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Dokumenlolion
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. November 1983

44

INHALT

DOKUMENTATION
Fernsehansprache Reagans; zumLibanon und zu Grenada
- Wortlaut Kenneth Dam legt Gründe für Grenada-Aktion dar
Stellvertretender US-Außenminister vor Senatsausschuß

HINTERGRUNDMATERIAL
Energiepolitik mit Problemen
- Versorgung muß durch langfristige Planungen für die wichtigen
Energieträger gesichert werden Von E. Allan Wendt

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

44

2. November 1983

FERNSEHANSPRACHE REAGANS ZUM LIBANON UND ZU GRENADA
Wortlaut

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan erklärte am 27. Oktober 1983
in einer Fernsehansprache, die Sowjetunion habe sowohl im Libanon als auch auf
Grenada zur Gewalt "beigetragen und ermutigt".

Die ersten Fotos über die Opera-

tion auf Grenada bewiesen, welche Pläne die Sowjets für die Insel hatten. Er
sagte:

"Wir kamen gerade noch rechtzeitig".

Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Vor zwei Monaten waren wir alle schockiert über das brutale Massaker an
269 Männern, Frauen und Kindern - mehr als 60 davon Amerikaner - beim Abschuß
eines koreanischen Passagierflugzeuges.
In den vergangenen Tagen ist die Gewalt erneut ausgebrochen - im Libanon
und auf Grenada.

Im Libanon haben wir etwa 1600 Angehörige des Marinekorps

- Teil einer multinationalen Friedenstruppe, die versucht, dem libanesischen
Volk dabei zu helfen, diesem von Unruhen heimgesuchten Land wieder Ordnung
und Stabilität zu bringen.

Unsere Marinesoldaten sind im Süden der Stadt

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Stadt Beirut nahe dem einzigen Flugplatz stationiert, der im Libanon noch
offen ist.

Nur etwa eine Meile nördlich davon steht das italienische Kon-

tingent, und nicht weit davon entfernt, stehen die Franzosen sowie eine Kompanie britischer Soldaten.
Am vergangenen Sonntag, 22 Minuten nach sechs Uhr Beiruter Zeit, gerade
bei Sonnenaufgang, näherte sich ein Lastwagen, der wie viele andere Fahrzeuge
in der Stadt aussah, dem Flugplatz auf einer viel befahrenen Hauptstraße.

An

seinem Äußeren gab es nichts, das ihn von den Lastwagen oder Autos unterschieden hätte, die man normalerweise auf dem Flugplatz oder um ihn herum sieht.
Dieser aber war anders. Am Steuer saß ein junger Mann mit einer Selbstmordaufgabe.

Auf dem Lastwagen waren etwa 200 Pfund Sprengstoff.

serer Marinesoldaten konnte dies in keiner Weise ahnen.

Aber die Wache un-

Die erste Warnung,

daß irgend etwas verdächtig war, kam, als der Lastwagen durch eine ganze Reihe
von Barrieren hindurchbrach, einschließlich eines Kettenzauns und eines Stacheldrahtverhaus.

Die Wachen eröffneten das Feuer, aber es war zu spät.

Der Last-

wagen durchbrach die Türen des Hauptgebäudes, in dem unsere Soldaten schliefen
und explodierte sofort.

Das vierstöckige Betongebäude stürzte in sich zusammen.

Mehr als 200 der Schlafenden wurden bei diesem gräßlichen, irrsinnigen
Angriff getötet.

Viele wurden verwundet und befinden sich jetzt in Kranken-

häusern in Europa oder hier.
Aber dies war noch nicht einmal das Ende des Schreckens. Fast zum
gleichen Zeitpunkt brach ein anderes Fahrzeug bei seiner Selbstmord- und Mordaktion in das Hauptquartier der französischen Friedenstruppen, ein achtgeschossiges Gebäude, ein, zerstörte es und tötete mehr als 50 französische Soldaten.
Vor diesem Schreckenstag hatte es für unsere Soldaten der multinationalen
Friedenstruppe schon mehrere Tragödien gegeben.

Angriffe von Heckenschützen

und Mörserbeschuß hatten ihren Zoll gefordert.

Ich rief die trauernden Eltern

oder Witwen der Opfer an, um in unser aller Namen unsere Sorge und unser Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen.

Bisweilen gab es dabei die Frage, und viele
- 2 -

�und viele von Ihnen werden auch jetzt fragen:
Männer im Libanon sterben?
Nun, es ist wahr:

"Warum sollten unsere jungen

Warum ist der Libanon für uns wichtig?"

Der Libanon ist ein kleines Land, mehr als 5 1/2 Tau-

send Meilen von unserer Küste entfernt, am Rande jenes Gebietes, das wir den
Nahen Osten nennen.

Aber jeder Präsident, der in den letzten Jahren dieses

Amt bekleidete, erkannte, daß der Frieden im Nahen Osten von lebenswichtiger
Bedeutung für unser Land sowie für unsere Verbündeten in Westeuropa und Japan
ist.

Wir sind deshalb besorgt, weil der Nahe Osten ein Pulverfaß ist; in den

vergangenen 30 Jahren gab es zwischen den Arabern und den Israelis viermal
Krieg, und jedesmal stand die ganze Welt am Rande einer Katastrophe.
Die Region ist ein Schlüssel für das wirtschaftliche und politische Leben des Westens. Seine strategische Bedeutung, seine Energiequellen, der
Suez-Kanal und das Wohlergehen von fast 200 Millionen Menschen, die dort leben - all dies ist für uns und den Weltfrieden von allergrößter Bedeutung.
Falls diese entscheidende Region in die Hände einer Macht oder von Mächten
fallen würde, die der freien Welt feindlich gesinnt sind, wäre dies eine direkte Bedrohung für die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten.
Und es gibt noch einen anderen Grund für unser Engagement. Seit 1948
erkennt und übernimmt unsere Nation eine moralische Verpflichtung zur Sicherung
der Existenz Israels als Nation. Israel teilt unsere demokratischen Werte und
ist eine beträchtliche Kraft, mit der ein Eindringling in den Nahen Osten zu
rechnen haben würde.
Seit Jahren wird der Libanon durch innere Streitigkeiten zerrüttet.
Einstmals eine wohlhabende und friedliche Nation, hat seine Regierung nunmehr
ihre Wirkung dabei verloren, die Milizen zu kontrollieren, die miteinander
im Krieg liegen.
Vor 16 Monaten sahen wir im Fernsehen den Beschuß und die Bombardierung
von Beirut, das von PLO-Greuppen als Fort benutzt wurde.
- 3 -

Hunderte und aber-

�und aberhunderte von Zivilisten wurden in den tagelangen Kämpfen getötet und
verwundet.

Syrien, das kein Geheimnis aus seinem Anspruch macht, den Libanon

zum Teil eines Großsyriens umzuwandeln, besetzte einen großen Teil des Libanon.
Heute ist Syrien Heimstatt für 7000 sowjetische Berater und Techniker, die
eine gewaltige Menge sowjetischer Waffen bedienen, einschließlich der SS-ZIBoden-Boden-Raketen, mit denen lebenswichtige Bereiche Israels erreicht werden können.
Vor etwa einem Jahr schlug ich in der Hoffnung, auf den Camp David-Vereinbarungen aufzubauen, die zum Frieden zwischen Israel und Ägypten geführt
hatten, einen Friedensplan für den Nahen Osten vor, um die Kriege zwischen
den arabischen Staaten und Israel zu beenden.

Er gründete sich auf die UN-

Resolutionen 242 und 338 und forderte eine faire und gerechte Lösung des Palästinenserproblems sowie eine faire und gerechte Regelung der Fragen zwischen
den arabischen Staaten und Israel.
Bevor die notwendigen Verhandlungen beginnen konnten, war es von entscheidender Bedeutung, alle ausländischen Streitkräfte aus dem Libanon abzuziehen und die Kämpfe dort zu beenden. Warum also sind wir dort? Nun, die
Antwort ist einfach: Um dabei zu helfen, dem Libanon Frieden zu bringen und
Stabilität dem so entscheidend wichtigen Nahen Osten. Zu diesem Zweck wurde
die multinationale Friedenstruppe geschaffen, um dadurch die Lage im Libanon
so weit zu stabilisieren, daß dann eine Regierung eingesetzt und eine libanesische Armee mobilisiert werden könnte, um die libanesische Souveränität
über das eigene Land nach Abzug aller ausländischen Streitkräfte wiederherzustellen. Israel stimmte einem Abzug genau wie Syrien zu, aber Syrien ist
seinem Versprechen untreu geworden. Ober 10 000 Palästinenser, die zur Zerstörung Beiruts beigetragen hatten, verließen allerdings das Land.
Der Libanon hat unter der Führung von Präsident Gemayel eine Regierung
gebildet.

