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                  <text>14. März 1984

11
I N H A L T

DOKUMENTATION
Präsident Reagan:

USA bleiben den NATO-Zielen weiterhin verpflichtet

- Erklärung zum 35. Jahrestag der NATO Weinberger:

Abzug amerikanischer Truppen würde freie Welt ernsthaft

schwächen
- Auszüge aus einem EURONET-Fernsehinterview Das transatlantische Verhältnis - Eine langfristige Perspektive
- Von Lawrence Eagleburger -

HINTERGRUNDMATERIAL
El Salvador und Nicaragua:

Unterschiedliche Einstellung zur Wahl

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Leistungsfähigere Mikrochips

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. März 1984

11

PRÄSIDENT REAGAN: USA BLEIBEN DEN NATO-ZIELEN WEITERHIN VERPFLICHTET
Erklärung zum 35. Jahrestag der NATO -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 7. März 1984 in Washington erlassenen
Proklamation gedachte Präsident Reagan des 35. Jahrestages der Gründung des
Nordatlantischen Bündnisses und unterstrich darin vor allem die Tatsache, daß
es "einen Krieg zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt verhindert und die
längste Zeit des Friedens und des Wohlstands in der modernen Geschichte ermöglicht" hat.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Vor 35 Jahren - am 4. April 1949 - wurde in Washington der Nordatlantikvertrag unterzeichnet.

Das NATO-Bündis

- geschaffen im Gefolge des zer-

störerischsten aller Kriege, die die Welt je erlebt hatte - repräsentiert die
lebende Verpflichtung der Nationen des Westens zu Verteidigung von Demokratie
und Freiheit des einzelnen.

Durch diese Art der Vereinigung zwischen Europa

und Nordamerika hat es über dreieinhalb Jahrzehnte hinweg einen Krieg zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt verhindert und die längste Zeit des
Friedens und Wohlstands in der modernen Geschichte ermöglicht.
Dieser Erfolg

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dieser Erfolg war nicht ohne Anstrengung möglich.

Während seines bis-

herigen Bestehens war das NATO-Bündnis immer wieder von der militärischen
Macht und den politischen Ambitionen der Sowjetunion herausgefordert.

Und

doch standen die Staaten des Bündnisses in jedem dieser Jahrzehnte zusammen,
um durch ihre gemeinsame Stärke und Entschlossenheit den Frieden zu bewahren.
Auf der Grundlage dieser Stärke und Einheit haben die Staaten des Bündnisses
zudem die Initiative dabei ergriffen, konstruktivere Beziehungen zur Sowjetunion anzustreben.
über die Jahre hinweg wuchs die NATO über ihre ursprünglichen 12 Mitglieder hinaus und umfaßt nunmehr auch Griechenland, die Türkei, die Bundesrepublik Deutschland und - seit jüngster Zeit - Spanien.

Sie hat die Fähig-

keit bewiesen, sich den veränderten politischen und sicherheitspolitischen
Herausforderungen anzupassen und die sich wandelnden Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu befriedigen.

Die Verpflichtung des Bündnisses zu kollektiver

Sicherheit wurde bei gleichzeitiger und umfassender demokratischer Achtung
vor der souveränen Unabhängigkeit eines jeden Mitglieds beibehalten.
Ich verpflichte mit Stolz die Vereinigten Staaten erneut auf die Ideale
und Verantwortlichkeiten unseres Bündnisses. Im Mai werden die Vereinigten
Staaten in Washington Gastgeber des Frühjahrstreffens der NATO-Außenminister
sein. Dies wird eine besondere Gelegenheit sein, den 35. Jahrestag unseres
gemeinsamen Unterfangens zu begehen und über die künftigen Herausforderungen
nachzudenken, vor denen die transatlantische Partnerschaft stehen wird. Ich
rufe den Kongreß und das Volk der Vereinigten Staaten dazu auf, sich mir im
Ausdruck unserer Unterstützung für eine Verbindung anzuschließen, die uns
über die Jahre hinweg so gut gedient hat und die auch weiterhin für unser
künftiges Wohlergehen von entscheidender Bedeutung sein wird.
Daher lenke ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten von
Amerika, die Aufmerksamkeit der Nation auf diesen 35. Jahrestag der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags und rufe die Gouverneure der Bundesstaaten
und die Vertreter der kommunalen Behörden auf, während dieses Gedenkjahres

- 2 -

�an de„ das Treffen des Nordatl,„t,kr,tS ,„ ^

des Härz,. Jahre unseres „err„ 1 „

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Zum Zeugnis dessen habe ich dies? p , n n a m , f

der Vereinigten Staaten von Amerika.

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�Dokumentation

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. März 1984

11

WEINBERGER: ABZUG AMERIKANISCHER TRUPPEN WÜRDE FREIE WELT
ERNSTHAFT SCHWÄCHEN
- Auszüge aus einem EURONET-Fernsehinterview -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger hat am 8. März 1984 mit Nachdruck unterstrichen, daß ein Abzug
amerikanischer Truppen aus Europa zu einer ernsthaften Schwächung der freien
Welt fuhren würde.

Er traf diese Feststellung in einem vom US-Informations-

amt (USIA) organisierten Interview (EURONET), das mittels Satellit acht europäische Hauptstädte und Washington verband.

Neben NATO-Fragen wurden auch

die strategische Verteidigungsinitiative, die Wiener MBFR-Gespräche, die
sowjetischen SALT-Verletzungen, die Situation im Persischen Golf sowie andere verteidigungspolitische Themen angesprochen.
Die Teile des Interviews, die NATO-Fragen, die strategische Verteidigungsinitiative sowie den Persischen Golf betrafen, haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Ich

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�FRAGE:

Ich würde gerne wissen, inwieweit Sie mit den Ansichten parallel

laufen, die kürzlich US-Staatssekretär Eagleburger darlegte und mit denen er
bestimmte Aspekte europäischer Politik kritisierte, die das Bündnis aufzulösen drohten; und was halten Sie von den Ansichten Dr. Kissingers, der praktisch sagte, die amerikanischen Truppen in Europa sollten drastisch verringert werden?
ANTWORT:

Ich stimme keiner dieser beiden Erklärungen zu.

Was Staats-

sekretär Eagleburger meiner Meinung nach sagte, war, daß es in vielen europäischen Staaten eine starke Strömung in der öffentlichen Meinung gibt, die
große Vorbehalte hinsichtlich der Notwendigkeit zum Ausdruck bringt,

eine

angemessene Abschreckung gegen die Streitkräfte zu unterhalten, welche die
Sowjetunion dislozieren kann.
Ich habe jedoch nicht gesehen, daß diese Ansicht auch von den europäischen
Regierungen oder gar den Verteidigungsministern geteilt würde.

Ich glaube,

es gibt immer Teile der öffentlichen Meinung, die lieber nicht die sehr schwere Aufgabe übernehmen würden, unsere Länder durch den Aufbau einer ausreichenden Abschreckungsstreitkraft zu verteidigen.

Das gibt es auch bei uns in den

Vereinigten Staaten.
Was Henry Kissingers Argument hinsichtlich der Verringerung der amerikanischen Truppenstärke in Europa angeht, so würde ich ganz sicher hier anderer
Meinung sein. Denn das würde nur die Sowjets dazu ermutigen, zu glauben, sie
könnten einen erfolgreichen Angriff unternehmen. Und dies würde für uns alle
nicht nur eine viel gefährlichere Welt bedeuten, sondern uns weit rascher in
einen Konflikt treiben.
Amerika kann nicht in einer Welt leben, in der Europa überrannt werden
kann, und unser Interesse an einer Verteidigung und an einer Hilfe zur Verteidigung Europas ist praktisch identisch mit unserem Interesse daran, uns
selbst zu verteidigen.
FRAGE:

Eine

�FRAGE:

Eine Frage zur sogenannten "strategischen Verteidigungs-Initia-

tive" Ihrer Regierung.
re -:

In einem kürzlichen Interview sagten Sie - ich zitie-

"Und ich kann mir keinen destabilisierenderen Faktor für die Welt vor-

stellen als den, daß die Sowjets eine voll verläßliche Verteidigung gegen Raketen haben, bevor uns dies gelingt."

Nun könnte ich mir vorstellen, daß Herr

Ustinow, Ihr sowjetischer Kollege, auf eine solche Frage das gleiche antworten würde.

