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                  <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. November 1983

48
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: USA sofort zur Wiederaufnahme der Genfer Gespräche bereit
- Erklärung des US-Präsidenten vom 23. November 1983 Präsident Reagan beantwortet Schreiben der Mutter von Filderstadt
Nitze bekräftigt Bereitschaft der USA zur Fortsetzung der INFVerhandlungen
- Erklärungen in Brüssel und Genf -

HINTERGRUNDMATERIAL
Chronologie der amerikanischen und der sowjetischen Rüstungskontroll
vorschlage
IEA:

Der Schlüssel für internationale Energiesicherheit

- Von E. Allan Wendt -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Arbeitsstätte "SPACELAB"
- ESA-Weltraumlabor - ein Modell für wissenschaftliche Raumstationen

Um Übersendung uon
Belegexemplaren
wild gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

48

30. November 1983

REAGAN: USA SOFORT ZUR WIEDERAUFNAHME DER GENFER GESPRÄCHE BEREIT
- Erklärung des US-Präsidenten vom 23. November 1983 -

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 23.
November 1983 mit Nachdruck unterstrichen, daß die USA bereit seien, die von
der Sowjetunion unterbrochenen Verhandlungen über nukleare Mittelstreckenraketen in Genf sofort wieder aufzunehmen.

Gleichzeitig versicherte er in

einer in seinem Urlaubsort Santa Barbara in Kalifornien abgegebenen Erklärung, daß die Vereinigten Staaten niemals den Verhandlungstisch verlassen
würden.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich bedauere zutiefst, daß sich die Sowjetunion entschieden hat, die
gegenwärtige Runde der Verhandlungen über die nuklearen Mittelstreckenraketen (INF) in Genf zu unterbrechen.

Wenn diese Entscheidung auch keine Ober-

raschung darstellte, so hat sie doch tiefe Enttäuschung ausgelöst.

Die Be-

mühungen um ein Abkommen über die Verminderung der Kernwaffen sind für die
Menschen in aller Welt so wichtig, daß sie nicht aufgegeben werden dürfen.
Der gesunde

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Telex: 8-85432

�Der gesunde Menschenverstand erfordert, daß wir (mit den Verhandlungen)
fortfahren.

Wir haben zwei Jahre lang verhandelt, während die Sowjets weiter-

hin ihre SS-20-Raketen disloziert haben.

Es gibt keine Rechtfertigung für

ihren Abbruch der Verhandlungen, wo jetzt die NATO damit beginnt, das Gleichgewicht wiederherzustellen.
handlungstisch verlassen.

Die Vereinigten Staaten werden niemals den VerDer Friede ist zu wichtig.

Wir sind bereit, die Verhandlungen sofort wieder aufzunehmen.

Die Ini-

tiativen, die wir am Verhandlungstisch vorgebracht haben, verfolgen nur das
eine Ziel:

ein faires Abkommen zu erreichen, das die Anzahl der Kernwaffen

verringert.

Die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten sind geeint

in der Verpflichtung, zu einem Erfolg zu gelangen.
Es gibt keine höhere Priorität als die Verminderung der Kernwaffen.
Rüstungsverminderungen sind der einzig richtige Weg zu einer sichereren Zukunft.

Wir sind um vernünftige und verifizierbare Abkommen bemüht, die den

legitimen Sicherheitsinteressen beider Seiten gerecht werden.
Wir setzen die anderen Verhandlungen mit der Sowjetunion fort:

die Ver-

handlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START), über
die Verringerung der konventionellen Streitkräfte in Europa (MBFR), über ein
Verbot der chemischen Waffen sowie - in Kürze - über vertrauensbildende Maßnahmen, die auf die Verhinderung militärischer Überraschungen in Europa abzielen.
Die Völker der Welt verdienen und wünschen, daß unsere Verhandlungen
Erfolg haben. Wir sehen dem Tag entgegen, da die Sowjetunion diesem Appell
folgt und an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Wir müssen Standhaftigkeit
beweisen, wenn der Sache des Friedens gedient werden soll.
+ + +

Erklärung Reagans

�ERKLÄRUNG REAGANS NACH ANDROPOW-ANKÜNDIGUNG

Nach der Ankündigung des sowjetischen Staats- und Parteichefs Andropow
vom 24. November 1983, daß die Sowjetunion eine weitere Beteiligung an den
INF-Verhandlungen in Genf als unmöglich ansieht, erklärte Präsident Reagan
in Santa Barbara:
Wir können nur bestürzt sein über die sowjetische Erklärung.

Sie steht

in krassem Kontrast zu dem erklärten Wunsch der Sowjetunion, daß ein Abkommen
ausgehandelt werden müsse.
Wenn wir auch bestürzt sind, so sind wir dennoch entschlossen, unsere
Anstrengungen zur völligen Beseitigung der landgestützten nuklearen Mittelstreckensysteme zu erneuern.

Wir werden uns auch weiterhin um Verhandlungen

in gutem Glauben bemühen.

- 3 -

�Dokumentation
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Embassy of the United States of America

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30. November 1983

PRÄSIDENT REAGAN BEANTWORTET SCHREIBEN DER MOTTER VON FILDERSTADT

WASHINGTON - (AD)
Telegramms der "Mütter
Filderstadt die Sorgen
haben sollen, in einer

- Präsident Ronald Reagan hat in Beantwortung eines
für den Frieden" aus dem baden-württembergischen Ort
dieser Frauen geteilt, daß "unsere Kinder die Chance
sicheren, gesunden und friedlichen Welt zu leben".

In ihrem Telegramm, das sie am 11. November 1983 zur Weitergabe an den
Präsidenten an die amerikanische Botschaft richteten, hatten die "Mütter
für den Frieden" den Präsidenten gebeten, in Genf weiter zu verhandeln mit
dem Ziel, Europa die Nachrüstung zu ersparen, und darauf hingewiesen, daß
die Menschen in Ost und West dies mit größter Dankbarkeit aufnehmen würden.
In seinem Antwortschreiben unterstreicht der Präsident die Notwendigkeit, daß sich demokratische Nationen im Notfall verteidigen können, und verweist auf die jedes vertretbare Maß der Selbstverteidigung überschreitende
Hochrüstung der Sowjets. Diese habe schließlich zum NATO-Doppelbeschluß geführt. Präsident Reagan versichert den Frauen, daß die Vereinigten Staaten
weiterhin verhandlungsbereit sind und bleiben und daß die amerikanischen Raketen bei einem befriedigenden Abkommen mit der Sowjetunion wieder abgezogen würden.
Das Schreiben

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Telex: 8-85432

�Das Schreiben des Präsidenten an die "Mütter für den Frieden" in Filderstadt hat folgenden Wortlaut:
Für Ihre herzliche, tiefempfundene Botschaft zum Thema Rüstungskontrolle
danke ich Ihnen. Als Eltern und Großeltern teilen Nancy und ich Ihre Sorgen,
daß unsere Kinder die Chance haben sollen, in einer sicheren, gesunden und
friedlichen Welt zu leben.
Um aber für uns und unsere Nachkommen eine solche Welt zu gewährleisten,
müssen wir in der Lage sein, uns verteidigen zu können, wenn dies notwendig
werden sollte.

Nicht alle Staaten der Welt glauben wie wir an Freiheit, De-

mokratie und die Grundrechte des Menschen.

Die Sowjetunion hat bedauerlicher-

weise einen Kurs der Hochrüstung von beispiellosen Ausmaßen eingeschlagen und
bedroht ihre Nachbarn in Europa und in Asien mit SS-20- und anderen Atomraketen, die jedes vertretbare Maß der Selbstverteidigung übersteigen.
Als Antwort auf diese Aufrüstung der Sowjets haben die Länder der Nordatlantikvertragsorganisation im Jahr 1979 beschlossen, die NATO-Abschreckung
zu modernisieren und gleichzeitig die Sowjetunion zu Verhandlungen über eine
Abschaffung oder Verringerung dieser Waffen auf beiden Seiten zu bewegen.
Leider hat sich die UdSSR bisher nicht bereit gezeigt, auf die Besorgnisse
einzugehen, die zu diesem Beschluß geführt haben. Dementsprechend beginnt
das Bündnis Ende dieses Jahres mit der Stationierung vergleichbarer Systeme,
um einen Ausgleich für die in den letzten sechs Jahren aufgestellten SS-20Raketen zu schaffen.
Gleichzeitig gab das Bündnis im vorigen Monat ein
weiteres Programm der einseitigen Verringerung bekannt, das zusammen mit
unserem einseitigen Abzug von 1000 nuklearen Gefechtsköpfen im Jahr 1980
das Arsenal der NATO auf seinen niedrigsten Stand in über 20 Jahren bringen
wi rd.
Das Ziel des Bündnisses ist es, die Sowjets dazu zu bewegen, auf Verringerungen der weiterreichenden nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) auf
einen möglichst niedrigen Stand - am besten auf Null - einzugehen.

