madrid geeinigt hatten.

Um diesem Ziel zu dienen, werden wir, wie Außen-

minister Shultz gesagt hat, "alle Vorschläge eines jeden Mitgliedstaates
begrüßen und in positiver Weise prüfen...

Wir werden sie an den in

Madrid vereinbarten Kriterien messen."

Gestern hat der Vertreter der Sowjetunion auch von dem Mandat gesprochen, das unsere Arbeit hier leiten sollte.

Ich hatte es bis dahin

nicht für nötig gefunden, mich über die Geschichte der Verhandlungen über
dieses Dokument auszulassen.

Aber jetzt besteht Grund zu der Annahme,

daß die Grundzielsetzung dieser Konferenz in Frage gestellt wird.

Es

scheint so, als ob Abkommen, die dazu gedacht waren, unsere Arbeit hier
zu leiten und zu umgrenzen, neu interpretiert werden.

Es scheint, um es

kurz zu sagen, ein Versuch im Gange zu sein, die Charta der Stockholmer
Konferenz zu revidieren, um sie mit der speziellen seit langem herr- 3 -

�langem herrschenden Auffassung eines Landes über das Grundprinzip dieser
Konferenz in Einklang zu bringen.

Herr Vorsitzender, die Stockholmer Konferenz ist das Produkt dreijähriger Verhandlungen in Madrid.

Die Aufgabenstellung für unsere Arbeit

wurde sorgfältig ausgearbeitet und nach mühsamen Verhandlungen gebilligt.

In diesen Verhandlungen wurden alle Standpunkte auf gleicher Basis

erörtert, und jeder souveräne und unabhängige Staat schloß sich freiwillig dem Konsens über die genaue Formulierung des Auftrages an.

Es wurde von einigen Seiten vorgebracht, daß jeder Vorschlag legitim
sei, wenn sich ein Staat dazu entschließt, ihn einzubringen.

Ein solches

Konzept unserer Arbeit würde, wenn man ihm folgen würde, uns immer weiter
von jeder Möglichkeit wegführen, wirksame und konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um der Pflicht von Staaten Wirksamkeit und Ausdruck zu verleihen, sich der Androhung oder Anwendung von Gewalt in ihren gegenseitigen
Beziehungen zu enthalten.

Stellungnahmen, die

im Festhalten an dem

Madrider Mandat wurzeln, als formalistisch abzutun, ist etwa das Gleiche,
wie den Eckstein eines Gewölbes zu verwerfen, dessen Form einem Kritiker
eben nicht gefällt.

Unsere Tagesordnung erstreckt sich, wie der Vertre-

ter Irlands am 14. Juni festgestellt hat, nicht auf den ganzen Bereich
von Problemen oder Mißverständnissen in den Beziehungen zwischen Teilnehmerstaaten.

Die ausdrückliche Festlegung des Mandats wurde während der Madrider
Verhandlungen durchaus akzeptiert.

Es wurden mehrere erfolglose Versuche

gemacht, Worte in die Formulierungen einzuschieben, die zur Folge gehabt
hätten, daß das Mandat die Vorlage und Erörterung von Maßnahmen "eines
anderen

Charakters"

nicht

ausgeschlossen

hätte.

Diese

Worte

waren

schließlich so bekannt geworden, daß man generell schon von der "Ausweichklausel" sprach.

Um es zu wiederholen, Herr Vorsitzender, es gab

keinen Konsens, politische und rechtliche Maßnahmen in die Tagesordnung
dieser Konferenz aufzunehmen.

Zu argumentieren, daß die Tatsache, daß

ein Punkt nicht ausdrücklich ausgeschlossen sei,seine stillschweigende
Aufnahme bedeute, heißt doch nichts anderes als zu argumentieren, daß der

�daß der Abgewiesene sich schließlich doch der Früchte seines abgewiesenen
Antrages erfreuen solle - eine romantische Vorstellung, aber wohl kaum
realistisch.

Der von den meisten Mitgliedern der Organisation des Warschauer Paktes in Madrid unterstützte Vorschlag lief darauf hinaus, daß die Konferenz "Schritt für Schritt geeignete Maßnahmen prüfen und spezifische Abkommen aushandeln soll, beginnend mit einfacheren Maßnahmen und stufenweise zu komplexeren und weitergehenden Schritten führend, wobei im Auge
behalten wird, daß jede Stufe sich aus der vorangegangenen entwickelt."
Dieser Gedanke kommt in dem Mandat zum Ausdruck.

Die wesentliche Vorstellung, daß es eine Weiterentwicklung von einer
Stufe zur anderen geben soll, ist praktisch die Grundprämisse für die
Stockholmer Konferenz, denn dies wurde aus unserer Erfahrung mit den
Helsinki-Maßnahmen heraus entwickelt.

Seltsamerweise finden wir wenig

Anzeichen dafür, daß der Antragsteller des Dokuments SC.4 und diejenigen,
die ihn unterstützten, ihren eigenen Antrag sehr ernst nehmen.

Selbst ein so klarer Punkt wie der geographische Geltungsbereich dieser Konferenz, wird angezweifelt.

Ist es wirklich notwendig, daß wir sa-

gen, daß es bei dieser Konferenz um Sicherheit in Europa geht?

Kann ir-

gend jemand wirklich fragen, daß der Teil der Welt, mit dem wir uns befassen, sich nicht auf den asiatischen Teil der UdSSR oder auf Nordamerika erstreckt?

