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                  <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

7. Dezember 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Reagans zum US-Lufteinsatz im Libanon

HINTERGRUNDMATERIAL
Ein guter Tag für das Bündnis
- Von Richard Burt, Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium und Vorsitzender der Besonderen
Beratungsgruppe der NATO (SCG) -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Was macht im Weltraum krank?
- Rigorose Experimente an den Wissenschaftsastronauten sollen biomedizinische Probleme klären Korrosionsschutzmittel in Boilern
- Manche Verbindungen sind gesundheitsschädlich -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00

Tel.: 0228-339 20:

I

�Dokumentation
United States Information Service
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7. Dezember 1983

49

ERKLÄRUNG REAGANS ZUM US-LUFTEINSATZ IM LIBANON

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 4. Dezember 1983 zum Einsatz amerikanischer Flugzeuge im Libanon folgende Erklärung abgegeben:
Seit einiger Zeit haben wir unbewaffnete Flugzeuge zu regulären und routinemäßigen Aufklärungsflügen im Libanon eingesetzt und zwar im Rahmen
des Schutzes und der Verteidigung unserer dort stationierten Truppen. Wir
haben die Syrer bereits vor einiger Zeit darüber in Kenntnis gesetzt und ihnen
versichert, daß diese Flugzeuge unbewaffnet seien und daß diese Einsätze ausschließlich der Aufklärung dienten.

Es hat einige Fälle gegeben, in denen von

unbekannter Seite hin und wieder auf diese Flugzeuge geschossen worden ist.
Gestern früh wurden zwei dieser Einsätze von buchstäblich Hunderten von Flugabwehrgeschützen sowie der Kombination von Boden-Luft-Raketen unter Beschuß
genommen, was seitens der Syrer von mehreren Abschußanlagen koordiniert wurde.

Heute vormittag haben wir auf diesen unprovozierten Angriff geantwortet,

indem wir die Anlagen, von denen der Angriff ausging, bombardierten.
Wir wollen

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Wir wollen dort keine Feindseligkeiten. Unsere Aufgabe ist nach wie
vor, zur Stabilisierung der Situation in Beirut beizutragen, bis alle ausländischen Truppen abgezogen werden können und die Regierung des Libanon die
Autorität über ihr eigenes Territorium ausüben kann. Aber wir werden unsere
Truppen dort verteidigen, und dies war der Grund und der Zweck unseres Einsatzes von heute vormittag.

+ + + + +

�Hintergrundmateriell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

7. Dezember 1983

EIN GUTER TAG FÜR DAS BÜNDNIS
- Von Richard Burt Unterstaatssekretä'r für Europäische Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium und Vorsitzender der
Besonderen Beratungsgruppe der NATO (SCG)

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
der Washington Post vom 27. November 1983.

- (AD) - Die Abstimmung im Deutschen Bundestag am 22. November 1983 war
ein bedeutsamer Erfolg für Bundeskanzler Helmut Kohl und für das Atlantische
Bündnis insgesamt.

Diese Abstimmung hat, wie andere ähnliche Abstimmungen in

ganz Westeuropa, die feste Unterstützung für den NATO-Doppelbeschluß von 1979
bekräftigt - trotz einer intensiven vierjährigen Kampagne der Sowjets, das
Bündnis zu spalten.

Als Ergebnis beginnt jetzt die Dislozierung von PERSHING II

und Marschflugkörpern in Europa.
Diese Dislozierung stellt einen wichtigen Schritt dar, nicht weil die
Reagan-Administration oder Regierungen von Bündnisländern das so wollten, sondern weil die Sowjetunion die Frage bewußt zu einem Prüfstein ihrer Fähigkeit

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�4

ihrer Fähigkeit gemacht hat, Sicherheitsentscheidungen im Bündnis beeinflussen
zu

können.

Was als sowjetischer Versuch angefangen hat, die Glaubwürdigkeit

des Westens auf die Probe zu stellen, hat auf die Glaubwürdigkeit der Sowjetunion zurückgeschlagen.
Die Antwort der Sowjets auf die Abstimmung im Deutschen Bundestag - ihre
Entscheidung, die INF-Verhandlungen in Genf zu verlassen, und Androhung von
Gegenmaßnahmen durch Juri Andropow - machen nur den ganzen Umfang der selbstverschuldeten Niederlage Moskaus deutlich.
Was die NATO erreicht hat, liegt im wesentlichen nicht in der Zahl der
dislozierten Raketen - zunächst werden es ohnehin nur einige wenige sein, und
die volle Anzahl von 572 wird erst im Laufe der nächsten fünf Jahre erreicht
werden, wenn nicht, wie die Reagan-Administration hofft, ein Rüstungskontrollabkommen diesen Prozeß stoppt oder

umkehrt.

