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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

5. Oktober 1983

40/A

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan und Thatcher bekräftigen amerikanisch-britische Zusammenarbeit
- Wortlaut der AbSchlußerklärungen Die amerikanische Mittelamerika-Politik
- Der Stellvertretende US-Außenminister Dam nimmt zu Fragen der
wirtschaftlichen Entwicklung Mittelamerikas Stellung -

HINTERGRUNDMATERIAL
USA zeigen bei INF- und START-Verhandlungen Verständnis für
sowjetische Bedenken
• Von unserem diplomatischen Korrespondenten Russell Dybvik

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ein Vierteljahrhundert der Erfolge im Weltraum
- US-Weltraumbehörde NASA besteht 25 Jahre -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

5. Oktober 1983

4o

REAGAN UND THATCHER BEKRÄFTIGEN AMERIKANISCH-BRITISCHE ZUSAMMENARBEIT
Wortlaut der AbSchlußerklärungen

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Präsident Ronald Reagan und die
britische Premierministerin Margaret Thatcher haben am 29. September 1983
nach Abschluß ihrer Gespräche in Washington ihre Entschlossenheit bekräftigt,
eine starke westliche Verteidigung aufrechtzuerhalten, während gleichzeitig
Abkommen über eine Rüstungsverminderung mit der Sowjetunion angestrebt werden.
Präsident Reagan gab hierzu folgende Erklärung ab:
Ich hatte das Vergnügen, mit Premierministerin Thatcher herzliche und
produktive Gespräche über eine Vielzahl beiderseitiger Interessen und Anliegen führen zu können.

Unsere Gespräche spiegelten die hervorragenden Bezie-

hungen wider, die zwischen unseren beiden Ländern bestehen, sowie unsere Entschlossenheit, unsere Zusammenarbeit und unsere Konsultationen zu vertiefen,
Wir bekräftigen heute unsere Entschlossenheit, eine starke westliche
Verteidigung zum Schutz der Freiheit und zur Wahrung des Friedens aufrechtzuerhalten.

Wir werden unseren Verpflichtungen gegenüber dem Bündnis nach-

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�Bündnis nachkommen und mit der Modernisierung der konventionellen und nuklearen Abschreckung der NATO fortfahren.

Gleichzeitig habe ich mich im Namen

Amerikas verpflichtet, die größten Anstrengungen zu machen, um mit der Sowjetunion annehmbare Abkommen über eine Rüstungsverminderung zu erreichen.
Die Premierministerin hat mich darüber informiert, was ihre Regierung
tut, um die vorgesehene Dislozierung von Marschflugkörpern (Cruise Missiles)
vorzubereiten, sollte es uns nicht gelingen, ein Abkommen mit den Sowjets zu
erreichen.

Ich brachte der Premierministerin gegenüber den Dank des amerika-

nischen Volkes für die starke und eindeutige Unterstützung durch Großbritannien
in dieser lebenswichtigen Frage

zum Ausdruck.

Wir erörterten auch die Entwicklungen im Nahen Osten, insbesondere die
Situation im Libanon, wo unsere beiden Länder sich an einer friedenserhaltenden Streitmacht beteiligen.

Wir stimmten darin überein, daß eine Lösung

dieses tragischen Konfliktes nur durch die Libanesen selbst erreicht werden
kann - frei von jeglicher ausländischer Einmischung.

Ich habe mit der Pre-

mierministerin auch die amerikanischen Bemühungen erörtert, alle libanesischen
Gruppen zu einem konstruktiven Dialog mit dem Ziel des Abzugs aller ausländischen Truppen aus dem Land und der Wiederherstellung des Friedens und der Herrschaft des Rechts zu bewegen.
Premierministerin Thatcher und ich sprachen ferner über die Entwicklungen
in der westlichen Hemisphäre. Ich erläuterte ihr unsere energischen Anstrengungen, um die Gewalt zu beenden, die Mittelamerika plagt, und die Demokratie
und die wirtschaftliche Entwicklung in dieser Region zu fördern.
Bei der Erörterung wirtschaftlicher Fragen bekräftigten wir den Kurs,
der auf dem Gipfel in Williamsburg als bestes Mittel für die Erhaltung des
Wirtschaftsaufschwungs und die Bekämpfung des Protektionismus abgesteckt
wurde. Wir waren uns über die Notwendigkeit anhaltender enger Konsultationen
als ein Mittel einig, eine jede Meinungsverschiedenheit zwischen uns in Handel sf ragen auszuräumen.
Frau Premierministerin,

�Frau Premierministerin, wir danken Ihnen für Ihren Besuch, insbesondere
weil in diesem Monat der 200. Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages von
Paris fällt, der uns zu Freunden machte, statt zu Landsleuten. Wenn Sie Ihre
Erklärung beendet haben, können wir hinübergehen und einen Blick auf diesen
Vertrag von Paris werfen.
+ + +

Die Erklärung von Premierministerin Thatcher hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, meine Damen und Herren,
mein heutiger Besuch war sehr wichtig. Ich konferierte etwa zwei Stunden lang mit dem Präsidenten über zahlreiche Fragen, die er ja schon angesprochen hat und die alle lebenswichtig sind für die Zukunft unserer Völker
in den beiden Ländern.
Ich bin heute vormittag ebenfalls mit Finanzminister Regan zusammengetroffen. Wir erörterten wirtschaftliche Fragen, insbesondere die Probleme
der einheitlichen Besteuerung. Ferner sprach ich mit Notenbankpräsident
Volcker, weil wir natürlich alle daran interessiert sind, daß die große internationale Schuldenposition eine Lösung findet, die eine Fortsetzung des Handels ermöglicht und die betroffenen Länder in die Lage versetzt, aus ihren
bedrückenden Schuldenproblemen herauszukommen.
Wie der Präsident schon gesagt hat, begannen wir zunächst mit den OstWest-Beziehungen.
reißen:

Ich glaube, ich kann unsere Position folgendermaßen um-

Wir beide glauben an die Verteidigung unserer Lebensweise,und dies

müssen wir tun, um sie zu sichern.

Aber unser

Ziel, militärische Stärke

zu besitzen, ist völlig defensiv, nämlich unsere Lebensweise zu verteidigen.
Wir wären froh, wenn wir diese Sicherheit zu niedrigeren Kosten an Geld und
Menschen haben könnten.
Um diesen

�Um diesen niedrigeren Kostenstand erreichen zu können, müssen wir
ernsthaft und kontinuierlich mit der Sowjetunion verhandeln in dem Versuch,
ein Gleichgewicht an Soldaten, Material, Waffen und nuklearer Stärke zu erlangen.

Wenn wir das erreichen können, dann können wir unsere Sicherheit auf

einem niedrigeren Ausgabenstand aufrechterhalten.
Zu Verhandlungen gehören zwei, und der Präsident hat der Sowjetunion
laufend detaillierte Vorschläge unterbreitet.

Dies zeigt, wie bestrebt der

Westen ist, echte Verhandlungen über RüstungsVerminderungen zu führen.
Präsident hat gerade die jüngsten Vorschläge unterbreitet.
gierungschef Andropow hat geantwortet.

Der

Staats- und Re-

Ich hoffe nun, daß die Vorschläge von

der Sowjetunion ernsthaft am Verhandlungstisch erörtert werden.

Wenn es

nicht gelingt, die Null-Option zu erreichen, werden die Marschflugkörper und
die PERSHING II-Raketen Ende dieses Jahres disloziert werden.

Wir werden

jetzt auf die Probe gestellt, und wir dürfen nicht schwankend werden.
sollte nicht das Ende der Verhandlungen sein.

Dies

Ich hoffe, und das ist meine

tiefste Überzeugung, daß die Verhandlungen fortdauern werden, so daß wir wenn wir auch nicht die Null-Option aushandeln konnten - doch in der Lage
sind, auf die Dislozierung einer geringeren Anzahl von Waffen als die Gesamtzahl hin weiterzuverhandeln - vorausgesetzt natürlich, daß die Sowjets echt
auf ein Gleichgewicht hin verhandeln.
Wir haben ferner, wie der Präsident schon angedeutet hat, über den Nahen
Osten gesprochen, und wir waren uns sehr wohl der Tatsache bewußt, daß bei
aller gegenwärtigen Konzentration auf den Libanon das fundamentale Problem
im Nahen Osten - nämlich ein sicheres Israel und eine legitime Behandlung
der Anliegen des palästinensischen Volkes - noch gelöst werden muß.
Ich habe dem Präsidenten gegenüber darauf hingewiesen, daß wir seine
Mittelamerikapolitik unterstützen, insbesondere die ausgezeichnete strategische Darstellung, die er in seiner berühmten Rede vom April hierzu gab.
Wir weisen ständig darauf hin, daß im Hinblick auf die Unterstützung, die die
Vereinigten Staaten Mittelamerika gewähren, 75 Cent eines jeden Dollar für

- 4 -

�Dollar für zivile Hilfe aufgewendet werden - und darauf kann man stolz sein.
Wir haben auch kurz über Belize gesprochen, und ich habe selbstverständlich - und das werden Sie verstehen - meine Ansicht über Waffenlieferungen an Argentinien dargelegt.

