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11. April 1984

INHALT

HINTERGRUND
Programm für strategische Verteidigung
- Generalleutnant Abrahamson, Leiter der neuen Zentralbehörde Chronologie der Ereignisse in Afghanistan
- 1. Quartal 1984 -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Passiver Experimententrä'ger
- 10-Tonnen-Satellit von CHALLENGER für Langzeitversuche im Weltraum
abgesetzt -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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�15

11. April 1984
PROGRAMM FÜR STRATEGISCHE VERTEIDIGUNG
- Generalleutnant Abrahamson, Leiter der neuen Zentralbehörde -

Washington - (AD). - Generalleutnant James Abrahamson, der Direktor des
amerikanischen Raumtransporterprogramms, wurde von US-Verteidigungsminister Caspar Weinberger zum Direktor der neuen Behörde für strategische Verteidigung im US-Verteidigungsministerium berufen. Er wird am
15. April, nach Beendigung des für den 6. - 12. April 1984 vorgesehenen
elften Raumtransportunternehmens, sein neues Amt antreten.
James Abrahamson, der am Massachusetts Institute of Technology (MIT)
studierte, gehört seit fast 30 Jahren den US-Luftstreitkräften an, wo ihn
sowohl fliegerische Aufgaben als auch technische Führungsaufgaben übertragen wurden. Der Verteidigungsminister sieht in ihm die geeignete
Persönlichkeit für die Leitung eines "hochtechnischen Programms, das für
die nationale Sicherheit von größter Bedeutung ist". Ziel des von
Präsident Reagan vor einem Jahr geforderten Programms sei die Verteidigung gegen ballistische Nuklearraketen.
Zwei Expertengremien wurden unabhängig voneinander mit der Durchführung von Studien beauftragt, deren zentrale Fragen lauteten:
"Schaffen Verteidigungstechnologien echte Chance, der Bedrohung durch
ballistische Raketen

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�ballistische Raketen ein Ende zu setzen, und wenn ja, wäre eine Welt, in
der solche Technologien angewandt würden, sicherer und stabiler als die
Welt, in der wir heute leben?"

Beide Expertengruppen seien nach mehreren

Monaten intensiver Untersuchungen zu dem Schluß gekommen, daß beide
Fragen mit "Ja" zu beantworten sind.

Auf Grund der Studien und der

Konsultationen mit führenden Persönlichkeiten aus Kreisen des atlantischen Bündnisses und des US-Kongresses seien die Vereinigten Staaten,
wie Verteidigungsminister Weinberger auf einer Pressekonferenz erklärte,
zur Durchführung eines Programms für strategische Verteidigung entschlossen.

Vor einigen Wochen wurde es dem US-Kongress unterbreitet; im

Haushaltjähr 1985 sind dafür zwei Milliarden Dollar veranschlagt.
Um die Zusammenarbeit der einzuschaltenden Organisationen, die ganz
verschiedenartige Aufgaben haben, zu gewährleisten, habe,so Weinberger,
Präsident Reagan entschieden, daß im US-Verteidigungsministerium eine
Behörde für das zentrale Management einzurichten sei, deren Leiter dem
Verteidigungsminister direkt untersteht.

Das Programm verfolge nach wie

vor die Verteidigung gegen jede Art nuklearer Waffen - Marschflugkörper
ebenso wie ballistische Raketen.

"Was wir wollen", erklärte Weinberger,

"ist ein durch und durch zuverlässiges System ... gegen nukleare Waffen
..., das wir jetzt ganz eindeutig nicht haben".
Mit diesem Programm solle die Welt von dem dunklen Schatten befreit
werden, der seit der Einführung nuklearer Waffen über ihr liegt. "Und
ich glaube, es ist das einzige, das wirklich der Welt echte Hoffnung
gibt, die Lage zu verbessern, in der wir uns befinden", sagte
Weinberger. Einer der Gründe, weshalb es entwickelt werden müsse, sei
die Tatsache, daß die Sowjets bereits seit 1967 daran arbeiteten und
"wesentliche Fortschritte erzielt haben".
Auf die Frage, ob die Notwendigkeit einer Modernisierung strategischer nuklearer Waffensysteme angesichts dieses neuen Programms
weniger dringend einzuschätzen sei, sagte Weinberger: "Keineswegs, weil
wir ganz eindeutig dieses System, von dem wir sprechen, jetzt nicht
haben". Es werde viel Mühe und Arbeit kosten, es zu erreichen. Man
wisse nicht,

�wisse nicht, wieviel Zeit es erfordere, und so könne man die schon längst
überfällige Modernisierung zur Aufrechterhaltung eines sicheren Abschrekkungsgleichgewichts nicht noch weiter hinausschieben.

