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6. Juni 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Rede des US-Präsidenten vor dem irischen Parlament am 4. Juni 1984
- Wortlaut Reagan fordert Solidarität und Einigkeit in der NATO
- Sowjets sollen an Verhandlungstisch zurückkehren Reagan sieht Fortschritte am Persischen Golf
- Interview des Präsidenten mit Fernsehjournalisten Ansprache von Botschafter Burns in Heidelberg
- Gehalten vor Examensabsolventen der Universität Maryland am 27. Mai 1984
HINTERGRUNDMATERIAL
Die XXIII. Olympischen Spiele in Los Angeles
- (5) - Ein Rückblick auf die Spiele des Jahres 1932

Um Uber/endung von
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wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

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6. Juni 1984

REDE DES US-PRÄSIDENTEN VOR DEM IRISCHEN PARLAMENT AM 4. JUNI 1984
- Wortlaut -

DUBLIN - (AD) - Präsident Ronald Reagan hielt am 4. Juni 1984 eine
vielbeachtete Rede vor dem irischen Parlament in Dublin, in der er auf
zahlreiche außenpolitische Themen einging und vor allem die Sowjetunion
zur Wiederaufnahme der Rüstungskontrollverhandlungen drängte. Er sei
auch bereit, so führte Reagan aus, über die Forderung Moskaus nach einer
Gewaltverzichtserklärung zu sprechen.

Die Rede des amerikanischen Präsidenten vor einer gemeinsamen Sitzung
beider Häuser des Parlaments der Republik Irland hat folgenden Wortlaut:
Ich bin mir der großen Ehre bewußt, die mir durch Ihre Einladung,
hier zu sprechen, zuteil geworden ist. Ich danke Ihnen. Und ich kann
nicht anders als mich zu fragen, ob wir uns auch immer der Tatsache
bewußt sind, daß es noch heute Länder in der Welt gibt, in der die Volksvertreter nicht in der Lage sind, so zu sprechen, wie sie es hier können.

Als ich vor einigen Tagen die Airforce One auf dem Flugplatz Shannon
verließ und Irland sah - schön und grün - und die Herzlichkeit seiner

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Herzlichkeit seiner Menschen spurte, da wurde ich tief gerührt. Wer
weiß, aber eines Tages werden Wissenschaftler den komplexen genetischen
Prozeß erklären, durch den Generationen über all die Zeit, ja selbst über
Ozeane hinweg ihre teuersten Erinnerungen fortzupflanzen scheinen. Bevor
sie es erklären, muß ich mich auf die Worte von Präsident Lincoln
verlassen von den "mystischen Fäden der Erinnerung" - und Ihnen sagen,
daß in den letzten Tagen hier in Ihrem Lande diese Fäden mich immer
wieder leise und rührend gestreift haben.

Ich hoffe, daß Sie mich nicht für zu kühn halten, wenn ich sage, daß
meine Gefühle heute morgen am besten mit den Worten zusammengefaßt werden
können: "Endlich wieder daheim".

Ich weiß natürlich, daß einige von uns

Irisch-Amerikanern sich leicht von ihrer Abstammung davontragen lassen
und gerne ihre Verwandten hier mit dem beeindrucken wollen, was sie in
der Neuen Welt erreicht haben. Viele von uns sind noch keine fünf Minuten in Irland, und schon wollen sie, wie es in dem amerikanischen Lied
heißt, Onkel Mike die Hände schütteln und das Mädchen küssen, mit dem sie
einst im Garten gespielt hatten.

Ich möchte Sie aber wissen lassen, daß für Nancy und mich diese letzten Tage hier für immer einen festen Platz in unseren Herzen haben werden. Von Shannon bis Galway, von Ballyporeen bis Dublin haben Sie uns
das Gefühl gegeben, willkommen zu sein wie die Blüten im Mai, und dafür
werden wir Ihnen und dem irischen Volk immer dankbar sein.
Natürlich haben wir nicht mit einem kühlen Empfang gerechnet. Wenn
ich mich hier im Saal umsehe, dann weiß ich, daß ich zwar nicht behaupten
kann, ein besserer Ire zu sein, - dies aber schon länger als die meisten
von Ihnen. Und es gibt immer wieder jene, die sich weigern, mich das
vergessen zu lassen.

Ich habe noch andere Empfehlungen: Ich bin Urenkel eines Mannes von
Tipperary; ich bin Präsident eines Landes mit den engstmöglichen Bindungen an Irland; und ich war ein Freund von Barry Fitzgerald. Ein Ire
sagte mir, ich würde ganz gut passen. "Herr Präsident", so meinte er,
"Sie lieben eine gute Erzählung, Sie lieben Pferde, Sie lieben die

�lieben die Politik - mit Ihrem Akzent werden wir schon noch fertig".

Aber ich kam auch in das Land meiner Vorväter, um zwei Schulden zu
begleichen: meine Dankbarkeit für ein leichtes Herz und eine starke
Konstitution zum Ausdruck zu bringen; und dem Mittel zur Beflügelung so
vieler politischer Erfolge in Amerika meine Anerkennung zu zollen: dem
Blarney-Stein.

Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, was der Blarney-Stein

vollbringt (Wer ihn küßt, dem wird die Gabe der Beredtsamkeit verliehen;
Anm. der Redaktion) Ich habe die Italiener oft zur Entdeckung Amerikas
durch Christoph Columbus beglückwünscht, aber das kann mich nicht abhalten, Sie zu dem großen Seefahrer Brendan zu beglückwünschen.

Ich glaube, Sie wissen, daß ich seit den ersten Tagen im Amt oft an
Irland gedacht habe. Ich bin stolz, daß die erste Botschaft, die ich als
Präsident besuchte, die irische Botschaft war, und ich freue mich, daß
unsere Administration mit so vielen Kabinettsmitgliedern irischer Abkunft
gesegnet ist. Ich mußte sie sogar daran hindern, mitzufliegen, denn
sonst wäre niemand drüben, um Stallwache zu halten. Und von den vielen
Irisch-Amerikanern, die heute sehr hohe Stellungen im amerikanischen
Kongreß innehaben, will ich gar nicht reden.

Ich kann Ihnen versichern, daß die Irisch-Amerikaner über die Bedeutung der Freundschaft unser beider Nationen und über die Bande der
Zuneigung zwischen uns mit einer Stimme sprechen. Das amerikanische Volk
weiß, wie tiefgreifend Irland unser nationales Erbe und unser Heranwachsen zu einer Weltmacht beeinflußt hat. Und ich weiß, es möchte, daß
ich Ihnen heute versichere, daß Ihre Interessen und Anliegen die unsrigen
sind, und daß Sie in den Vereinigten Staaten treue und feste Freunde haben.

Unser Besuch ist ein freudiger Augenblick und wird es auch bleiben.
Aber das sollte uns nicht von ernster Arbeit und ernsten Worten abhalten. Heute abend möchte ich direkt zu einigen Punkten Stellung nehmen.

Ich weiß, viele von Ihnen werden sich noch der tragischen Ereignisse
von Weihnachten vorigen Jahres erinnern: An die fünf Menschen, die getö-

- 3 -

�die getötet und die 92, die verletzt wurden, als eine von Terroristen
gelegte Bombe im Kaufhaus Harrods in London explodierte. Erst am Tage
zuvor wurden der Rekrut Gary Sheehan und der Soldat Patrick Kelly, ein
junger irischer Soldat und Vater von vier Kindern, von Kugeln der Terroristen niedergestreckt. Diese beiden Ereignisse, die 350 Meilen voneinander entfernt - das eine in Irland, das andere in Großbritannien stattfanden, zeigten die erbarmungslose, wahllose Gewalttätigkeit der
Terroristen - ein gewalttätiges Übel bis ins Mark, und in all seinen
Formen zu verurteilen. Und sie zeigten, daß die Probleme Nordirlands
einen Blutzoll von den Menschen in Großbritannien und in Irland - Nord
und Süd - fordern.

Aber die Unruhe im Norden berührt mehr als nur diese beiden großen
Inseln. Als Ihr Ministerpräsident im März in Amerika war, verurteilte er
mutig die Unterstützung, die eine kleine Zahl fehlgeleiteter Amerikaner
diesen Terroristengruppen gewährt. Ich habe mich in dieser Verurteilung
angeschlossen, wie die große Mehrheit der Irisch-Amerikaner.

Ich wiederhole es heute: Es ist kein Platz für die brutale, feige
Gewalt des Terrors - nicht in Großbritannien, nicht in Irland, nicht in
Nordirland. Alle Seiten sollten ein Ziel vor Augen haben. Wollen wir es
einfach und direkt ausdrücken: Die Gewalt zu beenden, so völlig zu beenden und sie jetzt zu beenden.

Der Terror, das Gefühl der Krise, das in Nordirland existiert, hat
von allen einen hohen Preis gefordert. Aber wollen wir nicht die legitimen Gründe zur Hoffnung in den Entwicklungen der letzten Monate übersehen. Wie Sie wissen, ist zwischen der Regierung hier in Dublin und der
Regierung in London ein aktiver Dialog im Gange. Dann gibt es noch die
konstruktive Arbeit des Forums für ein neues Irland. Der jüngste Bericht
des Forums fand Beifall. Er stieß auch auf Kritik. Aber das Wichtige
ist, daß Anhänger des Friedens Gehör finden und man über ihre Botschaft
der Versöhnung spricht.

Die Position der Vereinigten Staaten in all dem ist eindeutig: Wir
dürfen und wir werden nicht in innere irische Angelegenheiten eingreifen,

�Angelegenheiten eingreifen, und wir werden auch keine Lösungen oder
Formeln verschreiben. Aber ich möchte, daß Sie wissen, daß wir an Ihren
guten Willen und Ihre Unterstützung appellieren, und daß wir, wenn Sie
für den Frieden arbeiten, an Ihrer Seite stehen.

Ich bin nicht übertrieben optimistisch, wenn ich heute sage, daß ich
daran glaube, daß Sie eine friedliche und demokratische Versöhnung der
beiden unterschiedlichen Traditionen und Gemeinschaften Irlands zustande
bringen werden. Abgesehen davon, daß Irland ein Land ist, das für sein
Eintreten für Freiheit und Selbstbestimmung legendär ist, ist es auch ein
Synonym für die Hoffnung. Es ist dieses Gefühl der Hoffnung, das sich
durch Hungersnot und Krieg erhalten hat; das so viele irische Männer und
Frauen ins Ausland geschickt hat, um ein neues Leben zu suchen und neue
Nationen aufzubauen; das der Welt Heilige und Gelehrte geschenkt hat, die
die westliche Kultur erhielten, die Missionare und Soldaten, die von Menschenwürde und Freiheit sprachen und den Funken des Strebens nach Unabhängigkeit in meinem eigenen Lande und in anderen Ländern mit entzündet
haben.

Sie sind noch heute das Land der Hoffnung. Das kommt nirgendwo so
deutlich zum Ausdruck wie in den wirtschaftlichen Veränderungen, die hier
herbeigeführt werden.

Ich weiß, daß Irland vor der ernsten Herausfor-

derung steht, mehr Arbeitsplätze für seine Bevölkerung zu schaffen, aber
Sie haben eindrucksvolle Fortschritte gemacht und die modernsten Technologien und Industrien der Welt angezogen und den Lebensstandard Ihres
Volkes verbessert. Und Sie haben all das getan, ohne Ihre traditionellen
Werte und Ihr religiöses Erbe aufzugeben; Sie haben Ihre Kultur und Ihre
Sprache erneuert und Sie spielen weiterhin eine Schlüsselrolle in der
Völkergemeinschaft.

Auf der Grundlage der traditionellen Neutralität Irlands in
internationalen Angelegenheiten können Sie ebenso stolz sein wie auf
Ihren Beitrag zum Streben nach Frieden.

Irische Soldaten haben acht

Friedensoperationen der Vereinten Nationen mitgemacht, seit Sie der
Weltorganisation beitraten.
Auch im

- 5 -

�Auch im wirtschaftlichen Bereich sind wir Amerikaner stolz, daß
unsere Unternehmen die Möglichkeit erhielten, im neuen wirtschaftlichen
Umfeld Irlands zu gedeihen. Wie Sie wissen, gibt es hier über 300 amerikanische Firmen, die zwischen 35 000 und 40 000 Arbeitsplätze stellen.
Wir ermutigen diese Investitionen weiterhin. Und ich versichere Ihnen
heute, daß wir in Zukunft solche Investitionen noch stärker ermutigen
werden.