Heute vormittag und auch heute mittag habe

ich mit Finanzminister Regan die weiterreichenden Fragen bezüglich der wirtschaftlichen Situation besprochen sowie die Bedeutung des Versuchs, niedrigere
Zinssätze sicherzustellen, damit wir auf der Welt einen vollen Wiederaufschwung
erlangen; dies wäre sowohl zum Nutzen der Vereinigten Staaten als auch der Entwicklungsländer.
Wenn ich also zusammenfassen darf, dann war dies ein weiterei Kapitel
in der engen Diskussion, Konsultation und Formulierung ähnlicher Überzeugungen
hinsichtlich der gemeinsamen Ideale zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, daß wir zu ge-

meinsamen Ansichten gelangen und sie in der weiteren Welt aus einer gemeinsamen
Zielsetzung heraus verfolgen.

- 5 -

�i mIER1Kb

1DlElNSU
V

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

40

5. Oktober 1983

DIE AMERIKANISCHE MITTELAMERIKA-POLITIK
Der Stellvertretende US-Außenminister Dam nimmt zu Fragen der
wirtschaftlichen Entwicklung Mittelamerikas Stellung -

HOUSTON, TEXAS - (AD) - Eines der vordringlichsten Ziele der amerikanischen Mittelamerika-Politik ist es, ein gesundes Wirtschaftswachstum einzuleiten, das für die zukünftige Entwicklung dieses Gebietes von entscheidender Bedeutung sein wird. Das erklärte der Stellvertretende amerikanische
Außenminister Kenneth Dam am 14. September 1983 vor dem Forum-Club in Houston,
Texas. Die Vereinigten Staaten haben, wie den Ausführungen Dams weiter zu
entnehmen ist, im Haushaltsjahr 1982/83 insgesamt 625 Millionen Dollar an bilateraler Wirtschaftshilfe für den mittelamerikanischen Raum bereitgestellt,
was etwa dem Vierfachen des für Militärhilfe in diesem Gebiet aufgewandten
Betrages entspricht.
Die Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit unter den mittel amerikanischen Staaten und mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Zentralamerikanischen Entwicklungsbank sowie die praktische Verwirklichung der
Initiative für das Karibische Becken, durch die vom 1. Januar nächsten Jahres an
mit Hilfe von marktgerechten Investitionsanreizen im Sinne einer weiteren Libera-

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�weiteren Liberalisierung des Welthandels und der internationalen Kapitalströme, die Voraussetzuno für eine Ausweitung der Wirtschaftstätigkeit in
den fraglichen Ländern beschleunigt werden soll, führte Dam als weitere wichtige Ziele der amerikanischen Mittelamerika-Politik an»
Die Rede des Stellvertretenden Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Präsident Reagan sprach zum 27', April auf einer Sondersitzung beider
Häuser des Kongresses, um diesem unsere Vorschläge zur Lösung der Probleme
Mittelamerikas zu erläutern»

Er umriß eine Politik, die sich auf vier eng

miteinander verknüpfte Elemente stützt: Demokratie, Dialog, Verteidigung
und Entwicklung» •
Erstens, und ich zitiere hier den Präsidenten, "werden wir Demokratie,
Reform und menschliche Freiheit unterstützen»

Das bedeutet, daß wir unsere

Hilfe, unsere Überzeugungskraft und unsere legitimen 'Hebel1 einsetzen, um
menschliche, demokratische Systeme zu unterstützen, wo sie bereits bestehen,
und Ländern auf ihrem Weg zu dem Ziel zu helfen, diesen Prozeß so rasch abzuschließen, wie menschliche Institutionen geändert werden können»»»

Wir

werden an den Menschenrechtsproblemen arbeiten, nicht vor ihnen davonlaufen."
Zweitens befürworten wir Verhandlungen und den Dialog, um Konflikte auf
eine Art und Weise zu lösen, die die Entwicklung der Demokratie fördern» Der
Sonderbotschafter des Präsidenten, der frühere Senator Richard Stone, ist
bestrebt, Verhandlungen sowohl innerhalb der Länder Mittelamerikas als auch
unter ihnen zu erleichtern. Wir sagen "Ja" zu der Tagung, die am 28» August in Bogota, Kolumbien, zwischen Vertretern der salvadorianisehen Friedenskommission und der Guerilla stattgefunden hat» Wir fördern desgleichen
den regionalen CONTADORA-Prozeß, an dem sich fünf mittelamerikanische Staaten unter Einschluß von Nicaragua mit ihren unmittelbaren Nachbarn beteiligen.
Drittens, um der Diplomatie eine Chance zu verschaffen, Wirkung zu zeitigen, verwenden wir unsere Militärhilfe als ein Schild, der den mittelamerikanischen Ländern helfen soll, sich selbst zu verteidigen»

Dieser Schild

�Dieser Schild soll einen militärischen Sieg der antidemokratischen Kräfte
verhindern, die über Nicaragua von Kuba und der Sowjetunion unterstützt
werden.
Viertens, und hier zitiere ich abermals den Präsidenten:

"Als Antwort

auf die Herausforderung der weltweiten Rezession und im Fall von El Salvador
auf die nicht nachlassende Kampagne der wirtschaftlichen Sabotage durch die
Guerilla werden wir die wirtschaftliche Entwicklung unterstützen."
Gerade auf diese wirtschaftliche Dimension unserer Politik gegenüber
Mittelamerika möchte ich mich heute hier konzentrieren.

In der Debatte über

die Situation in Mittelamerika hat man dem, was in bezug auf die dringenden
wirtschaftlichen Schwierigkeiten dieser Region getan werden soll, überraschend wenig Aufmerksamkeit gewidmet.
Es wird wohl kaum jemand leugnen wollen, daß wirtschaftliche Schwierigkeiten den eigentlichen Kern der Instabilität in Mittelamerika bilden

oder

daß ein gesundes wirtschaftliches Wachstum von entscheidender Bedeutung für
die Zukunft dieser Region ist.

Dieses Wachstum im Rahmen einer angemessenen

Entwicklung ist einer der wichtigsten Brennpunkte unserer Politik.
Hilfe an diese Region stellt ein Argument in den Vordergrund:

Unsere

81 Cent

eines jeden Dollar an amerikanischer Hilfe für Mittelamerika im Laufe dieses
Haushaltsjahres sind für wirtschaftliche Zielsetzungen bestimmt.

Und in-

zwischen hat die nationale, von beiden Parteien getragene Kommission für
Mittelamerika, an deren Spitze Henry Kissinger steht, damit begonnen, die
Erfordernisse für eine langfristige Entwicklung eingehend zu überprüfen.
Deshalb scheint es mir angebracht, einen Augenblick auf diese Frage zu
verwenden, um sowohl die Hindernisse für das Wachstum in Mittelamerika als
auch die Möglichkeiten zu ihrer Überwindung zu analysieren.
Lassen Sie mich mit einer Tatsache beginnen, die oft übersehen wird.
Mittelamerika ist sicherlich zu einem starken und anhaltenden wirtschaftlichen

- 3 -

�anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum fähig.

Das hat es in den fünfziger,

in den sechziger und auch im größten Teil der siebziger Jahre eindeutig
bewiesen.
Von 1960 bis 1979 stieg das Bruttosozialprodukt in den Vereinigten Staaten real um durchschnittlich 3,7 Prozent jährlich; die industrialisierten
Marktwirtschaften insgesamt hatten eine Jahreszuwachsrate von 4,2 Prozent
aufzuweisen.
halten.

In eben diesen 20 Jahren konnte Mittelamerika mehr als mit-

Wie die Weltbank berichtete, war das Wirtschaftswachstum in allen

mittel amerikanischen Ländern höher als in den Vereinigten Staaten, und sogar
höher als das durchschnittliche Wirtschaftswachstum in Europa.