Und diese Regierung hat mit unserer Hilfe eine eigene Armee ge-

schaffen, zu deren Ausbildung wir mit beigetragen haben.
in der Zeit von nur einem Oahr aufgestellt.
Libanesen aller Fraktionen besteht.

Diese Armee wurde

Es ist eine gute Armee, die aus
Vor ein

�Vor ein paar Wochen zog sich die israelische Armee zum Awali-Fluß im
Süden Libanons zurück. Trotz heftigen Widerstandes durch von Syrien unterstützte Streitkräfte war die libanesische Armee in der Lage, ihre Linien zu
halten und um Beirut einen Verteidigungsring aufrechtzuerhalten.
In dem Jahr, seit unsere Marine-Infanteristen dort stehen, hat der Libanon
wichtige Schritte in Richtung auf Stabilität und Ordnung unternommen.

Allein

die Anwesenheit unserer Soldaten bedeutet sowohl für die libanesische Regierung als auch für ihre Armee eine Unterstützung.

Dies ermöglicht es, daß die

schwere Arbeit der Diplomatie geleistet werden kann. Ja, ohne den Friedensschutz aus den Vereinigten Staaten, Frankreich, Italien und Großbritannien
würde die Anstrengung, eine friedliche Lösung im Libanon zu finden, zusammenbrechen.
Was die speziellere Frage angeht, welches nämlich genau die operative
Aufgabe der Angehörigen des Marinekorps ist, so lautet die Antwort folgendermaßen:

Einen Teil von Beirut zu sichern, in diesem Sektor die Ordnung auf-

rechterhalten und zu verhindern, daß dieses Gebiet zu einem Schlachtfeld wird.
Unsere Soldaten sitzen nicht nur einfach in einem Flughafen.
gabe ist es, diesen Flughafen zu bewachen.

Teil ihrer Auf-

Aufgrund ihrer Präsenz befindet

sich der Flughafen auch weiterhin in Betrieb. Außerdem führen sie in der Umgebung Patrouillen durch.

Dies ist ihr Anteil - ein begrenzter, aber ent-

scheidender Anteil der umfassenderen Anstrengung, die ich beschrieben habe.
Wenn unsere Soldaten schon dort sein müssen, so werde ich gefragt, warum
können wir ihnen nicht mehr Sicherheit bieten?

Wer beging diese jüngste

Scheußlichkeit und warum?
Wir werden alles tun, um sicherzustellen, daß unsere Soldaten so sicher
wie möglich sind. Wir haben Befehl gegeben, daß das Schlachtschiff "New
Jersey" zu unseren vor der Küste liegenden Seestreitkräften stößt. Ohne auch
nur einen Schuß abzugeben, brachte die Drohung ihrer 16-Inch-Kanonen jene zum
Schweigen, die vorher von den Hügeln herab auf unsere Soldaten geschossen hatten. Und sie sind ein gut Teil des Grundes, warum es plötzlich einen Waffen-

- 5 -

�einen Waffenstillstand gab.

Wir tun unser Bestes, um unsere Streitkräfte jenen

gegenüber weniger verwundbar zu machen, die wie Heckenschützen auf sie schießen
oder noch einmal Selbstmordmissionen durchführen wollen.
Außenminister Shultz rief mich heute aus Europa an, wo er sich mit den
Außenministern unserer Verbündeten in der multinationalen Friedenstruppe traf.
Auch sie sind weiterhin unserer Aufgabe verpflichtet, und es wurden Pläne gemacht, Informationen darüber auszutauschen, wie wir die Sicherheit für alle
unsere Soldaten verbessern können.
Die Indizienbeweise verdichten sich, daß der Angriff auf unsere MarineInfanteristen von Terroristen gelenkt wurde, die die gleiche Methode anwendeten, um unsere Botschaft in Beirut zu zerstören.

Jene, die diese Scheußlich-

keit lenkten, müssen der Gerechtigkeit zugeführt werden.

Und sie werden es.

Der offensichtliche Zweck der Heckenschützen und nunmehr dieses Angriffs
war es, den amerikanischen Willen zu schwächen und einen Abzug der amerikanischen und französischen Streitkräfte aus dem Libanon herbeizuzwingen.

Die

eindeutige Absicht der Terroristen war es, unsere Unterstützung der libanesischen Regierung aus der Welt zu schaffen und die Fähigkeit des libanesischen
Volkes zu zerstören, sein Schicksal selbst zu bestimmen.
Um jenen Antwort zu geben, die mich fragen, ob unsere Anwesenheit dort
irgendeinem Zweck dient, lassen Sie mich eine Frage mit einer anderen Frage
beantworten. Hätten die Terroristen ihre selbstmörderischen Angriffe gegen
die multinationale Friedenstruppe unternommen, wenn sie nicht gute Arbeit geleistet hätte? Die multinationale Streitmacht wurde doch gerade deshalb angegriffen, weil sie die Aufgabe leistet, deretwegen sie nach Beirut geschickt
wurde - und sie erfüllt ihre Mission.
Wohin führt nun unser Weg? Was könen wir jetzt tun, um dem Libanon dabei zu helfen, eine größere Stabilität zu erreichen, damit unsere Soldaten
dann nach Hause kommen können? Ich glaube, wir können jetzt drei Schritte

- 6 -

.

�drei Schritte tun, durch die vieles anders wird.
Erstens, wir werden unsere Suche nach Frieden und Stabilität beschleunigen.

Bisher wurde der Tatsache wenig Aufmerksamkeit geschenkt, daß wir Son-

derbotschafter haben, die wörtlich rund um die Uhr arbeiten, um die miteinander im Krieg liegenden Fraktionen zusammenzubringen.

Am kommenden Montag wird

Präsident Gemayel in Genf sich mit anderen Gruppierungen seines Landes zusammensetzen, um zu sehen, ob es zu einer nationalen Versöhnung kommen kann.
hat unsere feste Unterstützung.

Er

Ich werde in Kürze den Nachfolgen für Bud

McFarlane ernennen, dessen Vorgänger wiederum Phil Habib war.

Beide arbeite-

ten unermüdlich, und ihnen ist viel, wenn nicht das meiste, an dem Fortschritt
zuzuschreiben, den wir gemacht haben.
Zweitens, wir werden mit unseren Verbündeten noch enger dabei zusammenarbeiten, der Regierung des Libanon Unterstützung zu gewähren und wieder einen
nationalen Konsens zu schaffen.
Drittens, wir werden sicherstellen, daß der multinationalen Friedenstruppe - und unseren Angehörigen des Marinekorps also - der größtmögliche
Schutz zuteil wird.

Unser Kommandant des Marinekorps, General Kelley, ist

heute aus dem Libanon zurückgekehrt und wird uns hinsichtlich der Schritte beraten, die wir zur Verbesserung der Sicherheit unternehmen können.

Vizeprä-

sident Bush ist gerade letzte Nacht von Beirut zurückgekehrt und hat mir einen
umfassenden Bericht über seinen Kurzbesuch gegeben.
über unsere Fortschritte im Libanon hinaus sollten wir uns daran erinnern,
daß unser Hauptziel und -zweck darin liegt, im gesamten Nahen Osten einen umfassenderen Frieden zu erreichen. Die Zwietracht und die Bitternis, die wir
im Libanon sehen, sind nur ein verkleinertes Abbild der Schwierigkeiten, die
sich über fast die ganze Region dort ausbreiten.
Eine Friedensinitiative für den gesamten Nahen Osten, die in Einklang
mit den Camp David-Vereinbarungen und den UN-Resolutionen 242 und 338 steht,
- 7 -

�und 338 steht, bietet noch immer die größte Hoffnung darauf, dieser Region
Frieden zu bringen.
Lassen Sie mich diejenigen fragen, die sagen, wir sollten uns aus dem
Libanon zurückziehen:

Wenn wir jetzt den Libanon verlassen würden, welche

Botschaft wäre das für diejenigen, die Instabilität und Terrorismus schüren?
Wenn Amerika den Libanon im Stich ließe, welche Chancen gäbe es dann
dort für eine Verhandlungslösung, die einen einigen, demokratischen Libanon
bringen könnte?
Wenn wir jetzt dem Libanon den Rücken kehren würden, wie sähe es dann
mit der Zukunft Israels aus?