Ich glaube, der wirtschaftliche Fortschritt, den Sie hier in Irland
machen, läßt sich zum Teil mit der historischen Achtung der persönlichen
Freiheit in Ihrem Lande erklären. Der Zusammenhang von Prosperität und
Freiheit wird zu oft übersehen. Und doch bietet er eine feste Grundlage
für eine wachsende Kooperation, nicht nur zwischen unseren beiden Ländern, sondern zwischen allen Ländern der Erde, die diesen Zusammenhang
erkennen.

Männer und Frauen überall auf unserer immer kleiner werdenden Welt
haben die gleiche Erfahrung gemacht. Für die meisten Menschen heute
bedeuten die Ozeane keine furchterregenden Entfernungen mehr wie damals,
als mein Urgroßvater, Michael Reagan, noch Wochen bis Amerika brauchte.
Aber noch heute machen sich Männer und Frauen mit ihren Kindern in kleinen Booten auf, um vor Tyrannei und Entbehrung zu fliehen. Für die
meisten von uns sind die Ozeane und die Luftwege heute friedliche Wege,
gedrängt voller Ideen, Menschen und Güter in allen Richtungen. Diese Wege
führen uns zusammen. Langsam aber sicher kommen immer mehr Menschen in
den Genuß der Werte des Friedens, der Prosperität und der Freiheit, die
Irland und Amerika vereinen.

Im vorigen Jahr habe ich zwei Reisen zu Amerikas Nachbarn über den
Pazifik hinweg nach Asien unternommen. Dieses Jahrhundert hat den pazifischen Nationen viel Not gebracht, und viele Schwierigkeiten und Differenzen bleiben bestehen. Aber was ich überall vorfand, waren Energie,
Optimismus und Begeisterung. Einige Länder Asiens haben erstaunliche
wirtschaftliche Wachstumsraten hervorgebracht, indem sie Anreize boten,
die die Initiative belohnen, weil sie Freiheit ermöglichten. All die
Völker dieser großen Region kommen mehr und mehr zu einem Gefühl des

�Gefühl des gemeinsamen Schicksals und der gemeinsamen Chancen. Der
riesige Pazifik ist kleiner geworden, aber die Zukunft jener, die um ihn
herum leben, ist größer als je zuvor.

Hier in Irland hatte ich das gleiche Gefühl von Rührigkeit, Optimismus und Erwartung einer besseren Zukunft.

Ich glaube, die Zukunft wird uns eine reelle Chance bieten, endlich
die Bedrohung durch Krankheit, Hunger und Not zu überwinden, die seit
Menschengedenken auf uns lastet. Aber Zeiten großen Fortschritts können
gleichzeitig auch Zeiten großer Prüfung sein. Als Präsident Kennedy hier
weilte, bemerkte er, daß wir zwar in einer "Zeit großen Aufschwungs" lebten, gleichzeitig aber auch in "die schwierigste und gefährlichste Auseinandersetzung der Weltgeschichte" verwickelt seien. Was er meinte, war der
welthistorische Kampf, den unser Jahrhundert erlebt, der Kampf zwischen
den Kräften der Freiheit und denen des Totalitärismus - ein Kampf, der,
wie wir alle nur zu gut wissen, vor dem Hintergrund der Existenz furcht4arer Vernichtungswaffen auf beiden Seiten stattfindet.

Glauben Sie mir, wenn man das Amt innehat, daß ich gegenwärtig innehabe, so ist man sich in jedem wachen Augenblick des Tages der drückenden
Verantwortung für die Sicherung des Friedens und die Bewahrung der Existenz der Menschheit bewußt. Dieser Verantwortung kann man nicht mit halbherzigen Wünschen gerecht werden; man kann ihr nur gerecht werden, indem
man sich mit Entschlossenheit bemüht, den Frieden mit all der Macht zu sichern, die Amerika in die Waagschale werfen kann.

Mein tiefstes Anliegen ist, einen stabilen Frieden zu erlangen nicht nur durch die Gewährleistung einer Abschreckung gegen jede Art von
Aggression, sondern auch durch die Sicherung einer wirtschaftlichen Stärke, die zu größerer Stabilität beiträgt, indem sie für Wachstum und Fortschritt des Menschen sorgt. Wir fühlen uns zutiefst verpflichtet, eine
Verminderung der Rüstung auf jedem gangbar erscheinenden Weg anzustreben.
Unser Streben nach einem stabilen Frieden beruht auf der stärksten Kraft,
die es gibt - der geistigen Kraft und dem Selbstbewußtsein, das uns befähigt, unserem Gegner die Hand zur Versöhnung zu reichen. Ich möchte heute

- 7 -

�mochte heute sowohl unseren Gegnern als auch Ihnen allen, die Sie uns
stets als Freunde lieb und teuer gewesen sind, aus ganzem Herzen
versichern, daß Amerika zum Frieden bereit ist.

Wir bemühen uns gegenwärtig, in der amerikanischen Außenpolitik für
Beständigkeit zu sorgen, insbesondere im Streben nach Rüstungsverminderungen.

In der Vergangenheit haben wir zu oft versucht, grandiose Ziele und
weitreichende Abkommen Übernacht zu erreichen; dann wieder haben wir unsere Ansprüche so heruntergeschraubt, daß die Abkommen, wenn sie schließlich geschlossen wurden, eine zahlenmäßige Vermehrung der Waffen wie auch
die Einführung neuer Waffenkategorien zuließen.

Beispielsweise hat eine der beteiligten Nationen in dem Zeitraum von
der Unterzeichnung des SALT-2-Abkommens bis zur Gegenwart ihr Arsenal um
3950 Gefechtsköpfe aufgestockt. Mag sein, daß das Rüstungsbegrenzung ist;
Rüstungsverminderung ist es sicherlich nicht. Im Endeffekt war es nicht
einmal Rüstungskontrolle. Ich fürchte, daß während dieser ganzen Zeit sowohl unsere Freunde als auch unsere Gegner durch unsere wechselnden Vorschläge und politischen Kursänderungen zeitweise verwirrt und verunsichert worden sind.

Deshalb haben wir ganz systematisch eines der umfassendsten Rüstungskontrollprogramme der Geschichte ausgearbeitet und vorgelegt. Wir sind
der Meinung, daß es für alle Völker nur eine Maxime geben kann, wenn wir
in unserem heutigen Zeitalter den Fortbestand der Zivilisation gewährleisten wollen: Ein Atomkrieg ist nicht zu gewinnen und darf niemals
geführt werden.

Auf fünf Gebieten haben wir wichtige Vorschläge unterbreitet:
- Vor weniger als zwei Monaten hat der Westen in Wien neue Vorschläge
über die Verminderung der konventionellen Streitkräfte in Europa
vorgelegt.
- In der gleichen Woche stellte Vizepräsident Bush in Genf den Entwurf
eines Abkommens über ein weltweites Verbot chemischer Waffen vor, das

�vor, das auch die Giftgase, die in Afghanistan und Kamputschea
eingesetzt worden sind, abdecken würde.
- In Stockholm verfechten wir auf der Europäischen Abrüstungskonferenz
eine Reihe von Vorschlägen, die dazu beitragen würden, die Gefahr
eines militärischen Konflikts zu verringern.
- Darüberhinaus haben wir - wie den meisten von Ihnen bekannt ist - in
Genf bis vor kurzem an zwei Fronten über Rüstungsverminderung verhandelt: bei den START-Verhandlungen, wo es um die Verminderung interkontinentaler Nuklearwaffen ging, und bei den INF-Verhandlungen, die um
die Frage der Mittelstreckenraketen kreisten.
- Außerdem bemühen wir uns, die Weiterverbreitung von Atomwaffen zu
verhindern und zu erreichen, daß alle Exporte von nuklearem Material
umfassenden Sicherheitsvorkehrungen unterworfen werden.

Während der Monate, in denen die START- und INF-Verhandlungen liefen,
ergriffen die Vereinigten Staaten siebenmal mit Vorschlägen die Initiative. In keinem Fall verfuhren die Vereinigten Staaten dabei nach dem Grundsatz des "Alles oder Nichts." Wir haben sogar eine Reihe von Abänderungen
vorgenommen, um den von der sowjetischen Seite geltend gemachten Vorbehalten Rechnung zu tragen. Obwohl die Flexibilität der Sowjets der unseren
nicht gleichkam, taten sie doch einige Schritte der Art, die bei ernsthaften Verhandlungen erforderlich ist.

Aber nachdem die Stationierung von Mittelstreckenraketen hier in Europa begonnen hatte, verließen die Sowjets den Verhandlungstisch. Nun handelte es sich bei dieser Stationierung keineswegs um etwas, was uns hochwillkommen gewesen wäre; vielmehr hatten sowohl ich selbst als auch die
europäischen Staatschefs gehofft, daß diese Stationierung durch die Verhandlungen überflüssig gemacht werden würde. Unglückseligerweise ließ uns
die sowjetische Haltung bei diesen Verhandlungen dann aber keine andere
Wahl. Nach 1977, d.h., während einer Zeit, in der wir keine Waffen stationierten, sondern vielmehr die Sowjets zum Verhandeln drängten, stellten
diese rund 370 SS-20-Raketen auf, die in der Lage sind, jede beliebige
Stadt in jedem Land Europas zu treffen. Wir und unsere Verbündeten konnten vor dieser Bedrohung nicht auf unbegrenzte Zeit die Augen verschließen.
Ich meine

�Ich meine aber, daß es auch heute immer noch möglich ist, ein Abkommen zu erreichen. Seien Sie versichert, daß wir sowohl bei den START- als
auch bei den INF-Verhandlungen gern sowjetische Vorschläge hören würden,
daß wir möchten, daß die Sowjets sich unsere Vorschläge anhören, und daß
wir bereit sind, darüber noch am morgigen Tag zu verhandeln, wenn die
Sowjets das wollen. Ich wäre bereit, die Stationierung unserer Mittelstreckenraketen in Europa zu stoppen oder sogar rückgängig zu machen,
wenn ein dahingehendes verifizierbares und faires Abkommen geschlossen
werden könnte. Damit aber solche Ergebnisse erzielt werden können, müssen
die Sowjets an den Verhandlungstisch zurückkehren. Hier vor diesem Forum
und vor allen Bürgern Europas fordere ich die Sowjets dazu auf.

Ich meine, wir dürfen uns nicht zufriedengeben und uns keine Ruhe gönnen, bis diese schrecklichen Waffen für immer von Angesicht der Erde verbannt sind. Was ich zutiefst hoffe und erträume, ist, daß sich, wenn wir
den Weg der Rüstungsverminderung erst einmal gemeinsam eingeschlagen haben, dann auch der gesunde Menschenverstand einstellen wird, der uns veranlaßt, diesen Weg bis zum Ende zu gehen, so daß unsere Kinder und Kindeskinder nicht mehr mit dieser Bedrohung leben müssen, die gegenwärtig auf
der Welt lastet.

Ich möchte heute nicht nur die Bedeutung von Rüstungskontrollverhandlungen unterstreichen, sondern auch die Tatsache, daß die Vereinigten
Staaten den Dialog in zwei weiteren entscheidenden Bereichen der Ost-WestBeziehungen verbessern möchten. Wir möchten nicht nur die Rüstungslasten
vermindern, sondern auch Mittel und Wege finden, den Einsatz der militärischen Potentiale in konfliktträchtigen lokal begrenzten Situationen, die
zu schwierigen Verwicklungen führen können, zu begrenzen. Wir streben
ernsthafte Gespräche mit den Sowjets darüber an, wie wir sicherstellen
können, daß es in unruhigen oder strategisch heiklen Gebieten der Welt
nicht zu Fehleinschätzungen oder Mißverständnissen kommt. Ich möchte
heute nochmals unterstreichen, daß den Vereinigten Staaten hieran ernsthaft gelegen ist.

Auf der Stockholmer Konferenz, die ich soeben erwähnte, verhandeln
die Vereinigten Staaten und 34 andere Nationen über Maßnahmen zur Ent-

- 10 -

�zur Entkrampfung des Ost-West-Verhältnisses und zur Verringerung von
Ungewissheiten, die sich aus militärischen Aktivitäten in Europa ergeben,
wo sich mehr Streitkräfte zusammenballen als irgendwo sonst auf der Welt.
Die 16 Nationen des atlantischen Bündnisses haben konkrete Vorschläge
unterbreitet, die die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Konflikts in
Europa herabsetzen würden. Die Sowjetunion hat diese Vorschläge nicht
angenommen, sondern rückt die Frage einer Gewaltverzichtserklärung in den
Vordergrund.

