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                  <text>16. Januar 1984

DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN
Ansprache von Präsident Reagan am Vorabend der KVAE -

SPERRFRIST: Montag, 16. Januar 1984, 16.00 Uhr MEZ

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am Vorabend der
Konferenz für Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in
Europa (KVAE) am 16. Januar 1984 einen Überblick über das amerikanisch-sowjetische Verhältnis und zugleich seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, daß ein echter Fortschritt im Sinne des Friedens erzielt werden kann.

Nach seiner Auf-

fassung seien die Vereinigten Staaten 1984 in "ihrer stärksten Position seit
Jahren, um eine konstruktive und realistische Arbeitsbeziehung zur Sowjetunion
herzustellen".
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
In den ersten Tagen des Jahres 1984 möchte ich mit Ihnen - und
den Menschen in der ganzen Welt - meine Gedanken über ein Thema teilen, das
von großer Bedeutung für die Sache des Friedens ist - die Beziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Morgen werden die Vereinigten Staaten mit der Sowjetunion und 33
anderen Staaten an einer europäischen Abrüstungskonferenz teilnehmen. Die Konferenz wird nach praktischen und bedeutsamen Mitteln und Wegen suchen, die
europäische Sicherheit zu erhöhen und den Frieden zu erhalten. Wir werden mit
den tiefempfundenen Wünschen unseres Volkes nach echtem Fortschritt nach Stockholm kommen.
Wir leben in einer Zeit der Herausforderungen des Friedens, aber
auch großer Chancen für den Frieden.

Durch Zeiten der Schwierigkeit und der

Enttäuschung hindurch sind die höchsten Hoffnungen und Erwartungen Amerikas
nie schwankend geworden:

Wir haben - und das werden wir auch weiterhin tun -

um einen dauerhaften Frieden gekämpft, der die Würde der Männer und Frauen
überall zur Geltung bringt.

Ich bin überzeugt, daß das Jahr 1984 den Vereinig-

- 2 -

�den Vereinigten Staaten in ihrer stärksten Position seit Jahren vorfindet,
um eine konstruktive und

realistische Arbeitsbeziehung zur Sowjetunion her-

zustellen.
Wir haben seit den siebziger Jahren viel erlebt - Jahren, in denen die
Vereinigten Staaten von Zweifeln an sich selbst und einer Vernachlässigung der
Verteidigung erfüllt zu sein schienen, während die Sowjetunion ihre militärische
Macht ausbaute und ihren Einfluß durch Waffengewalt und Drohungen auszudehnen
suchte.

Im Laufe der letzten zehn Jahre haben die Sowjets einen doppelt so

großen Anteil ihres Bruttosozialproduktes für Militärausgaben aufgewandt wie
die Vereinigten Staaten; sechsmal so viel Interkontinentalraketen gebaut; viermal so viel Panzer und doppelt so viel Kampfflugzeuge.

Und sie begannen die

SS-20-MittelStreckenraketen zu einem Zeitpunkt zu dislozieren, als die Vereinigten Staaten keine vergleichbare Waffe besaßen.
Die Geschichte lehrt uns, daß Kriege beginnen, wenn Regierungen glauben, daß der Preis

einer Aggression niedrig ist.

Um den Frieden zu erhalten,

müssen wir und unsere Verbündeten stark genug sein, jeden potentiellen Aggressor überzeugen zu können, daß Krieg keinen Vorteil, sondern nur die Katastrophe
bringen würde.

Als wir daher unsere Verteidigung vernachlässigten, wuchsen

die Risiken einer ernsten Konfrontation.
Vor drei Jahren erhielten wir vom amerikanischen Volk ein Mandat, den
Kurs zu ändern, und wir haben ihn geändert.

Mit der Unterstützung des amerika-

nischen Volkes und des Kongresses haben wir dem Niedergang Amerikas Einhalt
geboten.

Unsere Wirtschaft befindet sich heute mitten im besten Aufschwung

seit den sechziger Jahren.

Unsere Verteidigung wird wieder aufgebaut.