Das Wesentliche dessen, was

die NATO erreicht hat, ist vielmehr die Demonstration der Stärke und des Zusammenhaltes des Bündnisses unter Druck und Belastung - eine Stärke und einen
Zusammenhalt, die viele Beobachter hier und in Europa bezweifelt haben.

Die

Bedeutung dieser Angelegenheit geht weit über die engen Grenzen der Frage der
nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) hinaus.
Um die Bedeutung der Dislozierungen zu verstehen, muß man erkennen, um
was es im Grunde beim Doppelbeschluß der NATO von 1979 geht.
Die Sowjetunion hat nie das Grundkonzept des Atlantischen Bündnisses
akzeptiert - daß Westeuropa das gleiche Maß an Sicherheit zusteht wie den Vereinigten Staaten.

Während die Sowjetunion, zumindest rhetorisch, bereit war,

die Vereinigten Staaten als gleichgestellte Supermacht anzuerkennen, so hat
sie 30 Jahre lang versucht, Europa zur Geisel
machen.

ihrer überlegenen Stärke zu

In der Erkenntnis, daß nur ein amerikanisches Engagement das euro-

päische Gleichgewicht stabilisieren kann, hat sich Moskau auf den Versuch
konzentriert, die militärische und politische Verbindung zwischen Europa und
Nordamerika zu durchtrennen und damit Westeuropa der sowjetischen Macht allein gegenüberstehen zu lassen.
Diese sowjetische
- 2 -

�Diese sowjetische Bemühung, eine Hegemonie über Europa zu erringen,
wurde in den siebziger Jahren durch die Dislozierung mobiler SS-20-Raketen
unterstrichen, die wegen ihrer mittleren Reichweite nicht durch amerikanisch-sowjetische Abkommen über strategische Waffen begrenzt waren, aber
eine direkte Bedrohung der Verbündeten der Vereinigten Staaten darstellten.
Zusammen mit der Tatsache, daß die Sowjets die strategische Parität mit den
Vereinigten Staaten erreicht hatten, bot das Entstehen der Bedrohung durch
die SS-20 Moskau ein mächtiges neues Instrument, um eine politische Hebel Wirkung auf die westeuropäischen Verbündeten auszuüben, indem sie deren
Sicherheit von dem strategischen Schutzschirm der Vereinigten Staaten abkoppelten.
Es war diese Bedrohung, auf die Helmut Schmidt in seiner heute berühmten Rede vom Oktober 1977 reagierte, als er eine Lösung des Problems der
potentiellen nuklearen Beherrschung Europas durch die Sowjets forderte.
Und es war eine Antwort auf diese Situation, daß das Bündnis nach eingehenden Konsultationen den sogenannten Doppelbeschluß vom Dezember 1979 faßte,
in dem einmal die Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme der
NATO und zum anderen amerikanisch-sowjetische Rüstungskontroll Verhandlungen
zur Reduzierung und Begrenzung dieser Waffen vorgeschlagen wurden.
Vier Jahre lang war es das oberste Ziel der sowjetischen Außenpolitik,
die Entscheidung vom Dezember 1979 zu untergraben.

In der Erkenntnis dessen,

um was es strategisch dabei geht, hat die Sowjetunion eine steigende Mischung von Drohungen und Schmeicheleien benutzt, um die Einigkeit der NATO
zu unterminieren und ein wirksames sowjetisches "Veto" hinsichtlich der Verteidigungsprogramme des Bündnisses zu gewinnen.

