<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="1855" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/1855?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T01:46:35+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="1866">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/c13b64857f16a1d57a81989861debee6.pdf</src>
      <authentication>fbd15553d7211a8bd583f32fdf7ed954</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="9360">
                  <text>11. April 1984

15/A

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagan erläutert Grundlagen der amerikanische Außenpolitik
- Rede vor der Georgetown-Universität Reagan: USA werden Vertrag über weltweites Verbot chemischer Waffen
vorschlagen
- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 4. April Shultz: Macht und Diplomatie gehören zusammen
- Rede des US-Außenministers vor der Triiateralen Kommission -

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation

1

United States Information Service
Embassy of the United States of America
11. April 1984

15

PRÄSIDENT REAGAN ERLÄUTERT GRUNDLAGEN DER AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
— Rede vor der Georgetown-Universität —

WASHINGTON -(AD)- In einer Rede vor dem Zentrum für Strategische und
Internationale Studien der Georgetown-Universität erklärte Präsident
Reagan am 6. April 1984, daß die Verminderung der Gefahr eines Atomkriegs
von allen Aufgaben, vor denen die USA heute stehen, die wichtigste sei.
Reagan wiederholte die von den USA unterbreiteten Abrüstungsvorschläge
und versicherte, daß die USA sowohl bei der START- als auch bei der
INF-Thematik flexibel bleiben. Er äußerte sich auch zur amerikanischen
Politik in Mittelamerika, im südlichen Afrika und im Nahen Osten.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte Ihr Thema des überparteilichen Konsens unter dem Aspekt
der außenpolitischen Herausforderungen abhandeln, denen sich Amerika in
den 80er Jahren gegenübersieht.
Idealismus und Realismus

Alle Amerikaner teilen zwei große außenpolitische Ziele: eine
sicherere Welt und eine Welt, in der die Rechte des Individuums
respektiert werden und in der die Werte, die uns am Herzen liegen,
gedeihen können.
Diese Werte

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Diese Werte machen das Wesen des traditionellen Idealismus Amerikas
aus und leiten uns in unserem Streben nach Frieden in der Welt. So sehr
wir uns diesen Zielen verpflichtet fühlen, so sind wir doch nicht die
einzigen, denen sie etwas bedeuten. Sie wurden nicht "in Amerika
erfunden." Sie werden von Menschen überall auf der Welt geteilt.

Tragischerweise ist die Welt, in der diese grundlegenden Ziele von so
vielen geteilt werden, von Krisen geschüttelt. Während wir und unsere
Verbündeten uns des Friedens und des Wohlstandes erfreuen, leben viele
Bürger in den Industriestaaten weiterhin in Angst vor Konflikten und vor
dem drohenden Atomkrieg. Überall auf der Welt werden unschuldige Menschen
und die Werte der Zivilisation von Terroristen bedroht. Und in den
Entwicklungsländern sind die Träume von menschlichem Fortschritt nur
allzu oft durch gewaltsame Revolutionen oder Diktaturen zerstört worden.

Es ist ganz offenkundig, daß der verbreitete Wunsch nach einer
sicheren und menschlicheren Welt für sich allein noch nicht ausreicht, um
eine solche Welt auch tatsächlich zu schaffen. Was bei der Verfolgung
dieser wichtigen Ziele zählt, sind nicht nur ehrenwerte Absichten und
guter Wille, sondern auch die praktischen Mittel. Von folgenden
Grundprinzipien müssen wir uns leiten lassen:

Realismus. Die Welt ist nicht so, wie wir sie gern hätten. Die
Wirklichkeit ist oftmals rauh. Wir können das nicht ändern, wenn wir sie
nicht zunächst einmal so nehmen, wie sie ist.
Stärke. Wir wissen, daß Stärke nicht alles ist, aber ohne sie gibt es
keine wirksame Diplomatie und keine Verhandlungen und auch keine stabile
Demokratie und gesicherten Frieden. Umgekehrt führt sich eine Politik der
Schwäche, des Hoffens und des Die-Hände-in-den-Schoß-Legens selbst ad
absurdum, denn sie fordert genau die Aggression und Instabilität heraus,
der sie ja gerade zu entgehen sucht.

Wir tschaftswachstum.

Dies ist die Grundlage, auf der unsere Stärke ruht

und die den Menschen in die Lage versetzt, seine in ihm schlummernden
Möglichkeiten zu entfalten. Ohne Wirtschaftswachstum können sich in der
Innen- wie

�Innen- wie in der Außenpolitik Stärke und Kreativität weder entwickeln
noch entfalten.

Hintergrundwissen. Unsere politischen Maßnahmen können nicht wirksam
sein, wenn die Informationen, auf denen sie beruhen, nicht korrekt,
rechtzeitig verfügbar und vollständig sind.

Teilung der Verantwortung mit Verbündeten. Unsere Freunde und
Verbündeten haben Teil an der schweren Verantwortung für die Verteidigung
der Freiheit. Wir wünschen und brauchen ihre Partnerschaft, damit wir bei
der Verfolgung unserer gemeinsamen Ziele die Lasten, die dies mit sich
bringt, teilen können.

Gewaltverzicht. Wir stellen keine Gebietsansprüche. Wir halten kein
fremdes Territorium besetzt. Wir benötigen unsere Machtmittel nur aus
Gründen der Abschreckung und um unsere Interessen zu wahren, falls die
Abschreckung versagt.

Dialog mit dem Gegner. Obwohl wir uns hinsichtlich des Bestehens
grundlegender Gegensätze zwischen uns und dem Gegner nichts vormachen
dürfen, müssen wir doch stets bereit sein, diese Gegensätze mit
friedlichen Mitteln aufzulösen.

Überparteilicher Konsens im eigenen Land.

In unserer

Zwei-Parteien-Demokratie muß am Anfang einer erfolgreichen Außenpolitik
der überparteiliche Konsens stehen, denn die gemeinsame Verantwortung für
eine sicherere und menschlichere Welt muß daheim beginnen.

Die Erneuerung Amerikas
Während der letzten drei Jahre haben wir uns beständig bemüht,
Amerika seinen außenpolitischen Zielen näherzubringen, indem wir diesen
lebenswichtigen Grundsätzen wieder zu mehr Beachtung verholfen haben.
Viele Bedrohungen bleiben bestehen, und der Friede mag manch einem immer
noch gefährdet erscheinen. Tatsächlich jedoch ist es um den Schutz und
die Sicherheit Amerikas heute besser bestellt, weil die Bevölkerung
dieses großen
- 3-

�dieses großen Landes die Grundlagen seiner Stärke wieder gefestigt hat.

Wir sind mit neuem Realismus angetreten, mit einem klarsichtigen
Verständnis der Welt, in der wir leben, und im Bewußtsein unserer
weltweiten Verantwortung. Unsere Industrie ist auf Importe von Energie
und Bodenschätzen aus weit entfernten Ländern angewiesen. Unser
wirtschaftliches Wohlergehen erfordert ein intaktes internationales
Finanzsystem und freie und offene Märkte. Und unsere Sicherheit ist
untrennbar mit der unserer Freunde und Nachbarn verbunden.

Ich meine, die Haltung der Amerikaner gegenüber der Welt ist heute
geprägt von Realismus und Reife. Die große Mehrheit unseres Volkes ist
nicht der Meinung, daß die krassen Unterschiede zwischen Demokratie und
Totalitarismus von selbst verschwinden, wenn man es sich nur stark genug
wünscht. Es ist ihnen klar, daß die erste Voraussetzung der Sicherheit
Amerikas darin besteht, daß man die Stärke und Freiheit Amerikas bewahren
muß.

Als wir 1981 die Amtsgeschäfte übernahmen, trieb die Sowjetunion
bereits seit 20 Jahren das massivste Aufrüstungsprogramm der Geschichte
voran. Ihr Ziel war eindeutig nicht, mit uns gleichzuziehen, sondern uns
zu überholen. Dennoch beschränkten sich die Vereinigten Staaten in den
70er Jahren praktisch auf die Rolle eines Zuschauers. Dies war ein
Jahrzehnt der Versäumnisse, das in besorgniserregender Weise an unserer
Verteidigungskraft gezehrt hat.

Mit der Unterstützung beider Parteien brachten wir unverzüglich ein
umfassendes Programm zur Wiederherstellung unserer Wehrkraft in Gang. Wir
haben beachtliche Fortschritte erzielt bei der Wiederherstellung der
Einsatzmoral unserer Männer und Frauen in Uniform, bei der Wiederauffüllung der Bestände an Ersatzteilen und Munition, beim Ersatz
veralteter Einrichtungen und Geräte, bei der Verbesserung der Grundausbildung und der Einsatzbereitschaft und bei der zügigen Abwicklung
überfälliger Rüstungsprogramme.
Die schlichte

�Die schlichte Wahrheit ist, daß wir in der zweiten Hälfte der 70er
Jahre nicht mehr zur Abschreckung imstande waren, wie die Ereignisse von
Angola bis Afghanistan gezeigt haben. Heute sind wir wieder dazu imstande, und diese Tatsache hat die Zukunftsaussichten von Millionen von
Menschen fundamental gewandelt. Die Zeiten sind vorbei, als die Vereinigten Staaten für eine steuerlose Supermacht oder eine hilflose Geisel der
Weltpolitik gehalten wurden. Amerika führt wieder. Frieden durch Stärke
ist nicht nur ein Schlagwort, sondern vielmehr eine erfahrbare Tatsache
—

und wir werden nicht zurückfallen in die Zeit des Händeringens, des

Defätismus, des Niedergangs und der Verzweiflung.

Wir haben auch unsere nachrichtendienstlichen Mittel in erheblichem
Maße verbessert, indem wir die Einsatzmoral der Nachrichtendienste wiederhergestellt und unsere Möglichkeiten zur Entdeckung, Erforschung und
Abwehr der Aktionen feindlicher Dienste verbessert haben.

Unsere Wirtschaftskraft, die die Grundlage unserer Rüstungsanstrengungen bildet, hat seit 1981 einen dramatischen Aufschwung
erfahren. Was wir vorgefunden haben, war eine stagnierende Wirtschaft,
die, bedingt durch fehlende Anreize, eine zweistellige Inflationsrate,
einen Zinssatz von 21,5 Prozent, Investitionsunlust, rapide sinkende
Produktivität und einen schwachen Dollar, am Boden lag. Was wir daraus
gemacht haben, ist eine dynamische Wirtschaft im Aufschwung, die sich auf
neue Anreize, stabile Preise, niedrigere Zinssätze, neuerliche Produktivität und wiederhergestelltes Vertrauen in unsere Währung stützen kann.

Diese Wiederherstellung der inländischen Grundlagen unserer Stärke
ging einher mit einer Intensivierung der Partnerschaft mit den Freunden
und Verbündeten unseres Landes. Sowjetische Einschüchterungsversuche sind
an der Einheit des NATO-Bündnisses wirkungslos abgeprallt, und die Modernisierung unseres strategischen Abschreckungspotentials geht voran. Das
Staatsoberhaupt von Amerikas ältestem Bündnispartner, der französische
Präsident Mitterrand, erinnerte uns unlängst daran, daß "Friede — wie
auch Freiheit —

nichts ist, was man ein für allemal besitzt ... Das

Streben nach beidem ist eine bleibende Aufgabe ... In den turbulenten
Zeiten, die wir erleben, ist Solidarität unter Freunden wesentlich."
Unsere Prinzipien
- 5 -

�Unsere Prinzipien gebieten nicht nur die Wiederherstellung unserer
Stärke; wir können aus ihnen auch Maximen für den Gebrauch dieser Stärke
herleiten. Wir bleiben dem Grundsatz der Gewaltfreiheit verpflichtet. In
einem Falle, in dem die Vereinigten Staaten auf Ersuchen von Nachbarländern hin dennoch Gewalt angewandt haben — nämlich in Grenada — haben
wir entschlossen gehandelt, aber erst, nachdem klar war, daß ein blutdürstiges Regime eine unmittelbare Gefahr für das Leben amerikanischer
wie grenadischer Staatsbürger und darüber hinaus für die Sicherheit
benachbarter Inseln heraufbeschworen hatte. Wir sind wieder abgerückt,
sobald Stabilität und Freiheit auf der Insel wiederhergestellt waren. Die
Sowjetunion kann für ihre massive Invasion in Afghanistan vor vier Jahren
keine derart legitime Rechtfertigung geltend machen. Bis zum heutigen
Tage sind Besatzungstruppen in Stärke von 100 000 Mann dort verblieben.
In eindeutigem Gegensatz dazu halten die Vereinigten Staaten keinen
fremden Boden besetzt und streben dies auch nicht an.Obwohl wir und die
Sowjetunion uns in tiefgreifender Weise unterscheiden, ist es ein
zwingendes Erfordernis des Lebens im Atomzeitalter, miteinander zu
sprechen. Wenn der neuen sowjetischen Führung wirklich ernsthaft an der
Schaffung einer sichereren und menschlicheren Welt gelegen ist, und nicht
daran, mit Waffengewalt weitere Eroberungen zu machen, wird sie im Westen
einen verständnisvollen Partner finden.