Die Jahres-

wachstumsraten bezifferten sich im Durchschnitt auf 4,4 Prozent in Honduras
bis auf 6,3 Prozent in Costa Rica.
Es trifft natürlich auch zu, daß die Bevölkerungswachstumsrate in
Mittelamerika in den gleichen 20 Jahren mit zu den höchsten in der ganzen
Welt zählte, belief sie sich doch auf 3 Prozent. Aber dennoch stieg das
Einkommen pro Kopf der Bevölkerung in allen diesen Ländern. Und in jedem
Falle nahm auch der Prozentanteil an der Gesamtproduktion, der auf die Fertigungsindustrie und andere Industriezweige entfiel, weiter zu. In Honduras
z. B. stieg der Anteil der Industrieproduktion an der Gesamtproduktion von
19 auf 26 Prozent.
In der Mitte der siebziger Jahre gaben Mittelamerikas wirtschaftliche
Aussichten sogar den Anstoß zu einer größeren japanischen InvestitionsKampagne. In El Salvador, beispielsweise, entfalteten japanische Firmen
eine besondere Aktivität auf den Märkten für Textilien und Elektrogeräte.
Bis 1978 war Japan auf den zweiten Platz der ausländischen Investoren in
El Salvador aufgerückt.
Wie kommt es, daß Mittelamerikas rasche Entwicklung angesichts eines
so günstigen Hintergrundes rasch an Schwung verloren hat? In welchem Zusammenhang stehen die wirtschaftlichen Probleme zu den tragischen Konflikten

- 4 -

�tragischen Konflikten von heute?
Viele Faktoren spielen hier eine Rolle, drei aber nehmen einen besonderen Platz ein: örtliche, gesellschaftliche und politische Konflikte, die
Auswirkungen der weltweiten wirtschaftlichen Rezession und die Ausweitung
der Guerilla-Kriegführung und der Angriffe auf die Wirtschaft.
Ich möchte mich jedem dieser Punkte zuwenden:
Erstens, örtliche, gesellschaftliche und politische Konflikte: In
Mittelamerika hielt die Mißwirtschaft und die Fehlverteilung der günstigen
Ergebnisse der Entwicklung lange Jahre hindurch an. Dieses Gebiet war dennoch politisch relativ ruhig, als ich vor fünf Jahren kurz dorthin reiste.
Aber selbst damals schon waren die im Hintergrund lauernden wirtschaftlichen
Probleme und sozialen Spannungen unverkennbar. In den Großstädten bildeten
hohe Mauern die Grenzen zwischen palastähnlichen Wohnstädten und tiefstem
Elend. Das Wachstum konnte das Los vieler Menschen nur langsam verbessern;
umgekehrt trug das Wachstum aber auch dazu bei, die Erwartungen höher zu
schrauben. Und mit der Ausnahme von Costa Rica gab es sehr wenige demokratische Möglichkeiten, angestaute Frustrationen los zu werden und soziale
Spannungen friedlich abzubauen. Die Repression und die Instabilität, die
sich in der Folge einstellen sollten, erwiesen sich als schlecht sowohl für
die Wirtschaft als auch für die arbeitende Bevölkerung^ In den letzten
fünf Jahren haben gesellschaftliche Konflikte und die politische Ungewißheit
neue Investitionen in zunehmendem Maße verhindert und die Entwicklung zurückgeworfen.
Das zweite Wachstumshindernis war eine Reihe von negativen Entwicklungen
im Bereich der Weltwirtschaft.

Gegen Ende der siebziger Jahre begannen die

Preise mittelamerikanischer Exportgüter ins Bodenlose zu fallen.
uns nur einmal

den vier wichtigsten für dieses Gebiet zu:

Wenden wir

Kaffee ist das

wichtigste Exportprodukt für die meisten Länder in diesem Gebiet.

Rekord-

ernten in Brasilien und Kolumbien führten zu einem Rückgang der Kaffeepreise

- 5 -

�der Kaffeepreis um über 26 Prozent nominell zwischen 1977 und 1980. Baumwolle ist der zweite wichtige Exportartikel von El Salvador, Guatemala und
Nicaragua.

Im Jahr 1981 konnten die Baumwollpreise nicht mehr länger mit

der weltweiten Inflation mithalten und fielen in rund neun Monaten um etwa
20 Prozent nominell.

Der Weltmarktpreis für Bananen, ein Hauptprodukt von

Costa Ricas und Honduras, konnte ebenfalls nicht mehr länger mit der Weltinflation Schritt halten.

Der Zuckerpreis ging etwa gleichzeitig real bis

fast auf seinen bisherigen absoluten Tiefststand zurück.
Der Anstieg der Einfuhrkosten wirkte sich nahezu ebenso schädlich aus
wie der Rückgang der Ausfuhrerlöse.

Zwei der wichtigsten Importkosten

Mittelamerikas sind Rohöl und Kapital aus Ländern mit harter Währung.

In

den Jahren 1978 und 1979 erhöhte der zweite öl schock die Preise für Importöl um fast das Doppelte.

Und in den achtziger Jahren erhöhten die gestie-

genen Kapitalkosten auf den Geldmärkten der Welt die Kosten einer Umschuldung zum Zwecke des Ausgleichs fallender Ausfuhrerlöse ganz beträchtlich.
Das Ergebnis waren schockierende wirtschaftliche Verzerrungen. Bis
1981 waren praktisch zwei Säcke an mittelamerikanischem Kaffee erforderlich,
um das kaufen zu können, was 1978 noch für den Gegenwert von einem Sack
Kaffee zu erhalten war. Die eingetretenen Veränderungen in den Spannen
zwischen Export- und Importpreisen bedeutete, daß ein Land wie beispielsweise Costa Rica nahezu das l,7fache exportieren mußte, um die gleichen Importmengen bezahlen zu können wie vor drei Jahren.
Die innenpolitischen Reaktionen auf diese veränderten Umstände erfolgten
im allgemeinen sehr langsam und waren gelegentlich völlig unangebracht. Dies
führte zur Flucht von örtlichem Kapital, einer starken Verschuldung gegenüber dem Ausland und lähmenden Kontrollen. Der Mittel amerikanische Gemeinsame Markt, das Instrument für einen Handel innerhalb dieser Region zu Vorzugsbedingungen, schäechte sich rasch ab, da die Volkswirtschaft jedes einzelnen seiner Mitgliedsländer rückläufig war und immer protektionistischer
wurde. Der Wert des Handels unter den mittelamerikanischen Staaten ging

�Staaten ging nominell um ein Drittel zurück, von einem Spitzenstand von
über 1100 Millionen Dollar im Jahr 1980 auf 775 Millionen Dollar im Jahr
1982 ausgedrückt; in realen Dollar war der Rückgang noch weit größer.
Kein mittelamerikanisches Land konnte sich den Auswirkungen dieses
allgemeinen Wirtschaftsabschwungs entziehen.

Selbst das demokratische Costa

Rica, das sich weniger politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen
gegenübersieht als die anderen Länder dieser Region, geriet in eine tiefe
wirtschaftliche Flaute.

Bis 1980 belief sich die reale Wachstumsrate Costa

Ricas im Durchschnitt auf über 6 Prozent im Jahr - die höchste Rate in dieser Region.

Im Jahr 1982 dagegen nahm die Wirtschaftstätigkeit in Costa

Rica um 9 Prozent ab.
Die Wirtschaft von El Salvador schrumpfte sogar noch rascher. Der
Grund ist darin zu sehen, daß El Salvador am härtesten von dem dritten und
in manchen Fällen wichtigsten Faktor der nachlassenden Konjunktur in Mittelamerika sbetroffen wurde: der Zerrüttung des wirtschaftlichen Lebens durch
Guerilla-Gewaltakte.
In einem Land, in dem einwandfreies Trinkwasser selten anzutreffen
ist, hat die Guerilla Wasserpumpstationen und elektrische Transformatorenstationen zerstört, die notwendig sind, um diese Anlagen zu betreiben.

Sie

hat 55 der insgesamt 260 Brücken im Lande zerstört und viele weitere schwer
beschädigt.

In einem Zeitraum von 22 Monaten bis Ende November vergangenen

Jahres wurden über 5000 Stromunterbrechungen herbeigeführt - was einem Durchschnitt von 8 Stromunterbrechungen pro Tag entspricht.
hat die Guerilla über 200 Busse zerstört.

Im Jahr 1982 allein

Weniger als die Hälfte des rol-

lenden Materials der Eisenbahnen ist im Augenblick betriebsbereit.
In einem Land mit chronischer Übervölkerung, in dem es schwer ist, eine
Arbeit zu finden, und wo Kapitalinvestitionen sorgfältig gepflegt werden
müssen, haben die Guerilla-Angriffe die Schließung von Fabrikanlagen, die
Preisgabe von Farmen und die Verdrängung

- 7 -

von Tausenden von Arbeitnehmern

�von Arbeitnehmern von ihren Arbeitsplätzen erzwungen.

Von den produktivsten

landwirtschaftlichen Genossenschaften, die im Zuge der Bodenrefom entstanden
sind, liegt heute jede

achte brach oder kann wegen häufiger Guerilla-Über-

griffe nur sporadisch arbeiten.
Das Ergebnis ist menschlich wie wirtschaftlich verheerend.

Im Durch-

schnitt ist heute jeder Mann, jede Frau und jedes Kind in El Salvador um
ein Drittel ärmer,als sie es noch vor vier Jahren waren.