Bedeutet dies nicht:

Um ein Wettrüsten zu verhindern und um die

Abschreckung stabil zu halten, müßten solche Initiativen für eine strategische
Verteidigung dann nicht in enger Zusammenarbeit mit der Sowjetunion ergriffen
werden?

ANTWORT:

Nun, die strategische Verteidigungs-Initiative dürfte durch-

aus in enger Zusammenarbeit mit der Sowjetunion durchgeführt werden - und
nicht einmal so sehr aus freien Stücken, sondern weil die Sowjets schon so
viel länger daran arbeiten und bereits beträchtliche Fortschritte erzielt
haben.

Und die von Ihnen zitierte Erklärung zielte darauf ab, daß wir eine

schrecklich destabilisierende Situation hätten, würden sie es zuerst bekommen, denn sie haben eine Strategie - nach all dem, was sie publizieren, nach
all ihren Waffensystemen, nach all ihren Handlungen, nach den Schritten bei
der Härtung ihrer Silos, bei ihrer Zivilverteidigung -, die auf einen Erstschlag hindeuten läßt.

Wir haben eine solche nicht.

Eine solche Weltanschau-

ung plus strategischer Verteidigungs-Initiative, bevor wir eine haben:

Dies

wäre schrecklich destabilisierend.

Was der Präsident möchte, ist, daß wir weiterarbeiten und den Versuch
machen, eine strategische Verteidigung zu entwickeln und zu dislozieren - wir
wissen nicht, ob es uns gelingt -, die unter allen Umständen absolut verläßlich wäre, denn all dies wäre etwas, was die Sowjets ebenfalls - oder in Kürze - hätten - und somit wäre es durchaus möglich, daß wir uns darin teilten.

Würde man das tun, so könnte man die Drohung dieser Atomraketen beseitigen, dieser Interkontinentalraketen, dieser Mittelstreckenraketen - man
könnte all diese Drohungen aus der Welt schaffen, diesen Schatten, der über

- 3 -

�der über der Welt hängt.
Dagegen gibt es eine Menge Opposition - die sich zumeist auf konventionelle Überlegungen stützt, darauf, daß es besser sei, Menschen zu zerstören als
Waffen.

Der Präsident nun meint, es sei besser, unser Volk zu schützen, wie

alle Völker der Welt - und nicht einfach nur den Versuch zu machen, sie zu
rächen.
Aber wir geben in keinster Weise unsere Abschreckung auf, unsere Versuche, das strategische Abschreckungsäquivalent zu erlangen, das wir brauchen,
während wir den Versuch machen, diese strategische Verteidigung zu entwickeln.
FRAGE:

Bei der laufenden Debatte über die künftige Rolle des Bündnisses

hat der frühere Außenminister Kissinger einige interessante, wenn auch kontroverse Thesen aufgeworfen.

Ich möchte mich auf eine davon konzentrieren.

Sollte die Rolle des Bündnisses nicht auf die Verteidigung Europas und
Nordamerikas beschränkt bleiben, oder sollte die Rolle der NATO in den neunziger Jahren die globale Verteidigung der Interessen der westlichen Demokratien in der ganzen Welt sein?
Nun ist die derzeitige politische Einstellung der kommunistischen Parteien und der linksgerichteten Sozialisten in mehreren NATO-Staaten die folgende: "Wir unterstützen loyal das Bündnis - aber nur für die Verteidigung
Europas." Mit anderen Worten: Sie wollen freie Hand dabei haben, die Revolution in Asien, im Nahen und Mittleren Osten, in Afrika und in Lateinamerika
zu unterstützen.
Dies hat die Politik vieler NATO-Regierungen stark beeinflußt - nicht
nur in Südeuropa.

Deshalb stehen wir hier vor einem Dilemma.

Wenn wir die

Rolle des Bündnisses umdefinieren als weltweite Verteidigung freier Nationen
gegen den Totalitarismus - wie wir dies wahrscheinlich tun sollten -, dann
werden wir viele Regierungen in NATO-Staaten innenpolitisch in überaus große

- 4 -

�überaus große Schwierigkeiten bringen.

Wo sehen Sie deshalb, Herr Minister,

hier einen Ausweg?
ANTWORT:

Nun, ich glaube, wir müssen uns zunächst einmal daran erin-

nern, daß die große Stärke der NATO in ihrer Einigkeit liegt - wie sie dies
ja auch immer wieder demonstriert hat, etwa erst im vergangenen Jahr, als sie
trotz gewaltigen Druckes bei ihrer so notwendigen Entscheidung blieb, in Reaktion auf die sowjetischen SS-20-Raketen ein Gegengewicht zu dislozieren.
Daß die Hauptaufgabe der NATO darin besteht, Europa zu verteidigen, wird,
wie ich glaube, niemand bestreiten.
man Europa am besten verteidigt.

Was wir uns überlegen müssen, ist, wie

Und ich glaube, was Kissinger kürzlich mein-

te,war, daß man manchmal darüber nachdenken sollte, wie Europa am besten verteidigt werden kann, wie die Freiheiten am besten verteidigt werden können,
die wir alle so schätzen und die in der Sowjetunion nicht existieren, nämlich
mit der, wie wir es im Militärjargon nennen, "Vorne-Verteidigung".

Das heißt,

wie ich es sehe, beispielsweise, daß die NATO außerordentlich an den Folgen
eines sowjetischen Handelns interessiert sein muß, das darauf hinauslaufen
könnte, dem Westen den Zugang zu den ülfei d e m zu verwehren.
Das soll nicht heißen, daß die NATO-Truppen im Nahen Osten oder sonstwo stationieren sollte.

Aber es soll heißen, daß die NATO Planungen vorneh-

men sollte für mögliche Aktivitäten außerhalb des Vertragsgebietes, die sich
auf die Verteidigung Europas richteten, aber auf eine wirksamere Verteidigung
Europas als einfach entlang der Grenzen der europäischen Länder, die der NATO
angehören.
Ich meine, wir müssen uns einfach überlegen, welches die wirkungsvollste
Methode ist, Europa zu verteidigen und die Freiheit zu verteidigen.

Und wir

in den Vereinigten Staaten sind uns durchaus bewußt, daß die Verteidigung
Europas nicht nur von entscheidender Bedeutung für Europa selbst, sondern
auch von entscheidender Bedeutung für die Verteidigung der Vereinigten Staaten und für die Verteidigung der Freiheit ist.
Was Kissinger

�Was Kissinger also nach meiner Meinung sagen wolllte - und ich freue
mich, daß Sie einen Teil seiner Ausführungen zitiert haben, mit dem ich zumindest grundsätzlich einverstanden sein kann -, ist:
Europa verteidigen.

Jawohl, wir müssen

Aber wo verteidigt man Europa am besten?

wir uns doch alle möglichen Wege der Verteidigung überlegen.

Und wollen
Das ist genau

das, was wir der NATO klarzumachen versuchen, daß man vielleicht gelegentlich
sich überlegen muß, vielleicht sogar planen muß, etwas außerhalb des NATO-Gebietes zu tun, um Europa wirksamer verteidigen zu können.
FRAGE:

Die Sowjetunion hat gestern die Vereinigten Staaten beschuldigt,

durch die Dislozierung dieser Flotte im Persischen Golf den internationalen
Frieden zu gefährden.

Glauben Sie, daß eine wirkliche Möglichkeit besteht,

daß es zu einer amerikanischen Intervention im Golf kommt?
ANTWORT: Zunächst einmal kann man bezüglich der sowjetischen Erklärung
sagen, daß sie etwas Erheiterndes hat, denn die Sowjets haben selbstverständlich Schiffe in diesem und um dieses ganze Gebiet, und das seit vier Jahren.
Es handelt sich um internationale Gewässer, und unser Interesse und unsere
Maßnahmen, von denen wir gesprochen haben, sind Maßnahmen, die einfach dazu
dienen sollen, diese internationalen Gewässer offen zu halten - frei für die
Schiffahrt aller Nationen. Das ist immer unsere Politik gewesen und wird
weiterhin unsere Politik sein. Das sind unsere Interessen im Nahen und Mittleren Osten, und das sind die gleichen Interessen, wie sie die Sowjetunion
hat oder haben sollte.
Aber die Maßnahmen, die notwendig sind, um internationale Gewässer generell offen zu halten, bestehen darin, sicherzustellen, daß niemand sie
vermint oder sie zu sperren versucht.