Es geht um das Schicksal des zweiten arabischen

Landes, das mit Israel ein wesentliches Abkommen

ausgehandelt hat.

Dies

ist übrigens eine weitere Leistung des vergangenen Jahres - das Abkommen vom
17. Mai, das der Libanon und Israel unterzeichnet haben.
Wenn Terrorismus und Einschüchterung Erfolg hätten, so wäre dies ein
vernichtender Schlag für Fortschritte beim Frieden und für Israels Suche
nach echter Sicherheit. Nicht nur der Libanon wäre dann zu einer Zukunft
in Chaos verurteilt. Können die Vereinigten Staaten oder die freie Welt deshalb abseits stehen und zusehen, wie der Nahe Osten dem Sowjetblock einverleibt wird? Wie ist es mit der Abhängigkeit Westeuropas und Japans vom öl
des Nahen Ostens für die Energie, um ihre Industrie in Gang zu halten? Der
Nahe Osten ist, wie ich schon sagte, für unsere nationale Sicherheit und
für unser wirtschaftliches Wohlergehen von lebenswichtiger Bedeutung.
Tapfere junge Männer wurden uns genommen.
lich verwundet.

Viele andere wurden schreck-

Sollen wir ihnen sagen, daß ihr Opfer umsonst war?

Sie ga-

ben ihr Leben für die Verteidigung unserer nationalen Sicherheit genauso
hin

wie all jene, die je im Kampf gefallen sind.

Wir dürfen der Bedeutung

und dem Sinn ihres mutigen Opfers nicht das Geringste nehmen.
Wir sind

�Wir sind eine Nation mit weltweiter Verantwortung.

Wir sind nicht

irgend jemand in der Welt, der die Interessen von irgend jemand sonst schützt.
Wir sind dort, um unsere eigenen zu schützen.

Ich erhielt eine Botschaft vom

Vater eines unserer Marine-Infanteristen im Libanon.

Er schrieb mir:

"In

einer Welt, in der wir von den Menschenrechten sprechen, gibt es einen traurigen Mangel an Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Mein Sohn hat

sich dafür entschieden, Verantwortung zu übernehmen für das Privileg, in diesem Land zu leben.

Eines ist sicher:

nicht einfach ererbt.

Man hat sie nur, wenn man bereit ist, für diese Rechte

auch Verantwortung zu übernehmen."
rend

In diesem Land hat man seine Rechte

Dr. Kenneth Morrison schrieb dies wäh-

er darauf wartete, zu hören, ob auch sein Sohn unter den Toten sei.

Ich war hocherfreut, als ich heute erfuhr, daß sein Sohn Ross lebt und weiter
seiner Pflicht im Libanon nachkommt.
Wir müssen unserer Verantwortung gerecht werden.

Länger, als irgend-

einer von uns sich erinnern kann, haben die Menschen im Nahen Osten von Krieg
zu Krieg gelebt - ohne Aussicht auf irgendeine andere Zukunft.
kreis muß unterbrochen werden.

Warum sind wir dort?

Dieser Teufels-

Eine libanesische Mutter

sagte einem unserer Botschafter, daß ihre kleine Tochter während der letzten
acht Jahre nur zwei Jahre lang die Schule besuchen konnte. Aufgrund unserer
Anwesenheit dort könne ihre Tochter jetzt ein normales Leben führen.

Mit Ge-

duld und Festigkeit können wir dazu beitragen, daß diese von Krisen erschütterte Region Frieden findet - und dadurch wird auch unser eigenes Leben sicherer.
Unsere Rolle besteht darin, den Libanesen dabei zu helfen, ihr Land wieder
in Ordnung zu bringen, aber nicht darin, es für sie zu tun.
Ich weiß, daß noch ein anderer Teil der Welt Sie alle sehr beschäftigt
- ein Teil, der unseren Grenzen sehr viel näher liegt:

Grenada.

Diese Insel

ist nur zweimal so groß wie der District of Columbia und hat eine Gesamtbevölkerung von etwa 110 000 Menschen.
Grenada sowie ein halbes Dutzend Inseln in der Karibik waren bis vor
kurzem noch britische Kolonien. Sie sind jetzt unabhängige Staaten und Mit- 9 -

�und Mitgliedern des britischen Commonwealth.

Sie respektieren die Unabhän-

gigkeit des jeweils anderen, empfinden aber auch eine Art Verwandtschaft
untereinander und fühlen sich als ein Volk.
Im Jahr 1979 begannen die Schwierigkeiten in Grenada.

Maurice Bishop,

ein Protege Fidel Castros, führte einen Militärputsch durch und stürzte die
Regierung, die aufgrund der von den Briten hinterlassenen Verfassung gewählt
worden war.

Er suchte die Hilfe Kubas beim Bau eines Flugplatzes, der seiner

Behauptung nach dem Tourismus dienen sollte, der aber in verdächtiger Weise
für Militärflugzeuge, darunter von den Sowjets gebaute Langstreckenbomber, geeignet aussah.
Die sechs souveränen Länder sowie eine verbliebene Kolonie schlössen
sich zu der-wie sie es nennen - "Organisation Ostkaribischer Staaten" zusammen.

Die sechs Länder wurden in zunehmendem Maße besorgt, als Bishop eine

Armee aufbaute, die größer war als ihre Streitkräfte zusammengenommen.

Es

lag auf der Hand, daß die Armee nicht nur für reine Verteidigungszwecke gedacht war.
Während des vergangenen Jahres etwa gab Bishop zu verstehen, daß er
vielleicht die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zu verbessern wünsche.
Er besuchte sogar unser Land und traf mit hochrangigen Vertretern des Weißen
Hauses und des Außenministeriums zusammen. Ob es ihm nun ernst war oder nicht,
werden wir niemals erfahren.

Am 12. Oktober bemächtigte sich eine kleine

Gruppe seiner Miliz seiner Person und setzte ihn unter Arrest. Diese Gruppe
war radikaler und dem Kuba Castros mehr ergeben, als dies bei Bishop der Fall
gewesen war.
Einige Tage später erschien eine Anzahl von Bürgern vor dem Hause Bishops,
befreite ihn und begleitete ihn zum Hauptquartier des Militärrates. Sie wurden beschossen. Eine Reihe von ihnen, darunter einige Kinder, wurden getötet,
und Bishop wurde festgesetzt. Er und mehrere Kabinettsmitglieder wurden dann
erschossen; ein 24stündiges Ausgangsverbot mit sofortigem Schießbefehl wurde

- 10 -

�Schießbefehl wurde verhängt.

Grenada war ohne Regierung, die einzige Auto-

rität wurde von einer selbsternannten Gruppe von Militärs ausgeübt.
Zu der Zeit befanden sich etwa 1000 amerikanische Bürger auf Grenada,
darunter 800 Studenten der medizinischen Hochschule in St. Georges. Aus der
Sorge heraus, daß ihnen etwas geschehen könne oder sie als Geiseln festgehalten werden könnten, ordnete ich an, daß ein Schiffsverband,der sich mit
Marinesoldaten an Bord auf der Fahrt nach dem Libanon befand - Teil unseres
regelmäßigen Rotationsprogramms - Kurs nach Süden nehmen sollte, der sie in
die Nähe Grenadas bringen würde, falls sich die Notwendigkeit einer Evakuierung unserer Bürger ergäbe.
In den frühen Morgenstunden am vergangenen Wochenende wurde ich geweckt, und mir wurde mitgeteilt, daß sechs Mitglieder der Organisation Ostkaribischer Staaten, denen sich Jamaica und Barbados angeschlossen hatten,
ein dringendes Ersuchen an uns gerichtet hätten, gemeinsam mit ihnen eine
militärische Operation zu unternehmen, um wieder Ordnung und Demokratie auf
Grenada herzustellen.

Sie schlugen diese Maßnahme im Rahmen der Bestimmungen

eines Vertrages vor - eines gemeinsamen Unterstützungsvertrages -, der zwischen ihnen besteht.
Diese kleinen, friedlichen Nationen benötigten unsere Hilfe.

Drei von

ihnen verfügen nicht einmal über Armeen, und die anderen haben nur sehr begrenzte Streitkräfte.

Die Legitimität ihres Ersuchens sowie meine eigene

Sorge hinsichtlich unserer Staatsbürger diktierten meine Entscheidung.