Diese Kampagne der Sowjets

deckte sich mit eigenständigen Sorgen vieler Menschen im Westen über das Risiko eines Atomkriegs und versuchte, diese Besorgnisse auszuschlachten.
Als Ergebnis befindet sich der Westen nicht nur in einem strategischen
Wettstreit mit der Sowjetunion um die Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen
Abschreckung in Europa, sondern auch in einem politischen Wettstreit um die

- 3 -

�4

um die Erhaltung des Zusammenhalts des Bündnisses angesichts sowjetischer
Versuche, es zu spalten.
Diese Kampagne der Sowjets, um einen Keil zwischen die Verbündeten zu
treiben, hat vielerlei Formen angenommen:
- Moskau war bemüht,

die Vereinigten Staaten von Europa zu trennen,

indem es versuchte, das INF-Programm als eine einseitige amerikanische
Initiative hinzustellen statt einer Antwort des Bündnisses auf Besorgnisse, die zuerst von europäischen Führern geäußert wurden.
- Moskau war

bemüht,

Europa von Asien zu trennen, indem es versuchte,

das Hauptaugenmerk der Genfer Verhandlungen auf Europa zu lenken, ohne
den Zuwachs seiner starken gegen Asien gerichteten Streitkräfte einzuschränken.
- Moskau hat versucht, die Nuklearmächte Europas von den Nichtnuklearmächten zu trennen, indem es die Einbeziehung der britischen und französischen Nuklearsysteme verlangte - als Vorwand für die Verhinderung
amerikam'scher Dislozierungen.
- Moskau hat versucht, die Öffentlichkeit in den westlichen Ländern von
ihren Regierungen zu trennen, indem es die Angst schürte und die Nuklearfrage zu emotionalisieren suchte.
Wie die Debatte im Deutschen Bundestag am 22. November deutlich machte,
sind diese sowjetischen Bemühungen fruchtlos geblieben.

Das transatlantische

Verhältnis ist gestärkt, nicht geschwächt worden durch die Verwirklichung des
Beschlusses vom Dezember 1979.

Wenn je ein Schritt demokratisch sanktioniert

wurde, dann die NATO-Dislozierungen.

Bei den Wahlen in diesem Jahr in der

Bundesrepublik, in Italien und in Großbritannien - den Ländern, in denen die
ersten amerikanischen Flugkörper stationiert werden -, wurden alle drei Regierungen wiedergewählt, die sich nachhaltig für das NATO-Programm einsetzen.
In den letzten Wochen haben Parlamentsdebatten in Belgien, den Niederlanden,
- 4 -

�den Niederlanden, Italien, Großbritannien und in der Bundesrepublik Deutschland diese Unterstützung nachdrücklich bestätigt.
Die Ergebnisse dieser Erfahrung mit den nuklearen Mittel Streckensystemen
sind bisher dreierlei:
1. Die strategische Einigkeit des Bündnisses ist vertieft worden. Die
Dislozierungen gewährleisten, daß die Sowjetunion weiß, daß die Vereinigten Staaten in einem Konflikt von Anfang an engagiert wären, und damit
wird die Dislozierung die Abschreckung vor einer sowjetischen Aggression und politischer Erpressung stärken.
2. Der politische Zusammenhalt des Bündnisses ist gestärkt worden. Trotz
all der Demonstrationen und Kontroversen ist das grundsätzliche Übereinkommen der NATO über kollektive Sicherheit bestärkt worden. Das berührt
alle Mitglieder des Bündnisses,einschließlich jener, die nicht an dem INFProgramm beteiligt sind, wie etwa Frankreich, das in dieser Frage der
Einigkeit des Bündnisses starke und aktive Unterstützung gewährt hat.
Darüber hinaus hat das Problem zum erstenmal zu einer Erkenntnis gemeinsamer Sicherheitsinteressen der europäischen Verbündeten und Japans
geführt.

Wie die Führer der sieben großen demokratischen Industrie-

staaten in Williamsburg im Juni dieses Jahres erklärt haben, "ist die
Sicherheit unserer Länder unteilbar und muß auf globaler Basis betrachtet werden."
3. Innerhalb des Bündnisses haben sich beispiellose Verfahren für die Konsultation über Rüstungskontrolle entwickelt.

Die Vereinigten Staaten

haben in Genf nicht für sich allein verhandelt.

Die Intimität und Inten-

sität der Konsultationen über nukleare Mittel Streckensysteme haben nicht
nur zur Einigkeit des Bündnisses beigetragen, sondern haben auch die Position des amerikanischen Unterhändlers Paul Nitze in Genf erheblich
gestärkt.
Wohin geht
- 5 -

�Wohin geht der Weg jetzt?

Zunächst einmal ist die sowjetische Entschei-

dung, die gegenwärtige Runde der Genfer Verhandlungen zu beenden, weder gerechtfertigt noch erklärlich.