Und das, was wir zu tun gedenken und

zusammen mit unseren Verbündeten besprechen, wären Maßnahmen, die notwendig
sind, um sicherzustellen, daß diese Gewässer offen bleiben und Zugang zu den
ölfeldern besteht, die von entscheidender Bedeutung für den Fortbestand des
Westens sind.
FRAGE:

- 6 -

Es hat

�FRAGE:

Es hat

in letzter Zeit einige Vorschläge gegeben, daß die euro-

päischen Länder sehr viel mehr für die gemeinsame Verteidigung der NATO tun
sollten.

Stimmen Sie dem zu, und wenn ja, was sollten diese Länder nach ihrer

Meinung tun, was sie jetzt nicht tun?
ANTWORT: Ich meine, wir sollten alle mehr tun - die Vereinigten Staaten
und alle NATO-Mitglieder. Ich glaube, die Regierungen und die Verteidigungsminister aller NATO-Mitglieder sind sich darüber einig. Das Problem besteht
natürlich darin, die Öffentlichkeit zu überzeugen und ihre Unterstützung zu
gewinnen.
Was wir tun sollten? Nun, ich glaube, wir sollten unsere konventionellen
Streitkräfte stärken. Ich meine, wir sollten darauf hinarbeiten, eine besser
ausgewogene Abschreckung zu erreichen, weil es, wie ich bereits gesagt habe,
für uns alle sehr viel gefährlicher würde, wenn das Gleichgewicht so sehr aus
den Fugen gerät und die Sowjets anfangen, sich die Vorstellung zu machen, daß
sie gar nicht vor Angriffen abgeschreckt würden, weil sie eine Schwäche des
Westens zu erkennen glauben.
Aber ich glaube, die Stärkung unserer konventionellen Streitkräfte, die
Verbesserung ihrer Einsatzbereitschaft, sie so zu modernisieren, wie die Sowjets
es getan haben, das sind alles Dinge von wesentlicher Bedeutung.
Das andere, was wir natürlich tun könnten, ist, so geduldig, nachdrücklich und gekonnt wie nur möglich an einer großen Verringerung der Waffen zu
arbeiten, damit wir diese Abschreckung auf einem sehr viel niedrigeren Stand
aufrechterhalten könnten. Aber das ist natürlich schwierig zu erreichen, wenn
die Verhandlungssäle verlassen sind und wenn uns niemand auf der anderen Seite
des Tisches gegenübersitzt. Aber wir wollen weiterhin solche Verhandlungen.
Aber in der Zwischenzeit müssen wir meiner Überzeugung nach unsere Verteidigungs- und Abschreckungsstärke erhalten, und das ist, wie ich betonen
möchte, keineswegs nur die Aufgabe von Europa allein.

- 7 -

Es ist eine Aufgabe,

�eine Aufgabe, die uns allen gestellt ist, und das schließt sicherlich auch
die Vereinigten Staaten ein.
FRAGE:

Die NATO hat beschlossen, in Westeuropa 572 neue Flugkörper zu

stationieren.

Wenn wir einmal davon ausgehen, daß es wieder Verhandlungen

mit der Sowjetunion geben wird - da es jetzt ungewiß ist, ob die Sowjetunion
an den Verhandlungstisch zurückkehren wird -, glauben Sie, daß das Bündnis
dann an dem, wie wir sagen, Minimum von 572 festhalten sollte, oder sollte
es die Zahl verringern, um eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zu erleichtern?
ANTWORT:

Ich kann nicht sehen, wie eine Verringerung der Zahl oder

eine Einstellung der Dislozierungen eine Wiederaufnahme der Verhandlungen
erleichtern könnte.

Ich glaube, wir sollten an dem ursprünglichen Plan der

NATO festhalten; aber ich meine auch, daß wir immer wieder betonen sollten,
wie es unsere Politik ist, daß wir nicht nur bereit, sondern sehr interessiert sind, die Verhandlungen wiederaufzunehmen.

Wenn es den Sowjets gelänge,

die Dislozierungen aufzuhalten, indem sie einfach den Verhandlungstisch verlassen, dann hätten sie eine Situation erreicht, in der sie es mit keinerlei
Abschreckung mehr vor der Dislozierung ihrer Waffen zu tun hätten.

Die Dis-

lozierung der SS-20-Raketen ist übrigens während all dieser Gespräche, all
dieser Verhandlungen weitergegangen; sie ist bis auf den heutigen Tag weitergegangen, und heute sind über 380 dieser Waffen disloziert, und jede hat drei
Gefechtsköpfe.
Aber wenn wir, wenn der Westen seine sehr bescheidenen Gegenmaßnahmen
gegen diesen gewaltigen Aufmarsch an Mittel Streckenwaffen einstellt, dann
hätte das, wie ich meine, keinerlei Einfluß darauf, ob sie (die Sowjets) an
den Konferenztisch zurückkehren oder nicht.
geplanten Dislozierungen fortsetzen.

Ich meine, wir sollten unsere

Aber ich hoffe trotzdem sehr, daß die

Sowjets an den Verhandlungstisch zurückkehren und sich einige der Vorschläge
des Präsidenten anhören werden.
Wie Sie

�Wie Sie sich erinnern, ist der erste W ^ C M
PräSldenten
wir heute noch sind, der gewesen daß u
'
' fUr "•"
,,
,. ,. .
gewesen, daß auf beiden Seiten Null sein sollt»
wenn d,. Sowjets de» zusti«en werden, dann würden wir gern
a"
was wir bereits disloziert haben, und jede „eitere Disl
e
Un
u
Wenn s e . , „ . gleichen Stand von 200 oder 300 Z usti r a e n wolle
1
e l n e m derer ,gen Vorschlag, dann würden wir gerne darüber
handeln - aber i-er mit de» Ziel der idealen Null-Option

+ + + + +

- 9-

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. März 1984

11

DAS TRANSATLANTISCHE VERHÄLTNIS - EINE LANGFRISTIGE PERSPEKTIVE
- Von Lawrence Eagleburger -

Der Staatssekretär für politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium,
Lawrence Eagleburger, hat am 7. März 1984
in Washington vor dem amerikanischen Zeitungsverlegerverband (National Newspaper
Association) eine programmatische Rede über
das Verhältnis zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa gehalten, die folgenden
Wortlaut hat:

Vor einigen Wochen habe ich, wie manche Leute meinen, den Fehler gemacht,
vor einem Auditorium laut über die Herausforderungen des transatlantischen
Verhältnisses für den Rest des zwanzigsten Jahrhunderts nachzudenken. In
Presseberichten wurden meine frei gesprochenen Bemerkungen als Kritik an unseren westeuropäischen Verbündeten bezeichnet, was wiederum zu einer Fülle
negativer Bemerkungen einer Reihe von hohen europäischen Regierungsvertretern
und sogar ein oder zwei Oppositionspolitikern bezüglich meiner Intelligenz,
Urteilskraft und Erfahrung geführt hat.

In einem der freundlicheren Kommentare

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�freundlicheren Kommentare bemerkte (die französische Zeitung) Le Monde,
ich hätte "nicht einmal die Ausrede, einer dieser Kalifornier zu sein".
Und deshalb möchte ich es heute noch einmal versuchen.

Meine Absicht

ist, die Herausforderungen - und ich glaube, daß es welche gibt - der Fortsetzung eines starken transatlantischen Verhältnisses für den Rest des zwanzigsten Jahrhunderts zu untersuchen.

Ich vertrete nicht die These, daß das

Nordatlantische Bündnis heute in einer Krise steckt.

Ich gehe davon aus,

daß die letzten 15 Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts Jahre eines wesentlichen, vielleicht tiefgreifenden Wandels sein werden und daß es jetzt für
jene, die wie ich daran glauben, daß eine starke transatlantische Partnerschaft für die Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität wesentlich ist
und bleibt, an der Zeit ist, sich zusammen darüber klar zu werden, was sich
voraussichtlich ändern wird und wie wir diese Veränderungen am besten verkraften können.
Das Problem, wie ich es sehe, ist folgendes: Das Atlantische Bündnis
ist und bleibt unser wichtigstes politisches und sicherheitspolitisches Interesse. Jedoch werden in den kommenden Jahrzehnten die Gebote unserer globalen Außenpolitik in zunehmendem Maße unsere Aufmerksamkeit, unsere Zeit und
unseren Einfallsreichtum erfordern. Wir können, wie ich glaube, weiterhin
von einer nicht wankenden amerikanischen Verpflichtung zur Verteidigung Europas ausgehen. Wir können ebenso von der Fortsetzung einer europäischen Verpflichtung zu unseren Bündnispartnern ausgehen. Wovon wir jedoch nicht ausgehen können - oder zumindest sollten - ist, daß Regierungen auf der einen
oder anderen Seite des Atlantik sich immer bereitwillig veränderten Umständen anpassen werden. Sicherlich wird eine Anpassung vorgenommen, aber wie
zureichend und wie leicht diese Anpassung vorgenommen wird, wird ganz wesentlich davon abhängen, wie bald der Westen - kollektiv - begreift, daß neue
Zeiten anbrechen.
Engere amerikanische

- 2 -

�Engere amerikanische Beziehungen zu Asien

Lassen Sie mich mit der Beschreibung einiger der wichtigen Veränderungen
beginnen, mit denen ich in den kommenden Jahren rechne.

