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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

47

2 3 . November 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Rede des US-Präsidenten vor dem japanischen Parlament
- Wortlaut Gemeinsame Erklärung von Präsident Reagan und
Ministerpräsident Nakasone in Tokio
Gemeinsame Erklärung Präsident Reagans und Präsident Chuns

Um Ubcr/cncJung von
Belegexemplaren
wifd gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23. November 1983

47

REDE DES US-PRÄSIDENTEN VOR DEM JAPANISCHEN PARLAMENT
Wortlaut

TOKIO - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 11. November 1983 in einer
Rede vor dem japanischen Parlament (Reichstag) erneut den Willen der Vereinigten Staaten zur Rüstungskontrolle unterstrichen.

"Ein Atomkrieg kann niemals

gewonnen werden und darf nie stattfinden", sagte Reagan.

"Der einzige Wert

des Besitzes von Kernwaffen besteht darin, dafür zu sorgen, daß sie niemals
eingesetzt werden können."

Der amerikanische Präsident betonte, daß die Ver-

einigten Staaten bei den Genfer Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) niemals einem Abkommen zustimmen würden, das die Bedrohung durch
solche Raketen von Europa nach Asien verlagern würde.
Die Rede von Präsident Reagan hat folgenden Wortlaut:
Es erfüllt mich mit großer Ehre und Achtung, wenn ich heute vor Sie trete - der erste amerikanische Präsident, der je vor dem japanischen Reichstag
gesprochen hat.
Ich bin

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ich bin erst zwei Tage in Ihrem Lande, aber wenn ich für mich und meine
Frau Nancy sprechen darf, so möchte ich sagen, daß Sie dafür gesorgt haben,
daß wir uns mehr als zuhause fühlen:

Die Herzlichkeit Ihrer Begrüßung hat

unsere Herzen gerührt. Wenn Sie uns begrüßen, dann ehren Sie damit 230 Millionen Amerikaner, die zu vertreten ich die Ehre habe. Von allen meinen Landsleuten möchte ich zu Ihnen allen sagen:

Die Bande der Freundschaft, die uns

verbinden, sind mächtiger als der Ozean, der uns trennt. Die japanisch-amerikanische Freundschaft ist unverbrüchlich.
Es war vor einem Dutzend Jahren, an einem Herbsttag wie diesem, daß ich
Japan zum erstenmal besuchte.

Heute wie damals spürte ich Energie, Initiative

und Betriebsamkeit wie einen mächtigen Strom des Fortschritts Ihr Land durchfließen.

Und wie damals bin ich beeindruckt von einer einmaligen Begabung des

japanischen Volkes: Sie bauen Ihre Zukunft nicht auf Kosten des Anmuts und
der Schönheit der Vergangenheit auf.
Das geschätzte Merkmal der japanischen Zivilisation ist Harmonie, und
das hat den Amerikanern schon immer gefallen. Harmonie setzt voraus, daß
Differenzen überwunden werden im Dienste höherer Ideale, von denen wir viele
gemeinsam haben. Als der frühere amerikanische Präsident Ulysses S. Grant im
Jahr 1897 Japan besuchte, entdeckte er, daß es ein bezauberndes Land ist.
Japan, so sagte er, sei über alle Beschreibungen schön.
Während seines Aufenthaltes traf er mit dem Kaiser zusammen, und ihr Gespräch wandte sich der Demokratie zu, der drängenden Frage des Tages. Präsident Grant wies darauf hin, daß Regierungen immer stabiler und Nationen immer
wohlhabender seien, wenn sie wirklich ihr Volk vertreten.
Ich bin stolz, diese ein Jahrhundert alte Tradition fortsetzen zu dürfen
- ein Treffen mit Ihrem Kaiser nach meiner Ankunft und jetzt zusammen mit
Ihnen die Feier eines großen Tages in Ihrer Geschichte: der 100. Sitzung des
Reichtags unter der neuen japanischen Verfassung. In sechs Jahren werden Sie
das 100jährige Bestehen einer repräsentativen Regierung in Japan feiern - so

- 2 -

�feiern - so wie wir die Geburt unseres Kongresses feiern.

Ich überbringe

Ihnen die besten Wünsche und herzlichen Grüße Ihrer amerikanischen Kollegen
im Kongreß der Vereinigten Staaten.
Man kann nicht hier in dieser Kammer sein, ohne sich als Teil Ihrer stolzen Geschichte der nationalen Existenz und Demokratie zu fühlen und den Geist
der Hoffnung zu spüren, der die Träume ihres freien Volkes beflügelt.

Von

all den Stärken, die wir besitzen, von all den Bindungen, die uns verknüpfen,
ist, wie ich glaube, unsere Hingabe an die Freiheit die größte.

Japan und

Amerika stehen in der ersten Reihe der freien Nationen und der freien Wirtschaften in der Welt.
Sicherlich, wir liegen 5000 Meilen auseinander.
Gebräuchen, Sprache und Tradition verschieden.
renten auf den Weltmärkten.

Wir sind sicherlich in

Und wir sind auch oft Konkur-

Aber ich glaube, daß das durch dieses stolze Par-

lament vertretene Volk und das durch meinen eigenen amerikanischen Kongreß
vertretene Volk in ihrer Hingabe an die Prinzipien unserer freien Gesellschaften eines Herzens sind.
Ich spreche von Prinzipien, die mit dem geheiligten Wert des Lebens beginnen: dem behüteten Platz der Familie; der Verantwortung von Eltern und
Schulen, Lehrer der Wahrheit, der Toleranz, der harten Arbeit, der Zusammenarbeit und der Liebe zu sein; und der Rolle unserer wichtigen Institutionen
- Regierung, Industrie und Gewerkschaften - freien Menschen die Chancen und
die Sicherheit zu bieten, eine bessere Welt aufbauen und sie ihren Kindern
und Kindeskindern hinterlassen zu können.
Amerika und Japan liegen räumlich weit auseinander, aber wir sind vereint in unserem Glauben, daß Freiheit die Hingabe an Würde, Rechte und Gleichheit der Menschen bedeutet.

Ykichi Fukuzawa, Ihr großer Lehrer aus der

Meiji-Zeit,hat es Ihnen gesagt:

Der Himmel hat keinen Menschen höher oder

keinen Menschen niedriger gemacht als irgendeinen

anderen Menschen.
Unser großes

- 3 -

�Unser großes amerikanisches Vorbild Abraham Lincoln hat uns das als politische Perspektive aufgezeigt:

Kein Mensch ist so gut, dal? er einen anderen

Menschen ohne dessen Einwilligung regieren dürfte.
Recht, eine

Wir beide schätzen das

Regierung unserer eigenen Wahl zu haben.

Regierung, daß sie dem Volke dient.

Wir erwarten von der

Wir gehen nicht davon aus, daß das Volk

der Regierung dient.
Amerika und Japan sprechen eine unterschiedliche Sprache, aber beide
sprechen, beten und wirken in der Sprache der Freiheit.

Wir verteidigen das

Recht, unsere Meinung zu äußern, unseren Dissens ohne Angst zum Ausdruck zu
bringen und den inneren Frieden durch die Verbindung zu Gott zu finden.
Wir glauben an lohnende Initiative, Ersparnisse und Risiko.

Und wir er-

mutigen jene, die ihren Blick auf die am weitesten entfernten Sterne richten
und die durch Wind und Wellen des Handels neue Wege des Fortschritts suchen.
Andere zensieren und bevormunden ihre Bürger.

Wir vertrauen auf die Frei-

heit, die Vielfalt und Kreativität nährt, die uns alle bereichern.
mit Ihrem Dichter Basho sprechen:

Ich möchte

Es gibt viele Arten von Pflanzen, und jede

triumphiert mit ihrer besonderen Blüte.
Und schließlich löst unsere Freiheit keine Angst aus, denn sie stellt
keine Bedrohung dar. Und wir werden uns von niemandem nötigen lassen. Die
Vereinigten Staaten bauen keine Mauern, um ihre Bevölkerung festzuhalten; wir
besitzen keine Armeen von Geheimpolizei, um die Menschen ruhig zu halten; wir
weisen keine Dissidenten in sogenannte Nervenkliniken ein; und wir würden niemals ein unbewaffnetes Passagierflugzeug aus heiterem Himmel abschießen. Wir
trauern mit Ihnen um diesen tragischen und unnötigen Verlust des Lebens unschuldiger Menschen.
Unsere beiden
unvollkommenen und
Japan die tiefsten
der Welt - frei zu

Länder sind alles andere als vollkommen. Aber in dieser
gefährlichen Welt verkörpern die Vereinigten Staaten und
Hoffnungen und Wünsche der Männer und Frauen überall auf
sein, in Frieden zu leben und den Reichtum der Fülle und

�Fülle und der geistigen Erfüllung zu schaffen und zu erneuern.