- 2 -

Die Ver-

�Die Verwirklichung des NATO-Doppelbeschlusses wird dazu beitragen, daß gewährleistet wird, daß in Europa niemals ein Atomkrieg ausbricht, indem die
Sicherheit der Vereinigten Staaten mit der Sicherheit Westeuropas verknüpft
wird.

Mit anderen Worten, unsere europäischen Verbündeten würden einem

sowjetischen Einschüchterungsversuch niemals allein gegenüberstehen.
Sie haben in Ihrer Botschaft gebeten, daß wir mit der Sowjetunion weiterverhandeln sollen.
nehmen.

Wir sind bereit, die Verhandlungen sofort wieder aufzu-

Die Vereinigten Staaten werden den Verhandlungstisch niemals ver-

lassen; dazu ist der Frieden zu wichtig.

Nichts hat für mich einen höheren

Rang als die Verringerung der Kernwaffen.

Wir haben zwei Jahre lang ver-

handelt, während die Sowjetunion eine SS-20-Rakete nach der anderen aufgestellt hat.

Es gibt für die Sowjetunion keine Rechtfertigung für einen Ab-

bruch der Verhandlungen, wenn die NATO jetzt beginnt, das Gleichgewicht wieder herzustellen.
Ein befriedigendes Abkommen muß die Sicherheit unserer europäischen
Verbündeten gewährleisten.

Wenn ein solches Abkommen die Stationierung

amerikanischer Raketen unnötig macht, dann können alle in Europa aufgestellten
amerikanischen Raketen wieder abgezogen werden.
Ich werde ein solches Abkommen weiterhin mit allem Nachdruck anstreben.
Es ist immer die Politik der Vereinigten Staaten gewesen - und wird es auch
weiterhin bleiben -, dafür zu sorgen, daß der Menschheit die Geissei eines
Atomkrieges erspart bleibt, bei dem es keine Sieger gäbe.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Ronald Reagan

- 3 -

�I

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30. November 1983

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NITZE BEKRÄFTIGT BEREITSCHAFT DER USA ZUR FORTSETZUNG DER
INF-VERHANDLUNGEN
- Erklärungen in Brüssel und Genf -

BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Verhandlungsführer bei den Genfer
INF-Gesprächen, Paul Nitze, hat am 25. November 1983 nicht nur die Bereitschaft, sondern auch den Wunsch der US-Regierung bekräftigt, daß die Verhandlungen über die nuklearen Mittel Streckensysteme wieder aufgenommen werden,
wann immer Moskau dies tun wolle.
Nach seinen Darlegungen vor dem Nordatlantikrat in Brüssel gab Nitze
auf einer Pressekonferenz folgende Erklärung ab:
Ich habe vor dem NATO-Rat das tiefe Bedauern der amerikanischen Regierung über die einseitige sowjetische Aussetzung dieser INF-Verhandlungsrunde
zum Ausdruck gebracht.

Ich habe ebenfalls nicht nur die Bereitschaft, son-

dern auch den Wunsch der US-Regierung unterstrichen, daß diese Verhandlungen
fortgesetzt oder wieder aufgenommen werden sollten, wann immer die Sowjetunion dies tun will.
Wir haben

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Telex: 8-85432

�Wir haben den Prozeß der engen Konsultation fortgesetzt, wie das auch
in der Vergangenheit der Fall war.

Ich glaube, Botschafter Glitman und ich

haben während des Verlaufes dieser Verhandlungen etwa alle drei Wochen den
NATO-Rat unterrichtet.

Er oder ich sind hier erschienen, um den Nordatlantik-

rat über alle Einzelheiten der Verhandlungen zu informieren, wie sie sich in
diesem Zeitraum ergaben haben.

Meiner Meinung nach ist es am besten, wenn

ich mich jetzt Ihren Fragen stelle.
Die wichtigsten Fragen und Antworten dieser Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Haben Sie während dieses Monats

der Verhandlungen mit den Sowjets

jemals das Gefühl gehabt, daß ein Abbruch verhindert werden könnte und daß
eine Lösung, ein Abkommen zu irgendeinem Zeitpunkt in Reichweite war?
ANTWORT:

Wir haben während dieser Verhandlungen immer mit der Hoffnung

gearbeitet, daß ein Abkommen erreicht werden könne vor dem tatsächlichen Beginn der Stationierung, und wir hofften auch immer, daß ein Abkommen auch
nach der Stationierung erreicht werden könne. Zu keinem Zeitpunkt haben wir
also unsere Hoffnung aufgegeben, daß wir auf irgendeine Weise zu einer Lösung
gelangen könnten.
Sie haben mich gefragt, ob wir zu irgendeinem Zeitpunkt tatsächlich
einem Abkommen nahe waren. Ohne Frage hatte ich während des Waldspazierganges das Gefühl, daß wir einem Abkommen nahe waren, aber ich war enttäuscht,
als die Sowjetunion diese Initiative voll und ganz zurückwies. Ich glaube
nicht, daß wir seither einander wieder so nahe waren, obwohl ich unterstreichen
möchte, daß wir während der letzten Wochen bei einer Anzahl von Punkten im
Hinblick auf eine Annäherung dieser Positionen reale Fortschritte machten.
Und deshalb bedauere ich besonders, daß sich die Sowjets genau zu diesem Zeitpunkt bedeutsamer Fortschritte bei bestimmten Fragen entschieden, einseitig
den Verhandlungstisch zu verlassen.
FRAGE:

- 2 -

Was höben

�FRAGE:

Was haben Sie zu der gestrigen Erklärung Andropows zu sagen, daß

die Sowjetunion ihre weitere Beteiligung an diesen Gesprächen als unmöglich
ansieht?
ANTWORT:

Meiner Meinung nach ist dies eine Verhärtung des sowjetischen

Standpunktes gegenüber der Position, die sie gestern einnahmen, und umso mehr
bedauere ich das.
FRAGE:

Glauben Sie, daß dies das Ende der Gespräche bedeutet?

ANTWORT:
FRAGE:

Ich hoffe nicht.

Warum wurde dieser Waldspaziergangsvorschlag niemals vom Genfer

Verhandlungsteam der USA offiziell vorgebracht?
ANTWORT:

Die sowjetische Regierung erklärte mir offiziell - oder viel-

mehr Botschafter Kwizinski erklärte mir auf Weisung seiner Regierung -, daß
Moskau dies voll und ganz ablehne.
FRAGE:

Hatten Sie das Gefühl, daß es verschiedene Vorstellungen in

Moskau und in Genf gab?

War die sowjetische Führung in Moskau irgendwie

härter als diejenigen, die für sie in Genf verhandelten?
ANTWORT:

So etwas ist sehr schwer zu sagen.

Das mag durchaus der Fall

gewesen sein, aber persönlich habe ich keine Hinweise dafür.
FRAGE:

Welche Gründe sehen Sie dafür, daß die Russen die Verhandlun-

gen... wieder aufnehmen sollten?
ANTWORT:

Ich meine, sie hätten sehr nachhaltige Gründe dafür.

Ich

glaube, die gegenwärtige Situation ist für die Welt als Gesamtheit nicht wünschenswert, und meiner Ansicht nach gibt es starke Gründe dafür, warum es in
ihrem Interesse ist - wie auch in unserem -, daß das Verhältnis zwischen un- 3 -

�zwischen unseren beiden Ländern, wie die Situation in der Welt überhaupt,
verbessert wird.

+ + +

ERKLÄRUNG NITZES IN GENF

Bereits am 23. November 1983 hatte der amerikanische ChefUnterhändler
in Genf folgende Erklärung zu der sowjetischen Entscheidung abgegeben:
Die Vereinigten Staaten bedauern zutiefst die Entscheidung der Sowjetunion,
die INF-Verhandlungen auszusetzen.