Ich

bin der Überzeugung, daß unsere Regierung die Verantwortung hat, ihren Bürgern zu Hilfe zu kommen, wenn deren Recht auf Leben und Freiheit bedroht ist.
Der Alptraum unserer Geiseln im Iran darf sich niemals wiederholen.
Wir wußten, daß wir wenig Zeit hatten und daß völlige Geheimhaltung lebenswichtig war, um sowohl die Sicherheit der jungen Soldaten zu gewährleisten, die diese Mission unternahmen, als auch der Amerikaner, die sie
retten sollten.

Die Stabschefs arbeiteten Tag und Nacht, um einen Plan zu

- 11 -

�Plan zu entwickeln.

Ihnen lagen einige Geheimdienstinformationen über die

Verhältnisse auf der Insel vor.

Wir mußten davon ausgehen, daß die mehreren

Hundert Kubaner, die am Flugplatz arbeiteten, militärische Reserven sein
könnten.

Wie sich dann zeigte, war die Zahl weitaus größer, und sie stellten

eine militärische Streitkraft dar.

600 sind gefangengenommen worden, und wir

haben eine komplette Basis mit Waffen und Fernmeldeausrüstung entdeckt, was
deutlich macht, daß eine kubanische Besetzung der Insel geplant war.
Vor zwei Stunden haben wir die ersten Fotos aus Grenada veröffentlicht.
Darunter waren Bilder eines ganzen Depots mit militärischer Ausrüstung - eines
von dreien, die wir bisher entdeckt haben.

Dieses Depot enthielt Waffen und

Munition und war vollgepfropft bis zur Decke - genug Material, um Tausende
von Terroristen zu versorgen.

Grenada, so wurde uns gesagt,sei ein freund-

liches Inselparadies für den Tourismus.

Nun, das war es nicht.

Es war eine

sowjetisch-kubanische Kolonie, die als eine wichtige militärische Bastion ausgebaut worden war, um den Terror zu exportieren und die Demokratie zu untergraben.

Wir kamen gerade noch rechtzeitig.

Ich kann unser Militär nicht genug loben - die Ranger der Armee und die
Fallschirmjäger, die Soldaten der Marine, des Marinekorps und der Luftwaffe
- all jene, die einen hervorragenden Einsatz planten und ihn dann ausführten.
Fast unverzüglich besetzten die Soldaten die beiden Flugplätze, sicherten
den Campus, auf dem sich die meisten unserer Studenten aufhielten, und befinden sich jetzt in der Abschlußphase.
Es sollte noch darauf hingewiesen werden, daß es bei der ganzen Planung
höchste Priorität war, die Risiken auf ein Minimum zu beschränken, Verluste
für unsere Soldaten wie auch für die grenadischen Streitkräfte zu vermeiden,
so weit dies menschenmöglich war. Es gab jedoch Verluste, und wir alle stehen
in der Schuld derer, die ihr Leben verloren haben oder verwundet wurden. Die
Anzahl war gering, aber selbst ein einziges Leben ist ein tragischer Preis.
Es ist
- 12 -

�Es ist unsere Absicht, unsere Soldaten sobald wie möglich zurückzuholen.
Die Ministerpräsidentin von Dominica, Eugenia Charles - sie ist die Vorsitzende
der Organisation Ostkaribischer Staaten - ruft die Länder des Commonwealth
um Hilfe dabei auf, den Menschen (auf Grenada) das Recht auf die Einsetzung
einer verfassungsmäßigen Regierung zu geben.

Wir rechnen damit, daß der Ge-

neralgouverneur, ein Grenadier, sich an der Schaffung einer provisorischen
Interimsregierung beteiligen wird.
Die Ereignisse im Libanon und auf Grenada - obwohl diese Länder durch
Ozeane getrennt sind - stehen in engem Zusammenhang miteinander.

Moskau hat

nicht nur die Gewaltanwendung in beiden Ländern unterstützt und gefördert,
sondern es gewährt auch durch ein Netz von Stellvertretern und Terroristen
direkte Unterstützung.

Es ist kein Zufall, daß 30 sowjetische Berater und

Hunderte von Angehörige militärischer und paramilitärischer Kräfte auf der
Insel anwesend waren, als die Schurken versuchten, die Kontrolle über Grenada
zu erlangen.

In dem Augenblick, als wir dort landeten, nahmen wir Verbindung

mit den Regierungen Kubas und der Sowjetunion auf, und erklärten ihnen, daß
wir Obdach und Sicherheit für ihre Leute auf Grenada anböten.

Bedauerlicher-

weise befahl Castro seinen Leuten, bis zum Tode zu kämpfen - und einige taten
dies auch.

Die anderen werden in ihre Heimat zurückgeschickt werden.

Sie wissen, daß es eine Zeit gab, wo unsere nationale Sicherheit sich
auf ein stehendes Heer innerhalb unserer eigenen Grenzen sowie auf Artilleriebatterien entlang unserer Küsten stützte. Und natürlich gab es eine Marine,
um die Seewege für die Verschiffung von Materialien offenzuhalten, die zu unserem Wohlergehen notwendig waren.
Die Welt hat sich geändert.

Heute kann unsere nationale Sicherheit an

weit entfernt liegenden Orten bedroht werden.

Wir alle müssen uns der stra-

tegischen Bedeutung solcher Plätze bewußt und in der Lage sein, sie zu identifizieren.

Sam Rayburn hat einmal gesagt, daß die Freiheit nicht etwas sei,

für das eine Nation sich einmal einsetzte und sie dann für immer gewinne.
sagte, sie sei vielmehr wie eine Versicherungspolice.
immer auf dem neuesten Stand gehalten werden.
- 13 -

Er

Die Prämien müßten

Wenn wir die Freiheit bewahren

�Freiheit bewahren wollen, dann müssen wir fürtsie ständig arbeiten und Opfer
bringen, solange wir leben.

Wenn wir das nicht tun, werden unsere Kinder

wohl nicht das Vergnügen erfahren, für ihren Schutz zu arbeiten, denn es ist
dann vielleicht nicht mehr an ihnen, sie zu schützen.
In diesen letzten Tagen war ich mehr denn je davon überzeugt, daß wir
Amerikaner von heute die Freiheit wahren und den Frieden aufrechterhalten
werden.

Ich habe das empfunden aufgrund der hervorragenden Gesinnung unserer

jungen Männer und Frauen in Uniform und aufgrund einiger Dinge hier in der
Hauptstadt unseres Landes.

In dieser Hauptstadt, wo politische Auseinander-

setzungen so sehr zu unserem Leben gehören, habe ich gesehen, wie die Führer
der Demokraten im Kongreß gemeinsam mit ihren republikanischen Kollegen eine
Botschaft an die Welt richteten:

Daß wir nämlich vor allem anderen Amerikaner

sind und daß wir bei einer Bedrohung unseres Landes Schulter an Schulter
stehen, wenn es darum geht, unsere Männer und Frauen in den Streitkräften zu
unterstützen.
wissen sollten.

Ich möchte Ihnen etwas mitteilen, was Sie meiner Meinung nach
Es passierte dem Kommandanten unseres Marinekorps, General

Paul Kelley, als er unsere schwer verwundeten Marinesoldaten in einem Luftwaffenhospital besuchte.

Und es sagt mehr über die Tapferkeit und den Herois-

mus dieser jungen Menschen,aus als wir alle hoffen konnten, - junger Menschen,
die mit so großer Bereitwilligkeit dienen, damit andere die Chance auf Frieden
und Freiheit in ihrem eigenen Leben sowie im Leben ihres Landes haben.
Ich will General Kelley zitieren, um diesen Fall zu beschreiben. Er
sprach von einem "jungen Marinesoldaten mit mehr Kanülen in seinem Körper,
als ich das jemals bisher gesehen habe. Er konnte nicht mehr richtig sehen.
Er richtete sich auf und fühlte nach meinen vier Sternen, um sicher zu sein,
daß ich auch der war, für den ich mich ausgab. Er hielt meine Hand mit festem
Griff. Er gab mir Signale, und wir erkannten, daß er mir etwas mitzuteilen
wünschte. Wir gaben ihm einen Block in die Hand, und er schrieb darauf
'Semper fi'. Wenn man einmal dem Marinekorps angehört hat, oder wenn man,
wie ich, ein Bewunderer dieses Korps ist, dann weiß man, daß dies eine Art
Schlachtruf ist, ein Gruß und ein Motto des Marinekorps. Diese Kürzel stehen

- 14 -

�Kürzel stehen für den Wahlspruch des Marinekorps "semper fidelis - immer getreu und zuverlässig1."
Von General Kelley weiß man, daß er ein sehr modern denkender General
und ein sehr harter Marinesoldat ist.