In der Winterpause

der Landwirtschaft beläuft sich die Arbeitslosigkeit in den landwirtschaftlichen Gebieten gegenwärtig auf 40 Prozent.

Im Jahr 1981 konnte El Salvador

nur zwei Drittel des Ausfuhrvolumens vom Jahr 1977 erreichen.

Die Einfuhr

schwer erhältlicher Güter, wie Arzneimittel und Rohstoffe, wurde drastisch
eingeschränkt.

Um wenigstens ein verringertes Volumen von Auslandseinkäufen

aufrechterhalten zu können, mußte die Nationalbank von El Salvador ihre Nettokreditaufnahme auf fast 300 Millionen Dollar erhöhen.
El Salvador ist darüber hinaus nicht das einzige Land, das unter den
Folgen der Guerilla-Kriegführung zu leiden hat. Die Ausbreitung von Gewalt
und Unsicherheit läßt Investoren vor der Beteiligung an Unternehmen überall
in Mittelamerika zurückschrecken - selbst in den stabilsten Ländern dieser
Region, nämlich Honduras und Costa Rica.
Die Vereinigten Staaten geben sich alle Mühe, Mittelamerika in dem Bemühen zu unterstützen, diese Hindernisse zu überwinden und wieder zu einem
stärkeren wirtschaftlichen Wachstum zu gelangen. Unsere Politik verfolgt die
Absicht, jedes einzelne der Probleme aufzugreifen, die ich hier genannt habe.
Erstens, um gegen soziale Spannungen und die langfristige Instabilität
von Diktaturen der Rechten wie der Linken anzukämpfen, unterstützen wir alle
demokratischen Kräfte und Reformbestrebungen. Die Demokratie läßt das Volk
an der friedlichen Entwicklung teilhaben. Sie gibt den Investoren die Stabilität, derer sie bedürfen, um für die Zukunft planen zu können, die Zuversicht auch, daß es in Zukunft weniger wahrscheinlich sein wird, daß es zu

- 8 -

�daß es zu willkürlichen Änderungen der Regierungspolitik kommt oder daß
plötzlich eine bürgerkriegsä'hnliche Situation entsteht.
Die gewählte verfassungsgebende Versammlung El Salvadors hat beispielsweise zweimal in Reaktion auf die im Volk erhobene Forderung nach einer Bodenreform ein entsprechendes Reformgesetz erlassen. Rund 500 000 Salvadorianer
haben inzwischen direkt von der Bodenreform profitiert. Der amerikanische
Gewerkschaftsverband AFL-CI0 und das Amt für Internationale Entwicklung (AID)
sind eifrig bemüht, diese Reformen zu konsolidieren und die Produktivität der
Landwirtschaft zu steigern. Nach einem anfänglichen Rückgang sind die Ernteerträge inzwischen wieder im Steigen begriffen. Und durch die Entwicklung
einer landwirtschaftlichen Mittel klasse,die einigermaßen über Geld verfügt,
das sie für im eigenen Land erzeugte Waren ausgeben kann, dürfte die Bodenreform eine unerläßliche Grundlage für eine Steigerung der Produktion und eine
Ausweitung der Beschäftigungsmöglichkeiten im Lande bieten.
Zweitens, um negative Entwicklungen in der Weltwirtschaft aufzufangen
und die heimische Reformpolitik zu ergänzen, haben wir sowohl unsere bilaterale Wirtschaftshilfe als auch unsere anderweitige Kooperation verstärkt.
Im laufenden Haushaltsjahr stellen wir rund 625 Millionen Dollar für die
bilaterale Wirtschaftshilfe für Mittelamerika bereit.

Dieser Betrag ist mehr

als das Vierfache dessen, was wir für Militärhilfe aufwenden.

Die Wirtschafts-

hilfe schließt ein:
- Zahlungsbilanzhilfe, die notwendige Einfuhr an Verbrauchsgütern und
Produktionsmittel ermöglicht;
- projektgebundene Geldmittel, um Straßen und Brücken zu bauen oder zu
verbessern,als Infrastrukturmaßnahmen;
- technische Hilfe, um die mittel amerikanischen Regierungen in dem Bemühen
zu unterstützen, ihrer Bevölkerung notwendige Dienstleistungen wirksamer

- 9 -

�Dienstleistungen wirksamer bieten zu können;
- Nahrungsmittelhilfe; und
- Mittel für den Bau von Sozialwohnungen.
Wir gehen in zweierlei Hinsicht auch über die traditionelle Wirtschaftshilfe hinaus. Wir ermutigen zur engen Zusammenarbeit zwischen den einzelnen
Ländern und dem Internationalen Währungsfonds und den Entwicklungsbanken.
Diese Zusammenarbeit sollte notwendige innere Anpassungen erleichtern und das
notwendige Auslandskapital beschaffen helfen.
Marktchancen für mittelamerikanische Produkte.

Gleichzeitig schaffen wir neue
Die Initiative für das Karibische

Becken, die im Kongreß lebhafte Unterstützung durch beide Parteien gefunden
hat und die mit der Unterschrift Präsident Reagans vom 5. August 1983 durch
das entsprechende Gesetz in Kraft getreten ist, ist eine Manifestation unserer Bemühungen, eine gesunde Basis für ein künftiges Wachstum zu schaffen.
Ich werde auf diesen Punkt gleich noch einmal zurückkommen.
Drittens, da es die Guerilla erklärtermaßen darauf abgesehen hat, die
salvadorianische Wirtschaft zu treffen, verfolgt unser Militärhilfe-Programm
die Absicht, zum Schutz der wirtschaftlichen Tätigkeit beizutragen. Hinter
diesem Schutzschild kann die salvadorianische Wirtschaft funktionieren, können die Menschen zur Arbeit gehen und die lebenswichtigen öffentlichen Dienstleistungen aufrechterhalten werden. Gegenwärtig befindet sich eine größere
halb zivile, halb militärische Operation in den beiden Provinzen (San Vicente
und Usulutan) im Gange, in dem die Guerilla-Aktivitäten dem Kaffee- und Baumwollanbau, der Viehzucht und der Milchwirtschaft die größten Schäden zugefügt haben. Man rechnet damit, daß diese Operation 28 der 42 größten salvadorianisehen Farmgenossenschaften gestatten wird, ihren normalen Betrieb
wieder aufzunehmen. Seit Juni 1983 wurden 20 Schulen und acht kleine Krankenhäuser eröffnet.

Es ist

- 10 -

�Es ist schwierig, die Wertverluste zu berechnen, die aufgrund unterlassener Investitionen und von Produktionsunterbrechungen eingetreten sind.
Unserer Schätzung nach reicht unsere gesamte Wirtschaftshilfe seit 1980
nicht vollständig aus, um die Guerilla-Schäden für die salvadorianische Wirtschaft auszugleichen.

Sie macht aber dennoch einen entscheidenden Unterschied

aus.
Was wird die Zukunft bringen?
Die Antwort hängt natürlich von der Fähigkeit unserer Freunde in Mittel amerika ab, eine Politik zu entwickeln und zu realisieren, die über die unmittelbaren Erfordernisse hinausgeht und die Bedingungen für eine langfristige Entwicklung verbessert.
Wir können sicherlich helfen.

Die amerikanische Wirtschaft hat bisher

relativ wenig in Mittelamerika investiert.

So beliefen sich z.B. seit Ende

vorigen Jahres die gesamten amerikanischen Direktinvestitionen in Länder in
Mittelamerika auf weniger als ein halbes Prozent der gesamten amerikanischen
Auslandsinvestitionen.

Dennoch liegt die wirtschaftliche Entwicklung in

Mittelamerika im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten.

Der Frieden

und der Wohlstand unserer Nachbarn ist ein Ziel,für das es sich lohnt, Geld
auszugeben - selbst eine Menge Geld auszugeben.
So überrascht es nicht, daß viele Amerikaner in jüngster Zeit von einem
Marshall-Plan für Mittelamerika sprechen.

Die Amerikaner sind mindestens ge-

nau so dem Frieden und dem Wohlstand Mittelamerikas verpflichtet,wie sie dem
Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg verpflichtet waren.
Terminus "Marshall-Plan" darf nicht wörtlich genommen werden.

Aber der

Die Analogie

zwischen dem Europa der Nachkriegszeit und dem Mittelamerika unserer Tage
ist alles andere als exakt.

Das Europa der Nachkriegszeit sah sich den

Problemen des Wiederaufbaus gegenüber, nicht denen einer langfristigen Entwicklung und unmittelbaren Verteidigung.

Europas innere Konflikte und selbst

die gelegentlichen Gewaltausbrüche wurden durch demokratische Erfahrungen und
den weit verbreiteten Glauben an eine neue Zukunft in Grenzen gehalten.
- 11 -

Und

�gehalten.