Eine bloße Wiederholung eines Grundsatzes, auf den sich alle Nationen
in der Charta der Vereinten Nationen und anderswo bereits verpflichtet
haben, wäre jedoch ein unzulängliches Endergebniss für eine Konferenz,
deren Mandat weitaus mehr verlangt. Wir müssen diese Idee in praktische
Maßnahmen umsetzen, die wirksame Sperren gegen den Gebrauch von Gewalt in
Europa errichten. Wenn die Sowjetunion solchen konkreten Maßnahmen zustimmen würde, die von anderen Teilnehmerstaaten der Stockholmer Konferenz
augenscheinlich bereits akzeptiert werden, so wäre dies ein wichtiger
Schritt vorwärts in dem Bestreben, eine friedlichere Welt zu schaffen.

Falls Verhandlungen über eine erneute Verpflichtung auf das Prinzip
des Gewaltverzichts - ein Prinzip, an das wir aus innerster Überzeugung
heraus glauben - die Sowjets dazu veranlassen könnten, auch über Abkommen
zu verhandeln, die diesem Prinzip eine neue und konkrete Bedeutung verleihen würden, so wären wir gern bereit, solche Gespräche aufzunehmen. Ich
appelliere an dieser Stelle an die Sowjetunion, sich allen anderen Teilnehmerstaaten der Stockholmer Konferenz anzuschließen in ihrem Wunsch
nach unverzüglichen Schritten dieser Art, die dazu beitragen würden, Friede und Stabilität in Europa zu sichern.

Wir versuchen, auf Gebieten von beiderseitigem Interesse zwischen uns
und den Sowjets eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen, indem wir
unsere bilateralen Beziehungen auf breiter Front entwickeln. Auf dem Gebiet der Wirtschaft ergreifen wir Schritte zur Erweiterung des Handelsaustauschs im Bereich solcher Güter, die nicht von strategischer Bedeutung sind. Was andere Gebiete angeht, so haben wir beispielsweise die
Geltungsdauer unseres sehr nützlichen Abkommens über die Vermeidung von

- 11 -

�Vermeidung von Zwischenfällen auf See um eine Periode verlängert. Ferner
haben wir vorgeschlagen, Gespräche aufzunehmen über besondere Schritte
zur Erweiterung und Vermehrung von Kontakten, die im Interesse unserer
Völker liegen. Ich möchte in diesem Zusammenhang hinzufügen, daß alle
Demokratien die unbedingte Pflicht haben, sich für Fortschritte im
Bereich der Menschenrechte einzusetzen. Positive sowjetische Schritte in
diesem Bereich würden von den Vereinigten Staaten als ein bedeutsames
Signal verstanden werden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß wir vermehrte Gespräche und
Verhandlungen anstreben mit dem Ziel der Rüstungsverminderung, der Lösung
regionaler Probleme und der Verbesserung der bilateralen Beziehungen.
Wenn in diesen Bereichen Fortschritte erzielt werden könnten, so würde
dies dazu beitragen, den Frieden und die Sicherheit für die Menschen
überall auf der Welt besser zu gewährleisten.

Ich fürchte jedoch, daß die sowjetische Reaktion enttäuschend ist. Anstatt gemeinsam mit uns zu versuchen, Spannungen abzubauen und Abkommen
auszuhandeln, scheinen die Sowjets beschlossen zu haben, sich zurückzuziehen und zu versuchen, ihre Ziele durch Propaganda statt durch Verhandlungen zu erreichen.

Die Sowjets versuchen, die Schuld für ihre selbst auferlegte Isolation den Amerikanern zu geben. Tatsächlich ist das, was sie getan haben,
jedoch keineswegs in unserem Sinne. Wir sind weiterhin bereit, sie gemeinsam mit uns und der übrigen Völkergemeinschaft mitwirken zu lassen am Aufbau einer friedlicheren Welt. Unseren Verbünden in Solidarität verbunden
und auf unsere Stärke vertrauend, bedrohen wir keine andere Nation. Friede und Wohlstand liegen genauso im Interesse der Sowjets wie in unserem
eigenen. Also laßt uns handeln.

Beständigkeit in der Verfolgung unseres Konzepts der Rüstungsverminderung und das Bemühen um Verbesserung der Ost-West-Beziehungen werden
schließlich Früchte tragen. Aber auch bei der Verfechtung der Sache der
Freiheit des Menschen ist Beständigkeit gefragt.
Während meines

- 12 -

�Während meines letzten Besuchs in Europa sprach ich von einem Kreuzzug für die Freiheit, d.h., davon, wie die Demokratien ein Programm zur
Förderung des Wachstums demokratischer Institutionen überall auf der Welt
in die Wege leiten könnten. Dies Programm läuft jetzt. Es kann vielerlei
Auswirkungen an vielerlei Orten haben und sich als Kraft des Guten erweisen.

Manche Leute argumentieren natürlich, daß ein Kreuzzug für die Werte
der Demokratie undurchführbar oder zum Scheitern verurteilt sei, wobei
sie insbesondere auf die Völker hinweisen, die ihre Freiheit in der Nachkriegszeit verloren haben. Aber wir müssen langfristig denken. Zu Beginn
dieses Jahrhunderts gab es erst wenige Demokratien. Heute gibt es mehr
als 50, die ein Drittel der Erdbevölkerung umfassen, und es ist kein Zufall, daß es diese Völker sind, die sich des höchsten Lebensstandards
erfreuen; hier weise ich wieder auf den Zusammenhang zwischen politischer
und wirtschaftlicher Freiheit und materiellem Fortschritt hin.
Die Geschichte wird gemacht von freien Männern und Frauen; sie ist
nicht das Ergebnis unwandelbarer Gesetze. Ihr Gang ist niemals zwangsläufig. Dennoch ist sie von bestimmten Strömungen und Trends geprägt, und
einer dieser Trends ist eindeutig - die Demokratien nehmen nicht nur der
Zahl nach, sondern auch an Stärke zu. Heute sind sie stark genug, um der
Sache der Freiheit Platz zum Wachstum einzuräumen, und das ist eigentlich
alles, was die Freiheit braucht. "Die Masse der Menschen ist nicht mit
Sätteln auf ihren Rücken geboren worden." Thomas Jefferson hat das gesagt. Die Freiheit ist das Flaggschiff der Zukunft und das edelste, wonach die menschliche Seele strebt. Diejenigen, die glauben, daß die westlichen Demokratien versuchen, das Rad der Geschichte zurückzudrehen, verstehen nicht, worum es geht. Die Geschichte bewegt sich in Richtung auf
die Selbstbestimmung und auf die Menschenwürde, die sich in ihr verkörpert. Die Zukunft gehört den freien Menschen.

An diesem Punkt des demokratischen Entwicklungsprozesses erscheint es
mir äußerst wichtig, sich zu vergegenwärtigen, was in der westlichen Hemisphäre, und zwar besonders in Lateinamerika, vor sich geht. In den letzten Jahren sind große Fortschritte erzielt worden. Tatsächlich sind heute

- 13 -

�sind heute 26 von den 33 Staaten Lateinamerikas Demokratien oder
versuchen zumindest, Demokratien zu werden. Ich meine, es ist ebenfalls
äußerst wichtig, sich klar zu machen, daß die Unterstüzung, die die
Vereinigten Staaten gegenwärtig einigen mittelamerikanischen Staaten
angedeihen lassen, genau dazu bestimmt ist, dem Prinzip der demokratischen Selbstherrschaft zum Durchbruch zu verhelfen.

Ich weiß jedoch, daß manche Leute der Meinung sind, daß sich die Vereinigten Staaten, ein großes und mächtiges Land, in die Angelegenheiten
der kleineren Länder im Süden einmischen, und sie ziehen die Schlußfolgerung, daß wir dort selbstsüchtige oder interventionistische Ziele verfolgen. Nun, wenn jemand die Amerikaner wirklich kennt, dann sind es die
Iren. Wir sind bestrebt, Gewalttätigkeiten und Konflikte zu vermeiden.
Die Geschichte ist in dieser Hinsicht unser Zeuge. Nach dem Ende des Zwei'
ten Weltkrieges hatten die Amerikaner für eine Reihe von Jahren ein Monopol auf Atomwaffen. Wir haben dies Monopol nicht ausgenutzt, um territoriale oder machtpolitische Zugewinne zu erzielen. Wir haben alles getan,
was in unserer Macht stand, um Wohlstand und Demokratie in Europa zu fördern. Man könnte mit einigem Recht fragen, ob der Welt während der letzten 40 Jahre genauso viel Friede beschert gewesen wäre, wie es tatsächlich der Fall war, wenn nicht die Vereinigten Staaten, sondern ein anderes Land diese Waffen besessen hätte.

In wenigen Tagen werde ich in Frankreich vor dem einzigen Stück Land
in Europa stehen, das von den Vereinigten Staaten besetzt ist: jenen Erdhügeln nämlich mit ihren Kreuzen und Davidsternen, den Gräbern der Amerikaner, die nicht mehr in ihre Heimat zurückkehrten und die ihr Leben gaben, damit andere in Freiheit und Frieden leben können. Und Freiheit und
Frieden sind es auch, was die Menschen in Mittelamerika heute wollen.

Dreimal in wenig mehr als zwei Jahren haben die Menschen in El
Salvador in freien Wahlen ihre Stimme abgegeben. Jedesmal mußten sie mit
Drohungen der Guerilla leben, die von dem sandinistischen Regime in
Nicaragua sowie von Kuba und der Sowjetunion unterstützt wird. Diese
Guerilla wendet Gewalt zur Unterstützung ihrer Drohungen an.

Ihr Slogan

bei allen diesen Wahlen war: "Wähle heute und stirb' heute nacht". Und

- 14 -

�nacht". Und doch haben 1,4 Millionen Menschen in El Salvador sich tapfer
gegen diese Angriffe gewendet, sind kilometerweit gelaufen und haben sich
stundenlang angestellt, bis sie an der Reihe waren, um ihre Stimme für
die Freiheit abzugeben. Viele unserer Beobachter, die dorthin gegangen
waren - und von denen nicht wenige davon überzeugt waren, daß das, was
wir zu tun versuchten, falsch sei -, kamen anderen Sinns zurück, überzeugt von einer einzelnen Frau, die, obgleich durch einen Schuß verwundet, dennoch stundenlang anstand und jede medizinische Behandlung ablehnte, bevor sie nicht die Möglichkeit zum Wählen hatte. Sie kamen in der
Überzeugung zurück, daß das Volk von El Salvador die Demokratie will. Die
Vereinigten Staaten versuchen nichts weiter - mit nur 55 Militärberatern
und 474 Millionen Dollar, von denen drei Viertel der wirtschaftlichen und
sozialen Entwicklung vorbehalten sind -, als den Menschen von El Salvador
die Möglichkeit zur demokratischen Selbstbestimmung zu geben - und dies
ohne Einmischung von außen.

Aber die Regierung von Nicaragua ist entschlossen, dies nicht zuzulassen. Wie sie selbst zugibt, hat sie die Salvadorianische Guerilla
versorgt und ausgebildet, in ihrem eigenen Land nie eine Wahl zugelassen,
nichts anderes getan als die Freiheit der Presse zu unterdrücken und
gegen die Gewerkschaften vorzugehen, die politischen Freiheiten zu verbieten und sogar den Mob gegen die unabhängige Menschenrechtskommission
Nicaraguas aufzuhetzen und deren Direktor ins Gefängnis zu werfen.

Trotz solcher Repressionen versammelten sich diesen Karfreitag
100 000 nicaraguanische Katholiken, um ihre Unterstützung der Kirche zum
Ausdruck zu bringen, die durch die kommunistische Diktatur der Sandinisten verfolgt wird; ein Bischof hat inzwischen sogar einen Hirtenbrief
geschrieben, der diese Verfolgung der Kirche durch die Regierung beim
Namen nennt. Aber nicht einmal in unserem eigenen Land erfuhren wir
etwas von dieser Demonstration.

Irgendwie gelangte kein Wort davon durch

die Nachrichtenkanäle an die Welt.

In einer Predigt vor 4 000 Nicara-

guanern, die die Don-Bosco-Kirche vor einigen Wochen füllten, sagte das
Oberhaupt der nicaraguanischen Bischofskonferenz, Bischof Pablo Antonia
Vega: "Die Tragödie des nicaraguanischen Volkes besteht darin, daß wir
mit einer totalitären Ideologie leben, die keiner in diesem Land will".
Und auch
- 15 -

�Und auch folgendes werden Sie noch nicht gehört haben - ich zitiere
die Worte des nicaraguanischen Erzbischofs Obando y Bravo: "Jenen, die
sagen, der einzige Weg für die mittelamerikanischen Länder sei der Marxismus-Leninismus, müssen wir Christen einen anderen Weg weisen. Und der
ist, Christus zu folgen, dessen Weg der der Wahrheit und der Freiheit
ist".