Dies ist eine ungerechtfertigte und auch

unglückliche Entscheidung.
Die Sowjetunion hat die Aussetzung dieser Verhandlungen damit begründet,
daß die Zustimmung von NATO-Parlamenten zur Dislozierung amerikanischer Raketen eine Fortsetzung dieser Gespräche unmöglich mache. Als die Vereinigten
Staaten im Jahr 1979 der Sowjetunion zum erstenmal INF-Verhandlungen vorschlugen, hatte die Sowjetunion bereits etwa 140 SS-20-Raketen global disloziert.
Die globale Gesamtzahl der SS-20 beläuft sich jetzt auf 360 Raketen, und der
sowjetische Aufbau hält an.
Diese anhaltende sowjetische Aufrüstung hat die Vereinigten Staaten nicht
daran gehindert, diese Verhandlungen weiterzuführen und jede Anstrengung zu
machen, um ein gerechtes Abkommen zu erreichen. Diese Verhandlungen sollten
fortgesetzt werden, bis ein Abkommen erreicht ist.
Der Zeitplan für die amerikanischen Dislozierungen ist zu keiner Zeit
ein Geheimnis gewesen, auch die Gründe dafür waren es nicht. Sie entsprangen

- 4 -

�Sie entsprangen dem NATO-Doppelbeschluß von 1979 als eine notwendige Antwort
auf die sowjetische Dislozierung von SS-20-Raketen. Mit dieser Entscheidung
wurde das Mandat erteilt, sich um eine Begrenzung dieser Rüstungen zu bemühen
und zwar durch Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Die Vereinigten Staaten bleiben der Erreichung einer ausgehandelten Lösung verpflichtet, die den Sicherheitserfordernissen aller Betroffenen gerecht wird.

Die amerikanische Delegation hat auf offiziellem wie inoffiziel-

lem Wege versucht, alle Möglichkeiten für einen Ausgleich der zwischen beiden
Seiten bestehenden Meinungsverschiedenheiten auszuschöpfen.

Die Vorschläge

der Vereinigten Staaten sind flexibel und sollen den von der Sowjetunion zum
Ausdruck gebrachten Bedenken Rechnung tragen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihre Stationierungen zu stoppen
oder zurückzunehmen, wenn ein gerechtes Abkommen über die Verminderung und
Begrenzung oder die Beseitigung der amerikanischen und der sowjetischen Raketen erreicht werden kann.
Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, so sind sie weiterhin bereit,
die INF-Verhandlungen fortzusetzen, bis ein Abkommen erreicht worden ist und
unsere beiden Lander damit ihre Verantwortung und Pflicht erfüllt haben, zur
Sache des Friedens beizutragen.

- 5 -

�intcrgiurv
materiell
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30. November 1983

CHRONOLOGIE DER AMERIKANISCHEN UND DER SOWJETISCHEN RÜSTUNGSKONTROLLVORSCHLÄGE

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend ein Oberblick über die Rüstungskontroll
vorschlage der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion:
Verhandlungen über weiterreichende nukleare Mittel Streckensysteme (LRINF)

Vereinigte Staaten
Dezember 1979:

Die NATO trifft den Doppelbeschluß, d.h. beschließt Ver-

handlungen über eine Verringerung des LRINF-Niveaus oder eine Beseitigung dieser Systeme auf beiden Seiten

und Modernisierung der NATO-Streitkrä'fte als

Antwort auf die sowjetischen Dislozierungen, sollte dies notwendig sein.
November 1981:

Präsident Reagan gibt die Null-Lösung bekannt, durch die

eine gesamte Kategorie amerikanischer und sowjetischer landgestützter Mittelstreckenraketen beseitigt werden soll.

Die NATO würde keine Gegensysteme dis-

lozieren, wenn die UdSSR ihre bereits stationierten Systeme beseitigen würde.
Februar 1983:

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�Februar 1983:

Die Vereinigten Staaten legen erneut die Kriterien für

ein LRINF-Abkommen dar:
1. Gleichheit der Rechte und Begrenzung zwischen den USA und der Sowjetunion:
2. Nichteinbeziehung unabhängiger nuklearer Abschreckungsstreitkräfte dritter Länder, wie die Großbritanniens und Frankreichs, in ein Abkommen;
3. die vereinbarten Grenzen müssen auf einer globalen Basis angewendet
werden; keine Verlagerung sowjetischer LRINF vom europäischen Teil nach
Asien;
4. keine Schwächung der konventionellen Abschreckungsstreitkräfte der NATO;
und
5. wirksame Verifizierungsmaßnahmen.
März 1983: Die Verteidigungsminister der NATO weisen die sowjetischen
"Zwischenbegrenzungen" zurück, weil dadurch mehr sowjetische SS-20-Raketen
verbleiben würden

als vor Beginn der Verhandlungen.

März 1983: Angesichts der sowjetischen Weigerung, die sowjetischen
LRINF-Systeme als Antwort auf eine Nichtdislozierung der Gegensysteme der NATO
zu beseitigen, wie dies in der Null-Lösung vorgeschlagen wurde, bieten die
Vereinigten Staaten eine "Zwischenlösung" an. Die Vereinigten Staaten schlagen vor, die geplante Dislozierung von PERSHING II und landgestützten Marschflugkörpern wesentlich zu verringern, falls die Sowjets die Anzahl ihrer Gefechtsköpfe auf den sowjetischen Raketen auf globaler Basis auf einen gleichen
Stand reduzieren würden. Gleichzeitig unterstreichen die USA, daß sie die
Null-Null-Option als ideale letztliche Lösung des Problems vorziehen.
September 1983:

- 2 -

�September 1983: Präsident Reagan gibt in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen neue amerikanische Initiativen bekannt, mit
denen spezifischen sowjetischen Bedenken entgegengekommen werden soll:
1. Die Bereitschaft der USA, LRINF-Flugzeuge in die Verhandlungen einzubeziehen, obwohl die USA auch weiterhin die Dislozierung von SS-20-Raketen als Hauptbedrohung für die westliche Sicherheit ansehen;
2. die Bereitschaft der USA zu der Verpflichtung, im Zusammenhang mit einem
Abkommen, das gleiche globale Begrenzungen vorsieht, die sowjetische Gesamtdislozierung nicht durch amerikanische Dislozierungen in Europa auszugleichen;
3. die Bereitschaft der USA, für den Fall eines Zwischenabkommens die
amerikanischen Reduzierungen angemessen zwischen PERSHING II und Marschflugkörpern aufzuteilen.
Oktober 1983: Die Vereinigten Staaten erklären, daß der Andropow-Vorschlag Mängel enthält, weil er immer noch darauf besteht, daß die britischen
und französischen strategischen Streitkräfte angerechnet werden müssen und
daß keine amerikanischen Dislozierungen stattfinden dürften.

Der Vorschlag,

die LRINF-Raketensysteme im asiatischen Teil der Sowjetunion einzufrieren,
scheint den amerikanischen Standpunkt anzuerkennen, daß die Frage der nuklearen Mittel Streckensysteme auf globaler Basis angepackt werden muß.

Die USA

wollen weitere Einzelheiten über den sowjetischen Flugzeug-Vorschlag erfahren.

- Die USA stellen fest, daß die sowjetische Drohung mit einer Beendigung
der Verhandlungen für den Fall der Stationierung amerikanischer Raketen
in Europa ungerechtfertigt ist, da die Vereinigten Staaten seit zwei Jahren verhandelt haben, während gleichzeitig der Stand der sowjetischen
SS-20-Raketen dramatisch erhöht wurde.
- Die USA

�- Die USA geben den Abzug von 1400 taktischen Nuklearwaffen aus Europa
bekannt, womit die Anzahl der Kernwaffen der NATO in Europa gegenüber
dem Stand des Jahres 1979 um mehr als ein Drittel verringert wird, nachdem bereits im Jahr 1980 rund 1000 derartiger Waffen abgezogen worden
waren.
November 1983:

Die Vereinigten Staaten schlagen eine Zwischenobergrenze

von 420 Gefechtsköpfen bei LRINF-Raketen vor, wobei sie gleichzeitig ihre Bereitschaft unterstreichen, weitere Reduzierungsebenen in Erwägung zu ziehen.
Dieser Vorschlag entspricht einer globalen Begrenzung der sowjetischen SS-20Raketen auf 140.