Und Europa hatte ein riesiges Reservoir an ausgebildeten Arbeits-

kräften und eine langjährige industrielle Tradition.

Aus allen diesen Grün-

den war es dem Europa der Nachkriegszeit möglich, die massiven Zuführungen
von Kapital rasch nutzbringend einzusetzen.

Die Probleme Mittelamerikas sind

anderer Art.
Wenn man den Ausdruck "Marshall-Plan" benutzt, um die hohe Priorität
zu unterstreichen, die wir der Wirtschaftshilfe für diesen Raum bereits einräumen, dann entspricht das unseren Vorstellungen.
Hilfe in einem relativ großen Umfang.
scheinlich noch auf Jahre hinaus.

Mittelamerika bedarf der

Es bedarf dieser Hilfe jetzt, und wahr-

Sie bedarf dieser Hilfe sowohl für Zwecke

der Entwicklung als auch für die Verteidigung.

Und es bedarf dieser Hilfe,

um zerstörte oder vernachlässigte Vermögenswerte wieder instand zu setzen.
Wenn diese Region ihr Gleichgewicht wieder herstellt, dann wollen wir
aber auch sicherstellen, daß Mittelamerikas Volkswirtschaften nicht der Tendenz einiger kleiner Entwicklungsländer erliegen, sich dem großen Zustrom
von Kapital auf solche Art und Weise anzupassen, daß hieraus eine ständige
Abhängigkeit erwächst.

Der massive Zustrom von Hilfe kann die Anreize für

die Spartätigkeit im eigenen Land verringern.

Er kann zu so hohen Wechsel-

kursen beitragen, daß die einheimischen Investitionen nicht mithalten können.
Und die große Rolle, die die Regierungen bei der Verwendung der Auslandshilfe
spielen,kann zu einer Aufblähung des staatlichen Sektors auf Kosten der dynamischen privaten Wirtschaft führen.
Was die Zukunft angeht, so möchte ich sechs Überlegungen anstellen,
die bei der Feststellung realistischer Größenordnungen für die Hilfe für
Mittelamerika nach der derzeitigen Krisensituation zu beachten sein werden.
Die erste ist die, die ich eben dargestellt habe: Die Notwendigkeit,
eine Beeinträchtigung der Nutzung des eigenen wirtschaftlichen Potentials
dieses Raumes durch Vertiefung der Abhängigkeit desselben von anderen oder
durch Unterminierung seiner Produktivität zu vermeiden.
Nicaragua liefert
- 12 -

�Nicaragua liefert konkrete Beispiele*

Seit Juli 1979 kommt das Land

in den Genuß von Wirtschaftshilfe aus aller Welt in einem beispiellosen
Umfange.

Nach eigenen Angaben erhielt Nicaragua in den Jahren 1980 bis 1982

jährlich über 500 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe-Anleihen.

In den ersten

22 Monaten nach der Machtergreifung der Sandinisten waren die Vereinigten Staaten für Nicaragua das wichtigste Geberland von bilateraler Hilfe, und wir waren
es auch, die für Nicaragua eintraten, wenn das Land bei internationalen Finanzinstituten um multilaterale Hilfe nachsuchte.
Trotz des hohen Niveaus der Hilfe von außen und eines anfänglichen
Wachstumsschubs in den Jahren 1979 und 1980 geht es mit der nicaraguanischen
Wirtschaft gegenwärtig rasch bergab. Wie rasch, das wissen wir nicht, weil
die Regierung von Nicaragua aufgehört hat, aktuelle Statistiken zu veröffentlichen. Wir wissen aber, daß der Anteil des Staates am Bruttosozialprodukt,
der vor der Revolution bei 15 Prozent gelegen hatte, im Jahr 1980 auf 41
Prozent gestiegen ist und gegenwärtig noch höher liegen dürfte. Viele Anzeichen deuten darauf hin, daß das Wachstum in dem verstaatlichten Sektor
der Wirtschaft von verhängnisvollen Produktionseinbußen begleitet war. Und
nur ein geringer Teil der verfügbaren Hilfe von außen wurde auf die Ausweitung der Produktion verwandt, die dringend erforderlich ist. wenn Nicaragua
seine lobenswerten neuen Programme zur Bekämpfung des Analphabetentums und zur
Verbesserung der Volksgesundheit aufrechterhalten willo Arturo Cruz, der
frühere Diretor der Zentralbank von Nicaragua und Mitglied der revolutionären
Regierungs-Junta, kam zu der Schlußfolgerung: "Nicaragua ist dazu verdammt,
ein internationaler Bettler zu sein."

Eine zweite Überlegung besteht darin, daß private Investitionen - nicht
amtliche Hilfe - der eigentliche Schlüssel zum Wachstum sind.
mittel können nur aus zwei Quellen kommen:

Investitions-

Aus der Spartätigkeit im eigenen

Lande oder aus der Spartätigkeit in anderen Ländern in der Form von Investitionen, Krediten

oder Wirtschaftshilfe aus dem Ausland.
Soll ein

- 13 -

�Soll ein Land auf eigenen Füßen stehen, müssen die Investitionen zum
größten Teil aus heimischen Quellen kommen.

Wie ich im Zusammenhang mit der

Darstellung der amerikanischen Haltung gegenüber der Konferenz für Handel und
Entwicklung der Vereinten Nationen im Juni ausgeführt habe:

"Den Menschen

angemessene Produktions-, Spar- und Investitionsanreize zu bieten, ist der
Kern jeder wirksamen langfristigen Wachstumspolitik."
Durch ihre Binnenwirtschaftspolitik können die Länder Mittelamerikas
ein Wirtschaftsklima schaffen, das private heimische Investitionen begünstigt.
Politische Stabilität ist eine Grundvoraussetzung.

Es bedarf aber auch offener

Märkte, eines gerechten und wirksamen Steuersystems, einer gesunden Geld- und
Währungspolitik und einer Regierung, die junge Unternehmen entschlossen fördert.

Eine gesunde staatliche Politik und eine nichtdiskriminierende Rechts-

pflege sind dazu angetan, Auslandsinvestitionen und mit ihnen jene Technologien und jenes Know-how anzuziehen, die notwendig sind, um Mittelamerikas
internationale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
Eine dritte Überlegung betrifft die Verteilung der Investitionen.

Meiner

Überzeugung nach ist es notwendig, die Industrie zu entwickeln - aber nicht
auf Kosten der Landwirtschaft.
zunehmend produktiv

In einem Land nach dem anderen hat sich ein

arbeitender landwirtschaftlicher Sektor als eine der

treibenden Kräfte des wirtschaftlichen Wachstums erwiesen.
Das beweist gerade die Entwicklung in Mittelamerika. Mittelamerika hat
sich zu fast allen Zeiten als ein äußerst erfolgreicher Verkäufer seiner landwirtschaftlichen Produkte auf den Weltmärkten erwiesen: Kaffee, Baumwolle,
Zucker und Bananen. Die mittelamerikanischen Länder können auch ihre Exporte
an Industrieprodukten ausweiten,ohne die Erzeugung an Agrarprodukten für den
Export beschneiden zu müssen. In den späten siebziger Jahren waren sie bereits
nahe daran, dieses Ziel zu erreichen, wie die von mir bereits erwähnten Statistiken beweisen. Sie können auch an diesen Punkt weiter und darüber hinaus
kommen.
Das führt

- 14 -

�Das führt mich zu einer vierten Überlegung:

Der Welthandel ist der

Schlüssel zum künftigen Wachstum in Mittelamerika.
Obwohl die heimischer. Märkte in Mittelamerika relativ klein sind, erfreut sich dieser Raum vergleichbarer natürlicher Hilfsquellen und kürzerer
Transportwege zu wichtigen Märkten als beispielsweise die fünf ASEAN-Staaten.
Die ASEAN-Staaten hatten im letzten Jahrzehnt durchschnittliche Wachstumsraten von rund 6 Prozent aufzuweisen.

Mit Ausnahme des Stadtstaates Singapore

befassen sich die ASEAN-Staaten ganz wie Mittelamerika in der Hauptsache mit
der Erzeugung von landwirtschaftlichen Produkten und der Gewinnung von Rohstoffen.

Im Gegensatz aber zum Mittel amerikanischen Gemeinsamen Markt haben

sie sich nicht hinter den Schutz einer gemeinsamen Zollschranke zurückgezogen.

Sie fördern statt dessen das Wachstum durch offene Märkte und durch

Exporte in Verbindung mit einer kooperativen Wirtschaftspolitik und gemeinsamen
industriellen Vorhaben.

