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                  <text>^^^F^M

nrormouon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

18

2. Mai 1984
I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan unterzeichnet amerikanisch-chinesische Wirtschafts- und Kulturabkommen - weitere Abkommen paraphiert
- Erklärung des Präsidenten und Hintergrundinformationen Reagan: Gemeinsames zwischen USA und China bedeutsamer als Trennendes
- Toasts des US-Präsidenten in Peking Reagan schlägt vier Gesetze zur Bekämpfung des Terrorismus vor
- Schreiben des US-Präsidenten an den Kongreß Wissenschaftsberater George Keyworth erhofft neue Impulse für Rüstungskontrolle durch strategische Defensivwaffen
- Anhörung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats HINTERGRUNDMATERIAL
Die XXIII. Olympischen Spiele in Los Angeles
- (2) Die Organisation der Spiele WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AIDS-Erreger entdeckt?
- Generalangriff gegen die Krankheit mit biochemischen Verfahren Neue Erkenntnisse zur Evolution
- Polargebiete sind Urheimat vieler Pflanzen- und Tiergruppen -

Um Übef/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel-: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�18

2. Mai 1984

REAGAN UNTERZEICHNET AMERIKANISCH-CHINESISCHE WIRTSCHAFTSUND KULTURABKOMMEN - WEITERE ABKOMMEN PARAPHIERT
- Erklärung des Präsidenten und Hintergrundinformationen -

Peking -(AD)- Am 30. April 1984 unterzeichnete Präsident Reagan
in Peking mehrere amerikanisch-chinesische Wirtschafts- und Kulturabkommen. Er wohnte bei dieser Gelegenheit auch der Paraphierung
eines bilateralen Abkommens über die friedliche Nutzung der Kernenergie und weiterer Dokumente bei. Das Weiße Haus veröffentlichte aus
diesem Anlaß verschiedene Materialien, in denen der Hintergrund und
Inhalt dieser Abkommen in Kurzfassung dokumentiert wird.
Die Erklärung, die Präsident Reagan bei der Unterzeichnungszeremonie
abgab, hatte folgenden Wortlaut:
Die Entwicklung der amerikanisch-chinesischen Beziehungen bildet
einen der Meilensteine in der Diplomatie der Nachkriegszeit. Heute
unternehmen wir weitere Schritte zur Stärkung und Verbreiterung
unserer Bindungen, deren Grundlage das von beiden Ländern anerkannte
Prinzip beiderseitigen Respekts und beiderseitigen Nutzens ist.
Wir schließen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wir schließen neue Abkommen, die Handel und Investitionen erleichtern, den Austausch von Menschen und Ideen zwischen unseren
Ländern fördern, die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit bei der
Entwicklung der Nutzung der Kernenergie in der Volksrepublik China
erweitern und der Ausbildung qualifizierter Führungskräfte, die
China so dringend braucht, dienlich sein werden.
Zuerst unterzeichnen wir ein Abkommen, das für amerikanische wie
für chinesische Firmen den Handel und die Zusammenarbeit im Rahmen
von gemeinsamen Projekten erleichtern wird. Durch dieses Abkommen,
von dem beide Nationen profitieren werden, wird gewährleistet, daß
Privatinvestitionen und geschäftliche Beziehungen einen größeren
Beitrag zur Entwicklung der Volksrepublik China leisten können.
Ferner unterzeichnen wir das Ausführungsabkommen zum chinesischamerikanischen Kulturabkommen. Während unseres Besuchs haben wir die
chinesische Gastfreundschaft und Chinas alte und ehrwürdige Kultur
mehr denn je schätzen gelernt. Ich freue mich darüber, daß nun auch
Millionen anderer Amerikaner im Stande sein werden, einen Eindruck
von den künstlerischen und kulturellen Errungenschaften des chinesischen Volkes zu bekommen.
Dieses Abkommen wird darüberhinaus dem chinesischen Volk das
reiche Erbe meines eigenen Landes zugänglich machen. Dank dieses
Abkommens wird hier in Peking soeben eine Ausstellung des Kunstmuseums von Brooklyn eröffnet. Es ist uns eine Genugtuung, daß es vielen
Chinesen möglich sein wird, einen unfassenderen Eindruck von der amerikanischen Kunst und Kultur zu bekommen und mehr über unser Land
und Volk zu erfahren.
Botschafter Richard Kennedy und der Volkskommissar für Wissenschaft und Technologie, Jia Weiwen, paraphieren den Text eines Abkommens über die Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China im Bereich der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Wir
danken den Unterhändlern für ihre harte Arbeit und für ihren Einsatz. Dieses Abkommen wird es amerikanischen Firmen und Fachleuten

�und Fachleuten ermöglichen, China dabei zu helfen, die ehrgeizigen
energiepolitischen Ziele zu erreichen, die es sich im Rahmen seines
Modernisierungsprogramms gesteckt hat. Unser Abkommen beruht auf
unserem gemeinsamen Wunsch, der weltweiten Weiterverbreitung nuklearer Sprengsätze einen Riegel vorzuschieben, und es eröffnet in unseren Beziehungen eine neue Dimension der friedlichen Zusammenarbeit.
Weiter unterzeichnen wir ein Protokoll, das das erfolgreiche
Dalian-Programm verlängert und die Grundlage für einen neuen 3jährigen Lehrgang in Unternehmensführung bildet.

Schließlich unterzeichnen vir ein Protokoll, welches den Austausch von wissenschaftlichen und technologischen Informationen zum
Nutzen beider Länder fortschreibt.
Die Chinesen stehen in A-nerika in dem Ruf, Menschen von bewunderungswürdiger Geduld und unendlicher Höflichkeit zu sein. Während
unseres ganzen Aufenthalts hier ist uns in der Tat beides zuteil
geworden. Lassen Sie uns hoffen, daß im Verlaufe wachsender Kontakte
zwischen Amerikanern und Chinesen beide Seiten ihr Wissen über den
anderen vervollkommnen und daß diese neuen und wichtigen Bande der
Freundschaft zwischen uns reifen und gedeihen werden.
(Ende des Wortlauts der Ausführungen Präsident Reagans.)
Kurzinformation über das Ausführungsabkommen zum amerikanischchinesischen Kulturabkommen für die Jahre von 1984 bis 1988
Das Ausführungsabkommen zum amerikanisch-chinesischen Kulturabkommen für die Jahre von 1984 bis 1988 enthält eine Aufzählung der
offiziellen kulturellen Austauschprogramme für die beiden kommenden
Jahre. Zu den wichtigsten Punkten des neuen Abkommens gehören u.a.
die folgenden:
- Austausch von Kulturdelegationen: Die chinesische Delegation
wird im Herbst 1985 zur Unterzeichnung des Ausführungsabkommens
für den Zeitraum 1986/87 in die Vereinigten Staaten reisen. Wann
die amerikanische Delegation nach China reisen wird, steht noch
nicht fest.
Austausch von

�- Austausch von Gruppen aus dem Bereich der darstellenden Künste:
Welche Art von Gruppen in den Austausch einbezogen werden
sollen, steht noch nicht fest. Beide Seiten beabsichtigen, in
dem Abkommen für 1986/87 Gedanken und Vorschläge bezüglich der
Art von Gruppen, auf die sich der Austausch erstrecken soll,
niederzulegen.
- Austausch von Kunstausstellungen: Bei den Kunstausstellungen,
mit denen dieser Teil des Abkommens verwirklicht werden soll,
handelt es sich um die Ausstellung "Stadt und Land - Gesichter
ländlichen und städtischen Lebens in Amerika" des Kunstmuseums
von Brooklyn und um die chinesische Ausstellung der "Fünf
Maler". Die amerikanische Ausstellung wurde am 28. April im
Museum der Künste in Peking eröffnet. Die chinesische
Ausstellung wird Anfang Mai im Corcoran-Kunstmuseum in
Washington eröffnet.
- Filmwochen und Austausch von Filmen und Filmdelegationen: Beide
Seiten werden diese Art von Austausch fördern und vereinbaren,
daß besondere Arrangements für diese Form von Austausch von entsprechenden Organisationen, die von beiden Seiten zu benennen
sind, getroffen werden sollen.
- Austausch zwischen der "Stimme Amerikas" und Radio Peking:
Delegationen der "Stimme Amerikas" und von Radio Peking werden
unter der Führung der Direktoren dieser Sender das jeweilige
Partnerland besuchen. Außerdem werden beide Seiten die Fortsetzung des Austausches von Personal, Manuskripten und anderem
Material fördern.
- Personalaustausch im Bereich der Presse, des Rundfunks und des
Fernsehens: Beide Seiten vereinbaren, daß sie diese Form von
Austausch fördern werden und daß besondere Arrangements hierfür
von entsprechenden Organisationen beider Länder getroffen werden
sollen.
- Austausch von Schriftstellern, Übersetzern und Verlegern:
Beide Seiten vereinbaren, diese Form des Austauschs zu fördern.
- Austausch zwischen der Bibliothek des amerikanischen Kongresses
und der chinesischen Nationalbibliothek: Beide Seiten vereinbaren, diese Form von Austausch auch weiterhin zu fördern.
Austausch zwischen

�- Austausch zwischen der amerikanischen Bundesverwaltung der
Nationalarchive und dem chinesischen Nationalen Archivbüro:
Beide Seiten vereinbaren, diese Form von Austausch auch
weiterhin zu fördern.
- Erziehung, Sozialwissenschaften und Sport: Beide Seiten vereinbaren, daß über Austauschprojekte in diesen Bereichen in gesonderten Gesprächen zwischen entsprechenden Organisationen beider Länder entschieden werden wird.
- Austausch zwischen der Bundesverwaltung für Nationalparks und
dem Landschaftsbüro: Beide Seiten vereinbaren, diese Form von
Austausch auch weiterhin zu fördern.
- Privater Austausch: Beide Seiten vereinbaren, die Erweiterung
des nichtstaatlichen Kulturaustauschs zu ermutigen und zu fördern.
Das Ausführungsabkommen für den Zeitraum 1984/85 ist das dritte
zur Unterzeichnung anstehende Abkommen dieser Art seit der Unterzeichnung des Kulturabkommens zwischen beiden Ländern am 31. Januar
1979. Dies Abkommen bildet den allgemeinen Rahmen für den Kulturaustausch u.a. in den Bereichen der darstellenden und graphischen Künste, des Journalismus und des Rundfunks.
In dem Abkommen gaben beide Länder ihrer Entschlossenheit zur
Verbesserung des beiderseitigen Verständnisses und zur Stärkung
ihrer Bindungen erneut Ausdruck. Seit dem Kommunique von Shanghai
aus dem Jahre 1972, in dem beide Seiten übereingekommen waren, den
Austausch in den Bereichen Kultur und Erziehung zu erleichtern,
haben diesbezügliche Aktivitäten in den amerikanisch-chinesischen
Beziehungen stets eine hervorgehobene Rolle gespielt. Im Rahmen der
vorhergehenden beiden Ausführungsabkommen zum Kulturabkommen waren
besondere Unternehmen wie z.B. eine Tournee des Jerome-Robbins-Tanzensembles und eine Ausstellung von Gemälden des Bostoner Museums der
Schönen Künste in China arrangiert worden. Die Ausstellung des
Museums von Brooklyn, die am 28. April von Außenminister Shultz
eröffnet wurde, war ursprünglich für September 1983 geplant gewesen.
Nachdem die Vereinigten Staaten dem Tennisspieler Hu Na Asyl gewährt