Die überwältigende Mehrheit jener, die derzeit in Nicragua um die
Freiheit kämpfen sind - ganz im Gegensatz zu dem, was die Sandinisten die
Welt glauben machen wollen - gute und ehrenwerte Leute, die die Diktatur
Somozas nicht wollten und die auch die kommunistische Diktatur nicht
wollen. Die Tragödie ist, daß sie nicht die Möglichkeit erhielten,
anders zu wählen. Die Menschen in Nicaragua und in El Salvador haben ein
Recht darauf, dem Alptraum Widerstand entgegenzubringen, den Kräfte von
außen ihnen aufoktroyieren wollen - genauso wie sie das Recht haben,
gegenüber der extremistischen Gewalt Widerstand zu leisten, die - gleich,
ob von Rechts oder von Links - im Innern herrscht.

Die Vereinigten Staaten dürfen den demokratischen Bemühungen der
Menschen Mittelamerikas nicht den Rücken kehren. Darüber hinaus aber ist
dies eine weltweite Auseinandersetzung.

Der irische Prediger James

Philpot Curran sagte einmal: "Die Bedingung, unter der Gott dem Menschen
Freiheit gegeben hat, ist ewige Wachsamkeit". Ja, militärische Stärke
ist für die Freiheit unabdingbar.

In meinem Leben hat es vier Kriege

gegeben. Keiner von ihnen brach aus, weil etwa die Kräfte der Freiheit
zu stark gewesen wären.

Auf bewegende Weise brachte dies die tschechoslowakische Gruppe
"Charta 77" gerade vor einer Woche als Antwort auf Anhänger der Abrüstungsbewegung im Westen zum Ausdruck, als sie sagte: "Im Gegensatz zu
euch haben wir die persönliche Erfahrung anderer, vielleicht weniger auffälliger, aber darum nicht weniger wirksamer Mittel der Zerstörung der Zivilisation gemacht als jener, die der thermonukleare Krieg darstellt;
nicht wenige unter uns aber ziehen in jedem Fall das mit der Aufrechterhaltung einer festen Haltung gegenüber der Aggression verbundene Risiko
der Gewißheit der katastrophalen Konsequenzen einer Besänftigungspolitik
vor".
Der Kampf
- 16 -

�Der Kampf zwischen Freiheit und Totalitarismus heute ist letztlich
kein Test der Waffen und Raketen, sondern eine Probe von Geist und
Glaube. Und in diesem geistigen Kampf sind Verstand und Wille des
Westens die entscheidende Arena. Wir dürfen nicht zögern, unserem Traum
von der Freiheit Ausdruck zu verleihen; wir dürfen nicht nachlassen, den
entscheidenden Unterschied zwischen Recht und Unrecht zu verkünden zwischen den auf Freiheit gegründeten politischen Systemen und jenen, die
sich auf eine schreckliche Verleugnung des menschlichen Geistes stützen.
Wenn unsere Gegenspieler glauben, wir würden unsere Selbstachtung dadurch
schmälern, daß wir angesichts immer neuer Verbrechen gegen die Humanität
schweigen oder uns besänftigen lassen, so täuschen sie sich. Überall in
der Welt sind wir Zeuge eines Aufbruchs des Geistes und des Willens.

Lech Walesa hat es so gesagt: "In unseren Seelen lebt genau das
Gegenteil von dem, was jene wollten. Sie wollten nicht, daß wir an Gott
glauben, aber unsere Kirchen sind voll. Sie wollten, daß wir materialistisch sind und nicht mehr zu Opfern fähig, aber wir sind antimaterialistisch und zu Opfern fähig. Sie wollten, daß wir uns vor den
Panzern, den Gewehren fürchten, aber stattdessen fürchten wir sie
überhaupt nicht".

Lassen wir nicht unsere Furcht zum Ratgeber werden. Bieten wir
stattdessen der Welt eine Politk der Hoffnung, eine Vorwärtsstrategie für
die Freiheit. Die Worte William Faulkners anläßlich der Verleihung des
Nobelpreises vor über drei Jahrzehnten sind eine eloquente Antwort auf
all jene, die das nukleare Jüngste Gericht oder den letztendlichen
Triumpf des Superstaates voraussagen: "Der Mensch wird nicht nur erdulden," sagte Faulkner, "er wird obsiegen...denn er wird zu den alten
Tugenden und Wahrheiten des Herzens zurückkehren. Er ist unsterblich,
denn er hat als einzige der Kreaturen eine Seele, einen Geist, der zu
Mitleid, zu Opfer und zu Geduld fähig ist".

Diese alten Wahrheiten des Herzens - menschliche Freiheit unter Gott
- sind überall auf der Welt im Vormarsch - auf den Schiffswerften von
Danzig, den Hügeln von Nicaragua, den Reisfeldern von Kamputschea, den
Bergen von Afghanistan - und der Schlachtruf heißt Freiheit. Und die

- 17 -

�Und die Ursache ist dieselbe, wie jene, von der vor über zwei Jahrzehnten
ein junger amerikanischer Präsident vor dieser Kammer sagte: "Eine
Zukunft des Friedens und der Freiheit". Gegen Ende seines Besuches hier
sagte John Fitzgerald Kennedy: "Ich werde zurückkommen, und mir wieder
den alten Shannon anschauen". Und an seinem letzten Tag in Irland
versprach er: "Ich werde bestimmt im Frühling wiederkommen". Es war ein
nicht einlösbares Versprechen auf einen Frühling, der nie mehr kam. Aber
sicherlich ist in unseren Herzen noch immer die Erinnerung an einen
jungen Führer, der bewegende Worte über ein helleres Zeitalter für die
Menschheit fand, über eine neue Generation, die die Fackel der Freiheit
in die Höhe halten und der Welt leuchten würde. Für die Sache der
Humanität einzutreten, das Gewissen der Welt auzurütteln und - wie in
alten Zeiten - für die Sache der Freiheit gemeinsamen Weges zu gehen: Das
ist die Aufgabe, die vor uns liegt

+ + + + +

- 18 -

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23

6. Juni 1984

REAGAN FORDERT SOLIDARITÄT UND EINIGKEIT IN DER NATO
- Sowjets sollen an Verhandlungstisch zurückkehren -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan traf im Rahmen der Ministertagung des Nordatlantikrates in Washington vom 29. bis 31. Mai 1984 am 30. Mai
zu einem Essen mit den Außenministern zusammen und empfing sie nach Abschluß der
Tagung am 31. Mai im Weißen Haus.
In einem Trinkspruch im Verlauf des Essens am 30. Mai forderte Reagan verstärkte Solidarität und Einigkeit im Atlantischen Bündnis.
Der Trinkspruch hat folgenden Wortlaut:
Heute abend bietet sich eine besondere Gelegenheit, den beispiellosen Erfolg
unserer dauerhaften Partnerschaft zu feiern - eines Bündnisses, das sich dem
Frieden und der Freiheit verpflichtet hat. Vor 35 Jahren kamen in den Nachwehen
eines tragischen Konflikts 12 Nationen hier in Washington zusammen, um den Nordati antikvertrag zu unterzeichnen. Dieses Ereignis war ein Akt des Realismus.
Die Mitgliedstaaten erkannten die Bedrohung ihrer Sicherheit und verpflichteten
sich zum Zusammenschluß. Die Gründung des Nordatlantischen Bündnisses war auch
ein Akt des Optimismus - eine Bekräftigung der anhaltenden Lebenskraft der westlichen Zivilisation.
Die 35 Jahre des Friedens in Freiheit sind ein Beweis für die Klugheit und

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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�Klugheit und Weitsicht jener Länder und der vier weiteren Länder, die seither
der NATO beigetreten sind.

Obwohl die Gründer die dramatischen Veränderungen

nicht voraussehen konnten, die seit 1949 stattgefunden haben, traf ihr Weitblick
ins Schwarze.

Durch die Vereinigung von Europa und Nordamerika hat die NATO die

längste Periode des Friedens und des Wohlstandes in der modernen Geschichte ermöglicht.

Und heute bleibt unser stolzes Bündnis vereint in der Verpflichtung

zur Verteidigung der Demokratie und der Freiheit des einzelnen.
Aber wir dürfen uns nicht mit den Leistungen der Vergangenheit zufrieden
geben.

Wenn wir nach vorne sehen, dann gibt es zwingende Gründe, unsere Soli-

darität und Einigkeit noch weiter zu stärken.
Unsere Verpflichtung zur kollektiven Sicherheit wird weiterhin ein unerläßliches Bollwerk gegen Aggression, Terrorismus und Tyrannei sein.

Unsere Einig-

keit wird den wesentlichen Rahmen bilden, um einen konstruktiven Dialog mit
unseren Gegnern aufzubauen und die Risiken des Krieges und den Stand der nuklearen
Rüstungen zu verringern.

Und ich weiß, daß es unsere Gesellschaften, die Demo-

kratien, sein werden, die unseren Völkern und den Völkern überall eine helle und
hoffnungsvolle Zukunft bieten werden.
Wir dürfen zuversichtlich sein.

Die Ereignisse des vergangenen Jahres haben

uns herausgefordert, und die westlichen Demokratien standen fest angesichts einer
intensiven sowjetischen Einschüchterungskampagne, die darauf abzielte, die Verpflichtung der NATO zur Verteidigung Europas und zur Erhaltung des Friedens zu
untergraben.

Und heute sind wir stärker und unserer Einigkeit bewußter denn je.

Das ist von entscheidender Bedeutung, denn wenn die Sowjetunion zu der Oberzeugung kommt, daß die NATO nicht zu erschüttern ist, dann wird sie vielleicht
endlich einsehen, daß sie ein eindeutiges und zwingendes Interesse daran hat, an
den Konferenztisch zurückzukehren. Wir werden warten, und wir sind bereit, ihr
auf halbem Wege entgegenzukommen.
Joseph Luns

- 2 -

�Joseph Luns ist ein hervorragender Diplomat und ein Mann vieler Tugenden.
Erst als niederländischer Außenminister und dann am Ruder der NATO stand er fast
30 Jahre lang im Mittelpunkt der transatlantischen Brücke.

Sein Weitblick, sein

Humor und seine Geduld haben uns in guten und schlechten Zeiten getragen.

Als

Generalsekretär hat er niemals die Ziele unseres Bündnisses aus den Augen verloren.

Sein Beruf war der Friede.

Sie sind uns ein vertrauter Freund, ein ehrlicher Makler, ein geachteter
Kollege und vor allem ein unschätzbarer Führer des Atlantischen Bündnisses
gewesen.
Joseph, Sie haben gesagt, der Zustand unseres Bündnisses sei wie die Musik
Wagners - besser als sie klingt. Ich darf Ihnen sagen, daß ich, weitgehend dank
Ihrer Anstrengungen, den Klang des Bündnisses schätze. Und ich hoffe, daß Sie
selbst noch im Ruhestand nicht zögern werden, uns Ihren Rat zu erteilen.
Meine Damen und Herrn, in Anerkennung der außergewöhnlichen Hingabe von
Joseph Luns an die Ideale unseres Bündnisses und in Anerkennung seiner hervorragenden Dienste und bleibenden Beiträge zu unserer Freiheit und Sicherheit ist
mein großes Privileg, Generalsekretär Luns die höchste zivile Auszeichnung
Amerikas, die Medal of Freedom (Freiheitsmedaille) zu verleihen.

Bevor ich ihm

jedoch die Medaille überreiche, möchte ich Sie alle bitten, Ihr Glas zu erheben
und mit mir auf Generalsekretär Joseph Luns und auf die Organisation zu trinken,
der er so treu gedient und die er so fähig geleitet hat.
Bei dem Abschlußempfang im Weißen Haus am 31. Mai richtete Präsident Reagan
erneut das Wort an die Außenminister des Bündnisses und erklärte:
Es war mir ein Vergnügen und eine Ehre, die Minister des Nordatlantikrates
im Weißen Haus zu begrüßen.