Es ist übrigens vielleicht angebracht, darauf hinzuwei-

sen, daß die amerikanischen Streitkräfte, die an militärischen Aktivitäten in Europa beteiligt sind, selbstverständlich unter vereinbarte Maßnahmen im Rahmen des Mandates hier fallen. Die Vereinigten Staaten haben
über 300 000 Mann in Europa statoniert - das viertgrößte militärische
NATO-Kommando in Europa.

Darüber hinaus stellen die in Europa statio-

nierten Einheiten der amerikanischen Armee fast 50 Prozent der vergleichbaren Truppenstärke in den Vereinigten Staaten selbst dar.

Herr Vorsitzender, das Mandat enthält Elemente aller fünf in Madrid
unterbreiteten Vorschläge, aber das Mandat schließt nicht die Wünsche
- 5-

�die Wünsche aller Staaten ein.

Es bietet uns eine Richtschnur, der wir

folgen können, um bestimmte Ziele zu erreichen, die, wenn sie erreicht
sind, die Tür für eine Ausweitung unserer Horizonte aufstoßen werden.
Wenn wir diesen Richtungsinn verlieren, dann wird es uns sicherlich nicht
gelingen, etwas von wirklicher Konsequenz zu erreichen.

Ich möchte, Herr Vorsitzender, damit schließen, daß ich die Hoffnungen meiner Regierung auf eine Verbesserung im internationalen Klima
wiederhole.

Präsident Reagan hat von den gemeinsamen Interessen ge-

sprochen, die wir mit der Sowjetunion haben - das oberste ist das Interesse, einen Krieg zu vermeiden und den Stand der Rüstungen zu verringern.

Das ist natürlich eine gemeinsame Aufgabe, und sie kann nur durch

Dialog und durch die Anerkennung der Interessen beider Seiten bewältigt
werden.

In seiner Rede in

Dublin am 4. Juni erkannte Präsident Reagan ein

Interesse an, das unsere sowjetischen Kollegen als den "Hauptpunkt" dieser Konferenz bezeichnet haben.

Es war für meine Delegation schwer, in

der gestrigen Erklärung der sowjetischen Delegation irgendeine Anerkennung der Interessen der westlichen Länder an dieser Konferenz zu erkennen.

Trotzdem haben meine Delegation und die Befürworter des Dokuments

SC.l damit begonnen, die auf dem Tisch liegenden Vorschläge zu erörtern,
und wir werden das auch fortsetzen. Wir hatten gehofft, daß wir im Laufe
der Konferenz einen Weg finden könnten, diesen Prozeß zu intensivieren.
Wir hoffen das auch weiterhin und werden auf dieses Ziel hin weiterarbeiten.

Ich danke Ihnen.

- 6 -

�Hinlcrgrundmolciiol

i
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United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. Juni 1984

ADEIMAN: AMERIKANISCH-SOWJET ISCHE BEZIEHUNGEN SIND SICHER

- (AD) - Der Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle und
Abrüstung (ACDA), Kenneth L. Adelman,
hat sich in einem Artikel in der
"Washington Post" vom 17. Juni 1984 gegen die Behauptung gewandt, die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion seien auf dem tiefsten Punkt der Nachkriegszeit angelangt.
Der Artikel, der den Originaltitel "Wer
hat recht, wie man mit den Russen richtig umgeht - Reagan oder seine Kritiker?" trägt, hat folgenden Wortlaut:

Es ist heute Mode geworden, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
so darzustellen, als ob sie auf ihren tiefsten Punkt in der Nachkriegszeit zutaumelten. Ja, es wird oft ein Bild gezeichnet, als ob wir uns
auf dem Wege zu einem Atomkrieg irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft
befänden.
Bevor diese

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�Bevor diese Wortlawine weiter an Tempo gewinnt, sollten wir einmal
einhalten und uns fragen:

Ist das alles wirklich so?

Viele Worte aus Moskau in der jüngsten Zeit waren hart. Die sowjetische Führung spricht über Italien, als ob es das Schicksal von Pompei
erleiden, Skandinavien und Japan in nuklearen Feuern lodern könnten und
Präesident Reagan eine Politik wie Adolf Hitler verfolgen würde. Solche
Erklärungen sind natürlich verschärfend. Die Weigerung der Sowjets, an
Verhandlungen über nukleare Rüstungskontrolle teilzunehmen, ist bedauerlich. Das verstärkte Auftreten sowjetischer Unterseeboote vor den Küsten
der Vereinigten Staaten ist beunruhigend, selbst wenn sie diese Gewässer
schon seit vielen Jahren durchstreift haben. Und auch der Boykott der
Olympischen Spiele durch die Sowjets ist bedauerlich.

Aber sind wir wirklich in einer Situation, in der die Möglichkeit eines amerikanisch-sowjetischen Konfliktes und eines Atomkrieges größer ist
als in der Vergangenheit?

Sind wir wirklich heute weniger sicher als vor

vier Jahren?

Ich glaube nicht. Ganz im Gegenteil. Die beiden wahrscheinlichsten
Wege zum nuklearen Konflikt - die Anwendung durch einen Führer der Dritten Welt, der in irgendeinem regionalen Konflikt die Bombe in die Hände
bekommt, oder die Anwendung in einem sowjetisch-amerikanischen Konflikt sind heute weniger wahrscheinlich als in der Vergangenheit.