Un-

sere Bündnisse sind fest, und unsere Verpflichtung zur Verteidigung unserer
Werte ist niemals klarer zum Ausdruck gekommen.
Der Aufschwung Amerikas hat die sowjetischen Führer vielleicht überrascht. Sie haben womöglich damit gerechnet, daß wir uns auch weiterhin selbst
schwächen würden. Sie haben jahrelang erklärt, daß unser Ahlfihen unausweich- 3 -

�Ableben unausweichlich sei. Sie haben das so oft erklärt, daß sie wahrscheinlich anfingen, es selbst zu glauben.

Wenn dem so ist, dann können sie jetzt,

so meine ich, sehen, daß sie unrecht hatten.
Das mag der Grund sein, warum wir seitens des Kreml in der letzten Zeit
so geharnischte Worte gehört haben.

Diese harten Worte haben manche Leute ver-

anlaßt, von einer erhöhten Unsicherheit und einer verschärften Konfliktgefahr
zu sprechen.

Das ist begretflich, aber im tiefsten Sinne falsch.

hinter die Worte blickt, dann ragt eine Tatsache heraus:

Wenn man

Die Abschreckung

Amerikas ist glaubwürdiger, und sie macht die Welt zu einem sichereren Ort sicherer, weil heute weniger die Gefahr besteht, daß die sowjetische Führung
unsere Stärke unterschätzt

oder unsere Entschlossenheit in Frage stellen wird.

Jawohl, wir leben heute sicherer.

Aber wenn wir sagen, daß unsere wieder-

hergestellte Abschreckung die Welt sichererer gemacht hat, dann besagt das
nicht, daß sie sicher genug ist. Wir erleben in vielen Teilen der Welt tragische Konflikte.

Die Nukleararsenale sind bei weitem zu groß. Und unsere

Arbeitsbeziehungen zur Sowjetunion sind nicht so, wie sie sein sollten.

Es

gibt Bedingungen, die angepackt und verbessert werden müssen.
Die Abschreckung ist von entscheidender Bedeutung für die Erhaltung
des Friedens und den Schutz unserer Lebensform, aber die Abschreckung ist
nicht Anfang und Ende unserer Politik gegenüber der Sowjetunion.

Wir müssen

und werden die Sowjets in einen Dialog einbinden, der so ernsthaft und konstruktiv wie möglich ist und der der Förderung des Friedens in den Unruhegebieten
der Welt dienen, den Stand der Rüstungen verringern und ein konstruktives Arbeitsverhältnis schaffen wird.
Weder wir noch die Sowjetunion können die Unterschiede zwischen unseren
beiden Gesellschaften und unseren Weltanschauungen wegzaubern.
ten niemals vergessen, daß wir gemeinsame Interessen haben.

Aber wir soll-

Und das oberste

dieser Interessen ist die Vermeidung eines Krieges und die Verringerung des
Standes der Rüstungen.

Es gibt keine vernünftige Alternative, als einen

- 4 -

�als einen Kurs zu steuern, den ich als glaubwürdige Abschreckung und friedlichen Wettstreit bezeichnen möchte.

Und wenn wir diesen Kurs einschlagen,

dann werden wir möglicherweise Gebiete finden, auf denen wir in eine konstruktive Zusammenarbeit eintreten können.
Unsere Stärke und unsere Vision des Fortschritts bieten die Grundlage,
mit gleicher Überzeugung unsere Verpflichtung zu demonstrieren, unsere Sicher- .
heit zu bewahren und friedliche Lösungen für Probleme auf dem Verhandlungswege zu finden.

Darum ist 1984 ein Jahr der Chancen für den Frieden.

*

Aber wenn die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion den vor uns liegenden Herausforderungen gerecht werden und die Chancen für den Frieden nutzen wollen, müssen sie mehr tun, um Gebiete des gemeinsamen Interesses zu finden und dann auf ihnen aufzubauen.