Während wir uns von diesen Lebensgrundsätzen leiten Hessen, haben
wir stets versucht, den Geist wiederzubeleben, in dessen Zeichen unsere
Außenpolitik in der Nachkriegsära gestanden hat —

parteiübergreifende

Zusammenarbeit zwischen der Exekutive und der Legislative.
Viel ist erreicht worden, aber es bleibt auch noch viel zu tun. Wenn
sich die Republikaner und die Demokraten mit vereinten Kräften bemühen,
vier großen Herausforderungen zu begegnen, denen sich die amerikanische
Außenpolitik in den 80er Jahren gegenüber sieht, dann können und werden
wir große Fortschritte in Richtung auf eine sicherere und menschlichere
Welt machen.
Vier große

- 6-

�Vier große Herausforderungen

Die erste Herausforderung besteht darin, das Risiko eines Atomkriegs
zu vermindern und die atomare Rüstung in einer Weise zu verringern, die
gewährleistet, daß auch die Wahrscheinlichkeit, daß diese Waffen jemals
eingesetzt werden, verringert wird. Es gibt keine dringlichere Aufgabe,
denn ein Atomkrieg ist nicht zu gewinnen und darf deshalb niemals geführt
werden. Um aber einen Atomkrieg zu verhüten, reicht es nicht aus, einfach
nur gegen ihn zu sein.

Seit 35 Jahren beruht die Verteidigungspolitik der Vereinigten
Staaten und ihrer NATO-Verbündeten auf einer einfachen Prämisse: Wir
fangen keinen Krieg an. Wir erhalten unsere konventionelle und strategische Schlagkraft nur deshalb aufrecht, um vor einer Aggression dadurch
abzuschrecken, daß wir jedem möglichen Aggressor klarmachen, daß ihm ein
Krieg nichts einbringen würde außer einem völligen Desaster. Abschreckung
war und bleibt der Eckstein unserer nationalen Sicherheitspolitik, die
auf die Verteidigung der Freiheit und die Erhaltung des Friedens gerichtet ist.

Aber wie ich bereits ausführte, waren die 70er Jahre durch eine
Vernachlässigung unserer Verteidigungsmittel gekennzeichnet, und die
Sicherheit unseres atomaren Potentials bildet in dieser Beziehung keine
Ausnahme. Zu viele vergaßen John F. Kennedys warnenden Hinweis, daß wir
nur dann, wenn die Sicherheit unserer Waffen außer Zweifel steht, gewiß
sein können, daß sie nie zum Einsatz kommen werden. Zu Beginn dieses
Jahrzehnts sahen wir uns drei wachsenden Problemen gegenüber: dem sowjetischen SS-20-Monopol in Europa und Asien, der Verwundbarkeit all unserer
landgestützten Interkontinentalraketen und der Tatsache, daß die geschlossenen Rüstungskontrollabkommen sich als untauglich zur Verlangsamung des
Gesamtwachstums der strategischen Waffenarsenale erwiesen hatten. Die
Carter-Administration, wie eigentlich fast jedermann, war sich dieser
Probleme bewußt.

Die Auffassung, daß Rüstungsabkommen automatisch zu Rüstungskontrolle
führen, ist weit verbreitet, aber falsch. 1969, als die Verhandlungen
über SALT I
- 7 -

�über SALT I begannen, hatte die Sowjetunion 1 500 strategische Nukleargefechtsköpfe. Heute könnte das sowjetische nukleare Arsenal auf 15 000
Atomgefechtsköpfe und mehr anwachsen und dabei doch im Rahmen aller
geschlossenen Rüstungskontrollabkommen bleiben, die Richtlinien von SALT
I und II eingeschlossen.

Die Eindämmung der Gefahr eines Atomkriegs muß daher auf zwei
parallelen Wegen angegangen werden: glaubwürdige Abschreckung und
wirkliche Rüstungsverminderungen bei wirksamer Verifikation. Das ist die
Grundlage, von der aus wir uns mit den beschriebenen Problemen auseinandergesetzt haben. Deshalb haben wir mit der Ausführung des NATODoppelbeschlusses von 1979 begonnen, während wir gleichzeitig die Zahl
der Atomgefechtsköpfe in Europa verringert haben. Deshalb haben wir auch
versucht, uns der Unterstützung beider Parteien für die Empfehlungen der
Scowcroft-Kommission und das "Abbau-Konzept" zu versichern, und ebenfalls
deshalb haben wir —

zum ersten Mal überhaupt —

bei den Gesprächen über

die Verringerung strategischer Waffen eine drastische Verminderung der
Zahl solcher Waffen vorgeschlagen.

Die Rüstungskontrollvorschläge, die wir unterbreitet haben, sind ohne
Ausnahme geeignet, den Aufrüstungstrend umzukehren und zur Errichtung
eines stabileren Gleichgewichts auf niedrigerem Rüstungsniveau beizutragen. Bei den START-Gesprächen sind wir bestrebt, die Zahl der Raketengefechtsköpfe in maßgeblichem Umfang zu vermindern, die Zerstörungskraft von Atomraketen herabzusetzen und Bomber und Marschflugkörper
Höchstgrenzen zu unterwerfen, die unter denen von SALT II liegen sollten.
Bei den Gesprächen über nukleare Mittelstreckenwaffen haben unsere Unterhändler vier VorSchlagspakete auf den Tisch gelegt, deren Zweck es ist,
sowjetischen Anliegen Rechnung zu tragen und die Aussichten auf ein
faires und gerechtes Abkommen zu verbessern, mit dem eine ganze Kategorie
von Atomwaffen reduziert oder überhaupt beseitigt werden könnte. Unsere
Flexibilität bei den START- und den INF-Verhandlungen haben wir durch
zahlreiche Abänderungen unserer Positionen bewiesen. Alles, was wir zur
Antwort bekommen haben, war Stille im Verhandlungssaal nach dem Auszug
der sowjetischen Delegation. Bei den Wiener Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen haben wir und unsere
NATO-Partner

�NATO-Partner einen Vertragsentwurf vorgelegt, der dafür sorgen könnte,
daß bei den konventionellen Streitkräften ein Gleichstand auf niedrigerem
Niveau erzielt wird. Um das Risiko eines Kriegsausbruchs in Krisenzeiten
zu verringern, haben wir der Sowjetunion wichtige Maßnahmen zur Verbesserung der direkten Kommunikation und zur Erhöhung des beiderseitigen
Vertrauens vorgeschlagen. Und erst kürzlich habe ich Vizepräsident Bush
angewiesen, sich zur Genfer Abrüstungskonferenz zu begeben, um dort eine
neue amerikanische Initiative vorzustellen: ein weltweites Verbot der
Herstellung, des Besitzes und der Anwendung chemischer Waffen.

Unsere Maßnahmen im Bereich der Strategie bilden eine wohlerwogene
Antwort auf einen Komplex nuklearpolitischer Probleme, in dessen Einschätzung sogar unsere Kritiker mit uns übereinstimmten. Viele, die dazu
neigen, sich über diesen überparteilichen Konsens hinwegzusetzen, indem
sie behaupten, zu wissen, wie ein größeres Maß an Sicherheit erlangt
werden könnte, lassen augenscheinlich die wahrscheinlichen Konsequenzen
ihrer eigenen Vorschläge außer Betracht.

Jene, die noch in letzter Minute ein Moratorium bei der Stationierung
von nuklearen Mittelstreckenwaffen wollten, hätten unsere Verbündeten
verraten und die Chancen für mehr Sicherheit für Europa verschlechtert.
Jene, die die Rüstung einseitig "einfrieren" möchten, würden bald merken,
daß ein solches Konzept nicht verifizierbar und darüber hinaus destabilisierend ist, weil es die Wiederherstellung eines stabilen und daher
friedenserhaltenden Gleichgewichts verhindern müßte. Jene schließlich,
die für eine einseitige Aufgabe des Projekts der Friedenswahrer-Rakete
(Peacekeeper) eintreten, würden damit eine zentrale Empfehlung der überparteilichen Scowcroft-Kommission außer acht lassen und den Sowjets
nahezu jeden Anreiz nehmen, über echte Rüstungsverminderungen zu verhandeln. Die Sowjets würden auf diese Weise ja förmlich dafür belohnt, daß
sie den Verhandlungstisch verlassen haben.

Solche Lösungen, die auf einer grob vereinfachenden Sicht der Dinge
beruhen, wie auch andere, die von unseren Kritikern vorgeschlagen werden,
würden ernstzunehmende Abkommen und ein höheres Maß an Sicherheit wohl
vollends unerreichbar machen. Unsere Kritiker könnten uns bei unserem
Hinarbeiten auf

�Hinarbeiten auf die Ziele, die wir alle teilen, am besten helfen, indem
sie sich bereit zeigen, auch die praktischen Maßnahmen, die zur Verwirklichung dieser Ziele erforderlich sind, mitzutragen. Es ist natürlich
einfach, für eine starke Landesverteidigung zu sein, aber es ist schon
wesentlich schwerer, auch für einen entsprechend hohen Wehretat einzutreten. Und es ist natürlich einfach, Rüstungsabkommen zu fordern, aber
es ist viel schwieriger, für geduldiges, unerschütterliches und faires
Verhandeln mit einem Gegner zu sein, der stets zunächst einmal abwartet,
wieviele Kompromisse wir uns wohl untereinander abtrotzen. Überparteilicher Konsens kann nur funktionieren, wenn beide Seiten den realen
Problemen ins Auge sehen —

und ihnen mit realen Lösungen begegnen.

Aber unsere Sicherheit hängt von mehr ab als von glaubwürdiger
Abschreckung und Verringerung der Kernwaffen. Von entscheidender
Bedeutung ist auch eine konstruktive regionale Entwicklung. Daher
besteht unsere zweite große Herausforderung in einer Stärkung der Basis
für Stabilität in unruhigen und strategischen sensitiven Regionen.

Regionale Spannungen haben ihren Ursprung oft in althergebrachten
sozialen, politischen und wirtschaftlichen Ungleichheiten sowie in
ethnischen und religiösen Streitigkeiten.

Doch im Verlauf der 70er Jahre

haben verstärkte sowjetische Unterstützung von Terrorismus, Aufruhr und
Aggression in Verbindung mit einer Vorstellung von sich abschwächender
amerikanischer Macht und Entschlossenheit diese Spannungen noch um ein
Vielfaches verstärkt.

Die Ergebnisse waren nicht überraschend: Die Massaker in Kamputschea
nach der vietnamesischen Invasion; die sowjetische Invasion Afghanistans;
der Aufstieg des iranischen Extremismus und die Geiselnahme der Amerikaner; der libysche Druck in Afrika; militärische Einmischung der Sowjets
und Kubaner in Angola und Äthiopien; ihre subversive Tätigkeit in Mittelamerika und der Anstieg des staatlich unterstützten Terrorismus.

Zusammengenommen lassen diese Ereignisse ein Muster zunehmender
Instabilität und Gewalt erkennen, das die Vereinigten Staaten nicht
ignorieren können. Und wir ignorieren es nicht. Genau wie hinsichtlich
der Verteidigung,

- 10 -

�der Verteidigung, so gab es vom Beginn der achtziger Jahre an in diesem
Land auch zunehmenden Konsens darüber, daß wir mehr dafür tun müßten, die
Probleme in den Griff zu bekommen, die unsere lebenswichtigen Interessen
berühren.

Es ist offenkundig, daß keine abstrakte Politik für sich genommen
erfolgreich mit allen Problemen in allen Regionen fertigwerden könnte.
Aber generell gesehen, erfordert eine wirksame regionale Stabilisierung
eine ausgewogene Politik - eine Mischung aus Wirtschafthilfe, Sicherheitshilfe und diplomatischer Vermittlung -, die den Bedürfnissen einer
jeden Region angepaßt sein muß. Es ist desgleichen offenkundig, daß wir
allein keine bedrohten Regierungen retten oder den Terrorismus unter
Kontrolle bringen können. Aber Nichtstun würde uns nur noch weit größere
Probleme in der Zukunft bescheren. Daher bemühen wir uns darum, die
Zusammenarbeit mit Staaten auszuweiten, die unsere gemeinsamen Interessen
unterstützen, und die großen Gelegenheiten zur Wahrung des Friedens zu
ergreifen.

Das vielleicht beste Beispiel für diese umfassende Politik ist der
Bericht und sind die Empfehlungen der Nationalen überparteilichen Mittelamerika-Kommission.

Denn diesem Bericht entnahmen wir die Vorschläge,

Mittelamerika friedliche Entwicklung zu bringen. Sie liegen derzeit dem
Kongreß vor und werden dort eingehend diskutiert werden.