Die erste dieser Möglichkeiten könnte nur eintreten, wenn es eine
WeiterVerbreitung der Kernwaffen gäbe. Darin liegt überraschenderweise
eines der Erfolgserlebnisse auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle. Eines
der gescheitesten Parkinsonschen Gesetze besagt, daß der Erfolg einer
Politik an den Katastrophen gemessen werden kann, die nicht eintreten.
Nach diesem Maßstab haben wir hier einen erfreulichen Erfolg.

Und es ist ein Maß an Erfolg, wie es eigentlich gar nicht zu erwarten
- 2 -

�zu erwarten war.

Im Jahr 1958 sagte ein Sonderausschuß der Nationalen

Planungsgesellschaft in einer Schrift voraus, "daß bis 1970 die meisten
Länder mit beträchtlicher militärischer Stärke in ihren Arsenalen über
Kernwaffen verfügen werden - strategische oder taktische oder beides."
Anfang der sechziger Jahre warnte Präsident Kennedy vor einer Welt im
Jahr 1975 mit 15 oder 20 Kernwaffenmächten.

Solche trüben Voraussagen haben sich nicht erfüllt, vor allem, weil
wir seit über 30 Jahren zusammen mit anderen Ländern daran gearbeitet haben, die politischen, rechtlichen und moralischen Schranken gegen eine
Weiterverbreitung der Kernwaffen aufzubauen und zu festigen.

Das wurde auf relativ undramatische aber letztlich wirksame Weise
erreicht und trug dazu bei, die Weiterverbreitung in Schach zu halten.
Die Verstärkung - und wo notwendig Revision - der Politik und der Programme, die der Ausbreitung von Kernwaffen Einhalt gebieten sollen, hat
bei Präsident Reagan oberste Priorität bekommen.

Auch darin liegt, was nicht überraschen kann, ein entscheidend wichtiges Gebiet des amerikanisch-sowjetischen Dialogs und der entsprechenden Kooperation.
eingehend.

In den letzten Jahren war dieser Dialog umfassend und

Er wurde ebenso wie die Verhandlungen über Kernwaffen nicht

eingestellt. Dieser Dialog dauert an, weil die Sowjets ebenso wie wir
die tiefe Sorge über die Ausbreitung von Kernwaffen teilen. Die Aussicht, daß ein Khomeini, Gadhafi, Amin oder ein anderer Führer dieser Art
Kernwaffen erwerben könnte, macht den Sowjets ebenso Unbehagen wie uns.

Obwohl wir zwar auf dem Gebiet der Nichtweiterverbreitung noch viel
zu tun haben, wird dieser Weg zum Einsatz von Kernwaffen in der Zukunft
heute als weniger wahrscheinlich gehalten denn in früheren Jahren. Ein
früherer Mitarbeiter der ACDA unter der Carter-Administration, Barry
Blechman, hat es kürzlich so formuliert:

"Eine derzeitige realistische

Beurteilung der potentiellen Zahl von Kernwaffenstaaten wäre heute um
etwa ein Drittel niedriger als 1980." Wir streben danach, diese Schät- 3 -

�diese Schätzungen noch weiter herunterzudrücken, und machen gute
Fortschritte.

Der zweitwahrscheinlichste Weg zum Atomkrieg, nämlich der durch eine
sowjetisch-amerikanische Konflikteskalation, ist heute ebenso weniger
wahrscheinlich als in früheren Jahren. Wir haben unbestreitbar ernste
Probleme in Mittelamerika und im Nahen und Mittleren Osten,vor allem im
Persischen Golf. Trotzdem sind die Brennpunkte der Welt heute weniger
zahlreich und weniger heiß als vorher.

Gehen wir doch nur zwei Jahrzehnte zurück und vergleichen Präsident
Kennedys 1000 Tage im Amt mit den ersten 1200 Tagen von Präsident
Reagan. An die Kennedy-Ära erinnert man sich im allgemeinen als an eine
angenehme und gekonnte Führung der außenpolitischen Geschäfte Amerikas.
Jedoch haben wir in diesem kurzen Zeitraum das Fiasko der Schweinebucht,
ein katastrophales amerikanisch-sowjetisches Gipfeltreffen in Wien, eine
Steigerung des amerikanischen Engagements in Vietnam, den Bau der Berliner Mauer und last not least die Kuba-Raketenkrise erlebt. Die Ereignisse, die im Laufe der letzten drei Jahre und einigen Monaten eingetreten sind, mögen zwar unangenehm gewesen sein, aber sie sind sicherlich
nicht mit jener Kaskade von Krisen zu vergleichen.

So war dies auch in den siebziger Jahren, als trotz des vielfältigen
amerikanisch-sowjetischen Dialogs und trotz der großen Hoffnungen auf
Entspannung die regionalen Krisen ernster Natur waren. Während die amerikanische und sowjetische Führung fünf Gipfel abhielten und eine ganze
Bandbreite von Rüstungskontrollverhandlungen miteinander führten, unterstützte die Sowjetunion ohne Vorbehalt die anhaltende Infiltration nordvietnamesischer Truppen nach Südvietnam hinein, sorgte für deren Bewaffnung und machte damit eine friedliche Regelung des Konfliktes unmöglich.

Dann kam es zur Eruption im Nahen Osten, und die Sowjets drohten, mit
ihren eigenen Truppen in diesem Konflikt zu intervenieren, was uns dazu
zwang, strategische Nuklearwarnung zu geben. Auch das waren gefährliche
Tage.
m vieler

�In vieler Hinsicht steht das Jahr 1975 symbolisch für das ganze Jahrzehnt.