Ich bin nach

Japan gekommen, weil wir eine historische Chance, ja, eine historische Verpflichtung haben. Wir können zu mächtigen Partnern des Guten werden - nicht
nur in unseren eigenen Ländern, nicht nur im pazifischen Raum, sondern auf
der ganzen Welt.
Sehr verehrte Damen und Herren, meine Frage ist die:

Besitzen wir die

Entschlossenheit, die Aufgabe der Partnerschaft zu meistern und das alles
wahr zu machen?

Meine Antwort kommt ohne Zögern: Jawohl, wir besitzen sie,

und wir werden es wahr machen.
Während eines großen Teils unserer Geschichte haben wir nach innen geblickt.

Diese Zeiten sind jedoch vorbei. Mit unseren Volkswirtschaften zu-

sammengenommen stellen wir die Hälfte der Produktion der freien Welt, und
wir können uns deshalb unseren globalen Verpflichtungen nicht entziehen. Unsere Industrien hängen von der Einfuhr von Energie und Rohstoffen aus fernen
Ländern ab.

Unsere Prosperität braucht ein gesundes internationales Finanz-

system und freie und offene Märkte. Und unsere Sicherheit ist untrennbar
mit der Sicherheit unserer Freunde und Nachbarn verbunden.
Es genügt nicht, einfach nur auf Weltfrieden und Prosperität zu hoffen.
Unsere beiden großen Nationen müssen in Zusammenarbeit mit anderen die Werte
und die Freiheiten bewahren, für die unsere Gesellschaften so hart gekämpft
haben.

Und wir dürfen unsere Partnerschaft für Frieden, Prosperität und

Freiheit nicht als ein Streben nach gegensätzlichen Zielen ansehen. Wir können
keinen Wohlstand haben, wenn wir nicht sicher sind.
sein, wenn wir nicht frei sind.

Wir können nicht sicher

Und wir werden bei keiner dieser Anstrengun-

gen Erfolg haben, wenn Japan und Amerika nicht in Harmonie zusammenarbeiten.
Wenn ich in Ihr Land gekommen bin, dann habe ich den tiefen Wunsch Amerikas nach Frieden mitgebracht.

Ich weiß, daß unser Wunsch von Ministerprä-

sident Nakasone und ganz Japan geteilt wird.

Wir sind Menschen des Friedens.

Wir kennen das schreckliche Trauma des menschlichen Leidens.

- 5 -

Ich habe zu

�t

hpbe zu meinen Lebzeiten vier Kriege erlebt.

Ich spreche also nicht einfach

nur als Präsident der Vereinigten Staaten, sondern auch als Ehegatte, als Vater und als Großvater.

Nach meiner Überzeugung kann es nur eine Politik für

die Erhaltung unserer kostbaren Zivilisation in der modernen Zeit geben:

Ein

Atomkrieg kann niemals gewonnen werden und darf nie stattfinden.
Der einzige Wert des Besitzes von Kernwaffen besteht darin, dafür zu
sorgen, daß sie niemals eingesetzt werden können.

Ich weiß, daß ich für Men-

schen überall auf der Welt spreche, wenn ich sage, daß es unser Traum ist, den
Tag zu erleben, an dem die Kernwaffen vom Antlitz der Erde verbannt sein werden.
Rüstungskontrolle muß Rüstungsverringerung sein. Amerika trägt das Seine
dazu bei. Wie ich vor weniger als zwei Monaten vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen zugesagt habe, werden die Vereinigten Staaten jedes gerechte, verifizierbare Abkommen annehmen, das Streitkräfte auf niedrigerem Niveau
als gegenwärtig stabilisiert.

Wir wollen bedeutsame Verringerungen, und wir

sind zu Kompromissen bereit.
Bei den Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen Rüstungen
(START) drängen die amerikanischen Unterhändler weiterhin die Sowjetunion
nach einer Formel, die diese Ziele erreicht. In den Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) verfolgen wir den gleichen Kurs; wir haben
sogar die Beseitigung dieser ganzen Kategorie von Waffen angeboten. Ich
bin mir unserer Verpflichtung bei diesen Verhandlungen voll und ganz bewußt,
denn es geht um Dinge, die auch die Sicherheit und das Wohlergehen des japanischen Volkes berühren. Erlauben Sie mir, eines in aller Deutlichkeit zu sagen: Wir dürfen und wir werden kein Abkommen annehmen, das die Bedrohung durch
weiterreichende nukleare Mittel Streckensysteme von Europa nach Asien verlagert.
Unsere grofe Enttäuschung war die mangelnde Bereitschaft der anderen Seite,
in gutem Glauben zu verhandeln.

Wir wollten tief einschneidende Verringerungen

unserer nuklearen Arsenale, und wir wollen das noch immer. Aber die Sowjets
blockieren die dramatischen Verringerungen, die die Welt will.

- 6 -

In unseren

�In unseren Bemühungen, die Verhandlungen in gutem Glauben voranzubringen,
haben wir neue Initiativen geboten, die wesentliche Verringerungen auf einen
gleichen Stand vorsehen - und je niedriger dieser Stand ist, desto besser.
Aber wir warten noch immer auf eine positive Reaktion.
Trotz dieses trüben Bildes werde ich mich von meinem Streben nach einem
Durchbruch nicht abbringen lassen.
renztisch niemals verlassen.

Die Vereinigten Staaten werden den Konfe-

Der Frieden ist zu wichtig.

fordert, daß wir ausharren, und wir werden ausharren.

Die Vernunft er-

Wir leben in unsicheren

Zeiten.

Es gibt Anfechtungen und Prüfungen der Freiheit, wo immer sie auf-

tritt.

Sie packen uns an wie die Tragödie über dem Japanischen Meer, wo 269

unschuldige Menschen für die Sache des sogenannten geheiligten Luftraums getötet wurden.

Sie sind so real wie die Angriffe von Terroristen auf die Füh-

rung der Republik Korea im vorigen Moant in Rangun und gegen französische und
amerikanische Angehörige der internationalen Friedenstruppe in Beirut.

Und

sie sind so beredt wie das Sicheinmauern unserer Gegner am Konferenztisch und
ihre

plumpen Versuche, alle friedliebenden Menschen unter Druck zu setzen.

Diese Bedrohung des Friedens und der Freiheit unterstreicht die Bedeutung einer engeren Zusammenarbeit unter allen freien Nationen. Sie haben ein
altes Sprichwort, das besagt, daß ein einzelner Pfeil leicht zerbrochen werden
kann, aber ein Bündel von drei Pfeilen nicht. Je stärker der Einsatz Japans,
der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten für den Frieden durch Stärke
ist, umso größer wird unser Beitrag zum Aufbau einer sichereren Zukunft sein.
Der amerikanisch-japanische Vertrag über gegenseitige Zusammenarbeit und Sicherheit muß uns weiterhin als Grundfeste unserer Sicherheitsbeziehungen dienen.
Japan wird nicht allein die Last der Verteidigung der Freiheit tragen müssen.
Amerika ist Ihr Partner. Wir werden die Last gemeinsam tragen.
Die Verteidigung der Freiheit muß eine gemeinsam getragene Last sein.
Wir können es uns leisten, die Freiheit zu verteidigen, aber wir können es uns
nicht leisten, sie zu verlieren.

Die Segnungen Ihres Wirtschaftswunders, das

durch das Genie eines begabten, entschlossenen und dynamischen Volkes zustande

- 7 -

�Volkes zustandekam,

kann nur im sicheren Hort der Freiheit geschützt werden.

