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                  <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
15. Februar 1984
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan fordert Neubeginn im amerikanisch-sowjetischen Verhältnis
- Rundfunkansprache des Präsidenten nach dem Tode Andropows Erklärung des Weißen Hauses zum Tode Andropows
Vizepräsident Bush zur Lage des Atlantischen Bündnisses
- Redetext für die Wehrkundetagung in München -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Wahlen in Amerika 1984
- Politische Willensbildung durch Vorwahl und Versammlung

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Astronauten im freien Flug
- CHALLENGER-Mission leitet neue Phase der Raumfahrt ein
NASA-Studie für 1985: Fast 7,5 Milliarden Dollar
- Vorstudien für die bemannte Raumstation -

BERICHTIGUNG

Um Über/enduno, von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

T

&amp;-- 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�15. Februar 1984

REAGAN FORDERT NEUBEGINN IM AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN VERHÄLTNIS
- Rundfunkansprache des Präsidenten nach dem Tode Andropows -

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Präsident Ronald Reagan erklärte
in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache am 11. Februar 1984 in Santa Barbara
in bezug auf den Tod des sowjetischen Staats- und Parteichefs Juri Andropow,
"wir könnten die Grundlage für ein starkes gegenseitiges Verständnis und für
konstruktive Zusammenarbeit schaffen, und es gibt für eine solche Anstrengung
in gutem Glauben keinen besseren Zeitpunkt als jetzt."
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Ich möchte zu Ihnen über ein Thema

sprechen, das uns Amerikaner stets beschäftigt, das aber heute angesichts des
Todes des sowjetischen Staats- und Parteichefs Juri Andropow von besonderer
Bedeutung ist:

unsere Beziehungen zur Sowjetunion.

Veränderungen in der Führung hat es in der Sowjetunion nicht oft gegeben. Juri Andropow war in den 66 Jahren seit der russischen Revolution erst
der sechste Mann an der Spitze der Kommunistischen Partei. In den letzten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�In den letzten Monaten war er völlig den Blicken der Öffentlichkeit entzogen, so daß sein Tod für die Welt keine Überraschung war. Dennoch läßt die
Bedeutung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen sein Ableben zu einem
Ereignis werden, an dem erneut über die Richtung nachgedacht werden sollte,
m die diese Beziehungen gehen.

Die Veränderungen in Moskau sind eine Gelegenheit für beide Nationen,
den derzeitigen Zustand unserer Beziehungen genau zu überprüfen und über die
Zukunft nachzudenken. Wir wissen, daß unsere Beziehungen nicht so sind,
wie sie sein sollten. Wir haben weder aus unserer Haltung, noch aus den
Gründen dafür, ein Hehl gemacht. Was beide Seiten jetzt tun sollten.ist,
sich hinzusetzen und Wege zu finden, um einige der Probleme zu lösen, die
uns trennen.

Während ich Andropows Familie und der sowjetischen Regierung gegenüber mein Beileid zum Ausdruck brachte, betonte ich erneut Amerikas Wunsch
nach echter Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern. Gemeinsam können wir dazu beitragen, die Welt zu einem besseren und friedlicheren Ort zu
machen. Dies war auch meine Botschaft an das sowjetische Volk in meiner
Rede im vorigen Monat, in der ich auf die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen einging. In dieser Rede - ebenso wie in meiner vertraulichen Korrespondenz mit dem verstorbenen Vorsitzenden Andropow - unterstrich ich unsere
Verpflichtung zu einem ernsten und intensiven Dialog mit der Sowjetunion,
der darauf abzielen sollte, eine konstruktivere amerikanisch-sowjetische
Beziehung aufzubauen.

Es bleibt dies eine feste Verpflichtung, und Vizepräsident Bush wird
unsere Delegation nach Moskau zu Andropows Begräbnis anführen. Er wird begleitet vom Fraktionsführer der Mehrheit im Senat, Howard Baker, und unserem
Botschafter in Moskau, Arthur Hartman. Ich hoffe, daß sich für den Vizepräsidenten die Gelegenheit ergeben wird, mit dem neuen Generalsekretär zusammenzutreffen. Beim Eintritt in die Diskussion mit der sowjetischen Führung sind
wir uns der grundlegenden Unterschiede hinsichtlich unserer Werte und unserer

�t
*

und unserer Sicht in vielen internationalen Fragen bewußt. Wir müssen realistisch sein und dürfen nicht erwarten, daß diese Unterschiede weggezaubert
werden könnten. Aber Realismus sollte uns auch daran erinnern, daß unsere
beiden Völker gemeinsame Bande und Interessen teilen. Wir sind beide relativ
junge Nationen mit reichen ethnischen Traditionen und einer Pionier-Philosophie. Wir haben beide das schreckliche Trauma des Krieges erlebt. Wir
haben Seite an Seite bis zum Sieg über Nazi-Deutschland gekämpft. Und unsere
Söhne und Töchter haben nie gegeneinander gekämpft - auch wenn unsere Regierungen sehr unterschiedliche Ansichten haben. Wir müssen sicherstellen, daß
dies auch niemals geschieht.
Die Verhütung eines Krieges und die Verringerung der Waffen ist ein Ausgangspunkt für unser Verhältnis zur Sowjetunion.
Aber wir streben noch mehr an. Mit gutem Glauben auf beiden Seiten
sollte es meiner Meinung nach möglich sein, daß die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion damit beginnen könnten, über das Mißtrauen und die Abneigung
hinauszuwachsen, die unsere Beziehungen überschatten. Wir könnten die Grundlage für ein stärkeres gegenseitiges Verständnis und für konstruktive Zusammenarbeit schaffen, und es gibt für eine solche Anstrengung in gutem Glauben
keinen besseren Zeitpunkt als jetzt.
In dieser Zeit des Übergangs in der Sowjetunion sollten unsere beiden
Nationen in die Zukunft blicken. Wir sollten Möglichkeiten der Zusammenarbeit finden, um der Herausforderung, den Frieden zu bewahren, gerecht zu
werden. Unser Leben in diesem Atomzeitalter macht es zur Pflicht, daß wir
miteinander sprechen, unsere Meinungsverschiedenheiten erörtern und Lösungen
für die vielen Probleme suchen, die uns trennen.
Amerika ist dazu bereit. Wir würden Verhandlungen begrüßen. Und ich
wiederhole heute, was ich schon zuvor gesagt habe. Wir sind bereit, den
Sowjets bei der Suche nach beiderseitig annehmbaren Abkommen auf halbem Wege
entgegenzukommen. Ich hoffe, daß die Führung der Sowjetunion mit uns im
- 3 -

�uns im gleichen Geist zusammenarbeiten wird.

Ich lade sie dazu ein, die Ge-

legenheit zu ergreifen, die sich aus den Umständen ergibt, um ein stabileres
und konstruktiveres Verhältnis zu schaffen.

Wenn die sowjetische Regierung

Frieden möchte, dann wird es Frieden geben.
In den vergangenen Tagen wurden Millionen Menschen in der Sowjetunion,
in den Vereinigten Staaten und in allen anderen Ländern dieser Welt durch ein
großartiges Ereignis, die Olympischen Winterspiele, zusammengeführt.

Der

Wettkampf wird hart geführt,und wir setzen uns für die Männer und Frauen unserer jeweiligen Mannschaften ein.

Aber wir können - und sollten - die Siege

aller Athleten feiern, die sich im echten Geist der Sportlichkeit auseinandersetzen und die alle ihr Bestes geben.
Und wenn dann alle Veranstaltungen vorüber sind und unsere Mannschaften
in Freundschaft aufeinander zugehen, dann erinnern wir uns sicher daran, daß
wir eigentlich eine einzige Familie von Nationen sein sollten.
Wir, die wir an der Spitze von Regierungen stehen, sind dazu verpflichtet, uns ebenso stark um Zusammenarbeit zu bemühen, wie dies umgekehrt auch
unsere Athleten tun, die sich um den höchsten Lohn all der Anstrengungen ihres
Lebens bemühen. Wenn die sowjetische Regierung sich uns in diesem Geist anschließen würde, könnten wir gemeinsam eine sicherere und weit bessere Welt
für die Menschenfamilie schaffen - nicht nur für heute, sondern für viele kommende Generationen.