Erst wenn sich das

neue System als voll effektiv erweise, könne man entscheiden, was mit
anderen Waffen zu geschehen habe.
Nach Ansicht Weinbergers kann das neue Programm für strategische
i Verteidigung auf Verträge zur Rüstungskontrolle wie SALT I keine
Auswirkung haben, "weil wir gegenwärtig über Forschung und die Arbeit
• sprechen, die notwendig ist, um herauszufinden, ob wir ein solches System
wirksam und erfolgreich stationren können. Im Vertrag über Raketen Abwehrraketen (ABM) geht es um Stationierung". Darauf angesprochen, daß
der ABM-Vertrag sowohl Erprobung und Entwicklung als auch die Stationierung einschränke und wann damit zu rechnen sei, dass die Arbeit in
Verbindung mit der strategischen Verteidigungsinitiative mit dem Vertrag
kollidiere, sagte Weinberger: "Das weiß ich wirklich nicht. Es hängt
davon ab, wie rasch wir vorankommen, wie erfolgreich wir sind, wie bald
wir in der Lage sind, Wege zu finden, die die besten Aussichten bieten
..." Einen festen Terminplan für die Entwicklung des Systems könne es
heute angesichts der raschen Veränderung in der Technologie-Praxis nicht
geben.
+++++

- 3 -

�11. April 1984

15

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- 1. Quartal 1984 -AD- Der vierte Jahrestag der sowjetischen Invasion Afghanistans und der
Einsetzung des Regimes von Babrak Karmal stand im Zeichen öffentlicher
Protestdemonstrationen und -kundgebungen in Bangkok, Bonn, Neu Delhi,
Paris, Rom, Teheran und Washington, an denen auch afghanische Flüchtlinge
und ihre moslemischen Glaubensgenossen teilnahmen.
Die zehn Staaten der Europäischen Gemeinschaft gaben eine Erklärung
ab, in der sie die Sowjets zum Abzug aus Afghanistan aufforderten. Die
Zehn erklärten, daß sie "die fortgesetzte Verletzung der Menschenrechte
ebenso verurteilen, wie die Angriffe, die von sowjetischen Streitkräften
auf afghanische Zivilisten geführt werden, um die Entschlossenheit des
afghanischen Volkes zur Wiedergewinnung seiner Unabhängigkeit und zum
Widerstand gegen die Fremdherrschaft in seinem Land zu brechen." In
London erklärte der britische Außenminister Sir Geoffrey Howe, daß "die
britische Regierung die sowjetische Führung auffordert, ihren internationalen Verpflichtungen gemäß der Charta der Vereinten Nationen
nachzukommen und ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen."
In einer Erklärung, die der amerikanische Präsident Ronald Reagan
anläßlich des Jahrestages in Washington abgab, sagte er, daß es "unser
Ziel ist,

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�Ziel ist, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um eine Friedensregelung herbeizuführen, die die sowjetischen Streitkräfte aus
Afghanistan herausbringt, der Not und den Verwüstungen, die das afghanische Volk ertragen muß, ein Ende setzt und die Unabhängigkeit und
Blockfreiheit des Landes wiederherstellt ...