Ich begrüße die Debatte. Aber wenn sie produktiv sein soll, dann
müssen wir das Mythen-Schaffende und das Uninformiert-Rhetorische beiseite lassen. Etwa, wenn einige darauf bestehen, daß die Wurzel der
Gewalt in der Region die Armut sei, nicht aber der Kommunismus. Nun,
drei Viertel unserer Haushaltsanforderungen und unserer laufenden Programme gilt der Wirtschafts- und der humanitären Hilfe. Amerika ist ein
gutes und ein großzügiges Land. Aber die Wirtschaftshilfe allein kann
die kubanischen und von den Sowjets unterstützten Guerillas nicht aufhalten, die dazu entschlossen sind, zu terrorisieren, Brände zu legen und
alles - von Brücken bis Fabriken, von Elektrizitätswerken bis Transportmöglichkeiten - zu zerstören. Und wenn die Stabilität nicht gesichert ist, dann können weder die Rechte des einzelnen, noch die wirtschaftliche Gesundheit
- 11 -

�schaftliche Gesundheit gefördert werden.

Andere Kritiker wiederum sagen, wir sollten die Probleme dieser oder jeder anderen - Region nicht als Ausdruck des Ost-West-Gegensatzes
sehen. Unsere Politik in Mittelamerika und andernorts ist ja aber gerade
darauf angelegt, eine Ausbreitung der Ost-West-Spannungen zu verhindern
und nicht zuzulassen, daß sie in das Leben von Staaten eindringen, die
sich mit gewaltigen eigenen Problemen auseinanderzusetzen haben. Die
Ereignisse im südlichen Afrika zeigen, was beständige Vermittlung und die
Fähigkeit, mit allen Seiten zu sprechen, erreichen können. Die Staaten
dieser Region waren jahrzehntelang in Krieg verstrickt, aber jetzt
herrscht neue Hoffnung auf Frieden. Südafrika, Angola und Mosambik sind
dabei, Abkommen zu schließen, um dem Kreislauf der Gewalt Einhalt zu
gebieten. Unsere Administration ist an diesem Prozeß aktiv beteiligt
gewesen, und wir werden dies auch weiterhin sein in dem Versuch, ein
unabhängiges Namibia ins Leben zu rufen, der ausländischen militärischen
Einmischung ein Ende zu bereiten und die Region aus dem Ost-West-Konflikt
herauszuhalten.

Ich hege die Hoffnung, daß sich alle Menschen des süd-

lichen Afrika des Friedens und der demokratischen Reform erfreuen werden.

Auch in Mittelamerika sind wir Zeuge von Forschritt. Die Präsidentschaftswahl in El Salvador ist Ausdruck des Wunsches dieser Nation,
sich in Frieden selbst zu regieren. Doch bleibt die Zunkunft der Region
auch weiterhin offen. Wir stehen vor der Wahl: Entweder helfen wir den
Freunden Amerikas dabei, sich selbst zu verteidigen, und geben der Demokratie eine Chance; oder aber wir entziehen uns unserer Verantwortung und
überlassen es der Sowjetunion und Kuba, das Geschick unserer Hemisphäre
zu gestalten. Sollte dies geschehen, würde der Ost-West-Konflikt nur
noch umfassender und noch viel gefährlicher.

Wenn wir uns mit dieser regionalen Instabilität befassen, dann müssen
wir verstehen, in welchem Verhältnis sie zu anderen Problemen steht.
Unsicherheit und regionale Gewalt gehören zu den Triebkräften der nuklearen Proliferation. Bewahrung des Friedens in unruhigen Regionen und die
Stärkung der Barrieren gegenüber nuklearer Proliferation sind zwei Seiten
derselben Münze. Stabilität und Sicherheitsmaßnahmen gehen Hand in Hand.
Niemand sagt,
- 12 -

�Niemand sagt, daß diese Politik billig, rasch erfolgreich oder leicht
ist. Aber die Kosten einer solchen Verpflichtung stehen in keinem Vergleich zu den gewaltigen Opfern, die wir zu erbringen hätten, würden wir
nichts oder nur zu wenig tun. Die Kissinger-Kommission warnte davor, daß
die Errichtung von Regimen kubanischen Stils in Mittelamerika die Subversion und den Alptraum von Millionen entwurzelter Flüchtlinge, die in Verzweiflung nordwärts treiben würden, näher an unsere eigenen Grenzen herantrügen.

Im Nahen Osten, der so selten Zeiten des Friedens erlebt hat, streben
wir eine ähnliche Mischung aus Wirtschaftshilfe, diplomatischer Vermittlung sowie militärischer Hilfe und Zusammenarbeit an. Dies wird

- das

ist unsere Überzeugung - den Einsatz amerikanischer Streitkräfte unnötig
machen und das Risiko eines Ost-West-Konflikts verringern. Aber angesichts der Bedeutung der Region müssen wir auch zum Handeln bereit sein,
wenn die Präsenz amerikanischer Macht sowie die unserer Freunde dazu
beitragen kann, der Ausbreitung von Gewalt Einhalt zu gebieten. So habe
ich zum Beispiel gesagt, daß wir die Straße von Hormus offen halten
werden - jenen lebenswichtigen Seeweg, durch den so viel Öl in Richtung
Vereinigte Staaten und andere Industriestaaten fließt. Wird dies von
vornherein deutlich - und glaubwürdig - gemacht, so wird dadurch eine
Krise weit weniger wahrscheinlich.

Wir müssen mit stiller Beharrlichkeit und ohne Illusionen vorgehen.
Wir mögen Rückschläge erleiden, aber wir dürfen uns nicht zu der Schlußfolgerung verleiten lassen, daß wir unsere Interessen verteidigen können,
ohne jemals eine Verpflichtung einzugehen. Und auch andere Staaten sollten nicht glauben, einfache Rückschläge würden dazu führen, daß sich Amerika wieder nach innen kehrt. Wir kennen unsere Verantwortung, und wir
werden uns ihr stellen.

Da eine wirksame Lösung der regionalen Probleme einer ausgewogenen
und geduldigen Politik bedarf, ist es von entscheidender Bedeutung, daß
der Kongreß seine volle - und nicht nur stückweise - Unterstützung gibt.
Denn wo wir bei der regionalen Stabilisierung gescheitert sind, geschah
es deshalb, weil

- 13 -

�es deshalb, weil der Kongreß nicht in der Lage war, uns diese Unterstützung zu gewähren. Halbe Maßnahmen - die Weigerung, die Verantwortung
für Mittel zu übernehmen -, produzieren die schlimmstmöglichen Ergebnisse.

Ich werde mich diesem Punkt zuwenden, wenn ich gleich über die

vierte Herausforderung spreche.

Mehr Möglichkeiten für die wirtschaftliche Entwicklung und persönliche Freiheit sind unsere dritte große Herausforderung.

Das amerika-

nische Konzept von Frieden ist mehr als nur die Abwesenheit von Krieg.
Wir sind für ein gedeihliches Wirtschaftswachstum und für individuelle
Freiheit in einer Welt des Friedens. Auch dies ist ein Ziel, dem sich
die meisten Amerikaner verschrieben haben. Unsere politischen Führer
müssen danach beurteilt werden, ob die Mittel, die sie hierfür bieten,
uns auch dabei helfen, es zu erreichen.

Unser Glaube an die Freiheit und die Chancen des einzelnen wurzelt in
praktischer Erfahrung: Freie Menschen schaffen freie Märkte, die wiederum
eine dynamische Entwicklung für jedermann herbeiführen. Und in Amerika
erwecken wirtschaftliche Anreize, Risikobereitschaft und Unternehmertum
erneut den Geist des Kapitalismus und stärken die wirtschaftliche Expansion und den Fortschritt der Menschen überall in der Welt. Unser Ziel
war stets die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung eines nichtinflationären weltweiten Wachstums, um dadurch für immer die Stagflation der
siebziger Jahre aus der Welt zu schaffen, die eine drastische Schwächung
der Struktur der Weltwirtschaft mit sich brachte.

Wir nehmen unsere Führungsverantwortung ernst, aber wir allein können
die Wirtschaft dieser Welt nicht in Ordnung bringen.

In Williamsburg

festigten die Industriestaaten ihre Einstellung hinsichtlich der Wirtschaftspolitik. Beweis hierfür sind nicht das Kommunique, sondern die
Ergebnisse.

In Frankreich geht die Inflation zurück, und man strebt

größere Flexibilität in der Volkswirtschaft an; Japan liberalisiert sicher langsam, aber, wie wir meinen, beständig - seinen Handel und seine
Kapitalmärkte; die Bundesrepublik Deutschland und Großbritannien bewegen
sich auf einem beständigen Kurs der niedrigen Inflation und des moderaten, anhaltenden Wachstums voran.
So wie wir
- 14 -

�So wie wir glauben, daß Anreize der Schlüssel zu einem stärkeren
Wachstum in Amerika und in der ganzen Welt sind, so müssen wir auch dem
mit Zucker überzogenen Gift des Protektionismus widerstehen, wo immer es
auftaucht. Hier in unserem Lande wehren wir uns gegen inflationäre und
im Ende das Gegenteil bewirkende Gesetze wie Vorschriften über einheimische Anteile an Erzeugnissen. Ich hoffe, daß wir auf dem Wirtschaftsgipfel im Juni in London den Boden für eine neue Verhandlungsrunde bereiten können, die Märkte für unsere Exporte an Waren und Dienstleistungen
öffnen und stärkeres Wachstum, größere Leistungsfähigkeit und mehr
Arbeitsplätze für alle herbeiführen wird.

Und wir unterbreiten weitere entscheidende Initiativen, um ein
stärkeres weltweites Wachstum zu fördern, indem wir die Handels- und
Investitionsbeziehungen ausweiten. Das dynamische Wachstum der Länder
des Pazifischen Beckens hat sie zu rasch expandierenden Märkten für
unsere Waren, Dienstleistungen und Investitionen gemacht. Heute wird
mehr Handel über den Pazifik abgewickelt als über den Atlantik. Im
vorigen Jahr besuchte ich Japan und Korea, zwei der wichtigsten Verbündeten Amerikas, um eine engere Partnerschaft herzustellen. Und in diesem
Monat werde ich die Volksrepublik China besuchen, eine weitere immer wichtiger werdende Verbindung im Pazifik.

Ich betrachte Amerika und seine

pazifischen Nachbarn als Länder der Zukunft, die zusammen vorangehen in
einer mächtigen Unternehmung, um dynamisch wachsende Volkswirtschaften
und eine sicherere Welt aufzubauen.

Wir helfen den Entwicklungsländern bei ihrem Wachstum, indem wir eine
neue Auffassung von Entwicklung präsentieren - das Wunder des Marktes -,
um ein stärkeres Wachstum und eine stärkere Beteiligung an der internationalen Wirtschaft zu erreichen.

Im vorigen Jahr haben die Entwick-

lungsländer doppelt so viel aus Exporten nach den Vereinigten Staaten
erlöst, wie sie von allen anderen Ländern zusammen an Unterstützung erhielten. Und praktische Vorschläge, wie die Initiative für das Karibische Becken, werden den privaten Sektor von rund 20 Nachbarstaaten in der
Karibik stärken und gleichzeitig eine fairere Behandlung amerikanischer
Firmen und Bürger sowie verstärkte Nachfrage nach amerikanischen Exporten
sichern.

Wir haben

- 15 -

�Wir haben dem Kongreß kürzlich eine neue wirtschaftspolitische Initiative für Afrika zugeleitet. Auch sie soll dazu dienen, das Wachstum
privater Unternehmen in afrikanischen Ländern zu fördern, indem strukturelle wirtschaftliche Veränderungen und der internationale Handel
gefördert werden. Wir haben den Kongreß ferner um eine Erhöhung der
humanitären Hilfe für Afrika ersucht, um die verheerenden Auswirkungen
der Trockenheit zu bekämpfen.

Beim Aufbau eines starken weltweiten Wiederaufschwungs ist natürlich
nichts wichtiger, als daß wir die Räder des Welthandels in Gang halten
und ohne eine neuerliche Beschleunigung der Inflationsspirale neue Arbeitsplätze schaffen. Der Internationale Währungsfonds ist ein Dreh- und
Angelpunkt unserer Bemühungen um die Wiederherstellung einer gesunden
Weltwirtschaft und die Lösung des Schuldenproblems vieler Entwicklungsländer. Mit überparteilicher Unterstützung haben wir eine starke Aufstockung der Mittel des IWF vorgenommen.

In Zusammenarbeit mit dem IWF

versuchen wir, abzuwenden, daß die Probleme einzelner Schuldnerländer die
Stabilität und die Stärke des gesamten internationalen Finanzsystems
sprengen. Es war dieses Ziel, das die Länder des Nordens und des Südens
zusammengeführt hat, um zur Lösung der Schwierigkeiten der neuen demokratischen Regierung Argentiniens beizutragen.