Und ich freue mich, daß die Vereinigten Staaten das

Gastland dieser Tagung sind, denn wir feiern auch den 35. Jahrestag der Unterzeichung des Nordatlantikvertrages in Washington.
Gestern abend

- 3 -

�Gestern abend auf dem Essen und erneut heute vormittag hatten wir die Gelegenheit, über die großen Herausforderungen zu sprechen, vor denen das Bündnis
steht, einschließlich der Sicherheit und der Verteidigung des Westens, der Beziehungen zur Sowjetunion und der Rüstungskontrolle.
Wir alle sind uns darüber im klaren, daß es keine wichtigeren Überlegungen
gibt als die Entwicklung eines besseren Arbeitsverhältnisses zur Sowjetunion einer Beziehung, die durch größere Kooperation und bessere Verständigung gekennzeichnet sein sowie zu stabilen, sicheren und friedlichen Beziehungen führen so11.
Dies ist und bleibt weiterhin ein Hauptziel der Vereinigten Staaten und des NATOBündnisses.
Das Bündnis hat sich dem Frieden verschrieben.

Und Dank des Mutes und des

Weitblicks unserer Mitgliedstaaten und ihrer Führer können wir voller Stolz an
die Vergangenheit denken und voller Zuversicht in die Zukunft blicken.
Für uns ist unsere NATO-Partnerschaft ein Anker, ein ruhender Pol in einer
turbulenten Welt. Und es ist unsere ehrliche Hoffnung, daß die Sowjetunion bald
zu der Einsicht des tiefen Wunsches nach Frieden kommt, der uns bewegt. Und ich
hoffe, daß die sowjetische Führung endlich einsehen wird, wie nutzlos es ist, wenn
sie Anstrengungen um eine Spaltung des Bündnisses fortsetzt. Wir werden uns nicht
spalten lassen. Wir werden uns nicht einschüchtern lassen. Der Westen wird die
Demokratie und die Freiheit des einzelnen verteidigen. Und der Westen wird den
Frieden schützen.
Gleichzeitig bleiben wir auch weiterhin bereit, fair, flexibel und ohne Vorbedingungen zu verhandeln. Es ist unsere Hoffnung, daß die Sowjetunion bald an
den Verhandlungstisch zurückkehren wird. Unsere Verpflichtung zu Dialog und
Rüstungsverminderung ist fest und unerschütterlich. Kein anderer Schritt in naher
Zukunft würde so viel für die Sache des Friedens und der Stabilität bedeuten wie
eine Rückkehr zu konstruktiven Verhandlungen und Abkommen über die Verringerung
des Standes der Kernwaffen.
Ich habe
- 4 -

�Ich habe es oft gesagt und sage es erneut: Wenn die Sowjetunion an den Verhandlungstisch zurückkehrt, werden wir ihr auf halbem Wege entgegenkommen.

Ich

hoffe auch, daß die sowjetische Führung positiv auf das Vorschlagspaket reagieren
wird, das wir uns als Bündnis auch für andere Bereiche der Rüstungskontrolle vorgelegt haben.
Unsere Vorschläge dienen der Sache des Friedens:

der Vertragsentwurf für

die Abschaffung chemischer Waffen, den Vizepräsident Bush in Genf unterbreitet
hat; der jüngste NATO-Vorschlag, um den toten Punkt bei den Verhandlungen über
konventionelle Streitkräfte in Wien zu überwinden; und die in Stockholm von der
NATO vorgeschlagenen Maßnahmen in unseren Bemühungen um eine Verringerung des
Risikos eines Überraschungsangriffs in Europa.
Morgen werde ich nach Europa abreisen. Ich freue mich auf die Reise und die
Gelegenheit, die dauerhafte Bedeutung der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bindungen zu unterstreichen, die uns mit den demokratischen Industriestaaten verbinden.
Die Tagung der NATO-Außenminister hat mein eigenes Vertrauen in

die Stärke

und Haltbarkeit des Bündnisses und in das gemeinsame Schicksal freier Gesellschaften bekräftigt.
Und so möchte ich all den Ministern der NATO danken.

Wir freuen uns, daß

Sie alle unsere Gäste waren, und wir sind stolz, Sie als unsere Partner zu haben.

- 5 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Juni 1984

23

REAGAN SIEHT FORTSCHRITTE AM PERSISCHEN GOLF
- Interview des Präsidenten mit Fernsehjournalisten -

Washington -(AD)- In einem Interview mit europäischen und japanischen
Fernsehjournalisten am 31. Mai 1984 in Washington antwortete Präsident
Reagan auf Fragen über die Lage am Persischen Golf, die Rüstungskontrollbemühungen der Vereinigten Staaten, die Handelsbeziehungen zu Japan, die
amerikanische Wirtschaft sowie den bevorstehenden Weltwirtschaftsgipfel
in London.

Das Interview hat folgenden Wortlaut:

FRAGE: Herr Präsident, es scheint oft, als neigten diese Wirtschaftsgipfel dazu, Opfer der jeweils aktuellen Krise zu werden. Im Moment ist
dies eindeutig die Lage im Persischen Golf. Ich möchte daher gern zwei
Fragen stellen: Welche Art von Verpflichtung erwarten Sie von Ihren Verbündeten und Freunden hinsichtlich des Golf-Problems; und wie weit würden
Sie gehen, wenn die Diplomatie versagen sollte, damit das Öl weiter fließen kann?
ANTWORT: Nun,

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ANTWORT; Nun, ich habe einmal erklärt, ich könne mir nicht vorstellen, daß die westliche Welt zuschaut, wie dieses Gebiet vom Verkehrsfluß
und von der Ölversorgung abgeschnitten wird. Diese ist für die Staaten,
die einige von Ihnen hier vertreten, weit wichtiger als für uns, denn der
Großteil unserer Importe kommt mittlerweile aus Quellen in unserer eigenen Hemisphäre. Gleichzeitig stehen wir aber nunmehr in enger Konsultation mit Repräsentanten Ihrer Regierungen, und wir alle halten engen Kontakt mit den GolfStaaten.

Nun vertreten die GolfStaaten sehr konsequent die Position, daß sie
mit dem Problem selbst fertigwerden wollen. Sie wollen nicht, daß es sich
ausweitet und sich mehr zu einem Krieg hinentwickelt, wie dies vielleicht
geschehen könnte, wenn andere miteinbezogen würden. Sie haben jedoch deutlich gemacht - wie sich dies gerade jetzt in den Medien widerspiegelt daß sie eine gewisse Art von Hilfe benötigen, nämlich in bezug auf Material, auf Waffen. Und wir haben daher auf ihr Verlangen mit einigen Lieferungen reagiert. Aber wir sollten auch weiterhin in Konsultation stehen
und auf der Hut sein für den Fall, daß es dort zu einer vollständigen
Sperrung kommt.

Nimmt man jedoch die letzten paar Tage, so scheint es, als habe sich
die Lage nicht verschlimmert, sondern eher etwas beruhigt. Es scheint zum
Beispiel in den vergangenen Tagen keine Angriffe gegeben zu haben und so
könnte sich die Lage vielleicht letztlich doch zum Guten wenden.
FRAGE: Herr Präsident, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs schickte im
Nahen Osten ein amerikanischer Admiral ein berühmt gewordenes Telegramm
nach Hause. Er war verwirrt und schrieb: "Erbitte Rat - wer ist der
Feind?" Ich könnte mir vorstellen, daß derzeit hier in Washington eine
ganze Reihe von Leuten sich die gleiche Frage stellt. Wer ist der Feind
am Golf? Iran oder Irak?

ANTWORT: Nun, betrachten wir die Dinge so: Der Irak beschränkte seine
Angriffe auf Schiffstransporte, die für die iranische Wirtschaft von lebenswichtiger Bedeutung sind. Der Iran hingegen beschränkte sich bei seinen Reaktionen nicht auf den Irak: Er attackierte Schiffe neutraler Staa-

- 2-

�neutraler Staaten, die lediglich Öl transportierten und ihrem Geschäft
mit Staaten wie Saudi-Arabien, Kuweit und anderen nachgingen. Und so muß
man sich fragen: "Was denkt sich der Iran dabei?"

Man war wohl immer der Meinung, daß in Kriegszeiten die Wirtschaft
und der Handel des Gegners ein verständliches Ziel waren, somit auch das
Bestreben, dem andern auch wirtschaftlich zu schaden. In diesem Sinn also
hat der Irak nicht die Grenze so überschritten, wie dies der Iran getan
hat.
Inzwischen hat der Irak auch - obgleich er, wie wir zugestehen müssen, derjenige war, der den Krieg vor vier Jahren angefangen hat - mehrmals Angebote unterbreitet, zu einer Verhandlungslösung zu kommen und den
Krieg zu beenden. Der Iran hat sich geweigert. Der Iran nimmt also mehr
oder minder die Position ein, den bedingungslosen Sieg zu fordern. Gäbe
es irgendetwas, was wir anderen tun könnten, um diesen Kampf zu einem
Ende zu bringen, so würden wir sicherlich nichts unversucht lassen, denn
was sich dort abspielt, ist ein gewaltiges und schreckliches Blutvergießen. Und der Iran, wie ich sagte, ist nunmehr derjenige, der sich gegen
jede Bemühung zu stellen scheint, den Krieg ohne einen totalen Sieg zu
einem Ende zu bringen.

FRAGE: Herr Präsident, im vergangenen Monat erklärte George Shultz,
Frankreich sei Ihr bester Verbündeter in Europa. Denken Sie - vor dem
Londoner Gipfel - ebenfalls so?
ANTWORT: Ich glaube, es handelt sich hinsichtlich dessen, was der
Außenminister sagte, um ein kleines Sprachproblem. Er sagte: "Wir haben
keinen besseren Verbündeten als Frankreich." Das bedeutet doch aber auch,
daß die anderen Verbündeten gleich gut sind, nur, daß wir uns eben keinen
noch großartigeren Verbündeten als Frankreich vorstellen können und sicherlich keinen, der länger unser Verbündeter gewesen wäre als Frankreich. Es war also nur eine kleine Sprachschwierigkeit, die daraus ein
"bester" machte. Dies wäre doch recht unfair von uns.

FRAGE: Herr Präsident, viele Europäer halten die amerikanische Ein-

- 3 -

�amerikanische Einstellung gegenüber der Sowjetunion für zu wenig kompromiGbereit. Sie befürchten, daß die kleineren kommunistischen Satellitenstaaten in Osteuropa das bißchen Luft und Freiheit verlieren könnten, das
sie haben. Insbesondere wir Westdeutschen fürchten, unsere Beziehungen zu
Ostdeutschland könnten Schaden nehmen. Könnten Sie dazu etwas sagen?

ANTWORT: Ja, das kann ich. Ich weiß nicht, warum immer die anderen
Schuld sein sollen, nie die Sowjetunion. Wir haben zum Beispiel der Sowjetunion einen Vertrag angeboten, die nuklearen Mittelstreckenwaffen in
Europa total zu beseitigen. Zu jenem Zeitpunkt hatte sie etwa 800 Gefechtsköpfe auf Europa gerichtet, nicht auf die Vereinigten Staaten. 1979
baten uns die NATO-Verbündeten, eine Kombination aus Pershing II und
Marschflugkörpern als Abschreckung gegen die SS 20 der Sowjetunion mit
ihren jeweils drei Gefechtsköpfen zur Verfügung zu stellen.

Mein Vorgänger und die damalige Regierung dieses Landes stimmten dem
zu. Ich erbte also dieses Programm, das bereits lief, indem die Waffen,
die dorthin sollten, von uns gebaut und erprobt wurden. Schließlich dislO'
zierten wir.
Als ich sagte: "Null - Null. Es werden keine solchen Waffen disloziert, wenn ihr euch einverstanden erklärt, die eurigen zu eliminieren,"
weigerte sich die Sowjetunion. Also sagten wir: "Nun gut. Wenn ihr Null Null nicht wollt, dann bleibt uns die Hoffnung, daß ihr irgendwann in der
Zukunft einmal den Nutzen dieses Vorschlags erkennt. Wenn nicht, so sind
wir auch bereit, uns hinzusetzen und eine Verringerung der Anzahl auszuhandeln, die für beide Seiten fair ist." Aber die Sowjets verliessen den
Verhandlungstisch wegen unserer Dislozierung.

Zunächst gaben sie noch eine Antwort. Sie wollten die Anzahl ihrer
Raketen reduzieren, wir aber sollten überhaupt keine haben. Mit anderen
Worten, sie nahmen die Hälfte meines Null-Null-Vorschlags. Wir nämlich
sollten keine Raketen haben, sie aber - nun, wie es jetzt steht, haben
sie etwa 1 350 Gefechtsköpfe auf Europa gerichtet. Sie fügten ihren Gefechtsköpfen, ihren Raketen neue hinzu - die ganze Zeit über, während wir
am Verhandlungstisch über Verringerungen sprachen. Sie verstärkten ihre

- 4 -

�verstärkten ihre Rüstung immer weiter.