In jenem Jahr gab es sowohl einen umfassenden amerikanisch-

sowjetischen Dialog - einen Gipfel Ford-Breschnew in Helsinki und vier
Treffen zwischen Kissinger und Gromyko - sowie auf regionaler Ebene
ernsthafte Rückschläge oder Drohungen: den Fall dreier Länder in Südostasien; die ernsthafte Bedrohung eines NATO-Verbündeten, Portugals,
durch kommunistische Subversion und die Bewaffnung wie den Transport Tausender Kubaner nach Angola, um die Marxisten in die Lage zu versetzen,
den Bürgerkrieg dort zu gewinnen. Während der ersten sechs Monate trafen
sich Außenminister Vance und Botschafter Dobrynin etwa fünfundzwanzigmal,
dann kam das Gipfeltreffen zwischen Carter und Breschnew in Wien. Dennoch gab es kein Ende der regionalen Krisen. Es gab das Problem mit einer sowjetischen Brigade in Kuba; die falschen sowjetischen Erklärungen
nach der Geiselnahme der Amerikaner im Iran, wodurch noch zusätzlich Öl
ins Feuer geschüttet wurde, und - am schwerwiegendsten - die massive
sowjetische Invasion Afghanistans, die Präsident Carter die größte Krise
seit dem Zweiten Weltkrieg nannte.

Bemerkenswert ist, daß in jedem Jahr zwischen 1975 und 1980, Armeen,
die zu einem Großteil von Moskau ausgerüstet wurden, oder sowjetische
Streitkräfte selbst immer wieder entweder in ein anderes Land einmarschierten oder über eines die Kontrolle errangen: 1975 Südvietnam,
1975-76 Angola, 1977 Äthiopien, 1978 Kampuschea und 1979 Afghanistan.

In den vergangenen drei Jahren haben sich keinerlei Krisen solchen
Ausmaßes ereignet. Das ist gut so, nicht nur für jene in der Welt, die
davor bewahrt blieben, vom Totalitarismus unterdrückt zu werden, sondern
auch deshalb, weil eine größere regionale Stabilität die Möglichkeit eines amerikanisch-sowjetischen Konfliktes verringert.

Die Sowjets sind seit 1981 auf Widerstand gestoßen. Dies ist die unvermeidliche Folge ihrer eigenen Handlungsweise. Gleichzeitig wurden die
Stärke und die Führungskraft Amerikas wieder hergestellt.
Sogar ein
- 5-

�Sogar ein solch scharfer Kritiker der Haltung der Administration gegenüber der Sowjetunion wie Strobe Talbott von TIME schrieb jüngst unter
dem Titel "Die Russen und Reagan":

"Der sowjetische Expansionismus wurde

zurückgeschraubt; verbittert und verkeilt wie die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen auch sind - so waren sie doch auf bemerkenswerte Weise
frei von wirklich tiefen Krisen" während der Regan-Administration. Und
er verweist darauf, daß von den drei großen Kriegen in diesem Zeitraum Iran-Irak, Libanon und die Falkland-Inseln - "keiner zu einer Konfrontation zwischen den Supermächten wurde."

Das ist der zentrale Punkt. Die Welt ist heute nicht gefährlicher.
Die Faktoren, die sie stabiler machen und die Möglichkeit eines atomaren
Konflikts verringern, sind aktive amerikanische Diplomatie und Beziehungen, durch die potentielle Reibeflächen geglättet und regionale Sicherheit vergrößert werden; dazu kommt eine größere amerikanische Abschreckungskapazität, die einem potentiellen Aggressor zeigt, daß jeder
Angriff zu kostspielig sein würde und die antizipierten Leiden bei weitem
jeden vorstellbaren Gewinn aufwiegen. Unsere Rüstungskontrollvorschläge,
die darauf abzielen, die Zahl der Kernwaffen auf beiden Seiten zu verringern und die Gefahr eines Krieges einzudämmen, könnten diese Faktoren
verstärken, wenn die Sowjets zu einem Abkommen bereit wären.

Diese Faktoren zeigen, daß die jüngsten Worte von Präsident Reagan
ins Schwarze getroffen haben, wonach "die Welt heute etwas sicherer ist
als in der Vergangenheit."

Sicherlich ist Raum für eine Verbesserung der derzeitigen Lage. Und
sie braucht deutliche Verbesserung. Präsident Reagan hat versucht, genau
dies zu tun, indem er die Beziehungen zu den Verbündeten und auch sonst
verstärkt hat; indem wieder eine glaubwürdige militärische Position der
Stärke geschaffen wurde und indem mit einem breitangelegten Rüstungskontrollprogramm begonnen wurde. Er ist darum bemüht, den amerikanisch-sowjetischen Dialog wieder zu eröffnen und zu vertiefen - wie dies
- 6 -

�wie dies in seiner Rede vom 16. Januar und durch eine Vielzahl privater
Kanäle deutlich wird. Ein besserer Dialog und aktive Gespräche über
Nuklearwaffen wären einer fortgesetzten sowjetischen Abwesenheit von den
Verhandlungen vorzuziehen, wären die Sowjets bereit, an ernsthaften Gesprächen teilzunehmen.

Dem ist aber in den vergangenen sechs Monaten nicht so gewesen. Sie
verließen die Genfer Gespräche über europäische Nuklearwaffen und haben
noch immer nicht unserem Vorschlag zugestimmt, die START-Gespräche über
Langstreckenwaffen wieder aufzunehmen. Dies nicht wegen der Haltung der
Reagan-Administration gegenüber den Sowjets, dies nicht wegen früherer
oder derzeitiger Rhetorik und nicht wegen der ehrgeizigen "tiefen Einschnitte", die wir bei den Kernwaffen anstreben.