+ + + + +

- 4 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. Februar 1984

ERKLÄRUNG DES WEISSEN HAUSES ZUM TOD ANDROPOWS

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat anläßlich des Todes
des sowjetischen Staats- und Parteichefs Juri Andropow

seinen Wunsch nach

"Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern in der Suche nach einer friedlicheren
Welt" bekräftigt.

In einer am 10. Februar 1984 herausgegebenen Erklärung

des Sprechers des Weißen Hauses, Larry Speakes, heißt es, das amerikanische
und da.s sowjetische Volk hätten ein gemeinsames Interesse an der Verhinderung eines Krieges sowie an der Verminderung der Rüstungen.
Auch Außenminister Shultz unterstrich in einer Erklärung, daß die Vereinigten Staaten sich um einen konstruktiven und realistischen Dialog mit der
Sowjetunion bemühten.
Die Erklärung des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:
Der Präsident hat anläßlich des Todes von Staats- und Parteichef Andropow
ein Beileidstelegramm an den amtierenden sowjetischen Staatschef Kusnetzow
gesandt.

In dieser Botschaft bekräftigte der Präsident gegenüber dem sowje-

tischen Volk und der sowjetischen Regierung seinen Wunsch nach Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern in der Suche nach einer friedlicheren Welt.
Wie der

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�Wie der Präsident in seiner Ansprache vom 16. Januar nachdrücklich
unterstrichen hat, haben sich die Vereinigten Staaten - und sie werden es
weiterhin tun - um einen konstruktiven und realistischen Dialog mit der
Sowjetunion bemüht, der darauf abzielt, ein produktiveres und stabileres
Verhältnis zu schaffen.

Unser Ziel ist nicht der Dialog um seiner selbst

willen, sondern ein Dialog, der echte Lösungen für die zahlreichen, uns trennenden Probleme hervorbringt.
Ohne Frage gibt es fundamentale Unterschiede zwischen dem amerikanischen
und dem sowjetischen System und unseren entsprechenden politischen Überzeugungen.

Aber das amerikanische Volk und das sowjetische Volk haben ein gemein-

sames Interesse an der Verhinderung eines Krieges und der Verminderung der
Rüstungen.

Diese Notwendigkeit der Wahrung und Stärkung des Friedens ist

Kernstück der amerikanischen Politik.
Die Politik des Präsidenten gegenüber der Sowjetunion will Fortschritte
auf drei weitgefaßten Gebieten erreichen:

die Entwicklung von Mitteln und

Wegen, um die Anwendung und Androhung von Gewalt in den internationalen Beziehungen zu beseitigen; eine bedeutsame Reduzierung der gewaltigen Rüstungsvorräte in der Welt, insbesondere der Nuklearwaffen, und die Schaffung eines
besseren Arbeitsverhältnisses mit Moskau, das durch eine größere Zusammenarbeit und eine bessere Verständigung gekennzeichnet ist und sich auf gegenseitige Zurückhaltung und Achtung stützt.
In dieser Zeit des üoerganges in der Sowjetunion sollten unsere beiden
Nationen in die Zukunft schauen, um Mittel und Wege zur Realisierung dieser
Ziele zu finden.

Im Atomzeitalter gibt es keine Alternative zum Dialog.

Die Vereinigten Staaten hoffen, daß die sowjetische Führung mit uns in
diesem Geist zusammenarbeiten und die sich bietenden Möglichkeiten nutzen
wird, um gemeinsame Grundlagen zu finden und ein beiderseitig nützliches Verhältnis zu schaffen.

+ + +

_

2

-

Die Erklärung

�Die Erklärung von Außenminister Shultz hat folgenden Wortlaut:
Der Präsident hat der sowjetischen Führung zum Tode von Staats- und
Parteichef Andropow sein persönliches Beileid ausgesprochen, und ich habe
eine entsprechende Botschaft an Außenminister Gromyko gesandt.
Lassen Sie mich in dieser Zeit des Überganges in Moskau das Grundprinzip unserer Politik gegenüber der Sowjetunion bekräftigen.

Wir sind weiter-

hin zu einem konstruktiven und realistischen Dialog mit der Sowjetunion bereit.

In diesem Atomzeitalter werden die Vereinigten Staaten daran arbeiten,

ein stabileres und positiveres Verhältnis zu schaffen.
Wie der Präsident betont hat, suchen wir nach Lösungen für die wahren
Probleme, nicht nur nach einer Verbesserung der Atmosphäre unserer Beziehungen.

Dies trifft insbesondere auf die Aufgabe zu, gerechte und verifizier-

bare Abkommen für eine Rüstungsverminderung und eine Verringerung der Kriegsgefahr zu erreichen.
Der Präsident hat gegenüber dem sowjetischen Volk und der sowjetischen
Regierung seinen Wunsch nach einer konstruktiven Zusammenarbeit bei der Suche
nach Frieden deutlich gemacht.

Wir fordern die sowjetische Führung auf, mit

uns auf dieses Ziel hin zusammenzuarbeiten.

Die Chancen sind gegeben. Lassen

Sie uns die gemeinsamen Grundlagen finden und die Welt zu einem sichereren
Ort machen.

- 3 -

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J 1 1 kl

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. Februar 1984

VIZEPRÄSIDENT BUSH ZUR LAGE DES ATLANTISCHEN BÜNDNISSES
- Redetext für die Wehrkundetagung in München MÜNCHEN - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush hat für
die Tagung der Gesellschaft für Wehrkunde in München für den 11.
Februar 1984 eine Rede vorbereitet, die folgenden Wortlaut hat:

Ich freue mich sehr über die Einladung der Gesellschaft für
Wehrkunde, über einige der fundamentalen Herausforderungen zu
sprechen, vor denen die transatlantische Partnerschaft heute steht.
Vor allem möchte ich Baron von Kleist danken, dessen Einsatz,
Einfallsreichtum und jahrelange harte Arbeit so viel dazu
beigetragen haben, dass diese Konferenz zu dem geworden ist, was sie
heute bedeutet. In drei Jahrzehnten ist diese Einrichtung zu einem
Symbol der

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Telex: 8-85432

�Symbol der westlichen Zusammenarbeit und geistigen Kreativität
geworden. Sie hat auf beiden Seiten des Atlantik das Bewusstsein
und das Verständnis der Öffentlichkeit für die Notwendigkeit unserer
gemeinsamen Verteidigung geweckt. Wir alle, die wir den Beitrag
dieser Konferenz schätzen, haben auch eine grosse Dankesschuld
gegenüber einem grossen Amerikaner und einem grossen Befürworter des
Atlantischen Bündnisses, einem Mann, der starke Führung und grossen
Weitblick in der Stärkung der Sicherheit der westlichen Welt
aufgebracht hat: Senator John Tower.
Diese Konferenzen haben sich immer als ein empfindliches
Barometer für den Zustand des Bündnisses und den Stand der
Ost-West-Beziehungen erwiesen.
Das ist auch heute so. Die dringendsten Fragen, an die heute
jeder denkt, betreffen die Stärke unseres Bündnisses, den Stand der
Ost-West-Beziehungen und die Aussichten für die Zukunft.
Das Bündnis hat heute dank des Mutes und der Überzeugung der
Völker Westeuropas einen guten Stand. Trotz einer unablässigen
sowjetischen Propagandakampagne hat die NATO ihre eigene, 1979
getroffene Entscheidung erfolgreich ausgeführt, nukleare
Mittelstreckensysteme (INF) in Europa zu stationieren, wenn es nicht
gelinge, durch Verhandlungen die Drohung zu beseitigen, die die
unnachgiebige, einseitige Aufrüstung der Sowjetunion mit eigenen
INF-Waffen darstellt. Die Entscheidung für die Stationierung hing
von der Entschlossenheit von Millionen von Bürgern Europas ab.
Der Mut Ihrer Führer und Ihrer Bürger hat die NATO in die Lage
versetzt, erneut ihre Stärke und Vitalität zu beweisen.
Wie Präsident Reagan im vorigen Monat dem amerikanischen
Kongress und dem amerikanischen Volk erklärt hat, war 1983 ein Jahr
des politischen Mutes. Dank des Funktionierens der demokratischen
Systeme, die die NATO verteidigt, hatte die Bevölkerung eines jeden
der ursprünglichen Stationierungsländer im Jahre 1983 die
Möglichkeit, ihre Regierung zu wählen. In der Bundesrepublik
Deutschland, in Grossbritannien und in Italien haben sich die
neugewählten Regierungen
- 2-