Einige sind einfach

und liegen auf der Hand; andere sind nicht so einfach und nicht so leicht zu
erkennen.

Demographische Veränderungen in den Vereinigten Staaten sind bei-

spielsweise leicht erkennbar.

Wir haben seit 1819 eine pazifische Küste, und

seit unserer ersten Volkszählung hat sich unser

demographischer Mittelpunkt

nach Westen verlagert - ein Prozeß der anhalten und auch eine anhaltende Verlagerung unseres politischen Schwerpunktes mit sich bringen wird.

Aber selbst

diese Tatsache läßt die Bedeutung unserer Westküste nicht voll erkennen.

Kali-

fornien beispielsweise hätte, wenn es ein unabhängiger Staat wäre, eines der
höchsten Bruttosozialprodukte der Welt.

Wachsende, dynamische Städte wie Los

Angeles oder San Diego, das Gebiet der Bucht von San Franzisko, Seattle und
Portland fordern die Städte der Ostküste, wie New York, Bosten, Philadelphia
und Baltimore, als Handelszentren heraus oder übertreffen sie.

Ebenso logisch ist, daß das wirtschaftliche und handelspolitische Wachstum
unserer Westküste für uns die Bedeutung eines Teiles der Welt erhöht, der mit
den heutigen Kommunikationsmitteln praktisch vor unserer Haustür liegt.

Dabei

ist die jüngste Geschichte der pazifischen Wirtschaftsdynamik keineswegs nur
ein amerikanisches Phänomen.
den blühendsten der Welt.

Die Volkswirtschaften Asiens gehören heute zu

Japans Autos, Stahl und elektronische Geräte wer-

den in der ganzen Welt verkauft.

Dynamische Marktwirtschaften in den ASEAN-

Ländern, in Südkorea, Taiwan und Hongkong stellen Qualitätserzeugnisse zu
Preisen her, die es ihnen ermöglichen, auf den Weltmärkten zu konkurrieren.
Wenn China seine Wirtschaft der Welt öffnet, bietet es ein gewaltiges Potential.

Es wurde wenig bemerkt, obwohl es eine bemerkenswerte Tatsache ist, daß
wir seit 1978 mit dem Pazifischen Becken mehr Handel getrieben haben als mit
Europa:

Im Jahr 1982 betrug allein der Unterschied rund 13 Milliarden Dollar.

Die Volkswirtschaften Amerikas und Japans bringen allein rund ein Drittel des
Bruttosozialproduktes der Welt auf.

Im vorigen Jahr war Japan - nach Kanada -

- 3 -

�nach Kanada - der zweitgrößte Abnehmer amerikanischer Waren - und dabei nur
einer von mehreren immer wichtiger werdenden asiatischen Handelspartnern.
Darüber hinaus treten die Vereinigten Staaten und Japan - zumindest für
die nächste Zukunft - als die beiden wichtigsten Akteure auf dem Gebiet der
hochtechnologischen Entwicklung hervor - ein Gebiet, das für die schnelle
wirtschaftliche Entwicklung und Prosperität in den kommenden Jahren von entscheidender Bedeutung sein dürfte. Wenn wir in das einundzwanzigste Jahrhundert eintreten werden, dann dürften die Vereinigten Staaten und Japan entweder die größten wirtschaftlichen Konkurrenten oder die wichtigsten wirtschaftlichen Partner sein.
Wir werden in den kommenden Jahren vor der Herausforderung stehen, institutionelle Bindungen mit asiatischen Freunden zu schaffen, die ihren und
unseren Ansprüchen genügen.

Diese Bindungen werden nicht mit denen identisch

sein, die wir mit unseren europäischen Freunden geschmiedet haben, da sie die
Unterschiede in den Beziehungen erkennen lassen werden.

Engere Beziehungen

zu Asien können beispielsweise nicht das gleiche sein wie unser breites historisches Verhältnis zu Europa. Aber unsere zunehmend gemeinsamen wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen Anliegen in Asien werden mit
ziemlicher Sicherheit die Schaffung neuer institutioneller Vereinbarungen mit
sich bringen, um diese Anliegen wirksamer bewältigen zu können.

Bewahrung der amerikanisch-europäischen Partnerschaft
Ich habe bereits erwähnt, daß einige Veränderungen - wie etwa in der
Demographie der Vereinigten Staaten - unschwer erkennbar und ihre Folgen auch
relativ leicht abschätzbar sind. Andere wiederum liegen nicht derart zutage.
So kann man die Natur der transatlantischen Beziehungen über die nächsten 15
Jahre hinweg zu diesem Zeitpunkt nur umrißhaft ausmachen.
Das NATO-Bündnis, das im nächsten Monat seinen 35 Jahrestag begeht, hat

�begeht, hat dadurch in Europa über eine Generation lang den Frieden bewahrt
- allein dies schon in der europäischen Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts ein außergewöhnliches Phänomen -, daß Freund wie Feind immer wieder
darauf hingewiesen wurden, daß wir einen Angriff auf unsere Freunde als einen
Angriff auf uns selbst betrachten.

Diese Verpflichtung wurde erst kürzlich

von Präsident Reagan erneut bestätigt, indem in Einklang mit unseren Verbündeten eine neue Generation nuklearer Mittelstreckenraketen disloziert wurde,
die die Kette der Abschreckung vervollständigen und zugleich sicherstellen
wird, daß die Sicherheit Westeuropas auch weiterhin mit unserer eigenen verkoppelt bleibt.
Ich muß hier unterscheiden, daß die amerikanische Einsicht, wonach die
Verteidigung Westeuropas zugleich auch die Verteidigung unseres eigenen Landes darstellt, einen revolutionären Wandel in unserer Außenpolitik darstellte.

Sie war zunächst nicht ein Faktum, mit dem die Amerikaner völlig ein-

verstanden waren.

Für viele - wie mich selbst -, die im Mittleren Westen

aufgewachsen waren, bedeutete es, daß unser Schicksal und unser Gefühl für
persönliche und nationale Sicherheit unwiderruflich von weit über unsere natürlichen Grenzen hinausreichenden Entwicklungen mitbestimmt würde.

Dieses

Faktum hat sich als das grundlegende Bindeglied zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa erwiesen.
In der Geschichte des Bündnisses gab es in periodischen Abständen Krisen hinsichtlich der Frage, wie unsere beiderseitige Sicherheit erhöht werden
könne; und es wird davon sicherlich in Zukunft gleichfalls welche geben.
So dürfte es zwischen uns und diesem oder jenem unserer europäischen Verbündeten Meinungsverschiedenheiten darüber geben, wie denn nun genau diese
Bande verkoppelt oder verstärkt werden könnten - aber die entscheidende Prämisse, wonach der Frieden in der westlichen Welt unteilbar ist, wurde zu keiner Zeit in Frage gestellt. Und gleich, welches Waffensystem auch immer
installiert werden mag: Es kann kein Ersatz für diese fundamentale Tatsache
sein.
Aber Europas

�\

s
Aber Europas Bedeutung für uns geht über unsere Sicherhei\sbedürfnu.se
allein hinaus. Wir teilen auch eine Kultur, eine Geschichte unwahrere
Sprachen.

Ideen überqueren den Atlantik in beiden Richtungen so r&gt;v:h, da!.1.

es schwer ist auszumachen, auf welcher Seite ihr Ursprung zu findensvvt.

V

v\

Schließlich gibt es da noch den politischen Aspekt unserer transatlantischen Kultur.