- 5 -

�Asyl gewährt hatten, wurde diese Ausstellung wie auch andere offizielle kulturelle Veranstaltungen im Rahmen der chinesischen Reaktion verschoben. Im Verlaufe des Meinungsaustauschs zwischen Außenminister Wu Xueqian und amerikanischen Regierungsvertretern während
seines Besuchs in den Vereinigten Staaten im Oktober 1983 wurde jedoch offenkundig, daß der beiderseitige Nutzen von Kulturaustausch
und der Wert desselben im Hinblick auf die Förderung des beiderseitigen Verständnisses von allen Beteiligten anerkannt wurde. Das USInformationsamt (USIA) und das Museum von Brooklyn nahmen daher die
Vorbereitungen und Beratungen mit den chinesischen Partnern wieder
auf. Die Ausstellung soll nun in Peking, Shenyang, Shanghai und
Guangzhou gezeigt werden. Gemäß dem Ausführungsabkommen für 1984/85
wird die chinesische Ausstellung der "Fünf Maler" in Washington/D.C, Indianapolis, New York und New Orleans in Zusammenarbeit
mit amerikanischen Museen gezeigt werden.
Das jüngste Abkommen unterscheidet sich von den früheren insofern als es einfacher ist. Genau wie die diplomatischen Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und China haben sich auch die kulturellen Beziehungen normalisiert. Seit dem Kulturabkommen von 1979
sind der private Austausch und Projekte auf der Ebene individueller
Träger gediehen, so daß weniger Programme auf der Grundlage von offiziellen Austauschprogrammen zwischen den Regierungen durchgeführt
werden müssen. Das Ausführungsabkommen tritt mit Unterzeichnung in
Kraft. Sein voller Wortlaut wird heute veröffentlicht.
Kurzinformation über das amerikanisch-chinesische Abkommen über
Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie
Über das zur Paraphierung anstehende Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China über Zusammenarbeit bei
der friedlichen Nutzung der Kernenergie wird seit 1981 verhandelt.
Die Gesprächsrunde wurde von dem Unterstaatssekretär im amerikanischen Außenministerium James Malone geleitet. Die Verantwortung für
die nachfolgenden Verhandlungen lag bei Botschafter Richard T. Kennedy, der fünf Verhandlungsrunden mit einer chinesischen Delegation

- 6-

�chinesischen Delegation führte, die unter der Leitung von Jia Weiwen, dem Volkskommissar für Wissenschaft und Technologie, stand. Die
letzte Verhandlungsrunde fand vom 16. bis zum 19. April in Peking
statt.
China verfolgt ein ehrgeiziges Programm, in dessen Rahmen es bis
zum Jahre 2000 Kernenergieanlagen von erheblichem Umfang errichten
will. Amerikanische Firmen werden somit die Chance erhalten, auf
einem Gebiet mitzuarbeiten, das im Rahmen des chinesischen Modernisierungsprogramms Priorität genießt. Das Abkommen bildet den rechtlichen Rahmen für den Verkauf von amerikanischen Kernreaktoren, Bauteilen sowie von Materialien und von Technologie aus dem Bereich der
Atomindustrie an die Volksrepublik China. Das Abkommen sieht auch
einen Informations- und Technologieaustausch in verschiedenen Bereichen des nuklearen Brennstoffzyklus vor. Dazu gehört auch Zusammenarbeit im Hinblick auf Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltschutzaspekte der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Das Abkommen verpflichtet die Vertragsparteien ferner zum Austausch von Informationen und zu regelmäßigen Konsultationen und Besuchen. Die Überlassung
von sicherheitsempfindlicher nuklearer Technologie oder von entsprechendem Gerät wie z.B. Wiederaufbereitungs- oder Anreicherungsanlagen sieht das Abkommen nicht vor.
Das Abkommen enthält keine Lieferverpflichtung für Kernreaktoren
oder anderes nukleares Material. Es handelt sich dabei vielmehr um
ein Rahmenabkommen, das die Garantien und Kontrollmechanismen benennt, auf deren Basis Lieferungen eventuell erfolgen könnten.
Der tatsächliche Verkauf von Reaktoren, Bauteilen und Technologie ist eine kommerzielle Angelegenheit, über die die Volksrepublik
China mit amerikanischen Firmen verhandeln müßte, aber ohne ein solches Abkommen könnten amerikanische Firmen diese Art von Industriegütern überhaupt nicht verkaufen. Nachdem das Abkommen in Kraft tritt,
muß jede Ausfuhr von nuklearem Material von der NuklearaufSichtskommission genehmigt werden.
Das Abkommen

�Das Abkommen genügt den Bedingungen für Verträge mit Atomwaffenstaaten gemäß Absatz 123 des Atomenergiegesetzes. U.a. enthält es
Garantien der Vertragsparteien, daß:
- keinerlei Material oder Gerät, das dem Abkommen unterliegt, für
nukleare Sprengsätze, für die Erforschung oder Entwicklung nuklearer Sprengsätze oder für irgendeinen anderen militärischen
Zweck verwandt wird;
- ohne die Einwilligung der Vereinigten Staaten keinerlei nukleares Material oder Gerät, das dem Abkommen unterliegt, an einen
Ort außerhalb des Bereichs der Rechtsprechung und Herrschaft des
Vertragspartners verbracht wird;
- im Hinblick auf jegliches nukleares Material, das dem Abkommen
unterliegt, angemessene physische Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden;
- ohne vorheriges Einverständnis der Vereinigten Staaten keinerlei
Material, welches dem Abkommen unterliegt, angereichert, wiederaufbereitet, in Form oder Zusammensetzung verändert oder (im
Falle von Material, das zur Verwendung in Waffen geeignet ist)
gelagert wird.
Das Atomenergiegesetz verlangt, daß ein solches Abkommen vor der
Unterzeichnung dem Präsidenten vom Außenminister und vom Minister
für Energiefragen vorgelegt wird und daß die beiden Minister, die
NuklearaufSichtskommission und der Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) ihm ihre Ansichten und Empfehlungen
vortragen. Der ACDA-Direktor ist außerdem gehalten, dem Präsidenten
eine Beurteilung des Abkommens unter dem Aspekt der Weiterverbreitung von Atomwaffen vorzulegen.
Danach genehmigt der Präsident die Unterzeichnung des Abkommens.
Nach der Unterzeichnung wird es dem Kongreß zugeleitet, wo es im
Laufe einer zusammenhängenden Sitzungsperiode 60 Tage lang ausliegen
muß, bevor es in Kraft treten kann.
Während der Verhandlungen ist China der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) beigetreten und hat seine nukleare Export- und

- 8-

�Export- und Nichtweiterverbreitungspolitik geklärt. China hat zu verstehen gegeben, daß es seine Nuklearexporte den IAEA-Sicherheitsbestimmungen unterwerfen wird. Während seines Besuchs in Washington im
Januar sagte Ministerpräsident Zhao, daß "wir zur nuklearen Weiterverbreitung weder selbst aktiv beitragen noch anderen Ländern bei
der Entwicklung von Kernwaffen behilflich sind". Diese Haltung ist
begrüßenswert.
Das Abkommen wurde von Botschafter Kennedy und Volkskommissar
Jia Weiwen paraphiert.

- 9-

�18

2. Mai 1984

REAGAN: GEMEINSAMES ZWISCHEN USA UND CHINA BEDEUTSAMER ALS TRENNENDES
- Toasts des US-Präsidenten in Peking -

PEKING - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 26. April 1984 in Peking
unterstrichen, daß das Gemeinsame zwischen den Vereinigten Staaten und der
Volksrepublik China weitaus bedeutsamer sei als die Dinge, die beide Länder
trennten.

In einem Trinkspruch anläßlich eines vom chinesischen Staatspräsi-

denten Li Xiannian gegebenen Essens sagte der amerikanische Präsident, die Meinungsverschiedenheiten sollten weder bemäntelt noch abgestritten werden, doch
würde eine Betonung der Bereiche der Übereinstimmung jedem zum Vorteil gereichen.
Nach einleitenden Worten, mit denen er sich über den herzlichen Empfang
bedankte, sagte der amerikanische Präsident:
Der kürzliche Besuch von Ministerpräsident Zhao in den USA wie auch unser
Besuch hier machen deutlich, wie technologische Fortschritte im Kommunikations- und Verkehrswesen unsere Vorstellungen von der Welt verändern.

Aber

auch wenn die Technologie uns sozusagen in die Zukunft katapultiert und Reisen
in Stunden zurückgelegt werden, für die wir einmal Monate oder sogar Jahre be-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sogar Jahre benötigten, so werden doch auch alte Wahrheiten neu bekräftigt.
Vor vielen Jahrhunderten schrieb Wang Po, ein berühmter chinesischer Dichter
und Philosoph, "obwohl wir in weit entfernten Plätzen der Welt leben, ist
ein guter Freund gleich einem guten Nachbarn."

Der Kern dieser Feststellung

ist heute noch genauso gültig wie damals, als dies geschrieben wurde.

In die-

sem Geist, Herr Staatspräsident, komme ich heute nach China und bringe den
aufrichtigen Wunsch des amerikanischen Volkes mit, dem chinesischen Volk gute
Nachbarn zu sein.
Es ist gerade 200 Jahre her, seit das erste
einen chinesischen Hafen anlief.

amerikanische Handelsschiff

200 Jahre scheinen für die chinesische Kul-

tur wie ein Augenblick zu sein; für Amerikaner jedoch umschließt dieser Zeitraum fast die gesamte Geschichte unserer Republik.
Herr Staatspräsident,

Wenn wir zurückblicken,

so erkennen wir, daß die Beziehungen zwischen unseren

beiden Ländern zeitweilig nicht so waren, wie sie hätten sein sollen.

Aber

dank der harten Arbeit und der Entschlossenheit weitblickender Politiker unserer beiden Länder während der vergangenen 12 Jahre

ist unsere Zukunft hell

und voller Chancen.
Sicherlich gibt es Meinungsverschiedenheiten zwischen uns - Meinungsverschiedenheiten, die weder bemäntelt noch abgestritten werden sollten. Aber
dennoch haben wir, das chinesische und das amerikanische Volk, den gemeinsamen
Wunsch nach Frieden und Wohlstand. Und wir sind uns klar darüber, daß durch
Zusammenarbeit und Betonung der Bereiche der Übereinstimmung jeder Nutzen haben wird.
Der Amerikabesuch von Ministerpräsident Zhao war der erste, den uns jemals ein chinesischer Ministerpräsident abgestattet hat. Und dies ist nun der
erste Besuch eines amerikanischen Präsidenten, seit unsere beiden Länder im
Jahr 1979 offiziell diplomatische Beziehungen aufnahmen.
Die Reisen von führenden Regierungsvertretern ist symbolisch für die
Woge der Aktivität, für den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen unseren

- 2 -

�zwischen unseren Völkern auf allen Ebenen.

Ob auf dem Gebiete des Handels,

der Künste, der Wissenschaft oder der Industrie - unsere Bürger stellen persönliche Bande des Vertrauens und der Freundschaft her, die den guten Willen
widerspiegeln, der auf höchster Ebene anzutreffen ist.

Dieser gesunde Aus-

tausch wird gestärkt und gefördert, weil unsere Länder, unsere Menschen in
ihrer Gesamtheit, der Überzeugung sind, daß das Gemeinsame zwischen uns das, was wir durch Zusammenarbeit und gemeinsamen Aufbau erreichen können, weitaus bedeutsamer ist als die Dinge, die uns trennen.
Dies bedeutet selbstverständlich nicht, daß Fortschritte leicht sein
werden.

Nur wenige Dinge, die sich lohnen, können ohne Einsatz und ohne An-

strengung seitens gutwilliger Menschen erreicht werden.

Wir können - in An-

betracht unserer Meinungsverschiedenheiten - stolz auf das sein, was bereits
geleistet worden ist. Und wenn Sie mir das erlauben:

Wir glauben, daß noch

größere Fortschritte erreicht werden können, wenn unsere zukünftigen Anstrengungen auf gegenseitigem Respekt und gegenseitigem Nutzen beruhen.

Wenn wir

den Willen haben, uns danach zu richten, dann wird dies unsere Länder zu mehr
Prosperität verhelfen und sicherer machen.

Dies kann unsere Freundschaft er-

halten, selbst wenn wir uns darüber im klaren sind, daß wir über einige Dinge,
die wir für wichtig erachten, nicht völlig übereinstimmen.

Wir haben allen

Grund, optimistisch zu sein hinsichtlich der anhaltenden friedlichen Entwicklung der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern.
Ich hoffe, daß in nicht allzu ferner Zukunft, Sie, Herr Staatspräsident,
- und ich habe das Ihnen gegenüber schon zuvor zum Ausdruck gebracht - als
unser Gast nach den Vereinigten Staaten kommen werden, damit Sie mit dem
amerikanischen Volk zusammenkommen und zu ihm sprechen können.

des
mal
an,
tär

Meine Frau und ich sehen mit großen Erwartungen dem restlichen Teil
Besuches in Ihrem Lande entgegen. Wir sind besonders erfreut, noch einmit Ministerpräsident Zhao zusammenzutreffen. Mir liegt ferner sehr dardie persönliche Bekanntschaft des Vorsitzenden Deng und des GeneralsekreHu
zu machen.
Unser erster
- 3 -

�Unser erster Tag hier war noch befriedigender als erwartet.

Das Zusam-

mentreffen mit Ihnen sowie die Gelegenheit zu einem offenen und konstruktiven
Dialog waren ein ausgezeichnetes Mittel, um diese Reise einzuleiten.
Meine Frau und ich hoffen, daß wir während unseres Aufenthaltes viel
von China und seinen Menschen sehen und hören werden.

