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und
Dokumentation

11

United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. Juni 1984

25
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan zu Gipfeltreffen mit Tschernenko bereit
- Pressekonferenz vom 14. Juni 1984 Sowjets müssen Haltung zur Rüstungskontrolle ändern
- Stellvertretender US-Außenminister vor dem Senat •

HINTERGRUNDMATERIAL
Shultz: Terrorismus eine Bedrohung des zivilisierten Lebens
- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß
des Repräsentantenhauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumstation als internationales Projekt
- Einladung Präsident Reagans an Freunde und Verbündete zur
Mitarbeit Ruckeishaus: "Vernünftige Ziele für Umweltschutz"
- Industriegesellschaft wird nie risikofrei existieren können -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. Juni 1984

25

REAGAN 2Ü GIPFELTREFFEN MIT TSCHERNENKO BEREIT
- Pressekonferenz vom 14. Juni 1984 -

Washington -(AD)- Auf einer Pressekonferenz in Washington am 14.
Juni 1984 äußerte sich Präsident Reagan zum Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und erklärte seine Bereitschaft zu einem Gipfeltreffen mit dem sowjetischen Staats- und Parteichef Tschernenko. Im folgenden geben wir die Eingangserklärung Reagans und Auszüge aus dem außenpolitischen Teil der Pressekonferenz wieder.

Die Eingangserklärung Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:

Heute vor einer Woche traf ich in London mit den Staats- und Regierungschefs von sechs großen demokratischen Industrienationen zu unserem
jährlichen Wirtschaftsgipfel zusammen. Wir kamen zusammen, um der Weltwirtschaft den Puls zu fühlen, um die Auswirkungen der Politik zu beurteilen, die wir während der letzten drei Jahre verfolgt haben, und um uns
weiter um die Stärkung der uns allen gemeinsamen Werte der Freiheit, des
Wohlstandes und des Friedens zu bemühen.
In der

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�In der Außenpolitik vollziehen sich Wandlungsprozesse weder schnell
noch leicht. In London waren wir uns jedoch darüber einig, daß wir uns
auf dem richtigen Weg befinden, obwohl wir uns weiterhin drängenden Herausforderungen gegenübersehen. Durch Zusammenarbeit und Festhalten an
unserer Politik haben wir seit 1981 eindrucksvolle Fortschritte gemacht.
Die westlichen Demokratien haben den Weg aus der Schwäche zur Stärke und
aus Enttäuschung und Pessimismus zu Zuversicht und Hoffnung auf eine bessere Zukunft gefunden.

Im Jahre 1981 betrug das durchschnittliche Wachstum unserer Volkswirtschaften nur 1,8 Prozent bei einer Inflationsrate von 8,5 Prozent.
Aber infolge der wirtschaftlichen Erholung und des Konjunkturaufschwungs
in den Vereinigten Staaten ist unsere durchschnittliche Wachstumsrate auf
nunmehr vier Prozent gestiegen, während die Ihflationsrate auf die Hälfte
gesenkt werden konnte.

Die Teilnehmer des Londoner Gipfels erkannten an, daß die Anstöße
des amerikanischen Konjunkturprogramms, denen wir unseren Wirtschaftsaufschwung und die Schaffung von mehr als sechs Millionen Arbeitsplätzen
im Verlaufe der letzten 18 Monate verdanken, einen wesentlichen Beitrag
zur Verbesserung der gegenwärtigen Lage der Weltwirtschaft wie auch ihrer
Zukunftsaussichten geleistet haben.

Ich habe unseren Verbündeten erneut versichert, daß Amerika unerschütterlich am Nordatlantischen Bündnis und an seiner Aufgabe des Schutzes von Frieden und Freiheit in der westlichen Welt festhält. Europa und
Amerika erfreuen sich einer nun schon fast 40jährigen Ära des Friedens.
Wenn die NATO stark und einig bleibt - und ich glaube, sie ist heute
stärker und einiger als je zuvor -, dann werden Europa und Amerika auch
weiter in Freiheit und Sicherheit leben.

Wir haben eine Stärke und Zuversicht wiedererstehen lassen, die über
die Küsten des amerikanischen Kontinents hinausgreifen bis nach Europa
und ins pazifische Becken, und wir streben darüber hinaus bessere und

- 2-

�bessere und realistischere langfristige Beziehungen mit der Sowjetunion
an. Deshalb haben wir und unsere Verbündeten so häufig die Initiative
ergriffen und Vorschläge unterbreitet, deren Ziel es war, die nuklearen
Waffenarsenale zu vermindern, chemische Waffen zu verbieten, den toten
Punkt in den Ost-West-Verhandlungen über die Verminderung konventioneller
Waffen zu überwinden, der Weiterverbreitung von Atomwaffen einen Riegel
vorzuschieben und ein Abkommen über Maßnahmen zur Verbesserung des gegenseitigen Vertrauens und zur Verminderung der Gefahr eines Überraschungsangriffs in Europa herbeizuführen.

Der Westen tut, was er kann, aber bis heute sind die Sowjets immer
noch nicht bereit, an die Verhandlungstische zurückzukehren, um die Gespräche über Kernwaffen fortzuführen. Amerikas Stellung in der Welt ist
heute wieder respekteinflößender, aber wenn wir auf dem Weg zu einer
friedlicheren Welt, in der es den Menschen besser geht, weiter voranschreiten wollen, brauchen wir die volle Unterstützung des Kongresses.
Der Kongreß muß das Modernisierungsprogramm für unsere strategischen
Waffen unterstützen, um die Stärke Amerikas zu bewahren und um die
Sowjets davon zu überzeugen, daß es in ihrem ureigensten Interesse liegt,
den Weg der Verhandlungen, nicht den der Konfrontation einzuschlagen, so
daß wir die Rüstung getrost herunterschrauben und dabei doch Frieden und
Stabilität erhalten können.

Der Kongreß muß den Empfehlungen der überparteilichen MittelamerikaKommission und den beiden ihm nun vorliegenden Ergänzungsanträgen entsprechen, um die Demokratie und die wirtschaftliche Entwicklung in dieser
für uns so lebenswichtigen Region südlich unserer Grenzen zu fördern und
um ihr zu größerer Sicherheit zu verhelfen.

Ferner muß der Kongreß ohne Umschweife unser Programm zum Abbau der
Haushaltsdefizite verabschieden, um zu gewährleisten, daß der Konjunkturaufschwung in seiner jetzigen Stärke anhält.

FRAGE; Herr Präsident, Sie weisen zwar auf das hin, was Sie getan

- 3 -

�Sie getan haben, aber dennoch meinen zwei führende Politiker der Republikanischen Partei, daß Sie noch nicht genug getan haben, und da die Gefahr
besteht, daß wir, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, uns gegenseitig in die Luft jagen, drängen diese Politiker Sie zu regelmäßigen
Gipfeltreffen mit den Sowjets ohne Vorbedingungen bezüglich der Gesprächsthemen oder Ergebnisse. Sowohl Sie als auch die Sowjets haben sich
zu einem Gipfeltreffen bereit erklärt, falls es gründlich vorbereitet
werde. Ich möchte gern wissen, wie heute der Stand der Dinge ist. Sind
Sie bereit zu einem Gipfeltreffen, um die Kugel ins Rollen zu bringen?

REAGAN; Was die beiden Senatoren angeht, so habe ich mit ihnen gesprochen, und das Ziel, das sie genannt haben, ist sicherlich wünschenswert und wird, wie ich meine, von uns allen geteilt. Darüber waren wir
uns einig, und ich haben ihnen einige der Schwierigkeiten und Probleme
dargelegt, mit denen wir zu kämpfen hatten. Ich bin jederzeit bereit, mit
der sowjetischen Führung zu Gesprächen zusammenzutreffen. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt waren die Sowjets diejenigen, die es an Resonanz haben
fehlen lassen, aber wir sind in Verbindung geblieben. Es gibt über die
Rüstungskontrolle hinaus noch eine Reihe anderer Themen, über die wir
ihnen Gespräche vorgeschlagen haben, und wir versuchen hinter den Kulissen weiter, das mit den Mitteln der Diplomatie in die Wege zu leiten.

FRAGE; Herr Präsident, verstehen wir recht, daß Sie jetzt bereit
sind, von der Meinung abzurücken, die Sie so lange vertreten haben, daß
ein Gipfeltreffen vorab sorgfältig vorbereitet sein und Aussichten auf
nennenswerten Erfolg bieten müsse?
REAGAN: Von dem Standpunkt brauche ich eigentlich gar nicht abzurücken, weil auch die Russen sagen, daß genau das gewährleistet sein müsse, bevor es ein Gipfeltreffen geben könne - sorgfältige Vorbereitung
usw. Lassen Sie mich etwas genauer erklären, worum es mir geht. In der
Vergangenheit haben sich Vertreter der freien Welt, darunter auch Vertreter unseres Landes, in einigen Fällen nur zum Zwecke des Kennenlernens
auf Gespräche mit den Sowjets eingelassen. Diese Gespräche haben zu
großen Erwartungen und schließlich zu großen Enttäuschungen geführt.

- 4 -

�Enttäuschungen geführt. Daher bin ich nicht der Meinung, daß wir uns
erneut auf so etwas einlassen sollten. Gleichzeitig spreche ich aber
nicht von einem vorab inszenierten Treffen, bei dem man nur eine Reihe
von Punkten abhakt. Wenn man sich einfach nur auf eine Tagesordnung
einigen könnte, in der ganz allgemein die Themen aufgeführt sind, von
denen man glaubt, daß ihre Erörterung zu einem besseren gegenseitigen
Verständnis führen könnte, dann würde mir das schon genügen.

FRAGE: Sir, wenn ich hier nachhaken darf: Sind Sie bereit, jetzt
Schritte zur Ausarbeitung einer Tagesordnung zu unternehmen, so daß ein
Gipfeltreffen stattfinden könnte?

REAGAN: Wir unternehmen solche Schritte. Das habe ich gemeint, als
ich von diplomatischen Aktivitäten hinter den Kulissen sprach. Ich selbst
stehe mit der sowjetischen Führung in schriftlicher Verbindung. Auf eines
möchte ich gern hinweisen: Seit ich Präsident bin, hat es drei sowjetische Staatsoberhäupter gegeben. Einen dieser Männer habe ich persönlich
kennengelernt. Der zweite war, wie wir heute wissen, in schlechter gesundheitlicher Verfassung, weil er während seiner Amtszeit praktisch für
niemanden ansprechbar war. Und der dritte ist erst einmal damit beschäftigt, eine Regierungsmannschaft zusammenzustellen. Es ist also nicht so,
als ob wir hier nur dreieinhalb Jahre herumgesessen und uns mit irgendjemandem herumgestritten hätten ... Es hat große Veränderungen gegeben
dort drüben. Aber wir sind bereit, willens und in der Lage, Gespräche
aufzunehmen.