Sie verließen diese

Gespräche einzig deshalb, weil die NATO den Kurs beibehielt, den sie im
Dezember 1979 eingeschlagen hatte. Dieser aber erforderte eine Dislozierung der Raketen, um der ständig wachsenden Zahl von hochmobilen und
bedrohlichen SS-20-Atomraketen zu begegnen für den Fall, daß die
Rüstungskontrolle sich als erfolglos herausstellen sollte.

Man kann sich nur schwer eine amerikanische Regierung vorstellen, die
hinsichtlich der Dislozierungen unterschiedlich vorginge - angesichts des
sowjetischen Beharrens auf ihrer "Halb-Null"-Option - also Hunderte von
Gefechtsköpfen für die sowjetische Seite und Null für unsere Seite. Und
man kann sich nur schwer eine amerikanische Regierung vorstellen, die
eine solche einseitige Rüstungskontroll-"Lösung" akzeptieren würde (ganz
abgesehen davon, ob ein amerikanischer Senat solch ein schiefes Abkommen
ratifizieren würde).

Die Administration hofft noch immer, daß die Sowjets sich ihrer Interessen bewußt und danach handeln werden, indem sie zu den Kernwaffengesprächen zurückkehren. Gleichzeitig hoffen wir auf eine konstruktive
Reaktion der Sowjetunion auf unsere neuen Vorschläge für ein weltweites
Verbot chemischer Waffen, für die Verringerung der konventionellen
Streitkräfte in Europa und für Maßnahmen zur Verringerung der Gefahr

�der Gefahr eines Überraschungsangriffs in Europa.

Aber unsere Rufe unterscheiden sich von ihrem Rückzug. Und das
erinnert etwas an die Frage Hotspurs, als dessen Vetter im ersten Teil
von "Heinrich IV." prahlt, er könne alle Geister der Tiefe zu seiner
Hilfe rufen. Das könne er auch, das könne jeder. Aber: Kommen sie
auch, wenn man sie ruft?

&gt;

- 8 -

�Hinteigiund
materiell
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27. Juni 1984

USA FÜR ZUSAMMENARBEIT BEIM KAMPF GEGEN DIE UJFTVERSCHMUTZUNG
- Erklärung von Umweltschutzdirektor Ruckeishaus -

München -(AD)- Die Vereinigten Staaten sind bereit, bei der Lösung
des

Problems der

grenzüberschreitenden

Luftverschmutzung

mit anderen

Ländern zusammenzuarbeiten. Das versicherte der Direktor der amerikanischen Umweltschutzbehörde, William D. Ruckeishaus. In einer Erklärung vor
den versammelten Delegierten auf der Internationalen Umweltkonferenz in
München am 25. Juni betonte er die Notwendigkeit einer multinationalen
Lösung des Problems der Säureemissionen und wies darauf hin, daß die
Vereinigten Staaten auf diesem Gebiet bereits beträchtliche Erfolge erzielt hätten.

Die Erklärung von Direktor Ruckeishaus, die wir in Auszügen wiedergeben,
hat folgenden Wortlaut:

Es steht außer Zweifel, daß die Ablagerung saurer Niederschläge zu
einem der ernstesten und verwirrendsten Umweltprobleme der Welt geworden
ist. In den vergangenen 15 Jahren haben die Vereinigten Staaten vor allem
versucht, dem Problem der Luftverschmutzung in lokalem Rahmen zu begeg-

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�zu begegnen. Bei den Versuchen, Schadstoffemissionen unter Kontrolle zu
bekommen, richtete man das Augenmerk hauptsächlich auf die Auswirkungen
auf Gesundheit und Unweit, die diese Emissionen im unmittelbaren Umfeld
ihrer Quelle hervorriefen. Im Laufe der Jahre hat sich unser Wissen über
atmosphärische Prozesse vervollkommnet, so daß uns heute klar ist, daß
Schadstoffemissionen noch in einer Entfernung von hunderten von Kilometern von ihrem Ursprungsort Umweltschäden von erheblichem Umfang hervorrufen können. Wir können unsere Aufmerksamkeit daher nicht mehr länger
auf solche Auswirkungen beschränken, die innerhalb des gleichen Landstrichs oder auch innerhalb des gleichen Landes auftreten. Das Problem
der langfristigen, grenzüberschreitenden Verschmutzung kann nicht gelöst
werden, wenn wir es nicht von einer multinationalen Grundlage aus angehen. Zusammenarbeit bei der Lösung dieses Problems ist keine Angelegenheit, die in unser Belieben gestellt ist, sondern eine Notwendigkeit.

Die Sorgen wegen des besonderen Problems der Säureablagerungen haben
unsere Aufmerksamkeit erneut auf die Emission von Schwefeldioxyd und
Stickoxyden gelenkt. Das Problem dieser Schadstoffe ist keinem von uns
neu. Wegen der vielfältigen Auswirkungen, die diese Substanzen auf Umwelt
und Gesundheit haben, sind sie in den Vereinigten Staaten schon seit
Anfang der 70er Jahre Gegenstand unserer Bemühungen zur Eindämmung von
Schadstoffemissionen. Zwischen 1973, dem Jahr der höchsten Emissionswerte, und 1982 haben wir in den Vereinigten Staaten den Ausstoß von Schwefel um 26 Prozent vermindert. Dies wurde dadurch erreicht, daß mehr als
100 Kraftwerke die Auflage bekamen, Abgasreinigungssysteme zu installieren, und daß tausende von anderen Anlagen auf Brennstoffe mit geringerem
Schwefelgehalt umgestellt wurden. Gemäß unserem Gesetz zur Reinerhaltung
der Luft mußte in jeder neuen Anlage, die seit 1977 in den Vereinigten
Staaten errichtet worden ist, ein Abgasreinigungssystem eingebaut werden,
und zwar sogar in solchen Anlagen, die schwefelarme Kohle verbrennen.
Diese gesetzliche Regelung gilt immer noch.