Die Geschichte, die

Schönheit und die Kultur Ihres Landes ist in aller Welt legendär.
zum erstenmal

Ich habe

etwas über China gehört, als ich ein Junge in einer kleinen

Schule in einem ländlichen Bereich Amerikas war.

Ich habe damals nie davon

geträumt, daß ich eines Tages die Gelegenheit haben würde, hierher zu kommen
und all dies persönlich zu sehen.
Wie ich eben schon gesagt habe, die Technologie hat uns zu Nachbarn gemacht.

Nachbarn sind keine Familienmitglieder, aber sie können liebe und zu-

verlässige Freunde sein.

Das ist der Geist, den ich hier bereits spüre. Und

dies ist etwas, worauf gewichtige Leistungen basieren können.

+ + +

In einem Toast anläßlich eines Essens, das der chinesische Ministerpräsident Zhao in der "Halle des Volkes" gab, sagte Präsident Reagan am 27. April
1984 unter anderem:
Die Zusammenarbeit zwischen China und den Vereinigten Staaten hat sich
bereits für unsere Völker segensreich ausgewirkt.
nen.

Beide haben daraus gewon-

Während der letzten beiden Jahre ist der Handel zwischen uns in beiden

Richtungen in Gang gekommen.

Es hat einen sehr starken Austausch auf akade-

mischem, wissenschaftlichem, wirtschaftlichem und touristischem Gebiet gegeben.

Gemeinsame Geschäftsvorhaben, die allen Betroffenen nützen, verviel-

fachen sich.
Wir wären

�Wir wären nicht aufrichtig, würden wir die Bedeutung des Nutzens herunterspielen, den jede Seite aufgrund unserer guten Beziehungen hat.

Wenn

wir zusammenstehen, können wir die Bindungen auf dem Gebiete des Handels und
der Wirtschaft, die die Lebensqualität in beiden Ländern erhöhen, noch enger
knüpfen.

Wenn wir zusammenstehen,

können wir Frieden und Sicherheit fördern.

Große Nationen können als Gegner keinen Nutzen aus der jeweiligen Stärke ziehen. ..
Herr Ministerpräsident, wie wir alle wissen, basiert unsere Zusammenarbeit auf mehr als nur dem Wunsch, unsere Volkswirtschaften zu verbessern. Der
Friede der Welt ist heute von einer Großmacht bedroht, die ihre Ressourcen
und Energien nicht auf den wirtschaftlichen Fortschritt, sondern statt dessen
auf die militärische Macht konzentriert.
Diese Verlagerung der militärischen Macht während des letzten Jahrzehnts
macht Vertrauen und Freundschaft zwischen uns noch bedeutsamer. Ich weiß, es
ist Ihr Wunsch - wie auch der Wunsch der Vereinigten Staaten -, daß der Frieden gewahrt bleibt. Wir bemühen uns um eine Verbesserung der Lebensqualität
unserer Menschen, und das kann nur in einem friedlichen Umfeld geschehen.
Der Krieg ist der große Zerstörer aller Hoffnungen der Menschheit.
Um den Frieden zu bewahren und unsere Souveränität und Unabhängigkeit
zu schützen, stehen wir zusammen in unserer Gegnerschaft gegenüber Expansionismus und Hegemonie.

Wir stehen zusammen in der Unterstützung der Unabhän-

gigkeit Afghanistans und Kampucheas.

Unsere beiden Länder wollen Frieden und

Aussöhnung durch den Dialog zwischen dem Süden und dem Norden der koreanischen
Halbinsel fördern.

Wir beide bemühen uns um die baldige Unabhängigkeit

Namibias und um eine Beendigung der Einmischung von außen in die Angelegenheiten des südlichen Afrika.

Wenn auch unsere Mittel und Wege ganz verschie-

denartig sind, so haben wir doch den gemeinsamen Wunsch nach einer Beilegung
der Unruhen im Nahen Osten und in Mittelamerika.

Wir beide bemühen uns um

ein Verbot des Einsatzes chemischer Waffen und sind uns einig über die Notwendigkeit einer Verminderung der nuklearen Rüstungen.
Ein starkes

�Ein starkes und dem Frieden verpflichtetes China ist ganz gewiß im
besten Interesse der internationalen Stabilität und auch im besten Interesse der Vereinigten Staaten.

Eine starke und dauerhafte Freundschaft wird

die Sicherheit unserer beiden Länder fördern, ohne daß dabei die Unabhängigkeit des einen oder des anderen aufs Spiel gesetzt wird.

Es ist das Vertrau-

en zwischen uns, das uns und die Welt in Frieden erhalten wird.

Lassen Sie

uns in dieser Hinsicht eines Sinnes sein... Das amerikanische Volk hofft und
betet, daß eines Tages nicht mehr die Notwendigkeit bestehen wird, irgendeine seiner Ressourcen für die Herstellung von Waffen irgendwelcher Art zu
verwenden.

Das chinesische und das amerikanische Volk zeigen der Welt durch

ihr Beispiel, daß es einen besseren Weg gibt als Haß und Gewalt...

. : .

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+ + + ++

•

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Mai 1984

REAGAN SCHLÄGT VIER GESETZE ZUR BEKÄMPFUNG DES TERRORISMUS VOR
- Schreiben des US-Präsidenten an den Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat dem amerikanischen Kongreß
vier neue Gesetze zur Bekämpfung des Terrorismus vorgeschlagen, die sich gegen
Geiselnahme, Flugzeugentführungen, die Ausbildung und Unterstützung terroristischer Organisationen richten und eine Belohnung für Informationen über Terrorakte vorsehen.

In einem Schreiben an den Kongreß vom 26. April 1984 wies der

Präsident darauf hin, daß allein im Jahr 1983 über 250 Amerikaner durch Terrorangriffe ihr Leben verloren und die gesetzliche Handhabe gegen den Terror verbessert werden müsse.
Das Schreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich leite heute dem Kongreß vier getrennte Gesetzesvorlagen zur Bekämpfung
des drängenden und dringlichen Problems des internationalen Terrorismus zu.
Im Jahr 1983 wurden über 250 Amerikaner durch Terrorakte getötet - die
größte Zahl, die je in einem Jahr verzeichnet wurde. Angesichts des tragischen
Todes unserer Diplomaten und Marinesoldaten wie auch französischer und israelischer Soldaten im Libanon; angesichts des zynischen Mordes an vier Südkorea-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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�vier südkoranisehen Kabinettsmitgliedern und vieler anderer durch nordkoreanische Terroristen in Burma und angesichts des Angriffs auf unsere Botschaft
in Kuwait ist es wesentlich, daß wir sofort handeln, um mit dieser Bedrohung
fertig zu werden und mit anderen Regierungen zusammenzuarbeiten, um diese wachsende Bedrohung unserer Lebensform in den Griff zu bekommen.
In den letzten 15 Jahren ist der Terrorismus eine schreckliche Herausforderung der Ruhe und der politischen Stabilität unserer Freunde und Verbündeten geworden.

Allein während des letzten Jahrzehnts haben fast 6500 Terror-

akte stattgefunden.

Bei diesen Zwischenfällen wurden über 3500 Menschen ge-

tötet und über 7000 verwundet.
2500 Terrorakten.

Amerikanische Bürger wurden Opfer von über

Besondere Sorge hat mir der Blutzoll bereitet, den unsere

Diplomaten und Soldaten bezahlen mußten.

Ich habe mir auch große Sorgen über

Angriffe auf andere amerikanische Bürger gemacht, die im letzten Jahrzehnt
in 40 Prozent der Fälle Opfer von Terrorakten geworden sind.
In den letzten Jahren hat sich eine sehr beunruhigende und alarmierende
neue Art von Terrorismus entwickelt: Es hat sich die direkte Anwendung von
Instrumenten des Terrors durch ausländische Staaten entwickelt. Auf die Rechnung dieses "staatlichen Terrorismus", wie er sich besonders deutlich in den
jüngsten gräßlichen Beispielen der Gewalttätigkeit in Beirut, Rangun und
Kuwait manifestiert, kommt die große Mehrheit der terroristischen Morde und
Attentate. Beunruhigend ist auch die staatlich geförderte Ausbildung, Finanzierung und logistische Unterstützung von Terroristen und terroristischen
Gruppen. Diese Tätigkeiten stellen eine außerordentlich ernste und wachsende Quelle der Gefahr für uns und unsere Freunde und Verbündeten sowie eine
große Herausforderung der amerikanischen Außenpolitik dar.
Der Schutz unserer Bürger, unserer amtlichen Vertreter und unserer Einrichtungen im Ausland erfordert die enge Zusammenarbeit mit anderen Regierungen und die Unterstützung durch sie. Wir sind von anderen Regierungen abhängig, wenn es um den Schutz und die Sicherheit von über 250 amerikanischen
diplomatischen und konsularischen Vertretungen im Ausland geht. Wir erwarten

- 2 -

�Wir erwarten von anderen Regierungen, daß sie in ihren Ländern unseren Bürgern, die im Ausland leben und reisen, und unseren geschäftlichen Vertretern
und unserem Firmeneigentum den normalen Rechtsschutz gewähren.

Im Jahr 1983 hat diese Administration dem Kongreß Gesetzesvorlagen
unterbreitet, um uns in die Lage zu versetzen, amtlichen ausländischen Vertretern in den Vereinigten Staaten ausreichenden Schutz zu gewähren.

Ihr

Schutz ist nicht nur wesentlich, um die Verpflichtungen der Vereinigten Staaten gemäß internationalen Verträgen zu erfüllen, sondern ist auch in gleicher
Weise wichtig, um den Vertretern anderer Regierungen zu zeigen, daß sie auf
vollen Schutz zählen können, wenn sie sich in den Vereinigten Staaten befinden.

Ich habe den Kongreß ferner ersucht, die gesetzlichen Vollmachten für
Ausbildung in der Terroristenbekämpfung und in einigen Fällen auch für entsprechende Ausrüstung für ausländische Regierungen zu schaffen, um die Zusammenarbeit mit Regierungen zu fördern, auf die wir uns im Ausland schutzmäßig verlassen müssen.

Je tüchtiger und kenntnisreicher die Gesetzesvoll-

zugsbeamten vor Ort sind, desto größer wird, nach meiner Auffassung, ihre
Fähigkeit sein, die Art von

Sicherheit zu gewähren, die sie und wir brauchen.

Ich spreche dem Kongreß meine Anerkennung aus, daß er eine Zweijahresermächtigung für dieses Programm gewährt und für 1984

2,5 Millionen Dollar bewil-

ligt hat.

Ich bin entschlossen, daß meine Administration alles Notwendige tun
wird, um das Auftreten von Terrorismus gegen uns überall

in der Welt zu

verringern und dafür zu sorgen, daß diejenigen, die Terrorakte verüben, vor
Gericht gebracht werden.

Ich halte es jedoch für

wesentlich, daß die Exeku-

tive, der Kongreß und die Öffentlichkeit sich darüber im klaren sind, daß
eine wirksame Bekämpfung des Terrorismus ein konzertiertes Handeln an vielen
Fronten erfordert.

Mit gut ausgebildetem Personal, wirksamen Gesetzen, en-

ger internationaler Zusammenarbeit und Sorgfalt können wir das Risiko des
Terrorismus für unser Volk verringern und die Abschreckung vor künftigen
Terrorakten erhöhen.
Die Auseinandersetzung
- 3 -

I

�Die Auseinandersetzung mit den unmittelbaren Auswirkungen terroristischer
Gewaltanwendung ist jedoch nur ein Teil der Herausforderung.

Wir müssen eben-

falls sicherstellen, daß die Staaten, die sich jetzt am Terrorismus beteiligen
oder ihn unterstützen, aus den von ihnen verfolgten Plänen keinen Nutzen ziehen.

Wir müssen sicherstellen, daß internationale Foren wie die Vereinten

Nationen eine ausgewogene und auf die Praxis ausgerichtete Ansicht darüber
haben, wer Terrorismus praktiziert und wie dem begegnet werden muß.
Wir müssen ferner sicherstellen, daß die Regierungen, die gegenwärtig
passiv oder inaktiv diese Geißel

der Menschheit respektieren, sich über die

Gefahr klar werden, die der Terrorismus für die gesamte Menschheit darstellt,
und daß sie dabei mitwirken, ihm Einhalt zu gebieten.

