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                  <text>21. September 1983

38
'0
INHALT

DOKUMENTATION
Scharfe Verurteilung des Flugzeugabschusses durch US-Kongreß
- Reagan begrüßt Resolution -

HINTERGRUNDMATERIAL
Ostpolitik mit klarem Kopf
- Von US-Staatssekretär Lawrence S. Eagleburger Menschenrechtsverletzungen in Nicaragua vor US-Kongreßausschuß
Deutsch-amerikanische Vorbilder

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kranke Umwelt - welche Therapie?
- Umfassendere praktische Gegenmaßnahmen und noch mehr
Forschung vordringlich •

Von G. Weiss

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

21. September 1983

38

SCHARFE VERURTEILUNG DES FLUGZEUGABSCHUSSES DURCH US-KONGRESS
- Reagan begrüßt Resolution -

WASHINGTON - (AD) - Mit aller Schärfe hat der amerikanische Kongreß den
Abschuß der koreanischen Linienmaschine durch sowjetische Abfangjäger verurteilt.

Das amerikanische Repräsentantenhaus nahm am 14. September 1983 eine

entsprechende Resolution mit 416 zu null Stimmen an, im Senat wurde sie einen
Tag später mit 95 zu null Stimmen verabschiedet.
Die Resolution hat folgenden Wortlaut:
In Anbetracht der Tatsache:
daß die Vereinigten Staaten gemeinsam mit der Völkergemeinschaft ihre
Empörung über die Maßnahmen der sowjetischen Regierung am 31. August 1983
zum Ausdruck gebracht haben, die zur Zerstörung der koreanischen Passagiermaschine des Fluges 007 und zum Tode von 269 unschuldigen Menschen führte;
daß diese Maschine versehentlich in den sowjetischen Luftraum geriet;
daß die

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D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�daß die sowjetischen Stellen diesen Flug mehr als zwei Stunden lang verfolgten, sich jedoch nicht an die allerseits anerkannten internationalen Verfahren hielten, die dazu gedacht sind, ein vom Kurs abgeirrtes Flugzeuge zu
warnen und das Leben seiner Passagiere zu schützen;
daß ein sowjetischer Abfangjäger zwei Luft-Luft-Raketen auf die koreanische Passagiermaschine abschoß und das unbewaffnete, klar als Zivilmaschine
erkennbare Flugzeug mit 269 unschuldigen Männern, Frauen und Kindern aus 14
Ländern an Bord, darunter 61 unserer Landsleute, zerstörte;
daß sich unter den Opfern ein hervorragendes Mitglied des Kongresses,
der Abgeordnete Larry P. McDonald, befand;
daß die höchsten Stellen der sojwetisehen Regierung gelogen haben in dem
Versuch, diesen gewissenlosen Akt zu rechtfertigen, und auch weiterhin den Zugang zu dem Absturzgebiet verweigern;
daß die sowjetische Regierung öffentlich ihre Absicht erklärt hat, eine
solche mörderische Handlung zu wiederholen, wenn eine andere Passagiermaschine versehentlich in sowjetischen Luftraum gerät; und
daß dieser kaltblütige, barbarische Angriff auf ein Verkehrsflugzeug
eine der schändlichsten und verwerflichsten Handlungen in der Geschichte
darstellt;
sei es also durch das Repräsentantenhaus und den Senat des Kongresses
der Vereinigten Staaten beschlossen, daß die Vereinigten Staaten hiermit:
1. das sowjetische Verbrechen der Zerstörung der koreanischen Verkehrsmaschine und der Ermordung von 269 unschuldigen Menschen an Bord verurteilen;
2. von der Sowjetunion eine vollständige und rückhaltlose Aufklärung
dieses brutalen Massakers verlangen;
3. den Familien,

�3. den Familien, die ihre Angehörigen verloren haben, ihr tiefstes
Mitgefühl aussprechen und deren Ansprüche auf Entschädigung durch die
Sowjetunion unterstützen;
4. die Sowjetunion auffordern, internationale Bemühungen zur Bergung
der Opfer zu unterstützen;
5. eine internationale Untersuchung dieses abscheulichen Zwischenfalls
durch die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) verlangen;
6. ihre Absicht erklären, zusammen mit der Völkergemeinschaft die Sowjetunion aufzufordern, ihre Luftverteidigungsverfahren und -praktiken zu modifizieren, um die Sicherheit der Flüge von Verkehrsmaschinen zu garantieren;
7. die Feststellung treffen, daß dieses tragische Ereignis sowie die
Weigerung der sowjetischen Regierung, die Verantwortung für dieses willkürliche Verhalten zu übernehmen, es für die Vereinigten Staaten und andere
Länder schwieriger machen, die Sowjetunion als ein verantwortungsbewußtes
Mitglied der Völkergemeinschaft zu akzeptieren; und
8. unsere Verbündeten sowie andere Länder auffordern, gemeinsam mit den
Vereinigten Staaten weiterhin zu verlangen, daß die sowjetische Regierung
sich eindeutig für ihre Maßnahmen entschuldigt, die Familien der unschuldigen Opfer entschädigt und sich bereit erklärt, sich an die international anerkannten und fesgelegten Verfahren zu halten, die ja dem Zweck dienen sollen,
solche Tragödien zu verhindern.

+ + +

Präsident Reagan

�Präsident Reagan begrüßt Kongreßresolution
Präsident Reagan hat die Verabschiedung der Resolution des amerikanischen
Kongresses begrüßiund unterstrichen, der Kreml wisse jetzt, daß es bei der Reaktion der Vereinigten Staaten auf sowjetische Aggressionshandlungen keine Parteien, sondern nur Amerikaner gebe, die entschlossen seien, ihre Freiheit zu
schützen und den Frieden zu sichern.
Die am 15. September 1983 vom Weißen Haus veröffentlichte Erklärung
Reagans hat folgenden Wortlaut:
Im Namen aller Amerikaner begrüße ich die überwältigende, überparteiliche
Unterstützung einer Resolution des Repräsentantenhauses und des Senats, in
der die Ermordung von 269 unschuldigen Menschen an Bord der koreanischen Passagiermaschine durch die Sowjetunion verurteilt wird.

Dieser willkürliche, bar-

barische Akt verletzt die grundlegendsten Prinzipien des Völkerrechts und der
Moral - die Unverletzlichkeit des menschlichen Lebens.
Der Kreml weiß es jetzt: Wenn es darum geht, auf seine Aggression zu
reagieren, dann gibt es keine Republikaner oder Demokraten - nur Amerikaner,
die geeint und entschlossen sind, unsere Freiheit zu schützen und den Frieden
zu sichern.
Ich fordere das amerikanische Volk auf, jetzt an der Seite der Familien
zu stehen, die ihre Angehörigen verloren haben.
der zivilisierten Welt appellieren:

Und laßt uns an das Gewissen

Die Passagiere der koreanischen Verkehrs-

maschine dürfen niemals vergessen werden.

Wir dürfen auch nicht ruhen, so-

lange die Welt es nicht verhindern kann, daß ein solches Verbrechen gegen die
Menschlichkeit noch einmal geschieht.