Im Oktober 1983 hatte die Sowjetunion vorgeschlagen, nur

ihre SS-20-Raketen im europäischen Bereich auf 140 Trägerwaffen mit 420 Gefechtsköpfen zu begrenzen.
- Die Anlieferung der ersten landgestützten Marschflugkörper für Großbritannien beginnt.

Sowjetunion
1977:

Die Sowjetunion beginnt mit der Dislozierung von SS-20-Raketen

im europäischen Teil der UdSSR.
Dezember 1978:

70 SS-20-Raketen mit 210 Gefechtsköpfen sind im euro-

päischen und asiatischen Teil der UdSSR stationiert.
Oktober 1979:

Breschnew schlägt ein Einfrieren der SS-20-Raketen vor,

falls die NATO keine Gegensysteme aufstellt.
Juli 1980:

Die Sowjets stimmen schließlich Verhandlungen über nukleare

Mittel Streckensysteme zu, nachdem sie sich vorher immer geweigert hatten, zu
verhandeln, es sei denn, die NATO gebe ihren Doppelbeschluß auf.
Oktober 1980:

�Oktober 1980: Vorbereitende amerikanisch-sowjetische Gespräche über
INF.

Dezember 1980:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind jetzt

200 SS-20-Raketen mit 600 Gefechtsköpfen stationiert.

November 1982:

Die Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme

(INF) beginnen in Genf.

Dezember 1981:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind jetzt

270 SS-20-Raketen mit 810 Gefechtsköpfen stationiert.

März 1982:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind jetzt

300 SS-20-Raketen mit 900 Gefechtsköpfen stationiert.

Die Sowjets verkünden

ein "Moratorium" für Dislozierungen im europäischen Teil der Sowjetunion, die
Dislozierungen gehen jedoch weiter, nachdem die im Bau befindlichen RaketenAnlagen im europäischen Teil der UdSSR fertiggestellt und einsatzbereit sind;
mit dem Bau neuer Stellungen im östlichen Teil der UdSSR, deren Raketen Ziele
der NATO treffen können, wird begonnen.

Dezember 1982: Andropow schlägt einev^Zwischenobergrenze" vor, die
es Moskau gestatten würde, LRINF-Raketen in Europa in gleicher Zahl der Anrechnung der 162 britischen und französischen strategischen Systeme zu dislozieren.

162 SS-20-Raketen mit drei Gefechtsköpfen können insgesamt 486 Ziele

treffen; 162 britische und französische Raketen können jedoch nur 162 Ziele
treffen.
rungen

Aufgrund dieses Vorschlages würde keine amerikanischeLRINF-Disloziein Europa gestattet, jedoch unbegrenzte SS-20-Dislozierungen im

asiatischen Teil der UdSSR.

März 1983:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind nunmehr

351 SS-20-Raketen mit 1063 Gefechtsköpfen stationiert.

April 1983:

- 5-

�April 1983: Außenminister Gromyko bezeichnet die amerikanische "Zwischenlösung" als unannehmbar.

Er wiederholt den sowjetischen Standpunkt, daß keine

amerikanischen Dislozierungen erfolgen dürften und daß die sowjetischen Dislozierungen an die sowjetischen Berechnungen der britischen und französischen
strategischen Systeme angebunden werden müßten.
Mai 1983: Andropow läßt die Bereitschaft erkennen, bei den Verhandlungen
Gefechtsköpfe wie auch Raketen zu zählen.

Er wiederholt, daß die Anzahl der

SS-20-Raketen im europäischen Teil der UdSSR der sowjetischen Berechnung der
britischen und französischen strategischen Systeme entsprechen müsse.

Er

lehnt es ab, sich mit der Frage der sowjetischen Dislozierungen im asiatischen
Teil zu befassen, wohin aus dem europäischen Teil der UdSSR abgezogene Raketen
mit der Möglichkeit verlegt werden könnten, sie umgehend in den europäischen
Teil zurückzuverlegen.
August 1983: Andropow schlägt die Beseitigung von Trägerwaffen und Raketen entsprechend der sowjetischen Anrechnung der britischen und französischen
Systeme vor unter der Bedingung, daß die USA auf die Stationierung von
PERSHING II und Marschflugkörpern verzichten.
Oktober 1983: Das sowjetische Verteidigungsministerium gibt bekannt, daß
Moskau die Dislozierung "taktisch-operativer" Raketen in der DDR und in der
Tschechoslowakei als Teil der "geplanten Gegenmaßnahmen" zu amerikanischen
Dislozierungen vorbereitet.
Oktober 1983: Andropow schlägt eine modifizierte Version der "Zwischenebenen" vom Dezember 1982 vor, indem er ankündigt, daß die Sowjetunion bereit
sei, die Zahl der SS-20-Raketen im europäischen Teil der UdSSR auf 140 Raketen mit 420 Gefechtsköpfen zu reduzieren, um der sowjetischen Anrechnung der
französischen und britischen Gefechtsköpfe zu entsprechen.

Andropow bietet

ferner das Einfrieren der Zahl der SS-20-Raketen im asiatischen Teil der UdSSR
an, nachdem ein INF-Abkommen über die Begrenzung der europäischen Systeme
durchgeführt ist und solange die USA keine ähnlichen Waffen in diesem Raum
- 6 -

�diesem Raum dislozieren. Andropow spricht ferner von einer

zusätzlichen Fle-

xibilität" in der Frage der INF-Flugzeuge, obwohl Einzelheiten nicht mitgeteilt werden. Andropow gibt bekannt, daß ein Beginn der Stationierung amerikanischer LRINF es unmöglich machen werde, die INF-Verhandlungen fortzuführen.
November 1983:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind nun-

mehr 360 SS-20-Raketen mit 1080 Gefechtsköpfen disloziert.

+ + +

Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START)

Vereinigte Staaten
Januar 1981: Präsident Reagan gibt bekannt, daß die Vereinigten Staaten
sich an den nichtratifizierten SALT II-Vertrag halten werden, obwohl dieser
nicht in sinnvoller Weise die destabilisierendsten strategischen Systeme begrenze.

Die Sowjets geben eine entsprechende Zusage ab.

Mai 1982: Präsident Reagan hält eine Rede vor dem Eureka-College - seine
erste umfassende Rede über die Ost-West-Beziehungen.

In dieser Rede schlägt

der amerikanische Präsident die START-Gespräche vor.
Juni 1982: Die erste Runde der START-Gespräche beginnt.

Die Vereinig-

ten Staaten schlagen eine Begrenzung auf 850 dislozierte Raketen für jede
Seite

sowie

eine Reduzierung der Zahl der Gefechtsköpfe um etwa ein Drittel

auf 5000 für jede Seite vor.

Davon sollen nicht mehr als die Hälfte auf Inter-

kontinentalraketen - ICBM - montiert werden.
- Die USA

�- Die USA schlagen ferner vor, daß die Erörterung der Flugzeugfrage sowie des Wurfgewichts der Raketen auf die zweite Phase der Verhandlungen verschoben werden sollte.
Juni 1983:

Reagan kündigt Veränderungen in der amerikanischen Position

bei den START-Verhandlungen an, mit denen die Flexibilität bei diesen Verhandlungen erhöht werden soll:
1. Eine Lockerung des Vorschlags der Begrenzung auf 850 ballistische Raketen für jede Seite; die Begrenzung von 5000 Gefechtsköpfen für jede Seite würde weiterhin das zentrale Element des Vorschlages sein;
2. die Bereitschaft, über alle strategischen Systeme zu verhandeln, statt
die erste Phase der Verhandlungen auf Raketen zu begrenzen;
3. eine gleiche Obergrenze für die Anzahl der schweren Bomber und der von
Bombern getragenen Marschflugkörper für beide Seiten und zwar unterhalb
der Zahl,die im SALT II-Vertrag gestattet wurde;
4. das Angebot,alternative Möglichkeiten zur Begrenzung der Zerstörungskapazität und des Potentials von Raketen zu erkunden. Die USA stellen
fest, daß die sowjetischen Vorschläge ungenügend seien, weil sie sich
nicht spezifisch mit landgestützten Interkontinentalraketen befaßten,
die die destabilisierendsten Systeme darstellen, und weil sie auch keine
genügenden und bedeutsamen Verringerungen vorsehen.
Oktober 1983: Die USA beziehen das "Abbau-Konzept" in ihre Verhandlungsposition bei Raketen ein, indem sie vorschlagen:
1. Eine Verbindung zwischen Verringerung und Modernisierung durch die Anwendung variabler Verhältniszahlen, mit denen klargestellt werden soll,
wie viele bestehenden Gefechtsköpfe abgezogen werden müssen, wenn neue
Gefechtsköpfe disloziert werden;
2. die Bestimmung
- 8 -