Diese Verringerung des Ausstoßes von Schwefeldioxyd wurde nur zu
einem sehr geringen Teil durch Umstellung auf Kernenergie erreicht.
Außerdem wurde diese Verminderung während einer Zeit erzielt, in der die
Elektrizitätserzeugung

in unserem Lande erheblich ausgebaut wurde. Im

- 2 -

�wurde. Im Jahre 1980 haben wir über 40 Prozent mehr Strom erzeugt als im
Jahre 1970. Wenn wir nicht seit 1970 eine energische Politik der Eindämmung der Schwefeldioxydemissionen verfolgt hätten, so würden sie heute um
43 Prozent über dem tatsächlichen Wert liegen.

Auch im Bereich der Stickoxyde hatten wir beachtliche Erfolge zu verzeichnen. Ungefähr 40 Prozent der Stickoxydemissionen in unserem Lande
werden von Fahrzeugmotoren erzeugt. Heute stoßen neue Automobile 75 Prozent weniger Stickoxyde aus, als dies im Jahre 1968 der Fall war.

All diese Maßnahmen zur Verringerung der Luftverschmutzung haben sich
die Amerikaner seit 1970 mehr als 150 Milliarden Dollar kosten lassen.
Die Verpflichtung zur Reinerhaltung der Luft, die sich das amerikanische
Volk auferlegt hat, ist nicht nur Gerede. Wir haben erhebliche Geldmittel
aufgewendet - mit dem Ergebnis, daß der Ausstoß von Schadstoffen, die
Vorstufen des sauren Regens bilden, merkbar gesenkt werden konnte.
In den letzten Jahren ist unsere Besorgnis über die Langzeitwirkungen
des Ausstoßes von Schwefeldioxyd

und Stickoxyden

in dem Maße größer

geworden, in dem unser wissen gewachsen ist. Es genügt natürlich nicht,
einfach nur zu wissen, daß wir Auswirkungen auf die Umwelt hervorrufen.
Es muß auch gewährleistet sein, daß die Lösungen, die wir entwickeln, die
Probleme, die wir erkannt haben, zu beseitigen vermögen, gleichzeitig
aber die nachteiligen sozialen und wirtschaftlichen Begleitumstände auf
ein Mindestmaß beschränken. Wir meinen, daß es bestimmte Schlüsselbereiche gibt, in denen weitere Informationen gewonnen werden müssen, um die
Vereinigten Staaten in die Lage zu versetzen, eine angemessene Reaktion
auf die beobachteten ökologischen Auswirkungen zu entwickeln.

Erstens kennen wir nicht das Ausmaß der von der Ablagerung saurer
Niederschläge hervorgerufenen Schäden. Eine begrenzte Anzahl von Seen in
den Vereinigten Staaten

ist untersucht worden, aber eine umfassende

Schätzung der Schäden ist z.Z. nicht möglich.

Zweitens haben wir keine Vorstellung von der Geschwindigkeit, mit der
die Schäden um sich greifen. Für die Entwicklung vernünftiger Maßnahmen

- 3 -

�vernünftiger Maßnahmen wäre es wichtig zu wissen, ob wir es mit einem
sich über Jahrzehnte hinziehenden Problem oder mit einer rascheren Verschlimmerung der Lage zu tun haben.

Drittens haben wir nur lückenhafte Kenntnisse darüber, woher die
Säureablagerungen in einem bestimmten geographischen Gebiet kommen. Dies
ist das Dilemma von Ursache und Wirkung. Anhand unserer gegenwärtigen
Modelle der atmosphärischen Prozesse können wir nicht mit hinreichender
Zuverlässigkeit vorhersagen, welche Auswirkungen der Ausstoß in bestimmten Ursprungsgebieten in den Vereinigten Staaten und Kanada in bestimmten
Ablagerungsgebieten entweder in unserem eigenen Lande oder in Kanada hervorruft.

Viertens müssen wir herausfinden, wie schnell Seen und Bäche auf
Säureablagerungen reagieren. Viele Gewässer in Nordamerika verfügen über
genug natürliche Abwehrkräfte, um selbst dann ohne Schaden zu überdauern,
wenn sie der Belastung durch sauren Regen im gegenwärtigen Umfang ausgesetzt bleiben. Andererseits können einige Gewässer weitere Säurebelastung
nur noch in geringem Umfang oder gar nicht mehr absorbieren, da sie bereits in starkem Maße mit Säure angereichert sind. Wenn wir feststellen
würden, daß es in der Tat eine größere Zahl von vom Umkippen bedrohten
Seen gibt, die überdies in einem Gebiet liegen, in dem die Säureablagerungen beständig hoch sind, so würde der Zwang zum Handeln wesentlich
akuter erscheinen.

Schließlich haben wir zwar Nachweise für schädliche Einwirkungen auf
unsere Wälder, wissen aber nicht, welche Rolle die Ablagerung saurer Niederschläge bei der Verursachung dieser Schäden spielt.