Es mag Variationen in unseren Regierungssystemen geben,

\\

aber die Nationen Westeuropas sind genau wie wir den Grundsätzen liberaldemokratischer Prägung verpflichtet, die die Freiheit und Würde des Einzel-

\s
Sj.

menschen sichern und eine Regierung auf der Grundlage der Zustimmung durch
das Volk garantieren. Wir haben diese Werte von Westeuropa übernommen, und
wir haben zu ihrem überleben und zu ihrer Lebensfähigkeit in einer oftmals
feindlichen Umwelt beigetragen.
Europa und die Europäer hatten - und haben noch immer - einen entscheidenden Einfluß auf unser politisches Denken. Und hier kommen wir auf die
Bedeutung des transatlantischen Dialoges zurück. Obgleich unsere Diplomatie
niemals unsere europäischen Freunde gänzlich zufriedenstellen kann - wie die
ihre auch aus unserer Sicht es nicht tun kann -, so ist der europäische Einfluß auf unsere Außenpolitik doch weit tiefgreifender, als dies gemeinhin
den Eindruck hat. Dies hat insgesamt über die Jahre hinweg zu einer weit
nuancierteren, weit durchdachteren Methodik unsererseits geführt, als dies
je der Fall gewesen wäre, wären wir voll und ganz auf uns allein gestellt
gewesen. Es ist dies ein Einfluß, der sich am wirkungsvollsten hinter verschlossenen Türen bemerkbar machte - beim NATO-Rat, beim jährlichen Gipfeltreffen der sieben Staaten, bei den regelmäßigen Treffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten und europäischen Regierungschefs sowie bei der Vielzahl
von Treffen zwischen amerikanischen und europäischen Regierungsmitgliedern,
die nahezu täglich stattfinden. Es ist dies ein Prozeß, der deshalb funktioniert, weil wir auf der Grundlage gemeinsamer Werte und Ziele, gemeinsamer
Interessen und Hoffnungen sowie gemeinsamer Gefahren und Opfer tätig sind.

Dies ist

�Dies ist ein kostbares Kapitel - eine einzigartige Quelle für die transatlantische Partnerschaft, die Amerikaner wie Europäer zu bewahren suchen
müssen für die kommenden Generationen.

Und da ich der Meinung bin, daß wir

in den achtziger und neunziger Jahren Gefahr laufen, manches von dieser Vertrautheit zu verlieren, so ist jetzt und hier die Zeit gekommen, darauf zu
achten, daß sie bewahrt wird.

Ich sage "jetzt und hier", obwohl das Bündnis

- wie ich schon erwähnt habe - derzeit nicht in einem Zustand der Krise ist.
Ja, das Gegenteil ist wahr:

Wir haben die meisten der schwierigen Fragen

zwischen uns im vergangenen Jahr überlebt, überwunden und gelöst - und das
Klima der Beziehungen ist derzeit herzlich und leistungsfähig.

Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Bündnisses:

Folgerungen für die

Zukunft
Lassen Sie mich deshalb diese Zeit relativer Ruhe im Bündnis dazu verwenden, Ihnen etwas über die Probleme zu sagen, die ich vor uns sehe - Probleme, die an Komplexität und Konsequenzen zunehmen könnten, würde man zulassen, daß sie unbeachtet und unbehandelt blieben.

Vor 30 Jahren sahen die Atlantiker ein geeintes Europa voraus, das
seine jahrhundertealten Widersprüche überwinden würde, um in der Nähe der
Supermächte - wenn nicht gar neben ihnen- eine globale Rolle zu spielen.
Die Bevölkerung Westeuropas insgesamt überstieg die unserige wie die der
Sowjetunion.

Eine wiederaufgebaute industrielle Grundlage würde Garant sei-

ner Prosperität sein; seine Politiker und Intellektuellen würden die Probleme
mit Zuversicht und in dem Geiste angehen, ein neues und vom bisherigen unterschiedlichen Europa aufzubauen.

Die Amerikaner - aufgrund dieses erwachenden

Riesen womöglich etwas wachsam - begrüßten die Prosperität Westeuropas und
die Aussicht auf seine größere Einbeziehung in die Weltpolitik, da wir wußten, daß wir kein Monopol an Weisheit haben, und wir mit den Westeuropäern
die gleichen Werte und Ziele teilten.

Es war viel mehr, was uns verband,

als was uns trennte.
Heute jedoch

�Heute jedoch sehen wir ein Europa, das sich seiner Zukunft nicht mehr
so sicher ist, das unsicher ist hinsichtlich der Klugheit seiner Nachkriegspolitik, das sich auf seine eigenen Probleme konzentriert und daher weniger
bereit ist, auf die Welt als Ganzes zu sehen.

Zudem stellt ein guter Teil

der jüngeren Generation in Europa augenscheinlich in immer größerem Maß den
Nutzen vieler Institutionen und Instrumente in Frage, die für das Atlantische
Bündnis bislang von so grundlegender Bedeutung gewesen sind.
Die Vereinigten Staaten waren für mehr als eine Generation Europäer
ein Land ihrer Träume, ein Land, wo das Unmögliche möglich war.

Das sind

sie für viele auch heute noch. Aber wahrscheinlich gilt auch, daß es ein gehöriges Maß an Desillusionierung und an Bitternis gibt - am deutlichsten unter
den jungen Leuten -, weil weder Amerika im besonderen noch die westlichen Institutionen im allgemeinen in der Lage sind, all diese Hoffnungen und Träume
zu erfüllen.

Und was am unglücklichsten ist:

Manchmal geht diese Desillusio-

nierung über die Jungen hinaus - zu den nicht mehr so jungen Führungspersonen,
die genug Erfahrung haben, um es eigentlich besser zu wissen.
Diese Bitternis und Desillusionierung gibt es - zu einem gewissen Grad auf beiden Seiten des Atlantik. Nur allzu oft geben politische Parteien - die
nicht die Regierung stellen - politische Erklärungen über die Außenpolitik
ab, die in die laufende Debatte die Frage werfen, ob auf dieser oder jener
Seite des Atlantik noch Übereinstimmung herrsche. Mit einigem Trost kann man
jedoch erkennen, daß man - ist man politisch nicht mehr "out", sondern "in" dazu tendiert, sich wieder der Realität anzunähern und die übergreifenden Gebote des Atlantischen Bündnisses erneut zu bekräftigen.
Läßt sich denn auch argumentieren, daß meine Sorgen hinsichtlich der
Einstellung der jungen Europäer und der Unberechenbarkeiten oppositioneller
Politiker aus der Welt zu schaffen sind - da der Alterungsprozeß allgemein
und die Verantwortung der Macht insbesondere dazu tendieren, die Perspektiven
zu verändern -, so ist es weniger einfach, Sorgen zu verdrängen hinsichtlich
dessen, was ich als die sich wandelnden transatlantischen Einstellungen in

- 8 -

�Einstellungen in bezug auf das weltpolitische Geschehen ansehe.

Ich habe oft mit europäischen Freunden über die unterschiedlichen Erfordernisse einer Nation mit globaler Verantwortung gegenüber jenen mit mehr regionalen Anliegen gesprochen.
gemeint.

Dabei ist das Wort "global" gar nicht arrogant

Und es soll auch nicht verleugnet werden, daß mehrere europäische

Staaten noch immer ein Interesse an Weltgegenden haben, die außerhalb ihres
Kontinentes liegen.

Aber allein schon der Umfang an amerikanischen Inter-

essen zwingt uns in ein anderes Maß der Perspektiven und Gebote.

Ich bin

sicher, daß - trotz periodischer Widersprüche (hauptsächlich auf unserer Seite)
und trotz noch häufigerer Krisen der politischen Meinungsverschiedenheit (die
oft der europäischen Seite entstammen) - die Mitglieder des Bündnisses noch
immer hinsichtlich der meisten Fragen von Tragweite zu einem starken Konsens
gelangen können.

Wie der Warschauer Pakt so deutlich zeigt, ist eine Partner-

schaft ohne sichtbare Meinungsunterschiede keine Partnerschaft zwischen Gleichgestellten; und es ist auch keine Partnerschaft, die die dynamischen Qualitäten besitzt, die so nötig sind, um die erforderlichen Anpassungen an die sich
wandelnden Umstände

zu erreichen.

Aber von einem Bündnis, bei dem es Ero-

sion hinsichtlich des Verständnisses über die Gründe für diese Meinungsverschiedenheiten gibt - einschließlich insbesondere Toleranz in bezug auf die
Notwendigkeiten der Geographie und der Verantwortung - kann man nicht erwarten, daß es die Tatkraft von heute auch noch angesichts der Herausforderungen
von morgen beibehält.

Die Europäer bringen oft das Argument - und sie haben dafür Beweise -,
daß die Entspannung in ihrem europäischen Kontext in großem Maße erfolgreich
war.