Ich schlage vor, daß unsere Regierungen

eine große Anstrengung unternehmen, um herauszufinden, ob wir in drei großen
Bereichen einen Fortschritt erzielen können.
Erstens, wir müssen Mittel und Wege finden, um die Androhung und die Anwendung von Gewalt bei der Lösung internationaler Streitigkeiten zu verringern - und schließlich zu beseitigen.
Die Welt hat allein seit Ende des Zweiten Weltkrieges über 100 große
Konflikte erlebt. Heute gibt es bewaffnete Konflikte im Nahen Osten, in
Afghanistan, in Südostasien, in Mittelamerika und in Afrika. In anderen Regionen stehen unabhängigen Nationen schwerbewaffnete Nachbarn gegenüber, die
versuchen, sie dadurch zu beherrschen, daß sie ihnen mit einem Angriff oder
mit Subversion drohen.
Die meisten dieser Konflikte haben ihren Ursprung in örtlichen Problemen,
aber viele sind von der Sowjetunion und ihren Stellvertretern ausgenutzt worden
- wobei Afghanistan sogar unter einer direkten sowjetischen Invasion leidet.
Wenn man regionale Konflikte anheizt und Gewalt exportiert, dann kann das nur
örtliche Spannungen verschärfen, das Leiden erhöhen und die Lösung der wirk-

- 5 -

�der wirklichen sozialen und wirtschaftlichen Probleme erschweren.

Darüber

hinaus birgt ein solches Handeln das Risiko größerer Konfrontationen in sich.
Wäre es nicht besser und sicherer, wenn wir zusammenarbeiten könnten,
um Völkern in Konfliktgebieten zu helfen, friedliche Lösungen ihrer Probleme
zu finden?

Das sollte unser gemeinsames Ziel sein.

Aber wir müssen erkennen,

daß die Kluft zwischen amerikanischen und sowjetischen Vorstellungen und Politiken so groß ist, daß unser Nahziel bescheidener zu sein hat. Als ersten
Schritt sollten unsere Regierungen gemeinsam konkrete Maßnahmen prüfen, die wir
beide unternehmen können, um das Risiko einer amerikanisch-sowjetischen Konfrontation in diesen Gebieten zu verringern.

Und wenn uns das gelingt, dann dürften

wir in der Lage sein, über dieses Nahziel hinauszugehen.
Unsere zweite Aufgabe sollte sein, Mittel und Wege zur Verringerung
der gewaltigen Rüstungsarsenale in der Welt zu finden.
Es ist tragisch zu erleben, daß die Entwicklungsländer der Welt pro Jahr
über 150 Milliarden Dollar für ihre Streitkräfte ausgeben - rund 30 Prozent
ihrer Staatshaushalte.

Wir müssen Mittel und Wege finden, um diesen Teufels-

kreis der Drohung und Gegendrohung zu durchbrechen, der das Wettrüsten überall anheizt, wo er zu finden ist.
Was die Kernwaffen anbetrifft, so ist die Wahrheit einfach die, daß das
Gesamtnukleararsenal Amerikas kleiner geworden ist. Wir besitzen heute weit
weniger Kernwaffen als vor 20 Jahren. Und gemessen an der Gesamtzerstörungskraft ist unser Nukleararsenal auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren angelangt.
Erst vor drei Monaten kamen wir und unsere Verbündeten überein, 1400
Kernwaffen aus Westeuropa abzuziehen.

Das erfolgt nach dem Abzug von 1000

Kernwaffen aus Europa vor drei Jahren.

Selbst wenn alle unsere geplanten

Mittelstreckenraketen in den nächsten fünf Jahren disloziert werden müssen und wir hoffen, daß dies nicht notwendig sein wird - dann werden wir für jede
- 6 -

�für jede neu dislozierte Waffe fünf vorhandene Kernwaffen beseitigt haben.
Aber das ist noch nicht genug.

Wir müssen unsere Anstrengungen verstär-

ken, um zu Abkommen zu gelangen, die die Nukleararsenale wesentlich verringern,
größere Stabilität herstellen und Vertrauen schaffen.
Unsere dritte Aufgabe ist es, ein besseres Arbeitsverhältnis zueinander

«

herzustellen, ein Verhältnis, das durch stärkere Kooperation und bessere Verständigung gekennzeichnet ist.

*

Kooperation und Verständnis beruhen auf Taten, nicht auf Worten.
Einhaltung von Abkommen nützt;

ihre Verletzung schadet.

Die

Die Achtung vor den

Rechten des einzelnen Bürgers stärkt das Verhältnis; die Verwehrung dieser Rechte schadet ihm.

Verstärkte Kontakte über die Grenzen hinweg und die Erlaubnis

eines freien Austauschs von Informationen und Ideen stärken das Vertrauen;
die Abschottung des eigenen Volkes von der übrigen Welt schwächt es.