+ + + + +

�21. September 1983

38

OSTPOLITIK MIT KLAREM KOPF
Von US-Staatssekretär Lawrence S. Eagleburger

Der Autor ist Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium.

- (AD) - Wie notwendig eine gute Sachkenntnis ist und wie teuer die Unkenntnis kommt, ist selten mit größerer Deutlichkeit illustriert worden als
in den vergangenen zwei Wochen.

Der Abschuß eines unbewaffneten Zivilflug-

zeugs und der Mord an 269 unschuldigen Menschen durch die Sowjets war eines
jener Ereignisse, das wirklich die ganze Welt schockiert hat. Und noch erschütternder ist die Art und Weise, wie die Sowjets auf die Tat reagierten.
Sie hätten den Schaden für sich in Grenzen halten können, wenn sie erklärt
hätten, es habe sich um einen sei,recklichen Fehler gehandelt.
Sie hätten ihr tiefes Bedauern zum Ausdruck bringen und Schadensersatz
anbieten können - und sie hätten Schritte ankündigen können, die gewährleistet
hätten, daß sich so etwas nie mehr ereignen kann.

Die Tatsache, daß sie nicht

auf diese Weise reagierten, daß sie nur zögernd und verspätet eingestanden,
was die ganze Welt wußte, und daß sie den Versuch unternahmen, ihr unentschuld-

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Telex: 8-85432

�ihr unentschuldbares Handeln dadurch zu rechtfertigen, daß sie den Vereinigten Staaten gegenüber lächerliche Unterstellungen vorbrachten, sagt mehr darüber, wie ihr System funktioniert, als alles, was wir dazu sagen könnten.
Am ungeheuerlichsten ist wohl, daß sie erklärten, sie würden es unter gleichen
Umständen wieder tun - und dies sogar im Wissen darum, daß es sich um ein Zivilflugzeug handelte.

Es ist schwierig, sich eine Reaktion vorzustellen, die

kriegerischer, verlogener, uneinsichtiger und noch unbefriedigender wäre als
die Haltung, die derzeit die sowjetische Regierung einnimmt.

Ich kann mich

kaum erinnern, daß die grundlegenden Unterschiede zwischen unseren Gesellschaftssystemen, unseren EntScheidungsprozessen und unserer Einstellung

ge-

genüber dem Leben des Einzelmenschen jemals so deutlich demonstriert wurde.
Diese Tragödie war und ist jedoch nicht allein oder hauptsächlich eine
amerikanisch-sowjetische Frage. Es ist eine Frage, zu der Regierungen und
private Organisationen in der ganzen Welt mit einer Stimme gesprochen haben,
um diese Ungeheuerlichkeit zu verurteilen. Gerade v/eil dies nicht zuvörderst
eine amerikanisch-sowjetische Angelegenheit war, waren die von uns vorgeschlagenen Schritte verantwortungsvoll und zurückhaltend. Obgleich sich manche
Leute für weitergehender; I • nahmen aussprachen, waren wir doch stets der Meinung, daß das kombinierte Gewicht der Weltmeinung, kollektiv und separat vorgetragen, mehr Wirkung auf die Sowjets haben und noch deutlicher ihre Isolierung zeigen würde. Wir sind über die bislang ergriffenen Schritte befriedigt.
Und noch immer kündigen Piloten und Regierungen in der ganzen Welt neue Maßnahmen an. Die internationale Gemeinschaft sollte auch weiterhin auf eine unparteiische Untersuchung, auf angemessene Entschädigung und auf konkrete
Schritte drängen, die sicherstellen, daß ein solches Ereignis einfach nicht
mehr stattfinden kann. Es darf nicht sein, daß die Sowjetunion einerseits
Vorteile aus dem internationalen Zivilluftfahrtsystem zieht und andererseits
auch weiterhin eine Bedrohung seiner Integrität und Sicherheit darstellt.

Wenn es aber auch unvermeidlich ist, daß dieses Ereignis seine Kreise
ziehen wird, so ändert es doch nicht das Bild, das sich die Reagan-Administration von der Sowjetunion macht und das sich entsprechend in ihrer Politik

�ihrer Politik widerspiegelt.

Vor diesem Ereignis wurden wir deswegen kri-

tisiert, daß wir offen über den sowjetischen Mangel an Mäßigung sprachen,
über die sowjetische Weigerung, Normen des zivilisierten Verhaltens zu akzeptieren.

Wir hoffen, daß derartige Kritik jetzt nachlassen wird, daß man-

che Leute jetzt realistischer werden und daß nicht länger behauptet wird, wir
könnten nicht beides zugleich sein - freimütig hinsichtlich der sowjetischen
Bedrohung und ernsthaft hinsichtlich der Verhandlungen.
hin beides sein.

Wir müssen auch weiter-

Denn auch dieses Ereignis ändert nicht die grundlegende Tat-

sache, daß wir und die Sowjets auch weiterhin denselben kleinen Planeten Erde
bewohnen und daß wir aus der Notwendigkeit heraus weiterhin mit Moskau über
eine ganze Reihe von Fragen verhandeln müssen.
Vor dem Morgen des 1. September war etwas in Bewegung geraten,und wir
sahen Möglichkeiten für bedeutsame Ergebnisse.

Die letzte Sitzung der START-

Verhandlungen war bei weitem die produktivste,und es gab auch bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Eun
(MBFR) eine gewisse Bewegung.
war gelöst.

Das langanstehende Problem der Pentecostalisten

Wir hatten Verhandlungen über ein Abkommen für einen neuen Kultur-

austausch sowie die Errichtung neuer Konsulate vorgeschlagen, und die Sowjets
hatten dies akzeptiert.

Wir sprachen über von den Vereinigten Staaten vorge-

schlagene vertrauensbildende Maßnahmen.

Die Vereinigten Staaten hatten ein

neues langfristiges Getreideabkommen unterzeichnet und das Madrider Schlußdokument abgeschlossen.

Aber der Flug der KAL 007 stand nicht auf unserer

Tagesordnung.
Wir haben beschlossen, die RüstungskontrollVerhandlungen fortzusetzen.
Botschafter Paul Nitze ist nach Genf zurückgekehrt, um sich weiter darum zu
bemühen, ein Abkommen über die Begrenzung der nuklearen Mittel Streckensysteme
zu erreichen, das ausgewogen und verifizierbar ist.

Wir tun dies nicht, um

den Sowjets einen Gefallen zu erweisen,sondern in unserem eigenen Interesse
und im Interesse aller Menschen dieser Welt, damit sichergestellt wird, daß
wir nicht alle durch Konfrontation, Fehlkalkulation oder Dummheit in einen
Abgrund gestoßen werden.

Wir versuchen das,und wir werden das weiterhin ver-

suchen, weil wir keine andere Wahl haben.
- 3 -

In anderen Bereichen, insbesondere

�Bereichen, insbesondere in jenen, bei denen es um normale bilaterale Fragen
geht, werden wir sicherlich kürzer treten.
Die Einstellung dieser Administration zu den Beziehungen zur UdSSR war
stets von nüchternem Realismus hinsichtlich der Natur und des Umfangs der
Herausforderung getragen, vor der wir stehen, sowie hinsichtlich der Schwierigkeit und der Dringlichkeit, sich ihr wirksam zu stellen, während wir
gleichzeitig sehen, daß unsere Sicherheit wie auch die Sicherheit der gesamten Menschheit es für uns erforderlich machen, auf ein stabileres und kooperativeres Verhältnis hinzuarbeiten.