In seinem Buch "Auf der Suche nach Frieden und Freiheit" hat der frühere
Ministerpräsident Sato geschrieben:

In den 100 Jahren seit der Maiji-Restau-

ration hat sich Japan ständig bemüht, die modernsten Länder der Welt einzuholen
und schließlich zu überholen.

Ich glaube nicht, daß es Schlagzeilen bringen

wird, wenn ich sage, daß Sie nicht nur aufgeholt haben, sondern auf einigen
Gebieten in Führung gegangen sind.
entscheidender Bedeutung.

Und auch hier ist unsere Partnerschaft von

Aber in diesem Falle können Sie der Lehrer sein.

Allen denjenigen, denen es am Glauben an den menschlichen Geist mangelt, kann
ich nur sagen:

Kommt nach Japan.

Kommt in ein Land, dessen wirtschaftliche

Produktion in Kürze die der Sowjetunion übertreffen wird, was die Wirtschaft
Japans zur zweitgrößten der Welt machen wird.

Kommt, um von einer Kultur zu

lernen, die ihrem Volk einen starken Geist der Zusammenarbeit, Disziplin und
des Strebens nach dem Besten einflößt; und lernt von einer Regierungspolitik,
die geholfen hat, dieses Wirtschaftswunder hervorzurufen - nicht so sehr durch
zentrale Planung als durch Förderung des Wettbewerbs, Ermutigung der Initiative
und Belohnung des Sparens und der Risikofreudigkeit.
Unser Land hat in den letzten drei Jahren große Schritte in diese Richtung getan. Wir korrigieren Fehler der Vergangenheit. Die Hoffnung wird neu
belebt. Das Vertrauen kehrt zurück. Amerikas Zukunft sieht wieder glänzend
aus. Wir haben den Kurs der zu hohen Steuern, der zu hohen Ausgaben, der Rekordzinssätze, der hohen Inflation und des geringen Wachstums verlassen. Die
Vereinigten Staaten stehen in der ersten Phase einer industriellen Wiedergeburt,
und wir helfen anderen Ländern zu einem weltweiten Wiederaufschwung.
Aber manche Leute in meinem Lande schrecken noch immer vor der Notwendigkeit der Beschränkung der Ausgaben zurück.

Unter dem Vorwand, Defizite abbauen

zu wollen, möchten sie zu einer Politik höherer Steuern zurückkehren.
möchten die Lehre aus Japan in den Wind schlagen.

Sie

Ein Blick auf die Nach-

kriegsgeschichte Japans führt zu zwei erstaunlichen Schlußfolgerungen:

Unter

den großen Industriestaaten hatten Sie immer die niedrigsten Steuern, und Ihre

- 8 -

�und Ihre Wachstums- und Sparraten waren immer die höchsten.

Sparer in Japan

können mit sehr hohen Zinseinkommen aus der Besteuerung rechnen;
steuerung des sogenannten nicht verdienten Einkommens ist niedrig.
keine Kapitalertragssteuer auf Anlagepapiere.

Ihre BeSie haben

Und die überwältigende Mehr-

heit Ihrer arbeitenden Bevölkerung sieht sich vor dramatisch niedrigere Steuersätze

gestellt als in irgendeinem anderen Industriestaat, einschließlich meines

eigenen Landes. Anreize für jeden - das ist das Geheimnis des starken Wachstums
für eine glänzende Zukunft, erfüllt mit Hoffnung und Möglichkeiten und Anreizen
für Wachstum.

Dies - nicht Steuererhöhungen - muß auch unsere Politik in Ame-

rika sein.
Partnerschaft muß eine Zweibahnstraße sein, die auf gegenseitigem Vertrauen aufgebaut ist. Wollen wir doch jederzeit bereit sein, voneinander zu
lernen und miteinander zusammenzuarbeiten.

Wir haben allen Grund, das zu tun.

Unsere Volkswirtschaften zusammengenommen nehmen fast 35 Prozent der beiden
großen Überseehandelspartner der Welt auf.

Im vorigen Jahr hat Japan rund 10

Prozent unserer Gesamtexporte aufgenommen, und wir haben rund 25 Prozent Ihrer
Exporte gekauft.

Unser gegenseitiger Handel wird im Jahr 1983 wertmäßig 60

Milliarden Dollar übersteigen, also doppelt so viel wie vor sieben Jahren.
Auf dem Wirtschaftsgipfel in Williamsburg im Mai dieses Jahres verpflichteten sich die Führer der demokratischen Industrieländer, bei der Bekämpfung
des Protektionismus zusammenzuarbeiten.

Mein persönliches Engagement bezüg-

lich dieses Zieles basiert auf wirtschaftlichen Prinzipien, altmodischem gesunden Menschenverstand und Erfahrung.

Ich bin alt genug, um mich zu erinnern,

was schließlich das vorige Mal geschah, als Länder ihre Märkte vor Konkurrenz
schützten:

ein Alptraum, den man als Weltwirtschaftskrise bezeichnetec

Der

Welthandel ging um 60 Prozent zurück, und jeder - Arbeiter, Bauern und Hersteller - wurden getroffen.
Wollen wir doch die Klugheit aufbringen, diese Torheit nie wieder zu begehen. Wir sitzen mit unseren Handelspartnern auf der ganzen Welt in einem
Boot. Wenn einer unserer Partner ein Loch in dieses Boot schießt, ist es dann

- 9 -

�es dann sinnvoll, wenn ein anderer ein weiteres Loch in das Boot schießt?
Manche Leute meinen ja - und bezeichnen es als Festigkeit.
bezeichne es als einen Sturz ins Wasser.

Verzeihen Sie, ich

Statt Löcher zu schießen, sollten

wir zusammenarbeiten, um sie abzudichten, damit unser Boot der freien Märkte
und des fairen Handels uns zu umso größerem wirtschaftlichen Wachstum und umso größerer internationaler Stabilität tragen kann.
Ich habe mich raschen Auswegen des Protektionismus in Amerika nachhaltig
widersetzt - wettbewerbsfeindlichen Gesetzen, wie dem Gesetz über den einheimischen Arbeits- und Materialanteil von Produkten, das beispielsweise unsere einheimischen Automobil herstell er zwingen würde, einen höheren Anteil an
amerikanischem Arbeits- und Materialaufwand zu benutzen.

Es wäre ein schreck-

licher Witz, die Preise zu erhöhen, ohne Arbeitsplätze zu schützen.
weniger bei Ihnen kaufen.

Sie würden weniger bei uns kaufen.

Weltwirtschaft würde kleiner.

Wir würden

Der Kuchen der

Vergeltung und Diskriminierung würden zunehmen.

Es ist für einen gewählten Regierungsvertreter nicht einfach, die Anliegen seiner Wähler mit den höheren Interessen der Nation in Ausgleich zu
bringen. Aber das ist genau unser aller Aufgabe. Und wir brauchen Ihre Hilfe,
indem Sie freien Handel demonstrieren, um den Anliegen meines eigenen Volkes
gerecht zu werden. Die Amerikaner glauben, daß Ihre Märkte weniger offen seien
als die unsrigen. Wir brauchen Ihre Unterstützung, um die Handelsschranken
weiter abzubauen, die es vielen amerikanischen Produkten noch immer schwer
machen, auf Ihren Markt zu gelangen. Die Reihe von Maßnahmen, die Ihre Regierung kürzlich ergriffen hat, um die Handelsschranken zu verringern, sind
positive Schritte in diese Richtung. Wir hoffen sehr, daß dieser Fortschritt
anhalten und sich beschleunigen wird. Umgekehrt verpflichte ich mich, den
Kampf gegen protektionistische Maßnahmen in meinem eigenen Lande zu unterstützen.
Wenn jeder von uns nur ein bißchen gibt, dann können wir alle viel gewinnen. Als zwei große und reife Demokratien sollten wir die Überzeugung
haben, aneinander zu glauben, auf unsere lange und gute Freundschaft zu bauen

�zu bauen und unsere Partnerschaft zu erweitern. Wir sind führende Mächte in
der Weltwirtschaft. Wir und andere Industriestaaten haben eine gemeinsame Verantwortung, Kapital- und Handelsmärkte zu eröffnen, größere Investitionen im
jeweils anderen Land zu fördern, den Entwicklungsländern zu helfen und das
Durchsickern von militärischer Technologie zu einem Gegner zu stoppen, der
auf Aggression und Beherrschung aus ist.
Wir sind der Überzeugung, daß die Währung der zweitgrößten freien Marktwirtschaft der Welt die wirtschaftliche Stärke und politische Stabilität widerspiegeln muß, derer Sie sich erfreuen. Wir gehen davon aus, daß der Yen eine
größere Rolle in den internationalen Finanz- und Wirtschaftsangelegenheiten
spielen wird.