Wir müssen durch unsere

Bemühungen sicherstellen, daß es in der zivilisierten Gesellschaft keinen Platz
für kritiklose Bedrohung, Einschüchterung, Gefangennahme oder Mord an unschuldigen Menschen gibt.

Wir müssen es jedem Land, das versucht ist, Gewalt anzu-

wenden, um demokratische Regierungen zu unterminieren, unsere Freunde zu destabilisieren, die Bemühungen um Unterstützung demokratischer Regierungen zu
vereiteln oder unser Leben zu zerschlagen,

klarmachen, daß es nichts zu ge-

winnen» aber viel zu verlieren hat.
Die Gesetzgebung, die ich dem Kongreß unterbreite, stellt einen wichtigen
Schritt bei unserer Bekämpfung des Terrorismus dar. Sie wird Freunden und
Gegnern zugleich ein starkes und energisches Signal dafür sein, daß die Vereinigten Staaten keinerlei terroristische Aktivität gegen ihre Staatsbürger
oder innerhalb ihrer Grenzen dulden werden. Unser Gesetzgebungspaket besteht
aus vier getrennten Vorlagen, die nachstehend im einzelnen erläutert werden.

Gesetz zur Verhinderung und Bestrafung des Verbrechens der Geiselnahme
Im September 1981 habe ich die Ratifikationsurkunde der internationalen
Konvention gegen Geiselnahme unterzeichnet, die von den Vereinten Nationen am
17. Dezember 1979 verabschiedet worden war.

Diese Konvention ist jedoch hier-

�jedoch hierzulande nicht durch Ausführungsbestimmungen vollendet worden.
Dieses Gesetz würde die Konvention aus dem Jahr 1979 realisieren.

Es würde

das Bundesgesetz gegen Entführung ergänzen und die Jurisdiktion des Bundes
auf jede Entführung ausdehnen, bei der die Drohung erhoben wird, ein Opfer
zu töten, zu verletzen oder es weiterhin festzuhalten, um eine dritte Partei
zu zwingen, etwas zu tun, oder davon abzuhalten, etwas zu tun.
üblicher Schachzug der Terroristen.

Dies ist ein

Als ich die Ratifikationsurkunde unter-

zeichnete, wurde der Kongreß davon in Kenntnis gesetzt, daß die Ratifikationsurkunde erst dann bei den Vereinten Nationen hinterlegt würde, wenn ein Ausführungsgesetz verabschiedet worden sei. Um anderen Regierungen und internationalen Foren zu beweisen, daß die Vereinigten Staaten es ernst meinen mit
ihren Anstrengungen, sich mit dem internationalen Terrorismus auseinanderzusetzen, ist es wichtig, daß der Kongreß die notwendigen Ausführungsbestimmungen verabschiedet, damit wir die Konvention gegen Geiselnahme voll und ganz
realisieren können.

Gesetz zur Verhinderung von Sabotageakten in Flugzeugen
Die Vereinigten Staaten haben 1969 die Konvention von Tokio unterzeichnet, die sich mit bestimmten Verstößen oder Akten befaßt, die an Bord von
Flugzeugen begangen werden, sowie 1971 auch die Haager Konvention über die
Verhinderung der ungesetzlichen Inbesitznahme von Flugzeugen.

Die Konvention

über die Verhinderung der ungesetzlichen Inbesitznahme wurde 1971 in Montreal
angenommen und im November 1972 von den Vereinigten Staaten ratifiziert. Die
Konvention von Montreal verlangt von allen Unterzeichnerstaaten, eine Rechtsprechung hinsichtlich bestimmter Verstöße gegen die Sicherheit der Zivilluftfahrt zu schaffen.
Der Kongreß hat die Ausführungsbestimmungen hinsichtlich der ersten beiden Konventionen gebilligt, jedoch nicht für die Konvention von Montreal. Das
bedeutet, daß bestimmte kriminelle Handlungen im Zusammenhang mit Flugzeugsabotage oder Flugzeugentführung nicht in ausreichender Weise vom amerikanisch

- 5-

�von amerikanischen Gesetzen abgedeckt sind.

Diese Lücke in unserer Gesetz-

gebung gibt den Terroristen ein falsches Signal und ist für andere Regierungen auch ein Hinweis darauf, daß wir in unseren Anstrengungen zur Bekämpfung
des internationalen Terrorismus vielleicht nicht so ernsthaft sind, wie wir
es eigentlich sollten und wie es ja auch der Fall ist.

Nunmehrige Maßnahmen

seitens des Kongresses würden die Grundlage für eine längst überfällige Verwirklichung dieser Konvention schaffen.

Gesetz über die Belohnung von Informationen über Terroristenakte
Das gegenwärtige Gesetz gibt zwar die Vollmacht für die Zahlung von Belohnungen für Informationen, die Verbrechen im Inland betreffen, aber es ist
überholt.

Die Höchstbelohnungen sind unzureichend, und der Terrorismus ist

nicht ausdrücklich in solche Zahlungen einbezogen.

Darüber hinaus gibt es

keine Vollmacht hinsichtlich der Zahlung für Informationen über terroristische
Akte im Ausland.
Die vorgeschlagene Gesetzgebung, die sich an ein bestehendes Gesetz anlehnt, das die Zahlung von Belohnungen für Informationen hinsichtlich der
nichtautorisierten Herstellung von Atomwaffen gestattet, trägt der Tatsache
Rechnung, daß die Zahlung von Belohnungen im Zusammenhang mit Terrorismus im
Inland eine Frage des Gesetzesvollzuges aufwirft, die zurecht in der Jurisdiktion des Justizministers liegt, daß jedoch die Zahlung einer Belohnung im Zusammenhang mit einem terroristischen Akt im Ausland ein politisches und außenpolitisches Problem innerhalb der Jurisdiktion des Außenministers darstellt.
Durch Erhöhung der Summen, die gezahlt werden können, sowie durch die
Genehmigung von Belohnungen für Informationen hinsichtlich im Ausland begangener Terrorakte würde dieses Gesetz die Möglichkeiten des Justizministeriums
und des Außenministeriums beträchtlich verbessern, Informationen zu erhalten,
die zu der Befreiung von Geiseln oder zur Festnahme der terroristischen Täter
führen können. Mit der Verabschiedung dieser Gesetzgebung kann der Kongreß
- 6 -

�der Kongreß erneut die Absicht der Vereinigten Staaten unterstreichen, daß
alle angemessenen und notwendigen Schritte unternommen werden, um ihre Staatsbürger und deren Besitz vor terroristischen Akten zu schützen.

Gesetz von 1984 über das Verbot der Ausbildung oder Unterstützung terroristischer Organisationen
Die Ausbildung und Unterstützung terroristischer Gruppen und Aktivitäten
seitens einer Anzahl von Ländern hat alarmierende Proportionen angenommen.
Darüber hinaus nimmt die Anzahl von Staaten, die gegenwärtig den Terrorismus
als ein Instrument der Außenpolitik benutzen, zu, was überaus beunruhigend
ist.

Die Gewährung von Unterstützung für Länder, die den Terrorismus fördern

und ihn als ein Instrument der Außenpolitik einsetzen, ist damit zu einer ernsten
Sorge bezüglich der nationalen Sicherheit geworden.

Dieses Gesetz, zusammen

mit überarbeiteten und verstärkten Bestimmungen, die das Außenministerium in
Kürze zu veröffentlichen gedenkt, würde die Möglichkeit des Justizministeriums
erhöhen, Personen zu belangen, die mit der Unterstützung terroristischer Aktivitäten von Staaten zu tun haben, die Terrorismus einsetzen.

Die Verabschie-

dung dieser Gesetzgebung wäre ein nachhaltiger Beitrag zu den Anstrengungen,
den Terrorismus zu bekämpfen.
Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß der Terrorismus symptomatisch
ist für größere Probleme.
der Entwicklung und des
Welt verschreiben.

Wir müssen uns der Förderung, der Modernisierung,
nützlichen Wandels in den notleidenden Gebieten der

Wir müssen unsere Verpflichtung erneuern, repräsentative

und demokratische Regierungen zu fördern und zu unterstützen.

Wir müssen,

wann immer und wo immer möglich, das Problem des Terrorismus als ein Verbrechen gegen die Völkergemeinschaft bekämpfen, aber wir müssen auch danach
streben, die Ursachen der Enttäuschung und der Verzweiflung zu beseitigen,
die Brutstätten und Nährboden des Terrorismus sind.
Die Gesetzesvorlagen,

- 7 -

�Die Gesetzesvorlagen, die ich heute dem Kongreß zuleite, werden nach
ihrer Verabschiedung unserem Land wesentlich nützen und dazu beitragen, befreundeten Ländern zu helfen. Ich bin der Überzeugung, daß sie außerordentlich wichtig sind, und ich fordere den Kongreß mit allem Nachdruck auf, sie
bald zu behandeln und sie rasch zu verabschieden.

+ + + + +

�18

2. Mai 1984

WISSENSCHAFTSBERATER GEORGE KEYWORTH ERHOFFT NEUE IMPULSE FÜR
RÜSTUNGSKONTROLLE DURCH STRATEGISCHE DEFENSIVWAFFEN
- Anhörung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats -

Washington -(AD)- In einer Anhörung vor dem Außenpolitischen
Auschuß des amerikanischen Senats am 25. April 1984 sagte der
Wissenschaftsberater des Weißen Hauses, George Keyworth, daß die
Entwicklung eines Konzepts der strategischen Verteidigung der
Rüstungskontrolle neue Impulse geben könne. Seines Erachtens könnte
die Einführung strategischer Defensivwaffen unter Umständen sogar
die Möglichkeit einer drastischen Verminderung der nuklearen
Offensivwaffen eröffnen.
Die Äußerungen des Wissenschaftsberaters hatten folgenden Wortlaut:
Ich danke Ihnen für diese Gelegenheit zu einer Erörterung der
Initiative des Präsidenten im Bereich der strategischen Verteidigung
und ihres Stellenwertes im Rahmen unserer Rüstungskontrollpolitik.
Ich meine, daß dieser Initiative im Rahmen dieser Bemühungen in der
Tat eine Schlüsselfunktion zukommt und daß sie neue Hoffnungen
weckt, nicht nur für Amerika und seine Verbündeten, sondern auch für

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�auch für die Welt, die auf uns blickt. Sowohl die Wissenschaftler
als auch die Rüstungskontrollexperten sind vom Präsidenten aufgerufen, diese Hoffnungen in die Tat umzusetzen. Ich möchte vor dieser
hochrangigen Zuhörerschaft daran erinnern, daß der Präsident in
seiner viel - und oft falsch - zitierten Rede vom 23. März vorigen
Jahres beide Bereiche, Wissenschaft und Rüstungskontrolle, in einen
unauflöslichen Zusammenhang gestellt hat. Er sagte damals:
"Ich gebe die Anweisung zu einer umfassenden und intensiven Anstrengung, ein langfristiges Forschungs- und Entwicklungsprogramm
auszuarbeiten, um unserem Endziel näherzukommen, die Bedrohung durch
strategische Nuklearraketen zu beseitigen. Das würde den Weg für
Rüstungskontrollmaßnahmen zur Beseitigung der Waffen selbst ebnen."
Es ist daher unbedingt notwendig, daß Sie sich von Anfang an
klarmachen, daß diese Verteidigungsinitiative nicht gleichbedeutend
ist mit einer Suche nach einer technischen Patentlösung. Sie ist
vielmehr auf die Entwicklung eines technischen Instrumentariums gerichtet, mit dessen Hilfe unterschiedliche Völker, deren politische
Überzeugungen und politische Kultur voneinander abweichen, eine gemeinsame Basis für Verhandlungen über Frieden für alle finden könnten.
Angesichts all des Hin- und Hergeredes im vergangenen Jahr könnte man fragen: "Was bleibt eigentlich noch viel zu sagen ?" Tatsächlich ist es jedoch so, daß alles, was von verschiedenen Seiten gesagt worden ist, mehr Verwirrung als Klarheit geschaffen hat. Wie
alle Themen, die in Zusammenhang mit der nuklearen Rüstungskontrolle
stehen, haben auch die Aussichten auf die Entwicklung einer strategischen Verteidigung für eine starke Polarisierung zwischen den Lagern
gesorgt.
Die einen sagen, daß wir in der Lage sind, technologische Wunderdinge herzustellen , die uns schon zum gegenwärtigen Zeitpunkt Sicherheit vor den Atomwaffen verschaffen könnten, und zwar zu einem
unglaublich niedrigen Preis. Die anderen bestreiten, daß es tech-