�neugewählten Regierungen nachhaltig für die Durchführung der
NATO-Politik verpflichtet -- eine Politik, die -- wenn möglich -ein Rüstungskontrollabkommen anstrebt, die aber -- wenn notwendig -mit den Dislozierungen fortfährt, die notwendig sind, um das
Gleichgewicht wiederherzustellen und unsere Sicherheit zu schützen.
Und ich möchte mit allem Nachdruck sagen, dass in diesem Jahr
niemand mehr Mut gezeigt hat, als Bundeskanzler Kohl, Aussenminister
Genscher und Verteidigungsminister Wörner, der heute hier unter uns
ist.
Ich habe im vorigen Jahr drei Europareisen unternommen, die mir
eine einmalige persönliche Gelegenheit boten, mit führenden
Persönlichkeiten des Bündnisses zu sprechen und die öffentliche
Debatte über INF direkt zu beobachten. Ich war ungeheuer beeindruckt
von der Intensität, mit der sich alle Seiten diesem Thema zuwandten,
und von der Fähigkeit der Regierungen der Bundesländer, ihren
Völkern erfolgreich die komplexen Sicherheitsfragen und politischen
Probleme klarzumachen, um die es ging.
Während meiner Besuche habe ich immer wieder die Verpflichtung
der Vereinigten Staaten unterstrichen, gemeinsam mit unseren
Verbündeten in Genf auf ein Abkommen hinzuwirken, das die nuklearen
Mittelstreckensysteme auf den niedrigst möglichen Stand verringern
würde -- am liebsten auf Null; d.h. die Beseitigung dieser ganzen
Waffenkategorie überhaupt, das eigentliche moralische Ziel.
Ich möchte heute, da diese Dislozierungen begonnen haben, erneut
bekräftigen, dass das, was ich vor einem Jahr erklärt habe, auch
heute noch gilt: In dieser Erklärung steckt unsere feste Hoffnung,
dass die Sowjetunion an den Verhandlungstisch zurückkehren wird.
Wir sind bereit und willens, mit der Sowjetunion über den ganzen
Bereich der Rüstungskontrolle und Rüstungsverminderung zu verhandeln
Jetzt, da die ersten INF-Dislozierungen sowohl unsere
Abschreckung als auch unsere Verhandlungsposition gestärkt haben,
müssen wir unsere Aufmerksamkeit dem entscheidenden Problem der
weiteren Stärkung der konventionellen Verteidigungskapazität der
NATO zuwenden,

�NATO zuwenden, die eine unerlässliche Ergänzung unserer nuklearen
Abschreckung darstellt. Ebenso wenig wie die NATO ein
destabilisierendes sowjetisches INF-Monopol akzeptieren könnte,
können wir es zulassen, dass die Sowjetunion auf dem Gebiet der
konventionellen Streitkräfte eine solche Überlegenheit erlangt, dass
sie zu einem konventionellen Angriff versucht sein könnte.
Und wenn die Sowjets, trotz unserer besten Anstrengungen, aus
einer falschen Überzeugung heraus einen konventionellen Angriff
beginnen sollten, dann müssen die konventionellen Streitkräfte der
NATO stark genug sein, eine glaubwürdige Verteidigung zu stellen,
damit die NATO nicht sofort vor der Entscheidung einer Eskalation
steht. Kurz gesagt, wir müssen die Nuklearschwelle hoch halten. Es
ist schon fast zu einem NATO-Klischee geworden, aber es muss immer
wieder gesagt werden: Die NATO braucht das ganze Spektrum der
Abschreckung vor allen möglichen Formen des Angriffs.
Wenn wir unsere konventionellen Streitkräfte stärken, dann
müssen sich unsere Anstrengungen auf beiden Seiten des Atlantik
gegenseitig unterstützen -- vor allem in den wirtschaftlich schweren
Zeiten, von denen sich mein Land, und auch das Ihrige, jetzt
erholen. Die Amerikaner haben nicht vergessen, dass die Vereinigten
Staaten einen viel höheren Prozentsatz ihres Bruttosozialproduktes
für die Verteidigung aufwenden als unsere NATO-Verbündeten. Die
Amerikaner haben festgestellt, dass in den letzten paar Jahren unser
Verteidigungsbeitrag um ein Mehrfaches der dreiprozentigen
jährlichen Steigerungsrate gestiegen ist, die die
NATO-Regierungschefs im Jahre 1978 vereinbarten, während mehr und
mehr unserer Verbündeten dahinter zurückgeblieben sind. Es liegt
auf der Hand, dass das Bündnis als Ganzes zu der Anstrengung
beitragen muss, die notwendig ist, um das konventionelle Element der
NATO-Triade zu stärken.
Wir sind uns über die schwierigen wirtschaftlichen Probleme
vieler unserer Verbündeten im klaren, und die NATO hat noch nie
verlangt, dass ihre Mitglieder Unmögliches leisten. Aber als
Politiker kann ich Ihnen sagen, dass weitere Erhöhungen des

-4 -

amerikanischen Beitrags

�amerikanischen Beitrags zur NATO-Verteidigung nur möglich sein
werden, wenn man sieht, dass die Anstrengung von beiden Seiten kommt.
Aber ich möchte hier kein düsteres Bild zeichnen. Wir sind
ermutigt über den konkreten Fortschritt, den wir als Bündnis auf
einer ganzen Reihe von Gebieten machen, wo ergänzende
Verteidigungsanstrengungen unerlässlich sind. Das Abkommen, das
Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner mit Verteidigungsminister
Weinberger erreicht hat und das die Verantwortlichkeiten und Lasten
der Modernisierung der Luftverteidigung mit dem amerikanischen
Patriot-Raketensystem und dem europäischen Roland-Abwehrsystem in
vernünftiger und fairer Weise verteilt, ist ein grosser Schritt
vorwärts.
Dieses neuartige Abkommen überwindet zusammen mit unserem
jüngsten Abkommen mit den Niederlanden über das
Patriot-Raketensystem eine Reihe von wirtschaftlichen Hindernissen
und modernisiert gleichzeitig die Luftverteidigung der NATO.
Dies ist ein wichtiges Beispiel innovativer Zusammenarbeit.
Aber wenn diese Programme ganz effektiv werden sollen, dann müssen
sich auch andere Verbündete daran beteiligen. Und wir werden uns um
Abkommen auch mit ihnen bemühen.
Wir sind ferner ermutigt über die Initiative der NATO auf dem
Gebiet neuentstehender Technologien, wie sie auf dem Bonner Gipfel
im Jahre 1982 gebilligt wurde. Diese Initiative wird, wie wir
hoffen, nicht nur die konventionelle Verteidigung der NATO stärken,
indem neuentstehende Spitzentechnologie auf die
Verteidigungsherausforderungen angewandt wird, vor denen wir stehen,
sondern auch die industrielle Basis der Verteidigung auf beiden
Seiten des Atlantik stärken und zu einer ausgeglicheneren
"Zweibahnstrasse" in der Verteidigungsbeschaffung beitragen.
Obwohl wir durch diese Erfolge ermutigt sind, wissen wir doch,
dass eine Vielfalt von Verbesserungen der konventionellen
Verteidigung ansteht, die unsere unmittelbare Aufmerksamkeit
- 5 -

erfordert.

