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                  <text>• M

nrormocion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. September 1983

37

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan ordnet Schließung der AEROFLOT-Büros in den USA an
- Erklärung des Weißen Hauses Rede des US-Außenministers vor der KSZE-Folgekonferenz in Madrid
- Wortlaut Shultz: Antwort Gromykos völlig unannehmbar
- Erklärung nach dem Treffen in Madrid Kirkpatrick: Flugzeugtragödie Auswuchs der "Herrschaft der Gewalt"
- Rede der US-Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen vor dem
Sicherheitsrat HINTERGRUNDMATERIAL
Die Hilfe der Vereinigten Staaten für Mittelamerika
- Vergleich von Wirtschafts- und Sicherheitshilfe Deutsches Genie in Amerika
- Am 14. August 1901 gelang einem deutsch-stämmigen Amerikaner der erste
hiotorisierte Flug in der Luftfahrtgeschichte WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Smog schmälert Ernteertrag
- Simulation in Klimakammern -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

37

14. September 1983

REAGAN ORDNET SCHLIESSUNG DER AEROFLOT-BÜROS IN DEN USA AN
- Erklärung des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat als Antwort auf den brutalen
sowjetischen Angriff auf eine südkoreanische Passagiermaschine, bei dem 269 Menschen
ums Leben kamen, angeordnet, daß die Büros der sowjetischen Luftlinie Aeroflot ab
dem 15. September 1983 geschlossen werden müssen.

Der Sprecher des Weißen Hauses,

Larry Speakes, verlas dazu am 8. September folgende Erklärung vor der Presse:
Als Antwort auf den brut'Jen und nicht provöz-'erten sowjetischen Angriff auf
eine koreanische Linienmaschine des Fluges 007 am "1. September 1983 hat der
Präsident die Aufsichtsbehörde für die Zivilluftfahrt (Civil Aeronautics Board)
angewiesen, nachhaltige Maßnahmen gegen die sowjetische Luftlinie Aeroflot zu
unternehmen.

In einem Schreiben von heute morgen an den Leiter der Behörde, Dan

McKinnon, hat der Präsident ersucht, folgende Maßnahmen zu ergreifen:
1. Das Recht der Aeroflot auszusetzen, Flugscheine in den Vereinigten Staaten
zu verkaufen;
2. amerikanischen Fluggesellschaften zu verbieten, in den Vereinigten Staaten
Flugscheine für Flüge mit der Aeroflot zu verkaufen;
3. zu unterbinden, daß amerikanische Fluggesellschaften Flugverkehr von,
nach oder innerhalb der Vereinigten Staaten durchführen, wenn der Flugschein auf

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�Flugschein auf die Aeroflot ausgestellt ist;
4. amerikanische Fluggesellschaften anzuweisen, alle Zwischen!iniendienstvereinbarungen mit Aeroflot auszusetzen;
5. amerikanischen Fluggesellschaften zu verbieten, von der Aeroflot ausgestellte Flugscheine für Flugreisen von, nach oder innerhalb der Vereinigten
Staaten anzunehmen.
Der Präsident hat ferner die Aussetzung der Aeroflot-Flüge von und nach den
Vereinigten Staaten bekräftigt, die seit dem 5. Januar 1983 gilt.

Die anstehende

Entscheidung der Behörde würde die Aeroflot daran hindern, ihre Dienstleistungen
durch amerikanische Fluggesellschaften oder ihre amerikanischen Vertreter anzubieten.
Der Präsident ersucht alle amerikanischen Fluggesellschaften und Reisebüros,
sich an den Geist und den Buchstaben dieser Maßnahmen zu halten.
Die Dauer dieser Maßnahmen auf dem Bereich der Zivilluftfahrt wird in ihrer
Bemessung zum Teil davon abhängen, in welchem Maße die UdSSR ihre Bereitschaft
zeigt, wesentliche Normen der Zivilluftfahrt zu respektieren, eine volle Darstellung des Abschusses des Zivilflugzeuges gibt und eine Entschuldigung und einen
Schadensersatz für die Betroffenen anbietet.
Im Zuge einer weiteren Maßnahme hat der amtierende amerikanische Außenminister,
Lawrence S. Eagleburger, auf Anweisung des Präsidenten den sowjetischen Botschafter
Dobrynin heute davon in Kenntnis gesetzt, daß die sowjetische Fluglinie Aeroflot
ab 15. September ihre Büros in den Vereinigten Staaten schließen muß. Die Bediensteten von Aeroflot müssen bis zu diesem Zeitpunkt die Vereinigten Staaten
verlassen haben.
Die Vereinigten Staaten werden mit den Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft weiter in ihren Bemühungen zusammenarbeiten, die Sicherheit des Luftverkehrs
zu fördern und zu verhindern, daß solche sowjetische Aktionen erneut geschehen.
+ + + + +

�I

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14. September 1983

37

REDE DES US-AUSSENMINISTERS VOR DER KSZE-FOLGEKONFERENZ IN MADRID
- Wortlaut -

MADRID - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz hat auf der
Abschlußsitzung der KSZE-Folgekonferenz in Madrid am 9. September 1983 hervorgehoben, daß der Abschuß einer koreanischen Passagiermaschine durch die Sowjets
ein Beispiel für die Mißachtung der Prinzipien der Schlußakte von Helsinki sei.
Der durch die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in
Gang gesetzte Prozeß müsse jedoch trotz aller offenen Verletzungen durch den
Ostblock weitergehen.
Die Rede von Außenminister Shultz hat folgenden Wortlaut:
Spanien, unser Gastland, hat einen erfolgreichen - und begeisternden - Wandel
zur Demokratie durchgemacht. Dieser Erfolg erinnert uns durch sein Beispiel, daßdas
Licht der Freiheit niemals ausgelöscht werden kann und daß die Hoffnung auf Menschenwürde in allen Menschen ruht. Darum geht es bei dem Helsinki-Prozeß. Das
ist der Grund, warum die Vereinigten Staaten die Absicht haben, für eine Fortsetzung des Prozesses zu sorgen - gestärkt durch das, was hier in Madrid erreicht
worden ist.
Wir kommen aber auch in einer Zeit zusammen, in der diese Rechte weiterhin
in großem Umfang verweigert werden, und in unmittelbarem Gefolge einer brutalen

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�einer brutalen Tragödie, die für das Gewissen der Menschheit schockierend ist.
Das Massaker an der koreanischen Linienmaschine erinnert uns alle an das Ausmaß,
in dem die Ziele des KSZE-Prozesses noch erreicht werden müssen.

Unsere Konferenz

hier muß einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zu diesen universalen Zielen darstellen.
Der Helsinki-Prozeß wurde vor zehn Jahren mit großen Hoffnungen ins Leben
gerufen.

Er wurde aus einem, wie es damals schien, ermutigenden Augenblick in

den Ost-West-Beziehungen geboren: Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
hatten gerade die ersten Abkommen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen
erreicht.
arbeit.

Es eröffneten sich neue Ausblicke auf eine wirtschaftliche ZusammenAuf dem Gebiet der Menschenrechte schienen Fortschritte möglich.

Es

herrschte ein Bewußtsein, daß ein dauerhafter Frieden von uns verlangte, die
Gesamtheit unserer Beziehungen ins Auge zu fassen.

Und so war Helsinki ein Versuch,

umfassend die Probleme der Sicherheit, der wirtschaftlichen Beziehungen, der
Kontakte zwischen unseren Völkern, ihrer Grundfreiheiten und der Normen des internationalen Verhaltens in den Griff zu bekommen.
Die Schlußakte von Helsinki ist ein beredtes Dokument der Hoffnungen und
Erwartungen, das die Vereinigten Staaten gerne unterzeichnet haben, weil wir hinter
jedem seiner Prinzipien stehen:
- Sie bekräftigt die fundamentalsten Menschenrechte: Gedankenfreiheit,
Gewissensfreiheit und Glaubensfreiheit, die Ausübung der bürgerlichen und politischen Rechte, die Rechte von Minderheiten.
- Sie fordert einen freieren Fluß von Informationen, Ideen und Menschen,
größere Betätigungsmöglichkeiten für die Presse, Kultur- und Bildungsaustausch,
Familienzusammenführung, das Recht zu reisen und Angehörige anderer Staaten zu
heiraten, Schutz des kostbaren Erbes unserer verschiedenen Kulturen.
- Und sie bekräftigt die Grundprinzipien der Beziehungen unter Staaten:

�unter Staaten: Nichteinmischung, souveräne Gleichheit, Selbstbestimmung, territoriale Integrität und die Unverletzlichkeit der Grenzen anderer außer durch
friedliche Änderungen.
Die Vereinigten Staaten waren hinsichtlich des Helsinki-Prozesses immer
realistisch.