Fried-

licher Handel hilft; aber organisierter Diebstahl von Industriegeheimnissen
schadet sicherlich.
Kooperation und Verständigung sind bei der Rüstungskontrolle besonders
wichtig. In den letzten Jahren hatten wir ernsthafte Sorgen über die sowjetische
Einhaltung von Abkommen und Verträgen. Die Einhaltung ist wichtig, denn wir
streben nach wirklich wirksamer Rüstungskontrolle. Es gab jedoch zunehmend
Beweise dafür, daß Bestimmungen von Abkommen verletzt wurden und daß aus Unklarheiten in unseren Abkommen Vorteil gezogen wurde.
In Erfüllung eines Auftrages des Kongresses wird in den nächsten Tagen
ein Bericht vorgelegt werden. Es liegt auf der Hand, daß wir nicht einfach
davon ausgehen können, daß ausgehandelte Abkommen eingehalten werden. Sowohl
bei der Entwicklung unserer Verteidigungsprogramme als auch bei unserer Einstellung zur Rüstungskontrolle müssen wir unsere Erfahrungen mit der sowjetischen Einhaltung von Abkommen in Rechnung stellen. In unseren Gesprächen
mit der Sowjetunion werden wir uns bemühen, die Hindernisse zu beseitigen, die
- 7 -

�beseitigen, die bestehende Abkommen zu untergraben drohen, und den Rüstungskontroi Iporzeß auszuweiten.
Die von mir zitierten Beispiele lassen erkennen, warum unser Verhältnis
zur Sowjetunion nicht so ist, wie es sein sollte. Wir haben einen langen Weg
vor uns, aber wir sind entschlossen, es immer und immer wieder zu versuchen.
Wir müssen vielleicht mit kleinen Schritten beginnen, aber wir müssen anfangen.
Zur Bewältigung von Problemen muß sich unser Handeln von drei Hauptprinzipien leiten lassen:

von Realismus, Stärke und Dialog.

Realismus bedeutet dabei, daß wir mit einem klarsichtigen Verständnis
der Welt beginnen müssen, in der wir leben. Wir müssen erkennen, daß wir in
einem langfristigen Wettbewerb mit einer Regierung stehen, die weder unsere
Vorstellungen von den individuellen Freiheiten im Innern noch die des friedlichen Wandels draußen teilt. Wir müssen in aller Offenheit unsere Unterschiede
begreifen und furchtlos für unsere Werte eintreten.
Um mit Erfolg im Sinne unserer Interessen handeln und diese schützen zu
können, ist Stärke von entscheidender Bedeutung.
reichen wir keines von beidem.
Macht.

Wenn wir schwach sind, er-

Stärke bedeutet mehr als nur militärische

Von entscheidender Bedeutung ist auch die wirtschaftliche Stärke, und

die Wirtschaft Amerikas ist dabei, die Welt in den Wiederaufschwung zu führen.
Schließlich ist auch unsere geistige Stärke von gleicher Bedeutung, die Einigkeit in unserem eigenen Volk sowie Einigkeit mit unseren ausländischen Verbündeten.

In allen diesen Bereichen sind wir heute stärker als vor drei Jahren.
Unsere Stärke ist notwendig, um vor einem Krieg abzuschrecken und Lö-

sungen auf dem Verhandlungswege zu erleichtern.

Die sowjetische Führung weiß,

daß ein Kompromiß nur dann Sinn hat, wenn sie etwas dafür bekommt.

Jetzt aber

kann Amerika etwas geben.
Stärke und Dialog

- 8 -

�Stärke und Dialog gehen Hand in Hand.

Wir sind entschlossen, uns mit

unseren Meinungsverschiedenheiten auf friedlichem Wege, über Verhandlungen
auseinanderzusetzen.

Wir sind bereit, die uns trennenden Probleme zu disku-

tieren und auf der Grundlage des gegenseitigen Kompromisses auf praktische,
faire Lösungen hinzuarbeiten.

Wir werden niemals vor Verhandlungen davon-

laufen.
Ich habe meine Ansicht über das sowjetische System offen zum Ausdruck
gebracht.