So

�erfordert. So müssen wir beispielsweise grössere Anstrengungen
darauf verwenden, ausreichende Vorräte an konventioneller Munition
für die verbündeten Armeen in Europa zu gewährleisten, vor allem an
höchst wirksamer moderner Munition. Wir müssen daran denken, unsere
jährlichen beiderseitigen Beiträge zur Finanzierung der ewig
hinausgeschobenen Infrastrukturprojekte der NATO zu erhöhen. Und
wir müssen gemeinsam sorgfältiger überlegen, wie die Mitglieder der
NATO mehr dazu beitragen können, um Sicherheitsprobleme zu
bewältigen, die das Bündnis ausserhalb seines traditionellen
Verantwortungsbereichs berühren.
Das sind nur einige wenige Beispiele, aber sie führen alle zu
einer Schlussfolgerung: Wir können und müssen zusammenarbeiten, um
die konventionelle Verteidigung der NATO stark zu halten, wenn wir
weiterhin vor einem Krieg in Europa abschrecken wollen -- und vor
allem vor einem Atomkrieg.
Im vergangenen Monat hielt Präsident Reagan eine
richtungsweisende Rede über das Thema der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen. Darin legte er die massgeblichen Prinzipien -Realismus, Stärke und Dialog -- fest, die bei dem Bemühen Anwendung
finden sollten, drei grosse Ziele anzustreben:
-- Verringerung und schliesslich Beseitigung von Androhung und
Anwendung von Gewalt bei der Lösung internationaler Streitigkeiten;
-- Verringerung der umfangreichen Waffenlager auf der Welt; und
-- Schaffung eines besseren Arbeitsverhältnisses zur Sowjetunion.
In der Rede des Präsidenten wurde dessen volle Unterstützung der
Brüsseler Erklärung vom vergangenen Dezember zum Ausdruck gebracht,
in der die Aussenminister der NATO einen umfassenden politischen
Dialog mit der Sowjetunion forderten.
Die Hindernisse für bessere Ost-West-Beziehungen sind gewaltig,
und rascher Fortschritt in den Problembereichen, die der Präsident
nannte, ist realistischerweise nicht zu erwarten. Aber die
-6-

Ost-West-Beziehungen

�Ost-West-Beziehungen können erst dann auf eine solidere und
konstruktivere Grundlage gebracht werden, wenn es in allen diesen
Bereichen echten Fortschritt gibt.

Wir sind zu einem solchen

Fortschritt bereit, und wir würden die Sowjetunion nur zu gern auf
neue Weise herausfordern -- unsere Herausforderung und unsere
Einladung an sie lautet, sich uns bei einer verstärkten Suche nach
einem dauerhaften Frieden anzuschliessen.
Es war dies die Einstellung von Aussenminister Shultz, als er in
Stockholm über fünf Stunden lang mit Aussenminister Gromyko -- zwei
Tage nach der Rede Präsident Reagans -- zusammentraf.

Diese

Gespräche hatten die ganze Bandbreite der uns trennenden Probleme
zum Thema.

Die Gespräche waren, wie Aussenminister Gromyko sagte,

"notwendig", und wir sind der Ansicht, sie waren nützlich.

Wir

möchten, dass ernsthafte und sachliche Diskussionen dieser Art auch
weiterhin stattfinden.
In seiner Botschaft über die Lage der Nation vom 25. Januar
unterstrich Präsident Reagan erneut seine Verpflichtung -- unsere
Verpflichtung --, eine konstruktivere Beziehung zur Sowjetunion
herzustellen, sobald die Sowjetunion bereit ist, uns auf halbem Wege
entgegenzukommen.
Wir wissen nicht, wie die Sowjetunion reagieren wird.
Sowjetische Sprecher sagen lediglich, ihre Position würde überprüft.
Aber ich kann nur sagen, dass wir in den Vereinigten Staaten
wissen, wo wir stehen.
stark sein;

Wir werden realistisch sein;

wir werden

und wir werden zu echten Verhandlungen bereit sein.

Wir wollen Dialog mit Substanz, einen Dialog, bei dem die Interessen
beider Seiten in Rechnung gestellt werden, und einen Dialog, aus dem
ausgewogene Abkommen hervorgehen, die dazu beitragen, die Welt zu
einem sichereren und friedlicheren Ort zu machen.
Es gibt in meinem Land und in allen Ihren Ländern Leute, die die
derzeitige Weltlage als angespannter und gefährlicher beschreiben

- 7-

möchten, als

�möchten, als wir sie seit vielen Jahren gehabt hätten.
diese Darstellung aus zweierlei Gründen zurück.

Ich weise

Erstens bin ich davon überzeugt, dass die grössere Stärke des
Westens - wie sie sich im Wiederaufbau der Streitkräfte Amerikas und
in der Durchführung des INF-Beschlusses der NATO zeigt - die Welt
nicht zu einem gefährlicheren, sondern zu einem sichereren Ort
macht. Es ist nur natürlich, dass die Sowjets murrend ihren Ärger
hierüber zum Ausdruck bringen, aber wir dürfen uns durch diese
Reaktion nicht bange machen oder abschrecken lassen. Die
sowjetische Führung besteht aus zähen Leuten, die es vorgezogen
hätten, sich mit einem geschwächten Amerika und einem sich in
Unordnung befindlichen Bündnis auseinanderzusetzen. Die sowjetische
Führung ist aber auch realistisch, und ich bin überzeugt, dass sie
in der Erkenntnis, dass unsere Bemühungen um ein besseres
Arbeitsverhältnis zu ihr ernstgemeint sind, mit der Zeit auf unsere
ersten Schritte in Richtung auf einen verbesserten Dialog und ein
besseres Verständnis entsprechend reagieren wird.
Der zweite Grund dafür, dass ich die heute so oft gehörten
Klagelieder der Pessimisten zurückweise, liegt in meiner direkten
Kenntnis Ronald Reagans. Ich kenne ihn gut - sowohl als Präsident
der Vereinigten Staaten wie auch als Menschen. Ich weiss, warum er
Stärke anstrebt: Eben darum, dass er umso wirksamer den Frieden
anstreben kann. Hören Sie diese Worte aus seiner Rede:
"Die Abschreckung Amerikas ist heute glaubwürdiger, und sie
macht die Welt zu einem sichereren Ort.
Stärke und Dialog gehen Hand in Hand...Wir werden niemals vor
Verhandlungen davonlaufen.
Mein Traum ist es, den Tag zu erleben, an dem alle Atomwaffen
vom Antlitz dieser Erde verbannt sind."
Dies wurde öffentlich gesagt, vor einer weltweiten Zuhörerschaft. Ich höre dieselben Worte - im Privaten gesprochen - von
einem Mann,

�einem Mann, den ich jeden Tag sehe. Ronald Reagans sehnlichster
Wunsch ist eine stabile und friedliche Welt.
Er ist nicht bestrebt, der Sowjetunion - aus einer Position der
militärischen Überlegenheit heraus - Konzessionen abzuringen. Er
ist bestrebt, mit den Sowjets nüchtern über die vielen Probleme zu
sprechen, vor denen alle Völker stehen - dem unmittelbaren Problem
des Friedens, und darüberhinaus über die drohend aufragenden Fragen
der Bevölkerungsdichte der Welt, der Nahrungsmittelproduktion und
der Erhaltung dieser zerbrechlichen und schönen Welt, in der wir
alle leben.
Vor v/enigen Tagen hat Ronald Reagan seine Kandidatur für eine
zweite Amtsperiode als Präsident angekündigt. Mit Interesse sah ich
die weltweiten Reaktionen auf diese Ankündigung, die aus praktisch
allen Ländern der Erde kamen. Die meisten Pressereaktionen waren
so, wie man sie erwartet hatte. Was mich jedoch am meisten
beeindruckte, waren die positiven Reaktionen in der Presse der
neutralen Länder aller Erdteile. Die Zeitungen in Ländern wie
Indonesien, Brasilien, der Schweiz und Österreich -- sie alle
begrüssten diese Ankündigung. Sie nannten die Leistungen, die er
bei der Wiedergewinnung der Stärke Amerikas und dem neuen
Sebstvertrauen erreicht hatte, und sie erwähnten anerkennend den
Beitrag, den all dies zur Stabilität der Welt leistet. Diese Länder
sahen Ronald Reagan so, wie man ihn sehen sollte -- sicherlich als
einen Mann der Stärke, aber in einem noch tieferen Sinn als einen
Mann des Friedens.
Während ich heute zu dieser distinguierten Zuhörerschaft
spreche, ist mein unmittelbarstes Gefühl das des Optimismus. Ich
bin sicher, dass Sie grundsätzlich die Hauptgedanken dessen
verstehen und akzeptieren, was ich Ihnen darlege. Ich bin indessen
weniger sicher, dass die jungen Menschen in unseren Ländern ebenso
reagieren. Sie haben den Zweiten Weltkrieg und die tragische Zeit
davor nie erlebt. Ich habe mittlerweile gelernt -- aus Gesprächen
mit meinen Kindern und ihren Freunden --, dass die Lehren der
Vergangenheit rein theoretisch nur schwer zu vermitteln sind. Jede