Wir sind davon überzeugt,

daß eine Regelung möglich ist, und wir sind froh, daß die Konsultationen, die im Rahmen indirekter Gespräche unter der Schirmherrschaft
der UN stattfinden, fortgeführt werden."
1. Januar 1984
Die vom sowjetischen Verteidigungsministerium herausgegebene Zeitung
"Roter Stern" ("Krasnaja Swesda") teilte mit, daß Moskau den Streitkräften des Regimes in Kabul eine unbestimmte Anzahl von "Flugabwehrraketeneinheiten", d.h. Boden-Luft-Raketen, geliefert hat. Aus dem
Zeitungsartikel ging nicht hervor, wozu diese Batterien benötigt werden,
sondern lediglich, daß sie in den "Gebirgsregionen" Afghanistans stationiert worden sind.
Über Radio Kabul wurde ein neuer Einberufungserlaß des Regimes
verkündet, der besagt, dass alle wehrtauglichen Männer ab 18 Jahren sich
zum Dienst zu melden oder strafrechtliche Verfolgung zu gewärtigen
haben. Befreit seien nur die, die bei höheren Bildungsanstalten beschäftigt oder mit der Verrichtung bestimmter Arbeiten betraut seien.
4. Januar
Wie aus westlichen diplomatischen Quellen in Neu Delhi verlautete,
führten die Mujahedin der afghanischen Widerstandsbewegung Tag für Tag
militärische Operationen in Kandahar, der zweitgrößten Stadt des Landes, '
durch, die der Herrschaft der sowjetischen und der Regierungstruppen
"praktisch völlig entglitten" sei. Kandahar, die Hauptstadt der gleichnamigen an Pakistan angrenzenden Südprovinz, hatte nach Schätzungen vor
der sowjetischen Invasion im Jahre 1979 etwa 135 000 Einwohner, von denen
allerdings Tausende vor den nahezu ununterbrochenen Kämpfen geflüchtet
sind.
9. Januar

�9. Januar
Nach Informationen von Bakhtar, der Nachrichtenagentur des Regimes,
wird Kabul gemäß einem neu abgeschlossenen Vertrag im Jahre 1984 2,4
Milliarden Kubikmeter Erdgas nach der Sowjetunion ausführen.

Wie die

Agentur meldete, hatte eine Delegation des Regimes während eines Besuchs
in der Sowjetunion auch Gespräche über "eine Erweiterung der Zusammenarbeit in den Bereichen Bergbau und Industrie" geführt.
Wie diplomatische Quellen in Neu Delhi mitteilten, wurden am 31.
Dezember in Rawza-i-Sultan und am 14. Dezember in Godal-i-Ahangaran,
beides Städte in der Provinz Ghasni, bei sowjetischen Luft- und Raketenangriffen Dutzende von afghanischen Zivilisten getötet. Die Angriffe
waren offenbar als Vergeltung für Aktionen der Mujahedin in diesen
Städten gedacht. Bei wiederholten sowjetischen Luftangriffen in der
gesamten Provinz in dem Zeitraum vom 1. bis zum 3. Januar wurden über 100
Zivilisten getötet und 11 Brücken zerstört. Wie aus den Quellen ebenfalls verlautete, war es in der vorhergehenden Woche in der südlichen
Provinzhauptstadt Kandahar zu andauernden schweren Kämpfen gekommen, in
deren Verlauf schätzungsweise 100 sowjetische und Regierungssoldaten
getötet und zwei sowjetische MiGs abgeschossen wurden.
11. Januar
Wie es in einer Rundfunkmeldung aus Karatschi hieß, hat die Sowjetunion mit der Einfuhr von Uran begonnen, das man im Gebiet der KhvajahRawash-Berge in der Gegend um Kabul entdeckt hatte. Diese Information
stammt von Nur Zaman Mohammad, dem unlängst übergelaufenen ehemaligen
Chefingenieur des Kabuler Ministeriums für Geologische Forschung, Bergbau
und Industrie. Er sagte, daß afghanische Ingenieure und anderes Personal
in diesem Gebiet durch sowjetische Kräfte ersetzt worden seien.
12. Januar

�12. Januar
Wie Radio Karatschi meldete, dementierte ein Sprecher des
pakistanischen Außenministeriums in Islamabad westliche Presseberichte,
denen zufolge die Sowjetunion im April 1983 den Abzug ihrer Truppen aus
Afghanistan innerhalb von 18 Monaten angeboten hatte.

(In der Los

Angeles Times vom 9. Januar hieß es unter Berufung auf Moskauer Quellen,
daß der Kreml dies Angebot unterbreitet habe, weil ihm klar geworden sei,
daß eine politische Regelung, die die Neutralität Afghanistans sicherstelle, den besten Ausweg aus der bestehenden Pattsituation biete.)

Der

pakistanische Sprecher sagte, Moskau habe niemals ein derartiges Angebot
gemacht.