Wir begrüßen den jüngsten Trend zu einem stärkeren Yen. Und

die Welt begrüßt die zunehmend aktive Rolle Japans in globalen Angelegenheiten.
Ihre führende Rolle bei der Hilfe für Flüchtlinge und in der Wirtschaftshilfe
für verschiedene Länder war von höchster Bedeutung als Beitrag zur Schaffung
größerer Stabilität in Schlüsselgebieten der Welt.

Ihr Rat bei Initiativen

zur Rüstungsverminderung wird bei uns hoch geschätzt.
Wir mögen gelegentlich Differenzen haben, aber es herrscht kein echter
Streit zwischen uns. Der herrscht mit jenen, die die Freiheit reglementieren
wollen; die Plackerei statt dynamische Initiative wollen; künftige Verzweiflung statt Gewißheit der Besserung und die Zwangsernährung eines militärischen
Goliath statt des persönlichen Interesses an den Produkten und dem Fortschritt
von morgen.
Sie und Ihre Nachbarn sind leuchtende Beispiele für all jene, die rasche
Entwicklung suchen. Das pazifische Becken stellt heute die interessanteste
Region für das wirtschaftliche Wachstum in der Welt dar. Die Menschen Ihres
Landes strengen ihre Fähigkeiten bis zum Äußersten an, und wenn eine ganze
Nation das tut, dann geschehen Wunder. Als Kalifornier habe ich viele Wunder
gesehen, die fleißige Japaner nach unseren Küsten gebracht haben.
Im Jahr

- 11 -

�Im Jahr 1865 verließ ein junger Samurai-Schuler, Kamaye Nagasawa, Japan,
um zu erfahren, was den Westen wirtschaftlich stark und technologisch führend
gemacht hatte.

Zehn Jahre später gründete er eine kleine Weinkellerei in

Santa Rosa in Kalifornien, die den Namen Fountaingrove Round Barn and Winery
trug.

Bald wurde er zum König der Winzer in Kalifornien.

Nagasawa kam nach

Kalifornien, um zu lernen, und blieb, um unser Leben zu bereichern.

Unsere

beiden Länder verdanken diesem zum Geschäftsmann gewordenen Krieger viel.
Im Laufe der Jahre haben unsere Kontakte in erstaunlichem Tempo zugenommen.

Heute studieren rund 13 000 Ihrer besten Studenten in Amerika.

Und

eine wachsende Zahl amerikanischer Bürger kommt hierher, um alles mögliche
über Japan zu erfahren.

Firmen wie Nissan, Koycera, Sony und Toshiba haben

Tausende von Arbeitsplätzen nach Amerika gebracht.

Der Bundesstaat Kalifornien

plant den Bau eines Schnellzuges in der Art Ihrer so erfolgreichen Superschnellzüge.

Im Jahr 1985 werden sich die Vereinigten Staaten mit Japan an einer gro-

ßen Ausstellung von Wissenschaft und Technologie in Tsukulba besteiligen ein weiteres Symbol unserer Zusammenarbeit.
ich diese neue pazifische Woge.

Was mich betrifft, so begrüße

Möge sie friedlich dahinrollen und einen

zweiseitigen Austausch von Menschen und Ideen tragen, der die Barrieren des
Argwohns und des Mißtrauens überwinden und Bande der Freundschaft und des gemeinsamen Optimismus knüpfen kann.
Unsere beiden Nationen mögen einer unterschiedlichen Vergangenheit entstammen. Wir mögen an entgegengesetzten Enden der Welt leben, aber wir sind
durch unseren unüberwindlichen Geist der Entschlossenheit zusammengeführt
worden, durch unsere Freiheitsliebe und unsere Hingabe an den Fortschritt.
Wir sind wie Kletterer, die ihren Aufstieg an entgegengesetzten Seiten des
Berges beginnen. Je mehr wir uns anstrengen, je höher wir steigen, desto
näher kommen wir uns - bis zu dem Moment, da wir am Gipfel ankommen und vereint sind.
Denken Sie an das, was im vorigen Monat geschah.

Eine amerikanische und

zwei japanische Gruppen machten sich an die Besteigung des Mount Everest - die

- 12 -

�Mount Everest - die Japaner von der nepalesischen Seite und die Amerikaner
von der tibetanischen Seite aus.

Die Verhältnisse waren so schwierig und

gefährlich, daß vor Abschluß der Expedition zwei japanische Bergsteiger ums
Leben kamen.

Die tapferen Bergsteiger trafen alle zusammen und schüttelten

sich unterhalb des Gipfels die Hand.

Dann bestiegen sie gemeinsam den Gipfel,

um gemeinsam den majestätischen Augenblick des Triumphes zu genießen.
Gute und teure Freunde in Japan:

Wenn diese Bergsteiger auf dem Dach der

Welt sich die Hände schütteln konnten, dann stellen Sie sich einmal vor, wie
hoch unsere 350 Millionen Bürger steigen können, wenn wir alle als mächtige
Partner für die Sache des Guten zusammenarbeiten.

Es gibt nichts, was Japan

und die Vereinigten Staaten nicht zusammen tun könnten.

- 13 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23. November 1983

47

GEMEINSAME ERKLÄRUNG VON PRÄSIDENT REAGAN UND MINISTERPRÄSIDENT NAKASONE
IN TOKIO

TOKIO - (AD) - Präsident Reagan und der japanische Ministerpräsident
Nakasone gaben am 10. November 1983 in Tokio die folgenden Erklärungen ab:
MINISTERPRÄSIDENT NAKASONE:

Es ist für das japanische Volk, die japanische

Regierung wie auch für mich selbst ein besonderes Vergnügen, den Präsidenten
der Vereinigten Staaten von Amerika und Mrs. Reagan als Staatsgäste willkommen
zu heißen.
Der Präsident und ich hatten gestern wie heute überaus produktive Treffen, wobei eine große Bandbreite von Themen angesprochen wurde.

Diese Tref-

fen bestätigten die Bedeutung dieser Fragenkomplexe für Japan und die Vereinigten Staaten - zwei Länder, die die Ideale und Werte von Freiheit und Demokratie sowie das Ziel der Förderung weiterer Zusammenarbeit in Richtung auf
Frieden und Wohlstand in dieser Welt gemeinsam haben.
Der Präsident hat eine klare Vorstellung von der Bedeutung des asiatischen
und pazifischen Raumes. Sein jetziger Besuch Japans und der für das nächste

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�das nächste Jahr geplante Besuch Chinas legen eindeutig Beweis für diese Tatsache ab - zusammen mit seinem Besuch der Länder in Südostasien, der, dessen
bin ich sicher, für die nächste Zukunft wieder eingeplant werden wird.

Die

wirtschaftliche Dynamik der asiatischen und pazifischen Region ist eines der
zentralen Elemente der Expansion der Weltwirtschaft.