Wir geben uns keinerlei Illusionen hin,

daß wir uns auf den sowjetischen guten Willen verlassen oder unser Vertrauen
in die sowjetischen Versprechungen hinsichtlich eines Wohl Verhaltens setzen
können.

Denn der böse Wille der Sowjets ist schon seit zu langer Zeit deut-

lich, und wir kennen nur zu genau die Liste der militärischen Expansionen
Moskaus und die Bedrohungen, die sie für unsere Interessen darstellen.
Infolgedessen haben wir immer wieder erklärt, daß wir die amerikanischsowjetischen Beziehungen aus einer Position der Stärke gestalten müssen. Für
Präsident Reagan ist es in Zusammenarbeit mit dem Kongreß eine der obersten
Prioritäten seiner Administration, Amerikas wirtschaftliche und militärische
Macht wiederherzustellen und Amerikas politisches Selbstvertrauen und politische Entschlossenheit wieder neu zu beleben. Unserer Meinung nach können
wir nur von einer solchen Grundlage der erneuerten Stärke aus hoffen, das
sowjetische Abenteurertum abzuschrecken und zu begrenzen und die Sowjets in
einen potentiell konstruktiven Dialog einzubeziehen - einen Dialog, der uns
zu ausgewogener, politischen Lösungen der anstehenden Probleme führen könnte.
Wir sind zutiefst an solchen Lösungen interessiert. Wir haben nie die
amerikanisch-sowjetische Konfrontation gesucht, und wir suchen sie auch heute
nicht. Ganz im Gegenteil, letzteres kann uns nur von der Erreichung der
Ziele abbringen, die wir letztlich in der Weltpolitik anstreben: Frieden,
wirtschaftlichen Fortschritt, nationale Unabhängigkeit und die Freiheit des
einzelnen. Eine stabile und friedliche Weltordnung macht es nicht notwendig,

�nicht notwendig, daß wir und die Sowjets hinsichtlich der philosophischen und
ethischen Prinzipien einer Meinung sind.

Sie macht lediglich notwendig, daß

Moskaus Verhalten sich einer Verantwortung unterwirft, die der Tatsache angemessen ist, daß wir diesen Planeten in einem Atomzeitalter gemeinsam bewohnen.

Wir wissen, daß viele der äußeren und inneren Faktoren, die das sowje-

tische. Verhalten beeinflussen, jenseits unserer Einflußnahme liegen. Aber
unsere Verpflichtungen gegenüber unserer eigenen Sicherheit und dem Frieden
und Wohlergehen unserer Freunde und Verbündeten macht es absolut notwendig,
daß wir Moskau keine Wahl lassen, außer zu einem Wettbewerb anzutreten, der
einen weniger zerstörerischen Charakter hat und ohne den rücksichtslosen und
aggressiven Einsatz von Gewalt vor sich geht.
Kurz: Wir sind bereit, legitime Sicherheitsinteressen der Sowjetunion
zu respektieren und sie als die Supermacht zu behandeln, die sie ist. Aber
wir können und werden nicht zu Moskaus Versuchen schweigen, die sowjetische
Sicherheit auf eine Weise zu definieren, die so grenzenlos, so selbstbezogen
und so zynisch ist, daß sie eine Gefahr für andere Länder darstellt - oder
eine Rechtfertigung für solch unverzeihliche Aktionen wie den Abschuß des
Flugzeugs KAL 007.
Bei der Gestaltung unserer Strategie gegenüber der Sowjetunion haben
wir die folgenden Ereignisse und Trends mit in unsere Rechnung einbezogen:
Erstens; die anhaltende militärische Aufrüstung der Sowjetunion auch
angesichts zunehmender wirtschaftlicher Schwierigkeiten.

Seit 15 Jahren

geben die Sowjets durchschnittlich etwa 13 - 14 Prozent ihres Bruttosozialproduktes für die Verteidigung aus. Währenddessen hat noch bis vor kurzem
der Anteil unseres Bruttosozialproduktes, der für Verteidigungsausgaben aufgewendet wurde, innerhalb des gleichen Zeitraums abgenommen.
Zweitens; die sowjetische Verwicklung, sei es direkt, sei es indirekt,
in Unruheherden der Dritten Welt war nicht hilfreich. Waffen sind bei der
Sowjetunion mehr als bei jedem anderen Land größter Bestandteil der Exporte.
Daneben hat sie zusammen mit örtlichen Stellvertretern in Teilen Afrikas,
- 5 -

�Teilen Afrikas, im Mittleren Osten, in Slidostasien und in Mittelamerika die
Rolle des Störers übernommen.
dringung

Am deutlichsten hat sie sich jedoch als Ein-

dadurch dargestellt, daß sie rund 100 000 Soldaten in dem Versuch

nach Afghanistan gesandt hat, dieses Land zu besetzen und zu kontrollieren.
Drittens; die Härte und der Zwang der sowjetisehen Kontrolle über ihre
osteuropäischen Nachbarn.

Seit dem Aufstieg der Gewerkschaftsbewegung

Solidarität wurden auf dramatische Weise sowohl Hoffnungen als auch Grenzen
deutlich, mit denen die Völker dieser unglücklichen Region leben müssen.

Wir

schieben jedoch die Schuld für Handlungen des Herrschers nicht auf die Beherrschten, und wir waren daher stets bemüht, gegenüber den Staaten Osteuropas eine
differenzierte Politik zu betreiben.
Viertens; die sowjetische Haltung hinsichtlich der Einhaltung von Verträgen und Abkommen.

Die Schlußakte von Helsinki und die Nachfolgekonferenz

von Madrid haben auf dramatische Weise den Gegensatz aufgezeigt zwischen den
sowjetischen Verpflichtungen einerseits und ihrer Menschenrechtspolitik
und Menschenrechtspraktiken andererseits.

Im Bereich der Rüstungskontrolle

sind wir in zunehmendem Maße besorgt darüber, daß die Sowjets zumindest den
Geist, womöglich auch den Buchstaben von Abkommen und Vereinbarungen,gebrochen
haben.

Solche Handlungsweisen zerstören die Grundlage für das internationale

Vertrauen und tragen auch zu der Erklärung bei, warum wir auf strikteren Maßnahmen der Verifizierbarkeit bei allen neuen Vereinbarungen bestehen müssen.
Unsere Strategie ist so entworfen, daß sie auf diese Herausforderungen
reagieren kann.

Unser Bestreben ging und geht dahin, für die folgenden Maß-

nahmen einen breiten nationalen Konsens zu finden:
- Erstens; Wiederherstellung des militärischen Gleichgewichts:

Hauptziel

unserer nationalen Sicherheit ist die Abschreckung vor einem Krieg. Die
Bewahrung und Wiederherstellung des strategischen Gleichgewichts ist
eine Voraussetzung für die Abschreckung. Aber dieses Gleichgewicht formt
zugleich Kontext und Perspektive, innerhalb derer unsere Außenpolitik in
der ganzen Welt betrieben wird.
- Zweitens; Stärkung
- 6 -

�- Zweitens; Stärkung unserer Bindungen zu unseren Verbündeten:

Unser

Dialog mit unseren NATO- und ANZUS-Verbündeten und Japan war zu keiner
Zeit lebhafter.