Die Erfahrungen der ASEAN-Staaten bestätigen nur das,

was uns der gesunde Menschenverstand sagt:

Daß die mittelamerikanischen Länder

fähig sein müßten, erfolgreich auf den Weltmärkten aufzutreten.
Eine fünfte Überlegung geht dahin, daß wir uns dazu verpflichten sollten, die Vorteile des Handels mit Amerika und amerikanischer privater Investitionen Mittelamerika zugängig zu machen.
Seit Jahren schon weisen uns Kenner Mittelamerikas darauf hin, daß das,
was unsere Nachbarn am meisten wünschen und brauchen, eine langfristige Verpflichtung der Vereinigten Staaten auf ein stabiles Wachstum in diesem Raum
sei.

Das ist der Grund, warum der Präsident sich so stark für die Initiative

im Karibischen Becken engagiert hat.

Die Initiative, von der ich bereits ge-

sprochen habe, ist ein auf 12 Jahre befristetes Erneuerungsprogramm einseitiger Freihandels- und Steueranreize für 27 Länder im karibischen und mittelamerikanischen Raum.

Die Initiative bietet marktorientierte Anreize für In-

vestitionen und anderweitige wirtschaftliche Aktivitäten in dieser Region,
gestützt auf den freien Handel und freie Investitionsströme.

Sie legt das

Schwergewicht auf das private Unternehmertum und auf private

Investitionen

als dem Motor der Entwicklung.

Wir rechnen mit der Bekanntgabe des ersten
- 15 -

�des ersten Empfängerlandes von Hilfe im November, während die Bestimmungen
für den Freihandel in den folgenden 12 Jahren im Januar 1984 in Kraft treten
sollen.
Die karibische Initiative benutzt die normalen Marktkräfte dazu, ein
dieser Region gemäßes Wachstum zu fördern und damit Kapital zu mobilisieren
und dauerhafte Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen.
hen schafft Arbeitsplätze aber keine Abhängigkeit.

Ein solches Vorge-

Meiner Oberzeugung nach

ist diese Initiative typisch für unsere Einstellung zu der Frage einer Förderung des Zukunftswachstums in diesem ganzen Raum.
Meine sechste und letzte Überlegung geht dahin, daß wir mehr tun sollten, um die grundlegenden menschlichen Ansprüche der Völker in Mittelamerika
zu befriedigen.

In weltweitem Rahmen gesehen handelt es sich hier um Länder

mit "mittleren Einkommen".

Allerdings bleibt die Fortsetzung der technischen

Hilfe und anderer Formen der Zusammenarbeit auf den Gebieten der Gesundheit,
der Erziehung und der Bevölkerungspolitik nach wie vor notwendig.

Gerade

weil diese Völker unsere Nachbarn sind, sprechen viele Gründe für besondere
amerikanische Anstrengungen auf diesem Gebiet.
Unsere private Wirtschaft könnte und - davon bin ich fest überzeugt sollte eine wichtige Rolle hierbei spielen: Sowohl unabhängig für sich als
auch in Zusammenarbeit mit dem Amt für Internationale Entwicklung (AID).
Es gibt eine Menge zu tun für Universitäten, für die Wirtschaft, für religiöse Organisationen und selbst für die Kommunal Verwaltungen, die sämtlich
mit parallelen Organisationen und Organen in den mittel amerikanischen Ländern
zusammenarbeiten können. Der Bedarf an besseren Ausbildungsmöglichkeiten,
der Transfer technologischer Kenntnisse, der Ausbau der Gesundheitsdienste
und andere Formen der Zusammenarbeit und Verbesserung der Lebensqualität sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten ist groß.
Die Vereinigten-Staaten befinden sich gegenwärtig auf dem Weg zu einem
anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung, die meisten anderen Industriestaaten sind noch längst nicht so weit.

Es ist unsere Aufgabe, diese Belebung
- 16 -

�diese Belebung der Wirtschaftstätigkeit in einen wahrhaft weltweiten Wirtschaftsaufschwung zu verwandeln, der sich auf ein erneutes Wachstum des Welthandels und der Weltinvestitionen stützt.
Mittelamerika, das den Vereinigten Staaten so nahe liegt und so wichtig für sie ist, muß an diesem Aufschwung voll teilhaben.
nach ist das auch möglich.

Meiner Meinung

Die sechs Überlegungen, die ich hier dargelegt

habe, verfolgen die Absicht, genau dieses zu bewirken.

Mittelamerika kann

eine Abhängigkeit vermeiden, seine private Wirtschaft stärken, die Landwirtschaft ebenso wie die Industrie entwickeln und seinen Außenhandel verstärken,
wenn die Vereinigten Staaten ihrerseits die Öffnung der amerikanischen Märkte
und die Verfügbarkeit amerikanischer Unternehmerinitiative gewährleisten
und ihr Teil dazu beitragen, die grundlegenden Ansprüche der Menschen in
Mittelamerika besser zu erfüllen.
Der Schlüssel zur Schaffung dieser Dynamik ist die Freiheit - die Freiheit von jeglicher Einmischung von außen, die Freiheit von Tyrannei und
die Freiheit, sich schöpferisch zu betätigen. In diesem Sinne hat Präsident
Reagan in seiner Rede vor dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank
am 29. September 1981 erklärt:
"Nur dann, wenn dem menschlichen Geist erlaubt wird, zu erfinden und
zu schaffen, nur dann, wenn dem einzelnen sein persönlicher Anteil an den Entscheidungen der Wirtschaftspolitik und an der Nutznießung ihres Erfolges gegeben wird - nur dann können Gesellschaften wirtschaftlich lebendig,dynamisch,
gedeihlich, fortschrittlich und frei bleiben."
Das ist unser Ziel: Nachbarn, die frei und unabhängig sind. Wollen
wir in ein Zeitalter wirtschaftlicher und politischer Zusammenarbeit eintreten, das sich auf friedliche Entwicklung gründet.

+ + + + +
- 17 -

�5. Oktober 1983

USA ZEIGEN BEI INF- UND START-VERHANDLUNGEN VERSTÄNDNIS
FOR SOWJETISCHE BEDENKEN
- Von unserem diplomatischen Korrespondenten Russell Dybvik -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten sind durch die Vorlage
bedeutsamer neuer Vorschläge in Genf erneut den sowjetischen Bedenken bei
den Verhandlungen zur Begrenzung der nuklearen Mittel Streckensysteme wie
der strategischen Nuklearsysteme entgegengekommen.

Dennoch gibt es auch

weiterhin wenig Hinweise auf eine sowjetische Bereitschaft - insbesondere
im Bereich der nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) -.ernsthaft zu verhandeln.

Die neuen amerikanischen Vorschläge über die Begrenzung der Mittel-

Streckensysteme, wie sie von Präsident Reagan in der vergangenen Woche in
seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen öffentlich angekündigt worden waren, wurden vom sowjetischen Außenminister Gromyko als
"einseitig" zurückgewiesen.
Vor den Vereinten Nationen erklärte der Präsident:

"Die Vereinigten

Staaten streben nach einem gerechten, verifizierbaren Abkommen, das die
Streitkräfte auf niedrigerer Ebene, als dies heute der Fall ist, stabili-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ist, stabilisiert, und werden jedes solches Abkommen akzeptieren."

Er for-

derte die sowjetische Führung auf, dieselbe "Flexibilität" wie die Vereinigten Staaten zu zeigen.

"Wenn die Sowjets sich an den Verhandlungstisch set-

zen und echte Rüstungsverminderungen anstreben, dann wird es Rüstungsverminderungen geben," sagte der Präsident.
fen.

"Die Tür für ein Abkommen ist of-

Jetzt liegt es an der Sowjetunion, einzutreten."
Die neue amerikanische Initiative zur Begrenzung der INF-Raketen soll

den speziellen Besorgnissen entgegenkommen, die von der Sowjetunion bei den
Genfer Verhandlungen zum Ausdruck gebracht wurden.
"Wenn die Sowjetunion Verringerungen und Begrenzungen auf globaler Basis
zustimmt, dann werden die Vereinigten Staaten nicht die ganze weltweite sowjetische Raketendislozierungen durch amerikanische Dislozierungen in Europa
ausgleichen," erklärte Präsident Reagan.

"Die Vereinigten Staaten werden

beiderseits akzeptable Mittel und Wege in Erwägung ziehen, um dem sowjetischen
Wunsch entgegenzukommen, daß ein Abkommen sowohl Flugzeuge als auch Raketen
begrenzen sollte.