Er fügte hinzu, daß die Frage eines Zeitplans für einen Truppen-

abzug nach wie vor eines der gewichtigsten Themen bei den indirekten Verhandlungen bilde, die von Diego Cordovez, dem persönlichen Sonderbeauftragten des UN-Generalsekretärs, geführt würden.
Radio Kabul meldete, daß in den jüngsten Kämpfen in sechs Provinzen
106 Mujahedin-Kämpfer getötet worden seien, die meisten in der an
Pakistan angrenzenden Provinz Paktia.
17. Januar
Wie aus diplomatischen Quellen in Neu Delhi verlautete, ist Kandahar,
die zweitgrößte Stadt des Landes, nach mehrwöchigen, ununterbrochenen
Kämpfen in der Hand der Mujahedin. In der südöstlichen Provinz Paktia
dauerten die Kämpfe um die Stadt Orgun an, die von den Widerstandskämpfern Ende Dezember genommen wurde. (Am 21. Januar behauptete Radio
Kabul, daß die Mujahedin aus Orgun vertrieben worden seien.)
24. Januar
Nach Meldungen aus Islamabad, die sich auf diplomatische Quellen
beriefen, wurden am 8. Januar im Anschluß an eine Konferenz auf höchster
Regierungsebene der stellvertretende Verteidigungsminister, der Chef des
Generalstabs und

- 4 -

�Generalstabs und der Operationschef des Kabuler Regimes ihrer Ämter
enthoben.

Diesen Berichten zufolge hatte der Regimechef Babrak Karmal

sich tadelnd über das Unvermögen der Armee geäußert, mit den Mujahedin
fertig zu werden, der Desertion von Soldaten Einhalt zu gebieten und neue
Mannschaften zu rekrutieren.
28. Januar
In einem offiziellen pakistanischen Kommunique, das in Islamabad
veröffentlicht wurde, hieß es, der Markt von Angur Adda in der westlichen
Grenzprovinz Wasiristan sei am 27. Januar von zwei aus Afghanistan
kommenden Militärflugzeugen mit Bomben und Raketen belegt worden, wobei
40 pakistanische Zivilisten getötet und etwa 60 verwundet worden seien.
(Am 31. Januar teilte ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums
mit, daß es seit der sowjetischen Invasion in Afghanistan im Jahre 1979
zu 411 Verletzungen des pakistanischen Luftraums gekommen sei und daß
hierbei 55 Menschen getötet und 104 verwundet worden seien.)
31. Januar
Nach Berichten diplomatischer Quellen in Neu Delhi und Islamabad
wurden in der Zeit vom 19. bis zum 27. Januar in den in der ShomaliRegion nördlich von Kabul gelegenen Dörfern Ghaza und Karez-e-Mir durch
wiederholte Luftangriffe und Artilleriebeschuß Hunderte von Zivilisten
getötet.
7. Februar
Wie aus diplomatischen Quellen in Neu Delhi und Islamabad verlautete,
unternahmen sowjetische Bodentruppen am 2. und 3. Februar einen
überraschenden Vergeltungsangriff auf die historische Stadt Istalef in
der Shomali-Region. Der Angriff stellte einen neuerlichen Versuch dar,
den Mujahedin die Unterstützung durch die dort ansässige Bevölkerung zu
entziehen. Nachdem sich die sowjetischen Truppen wieder zurückgezogen
hatten, wurde die Stadt von Artillerie, Raketenwerfern und Panzern
beschossen.
10. Februar

�10. Februar
In seinem Jahresbericht über die weltweite Verletzung der Menschenrechte stellte das amerikanische Außenministerium fest: "1983 hat es in
der Lage der Menschenrechte in Afghanistan kaum Veränderungen gegeben.
Am beharrlichsten und systematischsten werden die Menschenrechte in den
vom Regime beherrschten Gebieten von der 20 000 Mann starken, unter dem
Namen Khad bekannten Geheimpolizei verletzt ...

In den ländlichen Gei

bieten, die sich der Herrschaft des Regimes teilweise oder ganz entziehen, wurden die Menschenrechte in großem Umfang von sowjetischen oder
sowjetisch geführten Truppen verletzt.