FRAGE: Sir, in den Reden, in denen Sie in diesem Jahr über das Verhältnis zu den Sowjets gesprochen haben, haben Sie ihnen eine Friedenspalme dargeboten. Gleichzeitig haben Sie aber entweder ihr System oder
ihr Verhalten verurteilt. Wäre es nicht besser - wenn man den Dialog entweder auf Gipfelebene oder in Genf wieder in Gang bringen will - es bei
der Friedenspalme zu belassen, ohne den Sowjets gleichzeitig auf die Füße
zu treten?

REAGAN: Ich glaube kaum, daß ich entgleist bin oder mich zu reinen

�zu reinen Beschimpfungen habe hinreißen lassen. Ich habe lediglich auf
Dinge hingewiesen, die ihren Beteuerungen zuwiderlaufen, daß sie Frieden
und Zusammenarbeit wollen. Ihr Auszug bei den Abrüstungsgesprächen gehört
bei- spielsweise dazu.

FRAGE; Ich weiß nicht, ob ich der einzige bin, dem immer noch nicht
klar ist, wie es um einen amerikanisch-sowjetischen Gipfel steht. Laden
Sie Herrn Tschernenko ein, herzukommen und sich mit Ihnen zu treffen? Und
wollen Sie, daß Ihre Berater sich mit seinen Beratern zusammensetzen, um
die Vorplanung durchzuführen, die von beiden Seiten für notwendig gehalten wird?

REAGAN; Wir stehen mit ihnen wegen einer Reihe von Themen in Verbindung, von denen wir glauben, daß sie besprochen werden sollten. Alles was
ich Ihnen sagen kann, ist, daß wir im Rahmen dessen, was ich diplomatische Aktivität hinter den Kulissen genannt habe, mit den Sowjets in
Verbindung stehen und versuchen, eine Basis für Gespräche zu schaffen.

FRAGE; Ist das eine Einladung an Tschernenko?
REAGAN; Soweit sind wir noch nicht.

FRAGE; Wären Sie auch dann bereit, sich mit Herrn Tschernenko zu
treffen, wenn er seine Delegationen nicht zurück zu den Gesprächen über
nukleare Rüstungskontrolle schicken würde?
REAGAN; Ja, ich bin bereit, mich mit ihm zu treffen.

FRAGE; Herr Präsident, wenn ich mich recht entsinne, haben Sie einmal
in Bezug auf ein Gipfeltreffen gesagt, daß es zu konkreten Ergebnissen
führen müsse. Wären Sie jetzt zu einem Gipfeltreffen bereit, bei dem weder ein konkretes Abkommen, noch ein Stück Papier wie z.B. ein neuer
SALT- oder START-Vertrag, noch ein neuer Vorstoß in Richtung auf einen
SALT- oder START-Vertrag herauskommt?

REAGAN: So

�REAGAN: So etwas habe ich mir nie vorgestellt. Wie ich schon sagte,
sollte es eine Tagesordnung geben, ein Thema, das beide Seiten erörtern
und irgendwie auch regeln wollen. Das eröffnet dann die Möglichkeit, daß
etwas erreicht wird. Ich möchte meine Vorgänger nicht kritisieren, aber
Lyndon Johnson hat sich einmal auf ein Treffen nur zum Zwecke des Kennenlernens eingelassen, und weiter ist dabei nichts herausgekommen. Es hat
auch ein solches Treffen zwischen Chruschtschow und Kennedy gegeben, und
es hat nicht zum Abbau der Spannungen beigetragen oder die Lage irgendwie
verbessert. Ich meine das Treffen in Wien. Es hat die Spannungen sogar
verschärft. Solch ein Treffen ist also eine zweischneidige Angelegenheit.
Wir wollen natürlich etwas erreichen, aber wir wollen auch sicher sein,
daß wir die Lage nicht noch schlimmer machen.

FRAGE; Was ich wissen wollte, war, ob Sie zu einem Gipfeltreffen
bereit sind, das nicht zur Unterzeichnung eines Vertrags oder Abrüstungsabkommens führt?
REAGAN: Das bin ich, das habe ich hier doch schon gesagt.

FRAGE: Herr Präsident, heute erklärte ein Sprecher des Kreml: "Wir
wollen Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten über einen ganzen Fragenkomplex." Das ist gewiß etwas ganz anderes als das, was Herr
Tschernenko vorher sagte. Sehen Sie hierin eine Änderung der sowjetischen Politik oder Taktik? Gibt es hier eine rasche Veränderung in den
Beziehungen zwischen beiden Staaten?

REAGAN: Wir werden sicherlich alles tun, um das herauszufinden, denn
- wie ich schon sagte -, besteht zwischen uns Kommunikation. Und wenn
sie bereit zu Gesprächen sind, so sind wir das auch.
FRAGE: Herr Präsident, Sie sagten, sie sind bereit und willens zu Gesprächen mit den Sowjets. Aber Herr Tschernenko hat Verhandlungen über
ein Verbot von

Antisatellitenwaffen und andere Weltraumwaffen vorge-

schlagen. Können Sie uns sagen, warum - über die Tatsache hinaus, daß
Sie der Ansicht sind, es könne hier keine Verifizierbarkeit geben, wie

- 7-

�geben, wie Sie letztes Wochenende sagten - kann eine Verifizierbarkeit
denn nicht Verhandlungsgegenstand sein, wenn Sie sich erst einmal mit den
Sowjets an den Tisch setzen und über diese Waffen sprechen?

REAGAN; Es gibt hier eine ganze Reihe von Dingen, die wir prüfen.
Noch sagen wir hierzu ja nicht einfach "nein". Wir analysieren das Ganze.

Die Sowjets sind uns auf diesem Gebiet weit voraus. Sie arbeiten in

diesem Bereich seit über zehn Jahren. Und wir beginnen hier gerade mit
den Forschungen. Und ich glaube, wir haben sehr konkrete Gründe dafür,
daß wir erst einmal Wissen erlangen, bevor wir verhandeln. Aber wir haben deswegen die Tür noch keineswegs zugeschlagen.

FRAGE; Können Sie auch Berichte zur Verifizierungsfrage bestätigen,
wonach es seit 1958 beträchtliche Verletzungen aller Verträge durch die
Sowjets gegeben haben soll?

REAGAN; Wir haben dem Kongreß einen 200 Seiten starken vertraulichen
Bericht übergeben, und wir haben eine Zusammenfassung davon veröffentlicht. Der Großteil ist immer noch wegen der Gefahr des Bekanntwerdens
der Quellen geheim. Aber es ist ein Bericht über klare Verletzungen
vieler Verträge in der Vergangenheit, allerdings auch einiger Zwiedeutigkeiten - vielleicht gegründet auf Sprachschwierigkeiten oder dergleichen
-, wobei sie auf eine unterschiedliche Interpretation des jeweiligen Vertrages pochen und ihn unter diesen Umständen also nicht verletzen. Sie
tun hier also das, was ihrer Meinung nach der Vertrag vorschreibt. Aber
zwischen diesen beiden Punkten gab es Verletzungen.

FRAGE; Herr Präsident, vor Ihrem Amtsantritt sprach man davon, daß es
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion Parität bei den jeweiligen Streitkräften gebe.

Ihre Anhänger, die 1980 die republikani-

schen Thesen niederlegten, forderten militärische Überlegenheit gegenüber
der Sowjetunion. Seither gibt es etwas Verwirrung, sprachen Sie doch in
einigen Reden einmal vom Sternenkrieg und dann wieder von Parität. Wie
wird Ihrer Meinung nach bei den Republikanern über diese Frage gesprochen? Wo liegt der Weg zwischen diesen beiden Wörtern 'Überlegenheit"

- 8 -

�Wörtern 'Überlegenheit" und "Parität"?

Kl-WGAN: Meine eigene Ansicht ist, daß man über die Stärke und die
Abschreckung verfügen sollte, die notwendig ist, um im möglichen Maß
sicherzustellen, daß es keine Konfrontation gibt, denn der Preis dafür
wäre zu hoch. Gleichzeitig kann ich nur betonen, daß wir nichts lieber
hätten, als zusammen mit ihnen die Zahl der Waffen zu verringern.

Wir hatten Verhandlungen und Verträge über die Begrenzung von Waffen
und all dies, bis hin sogar zu den SALT-Verträgen.

All das hat nur das

Wettrüsten legalisiert. Es handelt sich hierbei um Begrenzungen, um Regeln und Verfahrensweisen, wie viele Waffen man noch mehr haben durfte.

Tatsache ist, daß die Sowjetunion nach Unterzeichnung des SALT IIAbkommens ihrem Arsenal fast 4000 Gefechtsköpfe hinzufügte. Das aber ist
nicht meine Vorstellung davon, was wir wirklich brauchen, um die Spannungen in der Welt abzubauen. Was wir brauchen, ist eine Verringerung und
hoffentlich eine Beseitigung der strategischen Kernwaffen.

FRAGE; Hierzu noch: Sie haben bereits mindestens zweimal gesagt, daß
wir nichts weiter als Parität anstreben. Würde daher nicht eine Wahlplattform, die hierüber hinausgeht und die Forderung nach Überlegenheit
wieder aufgreift, nicht der Sowjetunion ein falsches Signal geben?

REAGAN: Ich hätte es lieber, wenn man nicht Uberlegenheit fordern
würde, nachdem wir mit ihnen und mit anderen Ländern in zwei Verhandlungsbereichen engagiert sind, wo die Sowjets nicht aufstanden und den
Verhandlungstisch verließen. Ja, ich glaube, es könnte das Gegenteil
bewirken, wenn man jetzt so etwas fordern würde.