Daher herrscht zwischen

dem Präsidenten und mir volle Übereinkunft darüber, daß wir auch weiterhin
alle Anstrengungen zur weiteren Entwicklung der asiatischen und pazifischen
Region unternehmen sollten.
Herr Präsident, ich gab am 1. November in Tokio zusammen mit Bundeskanzler
Kohl die Tokio-Erklärung ab, die in Einklang mit dem Geist der politischen Deklaration

steht, die im Mai dieses Jahres beim Gipfel von Williamsburg verab-

schiedet wurde und in der es heißt, daß wir die Einigkeit und Solidarität zwischen den westlichen Ländern in unserem gemeinsamen Bemühen bewahren sollten,
Freiheit, Frieden und Stabilität der Weltwirtschaft sowie die Entwicklung der
Dritten Welt auch weiterhin zu verfolgen.
Angesichts der jüngsten Ereignisse zunehmender Spannung der Ost-WestBeziehungen und angesichts der Häufigkeit regionaler Dispute und Gewalt in
den verschiedensten Regionen der Welt bin ich beunruhigt darüber, daß der Weltfrieden ernsthaft bedroht ist, wenn solche Tendenzen auch weiterhin anhalten
und sich noch verstärken. Angesichts dessen bin ich der festen Überzeugung,
daß die Länder dieser Welt ihre Entschlossenheit bekräftigen sollten, Frieden,
Freiheit und Stabilität zu bewahren, damit es zu einer Wiederbelebung der Weltwirtschaft und zum Wohlstand der Völker dieser Welt kommen kann.
Ich bin zunehmend der Meinung, daß vernünftige Dialoge und Verhandlungen
geführt werden sollten, damit solche internationalen Konflikte und Streitfragen
gelöst werden können, und daß die betroffenen Parteien keine Mühe scheuen sollten, im Verfolg dieser entscheidenden Ziele schrittweise Maßnahmen zu ergreifen,
die sie dann auch mit Beständigkeit und Realismus durchführen. Dies gilt meiner
Meinung nach vor allem für die Rüstungskontrollverhandlungen.
Die westlichen

- 2 -

�Die westlichen Länder sollten fest, einig und solidarisch für Freiheit
und Frieden eintreten und nicht zögern, für ihre Sache auch die entsprechenden
Lasten zu tragen.

All diese Punkte sind in der Erklärung von Tokio enthalten.

Und es ist ja auch bezeichnend, daß Sie, Herr Präsident, dieser Erklärung während unseres Treffens Ihre volle Zustimmung gaben.
Der Präsident und ich hatten einen Meinungsaustausch über die Ost-WestBeziehungen, wobei besondere Betonung auf die Fragen der Rüstungskontrolle
und die Lage in Regionen wie Asien, dem Nahen Osten und Mittelamerika gelegt
wurde.

Insbesondere hinsichtlich der INF-Verhandlungen wurde erneut bekräf-

tigt, daß die Verhandlungen nicht zu Lasten der asiatischen Region gehen, sondern auf globaler Grundlage geführt werden sollten, wobei auch die Sicherheit
Asiens mit in Erwägung gezogen werden sollte.
Hinsichtlich der kürzlichen Bombenattentate in Burma, diesem furchtbaren
Akt des Terrorismus, waren wir beide der Ansicht, daß sie schärfstens verurteilt werden sollten als unentschuldbarer Versuch, Frieden und Ordnung dieser
Welt herauszufordern, und daß die größten Anstrengungen unternommen werden
müssen, auf der koreanischen Halbinsel Frieden und Stabilität herbeizuführen.
Hinsichtlich des Nahen Ostens brachte ich meine höchste Wertschätzung für die
Rolle zum Ausdruck, die die multinationale Friedenstruppe zur Stabilisierung
der Lage im Libanon spielt.
Die japanisch-amerikanischen Sicherheitsabkommen sind die Grundlage für
Frieden und Sicherheit Japans und des Fernen Ostens. Ich möchte zum Ausdruck
bringen, daß Japan auch weiterhin seine Anstrengungen fortsetzen wird, um die
Glaubwürdigkeit der japanisch-amerikanischen Sicherheitsvereinbarungen zu erhöhen. Hinsichtlich der Verbesserung unserer Verteidigungskapazität möchte
ich weitere Anstrengungen unternehmen, wie sie im gemeinsamen Kommunique vom
Mai 1981 zum Ausdruck kamen.
Was die Weltwirtschaft angeht, so unterstrichen der Präsident und ich
- im Einklang mit der Erklärung des Gipfels von Williamsburg - die Bedeutung,

- 3 -

�die Bedeutung, die einem anhaltenden, nichtinflationären Wachstum der Weltwirtschaft, dem Zurückdrängen von Protektionismus und einem Rückgang der
derzeitigen hohen Zinsen zukommt.

Wir halten dies zusammen mit einer erhöh-

ten finanziellen Zusammenarbeit für bedeutsam, um die Last der Entwicklungsländer etwas zu erleichtern, die unter den angehäuften Schulden leiden.
Hinsichtlich bilateraler Wirtschaftsfragen sprachen wir unsere Anerkennung für das bislang Erreichte aus und kamen überein, mit unseren Bemühungen
zur Lösung der noch ausstehenden Probleme fortzufahren.

In diesem Zusammen-

hang würdigte ich insbesondere die Verpflichtung des Präsidenten, gegen Protektionismus in den Vereinigten Staaten anzugehen.

Der Präsident und ich

sind uns auch hinsichtlich der Bedeutung der Yen-Dollar-Frage einig.

Wir

kamen überein, Konsultativforen über Fragen des Wechselkurses und Investitionen einzurichten.

Dabei drängte ich auf weitere amerikanische Anstrengun-

gen zur Senkung der amerikanischen Zinssätze.
Der Präsident und ich unterstrichen auch die Bedeutung einer Förderung
der Vorbereitungen für eine neue Runde multilateraler Handelsverhandlungen,
um das Freihandelssystem zu konsolidieren und der Weltwirtschaft neues Vertrauen einzugeben. Ich bin sehr glücklich darüber, daß der Präsident in
einem so hohen Maß meiner Ansicht war. Wir beabsichtigen, auch andere Länder dazu aufzufordern, sich unseren Anstrengungen anzuschließen.
Herr Präsident, in der derzeitigen internationalen Lage ruht auf Ihren
Schultern eine gewaltige, weltweite Verantwortung. Ich werde auch meinerseits
zu Frieden und Wohlstand der Welt den mir möglichen Beitrag leisten. Vielen
Dank.

+ + +

- 4 A

�PRÄSIDENT REAGAN:

Im Namen des amerikanischen Volkes und seiner Regie-

rung möchte ich Seiner Kaiserlichen Majestät sowie Ministerpräsident Nakasone,
der Regierung und dem japanischen Volk für den großzügigen und herzlichen
Empfang danken, der meiner Frau Nancy, mir selbst und meinen Mitarbeitern während unseres Besuches in Ihren Land zuteil wurde.
Wie Sie gerade gehört haben, haben Ministerpräsident Nakasone und ich
zwei Tage überaus produktiver Gespräche über eine große Bandbreite bilateraler Fragen und weltweiter Themen beendet. Als Führer zweier großer pazifischer
Nationen sind wir Hüter einer starken, reichen und vielfältigen Beziehung.
Japan und Amerika sind durch die gemeinsamen Werte der Freiheit, der Demokratie
und des Friedens miteinander verbunden.
Wir streben in Zukunft eine noch größere Zusammenarbeit auf einem weiten
Spektrum von politischen, wirtschaftlichen, sicherheitspolitischen, bildungspolitischen, kulturellen und wissenschaftlichen Bereichen an.
Ich komme als ein Freund Japans in dem Bestreben, unsere Partnerschaft
für Frieden, Wohlstand und Fortschritt zu stärken.

Ich werde Japan in der

Zuversicht verlassen, daß unsere Partnerschaft stärker denn zuvor ist, und in
der Zuversicht, daß wir am Beginn einer neuen Ära der japanisch-amerikanischen
Zusammenarbeit für den Fortschritt stehen, wobei wir aus der gewaltigen Quelle
des Talentes, der Entschlossenheit, der Energie und der Schaffenskraft unserer
freien Völker schöpfen können.
Wir begrüßen Japans ausdrückliche

Rolle als Mitverwalter von Frieden

und Fortschritt in den internationalen wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten.

Wir haben globale Themen besprochen und haben hinsichtlich der

Möglichkeiten für Zusammenarbeit in vielem die gleiche Sicht.
Die Prinzipien, die Ministerpräsident Nakasone die Erklärung von Tokio
nannte, sind Prinzipien, die ich voll unterstreiche.
Wir haben

�Wir haben zusammen keine größere Verantwortung als die, unsere Welt zu
einem sichereren Ort zu machen.

Es gibt auf der Halbinsel Korea, im Nahen

Osten, in der Karibik und über dem nordwestlichen Pazifik ernste Bedrohungen
des Friedens.

Und die Haltung unserer Gegner am Verhandlungstisch bei den

Rüstungskontroilgesprä'chen steht gleichfalls nicht in Einklang mit dem Willen
der Menschen dieser Welt, die Waffen des Krieges zu verringern und einen stabileren Frieden zu schaffen.
Ich brachte dem Ministerpräsidenten gegenüber meine Zufriedenheit darüber zum Ausdruck, daß sich unsere wechselseitigen Sicherheitsbeziehungen ohne
Schwierigkeiten entwickeln.