Weil wir wissen, daß demokratische Regierungen die besten Garanten
der Menschenrechte sind und daß wirtschaftliches Wachstum immer dort
gedeiht, wo Menschen frei sind, erstreben wir nicht nur materielle Produkte, sondern fördern wir auch die Werte des Glaubens und der Menschenwürde, für die Amerika und alle demokratischen Länder einstehen - Werte,
die den Höhepunkt der 5000jährigen westlichen Kultur bilden.
Als ich im Juni 1982 vor dem britischen Parlament sprach, forderte
ich eine kühne und dauerhafte Anstrengung, um Menschen zu helfen, die um
ihre Menschenrechte kämpfen. Wir haben die Nationalstiftung für Demokratie eingerichtet - eine Partnerschaft von Menschen aus allen Lebensbereichen, die sich der Verbreitung der positiven Botschaft der Demokratie verschrieben haben. Wenn wir Erfolg haben wollen, dann müssen wir
der doppelzüngigen

- 16 -

�der doppelzüngigen totalitären Propaganda entgegentreten.

Daher moder-

nisieren wir die "Stimme Amerikas" und andere Sendeeinrichtungen, und wir
arbeiten an der Einrichtung von Radio Marti, einer Stimme der Wahrheit
für die eingesperrten Menschen auf Kuba.

Amerikaner haben sich immer die Ausbreitung demokratischer Institutionen gewünscht, und dieses Ziel rückt näher.

In unserer eigenen Hemi-

sphäre sind 27 Länder Lateinamerikas und der Karibik entweder demokratisch oder auf dem Wege zur Demokratie. Dort leben 90 Prozent der Bevölkerung der Region - gegenüber 50 Prozent noch vor einen Jahrzehnt.

Vertrau dem Volk, das ist die entscheidende Lehre der Geschichte und
die Botschaft Amerikas an die Welt. Wir dürfen in unserer Überzeugung
nicht nachlassen, daß Freiheit nicht Besitz einiger weniger Auserwählter
ist, sondern das universelle Recht von Männern und Frauen überall. Präsident Truman sagte einmal: "Wenn wir nur ein Lippenbekenntnis für anfeuernde Ideale ablegen würden und dann der einfachen Gerechtigkeit
Gewalt antun, dann würden wir den bitteren Zorn noch ungeborener Generationen auf uns ziehen". Wollen wir gemeinsam voranschreiten als treue
Freunde der Demokratie und demokratischer Werte, auf unsere Überzeugung
vertrauend, daß die Woge der Zukunft die Woge der Freiheit ist.

Aber laßt uns in praktischen Dingen voranschreiten.

Das bringt mich auf unsere vierte große Herausforderung: Wir müssen
den überparteilichen Konsens in der Unterstützung der amerikanischen
Außenpolitik wiederherstellen. Wir müssen die ehrenhafte Tradition Amerikas wiederherstellen, daß Parteipolitik an einer bestimmten Grenze endet und Republikaner und Demokraten vereint in Patriotismus mit einer
Stimme als verantwortungsbewußte Treuhänder des Friedens, der Demokratie,
der Freiheit des einzelnen und der Herrschaft des Rechts sprechen.

In den 70er Jahren erlebten wir eine Fülle von Initiativen des Kongresses, die Vollmachten des Präsidenten auf den Gebieten des Handels,
der Menschenrechte, der Waffenverkäufe, der Auslandshilfe, der Geheimdiensteinsätze

- 17 -

�diensteinsätze und der Entsendung von Truppen in Krisenzeiten einzuschränken. Über 100 verschiedene Verbote und Einschränkungen der Vollmachten der Exekutive, die Außenpolitik zu formulieren und durchzuführen,
wurden verabschiedet.

Die weitestreichende Konsequenz der Kongreßtätigkeit im letzten
Jahrzehnt ist die: Die Schaffung eines überparteilichen Konsens ist eine
zentrale Aufgabe der Kongreßführung wie auch der Führung der Exekutive
geworden. Wenn wir eine Außenpolitik haben wollen, die sich durchhalten
läßt, dann muß der Kongreß auch die praktischen Details der Politik
unterstützen, nicht nur die allgemeinen Ziele.

Wir haben die Fähigkeit für eine solche gemeinsam verantwortliche
Führung auf bestimmten Gebieten unter Beweis gestellt. Aber wir haben
auch Rückschläge der Überparteilichkeit erlebt.

Ich glaube, daß -

nachdem wir ein überparteiliches Übereinkommen über unseren Kurs im
Libanon erzielt hatten -, unser Hin und Her in der Frage, ob wir unsere
Soldaten dort stationiert lassen sollten, unsere Politik stark untergraben hat. Es behinderte die Möglichkeiten unserer Diplomaten zu verhandeln, ermutigte die Syrer zu noch mehr Unnachgiebigkeit und verlängerte die Gewalttätigkeit.

In ähnlicher Weise kann, wenn sich der Kon-

greß in seiner Unterstützung des Jackson-Planes schwankend zeigt, der den
Empfehlungen der überparteilichen Mittelamerikakommission entspricht,
dies nur die Feinde der Demokratie ermutigen, die entschlossen sind, uns
aufzureiben.
Um dieses Problem der gemeinsamen Verantwortung verstehen und lösen
zu können, müssen wir über die bekannte Frage hinauskommen, wer stärker
sein soll: der Präsident oder der Kongreß? Das grundlegendere Problem
ist dies: In der "Nachvietnam-Aera" hat der Kongreß noch nicht die Fähigkeiten für ein kohärentes, verantwortungsbewußtes Handeln entwickelt,
das für die Verwirklichung der neuen außenpolitischen Macht notwendig
ist, die er sich genommen hat. Um die Herausforderungen dieses Jahrzehnts zu bestehen, brauchen wir einen starken Präsidenten und einen
starken Kongreß.

Leider scheinen
- 18 -

�Leider scheinen viele im Kongreß der Meinung zu sein, daß sie noch
immer in den unruhigen Zeiten von Vietnam lebten und es ihre einzige
Aufgabe sei, lautstarke Kritiker statt verantwortungsbewußte Partner in
der Ausarbeitung positiver, praktischer Programme zur Lösung realer Probleme zu sein.

Wir haben aus Vietnam viel gelernt - die Lehren reichen von der
verstärkten Einsicht in die Notwendigkeit sorgfältiger Abwägung des
Einsatzes amerikanischer Streitkräfte oder Militärhilfe bis zur verstärkten Einsicht in die Notwendigkeit der innenpolitischen Unterstützung
eines jeden militärischen Elements einer solchen Politik. Militärische
Macht - ob direkt oder indirekt - muß ein verfügbarer Teil der amerikanischen Außenpolitik bleiben. Aber es ist eindeutig so, daß der Kongreß sich nicht ganz wohl fühlt sowohl hinsichtlich der Notwendigkeit
eines militärischen Elements der Außenpolitik als auch hinsichtlich
seiner eigenen Verantwortung, mit diesem Element umzugehen.

Präsidenten müssen den Kongreß als einen wichtigeren Partner in der
Gestaltung der Außenpolitik anerkennen, und, wie wir das versucht haben,
neue Mittel und Wege suchen, um einen überparteilichen Konsens zwischen
Exekutive und Legislative zu finden. Aber die Gesetzgeber müssen erkennen, daß auch sie Partner sind. Sie haben die Verantwortung, über die
bloße Kritik hinauszugehen zur Schaffuang eines Konsens, der ein positives, praktisches und wirksames Handeln hervorbringt.

Überparteilicher Konsens ist kein Selbstzweck.

Eine gesunde und

erfahrene Führung der amerikanischen Außenpolitik muß immer eine tiefe
Erkenntnis der fundamentalen amerikanischen Interessen, Werte und
Prinzipien erkennen lassen.

Ein Konsens über die allgemeinen Ziele einer sichereren und menschlicheren Welt ist leicht zu erreichen. Schwerer ist es, bei der Ausarbeitung konkreter, realistischer Mittel und Wege zur Erreichung dieser
Ziele einen Fortschritt zu erzielen. Wir haben einige Fortschritte erzielt. Aber der Kongreß zögert immer noch, die Verantwortung für positives, überparteiliches Handeln zu übernehmen, das seinen neu geforderten
Machtansprüchen
- 19 -

�Machtansprüchen entsprechen würde.

Wir haben ausgezeichnete Beispiele geliefert mit der überparteilichen
Scowcroft-Kommission, der überparteilichen Genehmigung von Mitteln für
den IWF und mit der überparteilichen Arbeit der Kissinger-Kommission.
Aber es ist an der Zeit, daß wir unsere Anstrengungen auf eine höhere
Ebene der Zusammenarbeit übertragen: Es ist an der Zeit, daß wir mit
Realismus und Idealismus zusammen den großen Herausforderungen Amerikas
in den 80er Jahren begegnen.

Wir haben das Recht, große Träume zu träumen; die Chance, in einer
Welt in Frieden, bereichert durch Menschenwürde, zu leben; und die
Aufgabe, als Partner zusammenzuarbeiten, damit wir unseren Kindern und
unseren Kindeskindern diese segensreichen Gaben hinterlassen können.

Wir sollten uns an einen Parlamentarier erinnern, der in einer besonders turbulenten Zeit lebte, an Henry Clay. Abraham Lincoln bezeichnete
ihn als "mein schönes Ideal von einem Staatsmann". Er wußte, daß Clays
hehrer Geist und großer Weitblick niemals die Interessen seines Landes
aus den Augen verlor und daß, ob Wahljahr oder nicht, Clay die Liebe zu
seinem Lande über parteipolitische Überlegungen stellen würde.

Das, worum es für Amerika, für den Frieden und für die Freiheit geht,
fordert heute, 1984 und darüber hinaus, alles von uns - das ist unsere
Herausforderung.
+ + + + +

- 20 -

�1TlIERlIKh
DI El 513

p

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
11. April 1984

15

REAGAN: USA WERDEN VERTRAG ÜBER WELTWEITES VERBOT
CHEMISCHER WAFFEN VORSCHLAGEN
- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 4. April -

Washington - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 4. April 1984 angekündigt, daß er in zwei Wochen Vizepräsident Bush nach Genf entsenden
werde, um ein umfassendes, weltweites Verbot chemischer Waffen vorzuschlagen. Der amerikanische Vorschlag würde die Produktion, den Besitz
und den Einsatz chemischer Waffen untersagen. Andere außenpolitische
Themen der landesweit übertragenen Pressekonferenz des amerikanischen
Präsidenten waren die Weltraumwaffen, der Libanon, die Situation in
Mittelamerika und die gegenwärtig stattfindenden sowjetischen Flottenmanöver .

Die Eingangserklärung des Präsidenten sowie die wichtigsten Fragen
und Antworten zu außenpolitischen Themen haben folgenden Wortlaut:

Präsident Reagan:
Ich habe eine wichtige Erklärung abzugeben.

In zwei Wochen werde ich

Vizepräsident Bush nach Genf entsenden, um dort der sich aus 40 Ländern
zusammensetzenden Abrüstungskonferenz eine kühne amerikanische Initiative
für ein umfassendes, weltweites Verbot chemischer Waffen zu
unterbreiten.

Unser Vorschlag

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Unser Vorschlag würde die Produktion, den Besitz und den Einsatz
chemischer Waffen verbieten.

Die Mängel früherer Verträge über chemische Waffen sind in den
letzten Jahren in tragischer Weise deutlich zu Tage getreten. Diese
Waffen wurden gegen hilflose Völker in Afghanistan, in Südostasien sowie
im Konflikt zwischen dem Iran und dem Irak eingesetzt. Die Anwendung
dieser schrecklichen Waffen hat auch ernsthafte Auswirkungen auf unsere
eigene Sicherheit.

Das überaus große Arsenal der Sowjetunion an chemischen Waffen
bedroht die amerikanischen Streitkräfte. Es macht erforderlich, daß die
Vereinigten Staaten über eine begrenzte eigene Vergeltungskapazität
verfügen, bis ein wirksames Verbot erreicht worden ist. Wir müssen in
der Lage sein, vor einem chemischen Angriff auf uns oder unsere Verbündeten abzuschrecken. Und ohne eine moderne und glaubhafte Abschreckung
wären die Aussichten auf die Erreichung eines umfasssenden Verbotes
gleich Null.

Unser umfassender Vorschlag kann uns dem Tag näherbringen, da die
Welt alle chemischen Waffen verbieten wird. Allerdings wird die Verifizierung eines Verbotes chemischer Waffen nicht einfach sein. Nur ein
effektives Paket von Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen kann internationales Vertrauen in ein solches Abkommen schaffen. Die Vereinigten
Staaten entwickeln daher kühne und vernünftige Verifizierungsverfahren.
Diese jüngste Initiative spiegelt meine anhaltende und starke Verpflichtung zur Rüstungskontrolle wider. Meine Regierung strebt Fortschritte
auf verschiedenen Gebieten an. So bin ich zum Beispiel froh darüber, daß
sich die Vereinigten Staaten auch an einer vielversprechenden neuen
multilateralen Verhandlungsrunde beteiligen, die sich mit vertrauensbildenden Maßnahmen in Europa befaßt, sowie an den kürzlich wiederaufgenommenen Ost-West-Verhandlungen über eine Verminderung der konventionellen Truppen in Europa.