Die Zeitschrift "Economist" spricht in einem Artikel von "Winterschlaf" und vermutet, daß die Sowjetunion derzeit vielleicht keine Antworten hat und sich deshalb zu einem Winterschlaf entschlossen hat, sich
zurückzuziehen und überhaupt nichts zu sagen.

Aber wir haben nicht den Eindruck, in diesem Zusammenhang im Unrecht
zu sein. Sie haben den Verhandlungstisch verlassen. Sie haben die STARTVerhandlungen verlassen, die sich auf die Gesamtlage im Nuklearbereich
bezogen.

Wir haben ihnen immer wieder gesagt, wie flexibel zu sein wir bereit
seien. Wir sind auf einige ihrer Punkte eingegangen, wo sie der Meinung
waren, unser erster Vorschlag erkenne ihre Problematik nicht. Wir sagten
also: "Nun gut, sagt uns, was das für Probleme sind und wir werden sie
lösen."

Ich glaube aber, daß ihr Schweigen keine große Gefahr darstellt. Ich
glaube, sie sind nicht sehr glücklich darüber, daß wir unsere Streitkräfte modernisiert haben, nachdem wir vorher jahrelang einseitig abgerüstet
hatten, in der Hoffnung darauf, daß sie Gleiches tun würden, was aber
nicht geschah. Sie fuhren mit der größtmöglichen Aufrüstung fort.

Wir sind bereit. Und wir führen überdies Verhandlungen mit ihnen - in
aller Stille und hinsichtlich einer ganzen Reihe von Themen, die für sie
von Interesse sind. Wir haben ihnen gesagt, daß wir bereit sind, daß wir
gewillt sind, über all diese speziellen Fragen zu sprechen; und diese Gespräche finden statt, es gibt da auch eine gewisse Produktivität.

Aber wenn ich immer wieder der harschen Rhetorik beschuldigt werde...
Gerade gab es diese so überaus bewegende Feier am Grab des unbekannten
Soldaten. Und da denke ich, es geht schon etwas weit, wenn die Sowjetunion dies öffentlich als "eine militaristische Orgie" bezeichnet. Ich
weiß ganz einfach nicht, wie man dies aus einer Zeremonie für einen jungen Mann herauslesen kann, dessen Name nur Gott kennt, aber der sein

- 5 -

�der sein Leben im Dienst für sein Land gab und den man hier auf dem
Arlington-Friedhof beerdigt hat.

Deshalb meine ich, es ist an der Zeit, daß die Welt zu fragen beginnt, wann die Sowjetunion endlich in Bewegung geraten will, wann sie
mit einem Vorschlag kommt. Gegenwärtig setzen wir uns in Stockholm bei
diesen Treffen mit ihnen auseinander. Und zusammen mit unseren NATOVerbündeten setzen wir uns mit ihnen bei den Wiener Gesprächen über
Truppenabbau auseinander. Aber sie verweigern hartnäckig ein Gespräch
über Kernwaffen.

Das sollte uns nicht überraschen. Unsere Bemühung, sie in Nukleargespräche einzubinden, ist, glaube ich, die zwanzigste dieser Art seit
dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Und das einzige erfolgreiche Abkommen
war der ABM-Vertrag. Aber erinnern Sie sich doch, wie dieser Vertrag
zustande kam. Wir versuchten eine ganze Zeitlang, einen solchen Vertrag
zu bekommen - und die Sowjets weigerten sich. Dann stimmte unser Kongreß
eines Tages Geldern für Forschung und Bau einer Raketenabwehr-Rakete zu.
Plötzlich erklärten sie sich bereit, an den Verhandlungstisch zu kommen
und über einen Vertrag zum Verbot dieser Waffen zu sprechen. Nun, ich
glaube, sie sind jetzt am Zuge. Wir sind bereit, falls es etwas geben
sollte, was wir tun können. Aber wir werden ihnen keine großen Konzessionen als Belohnung dafür machen, daß sie den Verhandlungstisch verlassen
haben.

FRAGE: Herr Präsident, seit einigen Jahren hören wir von dem unsicheren Bündnis. Es ist eine amerikanische Klage hinsichtlich der europäischen Verbündeten. Jetzt aber hört man in Europa von der Sorge hinsichtlich einer sogenannten Verlagerung vom Atlantik hin zum Pazifik. Wie ist
Ihre Reaktion hierauf? Was sagen Sie dazu?

ANTWORT: Nun, das ist ganz einfach. Lassen Sie mich nur einfach sagen, daß wir erst letzten Abend in diesem Raum, in dem wir jetzt sind,
ein sehr angenehmes Essen mit den 16 Außenministern der 16 Staaten des
Bündnisses hatten. Ich glaube nicht, daß diese Beziehungen jemals enger,
besser oder stärker waren als eben jetzt. Da haben wir wirklich keinerlei

- 6 -

�wirklich keinerlei Bedenken.

Gleichzeitig sind die Vereinigten Staaten - so, wie sie hier in der
westlichen Hemisphäre am Rand des pazifischen Beckens liegen - immer auch
eine pazifische Nation gewesen. Und so sehen wir denn auch keinerlei Einschränkungen hinsichtlich unserer engen Beziehungen zum europäischen Bündnis, erkennen aber, daß wir auch Freunde und Verbündete auf der anderen
Seite des Pazifik haben. Unser Bemühen gilt denn auch der Erhaltung und
Stärkung dieser Beziehungen, um Frieden und freundschaftliche Beziehungen
in diesem Teil der Welt zu haben.
Deshalb ist Japan einer unserer engen Freunde und Verbündeten und ist
sicherlich auch ein enger Freund und Verbündeter Europas. Und ich meine,
daß auch die Reise, die wir in die Volksrepublik China unternahmen, sehr
fruchtbar gewesen ist. Die asiatischen Staaten weiter südwärts, in Südwestasien, sind bemüht, den Frieden zu wahren und eine Lösung des Kamputschea-Problems zu erreichen... Nein, ich meine, wir haben einmal im
Osten und im Westen an zwei Fronten gleichzeitig Krieg geführt und können
sicherlich auch im Osten wie im Westen gleichermaßen jetzt Nachbarn und
Freunde sein.

FRAGE: Ich möchte Ihnen gern eine Frage über ein handelspolitisches
Thema stellen. Ich glaube, daß Sie aus dem Kongreß heraus mit einem sehr
starken protektionistischen Trend konfrontiert sind. Die Japaner sind
sich dessen bewußt und tun was sie können, um ihren Markt zu öffnen. Ich
möchte gern wissen, wie Sie diese japanischen Bemühungen zur Marktöffnung
bewerten. Noch eine weitere Frage in diesem Zusammenhang: Glauben Sie,
daß Japan auch nach Ablauf des nächsten Jahres an der Politik der Selbstbeschränkung bei den Automobileinfuhren in Ihr Land festhalten sollte ?

ANTWORT: Ich freue mich, daß Sie die Dinge beim richtigen Namen genannt haben, denn unsere eigene Presse hat - ohne bewußt falsch informieren zu wollen - den Bürgern unseres Landes den Eindruck vermittelt, daß
es sich bei diesen Einfuhrbeschränkungen um etwas handelt, was wir den
Japanern aufgezwungen haben bzw. daß wir sie zu einer Kontingentierung
ihrer Automobileinfuhren aufgefordert haben. Ich möchte die Gelegenheit

- 7 -

�die Gelegenheit ergreifen und wiederholen, was Sie bereits sagten, nämlich, daß Japan sich angesichts der enormen Schwierigkeiten, in die unsere Autoindustrie in Folge der großen Rezession gekommen war, aus freien
Stücken zu diesem Schritt entschlossen hat. Wir konnten mit den japanischen Herstellern preismäßig einfach nicht mehr mithalten. Japan selbst
hat sich dann aus freien Stücken bereit erklärt, den Automobilabsatz auf
dem amerikanischen Markt zu beschränken.

Bis zu einer Verlängerung dieser Maßnahme - falls sie sich überhaupt
als notwendig erweisen sollte - ist noch einige Monate Zeit, und sie
stünde völlig im Ermessen Japans. Was nun die Handelspolitik im Allgemeinen angeht, so möchte ich bemerken, daß sich Ministerpräsident Nakasone
als ein förmlicher Turm an Stärke erwiesen hat in seinem Glauben an die
Handelsbeziehungen zwischen unseren beiden Ländern und an die Notwendigkeit, sie zu verbessern und bestehende Ungerechtigkeiten auszuräumen. Es
sind bereits große Fortschritte erzielt worden. Wie Sie wissen, hat mich
meine vorletzte Reise nach Japan geführt, wo ich mit Ministerpräsident
Nakasone zusammengetroffen bin. Seitdem haben weitere Begegnungen auf
Kabinettsebene stattgefunden, an denen Finanzminister Regan und andere
beteiligt waren. Ministerpräsident Nakasone und sein Kabinett haben sich
in Zusammenarbeit mit ihren amerikanischen Kollegen bemüht, einige Ungerechtigkeiten zu korrigieren. Ich glaube, wir haben als Handelspartner
größere Fortschritte erzielt als im ganzen vorhergehenden Vierteljahrhundert, und wir sind uns dieser Tatsache in vollem Umfang bewußt.

FRAGE; Herr Präsident, das leitet glatt über zu einer Frage zum
Gipfeltreffen in London, das auf Ihrer Reiseroute liegt. Wir nehmen an,
daß die Amerikaner sich dort wegen der steigenden Zinssätze und Haushaltsdefizite in den Vereinigten Staaten einigem Druck ausgesetzt sehen
werden. Bringen Sie eine Botschaft mit nach London ?
ANTWORT; Ja. Ich möchte den anderen Teilnehmern darlegen, daß, wenn
man diese Defizite in Prozenten vom Bruttosozialprodukt ausdrückt, wir
mit unseren Defiziten gar nicht so weit ab liegen von den Defiziten unserer auf dem Gipfel vertretenen Verbündeten. Sie haben ebenfalls Defizite
zu verzeichnen, meines Erachtens wahrscheinlich alle von ihnen, wenn auch

- 8 -

�!

wenn auch nicht in gleichem Umfang.

Wir arbeiten hart an der Bewältigung unseres Defizits. Was ich in
London mitzuteilen habe, ist, daß wir nun das Repräsentantenhaus und den
Senat veranlaßt haben, sich in einem Vermittlungsausschuß um einen Ausgleich ihrer Meinungsgegensätze über das zu bemühen, worum ich zuvor nachgesucht hatte, nämlich um eine sofortige Verringerung des Defizits um
eine erste Tranche in der Größenordnung von 150 Milliarden Dollar während
der nächsten drei Jahre. Ich glaube, daß wir das so machen können. Es
bleiben nur noch einige Einzelheiten, über die noch Übereinstimmung erzielt werden muß.

Eine andere Botschaft, die ich übermitteln kann, ist, daß ich einen
ausgeglichenen Haushalt anstrebe. Ich bemühe mich, die Verpflichtung zu
einem ausgeglichenen Haushalt in einem Verfassungszusatz verankern zu
lassen. Weiterhin bemühe ich mich, das Recht zum "selektiven Veto" zu
bekommen. Es gibt da diese alte politische Gepflogenheit, irgendein Haushaltsgesetz, das nicht allzu viel taugt, mit einer wirklich guten Gesetzesvorlage zu koppeln, und weil man für diese gute Gesetzesvorlage ist,
verabschiedet man schließlich notgedrungen auch die schlechte. Als Gouverneur von Kalifornien hatte ich ein "selektives Vetorecht". Ich hatte die
Möglichkeit, einzugreifen und durch Veto das unerwünschte Anhängsel aus
der guten Gesetzesvorlage herauszutilgen. Der Legislative blieb dann immer noch die Möglichkeit, mein Veto niederzustimmen, wozu es allerdings
einer Zweidrittelmehrheit bedurfte. Nun, in acht Jahren habe ich 943 mal
mein Veto eingelegt, ohne daß es je niedergestimmt worden wäre, denn wenn
sie erst einmal gezwungen waren, über das schlechte Gesetz gesondert abzustimmen, d.h., ohne daß die gute Gesetzesvorlage die Aufmerksamkeit von
ihm ablenkte, entschieden sie sich dann doch dagegen. Nun, das gleiche
Verfahren hätte ich gern jetzt wieder.

Wenn wir die erste Tranche einer Defizitverringerung bewilligt bekommen, werden wir ab nächstem Jahr außerdem damit beginnen, die rund
2400 Empfehlungen in die Tat umzusetzen, die uns von einer Gruppe von
Privatleuten unterbreitet worden sind. Mehr als 2000 von den Wirtschaftsführern unseres Landes sind aus freien Stücken zusammengekommen und haben

- 9 -

�\

und haben auf unsere Einladung hin jeden Bereich der Regierungsgeschäfte
untersucht und diese Tausende von Empfehlungen erarbeitet, mit denen sie
versucht haben, aufzuzeigen, wie man die Effektivität der Regierungsarbeit durch Einführung von modernen, im Wirtschaftsleben erprobten Methoden erhöhen könnte. Wenn man so verfahren würde, könnten astronomische
Summen eingespart werden.