Japan ist Gastland für 45 000 amerikanische Sol-

daten,und unsere Stüztpunkte in Japan - ermöglicht durch den Vertrag über gegenseitige Zusammenarbeit und Sicherheit - sind nicht nur für die Verteidigung Japans von entscheidender Bedeutung, sondern tragen auch zum Frieden und
zum Wohlstand im Fernen Osten bei. Was die Verteidigungsanstrengungen Japans
angeht, so sind die Vereinigten Staaten auch weiterhin davon überzeugt, daß
der wichtigste Beitrag, den Japan zur Sicherheit und zum Frieden in Asien
leisten kann, darin besteht, daß Japan sich um seine eigene Verteidigung bemüht und einen größeren Anteil an den Lasten unserer gemeinsamen Verteidigungsanstrengung übernimmt.
Während unseres Gespräches über die Rüstungskontrolle versicherte ich
Ministerpräsident Nakasone, daß wir die globale Verringerung der sowjetischen
Mittelstreckenraketen SS-20 auf den niedrigstmöglichen Umfang anstreben. Die
Vereinigten Staaten werden bei den INF-Verhandlungen keinerlei Schritte unternehmen, die sich nachteilig auf die Sicherheit Asiens auswirken könnten. Wir
kamen auch hinsichtlich der Dringlichkeit überein, eine Übereinstimmung bei
internationalen Sicherungsvorkehrungen herbeizuführen, um die Verbreitung von
Kernwaffen zu verhindern.
Ministerpräsident Nakasone und ich sprachen über die zwingenden internationalen Verpflichtungen Japans und Amerikas im Wirtschaftsbereich, wie dies
schon auf dem Gipfeltreffen von Williamsburg zum Ausdruck gekommen war. Ge- 6 -

�war.

Gemeinsam müssen wir auf eine weitere Liberalisierung des Welthandels

und des Finanzsystems dringen, gegen den Protektionismus ankämpfen, die wirtschaftliche Entwicklung fördern, ohne daß es dadurch wieder zu einer Inflation kommt, indem das freie Unternehmertum in der ganzen Welt ermutigt wird.
Schließlich müssen wir uns in die Verpflichtung teilen, den Entwicklungsländern zu helfen - einschließlich jener, die vor schwerwiegenden Schuldenproblemen stehen. Wir kamen auch ü'berein, die Koordination bei der Auslandshilfe
zu verstärken.
Bei den japanisch-amerikanischen Beziehungen nehmen Handelsfragen eine
herausragende Rolle ein.

Für unsere Handelsprobleme gibt es keine einfachen

Lösungen von einem Tag zum anderen; aber wir sind uns darin einig, die intensivsten Anstrengungen zu unternehmen, um diese Probleme zu lösen.
Wir begrüßen die jüngsten Maßnahmen Ihrer Regierung zum Abbau von Handelsbarrieren, und ich habe die Bedeutung weiterer Maßnahmen unterstrichen,
um den japanischen Markt für Handel und Investitionen zu öffnen.

Ich bin

nicht gekommen, um über spezielle Handelsfragen zu verhandeln; allerdings
habe ich auf bestimmte Fragen hingewiesen, die für uns von dringlichster Bedeutung sind.

Wegen ihrer Wichtigkeit sowohl für den Handel als auch für die

Verbraucher streben wir z.B. Verringerungen der hohen Zölle Japans bei bestimmten Produkten an, bei denen die Vereinigten Staaten in hohem Maß wettbewerbsfähig sind.

Auch die japanischen Quoten bei landwirtschaftlichen Produkten

sind ein ernster Grund zur Besorgnis.
Umgekehrt müssen die Vereinigten Staaten gegen Protektionismus im eigenen
Land ankämpfen, und ich habe dem Ministerpräsidenten versprochen, dies zu tun.
Ein Fortschritt bei japanisch-amerikanischen Handelsfragen kann weltweit eine
größere Handelsliberalisierung fördern - wie dies etwa die Forderung des Ministerpräsidenten nach einer neuen Runde multilateraler Handelsverhandlungen
unterstrich, die ich nachdrücklich unterstütze.
Ich verwies

�Ich verwies darauf, daß man auf die Vereinigten Staaten als verläßlichen
und langfristigen Lieferanten von Energie an Japan vertrauen könne - insbesondere von Kohle - und war erfreut darüber, daß Ministerpräsident Nakasone diese
Ansicht teilt.

Größerer Handel im Energiebereich würde mehr Arbeitsplätze für

Amerikaner und größere Sicherheit für unsere beiden Länder bedeuten.
Mit Zustimmung von Ministerpräsident Nakasone und mir selbst wird heute
eine gemeinsame Presseerklärung von Finanzminister Takeshita und Finanzminister
Regan zur Yen-Dollar-Frage und anderen Finanz- und Wirtschaftsfragen von beiderseitigem Interesse veröffentlicht.
Wir sind der Meinung, daß die in dieser Erklärung dargelegten Verpflichtungen und Maßnahmen die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan noch weiter verstärken werden.
Wir haben die Bedeutung freier und offener Kapitalmärkte in beiden Ländern für den Yen-Dollar-Wechselkurs unterstrichen. Wir betonten die Notwendigkeit enger wirtschaftlicher Konsultationen zwischen unseren beiden Regierungen. Eine Arbeitsgruppe auf Ministerebene wird eingesetzt, um den Fortschritt
auf beiden Seiten zu überwachen, der hinsichtlich der vereinbarten Maßnahmen
erzielt wird, den Wechselkurs zwischen Yen und Dollar zu verbessern.
Unsere beiderseitige Verpflichtung zu konkreten Schritten, um offene
Kapitalmärkte zu erlangen, wird es auch dem Yen ermöglichen, Japans politische
Stabilität und wirtschaftliche Stärke als zweitgrößte Volkswirtschaft der Freien Welt umfassender widerzuspiegeln.
Der Fortschritt muß allmählich kommen; aber Japan und Amerika haben begonnen, gemeinsam Schritte in diese Richtung zu unternehmen.

Es ermutigt mich,

daß - beginnend mit unserem ersten Treffen im vergangenen Januar, dann während
des Gipfels von Williamsburg und nun erneut während unseres Besuches in dieser
Woche - Ministerpräsident Nakasone und ich der gleichen Ansicht dahingehend
sind, daß unsere beiden großen Demokratien einander gegenüber und gegenüber
der ganzen Welt eine ganz besondere Verantwortung tragen.
Gehen wir
- 8 -

�Gehen wir gemeinsam weiter, indem wir Schritt um Schritt auf unserem
Fortschritt aufbauen.

Unsere Erfolge bei diesem Bemühen um den Fortschritt

müssen Meilensteine sein, die sicherstellen, daß wir unser Ziel erreichen.
Der Ministerpräsident und ich werden hierüber auch morgen noch eingehender
sprechen.
Dieser Besuch hat die Bande der Freundschaft zwischen unseren beiden
großen Nationen verstärkt.
Wir sind jetzt besser gerüstet für eine Zusammenarbeit als Partner, um
bei uns und in der ganzen Welt auf eine friedlichere und gedeihlichere Zukunft hinzuarbeiten.
müssen.

Wir wissen, was zu tun ist.

Wir wissen, wie wir es tun

Haben wir den Glauben zueinander, den Mut, das Notwendige anzupacken,

und die Entschlossenheit, es zum Ende zu führen.

- 9 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23. November 1983

47

GEMEINSAME ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS UND PRÄSIDENT CHUNS

SEOUL - (AD) - Der amerikanische Präsident Ronald Reagan und der koreanische Präsident Chun Doo Hwan veröffentlichten anläßlich des Staatsbesuchs
von Präsident Reagan am 13. November 1983 (Ortszeit) in Seoul eine gemeinsame
Erklärung, die folgenden Wortlaut hat:
Auf Einladung von Präsident Chun Doo Hwan statteten der Präsident der
Vereinigten Staaten von Amerika, Ronald Reagan,und seine Frau Nancy der Republik Korea vom 12. bis 14. November 1983 einen Staatsbesuch ab.