* * * * *

- 9-

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25

20. Juni 1984
SOWJETS MÜSSEN HALTUNG ZUR HJ STUNGSKONTROLLE ANDERN
- Stellvertretender US-Außenminister vor dem Senat -

WASHINGTON - (AD) - "Ein Erfolg in der Rüstungskontrolle wird eine
wesentliche Änderung in der Haltung der Sowjets erfordern", betonte der
Stellvertretende amerikanische Außenminister Kenneth Dam am 13. Juni
1984. Vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats wies Dam darauf hin,
daß die Sowjetunion sich trotz des amerikanischen Angebots, "auf halbem
Weg" entgegenzukommen, weiterhin weigere, den Dialog über nukleare
Rüstungskontrolle wieder aufzunehmen.
Die Ausführungen des Stellvertretenden amerikanischen Außenministers
haben folgenden Wortlaut:
Es gibt keine Frage, die für die Administration oder das amerikanische Volk von größerer Bedeutung ist, als Krieg und Frieden. Wie Präsident Reagan sagte: "Wir müssen sowohl die Freiheit verteidigen als
auch den Frieden bewahren. Wir müssen unseren Prinzipien und unseren
Freunden treu bleiben und gleichzeitig eine Katastrophe verhindern." Wir

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Telex: 8-85432

�verhindern." Wir können dieser doppelten Verantwortung nicht entgehen.
Ja, die Aufgabe, unsere Freiheit und Sicherheit zu erhalten, ist niemals
wichtiger oder komplexer gewesen als heute.
Eine gesunde nationale Sicherheitspolitik beruht auf der Überzeugung,
daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - welche Differenzen wir
auch haben mögen - ein tiefes gemeinsames Interesse haben, einen Atomkrieg und seine unvorstellbaren Folgen zu vermeiden. Zu einer nationalen
Sicherheits- politik muß auch eine feste Entschlossenheit zur Aufrechterhaltung von Ab- Schreckungsstreitkräften wie auch ein aktives Streben
nach Rüstungskontrolle zur Eindämmung des Wettbewerbs gehören.
Rüstungskontrolle ist kein Allheilmittel für unsere Probleme in der
Welt. Sie ist nur eine Facette unseres Verhältnisses zur Sowjetunion,
wenn auch eine sehr wichtige.
Man muß immer im Auge behalten, was nukleare Rüstungskontrolle
bewirken kann und was nicht. Rüstungskontrolle kann nicht:
- die Drohung eines Atomkrieges beseitigen; die Erfindung der
Kernwaffen ist nicht rückgängig zu machen;
- große Summen einsparen; die Nuklearstreitkräfte beanspruchen nur etwa
15 Prozent des Verteidigungshaushaltes;
- die Verluste oder Schäden wesentlich vermindern, sollte es zu einem
Atomkrieg kommen; schon eine kleine Zahl von solchen Waffen kann
katastrophale Schäden verursachen.
Rüstungskontrolle kann jedoch:
- die Nuklearstreitkräfte wesentlich verringern;
- wenn richtig durchgeführt - d.h., wenn die Beschränkungen zur
Entwicklung kleinerer, überlebensfähigerer und stabilerer Streitkräfte

�stabilerer Streitkräfte auf beiden Seiten ermutigen - die Stabilität
fördern und das Risiko eines Krieges vermindern.
Wir dürfen nicht vergessen, daß Fortschritt in der Rüstungskontrolle
ein Verhandeln in gutem Glauben auf beiden Seiten voraussetzt und auch
von vielen Faktoren abhängt, die über den sachlichen Inhalt unserer
Vorschläge hinaus- reichen. Wenn Rüstungskontrolle Erfolg haben soll,
müssen wir uns bemühen, die Umstände zu schaffen, die einen Erfolg
ermöglichen: Wir müssen das Gleichgewicht der Kräfte aufrechterhalten
und die Stärke unseres Bündnisses gewährleisten, während wir die
legitimen Sicherheitsinteressen unserer Gegner berücksichtigen.
Die Modernisierung unserer Streitkräfte ist ein wichtiges - und
wesent- liches - Element unseres Vorgehens zur Erhaltung des Gleichgewichts und zur Schaffung von Verhältnissen, unter denen Rüstungskontrolle gelingen kann. Wie Sie wissen, sind in den letzten zehn bis
15 Jahren die sowjetischen Militär- ausgaben in vielen lebenswichtigen
Kategorien weit höher gewesen als die uns- rigen. Das Modernisierungsprogramm des Präsidenten ist dazu gedacht, das Gleichgewicht wiederherzustellen, die Abschreckung zu stärken und die Anreize für die Sowjets zu
erhöhen, über gerechte verifizierbare Rüstungskontroll- abkommen zu verandeln. Die Modernisierung ist also ein integraler Bestand- teil unserer
nationalen Sicherheitspolitik, zu der wirksame Abschreckung wie auch
wirksame Rüstungskontrolle gehören.
Bei all den vielen Rüstungskontrollanstrengungen, die diese
Administration unternommen hat, haben wir uns von vier Zielsetzungen
lenken lassen:
- Verringerungen: Wir streben Abkommen an, die tatsächlich die
militärische Kapazität der Beteiligten durch eine wesentliche Verringerung der Waffen und Streitkräfte einschränken und sie nicht lediglich auf dem jeweiligen oder einem noch höheren Stand einfrieren.
- Gerechtigkeit:

Das Endergebnis muß ein Gleichstand oder gleich-

�oder gleichwertiger Stand der Streitkräfte auf beiden Seiten sein. Ein
Abkommen, das ungleiche Streitkräfte festschreibt, schafft Instabilität,
die das Abkommen aus den Angeln heben kann, und vergrößert auf längere
Sicht sogar das Risiko eines Konflikts.
- Stabilität: Ein Abkommen muß die Stabilität der Abschreckung in
einer Krise verbessern. Wenn die Streitkräfte beider Seiten sicher genug
sind, einen Großangriff überleben zu können, dann wird der Anreiz, im
Falle einer Krise oder Konfrontation einen Präventivschlag zu führen,
geringer. Das ist eine wichtige Aussage des Berichtes der überparteilichen Scowcroft-Kommission über die Zukunft unserer strategischen
Streitkräfte.
- Verifizierbarkeit: Schließlich müssen Rüstungskontrollabkommen
wirksam überprüfbar sein. In der Vergangenheit haben Abkommen, deren
Einhaltung nicht verifizierbar war, Mißtrauen und Argwohn hervorgerufen,
statt die Aussichten durch größere Stabilität zu fördern. Der Bericht
des Präsidenten an den Kongreß vom Januar dieses Jahres, der auf
sowjetische Verletzungen oder wahrscheinliche Verletzungen mehrerer
Rüstungskontrollabkommen hinweist, unterstreicht die Notwendigkeit
wirksamer Verifizierung.
Auf diesen vier Prinzipien aufbauend hat die Administration eine bei
spiellose Fülle von Rüstungskontrollverhandlungen auf dem ganzen Spektrum
der Sicherheitsfragen zwischen Ost und West in Angriff genommen. Im
Rahmen unserer Bemühungen, für erfolgreiche Verhandlungen günstige Umstände zu schaffen, hat die Administration die Politik eingeschlagen,
keine Maßnahmen zu treffen, die die bestehenden Abkommen über strategische Waffen unterlaufen würden, vorausgesetzt, die Sowjetunion übt die
gleiche Zurückhaltung. Dies wird auch weiterhin unsere Politik bleiben.
Lassen Sie mich jetzt zu einigen der wichtigeren Punkte kommen.

START
Das Hauptziel
- 4-

�Das Hauptziel unserer Bemühungen um eine Kontrolle der strategischen
Rüstungen besteht darin, die Stabilität zu fördern und das Risiko eines
Krieges durch wesentliche Verringerungen der amerikanischen und sowjetischen Raketenstreitmacht, vor allem der Interkontinentalraketen (ICBM),
zu vermindern. Sie sind sich hier alle darüber im klaren, daß diese
Systeme besondere Probleme mit sich bringen. Ein geringerer Verlaß auf
ICBM - vor allem große ICBM mit Mehrfachgefechtsköpfen - würde den Anreiz
für eine Seite direkt verringern, ihre Kernwaffen in einer Krise als
erste gegen Elemente der strategischen Abschreckung der anderen Seite
einzusetzen.
Der Kern unserer Position bei START ist also eine wesentliche Verringerung der Zahl von Raketengefechtsköpfen. Nach enger Konsultation
mit dem Kongreß haben wir vorgeschlagen, diese Verringerungen durch einen
sogenannten "Abbau" zu erreichen, d.h., mehr Waffen abzubauen als zu dislozieren, bis der vereinbarte Stand erreicht ist.
Darüber hinaus sind wir Besorgnissen der Sowjets entgegengekommen,
daß unsere Position eine umfassende Neustrukturierung ihrer strategischen
Streitkräfte erfordern würde. Aus diesem Grunde haben wir im vergangenen Jahr mehrere Abänderungen unseres ursprünglichen Vorschlages vorgenommen. Wir haben einen Vertragsentwurf vorgelegt, in dem die in unserem
ursprünglichen Vorschlag vorgesehenen zwei Phasen in ein einziges Abkommen zusammengelegt werden und aus dem klar und deutlich hervorgeht, daß
von Anfang an alle Systeme begrenzt werden sollen. Wir haben auch Flexibilität gezeigt und sowjetische Ideen aufgegriffen, wie die gegenwärtige
große Disparität im Wurfgewicht der Raketen abgebaut werden könnte. Und
schließlich hat der Präsident unsere Bereitschaft signalisiert, über einen Ausgleich zwischen Gebieten amerikanischen und sowjetischen Vorteils
zu verhandeln.
Das sowjetische Entgegenkommen gegenüber unseren Anliegen war im
Verlauf der fünf Verhandlungsrunden geringer, als wir gewünscht hätten,
aber die Sowjets haben einige positive Schritte getan. Obwohl unsere

�Obwohl unsere Positionen noch weit auseinanderliegen, haben die Sowjets '
ihre Bereitschaft erkennen lassen, über einige Änderungen ihrer eigenen
Trägerwaffen zu sprechen, und einige Änderungen ihrer eigenen Position
angeboten. Die Vorschläge der Sowjets zielten jedoch zum größten Teil
darauf ab, daß ihnen erlaubt würde, ihren Vorteil an Zerstörungskraft
ihrer Raketen beizubehalten und die Zahl ihrer Raketensprengköpfe sogar
noch zu erhöhen.
Wir sind der Überzeugung, daß unser Vorschlag für einen Ausgleich den
Weg für einen künftigen Fortschritt ebnen könnte. Aber leider haben die
Sowjets einen Fortschritt bei START mit der Verhinderung der Dislozierung
nuklearer Mittelstreckensysteme (INF) in Europa verknüpft. Im Dezember
vorigen Jahres weigerten sie sich, einem Datum für die Wiederaufnahme der
START-Verhandlungen zuzustimmen, offensichtlich aus Enttäuschung darüber,
daß es ihnen nicht gelungen ist, die Dislozierung von PERSHING II-Raketen und Marschflugkörpern zu verhindern. Was jetzt nötig ist, ist, daß
die Sowjets an den Verhandlungstisch zurückkehren. Das liegt ebenso in
ihrem Interesse wie in dem unsrigen.