Im Zusammenhang mit Verringerungen auf einen beiderseits

gleichen Stand sind wir bereit, die Zahl der PERSHING II-Raketen sowie der
landgestützten Marschflugkörper zu verringern."
Hauptziel der sowjetischen Verhandlungsposition bei den INF-Gesprächen
ist die Verhinderung einer jeglichen Dislozierung neuer amerikanischer
PERSHING II-Raketen und Marschflugkörper, wie dies aufgrund des Beschlusses
vom Dezember 1979, den die Außen- und Verteidigungsminister der NATO gefaßt
hatten, vorgesehen ist. In ihrem Doppelbeschluß fordern die Minister des
Bündnisses die Modernisierung der INF-Streitkräfte der NATO in Europa mittels der Dislozierung von 108 PERSHING II-Raketen und 464 landgestützten
Marschflugkörpern in fünf westeuropäischen Ländern. Die neuen Raketen würden der NATO die Fähigkeit geben, Ziele innerhalb der Sowjetunion von Dislozierungspunkten in Westeuropa aus zu erreichen - eine Kapazität, die die
NATO bislang noch nicht hat.
Gleichzeitig kamen
3

�Gleichzeitig kamen die NATO-Minister überein, daß die Vereinigten Staaten durch RüstungskontrollVerhandlungen eine Begrenzung der Anzahl der landgestützten nuklearen M'ttelStreckensysteme anstreben sollten, die die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten in Europa dislozieren.

Diese Verhandlungen

begannen vor fast zwei Jahren und haben bislang noch zu keinem Abkommen geführt.

Kommt eine Einigung mit der Sowjetunion nicht zustande, sollen die

ersten Dislozierungen neuer amerikanischer Raketen Ende dieses Jahres beginnen.
Das INF-Modernisierungsprogramm der NATO erfolgt als Reaktion auf die
sowjetischen Dislozierungen neuer, mit drei Gefechtsköpfen ausgerüsteter Raketen des Typs SS-20.

Diese Dislozierung begann 1977, und zum Zeitpunkt,

da die NATO-Verbü'ndeten sich auf ihren Modernisierungsplan einigten, waren
bereits 120 sowjetische SS-20 disloziert.
Insgesamt ist die Zahl der einsatzfähig dislozierten SS-20-Raketen mittlerweile auf 351 angestiegen, und amerikanischen Regierungskreisen zufolge
sind mehrere weitere Anlagen im Bau und werden wahrscheinlich noch Ende dieses Jahres oder Anfang 1984 einsatzbereit sein. Innerhalb dieses Zeitraums
hat die Sowjetunion immer wieder die Behauptung aufgestellt, in Europa
existiere bei den nuklearen Mittel Streckensystemen ein "Gleichgewicht",
Dennoch dauerte die Dislozierung ihrer neuen SS-20 unvermindert an - sogar,
als der ehemalige sowjetische Staats- und Parteichef Breschnew Anfang 1982
ein Moratorium bei neuen Dislozierungen verkündete.
In dem ursprünglichen amerikanischen Vorschlag zur Begrenzung der INFRaketen forderte Präsident Reagan die Beseitigung dieser ganzen Waffenklasse . Der Vorschlag wurde jedoch von der Sowjetunion zurückgewiesen.
Im vergangenen Frühjahr schlug Reagan - bei Beibehaltung des langfristigen
Ziels einer Beseitigung aller landgestützten nuklearen Systeme mittlerer
Reichweite - ein Zwischenabkommen vor, das für beide Seiten eine gemeinsame
Obergrenze bei den Raketen vorsah - irgendwo zwischen Null und den insgesamt 572, die beim Modernisierungsprogramm der NATO zur Dislozierung vorge-

�Die neuen amerikanischen Vorschläge dienen dem Zweck, besonderen sowjetischen Bedenken bei den derzeitig in Genf laufenden INF-Verhandlungen gerecht zu werden.

Ob die Reaktion Moskaus am Verhandlungstisch der öffent-

lichen Zurückweisung dieser Vorschläge entsprechen wird, bleibt abzuwarten.
Hohe amerikanische Regierungskreise betonen unterdessen, daß es bei der
Planung zum Beginn der Dislozierung neuer PERSHING II und Marschflugkörper
ab Jahresende keinerlei Änderungen gebe.
"Ich glaube, man kann zurecht sagen, daß die Sowjetunion bei diesen
Verhandlungen noch keinerlei Konzession von Bedeutung gemacht hat," erklärte
ein Regierungsvertreter letzte Woche vor Journalisten.

Und er fügte hinzu:

"Ob es möglich sein wird, ein Abkommen über die Begrenzung der INF-Raketen
vor Beginn der amerikanischen Dislozierungen zu ereichen, hängt wirklich von
der Sowjetunion ab."
In dieser Woche sollen in Genf auch die Gespräche über eine Verringerung der strategischen Rüstung - START - wieder aufgenommen werden, und
der amerikanische Chefunterhändler, Edward Rowny, erklärte hierzu, daß man
in der vierten Runde im Sommer eine gewisse Bewegung sehen konnte und weitere
Bewegung erwartet werde. Rowny erklärte, beide Seiten wollten das Risiko
eines Atomkrieges verringern, und die bisherigen vier Gesprächsrunden seien
"ernst und sachlich" gewesen. Obgleich die Folgen des Abschusses des koreanischen Flugzeuges nicht einfach beiseitegewischt werden könnten, so "haben
wir doch den Eindruck, daß es in unserem besten Interesse liegt, mit der
Rüstungskontrolle fortzufahren," sagte Rowny.
Amerikanische Regierungsvertreter erklärten in diesem Zusammenhang,
daß ein Abkommen bei START vor Jahresende unwahrscheinlich sei, zumal die
Betonung auf der INF-Begrenzung liege. "Wir werden auch weiterhin versuchen,
unsere Meinungsverschiedenheiten abzubauen. Wir haben gezeigt, was uns Sorge
bereitet, und sie haben uns gezeigt, was ihnen Sorge bereitet. Also werden
wir hieran arbeiten," sagte ein Regierungsvertreter hierzu.
Während der
- 4 -

�Während der vierten Verhandlungsrunde legten die Vereinigten Staaten
einen Vertragsentwurf vor, der einschneidende Verringerungen bei den strategischen Atomraketen forderte, und amerikanischen Regierungsvertretern zufolge gab es bei wichtigen Meinungsverschiedenheiten eine Annäherung der Standpunkte.

Der amerikanische Vertragsentwurf strebt Verringerungen der strate-

gischen Waffen an, fordert die gleiche Anzahl von Gefechtsköpfen auf beiden
Seiten und soll global zu größerer Stabilität führen.
Zentrales Element der amerikanischen Position ist der Vorschlag einer
Obergrenze von 5000 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen für jede Seite
- wobei den sowjetischen Unterhändlern mitgeteilt wurde, daß es sich hierbei
um ein "entschiedenes" amerikanisches Ziel handle.
Derzeit verfügt die Sowjetunion über etwa 7900 derartige Gefechtsköpfe,
und die Vereinigten Staaten haben etwa 7200. Während die Vereinigten Staaten die Notwendigkeit für Gleichheit bei den strategischen Streitkräften sowie die Notwendigkeit unterstreichen, zu erhöhter Stabilität zu gelangen,
"sind wir doch darauf bedacht, den Sowjets nicht zu sagen, wie wir im einzelnen umstrukturieren werden," erklärte ein Regierungsvertreter. Dabei verwies er auf eine Reihe konkreter Beispiele, bei denen die Vereinigten Staaten
während der vierten Runde ihre Flexiblität demonstriert hatten, den sowjetischen Bedenken Rechnung zu tragen:
- Die Vereinigten Staaten gaben ihre Forderungen hinsichtlich einer Reihe
von "Untergrenzen" bei mit Mehrfachgefechtsköpfen bestückten Raketen
auf, um den sowjetischen Beschwerden nachzugeben, daß die Untergrenzen
zu restriktiv seien, und schlugen stattdessen eine noch auszuhandelnde
Gesamtziffer für das Wurfgewicht der sowjetischen Raketen - d.h. der
Vernichtungskapazität und des Potentials einer Rakete, die mit einer
oder mehreren Atomwaffen ausgerüstet ist - vor.
- Die Vereinigten Staaten machten das Zugeständnis, daß das vorgeschlagene
Limit beim Wurfgewicht eine "vernünftige Zahl" sein sollte - und nicht
so niedrig zu liegen hätte wie der derzeitige amerikanische Gesamtum- 5 -

�amerikanische Gesamtumfang mit seinen 1,8 Millionen Kilogramm.