Einige dieser Empfehlungen sind auf meine Anweisung hin bereits verwirklicht worden. Die meisten würden zweifellos zu Veränderungen führen,
die gesetzgeberische Maßnahmen des Kongresses erforderlich machen würden,
aber wir verfolgen diese Sache weiter. Wir haben eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die diese Empfehlungen und den erforderlichen gesetzgeberischen
Rahmen untersucht ... Wir werden das Problem der Defizite also anpacken.

Wie ich im zweiten Teil meiner Botschaft darzulegen gedenke, glaube
ich nun aber nicht, daß die Defizite mit unseren hohen Zinssätzen irgendetwas zu tun haben, denn genau zu dem Zeitpunkt, an dem wir die Zinssätze, die wir von der vorhergehenden Administration geerbt hatten, von
21,5 Prozent auf ein nur noch halb so hohes Niveau heruntergebracht hatten, begann das Defizit zu wachsen.

Wie konnte das denn so kommen, und was für ein Zusammenhang besteht
dann mit den niedrigeren Zinssätzen, die wir ja schon wieder erreicht
haben, wenn es stimmt, daß Defizite hohe Zinssätze bedingen ?
Tatsächlich haben die letzteren nur eine einzige Ursache. Der Kapitalmarkt ist noch nicht davon überzeugt, daß wir die Inflation im Griff
haben. Seit dem 2. Weltkrieg haben wir etwa acht Rezessionen erlebt, und
jedesmal hat die Regierung versucht, im Schnellverfahren mit ihnen fertig
zu werden, was aber auch jedesmal zu einem Ansteigen der Inflation führte.

Wir erleben die am längsten anhaltende Phase weltweiter Inflation in
der Weltgeschichte. Seit zwei Jahren haben wir jedoch eine Inflationsrate
von weniger als 4 Prozent gegenüber 12,4 Prozent früher. Im ersten Quartal dieses Jahres lag sie wieder unter 4 Prozent. Ich meine, wir haben

- 10 -

�wir haben die Inflation im Griff, und wir sind entschlossen, sie auch im
Griff zu behalten.

Ich glaube, wenn der Kongreß erst einmal die bewußten gesetzgeberischen Schritte in Bezug auf das Defizit getroffen hat, und wenn die Wirtschaft sieht, daß wir den Markt nicht mit Geld überschwemmen und keine
schnellen Patentlösungen suchen, dann wird sich der Markt auch wieder vernünftiger verhalten, und wir werden ein Sinken der Zinssätze erleben. Mag
sein, daß es in diesem Prozeß hier und da kleinere Störungen geben wird,
aber ich glaube, so etwas ist nur Ausdruck eines wirtschaftlichen Prinzips, von dem ich während meiner eigenen wirtschaftswissenschaftlichen
Studien hörte: Nichts ist so scheu wie eine Million Dollar. (Gelächter)

FRAGE: Herr Präsident, Ihr Botschafter in Ottawa, Herr Paul Robinson,
ist ein recht offenherziger Zeitgenosse, und in seiner offenherzigen Art
kritisierte er kürzlich den Umfang der kanadischen Verteidigungsausgaben,
wobei er sagte, daß Kanada seinen Verpflichtungen gegenüber der NATO
nicht nachkomme. Außerdem meinte er, daß die scheidende Regierung Trudeau
amerikanische Anleger sehr schlecht behandelt habe. Sind das nur Herrn
Robinsons persönliche Ansichten, oder werden diese Ansichten von Ihnen
und Ihrer Administration geteilt ?

ANTWORT: Da ich all dies in diesem Augenblick zum ersten Mal höre,
muß es sich wohl um seine persönlichen Ansichten handeln. Ich weiß allerdings, daß Kanada in der jüngsten Vergangenheit getan hat, was einige von
unseren KongreGabgeordneten auch gern tun würden, wenn man sie ließe, nämlich die Verteidigungsausgaben zu kürzen. Wenn schon gekürzt werden muß,
dann würden sie lieber beim Wehretat als irgendwo sonst kürzen. Was die
Frage der Auslandsinvestitionen angeht, so hatten wir darüber bereits Gespräche und werden auf dem Gipfel wahrscheinlich noch weitere haben. Unsere Standpunkte gehen in dieser Frage etwas auseinander, aber damit werden
wir uns auf dem Gipfeltreffen befassen.

FRAGE: Sie glauben also nicht, daß die Regierung Trudeau amerikanische Anleger schlecht behandelt hat ?
ANTWORT: Sie

- 11 -

�ANTWORT: Sie versuchen doch nicht etwa, einen Zusammenstoß zwischen
mir und unserem Botschafter zu provozieren ? Ich möchte nicht mehr sagen,
als daß es zwischen unseren beiden Ländern einige Meinungsunterschiede in
der Frage der Auslandsinvestitionen gibt, was aber nichts daran ändert,
daß Kanada unser Haupthandelspartner bleibt und daß wir nach wie vor glauben, daß Kanada ein so enger Freund ist, wie ihn sich ein Volk nur wünschen kann.

+ + + + +

- 12 -

�I7]T37

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Juni 1984

23

ANSPRACHE VON BOTSCHAFTER BURNS IN HEIDELBERG
- Gehalten vor Examensabsolventen der Universität Maryland
am 27. Mai 1984 -

-(AD)- Anläßlich der Examensfeierlichkeiten der Universität Maryland
hielt der Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik,
Arthur F. B u m s , am 27. Mai 1984 in Heidelberg vor den Absolventen der
Universität eine Rede.
Die Ansprache des Botschafters hatte folgenden Wortlaut:
Als amerikanischer Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland und
als ehemaliger Hochschulprofessor fühle ich mich doppelt geehrt, daß ich
zusammen mit Ihnen diesem wichtigen Ereignis beiwohnen darf.
Dieser ExamensJahrgang unterscheidet sich von allen anderen, zu denen
ich je gesprochen habe oder von denen ich auch nur Näheres gehört habe.
Die Examensklasse eines typischen amerikanischen College besteht aus jungen Männern und Frauen, von denen die meisten nahezu ihr gesamtes Leben
in der Schule verbracht haben, von denen nur sehr wenige bereits nennenswerte praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt gewonnen haben, von denen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�von denen die meisten noch nicht die Verantwortung für eine Familie übernommen haben, von denen nur sehr wenige jemals außerhalb der Vereinigten
Staaten gelebt haben, und von denen viele nur deshalb auf dem College
sind, weil ihre Eltern darauf bestanden haben.

Sie, die ich hier nach bestandenem Examen vor mir sehe, bilden jedoch
eine Gruppe ganz anderer Art. Sie sind älter als der typische CollegeAbsolvent. Sie leben, arbeiten und studieren außerhalb ihres Heimatlandes. So gut wie alle von Ihnen gehen in der einen oder anderen Weise
einer anspruchsvollen beruflichen Tätigkeit nach. Die meisten von Ihnen
sind verheiratet und haben Kinder, die einer liebevollen Fürsorge und
Förderung bedürfen. Trotz der Anforderungen, die Ihnen aus Ihrer Berufstätigkeit erwachsen, und trotz der Verpflichtungen gegenüber Ihren Familien haben Sie die innere Kraft aufgebracht, Abende und Wochenenden im
Hörsaal eines College oder beim Studium zu Hause zu verbringen, wobei
Ihnen in vollem Umfang bewußt war, daß Sie dies über viele Jahre hinweg
durchhalten mußten, bevor Sie einen akademischen Grad erwerben konnten.
Sie haben diese Opfer bewußt und gänzlich aus eigener Kraft heraus gebracht. Sie haben all dies getan, weil es Ihnen um die Erlangung von
Wissen und Wahrheit um ihrer selbst willen ging und auch, weil Sie entschlossen waren, in Ihrem erwählten Beruf und als Bürger Ihres Heimatlandes eine konstruktive Rolle zu spielen.

Der heutige Examenstag kennzeichnet daher für jeden von Ihnen nicht
nur die Erfüllung eines lange gehegten Traumes. Er legt auch beredtes
Zeugnis dafür ab, daß man im Leben durch Charakterstärke, Opferbereitschaft und innere Kraft Großes und Dauerhaftes erreichen kann. Sie alle
haben die Gratulationen und guten Wünsche, die Ihnen nun von Ihren Lehrern, Familien und Freunden zuteil werden, voll und ganz verdient, und es
ist mir in der Tat eine ganz besondere Ehre, mich hierin Ihren Freunden
und allen anderen, die sich mit Ihnen freuen, anzuschließen.

Als gereiften Männern und Frauen ist Ihnen allen bewußt, daß wirkliches Lernen ein niemals endender Prozeß ist. Es gibt indessen bei diesem
Erkenntnisprozeß nützliche Pausen und sicherlich auch neue Richtungen,
die man im Streben nach Vervollkommnung der eigenen Persönlichkeit ein-

- 2 -

�Persönlichkeit einschlagen kann. Nachdem Sie nun an dieser ausgezeichneten Hochschule akademische Grade erworben haben, bleibt vielen von Ihnen
noch eine gewisse Zeit, die Sie in Deutschland verbringen werden. Sie haben nun mehr Zeit für Ihre Familien und auch für die vielen Dinge, die
Deutschland zu bieten hat. Dies bemerkenswerte Land bietet Ihnen und
Ihren Familien Möglichkeiten, die sich Ihnen vielleicht nie wieder eröffnen werden. Ich hoffe daher, daß Sie ein wenig Zeit dafür aufwenden werden, sich die Gegenden von Deutschland anzuschauen, die Sie noch nicht
besucht haben. Ich hoffe, daß Sie nun einige von den Dingen tun werden,
die Sie aufgeschoben haben, weil Ihnen Ihr Studium am College so wenig
Freizeit gelassen hat. Vielleicht gehen Sie nun ein wenig häufiger ins
Konzert oder in die Oper, besuchen einen Dom oder ein Museum, verbringen
ein oder auch zwei Tage am Rhein, speisen in einem berühmten Restaurant
oder wohnen einer Sportveranstaltung bei. Am meisten hoffe ich jedoch,
daß einige Ihrer Bekanntschaften mit Deutschen während Ihres verbleibenden Aufenthalts hier sich zu echten und dauerhaften Freundschaften fortentwickeln werden. Ich meine, es gibt keine bessere Erinnerung, die man
von Deutschland mit nach Hause nehmen kann, als das Erlebnis der Freundschaft mit einigen der liebenswerten Bürgern dieses Landes.

Das zwischenmenschliche Verstehen ist immer unvollkommen. Das ist das
Geschick des Menschen auf Erden. Wir wissen dies aus unserer Alltagserfahrung. Eltern verstehen nicht immer ihre Kinder oder Kinder ihre Eltern.
Zwischen Ehegatten ist dies genauso und auch zwischen Arbeitgebern und ihren Beschäftigten, zwischen Vermietern und Mietern, zwischen Bankiers und
Kreditnehmern und - wie ich hier an diesem Ort kaum hinzufügen muß - auch
zwischen Hochschullehrern und Studenten. Wenn es nun aber schon innerhalb
unserer Familien, Schulen und Arbeitsstätten zu Mißverständnissen kommen
kann, dann können sie noch weitaus leichter zwischen Nationen entstehen
und sogar gedeihen, weil Unterschiede in Geschichte und Sprache zusammen
mit der Begrenztheit direkter Kontakte zwischen den Völkern Mißverständnisse und manchmal unglückseligerweise sogar Mißtrauen hervorbringen können. Ich habe meine Position als Botschafter in diesem Lande nun schon im
dritten Jahr inne, aber immer noch erstaunen mich die seltsamen Ansichten
über die Vereinigten Staaten, die hochrangige Europäer hin und wieder zum
Ausdruck bringen. Ich sollte hinzufügen, daß umgekehrt das gleiche gilt.
Zu den

�Zu den Hauptaufgaben eines Botschafters gehört es, das Gestrüpp von
falschen Vorstellungen auszulichten, das zuweilen die Beziehungen zwischen seiner eigenen Regierung und der, bei der er akkreditiert ist, beeinträchtigt. Was ein Botschafter oder seine Mitarbeiter in dieser Hinsicht erreichen können, ist jedoch immer sehr begrenzt. Die Herstellung
echten Verständnisses zwischen zwei Regierungen hängt ganz fundamental
von der Art der Beziehungen zwischen ihren Völkern ab, nicht so sehr von
ihren Außenministern oder von den offiziell ernannten Botschaftern. In
demokratischen Staaten werden Regierungen unweigerlich vom Denken ihrer
Bürger beeinflußt, und zwar dergestalt, daß ihre Politik dies Denken sogar in erheblichem Umfang widerspiegelt. Das macht das Bestehen eines aus
gedehnten Geflechts persönlicher Kontakte zwischen Deutschen und Amerikanern so außerordentlich wichtig. Wenn wir ein besseres Verständnis dafür
erlangen, wie in unseren beiden Ländern Arbeit und Spiel geregelt sind,
wie das Leben in unseren Privathaushalten und Gemeinden abläuft, welche
Sorgen unsere beiden Völker haben und wonach sie streben, so ist dies die
bestmögliche Art und Weise, zu gewährleisten, daß sich die westliche Welt
auch weiterhin des Friedens, der Freiheit und des Wohlstands erfreut.