Wir sind uns gelegentlicher Meinungsunterschiede wohl

bewußt, und ich möchte ihre Bedeutung nicht herunterspielen.

Aber wir

müssen erkennen, daß die Stärke unseres Bündnissystems in der Stärke und
in dem Vertrauen eines jeden Beteiligten verwurzelt ist. Wir sind Partner aus freier Wahl, nicht aus Zwang, und das ist es, was unsere Verbündeten weit mehr als alles andere gegenüber jenen Moskaus auszeichnet.
- Drittens; standhafte und flexible Reaktion auf regionale Krisen:
Wir behaupten nicht, daß alle Krisen überall auf dieser Welt von Moskau
verursacht oder kontrolliert werden. Aber wir erkennen in allzu vielen
Fällen eine sowjetische Hand, die eher öl ins Feuer gießt, als sich um
Lösungen zu bemühen.
Ich brauche die Liste der derzeitigen Unruheherde nicht aufzuzählen,
aber ich kann sagen, daß die Vereinigten Staaten überall dort Versuche unternehmen, echten Frieden, Selbstbestimmung und Freiheit zu erreichen. Und in
allen diesen Bereichen ist die Sowjetunion in dem Versuch begriffen, militärische Mittel einzusetzen, um eine marxistisch-leninistische Diktatur herbeizuführen.
Wir sind bemüht, mit den Sowjets direkt einen ausgewogenen Dialog herbeizuführen, der vier grundlegende Komponente

beinhaltet: Menschenrechte,

Rüstungskontrolle, regionale Fragen und bilaterale Probleme.
Hinsichtlich der Menschenrechte sind wir ernsthaft darüber besorgt, daß
die Zahlen derjenigen, die aus der UdSSR ausreisen dürfen, auf ihren niedrigsten Stand seit den sechziger Jahren abgesunken sind und daß diese Beschränkungen zusammenfallen mit härteren Restriktionen gegenüber allen Formen der
Meinungsfreiheit im Inneren. Zusammen mit dem Anstieg eines offiziell tolerierten Antisemitismus spiegeln diese Entwicklungen eine Mißachtung der sowjetischen Behörden gegenüber den legitimen Menschenrechtsinteressen ihrer Bürger
wie auch gegenüber der Weltmeinung wider. Wir sind natürlich mehr an konkreten
- 7 -

�an konkreten Ergebnissen als an öffentlichen Erklärungen interessiert und
werden daher auch weiterhin auf Fortschritte in diesem Bereich drängen.
Was die Rüstungskontrolle anbelangt, so sind wir auch weiterhin ernsthaft an fairen Abkommen interessiert.

Die Verhandlungen über die Verringe-

rung der strategischen Systeme, der in Europa stationierten Raketen und der
konventionellen Streitkräfte in Mitteleuropa werden weitergeführt, und wir
hoffen, daß all diese Gespräche solide Ergebnisse zeitigen werden.

Ich bin,

offen gesagt, nicht optimistisch, was die nahe Zukunft anbelangt, aber ich
bin von der Notwendigkeit überzeugt, das Wettrüsten unter Kontrolle zu bringen und umzukehren.

Ich bin überzeugt, daß die von uns eingenommene Haltung

am ehesten dieses Ergebnis erbringen wird.
Hinsichtlich der regionalen Fragen sprechen wir mit den Sowjets über
Afghanistan und das südliche Afrika und über allgemeinere geopoütische
Fragen.

Ich bedaure, daß diese Gespräche, obgleich insgesamt gesehen nütz-

lich und informativ, seitens der Sowjets nicht die Maßnahmen hervorgebracht
haben, die zu einer kurzfristigen Lösung der Probleme beitragen könnten.
In bilateraler Hinsicht haben wir es geschafft, einen Dialog - wenn
auch in begrenztem Umfang - beizubehalten. Die Handelsbeziehungen haben
sich verbessert,und das kürzlich abgeschlossene Getreideabkommen wird sicherstellen, daß die amerikanischen Farmer in den kommenden Jahren ihren Anteil
am sowjetischen Getreidehandel bekommen werden. Leider müssen unsere Anstrengungen zur Ausweitung des offiziellen Austauschprogramms ausgesetzt werden,
aber es bleibt in unserem Interesse, unseren Zugang zur sowjetischen Gesellschaft zu erweitern und sowjetische Bürger mit der Wirklichkeit der amerikanischen Gesellschaft zu konfrontieren.
Der Abschuß des KAL-Flugzeuges und die sowjetische Behandlung des Falles
werfen einen Schatten über die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.

Es be-

stehen keine ernsthaften Aussichten, daß sich das Verhältnis sehr bald verbessern wird.

Die sowjetische Reaktion zeigt bislang eine solch bemerkens-

werte Gefühllosigkeit, daß sie zu wirklichen Sorgen darüber Anlaß gibt, wie in
- 8 -

�wie in diesem geschlossenen System Entscheidungen getroffen werden und wie
die Politik formuliert wird.

Aber wir sind hinsichtlich unserer Fähigkeit

zuversichtlich, unsere Interessen zu verteidigen; hinsichtlich der Vernunft
des Kurses, den wir abgesteckt haben; und - was am wichtigsten ist - hinsichtlich der Unterstützung der klarsichtigen Politik Präsident Reagans durch
das amerikanische Volk.

Wir sind zuversichtlich, daß wir durch den standhaf-

ten Verfolg dieser Politik in der Lage sein werden, Moskau davon zu überzeugen, daß es auch in seinem besten Interesse liegt, größere Zurückhaltung zu
üben und verantwortlicher zu handeln, wie es im Einklang mit seiner militärischen
Macht stünde.
Lassen Sie mich in einem etwas philosophischeren und letztlich auch
hoffnungsvollen Ton schließen. Manche Leute im Westen reagierten zunächst
damit, daß sie diese Gewalttat der Sowjets als Ergebnis einer jahrhundertealten sowjetischen und russischen Paranoia und einer tiefverwurzelten Unsicherheit zu entschuldigen suchten. Aber - so der Historiker Isaiah Berlin mit dem Triumph über Napoleon "sah sich Rußland als eine Großmacht im Herzen
Europas, war sich seiner vernichtenden Stärke bewußt, dominierte die gesamte
Szene und wurde von den Europäern mit einem gewissen Schrecken und mit großer
Zurückhaltung nicht nur als ihresgleichen, sondern als ihnen durch die reine
Gewalt überlegen akzeptiert."
Dieser Angriff auf ein friedliches Flugzeug wurde eher durch Arroganz
und durch ungezügelte Macht verursacht als durch irgendwelche Schwäche.
Aber dann würde die gleiche Denkschule wohl auch argumentieren, daß dies eben
zu der Art der Russen gehöre - daß sie Barbaren und Sklaven seien und blieben.
Das ist ein Rezept für eine endlose Feindschaft zwischen unseren beiden Nationen und für permanente Hoffnungslosigkeit. Derlei weise ich mit Nachdruck
zurück.
Neue Generationen wachsen in der Sowjetunion heran, die erfüllt sind
vom Besten ihres geschichtlichen Erbes. Und aus ihrer Literatur des 19. Jahrhunderts lesen sie die Worte Alexander Herzens:
Augen öffnen, nicht sie ihm ausreißen."
- 9 -

"Man muß dem Menschen die

Und sie lesen Turgenjew:

"Meine Hin-

�"Meine Hingabe gilt Europa, oder, um es genauer zu sagen, der Zivilisation.'1
Keine Nation, die heute 10 000 politische Gefangene hat, besteht nur aus
Schafen.