Aber er weinte, als er diese Worte

sagte, und wer kann ihn deswegen tadeln.
Dieser Marinesoldat und alle anderen, lebend und tot, sind ihren Idealen
treu geblieben. Sie haben sich mit großer Bereitschaft eingesetzt, damit
ein nahezu unbewaffnetes Volk in einer Region von großer strategischer Bedeutung für die freie Welt eines Tages die Chance haben wird, ein Leben zu führen, das frei von Mord, Zerstörung und Terrorismus ist. Ich glaube, daß dieser junge Marinesoldat und alle seine Kameraden jedem von uns ein Beispiel
gegeben haben, dem wir nacheifern sollten. Sie schreckten nicht davor zurück, für ihr Land einzutreten oder - wie schwer und langsam dies auch gehen
mag - anderen diese letzte und beste Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu
geben. Wir können und werden sie jetzt nicht enttäuschen und ihre Opfer nicht
diskreditieren, indem wir der Sache der Freiheit und dem Streben nach Frieden nicht so getreu sind, wie sie es waren.
Ich fordere Sie nicht auf, für die Toten zu beten, weil sie in den Armen
Gottes sicher sind und unsere Gebete nicht benötigen. Ich möchte Sie vielmehr alle bitten, wo immer Sie in diesem gesegneten Land auch sein mögen für jene zu beten, die verwundet sind, und für die schwergeprüften Familien
jener, die ihr Leben für unsere Freiheit gegeben haben.

- 15 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

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2. November 1983

KENNETH DAM LEGT GRÜNDE FÜR GRENADA-AKTION DAR
Stellvertretender US-Außenminister vor Senatsausschuß

WASHINGTON - (AD) - Der Stellvertretende Außenminister Kenneth Dam erklärte am 27. Oktober 1983 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des US-Senats,
daß alle an der kollektiven Aktion im Zusammenhang mit Grenada beteiligten
Staaten ihre Truppen abziehen werden, sobald es die Umstände nur irgendwie
erlauben.
Die Darlegungen Dams haben folgenden Wortlaut:
Die Beteiligung der Vereinigten Staaten an der gemeinsamen Anstrengung
zum Schutz von Zivilisten und zur Wiederherstellung des Friedens in Grenada
gründet sich auf politische, humanitäre, strategische und rechtliche Überlegungen von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Ich werde mich allen diesen

Bereichen nacheinander zuwenden.

Politischer Zusammenbruch

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Politischer Zusammenbruch in Grenada
Lassen Sie mich damit beginnen, die außergewöhnlichen Ereignisse noch
einmal darzulegen, die zu einer Brutalität und Instabilität führten, wie sie
Im Bereich- der englischsprachigen Karibik bisher ohnegleichen war.
Der Zusammenbruch der öffentlichen Institutionen in Grenada begann am
Abend des 12. Oktober mit dem Versuch des stellvertretenden Ministerpräsidenten Bernard Coard, Premierminister Maurice Bishop mit Gewalt aus dem Amt
zu vertreiben.

Bishop, der 1979 an die Macht gekommen war, hatte enge Be-

ziehungen zu Kuba und zur Sowjetunion aufgenommen, wurde jedoch den Berichten
zufolge von der Coard-Fraktion als viel zu "moderat" angesehen.
Angesichts der Tatsache, daß es keine Wahlen gab, um auf diese Weise
eine Veränderung der Regierung herbeizuführen, wurde Gewalt zur unausweichlichen Alternative.

Bishop wurde in den Morgenstunden des 14. Oktober in

Gewahrsam genommen.
Am 19. Oktober zeigte sich die Gewalttätigkeit des Machtkampfes immer
deutlicher. Truppen eröffneten das Feuer auf Anhänger Bishops, die ihn aus
dem Hausarrest befreit hatten, und brachten ihn zum Fort Rupert, dem Hauptquartier der Armee. Bishop, mehrere Minister des Kabinetts und Gewerkschaftsführer wurden verschleppt, dann brutal exekutiert. Die Erziehungsministerin
Jacqueline Creft wurde Berichten zufolge erschlagen. Mindestens 18 Todesfälle wurden bestätigt. Von vielen weiteren, einschließlich von Frauen und
Kindern, wurde berichtet.
Im Gefolge dieser Morde kündigte die Revolutionäre Volksarmee die Auflösung der Regierung und die Bildung eines aus 16 Mitgliedern bestehenden
Revolutionären Militärrates (RMC) an, dessen nominelles Oberhaupt der Armeekommandeur Hudson Austin war.
Ich sage

- 2 -

�Ich sage "nominelles Oberhaupt", weil zu keinem Zeitpunkt klar war,
ob Austin oder irgendeine andere zusammenhängende Gruppe tatsächlich verantwortlich war.
funktionieren.

Der RMC zeigte keine Absicht, als eine neue Regierung zu
RMC-Mitglieder deuteten nur an, daß in zehn Tagen oder zwei

Wochen eine neue Regierung angekündigt werden würde.
Man kann nicht sagen, ob oder wann eine Regierungsautorität irgendwelcher Art eingesetzt worden wäre.

Der frühere stellvertretende Minister-

präsident Coard, der am 12. Oktober zurückgetreten war, befand sich Berichten zufolge in Armeegewahrsam, wobei nicht klar war, ob dies zu seiner eigenen Sicherheit so war oder ob es sich um eine Art Internierung handelte.
Das Klima der Angst und Gewalt verdichtete sich noch durch die Verhängung einer 24stündigen Ausgangssperre - der RMC kündigte an, daß jeder, der
sich außerhalb seines Hauses befinden würde, sofort erschossen würde. Das
grenadische Volk gehorchte, aber die wenigen Menschen, denen es gelang, die
Insel zu verlassen, berschrieben die Haltung der Öffentlichkeit als unterwürfig, widerspenstig oder wütend.

Die Reaktion in der Karibik
Die Morde und der Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung schockierte,
entsetzte und alarmierte die Führungen in der ganzen Karibik.
Premierminister Tom Adams von Barbados erklärte, Bishop und seine
Minister seien von "verabscheuungswürdigen Mördern" getötet worden, die
"den verwerflichsten Akt zur Verleumdung der westindischen Inseln seit den
Tagen der Sklaverei" begangen hätten.
Premierminister Edward Seaga von Jamaika brachte die allgemeine Entrüstung der Karibik gegenüber "einem solchen Grad der Barbarei" zum Ausdruck.
Die Oppositionspartei
- 3 -

�Die Oppositionspartei von Jamaika (Nationale Volkspartei - PNP) mit
dem ehemaligen Premierminister Michael Manley an der Spitze brach am 20.
Oktober alle Beziehungen zu der "Neuen Juwelen"-Bewegung Grenadas ab und
empfahl ihre Ausweisung aus der Sozialistischen Internationale.

Der RMC,

so erklärte sie, habe kein Recht, für das grenadische Volk zu sprechen.
Die Karibische Kirchenkonferenz, die dem Weltrat der Kirchen angehörte,
brach "alle Beziehungen zu den jetzt in Grenada Herrschenden ab, einschließlich der Unterstützung für...

Entwicklungsprojekte."

Mit seiner Kritik, die sich nunmehr als verzweifelter Versuch erweist,
seine militärische Position zu wahren, verwies sogar Kuba offiziell auf "die
schweren Irrtümer, die von den grenadischen Revolutionären begangen wurden."

Die Entscheidung zum Handeln in der Karibik
Der Zusammenbruch der politischen Autorität, die Gewalt und die Entwicklung einer Dynamik, der deutlich die Aussicht auf weitere Gewalt innewohnte - all dies trug zu einer Situation drohender Ungewißheit bei, die
die Führungen in der Karibik in höchste Alarmbereitschaft versetzte.
Jamaika, Trinidad und Tobago brachen alle diplomatischen Beziehungen
zu Grenada ab. Am 23.Oktober suspendierten die Staatsoberhäupter der Karibischen Gemeinschaft im Verlauf einer Dringlichkeitssitzung die Mitgliedschaft Grenadas in der Organisation Ostkaribischer Staaten (OECS). Die OECS
schränkte gleichzeitig die Handelsvorteile für Grenada ein.
Hinter der Szene beschloß die Organisation Ostkaribischer Staaten,
die eine Gemeinschaft aus Antigua, Dominica, Grenada, Montserrat, St.
Kitts/Nivis, Santa Lucia und St. Vincent sowie den Grenadinen darstellt,
dem Volk von Grenada zu helfen und hierzu die Hilfe der Vereinigten Staaten
zu erbitten.
Die amerikanische
- 4 -

�Die amerikanische Entscheidung zum Handeln
Natürlich verfolgten wir bereits vorher die Ereignisse mit wachsender
Sorge.