Im Verlaufe des Jahres 1983

dauerten die sowjetischen Vergeltungsangriffe gegen die Zivilbevölkerung
an und nahmen an Häufigkeit sogar zu ..."
15. Februar
Diplomatische Quellen in Islamabad melden, daß das Regime in Kabul
die intensivsten Bemühungen seit der sowjetischen Invasion von 1979
unternimmt, um die gelichteten Reihen seiner Armee aufzufüllen.
Angeblich bedient man sich dabei sogar solcher Methoden wie der Zwangsrekrutierung willkürlich aufgegriffener Straßenpassanten, der erneuten
Einberufung von überführten Fahnenflüchtigen und des Aussetztens von
Prämien für Soldaten, die sich weiterverpflichten.
16. Februar
Auf einer Sitzung in Straßburg verabschiedete das Europa-Parlament
eine Resolution, in der es erneut die "sowjetische Besetzung Afghanistans
verurteilt", den "Rückzug der sowjetischen Truppen fordert" und den
"sowjetischen Angriff auf Angur Adda" (vgl. den Eintrag unter dem Datum
des 28. Januar oben) ebenso "vorbehaltlos verurteilt" wie "die ständig
wachsende Brutalität der Maßnahmen, die gegen die afghanische
Zivilbevölkerung angewandt werden."
21. Februar

�21. Februar
Die Vereinigten Staaten legten dem Generalsekretär der Vereinten
Nationen einen neuen Bericht über den Einsatz von chemischen und
organischen Giftstoffen durch die Sowjetunion und ihre Verbündeten in
Afghanistan, Laos und Kambodscha vor. Im Hinblick auf Afghanistan
erklärten die Vereinigten Staaten, daß ihnen mehrere Berichte über den
Einsatz chemischer Waffen durch die Sowjets im Jahre 1983 vorlägen, daß
es ihnen bislang aber nicht möglich gewesen sei, diese Berichte zu bestätigen. Diese Situation steht in deutlichem Gegensatz zu der von 1982,
als die USA "schwerwiegende Indizien für den dutzendfachen Einsatz
chemischer Waffen in Afghanistan mit über 300 Todesopfern" vorgelegt
hatten.
20. Februar
Zum fünften Mal seit der sowjetischen Invasion von 1979
verabschiedete die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in
Genf eine Resolution, in der sie den Abzug aller ausländischen Truppen
aus Afghanistan forderte. In der Resolution, die mit 31 zu 8 Stimmen bei
4 Enthaltungen angenommen wurde, brachte die Kommission ihre "zutiefst
empfundene Sorge" darüber zum Ausdruck, daß dem afghanischen Volk das
Recht auf Selbstbestimmung vorenthalten wird, insbesondere das Recht,
"seine Regierungsform selbst zu bestimmen und sich ohne Eingriffe,
Unterwanderung, Zwang oder sonstige Repressalien von außen für ein
wirtschaftliches, politisches und soziales System seiner Wahl zu
entscheiden."
In einer Rede vor dem Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen
Partei Afghanistans in Kabul hob Babrak Karmal, wie die
Nachrichtenagentur seines Regimes in einem zusammenfassenden Bericht
meldete, "zwei Aufgaben von besonderer Wichtigkeit" hervor: "die
Intensivierung des Kampfes gegen die Konterrevolution und die beständige
Stärkung der Staatsmacht." Von diplomatischen Quellen in Neu Delhi wurde
später im