Wir haben nicht erwartet, daß er alle schwierigen Sicherheitsfragen,

vor denen wir in einer Aera des ideologischen Konflikts und des militärischen
Wettstreits stehen, lösen würde.

''ir wußten von Anfang an, daß manche Leute

ihn benutzen würden, um die Spaltung des Kontinents zu vertiefen und die Beherrschung Osteuropas durch die Sowjetunion zu stärken - trotz der klaren Bekräftigung
der Freiheit, der politischen Unabhängigkeit, Souveränität, Selbstbestimmung und
Nichteinmischung in der Schlußakte.
Als nun die Staats- und Regierungschefs 1975 in Helsinki zusammenkamen, um
die erste Konferenz abzuschließen und die Schlußakte zu unterzeichnen, nahmen die
Vereinigten Staaten den Standpunkt ein, daß die Hoffnung durch Realismus auf das
richtige Maß gebracht und durch Taten untermauert werden müsse. Präsident Ford
hat das damals gut ausgedrückt:
"Die Geschichte wird diese Konferenz nicht nach dem beurteilen, was wir heute
hier sagen, sondern nach dem, was wir morgen tun - nicht nach den Versprechungen,
die wir machen, sondern nach den Versprechen, die wir halten".
Wenn wir an die Erfahrungen der letzten acht Jahre denken, dann müssen wir
enttäuscht sein - aber wir können nicht überrascht sein, daß wir in den Jahren seither viele Rückschläge in unseren Bemühungen erlebt haben, die Sicherheit zu stärken,
Zusammenarbeit auszuweiten, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und die Menschenrechte zu schützen.
Die Tatsachen sprechen für sich selbst:
- Es gibt im Osten Regierungen, die ihre Verpflichtungen gegenüber den Menschenrechten im Rahmen der Schlußakte von Anfang an offen mißachtet haben. Die Helsinki-

- 3 -

�Die Helsinki-Gruppen, die Bürger gründeten, um das Verhalten ihrer Regierung
bezüglich der Einhaltung zu beobachten, wurden systematisch unterdrückt.
wanderung, die zunächst stieg, ist dramatisch zurückgegangen.
einer immer brutaleren Behandlung ausgesetzt.

Die Aus-

Dissidenten wurden

Und mutige Männer und Frauen, die

ihre Menschenrechte geltend zu machen wagten - oder für Frieden und Rüstungskontrolle demonstrierten - schmachten in Gefängnissen oder Nervenheilanstalten.

Und

ebenso begann die Sowjetunion zwei Jahre nach der Unterzeichnung des Dokuments, das
eine Verpflichtung zum Streben nach Frieden enthält, mit der Aufstellung von nuklearen Mittelstreckenraketen des Typs SS-20 mit Mehrfachgefechtsköpfen, die auf die
Völker Europas und Asiens gerichtet sind, das Gleichgewicht der Kräfte gefährden
und ein gewaltiges Sicherheitsproblem schaffen.
Sechs Jahre nach Unterzeichnung eines Dokuments, das eine Verpflichtung zur
Souveränität, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung enthält, zwang die Sowjetunion
die Polen zur Unterdrückung einer freien Gewerkschaftsbewegung, deren einziges
Verbrechen darin bestand, daß sie die Rechte der Arbeiter in einem Staat ernst
nahm, der vorgibt ein Arbeiterstaat zu sein.
- Und erst in jüngster Zeit, erst wenige Tage, nachdem hier ein neues Dokument
mit noch viel stärkeren Verpflichtungen als in der Schlußakte angenommen wurde,
hat die Sowjetunion in grausamer Weise das Leben von 269 unschuldigen Menschen an
Bord eines wehrlosen Zivilflugzeuges vernichtet, und von diesem Rednerpult aus
hat der sowjetische Außenminister in schamloser Weise darauf beharrt, daß die
Sowjetunion so etwas wieder tun würde, und damit seine gefühllose Mißachtung des
menschlichen Lebens bewiesen.
Diese flagranten Akte sowjetischer Mißachtung des Geistes und des Buchstabens
der Schlußakte von Helsinki haben die eigentliche Herausforderung dieser Folgekonferenz in Madrid dargestellt. Indem wir diese Herausforderung annahmen und
darauf bestanden, dem Prozeß ein Element der Berechenbarkeit zu verleihen, hat
Madrid dazu gedient, die Schlußakte davor zu retten, geschichtlich bedeutungslos
zu werden.
Betrachten wir

- 4 -

�Betrachten wir einmal die Ideale von Helsinki, wie sie sich zu den Realitäten
von heute verhalten.
Auf dem Gebiet der Sicherheit streben wir und unsere Verbündeten danach, die
europäische Sicherheit auf niedrigstmöglicher Ebene der Bewaffnung zu fördern.
Wir treiben alle laufenden Verhandlungen energisch voran.

Wir begrüßen die neu

angesetzte Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung.
ist.

Wir wissen, daß das Wesen der Sicherheit die beiderseitige Sicherheit

Leider definiert die Sowjetunion, wie das Schicksal des koreanischen Fluges 007

wieder einmal gezeigt hat, ihre Sicherheit in einer so absoluten, egozentrischen
und zynischen Weise, daß dies eine Gefahr für alle anderen Länder darstellt.
Die auf Westeuropa und Asien gerichteten SS-20-Raketen stellen die Gefahr für
uns alle in dramatischer Weise dar. Diese Raketen bedrohen das internationale
Vertrauen und die internationale Stabilität. Sie sind Teil eines stetigen und
anhaltenden Strebens der Sowjets nach globaler militärischer Macht, die weit über
alle vorstellbaren Verteidigungserfordernisse hinausgeht. Ihre Dislozierung
begann 1977. Am 2. November 1977 erklärte der sowjetische Parteichef Leonid
Breschnew, nachdem etwa ein Dutzend dieser Waffen disloziert waren: Wir wollen
das derzeit herrschende annähernde Gleichgewicht zwischen Ost und West in Mitteleuropa oder zwischen der UdSSR und den Vereinigten Staaten nicht stören. Ob man
sich über den genauen Stand des militärischen Kräfteverhältnisses zu jenem Zeitpunkt einig ist oder nicht, es entsteht doch die natürliche Frage, warum die
Sowjetunion nicht nachgelassen hat, seit 1977 in fieberhaftem Tempo immer mehr
SS-20 zu dislozieren bis zum heutigen Stand von über 350 Trägerwaffen mit über
1050 Gefechtsköpfen. Nachdem es damals also mit etwa einem Dutzend Waffen Gleichgewicht gab, so kann man nur schwer leugnen, daß es heute ein Ungleichgewicht
geben muß, um das man sich zu kümmern hat.
Dieses Gleichgewicht wird vom Atlantischen Bündnis wiederhergestellt werden,
wenn es nicht zu einem ausgewogenen, verifizierbaren Abkommen zu ihrer Begrenzung
kommt.

Die sowjetische Antwort hierauf war leider bislang weniger echte Verhandlung

- 5 -

�echte Verhandlung als vielmehr einseitige Drohung.

Die demokratischen Staaten

werden solchen Drohungen widerstehen, die die Atmosphäre vergiften und unvereinbar
sind mit einem wirklichen Verfolg von Sicherheit und Zusammenarbeit.