- 2-

�es technisch möglich ist, jemals irgendetwas zu tun, was die Lage
der Dinge irgendwie grundlegend ändern könnte, und sie behaupten,
daß der Preis für den Nachweis dieser Unmöglichkeit in die Billionen
gehen wird. Ich möchte hier in keines dieser Extreme verfallen. Vielmehr lehne ich beide ab, da sie unsere tatsächlichen nationalen Möglichkeiten unangebrachter Kritik aussetzen.
Ich möchte mich stattdessen auf die wirklich entscheidende Frage
konzentrieren. Sie lautet: "Wohin steuern wir mit diesem Programm ?"
Wenn ich sie mit einem einzigen Satz beantworten müßte, so würde
diese Antwort lauten: "Wir glauben, daß die Erforschung von Möglichkeiten der strategischen Verteidigung echter Rüstungskontrolle außerordentlich fruchtbare Impulse geben kann."
Um dies zu begründen, möchte ich die Schlußfolgerungen der Herren anführen, die am häufigsten mit diesem Unterfangen identifiziert
werden: der Präsident, der den Anstoß dazu gab, und Dr. Jim Fletcher, unter dessen Leitung die erste Antwort auf diesen Anstoß erarbeitet wurde. Die ersten formellen Folgerungen von Fletchers Team
stecken den Rahmen ab. Sie bilden meines Erachtens eine äußerst beredte Zusammenfassung unserer Möglichkeiten und Ziele:
"Gegenwärtig werden leistungsfähige neue Technologien verfügbar,
die es rechtfertigen, ein umfassendes technologisches Entwicklungsprogramm in die Wege zu leiten, um für die Zukunft technische Optionen zur Verwirklichung einer technischen Strategie zu entwerfen."
Das ist eine kompetente Schlußfolgerung, sowohl im Hinblick auf
das, was sie besagt, als auch auf das, was sie nicht besagt. Nach
einer fünfmonatigen Überprüfung all unserer technologischen Möglichkeiten gelangten mehr als 50 landesweit renommierte Wissenschaftler
und technische Experten zu dem Schluß, daß sich die Erlangung entsprechender Fähigkeiten abzeichnet.
Es ist jedoch keineswegs so, daß wir diese Fähigkeiten heute
schon besitzen. Dies gilt insbesondere dann, wenn man eine Vertei-

- 3 -

�eine Verteidigung gegen langfristige, durch nichts gehemmte sowjetische Bedrohungen und Gegenmaßnahmen als unser unmittelbares Ziel auffaßt. Aber solche defensive Möglichkeiten sind in der Entwicklung
begriffen, und ihre Realisierung ist absehbar geworden, was einen
großen Unterschied zwischen der Lage Mitte der 80er Jahre und der
Mitte und Ende der 60er Jahre ausmacht. Diese Möglichkeiten kommen.
Ganz gleich, ob es uns gefällt oder nicht, diese technischen Fortschritte werden kommen.
Bei der Erweiterung des Wissens handelt es sich um ein Gebiet,
auf dem Versuche nationaler Institutionen, hemmend oder steuernd
einzugreifen, stets von ausnehmend geringem Erfolg gekennzeichnet
waren. Manchmal konnte dieser Fortschritt verlangsamt werden, aber
die Geschichte ist voll von Fällen, in denen solches Wissen schließlich doch alle Dämme brach und seinen Weg nahm, wobei unausweichlich
jene im Vorteil waren, die genug Voraussicht besessen hatten, um den
Wandel zu akzeptieren und ihn in für sie nützliche Bahnen zu lenken.
Dies gilt insbesondere für den Fall von Technologien, die mit
der Verteidigung in Zusammenhang stehen. Wir haben gar nicht einmal
gezielt versucht, Verteidigungstechniken zu entwickeln. Tatsächlich
ist eine solche gezielte Entwicklung durch die Beschränkungen, die
wir uns selbst auferlegt haben, erheblich behindert worden. Diese
Techniken sind vielmehr ein natürliches Nebenprodukt der Arbeit unserer zivilen Industrie und unserer Universitäten, was in geringerem
Maße auch für die Sowjetunion zutrifft.
Wenn man einen einzelnen Bereich herausheben will, so waren es
vor allem die unglaublichen Sprünge in der Datenverarbeitungstechnik, die zu dieser Entwicklungsexplosion geführt haben. Es liegt
nicht einfach nur daran, daß wir keine riesigen Lagerhallen mehr
brauchen, um die Radargeräte und Computer unterzubringen, die für
die Raketenabwehrsysteme der 60er Jahre notwendig waren. Die bloße
Existenz der heute - und morgen - verfügbaren Mittel zur Lösung
komplexer Probleme auf unglaublich kleinen und schnell arbeitenden
Maschinen hat der Entwicklung unserer nationalen technischen

- 4 -

�nationalen technischen Möglichkeiten neue Wege geöffnet.
Darüberhinaus hat die Verfügbarkeit dieser Maschinen Hunderttausenden von Institutionen, Industriebetrieben, kleinen Firmen und
Einzelpersonen die Mittel zur Lösung solcher Probleme in die Hand
gegeben. Es war die Datenverarbeitungstechnik, die John von Neumans
Skepsis, ob man die Interkontinentalrakete jemals zum Funktionieren
bringen könne, gegenstandslos machte.
Es war die Datenverarbeitungstechnik, die bei der Einführung der
Mehrfachgefechtsköpfe eine Schlüsselrolle spielte. Es war die Datenverarbeitungstechnik, die die Zusammenfassung ganzer Pulks von Interkontinentalraketen in koordiniertem Einsatz ermöglichte. Es war die
Datenverarbeitungstechnik, die den Interkontinentalraketen das Maß
an Treffgenauigkeit verlieh, das die Voraussetzung für ihren Einsatz
im Präventivschlag bildet, und es ist die Datenverarbeitungstechnik,
der bei der Errichtung jeglicher Art von Verteidigung gegen Raketen
eine Schlüsselfunktion zukommen wird.
Der Mensch steuert somit rapide auf die Art von Technologien zu,
die zum Aufbau einer strategischen Verteidigung notwendig sind, ganz
gleich, ob er dies will oder nicht. Dieser Trend ist breit angelegt
und durchdringt sogar jeden Aspekt unseres alltäglichen Lebens.
"Gegenwärtig werden leistungsfähige neue Technologien verfügbar ..."
Die innere Logik dieser Technologien macht eine Erforschung der
Möglichkeit zur Entwicklung von strategischen Defensivwaffen unumgänglich. Das bedeutet noch nicht, daß wir uns auf ihre tatsächliche
Einführung festlegen müssen. Weder unsere Technologie noch unsere
Politik sind schon so ausgereift, daß wir unverzüglich einen solchen
Schritt tun könnten, und wir befürworten das auch gar nicht. Wir
müssen erst einmal eine Antwort finden auf die Grundfragen der Überlebensfähigkeit von technischen Einrichtungen im Weltraum, deren Bau
notwendig werden könnte.
Wir müssen

- 5 -

�Wir müssen die Leistung unserer Pichtenergiesysteme - Laser und
Partikelstrahler - drastisch verbessern, ebenso wie die der konventionellen und anderen nicht-nuklearen Hochgeschwindigkeits-Verteidigungstechnologien. Wir müssen auch unsere Überwachungs-, Zielerfassungs- und Zielverfolgungssysteme weiterentwickeln und uns darüber
klar werden, inwieweit wir uns auf die entsprechenden Technologien
verlassen können. Kurzum, wir müssen wissen, welches unsere technischen Optionen in der Zukunft sind.
Wir müssen auch unsere politischen Optionen prüfen. Niemand hat
die Absicht, unser gegenwärtiges Abschreckungskonzept plötzlich in
einer Weise zu ändern, die Folgen für unsere Verbündeten oder unsere
Gegner haben würde. Uns fehlen sowohl die technischen Mittel als
auch die Informationen, auf die sich ein solcher Schritt stützen
müßte. Gleichzeitig erscheint es jedoch unannehmbar, das ungeheuere
Zerstörungspotential, dem wir uns heute gegenübersehen, für alle
Zeiten festzuschreiben. Wir suchen eine Lösung, die uns schließlich
in die Lage versetzen könnte, wenn auch nicht einen radikalen, so
doch einen deutlichen Abbau der bestehenden Arsenale an nuklearen
Offensivwaffen zum Gegenstand realistischer Erörterungen zu machen.
Die Entscheidung darüber, ob als Teil dieser Lösung wirksame Defensivsysteme gebaut werden sollen, wird unseren Nachfolgern obliegen
und wird eine Kombination von Rüstungskontrolle und einer allmählichen Abwandlung der Art und des Einsatzkonzepts der Offensivwaffen
unseres eigenen Landes, unserer Verbündeten und der Sowjets einbeziehen müssen.
Solche Entscheidungen können nur auf der Basis einer fundierten
Abstimmung zwischen der Exekutive und der Legislative getroffen
werden, und wir können unseren Nachfolgern keine fundierten Entscheidungsalternativen hinterlassen, wenn wir uns nicht bald daran
machen, diese Optionen zu erarbeiten.
Seit nunmehr über einem Jahrzehnt haben wir nur relativ wenige
strategische Optionen. Seit Anfang der 70er Jahre haben sich beide
Seiten darauf konzentriert, die bestehenden Offensivtechnologien zu
- 6-

I

�Offensivtechnologien zu verbessern und zu vermehren. Gleichzeitig
hat keine Seite bei den Verhandlungen über effektive Rüstungskontrolle besonders viel Glück gehabt. Ich finde, es ist überhaupt
nicht schwer, die Gründe dafür zu verstehen. Wenn man geradewegs in
den Gewehrlauf seines Gegners blickt, hat man im allgemeinen ein
recht begrenztes Gesichtsfeld.
Ich habe daher mit äußerster Anstrengung versucht, einen Weg zu
finden, wie man einen beiderseitig verifizierbaren Prozeß des Abbaus
der nuklearen Waffenarsenale wirklich durchführen könnte. Ich sage
dies, weil sich die Sowjets nach zehn Jahren des beständigen Modernisierens ihres Potentials in einer durchaus beneidenswerten Lage befinden. Der Großteil ihrer Systeme entspricht dem neuesten Stand.
Umgekehrt ist dies beim Großteil der strategischen Waffen der Vereinigten Staaten nicht der Fall. Ich sage dies auch, weil ich nicht
glaube, daß irgendeine der heutigen - oder zukünftigen - Atommächte
jemals ihr Arsenal freiwillig auf Null abbauen wird. Wenn es aber
keine wirksame Verteidigungsmöglichkeit gegen diese Waffen gibt,
dann müßten die Arsenale in verifizierbarer Weise auf einen Stand
nahe Null gebracht werden, um an der Hoffnungslosigkeit, die unsere
Kinder heute empfinden, wirklich etwas zu ändern.
Gleichzeitig bestehen in den Vorstellungen über den Zweck dieser
Arsenale erhebliche Gegensätze zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion. Die Vereinigten Staaten haben eine ausgewogene
"Triade" von Waffen aufgebaut, die Interkontinentalraketen, unterseebootgestützte Raketen und Bomber umfaßt. Seit den 60er Jahren haben
wir diese Streitmacht so strukturiert, daß sie den Erfordernissen
der Abschreckung im Frieden, d.h., der Kriegsverhütung entspricht.
Die Sowjets hingegen haben ihre Streitmacht augenscheinlich fast
ausschließlich als eine Kriegsmaschine konzipiert, d.h., sie haben
sie so ausgelegt, daß sie sich zum tatsächlichen Führen eines
Krieges eignen.
Die Tatsache, daß sie sich in so starkem Maße auf an sich verwundbare landgestützte Raketen verlassen, ihre hohen Aufwendungen