�2. die Bestimmung für einen garantierten jährlichen Abbauprozentsatz von
etwa fünf Prozent;
3. eine Bestimmung, die sicherstellt, daß die Reduzierungen entsprechend
der Tatsache erfolgen sollten, welche der beiden oben genannten Bestimmungen zu der größeren Reduzierung führen würde.
- Ferner schlagen die Vereinigten Staaten vor, gleichzeitig einen Abbau
der Bomber, zusätzliche Begrenzungen hinsichtlich der Marschflugkörper
und der amerikanischen Vorteile bei Bombern zu erörtern und zwar in einer
Weise, die jeder der beiden Seiten die größte Flexibilität in Übereinstimmung mit Bemühungen zu einem stabileren Gleichgewicht der Kräfte gibt.

Sowjetunion
1982:

Die Sowjetunion kritisiert die amerikanischen Vorschläge; sie

wollten die sowjetischen landgestützten Systeme begrenzen, während sie in nur
ungenügender Weise die amerikanischen Bomber und Marschflugkörper beschränkten.
Juni 1982: Die erste Runde der START-Verhandlungen beginnt. Die Sowjetunion schlägt vor, daß jede Seite über insgesamt 1800 Trägerwaffen verfügen
soll (ICBM-Trägerwaffen, unterseebootgestützte Trägerwaffen und strategische
Bomber). Die Sowjets schlagen ferner eine nicht näher definierte Gesamtbegrenzung für "nukleare Sprengsätze" vor (Raketengefechtsköpfe und Bomberwaffen). Sie schlagen ebenfalls ein Verbot aller Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 600 Kilometern vor.
Sommer 1983: Die vierte Runde der START-Verhandlungen beginnt.

Die

Sowjetunion paßt ihre Position insofern an, als sie in einigen sekundären
Fragen näher an den amerikanischen Standpunkt heranrückt.
Oktober 1983:

�Oktober 1983:

Ein autorisierter, jedoch nicht gezeichneter Artikel in

der "Prawda" kritisiert den amerikanischen "Abbau-Vorschlag", weil er in unfairer Weise die sowjetischen ICBM beschränke.

+ + + + +

- 10 -

�48

30. November 1983

IEA: DER SCHLÜSSEL FÜR INTERNATIONALE ENERGIESICHERHEIT
- Von E. Allan Wendt -

Der Autor ist stellvertretender Unterstaatssekretär für Internationale Energiepolitik im amerikanischen Außenministerium.

- (AD) - Die Ereignisse im Nahen Osten mahnen uns ständig von neuem,
unsere Energiesicherheit nicht als garantiert zu betrachten.

Gegenwärtig

ist es der Konflikt zwischen dem Irak und dem Iran, der uns zwingt, zu prüfen, ob wir auf eine mögliche Beeinträchtigung unserer Energieversorgung
vorbereitet sind.
Die Vereinigten Staaten sind meines Erachtens gut vorbereitet. Wir
haben eine strategische ölreserve (SPR) aufgebaut, die auf 360 Millionen
Barrel (1 barrel = 159 Liter) angewachsen ist; bis 1990 wollen wir sie auf
750 Millionen Barrel Rohöl aufstocken.

Auf dem Markt verfügbare Mengen plus

deren Ergänzung aus den SPR-Beständen würden uns eine erhebliche Flexibilität verleihen, wenn es zu einer Unterbrechung von Lieferungen käme.

Darüber

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�käme.

Darüber hinaus existiert im Rahmen der Internationalen Energie-

agentur (IEA) ein Mechanismus der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten,
damit den schlimmsten Auswirkungen einer Ölkrise begegnet werden kann.
Ein weiterer wichtiger Aspekt unseres Vorsorgeprogramms ist unsere Einbeziehung in das System der IEA-Notstandskontingentierung.

Unsere Teilnahme

bringt bemerkenswerte Vorteile:
Zunächst einmal ist das IEA-Nostandsprogramm ein Mechanismus, der die
wirtschaftlichen Schäden mildert, die sich durch eine Unterbrechung von ölimporten ergeben können.

Unsere Partner garantieren, daß in einer schweren

Ölkrise die Vereinigten Staaten nicht einen größeren Anteil an einer Verknappung übernehmen, als sie selbst es tun.

Eine ähnliche Verpflichtung ha-

ben auch wir übernommen.
Das System wurde nach der Sperrung von ölexporten arabischer Länder in
die USA und die Niederlande 1973/74 geschaffen.

Wir könnten in Schwierig-

keiten kommen, wenn ein solches Embargo erneut gegen uns verhängt würde.
Aber noch weitgehend ungenutzte Kapazitäten und mehr Vielfalt hinsichtlich
der Herkunft des Öls, u.a. eine umfangreiche Produktion in Ländern außerhalb
der OPEC (Organisation erdölexportierender Staaten), geben uns heute größere
Flexibilität gegenüber politisch motivierten Lieferunterbrechungen.
Zum zweiten liegt die Mitgliedschaft der USA in der IEA auch im Interesse unserer nationalen Sicherheit, die eng mit der unserer Verbündeten in
Westeuropa und im Fernen Osten verknüpft ist.

Wir haben im Lauf der Jahre

für diese Bündnisse enorme Opfer gebracht und vieles investiert.

Die Bindung

der USA an die IEA und ihr Quotensystem ist eine der kleineren Investitionen.
Die meisten unserer Verbündeten sind stärker von Importöl abhängig als
wir.

Eine Unterbrechung größerer Lieferungen könnte einen Wettbewerb um öl

zwischen uns und unseren Verbündeten heraufbeschwören, der uns spaltet.

Und

diejenigen unserer Verbündeten in Europa und in Fernost, die mehr als wir von

- 2 \

�wir von Importen abhängen, wären starkem Druck ausgesetzt, Zugeständnisse
zu machen, die zur Sicherung lebenswichtiger üllieferungen notwendig sind.
Solches Anpassungsverhalten könnte unsere Fähigkeit ernsthaft beeinträchtigen, die Situation zu meistern, und es könnte auch leicht für einige Zeit
die Ordnung unseres Bündnisses verändern.

Das IEA-Quotensystem soll unser

Bündnis in einer Energiekrise stärken und die Belastung durch Lieferunterbrechungen gerecht verteilen.
Darüber hinaus können Panikkäufe im Wettbewerb der wichtigsten Industrieländer untereinander zu übertriebenem Preisanstieg führen, der weit über dem
marktorientierten Niveau läge.

Der wirtschaftliche Schaden durch übertriebene

Preissteigerungen für uns und unsere Verbündeten könnte sehr ernster Natur
sein.

Zusammenarbeit, einschließlich Austausch von Informationen in Verbin-

dung mit Quotierung unter den wichtigen Industrieländern,könnte helfen, die
Märkte zu beruhigen und unnötigen Wirtschaftsschaden zu verhindern,

überdies

legen das IEA-Abkommen und die US-Politik großen Wert auf die Reservemengen
der einzelnen Länder.

Gegenwärtig haben die meisten IEA-Länder Importmengen

von mehr als 90 Tagen in Reserve.

Dies ist ein weiteres Element, das bei

größeren Lieferunterbrechungen einen beachtlichen Beitrag zur Preisstabilität
leisten würde.
Ein drittes wichtiges Positivum unserer Beteiligung an der IEA ist die
Chance, die sich für Konsultationen und Koordinierung unter Regierungen ergibt.

Es gibt viele Beispiele für diese Art von Zusammenarbeit - eines der

überzeugendsten aus jüngster Zeit betraf die sowjetische Gasleitung.