Amerikanische Bürger - vorwiegend Studenten, ältere Pensionäre und

Missionare - machen den größten Ausländeranteil Grenadas aus.

Unsere Sorge

um ihr Wohlergehen wurde durch die Morde, die Ausgangssperre und die Schwierigkeiten erhöht, akkurate Informationen über ihr Wohlergehen und ihre künftigen Aussichten zu erhalten.

Da der RMC den Flughafen nicht wieder öffnete,

um einen ungehinderten Abflug zu ermöglichen, zeichnete sich ab, daß alles
möglich sein konnte.
Nach sorgfältiger Abwägung dieser Entwicklungen und Überprüfung aller
Aspekte des Ersuchens der Organisation Ostkaribischer Staaten kam Präsident
Reagan zu dem Schluß, daß passives Abwarten wahrscheinlich noch größere Risiken mit sich bringen würde.

Bevor er jedoch auf das Ersuchen der Organi-

sation Ostkaribischer Staaten einging, sandte der Präsident einen Sonderbotschafter, Frank McNeil, um sich der OECS und anderen regionalen Führungen
zu konsultieren.

Botschafter McNeil traf mit der Vorsitzenden der OECS,

Frau Eugenia Charles, mit Premierminister Adams von Barbados sowie mit
Premierminister Seaga von Jamaika am 23. Oktober in Barbados zusammen.
Botschafter McNeil stellte fest, daß all diese karibischen Führungspersonen einhellig der Überzeugung waren, daß die sich immer weiter verschlechternden Bedingungen auf Grenada eine Bedrohung der gesamten Region
darstellten, weshalb eine sofortige und kraftvolle Aktion notwendig sei.
Sie erneuerten mit Nachdruck ihr Ersuchen um amerikanischen Beistand.
Der Grund ist - insbesondere angesichts der vielen bewaffneten Kubaner
auf Grenada - offenkundig: Die sechs demokratischen OECS-Staaten, Barbados
und Jamaika hatten den politischen Willen zum Handeln, verfügten jedoch
nicht über die militärischen Mittel, um dies allein zu tun. Sie bestanden
jedoch darauf, daß die Situation kein abwartendes Zusehen vertrage.
Manchmal ist

�Manchmal ist Handeln notwendig, um sicherzustellen, daß eine schlechte
Lage nicht noch schlimmer wird.

Ein solcher Zeitpunkt war hier gegeben.

Hätten wir abgewartet, so hätten diejenigen, die vergangene Woche fast die
gesamte Regierung Grenadas ermordeten und die sich seither als nicht in der
Lage erwiesen hatten, auch nur den Anschein zu geben, eine neue zu bilden,
entweder die Insel in ein noch größeres Chaos getrieben oder sie in eine
bewaffnete Festung verwandelt.
In beiden Fällen wären amerikanische Bürger und der Frieden der östlichen Karibik gefährdet gewesen.

Untätigkeit hätte diese Gefahren nur

vergrößert - einschließlich der Möglichkeit einer Geisel Situation - und
spätere Anstrengungen nur noch kostspieliger gemacht.

Legale Handlungsvollmacht
Vor diesem Hintergrund gewann das dringende Ersuchen der Organisation
Ostkaribischer Staaten entscheidendes Gewicht. Die OECS ist eine sub-regionale Vereinigung, die 1981 aufgrund eines Vertrages ins Leben gerufen
wurde. Zu den Zielen des Vertrags gehörte die Förderung der regionalen Zusammenarbeit sowie der kollektiven Sicherheit.
Der Generalgouverneur von Grenada richtete ein vertrauliches Ersuchen
an die OECS, Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung auf der Insel zu
ergreifen. Als einzigem noch verbliebenen amtlichen Vertreter der grenadischen Regierung kam seinem Appell außerordentliche moralisches und rechtliches Gewicht zu.
Die Mitglieder der OECS beschlossen, in Übereinstimmung mit Artikel 8
des OECS-Vertrages die notwendigen Maßnahmen gegenüber dieser Bedrohung zu
ergreifen.

Sie bemühten sich um die Unterstützung befreundeter ausländischer

Staaten, sich an einer kollektiven Sicherheitsstreitmacht zu beteiligen.
Barbados und

�Barbados und Jamaika stimmten der Beurteilung der OECS hinsichtlich
des Ernstes der Situation zu, boten einen Streitkrä'ftebeitrag zu einer kollektiven Aktion an und schlössen sich dem dringenden Ersuchen an die Vereinigten Staaten an, sich an der Unterstützung dieser regionalen Maßnahme zu beteiligen.
Die zunehmende Verschlechterung der Lage auf Grenada seit dem 12. Oktober war deutlicher Beweis für die Brutalität des Revolutionären Militärrates
sowie für das unheilvolle Fehlen eines Zusammenhaltes innerhalb des grenadischen Militärs. Der Revolutionäre Militärrat hatte ein 24stündiges Ausgangsverbot mit der Warnung verhängt, daß auf jeden, der dieses Verbot verletze, sofort geschossen werde, und den Flugplatz geschlossen.

Amerikanische

Staatsbürger konnten die Insel nicht verlassen.
Obwohl der Militärrat versichert hatte, den Flugplatz am 24. Oktober
wieder zu öffnen und Ausländern die Ausreise zu gestatten, wurde diese Zusicherung dann nicht eingehalten.

Es zeigte sich, daß weiteres Zögern das

Risiko der Gewaltanwendung gegenüber Amerikanern erhöhen, das Vakuum an Autorität noch vergrößern und die Nachbarn Grenadas bedrohen würde.
Die kollektiven Maßnahmen in Reaktion auf die gefährliche Situation
stand in Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen und mit der
Charta der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS).

Die eine wie die ande-

re Charta erkennen ausdrücklich die Kompetenz regionaler Sicherheitsgremien
bei der Wahrung des Friedens und der Stabilität an. Die OECS-Staaten gehören nicht dem Vertrag von Rio an; der OECS-Vertrag, der sich zum Teil mit
Fragen der kollektiven Sicherheit befaßt, ist ihre regionale Sicherheitsvorkehrung.
In Artikel 22 der OAS-Charta heißt es, daß Maßnahmen, die gemäß kollektiver Sicherheitsabmachungen ergriffen werden, nicht die Bestimmungen der
OAS-Charta über ein Verbot der Intervention und der Anwendung von Gewalt
verletzen. In gleicher Weise gestattet Artikel 52 der UN-Charta ausdrücklich

- 7 -

�UN-Charta ausdrücklich regionale Vorkehrungen für die Aufrechterhaltung von
Frieden und Sicherheit in Obereinstimmung mit den Zielsetzungen und Grundsätzen der Vereinten Nationen.
Die Handlungen und Zielsetzungen der kollektiven Sicherheitsstreitmacht
stehen unter den Umständen, wie sie der Präsident und der Außenminister beschrieben haben in Übereinstimmung mit diesen Zielsetzungen und Grundsätzen
(der UN).
Als die OECS-Staaten diese, in Einklang mit dem Gesetz stehende,
kollektive

Maßnahme ergriffen, stand es ihnen frei, sich bei ihrem Bemühen

um Wahrung des Friedens und der Sicherheit der Karibik an andere betroffene
Staaten, darunter auch die USA, um Unterstützung zu wenden.

Eine Unterstüt-

zung als Antwort auf ihr Ersuchen ist an sich schon rechtmäßig.

Darüber

hinaus erlaubte die amerikanische Zusammenarbeit mit dieser kollektiven
Sicherheitsstreitmacht
Staatsbürger.

die sichere Evakuierung gefährdeter amerikanischer

Eine solche humanitäre Aktion ist durch althergebrachte

Grundsätze des Völkerrechts gerechtfertigt.