- 7 -

�hohen Aufwendungen für passive zivile und militärische Schutzmaßnahmen, ihre offiziellen Erklärungen zu ihrem Streitkräftekonzept und
die Informationen über ihre militärischen Übungen - all das deutet
darauf hin, daß sie nach wie vor glauben, ständig in der Lage sein
zu müssen, die amerikanischen Waffen in einem Präventivschlag auszuschalten, um so ihren Einsatz zu verhindern. Wegen dieses Ungleichgewichts sowohl in der Struktur als auch in der Verwundbarkeit des
jeweiligen Potentials interpretieren beide Seiten das Verhalten des
jeweiligen Gegenübers als einen Versuch, sich eine Fähigkeit zum entwaffnenden Erstschlag zu sichern. Im Lichte dieser Tatsachen erscheint es mir nicht weiter überraschend, daß wir so immense Schwierigkeiten hatten bei dem Versuch, eine gemeinsame Basis zu finden,
auf der man verhandeln könnte.
Es ist für mich auch keine Überraschung, daß die Sowjets so
außerordentlich hart an der Entwicklung genau der Defensivtechnologien gearbeitet haben, die die Kritiker des Präsidenten als
"Phantasieprodukte" abtun. Einige Leute gehen so weit, zu behaupten,
daß die Sowjets uns auf diesen Gebieten voraus seien. Ich glaube
aber, die Dinge liegen eher so wie in der Fabel vom Hasen und der
Schildkröte. Die sowjetische Schildkröte mag in der Tat den dösenden
amerikanischen Hasen auf einigen Gebieten langsam, aber sicher überholt haben, besonders bei der im großen Maßstab betriebenen Arbeit
in der Richtenergie- und Partikelstrahlertechnik. Aber der Hase besitzt immer noch solide technologische Muskeln auf den Gebieten der
Herstellungs- und Materialverarbeitungstechnologien, der Hochenergiephysik, der modernen Radartechnik sowie auf dem allerwichtigsten Gebiet, der Datenverarbeitungstechnik - wenn er nur aufwachen und sich
auf die Beine machen würde.
Das ist es, was dem Präsidenten den größten Kummer bereitet. In
seiner Rede vom 23. März brachte er seine Sorge darüber zum Ausdruck, daß Defensivsysteme in Verbindung mit Offensivwaffen als im
Wesen aggressiv gesehen werden könnten. Er hat sich zu diesem Thema
seitdem noch einige Male eingehender geäußert, und zwar dahingehend,
daß er, ungeachtet der moralischen Fragen, die hier auf dem Spiel

- 8-

�dem Spiel stehen, die Entwicklung von Defensivtechnologien für
zwangsläufig hält. Sie werden verfügbar werden, ganz gleich, ob
einem das gefällt oder nicht.
Wir können uns daher heute entweder auf einen optimistischen
oder auf einen pessimistischen Standpunkt stellen. Ein Optimist
würde wünschen, daß die Vereinigten Staaten bei der Entwicklung
solcher Defensivsysteme führen. Daraus würden sich zukünftige
Optionen für zukünftige Präsidenten wie für den Kongreß ergeben:
- die Option, an die Sowjets heranzutreten und, falls dies
gerechtfertigt erscheint, über eine sehr sorgsam abgestufte
Entwicklung beiderseitiger Defensivsysteme zu verhandeln;
- die Option, damit zu beginnen, die Vorstellung von der Erstschlagsfähigkeit des jeweils anderen, wenn nicht die Sache
selbst auszuräumen;
- die Option, damit zu beginnen, die Potentiale zu verringern, die
dann realistischerweise nur noch eine Vergeltungsfunktion hätten;
- die Option, einzuschreiten und den Kreis zu durchbrechen, der
seit über einem Jahrzehnt einen Stillstand bei wichtigen Verhandlungen über die Offensivwaffen erzeugt.
Der Pessimist andererseits würde es zulassen, daß die Sowjets
unerbittlich weiter voranschreiten und die ersten Serien vorweisbarer Defensivsysteme herstellen. Ich persönlich finde es nicht sehr
schwierig, die Frage zu beantworten, ob die Sowjets uns wohl in
diesem Falle eine ähnliche Auswahl von Optionen anbieten würden.
Ich entwerfe dies Szenario nicht leichtfertig. Unter dem nuklearen Schirm hervorzukommen ist eine ernste und äußerst kostspielige
Angelegenheit ... Weder unsere militärische Struktur und Organisation noch unsere Technologie sind heute schon dafür bereit. Die Initiative zugunsten einer strategischen Verteidigung ist nicht die endgültige Antwort, sondern nur der Anstoß, der die Dinge in Bewegung
bringen sollte.
Bis hierher

�Bis hierher habe ich in erster Linie die Frage der Verteidigung
gegen landgestützte Interkontinentalraketen erörtert. Schließen Sie
daraus bitte nicht, daß wir unterseebootgestützte und taktische Nuklearwaffen sowie Waffen mit Strahltriebwerken - wie Bomber oder
Marschflugkörper - weniger gewissenhaft in Betracht ziehen. Ihnen
soll in der Verteidigungsinitiative ebenfalls Rechnung getragen werden. Aber die Interkontinentalrakete, wie sie sich bis zum heutigen
Tag entwickelt hat, wäre in einer Krise bei weitem am stabilitätsgefährdensten, und sie scheint die meiste Hysterie zu erzeugen,
gleich, ob es um Angriff oder Verteidigung geht.
Die Interkontinentalrakete ist heute die strategische Waffe der
Wahl für die Sowjetunion, und all unsere nachrichtendienstlichen
Prognosen sagen voraus, das dies so bleiben wird. Wenn es überhaupt
Hoffnung geben soll, daß wir bei der Rüstungskontrolle etwas in Bewegung setzen können, dann müssen wir uns zuerst der Interkontinentalrakete widmen.
Wir haben diesen Prozeß mit dem Programm zur Modernisierung unserer strategischen Waffen begonnen. Nur auf diese Weise kann man den
Sowjets die Einsicht nahelegen, daß sie bei ihren Interkontinentalraketen eine Entwicklung hin zu Typen mit höherer Überlebensfähigkeit einleiten müssen. Diese Notwendigkeit zur Entwicklung neuer
Typen schließt Ungeheuer wie die SS-18, eine Rakete mit Flüssigtreibstoff, aus.
Die Aussicht, daß wirksame Abwehrsysteme entwickelt werden könnten, die in der Lage sind, Feindraketen noch in der Startphase abzufangen, schließt darüberhinaus aus, daß man diese Raketen, von denen
jede eine Vielzahl von Gefechtsköpfen trägt, in ihren verwundbaren
Silos belassen oder sie in einem Präventivschlag verwenden kann. Und
die Aussicht auf den Aufbau von gestaffelten Abwehrsystemen läßt die
Vorstellung unrealistisch erscheinen, daß die Sowjets mit einer
massenweisen Einführung kleiner, schneller, mit massiver Schutzpanzerung versehener Interkontinentalraketen reagieren könnten, wie einige Kritiker voraussagen. Ich möchte meine Überlegungen über die

- 10 -

�über die Reaktionsmöglichkeiten der Sowjets in drei Punkten wie
folgt zusammenfassen:
Erstens: Bei jeglicher Art von Gegenmaßnahme könnten sie sich
gezwungen sehen, mit der aus Gefechtsköpfen bestehenden Nutzlast
ihrer Raketen bis auf ein Zehntel herunterzugehen.
Zweitens: Solche Gegenmaßnahmen könnten darauf hinauslaufen, daß
die Sowjets ihr gesamtes Potential an Interkontinentalraketen vollkommen neu aufbauen müßten, und die Interkontinentalraketen machen
immerhin 75 Prozent ihres strategischen Gesamtpotentials aus.
Drittens: Fragen Sie doch einmal die Leute, die ihr Leben lang
Interkontinentalraketen gebaut haben - d.h., die Leute bei Boeing,
bei Martin, bei Rockwell und überhaupt bei den Luft- und Raumfahrtunternehmen - wie einfach und billig es wäre, so ein Potential an
Interkontinentalraketen von Grund auf neu aufzubauen, wobei das
Anforderungsprofil an die neuen Systeme zu allem Überdruß auch noch
unbestimmt wäre.
Was im Rahmen unserer Verteidigungsinitiative jetzt unmittelbar
erforderlich ist, ist eine Neuorganisation der verschiedenen Programme, die momentan bei zwei Ministerien, drei Waffengattungen, zwei
Bundesbehörden, drei Regierungslaboratorien und einer Fülle von Universitäten und Industriekonzernen laufen.
Die unmittelbare Aufgabe besteht darin, sich zu fragen - wie ich
es getan habe - "Wohin steuern wir ?" und sich dann für den langen
Marsch bereit zu machen. In der vergangenen Woche hat Verteidigungsminister Weinberger seinen Verwaltungsstab gestrafft, indem er Generalleutnant Abrahamson zu dessen Direktor ernannt hat. General Abrahamson ist unter Raumfahrtexperten bereits wohlbekannt, und ich bin
sicher, daß viele von Ihnen ihn ebenfalls gut kennen. Er ist auch
bei den spektakulären, avantgardistischen Unternehmen unseres Landes
auf diesem Gebiet als ein hervorragender technischer Manager in Erscheinung getreten, der sich so leicht keinen Fehler erlaubt.
Er stimmt
- 11 -

�Er stimmt mit mir darin überein, daß eine seiner ersten Aufgaben
darin bestehen muß, seitens des Kongresses die Einsicht zu fördern,
daß die Weiterentwicklung unserer Defensivtechnologie eine wesentliche und gewichtige Rolle im Gesamtrahmen unserer Rüstungskontrollstrategie spielt. Ich erwarte auch von ihm, daß er sein Programm so
entwickelt, daß einigen technischen Kriterien Rechnung getragen
wird, die im Rahmen einer realistischen strategischen Verteidigung
wesentlich sind. D.h., solch ein Verteidigungssystem dürfte selbst
nicht der Gefahr einer plötzlichen Zerstörung ausgesetzt sein. Ob es
technisch zu verwirklichen ist, müßte bewiesen werden, bevor die Entscheidung, über die Forschungs- und Entwicklungsarbeit hinauszugehen, gefällt werden könnte.
Ein solches System müßte nicht notwendigerweise nuklear sein.
Seine Wirksamkeit müßte auch dann halbwegs gewährleistet sein, wenn
der Gegner die Zahl der Ziele, die es bekämpfen muß, einfach stark
vermehren würde oder wenn es mit Zielattrappen, deren Einsatz im
Rahmen der Mehrfachgefechtskopftechnologie möglich ist, konfrontiert
wäre. Es dürfte nicht nur auf einer einzigen "Wunderwaffe" beruhen,
und schließlich dürften seine Kosten nicht höher liegen als die von
offensiven Gegenmaßnahmen oder als die, die ein Versuch der Sowjets,
ihr Potential an Interkontinentalraketen neu aufzubauen, verursachen
würde.
Die beschriebenen Eigenschaften umreißen unsere unmittelbaren
Ziele. Ich habe sie in der ungefähren Reihenfolge ihrer Dringlichkeit aufgezählt. Ich glaube nicht, daß es zum gegenwärtigen Zeitpunkt wichtig ist, spezielle Technologien zu erörtern; die Zeit
dafür wird früh genug kommen. Das ist es also, was die erste Phase
des Programms umfassen sollte. Im Augenblick ist es wichtiger, daß
wir den politisch Verantwortlichen, zu denen Sie ja auch gehören,
und den Amerikanern, die für die Kosten aufkommen müssen, zeigen,
daß wir wissen, wovon wir überhaupt reden, aber nicht unbedingt, daß
wir jetzt schon genau wissen, was sich im einzelnen wie entwickeln
wird.
Aber wenn

- 12 -

�Aber wenn wir unseren Nachfolgern überhaupt Wahlmöglichkeiten
hinterlassen wollen, können wir uns jetzt nicht die Hände binden.
Ich sehe absolut keine Notwendigkeit, bei der Prüfung unserer Handlungsalternativen irgendwelche Bedingungen schon bestehender Verträge zu verletzen, bin aber sehr skeptisch, ob es klug wäre, uns in
weitere vertragliche Verpflichtungen zu verstricken, bis wir mehr
wissen. Ich möchte eine breit angelegte, umfassend durchdachte und
geplante Vorgehensweise, die nicht durch einen Flickenteppich vertraglicher Verpflichtungen blockiert wird, die ohne einen inneren
Zusammenhang untereinander eingegangen worden sind.
Ich möchte den Kongreß bitten, sich nicht zu früh auf solch
begrenzte Entscheidungen festzulegen, die der nächsten Generation
jegliche Entscheidungsfreiheit nehmen könnten. Vielmehr möchte ich,
daß, wenn die Führer dieser zukünftigen Generation erst einmal im
Besitz aller entscheidungsrelevanten Informationen sind, sowohl die
Vereinigten Staaten als auch die Sowjetunion sich zu positiven
Schritten entschließen, Schritten, die beiderseitig verifizierbar
und stabilitätsfördern sind, die keine Risiken heraufbeschwören,
falls eine Seite betrügt und die eine Entwicklung in Richtung auf
den Abbau der atomaren Waffenarsenale einleiten.