Die

Sowjets hatten sich darüber beschwert, daß der ursprüngliche amerikanische Vorschlag zur Verringerung des derzeitigen sowjetischen Wurfgewichts mit seinen insgesamt 5,6 Millionen Kilogramm auf das bestehende amerikanische Niveau "zu restriktiv" sei.
- Die Vereinigten Staaten akzeptierten, die ursprünglich vorgeschlagenen
zwei Phasen der Verhandlungen in eine einzige Phase zusammenzufassen
und es bei den amerikanischen schweren Bombern bei einem Maximum von
20 luftgestutzten Marschflugkörpern (ALCMS) je Flugzeug zu belassen,
um so die sowjetischen Bedenken aus der Welt zu schaffen, wonach der
zweiphasige Verhandlungsvorschlag die sowjetischen ICBM benachteiligt
und die amerikanischen luftgestützten Marschflugkörper nicht ausreichend
begrenzt.
Amerikanische Regierungsvertreter bemerkten auch, daß die Sowjets Flexibilität dabei zeigten, den amerikanischen Bedenken während der letzten Runde
der START-Verhandlungen entgegenzukommen. Moskau ließ seine Forderung fallen, wonach beide Seiten auf ein Maximum von lediglich vier bis sechs neuen,
mit Raketen ausgestatteten Unterseebooten begrenzt bleiben sollte; die Sowjets
ließen außerdem ihre Forderung fallen, wonach die luftgestützten Marschflugkörper auf eine maximale Reichweite von 600 Kilometern begrenzt bleiben
sollten.
In seiner Rede vor den Vereinten Nationen unterstrich Reagan, daß die
Vereinigten Staaten keineswegs ihr Ziel "wesentlicher Verringerungen geändert,
sondern eingesehen (haben), daß es eine ganze Reihe von Wegen gibt, um dieses
Ziel zu erreichen." Er erklärte, daß der amerikanische Vertragsentwurf "auf
Besorgnisse eingeht, die die Sowjets in der Vergangenheit am Verhandlungstisch geltend gemacht haben," und fügte hinzu: "Wir werden auf dieser Initiative weiter aufbauen." Er unterstrich ferner, daß die START-Verhandlungen
sich dringlichst auf die Verringerung der Interkontinentalraketen konzentrieren sollten, die mit großer Geschwindigkeit und Treffsicherheit fliegen und
die "das größte Risiko eines Atomkrieges tragen."
+ + + + +
- 6 -

�5. Oktober 1983

EIN VIERTELJAHRHUNDERT DER ERFOLGE IM WELTRAUM
- US-Weltraumbehörde NASA besteht 25 Jahre -

WASHINGTON - (AD) - Der Mensch stand an der Schwelle des Weltraums, als
der Kongreß am 1. Oktober 1958 das Nationale Amt für Luft- und Weltraumfahrt
- National Aeronautics and Space Administration - NASA - ins Leben rief. Als
es der Sowjetunion ein Jahr zuvor gelungen war, den ersten künstlichen Erdsatelliten - Sputnik - in eine Umlaufbahn um die Welt zu bringen, besannen
sich die Vereinigten Staaten ihres gewaltigen wissenschaftlichen und technologischen Reservoirs, das die neugeschaffene Weltraumbehörde NASA in ungeahnter Weise beflügelte und koordinierte.
Die NASA konnte auf einer bereits seit 1915 bestehenden Einrichtung
- dem Nationalen Beirat für Luftfahrt - National Advisory Committee for Aeronautics - NACA - aufbauen» Der heutige Direktor der NASA, James Beggs, hat
darauf hingewiesen, daß den Vereinigten Staaten ihre führende Rolle in der
Weltraumfahrt und -forschung nicht in den Schoß gefallen ist. "Wir sind so
weit gekommen, weil wir die Vorstellungskraft besaßen, große Träume zu träumen,
und den nationalen Willen, sie wahr zu machen."
Das erste

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Das erste Programm der NASA, Astronauten in den Weltraum zu bringen mit der Bezeichnung MERCURY - begann 1958, Es brachte den Beweis für die
einfachste und doch entscheidendste Tatsache, daß Menschen im Weltraum leben,
essen, trinken, arbeiten und schlafen können»

Und es zeigte auch, daß sich

aus dem Weltraum eine Fülle von Daten über die Erde erschloß,,
Das GEMINI-Programm von 1965 bis 1966 demonstrierte, daß Menschen bis
zu zwei Wochen lang im Weltraum Aufgaben verrichten können, ohne daß schädliche Nachwirkungen eintreten»

Man lernte, sich mit anderen Flugkörpern

zu treffen und "anzudocken" - eine Technik von entscheidender Bedeutung für
das folgende "APOLLO-Programm".
APOLLO war keine kühne, erregende Initiative, die am 21, Mai 1961 von
Präsident John F. Kennedy dem amerikanischen Kongreß vorgetragen wurde.
"Ich meine", so sagte er, "daß sich unsere Nation dazu verpflichten sollte,
das Ziel zu erreichen, daß noch vor Ablauf dieses Jahrzehnts ein Mensch auf
dem Mond landet und sicher zur Erde zurückkehrt.

Kein anderes Weltraumpro-

jekt in dieser Zeit wird für die Menschheit eindrucksvoller und für die langfristige Erforschung des Weltraums wichtiger sein»"
Zehn APOLLO-Flüge bereiteten den Weg für APOLLO 11, den Flug, der dann
zum Ziel führte: Am 20. Juli 1969 setzte der ersten Mensch, der Astronaut
Neil Armstrong, seinen Fuß auf den Boden des Mondes« "Ein kleiner Schritt
für einen Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit", so sagte er. Und
die ganze Welt konnte dies am Fernseher live erleben.
Fünf weitere APOLLO-Missionen erforschten den Mond in all seinen Einzelheiten; was einst reine Phantasie war, wurde zur Routine - man fuhr mit dem
Auto über den Mond.

Im Jahr 1972 kam das Programm zum Abschluß.

Jetzt wandte die NASA ihr Augenmerk einer Raumstation zu, dem "SKYLAB
- dem Himmelslaboratorium. Das SKYLAB bestand im wesentlichen aus der modifizierten dritten Stufe der SATURN-Rakete, die APOLLO zum Mond befördert
hatte. Das erste SKYLAB mit Besatzung wurde im Mai 1973 gestartet. Bis Feb- 2 -

�Bis Februar 1974 wurden drei getrennte Missionen durchgeführt, die 28, 59 und
84 Tage lang dauerten.
Das Projekt SKYLAB erbrachte eine ungeheure Fülle von Informationen
über die Erde und die Sonne.

Experimente für die industrielle und biologische

Forschung brachten einmalige Ergebnisse zum Nutzen des Menschen.

Es zeigte

sich, daß der Mensch bei richtiger Ausbildung, Ernährung und Ausrüstung längere Zeit im Weltraum leben und arbeiten kann.
Im Juli 1975 folgte das APOLLO-SOJUS-Projekt.

Bei dieser ersten inter-

nationalen Weltraummission trafen sich drei amerikanische Astronauten und
zwei sowjetische Kosmonauten im Weltraum und koppelten ihre Raumschiffe in
einer Erdumlaufbahn aneinander.

Internationale Rettungsoperationen und viele

nützliche Experimente waren das Ergebnis dieses Projektes.
APOLLO-SOJUS war für Amerika das Ende der "Wegwerf-Raumschiffe", von
denen noch einige die Erde als "Weltraum-Müll" umkreisen.

Am 12. April 1981

kehrten wieder amerikanische Astronauten mit einer revolutionären Raumfähre
in den Weltraum zurück, mit dem sogenannten "SPACE SHUTTLE".

Dieses Raum-

schiff wird wie eine Rakete gestartet und landet bei seiner Rückkehr wie ein
Flugzeug auf der Erde - und kann vor allem wieder für einen Weltraumflug benutzt werden, wie die Erfahrung gezeigt hat.
Mit der Weltraumfähre hat ein neues Zeitalter der wirtschaftlichen Nutzung der Raumfahrt begonnen - ob Nachrichtensatelliten oder wissenschaftliche
Auftragsexperimente, mit diesem neuen Transportsystem haben sich ungeahnte
Möglichkeiten erschlossen. Die beiden Raumfähren COLUMBIA und CHALLENGER
haben bisher acht Flüge mit insgesamt 26 Astronauten und Spezialisten durchgeführt.
In einer kurzen Würdigung der 25 Jahre Weltraumbehörde können die Projekte zur Erforschung der Planeten nur gestreift werden.

Die Missionen der

Mariner, Pioneer, Viking und Voyager haben bisher ungeahnte Einsichten in

- 3 -

�Einsichten in unsere Planeten Venus, Merkur, Mars, Jupiter und Saturn vermittelt. Und eine Sonde hat unser Sonnensystem sogar verlassen.
Wohl kaum eine "Behörde" kann in 25 Jahren auf einen so gewaltigen Erfolg zurückblicken und ist für so viele Überraschungen für die Zukunft gut.

+ + + + +

�</text>
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          <description>A name given to the resource</description>
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              <text>Amerikadienst 05.10.1983</text>
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          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan und Thatcher bekräftigen amerikanisch-britische Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Abschlusserklärungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Mittelamerika-Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Der Stellvertretende US-Außenminister Dam nimmt zu Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung Mittelamerikas Stellung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA zeigen bei INF- und START-Verhandlungen Verständnis für sowjetische Bedenken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem diplomatischen Korrespondenten Russell Dybvik -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein Vierteljahrhundert der Erfolge im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Weltraumbehörde NASA besteht 25 Jahre -&lt;/em&gt;</text>
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