- 9-

Generation möchte

�Generation möchte ihre eigenen Lehren ziehen. Ich stimme dem
durchaus zu, solange diese neuen Lektionen dadurch gelernt werden,
dass man sich wissend mit den grossen Fragen des Tages beschäftigt.
Deshalb sage ich zu den jungen Menschen in Westeuropa und in
Amerika: Sie alle haben die Freiheit, zur Stärke des Westens
beizutragen, die sich aus seinen politischen Institutionen, seinem
technologischen Fortschritt, seinem Glauben an die Rechte des
einzelnen und seine Verpflichtung zu Freiheit und Demokratie
ergibt. Jenen jungen Leuten, die konkretere Aufgaben suchen,
empfehle ich die drei grossen Ziele in der Rede des Präsidenten -Verringerung der Drohung eines Waffeneinsatzes, die Verringerung der
Waffenlager und die Entwicklung eines besseren Arbeitsverhältnisses
zur Sowjetunion.
All dies sind Ziele, die es wert sind, dass man sich ein Leben
lang für sie einsetzt. Aber wenn man sich auf verantwortungsvolle
Weise daranmacht, diese Ziele zu erreichen, dann muss zu Beginn die
ehrliche Einsicht stehen, dass die Ost-West-Probleme eine ganz
entscheidende sowjetische Komponente haben. Daher werden Vorschläge
für gänzlich einseitige Lösungen einfach nicht funktionieren. Eine
verantwortungsbewusste, durchdachte Haltung hinsichtlich des
Erreichens dieser Ziele macht es erforderlich, sich konkret auch mit
der sowjetischen Komponente auseinanderzusetzen.
Erfolg in diesen Bereichen bedeutet, dass die jungen Menschen
von heute an ihre Kinder eine Welt weitergeben können, die sicherer
ist als jene, die sie ererbt haben. Ein solches Ziel bedarf der
Pflichterfüllung, nicht des Wehklagens, des kraftvollen Bemühens und
nicht der Schwäche. Ist es erst einmal erreicht, so bringt es mit
sich das unbezahlbare und befriedigende Gefühl, etwas geleistet zu
haben -- und nicht jenes der Traurigkeit, weil eine Chance
ausgelassen wurde.
Warum dränge ich auf diese Anstrengungen bei der Verteidigung
der NATO, bei der Rüstungsverringerung und bei den
Ost-West-Beziehungen? Ich werde Ihnen sagen, warum. Nie wurde ich
auf dramatischere
- 10 -

�auf dramatischere Weise daran erinnert, dass wir den Frieden
verteidigen und die Freiheit fördern müssen, als bei meinem Besuch
eines bayerischen Dorfes vor einem Jahr. Gottmannsgrün, dieser
schöne kleine Ort, der so typisch für diese malerische Gegend ist,
wird durch die grausame Grenze getrennt, die noch immer das deutsche
Volk teilt. Die Einwohner der anderen Seite wurden umgesiedelt, so
dass der östliche Teil des Ortes praktisch verödet ist. Der
westliche Teil, obgleich so klein, gedeiht. Dazwischen gibt es
Hunde, Wachttürme und Minen, damit die Menschen im Osten nicht in
die Freiheit auf der anderen Seite gelangen können. Es ist
tragisch, dass wir noch immer solch lebende Beispiele für die
grundlegenden Unterschiede haben, die es zwischen den Prinzipien
gibt, die die westlichen Gesellschaften inspirieren, und jenen, die
die Systeme des Ostens antreibt.
Die westliche
Freizügigkeit von
hat, diese Ideale
abhängig sind, um
nicht davonläuft.

Gesellschaft gedeiht, weil sie für die
Menschen und Ideen eintritt und weil sie den Mut
gegenüber jenen zu verteidigen, die von Mauern
das Volk einzusperren und von Polizei, damit es

Sie gedeiht, weil sie Kreativität auf allen Gebieten begrüsst
und fördert, und weil sie dafür kämpft, die Rechte des einzelnen zu
schützen, von denen aller politische und soziale Fortschritt abhängt.
Und sie gedeiht, weil die Staaten des Bündnisses sich zur
Zusammenarbeit verpflichtet haben, um Frieden in Freiheit zu
sichern, während sie gleichzeitig ihre Individualität und
Souveränität bewahren.
Diese gemeinsamen westlichen Werte geben unseren Gesellschaften
ihre Stärke und Dynamik.

Sie geben unserem gemeinsamen Bemühen eine

Zielsetzung, die unsere Einheit bewahrt und den Erfolg unseres
gemeinsamen Unterfangens sicherstellt.
Das Bündnis

�Das Bündnis ist durch eine Zeit der Prüfung hindurchgegangen.
Die Durchsetzung des INF-Beschlusses vom Dezember 1979 brachte
ernste Spannungen. Aber obgleich Institutionen -- genau wie
Menschen -- unter einem Druck zerbrechen können, dem sie nicht
standzuhalten vermögen, werden sie durch Druck gestärkt, den sie
erfolgreich ertragen. 1983 war ein Jahr der Herausforderungen, der
erfolgreich gemeisterten Herausforderungen. 1984 wird ein Jahr
grosser Gelegenheiten sein. Wir sind mit der Herausforderung
fertiggeworden. Ergreifen wir jetzt diese Gelegenheiten.

+ + + + +

- 12 -

�7
15. Februar 1984

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
Politische Willensbildung durch Vorwahl und Versammlung
( 1)

- (AD) - Der Prozeß der Wahl eines Präsidenten der Vereinigten Staaten
beginnt etwa zehn Monate vor
dem Wahltan &lt;pihc+- D •. .
Maaten
ar des Wahliahr0c + * or °em Wahltag selbst. Bereits im Januar und Februn a
r
?
" 6rSten N ° minierUn ^Versammlungen zusammen, um die
Kandidaten für die Parteikonvente aufzustellen.
Territori^T11'^150"6 *™
"« " d1eSaB ^
™ 34 Bundesstaaten und
er itor e Vorwahlen abhalten und in den restlichen Staaten das Caucusde " r t J on ent 5 " 5 '" t " ^
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- die Kandidaten für
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^ Vi2epräsid - t Bush bereits - am 29. Oanuar 1984
ihre Kandidatur angemeldet haben Hü^f+a * k 4
kandidaten geben.
" ^ "" N»bl1k.„.rn kau, Gegen-

und d l l ' i ! Z k r ^ h ! P a r U i "ird " * B u n d « s t « t - Vorwahlen v e r e n g t e n ,
und d,. ,. Ausland lebenden D e k a t e n sollen per Bnefvorwahl die MbglichkeU

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die Möglichkeit erhalten, die Kandidaten für den Parteikonvent - vom 16. bis
20. Juli in San Franzisko - zu nominieren.

In den anderen Staaten wird es

ebenfalls zu Partei Versammlungen kommen. Aussichtsreichster Bewerber bei den
Demokraten ist gegenwärtig der ehemalige Vizepräsident Walter Mondale.
Die ersten Partei Versammlungen der Demokraten sind für den 20. Februar
im Staate Iowa angesetzt.

Die erste Vorwahl findet traditionsgemäß im Staate

New Hampshire statt; in diesem Jahr am 29. Februar.
Das Caucus-System, d.h. die Abklärung der Kandidaten auf innerparteilichen Versammlungen - nach den Statuten der Partei und von Einzel Staat zu
Einzel Staat leicht verschieden - wurde bereits vor über 200 Jahren in den USA
praktiziert.