+ + + + +

- 13 -

�2. Mai 1984

18

DIE XXIII. OLYMPISCHEN SPIELE IN LOS ANGELES
- (2) Die Organisation der Spiele -

- (AD) - "Die Spiele dürfen nicht so teuer sein," war schon 1908 die
Ansicht von Baron Pierre de Coubertin, dem Gründer der modernen Olympiade.
Stattdessen

wurden die Spiele natürlich ständig teurer.

So wurden in

Montreal für die Spiele 1976 rund 1,5 Milliarden Dollar ausgegeben - und dabei nur 500 Millionen Dollar eingenommen.

Schätzungen zufolge hat die Sowjet-

union 1980 rund neun Milliarden Dollar aufgewandt.
Aufgrund der eskalierenden Kosten drohten die Spiele unter ihrer eigenen
Last zusammenzubrechen.

Als die Bewerbung um die Olympiade 1984 begann, zeig-

ten nur zwei Städte ihr Interesse:

Teheran und Los Angeles.

Inzwischen ist

Teheran von seiner Bewerbung zurückgetreten, und die Wähler von Los Angeles
haben in der Satzung ihrer Stadt durchgedrückt, daß es der Stadt verboten
ist, auch nur einen Pfennig Steuergelder für die Olympiade auszugeben, oder
daß die Steuerzahler dazu gezwungen werden könnten, irgendwelche Schulden aus
den Spielen zu begleichen.

Es sah so aus, als wären die Spiele 1984 in Ge-

fahr - bis es gelang, die amerikanische Geschäftswelt zu mobilisieren.
Der Mann,

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Telex: 8-85432

�Der Mann, der die Herausforderung annahm, die Olympiade zu organisieren, ist Peter Ueberroth, ein erfolgreicher, 45 Jahre alter Geschäftsmann
und ehemaliger aktiver Sportler - er wäre fast Mitglied der amerikanischen
Wasserballmannschaft bei den Olympischen Spielen des Jahres 1956 geworden.
Sein Entschluß stand fest:

Die Spiele sollten - wie ein anderes Wirtschafts-

unternehmen auch - mit einem knappen Budget finanziert werden und am Ende
sogar einen kleinen Überschuß ausweisen.

Er nennt es nicht "Profit", denn

alle Mittel, die am Schluß übrigbleiben sollten, würden dem Amateur-Jugendsport zur Verfügung gestellt.
Ueberroths Haushalt beträgt weniger als 500 Millionen Dollar.
wird es bei den Spielen 1984

Dennoch

17 neue Sportveranstaltungen geben, die Rekord-

zahl von 12 000 Sportlern aus 150 Ländern und 8000 Medienvertreter - das
größte Kontingent an Reportern, das es je gab, um über ein Ereignis zu berichten.

Außerdem betonte Ueberroth, er wolle die Spiele ohne die drei

Hauptstützen vergangener Olympiaden finanzieren - also ohne öffentliche Gelder, ohne Spenden und ohne Lotterien - letztere sind in Kalifornien verboten.
Ueberroth analysierte die Finanzierung vorausgegangener Olympiaden und
kam zu dem Schluß, daß keine ein finanzieller Verlust hätte sein müssen,
hätte man nicht immer neue Stadien und Olympische Dörfer gebaut. So bestimmte er, in Los Angeles statt dessen schon vorhandene Anlagen zu benützen - wie
etwa das 96 000 Besucher fassende Coliseum der Stadt, wo auch die Spiele des
Jahres 1932 stattgefunden hatten. Es wurde für fünf Millionen Dollar einer
Renovierung unterzogen - und erhielt lediglich ein neues, acht Meter hohes
Bronzeportal und eine neue Laufbahn aus synthetischem Material, die aus der
Bundesrepublik geliefert wurde.
Auf Freiwilligenbasis gründete nunmehr der frühere Geschäftsmann Ueberroth
das Olympische Komitee für Los Angeles. Zum erstenmal in der Geschichte wurde
hiermit die Organisation der Spiele einer Gruppe von privaten Geschäftsleuten
- und nicht einer Stadt - übergeben.
Ueberroth betonte

- 2 -

�Ueberroth betonte, daß diese Spiele sich von allen anderen unterscheiden werden.

In der Vergangenheit, so meinte er, hätten die Olympischen

Spiele zweierlei Zielsetzungen gedient:

"Erstens

waren sie eine Aussage

der Regierung eines Landes. So sagten etwa die Westdeutschen 1972: 'Wir
sind eine große Industrienation, die sich vom Krieg erholt hat. Wir sind
freundliche und offene Weltbürger.'

Die Kanadier sagten 1976:

'Wir sind

kein Stiefkind der Vereinigten Staaten. Wir sind stark und gut.' Und
sicherlich sagten die Sowjets 1980 viele Male, daß die Olympischen Spiele das
beste Beispiel

dafür seien, daß sie jetzt als der größte sozialistische

Staat der Welt anerkannt wären.
Erst der zweite Zweck war das sportliche Ereignis für die Athleten.
Dies aber ist unsere erste und einzige Zielsetzung.

Wir sind keine Nation,

und wir haben keine Erklärung abzugeben. Wir feiern nur den Sport."
Ueberroth fing an "mit einer Schachtel, in der 300 000 Dollar Schulden
waren, ohne Mitarbeiter, ohne Telefon und ohne Plan."

Aus seinem ersten Büro

wurde er hinausgeworfen, nachdem der Vermieter Schwierigkeiten wegen eines
ungedeckten Schecks bekam.
Als erstes machte sich Ueberroth daran, Geld von den Fernsehgesellschaften aufzutreiben.

Die amerikanische Fernsehgesellschaft NBC hatte ja

für Exklusivrechte bei den Moskauer Spielen ebenfalls bereits die Rekordsumme von 87 Millionen Dollar bezahlt.

Doch Ueberroth beschloß, für die

Spiele 1984 kein Angebot unter 200 Millionen Dollar anzunehmen.
erhielt ABC den Zuschlag - bei 225 Millionen Dollar.
kosteten die europäischen TV-Rechte.

Schließlich

80 Millionen Dollar

Ein Drittel des Gesamtbetrags geht an

das Internationale Olympische Komitee.
Als nächstes suchte er nach Geldgebern.

In Montreal gab es 168 kommer-

zielle Sponsoren "offizieller" olympischer Produkte; in Moskau 200.

In

Lake Placid im Staate New York - Austragungsort der Winterspiele des Jahres
1980 - waren es gar 381. Dort gab es sogar einen offiziellen olympischen
- 3 -

�offiziellen olympischen Kautabak. Und dennoch erhielt der Ort damals insgesamt nur neun Millionen Dollar und war am Ende schwer verschuldet.
Die Spiele - so Ueberroth - "müssen in einem unverfälschteren Sinn sportlich sein, würdiger, diskreter, mehr im Einklang mit den klassischen künstlerischen Forderungen."
Diesem Gedanken folgend beschloß er, nicht mehr als 30 Geldgeber zu
suchen, bestand jedoch darauf, daß jeder von ihnen ein Minimum von vier Millionen Dollar zahlt - und außerdem unentgeldliche Dienstleistungen sowie weitere Spenden für Programme des Jugendsports.
So kaufte IBM zum Beispiel nicht nur das Sponsorenrecht, sondern willigte auch ein, Computer für die Spiele zur Verfügung zu stellen, Buick von
General Motors, ein weiterer Geldgeber, Autos für den Stab der Spiele; ATT
sorgt für die Kommunikationsanlagen, Safeway Stores für das Essen der Sportler.
Da Ueberroth keine Hamburger brauchte, erklärte sich die Firma McDonald's
damit einverstanden,statt dessen ein neues Schwimmbecken zu bauen - ein
Schwimmbecken, "das für die Sportler gebaut ist, nicht für die Architekten",
wie es einer der Organisatoren formulierte. Bei seiner ersten Erprobung im
Sommer 1983 gelang dem Sowjetrussen Vladimir Salnikow ein neuer Weltrekord
über 1500 Meter, und) jedermann war davon überzeugt, daß das Becken ein Erfolg
ist.
Als einzige weitere neue Anlage bedurfte es einer Radrennbahn: Die Lebensmittelkette 7-Eleven sagte zu, obgleich man dort wohl nie zuvor das Wort
gehört hatte und kaum wußte, worum es sich handeln würde.
Von diesen beiden Ausnahmen abgesehen }werden alle anderen Olympiaanlagen
gemietet} nicht erst gebaut.

Dadurch belaufet sich die Gesamtbaukosten auf

lediglich etwa 70 Millionen Dollar.
Neben dem
_ 4_

�Neben dem Coliseum verwendet Ueberroths Mannschaft das 105 000 Personen
fassende Rose Bowl-Stadion - eines der berühmtesten Stadien des Landes für
(amerikanischen) Fußball - für die Austragung der Fußball-Meisterschaft. Die
Ringer-Wettkä'mpfe werden im 9000 Personen fassenden Convention Center von
Anaheim - ganz in der Nähe von Disneyland - stattfinden.

Das Forum, in dem

17 500 Besucher Platz finden und wo normalerweise das Berufsbasketballteam
der Stadt spielt, wird Austragungsplatz der olympischen Basketballspiele sein.
Es war 1932 in Los Angeles, wo zum erstenmal die Idee eines Olympischen
Dorfes verwirklicht wurde - einer riesigen Anlage, in der alle Sportler im
Geist internationaler Brüderlichkeit untergebracht waren.

Doch 1984 - man

erwartet 12 000 Sportler - war keine der Anlagen groß genug.

Deshalb be-

schloß Ueberroth, drei bestehende Anlagen auf drei verschiedene Universitätsgel änden zu verwenden. Jedes Dorf wird sicher und autonom sein, mit
Restaurants rund um die Uhr und für jeden Geschmack, mit Disco, Jazz und
Folk-Musik, mit Ärzten, Zahnärzten, Masseuren und Wäschereien.

Auf die Kla-

ge, man habe mit einer olympischen Idee gebrochen, erklärte ein Mitarbeiter
von Ueberroth:

"Wir haben 1932 das Olympische Dorf geschaffen.

Jetzt schaf-

fen wir es eben ab."
Eine weitere Geldquelle - rund 40 Millionen Dollar - ist der Verkauf
von Olympia-Münzen, die Salvador Dali entworfen hat. Die Goldmünzen, auf
denen elf verschiedene Sportarten zu sehen sind, werden für 600 Dollar pro
Stück verkauft.

Platinmünzen kosten ebenso viel; die silbernen 130 Dollar

pro Stück.
Die traditionellen olympischen Sportarten - Leichtathletik, Schwimmen
und Boxen - werden alle im Stadtzentrum stattfinden - nur einen Kilometer
voneinander entfernt. Andere Sportarten werden dagegen weiter entfernt sein:
die Ruderwettbewerbe etwa 156 Kilometer nördlich der Stadt, einige der Reitveranstaltungen 204 Kilometer südlich.
Insgesamt wird

- 5 -

�Insgesamt wird es von der Eröffnungs- bis zur Schlußzeremonie acht Millionen Sitze für 370 verschiedene Veranstaltungen geben.

30 Prozent der Ein-

trittskarten wurden für ausländische Besucher, für Sponsoren, für die Medien
und ein Sonderkontingent zur Seite gelegt.
Die normalen Karten kosten zwischen drei Dollar und 95 Dollar - wie
etwa für die Schlußwettbewerbe beim Boxen und Schwimmen.
preis pro

Der Durchschnitts-

Karte liegt bei 18 Dollar - was Einnahmen von insgesamt schätzungs-

weise 90 Millionen bedeutet.
Die meisten Veranstaltungen sind bereits ausverkauft, wobei viele derjenigen, die sich um eine Karte bemühten, auch Glück haben mußten:
bestimmte.

das Los

Um der Gerechtigkeit willen und zur Verhinderung von Schwarz-

marktpreisen weigerte sich Ueberroth, Karten blockweise zu verkaufen.
"Viele Leute mochten das gar nicht,"

sagt Ueberroth, "besonders die

Einflußreichen, die normalerweise einen Platz garantiert haben.

Aber das

heutige System bedeutet, daß ein Tankwart eine ebenso große Chance hat wie
der Aufsichtsratsvorsitzende der ölgesellschaft."
Die 30 Gesellschaften, die als Sponsoren fungieren, können für 25 000
Dollar ein Kartenpaket für alle Veranstaltungen erwerben.

Von diesen Gel-

dern wird ein Teil dazu verwendet, 100 000 Freikarten für Behinderte, Senioren und Jugendliche aus Los Angeles zur Verfügung zu stellen.
Pro Tag werden insgesamt rund 600 000 Besucher der Olympischen Spiele
erwartet; dadurch steigt die Einwohnerzahl von Los Angeles von drei auf 3,6
Millionen.