INF
Unsere Vorschläge bei den Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) lassen unsere Verpflichtung auf das Ziel der Verringerung
der Kernwaffen noch deutlicher erkennen. Das allen bekannte Ziel des
Präsidenten bei diesen Verhandlungen war sogar noch weiterreichend als
das bei START - eine ganze Kategorie von Raketen soll auf globaler Basis
eliminiert werden. Als die Sowjetunion diesen Weg als zu weitreichend
befand, schlugen wir eine Zwischenlösung vor, durch die wir unsere geplanten Dislozierungen wesentlich verringern wollten, wenn die Sowjetunion die Zahl ihrer Raketen vom Typ SS-4, SS-5 und SS-20 auf eine
gleiche Zahl von Gefechtsköpfen verringern würde. Die Sowjets lehnten
jedoch diese Zwischenlösung ebenso ab, da jedes Ergebnis, das die Dislozierung auch nur einer einzigen amerikanischen Mittelstreckenrakete
gestatten würde, mit ihrer Politik unvereinbar ist, ein Monopol an solchen Raketen in Europa und Asien aufrechtzuerhalten. Wir haben unsere

�* haben unsere Position während des Jahres 1983 immer wieder abgewandelt,
um ausdrücklichen Besorgnissen der Sowjets bezüglich der PERSHING II,
Flugzeugbegrenzungen und globalen Einschränkungen entgegenzukommen.
Trotzdem blieben die Sowjets unzugänglich und wollten ihr Monopol an
diesen Raketen behalten. Jeder sowjetische Vorschlag verweigert den Vereinigten Staaten solche Waffen. Der letzte Vorschlag, den die Sowjets
unmittelbar vor dem Abbruch der Verhandlungen unterbreiteten, sieht eine
Verminderung der tatsächlichen oder geplanten Dislozierungen um 572 Gefechtsköpfe vor - was für sie 700 Gefechtsköpfe und für uns null bedeuten
würde.
Die Sowjetunion schrieb ihr Verlassen der Verhandlungen dem Beginn
der amerikanischen Dislozierung von INF-Flugkörpern in Europa zu. Es
gibt für diesen sowjetischen Abbruch der Verhandlungen keine Rechtfertigung. Wir haben in gutem Glauben verhandelt trotz der Tatsache, daß
während der zwei Jahre der Verhandlungen die Sowjetunion über 100 neue
SS-20-Raketen mit über 300 Gefechtsköpfen disloziert hat. Darüber hinaus
sind viele amerikanische Kernwaffen aus Europa abgezogen worden oder
werden gerade abgezogen, weil die NATO-Minister dies 1979 und 1983 beschlossen haben. Zu dem Zeitpunkt, an dem unsere INF-Dislozierungen abgeschlossen sein werden, werden für jeden neu dislozierten Gefechtskopf
mehr als fünf* abgezogen sein.
Wir sind bereit, die Verhandlungen - sowohl bei START als auch bei
INF - zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort ohne Vorbedingungen wieder
aufzunehmen. Unsere Vorschläge sind fair und praktikabel. Alle Elemente
für ein Abkommen liegen auf dem Tisch. Wir hoffen, daß die Sowjetunion
zu der Einsicht ge- langen wird, daß ihre Politik des Nichtverhandelns
und der Gegenmaßnahmen die Öffentlichkeit im Westen nicht einschüchtern
kann.

Nuklearversuche
Was die
- 7-

�Was die Begrenzung von Nuklearversuchen angeht, so hat die Administration entschieden, daß der Schwellenvertrag für Nuklearversuche von
1974 und der Begleitvertrag über friedliche Kernversuche von 1976 in
ihrer gegenwärtigen Form nicht wirklich verifizierbar sind. Bei einer
Reihe von Gelegenheiten sind wir im vorigen jähr an die Sowjets herangetreten und haben sie eingeladen, mit uns über eine Verbesserung der
Verifizierung dieser Abkommen zu sprechen. Jedes Mal hat die Sowjetunion
unser Ersuchen um solchen Gespräche abgewiesen. Wir sind weiterhin entschlossen, auf diesem Gebiet Fortschritte zu erzielen, aber unsere Bemühungen sind durch die sowjetische Haltung sehr stark erschwert worden.
Mögliche nächste Schritte in dieser Frage werden aktiv erwogen.

Rüstungskontrolle im Weltraum
Die Vereinigten Staaten haben sich seit langem der Erforschung und
Nutzung des Weltraums für friedliche Zwecke verschrieben. Wir spielten
eine führende Rolle bei der Formulierung des beachtlichen Kodex internationalen Rechts bezüglich des Weltraums. Der begrenzte Teststoppvertrag aus dem Jahr 1963, der Weltraumvertrag von 1967 und das Abkommen
über die Rettung von Astronauten sowie das Abkommen über die Rückgabe
von in den Weltraum gestarteten Objekten aus dem Jahr 1968 sind bemerkenswerte Beispiele. Die Charta der Vereinten Nationen enthält ebenfalls
Bestimmungen zugunsten des Weltraums.
Die Vereinigten Staaten wollen kein Wettrüsten im Weltraum, aber wir
un- terschatzen auch nicht die gegenwärtigen und potentiellen künftigen
Gefahren sowjetischer Antisatellitenwaffen. Die Administration hat die
Frage ernsthaft geprüft, ob Einschränkungen für Waffen oder Tätigkeiten
im Weltraum gefunden werden könnten, die gerecht verifizierbar und mit
der Sicherheit der Vereinig- ten Staaten vereinbar wären. Der Bericht
des Präsidenten über die amerika- nische Politik bezüglich einer Antisatelliten-Rüstungskontrolle, der dem Kongreß im April zugeleitet wurde,
enthält die ersten Ergebnisse dieser Studie. Wir setzen unsere Studien
auf dringlicher Basis fort, um herauszufinden, ob annehmbare Maßnahmen

�annehmbare Maßnahmen für ein Verbot oder eine Begrenzung spezieller
Waffensysteme festgelegt werden können.

MBFR
Über unsere Bemühungen hinaus, die Zahl der Kernwaffen zu verringern,
haben wir und unsere Verbündeten anhaltende Verhandlungen mit den Ländern des Warschauer Paktes über eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der konventionellen Streitkräfte in Mitteleuropa geführt. Die
Vereinigten Staaten spielen eine konstruktive Rolle, um den Bereich der
Tagesordnung bezüglich der Rüstungskontrolle zwischen Ost und West zu
erweitern und Verringerungen der konventionellen Streitkräfte auf einen
niedrigeren gleichen Stand zu erzielen. Das Haupthindernis war lange
Zeit die Diskrepanz zwischen den vom Warschauer Pakt angegebenen Zahlen
der Truppenstärke und unseren Schätzungen dieser Truppenstärke. Wir
haben erst kürzlich zusammen mit unseren NATO-Verbündeten eine neue Initiative vorgeschlagen, die darauf abzielt, dieses Problem zu lösen, und
wir hoffen, daß diese Initiative zu ernsthaften Verhandlungen über verifizierbare Verringerungen auf einen Gleichstand führen wird. Die erste
sowjetische Reaktion ist jedoch nicht ermutigend.

Chemische Waffen
Unsere größte Herausforderung auf dem Gebiet der chemischen Waffen
besteht darin, den lange bestehenden Kodex der Zurückhaltung bezüglich
des Einsatzes chemischer Waffen neu zu beleben. Die Vereinigten Staaten
wollen die totale Abschaffung chemischer Waffen.
Im April hat Vizepräsident Bush der Abrüstungskonferenz in Genf einen
Vertragsentwurf für ein umfassendes Verbot der Entwicklung, Herstellung,
Lagerung, Weitergabe und Anwendung unterbreitet. Der Vertragsentwurf
enthält ferner neuartige Verifizierungsbestimmungen, die, wie wir hoffen,
die Sowjetunion zu prüfen bereit sein wird. Wir sind der festen Über-

�festen Überzeugung, daß das Problem der chemischen Waffen eine radikale
Lösung verlangt, und wir sind zu einer solchen bereit.

Vertrauensbildende Maßnahmen
Als Ergänzung unserer Vorschläge zur Verringerung der nuklearen und
konventionellen Streitkräfte schlagen wir vertrauensbildende Maßnahmen
vor, die dazu dienen, das Risiko eines Krieges aufgrund eines Überraschungsangriffs, eines Zufalls oder einer Fehleinschätzung zu verringern. Im vorigen Jahr haben die Sowjets und wir eine Reihe von
konstruktiven Zusammenkünften über eine Verbesserung des "Heißen Drahtes", der direkten Fernmeldeverbindung zwischen Washington und Moskau,
abgehalten.
Bei den START- und INF-Verhandlungen haben wir eine Reihe von Vorschlägen gemacht hinsichtlich der Vorankündigung von Raketenstarts und
großer Manöver und einer Ausweitung des Datenaustausches über Streitkräfte.
Auf der Stockholmer Konferenz über Abrüstung in Europa streben die
Vereinigten Staaten zusammen mit ihren Verbündeten weitere Maßnahmen über
die Ankündigung und Beobachtung von militärischen Übungen an. Die
Sowjetunion hat diese Vorschläge nicht angenommen und sich statt dessen
auf eine Gewaltverzichtserklärung konzentriert. Der Präsident hat dazu
in Dublin gesagt: "Falls Verhandlungen über eine erneute Verpflichtung
auf das Prinzip des Gewaltverzichts - ein Prinzip, an das wir aus
innerster Überzeugung heraus glauben - die Sowjets dazu veranlassen
könnten, über Abkommen zu verhandeln, die diesem Prinzip eine neue und
konkrete Bedeutung verleihen würden, so wären wir gerne bereit, solche
Gespräche aufzunehmen."
Und schließlich tauschen Ost und West routinemäßig Ankündigungen von
Übungen aus, die sonst falsch gedeutet werden könnten. Wir sind der
Überzeugung, diese Praxis sollte ausgeweitet und zur Pflicht gemacht
- 10 -