Bis 1928 wurden alle Präsidentschaftskandidaten auf diesem Weg

ermittelt, wobei die Nominierungsversammlung, der Caucus, meist aus den Kongreßmitgliedern der jeweiligen Partei bestand.

Dieses System wurde

dann so weit

ausgebaut, daß zunächst die Parteimitglieder auf örtlicher Ebene - die Zahl
kann von einem Dutzend bis zu über 100 reichen - ihre "Vorliebe" für ihren
Kandidaten zum Ausdruck bringen.

Aus dieser Versammlung auf Ortsebene gehen

die Delegierten für die Nominierungsversammlungen auf Kreisebene und aus diesen die Vertreter für den "Caucus" des Gesamtstaates hervor.

Diese Delegier-

ten sind - mehr oder weniger - durch ein Mandat der Parteimitglieder gebunden,
für diesen oder jenen Kandidaten zu stimmen.

So ergibt sich dann für den na-

tionalen Parteikonvent eine Delegation der einzelnen Staaten, die praktisch
auf einen Kandidaten festgelegt ist. Auf dem Nominierungskonvent, dem "Abschluß-Caucus", können jedoch ebenfalls noch Verschiebungen eintreten, wenn
zu viele Kandidaten und damit keine klare Mehrheiten vorhanden sind.
Dieses System der Demokratie "von der Wurzel", das nach den Gesetzen
der Partei abläuft, zeigte jedoch auch gewisse Nachteile. Anfang des 20. Jahrhunderts geriet das System in Verruf, da der Vorwurf erhoben wurde, die ParteiBosse manipulierten diese Nominierungsversammlungen, indem sie nur die ihnen
genehmen und ihren Plänen dienlichen Mitglieder zuließen.

Die Reformer ge-

wannen an Boden,und im Jahr 1908 wurde zum ersten Mal nach einzelstaatlichem
- 2 -

�nach einzelstaatlichem Gesetz eine Vorwahl abgehalten, bei der jedes Parteimitglied in geheimer Abstimmung seine Präferenz für einen Kandidaten oder Delegierten zum Ausdruck bringen kann.

Trotzdem blieb das Caucus-System - bis 1976 - die Hauptmethode der Kandidatenauswahl. Beide großen Parteien, Demokraten wie Republikaner, haben das
System in den letzten Jahren grundlegend reformiert, so daß eine repräsentativ
Vertretung aller Mitglieder und Gruppen gewährleistet und eine einigermaßen
klare Festlegung der Delegierten auf einen Kandidaten je nach dem Abstimmungsergebnis der Nominierungsversammlungen gesichert ist. Dabei muß bei den Demokraten beispielsweise ein Kandidat mindestens 15 Prozent der Stimmen auf sich
vereinen, wenn er weiterkommen will.

Die Verfechter des Caucus sind der Auffassung, daß bei diesen Nominierungsversammlungen das einzelne Parteimitglied seinen Einfluß bei der Debatte
in die Waagschale werfen kann und sich eine echte politische Willensbildung
vollzieht.

Die Vorwahl

Auch das System der Vorwahlen ist nicht in allen Staaten, in denen es
praktiziert wird, einheitlich. Auf jeden Fall beruht es jedoch auf einem vom
Parlament des jeweiligen Staates verabschiedeten Gesetz und ist also damit dem
unmittelbaren Zugriff der Parteien entzogen.

In diesem Zusammenhang kommt auch die künftige Entwicklung der Parteien
ins Spiel. Es ist die Frage, ob die Demokratische Partei - oder auch die
Republikanische - auf Bundesebene weiterhin ein loser Zusammenschluß von Parteien der Einzel Staaten (und deren gesetzlichen Bestimmungen) sein oder sich zu
einem starken Verband entwickeln wird, der den Staaten die Regeln vorschreibt.

Bis 1912

�Bis 1912 waren bereits 12 Staaten zum Vorwahlsystem übergegangen, jedoch zeigte sich auch da schon eine Schwäche dieses Systems.

Der Kandidat

der Republikaner, der frühere Präsident Theodore Roosevelt, gewann zwar in
neun der 12 Staaten die Vorwahlen, der auf dem Parteikonvent dann gewählte
Kandidat war jedoch der (noch im Amt befindliche) Präsident Howard Taft.
Roosevelt kandidierte dann für eine neugeschaffene Progressive Partei, aber er
verlor ebenso wie Taft gegen den demokratischen Gegenspieler Woodrow Wilson.
Mit der Zeit kühlte sich die Begeisterung der Kandidaten für das Vorwahl-System etwas ab, da es sich als recht kostspielig und zeitraubend erwies.
Nach dem Kriege, als politische Persönlichkeiten, die bei der Parteiführung nicht unbedingt vollen Beifall fanden, den Weg ins Weiße Haus suchten, kam das Vorwahl-System zu neuer Blüte. Männer wie Harold Stassen (1948),
Estes Kefauver (1952) oder Barry Goldwater (1964) wurden durch Vorwahlen populär, wenn sie dann auch den Wahlsieg nicht schafften, wie es John F. Kennedy
(1960), Richard M„ Nixon "(1968) und Jimmy Carter (1976) gelang.
Das System hat, wie alle vom Menschen erdachten politischen Systeme
auch noch andere Schwächen» So kann beispielsweise nach der republikanischen
Regel, daß der Kandidat mit den meisten Stimmen die gesamten Delegiertenstimmen eines Staates erhält, bei drei oder mehr Kandidaten ein Mann auf den Schild
gehoben werden, der nicht die absolute Mehrheit der Stimmen hat. Die Demokraten haben die "winner-take-call"-Regel untersagt und praktizieren eine "proportionale Repräsentation", wobei ein Kandidat allerdings mindestens 15 Prozent
der Stimmen erhalten muß, um berücksichtigt zu werden.
Im Grunde bleibt einem Kandidaten nichts anderes übrig, als sich bei
den Vorwahlen zu engagieren und die Nominierungsversammlungen nicht zu vernachlässigen - Primary und Caucus in all ihren Varianten sind und bleiben
von Bedeutung,

+ + + + +

_ 4_

�15. Februar 1984

7

ASTRONAUTEN IM FREIEN FLUG
CHALLENGER-Mission leitet neue Phase der Raumfahrt ein -

- (AD) - "Ein wunderbarer Flug über einer wunderbaren Erde" - so faßte
Vance Brand (52), Kommandant der Raumfähre CHALLENGER, die Eindrücke von acht
Tagen Aufenthalt im All zusammen.
nischen Raumtransporters.

Es war der zehnte Einsatz eines amerika-

Die fünfköpfige Besatzung an Bord, der außer Brand

Robert Gibson (37) als Kopilot und die drei Missionsspezialisten Bruce McCandless (46), Ronald McNair (33) und Robert Stewart (41) angehörten, hatte
seit dem 3. Februar 1984 die Erde umkreist.

Am 11. Februar 1984, wenige Mi-

nuten nach Sonnenaufgang am Kap Canaveral, kehrte die Raumfähre bei idealem
Wetter zurück.
Von Westen kommend, hatte CHALLENGER im letzten Teil der Abstiegsbahn
die Halbinsel Florida und den Landebereich an deren Ostseite mit fast dreifacher Schallgeschwindigkeit überflogen.

Draußen über dem Atlantik zog sie

eine Schleife, wobei die Fluggeschwindigkeit weiter verringert wurde, und
kam dann von Nordosten her zurück.

Mit 340 Stundenkilometern setzte

sie auf der neu angelegten, 4500 Meter langen Betonpiste auf, rollte aus wie
ein normales Passagierflugzeug und kam nach 3000 Metern zum Stehen.

Zum ersten

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�Zum ersten Mal war eine amerikanische Raumfähre am Kap Canaveral gelandet,
nur acht Kilometer von dem Punkt entfernt, an dem sie acht Tage zuvor gestartet worden war.
schleppt.