Wir arbeiten eng mit unseren Verbündeten zusammen in dem Versuch,
Fortschritte auf all diesen Gebieten zu erreichen.

Ich kann allerdings
nicht von

�nicht von diesen vielversprechenden Entwicklungen berichten, ohne mein
tiefes, persönliches Bedauern darüber zum Ausdruck zu bringen, daß die
Sowjetunion immer noch nicht zu den beiden Verhandlungen über eine
Verminderung der nuklearen Rüstungen zurückgekehrt ist - zu den STARTund INF-Verhandlungen, aus denen sie sich Ende letzten Jahres zurückgezogen hat.

Die Vereinigten Staaten sowie zahlreiche andere Länder haben immer
wieder darauf gedrängt, daß die Sowjets zu diesen Verhandlungen zurückkehren. Bisher haben sie den Willen der Welt ignoriert.

Ich hoffe, daß

die sowjetische Führung auf unsere neuen Initiativen eingeht - nicht nur,
indem sie ernsthaft über chemische Waffen verhandelt, sondern auch, indem
sie sich uns in der dringenden Aufgabe anschließt, eine echte Verminderung der nuklearen Rüstungen zu erreichen. Die Mission des Vizepräsidenten ist wichtig, und wir wünschen ihm alles Gute.

Chemische Waffen
FRAGE: Herr Präsident, hinsichtlich Ihres Vorschlages für ein Verbot
chemischer Waffen: Wollen Sie nicht auf diese Weise den Kongreß zu etwas
bringen, was er während der drei letzten Jahre nicht getan hat, nämlich
Gelder für chemische Waffen zu bewilligen? Und was antworten wir denn,
wenn unsere Gegner uns beschuldigen, zwar vom Frieden zu reden, aber uns
auf einen Krieg vorzubereiten?

ANTWORT: Ich glaube nicht, daß eine derartige Beschuldigung aufrechterhalten werden könnte, sollte sie erhoben werden. Die Situation ist
doch die, daß wir 15 Jahre lang keinerlei solcher Waffen hergestellt
haben. Die Sowjetunion verfügt über ein massives Arsenal und ist uns auf
vielen Gebieten, die mit der chemischen Kriegsführung zu tun haben,
voraus.

Wenn es ein Gebiet gibt, das beispielhaft für die Macht der
Abschreckung ist, dann ist es das Gebiet der chemischen Waffen.

Ich

verweise in diesem Zusammenhang auf den Zweiten Weltkrieg, wo alle Länder
über solche Waffen verfügten und kein einziges sie anwandte - selbst in
verzweifeltsten Augenblicken nicht, da die Niederlage so nahe war. Sie
wußten nämlich,

�wußten nämlich, daß die anderen diese Waffen auch besaßen und sie
ihrerseits dann einsetzen könnten

Und die zweite Sache ist, daß man zur Erreichung eines Verbotes der
chemischen Kriegsführung oder eines Vertrages, der diese Waffen ächten
würde, etwas zum Aushandeln haben muß. Deshalb ist es hier dasselbe wie
bei den anderen Waffen. Sie müssen einfach wissen, daß die Alternative
zu einem Verbot solcher Waffen ist, der Tatsache ins Auge zu sehen, daß
wir eine Abschreckung schaffen werden.

Weltraumwaffen

FRAGE: Herr Präsident, Außenminister George Shultz tritt für eine
weitergehende, größere Anwendung der militärischen Macht, für einen
stärkeren Hinweis auf die eigene Stärke überall in der Welt sowie für
Präventivschläge gegen potentielle Terroristen ein. Wenn Sie nun die Tür
zu Verhandlungen über Killer-Satelliten zuschlagen, könnte dies dann
nicht zu einem Wettrüsten im Weltraum führen? Meine Frage ist: Wie
können solche Maßnahmen der Sache des Friedens dienen, und glauben Sie,
daß unser Land wirklich zu einer größeren Verwicklung, militärischen
Verwicklung, in aller Welt bereit ist?

ANTWORT: Ich glaube nicht, daß Außenminister Shultz so etwas
implizieren oder zum Ausdruck bringen wollte, daß wir militanter oder so
etwas werden sollten. Was er meiner Meinung nach jenen Leuten sagen
wollte, die so besorgt sind über Waffen und ein eventuelles Wettrüsten,
ist, daß unsere militärische Stärke ein definitiver Bestandteil der
Diplomatie ist. Das hat er meiner Ansicht nach zum Ausdruck bringen
wollen. Was nun die Weltraumwaffen anbetrifft, so befinden wir uns in
einer Situation, in der die Sowjetunion uns voraus ist und bereits über
eine solche Waffe verfügt.

Wir befinden uns noch in dem Stadium, wo wir so etwas prüfen. Unser
Problem ist: Wir sind sehr bereit, uns an einem Vertrag über das Verbot
solcher Waffen zu beteiligen - nur, bisher scheint es fast unmöglich oder ist es tatsächlich unmöglich -, eine solche Waffe zu verifizieren.
Und wenn

�Und wenn das richtig ist, dann müssen wir wiederum eine Abschreckung
haben.

FRAGE: Herr Präsident, Sie gehören zu jenen Leuten, die immer wieder
sagen, nichts sei unmöglich.

Jetzt wollen Sie es mit den chemischen

Waffen versuchen. Warum tun Sie es denn nicht mit den Killer-Satelliten?

ANTWORT: Nun, wir versuchen es ja auf beiden Gebieten. Nur, wir
müssen uns einfach darüber im klaren sein, daß - bevor man zu einem
solchen Vertrag Vertrauen haben kann - man von dem Vorhandensein einer
Sache überzeugt sein muß - und dies zuzugestehen haben die Sowjets in
allen Verträgen, die wir mit ihnen hatten oder noch haben, überaus
verzögert: nämlich ein Verifizierungsverfahren.

Libanon

FRAGE: Herr Präsident, im Oktober vorigen Jahres erklärten Sie, die
Präsenz amerikanischer Marineinfanteristen im Libanon sei von entscheidender Bedeutung für unsere Glaubwürdigkeit weltweit. Und nun haben Sie
sie abgezogen und unsere Präsenz in der multinationalen Friedenstruppe
beendet.

In welchem Ausmaß haben wir an Glaubwürdigkeit verloren?

ANTWORT: Vielleicht haben wir bei einigen Leuten etwas davon
verloren.

Dies stimmte alles, als ich es damals so erklärte.

Ich denke,

ich kann das erläutern, und ich will versuchen, es so kurz wie möglich zu
tun, wie nämlich die Dinge damals standen und welche Möglichkeiten wir
hatten. (An dieser Stelle gab Präsident Reagan einen Überblick über die
Ereignisse und Entwicklungen im Libanon während der letzten Jahre und
fuhr dann fort:) Als dann die terroristischen Angriffe einsetzten, die
eine solche Tragödie mit sich brachten, gruben unsere Soldaten sich ein.
Nachdem dies geschehen war, hatten sie zwar Schutz vor derartigen
Angriffen, aber sie traten nicht mehr als jene Friedenstruppe in
Erscheinung, als die sie eigentlich gedacht waren. Daher haben wir sie
in Übereinstimmung mit unseren Verbündeten zurückverlegt, einige in
andere Gebiete verlegt. Als die Friedensbemühungen dann vorangingen,
kamen die vier Regierungen überein, daß es keinen Grund mehr gab, die
Truppen dort

zu behalten

�zu behalten, und wir zogen uns zurück. Mit allem uns zur Verfügung
Stehenden sind wir immer noch bemüht, auf diplomatischem Wege zu helfen.
Es gibt Leute in diesem Gebiet, die Zweifel daran haben, daß ohne unsere
Hilfe irgendeine Lösung oder der Friede erreicht werden können. So
werden wir dies also weiterhin tun.

FRAGE: Darf ich noch einmal darauf zurückkommen? Sie begannen Ihre
Antwort mit der Feststellung, daß wir etwas an Glaubwürdigkeit verloren
hätten. Geben Sie sich die Schuld dafür, oder geben Sie, wie
Außenminister Shultz, dem Kongreß dafür die Schuld?

ANTWORT: Ich will noch das eine dazu sagen, und dann werde ich mich
einem anderen Thema zuwenden.

Ich muß sagen, daß er (der Kongreß) eine

Verantwortung dafür übernehmen muß. Wenn man in einer solchen
diplomatischen Bemühung engagiert ist, wenn man Truppen dort hat und die
Anstrengung gemacht wird, diese von dort zu verdrängen, ist eine
derartige öffentliche Debatte wie die im Kongreß, in der verlangt wird:
"Bring unsere Soldaten nach Hause, nimm sie dort heraus" eine
Stimulierung für die Terroristen und geradzu eine Aufforderung zu
weiteren Angriffen, weil sie darin eine Erfolgsmöglichkeit sehen, die
Truppe loszuwerden, die sie an der Erreichung ihrer Ziele hindert. Jeder
Regierungsapparat sollte verstehen, daß eine solche Truppe unwirksam
gemacht worden ist, wenn eine solche Debatte in der Öffentlichkeit
geführt wird.

Nicaragua

FRAGE: Herr Präsident, vor kurzem sind die von den USA gestützten
Gegner des Regimes der Sandinisten über ihre Kriegsoperation im Lande
hinausgegangen und haben Häfen vor der Küste Nicaraguas vermint. Sind
Sie besorgt darüber, daß diese Minen, auf die neutrale Frachter oder
andere Schiffe laufen könnten, die Gefahr einer Ausweitung des Krieges in
Mittelamerika mit sich bringen? Und glauben Sie, daß es irgendetwas
gibt, bei dem wir versuchen sollten, den Aktivitäten der Contras Einhalt
zu gebieten?
ANIVORT: Nein

- 6 -

�ANTWORT: Nein, unsere Interessen in Nicaragua - Ich werde hier weder
so noch so Stellung nehmen und auch nicht zu den Taktiken, die in dieser
Art von Krieg angewandt werden. Wir haben nur ein einziges Interesse in
Nicaragua.

Die gegenwärtige Regierung von Nicaragua exportiert die

Revolution nach El Salvador, ihrem Nachbarn, und hilft, bewaffnet und
unterstützt ausbildungsmäßig die Guerilla, die eine ordnungsgemäß
gewählte Regierung zu stürzen versucht. Und solange sie dies tun, werden
wir der nicaraguanischen Regierung lästig fallen, bis sie diese Art von
Aktionen einstellt.
FRAGE: Wenn ich hieran anschließen darf. Wir bilden Truppen in
Honduras aus. Sehen Sie von Ihrem Standpunkt aus darin eine Gefahr der
Ausweitung des Krieges in Mittelamerika?

ANTWORT: Nein, solche Manöver haben wir auch schon früher
abgehalten. Sie sind keineswegs ungewöhnlich und richten sich gegen
niemanden dort. Es handelt sich um kombinierte Übungen, an denen
Einheiten von uns zu Ausbildungszwecken beteiligt sind. Es sind ganz
einfach Manöver.

Sowjetische Flottenmanöver

FRAGE: Herr Präsident, die Sowjetunion hält gegenwärtig ihre
vielleicht größten Manöver im Atlantik ab - eine Übung, an der etwa 40
Schiffe, darunter Unterseeboote und Zerstörer teilnehmen. Was steckt
nach Ihrer Ansicht dahinter?

ANTWORT: In Rußland ist es ebenso Frühling wie in den Vereinigten
Staaten, und das ist eben die Zeit, wo man Manöver abhält. Wir
veranstalten ja selber welche. Wir kündigen den Zeitpunkt immer an, und
wir wünschten, sie würden es auch tun.

Aber ich glaube, um mehr geht es nicht. Solche Manöver - wer auch
immer sie durchführt - stützen sich praktisch auf den Vorstellungen,
welche Notfälle in einer eventuellen Krisensituation auftreten könnten.
Und dann geht man eben daran, entsprechende Übungen abzuhalten. Ich
weiß, etwa

�weiß, etwa 40 Schiffe - das klingt nach einer ganzen Menge, aber wenn man
sich dann vorstellt, daß es sich um eine Marine von fast 1 000 Schiffen
handelt, dann wird dies doch wohl wieder in die richtige Perspektive
gerückt. Nein, ich meine, es sind reguläre und routinemäßige Manöver,
die für die meisten von uns eben im Frühling beginnen.

+ + + + +

�flmERiKb
DlElriSU
V

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. April 1984

15

SHULTZ: MACHT UND DIPLOMATIE GEHÖREN ZUSAMMEN
- Rede des US-Außenministers vor der Trilateralen Kommission -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz hat
am 3. April 1984 in einer Rede vor der Trilateralen Kommission - einer
privaten Organisation, der nordamerikanische, europäische und japanische
Geschäftsleute und ehemalige Regierungsmitglieder angehören - die Auffassung vertreten, daß Macht und Diplomatie keine Alternativen seien,
sondern zusammenwirken müßten, wenn man in der heutigen Welt etwas
erreichen wolle. Shultz warnte vor einer einseitigen und zu vereinfachten Sicht des Ost-West-Verhältnisses, das auch in Zukunft vielerlei
Herausforderungen bringen werde. Der Erfolg von Rüstungskontrollverhandlungen hänge davon ab, was man unter militärischem Gleichgewicht
verstehe, so sagte er.

Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Vor über 20 Jahren versprach Präsident John F. Kennedy, daß die
Vereinigten Staaten "jeden Preis bezahlen, jede Last auf sich nehmen,
jede Mühe tragen, jeden Freund unterstützen, jedem Feind widerstehen
würden, um

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�würden, um den Fortbestand und den Erfolg der Freiheit zu gewährleisten". Wir wissen heute, daß diese Verpflichtung zu weit gefaßt ist obwohl das Selbstvertrauen und der Mut, die aus diesen Worten sprechen,
typisch amerikanisch und höchst bewundernswert sind.

In jüngerer Zeit

hat eine andere Administration die Auffassung vertreten, daß unsere
Furcht vor dem Kommunismus "übermäßig" sei und daß in der Welt sehr
komplizierte gesellschaftliche, wirtschaftliche, religiöse und andere
Faktoren am Werk seien, die wir wenig beeinflussen könnten. Das ist nach
meiner Ansicht ein Rat der Hilflosigkeit, der die Vereinigten Staaten und
ihre Fähigkeit zur Beeinflussung der Ereignisse wesentlich unterschätzt.

Irgendwo zwischen diesen beiden Polen liegt der natürliche und vernünftige Bereich der amerikanischen Außenpolitik. Wir wissen, daß wir
nicht allmächtig sind und daß wir Prioritäten setzen müssen. Wir können
nicht "jeden Preis bezahlen" und "jede Last auf uns nehmen". Wir müssen
unterscheiden; wir müssen klug und vorsichtig sein; wir müssen in angemessener Weise auf die Herausforderung reagieren und unsere Macht nur
einsetzen, wenn es um sehr wichtige strategische Dinge geht. Nicht jede
Situation kann durch amerikanische Bemühungen gerettet werden, selbst
wenn es um wichtige Werte oder Interessen geht.

Gleichzeitig wissen wir aus der Geschichte, daß Mut, Weitblick und
Entschlossenheit die Wirklichkeit zu verändern vermögen. Wir können den
Lauf der Dinge beeinflussen, und wir alle wissen es. Das amerikanische
Volk erwartet das von seinen Führern. Und die Zukunft der freien Welt
hängt davon ab.

Amerikaner wollen - da sie ein moralischses Volk sind -, daß ihre
Außenpolitik die Werte widerspiegelt, die wir als Nation hochhalten.
Aber Amerikaner wollen auch - da sie ein praktisches Volk sind -, daß
ihre Außenpolitik wirksam ist. Wenn uns wirklich etwas an unseren Werten
liegt, dann müssen wir auch bereit sein, sie zu verteidigen und sie zu
fördern. Und so fragen wir uns als Nation ständig, wie wir unseren
moralischen Anspruch und unser Gefühl für das Praktische vereinbaren
können; wie wir in einer komplexen und unvollkommenen Welt unsere hohen
Ziele verfolgen

- 2 -

�Ziele verfolgen können; wie wir unsere Stärke zu unseren Zielsetzungen in
Bezug setzen können - kurz gesagt, wie wir Macht und Diplomatie in Bezug
setzen.
Wir sind heute abend inmitten der Aufregung über die, alle vier Jahre
stattfindende, Selbsterneuerung Amerikas zusammengekommen, in der wir uns
als Land selbst und unsere internationalen Ziele überprüfen. Das ist ein
nie endender Prozeß - fast so endlos wie der Kampf um die Präsidentschaft. Aber es gibt einige Konstanten in unserer Politik, wie unser
Bündnis mit den demokratischen Industriestaaten, das in dieser illustren
Versammlung zum Ausdruck kommt. Gerade diese Partnerschaft - der Eckpfeiler unserer Außenpolitik seit 35 Jahren - bringt unsere Fähigkeit zum
Ausdruck, unsere moralische Verpflichtung zur Demokratie und unsere praktische Erkenntnis, daß die Aufrechterhaltung eines globalen Gleichgewichts der Macht von entscheidender Bedeutung ist, unter einen Hut zu
bringen.

Ich betrachte diese Versammlung als das geignete Forum, sich

gemeinsam einige Gedanken über das Verhältnis von Macht und Diplomatie in
den letzten zwanzig Jahren unseres Jahrhunderts zu machen

Unsere heutige Welt
Durch einen Zufall der Geschichte fiel die Rolle der Weltführung den
Vereinigten Staaten gerade in dem Augenblick zu, als die alte internationale Ordnung durch zwei Weltkriege zerstört worden war, aber sich
noch kein stabiles System entwickelt hatte, um an ihre Stelle zu treten.
Vor einem Jahrhundert drehte sich das internationale System um Europa,
und es gab nur einige wenige große Mitspieler. Heute sind, nach militärischer Stärke gemessen, die beherrschenden Länder die beiden Großmächte,
die damals in gewissem Sinne am Rande oder gar außerhalb der europäischen
Diplomatie lagen. Die wirtschaftliche Macht ist heute jedoch weit verstreut. Asien gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Die früheren Kolonial-

reiche sind aufgelöst worden, und heute gibt es auf der Weltbühne über
160 unabhängige Länder. Ein Großteil der Entwicklungsländer selbst ist
zerrissen durch einen ständigen Kampf zwischen den Kräften der Mäßigung
und den Kräften des Radikalismus. Die meisten der großen internationalen
Konflikte haben

- 3-

�Konflikte haben dort stattgefunden - von Korea über Vietnam und den Nahen
Osten bis Mittelalterika. Darüber hinaus versucht die Sowjetunion weiterhin, die Angst vor einem Atomkrieg als politische Waffe zu benutzen und
Instabilitäten für sich auszunutzen, wo immer eine Möglichkeit dazu
besteht.

Auf einem Planeten, der wegen der globalen Kommunikationsmittel
kleiner und wegen der Streuung der Macht turbulenter geworden ist - all
das unter dem dunklen Schatten der Kernwaffen - ist die Aufgabe, Stabilität, Sicherheit und Fortschritt zu erreichen, eine gewaltige Herausforderung für die ganze Menschheit.

In einem Jahrhundert, das von der

Ausbreitung der Kernwaffen und staatlich gefördertem Terrorismus bedroht
ist, müssen Tendenzen zur Anarchie eine Quelle echter Gefahr darstellen.

Es ist absurd zu glauben, Amerika könne vor diesen Problemen davonlaufen. Dies ist eine Welt großer politischer Instabilität und großer
potentieller Gefahren.

Isolationismus bringt keine Sicherheit. Wir

haben ein unmittelbares und großes Interesse an der Gesundheit der Weltwirtschaft. Unsere Prosperität, unsere Sicherheit und unsere Bündnisse
können von Bedrohungen der Sicherheit in vielen Teilen der Welt berührt
werden. Und das Schicksal unserer Mitmenschen berührt immer unser moralisches Gewissen. Sicherlich sind die Vereinigten Staaten nicht der Weltpolizist. Aber wir sind die stärkste freie Nation der Welt, und deshalb
ruht die Erhaltung unserer Werte, unserer Grundsätze und unserer Hoffnungen auf eine bessere Welt unausweichlich zu einem großen Teil auf
unseren Schultern.

Macht und Diplomatie
In dieser Umwelt ist unser oberstes Ziel das, was Präsident Reagan
bezeichnet hat als "die grundlegendste Pflicht, die jeder Präsident und
jedes Volk gemeinsam haben - die Pflicht, den Frieden zu schützen und zu
stärken". Die Geschichte lehrt jedoch, daß Frieden nicht allein dadurch
erreicht wird, daß man sich ihn wünscht. Hohe Erwartungen erfüllen sich
nicht von selbst. Unser Ziel muß immer sein, Ereignisse zu gestalten,
und nicht, ihr Opfer zu werden.
In dieser

�In dieser schnellebigen und turbulenten Welt bedeutet eine abwartende
Haltung das Risiko, überwältigt zu werden - oder anderen, die uns vielleicht nicht wohl wollen, zu erlauben, die Zukunft der Welt zu bestimmen.

Das große Siegel der Vereinigten Staaten zeigt, wie Sie wissen, den
amerikanischen Adler, wie er im einen Fang ein Bündel Pfeile und im
anderen den Ölzweig hält. Manche von Ihnen mögen das große Siegel auf
dem Porzellan oder anderen antiken Stücken im Weißen Haus oder in den
Empfangsräumen im achten Stock des Außenministeriums gesehen haben. Auf
einigen der älteren Stücke blickt der Adler auf das Bündel Pfeile; auf
anderen auf den Ölzweig. Es war Präsident Truman, der dafür gesorgt hat
und es richtigstellte: Er sorgte dafür, daß der Adler immer auf den
Ölzweig blickt - was zeigt, daß Amerika Frieden sucht. Aber der Adler
hält auch noch immer ein Bündel Pfeile.

Das soll nichts anderes besagen, als daß unsere Vorväter sehr wohl
begriffen, daß Macht und Diplomatie immer zusammengehören. Heute liegt
es noch viel deutlicher auf der Hand, daß eine Welt des Friedens und der
Sicherheit nicht kommen wird, ohne daß man etwas dafür tut oder ohne daß
man sich schweren Entscheidungen stellt. Sicherlich muß Macht immer
zweckgebunden sein, aber die harte Wirklichkeit ist die, daß Diplomatie,
hinter der keine Stärke steht, unwirksam ist. Das ist der Grund, warum
die Vereinigten Staaten beispielsweise mit ihrer Vermittlungstätigkeit so
oft Erfolg hatten, wenn viele andere wohlmeinende Vermittler versagt
haben. Man braucht Hebelwirkung ebenso wie guten Willen.

Bisweilen tendierten wir Amerikaner zu der Vorstellung, Macht und
Diplomatie seien zwei unterschiedliche Alternativen. Um nur ein Beispiel
aus der jüngsten Zeit zu nehmen: Der Bericht der Long-Kommission über den
Bombenangriff auf die Unterkünfte unserer Marineinfanteristen in Beirut
setzte sich dringlich dafür ein, daß wir mit Entschlossenheit etwas
betreiben sollten, was er "diplomatische Alternativen" im Gegensatz zu
"militärischen Optionen" nannte. Dies spiegelt ein grundlegendes Mißverständnis wider - nicht nur hinsichtlich unserer intensiven diplomatischen Bemühungen während all dieser Zeit, sondern auch hinsichtlich des
Verhältnisses

- 5 -

�Verhältnisses zwischen Macht und Diplomatie. Bisweilen - bedauerlich wie
dies auch sein mag - artet politischer Konflikt in eine Machtprobe der
jeweiligen Stärke aus. Problematisch war ja im Libanon gerade unsere
militärische Rolle, nicht unsere diplomatische Anstrengung. Unsere
militärische Rolle war gelähmt durch legislative und durch andere Behinderungen; die Syrer waren an einem diplomatischen Kompromiß so lange
nicht interessiert, wie die Aussichten auf Hegemonie dadurch nicht ausgeschlossen waren. Sie konnten den Diskussionen in unserem Land entnehmen, daß unser Stehvermögen begrenzt war.

Auch bei der Rüstungskontrolle hängen erfolgreiche Verhandlungen von
der Vorstellung eines militärischen Gleichgewichts ab. Nur wenn die
sowjetische Führung die Entschlossenheit des Westens zur Modernisierung
seiner eigenen Streitkräfte erkennt, wird sie auch einen Anreiz zur Aushandlung von Abkommen haben, durch die ausgeglichene, verifizierbare und
niedrigere Rüstungsniveaus zustande kommen.

Die Lehre ist also die: Macht und Diplomatie sind keine Alternativen. Sie müssen zusammenwirken, oder wir werden in der heutigen Welt
nur sehr wenig erreichen. Das Verhältnis zwischen beiden ist sehr
komplexer Natur, und wir stehen hierbei sowohl vor praktischen als auch
moralischen Fragen. Lassen Sie mich etwas zu diesen Fragen sagen. Eine
davon ist die Vielfalt der Herausforderungen, vor denen wir stehen. Eine
zweite ist die moralische Komplexität unserer Reaktion. Und eine dritte
ist das Problem, mit diesem Prozeß in einer Demokratie fertigzuwerden.

Die Bandbreite der Herausforderungen
Vielleicht wegen unserer langen Isolierung von den Unruhen der
Weltpolitik tendieren wir Amerikaner zu der Überzeugung, auch Krieg und
Frieden seien zwei völlig unterschiedliche Phänomene: Wir lebten entweder
in einem gesegneten Zustand des Friedens oder aber - wie etwa im Ersten
und Zweiten Weltkrieg - es ginge darum, den totalen Sieg zu erringen, um
uns danach nur wieder in unsere eigene Unschuld zurückzuziehen und die
"Machtpolitik", mit all dem , was sie repräsentierte, zu vermeiden.
Während des

- 6 -

�Während des Zweiten Weltkriegs schenkten wir - konzentriert allein auf
die bedingungslose Kapitulation unserer Feinde - dem sich abzeichnenden
Mächtegleichgewicht der Nachkriegszeit zu wenig Aufmerksamkeit.