�Pflicht gemacht werden.
Der Erfolg dieser Rüstungskontrollbemühungen wird letztlich von einer
Reihe von Fakten abhängen: von glaubwürdigen Abschreckungsstreitkräften,
einem starken Bündnis und einer Bereitschaft, zusammenzuarbeiten, um zu
ausgewogenen und wirksamen Abkommen zu gelangen, die das Interesse eines
jeden Landes wahren. Aber solche Umstände werden umgekehrt von den
Qualitäten abhängen, die wir als Nation an den Verhandlungstisch bringen: Geduld, Ausdauer und Einigkeit. So, wie der Zusammenhalt unter den
Verbündeten von entscheidender Bedeutung für die Position des Westens in
solchen Verhandlungen wie START und INF ist, so ist die Einigkeit in unserem eigenen Land von entscheidender Bedeutung für den Fortschritt all
dieser Verhandlungen. Wenn wir uneinig erscheinen, dann werden die
Sowjets glauben, daß sie zumindest einige ihrer Ziele auch ohne Verhandlungen, ohne Kompromisse und ohne Einschränkung ihrer eigenen Streitkräfte erreichen können. Auf der anderen Seite wird eine überparteiliche
Unterstützung unserer Rüstungskontrollvorschläge und strategischen Modernisierungsprogramme die Aussichten auf Rüstungskontrolle fördern.
Präsident Reagan hat oft von seinem Wunsch gesprochen, ein konstruktives Verhältnis zur Sowjetunion herzustellen. Seine Einstellung basiert auf einer glaubwürdigen Abschreckung, friedlichem Wettbewerb und
konstruktiver Kooperation. Leider haben die Sowjets diese Herausforderung noch nicht angenommen. Der schrille Ton jüngster sowjetischer
Erklärungen gegenüber den Vereinigten Staaten ist enttäuschend. Während
'wir bei unseren START- und INF-Vorschlägen Flexibilität gezeigt und immer
wieder gesagt haben, daß wir den Sowjets auf halbem Weg entgegenkommen
wollen, wenn sie nach Genf zurückkehren, weigern sie sich noch immer,
den Dialog über nukleare Rüstungskontrolle wieder aufzunehmen. Ein Erfolg der Rüstungskontrolle wird eine wesentliche Änderung in der Haltung
der Sowjets erfordern.
Wir bringen weiterhin unsere Bereitschaft zum Ausdruck, diese Verhandlungen zu jeder Zeit ohne Vorbedingungen wieder aufzunehmen. Wir
haben nicht die Absicht, unsere grundlegenden Ziele der Verringerung,
- 11 -

�der Verringerung, Gleichheit, Stabilität und Verifizierung zu opfern.
Aber wir müssen einsehen, daß es mehr als einen Weg geben mag, um diese
Ziele zu er- reichen, und der Präsident hat klar gesagt, daß unsere
Einstellung flexibel ist. Wir stehen bereit; wir haben den ersten
Schritt getan. Jetzt liegt es an den Sowjets zu antworten.

* * * * *

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Hintergrund-

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

25

20. Juni 1984

SHULTZ: TERRORISMUS EINE BEDROHUNG DES ZIVILISIERTEN LEBENS
Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß
des Repräsentantenhauses -

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß
des Repräsentantenhauses am 13. Juni 1984 in Washington nannte Außenminister
Shultz den internationalen Terrorismus eine Bedrohung des ziviliserten Lebens
und unterstrich, daß "der Präsident und der Kongreß es diesem Land schuldig
(sind), alles Notwendige zu tun, um unser Volk, unsere Interessen und unsere
Grundprinzipien zu schützen".
Die Erklärung des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Ich begrüße diese Gelegenheit, mit Ihnen über das Problem des internationalen Terrorismus sowie die Herausforderung zu sprechen, die er für unser
Land darstellt. Dieses Thema wurde auf dem jüngsten Gipfeltreffen in London
von den Staats- und Regierungschefs sowie von ihren Außenministern eingehend
behandelt. Am 9. Juni wurde eine Erklärung herausgegeben, die Ihnen meine Mitarbeiter zur Verfügung gestellt haben. In dieser Erklärung brachten die Führer
ihre Entschlossenheit zum Ausdruck, diese Drohung mit allen zur Verfügung ste-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen, die vorhandenen Möglichkeiten zu
stärken und wirksame neue zu entwickeln."

Einer der Punkte dieser Erklärung

forderte alle Staaten dazu auf, bestehende Lücken ihrer Gesetzgebung zu schließen.

Und dies ist auch einer der Gründe dafür, daß ich heute hier erscheine.

Zunächst möchte ich jedoch das Problem mit Ihnen im allgemeinen behandeln und
darlegen, warum es dem Präsidenten und mir wachsende Sorge bereitet.
Der Terrorismus ist seit 1968, als unser Botschafter in Guatemala ermordet wurde, zu einem immer größeren Problem geworden.

1979 erreichte die Zahl

der Terroranschläge ihren Höhepunkt.und seither hat sich hinsichtlich der Anzahl derartiger Ereignisse nicht allzu viel geändert.

1983 gab es über 500

Anschläge internationaler Terroristen, über 200 davon gegen die Vereinigten
Staaten.

Dies aber war nur die Spitze des Eisberges, denn es gab zumindest

ebenso viele Drohungen und blinden

Alarm.

Dadurch schafft man auf billige

Weise eine Atmosphäre der Furcht,und dadurch wird eine beträchtliche Menge unserer Mittel wie auch jener unserer Gastregierungen gebunden.

Darüber hinaus

gibt es noch die nationalen und innnenpolitischen Terrortätigkeiten, die wahrscheinlich noch um das Hundertfache das übersteigen, was wir als den internationalen Terrorismus definieren.
Dieses Problem läßt sich nicht auf ein bestimmtes geographisches Gebiet
eingrenzen. Glücklicherweise gibt es in den Vereinigten Staaten selbst relativ
wenige Vorkommnisse - das Problem für die Vereinigten Staaten liegt hauptsächlich in anderen Regionen der Welt. Die meisten Vorkommnisse insgesamt und gegen die Vereinigten Staaten ereignen sich in Europa, gefolgt von Lateinamerika
und dem Nahen Osten.
Warum machen wir uns solche Sorgen?

Hier eine kurze Zusammenfassung:

- 1983 wurden durch Terroranschläge mehr Amerikaner getötet und verwundet
als in den 15 vorausgegangenen Jahren, für die es Belege gibt.
- Die Anschläge

- 2 -

�- Die Anschläge des Jahres 1983 waren einzigartig im Ausmaß ihrer Gewalttätigkeit.

Für uns waren die schlimmsten Tragödien die Zerstörung un-

serer Botschaft und der Kaserne der Marines in Beirut sowie unseres Botschaftsannexes in Kuweit.

Aber wir waren nicht die einzigen Opfer.

Es

gab den Bombenanschlag bei Harrods in London, die Bomben im Flughafen Orly
in Paris, die Ermorderung von vier südkoreanischen Kabinettsmitgliedern in
Rangoon, die Zerstörung eines Flugzeuges der Emirate durch eine Bombe und
auch noch andere.
- In enger Zusammenarbeit mit der zunehmenden Gewalt steht die willkürliche
Einbeziehung von Unschuldigen - von Menschen, die in keinster Weise mit
der Verursachung oder der Verschlechterung der von den Terroristen angeklagten Mißstände zu tun haben.
- Ursache wachsender Besorgnis ist die umfangreiche Reisetätigkeit der
Terroristen außerhalb ihrer eigenen Länder und Regionen, um im Ausland
Terrorakte zu begehen.

Auch hier sagen uns nachdrichtendienstliche Erkennt-

nisse, daß dies in besonderer Weise für den Nahen und Mittleren Osten, für
Europa und Lateinamerika gilt, wobei die Berichte von verstärkter Reisetägigkeit in die Vereinigten Staaten

sprechen.

Und wir wissen auch, daß

einige Amerikaner die terroristische Aktivität anderer Staaten und Gruppen
unterstützen.
- Am beunruhigendsten ist jedoch, in welchem Umfang die offiziellen Vertretungen von Staaten an terroristischen Akten beteiligt sind.

1983 kam

es zu über 70 Vorfällen, bei denen staatliche Unterstützung oder Beteiligung in beträchtlichem Maß erkennbar war.

Der Terrorismus - bislang eher

ein Zufallsprodukt isolierter Gruppen oder lokaler Fanatiker - ist mittlerweile zu einer Methode der Kriegsführung geworden.

Und dies umso mehr,

weil diese Art des Krieges nicht erklärt und sogar - wenn auch nicht immer - abgeleugnet wird.
- Etwa 40 Prozent

�- Etwa 40 Prozent aller Vorfälle sowie ein großer Teil aller Drohungen
und Falschalarme zielen auf die Vereinigten Staaten - auf unsere Diplomaten, auf die Angehörigen unserer Streitkräfte, auf Geschäftsleute und
andere Amerikaner.
Wir stehen hier vor einem Problem von großer und wachsender Bedeutung.
Das Problem zeigt sich nicht nur in den grausamen Statistiken, sondern auch
durch die Drohung, die der Terrorismus für das zivilisierte Leben darstellt.
Das Hauptziel der Terroristen sind nicht nur einzelne Menschen,sondern das
grundlegende Interesse und die Werte der Demokratien.

Es handelt sich hier um

eine Form der Kriegsführung auf niedriger Ebene, die hauptsächlich auf die westlichen /Nationen und Institutionen sowie deren Befürworter und Verbündete abzielt.
Wir sind die Ziele, weil unser Glaube an die Rechte des Einzelmenschen ein Hindernis für jene bildet, die ihren Willen anderen aufoktroyieren wollen.

Und

gerade weil die demokratischen Nationen die Rechte des einzelnen achten und die
offensten und aufgeschlossensten Gesellschaften haben, sind sie gegenüber den
Terroristen so verletzlich.

Ziel der Terroristen ist es, Anarchie und Unord-

nung zu schaffen, denn ihre Hoffnung ist es, aus dieser Unordnung heraus Furcht
zu verbreiten, Regierungen zu diskreditieren, die Gesellschaften zu demoralisieren oder die Politik eines Staates zu verändern.
Was tun wir dagegen?
- Wir arbeiten mit unseren engsten Verbündeten zusammen, um einen Konsens
darüber zu entwickeln, wie wir mit dem internationalen Terrorismus und
den Sicherheitsproblemen fertigwerden können, die er uns stellt. Der
Konsens, enthalten in der Londoner Erklärung vom 9. Juni, ist ermutigend.
Auf früheren Gipfeltreffen der Sieben haben wir spezielle Fragen wie die
Entführung von Flugzeugen und den Schutz unserer Diplomaten besprochen.
In diesen Bereichen haben wir auch erheblichen Fortschritt zu verzeichnen.
Diesmal aber diskutierten wir über das grundlegende politische Problem
von Staaten, die am Terrorismus beteiligt sind,und stellten den internationalen Charakter des Problems fest. Wir erkannten auch, daß es in

- 4 -

�daß es in unseren jeweiligen Ländern Lücken in der Gesetzgebung zur Bekämpfung des Terrorismus gibt.
- Die heute vor dem Kongreß anstehenden Gesetzesvorlagen werden in bezug
auf die Vereinigten Staaten nicht all jene Lücken füllen, aber doch einige von ihnen. Teil unserer Gesetzesvorschläge sind zwei internationale
Konventionen, denen der Senat bereits zugestimmt hat und die nunmehr verabschiedet werden sollen.

Beide sind nicht sehr kontrovers,und es ist da-

her Zeit, daß es zu ihrer Verabschiedung kommt.