Wenn es bis

Ende dieses Jahres zu keinem Abkommen kommt, sind wir unsererseits bereit, den
Versuch weiter fortzuführen, zu einem Abkommen mit der Sowjetunion zu gelangen sogar dann, wenn die Ausgleichsdislozierungen der NATO schon begonnen haben.
Zusätzlich zur Störung des militärischen Gleichgewichts schlugen die Sowjetunion und ihre Verbündeten - unmittelbar nach der Schlußakte von Helsinki - einen
Kurs der geopolitischen Aggression in Afrika, im Mittleren Osten und in Südostasien
ein.

Kubanische Armeen intervenierten unter sowjetischer Leitung in Angola,

Äthiopien und im Südjemen, vietnamesische Armeen fielen in Kamputschea ein, wobei
sie zu Pionieren in der Technologie des chemischen und toxischen Krieges gegen
Zivilisten wurden, und die sowjetische Armee begann ihre Invasion Afghanistans.
Die Vereinigten Staaten sind sich voll der Tatsache bewußt, daß die Schlußakte die enge Verbindung zwischen Frieden und Sicherheit in Europa und in der
Welt insgesamt unterstreicht. Wir werden mit denjenigen zusammenarbeiten, die sich
um friedliche Lösungen regionaler Konflikte bemühen - Lösungen, die in Einklang
stehen mit den Wünschen und den Interessen der betroffenen Völker in Südost- und
Südwestasien, im südlichen Afrika sowie in Mittelamerika und der Karibik.
Wir unterstützen jene Bestimmung der Schlußakte, die die wirtschaftlichen
Beziehungen als einen wesentlichen Sektor der Zusammenarbeit behandelt. Aber
Zusammenarbeit auf diesem Gebiet - so sagt die Schlußakte - sollte stattfinden in
voller Achtung der Grundsätze, die die Beziehungen zwischen den Teilnehmerstaaten
leiten. Das stetige Anwachsen des Ost-West-Handels, das ein Merkmal der frühen
siebziger Jahre war, hat sich verlangsamt und nach unten ausgeglichen. Die geopoli tischen Entwicklungen, von denen ich gerade gesprochen habe, haben zu diesem
Rückgang beigetragen. Zum Teil ist dies jedoch auch ein Ergebnis der Ölkrise
und der Rezession der Weltwirtschaft wie auch der strukturellen Unzulänglichkeiten
der zentralen Planwirtschaft des Ostens.
Es liegt
- 6 -

�Es liegt Ironie darin, daß ein System, das den Anspruch erhebt, die Prinzipien
der einzig wirklich wissenschaftlichen Wirtschaftstheorie der Welt exemplarisch
in die Tat umzusetzen, auf die Nachahmung westlicher Methoden zurückgreifen muß im Westen Gelder borgen muß, Nahrungsmittel und Technologie im Westen kaufen muß -,
um weitermachen zu können.

Dennoch hoffen wir auch weiterhin, daß Handel mit

nichtstrategischen Gütern, zu soliden kommerziellen Bedingungen, zumindest einen
gewissen Beitrag zu konstruktiven Ost-West-Beziehungen leisten kann.
Wenn man auf die entscheidende Frage der Menschenrechte zu sprechen kommt,
so geht es doch vor allem darum, daß sie nicht einfach nur ein separater Korb von
Themenkreisen sind, sondern ein integraler Bestandteil des gesamten Problems der
Sicherheit und Zusammenarbeit. Wie die Schlußakte formuliert, ist die Achtung vor
den Menschenrechten und den Grundfreiheiten ein entscheidender Faktor für den
Frieden, die Gerechtigkeit und das Wohlergehen und notwendig, um die Entwicklung
freundschaftlicher Beziehungen und der Zusammenarbeit sicherzustellen.
Hier sind wir bei der zentralen Frage angelangt. Was ist der wirkliche Grund
dafür, daß Fortschritt beim Helsinki-Prozeß ein so schwieriges Anliegen ist?
Wovon hängen die Sicherheit und die Zusammenarbeit in Europa denn grundsätzlich
ab? Und welche sind die wirklichen, grundlegenden Hindernisse für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa?
Es reduziert sich alles auf die Frage: Warum ist Europa geteilt?
Wir alle kennen die Antwort.

Europa wurde mit Gewalt geteilt - und es bleibt

durch Gewalt geteilt - die Gewalt eines Systems, das aus seinen Prinzipien und
seiner Praxis heraus sich gegen den freien Austausch von Menschen und Gedanken
stellt.

Es ist dies ein System, das eine Mauer baute, um die Gedanken draußen

und die Menschen drinnen zu halten.

Es ist ein System, das ausländische Radio-

sendungen vielleicht noch mehr als Raketen fürchtet.
Aber die Erfahrung zeigt, daß keine Mauer hoch genug ist, kein Störsender
stark genug ist, um Ideen abzuhalten oder die Hoffnungen von Männern und Frauen
- 7 -

�und Frauen zu unterdrücken, die sich nach Freiheit sehnen.

Die Teilung Europas

ist auch heute - wie sie dies immer war - unnatürlich und unmenschlich.

Daher

ist der Versuch, Europa durch rohe Gewalt geteilt zu halten, unvermeidlich eine
Quelle der Instabilität.

Es kann so lange keine dauerhafte Sicherheit und

Zusammenarbeit in Europa geben, wie eine Regierung Angst vor ihrem eigenen Volk
hat und dadurch Sicherheit sucht, daß sie ihrem eigenen Volk - und ihren

Nachbarn -

ein System der Gewalt auferlegt.
Es wird immer wieder Helden geben, die uns dies nicht vergessen lassen und
die ihren selbsternannten Herren keine Ruhe geben werden: polnische Arbeiter,
tschechoslovakische Intellektuelle, ostdeutsche Kirchenvertreter und Friedensdemonstranten, sowjetische Dissidenten aller Glaubensrichtungen und aus allen
gesellschaftlichen Schichten, die ihr Leben und ihren Lebensunterhalt für die
Sache der Freiheit riskieren.

Die Sowjetunion würde im Geist von Helsinki eine

ganze Menge Vertrauen gewinnen, wenn sie es einigen dieser Helden, die die Sowjetunion verlassen wollen, erlauben würde, dies auch zu tun.

Das Recht auf Emigration

ist ein Grundprinzip, das auch in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
anerkannt wird.

Hoffen wir bei Beginn des Neujahrs der Juden, daß dieses kommende

Jahr größere Fortschritte im Hinblick auf ungehindertere Auswanderung erlebt.
Aber wir sorgen uns nicht nur für jene, die gehen wollen, sondern auch für jene,
die bleiben.

Ihre Lebensbedingungen sind ein wichtiges Barometer für die wahren

Bedingungen von Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.
Im tiefsten Sinn stellt der Helsinki-Prozeß einen historischen Versuch dar,
die grausame Teilung zwischen Ost und West in Europa abzubauen. Es ist ein Bemühen,
das fortdauern muß, weil es die grundlegensten Interessen, die tiefsten Überzeugungen und die größten Hoffnungen aller Menschen in Europa umfaßt. Obgleich diese
Konferenz nun zu einem Ende kommt, dauert unser Bemühen um die Menschenrechte an,
und wir werden auch weiterhin dieses Anliegen in jedem angemessenen Forum vorbringen. Wir werden auch weiterhin die Wahrheit sagen. Der Kampf um die Menschenrechte ist nicht aufzuhalten, und er bleibt eine Priorität der amerikanischen
Außenpolitik.
Während der