- 7 -

�später im Wortlaut sein Eingeständnis zitiert, daß "die Wahrheiten
unserer Revolution der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung
Afghanistans erst noch vermittelt werden müssen."
6. März
Diplomatische Quellen in Neu Delhi und Islamabad sind der Auffassung,
daß sich häufende Berichte aus Afghanistan über die Zusammenziehung
sowjetischer Truppen und gepanzerter Verbände in drei verschiedenen
Gebieten auf eine unmittelbar bevorstehende Frühjahrsoffensive hindeuten. Bei den Gebieten, von denen in den Berichten die Rede ist,
handelt es sich um das strategisch wichtige Panjsher-Tal, das sowjetiche
und Regierungsstreitkräfte bereits sechsmal ohne Erfolg zu erobern versucht hatten, um Gardez in der an Pakistan angrenzenden Provinz Paktia
und um die südliche Provinzhauptstadt Kandahar, die sich seit Januar in
der Hand der Mujahedin befindet.
13. März
Wie diplomatische Quellen in Neu Delhi berichten, löste eine
Ankündigung vom 8. März, daß die Militärdienstzeit verlängert werden
solle, in der Armee des Kabuler Regimes eine Welle von Desertionen und
Meutereien aus. Innerhalb weniger Stunden nach der Ankündigung kam es im
Hauptquartier der 8. Division in Kargha, sieben Kilometer nordwestlich
von Kabul zur Meuterei. In Kabul konnte man zwei Stunden lang den von
dort herüberziehenden Gefechtslärm von Artillerie, Raketen und anderen
Waffen vernehmen.
15. März
Zum Abschluß einer sechswöchigen Sitzungsperiode in Genf beschloß die
Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, erstmalig einen
Sonderberichterstatter zu ernennen und ihn mit der Untersuchung von
Klagen über Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan zu betrauen.
Dieser Beschluß wurde gefaßt in Zusammenhang mit der Verabschiedung einer
Resolution

�Resolution (die mit 27 zu 8 Stimmen bei 6 Enthaltungen angenommen wurde),
in der die Kommission ihre "Sorge und Befürchtungen über die fortdauernde
Anwesenheit ausländischer Truppen in Afghanistan und über die Berichte
über Verletzungen der Menschenrechte in erheblichem Umfang" zum Ausdruck
brachte.

Der Berichterstatter ist gehalten, der Kommission während der

Sitzungsperiode 1985 einen umfassenden Bericht vorzulegen.
21. März
In einer Erklärung, in der der 21. März zum "Afghanistan-Tag"
proklamiert wird, gab US-Präsident Reagan seiner Überzeugung Ausdruck,
daß "es eine politische Verhandlungslösung dann geben kann, wenn die
Sowjetunion einem Abzug ihrer Streitkräfte zustimmt." Reagan hob hervor,
daß eine solche Lösung den Bedingungen, die fünfmal in Resolutionen der UN-Vollversammlung niedergelegt worden seien, gerecht werden
müsse. Der Präsident fügte hinzu: "Alle freiheitsliebenden Menschen auf
der ganzen Welt sollten inspiriert werden von dem Kampf des afghanischen
Volkes um Freiheit und von den schweren Opfern, die es für die Freiheit
auf sich nimmt."
+ + + + +

- 9 -

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

15

11. April 1984

PASSIVER EXPERIMENTENTRÄGER
10-Tonnen-Satellit von CHALLENGER für Langzeitversuche im Weltraum abgesetzt

- (AD) - Die Einflüsse der Umwelt jenseits der Erdatmosphäre mit kosmischem
Staub und Mikrometeoriten, Strahlung, magnetischen und elektrischen Feldern auf
Experimentiermaterialien verschiedenster Art wollen Wissenschaftler aus neun
Ländern mit Hilfe der "Long-Duration Exposure Facility" studieren (LDEF passiver Trägersatellit für Langzeitversuche). Mehr als zehn Monate wird der
am 7. April 1984 aus der Raumfähre CHALLENGER in 461 km Höhe mit dem ROBOTARM
abgesetzte passive Satellit, auf dem 57 Versuchsausrüstungen installiert sind,
die Erde umkreisen. Dann soll er wieder "eingefangen" und an Bord eines Raumtransporters zur Erde zurückgebracht werden. Er ist wiederverwendbar und könnte,
je nach den Versuchsaufgaben, auch erheblich länger im Orbit verbleiben.
"Passiv" heißt, daß er nicht über eigene Antriebsaggregate verfügt. Experimente,
die zur Durchführung Strom benötigen, sind mit eigenen Energiequellen versehen.
Leer wiegt der neun Meter lange Satellit, der die Form eines 12kantigen
Zylinders hat, 9 707 kg. Die 12, regalähnlich unterteilten Segmente enthalten
86 Aluminiumbehälter, von denen jeder ein»- Versuchausrüstung von 80 kg, z.T.
auch mit noch mehr Masse, aufnehmen kann. Es gibt keine Vibrationen, die
Reaktionen an den der irdischen Schwerkraft entzogenen Materialien stören
könnten.
Neben Experimenten

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D 5300 Bonn 2
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�Neben Experimenten des US-Amtes für

Luft- und Raumfahrt (NASA) und ameri-

kanischer Universitäten befinden sich wartungsfreie, relativ einfache Versuchsanlagen aus der Bundesrepublik Deutschland (Max-Planck-Institut für Kernphysik,
Heidelberg, und Technische Universität München), aus Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland, Kanada, den Niederlanden und der Schweiz an Bord.