Die beiden anderen, die-

sem Ausschuß vorliegenden Gesetze beziehen sich auf rechtliche Bereiche,
wo wir der Meinung sind, daß gesetzliche Verbesserungen uns beim Kampf
gegen den Terrorismus unterstützen können.

Wir begrüßen diese Gelegen-

heit, mit dem Kongreß darin zusammenzuarbeiten, die bestmöglichen gesetzgeberischen Antworten auf die komplexen Fragen zu finden, die uns der Terrorismus stellt.

Der Gesetzentwurf hinsichtlich Ausbildung und Ausrüstung

der entsprechenden Dienststellen wurde beträchtlich modifiziert, um den Einwänden des Kongresses Rechnung zu tragen.

Mr. Trott vom Justizministerium

ist bereit, dies mit Ihnen im einzelnen zu besprechen.
- Wir arbeiten in dieser Administration daran, die ganze Bandbreite der
zur Verfügung stehenden Optionen zu überprüfen und anzuwenden.

Wir ha-

ben keine einzelne Antwort,von der wir meinen, sie könnte für immer
tionieren.

funk-

Wir müssen daher das Problem an vielen verschiedenen Fronten

angehen:
- Wir haben uns innerhalb der Exekutive besser organisiert, um mit diesen
Problemen fertigzuwerden. Innerhalb des Außenministeriums wurde die Verantowrtung für Politik, Planung und Operationen hinsichtlich dieser Fragen im Amt des Staatssekretärs für Management zusammengefaßt. Politik und
Planung für das Ministerium ebenso wie für die Regierung im allgemeinen ist
Aufgabe des Direktors des Büros für Terrorbekämpfung und Notstandsplanung,
während für die Operationen selbst das Sicherheitsamt zuständig ist.
- Wir haben

�- Wir haben für das Sammeln von nachrichtendienstliche;n Material mehr Mittel
zur Verfügung gestellt und die Zusammenarbeit mit anderen Regierungen verstärkt.

Auch unsere Verfahren zur Information unserer Posten im Ausland

hinsichtlich möglicher Drohungen und der Analyse ihrer Sicherheitsprobleme
haben wir verfeinert.

Wir sind der Überzeugung, daß dieses Verfahren nun-

mehr weit besser funktioniert.

Dennoch meine ich, daß noch mehr zu tun

ist.
- Wir haben die Ausbildung intensiviert und veranstalten Übungen für unser
Personal im Ausland hinsichtlich der Arten von Terroranschlägen, mit denen
sie zu rechnen haben könnten.

So haben wir zum Beispiel beim Institut

für den auswärtigen Dienst den entsprechenden Kursen weiteres Material hinzugefügt, wie man sich in derlei Situationen zu verhalten hat.
- Der Kongreß stimmte im vergangenen Jahr einem Programm zu, das es uns
ermöglicht, ausländisches Sicherheitspersonal dafür auszubilden, wie es
mit Terroanschlägen fertigwerden kann.
Programm in die Tat umzusetzen.

Wir sind derzeit dabei, dieses

Obgleich dieses Programm dazu dienen soll,

anderen Regierungen dabei zu helfen, mit diesem Problem in dem Maß fertigzuwerden, in dem sie davon betroffen sind, so dürfte es auch die Reaktion
anderer um ein Beträchtliches verbessern, wenn umgekehrt wir bei einem unserer Posten Hilfe brauchen.
- Bei allen unseren Posten, die vor einer besonderen Bedrohung stehen, führen wir Programme zur Verstärkung der Sicherheit durch. Unser Dank gilt
der konsequenten Unterstützung, die wir bei dieser Bemühung von diesem
Ausschuß erhalten.
- Wir haben außerdem Schritte unternommen, um unsere Fähigkeit zur Reaktion
auf Vorfälle im Ausland zu verbessern. Es stehen nunmehr Teams für Unterstützungsaufgaben bei Krisenbewältigung, bei Sicherheits-, Kommunikationsund anderen Fragen bereit.
- Die Zusammenarbeit
- 6 -

�- Die Zusammenarbeit anderer Regierungen hängt oft davon ab, wieviel Bereitwilligkeit wir hinsichtlich der Sicherheitsprobleme ihrer diplomatischen
Vertretungen hier in den Vereinigten Staaten zeigen.

Der Kongreß hat den

entsprechenden Gesetzen zugestimmt, die sicherstellen, daß wir über ein umfassendes Programm zum Schutz ausländischer Diplomaten nicht nur in
Washington und in New York, sondern auch an anderen Orten der Vereinigten
Staaten verfügen.

Wir bemühen uns auch beim derzeitigen Haushalt um Mit-

tel für dieses Programm.
- Schließlich bemühen wir uns auch intensiv um eine verstärkte Möglichkeit
zur Verhinderung von Anschlägen gegen unsere Interessen im Ausland. Die
Erklärung des Londoner Gipfels sprach unter anderem von "engerer Kooperation und Koordination zwischen Polizei und Sicherheitskräften sowie anderen relevanten Organisationen insbesondere in bezug auf den Austausch
von Information, nachrichtendienstlichem Material und technischem Wissen."
Die Regierung der Vereinigten Staaten selbst prüft auch weiterhin alle Mittel und Wege, um in Einklang mit dem herrschenden Recht alle möglichen
terroristischen Bedrohungen abzuschrecken oder im Vorgriff zu verhindern.
Die Ihnen vorliegenden Gesetzesentwürfe stellen bescheidene, aber notwendige Schritte dar.

Es handelt sich um notwendige Schritte, weil das Problem

nicht von selbst verschwindet:

Sicherlich werden Sie hier nicht zum letztenmal

von dem Problem des Terrorismus gehört haben.
Aber wir brauchen Ihre Hilfe.

Der Präsident und der Kongreß sind es die-

sem Land schuldig, alles Notwendige zu tun, um unser Volk, unsere Interessen
und unsere Grundprinzipien zu schützen.

+ + + + +

- 7 -

�20. Juni 1984

25

RÄJMSTATION ALS INTERNATIONALES PROJEKT

- Einladung Präsident Reagans an Freunde und Verbündete zur Mitarbeit -

- (AD) - Die auf dem Wirtschaftsgipfel in London vertretenen Länder
lud Präsident Reagan ein, sich an dem Projekt zum Bau einer permanenten
bemannten Raumstation zu beteiligen. Er bezeichnete die Einladung als
Symbol der Kooperation, die zwischen den Partnerländern bei der friedlichen Nutzung des Weltraums bestehe. Gemeinsam mit befreundeten und
verbündeten Ländern wollten die Vereinigten Staaten die Raumstation errichten, die als internationale Einrichtung von allen Nationen benutzt
werden solle, um dort zu arbeiten und zu lernen.

In einer am 9. Juni

1984 in London vom Weißen Haus vorgelegten Informationsschrift sind eine
Anzahl von Punkten im einzelnen behandelt. Sie hat folgenden Wortlaut:

Die Gipfelkonferenz ist ein wichtiger und konstruktiver Schritt im
Prozeß der Entwicklung sich ergänzender internationaler Programme auf dem
Gebiet des Raumstation-Projekts. Die Vereinigten Staaten heißen die Länder willkommen, die überzeugt sind, daß die Beteiligung an der Raumsta-

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Raumstation für alle von Vorteil sein werde.

Im Januar dieses Jahres legte US-Präsident Ronald Reagan sein Land
darauf fest, bis Anfang der neunziger Jahre eine ständig besetzte Raumstation zu entwickeln, um den nichtmilitärischen und kommerziellen Erfordernissen der USA im Weltraum gerecht zu werden. Gleichzeitig lud er
die Freunde und Verbündeten Amerikas ein, sich an dem Programm zu beteiligen. Eine solche Raumstation wäre weit bis in das 21. Jahrhundert das
Zentrum für Weltraumaktivitäten der freien Welt, und internationale Zusammenarbeit bei diesem Programm stellte ein gut sichtbares Symbol für
den Glauben an die Zukunft und die Verpflichtung der Gipfelnationen zur
Zusammenarbeit dar. Sie wäre auch eine praktische Demonstration der führenden Rolle der freien Welt durch Kooperation. Präsident Reagan hat
eine Partnerschaft auf lange Zeit in der friedlichen Nutzung des Weltraums vor Augen - eine permanente, voll und ganz internationale Raumstation, die von den Vereinigten Staaten zusammen mit ihren Freunden und
Verbündeten gebaut wird und von allen Nationen als eine Einrichtung genutzt wird, wo man arbeiten und lernt.

In der Einladung des Präsidenten zu internationaler Zusammenarbeit
spiegelt sich die lange Geschichte produktiver internationaler Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung des Weltraums, ebenso wie das hohe
Niveau technologischer Entwicklung in den Raumfahrtprogrammen der Gipfelnationen. Die Beteiligung an der Raumstation wird allen Partnern die
Möglichkeit geben, die Vorteile dieses wichtigen neuen Unternehmens wahrzunehmen. Neben den indirekten Vorteilen aus der Entwicklung von Technologien, welche z. B. neue Anwendungsmöglichkeiten für erdgebundene Aktivitäten aufzeigen können, neue Arbeitsplätze schaffen und die Wirtschaft
beleben und junge Menschen anregen, sich mit Naturwissenschaften und
Technik zu befassen, eröffnet die Raumstation Chancen für die verstärkte
zivile und kommerzielle Nutzung des Weltraums. Zum ersten Mal ist permanent eine technische Einrichtung verfügbar, mit der langfristig wissenschaftliche Forschungen und Beobachtungen in der Erdumlaufbahn betrieben
werden können. Die Produktion im Weltraum und der Zusammenbau großer
Strukturen wie Antennen für Kommunikationszwecke werden mit Hilfe einer

�Hilfe einer ständig besetzten Raumstation möglich. Auch könnten in Zukunft noch ehrgeizigere Projekte wie z. B. die weitere Erforschung des
Mondes sowie die Erforschung anderer Himmelskörper im Sonnensystem durch
Astronauten in Angriff genommen werden.