�Während der letzten Stunden dieser Madrider Folgekonferenz möchte ich der
fähigen Führung unseres Delegationsleiters, Botschafter Max Kampelman, meinen
Tribut zollen. Wenn er vor dieser Versammlung sprach, sprach er für ein geeintes
Land - für ein amerikanisches Volk, das geeint ist in seiner Unterstützung für
den Frieden und geeint in seiner Verpflichtung gegenüber der Menschenwürde. Und
er trug dazu bei, Einigkeit unter den Demokratien des Westens zu schaffen, ohne
die sogar der bescheidenste Fortschritt, den wir erzielt haben, nicht möglich
gewesen wäre.
Nach fast drei Jahren der geduldigen Verhandlungen liegt vor uns ein Dokument,
das - wenn es Zustimmung findet - auf der Schlußakte des Jahres 1975 aufbauen und
diese verbessern wird. Es bringt wichtige neue Verpflichtungen hinsichtlich der
Menschenrechte, der gewerkschaftlichen Freiheiten, der Religionsfreiheit, der
Zusammenführung von Familien, des freien Informationsflusses und der Maßnahmen
gegen den Terrorismus. Bedeutsam ist, daß es auch Folgetreffen in den Bereichen
der Menschenrechte und der Sicherheit vorsieht.
Ein Menschenrechtstreffen ist 1985 in Ottawa geplant, ein Treffen über menschliche Kontakte für Anfang 1986 in Bern und eine umfassende Überprüfungskonferenz
in Wien Ende 1986. Wir hoffen, daß die Sowjetunion endlich die Bedenken beachten
wird, die immer wieder von vielen von uns in Madrid zum Ausdruck gebracht wurden,
und auf diese Bedenken eingeht.
Eine Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung
wird Anfang 1984 in Stockholm stattfinden. Die Vereinigten Staaten werden ernsthaft
verhandeln, um ein Abkommen über militärisch bedeutsame, politisch verbindliche
und verifizierbare Maßnahmen zu erreichen, das für ganz Europa seine Anwendung
findet. Wir sehen zugleich erwartungsvoll einem Expertentreffen über die friedliche Regelung von Streitigkeiten entgegen, das für 1984 in Athen geplant ist.
Die Anwesenheit einer distinguierten Kongreßdelegation unterstreicht die Bedeutung, die mein Land dem Helsinki-Prozeß und dem Streben nach Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa beimißt.

Wir fordern die Sowjetunion auf, einen ernsthaften
- 9 -

�einen ernsthaften Dialog über die ganze Bandbreite der anstehenden Probleme zu
führen mit dem Ziel, diese Probleme zu lösen und die Spannungen zu verringern.
Was uns anbelangt, so werden wir auch weiterhin in gutem Glauben verhandeln und
werden alle Vorschläge in Erwägung ziehen, die unserem grundlegenden Ziel gerecht
werden, echte Sicherheit und Zusammenarbeit zu erhöhen.
Als nüchterne Realisten sind wir bereit - und müssen dies sein - zu weiterem
und of mühsamem Wettstreit.

Aber wir glauben auch, daß dieser Wettst eit auf eine

Weise geführt werden kann - und muß -, der Raum für praktische Abkommen läßt, die
das Gespenst eines größeren Konfliktes zurückdrängen.
die beiderseitige Verantwortung.

Im Atomzeitalter ist dies

Und es ist die heilige Verpflichtung meiner

Regierung.
Präsident Reagan umriß dies am 15. Juli so:
"Wir werden in unserer anhaltenden Entschlossenheit nicht nachlassen, mit
allen Regierungen und Völkern zusammenzuarbeiten, deren Ziel die Stärkung des
Friedens in Freiheit ist. Wie Madrid gezeigt hat, kann der Dialog - wenn er sich
auf realistische Erwartungen stützt und mit Geduld geführt wird - Resultate
zeitigen. Solche Resultate können oft nur allmählic1 und mit Anstrengungen
erreicht werden, aber sie sind die notwendigen Bausteine für eine sicherere
und stabiliere Welt".

+ + + + +

�d

1111 J

Dokumentation
United States Information Service
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14. September 1983

37

SHULTZ. ANTWORT GROMYKOS VÖLLIG UNANNEHMBAR
- Erklärung nach dem Treffen in Madrid -

MADRID - (AD) - Nach den Worten des amerikanischen Außenministers George
Shultz war die Antwort des sowjetischen Außenministers Gromyko zum Abschuß der
koreanischen Verkehrsmaschine "völlig unannehmbar". Der amerikanische Außenminister gab diese Erklärung am 8. September 1983 ab, nachdem er am Rande der
KSZE-Folgekonferenz in Madrid mit dem sowjetischen Außenminister zusammengetroffen
war. Die Unterredung dauerte mehr als zwei Stunden.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Die unprovozierte Vernichtung eines schutzlosen, unbewaffneten koreanischen
Verkehrsflugzeuges hat uns die grundlegende Thematik dieser Konferenz in höchst
schmerzlicher Weise vor Augen geführt. Bei dieser Madrider Konferenz ging es um
den fundamentalen Zusammenhang zwischen Menschenrechten und Sicherheit. Diese
brutale sowjetische Handlung hat allen das Fehlen eines jeglichen Interesses an den
betroffenen Menschenleben seitens der Sowjetunion deutlich gemacht. Und die absurde
Erklärung, die die Sowjets einer Welt, die dies einfach nicht glauben kann, angeboten haben und immer noch anbieten, hat das Problem nur noch kompliziert.
In seiner

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�In seiner gestrigen formellen Erklärung vor der Konferenz hat Außenminister
Gromyko die Dinge dann sogar noch verschlimmert, indem er behauptete, sein Land
habe das Recht, so etwas noch einmal zu tun. Meine Feststellungen während unserer
Unterredung heute nachmittag konzentrierten sich natürlich auf die Menschenrechte
und insbesondere auf das Recht der Menschen in aller Welt, für ihr Leben und für
ihre Sicherheit auf Flugreisen Rücksicht und Achtung erwarten zu können.
Die Antwort, die Außenminister Gromyko mir heute gab, war sogar noch unbefriedigender als die gestrige öffentliche Antwort vor der KSZE-Konferenz.

Ich

finde sie völlig unannehmbar.
Dies ist nicht das Ende der Angelegenheit.

Und in den vor uns liegenden Tagen

und Wochen werden die Vereinigten Staaten zusammen mit anderen überall in der
Völkergemeinschaft mit allem Nachdruck auf Gerechtigkeit gegenüber den Familien
der Ermordeten und auf Sicherheit für unschuldige Reisende pochen.

•

.

+ + + + +
*
:.
,
'

.
••

:
:

.
:

2 -

�Dokumentation
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14. September 1983

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KIRKPATRICK: FLUGZEUGTRAGÖDIE AUSWUCHS DER "HERRSCHAFT DER GEWALT"
- Rede der US-Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen
vor dem Sicherheitsrat -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Die amerikanische Chefdelegierte bei
den Vereinten Nationen, Botschafterin Jeane Kirkpatrick, erklärte am 6. September
1983 auf einer Sitzung dos Weltsicherheitsrites in New York, die Wurzel der
Tragödie des Abschusses eines südkoreanischen Passagierflugzeuges durch die
Sowjets liege in der "Herrschaft der Gewalt" in der UdSSR.

Botschafterin

Kirkpatrick hob hervor, daß die Sowjets mit den Abschuß der Maschine, bei dem
269 unschuldige Menschen starben, alle Normen des internationalen Luftverkehrs
verletzt und dazu noch gelogen hätten.
Die Ansprache der amerikanischen Chefdelegierten hat folgenden Wortlaut:
Fast die ganze Welt außerhalb der Sowjetunion weiß heute von dem koreanischen Flug 007 zwischen New York und Seoul mit 269 Personen an Bord, der vom
Kurs abkam und in sowjetischen Luftraun geriet, mit Hilfe von Radar verfolgt
wurde, von einer sowjetischen Militärmaschine des Typs SU-15 ins Visier genommen
wurde, deren Pilot kaltblutig und nach eingehender Rücksprache zwei Luft-LuftRaketen abfeuerte, die das Flugzeug zerstörten und damit offensichtlich den
269 Passagieren und Besatzungsmitgliec-