Keine Nation, aus der Menschen wie Sacharow und Schtscharanski hervor-

gehen, kann für immer unter einer Diktatur gehalten werden.
Es muß langfristig unsere Hoffnung und Überzeugung sein, daß der Mut
des Volkes der Sowjetunion letztlich zu einem Regierungssystem führt, das
sich nicht auf Gewalt stützen muß, um sein eigenes Volk zu regieren oder in
der ganzen Welt die Herrschaft der Diktatur zu betreiben.

Das ist

vielleicht

der all erwichtigste Grund dafür, daß wir unsere Kontakte mit den Menschen in
der Sowjetunion aufrechterhalten müssen - durcf Rundfunksendungen oder unmittelbar.

Um die Gefahr eines Atomkrieges wirklich zu beseitigen, müssen

wir uns auf eine Welt

-ubewegen, die sich auf demokratische Regierungen grün^-

det, die ihrer Natur nach der Herrschaft des Rechts gehorchen.
•

• - &lt; • &gt;

-

. &lt;

+ + + + +

- 10 -

�21. September 1983

38

MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IN NICARAGUA VOR US-KONGRESSAUSSCHUSS

WASHINGTON - (AD) - Mit den Menschenrechtsverletzungen in Nicaragua hat
sich dieser Tage ein Unterausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses
in einer Anhörung befaßt. Dabei kam insbesondere das Schicksal der Miskito-,
Sumo- und Rama-Indianer zu Sprache, deren Leben und Sicherheit durch das
sandinistische Regime bedroht seien, wie die Direktorin der Internationalen
Liga für Menschenrechte, Feiice Gaer, ausführte.
Danach wurden mehr als 14 000 Indianer durch das sandinistische Regime
zwangsumgesiedelt, Tausende flohen aus Nicaragua, und 39 Indianerdörfer wurden zerstört.

Die Menschenrechtsverletzungen in Nicaragua, so sagte die Di-

rektorin, drohten das Land in eine "lange, dunkle Nacht" zu stürzen, wie es
auch schon unter dem Somoza-Regime der Fall gewesen sei.
Ähnlich äußerten sich andere Zeugen, die vor dem Unterausschuß aussagten, darunter der Professor für Geschichte an der Georgetown-Universität,
Luis Aguilar, der Präsident des Rates für Interamerikanische Sicherheit, Lynn
Francis Bouchey, sowie die Exilnicaraguanerin, Adriana Guillen, die einst die
Sandinisten unterstützt hatte.
Frau Guillen,

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Frau Guillen, Gründerin

des amerikanisch-nicaraguanischen Ausschusses

für Menschenrechte, erklärte, die Sandinisten betrieben eine "systematische
Politik der Ausrottung" gegenüber den an der Atlantikküste des Landes lebenden Minderheitsgruppen.

Zu dieser Politik gehörten Verfolgung aus religiö-

sen Gründen, Enteignung, Folterung, Zwangsarbeit, Konzentrationslager und
Mord.

Aber auch gegenüber Nicaraguanern, die nicht zu Minderheitsgruppen

gehörten, käme es zu Verletzungen der Menschenrechte, sagte Frau Guillen
weiter, wobei sie auf die öffentliche Demütigung katholischer Priester sowie
auf die Ermordung des Leiters des Rates für Privatunternehmen (COSEP), Jorge
Salazar, verwies. Sie forderte den amerikanischen Kongreß auf, die antisandinistischen Kräfte in Nicaragua zu unterstützen und die "sandinistische
Tyrannei" zu verurteilen.

Dies wäre ein "unschätzbarer Dienst an der Entwick-

lung der Demokratie in Mittelamerika und der Sicherheit der westlichen Hemisphäre".
Der Präsident des Rates für Interamerikanische Sicherheit, Bouchey, sah
in der Flucht von Tausenden von Nicaraguanern nach Honduras den Beweis für
das Versagen des sandinistischen Regimes, das seine Versprechungen nicht eingehalten habe.

Er forderte den Unterausschuß auf, sich für eine Sondersit-

zung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) einzusetzen, damit die
Sandinisten Rede und Antwort dafür stehen könnten, warum sie ihre der OAS gemachten Zusagen nicht eingehalten haben.
Am 4. und 5. Oktober will der Unterausschuß des Repräsentantenhauses
Anhörungen über die Menschenrechtssituation in Chile, Argentinien und Uruguay
durchführen.

Menschenrechtsgruppe kritisiert Sandinisten
Die Unterdrückung der Demokratie in Nicaragua durch die Sandinisten und
deren Mißachtung der Menschenrechte wurde auch auf einem Seminar der Menschenrechtsgruppe "Resistance International" (RI) in der venezolanischen Hauptstadt

�venezolanischen Hauptstadt Caracas kritisiert, an der auch das ehemalige
Mitglied der sandinistischen Junta und jetzige Führer der Demokratischen Revolutionären Allianz (ARDE), Alfonso Robelo, teilnahm.

Robelo sagte, die

jetzige Regierung von Nicaragua habe keinerlei Absicht, sich um irgendwelche
Abkommen zu bemühen.

Die Sandinisten hätten auch nicht an Zusammenkünften

teilgenommen, auf denen über Lösungen der bestehenden Probleme diskutiert
worden sei.

Robelo betonte, daß seine Organisation gezwungen worden sei,

zu den Waffen zu greifen, weil die Sandinisten zum Dialog nicht bereit seien.
Auf diesem Seminar wurde ebenfalls auf das schwere Schicksal der indianischen Bevölkerung Nicaraguas hingewiesen. Ein Führer der Miskito-Indianer,
Stedman Fagoth, sagte, daß gerade die indianische Bevölkerung des Landes unter
der Verfolgung der Sandinisten zu leiden habe. Allein 20 000 Indianer seien
nach Honduras geflohen und lebten dort in Flüchtlingslagern. Weitere 25 000
Indianer seien in Nicaragua in Konzentrationslager gesperrt worden.
Die Organisation "Resistance International" war im Mai vergangenen
Jahres von dem kubanischen Dichter Armando Valladares und dem sowjetischen
Dissidenten Wladimir Bukowsky in Paris ins Leben gerufen worden.

- 3 -

�21. September 1983

DEUTSCH-AMERIKANISCHE VORBILDER

Dies ist der fünfte von sechs Artikeln
über die Deutschen in Amerika, die wir
im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten
anläßlich des 300. Jahrestages deutscher
Einwanderung in Amerika bis zum 6. Oktober veröffentlichen.