Die Vereinigten Staaten haben zwei Jahre lang

mit der Sowjetunion verhandelt, während diese ihre SS-20-Streitmacht um über
300 Gefechtsköpfe vergrößert hat. Daher wird die sowjetische Behauptung, daß
die Dislozierung amerikanischer Raketen es Moskau unmöglich mache, in Genf zu
bleiben, bei der öffentlichen Meinung im Westen wenig Verständnis finden.
Einer der wichtigsten Beiträge, die die Friedensbewegung jetzt leisten könnte,
wäre es, den Sowjets die Notwendigkeit klarzumachen, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Dies ist in der Tat nicht das erstemal, daß die Sowjets versuchten,
ernsthaften Verhandlungen aus dem Weg zu gehen. Die erste sowjetische Reaktion auf den Doppelbeschluß vom Dezember 1979 war die Ablehnung des Verhandlungsangebots. Aber schließlich willigte Moskau dann doch ein, nach Genf zu
gehen, weil die Sowjets erkannt hatten, daß das Bündnis an seinem Beschluß
festhalten werde. Anhaltende Entschlossenheit des Bündnisses kann also die
Sowjets an den Verhandlungstisch zurückbringen.
Als die NATO den Beschluß vom Dezember 1979 gefaßt hat, glaubte niemand,
daß seine Durchführung leicht sein werde.

Sie war auch nicht leicht. Aber

die Herausforderung,an einer umstrittenen Verpflichtung festzuhalten, hat die
gesunde Nebenwirkung gehabt, daß die Demokratien des Westens ihre gemeinsamen
strategischen Interessen wiederentdeckten.
Wie sollte das Bündnis auf diesem vorzeigbaren Erfolg weiter aufbauen?
So wichtig das nukleare Element für die Abschreckung auch ist, so muß das
Bündnis jetzt militärisch seine Bemühungen auf die Verbesserung der konventionellen Verteidigung der NATO richten.

Es kann dabei die Vorteile neuer

technologischer Entwicklungen ausnutzen, die es dem Westen ermöglichen würden, der zahlenmäßigen Überlegenheit der Sowjets zu begegnen.

Wie dies seit

langem der Fall war, besteht der beste Weg zur Verringerung des Risikos eines
nuklearen Konflikts in der Stärkung der konventionellen Kapazität der NATO.
In der
- 6 -

�In der Rüstungskontrolle muß das Bündnis, über die Verringerung und
Begrenzung von Streitkräften hinaus, Mittel und Wege finden, um das Risiko
eines Konflikts aus Zufall oder Fehleinschätzung so klein wie möglich zu
machen.

Präsident Reagan hat kürzlich bedeutsame neue Maßnahmen zu diesem

Zweck vorgeschlagen, einschließlich der Verbesserung des amerikanisch-sowjetischen "Heißen Drahtes".
Die NATO-Länder werden jetzt auf der Konferenz über Abrüstung in Stockholm, an der 35 Länder teilnehmen und die Januar 1984 beginnt, neue Maßnahmen
vorschlagen. Diese "vertrauensbildenden Maßnahmen" sollen dazu dienen, die
Sichtbarkeit militärischer Aktivitäten zu erhöhen, und damit das Risiko verkleinern, daß die eine oder andere Seite im Krisenfalle zu falschen Schlüssen
kommt. Zum erstenmal sollen sich diese Maßnahmen auf den ganzen europäischen
Kontinent bis zum Ural erstrecken.
Was Genf anbelangt, so ist die Reagan-Administration weiterhin überzeugt, daß die Sowjetunion trotz ihrer fehlgeleiteten Entscheidung, die Verhandlungen zu verlassen, genau wie die Vereinigten Staaten weiterhin ein wich
tiges Interesse an der Verringerung und Begrenzung der Kernwaffen hat.

Wenn

die Sowjetunion sich entschließt, an den Verhandlungstisch zurückzukehren,
dann wird sie in den Vereinigten Staaten dort einen bereitwilligen Partner
finden.