den Tod brachten.
Dieser wohlüberlegte

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�Dieser wohlüberlegte Angriff auf ein ziviles Linienflugzeug - unbewaffnet
und ohne Verteidigung, wie Zivilflugzeuge das immer sind - hat die Welt schockiert.
Nur das sowjetische Volk hat noch immer nichts von diesem Angriff auf KAL-007
und dem Tod der Menschen an Bord gehört, weil die sowjetische Regierung nicht
zugegeben hat, auf das koreanische Linienflugzeug geschossen zu haben. Ja, es
dauerte bis zum 5„ September, daß sowjetische Regierungsvertreter einräumten, daß
Flug KAL-007 in den eisigen Gewässern verschwunden sei.
Die sowjetische Regierung hat zu dem Flugzeugzwischenfall nicht geschwiegen,
sondern sie hat einfach gelogen.
Am 1. September teilte Außenminister Gromyko mit, daß "ein nicht identifiziertes Flugzeug aus Richtung Pazifischer Ozean kommend über der Halbinsel
Kamtschatka in den Luftraum der Sowjetunion eingedrungen ist und ein zweites Mal
den sowjetischen Luftraum über der Insel Sachalin verletzt hat. Das Flugzeug
hat keine Navigationslichter gesetzt, hat auf Anfragen nicht geantwortet und ist
nicht in Verbindung mit dem Funküberwachungsdienst getreten,
Kampfflugzeuge der Luftverteidigung, die gegen das eindringende Flugzeug
ausgesandt wurden, versuchten, dem Flugzeug zu helfen, den nächsten Flugplatz
anzufliegen. Aber das eindringende Flugzeug reagierte nicht auf die Signale und
Warnungen der sowjetischen Kampfflugzeuge und setzte seinen Flug in Richtung
Japanische See fort",
Am nächsten Tag, am 2. September, wiederholte TASS die Beschuldigung Gromykos,
daß der sowjetische Luftraum durch ein "nicht identifizierbares Flugzeug" grob
verletzt worden sei, das "unter Verletzung internationaler Bestimmungen ...
ohne Navigationslichter geflogen" sei. Auch TASS berichtete von Bemühungen,
"mit Hilfe allgemein akzeptierter Signale Verbindung mit dem Flugzeug aufzunehmen
und es zum nächsten Flugplatz auf sowjetischem Territorium zu eskortieren. Ober der

�über der Insel Sachalin feuerte ein sowjetisches Flugzeug Warnschüsse mit Leuchtspurmunition längs des Flugkurses der Maschine ab.

Kurz darauf verließ das ein-

dringende Flugzeug den Bereich des sowjetischen Luftraums und setzte seinen Flug
in Richtung Japanische See fort.

Etwa zehn Minuten lang befand es sich im

Beobachtungsbereich der Funkortung und wurde nachher nicht mehr gesehen..."
Gestern, als der sowjetische General Romanow schließlich zugab, daß das
koreanische Flugzeug abgestürzt sei und "zahlreiche" Menschen umgekommen seien,
versicherte er: "Das Düsenflugzeug flog ohne Lichter..."
Das ist die Version von TASS, aber wir brauchen uns nicht zu fragen, was
wirklich mit dem Flugzeug geschah oder wann es geschah oder was sowjetische
RegierungsVertreter über sein Schicksal wußten. Wir wissen es, weil wir wissen,
was die sowjetischen Piloten, die das koreanische Linienflugzeug über Sachalin
abfingen, während der 50 Minuten in der Zeit von 1756 bis 1846 (GMT) am 31. August
ihren Bodenstationen sagten, als sie das koreanische Flugzeug verfolgten, über es
sprachen und es schließlich mit seinen 269 Passagieren vernichteten.
Die amerikanische Regierung hat sich in Zusammenarbeit mit der japanischen
Regierung entschlossen, diesem Rat hier und der Welt die Beweise vorzulegen. Sie
sind auf Video-Band gespeichert, das ich abspielen werde. Auf diesem Band werden
Sie die Stimmen der Piloten der sowjetischen Abfangjäger vernehmen - zu denen
drei SU-15 (Flagon) und eine MIG-23 (Flogger) gehörten - einschließlich der Stimme
des SU-15-Piloten, der auf den Knopf drückte, durch den die Raketen ausgelöst
wurden, die das koreanische Flugzeug auf dem Flug KAL-007 vernichteten.
Es ist zwar zu erkennen, daß die Piloten Befehle der Bodenkontroll stelle
bestätigten, die Befehle sind jedoch nicht hörbar. Was ich Ihnen jetzt vorspiele,
ist das aufgenommene Band des tatsächlichen Luft-Boden-Sprechverkehrs; natürlich
in russischer Sprache. Auf den Bildschirmen werden sie gleichzeitig die original
russische Mitschrift und die englische Übersetzung sehen; über Ihre Kopfhörer
werden sie eine Übersetzung dieser Stimmen in alle Amtsprachen der Vereinten
Nationen vernehmen.
Unmittelbar nach

�Unmittelbar nach meiner Darstellung wird die russisch-englische Mitschrift
allen jenen zur Verfügung stehen, die sie gerne lesen möchten.

Am Ende dieser

Sitzung des Sicherheitsrates wird jeder interessierten Botschaft eine Tonbandkassette ausgehändigt werden, auf denen die Stimmen noch klarer zu verstehen sind.
Aus diesem Band wurde nichts herausgeschnitten.

Die Aufnahmen wurden durch

ein Aufnahmegerät vorgenommen, das sich automatisch einschaltet, sobald gesprochen
wird, und deshalb sind nur die Zeiträume aufgezeichnet, in denen Sprechverkehr
stattfand.
(An dieser Stelle wurde das Band abgespielt)
Die Mitschrift, die wir gerade gehört haben, bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Sie hat ganz einfach bewiesen, daß die Sowjets beschlossen, dieses Zivil-

flugzeug abzuschießen, es abschössen, 269 Menschen an Bord ermordeten und noch
dazu logen.
Was der Pilot im Cockpit sagte, macht mehrere entscheidende Punkte deutlich.
- Der Abfangjäger, der KAL-007 abschoß, hatte das Linienflugzeug 20 Minuten
lang in Sicht, ehe er seine Raketen abfeuerte.
- Im Gegensatz zu den wiederholten Behauptungen der Sowjets hat der Pilot des
Abfangjägers gesehen, daß die Navigationslichter des Linienflugzeuges brannten
und hat das seiner Bodenstelle dreimal mitgeteilt.
- Im Gegensatz zu sowjetischen Erklärungen erwähnt der Pilot nichts über das
Abfeuern von Warnschüssen, sondern nur den Abschuß der Raketen, die, wie er sagte,
das "Ziel" trafen.
- Im Gegensatz zu sowjetischen Erklärungen gibt es keinerlei Hinweise, daß
der Pilot des Abfangjägers irgendwelche Versuche unternommen hat, mit dem Flugzeug
in Verbindung zu treten oder es in Übereinstimmung mit der anerkannten internationalen

�anerkannten internationalen Praxis zur Landung aufzufordern.

Die sowjetischen

Abfangjäger sind wahrscheinlich technisch gar nicht in der Lage, Funkverbindung
mit einem Zivilflugzeug aufzunehmen, weil man befürchtet, das könnte ein überlaufen
sowjetischer Piloten erleichtern.
Die vielleicht schockierendste Tatsache, die aus der Mitschrift hervorgeht

ist die

daß die Piloten zu keinem Zeitpunkt die Frage der Identität des

"Ziei"-Flugzeuges anschneiden und daß die Piloten der Abfangjäger zu keinem
Zeitpunkt von etwas anderem sprechen als von dem "Ziel".

Das Einzige, was sich

auf die Identität des Flugzeuges bezog, war eine Mitteilung des Piloten des
angreifenden Abfangjägers, daß "das Ziel nichtauf IFF reagiert».

Das bedeutet,

daß das Flugzeug nicht auf die elektronische Abfragung reagierte, mit deren
Hilfe Militärflugzeuge Freund oder Feind identifizieren (IFF).

Aber die korea-

nische Linienmaschine konnte natürlich nicht auf IFF reagieren, denn Zivilflugzeuge sind nicht entsprechend ausgerüstet.

Wir wissen, daß der Abfangjäger,

der KAL-007 abschoß, hinter, neben und vor der Linienmaschine flog und sich dabei
bis auf mindestens zwei Kilometer näherte, bevor er sich wieder hinter das Flugzeug setzte und seine Raketen abfeuerte.