Schon wenige Stunden später wurde CHALLENGER zum Hangar ge-

Die Ingenieure und Techniker haben zusätzliche acht Tage für die

Inspektion, für Wartungsarbeiten und die Vorbereitung des nächsten Einsatzes
gewonnen - acht Tage, die bisher für den Rücktransport des Raumgleiters vom
kalifornischen Landeplatz zum Kennedy-Raumflugzentrum in Florida benötigt
wurden.

Mit Manövriergerät im freien Raum
Ein ganz wichtiger Programmpunkt des jüngsten Unternehmens war die Erprobung des Manövriertornisters, mit dem sich Astronauten frei im Raum bewegen können.

Bruce McCandless und Robert Stewart entfernten sich mit dem

über dem Schutzanzug durch Einrast-Mechanismen leicht anzulegenden "Rucksack"
bis etwa 100 Meter vom Mutterschiff CHALLENGER,mit dem sie nicht einmal mehr
durch eine Sicherheitsleine verbunden waren.

Sie wurden so zu selbständigen

Satelliten der Erde - "die kleinsten bemannten Satelliten, die es bisher gab",
meinte McCandless.
Die mit Stickstoffgas betriebenen 24 Düsen des Manövriergeräts ermöglichen eine sehr exakte und weiche Impulsdosierung. Aus zwei Kaltgas-Tanks
werden je 12 Düsen in einer Aufteilung gespeist, die selbst bei Ausfall einer
Treifstoffeinheit die Bewegungsfähigkeit und Flugsicherheit des Astronauten
gewährleistet. Die Annäherungsgeschwindigkeit an ein Objekt im Weltraum kann
sehr niedrig gehalten werden, z.B. mit einer Fortbewegung von wenigen Zentimetern pro Sekunde. Eine Beschleunigung auf maximal 18 Meter pro Sekunde ist
zur Oberwindung größerer Strecken möglich. Der Astronaut betätigt am vorderen
Ende der verstellbaren Armstützen mit leichtem Druck einen Steuerungshebel.
Mit der rechten Hand wird die Fluglage gesteuert, wobei drei Kreisel (je
einer für Bewegungsmomente in der Längs-, Seiten- und Höhenachse) das Einhalten der Position im freien Raum sichern und gleichzeitig den Verbrauch von
- 2 -

�Verbrauch von Stickstoffgas auf einem Minimum halten.

Der mit der linken

Hand betätigte Hebel aktiviert jene Düsen, die die Impulse zum Bewegen von
Punkt zu Punkt geben - vorwärts, rückwärts, seitwärts, nach oben und unten.
Insgesamt 729 Befehlskombinationen für die Fortbewegung im Raum sind berücksichtigt.

Der Astronaut braucht sich nicht darum zu kümmern, welche der Kalt-

gasdüsen "feuern".

Entsprechend der Eingabe über den Handsteuerungshebel be-

sorgt dies die Elektronik des Systems. Als Energiequelle dienen zwei 16,8Volt-Silber-Zins-Batterien.

Sie liefern genug Strom für eine Arbeitsdauer von

sechs Stunden im Weltraum.
Das Gerät allein hat mit Treibstoff eine Masse von 136 kg, ist 120 cm
hoch, 81 cm breit und, mit ausgefahrenen Armen, 110 cm tief. Jeder Tank
(25 x 76 cm groß) faßt 5,6 kg Stickstoff. Mit einem Kostenaufwand von über
50 Millionen Dollar wurde das Manövriergerät von der Fa. Martin Marietta in
Denver (Colorado) unter intensiver Mitarbeit von Bruce McCandless entwickelt.
Stückpreis: 10 Millionen Dollar. Die praktische Erfahrung im Weltraum bestätigte, was sich bereits beim Training zeigte, daß es sehr einfach zu handhaben ist.
Vorerst wird der Antriebstornister gebraucht, wenn z.B. während eines
Raumtransporterfluges ein reparaturbedürftiger unbemannter Satellit an Bord
geholt werden soll.

Selbstverständlich müssen seine Bahndaten die Voraus-

setzungen für ein "Rendezvous" mit dem innerhalb gewisser Grenzen manövrierbaren "Space Shuttle" erfüllen.

Dies trifft für den Satelliten SOLAR MAXIMUM

zu, der im Februar 1980 für Aufgaben der Sonnenforschung gestartet wurde, jedoch seit zweieinhalb Jahren nicht mehr funktioniert.

Die Kosten für das

Einholen und Reparieren sowie erneutes Absetzen des SOLARMAX
werden auf 45 Millionen Dollar geschätzt.

im Weltraum

Bereitstellung und Start eines

neuen Satelliten dagegen würde ca. 200 Millionen Dollar kosten.

So werden

zwei Astronauten beim nächsten CHALLENGER-Flug im April versuchen, das defekte
Forschungsgerät an Bord zu holen.
Als Generalprobe

- 3 -

�Als Generalprobe dafür war eine Reihe von Aufgaben gedacht, die McCandless und Stewart während ihres je sechsstündigen Außenaufenthalts am
fünften und siebenten Flugtag erfüllen sollten.
war ein voller Erfolg.

Der erste Tag im freien Raum

Beim zweiten Ausstieg ergaben sich Probleme mit der

Einhaltung des Programms, weil das "Handgelenk" des 15 m langen, mehrgliedrigen Hebe- und Greifarms plötzlich nicht mehr zu bewegen war.

So mußte auf

Arbeiten mit Werkzeug auf einer am Kranende montierten Plattform und auf das
Andocken an einem rotierenden Obungsobjekt, das der Greifarm in den Weltraum
hinaushalten sollte, verzichtet werden.

Aber an Bord wurde improvisiert, die

beiden Missionsspezialisten fanden genügend anderes zu tun.

Als McCandless

eine gerade ins All entschwebende Fußhaiterung entdeckte, die sich im Laderaum gelöst hatte, ergab sich eine unerwartete Gelegenheit, das Einfangen
und Bergen eines

Objektes zu üben.

Kommandant Brand manövrierte den Orbiter

so exakt und vorsichtig auf dieses zu, daß der Astronaut, mit einer Hand am
Führungsseil im rückwärtigen Teil der Ladebucht, es greifen und hereinholen
konnte.
NA

Später, beim Aufbau und Betrieb von Raumstationen, werden Marvivriertornister eine besonders wichtige Rolle spielen. So sind beispielweise freifliegende unbemannte Plattformen als Instrumententräger vorgesehen, -\\e mit
der Raumstation um die Erde kreisen. Es müssen Filmkassetten gewechselt
Batterien ausgetauscht und Kameralinsen gesäubert werden. Dies werden Astronauten von der Raumstation besorgen. Auch ließe sich auf diese Weise der
Start von Satelliten im Kundenauftrag von Bord des Orbiters verbilligen.
"Bei vielen dieser Satelliten werden Solarzellen-Platten, Radar- und Funkantennen durch Aktivierung kleiner Motoren automatisch ausgefahren. Würden
dies die Astronauten tun, ließen sich die teuren Motoren einsparen", meint
Keith Hudkins von der NASA-Abteilung für Raumfährenprojekte.
Auch das Auftanken eines Satelliten wurde am Modell geprobt.

Man will

bei einem späteren Unternehmen (Oktober 1985) versuchen, den Erderkundungssatelliten LANDSAT 4 zu bergen, zu reparieren und aufzutanken. Statt des
gefährlichen hypergolisehen Treibstoffs wurde beim jetzt im Laderaum durch- 4 -

�Laderaum durchgeführten ersten Versuch allerdings nur gefärbte Freon-Flüssigkeit benutzt.

Es ging vor allem darum, zu beobachten, ob und wie sich eine

Flüssigkeit unter Schwerelosigkeit umfüllen läßt. Allein durch die Versorgung mit neuem Treibstoff, der für die Lageregelung und Flugstabilisierung
benötigt wird, ließe sich die "aktive

Lebensdauer" eines unbemannten Satel-

liten um Jahre verlängern.

Wissenschaftliche Experimente
Zu den zahlreichen Experimenten an Bord der CHALLENGER gehörte auch
eine von Dan Weber, Student an der Cornell-Universität, entwickelte Versuchseinheit, mit der an Ratten die Auswirkung von Schwerelosigkeit auf Gelenkerkrankungen studiert wurde.