Zwar hat die Stadt doppelt so viele Hotelbetten

wie alle ande-

ren bisherigen Austragungsorte, doch sind es - gemessen am Bedarf - noch
immer zu wenig.

Manche Gäste werden privat unterkommen, aber andere werden

sich auch außerhalb eine Unterkunft suchen müssen.

Die Dezentralisierung

der Veranstaltungen wird dies begünstigen.
Die Spiele
- 6 -

�Die Spiele werden eine große Belastung für das Verkehrssystem bedeuten,
und es gibt Befürchtungen, wonach die berühmten Ausfallstraßen der Stadt
sich in "den größten Parkplatz der Welt" verwandeln werden. Aber in Los
Angeles weist man auch darauf hin, daß bei dem am Neujahrstag stattfindenden
Umzug "Rose Parade" eine Million Menschen zuschauen - und sich dann ohne Probleme wieder verlaufen.

Für die Spiele wurde aus Los Angeles und den benach-

barten Orten ein großes Polizeiaufgebot zusammengezogen; für die arbeitende
Bevölkerung der Stadt wird es eine Art gleitender Arbeitszeit geben; schließlich verweist man auf die Möglichkeit, Autos auf entfernteren Parkplätzen abzustellen und sich der öffentlichen Verkehrsmittel zu bedienen.
Da es am Nachmittag in der Stadt am heißesten ist, wurden die meisten
Veranstaltungen, die im Freien stattfinden, auf den Morgen und den Abend verlegt. "Dies bringt zwar Konflikte mit den Fernsehprogrammen," sagt Ueberroth,
"aber wir machen das um derjenigen willen, die ja eigentlich die Olympischen
Spiele veranstalten - die Sportler nämlich."
Ein anderes Problem ist die Sicherheit. Angesichts der Tragödie der
Münchner Spiele 1972 erklärt Ueberroth:

"Wir müssen uns der Tatsache bewußt

sein, daß die Olympischen Spiele nicht nur ein sportliches, sondern auch ein
politisches Ereignis sind."

Rund 12 000 Mann Sicherheitspersonal wurden ab-

gestellt - einer für jeden Sportler.

Auch von Amts wegen wurden umfangreiche

Sicherheitsvorkehrungen getroffen - wobei einzelstaatliche und Bundesorgane
zusammenwirken -, damit sichergestellt ist, daß weder Gewalt noch Terrorismus
die Spiele von Los Angeles sprengen können.

- 7 -

�Wi//cn/chctft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

18

2. Mai 1984

AIDS-ERREGER ENTDECKT?
Generalangriff gegen die Krankheit mit biochemischen Verfahren

- (AD) - Eine Forschergruppe am Laboratorium für Tumorzellen-Biologie
des Nationalen Krebsinstituts (NCI) der Vereinigten Staaten in Bethesda
(Maryland) identifizierte ein drittes menschliches Leukä'mievirus. Es trägt
die Bezeichnung "Human T-Cell Leukaemia Virus III" (HTLV-III).

Wie der Lei-

ter des Laboratoriums, Dr. Robert Gallo, jetzt auf einer im US-Bundesministerium für Gesundheits- und Sozialwesen veranstalteten Pressekonferenz erklärte, sei mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß damit der Erreger der rätselhaften AIDS-Krankheit gefunden wurde. AIDS, Abkürzung für "Acquired
Immune Deficiency Syndrome", ist eine erworbene Immunschwäche, die den menschlichen Körper gegen Infektionen und Giftstoffe wehrlos macht.

Seit 1981 wur-

den in den USA fast 5000 AIDS-Fälle bekannt. Nach neuesten Angaben des Zentrums

für Seuchenüberwachung in Atlanta (Georgia) führte die Erkrankung bei

1758 dieser Patienten zum Tode.
AIDS-Opfer sind anfällig für seltene Krebserkrankungen, insbesondere
das sog. Kaposi-Syndrom, für bestimmte

Formen

schwerer Lungenentzündung

und andere Infektionen, die normalerweise durch die körpereigenen Abwehr-

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Telex: 8-85432

�körpereigenen Abwehrkräfte oder mit zusätzlicher medikamentöser Unterstützung
unter Kontrolle gebracht werden können.

Der Verdacht nicht nur auf ein infek-

tiöses Agens, sondern auf ganz bestimmte Viren als Erkrankungsursache verdichtete sich in letzter Zeit immer mehr.

Im Frühjahr 1983 war der radikalen Be-

kämpfung von AIDS vom amerikanischen Gesundheitsdienst "höchste Prioirtät" eingeräumt worden, was bedeutete, daß in einer Anzahl staatlicher und privater
Institute, u.a. an der Stanford-Universität, entsprechende Studien in Angriff
genommen oder ausgebaut wurden.

Auch suchte man nach Verfahren, mit denen

eine AIDS-Erkrankung, die noch keine Symptome zeigte, im Blut und nach Möglichkeit auch im Urin zur Kontrolle von Spenderblut nachgewiesen werden konnte.
Denn Bluter, die ja immer wieder auf Transfusionen von Blut bzw. Blutkomponenten angewiesen sind, erkrankten vereinzelt an AIDS; die Mehrzahl der Fälle war
jedoch bei Homosexuellen sowie bei Drogenabhängigen zu beobachten, die sich
Rauschgift intravenös spritzen. Als weitere Risikogruppen wurden in den Vereinigten Staaten Einwanderer aus Haiti und Frauen ermittelt, die sexuellen
Kontakt mit an AIDS erkrankten Männern hatten.
Nach Ansicht Dr. Gallos und seiner Mitarbeiter ist das Virus HTLV-III
mit dem am Pasteur-Institut in Paris entdeckten LAV-Virus eng verwandt, vielleicht sogar mit ihm identisch; französische Wissenschaftler brachten LAVErreger mit AIDS-Erkrankungen in Zusammenhang. LAV ist die Abkürzung für
"Lymphadenopathy-Associated Virus" (Lymphadenopathie-Virus). Beide Viren
attackieren jene weißen Blutzellen, die bei AIDS-Patienten nicht funktionsfähig sind. Die Auffassung, daß es sich bei HTLV-III und LAV um verschiedene
Viren handle, könne, so Dr. Gallo, möglicherweise auf unzureichender Kenntnis
der Struktur und der speziellen Merkmale von LAV-Viren beruhen. Letztere
konnten jedoch noch nicht exakt analysiert werden, weil sie nicht vollständig
isoliert und nicht in ausreichender Menge verfügbar sind. Das amerikanische
NCI und französische Forscher arbeiten eng zusammen, seitdem die mögliche Rolle dieser Viren bei AIDS-Erkrankungen immer stärker in den Vordergrund rückte.
HTLV-III-Viren wurden laut Dr. Gallo in 18 von 21 Gewebeproben bei Patienten gefunden, bei denen man AIDS im Vorstadium vermutete, ferner in Ge-

- 2-

�ferner in Gewebeproben von 26 Personen (aus einer Gruppe von 72 Patienten)
mit eindeutiger AIDS-Erkrankung, sowie bei einem von 22 Homosexuellen, die
als gesund einzustufen waren.

In der Kontrollgruppe mit 115 Personen, die

sich alle freiwillig zur Verfügung gestellt hatten und nicht zu einer der
Risikogruppen zählten, gab es keinerlei Hinweise auf HTLV-III.
Margaret Heckler, US-Ministerin für Gesundheits- und Sozialwesen, verwies im Zusammenhang mit dem Bericht Dr. Gallos auf die Entwicklung eines
Verfahrens, das die Massenproduktion von HTLV-III-Viren für Forschungszwecke,
für die Durchführung von Bluttests und schließlich auch für die Gewinnung
eines Impfstoffes gegen AIDS ermögliche. Mit Hilfe des Bluttests, der, so
hoffe man, in ca. sechs Monaten auf breiterer Basis angewandt werden könne,
seien AIDS-Opfer mit lOOprozentiger Sicherheit zu identifizieren.

Er solle

vor allem gewährleisten, daß Spenderblut absolut frei von AIDS-Keimen ist.
Außerdem arbeite man an Verfahren zu einer frühzeitigen und zuverlässigen
Diagnose der Erkrankung an AIDS.

Bisher habe man sie stets erst dann als

AIDS erkannt, wenn es bereits zu spät war.

Es sei zu hoffen, dann auch Wege

zu finden, um ein weiteres Fortschreiten der Krankheit zu verhindern.
einem Impfstoff sei allerdings frühestens in zwei Jahren zu rechnen.

+ + + + +

Mit

�18

2. Mai 1984

NEUE ERKENNTNISSE ZUR EVOLUTION
Polargebiete sind Urheimat vieler Pflanzen- und Tiergruppen -

- (AD) - Auf einer eisfreien, vegetationslosen Felseninsel im WeddellMeer, die der Nordostspitze der Antarktischen Halbinsel vorgelagert ist, fanden Wissenschaftler aus zwei amerikanischen Universitäten Oberreste von elf
wirbellosen Meerestierarten.

Bei einigen handelt es sich um Neuentdeckungen,

von den anderen war bekannt, daß sie in mittleren Breiten existierten.
Der Fund ergänze und erhärte gleichzeitig die in jüngster Zeit in der
Arktis gemachten Beobachtungen über das Vorkommen von Landpflanzen und Landtieren in der kalten Nordregion, sagt Dr. William J. Zinsmeister (Purdue University, W. Alfayette, Indiana).

Er war der Leiter der diesjährigen Expedi-

tion einer kleinen Gruppe von Biologen in die Antarktis.

Zusammen mit Dr.

Rodney M. Feldmann (Kent State University, Ohio) gab er jetzt einen ersten
Bericht an die Nationale Wissenschaftsstiftung (NSF) der USA, die alle amerikanischen Aktivitäten in der Antarktis finanziert.

Eine detaillierte Abhand-

lung zu den Funden soll in der Zeitschrift "Science" veröffentlicht werden.
Arbeitsgebiet war

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�Arbeitsgebiet war die ca. 24 km lange "Seymour-Insel".

Zu den uner-

warteten Funden zählen Fossilien einer bestimmten Seesternart, von Krabben
und Seelilien.

Einige Arten der letztgenannten Spezies sind über einen lan-

gen Stiel im Boden verankert, andere schweben frei im Wasser.

Die Forscher

sehen in den Ergebnissen ihrer Expedition wichtige Anhaltspunkte dafür, daß
das Gebiet um die Antarktis als eine Art Rückhaltetank für eine Vielzahl tierischer Organismen anzusehen sei, die sich über Millionen von Jahren in jenem Raum entwickelten und, als die Lebensbedingungen es erlaubten, sich in
nördlicher Richtung verbreiteten.
Auf früheren Antarktis-Expeditionen während der letzten zehn Jahre fand
Zinsmeister bereits Überreste von Riesenpinguinen, großen Meeresreptilien,
vielen Arten kleiner wirbelloser Tiere und von einem Beuteltier.

Angesichts

der neuen Fossilienfunde ist er überzeugt, daß diese bis zu 40 Millionen
Jahre älter sein dürften als ihre Artgenossen, die man aus mittleren und subtropischen Breiten schon kennt.

Damit scheint ein Rätsel, das die Wissen-

schaftler seit mehr als einem Jahrhundert beschäftigt, eine Lösung gefunden
zu haben - die Tatsache des plötzlichen Auftauchens neuer Gruppen Wirbelloser, die zuvor in Fossilien von südlichen Kontinenten gefunden worden waren.

+ + + + +

- 2 -

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan unterzeichnet amerikanisch-chinesische Wirtschafts- und Kulturabkommen - weitere Abkommen paraphiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten und Hintergrundinformationen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Gemeinsames zwischen USA und China bedeutsamer als Trennendes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Toasts des US-Präsidenten in Peking -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan schlägt vier Gesetze zur Bekämpfung des Terrorismus vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben des US-Präsidenten an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wissenschaftsberater George Keyworth erhofft neue Impulse für Rüstungskontrolle durch strategische Defensivwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Anhörung vor dem Außenpolitischen Ausschuss des Senats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die XXIII. Olympischen Spiele in Los Angeles&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- (2) Die Organisation der Spiele -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;AIDS-Erreger entdeckt?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Generalangriff gegen die Krankheit mit biochemischen Verfahren -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Erkenntnisse zur Evolution&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Polargebiete sind Urheimat vieler Pflanzen- und Tiergruppen -&lt;/em&gt;</text>
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