Bei einem Abstand von zwei Kilometern -

und unter den zu dieser Zeit herrschenden Bedingungen - war es leicht möglich,
pin Passagierflugzeug vom Typ 747 zu identifizieren.
nicht

Entweder wußten die Sowjets

daß das koreanische Flugzeug ein Verkehrsflugzeug war, auf das sie schössen,

oder er wußte nicht, daß sein "Ziel" ein ziviles Passagierflugzeug war.
Im letzteren Fall feuerten sie ihre tödlichen Geschosse ohne zu wissen oder
sich darüber Gedanken zu machen, was getroffen werden würde. Man hätte sich
jedoch leicht dem Flugzeug bis auf eine bestimmte Zahl von Metern nähern können,
um sich dessen Identität zu versichern; doch dies geschah nicht. So oder so
zeigt sich eine erschreckende Mißachtung menschlichen Lebens und internationaler
Normen.
In den Tagen nach der Vernichtung von KAL-007 erklärten die sowjetische

- 5 -

�die sowjetische Führung und die sowjetische Presse, sie verstünden die Aufregung
nicht, die deswegen entstanden sei. Sie begannen, den Vereinigten Staaten zu
unterstellen, ein "Geschrei" um nichts zu machen; danach beschuldigten sie uns
einer "Provokation" und unterstellten damit - auch wenn sie es nicht ganz so
ausdrückten -, wir hätten sie dazu provoziert, ein Flugzeug abzuschießen, das
sich in ihren Luftraum verirrt hatte, dazu provoziert, Maßstäbe und Verhaltensweisen zu verletzen, die internationale Geltung haben,.
Ihren Worten zufolge war das Abkommen eines Flugzeuges von seinem Kurs
praktisch ein Verbrechen, das mit dem Tod zu bestrafen war. Sie erklären, daß
"(sie) - wie in jedem Staat, der Selbstachtung hat - nichts weiter tun als auf
(ihre) Souveränität zu achten, die zu verletzen (sie) niemandem erlauben werden".
(So in der Nachrichtensendung im Inlandsprogramm einer Moskauer Fernsehstation,
vom 4. September 1983).
Die Sowjets erklärten - noch immer, ohne zuzugeben, daß sie das koreanische
Flugzeug abschössen - , daß "unsere Luftabwehr ihre Pflicht zur Verteidigung der
Sicherheit unseres Vaterlandes erfüllt hat". Sie erklärten, daß sie vielleicht
das koreanische Flugzeug für ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug gehalten
hätten, gaben aber immer noch nicht zu. daß sie es angegriffen und zerstört hatten.
Aber keine dieser Lügen, dieser Halbwahrheiten und Entschuldigungen kann der
Prüfung standhalten. Das Abkommen eines Flugzeuges von seinem Kurs wird von
zivilisierten Staaten nicht als ein Kapitalverbrechen betrachtet. Und kein Staat
hat das souveräne Recht, einen Menschen zu erschießen, der in Friedenszeiten versehentlich über seine Grenzen gerät - und das gilt auch für Flugzeuge. Es gibt
international anerkannte Regeln, unwillkommene Flugzeuge abzufangen. Dabei sind
ernsthafte Bemühungen zur Identifizierung, Verifizierung, und Warnung gefordert.
Wenn es sich um einen ernsten Fall handelt, so gibt es Regeln, den Eindringling
zu stellen und ihn zur Landung oder zum Verlassen des eigenen Luftraums zu zwingen.
Die Souveränität erfordert und erlaubt es nicht, in Friedenszeiten Flugzeuge abzuschießen.
Zuletzt haben

�Zuletzt haben die Sowjets unterstellt, Flug KAL-007 könnte für ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug gehalten worden sein. Aber auch das überzeugt
nicht.

Die koreanische Boeing 747 befand sich auf einem planmäßigen Routineflug.

Zur Zeit ihres Abschusses war das amerikanische Aufklärungsflugzeug, auf das sich
die Sowjets bezogen, bereits seit über einer Stunde gelandet - und das 2400 Kilometer weit weg.
Zudem unternehmen die Vereinigten Staaten keine Aufklärungsflüge im sowjetischen Luftraum.

Wir haben regelmäßig Flugzeuge im internationalen Luftraum,

um die sowjetische Einhaltung von SALT und anderen Rüstungskontrollabkommen zu
überwachen.

Die Sowjets kennen die Regeln dieser Flüge und können solche

Missionen leicht identifizieren.
Schließlich machen weder die Vereinigten Staaten noch alle anderen Staaten,
die über die Ermordung von 269 Passagieren des Flugzeugs KAL-007 erregt sind,
ein Gezeter, noch übertreiben sie die Bedeutung der Ereignisse. Wir protestieren
gegen sehr bedeutsame Verletzungen der Normen zivilisierten Verhaltens, auf
denen sich die internationale Luftfahrt gründet und ohne die es nicht möglich
wäre, daß wir uns in Flugzeuge setzen, über Kontinente und Ozeane fliegen, frei
von der Angst, Ziel eines mörderischen Angriffs zu werden.
In einem Maß, das wir uns kaum vorstellen können, hängt die internationale
Luftfahrt von einem Netzwerk gegenseitigen Vertrauens ab, daß wir nicht gegenseitig Flugzeuge abschießen, sie entführen, oder Passagiere und Besatzung einsperren oder vergiften.
Warum hat die Sowjetunion diese Normen verletzt - und warum hat sie deswegen
gelogen? Meistens werden zwei Gründe genannt, um zu erklären, warum der sowjetische Pilot das Flugzeug abschoß. Der eine ist, daß es ein Irrtum war - der
Irrtum eines schießfreudigen Piloten, der zusammen mit seiner Bodenstelle der
Einstellung folgte: Erst schießen, dann identifizieren.
Aber wenn

�Aber wenn der Irrtum des Piloten für diesen tragischen Fehler verantwortlich
war: Warum hat die sowjetische Regierung das nicht gesagt?

Warum hat sie gelogen

und warum verbindet sie den mörderischen Angriff auf KAL-007 mit einem lügnerischen Angriff auf die Vereinigten Staaten wegen angeblicher Provokation und
Aggression?
Als ich mich

mit dieser Frage beschäftigte, erinnerte ich mich an eine

Debatte, die in diesem Sicherheitsrat vor 21 Jahren stattfand, als mein Vorgänger,
Adlai Stevenson, die Aufmerksamkeit des Rates auf die "unmißverständliche Beweislage" lenkte, daß in der westlichen Hemisphäre eine Reihe von Anlagen zum Abschuß
offensiver Atomraketen installiert wurden.
Der sowjetische Vertreter Sorin wies diese Behauptung entrüstet zurück und
verband, wie dies sowjetische Vertreter oft tun, sein lügnerisches Abstreiten
mit einer bösartigen Attacke auf die Vereinigten Staaten.

Die Tatsache, daß wir

die Aufmerksamkeit auf ein bedrohliches sowjetisches Verhalten lenkten, so Sorin,
verschleiere nur die eigene

Aggression und Piraterie der Vereinigten Staaten.

Aber auch Adlai Stevenson hatte die Beweise, um seine Behauptungen zu belegen genauso unwiderleglich wie die Aufzeichnungen,die wir heute haben.
Tatsache ist, daß Gewalt und Lügen reguläre Instrumente der sowjetischen
Politik sind. Sowjetische Regierungsvertreter verhalten sich immer wieder so,
als wäre die Wahrheit lediglich eine Funktion von Gewalt und Wollen, als wäre
die Wahrheit nur so, wie sie es darstellen, als wäre die Gewalt ein Instrument,
auf das man in außenpolitischen Angelegenheiten zuerst zurückgreift. Die Sowjets
besetzen Afghanistan und beschuldigen die Vereinigten Staaten der Einmischung in
innere Angelegenheiten eines anderen Landes. Sie schaffen mit ihren SS-20 eine
massive neue Verwundbarkeit in Europa und beschuldigen die NATO des Versuchs,
das Gleichgewicht der Kräfte zu stören.
Wir sehen die Dinge anders. Wir glauben, daß die Wahrheit für Zusammenarbeit und Frieden zwischen Ländern genauso lebenswichtig ist wie zwischen
Menschen. Es ist deprimierend, ernsthaft unsere globalen Aussichten zu erwägen,
- 8 -

�zu erwägen, wenn sie sich auf Beziehungen stützen müssen, bei denen es keine
Wahrheit und kein Vertrauen gibt.