Ein

strittiges Problem wurde durch IEA-Bemühungen gelöst, die ihren Höhepunkt
in der vom Sekretariat der IEA und der OECD (Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung) gemeinsam durchgeführten Studie über Energiebedarf und Sicherheit fand.

Im Mai dieses Jahres befürworteten Minister der

IEA und der OECD auf der Basis dieser Studie eine Reihe politischer Schlußfolgerungen, die Grundsätze für die sichere Erschließung und Nutzung von Erdgas festlegen und einen Rahmen für die ständige Oberprüfung von Sicherheitsfragen in bezug auf Erdgas schaffen.

Dank dieser Studie und den in der Folge-

- 3 -

�der Folgezeit unternommenen Anstrengungen sind sich jetzt die OECD-Länder
erheblich mehr der Meinungsverschiedenheiten wegen der Sicherheitsfragen hinsichtlich des Gasprojekts bewußt und sind bestrebt, eine ungebührliche Abhängigkeit von einer einzelnen Versorgungsquelle zu vermeiden.
Die amerikanische Regierung ist überzeugt, daß die IEA-Mechanismen zusammen mit SPR ein gesundes System bilden, um mit den Auswirkungen einer
Energiekrise fertig zu werden.

Der kürzlich durchgeführte Test für das IEA-

Quotierungssystem (AST-4) war so angelegt, unsere Möglichkeiten zur Bewältigung von Energiekrisen zu verstärken.

Es ist wichtig, AST-4 in der rich-

igen Perspektive zu sehen, was in Schlußfolgerungen vieler Leute und vieler
Presseartikel zu dem Test nicht der Fall ist.
Vor allem sollte dies ein Test für Verfahrensweisen, nicht aber für
politische Maßnahmen sein.

Der Test kann uns beispielsweise nicht sagen, ob

wir die strategische Erdölreserve hätten in Anspruch nehmen sollen oder nicht,
oder ob wir unter amerikanischen Firmen ein System fairer Quotierung hätten
benutzen sollen.

Was er aber tun kann, ist, die Aufmerksamkeit der Öffent-

lichkeit auf diese Fragen zu lenken.
Zum zweiten ist der Test eine gute Übung. Wer mit dem IEA-System nicht
vertraut ist, muß den Umgang damit immer wieder üben. Und insofern war meines
Erachtens der Test sehr erfolgreich. Er zeigte auch eine Reihe von Problemen
und Meinungsverschiedenheiten auf. So brachte er z.B. Hinweise, auf welchen
Gebieten die Beteiligung der USA verbessert werden könnte. Sowohl hier als
auch im Ausland wurde einige Kritik an der amerikanischen Auffassung zur
Durchführung des Tests laut. Sie befaßte sich, ohne daß die Vereinigten
Staaten direkt genannt wurden, mit der Gefahr, die sich mit dem ausschließlichen Verlaß auf den Preis zur Eindämmung der Nachfragen ergeben, und zum
zweiten mit der unzureichenden Bindung an die IEA bei einer derartigen Politik.
In der Sitzung des IEA-Gouverneursrates versicherte ich daraufhin unsere Partner der festen Bindung der USA an die IEA.
- 4 -

Des weiteren bekräftigte

�weiteren bekräftigte ich das Engagement der Vereinigten Staaten zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen gegenüber der IEA in einer größeren Versorgungskrise:

Man werde den Marktkräften, falls erforderlich, durch ergänzende Ak-

tionen, beispielsweise einen Rückgriff auf die strategischen ölreserve, Geltung
verschaffen.
grüßt.

Diese Versicherungen wurden von den anderen Mitgliedstaaten be-

Ich sollte hier vielleicht anmerken, daß auf jener Sitzung auch das Ver

halten anderer IEA-Länder kritisiert wurde - insbesondere jener, die in einer
Krise die Inlandspreise unter strikter Kontrolle halten wollen.
Ich möchte hier erneut von der Überzeugung der Administration sprechen,
daß unser Vorgehen in der Energie-Krisenvorsorge von Grund auf gesund ist.
Sicherlich gibt es noch Raum für verfahrensmäßige Verbesserungen, und wir prüfen zur Zeit, wie solche Verbesserungen im Rahmen unserer primären Abstützung auf Marktkräfte vorgenommen werden könnten.

So haben z.B. die meisten

großen Mineral öl firmen der USA, auf die die IEA in einer Krise angewiesen
wäre, zu erkennen gegeben, daß sie zur Kooperation auf freiwilliger Basis nur
dann in der Lage seien, wenn ihnen garantiert würde, daß die aus einer solchen Kooperation mit der IEA erwachsende Belastung anteilmäßig von anderen
Firmen mitgetragen wird.

Die Rolle der SPR im Rahmen des auf freiwilliger

Beteiligung basierenden Verfahrens wird derzeit sorgfältig geprüft.
Die Regierung hält auch an ihrer Absicht fest, den von der IEA unter
dem Begriff "Nachfragebeschränkung" zusammengefaßten Erfordernissen zu entsprechen.

Eine Möglichkeit, dieser Verpflichtung nachzukommen, bestünde bei

Aktivierung des IEA-Systems in einem Rückgriff auf die strategische ölreserve,
um die Versorgung zu verbessern.

Eine zweite Möglichkeit wäre die systema-

tische Ermutigung der Öffentlichkeit zum freiwilligen Einsparen von Energie,
falls dies wirtschaftlich gerechtfertigt ist.
Mit der IEA wurde ein System geschaffen, in dem wir und unsere Verbündeten zusammenarbeiten können, um die Auswirkungen ernster Ölkrisen, die uns
alle oder jeden von uns treffen können, zu mildern.

Wir und die Mehrzahl

der IEA-Partner erkannten von Anfang an, daß Regierungen kommerzielle Dinge

- 5 -

�kommerzielle Dinge nicht allzu gut handhaben.

So entwickelten wir in nahezu

zehn Jahren ein System, das die Mitarbeit und die Unterstützung von Firmen gewährleistet - jener Firmen, die den internationalen Handel normalerweise abwickeln -, damit das Quotierungsverfahren funktioniert.

Für eine solche Ko-

operation brauchen die amerikanischen Firmen jedoch Schutz gegen Trust-Bildung.

EPCA (US-Gesetz für Energiepolitik und Energieeinsparung) ermächtigt

dazu, solchen Schutz auf Firmen auszudehnen, die sich am IEA-System beteiligen.
Firmen mit Hauptsitz in den Vereinigten Staaten haben ohne Ausnahme erklärt, daß sie sich ohne den durch EPCA gewährten Anti-Trust-Schutz nicht am
Quotierungs- und Informationssystem der IEA beteiligen würden.

Diese vom Ge-

setz gegebene Möglichkeit nicht zu beachten, würde somit bedeuten, daß sich
die Verantwortung für die Organisation zur Lieferung und zum Transport von
öl in Erfüllung amerikanischer Verpflichtungen im Rahmen der IEA-Notstandskontingenierung von den Firmen zur amerikanischen Regierung verlagern würde.
Wie ich bereits bemerkte, ist der Aufbau der strategischen Erdölreserve
ein ganz wichtiger Teil unserer verbesserten Krisenvorsorge. Das amerikanische
Energieministerium führte kürzlich einen umfangreichen Test hinsichtlich der
Planung und der Verfahrensweisen durch, die erforderlich sind, um SPR und die
Programme einzusetzen, welche zur Realisierung von Verkäufen und Lieferungen
von öl zur Deckung des nationalen Bedarfs vorgeschlagen wurden. Soweit mir
bekannt ist, beurteilte eine unabhängige Gutachtergruppe für diesen Test
das Abgabesystem als praktikabel, Ihren Empfehlungen zufolge sind noch geringfügige Verbesserungen möglich, und gewisse Änderungen bei der Verkaufsprozedur könnten, so meinen die Experten, den Erfolg der Bemühungen um die Zuführung von SPR-Öl zum Markt noch erhöhen.
Gegen die schlimmsten Auswirkungen umfangreicher Lieferunterbrechungen
sind die Vereinigten Staaten gut geschützt. Gleichzeitig bekamen wir durch
die in jüngster Zeit gemachten Erfahrungen Gelegenheit, die Vorsorgemaßnahmen
der USA auf dem Energiesektor für den Krisenfall weiter zu verbessern. Und in
Zusammenarbeit mit dem Energieministerium sind wir gegenwärtig dabei, dies zu tun.