- (AD) - Die Geschichte der Deutschen in Amerika, die in drei Jahrhunderten dorthin auswanderten, ist mit einer Vielzahl großer Taten angefüllt,
die auf den unterschiedlichsten Gebieten vollbracht wurden. Jedoch hat keines
dieser deutsch-amerikanischen Vorbilder mehr Ruhm erlangt als jene, die ihre
Fähigkeiten, in vielen Fällen sogar ihr Leben, für den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg einsetzten. Die Namen vieler Deutsch-Amerikaner sind noch
heute in den amerikanischen Geschichtsbüchern zu finden.
Eine dieser großen Persönlichkeiten ist Friedrich Wilhelm von Steuben.
Geboren 1730 in Magdeburg, diente er 17 Jahre lang in der preussischen Armee
und schloß sich im Jahre 1778 der demoralisierten Kontinentalarmee George
Washingtons bei Valley Forge in Pennsylvanien an.

Bereits nach kurzer Zeit

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�kurzer Zeit wurde er zum Generalinspektor der Truppen ernannt und formte die
recht disziplinlose Armee innerhalb kurzer Zeit zu einer fähigen Kampftruppe
um.

Von Steubens Mitwirken im Kampf um die Unabhängigkeit Amerikas wird heute

mit einem Denkmal im Lafayette Park, gegenüber dem Weißen Haus, geehrt.

Vor-

bilder im Revolutionskrieg waren auch solche Deutsch-Amerikaner wie der in
Deutschland geborene Johann de Kalb, General der Kontinentalarmee, der 1780
auf dem Schlachtfeld umkam, und die nicht ganz so berühmte Mary Ludwig McCauley
- bekannt unter dem Namen "Molly Pitcher", deren Vater 1749 aus der Pfalz nach
Amerika gekommen war.

Molly Pitcher vollbrachte ihre Heldentat für die ameri-

kanische Revolution während der Schlacht von Monmouth am 28. Juni 1778: Während der Schlacht trug sie Wasserkübel zu den müden und durstigen Soldaten und
übernahm, nachdem Ihr Mann gefallen war, dessen Platz an der Kanone und trug
so zum Sieg der amerikanischen Truppen bei Monmouth bei.

Ihre Heldenhaftig-

keit ist noch heute auf dem Bronzerelief zum Gedenken an diese Schlacht zu
sehen.
Deutsch-amerikanisches Heldentum in der amerikanischen Armee gab es auch
während der nächsten Jahrhunderte, und die Leistungen von Deutsch-Amerikanern
wie die von General John J. Pershing (einem Nachfahren der Pfoerschins aus dem
Elsaß)

und General Dwight D. Eisenhower, dessen Vorfahren aus dem Odenwald

stammen, sind jedem Amerikaner bekannt.
Deutsch-Amerikaner sind aber auch auf anderen Gebieten zu Vorbildern geworden. Im Bereich des amerikanischen Sports ist George Hermann "Babe"Ruth,
Sohn deutscher Einwanderer, eine der populärsten Gestalten. 1895 in Baltimore
geboren, wurde Babe Ruth im Jahre 1914 Mitglied der obersten Baseball-Liga.
Bis zum Ende seiner Karriere im Jahr 1935 hatte er immer wieder neue Rekorde
aufgestellt und vollbrachte mit seinem Team, den New York Yankees, Höchstleistungen, die es in der Geschichte des amerikanischen Sports noch nie gegeben hatte. Sein Name "Babe Ruth" steht mehr als jeder andere für den Lieblingssport der Amerikaner.
Die größte

�Die größte deutsch-amerikanische Figur wurde jedoch durch einen deutschen Immigranten des 19. Jahrhunderts, Thomas Nast, unsterblich. Thomas
Nast, 1840 in Landau geboren, kam mit seiner Mutter 1864 nach New York. Nach
kurzer Tätigkeit als Journalist wurde Nast Mitarbeiter des amerikanischen Magazins Harper's Weekly und entwickelte sich zum ersten großen politischen
Karikaturisten Amerikas. Seine weitverbreiteten Zeichnungen über Themen,
die sich auf den amerikanischen Bürgerkrieg bezogen, veranlaßten Präsident
Lincoln zu dem Ausruf: "Thomas Nast ist unser bester Rekrutenanwerber gewesen." Es war jedoch eine Gestalt aus einem pfälzischen Geburtsort, die ihm
seinen Platz in der amerikanischen Geschichte sicherte. In einer Zeichenserie in Parper's Weekly bildete Nast den "fröhlichen alten Mann mit dem
weißen Bart" ab, wie er in seiner Werkstatt Spielzeug herstellt, sein Schlitten von Rentieren gezogen wird und wie er Geschenke in Strümpfe steckt, die
über dem Kamin hängen. Nasts Darstellung dieser Märchenfigur, Sankt Nikolaus
oder Santa Claus, basierte auf dem schelmischen Belzenickel seines Geburtsortes. Nasts Santa Claus, der 30 Jahre lang auf der Titelseite jeder Weihnachtsausgabe des Harper's Weekly erschien, nimmt noch immer in den Herzen
der Kinder auf der ganzen Welt einen besonderen Platz ein.

- 3 -

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

21. September 1983

KRANKE UMWELT - WELCHE THERAPIE?
Umfassendere praktische Gegenmaßnahmen und noch mehr Forschung vordringlich
Von G. Weiss

- (AD) - Wälder, Seen, Flüsse sind krank - ihr Zustand verschlechtert sich
rapide.

Von Wissenschaftlern des amerikanischen Amtes für Atmosphären- und Meeres-

forschung (NOAA) zusammengestellte "Morbiditätskarten" zeigen Westeuropa als
besonders stark befallene Region.

Die Hauptursachen sind höchstwahrscheinlich

sau er Regen und generell Schadstoffe in Luft, Wasser und Boden.

Wissenschaftlich

gesicherte Erkenntnisse über die Wirkungsmec^anismen, noch mehr aber die Beweisführung für Schädigungen durch bestimmte Verschmutzungsquellen, sind jedoch gegenüber der Ausweitung des Schadensbildes weit im Verzug.

Die Forschung hat es

einfach mit zu vielen und zu schwierigen Problemen und Problemkomplexen zu tun,
um jetzt definitive Aussagen zur Krankheit und zu einer sicheren Therapie machen
zu können.
Andererseits ist es verständlich, daß die Appelle aus der Öffentlichkeit immer
dringender werden, für weitrechende Gegenmaßnahmen nicht auf die Forschungsergebnisse zu warten, sondern sofort zu handeln. Studien zum Problem des sauren Regens
sind seit Jahren im Gang. In den USA wurden allein im Monat Juni 1983 vier neue

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�vier neue Berichte abgeschlossen.

Und kürzlich erklärte Fitzgugh

Green, Beigeordneter Administrator des amerikanischen Bundesamtes für
Umweltschutz (EPA) auf der Tagung einer Körperschaft der Vereinten Nationen in Genf, "die Reagan-Administration ist mehr denn je entschlossen,
das Problem in den Griff zu bekommen".
Es war die erste Sitzung des Exekutivkomitees für die Konvention
über weiträumige grenzüberschreitende Luftverschmutzung.