Auf Wunsch Präsident Reagans besuchte James M. Beggs, der Chef des
US-Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA), im März dieses Jahres die Teilnehmerstaaten der Gipfelkonferenz. Er traf mit hochrangigen Politikern
und Spezialisten zusammen, um ausführlich über die amerikanische Entscheidung für den Bau einer Raumstation zu berichten und jeder Regierung
die persönliche Einladung des Präsidenten, sich an dem Programm zu beteiligen, zu überbringen. Diese Konsultationen bereiteten Verhandlungen den
Boden, die aufgenommen werden, sobald sich die einzelnen Länder zur Teilnahme an dem Programm entschlossen haben. Die Vereinigten Staaten sind
an der Entwicklung dauerhafter Beziehungen zu internationalen Partnern
interessiert - an Engagements zur Beteiligung an der Nutzung und am Betrieb der Station sowie an ihrer Entwicklung. Bevorzugten Zugang erhielten jene Länder, die im Entwicklungsstadium wichtige Investitionen
leisten. Beggs hob hervor, daß ein Einstieg in das "Programm Raumstation" bis Anfang 1985 wünschenswert sei, wenn internationale Partner
die Auslegung der Station mitgestalten wollen. Nach diesem Termin liege
das Konstruktionsschema fest, so daß alle späteren Zusatzwünsche diesem
angepaßt werden müßten.

Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, mit einem Kostenaufwand von
schätzungsweise acht Milliarden Dollar eine funktionelle, jedoch bescheidene Raumstation zu bauen. Sie ist von vornherein auf Erweiterung angelegt, weil selbst in diesem frühen Stadium eine Reihe von Anbauten absehbar sind.

Internationale Beteiligung an der Entwicklung der Station

könnte die Entwicklung solcher Vergrößerungssegmente schon in einem frühen Stadium ermöglichen, was die Leistungsfähigkeit der Raumstation im
Interesse aller Benutzer erhöhen würde.

Das Konzept sieht eine bemannte Basis in einer zur Äquatorebene nur
wenig geneigten Bahn sowie zwei dazugehörige unbemannte Plattformen vor.

�Plattformen vor. Die Besatzung soll aus sechs bis acht Mann bestehen.
Neben Wohn- und Arbeitszellen sind Versorgungsausrüstungen (für elektrischen Strom, Heizung und Temperaturregelung, Lagesteuerung und Datenverarbeitung) erforderlich, dazu Vorratsbuchten und KoppelVorrichtungen
zum Andocken des Raumtransporters. Dieser wird als Transportvehikel zur
Raumstation und zu rück zur Erde benutzt. Er schafft auch die Segmente
heran, aus denen die Station im Orbit zusammengebaut werden wird.
Schichtwechsel für die Besatzung soll nach jeweils drei bis sechs Monaten
erfolgen, auch für die Nachschubversorgung sind diese Intervalle vorgesehen. Die Arbeit auf der Station spielt sich sowohl in Druckzellen auf
der Basis als auch auf den frei fliegenden Plattformen ab, die jedoch
nicht über Druckzellen verfügen. Die Labors in der Station, auch "Arbeitsmodul" genannt, ermöglichen die Durchführung wissenschaftlicher
Forschungs- und technischer Entwicklungsaufgaben durch Mitglieder der
Besatzung. Auf den unbemannten Plattformen werden austauschbare Apparaturen für Arbeitsprozesse installiert, die praktisch störungsfrei ablaufen müssen und vor Einflüssen von Aktivitäten auf der Basis selbst
(z. B. Verschmutzung) geschützt werden müssen.

Die Vorteile, die eine bemannte Raumstation bietet, sind ungemein
vielfältig. Sie erlaubt z. B. eine umfassende kommerzielle Nutzung
außerirdischer Umweltbedingungen, zu denen die Wirtschaft auf der Erde
derzeit keinen Zugang hat. Diese Möglichkeiten ergeben sich, weil die
Raumstation menschliche Tätigkeit mit unbegrenzter Verbleibdauer im Orbit, modernsten automatischen Systemen und der Fähigkeit verbindet, in
der Erdumlaufbahn zu montieren und zu reparieren.

Die Herstellung von Materialien und chemischen Präparaten wie pharmazeutischer Substanzen höchster Reinheit, die unter irdischen Bedingungen
nicht produzierbar sind, wird dort in kommerziellem Maßstab möglich.
Viele solche Prozesse laufen nicht automatisch ab. Vielmehr verlangt der
geregelte Fortgang in bestimmten Stadien das Eingreifen des Fachmanns.
Übrigens stehen in der Raumstation auch Mietplätze für wechselnde Nutzlasten und Instrumente für kommerzielle Projekte im Weltraum zur Verfügung.

Die Raumstation

�Die Raumstation dient als permanente Basis für eine effiziente Bedienung, Wartung und Reparatur unbemannter Plattformen und Satelliten, die
kommerziellen und wissenschaftlichen Zwecken dienen. Dies erhöht die aktive Lebensdauer dieser kostspieligen Geräte und gibt die Möglichkeit,
mit fortschreitender technischer Entwicklung schon in Gebrauch befindliche Systeme weiter zu modernisieren. Diese Leistungsfähigkeit im Verein mit Flexibilität basiert z. T. auf der Tatsache, daß für einzelne Arbeiten erforderliche Ausrüstungen nicht erst in jedem Fall mit dem Raumtransporter herangeschafft werden müssen. Außerdem wird die Raumstation
als Basis dienen, um große Strukturen wie Antennen, Teleskope für astronomische Aufgaben und Satelliten im Orbit zu montieren und durchzuprüfen,
ehe sie im Weltraum abgesetzt und aktiviert werden.

Die Forschung in allen Teilnehmerländern wird von der Raumstation
profitieren.

Sie gibt die Möglichkeit, Forschungsprojekte auf zahl-

reichen Gebieten, u.a. der Astrophysik, der Geologie, Geophysik und
anderer Geowissenschaften samt Anwendungstechniken, von Biologie und
Medizin, Astronomie, Materialgewinnung und -Verarbeitung sowie der Kommunikationstechnik, vom Weltraum aus durchzuführen.

Forschung und Technik in Verbindung mit der Raumstation könnten
außerdem wichtige Beiträge zur Vorbereitung künftiger bemannter Weltraumexpeditionen leisten. Somit würde, längerfristig gesehen, die Raumstation den notwendigen ersten Schritt und ein Basislager für die Errichtung einer ständigen Mondbasis, für eine bemannte Mission zum Mars, für
eine Expedition zur Erforschung von Asteroiden, für eine bemannte Forschungs- und Kommunikationsstation im geostationären Orbit (d.h. 36 000
km über dem Äquator) oder für einen ganzen Komplex modernster wissenschaftlicher und industrieller Anlagen in niedriger Erdumlaufbahn darstellen. Darüber hinaus diente sie als Startbasis für künftige unbemannte Missionen, um beispielsweise unbemannte Geräte auf Planeten abzusetzen und mit Bohr- und Luftproben zurückkehren zu lassen.

* * * * *

- 5-

�25

20. Juni 1984

RJCKELSHÄJS: "VERNJNFTIGE ZIELE RJR UMWELTSCHJTZ"
Industriegesellschaft wird nie risikofrei existieren können

- (AD) - In den ersten zehn Jahren des Bestehens der 1971 geschaffenen
amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency)
verminderten sich in den USA Staubemissionen um 53 Prozent, die Emission von
Schwefeloxiden (die weitgehend für sauren Regen verantwortlich gemacht werden) um 21 Prozent und von Kohlenmonoxid um 20 Prozent. Außerdem gingen
seit der Einführung von bleifreiem Benzin im Jahr 1975 die Bleikonzentrationen in der Luft (bis zum Jahr 1982) vielerorts um 64 Prozent zurück.
Diese Statistiken zeigten, so erklärte kürzlich EPA-Chef William D.
Ruckeishaus, daß bei vorgegebenen "vernünftigen Zielen auch vernünftige
Fortschritte zu erreichen sind."

Viele Leute sträubten sich dagegen, Umweltprobleme als unterschiedliche
und veränderliche Fragen zu betrachten und zu behandeln. Beispielsweise sei
es bei toxischen Stoffen - ob in der Form von Produkten, Emissionen oder
Giften im Sickerwasser von Deponien - nicht möglich, ganz allgemein von
einer noch zulässigen Dosis oder einem Sicherheitsspielraum zu sprechen.
Vielmehr müsse man hier je nach Sachlage Risiken abwägen.

"Viele mögen das

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�mögen das nicht", meinte Ruckeishaus. Sie forderten als Ziel das "NullRisiko". Das aber sei in einer Industriegesellschaft nicht erreichbar.
Jedoch könne und müsse alles daran gesetzt werden, die Risiken deutlich zu
verringern.

"Den Umfang dieser Reduzierung festzulegen...und der Öffent-

lichkeit klarzumachen, wie der so gewonnene Schutz mit anderen sozialen und
wirtschaftlichen Werten im Gleichgewicht gehalten werden kann, ist heute ein
wichtiger Teil der Aufgaben unserer Behörde", erklärte Ruckeishaus.

Auch bei dem Problemkomplex "saurer Regen", der ja nicht nur in den
Vereinigten Staaten, sondern - teilweise sogar noch viel stärker als dort in Mittel- und Nordeuropa sowie in Kanada Sorgen bereitet, muß ein vernünftiges Verhältnis zwischen Gegenmaßnahmen und Kosten gefunden werden. So sei
es laut Ruckeishaus dringend notwendig, erst einmal die wissenschaftlichen,
technischen und administrativen Fragen im Zusammenhang mit Gegenmaßnahmen
besser zu verstehen, ehe man ein kostspieliges Programm zur Kontrolle des
sauren Regens anlaufen läßt. Aus Kanada, einigen europäischen Ländern, von
zahlreichen Umweltschutz-Gruppen und manchen Abgeordneten des US-Kongresses
wird dem entgegengehalten, daß, wie S. David Freeman vom Direktorium der TVA
(Tennessee Valley Authority) kürzlich sagte, "saurer Regen verbreitet Schädigungen hervorruft...Sie könnten leicht irreversibel werden, wenn die Bundesregierung nicht handelt."

Der erhöhte Säuregrad in Regen, Schnee, Nebel und sogar von Staubablagerungen wird durch den Ausstoß bestimmter chemischer Verbindungen, insbesondere Schwefeldioxid aus Kohlekraftwerken und Stickstoffoxiden aus
Autoabgasen verursacht, die sich in der Luft unter der Einwirkung verschiedener Faktoren verändern. Strömungs- und Zirkulationsvorgänge in der Atmosphäre lassen "sauren Niederschlag" häufig weit entfernt von der Quelle der
Schadstoffe zur Erdoberfläche gelangen. Es ist erwiesen, daß übersäuerte
Gewässer den Tod von Fischen und anderen Lebewesen bedeuten und daß durch
Niederschlag übersäuerte Böden die Produktivität von Äckern, Plantagen und
Wäldern verringern. Auch scheint saurer Regen Schwermetalle wie Quecksilber
und Blei, deren Vorhandensein im Boden natürliche Ursachen hat, zu mobilisieren, so daß u.a. Trinkwasser damit verunreinigt werden kann. Für das
Blattwerk der Bäume ist saurer Regen unmittelbar schädlich, an Bauwerken und
anderen Materialien werden Zerstörungsprozesse ausgelöst oder beschleunigt.
- Das Problem -

�- Das Problem -

In Nordamerika werden durch sauren Regen die größten Probleme in den
nordöstlichen Bundesstaaten der USA und im Südosten Kanadas verursacht. Es
sind Gebiete, zu denen unter der meist vorherrschenden Windrichtung Schadstoffe aus weit entfernten Emissionsquellen gelangen. Einem Bericht des
US-Senats von 1984 zufolge gilt als "Hauptquelle saurer Verbindungen...die
Verbrennung fossiler Brennstoffe, vor allem von Kohle." Der Kohleverbrauch
von Kraftwerken in den Vereinigten Staaten nahm von 1951 bis 1981 um mehr
als 450 Prozent zu.