+ + + + +
- 6-

�30. November 1983

48

ARBEITSSTÄTTE "SPACELAB"
ESA-Weltraumlabor - ein Modell für wissenschaftliche Raumstationen

- (AD) - Mit Begeisterung sprechen NASA-Wissenschaftler vom Weltraumlabor
SPACELAB, das an Bord des Raumtransporters COLUMBIA seit dem 28. November 1983
um die Erde kreist.

Neun Tage lang haben dort die Nutzlastexperten Dr. Ulf

Merbold (Bundesrepublik Deutschland) und Dr. Byron Lichtenberg (USA) mit den
amerikanischen Wissenschaftsastronauten Dr. Owen Garriott und Dr. Robert Parker,
dazu auf der Erde weit über hundert Projektwissenschaftler, Gelegenheit, die
Leistungsfähigkeit des Labors zu testen.
Als wissenschaftliche Arbeitsstätte außerhalb der Atmosphäre im Erdorbit,
wo die Schwerkraft fast völlig aufgehoben ist, eröffnet SPACELAB dem Forschungsal 1 tag neue Perspektiven.

Erst nach und nach wird man seine tatsächlichen

Kapazitäten erkennen und ausloten können.

Kurz vor dem Start erklärte ein NASA-

Mitarbeiter Journalisten gegenüber, er habe "noch nie ein so gut durchkonstruiertes
präzises und problemloses System gesehen".

SPACELAB repräsentiere einen "Quanten-

sprung in der Fähigkeit des Menschen, den Weltraum für friedliche Zwecke zu nutzen'
Internationale Partnerschaft

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Internationale Partnerschaft, bewährt und in den Wissenschaften von jeher
praktiziert, kennzeichnet das SPACELAB-Projekt.

Das Weltraum!abor wurde von den

deutschen Firmen ERNO (Bremen) und Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) federführend
im Auftrag der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) entwickelt und gebaut, wobei
die Bundesrepublik den Kostenaufwand in Höhe von ca. einer Milliarde Dollar
(einschließlich der an 49 internationale Firmen vergebenen Unteraufträge) zu
mehr als 50 Prozent übernahm.

Das Weltraumlabor stellt eine ideale Kombination

von Raumfahrttechnik und Grundlagenforschung dar.

Dank dieser technischen Neu-

entwicklung kann man jetzt verantworten und es sich auch leisten, KarriereWissenschaftler in den Weltraum zu entsenden.

Bislang waren es ausschließlich

Karriere-Astronauten, welche gleichzeitig über eine wissenschaftliche Ausbildung
verfügten, die Experimente durchführten und Instrumente betreuten.
Bei SPACELAB 1 stehen Aufgaben aus Medizin und Biologie, Erd- und Atmosphärenforschung, Astronomie, Astro- und Sonnenphysik, Plasmaphysik sowie MaterialWissenschaften und Werkstoffproduktion im Vordergrund.

Bei späteren Einsätzen -

die Lebensdauer des Weltraumlabors ist auf etwa zehn Jahre angesetzt - werden die
Schwerpunkte auch auf anderen Gebieten liegen.

Die Modularbauweise mit zwei

zylindrischen Laborzellen, in denen Druck und Luftzusammensetzung den Werten an
der Erdoberfläche entspricht, und mit externen Plattformen für die Installation
von Beobachtungs- und Meßinstrumenten aller Art eröffnet viele und noch ungeahnte
Möglichkeiten für seine Nutzung.

Manche sehen im SPACELAB bereits ein Modell für

den Auf- und Ausbau einer selbständig operierenden wissenschaftlichen Raumstation, die, mit Energiequellen wie z.B. Solarkollektoren versehen, zeitweilig
auch unbemannt betrieben werden könnte.
Die NASA hat schon vor längerer Zeit eine zweite SPACELAB-Einheit in Auftrag
gegeben.

Ein Gerät dieses Kalibers und dieser Vielseitigkeit macht routine-

mäßige Forschungsarbeiten im Weltraum wesentlich wirtschaftlicher als alle bisher
benutzten Ausrüstungen.

Nach Angaben von NASA-Ingenieuren dürfte die Hälfte der

57 Raumtransporterflüge, die bis 1990 vorgesehen sind, in Verbindung mit einem

- 2 -

�mit einem SPACELAB erfolgen.

Und bei vielen dieser Flüge seien dann sicherlich

auch weitere Wissenschaftler aus europäischen Ländern oder aus anderen Teilen
der Welt mit von der Partie.
Mehr als 70 Experimente von Forschergruppen aus 11 europäischen Ländern,
aus den USA, Kanada und Japan stehen beim Jungfernflug auf dem Programm.

Computer

und Mikroprozessoren zählen zu den Hilfsmitteln, um Experimente zu steuern und
eine bei einem Raumfahrtunternehmen bisher nie dagewesene Datenflut zu erfassen
und zu bewältigen.

Eine große Relaisstation 36 000 km über der Erde, der im

April 1983 gestartete TDRS-Nachrichtensatelliten, sammelt und übermittelt laufend
anfallende Meßdaten (mehr als 30 Millionen "bits" pro Sekunde) zur Erde.

Ihre

Auswertung sowie die bei der Landung mitgebrachten Fotos, die Analyse und Beurteilung der biologischen und medizinischen Proben, dazu der Produkte aus der
automatisierten "Werkstoff-Fabrik" werden Wissenschaftler noch lange beschäftigen.
- Experimente bestimmen die Fluglage der COLUMBIA In zum Teil recht komplizierten Flugmanövern geben Kommandant John W. Young
und Kopilot Brewster Shaw der COLUMBIA samt dem in ihrer Ladebucht fest verankerten
Weltraumlabor jeweils die Positionen, die für bestimmte Beobachtungen und Messungen an der Erdoberfläche und im erdnahen Bereich oder in Richtung zum tiefen
Weltraum notwendig sind. Das kann z.B. bedeuten, daß magnetische Feldlinien die
Ausrichtung der COLUMBIA bestimmen. Zur Durchführung der diversen Experimente
muß häufig die Fluglage alle 20 bis 30 Minuten verändert werden. Dabei nimmt das
Manöver allein oft schon 15 bis 20 Minuten in Anspruch. Das wissenschaftliche
Arbeitsprogramm bedeutet auch sparsamsten Umgang mit den an Bord verfügbaren
Treibstoffen und verlangt erfindungsreiches Kombinieren der Triebwerkssysteme an
Bord.
Die Flugbahn ist 57 Grad zur Äquatorebene geneigt, führt also bis in die
Höhe von Nordengland und Alaska im Norden und bis Kap Hörn
amerikas auf der südlichen Halbkugel.

an der Spitze Süd-

Ein neuartiger kleiner Computer mit

- 3 -

�Computer mit Weltkartenbildschirm zeigt der Besatzung ständig an, an welchem
Bahnpunkt bzw. wo über der Erde sich die Raumfähre gerade befindet, wie weit
die nächsten Bodenstationen entfernt sind.

Gleichzeitig werden die beiden

jeweils folgenden Umläufe sowie die Tag- und Nachtgebiete auf der Erde auf den
Bildschirm projiziert.
In Rückenlage fliegend wird bei geöffneten Ladebuchttoren ein einer Luftbildkamera ähnliches Zeiss-Kamerasystem für Kartierungsaufgaben erprobt.

Es

ist an einem "optisch reinen" Fenster in der Decke der SPACELAB-Druckzelle
montiert, arbeitet weitgehend automatisch, kann aber bei Wolkenbedeckung abgeschaltet werden.

Die Kamera erreicht eine Bildauflösung, die noch 20 m große

Terrainmerkmale gut erkennen läßt.

Ihre beiden Magazine enthalten 23 cm breite

Filme, die insgesamt 1100 Aufnahmen speichern können.

Das Experiment soll helfen,

die Möglichkeiten der Landkartierung aus dem Weltraum bei unterschiedlicher
Terrainbeschaffenheit zu sondieren.