Die amerikanischen Ziele
Die Anweisungen des Präsidenten an die Streitkräfte der USA lauten:
mit der OECS bei der Landung auf Grenada zusammenzuarbeiten, die Abreise
aller amerikanischen und ausländischen Staatsbürger, die das Land zu verlassen wünschen, zu erleichtern und den Nachbarn Grenadas zu helfen, mit dem
grenadischen Volk auf die Wiederherstellung der Ordnung hinzuwirken. Nur
für die Verwirklichung dieser Ziele erfolgt die amerikanische Unterstützung
der militärischen Aktion der OECS.
Bis heute morgen um halb acht sind zahlreiche Amerikaner und einige
Ausländer - insgesamt 378 - mit sechs Flugzeugen sicher nach den Vereinigten
Staaten evakuiert worden. Ihre Berichte über die Verhältnisse auf Grenada

- 8 -

�auf Grenada sowie das Lob, das sie ihren Rettern zollen, sprechen für sich
selbst.
Die OECS hat erklärt, daß sie mit dem Generalgouverneur und prominenten Grenadiern zusammenarbeiten wird, um eine provisorische Regierung zu
schaffen, die in der Lage ist, wieder für funktionierende Institutionen zu
sorgen und bald Wahlen durchzuführen.
Zu diesem Zeitpunkt wissen wir nicht, welche Maßnahmen die provisorische
Regierung ergreifen wird. Dies zu entscheiden, ist Sache der Grenadier.
Eines ist jedoch sicher:

Alle Regierungen, die sich an dieser kollek-

tiven Aktion beteiligen, werden ihre Truppen abziehen, sobald es die Umstände
nur irgendwie erlauben.

- 9 -

�2. November 1983

ENERGIEPOLITIK MIT PROBLEMEN
- Versorgung muß durch langfristige Planungen für die wichtigen
Energieträger gesichert werden Von E. Allan Wendt
Der Autor ist stellvertretender Staatssekretär für Internationale Energiepolitik
im US-Außenministerium.
- (AD) - Unsicherheit beherrscht heute die Planung der Energiepolitik.
Das dramatischste Beispiel dafür ist der ülmarkt, aber auch die anderen Energieformen sind betroffen.

So sind beispielsweise die vor zwei bis drei Jahren

getroffenen Voraussagen zum Erdgasbedarf bereits überholt, und die Zukunft des
Transportgeschäfts mit flüssigem Erdgas ist, zum mindesten in der westlichen
Hemisphäre, in Frage gestellt.

Kohlelieferländer, in deren Gewässern sich die

Schiffe drängten, haben wegen des verringerten Strombedarfs und riesiger Halden
immer mehr Schwierigkeiten.

Und die einst so gepriesene Zukunft synthetischer

Brennstoffe ist in Gefahr.
Nicht minder

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�Nicht minder wichtig als die dramatischen Veränderungen auf den Weltenergiemärkten ist die auffallende, jedoch nur selten publizierte Veränderung
der Darstellung des Begriffs "Energiesicherheit" in den westlichen Importländern.

Das ölembargo von 1973 brachte

sorgung völlig neu zu überdenken.

den Westen dazu, seine Energiever-

Nach 1973 stand Energiesicherheit unter

dem Einfluß der Suche nach Maßnahmen, mögliche Unterbrechungen der Ölversorgung zu verhindern und die Abhängigkeit von Importöl durch Einsparungen und
verstärkten Einsatz anderer Brennstoffe wie Erdgas und Kohle sowie von Kernkraft zu verringern.

Ein Ergebnis dieser Anstrengungen war die Schaffung

der Internationalen Energieagentur (IEA), die die zentrale Rolle beim Aufbau eines internationalen öl Verteilungssystems für den Krisenfall spielte.
Gleichzeitig war sie Forum zur Entwicklung von energiepolitischen Strategien,
die den Bedarf an Importöl verringerten.
Der Wendepunkt in der Entwicklung der westlichen Energiesicherheitspolitik kam auf der Gipfelkonferenz von Ottawa (1981). Für diese Konferenz
ist der Beginn eines neuen Bewußtseins der wichtigsten ölimportlander des
Westens kennzeichnend, daß nämlich andere Energieträger nicht unbedingt als
"besser" oder sicherer im Vergleich zu ölimporten, die sie ersetzen sollten,
betrachtet werden könnten. In Ottawa vertraten die Vereinigten Staaten den
Standpunkt, daß sich aus einer übermäßigen Abhängigkeit von Importen auch
anderer Energieträger als öl, insbesondere von Erdgas, schwerwiegende Risiken für die Energieversorgung ergeben könnten. Was uns am meisten Sorgen
bereitete, war der Bau der neuen sowjetischen Erdgasleitung nach Westeuropa.
In Ottawa legte Präsident Reagan den europäischen Ländern dringend nahe, die
möglichen Folgen dieses Projekts für die Sicherheit zu bedenken und einheimische Alternativen zur Deckung des Erdgasbedarfs in Westeuropa zu prüfen.
Während des ganzen folgenden Jahres war in den westlichen Ländern der
in Ottawa in Gang gekommene Dialog über Energiesicherheit und Erdgasabhängigkeit infolge abweichender Meinungen zu dem Projekt einer Erdgasleitung
aus Sibirien und amerikanischer Sanktionen gegen die Lieferung von Förderausrüstungen für Erdöl und Erdgas häufig Belastungen ausgesetzt.

- 2 -

Diese

�Diese Differenzen sind bekannt.

Der Streit über die Wirtschaftsbeziehungen

zwischen Ost und West machte Schlagzeilen - jedoch entwickelte sich ein ernsthafter Dialog über den europäischen Erdgasbedarf, über mögliche andere Lieferanten wie z.B. Norwegen und über die Notwendigkeit, sich auf eine Unterbrechung von Gaslieferungen besser vorzubereiten.
kanadischen Stadt La Sapiniere

Auf ihrer Konferenz in der

schlugen die NATO-Außenminister eine Reihe

von Studien über bestimmte Aspekte der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost
und West vor.

Eines der zu behandelnden Themen war "Energieabhä'ngigkeit und

Energiesicherheit der Allianz", eine Studie, die nach Möglichkeit von der
OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und
der IEA durchgeführt werden sollte.
Die hieraus resultierende Studie "Energiebedarf und Sicherheit", eine
gemeinsame Arbeit des Sekretariats von OECD und IEA, wurde von OECD- und IEAMitgliedstaaten noch erweitert, um auch eine Übersicht über den weltweiten
künftigen Bedarf an allen Energieträgern zu geben.

Der wichtigste Teil der

Analyse konzentrierte sich allerdings auf den Erdgasbedarf in Westeuropa.
Minister der IEA und der OECD unterstützten eine Serie politischer Schlußfolgerungen aus der gemeinsamen Studie, u.a. auch eine Reihe von miteinander in
Zusammenhang stehenden Prinzipien für die sichere Entwicklung und Verwendung
von Erdgas.

Sie umfassen vier wichtige Punkte:

Erstens:

Erkenntnis der Risiken in Verbindung mit starker Abhängigkeit

von einer einzigen Lieferquelle und die Verpflichtung, zu große Abhängigkeiten von einzelnen Lieferquellen zu vermeiden.
Zweitens:

Die Bedeutung der Entwicklung sicherer einheimischer Energie-

quellen zum frühestmöglichen Zeitpunkt wird besonders unterstrichen.

So

appellierten die Regierungen der Mitgliedstaaten an die Firmen ihrer Länder,
Verhandlungen über die Erschließung von Gasvorkommen des norwegischen TrollFeldes und über zusätzliche Lieferungen von nordamerikanischem Gas aufzunehmen.
Drittens:

�Drittens:

Vereinbarung über eine Stärkung der Fähigkeit der Länder,

mit einer Unterbrechung von Gaslieferungen, gleichgültig, aus welcher Quelle,
fertigzuwerden.
Viertens:

Vereinbarung über die regelmäßige Abhaltung von Gesprächen

zur Überprüfung der Sicherheitselemente in der Gasbelieferung, wobei die
Frage, ob Gasimporte in die OECD-Länder eine rechtzeitige Erschließung einheimischer Ressourcen verhindern und die Belieferung störanfällig machen,
besondere Beachtung finden soll.
Das bedeutet nicht, daß die wegbereitende Studie "Energiebedarf und
Sicherheit" die OECD und IEA sich vornehmlich mit Erdgas befaßte.

Vielmehr

wurde darin u.a. festgestellt, daß wegen einer Vielzahl von Gründen eine
unzureichende Versorgung mit öl noch immer das größte Risiko für die Energiesicherheit der OECD-Länder in diesem Jahrzehnt darstellt.