Es ist deprimierend, sich eine Welt vorzu-

stellen, in der ein großes Land, ausgerüstet mit den mächtigsten modernen Waffen,
glaubt, es habe ein souveränes Recht, auf ein Linienflugzeug zu feuern, das sich
auf sein Territorium verirrt hat. Diese sowjetischen Handlungen und Ansprüche
werfen ein Licht auf die sowjetische Konzeption von angemessenen Beziehungen
zwischen Staaten in Friedenszeiten.

Sie werfen ein Licht auf die Welt, in der

wir leben, arbeiten und Politik treiben.
Einige Kenner der Szene glauben, daß die Zerstörung der Verkehrsmaschine
nicht das Werk eines einzelnen Bösewichtes ist, den Menschenleben nicht interessieren, sondern daß der Abschuß ein wohlüberlegter Schlag war, der einschüchtern
sollte - ein brutaler, entschlossener Akt, um Furcht und Zögern bei all denen
hervorzurufen, die sich ein Bild von der rücksichtslosen sowjetischen Gewalt
gemacht haben, genauso wie die Ermordung afghanischer Dorfbewohner oder die
Inhaftierung der Helsinki-Gruppen bewirken sollen, daß Willfährigkeit durch
Terror sichergestellt wird.
Wie dem auch immer ist - ob der Abschuß der Linienmaschine und der Tod der
Passagiere nur auf absolute Gleichgültigkeit zurückzuführen ist oder ob dies
ein Mittel der Einschüchterung war - wir haben es hier nicht mit dem Irrtum eines
Piloten zu tun, sondern mit Entscheidungen und Prioritäten, die charakteristisch
für ein System sind.

Die sowjetischen Stellen haben nicht nur ein vom Kurs ab-

gekommenes Verkehrsflugzeug abschießen lassen und dann darüber Lüge,, verbreitet,
sie haben auch in gefühlloser Weise alle Angebote für eine internationale Beteiligung an Such- und Rettungsaktionen zurückgewiesen - und das trotz der klar definierten "internationalen Normen und empfohlenen Praktiken" der Internationalen
Organisation für Zivilluftfahrt (ICAO), durch die alle Länder aufgefordert werden,
"jede notwendige Erlaubnis zu geben, damit derartige Flugzeuge, Schiffe, Personal
oder Ausrüstung auf das Territorium des jeweiligen Landes gelangen können ....
und zwar unter dem Gesichtspunkt, ein solches Vorhaben zu beschleunigen".
Wieder einmal

�Wieder einmal wird uns vor Augen geführt, daß die Sowjetunion ein Staat ist,
der sich auf das Doppelprinzip Gefühllosigkeit und Lügenhaftigkeit stützt.
hat sich der Herrschaft der Gewalt verschrieben.

Sie

Lenin hat die "Diktatur des

Proletariats" im Jahre 1920 definiert, als er schrieb, daß die wissenschaftliche
Konzeption der Diktatur nichts anderes bedeute als unbeschränkte Macht, in keiner
Weise durch Gesetz oder Bestimmungen behindert und direkt auf der Gewalt beruhend.
Es ist dieses Prinzip der Gewalt - diese Mentalität der Gewalt -, auf die
die Tragödie der koreanischen Verkehrsmaschine zurückzuführen ist. Dies ist die
Realität, die der Welt durch dieses schreckliche Ereignis vor Augen geführt wurde.
Es ist eine Realität, über die wir alle nachdenken müssen, wenn wir die Gefahren
für den Frieden und die Menschenrechte abwägen, Henen wir uns heute alle gegenübersehen.
Die Vereinigten Staaten sind zutiefst davon überzeugt, daß hier in den Vereinten Nationen sofortige Maßnahmen ergriffen werden sollten, damit die Möglichkeit einer Wiederholung der Tragödie dieser koreanischen Verkehrsmaschine verringert wird. Wir fordern unsere Kollegen hier auf, sich uns in den kommenden
Tagen bei dem Bemühen anzuschließen, aus dieser Tragödie mit Nachdruck neue
Klarheit über die Veränderungen unserer Welt zu erlangen, und neue Anstrengungen
zu unternehmen, die uns alle sicherer machen.

+ + + + +

- 10 -

�14. September 1983

37

DIE HILFE DER VEREINIGTEN STAATEN FÜR MITTELAMERIKA
- Vergleich von Wirtschafts- und Sicherheitshilfe -

WASHINGTON - (AD) - Die Ansicht, die Vereinigten Staaten strebten lediglich
eine militärische Lösung der Probleme in Mittelamerika an, kann durch die entsprechenden Zahlen der letzten vier Jahrzehnte nicht belegt werden.
Von 1946 bis 1982 stellten die Vereinigten Staaten an Wirtschaftshilfe für
Mittelamerika 2,3 Milliarden Dollar zur Verfügung - im Vergleich zu 296 Millionen
Dollar an Militärhilfe.

Im Jahre 1983 sind über 75 Prozent der amerikanischen

Hilfe für die Region wirtschaftlicher Natur.
Außerdem ist Präsident Reagans Initiative

fi

'r das Karibische Becken seiner

Natur nach völlig wirtschaftlich ausgerichtet. Seine Handelsbestimmungen zielen
darauf ab, die Grundlage für ein langfristiges Wirtschaftswachstum oer karibischen
Länder mittels neuer Exportindustrien zu schaffen.
Ein solches wirtschaftliches Wachstum ist jedoch - genau wie politischer und
sozialer Fortschritt - ohne militärischen Schutz unmöglich. Präsident Reagan
erklärte zurecht, daß keine noch so große Menge an Wirtschaftshilfe ausreichen würde,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ausreichen würde, solange die Guerilla Straßen, Brücken, Elektrizitätswerke und
Ernten immer wieder ungestraft zerstören und vernichten kann.
Aus diesem Grund wurde die Militä'rhilfe an El Salvador 1980 beträchtlich
erhöht, als die Carter-Administration vor den unwiderleglichen Beweisen stand,
daß große Mengen Waffen aus Nicaragua die salvadorianische Guerilla erreichten.
Nachstehend eine Übersicht über die amerikanische Wirtschafts- und Sicherheitshilfe für Mittelamerika in den Haushaltsjahren 1982, 1983 und 1984:
Wirtschaftshilfe (in Millionen Dollar)
Haushaltsjahr 1982
El Salvador

Belize
Summe

Haushaltsjahr 1984
(vorgeschlagen)

178,5

227,1

195,5

75,0

93,1

86,2

119,5

145,1

106,3

14,0

44,0

64,5

10,0

6,7

4,0

397,0

516,0

456,5

Honduras
Costa Rica
Guatemala

Haushaltsjahr 1983

Sicherheitshilfe (in Millionen Dollar)
El Salvador
Honduras
Costa Rica
•

Guatemala
Summe

!

•. •

'

82,0
20,3
0,1
0,0
102,4

•

'

•

.

:

.

+ + + + +

136,3

86,3

49,3
4,6

41,0
2,2

0,0
190,2

10,0
139,5

�14. September 1983

37

DEUTSCHES GENIE IN AMERIKA
Am 14. August 1901 gelang einem deutsch-stämmigen Amerikaner der erste motorv
sierte Flug in der Luftfahrtgeschichte.

Dies ist der vierte von sechs Artikeln
über die Deutschen in Amerika, die wir
im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten
anläßlich des 300 Jahrestages deutscher
Einwanderung in Amerika bis zum 6. Oktober veröffentlichen.