Nach dieser im

März 1983 in Kraft getretenen Konvention "entwickeln die beteiligten Länder politische Maßnahmen und Strategien zur Bekämpfung der Freisetzung von
Luftschadstoffen mit der besten verfügbaren Technologie".

Die Konvention

wurde im Rahmen der ECE (regionale Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa) ausgearbeitet, der 34 Staaten, einschließlich USA,
Kanada und Sowjetunion, angehören.
Saurer Regen, ein wohlbekanntes Beispiel für grenzüberschreitende
Luftverschmutzung, ist in erster Linie eine Folge der vom Menschen verursachten Übermäßigen Emission von Schwefeldioxid in die Atmosphäre. Er
führt, wie allgemein angenommen wird, dazu, daß Fische verenden, Wälder
geschädigt und Ernteerträge beeinträchtigt werden, daß Eisen- und Stahlbauteile korrodieren und Marmor zerstört wird. Die ECE veranschlagt den
durch sauren Regen jährlich angerichteten Schaden auf zwei bis zehn Dollar
pro Einwohner.
Das auf fünf Jahre ausgelegte Forschungsprogramm der amerikanischen
Regierung, ein 100-Millionen-Dollar-Projekt, sei jetzt erheblich ausgeweitet worden, erklärte Green, um "die Verbindung zwischen den vom Menschen
verursachten Verschmutzungsquellen und den Auswirkungen von saurem Niederschlag auf Land und Gewässer in Nordamerika präziser zu definieren". Für
das Etatjahr 1984 wurde das "Nationale Programm zur Bewertung von saurem
Niederschlag" (National Acid Precipitation Assessment Program), unter dem
12 Regierungsbehörden zusammenarbeiten, mit 27,6 Millionen Dollar ausgestattet - gegenüber 18,3 Millionen im Haushaltsjahr 1982 und 22,3 Millionen Dollar im Jahr 1983.
Der erste

�Der erste Jahresbericht des "Nationalen Forschungsprogramms" wurde Anfang Juni 1983 veröffentlicht.

Hauptergebnis: Durch menschliche Aktivitäten

freigesetzte Schadstoffe tragen "wahrscheinlich am meisten zu saurem Regen
im Nordosten Amerikas bei". Jedoch seien die gegenwärtigen Daten und verfügbaren Methoden nicht ausreichend, um einen direkten Zusammenhang zwischen
Schadstoffemission und saurem Regen im regionalen Maßstab oder unter wechseln
den Bedingungen zu quantifizieren".
Wenige Wochen später kam ein Übersichtsbericht einer vom Wissenschaftsberater Präsident Reagans berufenen Kommission.

Diese empfahl sofortiges

Handeln, um zu "bedeutsamen Verringerungen des Einbringens
bindungen in die Atmosphäre zu kommen".

von Schwefel Ver-

Es solle mit jenen Schriten begonnen

werden, die zur Reduzierung des Gesamtniederschlags am kosteneffektivsten
seien.
"Kosteneffektivität" ist ohnehin ein Schlüsselwort im Zusammenhang
mit Schutzmaßnahmen, die umfassender und wirksamer sein sollen als jene,
welche jetzt angewendet werden. Investitionen in Höhe von gut 200 Milliarden
Dollar wären nach Ansicht mancher Fachleute allein in den USA erforderlich,
um mit den gegenwärtig vorhandenen und in Kürze absehbaren technischen Möglichkeiten Immissionen (Umweltschäden), wie sie bisher bekannt geworden sind
und womöglich in anderer Form noch auftreten werden, zu stoppen. Der Hauptanteil der finanziellen Belastung entfiele naturgemäß auf die Industrie aber ist diese angesichts der weltweit angespannten Wirtschaftslage und des
harten Kampfes gerade der am meisten betroffenen Industriezweige überhaupt
fähig, noch mehr zu verkraften?
Jedenfalls müßten die Verursacher von Schadstoffbelastungen auch von
sich aus das Problem energisch anpacken und nach Wegen suchen, um zumindest
in Teilbereichen Abhilfe zu schaffen.

Von politischer Seite können vorläu-

fig nur einige Schwerpunkte gesetzt werden.

Einer der jüngsten Gesetzesvor-

schläge von Abgeordneten des amerikanischen Kongresses forderte, daß die 50
Betriebe, die den größten Schadstoffausstoß haben, bis 1990 SchwefeldioxidFilteranlagen einbauen müssen, daß die Bundesstaaten bis 1995 die Schwefel - 3 -

�die Schwefeldioxid-Emissionen um 10 Millionen Tonnen zu reduzieren hätten,
wobei in jedem Staat die Verringerungsquote einen bestimmten Anteil der gegenwärtigen Emission ausmache, und daß für die Stickstoffoxid-Emissionen
neuer Kraftwerke und Lastwagen ab 1995 sehr viel strengere Bestimmungen gelten sollen.
Das Edison Electric Institute, ein Verband der Kraftwerksindustrie, nahm
Stellung und veröffentlichte ebenfalls im Juni Erhebungen von 24 Versorgungsunternehmen.

Sie hätten zu dem Schluß geführt, so hieß es, daß sich in einigen

Teilen der Vereinigten Staaten die Stromrechnungen um bis zu 50 Prozent verteuern könnten, wenn die vorgeschlagenen Änderungen des Gesetzes zur Luftreinhaltung Rechtskraft erlangten,

Sachverständige unter den Mitgliedern des ame-

rikanischen Kongresses halten diese Angaben jedoch für stark übertrieben.

Saurer Regen der Schwefeldioxid-Emission etwa proportional?
Mit der Frage, wie Verschmutzungsquellen zum sauren Regen beitragen,
hatte sich ein Komitee des Nationalen Forschungsrates unter der Leitung von
Jack Calvert ("National Center for Atmospheric Research" in Boulder, Colorado)
in mehrjährigen Untersuchungen befaßt. Es kam zu dem Schluß, daß das Auftreten sauren Regens im östlichen Nordamerika anscheinend der durchschnittlichen
jährlichen Emission von Schwefeldioxid aus Kraftwerken, Industriebetrieben
und anderen Quellen in dieser Region etwa proportional ist. Jedoch seien
wissenschaftliche Modelle, die die Bewegung säurebildender Emissionen über
weite Strecken beschreiben, noch nicht präzise genug, um die Auswirkungen
von Maßnahmen zur Eindämmung der Emissionen zu analysieren,
Vielmehr könnten gegenwärtige Modelle nur zu den Auswirkungen einer Verringerung von Schwefeldioxid-Emissionen aus allen Quellen im östlichen Nordamerika um den gleichen Anteil etwas aussagen. Eine solche einheitliche Reduzierung werde, so wurde erklärt, wahrscheinlich eine Verringerung des sauren
Regens um einen ähnlich großen Prozentsatz in der gesamten Region bewirken.
Jedoch könnten die Modelle nicht vorhersagen, ob verringerte Emissionen nur
- 4 -