Die bei-

den Präsidenten trafen am 12. und abermals am 13. November zu Gesprächen sowohl über bilaterale Fragen als auch Fragen der Weltpolitik zusammen. Die
Gespräche fanden in einer äußerst herzlichen und offenen Atmosphäre statt.
Präsident Reagan sprach vor der Nationalversammlung, besuchte Einrichtungen sowohl der koreanischen als auch der amerikanischen Streitkräfte und
traf auch mit höheren koreanischen Regierungsbeamten, koreanischen Bürgern
und einer Gruppe amerikanischer Geschäftsleute zusammen.
Präsident Chun

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Präsident Chun brachte gegenüber Präsident Reagan seine Dankbarkeit für
die standhafte Unterstützung Amerikas in der Zeit nach den Tragödien zum Ausdruck, die das Volk von Korea in jüngster Zeit durchgemacht hat: dem sowjetischen Angriff auf ein koreanisches Zivilflugzeug am 1. September und dem
nordkoreanischen Terroranschlag in Burma, der tragischerweise 17 unschuldigen
Koreanern das Leben kostete, darunter viele führende Persönlichkeiten aus den
Bereichen der Wirtschaft, der Diplomatie und der Politik.
Die beiden Präsidenten nahmen Kenntnis von der gründlichen und schlüssigen Untersuchung des abscheulichen Bombenanschlags von Rangun am 9. Oktober
durch die burmesische Regierung, die unwiderlegbare Beweise dafür erbracht
hat, daß die nordkoreanische Regierung diesen vorsätzlichen Akt des Staatsterrorismus begangen hat. Beide stimmten darin überein, daß ein derartiges
Vorgehen nicht geduldet werden kann,und forderten wirksame internationale
Sanktionen gegen Nordkorea.

Präsident Reagan bekräftigte seine Bewunderung

für die Entschlossenheit und den Mut des koreanischen Volkes und dessen Führung angesichts dieser barbarischen Vorfälle.
Präsident Chun sprach Präsident Regan und dem amerikanischen Volk sein
Beileid zu den Verlusten an Menschenleben aus, die durch den Anschlag auf
eine Unterkunft amerikanischer Marinesoldaten in Beirut vom 23. Oktober verursacht wurden. Präsident Chun und Präsident Reagan bekundeten gemeinsam
die unbeugsame Opposition des koreanischen und des amerikanischen Volkes gegenüber derartigen Terrorakten und sicherten zu, anhaltende Anstrengungen zu
unternehmen, um die Geissei des Terrorismus von der Erde zu tilgen.
Die beiden Staatschefs führten einen Meinungsaustausch über eine Reihe
internationaler Fragen von beiderseitigem Interesse.

Präsident Reagan unter-

strich die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, die Verteidigung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zu stärken, sich um eine Verminderung
der Spannungen in unstabilen Gebieten wie dem Nahen Osten zu bemühen und eine
Vereinbarung über die Verminderung der weltweiten Dislozierungen strategischer
Waffen anzustreben.
Präsident Chun
- 2 -

�Präsident Chun umriß die Sicherheitslage der Halbinsel Korea in Einzelheiten und bezog sich hierbei insbesondere auf die anhaltende Bedrohung durch
Nordkorea, die in Nordkoreas militärischem Aufbau zum Ausdruck kommt und durch
seine eigenen inneren Probleme verschärft wird.
Beide Präsidenten unterstrichen die Wichtigkeit der Aufrechterhaltung
der Abschreckungskräfte und der Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und
in Nordostasien - einem Gebiet von entscheidender strategischer Bedeutung.
Präsident Reagan erklärte, die Vereinigten Staaten würden ihre Rolle und
Verantwortlichkeiten als einer pazifischen Macht nachkommen, die sich der Aufrechterhai tung von Frieden und Stabilität in diesem Raum verpflichtet fühlt.
Präsident Reagan bekräftigte unter Hinweis darauf, daß die Sicherheit
der Republik Korea unentbehrlich für den Frieden und die Stabilität Nordostasiens sei und diese letztere!wiederum von entscheidender Bedeutung für die
Sicherheit der Vereinigten Staaten seien, die anhaltende starke Verpflichtung
der Vereinigten Staaten zur Gewährleistung der Sicherheit der Republik Korea.
Die beiden Präsidenten gelobten, die Verpflichtungen aufrechtzuerhalten, die
im gegenseitigen Verteidigungsabkommen zwischen der Republik Korea und den
Vereinigten Staaten von 1953 niedergelegt sind, und sie wiesen auf den Erfolg
dieses Bündnisses und seine abschreckende Wirkung in mehr als 30 Jahren hin.
Präsident Reagan betonte, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin
amerikanische Streitkräfte in Korea belassen und deren Schlagkraft stärken
würden.

Präsident Chun bekräftigte sein Eintreten für die Präsenz amerika-

nischer Truppen in Korea als Teil der den Vereinten Nationen und dem Gemeinsamen
Kommando unterstellten Streitkräfte in Korea.
Präsident Reagan nahm zur Kenntnis, daß Korea sechs Prozent seines Bruttosozialprodukts für die Verteidigung aufwendet, und er nahm ferner Kenntnis von
den Anstrengungen der Republik Korea, ihre Verteidigungskapazitäten zu modernisieren und zu steigern.

Die beiden Präsidenten waren der übereinstimmenden

- 3 -

�der übereinstimmenden Auffassung, daß dieses Programm wichtig sei, soll der
Friede erhalten bleiben.

Präsident Reagan bekräftigte erneut, daß die Ver-

einigten Staaten auch künftig die Waffensysteme und Technologien bereitstellen werden,die notwendig sind, um die Stärke der koreanischen Streitkräfte
zu mehren.
Präsident Chun erläuterte die anhaltenden Anstrengungen der koreanischen
Regierung, die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Süd- und Nordkorea und ihre
Politik der friedlichen Wiedervereinigung unter dem Gesichtspunkt zu erreichen,
die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu vermindern und der Verwirklichung des langgehegten Wunsches des koreanischen Volkes näherzukommen, die
Wiedervereinigung in Frieden zu vollziehen.

Präsident Reagan, der die Unter-

stützung der diesbezüglichen ernsthaften und geduldigen Bemühungen der Republik Korea durch die Vereinigten Staaten zum Ausdruck brachte, verwies insbesondere auf Präsident Chuns umfassenden Vorschlag vom 22. Januar 1982, eine
demokratische Wiedervereinigung über eine nationale Aussöhnung anzustreben.
Präsident Reagan unterstrich erneut, daß die Vereinigten Staaten keine
Gespräche mit Nordkorea ohne die volle und gleichberechtigte Teilnahme der Republik Korea führen werden. Die beiden Präsidenten versicherten, daß jedwede
einseitigen Schritte seitens der Hauptverbündeten Nordkoreas zugunsten Nordkoreas, die nicht auch die Republik Korea begünstigen, der Sache der Förderung von Stabilität und Frieden in diesem Gebiet nicht dienlich wären.
Präsident Reagan gab seiner Bewunderung und Unterstützung der zunehmenden und immer aktiveren Rolle Ausdruck, die die Republik Korea in der internationalen Diplomatie spielt, und nahm Kenntnis von der Entschlossenheit der
Republik Korea, eine Politik der offenen Tür im Zwiegespräch mit allen Völkern
zu betreiben.

Die beiden Präsidenten unterstrichen die Bedeutung der Rolle

ihres jeweiligen Landes als Gastgeber für wichtige weltweite Veranstaltungen
und Ereignisse, darunter die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles und 1988
in Seoul.

Beide Länder stehen zu der Verpflichtung, Vertreter aller Nationen

zur Teilnahme an diesen internationalen Veranstaltungen zuzulassen.
In Anerkennung
- 4 - .

�In Anerkennung der zunehmenden Bedeutung des asiatisch-pazifischen Raumes
und des wachsenden Zusammengehörigkeitsgefühls unter den Pazifik-Anliegerstaaten

stimmten die beiden Präsidenten darin überein, daß die Intensivierung des

Austausches auf allen Ebenen unter den pazifischen Nationen notwendig sei, um
den regionalen Zusammenhalt zu festigen.