Ich weiß nicht, warum dies für die sowjetischen Führer eine Über-

raschung sein sollte, die nie davor zurückgescheut sind, ihre Ansicht über
unser System zum Ausdruck zu bringen.
nicht miteinander verhandeln können.

Aber das bedeutet doch nicht, daß wir
Wir verweigern ja auch nicht das Ge-

spräch, wenn die Sowjets uns "imperialistische Aggressoren" oder Schlimmeres
nennen oder weil sie der Phantasievorstellung eines kommunistischen Triumphes
über die Demokratie anhängen.

Die Tatsache, daß keiner von uns das System

des anderen mag, ist noch kein Grund, das Gespräch zu verweigern.

Die Tat-

sache, daß wir in einem Nuklearzeitalter leben, zwingt uns einfach dazu, miteinander zu reden.
Unsere Verpflichtung zum Dialog ist fest und unerschütterlich. Aber
wir bestehen darauf, daß sich unsere Verhandlungen mit echten Problemen beschäftigen, nicht nur mit atmosphärischen Dingen.
Bei unserer Verhandlungsführung ist die oberste Priorität, die Gefahr
eines Krieges - und insbesondere eines Atomkrieges - zu verringern.

Ein

nuklearer Konflikt könnte durchaus der letzte der Menschheit überhaupt sein.
Aus diesem Grund habe ich vor über zwei Jahren die "Null-Lösung" für die Mittelstreckenraketen vorgeschlagen.

Es war und ist auch weiterhin unser Ziel,

eine ganze Klasse von Kernwaffen zu beseitigen.
Ja, ich unterstützte eine Null-Lösung für alle Kernwaffen.
schon gesagt habe:

Wie ich

Mein Traum ist es, den Tag zu erleben, an dem alle Atom-

waffen vom Antlitz dieser Erde verbannt sind.
Im vergangenen

�Im vergangenen Monat erklärte der sowjetische Verteidigungsminister,
daß sein Land alles tun werde, um die Gefahr eines Krieges zu verhindern.
Dies sind ermutigende Worte. Aber jetzt ist die Zeit gekommen, um den Worten
Taten folgen zu lassen.

Die Möglichkeit zum Fortschritt bei der Rüstungskontrolle existiert; die
sowjetische Führung sollte sie nützen.

Wir haben eine Reihe von Initiativen

vorgeschlagen, die die nuklearen Arsenale um ein Beträchtliches abbauen und
damit die Gefahr einer nuklearen Konfrontation verringern würden.

Die ganze Welt - und ganz gewiß auch wir - bedauern es, daß die Sowjetunion die Verhandlungen über nukleare Mittel Streckenwaffen abgebrochen und
noch keinen Zeitpunkt für die Wiederaufnahme der Verhandlungen über strategische Waffen und über konventionelle Streitkräfte in Europa genannt hat.
Unsere Unterhändler sind bereit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren,
um auf Abkommen bei INF, START und MBFR hinzuarbeiten.
Glauben verhandeln.

Wir werden in gutem

Wann immer die Sowjetunion bereit ist, das Gleiche zu

tun, werden wir ihr auf halbem Wege entgegenkommen.

Wir sind bestrebt, die nuklearen Arsenale zu verringern und die Möglichkeit gefährlicher Mißverständnisse und Fehleinschätzungen einzuschränken.
Deshalb haben wir Vorschläge für das vorgelegt, was wir "vertrauensbildende
Maßnahmen" nennen.

Diese decken einen weiten Bereich von Aktivitäten ab.

So haben wir bei den Genfer Verhandlungen vorgeschlagen, Vorausinformationen
von Raketenversuchen und von größeren militärischen Manövern auszutauschen.
Aufbauend auf Vorschlägen des Kongresses haben wir zudem eine Reihe von Wegen
vorgeschlagen, um direkte Kommunikationskanäle zu verbessern.

Vergangene

Woche hatten wir produktive Gespräche mit den Sowjets hier in Washington, um
die Kommunikation zu verbessern, einschließlich des "heißen Drahtes".

Diese bilateralen Vorschläge werden auf der Konferenz in Stockholm noch
ausgeweitet.