Und wie schon bei vier früheren Einsätzen wurde

erneut der Monodispersionsrekator mitgeführt, mit dem Latex-Kügelchen ganz
bestimmter Größe als Träger für Medikamente erzeugt werden.

Im Weltraum ist

es möglich, große Mengen davon im Größenbereich zwischen fünf und 20 Mikron
(ein Mikron entspricht einem Tausendstel Millimeter) herzustellen, während
der Schwerkrafteinfluß auf der Erde die Größe stark variieren läßt.

Das

"National Bureau of Standards"(NBS) benutzt bereits die 10-Mikron-K'ügelchen
aus dem Weltraum zum Eichen bei medizinischen und wissenschaftlichen Ausrüstungen.

Dem US-Amt für Luft- und Raumfahrt gab NBS den Auftrag, in vier

späteren Orbiter-Einsätzen, von denen der erste 1985 stattfinden soll, Partikel in den Größenbereichen von 30 bis 100 Mikron herstellen zu lassen.
Mit einem neuen Typ von Elektrophorese-Experiment (der sog. isoelektrischen Fokusierung) sollten biologische Substanzen beim Passieren eines
elektrischen Feldes entsprechend ihrer elektrischen Ladung an der Oberfläche
voneinander getrennt werden.

Das Experiment wird 1984 im Auftrag von For-

schungsinstituten zweimal geflogen, wobei es um die Trennung von Eiweißverbindungen geht.

Einige der fünf "Getaway Specials", Experimente in genormten

Kanistern, enthielten Material zur Untersuchung des Verhaltens und der Bewegung von Flüssigkeiten und der Kristallisation von Proteinen.
- 5 -

Letzteres ist

�Letzteres ist für die Röntgen-Kristallographie zur Aufklärung der Struktur
komplizierter Bio-Moleküle sehr wichtig.

Und ein Experiment sollte klären

helfen, ob und welchen Einfluß die Formgebung bei einer Lichtbogenlampe auf
deren Wirkungsgrad besitzt.
Mit zwei Spezialkameras filmten die Astronauten während der acht Tage
Erde und Weltraum für eine spätere Projektion auf die Kuppel eines Planetariums.

Das neue Filmsystem ("Cinema-360") dokumentiert in einer halbstündi-

gen Vorführung den Ablauf der CHALLENGER-Mission und gibt dem Betrachter das
Gefühl, den Flug im All selbst mitzuerleben.

Fehlstart der Nachrichtensatelliten
Das Einschießen von zwei Nachrichtensatelliten in eine geostationäre
Umlaufbahn (36 000 km Höhe) mißlang. Daß WESTAR VI und PALAPA-B2 nur elliptische und viel zu niedrige Bahnen erreichten, hat jedoch weder mit dem Raumtransporter etwas zu tun, noch ist dies den Astronauten oder der NASA anzulasten. Offenbar versagten die Antriebseinheiten der beiden Satelliten.
Sie wurden von der Firma McDonnell Douglas entwickelt und tragen die Bezeichnung "Payload Assist Module - PAM". Bei vorangegangenen Starts von Satelliten aus dem Orbit funktionierten sie einwandfrei. Jetzt werden die drei
noch nicht eingesetzten Antriebseinheiten aus einem Produktionssatz von insgesamt fünf PAM von der Herstellerfirma zusammen mit NASA-Spezialisten untersucht. Der nächste Start eines Satelliten mit einem solchen Triebwerk von
Bord des Orbiters ist für Juni 1984 vorgesehen.

+ + + + +

- 6-

�15. Februar 1984

NASA-STUDIE FÜR 1985: FAST 7,5 MILLIARDEN DOLLAR
- Vorstudien für die bemannte Raumstation -

- (AD) - Im Haushaltsplan Präsident Reagans für das Finanzjahr 1985
(1. Oktober 1984 - 30. September 1985) sind für das amerikanische Amt für
Luft- und Raumfahrt (NASA) 7,491 Milliarden Dollar vorgesehen. Das bedeutet eine Erhöhung des NASA-Etats um vier Prozent (274 Millionen Dollar) gegenüber dem laufenden Haushaltjahr.
Etwa 2,4 Milliarden Dollar (32 Prozent) entfallen auf Forschung und
Entwicklung - 375 Millionen mehr als im Jahr 1984. Für vorbereitende Studien zur Entwicklung einer bemannten Raumstation sind 150 Millionen Dollar
eingeplant,für Anwendungssatelliten und Forschungsgeräte 1,371 Milliarden
Dollar.

Dazu zählen u.a. Projekte wie das Hubble-Weltraumteleskop, das

GALILEO-Programm zur Erforschung des Planeten Jupiter und die Radar-Kartierung des Planeten Venus. Auch sind erste Entwicklungsphasen für einen
Forschungssatelliten berücksichtigt, der aus einer Umlaufbahn um den Mars
eine Sondierung des Planeten nach geologischen, geophysikalischen und klimatologischen Gesichtspunkten ermöglicht.
gestartet werden.

Dieser Orbiter soll im Jahr 1990

Er wird das erste einer Serie relativ kostengünstiger Ge-

räte für die Planetenbeobachtung sein; man erhofft sich von ihnen Hinweise

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�ihnen Hinweise auf die geologische und klimatologische Entwicklung bei anderen Himmelskörpern im Sonnensystem.
Für Bau, Betrieb und Beobachtung von Raumtransportern sowie die Erfassung von Daten aus den Raumflugzeugen sind insgesamt 3,6 Milliarden
Dollar vorgesehen (175 Millionen weniger als 1984).

Mit den im Haushalts-

jahr 1985 verfügbaren Weltraumfähren sind 11, im Jahr darauf 16 Einsätze
geplant. Auch der zweite und dritte Flug des Weltraumlabors SPACELAB, die
Vervollständigung der Raumfährenflotte durch das vierte Gerät, den Orbiter
ATLANTIS, im Dezember 1984, und die Weiterentwicklung des SchlepP-Satellitensystems für die Durchführung von Experimenten in größerem Abstand vom Orbiter während eines Space-Shuttle-Fluges (Gemeinschaftsprojekt der USA und
Italiens) fallen in diese Sparte.
Im NASA-Etat 1985 sind außerdem Mittel für den Start des zweiten und
dritten TDRS-Satelliten bereitgestellt. Diese besonders leistungsfähigen
Relaisstationen auf der geostationären Umlaufbahn (ca. 36 000 km Höhe), die
für die Bahnbeobachtung und den ständigen Funkverkehr mit dem Orbiter sowie
für die Übertragung der Flut von Meßdaten aus bemannten und unbemannten
Satelliten benötigt werden, bilden ein Kernstück im Nachrichtensystem der
NASA. Als Schwerpunkte für die Entwicklung bemannter Raumstationen gelten
vorerst Studien über ausbaufähige Stromversorgungssysteme, große Systeme
mit hohem Nutzeffekt für die Temperaturkontrolle und über die Anpassung herkömmlicher Datensysteme für eine flexible Anwendung bei den jeweiligen Aufgaben und beim Ausbau bzw. der Vergrößerung einer Raumstation.

+ + + + +

- 2 -

�BERICHTIGUNG:

In unsere™ Artikel «Artistik 1. Weltraum (Afrika Dienst-Ausgabe Nr. 3,
8. Januar 1984, m u ß es auf Seite 2, dritter Absatz, vierte Z e i U richtig
heißen:
...Driftgeschwindigkeit von 60 cm/sec..."

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Neubeginn der amerikansich-sowjetischen Verhältnisse &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rundfunkansprache des Präsidentennach dem Tode Andropows&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Weißen Hauses zum Tode Andropows &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vizepräsident Bush zur Lage des atlantischen Bündnisses &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede für die Wehrkundetagung in München&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wahlen in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 1984 Politische Willensbildung durch Vorwahl und Versammlung&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Astronauten im freien Flug&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- CHALLENGER-Mission leitet neue Phase der Raumfahrt ein&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NASA-Studie für 1985: fast 7,5 Milliarden Dollar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vorstudien für die bemannte Raumfahrt&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;</text>
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