Und sicherlich sehen auch die Amerikaner deutlich, daß die Spannungen

im Herzen Europas - Berlin ist dabei nur ein Beispiel - beträchtlich abgenommen haben.

Wir können auch nicht einfach die europäischen Anstrengungen

ignorieren, die wirtschaftliche, politische und kulturelle Teilung Europas
zu überbrücken, und wie entscheidend diese Anstrengungen aus europäischer
Sicht für die langfristige Überlegung hinsichtlich der Sicherheit Westeuropas
sind.
Aber diese
_ 9-

�Aber diese Überlegungen sind nur einige der Elemente der amerikanischen
Gesamtpolitik - und müssen dies sein. Wir sehen die Ost-West-Rivalitä't in
einem breiteren Zusammenhang.

Selbst eine nur flüchtige Analyse der jüngsten

Ereignisse in Afghanistan, im Nahen Osten, im südlichen Afrika oder in Lateinamerika zeigt uns, daß die Entspannung in Bereichen außerhalb Europas kein Erfolg war. Aus unserer Sicht hat die Rolle der Sowjets in diesen Gebieten um es milde auszudrücken - nicht zur Entspannung beigetragen.
Aus den zahlreichen Gesprächen,die ich mit Europäern geführt habe und
bei denen es um unsere jeweiligen Ansichten bezüglich der Sowjetunion und um
unsere Beziehungen zu ihr ging, habe ich ersehen, daß sie die Natur des
sowjetischen Systems keineswegs ignorieren und auch nicht ignorieren wollen.
Allerdings gibt es häufig einen beträchtlichen Unterschied hinsichtlich der
Bewertung der sowjetischen Bedrohung.

Im Bündnis gibt es eine grundsätzliche

Übereinstimmung in bezug auf die Vermeidung eines Krieges; es gibt aber auch
verschiedene und unterschiedliche Stimmen innerhalb der europäischen Mitgliedsstaaten darüber, wie man das Niveau der Spannungen verringern sollte.

Diese

Meinungsunterschiede können entweder zu einer Polarisierung unserer Positionen
führen, oder sie können ein Beispiel dafür sein, wie Unterschiede im Bündnis
im Rahmen einer einheitlichen Politik ausgeglichen werden können.

Wenn sie

dem letzteren Ziel dienen sollen, dann ist es sowohl für die Europäer als auch
für die Amerikaner notwendig, sich darüber im klaren zu sein, daß es legitime
Gründe der Geographie und der Verantwortlichkeit gibt, die häufig nuancierte
Unterschiede in der Haltung gegenüber denselben generellen Zielen erforderlich machen.
Andere Arten transatlantischer Meinungsverschiedenheiten hinterlassen
leider verletztere Gefühle und zeigen vielleicht das Maß auf, in dem wir und
unsere europäischen Verbündeten begonnen haben, in grundlegenden Fragen zu
divergieren.

Vor zwei Jahren stellte das britische Bemühen, die Falkland-

Inseln wiederzuerlangen, die Vereinigten Staaten vor eine schwierigere Entscheidung als die meisten Europäer es - auch.heute noch - wahrhaben wollten.
doch haben wir unsere Entscheidung damals getroffen.

Und

Vor einigen Monaten hatte

ich Veranlassung, an diese Entscheidung zu denken, als wir nämlich die Erfah- 10 -

�die Erfahrung machen mußten - und zwar mit tiefem Bedauern -,

daß unsere

europäischen Freunde bei der Landung unserer Marineinfanteristen auf Grenada
schnell und öffentlicht bei der Hand waren, diese Aktion zu verurteilen.

Daß

die Europäer die Befreiung Grenadas mit weniger Enthusiasmus sehen als Amerikaner oder Grenadier, liegt - das räume ich ein - völlig im normalen und akzeptablen Bereich der Meinungsunterschiede innerhalb des Bündnisses.

Aber

wo war zu diesem Zeitpunkt die Solidarität des Bündnisses, die uns ein Jahr
zuvor noch so viel bedeutet hatte?

Wo war die Erkenntnis, daß die Vereinig-

ten Staaten vielleicht gerechtfertigt handelten, als sie das schützten, was
ihrer Meinung nach ihre nationalen Interessen waren?

Hätten unsere Freunde

nicht zumindest mit ihrem Urteil warten können, bis die sich abzeichnende Situation klarer wurde?
Im Falle Grenadas handelten wir in Übereinstimmung mit karibischen Ländern, die die Bedrohung ihrer eigenen Sicherheit durch das Regime auf Grenada
erkannten.

Die Vereinigten Staaten sind sich seit dem Ende des Zweiten Welt-

krieges in wachsendem Maße des Fluches aller Großmächte - Unilateralismus bewußt geworden und haben sich bemüht, dieser Versuchung zu widerstehen.

Wir

haben schon vor langer Zeit herausgefunden, daß eine sehr feine Linie besteht
zwischen Unilateralismus einerseits und Führung andererseits, und waren überaus bestrebt, das eine zu vermeiden und das andere uns zu eigen zu machen.
Aber es wird zunehmend schwieriger, diese Unterscheidung zu wahren, wenn unsere wichtigsten Freunde und Verbündeten nicht anerkennen, daß die Breite
unserer Interessen uns manchmal zu einer anderen Beurteilung von Bedrohungen
für diese Interessen führt, als dies bei anderen der Fall ist.
Der Ministerpräsident der jüngsten Demokratie Europas, Felipe Gonzalez
aus Spanien, hat kürzlich ein anderes, hiermit im Zusammenhang stehendes Problem angesprochen, das einige Amerikaner in letzter Zeit bekümmert hat.
"Manchmal", so sagte er, "haben wir Spanier das Gefühl, daß wir mehr auf das
Schicksal Europas vertrauen als andere Länder, die bereits in die europäischen
Institutionen integriert sind.

Tatsache ist", so fügte er hinzu, "daß Europa

zu einem großen Ausmaß von seinen eigenen Problemen besessen ist.

- 11 -

Das muß

�Das muß einfach überwunden werden."
Die Gefahr dieser wachsenden Tendenz, nach innen zu schauen, ist, daß
dies unter Umständen die potentiellen negativen Konsequenzen verstärkt, die
sich aus den sich wandelnden transatlantischen Vorstellungen von der Welt ergeben können, welche ich zuvor beschrieben habe. Es ist schwierig genug, jeder
dieser Tendenzen für sich allein entgegenzuwirken.

Wenn sie sich jedoch ver-

einen und sich gegenseitig verschärfen, dann könnten sie sich schon als ein
teufliches Gebräu erweisen.
Daß Europa von seinen internen Sorgen so sehr in Anspruch genommen wird,
ist in großem Maße eine Folge der gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse
in Europa.

Das wird hoffentlich wieder besser, wenn die Prosperität zurück-

kehrt. Aber die Tendenz, die Schuld für die Rezession weitgehend den Vereinigten Staaten und unseren hohen Zinssätzen anzulasten, bildet eine andere Art
von Problem.

Was in diesem transatlantischen Dialog über Wirtschaftsfragen

vermieden werden muß, ist eine zu leichte Zufluchtnahme zu dem "Gebt Amerika
zuerst die Schuld"-Syndrom.

Denn wenn man das tut, dann verschleiert man die

fundamentaleren Mängel, die dem wirtschaftlichen Wideraufschwung im Wege stehen.

Letztlich müssen die Europäer, die über ein größeres Bruttosozialprodukt

verfügen als die Vereinigten Staaten, sich dann fragen, ob es wirklich wahr
sein kann, daß ihr wirtschaftlicher Wiederaufschwung hauptsächlich vom Leitzins in den Vereinigten Staaten abhängt.

Wir brauchen ein "klügeres" Verhältnis
Ich habe diese Probleme angeführt, weil ich zutiefst der Überzeugung bin,
daß unter Freunden über sie gesprochen werden muß, solange sie noch lösbare
Probleme sind.

Ich bin nicht der Meinung, daß sie eine grundsätzliche Kluft

zwischen den beiden Seiten des Atlantik aufzeigen, noch glaube ich, daß sie
unüberwindbar sind.

Gerade die Art und Weise, wie wir unsere Meinungsverschie-

denheiten über Sanktionen gegen die (sowjetische) Erdgasleitung hinter uns

- 12 -

�hinter uns gebracht haben, beweist das Gegenteil.