Aber die Unter-

suchungen zum Erdgasproblem und die darauf fußenden Schlußfolaerungen für
die Politik auf Ministerebene unterscheiden sie von den zahllosen anderen
bisher veröffentlichten Studien der Energiesicherheit westlicher Länder.
Noch wichtiger ist, daß sie auch als Wendepunkt zu betrachten ist, wie die
westlichen Länder ihre gemeinsame Energiesicherheit sehen.
Wir haben seit der Gipfelkonferenz von Ottawa im Jahr 1981 lange gebraucht, um die westliche Energiesicherheit neu zu definieren. Noch schwieriger ist es, etwas darüber vorauszusagen, wohin nun der Weg in der Frage
der Energiesicherheit führen wird. Dazu möchte ich einige Punkte ansprechen.
Ebenso wie viele westeuropäische Politiker nicht mehr annehmen, daß
der Import anderer Energieträger als öl zwangsläufig wünschenswerter sei
als die Abhängigkeit von ausländischem öl, ist auch klar, daß nicht mehr die
Meinung vorherrscht, Energiepreise würden sich unweigerlich und automatisch
nach oben bewegen, als ob sie immun seien gegen die Kräfte des Marktes.

Die

positive Konsequenz dieser Erkenntnis war, daß Analytiker und Politiker bei
Energiefragen gelernt haben, sich gleichfalls auf elementare wirtschaftliche

- 4 -

�elementare wirtschaftliche Zusammenhänge und grundlegende Erfordernisse,
d.h., auf den Markt, zu konzentrieren.

Marktkrä'fte waren es, die in Verbin-

dung mit den Strukturveränderungen in den Weltenergiemärkten als Folge des
häufigen und sich ständig ausweitenden Nachziehens der Weltrohöl preise zum
Absacken des Weltenergiemarktes und zu niedrigeren Energiepreisen führten, wie
wir sie heute haben.
Die Kehrseite dieser Veränderungen ist, daß viele die Notwendigkeit beständiger Anstrengungen auf dem Gebiet der Energiesicherheit als weniger zwingend ansehen.

Während einige Beobachter hier von "Trägheit" sprechen, möchte

ich es eher als Dilemma bezeichnen.

Auf der einen Seite wissen wir, daß

Energiemärkte wahrscheinlich eine erhebliche Anspannung erfahren, wenn es
mit der Weltwirtschaft wieder aufwärts geht.

Dieser Prozeß ist bis zu einem

gewissen Grad in Gang gekommen, was erneute Aufmerksamkeit für Fragen der
Energiesicherheit erfordert.
Andererseits hat im Verein mit diesem psychologisch bedingten Trägheitsfaktor der gleiche wirtschaftliche Rückgang, der zum Teil für das Absinken
des Energiebedarfs in westlichen Ländern und der Preise verantwortlich war,
auch die finanzielle Kapazität unserer Länder und Wirtschaftsunternehmen für
die Fortsetzung und Ausweitung von Anstrengungen zur Verbesserung der Energiesicherheit belastet.

Etatbeschränkungen und schwache Nachfrage bewirkten eine

regelrechte Entmutigung von Maßnahmen zur Ausweitung der Energiesicherheit.
Dadurch wurde die rechtzeitige Entwicklung einheimischer Alternativenergien
im Westen in Frage gestellt.
Diese Anstrengungen können und müssen jedoch weitergehen.

Es ist die

Verantwortung und sogar die Pflicht der Energiepolitiker in den westlichen
Ländern, sich sachlich und auf weite Sicht mit unserer Energiesicherheit zu
befassen, wobei zwar die gegenwärtigen wirtschaftlichen und finanziellen
Schwierigkeiten zu berücksichtigen sind, aber nicht überbewertet werden dürfen.

Ich möchte hier kurz umreißen, was ich als unsere vordringlichsten Auf-

gaben betrachte:
- Beim DI
- 5-

�Beim öl müssen die OECD-Länder über lange Zeit Anreize geben, um die
gegen Störungen am meisten anfälligen Importe durch besser gesicherte
Lieferungen oder durch Energieträger entweder auf ölbasis oder in anderer
Form, insbesondere auf der Basis von Kohle, zu ersetzen.

Besonders wich-

tig sowohl für OECD-Mitglieder als auch Entwicklungsländer sind weitere
Anstrengungen zur Nutzbarmachung einheimischen Öls und anderer Energieressourcen.

Außerdem müssen wir unser Programm für strategische ölre-

serven stärken.

Die Vereinigten Staaten füllen ihre strategische Erd-

ölreserve weiter auf, die jetzt mit 340 Millionen Barrel Rohöl fast die
Hälfte der vorgesehenen Menge von 750 Millionen Barrel umfaßt.
Bei Erdgas müssen wir ähnlich zusammenarbeiten, um die Bedingungen zu
schaffen, die für die Entwicklung einheimischer Reserven erforderlich
sind. Aus amerikanischer Sicht arbeiten wir auf dieses Ziel hin, indem
wir die Umgestaltung der Gesetzgebung für unseren Erdgasmarkt mit Nachdruck betreiben, was, sobald die Reform durchgesetzt ist, neue Anreize
für mehr Erdgasproduktion im Inland schafft. In Europa ist es, so glauben wir, besonders wichtig, ein wirtschaftlich gesundes Programm für
die Erschließung des Troll-Fei des und anderer bedeutender einheimischer
Erdgasvorkommen in der Nordsee zu entwickeln.
Bei Kohle, die die reichhaltigste und sicherste fossile Brennstoffquelle
im Westen darstellt, müssen wir mehr Verbrauch fördern, damit unsere
Energiesicherheit größer wird. Obgleich wir in dieser Hinsicht gewisse
Fortschritte erzielten, wird dies angesichts der gleichbleibenden oder
gar fallenden öl preise und der Auffassung, daß Kohlenutzung zu Problemen
führt, künftig immer schwieriger werden. Dieses Problem sowie die wachsende Kontroverse über den Umfang der Aufwendungen zur Bekämpfung von
saurem Regen wird in den kommenden Jahren viel Aufmerksamkeit von den
Energiepolitikern in den Regierungen erfordern, damit Kohle als ein Bollwerk für unsere Energiesicherheit weiterbestehen kann.
Bei synthetischen

- 6 -

�- Bei synthetischen Brennstoffen sehen wir uns noch schwierigeren Aufgaben
gegenüber.

Wir meinen, daß synthetische Brennstoffe für die Energiesicher-

heit eine Rolle zu spielen haben.

Aber die damit verbundenen finanziellen

Aufwendungen sind enorm und lassen ernsthaft fragen, ob sich die Kosten
für die dabei genutzten Ressourcen auch lohnen.

In den Vereinigten Staa-

ten hat die "Gesellschaft für synthetische Brennstoffe" Schwierigkeiten,
angesichts schwerwiegender Etatkürzungen und der Realitäten des Marktes
neue Projekte zu fördern.
Letztlich ist das Dilemma der Energiepolitik der Industrieländer die
Frage, wieviel Aufmerksamkeit und in welcher Größenordnung Geldmittel für
Energiesicherheit aufgewendet werden sollten. Wir wissen, daß eine Abhängigkeit von Energieimporten in gewisser Weise unvermeidlich und Autarkie auf dem
Energiesektor für uns nicht einfach eine Frage der eigenen Entscheidung ist.
Andererseits erkennen wir an, daß sich bei den heutigen Märkten mit gedrückten Preisen und hohem Angebot Prioritäten nicht ohne weiteres setzen lassen.
Knappe Ressourcen zuzuteilen ist für Regierungen eine schwierige Sache. Unseres Erachtens müssen jedoch Regierungen und der private Sektor in der OECD
auch künftig ausreichende Mittel für neue Explorationen, für Produktion und
für die Erschließung alternativer Energiequellen investieren, um unseren wichtigsten Erfordernissen in der Zukunft gerecht zu werden und für den Fall erneuter Energieverknappung vorzusorgen.

+ + + + +

- 7 -

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fernsehansprache Reagans zum Libanon und zu Grenada&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kenneth Dadm legt Gründe für Grenada-Aktion dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stellvertretender US-Außenminister vor Senatsausschuss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Energiepolitik mit Problemen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Versorgung muss durch langfristige Planungen für die wichtigen Energieträger gesichert werden -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von E. Allan Wendt&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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