Als Amerikaner, die hier arbeiten, leben und studieren, haben Sie
natürlich dabei mitgewirkt, den Bürgern der Bundesrepublik Deutschland
ein besseres Verständnis unseres Landes zu vermitteln. Auch wenn Sie dies
Land verlassen haben werden, wird ihre Rolle bei der Förderung des Verständnisses zwischen Deutschen und Amerikanern noch nicht beendet sein,
denn wenn Sie in die Vereinigten Staaten heimkehren, in die großen und
kleinen Gemeinden überall in unserem Lande, werden die Leute natürlich
fragen: "Wie war es ? Wie sind die Deutschen wirklich ?" Obwohl wahrscheinlich wenige von Ihnen vorgeben würden, Experten für Deutschland
oder die Deutschen zu sein, besitzen doch die meisten von Ihnen mehr
Kenntnisse und Erfahrungen als ihre Verwandten, Freunde und Nachbarn in
den Vereinigten Staaten. Das wird viele veranlassen, Ihren Erzählungen
aufmerksam zu lauschen.

In den nächsten Jahren werden Sie daher bei der Schaffung von gutem
Willen zwischen den Völkern eine gewichtige Rolle spielen. Wie Sie wissen, besteht in den Vereinigten Staaten vielfach Sorge über politische

- 4 -

�über politische Trends in Deutschland. Wegen der Anti-Raketen-Demonstrationen im Herbst letzten Jahres haben viele Amerikaner einen schlechten
Eindruck von den Deutschen bekommen. Viele haben den Eindruck gewonnen,
daß die Deutschen, und zwar insbesondere die jungen Deutschen, nicht mehr
zur NATO und zu den demokratischen Werten stehen, zu deren Schutz sie
geschaffen wurde. Viele haben die Raketendemonstrationen als Manifestationen von Anti-Amerikanismus verstanden.

Seit einiger Zeit fragen daher viele Amerikaner: "Warum sollen wir
weiterhin die Deutschen und andere Europäer schützen, wenn sie augenscheinlich nicht mehr bereit sind, sich selbst zu verteidigen und unsere
Hilfe nicht einmal zu würdigen wissen ?" Ihre Reaktionen auf solche Fragen von besorgten Amerikanern können eine positive Wirkung ausüben. Meistens beruhen die Sorgen dieser Amerikaner auf einem Mangel an hinlänglichen und korrekten Informationen. Beispielsweise ist nur wenigen Amerikanern bekannt, daß unsere europäischen Verbündeten etwa 90 Prozent der in
Europa stationierten Bodentruppen der NATO stellen oder daß auch bei den
Luft- und Seestreitkräften, die die NATO in Europa unterhält, rund 75 Prozent der Mannschaftsstärke von unseren Verbündeten gestellt wird. Außerdem erkennen viele Amerikaner nicht, daß wir unsere verteidigungspolitischen Verpflichtungen in Europa nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit
übernommen haben, d.h., daß wir nicht einfach nur deshalb hier sind, weil
wir ein solch großzügiges Volk sind. Nein, vielmehr sind amerikanische
Militäreinheiten hier stationiert, weil die Stärke und der Wohlstand unseres Amerika erheblich beeinträchtigt würde, wenn der Friede und die Freiheit unserer demokratischen Partner in Westeuropa untergraben würden.

Sie, die sie ihr Examen bestanden haben, wissen dies, weil sie hier
in Deutschland gelebt haben. Sie wissen auch, daß diejenigen, die gegen
die Politik der Vereinigten Staaten und gegen die amerikanische Präsenz
in Europa protestieren, nicht für alle Deutschen sprechen. Aus vielfältigen deutsch-amerikanischen Begegnungen und aus Einzelkontakten mit Deutschen wissen Sie, daß die amerikanischen Verpflichtungen im Rahmen der
NATO und die Opfer, die amerikanische Soldaten und ihre Familien für die
Sicherung des Friedens und der Freiheit dieses Landes bringen, von der
großen Mehrheit des deutschen Volkes anerkannt und gewürdigt werden.
Sie alle

�Sie alle sind während ihres Aufenthalts in Deutschland schon seit Jahren Teilzeit-Botschafter der Vereinigten Staaten. Es erscheint mir nur logisch, anzunehmen, daß es nach Ihrer Rückkehr in die Vereinigten Staaten
bis zu einem gewissen Grade zu einem Rollentausch kommen wird, so daß sie
dann Teilzeit-Botschafter der Bundesrepublik Deutschland sein werden.
Ich gratuliere Ihnen allen dazu, daß sie die Bedingungen für den
akademischen Grad des Bakkalaureats erfüllen konnten, und ich wünsche
Ihnen und Ihren Familien alles Gute für die Zukunft.

+ + + + +

�23

6. Juni 1984

DIE XXIII. OLYMPISCHEN SPIELE IN LOS ANGELES

- (5) - Ein Rückblick auf die Spiele des Jahres 1932 -

- (AD) - Los Angeles war schon einmal Austragungsort der Olympischen
Spiele:

1932 litt die Welt unter den Auswirkungen der Depression, kämpf-

ten die Organisatoren mit den Schwierigkeiten, die Spiele überhaupt veranstalten zu können und unternahm Deutschland den Versuch, die Spiele zu
boykottieren.

Trotz all dieser Hindernisse erklärten Zuschauer, Organisatoren und
die Spieler selbst die X. Olympischen Spiele zu einem Erfolg. Kaliforniens sprichwörtlich goldenes Klima bildete den idealen Hintergrund für
die Menschenmengen, die lautstark die Sportler zu neuen Rekorden anfeuerten.

Die Organisatoren hatten befürchtet, daß einige Staaten - als Folge
der Wirtschaftskrise, die die Welt in ihrem Würgegriff hielt - es sich
nicht würden leisten können, ihre Sportler nach Los Angeles zu senden.

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: £-85432

�zu senden. Doch derlei Ängste waren unbegründet.

Zweitausend Sportler

aus 39 Staaten kamen nach Los Angeles. Fehlte es an Mitteln, so siegte
der Einfallsreichtum.

Zuletzt schickten auch die Deutschen 125 ihrer

besten Sportler.

Die wahrscheinlich ungewöhnlichste Mannschaft wurde durch die "Employers Casualty Company" - eine Versicherungsgesellschaft - in Dallas gefördert:

Bei den vorolympischen Ausscheidungen an der Northwestern Univer-

sity in Illinois landete sie im Kugelstoßen, im Speerwerfen, im Weitsprung sowie im 80-Meter-Hürdenlauf auf dem ersten Platz, teilte sich den
ersten Platz im Hochsprung und wurde beim Diskuswerfen Vierte. Diese
Mannschaft aus Texas bestand aus einer einzigen Person: Mildreci "Babe"
Didrikson. Kaum 18 Jahre alt, sechstes Kind eines aus Norwegen eingewanderten Kunsttischlers, gewann sie den landesweiten Wettkampf der
Frauenmannschaften; die Frauenriege des Illinois Women's Athletic Club
wurde zweiter.

Durch die Regelung beschränkt, wonach jeder Sportler bei den Olympischen Spielen nur an höchstens drei Wettbewerben teilnehmen kann, wählte sie Hochsprung, Hürdenlauf und

Speerwerfen - und schaffte in allen

drei Disziplinen einen neuen Weltrekord.

Allerdings gewann sie im Hoch-

sprung nicht die Goldmedaille, weil sie wegen "Tauchens" disqualifiziert
wurde - sie war, entgegen den damals geltenden Regeln, nicht mit den
Füßen zuerst über die Latte gekommen.

So blieb ihr immerhin noch die

Silbermedaille.

Paul Gallico, ein Reporter der "New York Daily News", fragte sie:
"Gibt es überhaupt eine Disziplin, die sie nicht betreiben?" "Ja", erwiderte sie, "Puppenwagenfahren."

Auch die Spiele des Jahres 1932 hatten ihre Helden. Eddie Tolan, ein
Kurzstreckenläufer aus Michigan, erzielte Weltrekord über 100 Meter und
olympischen Rekord über 200 Meter - kaugummikauend, mit einer mit Klebeband festgehaltenen Hornbrille und mit bandagiertem Knie.

Beim Rudern

�Beim Rudern besiegte der Achter der Universität von Kalifornien ganz
knapp die italienische Mannschaft: "In der ganzen Geschichte des amrikanischen Rudersports", schrieb ein Reporter der "New York Times" hat es
noch kein spannenderes oder kampfbetonteres Bootsrennen gegeben".

Insgesamt gewannen die Vereinigten Staaten AI Goldmedaillen. Die
amerikanische Leichtathletikmannschaft, der es darum ging, ihre schlechten Leistungen bei den Spielen 1928 vergessen zu machen, gewann 11 von 23
Wettbewerben, setzte zehn olympische Rekorde und brach fünf Weltrekorde
in der Leichtathletik.

Aber natürlich gingen Goldmedaillen in die ganze Welt:

Italien er-

rang 12, vier davon im Turnen; Frankreich zehn, drei davon im Gewichtheben; Schweden neun, vier davon im Ringen, und Japan sieben, wobei die
Schwimmer fünf davontrugen.

Indien schließlich gewann das Hockey-

Turnier, nachdem die Vereinigten Staaten 24-1 besiegt worden waren.

Bei den Schwimmwettbewerben der Männer dominierten die Japaner.

Ihre

Vierermannschaft bei den 800 Metern unterbot den Olympiarekord um 38 Sekunden.

Aber noch erstaunlicher war ihr Alter. Kusuo Kitamura, der die

anstrengenden 1500 Meter Freistil gewann, war nur 14; Masaji Kiyokawa,
Gewinner der 100 Meter Rücken, war 16 und Yasuji Miyazaki, der die 100
Meter Freistil gewann, war 17.

Eine Amerikanerin, Clarence "Buster" Crabbe, durchbrach das japanische Monopol und unterbot den olympischen Rekord in den 400 Metern
Freistil, zwei weitere Amerikaner, Michael Galitzen und Harold Smith,
wurden Erste im Kunstspringen.

(Crabbe wurde später als "Flash Gordon"

in den Science-fiction-Filmen Hollywoods bekannt.)

Um Kosten zu einzusparen, errichtete das Olympische Komitee von Los
Angeles für die Sportler das erste Olympische Dorf, wo diese für zwei
Dollar täglich essen, übernachten und sich vergnügen konnten. Das Dorf
erstreckte sich über 130 Hektar, bestand aus 550 Bungalows, 40 Küchen,
einem Krankenhaus, einer Bibliothek und einem Postamt. Es wurde ein

�Es wurde ein solcher Erfolg, daß das Olympische Komitee von Los Angeles
mit dem Argument, dadurch internationales Verständnis gefördert zu haben,
für einen Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde.

Das Komitee hatte mit seinen Planungen für die Spiele schon lange vor
deren Beginn angefangen: Bereits 1923 wurde beim Bau des 96 000 Personen
fassenden Los Angeles Memorial Coliseum an die Olympiade gedacht. Zu den
anderen Anlagen, die für die Spiele 1932 errichtet wurden, gehörte eine
Olympiahalle für die Box- und Ringerveranstaltungen, die Plätze für
10 000 Zuschauer hatte; außerdem ein Kunstmuseum für den Olympischen
Kunstwettbewerb; schließlich ein Schwimmbecken, ein Bowlingplatz, eine
Schießanlage und Tennisplätze.

Viele der für die Spiele des Jahres 1932 errichteten Anlagen wurden
renoviert und werden auch bei der Olympiade 1984 verwendet.

+ + + + +

- 4-

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