Wir arbeiten mit unseren Verbündeten daran, praktische, sinn-

volle Mittel und Wege zur Verringerung der Unsicherheit und der Möglichkeit

- 10 -

�der Möglichkeit von Fehlinterpretationen auszuarbeiten, von denen militärische
Aktivitäten umgeben sind, um dadurch die Gefahren eines Überraschungsangriffes
zu verringern.
Die Rüstungskontrolle ist schon seit langem der sichtbarste Bereich
amerikanisch-sowjetischen Dialogs gewesen.

des

Aber ein dauerhafter Frieden er-

fordert von beiden Seiten, die Spannungen und regionalen Konflikte abzubauen.
Lassen Sie mich den Nahen Osten als Beispiel nehmen.

Jedermanns Inter-

essen wäre durch Stabilität in dieser Region gedient, und unsere Bemühungen
sind auf dieses Ziel gerichtet.

Die Sowjets könnten zur Verringerung der dor-

tigen Spannungen beitragen, anstatt die modernsten Waffen in dieses Gebiet zu
liefern.

Das würde es uns sicherlich erleichtern, positiver auf andere Aspek-

te unserer Beziehungen einzugehen.
Ein weiteres großes Problem unserer Beziehungen zur Sowjetunion sind
die Menschenrechte.

Die sowjetischen Praktiken in diesem Bereich haben wie

in keinem anderen das Mißtrauen und den schlechten Willen hervorgebracht, die
über unseren Beziehungen liegen.
Allein schon moralische Erwägungen zwingen uns dazu,unsere tiefe Besorgnis hinsichtlich jener zum Ausdruck zu bringen, die aus Gewissensgründen gefangengehalten werden,sowie hinsichtlich der Tatsache, daß es für Juden, Armenier und andere, die mit ihren Familien im Ausland zusammenleben wollen,
praktisch keine Möglichkeit der Auswanderung mehr gibt.
Unsere Forderung ist einfach und direkt. Die Sowjetunion sollte den
Verpflichtungen nachkommen, die sie freiwillig in internationalen Vereinbarungen
eingegangen ist - insbesondere ihren Verpflichtungen gemäß der Schlußakte von
Helsinki. Die Erfahrung zeigt, daß größere Achtung der Menschenrechte zu Fortschritt in anderen Bereichen der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen beitragen kann.
Die Interessensgegensätze
- 11 -

»
'

�Die Interessensgegensätze zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sind realer Natur. Aber wir können und müssen den Frieden zwischen unseren
beiden Ländern bewahren und die Welt für die ganze Menschheit besser und friedlicher machen.
Unsere Politik gegenüber der Sowjetunion, eine Politik der glaubwürdigen
Abschreckung, des friedlichen Wettbewerbs und der konstruktiven

Zusammenarbeit,

wird unseren beiden Nationen wie auch den Menschen überall auf der Welt dienlich
sein.

Es ist eine Politik nicht nur für dieses Jahr, sondern für eine lange

Zeit.

Für uns Amerikaner ist das eine Herausforderung.

Sowjets eine Herausforderung.

Und es ist für die

Wenn sie uns nicht auf halbem Wege entgegenkom-

men können, werden wir willens sein, unsere Interessen sowie die unserer Freunde
und Verbündeten zu schützen. Aber wir wollen mehr als Abschreckung; wir streben echte Zusammenarbeit an; wir erstreben Fortschritt für Frieden.
Die Zusammenarbeit beginnt mit der Kommunikation.
che Kommunikation.

Wir wollen eine sol-

Wie ich schon gesagt habe: Wir werden in Genf und in Wien

am Verhandlungstisch bleiben. Zudem wird Außenminister Shultz diese Woche in
Stockholm mit dem sowjetischen Außenminister Gromyko zusammentreffen.

Diesem

Treffen sollten andere folgen, damit Konsultationen auf höchster Ebene eine
regelmäßige und normale Komponente der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
werden.
Unsere Herausforderung ist friedlicher Natur. Sie wird das Beste aus
uns hervorbringen.

Sie fordert auch von der Sowjetunion das Beste.

Wir bedrohen die Sowjetunion nicht. Die Freiheit stellt keine Bedrohung dar, sie ist die Sprache des Fortschritts. Wir erbrachten hierfür den
Beweis vor 35 Jahren, als wir das Monopol bei den Kernwaffen hatten und den
Versuch hätten unternehmen können, die Welt zu beherrschen. Aber wir taten
es nicht.