Ähnlich war es seit 1945: Bis dahin gab es für uns einen klar
umrissenen Zeitraum des Krieges, gefolgt von einer Periode scheinbarer
Entspannung, die in gewissen Kreisen zu übertriebenen Erwartungen
führte.

Heute müssen wir das Ost-West-Verhältnis komplexer ansehen: Da

sind zwei Seiten, die miteinander Handel treiben und sich um Rüstungskontrolle bemühen - sogar in dem Moment, da sie Ziele verfolgen, die
miteinander nicht vereinbar sind. Es ist dies kein krisenschwangeres
oder von Konfrontationen beherrschtes Verhältnis wie früher beim kalten
Krieg; aber es ist auch kein normales Verhältnis des Friedens und der
angenehmen Koexistenz.

Daher werden wir in den achtziger Jahren und darüber hinaus
höchstwahrscheinlich niemals einen Zustand des totalen Krieges - aber
auch niemals einen Zustand des totalen Friedens haben. Wir stehen
stattdessen vor einer Vielfalt der oftmals ungewissen Herausforderungen
unserer Interessen.

Für die Abschreckung eines umfassenden Krieges oder eines sowjetischen Angriffs auf unsere westeuropäischen Verbündeten sind wir
verhältnismäßig gut gerüstet; und aus diesem Grund sind dies auch die
unwahrscheinlichtsten Möglichkeiten. Aber tagtäglich werden wir auch
weiterhin Zeuge einer ganzen Reihe von Konflikten sein, die in der
Grauzone zwischen großem Krieg und tausendjährigem Frieden angesiedelt
sind. Wir können sicher sein, daß die kommenden Jahre ihr Teil an Krisen
und örtlichen Ausbrüchen von Gewalt hervorbringen werden. Manche davon nicht alle - werden unsere Interessen angehen. Der Terrorismus insbesondere der von Staaten unterstützte Terrorismus - ist bereits eine
Waffe dieser unserer Zeit, die gegen Amerikas Interessen, gegen Amerikas
Werte und gegen Amerikas Verbündete gerichtet ist. Wir müssen
sichergehen, daß wir für diesen Mittelbereich von Herausforderungen gut
vorbereitet und organisiert sind.
Wenn wir

- 7 -

�Wenn wir unsere Interessen, Werte und Verbündeten schützen wollen,
dann müssen wir uns auch engagieren. Und unsere Macht muß zum Tragen
gebracht werden.

Man hat oft gesagt, die Lehre von Vietnam bestehe darin, daß die
Vereinigten Staaten an keinem militärischen Konflikt mehr teilnehmen
sollten ohne eine klare und präzise militärische Mission, solide
öffentliche Unterstützung und genug Mittel, um die Sache zu einem Ende zu
bringen. Das ist ohne Frage richtig. Aber bedeutet das auch, daß es
keine Situationen gäbe, wo ein diskreter Hinweis auf Macht notwendig oder
angemessen wäre - zu einem begrenzten Zweck? Das kann wohl kaum sein.
Ob es sich um Krisenmanagement oder um Darstellung von Macht, um einen
Hinweis auf die eigene Stärke, um Friedenserhaltung oder um eine lokal
begrenzte militärische Aktion handelt: Es wird immer Fälle geben, wo es
um weniger geht als die totale nationale Verpflichtung im Umfang etwa des
Zweiten Weltkriegs. Die Notwendigkeit, Situationen zu vermeiden, in
denen man nicht gewinnen kann, kann wiederum auch nicht bedeuten, daß man
sich automatisch von Situationen abwendet, wo es sich nur schwer gewinnen
läßt und wo kluge Beteiligung gefordert ist. Solche Situationen werden
immer Risiken beinhalten; wir werden uns nicht immer den Luxus gönnen
können oder in der Lage sein, uns die vorteilhaftesten Umstände auszuwählen. Und wir müssen davon ausgehen, daß unsere Gegner ein hartes Spiel
spielen.

Die Sowjets haben Clausewitz studiert, der lehrte, der Krieg sei eine
Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Es ist höchst unwahrscheinlich, daß wir auf Grauzonen-Herausforderungen reagieren können, ohne
unsere Macht den politischen Verhältnissen anzupassen - und dies auf
einer psychologisch befriedigenden, keinesfalls aber Alles-oder-NichtsGrundlage. Denn dies ist eben nicht jene Art von Realität, vor der wir
in den achtziger, den neunziger Jahren und darüber hinaus stehen werden.
In nur wenigen Fällen wird es so schnell gehen wie in Grenada. Im
Gegenteil: In den meisten anderen Fällen wird es um einiges rauher
zugehen.
Wir haben

�Wir haben zudem keine andere Wahl, als uns mutig der Herausforderung
des Terrorismus zu stellen. Staatlich geförderter Terrorismus ist im
Grund ja eine Art von Kriegsführung. Motiviert durch Ideologie und
politische Feindseligkeit, ist er eine Waffe des unkonventionellen
Krieges gegen die demokratichen Gesellschaften, wobei er seinen Vorteil
aus der Offenheit dieser Gesellschaften zieht. Wie begegnen wir dieser
Herausforderung?

Gewiß müssen wir Sicherheitsvorkehrungen treffen, um

Menschen und dingliche Objekte zu schützen; sicher müssen wir unsere
nachrichtendienstlichen Fähigkeiten noch verstärken, um unsere Wachsamkeit gegenüber derlei Bedrohungen zu erhöhen. Aber es ist in immer
größerem Maß zweifelhaft, ob eine rein passive Strategie auch nur ansatzweise mit diesem Problem fertig werden kann. Das aber wirft für eine
Gesellschaft eine Vielfalt von Fragen auf: Unter welchen Umständen - und
wie - sollten wir reagieren? Wann - und wie - sollten wir präventive oder
vorkehrende Maßnahmen gegen bekannte Terroristengruppen ergreifen? Welche
Beweise verlangen wir, bevor wir solcherlei Schritte unternehmen?

Mit der Zunahme der Bedrohung und mit der immer deutlicher werdenden
Verwicklung von Staaten wie Iran, Syrien, Libyen und Nordkorea wird es
nur noch umso angemessener, daß die Staaten des Westens sich der Notwendigkeit einer aktiven Verteidigung gegen den Terrorismus bewußt werden.
Wird erst einmal klar, daß der Terrorismus funktioniert - daß er seine
politischen Ziele erreicht -, dann werden die Ausführenden noch dreister
werden, und die Gefahr für uns wird nur noch um so größer sein.

Die moralischen Aspekte

Jegliche Anwendung von Gewalt wirft natürlich moralische Probleme
auf. Amerika sollte nur dann auf seine militärischen Machtmittel zurückgreifen, wenn die Sache, um die es geht, dies rechtfertigt und wenn
andere Mittel nicht verfügbar sind — und auch dann nur in einer Art und
Weise, die dem gesetzten Ziel entspricht. Wir können die Anwendung militärischer Machtmittel jedoch nicht von vornherein ausschließen. Wenn wir
dies täten, würde die Zukunft der Erde von anderen bestimmt —

und zwar

sehr wahrscheinlich von denen, die am brutalsten und am skrupellosesten
sind und

�sind und die den Grundsätzen, denen wir uns zutiefst verbunden fühlen, am
feindseligsten gegenüberstehen. Die Zeitschrift "New Republic" brachte
dies vor einigen Wochen recht gut zum Ausdruck:

"Das amerikanische Volk ist sich der Tatsache bewußt, daß Gewalt und
die Androhung von Gewalt grundlegende Wesenszüge der Außenpolitik
unserer Gegner sind, und es erwartet von seinem Präsidenten, daß er
im Stande ist, den Gegner von der Anwendung solcher Taktiken
abzuschrecken bzw. ihnen gegebenenfalls wirksam zu begegnen."

Wie wir gerade jetzt wieder in der Debatte über Militärhilfe für
Mittelamerika erleben, finden die, die vor einem Engagement zurückscheuen
immer ein Alibi für ihre Untätigkeit. Oftmals versuchen sie, sich eines
zu verschaffen, indem sie moralisch fragwürdige Seiten des Freundes oder
Verbündeten, dem wir gern Hilfe leisten würden, wie durch ein Vergrößerungsglas betrachten. Oder es wird argumentiert, daß der Konflikt, um
den es geht, tiefliegende soziale und wirtschaftliche Gründe habe, mit
denen wir uns zunächst einmal auseinandersetzen müßten, bevor wir das
Recht hätten, irgendetwas anderes zu unternehmen. Aber anstatt engagiert
bei der Sache zu bleiben, um die Probleme in den Griff zu bekommen - wie
wir das versuchen -, benutzen einige Leute solche Bedenken als
Ausflüchte, um die Hände in den Schoß legen zu können, - ein Verhalten,
das zur Folge haben kann, daß die Feinde der Freiheit die Oberhand
bekommen.

Ich für meinen Teil halte es für in hohem Maße unmoralisch

zuzulassen, daß Freunde, die sich auf uns verlassen, mit brutaler Gewalt
unterworfen werden, obwohl es in unserer Macht stünde, dies zu verhindern.

Es gibt darüber hinaus noch ein anderes häßliches Überbleibsel
unserer Vietnam-Debatte: die in gewissen Kreisen verbreitete Vorstellung,
daß Amerika der Missetäter sei, daß der Einsatz unserer Machtmittel von
Übel sei und daß die außenpolitische Hauptaufgabe deshalb darin bestehen
müßte, Amerikas Handlungsfreiheit zu beschränken.

Ich kann mir nicht vor-

stellen, daß das amerikanische Volk so etwas glaubt. Mit Präsident
Reagans Vorstellungen von der Welt steht dies mit Sicherheit nicht in
Einklang.
Das amerikanische

- 10 -

�Das amerikanische Volk weiß, daß sein Land stets ein machtvoller
Verfechter des Guten in der Welt gewesen ist; dies hat nichts mit
Prahlerei oder Arroganz zu tun. Wir haben Europa und Asien - und sogar
unseren besiegten Feinden dort - beim Wiederaufbau nach dem Kriege
geholfen, und wir haben auch geholfen, einen sicheren Wall zu errichten,
in dessen Schutz sich nicht nur Demokratie und Freiheit, sondern auch
Wohlstand entfalten konnten.

Die Amerikaner haben für die Freiheit

anderer oftmals Opfer gebracht; sie sind sogar dafür gestorben. Wir
haben den Entwicklungsländern Wirtschaftshilfe in Höhe von rund 165
Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Wir haben bei der Förderung
des Friedensprozesses im Nahen Osten eine entscheidende Rolle gespielt,
ebenso bei den jetzt in Gang gekommenen diplomatischen Bemühungen im
südlichen Afrika und bei vielen anderen diplomatischen Aktivitäten in der
ganzen Welt.

Wir haben unsere Macht für gute und wertvolle Ziele eingesetzt. In
Grenada haben wir dabei geholfen, dem Volk dieses Landes die Selbstbestimmung zurückzugeben, so daß es selbst über seine Zukunft entscheiden
kann. Es hat Versuche gegeben, das, was wir in Grenada getan haben, mit
der sowjetischen Invasion in Afghanistan zu vergleichen. Wir begrüßen
solche Vergleiche. Man betrachte beispielsweise einmal die Aussichten
auf freie Wahlen in diesen beiden Ländern.

In Grenada werden solche

Wahlen noch in diesem Jahr stattfinden - aber wann in Afghanistan? Oder
man vergleiche die Anzahl amerikanischer Kampftruppen, die sich heute,
fünf Monate nach Abschluß der Operation, noch in Grenada befinden, mit
der Anzahl der sowjetischen Truppen, die sich 55 Monate nach der Invasion
immer noch in Afghanistan aufhalten. Die Zahl für Grenada ist Null, die
Zahl für Afghanistan beläuft sich hingegen auf über 100 000.

In den meisten Fällen geht es ja gar nicht um den direkten Einsatz
amerikanischen Militärs, sondern um Militärhilfe für Freunde, die in die
Lage versetzt werden sollen, sich selbst zu verteidigen. Sicherheitspolitische Unterstützung für unsere Freunde ist in der ganzen Welt ein
Mittel der Krisenverhütung, da sie unseren Freunden eine Stärke verleiht,
die geeignet ist, Herausforderungen abzuschrecken.

Auf diese Weise kann
auch die

- 11 -

�auch die Verwicklung amerikanischer Streitkräfte vermieden werden, denn
nur dann, wenn die Selbstverteidigung unserer Freunde im Begriff ist,
zusammenzubrechen, stehen wir vor der quälenden Entscheidung, ob wir uns
in einer direkteren Art und Weise engagieren sollen. Sicherheitspolitische Unterstützung ist daher ein wesentliches Hilfsmittel der
Außenpolitik.