- 7 -

�7. Dezember 1983

49

WAS MACHT IM WELTRAUM KRANK?
Rigorose Experimente an den Wissenschaftsastronauten sollen
biomedizinische Probleme klären -

- (AD) - "Weltraumkrankheit" ist eine der wichtigsten Forschungsaufgaben im Zusammenhang mit dem ersten Flug des europäischen Vielzwecklabors
SPACELAB an Bord der amerikanischen Raumfähre COLUMBIA. Fast alle Raumfahrer
werden davon betroffen. Allerdings äußert sie sich bei etwa 60 Prozent von
ihnen nur in leichten Symptomen, während die übrigen 40 Prozent Schwindelanfälle, Übelkeit mit Erbrechen, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit massiv zu
spüren bekommen. Im allgemeinen tritt sie nur während der ersten zwei bis
drei Flugtage auf. Dann hat sich der Organismus auf den schwerelosen Zustand
umgestellt.
Raumkrankheit kann nicht nur die Durchführung der Arbeitsprogramme beeinträchtigen, sondern auch die Sicherheit der Astronauten gefährden. Sie
entwickelte sich eigentlich erst in den letzten Jahren zu einem Problem, seitdem wesentlich größere Raumfahrzeuge zur Verfügung stehen und die Astronauten
darin sehr viel mehr Bewegungsfreiheit haben.

Die Krankheit ist allerdings

kein auf den Weltraum beschränktes Phänomen, sondern, wie Dr. Laurence R. Young

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�.

Dr. Laurence R. Young vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) meint,
eine Variante der altbekannten Reise- oder Bewegungskrankheit. Diese macht
manchen Personen beim Fliegen, bei Auto- und Omnibusfahrten, auf Bahn- und vor
allem auf Schiffsreisen viel zu schaffen.

Nicht wenige verlieren den Mut,

überhaupt noch Reisen zu unternehmen, wenn die - meist vorbeugend - eingenommenen Medikamente nicht die erhoffte Wirkung zeigen.
Zahlreiche Experimente, die für den neunten amerikanischen Raumtransporterflug (STS-9) ausgearbeitet wurden, sollen helfen, den tatsächlichen Ursachen
der Bewegungskrankheit auf die Spur zu kommen.

Die vier Wissenschaftler an

Bord - Dr. Ulf Merbold, Dr. Byron Lichtenberg, Dr. Owen Garriott und Dr. Robert
Parker - hatten z.T. überaus rigorose Versuche auszuführen.

Die Folge

war, daß keiner der vier völlig von Symptomen der Raumkrankheit verschont blieb.
Am stärksten bekam sie am zweiten Flugtag Nutzlastspezialist Lichtenberg zu
spüren.

Er mußte den gerade laufenden Versuch abbrechen. Aber schon am nächsten

Tag trat er, offensichtlich sehr gut erholt, wieder zu seiner 12-StundenArbeitsschicht im SPACELAB an.
Zuständig für die Überwachung und Auswertung der Experimente, für die z.T.
auch neue Meß- und Beobachtungsinstrumente entwickelt worden waren, sind Dr. Young,
Dr. M.F. Reschke vom Johnson-Raumfahrtzentrum in Houston und Dr. R. von Baumgarten
von der Gutenberg-Universität in Mainz.

Ober Wochen vor dem Start hatten die

Wissenschaftsastronauten für SPACELAB 1 ganze Serien flugmedizinischer Experimente über sich ergehen lassen, bei denen, gewissermaßen zur "Vorausinformation",
Symptome und verschiedene Stadien von Raumkrankheit künstlich erzeugt wurde.
Merbold und Lichtenberg trugen schon beim Start und während des ganzen Fluges
kleine Meßgeräte am Kopf, die alle Kopfbewegungen registrieren; gleichzeitig
wurden die Herzströme aufgezeichnet. Außerdem sprachen die Wissenschaftler
sofort beim Auftreten von Mißempfindungen ihre Beobachtung auf Tonband.

Die

Auswertung wird zeigen, ob und welche Zusammenhänge zwischen Kopfbewegungen
und bestimmten Symptomen von Weltraumkrankheit bestehen.

Eine systematische

Erforschung der Phänomene könnte Hilfe sowohl für Raumfahrer als auch für die

- 2 -

�für die gegen Bewegungskrankheit besonders anfälligen Personen sowie für Patienten
bringen, die an bestimmten Krankheiten des Innenohrs leiden.
Denn Bewegungskrankheit (Kinetose) tritt, wie Dr. Young auf einer Pressekonferenz in Houston erklärte, dann auf, wenn das Gleichgewichtssystem im Innenohr - jener Mechanismus, der das Gehirn zwischen "oben" und "unten" unterscheiden
läßt - die Bezugsrichtung verliert.