Stattdessen

verwandten wir unsere Macht dazu, ein neues Kapitel

in der Geschichte der Menschheit zu schreiben. Wir halfen, die vom Krieg verwüsteten Volkswirtschaften in Europa und im Fernen Osten wieder aufzubauen

- 12 -

�wieder aufzubauen - einschließlich jener von Staaten, die unsere Gegner gewesen waren.

Ja, jene ehemaligen Gegner gehören heute zu unseren besten Freunden.

Wir können nicht voraussagen, wie die sowjetische Führung auf unsere
Herausforderung reagieren wird.

Aber die Menschen unserer beiden Länder teilen

mit der gesamten Menschheit den Traum der Beseitigung der Gefahr eines Atomkrieges.

Das ist kein unmöglicher Traum, denndie Beseitigung dieser Gefahren liegt

auf eine so offenkundige Weise im lebenswichtigen Interessen von uns allen.
Unsere beiden Länder haben nie gegeneinander gekämpft; es gibt keinen Grund,
warum wir dies jemals tun sollten.
gegen gemeinsame Feinde gekämpft.

Ja, wir haben im Zweiten Weltkrieg

sogar

Heute sind unsere gemeinsamen Feinde Armut,

Krankheit und vor allem Krieg.
Vor über 20 Jahren umriß Präsident Kennedy eine Möglichkeit des politischen Handelns, die heute noch den gleichen Wert hat wie damals, als sie
verkündet wurde:
"Seien wir nicht blind gegenüber unseren Unterschieden," sagte er, "aber
lenken wir zugleich die Aufmerksamkeit auf unsere gemeinsamen Interessen und
auf die Mittel, durch die jene Unterschiede beseitigt werden können."
Nun, diese Unterschiede sind Unterschiede der Regierungsform wie der
Weltanschauung.

Die gemeinsamen Interessen beziehen sich auf die Dinge des

täglichen Lebens der Menschen überall.
Nehmen wir einmal für einen Moment an, Iwan und Anja träfen in einem
Wartesaal auf Jim und Sally oder suchten zusammen mit ihnen vor dem Regen
Schutz.

Wenn es keine Sprachbarrieren gäbe, die eine Bekanntschaft erschweren

würde:

Würden sie dann die Unterschiede zwischen ihren jeweiligen Regierungen

besprechen?

Oder würden sie lieber über ihre Kinder reden und darüber, was

sie tun, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen?
Bevor sie

- 13 -

�Bevor sie wieder auseinandergingen, hätten sie wahrscheinlich über ihre
Pläne, ihre Hobbies gesprochen; darüber, welche Ziele sie für ihre Kinder haben,und über die Schwierigkeiten, mit dem Geld auszukommen.

Und wenn sie dann

jeder ihrer Wege gingen, würde Anja wahrscheinlich zu Iwan sagen:
nicht nett?

Sie unterrichtet auch Musik."

"War sie

Und Jim würde Sally erzählen, was

Iwan an seinem Chef mag und was nicht. Womöglich würden sie sogar beschließen,
bald einmal zu einem Abendessen zusammenzukommen.
Vor allem aber hätten sie den Beweis dafür erbracht, daß Menschen keine
Kriege machen. Menschen wollen ihre Kinder in einer Welt ohne Furcht und ohne
Krieg aufziehen. Sie wollen etwas von jenen guten Dingen haben, die über das
Existenzminimum hinausgehen und die das Leben erst lebenswert machen. Sie
wollen ein Handwerk, einen Handel betreiben oder sonst einem Beruf nachgehen,
der ihnen Befriedigung und ihnen ein Gefühl der Nützlichkeit verschafft. Ihre
gemeinsamen Interessen gehen über alle Grenzen hinweg.
Wenn die sowjetische Regierung Frieden will, wird es Frieden geben.
Gemeinsam können wir den Frieden stärken, das Ausmaß an Waffen verringern und
wissen, daß wir, indem wir dies tun, dazu beitragen, die Hoffnungen und Träume
jener zu erfüllen, die wir vertreten und, in der Tat, aller Menschen auf dieser Welt.

Laßt uns jetzt damit beginnen.

+ + + + +

- 14 -

�</text>
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