Diese Ungewißheiten und Wissenslücken sind von unmittelbarer Bedeutung für die politischen Entscheidungen darüber, was in bezug auf die
Säureablagerungen in Nordamerika unternommen werden sollte. Seit 1980
haben wir auf der Suche nach Antworten auf diese und ähnlich gelagerte
Fragen 93 Millionen Dollar für die Erforschung des Phänomens der Säureablagerungen aufgewandt. Präsident Reagan hat den Kongreß für das nächste
Jahr um weitere 55 Millionen Dollar gebeten, womit die Forschungsanstren-

- 4 -

�die Forschungsanstrengungen dieses Jahres verdoppelt werden würden.

Viele Wissenschaftler glauben, daß die Luftverschmutzung die Hauptursache für all diese Schäden ist, aber man kann noch nicht mit Sicherheit sagen, ob Schwefeldioxyd, Stickoxyde, Oxydationsmittel, Schwermetalle oder irgendeine Kombination von Schadstoffen den kritischen Faktor
bilden. Dies zu wissen, wäre aber wichtig für die Entwicklung einer Strategie zur Eindämmung der Schäden.

Sobald diese grundlegenden Ungewißheiten bezüglich der Ausbreitung
von Luftverschmutzung über weite Entfernungen ausgeräumt sind, wird die
Regierung der Vereinigten Staaten angemessene Maßnahmen treffen, um diesen Problemen in Nordamerika zu Leibe zu rücken. Es ist offenkundig, daß
wir mit unseren Freunden in Kanada zum Schutz unserer gemeinsamen Ressourcen eng zusammenarbeiten müssen. Das Tempo und der Umfang der Maßnahmen gegen Säureablagerung in Europa braucht sich nicht unbedingt nach
unseren Plänen zu richten. Der Umfang der Emissionen, die gefährdeten
Gebiete, die geographischen Begrenzungen, die Bemühungen um die Eindämmung von Schadstoffen in der Vergangenheit und die wirtschaftlichen Auswirkungen unterscheiden sich in Europa wesentlich von denen in Nordamerika. Wir sind davon überzeugt, daß wir, wie schon in der Vergangenheit,
aus den Erfahrungen Europas lernen können. Die Vereinigten Staaten sind
entschlossen zur Zusammenarbeit mit den betroffenen Regierungen Kanadas
und Europas, um das Wissen über Probleme der grenzüberschreitenden Luftverschmutzung zu vervollkommnen und um für die internationale Gemeinschaft die beste Lösung zu finden.

- 5 -

�27. Juni 1984

26

WAS FORDERT DIE BLITZENTSTEHJNG?
- Umfangreiches Forschungsprojekt in den USA -

- (AD) - Mit einem intensiven Forschungsprogramm sollen im Sommer
1984 meteorologische Bedingungen und atmosphärische Phänomene beobachtet
und untersucht werden, die wesentliche Faktoren für die Blitzentstehung
in Gewitterwolken sein könnten. Das Projekt wird von der Nationalen
Forschungsstiftung der USA (NSF) finanziert. Angesichts der Bedeutung
einschlägiger Fragenkomplexe leistete die NSF auch einen wesentlichen
Beitrag zu der Anfang Juni 1984 in Albany (Bundesstaat New York) abgehaltenen sechstägigen Konferenz, auf der Hunderte von Meteorologen und
Atmosphärenforschern aus allen Teilen der Welt Aspekte von Luftelektrizität erörterten.

In den Vereinigten Staaten allein werden jedes Jahr

etwa 350 Personen durch Blitzschlag getötet oder verletzt. Der Sachschaden durch

Brände wird auf 260 Millionen Dollar geschätzt.

Das auf sechs Wochen angesetzte Forschungsprojekt beginnt am 14. Juli
im Bundesstaat Neu Mexiko unter der Regie des Langmuir-Laboratoriums für
Atmosphärenforschung, einem Institutskomplex auf dem Gipfel des 3000 m

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�des 3000 m hohen South Baldy Peak im Magdalenen-Gebirge in der Nähe von
Socorro. Neunzehn Wissenschaftlergruppen von neun bedeutenden Instituten, davon fünf Universitäten, nehmen daran teil. An technischen Hilfsmitteln stehen u.a. ein Düsenflugzeug, zwei Segelflugzeuge, mindestens 20
Forschungsballons, sechs Radaranlagen und Forschungsraketen zur Verfügung.

Der Physiker Dr. William P. Winn ( New Mexico Institute of Mining and
Technology), einer der Organisatoren des Projekts, sieht in der Anwendung
von leichten, mit modernster Elektronik ausgestatteten Instrumenten einen
Durchbruch für die Beobachtungstechnik. Ungeachtet der umfangreichen
Studien zur Gewitterforschung, die ja schon seit längerer Zeit betrieben
werden, könne man z. B. noch immer nicht erklären, wie die elektrische
Aufladung von Wolken vor sich gehe. Vermutlich spielt das Vorhandensein
von Wasser- und Eispartikeln eine wichtige Rolle, jedoch seien Einzelheiten und erforderliche Wechselwirkungen oder das Zusammenwirken einzelner Faktoren ungelöste Fragen.