Sie lassen

sich in vier Hauptgruppen unterteilen: Werkstoffe und Kühlsysteme, Energie und
Antriebe, Grundlagenforschung, Elektronik und Optik.
Hier einige Beispiele:
- Beim Interstellaren Gasexperiment werden kosmische Gase an Metallfolien
gesammelt. Man erhofft sich von der Untersuchung dieses Materials neue Einblicke
in die nuklearen Prozesse, die sich im Raum unserer Milchstraße abspielen, und
möglicherwiese auch Erkenntnisse zur Entstehung des Universums. (USA, Schweiz)
- Kristallwachstum in der Schwerelosigkeit könnte die Produktion größerer
und praktisch fehlerfreier Kristalle zur Verwendung in Elektronik und Optik
ermöglichen. Unter irdischen Bedingungen sind derart perfekte Kristalle nicht
zu züchten. (USA, Dänemark)
- Solarzellentest im Vakuum und unter Einwirkung der verschiednen Arten von
Weltraumstrahlung, um das bestgeeignete Material für Kollektorplatten herauszufinden.

In den Zellen entsteht unter der Einwirkung des Sonnenlichts elektrische

Energie, die zur Versorgung des Satelliten mit Betriebsstrom verwendet wird. (USA)
- Mehr als 14 Millionen Pflanzensamen werden der kosmischen Umwelt ausgesetzt.
Sobald sip zur Erde zurückgebracht sind, werden Proben davon im ganzen Land an
Schulen sowie an Hochschullaboratorien verteilt, wo man s»e zum Keimen bringen,
das Wachstum beobachten sowie eventuell auftretende Mutationen ausfindig machen
wird. (USA)
- Dichte und Energie

i

- 2 -

�- Dichte und Energie von Mikrometeoriten werden mit Hilfe dünner Mehrschichtfolien ermittelt.

Außerdem will man die Kraterwirkung von Mikrometeoriten

auf der Oberfläche verschiedener Materialien - Metallen, Gläsern, keramischen
Stoffen - untersuchen und die chemische Zusammensetzung des kosmischen Materials
ermitteln. (Großbritannien und Frankreich)
- Verbundwerkstoffe mit polymerisierten Komponenten werden auf Veränderungen
ihrer physikalischen Eigenschaften wie Festigkeit und Zähigkeit, Beschichtungsstoffe und Konstruktionswerkstoffe auf die Erhaltung ihrer thermischen Eigenschaften bzw. ihrer Festigkeit untersucht. (Kanada und Frankreich)
- Auswirkung von Weltraumstrahlung auf besonders leistungsfähige Infrarotfilter, auf Werkstoffe für Bau und Ausrüstung von Satelliten und auf Beschichtungsmaterialier, (Großbritannien)
- Die verschiedensten Komponenten modernster optischer Instrumente werden
nach Rückkehr eingehend auf ihre Leistungsbeständigkeit geprüft. (Frankreich)
- Leistungsabfall von Solarzellen und Beschichtungsmaterialien unter Weltraumstrahlung und "Verschmutzung" durch Materie im Weltraum; Auswirkungen kosmischer Strahlung, einschließlich schwerer Ionen, auf biologisches Material.
(Bundesrepublik Deutschland)
- Physikalische Prozesse bei der Bildung und Beschleunigung ultraschwerer
Kerne in der kosmischen Strahlung im interstellaren Raum. (Irland und Niederlande)

+ + + + +

- 3 -

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              <text>Digitalisat</text>
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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Programm für strategische Verteidigung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Generalleutnant Abrahamson, Leiter der neuen Zentralbehörde -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der Ereignisse in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 1. Quartal 1984 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Passiver Experimententräger&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 10-Tonnen-Satellit von CHALLENGER für Langzeitversuche im Weltraum abgesetzt -&lt;/em&gt;</text>
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