Der Gleichgewichts- oder Vestibularapparat

besteht aus zwei Hauptteilen, (1) dem Labyrinthvorhof mit sämtlichen Sinnesendstellen zur Gleichgewichtsempfingung, und (2) den in drei Achsen aufeinander
senkrecht stehenden Bogengängen.

Nach einer schon vor fast 140 Jahren aufge-

stellten Theorie bilden letztere das Organ zur Erfassung von Änderungen in der
Vorwärtsbewegung und in Drehbewegungen von Kopf und Körper.

Für die statischen

Funktionen wirken Lymphflüssigkeit in den Kammern und Statolithen (früher irrtümlicherweise "Hörsteine" oder auch Otolithen genannt, ihrer Natur nach winzige
Kristalle aus kohlensaurem Kalk) mit den Rezeptorzellen zusammen, mit denen die
Kammerwände ausgekleidet sind.
Wenn die Statolithen unter normaler, irdischer Schwerkraft zu den Rezeptorzellen am Boden der Kammern absinken, und wenn entsprechende Informationen
weitergeleitet und verarbeitet werden, registriert das Gehirn, daß der Körper
aufrecht steht.

Bei Schwerelosigkeit aber schweben die Statolithen ohne eine

bestimmte Ausrichtung im Innenohr, was für den Gleichgewichtsmechanismus des
Gehirns problematisch ist und, so Young, Raumkrankheit auslöse.
reagiert äußerst empfindlich darauf.

Der Organismus

So werden z.B. Blutdruck, Herztätigkeit

und Blutzusammensetzung verändert.
Wahrnehmungen über die Augen und Augenreaktionen spielen ebenfalls eine
wichtige Rolle.

Den Astronauten wurden zeitweilig die Augen verbunden, Warm-

und Kaltluft in die Ohren geblasen.

In ein schachtelähnliches Gerät, in dem

innen ein Zylinder mit verschiedenfarbigen und unterschiedlich großen Punkten
rotierte, mußte als erster Parker seinen Kopf stecken.

Während die Farbpunkte

vorüberflitzten, fotografierte eine Kamera seine Augenreaktionen - ein Versuch

- 3 -

�ein Versuch unter vielen,Zusammenhänge zwischen Augenbewegung und Gleichgewichtssinn in der Schwerelosigkeit aufzudecken.
Mit Hilfe eines von Dr. von Baumgarten entwickelten, mit Sonden vollgepackten Helmes werden beim Träger (die Wissenschaftsastronauten setzen ihn
abwechselnd auf) durch eine Mini-Fernsehkamera vom einen Auge Bewegungen und
Reaktionen auf bestimmte Reize aufgezeichnet, während gleichzeitig das andere
Auge über einen kleinen Fernsehschirm unterschiedlichen optischen Reizen ausgesetzt wird.
Lichtenberg und Garriott absolvierten spezielle Tests mit plötzlich und
unvermutet

einsetzenden Bewegungen.

In elastischen Haltebändern schwebend,

wurden sie mehrmals hintereinander in verschiedene Richtungen geschnellt.
In leichter Abwandlung dieses Tests legte man Garriott zusätzlich an einem
Bein Elektroden an und versetzte ihm leichte Stromstöße.

Den Wissenschaft-

lern im Kontroll Zentrum gaben diese Versuche Gelegenheit, Wechselwirkungen
zwischen dem Statolithenmechanismus und spinalen wie muskulären Reflexen der
Astronauten zu beobachten.

Man wußte ja bereits, daß es Labyrinthreflexe

gibt - die durch eine Reizung von Lagerezeptoren im Innenohr hervorgerufene
Zusammenziehung von Muskeln am Hals, an Rumpf und an Gliedmaßen.

Auch ruck-

artige Bewegungen der Augäpfel zählen zu solchen Reaktionen in plötzlich verändertem Schwerkraftfeld.
Wie laufen sie ab, wie werden sie gesteuert, wie sind sie zu beeinflussen? Eine Klärung dieser und vieler anderer Fragen im Zusammenhang mit den
verschiedenen Formen von Kinetose könnte auch der Allgemeinmedizin in manchen
Bereichen nützlich sein. "Wir piesacken euch ganz schön", meinte 'Mission
Control' in Houston. "Aber ihr haltet euch prächtig dort oben!"
Merbold und Parker schnallten sich für bestimmte Versuche Instrumentensätze mit Mini-Beschleunigungsmessern und einem kleinen EKG-Gerät auf den
Rücken.