Zwar seien die Schwefeldioxid-Emissionen, so der

Bericht, nach einem rapiden Anstieg in den fünfziger und sechziger Jahren in
den siebziger Jahren beständig geblieben oder sogar zurückgegangen. Jedoch
werde, solange es kein umfassendes Kontrollprogramm gebe, kurz- und mittelfristig wieder mit einem wenn auch weniger krassen Anstieg der Konzentrationen gerechnet. Jede Art von Kontrollprogramm für sauren Regen "bedeutet
eine große Investition für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft unseres
Landes", erklärte Ruckeishaus Ende April 1984 vor einem Kongreßausschuß.
Deshalb seien "spezielle Kenntnisse, wie und wo ein solches Programm ansetzen müsse, wie unfangreich es sein soll und was davon zu erwarten ist,
ganz entscheidend, um die kluge und vernünftige Durchführung einer solchen
Investition zu gewährleisten."

- Bisherige Kontrollmaßnahmen -

Man versuchte, durch Umstellung auf Kohle mit niedrigerem
Schwefelgehalt, Waschen von Kohle vor dem Verfeuern und durch den Einbau von
Filteranlagen zur Reinigung der Abluft die Emission von Schwefeldioxid zu
verringern.

Seit 1982 bemühen sich Kongreßabgeordnete um gesetzgeberische

Maßnahmen zur Kontrolle von saurem Regen.

Im April 1984 stimmte ein Senats-

ausschuß einer Gesetzesvorlage zu, derzufolge bis 1995 in einer 31 Bundesstaaten umfassenden Region der Ausstoß von Schwefeldioxid um zehn Millionen
Tonnen pro Jahr verringert werden müßte. Jedoch besteht zum gegenwärtigen
Zeitpunkt wenig Aussicht, daß solche Vorschläge Gesetzeskraft erlangen.
Hauptpunkt für

- 3 -

�Hauptpunkt für die Gegner von Kontrollmaßnahmen ist die Kostenfrage.
Einige Vorschläge sehen vor, daß die Verursacher, d.h. die Kraftwerksgesellschaften und somit deren Kunden, für die Kosten zur Verbesserung der
Abluft aufkommen. Anderen Vorschlägen zufolge sollen die Kosten auf alle
Stromabnehmer in den USA umgelegt werden.

Zahlreiche Gruppen von Versor-

gungsbetrieben behaupten, die Kosten seien untragbar, während Gruppen von
Umweltschützern sie für vernünftig halten.

Eine der weniger kostspieligen Alternativen wäre die Umstellung auf
schwefelarme Kohle. Jedoch fürchten die Bergwerksunternehmen in den nördlichen Appalachen und im Mittelwesten, wo sich in erster Linie die Gruben
mit stark schwefelhaltiger Kohle befinden, daß dadurch eine Welle verbreiteter Arbeitslosigkeit ausgelöst wird. Ein Kongreßbericht von 1984 stellt
fest, daß ein Kontrollprogramm für sauren Regen in einigen Gebieten die
Arbeitsmöglichkeiten einschränken, in anderen ausweiten würde.

Angesichts des gegenwärtigen Standes wissenschaftlicher Erkenntnisse
sei, wie Ruckeishaus im April vor einem Kongreßausschuß erklärte, die
Reagan-Administration derzeit nicht bereit, weitere Vorschriften zu
empfehlen. US-Energieminister Donald P. Hodel ergänzte: "Wir müssen so
sicher wie nur irgend möglich sein, daß die aus unserem Vorgehen erwachsenden Vorteile die Bürde rechtfertigen, die wir den Betroffenen auferlegen."

Ungewiß sind vor allem Zusammenhänge zwischen Emissionen und der tatsächlichen Ablagerung von Schadstoffen am Boden oder in Gewässern. Einer Untersuchung des Nationalen Forschungsrates von 1983 zufolge handle es sich, längerfristig und großräumig betrachtet, um einen "im wesentlichen linearen
Vorgang" - d.h., die Konzentrationen aus Niederschlägen im Nordosten Amerikas sind der Emission direkt proportional. Jedoch sagte J. Christopher
Bernabo, der Direktor des "Nationalprogramms für die Bewertung von saurem
Niederschlag", kürzlich vor einem Senatsausschuß, daß ein solches LinearVerhältnis in bezug auf kürzere Zeiträume und kleinere Gebiete wahrscheinlich nicht angenommen werden könne.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Beziehung zwischen speziellen

- 4 -

�zwischen speziellen Emissionsquellen und Gebieten, die von saurem Regen in
besonderer Weise betroffen sind. Über den relativen Beitrag bestimmter
Regionen zu den sauren Niederschlägen in bestimmten Gebieten wisse man noch
nichts, stellte der Nationale Forschungsrat fest. Wichtige Fragen harren
noch der Lösung. So sei nicht bekannt, welche Rolle Vegatation und Boden um
ein Gewässer spielen, um Ausmaß und Art seiner Reaktion auf sauren Regen zu
ermitteln. Über die relative Bedeutung von gasförmigen Schadstoffen, Insekten, Pflanzenkrankheiten und Trockenheit sowie von saurem Regen als Ursache
des Waldsterbens seien sich die Wissenschaftler keineswegs einig. Ebensowenig gebe es exakte Anhaltspunkte für die Materialschäden durch sauren
Regen, den Grad von Zerstörungsprozessen und für zuverlässige Schätzungen
des Risikos für Materialien. Die Reagan-Administration sei daher, so
Ruckeishaus, bemüht, durch erhebliche Ausweitung der Forschungsanstrengungen
Wissenslücken zu schließen, damit für gezielte und wirksame Maßnahmen eine
bessere Grundlage geschaffen werde.

- Programme -

Zum ersten Mal wurde 1970 gegen Luftverschmutzung vorgegangen, als der
US-Kongreß das Gesetz über Luftreinhaltung verabschiedete. Spätere Zusätze
zum Gesetz berücksichtigten Schwefel- und Stickstoffoxide, um deren Ausstoß
im Interesse der menschlichen Gesundheit zu verringern. Jedoch waren die
Vorschriften nicht so beschaffen, daß auch die Auswirkungen von Schadstoffen
auf Pflanzen, Tiere und Materialien damit zu kontrollieren wären.

Auf Grund der Bestimmungen des Gesetzes zur Luftreinhaltung setzte die
EPA Emissionshöchtstwerte für neue Kohlekraftwerke fest. Dies bewirkte in
12 Jahren, d.h. bis 1982, einen Rückgang der Schwefeldioxid-Emissionen um 25
Prozent, trotz Steigerung des Verbrauchs an fossilen Brennstoffen,

im Jahre

1983 stellten jedoch die Autoren eines vom Kongreß in Auftrag gegebenen
Forschungsberichtes fest, daß von älteren, im wesentlichen nicht kontrollierten Anlagen auch künftig große Schadstoffmengen ausgestoßen werden. Die
Betriebsdauer solcher Kraftwerke werde verlängert, um Aufwendungen für Neubauten zu umgehen.

Im Jahr 1980 verabschiedete der US-Kongreß ein Gesetz zum Problem

- 5 -

�zum Problem saurer Niederschläge, mit dem ein auf zehn Jahre ausgelegtes
Bundesforschungsprogramm eingerichtet wurde, um Ursachen und Auswirkungen
von saurem Regen zu identifizieren und Maßnahmen zur Begrenzung oder teilweisen Korrektur seiner Auswirkungen auszuarbeiten.

Für dieses Programm ist

eine interministerielle Arbeitsgruppe zuständig, der Vertreter der EPA, des
Landwirtschaftsministeriums und der NOAA (Bundesbehörde für Meeres- und
Atmosphärenforschung) angehören.

Für das mit dem 30. September 1985 endende Haushaltjahr suchte die
Reagan-Regierung eine erhebliche Aufstockung der Mittel für Forschungsprogramme im Zusammenhang mit dem sauren Regen. Etwa 55 Millionen Dollar
sollen für das nationale Bewertungsprogramm, 72 Millionen für Forschungen
über Kontrollverfahren und über Wege zur Abschwächung der Auswirkungen von
saurem Regen verwendet werden.

Zu den vorgesehenen Projekten gehören u.a.:

- Untersuchungen an ca. 2500 Seen in betroffenen Gebieten, um mehr
Erkenntnisse über das Ausmaß des Problems zu gewinnen;

- Entwicklung und Ausdehnung von Meßnetzen zur Überwachung feuchter und
trockener Niederschläge, um Informationen über längerfristige Trends zu
erhalten;

- Forschungsvorhaben zum weiträumigen Transport von Schadstoffen, um
Zusammenhänge zwischen Emissionsquellen und Niederschlagsgebieten aufzudecken.
Außerdem finden unter der Schirmherrschaft der EPA Konferenzen und
Feldbeobachtungen für europäische und amerikanische Wissenschaftler statt,
bei denen es vor allem um die Mechanismen bei der Schädigung von Wäldern
geht. Die US-Regierung sei durchaus bereit, wie Ruckeishaus betont, wissenschaftlichen Fragen auf den Grund gehen zu lassen und nach einer Lösung für
das komplexe Problem des sauren Regens zu suchen. Sobald die fundamentalen
Ungewißheiten überwunden seien, werde sie geeignete praktische Maßnahmen
ausarbeiten und deren Durchsetzung unterstützen.

+ + + + +

- 6 -

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan zu Gipfeltreffen mit Tschernenko bereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz vom 14. Juni 1984 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjets müssen Haltung zur Rüstungskontrolle ändern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stellvertretender US-Außenminister vor dem Senat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Terrorismus eine Bedrohung des zivilisierten Lebens&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuss des Repräsentantenhauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumstation als internationales Projekt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Einladung Präsident Reagans an Freunde und Verbündete zur Mitarbeit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ruckelshaus: "Vernünftige Ziele für Umweltschutz"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Industriegesellschaft wird nie risikofrei existieren können -&lt;/em&gt;</text>
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