Sie ist ein Instrument, das dazu dienen kann, diejenigen

abzuschrecken, die andernfalls versuchen würden, ihren Willen mit Gewalt
durchzusetzen, und auch dazu, politische Lösungen möglich zu machen.
Dies Instrument wird in unserem Land weitaus weniger geschätzt als
angebracht wäre.

Mittelamerika ist ein gutes Beispiel. Die moralische Frage, um die
es in Mittelamerika wirklich geht, lautet nicht: Glauben wir an militärische Lösungen, sondern vielmehr: Glauben wir an uns selbst? Glauben
wir, daß unsere Sicherheit und die Sicherheit unserer Nachbarn moralisch
von Belang ist? Haben wir Zutrauen in unsere demokratichen Werte?
Glauben wir, daß marxistisch-leninistische Lösungen undemokratisch sind
und daß wir das moralische Recht haben, denen Einhalt zu gebieten, die
versuchen, solche Lösungen gewaltsam durchzusetzen? Es ist richtig, daß
vielen dieser Konflikte soziale und wirtschaftliche Probleme zu Grunde
liegen - aber in El Salvador führt die kommunistische Guerilla unmittelbar Krieg gegen die Wirtschaft, indem sie Brücken und Kraftwerke in die
Luft sprengen und ganz bewußt versuchen, die Wirtschaft des Landes zu
Grunde zu richten.

Bei dem Konflikt in Mittelamerika handelt es sich nicht um eine
Auseinadersetzung zwischen Gesellschaftstheoretikern.

Vielmehr handelt

es sich um eine Situation von der Art, wie ich sie beschrieben habe, wo
es in hohem Maße von dem militärischen Kräfteverhältnis abhängen wird,
wie die politische Auseinandersetzung ausgeht.

In El Salvador unter-

stützen die Vereinigten Staaten gemäßigte Kräfte, die an die Demokratie
glauben und rechts- wie linksextremistischen Feinden der Demokratie
Widerstand leisten. Wenn wir unsere Unterstützung einstellen, werden die
Gemäßigten, die solcherart im Kreuzfeuer stehen, die ersten Opfer sein und mit ihnen die Sache der Menschenrechte und die Aussichten auf wirtschaftlichen

- 12 -

�schaftlichen Fortschritt. Alle, die glauben, daß Militärhilfe für unsere
Freunde nicht entscheidend für einen gerechten Ausgang der Dinge ist,
leben in einer Traumwelt. Und jeder, der glaubt, daß Militärhilfe selbst
dann wirksam sein könnte, wenn sie nicht nach verläßlichem Plan gewährt
wird, versäumt es, den Tatsachen ins Auge zu blicken.

Uneingeschränkte Zuverlässigkeit

Bei dem dritten Thema, das ich anschneiden möchte, handelt es sich um
die Frage, wie unser Land, eine Demokratie, sich angesichts solcher
Herausforderungen verhält.

Die Entwicklung des internationalen Systems in den letzten 35 Jahren
mußte zwangsläufig die beherrschende Position, der sich die Vereinigten
Staaten unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg erfreuten, unterminieren.
Aber mir scheint, daß - gerade weil Amerika seine Vorherrschaft verloren
hat - Beständigkeit, Entschlossenheit und eine in sich schlüssige Außenpolitik in dieser gefährlichen, ungeordneten neuen Welt dringlicher geboten sind denn je. Wir können uns heute Irrtümer weniger leisten als
früher.

Dieser Wandel in unserem internationalen Umfeld fiel jedoch
historisch zusammen mit einer Art Kulturrevolution in unserem eigenen
Lande, die es uns erschwert, die Beständigkeit, Entschlossenheit und
innere Schlüssigkeit, die geboten ist, zu gewährleisten. Was die letzten
15 Jahre uns hinterlassen haben, ist ein Dauerstreit zwischen der
Exekutive und der Legislative und eine permamente Einengung des Handlungsspielraums der Regierung durch ein Geflecht gesetzlich verankerter
Beschränkungen. Gleichzeitig hat sich im Kongreß eine Machtverteilung
ergeben, die es dem Präsidenten sehr schwer macht, mit dem Kongreß zu
verhandeln, weil dessen Führer das Heft nicht mehr in der Hand haben und
oft nicht in der Lage sind, einen Konsens herbeizuführen; manchmal
bringen sie nicht einmal eine Entscheidung zustande. Was dabei herauskommt, ist, wie Sie wissen, ein enormes Problem für die amerikanische
Außenpolitik, nämlich die Einbuße ihrer inneren Stimmigkeit und immer
wieder Ungewißheit

- 13 -

�wieder Ungewißheit im Bewußtsein unserer Freunde und Feinde über die
Ziele und die Beständigkeit der Vereinigten Staaten.

Besonders auf dem Gebiet der Kriegsermächtigung, wo es um den
unmittelbaren Einsatz unserer Machtmittel geht, steht viel auf dem
Spiel. Die Resolution über die Ermächtigung des Einsatzes von Streitkräften (War Powers Resolution) setzt jedoch eine willkürliche Frist von
60 Tagen, was einen Gegner praktisch dazu einlädt, es einfach darauf
ankommen zu lassen. Unser Oberbefehlshaber ist zu Hause durch Auseinandersetzungen in Anspruch genommen, während er gleichzeitig versucht,
auf auswärtigen Schauplätzen wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Wegen
dieses Gesetzes kann sich der Präsident sogar durch einfache Untätigkeit
des Kongreßes gezwungen sehen, amerikanische Streitkräfte aus einem
Brennpunkt des Weltgeschehens abzuziehen — was, wie Präsident Ford dies
einmal formulierte, den Präsidenten sogar dann in eine schwache Position
versetzt, wenn der Kongreß sich nicht dazu aufraffen kann, Stellung zu
beziehen. Wenn rechtzeitiges Handeln derartigen Beschränkungen unterworfen wird, dann kann dies von unseren Gegnern nur als Einladung verstanden werden, uns herauszufordern. Im Libanon wurden die Aussichten auf
erfolgreiche Verhandlungen dadurch zunichte gemacht, daß unsere Gegner zu
der Auffassung gelangten, daß es uns an Durchhaltevermögen mangele. Wie
Senator Howard Baker, der Sprecher der Mehrheitsfraktion, vor vier Wochen
vor dem Plenum des Senats sagte, "kann es in Zukunft nicht dabei bleiben,
daß wir jegliches militärisches Engagement im Ausland mit langen, ermüdenden und zwietrachtstiftenden Verhandlungen zwischen der Exekutive und der
Legislative einleiten. Die Weltlage und die vielfältigen Gefahren für
unsere Interessen erlauben uns einen solchen Luxus ganz einfach nicht."

Ich schlage keine Änderungen unseres Verfassungssystems vor. Einige
Veränderungen in der Gesetzgebung könnten jedoch erforderlich sein. Das
mindeste, was ich vorschlagen möchte, ist, daß wir alle, d.h., sowohl der
Kongreß als auch die Administration, bei der Wahrnehmung unserer verfassungsmäßigen Rechte in gebührender Weise die Tatsache im Blick behalten,
daß unsere Nation eine funktionierende Außenpolitik braucht. Der Kongreß
hat das Recht, ja sogar die Pflicht, zu debattieren und zu kritisieren,
Mittel zu

- 14 -

�Mittel zu bewilligen und zuzuweisen und bei der Gestaltung der Grundzüge
der Politik mitzuwirken. Wenn aber eine Körperschaft von 535 Einzelpersönlichkeiten, von denen eine jede ihre ganz eigenen Vorstellungen
hat, versucht, den Gang der Dinge bis in die Einzelheiten mitzubestimmen,
dann ist dies eine äußerst ineffiziente und unwirksame Art und Weise,
wichtige Unternehmungen zu leiten. Tatsache ist, daß man unser Land
schwächt, wenn man dem Präsidenten seinen Handlungsspielraum nimmt. Nun
sind in unsere Gesetze und Bestimmungen aber eine ganze Menge von Regelungen eingebaut, die die Handlungsfähigkeit des Präsidenten beeinträchtigen. Es muß für den Präsidenten und für den Kongreß einen besseren
Weg geben, ihre verfassungsmäßigen Rechte wahrzunehmen, ohne unserem Land
die Hände zu binden, während die Interessen der freien Welt Anfechtungen
von außsen ausgesetzt sind. Es muß so etwas wie uneingeschränkte Zuverlässigkeit geben. Die traurige Wahrheit ist doch, daß viele der Schwierigkeiten, die wir in den letzten 15 Jahren hatten, selbstverschuldet waren.

Es geht um etwas Grundsätzliches. Wenn der Zweck unserer Macht darin
besteht, Krieg oder Unrecht zu verhüten, dann ergibt es sich aus der
Natur der Sache, daß wir eher bestrebt sind, dem Auftreten dieser Dinge
durch Abschreckung entgegenzuwirken, als unsere Macht tatsächlich
physisch einzusetzen. Das kann aber nur dann funktionieren, wenn sichergestellt ist, daß unsere Macht eben doch zum Einsatz kommen würde, wenn
dies notwendig sein sollte.
Als verläßlich zu gelten ist daher ungemein wichtig, denn damit
vermitteln wir unseren Freunden ein Gefühl der Sicherheit und halten
unsere Gegner zur Vorsicht an. Wenn alle Welt davon überzeugt ist, daß
wir zu unseren Verpflichtungen stehen, dann vermindert dies die Wahrscheinlichkeit dafür, daß wir unsere Hilfsversprechen tatsächlich einmal
wahrmachen müssen. Krisenmanagement ist dann am erfolgreichsten, wenn die
Dinge zu einem guten Ende gebracht werden können, ohne daß auch nur ein
einziger Schuß abgefeuert werden muß. Glaubwürdigkeit ist etwas nicht
Greifbares aber dennoch durchaus Wirkliches. Das gleiche gilt für den
Verlust von Glaubwürdigkeit. Wenn man es versäumt, seinem Freund zu Hilfe
zu kommen, so hat dies immer seinen Preis. Wenn man seine Glaubwürdigkeit
erst einmal verloren hat, dann muß man sie sich erst wieder neu
verdienen.

Ausblick auf
- 15 -

�Ausblick auf die Zukunft

Dieses Dilemma und diese harten Alternativen werden nicht von selbst
wieder verschwinden, ganz gleich, wie der Präsident im Amt heißt. Es
handelt sich dabei nicht um parteipolitische Probleme. Wer behauptet, daß
er eine einfache Antwort auf diese Fragen parat hat, der redet Unsinn.

Die Vereinigten Staaten gehen einer Zeit entgegen, die Herausforderungen bringen wird, die denen der jüngeren Vergangenheit in nichts
nachstehen werden. Wir haben eine Diplomatie, die uns dem Frieden durch
Verhandlungen näherzubringen sucht. Wir haben unsere Stärke so weit
wiedererlangt, daß wir in der Lage sind, unsere Interessen zu verteidigen
und anderen den Einsatz von Gewalt unratsam erscheinen zu lassen. Wir
haben Verbündete, die wir schätzen und respektieren. Was wir tun müssen,
ist, sowohl den Umfang unserer Machtmittel als auch die Herausforderung,
der wir gegenüberstehen, zu erkennen.

Die Amerikaner sind kein zaghaftes Volk. Eine Außenpolitik, die
Amerikas würdig sein soll, kann nicht von Isolationismus oder Schuldgefühlen geprägt sein, sondern muß im Zeichen aktiven Engagements stehen.
Wir können stolz sein auf unser Land, auf das, wofür es steht, und auch
auf seine Errungenschaften. Aus der Moral sollten wir Mut schöpfen, wenn
es darum geht, harte Entscheidungen zu treffen. Keinesfalls sollten wir
aus ihr Vorwände zur Selbstlähmung ableiten.

Vor fast zwei Jahren erklärte Präsident Reagan in einer Rede vor dem
britischen Parlament: "Wir müssen in unserer Überzeugung standhaft sein,
daß die Freiheit kein ausschließliches Vorrecht einiger weniger Glücklicher ist, sondern das unveräußerliche und universale Recht aller." So
lange die Amerikaner an dieser Überzeugung festhalten, werden wir in der
Welt aktiv engagiert bleiben. Wir werden unsere Macht und die Kunst
unserer Diplomatie im Dienste des Friedens und unserer Ideale einsetzen.
Der Weg, den wir gehen müssen, ist uns vorgezeichnet. Wir werden vor
unserer Verantwortung nicht zurückweichen.

+ + + + +

- 16 -

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9357">
              <text>11.04.1984</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9358">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9359">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="13712">
              <text>Amerikadienst 11.04.1984</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="13713">
              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan erläutert Grundlagen der amerikanischen Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor der Georgetown-Universität -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA werden Vertrag über weltweites Verbot chemischer Waffen vorschlagen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 4. April -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Macht und Diplomatie gehören zusammen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers vor der Trilateralen Kommission -&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