Viele der neuen Instrumente haben eingebaute Mikrocomputer, was heute
Sturm-Messungen ermöglicht, an die noch vor fünf Jahren wegen der Kostenfrage bei den damaligen Ausrüstungen nicht zu denken war. Die Wissenschaftler wollen versuchen, mehr Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche
Rolle Niederschlagspartikel wie Regentropfen, Hagel oder Eis beim Aufbau
elektrischer Ladungen in Gewitterwolken spielen. Außerdem hoffen sie,
durch die Beobachtung von Wind, Böen und Luftbewegungen, die ja elektrische geladene Teilchen mit sich tragen, eher Einsicht in die komplizierten Vorgänge zu erhalten.

Sechs Radargeräte liefern Informationen über die Bewegungen von Eisund Wasserpartikeln. Von Bord des Düsenflugzeuges aus will man das Einund Ausströmen von Luft an den Rändern sich aufbauender Gewitterwolken
messen. Eines der Segelflugzeuge verfügt über eine Spezialkamera zur
Aufnahme von NiederSchlagspartikeln, und beide Segelflugzeuge sind mit
elektrischen Feldmessern ausgerüstet. Auch von Ballonen aus werden die
elektrischen Felder gemessen. Kleine Raketen, die bis zum Boden reichende Drähte schleppen, werden gestartet, um Blitze auszulösen, sobald man
- 2 -

�sobald man die Bedingungen dazu für gegeben hält.

Eines der Radargeräte, eine Spezialkonstruktion des Instituts für
Bergbau und Technik von Neu Mexiko, tastet die gesamte Gewitterwolke alle
20 Sekunden ab - zehnmal schneller, als dies mit herkömmlichen Radarausrüstungen möglich ist. Zweck dieses Versuches ist es, mehr Aufschlüsse
zur Frage der Beziehungen zwischen elektrischer Ladung, Niederschlag und
Blitzentwicklung zu erhalten. Ein ebenfalls an diesem Institut entwikkeltes Höchstfrequenz-Interferometer liefert dreidimensional eine Art
Röntgenbild von den Kanälen, die Blitze innerhalb einer Gewitterwolke
nehmen.

- 3 -

�27.Juni 1984

26

SCHICHTAUFBAU FÜR STAHLE
- Superplastisch und Schlagfest

(AD). - Über die Entwicklung superplastischer Stähle, die ein bis zwei
Prozent Kohlenstoff enthalten statt der bei Baustählen üblichen 0,02 bis
1 Prozent berichtete Prof. Oleg Sherby (Department für Werkstoffwissenschaften und Werkstofftechnik der Stanford-Universität) zum ersten Mal im
August 1980. Sie zeichnen sich durch außergewöhnlich gute Verformbarkeit
aus, die weder bei den niedriger gekohlten Baustählen noch bei irgendwelcher anderen Stahlsorte gegeben ist. Auf 600 bis 800 Grad C erwärmt,
lasse sich dieser Stahl z.B. auf das mehr als 15fache der ursprünglichen
Länge strecken, erklärt der Wissenschaftler.

Deshalb könne er auch zu

sehr kompliziert geformten Werkstücken verarbeitet werden, ohne daß Rißbildung zu befürchten sei. Dieser Umstand verbilligt die Bearbeitungskosten ganz erheblich. Die Superplastizität wird dem besonders feinen
Gefüge zugeschrieben.

Die Korngröße beträgt im Vergleich zu der von ge-

wöhnlichem Stahl weniger als ein Hundertstel. Das von Sherby und Mitarbeitern entwickelte Verfahren wurde damals unter Einschaltung der Abteilung für Verfahrenslizenzierung der Stanford-Universität patentiert.
Das ultrafeine

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Das ultrafeine Gefüge des hochgekohlten Stahles (Sherby bezeichnet
ihn als "ultrahigh-carbon steel", kurz "UHC"-Stahl genannt) macht es auch
möglich, ihn im Schichtaufbau mit anderen Stählen bei Temperaturen
zwischen 600 und 800 Grad C zu verbinden und auf diese Weise besondere
Eigenschaften der Schichtwerkstoffe zu kombinieren.

Entsprechende versuche, die seit 1983 laufen und bei denen es vor
allem um optimale Verfahren zur Verbindung in Wärmebehandlung ging,
führten inzwischen dazu, daß nicht-superplastische Stähle durch Verbinden
mit superplastischem Stahl als "Kernschicht" dessen Verformbarkeit annahmen.

Zunächst wurden Flußstahl und andere niedrig gekohlten Stähle

verwendet. Dann konzentrierte sich Sherby auf Kombinationen von hochgekohltem superplastischem Stahl mit rostbeständigen Stählen. Diese sind
wegen der Legierungsanteile Chrom und Nickel weitaus teurer als gewöhnlicher Stahl.

Rostbeständiger Stahl, allein verwendet, könne nicht superplastisch
gemacht werden, erklärt Sherby. Jedoch verwendete das Team UHC-Stahl als
eine Art "Katalysator", um superplastischen und gleichzeitig rostbeständigen Stahl herzustellen. Auf einen Kern aus UHC-Stahl wurde legierter
Stahl mittels spezieller Wärmebehandlung unter Preßdruck wie eine Furnierschicht aufgebracht. Diese nimmt die Dehnungsfähigkeit des Kernmaterials an und gibt dem Produkt Rostbeständigkeit, obgleich nur zehn
Prozent der Menge von legiertem Stahl benötigt werden, die Massivmaterial
erfordern würde. Superplastischer rostbeständiger Stahl besitzt laut
Sherby alle Eigenschaften des massiven Legierungsstahls, insbesondere
dessen Korrosionsfestigkeit, und kann auch zu Werkstücken sehr großer
Dimensionen geformt werden.

* * * * * * * * * *

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