Vielleicht spielen aber auch individuell unterschiedliche Reaktionen

auf veränderte Gravitationsfelder eine Rolle, ob und in welchem Ausmaß je-

- 4 -

�Ausmaß jemand "raumkrank" wird.

Dr. Young ist der Ansicht, daß unkontrol-

lierte Kopfbewegungen viel dazu beitragen, um die Raumkrankheit auszulösen.
So hatte beispielsweise Parker mit dem Kopf unter der "Schachtel" kaum Mißempfindungen, weil sein Kopf fixiert blieb.

Er konnte ihn während des Ex-

periments nicht bewegen.
Einer der Versuche galt der Prüfung einer 1914 aufgestellten Theorie,
die besagt, daß ein Gefühl von Bewegung hervorgerufen werde, wenn man das
eine Ohr erwärmt, das andere dagegen nicht. Wie Young erklärte, habe man
damals postuliert, daß die Bewegungsempfindung in den flüssigkeitsgefüllten
Innenohr-Kammern, und zwar durch Konvektionsströme (Flüssigkeitsbewegungen
unter der Wärmeeinwirkung) ausgelöst werde. Jedoch könne es unter Schwerelosigkeit keine Konvektionsströme (mit Steigen und Sinken von Flüssigkeitsschichten unterschiedlicher Dichte) geben, sagte Young. Somit dürfte auch
die Versuchsperson im All bei einem solchen Experiment (wie mit Kalt- und
Warmluft ausgeführt) nicht die Empfindung von Bewegung haben. Dr. Parker,
"Versuchskaninchen" für dieses Experiment, bestätigte das.
Inzwischen wird vermutet, daß mehr und andere Mechanismen neben den
"schwebenden Statolithen" im Spiele sind. Beispielsweise dürften Sehen und
Wahrnehmung über die Augen eine sehr viel größere Rolle spielen als bisher
angenommen, ähnlich wie das Stehen auf harter Oberfläche dem Gehirn hilft,
die Position zu ermitteln, in der sich der Körper befindet. Diese Theorie
wird erst in den letzten Flugtagen näher untersucht, wenn einige der Besatzungsmitglieder erneut den Kopf in den rotierenden Zylinder unter der Schachtel stecken. Haben sie dabei mehr Phantomempfindungen von Bewegung als zuvor, würde dies bedeuten, daß das visuelle System für den Orientierungssinn
wichtiger geworden ist als das Statolithensystem.
Wenn der Flug COLUMBIA/SPACELAB 1 weiterhin so gut verläuft wie bisher,
dürfte er um einen Tag verlängert werden.

Ursprünglich war die Rückkehr für

den 7. Dezember, 17.11 Uhr MEZ, angesetzt.

Die Raumfähre wird auf dem Flug-

hafen Edwards Air Force Base in Kalifornien landen.
+ + + + +

- 5 -

�Wi//cn/choft
und Technik
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49

7. Dezember 1983

KORROSIONSSCHUTZMITTEL IN BOILERN
Manche Verbindungen sind gesundheitsschädlich

- (AD) - In Systemen zur Erzeugung und Weiterleitung von Dampf und Heißwasser werden vielfach chemische Zusätze benutzt, um Korrosionserscheinungen
zu unterdrücken. Manche dieser Zusätze können jedoch gesundheitsschädlich
sein, wie Untersuchungen in den Vereinigten Staaten zeigten. So warnte kürzlich das Komitee für Toxikologie des Nationalen Forschungsrates vor der Anwendung von Morpholin und Diäthylaminoäthanol (DEAE), wenn Dampf z.B. mit Nahrungsmitteln in Kontakt kommt.
Anlaß für eine gründliche Prüfung aller verfügbaren Literatur durch den
Ausschuß für Toxikologie war eine Anfrage der amerikanischen Marine, die in
einer zentralen Heizanlage, welche auch einen marineeigenen Krankenhauskomplex
im US-Bundesstaat Illinois mit Dampf versorgt, die beiden Verbindungen einsetzen wollte. Aber die Morpholin-Herstellerfirma Texaco Chemical Co. riet davon ab, weil Tests im Jahr 1980 den Verdacht hatten aufkommen lassen, daß
Morpholin schwache mutagene Wirkungen haben könne. (Darunter sind Veränderungen der Erbanlagen unter der Einwirkung chemischer Substanzen zu verstehen.)
Die Marine hatte die Verwendung der Substanzen in einem Heizsystem beabsichtigt, das nicht nur für die Zubereitung von Speisen, sondern auch zum Anfeuch-

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�auch zum Anfeuchten der Luft und zur Sterilisierung chirurgischer Instrumente
benutzt wird.
Der Ausschuß fand heraus, daß sowohl Morpholin als auch DEAE Nitrosamine
bilden können - d.h. von Verbindungen, die im Verdacht stehen, beim Menschen
Krebs hervorzurufen.