�Emissionen nur in bestimmten Gebieten, beispielsweise im Mittelwesten, zu
einer ähnlichen Verringerung an saurem Regen für die dafür besonders empfindlichen Seen und Flußlä'ufe im Nordosten der Vereinigten Staaten oder im südöstlichen Kanada führen werde.
Der Begriff "saurer Regen" umfasse ja in Wirklichkeit Regen, Schnee,
Nebel oder Trockenpartikel, die säurebildende Verbindungen wie Sulfate oder
Nitrate enthalten. Die Auswirkungen bestimmter Quellen für "sauren Niederschlag" - so der wissenschaftliche Begriff - an entfernter Stelle könne man
aber erst quantifizieren, wenn mehr darüber bekannt sei, wie Wetter, geographische Gegebenheiten und andere Faktoren die Bewegung von Schadstoffen
in der Atmosphäre beeinflussen. Der Ausschuß gründete seine Schlußfolgerungen auf Vergleiche von Emissionsmengen an Schwefeldioxid und Stickstoffoxiden mit Daten über die Konzentrationen von abgesetzten Sulfaten und Nitraten, auf Laboruntersuchungen zur Atmosphärenchemie und auf theoretische Berechnungen. Ein besonderer Schwerpunkt war die Beziehung zwischen SchwefeldioxidEmissionen und Sulfaten, weil diese Verbindungen zum größten Teil für den
sauren Charakter von Niederschlägen verantwortlich sind, und weil über die Beziehung zwischen dem Ausstoß an Stickstoffoxiden und Bildung von Nitraten
weniger bekannt ist.
"Relativ zuverlässige" Langzeitdaten über sauren Regen in Nordamerika
gibt es nur vom Hubbard Brook-Waldgebiet in New Hampshire. Seit 18 Jahren
werden dort wöchentlich Proben gesammelt, um daraus Art des Niederschlags,
der trockenen Partikel und Gase zu bestimmen. Die Analysenergebnisse deuten
darauf hin, so sagt der Bericht, daß Veränderungen in der Konzentration von
Sulfaten und Nitraten Veränderungen der Emissionsmengen von Schwefeldioxid
und Stickstoffoxiden sowohl in der unmittelbaren Umgebung als auch in weit
entfernten Gebieten der Vereinigten Staaten widerspiegeln, aus denen bei entsprechender Windrichtung Luftmassen heranströmen. Diese und andere sorgfältig ermittelten Daten zeigen u.a., daß über Entfernungen bis zu 1000 km
"Schadstoffe gründlich durchmischt" und durchschnittliche jährliche Emissionen
und ihren Niederschlag im großen Ganzen einander entsprechen. Es sei "unwahrscheinlich", daß eine Verringerung von Schwefeldioxidemissionen nicht eine
- 5 -

�nicht eine ähnliche Verringerung an Sulfaten und schließlich von saurem
Regen zur Folge hätte.

Vorschläge für die Forschung
Mit einer detaillierten wissenschaftlichen Erklärung der Mechanismen,
wie Verschmutzungsquellen sich auf spezifische "sensitive" Niederschlagsräume auswirken, ist wohl erst in Jahren zu rechnen.

Dennoch dürften dem

Bericht zufolge Feldstudien genügend zuverlässige Informationen zur Verbesserung der kürzerfristigen Maßnahmen gegen sauren Niederschlag in Nordamerika liefern.

Der Ausschuß empfahl u.a.

- Feldstudien zur Ermittlung der Mengen von Sulfaten und Nitraten, die
unter verschiedenen meteorologischen Bedingungen in Wolken gebildet
werden, und die Untersuchung von Faktoren, die möglicherweise solche
Mengen begrenzen;
- Entwicklung und Anwendung von Verfahren, um den Trockenniederschlag
von Schwefeldioxid und Stickstoffoxiden zu messen;
- Weiterentwicklung von Methoden der Spurenanalyse zum Auffinden einzelner Verschmutzungsquellen, d.h. Vergleich der spezifischen Kombination
von Spurenelementen in Emissionen mit ähnlichen Kombinationen von Elementen, die im suaren Regen gebunden werden.
Ein nach vier Jahren Forschung im Adirondack-Gebirge (Bundesstaat New
York) im Mai 1983 veröffentlichter Bericht des "Electric Power Research Institute" (Verband der Elektrizitätswirtschaft) zeigte weitere Aspekte dafür
auf, wie komplex die Auswirkungen von saurem Regen sind. Von drei nur 30 km
auseinanderliegenden Seen in diesem Waldgebirge ist z.B. der Woods Lake auffallend "sauer", während der Sagamore Lake in der Azidität stark schwankt
und der Panther Lake bisher neutral geblieben ist. Mit der Frage nach dem

- 6 -

�nach dem "Warum" befaßten sich 30 bekannte Wissenschaftler aus verschiedenen
naturwissenschaftlichen Gebieten, von der Geologie bis zur Biologie.
Sie fanden u,a., daß die Tiefe und Beschaffenheit des Erdbodens und der
Weg. dem Wasser entsprechend den geologischen Gegebenheiten beim Abfließen
folgt, großen Einfluß auf die Empfindlichkeit eines Sees gegenüber saurem
Regen haben.

Da tiefe mineralhaltige Böden saure Lösungen neutralisieren

können, nehmen Seen, die von solchen Böden umgeben sind, weniger leicht sauren
Charakter an.

Beispielsweise ist der Erdboden urn den neutralen Panther Lake

im Durschnitt achtmal tiefer als um den sauren Woods Lake. Dessen Zuflüsse
fließen größtenteils direkt von der Oberfläche ab oder passieren nur die obersten,
schon von Natur aus sauren organischen Bodenschichten.

Dagegen wird, wie im

Fall des Panther Lake, das in die tieferen Schichten von Sand und Kies einsikkernde Wasser neutralisiert,

So spiele also die Frage, wieviel des Oberflächen-

wassers eines Sees letztlich von Wasser kommt, das Sedimente passiert hat, und
wieviel aus direktem Abfluß und direktem Niederschlag, eine ganz wichtige
Rolle,
Nicht weniger bedeutsam seien, wie der Bericht sagt, Wechselwirkungen
von Regen und Schnee mit der Bewaldung.

So werden beispielsweise Wasser-

tröpfchen, die einen Nadelbaum passieren, gewöhnlich saurer.

Dagegen scheinen

Laubbäume den Säuregrad aufgenommener Wassertropfen zu verringern.

Wie ein

Angehöriger der Arbeitsgruppe, Nicolas L. Clesceri vom Rensselaer Polytechnic
Institute, herausfand, sammeln die Nadeln etwa einer Fichte oder Kiefer sehr
viel wirksamer Partikel und Gase als die Blätter eines Ahorn- oder Eichenbaumes.

Niederschlag bedeute somit Erhöhung der Säurekonzentration unter

dem Nadelbaum.

Aber es gebe noch keine Gewißheit darüber, wieviel biolo-

gische Prozesse, u.a. die nach Baumart und Wasserazidität sehr unterschiedliche Zersetzung von Laub und Nadeln im Wasser, zur Zusammensetzung des Gewässers beitragen.

Bedeutsame Ergebnisse dürften erst nach einer umfassende-

ren Auswertung aller Daten der Studie in vier oder fünf Jahren zu erwarten sein.

+ + + + +

- 7 -

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