Ich habe sie nur genannt,

weil ich befürchte, daß diese Trends, wenn wir nichts gegen sie tun - zusammen mit unserer eigenen immer stärkeren Beschäftigung mit unseren Angelegenheiten in anderen Teilen der Welt, sei es in Mittelamerika, im Pazifik oder
im Nahen Osten, um nur einige zu nennen-,mit der Zeit die Bedeutung des transatlantischen Verhältnisses schwächen könnten.

Und das wäre eine Tragödie,

denn ein starkes Bündnis ist heute - und für die nächsten Jahrzehnte - der
Eckpfeiler unserer eigenen Sicherheit und Stabilität und der des Westens.

Es ist also jetzt der geeignete Augenblick für uns alle - Europäer und
Amerikaner -,uns neu zu überlegen, wohin wir zusammen gehen sollten und wie
wir dort ankommen sollten.

Vielleicht sollten wir, wie kürzlich im Wall

Street Journal zu lesen war, auf die traditionellen Alternativen zwischen
weniger oder mehr Engagement verzichten und uns stattdessen
res" (smarteres) Engagement konzentrieren.

auf ein "klüge-

Die beiden Säulen eines "klügeren"

Verhältnisses sind nach meiner Meinung:

- verstärkte Achtung der Meinungsverschiedenheiten in unserem Bündnis,
und

- eine koordiniertere Behandlung - insgesamt - aller politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragen mit unseren europäischen
Verbündeten.

Ich bin der erste, der zugibt, daß ich keine Zauberformel für die Auflösung der Belastungen habe, die in den nächsten Jahrzehnten sicherlich auf
uns zukommen werden.

Ich bin jedoch der Überzeugung, daß der Beginn des

Dialogs der Schlüssel dafür ist, daß schließlich Antworten gefunden werden.
Die Tagesordnung muß weit gesteckt sein; der Institutionen, in denen sie behandelt werden kann, gibt es viele.

Und wenn man mich bitten würde, einige

der Themen zu nennen, über die man sprechen sollte, dann würde ich sagen:

Erstens, wie

- 13 -

�Erstens, wie können wir die transatlantische Zusammenarbeit in der Entwicklung der Hochtechnologie fördern? So schmerzlich und kostspielig es auch
sein mag, wir müssen erkennen, daß, falls ein Teil unseres Bündnisses auf diesem Gebiet längere Zeit ernsthaft hinter einem anderen Teil herhinkt dies die
Gesamtleistungsfähigkeit ernsthaft schwächt.
Zweitens, es ist wichtig, daß wir jetzt zu einer Ausweitung der Beschaffungspolitik des Bündnisses kommen.

Die Vereinigten Staaten - und vor allem

der Kongreß - haben ihre Verbündeten schon zu lange gedrängt, mehr von den
Lasten der gemeinsamen Verteidigung zu übernehmen, ohne dabei gleichzeitig
einzusehen, daß die europäische Industrie - wenn dies geschehen soll - voll
an der Herstellung von Verteidigungsgerät beteiligt sein muß.
Drittens, wie kann die Industriewelt wirksamer mit den großen, dringenden und bisher nicht zu bewältigenden Fragen der Entwicklung in der Dritten
Welt fertig werden?
Viertens, wie können wir die zunehmenden Forderungen nach Protektionismus
auf beiden Seiten des Atlantik und in Japan überwinden? Um es konstruktiver
auszudrücken, wie können die großen Handelsnationen der Welt die Schranken
gegen einen freieren Handel zwischen uns abbauen?
Dies sind nur einige wenige der vielen Fragen, an die wir gemeinsam herangehen sollten. Aber wie auch immer unsere Tagesordnung aussehen mag, so
muß ihr Ziel und Zweck darin bestehen, beide Seiten der Partnerschaft zusammenzubringen, um die Probleme zu lösen; Trends umzukehren, die, wenn man ihnen nicht begegnet, uns auseinanderreißen werden; und - im letzten Sinne beide Seiten des Atlantik zu einer größeren Gleichheit der Anstrengungen, Erwartungen und Stärke zu bewegen. Um noch einmal das Wall Street Journal zu
zitieren: "Eine echte Supermacht braucht keinen hegemonistischen Einfluß auf
eine Ansammlung von Satellitenstaaten, sondern ein echtes Bündnis mit anderen
großen Nationen."
Die Größe
- 14 -

�Die Größe ist auf beiden Seiten des Atlantik vorhanden. Unsere Aufgabe ist es, die Mittel und Wege zu finden, um sie zum Gedeihen zu bringen,

+ + + + +

- 15 -

�14. März 1984

11

EL SALVADOR UND NICARAGUA: UNTERSCHIEDLICHE EINSTELLUNG ZUR WAHL

SAN SALVADOR - (AD) - Wer heute von der nicaraguanischen Hauptstadt
Managua nach San Salvador kommt, ist erstaunt über den Unterschied, mit dem
die Wahlen in beiden Ländern vorbereitet werden.

Während die Sandinisten sich

offensichtlich bemühen, möglichst wenig aus den Wahlen in Nicaragua zu machen,
wird in El Salvador alles daran gesetzt, um eine Beteiligung möglichst aller
Bürger herbeizuführen.

Armando Rodriguez Eguizabal, der Präsident des fünf-

köpfigen Zentralen Wahlrates, betont, daß die Parteiinteressen hintangestellt
werden, denn die Wahlen "sind eine Frage von nationalem Interesse".
Die Wahlen in Nicaragua am 25. März 1984 werden nicht nur nach amerikanischer Ansicht der dortigen Regierung eine stärkere demokratische Grundlage
geben und der Kritik im amerikanischen Kongreß und in Teilen der amerikanischen
Öffentlichkeit die Grundlage entziehen.

Im amerikanischen Außenministerium

wird darauf hingewiesen, daß der neue Präsident der erste freigewählte Präsident in 50 Jahren sein werde.

Damit könne auch ein Reformprogramm durchgeführt

und eine Versöhnung mit der Guerilla angestrebt werden.
Der Zentrale

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der Zentrale Wahlrat, der aus Vertretern der fünf in der Nationalversammlung vertretenen Parteien besteht, arbeitet mit rund 800 Angestellten
und über 150 Computerterminals fieberhaft an der Erstellung einer kompletten
Wählerliste.

Das Gerät wurde mit Hilfe eines nichtrückzahlbaren Kredites

des amerikanischen Amtes für Internationale Entwicklung (AID) in den Vereinigten Staaten gekauft.

Bisher wurden rund 14 Millionen Dokumente - Geburts-

und Sterbeurkunden - auf Mikrofilm aufgenommen.

Damit läßt sich die Gültig-

keit der für den Wahl gang erforderlichen Personalausweise - Cedulas - sofort
kontrollieren.
Der von der Nationalversammlung eingesetzte Zentrale Wahl rat - unter
der Leitung von Rodriguez, der der Nationalen Koalitionspartei angehört ist völlig unabhängig,und seine Arbeit steht jedermann zur Einsicht frei.
Täglich kommen Hunderte von Personen, um die Gültigkeit ihres Personalausweises überprüfen und sich, wenn notwendig, einen neuen ausstellen zu lassen.
Im Gegensatz zu Nicaragua, wo ein Staatsrat, der von einer überwältigenden Mehrheit der Sandinisten beherrscht wird, offensichtlich alles daransetzt, die Guerilla von den Wahlen am 4. November auszuschließen, wird in
El Salvador alles versucht, alle Bürger an die Wahlurne zu bringen.

"Ich

bin erst kürzlich mit einem Vertreter der Guerilla in Kolumbien zusammengetroffen", berichtet Rodriguez, "und habe sie zur Teilnahme aufgefordert".
Die Antwort?

"Die beste Antwort, die ich bekam, war die, daß sie sich nicht

in die Wahlen einmischen werden.

Ich hoffe, sie halten ihr Wort."

Die Regierung in El Salvador hat immer wieder versucht, die Guerilla
zu einer Aufgabe des Kampfes und einer Integration in den demokratischen Prozeß zu bewegen. Der provisorische Präsident Alvaro Magana hat diese Absicht
erst in einem Interview am 22. Februar wieder bekräftigt.
Noch immer versucht der Zentrale Wahlrat die Tür für die Guerilla offen
zu halten, obwohl der Wahltermin rasch näher rückt.
Gesetzesänderung vorschlagen.