Und tatsächlich wurde N-Nitrosomorpholin in Nahrungs-

mitteln gefunden.

Sie waren vermutlich mit Morpholin-behandeltem Dampf in

Kontakt gekommen.

Aufgrund seiner chemischen Struktur könnte auch DEAE, so

das Komitee, zwei bestimmte Nitrosamine bilden.

Jedoch gebe es noch keine

Unterlagen über den Umfang dieser Reaktion in DEAE-behandeltem Dampf.
Beide Stoffe gehören außerdem zu einer Gruppe von Aminen, von denen einige Verbindungen die Atmung bei Personen beeinträchtigen, die an Asthma leiden oder früher beruflich solchen Chemikalien ausgesetzt waren.

Aus diesem

Grund könnte sich für Krankenhauspatienten ein besonderes Risiko ergeben, wenn
DEAE und Morpholin verwendet werden.

Weder für kranke Personen noch für die

Allgemeinheit gebe es hinsichtlich einer fortdauernden Exposition über einen
längeren Zeitraum irgendwelche Richtlinien, erklärte der Ausschuß.

Zwar habe

das US-Amt für Arbeitsschutz Höchstwerte festgesetzt, aber diese gelten nur
für den Acht-Stunden-Arbeitstag bei einer 40-Stunden-Woche.

Die Bundesbehörde

für Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) erlaubt unter bestimmten Bedingungen die
Verwendung von Morpholin und DEAE bei Kontakt mit Nahrungsmitteln, solange
die Konzentrationen festgesetzte Maximalwerte nicht überschreiten.

Jedoch er-

wäge jetzt die FDA, die Genehmigung der Verwendung von Morpholin-behandeltem
Dampf wegen der Nitrosamingefahr zu widerrufen, sofern dem Dampf Nahrungsmittel ausgesetzt werden.
Weniger problematisch scheine Cyclohexylamin als Korrosionsschutzmittel
zu sein, bemerkte das Komitee, weil dabei die "Wahrscheinlichkeit zur Bildung
eines stabilen Nitrosamins geringer ist als bei Morpholin und DEAE".

Jedoch

lägen über mögliche andere Gesundheitsschäden durch diese Verbindung noch keine
Untersuchungen vor, so daß sie noch nicht empfohlen werden könne.
Der Ausschuß

�Der Ausschuß setzt sich dafür ein, in Boilersystemen nicht gleichzeitig
Morpholin und DEAE zu verwenden.
sion
ter[

Außerdem sei es ratsam, Zusätze gegen Korro-

"kontinuierlich in kleinen Mengen" zu geben anstatt jeden Tag in bestimmhöherer Dosis.

Dadurch könnten die Anfangskonzentrationen im Dampf nied-

riger gehalten werden, und die Möglichkeiten zur Bildung von Nitrosaminen
würden vermindert.
gendeiner

Behandelter Dampf aus Systemen, mit dem Menschen in ir-

Form in Berührung kommen, sollte ständig auf seine Konzentrationen

an Aminen und Nitrosaminen kontrolliert werden.

Außerdem seien weitere Stu-

dien zur Nitrosierung von Morpholin und DEAE sowie über die Langzeitauswirkungen
von Aminen bei sehr niedriger Konzentration in der Umgebungsluft erforderlich.

- 3 -

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Reagans zum US-Lufteinsatz im Libanon&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein guter Tag für das Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Richard Burt, Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium und Vorsitzender der Besonderen Beratungsgruppe der NATO (SCG) -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was macht im Weltraum krank?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rigorose Experimente an den Wissenschaftsastronauten sollen bio-medizinische Probleme klären -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Korrorsionsschutzmittel in Boilern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Manche Verbindungen sind gesundheitsschädlich -&lt;/em&gt;</text>
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