Sie waren sich ferner darin einig,

daß die multilateralen Beziehungen unter den Ländern dieser Region auf den Gebieten des Handels, der Finanzen, der Wissenschaft, der Technik, der Kultur
und des Tourismus verstärkt werden sollen.
Die beiden Präsidenten gaben ihrer Überzeugung Ausdruck, daß die Republik
Korea gemäß dem Prinzip der Universalität der Vereinten Nationen in diese aufgenommen werden sollte und daß der Eintritt der Republik Korea in die Vereinten Nationen zur Verminderung der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel und
zur Aufrechterhaltung des internationalen Friedens beitragen würde.

Präsident

Reagan sicherte sein anhaltendes Eintreten für die Aufnahme der Republik Korea
in die Vereinten Nationen zu.
Die beiden Präsidenten unterstrichen die Bedeutung der Verteidigung und
Stärkung der Freiheit und der Institutionen, die der Freiheit, der Offenheit
und der politischen Stabilität dienen.
Präsident Chun und Präsident Reagan führten einen Meinungsaustausch über
eine Reihe von wirtschaftlichen Fragen.

Sie machten deutlich, wie wichtig es

ist,sicherzustellen, daß ein weltweiter Wirtschaftsaufschwung nicht durch eine
Rückwende zum Protektionismus behindert werde.

Präsident Reagan begrüßte

insbesondere die Maßnahmen zur Handelsliberalisierung, die die koreanische
Regierung trotz anhaltender Außenhandelsdefizite und des weltweiten Trends
zum Protektionismus unternimmt bzw. zu unternehmen plant.

Die beiden Präsi-

denten stimmten darin überein, daß Schritte dieser Art beispielgebend für positive Maßnahmen seien, die alle Handelsnationen ergreifen sollten, um das
Welthandelssystem gegen protektionistische

Angriffe zu verteidigen, und sie

konstatierten eine dringende Notwendigkeit für konzertierte diesbezügliche
internationale Anstrengungen.
Die beiden
- 5 -

�Die beiden Präsidenten nahmen mit Befriedigung von der fortgesetzten
Ausweitung des bilateralen Handels zwischen beiden Ländern Kenntnis, dessen
Volumen sich im Jahr 1982 auf mehr als 11 Milliarden Dollar bezifferte und
die Republik Korea zu einem der wichtigsten Handelspartner der Vereinigten
Staaten, dem fünftgrößten Markt für amerikanische Agrarprodukte, werden ließ,
und die Vereinigten Staaten für die Republik Korea zum größten Handelspartner
bei den Ausfuhren wie bei den Einfuhren machte.

Sie stimmten beide darin

Überein, daß das kontinuierliche Wachstum des beiderseitigen Handels Zeugnis
für die Lebenskraft der amerikanisch-koreanischen Wirtschaftsbeziehungen ablegt.
Präsident Chun gab ferner seiner Dankbarkeit für Präsident Reagans starkes Bekenntnis zum Freihandel wie auch seiner Hoffnung Ausdruck, daß den wichtigsten Exportprodukten der Republik Korea durch die Verlängerung der Berechtigung Koreas zur Inanspruchnahme von GSP-Vergünstigungen auf nicht-diskriminierender Basis größerer Zugang zum amerikanischen Markt gewährt werde.

Prä-

sident Reagan nahm Präsident Chuns Ansichten zu diesen Fragen zur Kenntnis.
In diesem Zusammenhang stellten die beiden Präsidenten Maßnahmen ihrer beiden Regierungen zum Abbau verschiedener Zollbarrieren und außertariflicher
Handelsschranken in Aussicht.
Präsident Chun erläuterte die jüngsten Anstrengungen der koreanischen
Regierung, ein günstigeres Umfeld für ausländische Investitionen in die Republik Korea zu schaffen, und forderte die Vereinigten Staaten auf, von diesen
verbesserten Möglichkeiten Gebrauch zu machen.

Die beiden Präsidenten wiesen

darauf hin, daß ein gastliches Klima für Auslandsinvestitionen in beiden Ländern auch in Zukunft zum Transfer von Technologien und zur Ausweitung der Beschäftigungsmöglichkeiten in der Republik Korea und in den Vereinigten Staaten
beitragen werde.

Die beiden Präsidenten werteten die laufende Beteiligung

amerikanischer Firmen an den wichtigsten Entwicklungsprojekten in der Republik
Korea in Gestalt der Lieferung hochqualifizierter Güter und Dienstleistungen
zu wettbewerbsorientierten

Preisen « S ein Zeichen für die starken koopera-

tiven wirtschaftlichen Bindungen, diejdie Republik Korea und die Vereinigten
Staaten miteinander verknüpfen.
Präsident Chun

�Präsident Chun und Präsident Reagan erörterten die Aussichten auf eine
weitere Verbreiterung der Zusammenarbeit auf den Gebieten der Technologie und
der Energie. Sie kamen überein, Programme für die wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit auch weiterhin zu fördern.
Präsident Reagan versicherte Präsident Chun, daß die Vereinigten Staaten ein verläßlicher Lieferant von Energiestoffen und Energietechnologien
seien und insbesondere auch bemüht bleiben werden, die Republik Korea bei der
Gewährleistung einer stabilen Energieversorgung für den Fall eines Sicherheitsnotstandes zu unterstützen; in dieser Hinsicht zeigte sich Präsident Reagan
positiv von den Anstrengungen der koreanischen Regierung beeindruckt, Energievorräte für wirtschaftliche Krisensituationen anzulegen.

Präsident Chun be-

kundete seine Dankbarkeit für die amerikanische Zusicherung und das Interesse
der

Republik Koreas am Kauf von Energiestoffen und an der Entwicklung von

Energiequellen in den Vereinigten Staaten.
Präsident Chun und Präsident Reagan nahmen Kenntnis von den starken und
vielfältigen Banden der Freundschaft und Zusammenarbeit, die die Vereinigten
Staaten und die Republik Korea in den Nachkriegsjähren miteinander verbunden
haben, und kamen zu dem Urteil, daß diese Beziehungen ausgezeichnet seien.
Als Zeugnis für die zunehmende Breite und Bedeutung dieser Beziehungen informierte Präsident Reagan Präsident Chun von der Absicht der Vereinigten Staaten, in naher Zukunft ein Konsulat in Pusan zu eröffnen, Koreas zweitgrößter
Stadt und Brennpunkt auch für den amerikanisch-koreanischen Wirtschaftsverkehr.
Präsident Chun begrüßte diese Entscheidung.
Präsident Chun und Präsident Reagan sicherten zu, dafür zu sorgen, daß
alle Tagungen und Konsultationen zu Sicherhietsfragen wie auch auf den Gebieten der Politik, der Wirtschaft, der Wissenschaften und der Kultur, die auf
der gemeinsamen Tagesordnung anstehen, voll und ganz durchgeführt werden, um
die ohnehin ausgezeichneten Beziehungen auf diesen Teilbereichen aufrechtzuerhalten und zu vertiefen.
Die beiden

�Die beiden Präsidenten unterstrichen die Notwendigkeit einer weiteren
Förderung des gegenseitigen Verständnisses und des Austausches zwischen dem
koreanischen und dem amerikanischen Volk und kamen überein, einen erweiterten
Kultur- und Erziehungsaustausch einzuleiten. Die beiden Präsidenten zeigten
sich befriedigt über die Förderung der Amerikakunde in der Republik Korea und
auch die Förderung der Koreakunde in den Vereinigten Staaten.
Präsident Reagan und seine Frau sprachen Präsident Chun und seiner Gattin
ihre tiefe Dankbarkeit für die herzliche Aufnahme aus, die sie in der Republik
Korea fanden; sie richteten ihren tiefempfundenen Dank auch an das Volk der
Republik Korea für die Gastfreundschaft, die Freundlichkeit und den guten Willen, die es ihnen entgegengebracht hat. Die beiden Präsidenten waren sich
darin einig, daß der Austausch von Präsidenten-Besuchen zur Weiterentwicklung
der bestehenden freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern beiträgt. In diesem Zusammenhang lud Präsident Reagan Präsident Chun zu einem
erneuten Besuch nach Washington zu einem geeigneten Zeitpunkt ein, und Präsident Chun nahm diese Einladung dankbar an.

+ + + + +

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