Aufnahmen von Europa sind dabei natürlich

von besonderem Interesse.
Auf der externen Plattform ist das größte Instrument der gesamten Nutzlast,
eine 230 kg schwere Sensorkombination der Staatsuniversität Utah, installiert.
Die Apparatur besteht aus fünf Spektrometern, mit denen Vorgänge in der Magnetosphäre, Ionosphäre und in tieferen Bereichen der irdischen Lufthülle untersucht
werden. Sowohl natürliche als auch künstlich ausgelöste Phänomene (die z.B.
durch den Ausstoß energiereicher Elektronen, Ionen und neutraler Gaswolken aus
der japanischen SEPAC-Apparatur entstehen) sind in einem breiten Spektralbereich
damit zu beobachten.
Der japanische Elektronengenerator SEPAC ist zehnmal leistungsstärker als
die beim dritten Raumfährenflug benutzte Apparatur. Die Teilchenstrahlen sind
energiereich genug, um in der Hochatmosphäre der Erde künstliche Polarlichteffekte hervorzurufen, die nicht nur von Bord der COLUMBIA, sondern auch von der
Erde aus mit besonders empfindlichen Fernsehsystemen zu beobachten sind. Mit
SEPAC will man u.a. herausfinden, wie Partikel strahlen mit dünnen, freien Gasen
reagieren und wie Kraftlinien des Erdmagnetfeldes verlaufen. Zugleich ergeben

- 4 -

�Zugleich ergeben sich dabei Hinweise auf elektrische Felder in der irdischen
Magnetosphäre, weil diese die Position der Partikel strahlen verändern.
Zum "optischen System" gehört eine ganze Anzahl von Instrumenten.

Dieses

bietet zum einen die Möglichkeit, selbst schwächste natürliche Lichtemissionen
aus dem Orbit zu beobachten, die auf das Vorhandensein elektrischer Felder
schließen oder Höhenwinde und andere dynamische Vorgänge in der Hochatmosphäre
vermuten lassen.

Aber auch das Zusammenwirken der ausgestoßenen Teilchen-

strahlen mit Plasma (elektrisch geladenen Gasteilchen im interplanetaren Raum)
am Orbiter selbst und die Bewegung der Strahlen um das Weltraumlabor sind eingehender Beobachtung wert.

Denn auf Grund solcher Daten bekommen die Wissen-

schaftler Anhaltspunkte dafUr, wie verbesserte Modelle für die Magnetosphäre
erarbeitet werden können.
Ein vom Max-Planck-Institut beigesteuertes Experiment gilt der Untersuchung
von Elektronen-"Echos". Sie entstehen, wenn Elektronen, in Richtung einer aufsteigenden Magnetfeldlinie geschossen, von einem elektrischen Parallelfeld
reflektiert werden. Energie und Laufzeiten der Echos können Hinweise auf elektrische Feldstärken geben. Außerdem wird der Detektor dazu benutzt, die
statische Aufladung der COLUMBIA als Folge der SEPAC-Entladungen zu überwachen.
Österreich steuerte ein Instrument bei (es ist auf der SPACELAB-Plattform installiert), mit dem das Magnetfeld unmittelbar um den Raumtransporter während
des Fluges erfaßt und in seiner Richtung analysiert werden kann. Diese Daten
helfen Forschern, die andere Aufgaben der Plasmaphysik verfolgen, eventuelle
Falschwerte in eigenen Messungen zu erkennen und Ergebnisse entsprechend zu
korrigieren.
- Test für die "Gesundheit" der Atmosphäre Im Infrarotbereich arbeitet ein französisch-belgisches Spektrometer, das
Unterlagen für eine Verbesserung der zu meteorologischen Forschungen erarbeiteten
Modelle der Atmosphäre liefern soll. Außerdem erwartet man davon Informationen

- 5 -

�davon Informationen über den Einfluß von Schadstoffen auf das natürliche Gleichgewicht der Bestandteile der Luft. Die Beobachtungen konzentrieren sich in
erster Linie auf die Stratosphäre mit ihren Konzentrationen an Ozon, Hydroxylgruppen und von chemischen Verbindungen, die in 15 bis 150 km Höhe in der Lufthülle gebildet werden.

Auf dem Umweg über die Messung der Absorption von Licht

bestimmter Wellenlängen durch die Atmosphäre bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang
sind Rückschlüsse auf atmosphärische Temperaturen und die chemische Zusammensetzung in verschiedenen Höhenbereichen möglich.

Für Untersuchungen dieser Art

wurden bisher große Sonden an Höhenballonen und in hoch fliegenden Flugzeugen
verwendet.

Die Untersuchungen aus dem Raumtransporter allein könnten Meß-Serien

mit 20 Höhenballonen ersetzen.
Bei einem weiteren französischen Experiment werden schwache, wellenartig
auftretende Leuchtphänomene in den oberen Luftschichten bei Nacht gefilmt.
infrarotnahen Spektralbereich hofft man sie gut zu erfassen.

Im

Nach bisherigen

Erkenntnissen dürften diese Leuchterscheinungen, für die Streifung oder Parallelbänder in wolkenähnlichen Strukturen von ca. 1 000 km Durchmesser typisch
in ca. 85 km Höhe entstehen.

sind,

Als Ursache werden Molekülreste, und zwar freie

Radikale der OH-Gruppe, vermutet. Man will Strukturen, Größe, Geschwindigkeiten
und Entwicklung solcher Wolken fotografieren und messen, was ein wichtiger
Beitrag sein könnte, um die Dynamik der Hochatmosphäre und deren Zusammenwirken
mit tieferen Luftschichten besser zu verstehen.
Besondere Bedeutung für Meeresforschung und Seefahrt, aber auch für die
Terrainerkundung hat ein deutscher Radar-Sensor, der als Vorläufer für ein
europäisches Fernerkundungssystem gilt. Das Instrument arbeitet aktiv durch
Aussendung von Mikrowellen im X-Band-Bereich zur Erde, die dort reflektiert,
also nach oben zurückgeworfen werden. Aus den Laufzeiten sind Höhe und Abstände
von Wellenzügen, aber auch Strukturmerkmale des überflogenen Terrains zu ermitteln. Als passives Instrument benutzt, erfaßt der Sensor über seine 2 m große
Parabolantenne Mikrowellenstrahlung vom überflogenen Terrain. Mit einem

- 6 -

�(Mit einem aktiven Radar-Höhenmeßinstrument im Meeresbeobachtungssatelliten SEASAT
wurden u.a. Höhenunterschiede in der "Topographie" der Meeresoberflächen bis
ca. 200 m ermittelt).
- Astrophysik Instrumente zur Beobachtung von Röntgenstrahlen, sehr kurzwelligem ultravioletten Licht und von Infrarotstrahlung aus kosmischen Quellen, die viele
Lichtjahre von uns entfernt sind, könnten durch neue Meßdaten Untersuchungen
erleichtern, die dem "Lebenszyklus" von Sternen wie unserer Sonne und Galaxien,
wie unserem Milchstraßensystem, gelten.

Laboratorien in den USA und in einer Anzahl

europäischer Länder haben dafür subtile Meßprogramme vorbereitet. Mit besonderem
Interesse wird allerdings das Studium der Energie-Emissionen unserer Sonne vom
sehr kurzwelligen Ultraviolett bis zum langwelligen infraroten Spektralbereich
verfolgt.

Die Sonnenenergie ist ja der Motor für die atmosphärische Zirkulation,

und sie bestimmt letztlich auch das Klima.

Exakte Sonnenbeobachtung ist außer-

halb der Erdatmosphäre besser als von stationären Observatorien aus möglich.
Variiert die solare Energieabstrahlung tatsächlich, wie durch Forschungsergebnisse
aus jüngster Zeit vermutet, oder ist sie doch konstant?

Das Unternehmen SPACELAB

könnte auch zur Klärung dieser für uns lebenswichtigen Fragen bedeutsame Beiträge
leisten.

+ + + + +

- 7 -

�</text>
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              <text>Amerikadienst 30.11.1983</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA sofort zur Wiederaufnahme der Genfer Gespräche bereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Präsidenten vom 23. November 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan beantwortet Schreiben der Mütter von Filderstadt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nitze bekräftigt Bereitschaft der USA zur Fortsetzung der INF-Verhandlungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärungen in Brüssel und Genf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der amerikanischen und der sowjetischen Rüstungskontrollvorschläge&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;IEA: Der Schlüssel für internationale Energiesicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von E. Allan Wendt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsstätte "SPACELAB"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- ESA-Weltraumlabor - ein Modell für wissenschaftliche Raumstationen -&lt;/em&gt;</text>
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