"Ich würde sogar eine

Ich würde versuchen, einen Weg zu finden", so

- 2 -

�finden", so betont Rodriguez. Nach seiner Auskunft hat der Rat zu den Wahlen Beobachter aus 55 Ländern, der Organisation der Amerikanischen Staaten,
der Vereinten Nationen, von Amnesty International und anderen internationalen Organisationen eingeladen.
"Wichtig ist", so erklärte Rodriguez, "daß nach einer Umfrage in jüngster
Zeit 95 Prozent der Wahlberechtigten den Wunsch geäußert haben, am 25. März
zu wählen. Wir dürfen sie nicht enttäuschen."

Es wird etwa 7000 Wahllokale

im ganzen Lande geben -• doppelt so viel wie 1982. Damit dürfte die Wahl
rascher über die Bühne gehen,und es wird keine langen Schlangen vor den Wahllokalen mehr geben. Die Auszählung erfolgt durch drei Wahlleiter in Gegenwart der Vertreter der politischen Parteien, und es werden mehrere Kopien des
Wahlergebnisses gemacht.

Das Original wird an den Zentralen Wahl rat in San

Salvador, Durchschläge an die KreisVerwaltungen und die Parteien gesandt.
Es könnte auch Versuche der Guerilla geben, die Wahlen zu stören, obwohl sie das Gegenteil zugesagt hat. Präsident Magana erklärte jedoch, daß
die Regierung in der Lage sei, die Sicherheit der Wähler zu garantieren.

In

diesem Zusammenhang hat die Reagan-Administration in Washington betont, daß
El Salvador zusätzliche Militärhilfe brauche, um die Armee in die Lage zu
versetzen, einen echten Schutzschild für die Wähler zu gewähren.
Während in El Salvador trotz eines Belagerungszustandes wegen der
Guerilla zahlreiche Partei Versammlungen und Kundgebungen stattfanden, war
in Nicaragua trotz der Versprechungen der Sandinisten davon nichts zu spüren.

Obwohl die Wahlen nur noch acht Monate entfernt sind, haben die San-

dinisten nicht einmal ein Wahlgesetz ausgearbeitet.

Offensichtlich soll die

Zeit eines möglichen Wahlkampfes möglichst kurz bemessen werden, um der
Opposition keine Chance zu geben, sich zu profilieren.
Oppositionspolitiker und westliche Diplomaten in Managua glauben, daß
die Sandinisten eine Wahl mit sicherem Ausgang - ihrer Bestätigung - zu inszenieren versuchen, während man in El Salvador dem Willen der Wähler freien
Lauf geben will.
+ + + + +
- 3 -

�Wi//en/chcift
und Technik

i

United States Information Service
Embassy of the United States of America

11

14. März 1984

LEISTUNGSFÄHIGERE MIKROCHIPS

- (AD) - Die herkömmlichen Speicherchips für Computer enthalten "nur"
64 000 Informationseinheiten.

Diese Kapazität ließe sich mit verbesserten

Produktionsverfahren für RAM-Chips schließlich auf eine Million Bits steigern,
meinen Fachleute der Mikroelektronik.

Der Wettlauf zwischen Hochtechnologie-

Ländern ist bereits in vollem Gang, allerdings dürfte das Traumziel von
1 000 000 Bits noch in weiter Ferne liegen.

Zur Zeit wird nach wirtschaft-

lichen Verfahren gesucht, mit denen die Schaltzellendichte auf gleicher
Fläche auf mindestens 256 000, vielleicht auch auf 512 000 Bits erhöht werden kann.

(RAM ist die Abkürzung von "random access memory - frei programmier-

barer Schreib- und Lesespeicher.)
Wie die "National Science Foundation" (NSF), die Nationale Forschungsstiftung der Vereinigten Staaten, kürzlich mitteilte, konnten Wissenschaftlergruppen von der Universität Utah in Salt Lake City und der Firma IBM in
San Jose, Kalifornien, durch die Kombination einer neuen Belichtungstechnik
mit einem in seiner Zusammensetzung entsprechend veränderten lichtempfindlichen Lack auf der Siliziumscheibe einen Weg zur Herstellung leistungsfähiger
Chips ohne nennenswerte Steigerung der Produktionskosten aufzeigen.
Das Grundmaterial

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Das Grundmaterial für Chips sind Scheiben von Silizium-Einkristallen.
Diese Scheiben werden mit einer dünnen lichtempfindlichen Lackschicht
(Polymer-Material) überzogen.

Von den vorgezeichneten Leiterbahnen, einer

komplizierten Straßenkarte ähnlich, fertigt man Fotomasken an, deren Abbild
sich durch optische Verfahren auf die lichtempfindliche Schicht übertragen
läßt.

Beim Entwickeln werden bestimmte Partien herausgeätzt, so daß sich,

wie Dr. Josef Michl von der Universität Utah sagt, "eine ganz flache Oberfläche in eine reliefartige Oberfläche verwandelt.

Das 'Netzwerk' von Tä-

lern und Höhen wird letztlich von der im Silizium enthaltenenen Struktur bestimmt."

In den freiliegenden Regionen kann das Silizium durch Behandlungs-

prozesse, z.B. Dotierung mit Fremdatomen oder Oxydation, in seinen elektrischen
Eigenschaften verändert werden.

Die Scheiben werden schließlich zu Chips ge-

schnitten, die nach ihrer Funktionsprüfung einsatzbereit sind.
Mehr Informationen ließen sich nach Überzeugung Michls in die Chips
packen, wenn die Reliefelemente kleiner gehalten werden könnten.

Und da

die Chip-Herstellung hauptsächlich mit optischen Projektionsverfahren erfolgt, ist die Wellenlänge des zur Belichtung verwendeten Lichtes eines der
Kriterien, die die kleinsten noch druckfähigen Dimensionen der Struktur bestimmen.

Gegenwärtig geschieht die Belichtung hauptsächlich durch Licht aus

dem Spektralbereich des sichtbaren Lichtes.

Theoretisch wäre aber bei Ver-

wendung von Licht aus dem mittleren Ultraviolett-Bereich eine bessere Auflösung zu erreichen.
Die derzeit größte technische Schwierigkeit ergibt sich aus der Tatsache, daß die meisten kommerziell verfügbaren Lacke den besten Wirkungsgrad bei Belichtung im sichtbaren Licht erreichen und unter Einwirkung von
Licht kürzerer Wellenlängen unempfindlicher sind.

Um maximale Empfindlich-

keit herauszuholen, muß das Material in seinen spektralen Eigenschaften auf
die Wellenlänge zugeschnitten sein, die man anwenden will.
Mit Hilfe quantenmechanischer Berechnungen gelang es Dr. Michl und
Dr. John W. Downing, beide theoretische Chemiker an der Universität Utah,

- 2 -

�Universität Utah die Auswirkungen von Strukturveranderungen des lichtabsor
s e n d e n Moleküls 1. Lackstoff auf sein Absorptionsspekt um vo h

= -;.

**. -en. ^ *^si rsr r-

y theseverfa ren zur Herstellung der Schlüsselkomponenten, die s
w1hen als vielversprechend in zwei „ eU en lichtempfindlichen Lacken r I n
erw1e
'Ein Beispiel dafür, wie theoretische Vorhersaoer „i„ &lt;: • ,.
«n.
bringen können«, »eint Dr. Mich! »Da
Synt e S e p r o g r a m r a ,„ Gang
uas spart
.,
. J
ungemein viel Zeit und Mühe
ei »an Ja andernfalls Dutzende von Verbindungen synthetisieren müßte, M s
endlich ein annehmbarer Kandidat gefunden ist."
Dr. Hichl zufolge lassen sich mit den modifizierten Fotolacken Drucke
in leinenen Abmessungen bei geringerer Belichtungszeit herstellen Dies
sol te die Produktion von mikrochips ermöglichen, in die unter Weiterverwendung der vorhandenen lithographischen DruckausrUstungen eine sehr viel
größere Dichte an Informationseinheiten verpackt „erden könnte. Die Forschung befaßt sich bereits mit der Frage, wie Licht noch kürzerer wellenlangen, u.a. Röntgenstrahlen, mit geeigneten Lackmaterialien zu kombinieren
wäre.

+ + + + +

-3

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan: USA bleiben den NATO-Zielen weiterhin verpflichtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum 35. Jahrestag der NATO -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: Abzug amerikanischer Truppen würden freie Welt ernsthaft schwächen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einem EURONET-Fernsehinterview -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das transatlantische Verhältnis - Eine langfristige Perspektive&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Lawrence Eagleburger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;El Salvador und Nicaragua: Unterschiedliche Einstellung zur Wahl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leistungsfähigere Mikrochips</text>
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