- (AD) - Deutsch-Amerikaner haben in allen Bereichen des amerikanischen
Lebens große Leistungen vollbracht: Im Handel, in der Kunst, auf dem Gebiet der
Sozialwissenschaften und der Literatur traf deutscher Erfindergeist in Amerika
auf fruchtbaren Boden, in dem er sich entfalten konnte. Auf dem Gebiet der
Naturwissenschaften und der Technologie haben Deutsch-Amerikaner immer wieder
internationale Anerkennung gefunden.
Das wohl bekannteste Mitglied dieser Gruppe der Deutsch-Amerikaner war
natürlich der Physiker Albert Einstein, ein Mann, dessen Name allein heute als
Synonym für den Begriff "Genie" steht. 1879 in Ulm geboren, war seine außerordentliche Begabung auf wissenschaftlichem Gebiet erst in späteren Jahren

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�späteren Jahren deutlich, doch sicherte er sich mit der Entwicklung der "Relativitätstheorie" 1905 seinen Platz in der Geschichte der Wissenschaft,

Im Jahre 1933

immigrierte Einstein in die Vereinigten Staaten und mit ihm und anderen Auswanderern
dieser Zeit verlagerte sich die naturwissenschaftliche Elite nach Amerika.
Ein Jahrhundert vor Einsteins Wirken gelangte ein anderer deutschstämmiger
Amerikaner in Amerika zu Ruhm: John Augustus Roebling, der seine Begabung einem
Unternehmen widmete, das auch heute noch als eines der Wunder der modernen Architektur angesehen wird — der Bau der Brooklyn-Brücke von New York.

Roebling, der

ein Verfahren zur Herstellung von Drahtseilen entwickelt hatte, begann, diese
Technologie auf den Entwurf eines neuen Brückentyps anzuwenden.

Der Bau der

Brooklyn-Brücke, Roeblings größtem Projekt, begann im Jahre 1869 und dauerte
14 Jahre. Roebling selbst starb an den Folgen einer Verletzung, die er sich
während der Überwachung der Arbeiten auf einem Baugerüst zugezogen hatte. Es
blieb somit seinem Sohn Washington überlassen, die Brücke zu beenden.

Bei Fertig-

stellung der Brooklyn-Brücke im Jahre 1883, wurde der Bau als 8. Weltwunder angesehen, ein Attribut, daß nach Meinung vieler auch heute noch zutrifft.
Deutsch-stämmige Amerikaner, deren Fähigkeiten besonders auf technologischem
Gebiet lagen, waren in Amerika besonders um die Jahrhundertwende aktiv. Die
Geschichte zweier solcher Personen beleuchtet ein wenig die verschiedenen Schicksale, die das Glück den Begabten schenkt. Gustave Whitehead, der am 1. Januar 1874
im fränkischen Leutershausen als Gustav Albin Weisskopf geboren wurde, war ein
Kesselflicker mit einer Leidenschaft für die Konstruktion von Flugmaschinen.
Whitehead, der 1895 nach Boston emigrierte, nahm Verbindung mit einer Gesellschaft
für Fliegerei auf, stand aber auch mit dem großen deutschen Luftfahrtpionier
Otto Lilienthal in brieflichem Kontakt. Whitehead gelang die Herstellung einer
Reihe von motorisierten Versuchsmodellen, und nach heutigen Dokumentationen
besteht Grund zur Annahme, daß am Morgen des 14. August 1901 ein 90 Sekunden
dauernder Flug in einem motorbetriebenen Flugzeug stattfand, bei dem eine Strecke
von über 850 Metern zurückgelegt worden war.
Da sich

�Da sich Whiteheads Flug ganze zwei Jahre vor einem ähnlichen Flug der
Gebrüder Wright ereignete, für den den Brüdern das Verdienst zugesprochen wird,
den ersten motorisierten Flug durchgeführt zu haben, ist im Grunde Whitehead der
"rechtmäßige" Vater des modernen Flugwesens.
Ein anderer deutsch-stämmiger Amerikaner war Charles Proteus Steinmetz, der
seine Begabung auf dem Gebiet der Elektrizität einsetzte und der ein weniger
anonymes Schicksal erfahren mußte. 1865 in Breslau geboren, wanderte Steinmetz
im Alter von 24 Jahren nach Amerika aus und erreichte New York im Jahre 1889.
Bereits als Jugendlicher zeigte Steinmetz seine Begabung auf dem Gebiet der Naturwissenschaft und errichtete bald darauf sein eigenes Forschungslabor, in dem er
bemerkenswerte Erfolge im Studium elektrischer Ströme erzielte. Einige Jahre
später bekam er einen Auftrag der General Electric Company und setzte seine
Forschungsarbeit bei der Hauptgeschäftsstelle der Firma in Schenectady, New York
fort. Bis zu seinem Tode im Jahre 1923, nach einer glänzenden Karriere, hatte
Steinmetz mehr als 200 Erfindungen patentiert und war als "Zauberer von Schenectady"
bekannt geworden.

+++++

�Ufi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

37

14. September 1983

SMOG SCHMÄLERT ERNTEERTRAG
Simulation in Klimakammern

- (AD) - Bis zu 20 Prozent verringert Smog, die oft über Städten und Industriezentren liegende Dunstglocke, den Anbauertrag bei Baumwolle. Dies ist das vorläufige Ergebnis von Beobachtungen vor allem im "Central Valley" in Kalifornien,
die 0. Clifton Taylor, Pflanzenphysiologe an der Universität Kalifornien in Riverside, über einen Zeitraum von drei Jahren machte. Er leitet eine der fünf Regionalstudien, die das Umweltbundesamt der Vereinigten Staaten (EPA) im Rahmen seiner
landesweiten Erhebungen über Ausmaß und Ursachen von Ernteausfällen durchführt.
Der Smog-Schaden bei Baumwolle allein bedeutete für die Farmer in Central
Vallez im Jahr 1982 einen Verlust von 200 Millionen Dollar. Ähnliches gelte, wie
Taylor betont, für eine ganze Anzahl der 150 verschiedenen Agrarprodukte aus Südkalifornien und dem Central Valley - einschneidende Auswirkungen auf eine "Industrie,
die im Bundesstaat Kalifornien immerhin den Umfang von 14 Milliarden Dollar erreicht",
Wohl sind Smog-Schäden an Pflanzen bereits eindeutig nachgewiesen worden.
Jedoch hatte man die entsprechenden Untersuchungen in Klimakammern, also im
Laboratorium durchgeführt.

Dabei können jedoch, so Taylor, echte Wetterbedingungen

und Smog in seiner tatsächlichen Zusammensetzung nicht simuliert werden.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Außerdem

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Außerdem seien die Ergebnisse auch deshalb nicht zuverlässig, weil im Gewächshaus
bzw. in der Klimakammer gezogene Pflanzen von vornherein weniger Widerstand gegen
Smog entwickeln als Pflanzen auf freiem Feld. Man sei jetzt überzeugt, erklärt
Taylor, daß eine exakte Erforschung und Analyse der Wirkungen von Luftverschmutzung
nur auf freiem Feld möglich ist. "Smog-Schäden variieren beispielsweise mit der
Temperatur und dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft". Offenbar werden dabei u.a. die
Effekte von Ozon gefördert oder auch gehemmt. Auch Art und Ausmaß der photochemi- •
sehen Prozesse dürften entsprechend den jeweiligen Umweltbedingungen unterschiedlich sein.
Die von Taylor geleiteten Feldstudien werden im Südwesten der USA durchgeführt in Kalifornien, Arizona, New Mexico, Nevada und Utah. Im Rahmen des gegenwärtigen
Programms interessieren vor allem Beobachtungen zu den Auswirkungen von Smog auf
Erträge an Salat, Alfalfa und Gerste, weil diese Feldprodukte für die betreffenden
Bundesstaaten von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung sind.

•

+ + + + +
•

&gt;

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan ordnet Schließung der AEROFLOT-Büros in den USA an&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Außenministers vor der KSZE-Folgekonferenz in Madrid&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Antwort Gromykos völlig unannehmbar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung nach dem Treffen in Madrid -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kirkpatrick: Flugzeugtragödie Auswuchs der "Herrschaft der Gewalt"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede der US-Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen vor dem Sicherheitsrat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Hilfe der Vereinigten Staaten für Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vergleich von Wirtschafts- und Sicherheitshilfe -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deutsches Genie in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Am 14. August 1901 gelang einem deutsch-stämmigen Amerikaner der erste motorisierte Flug in der Luftfahrtgeschichte -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Smog schmälert Ernteertrag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Simulation in Klimakammern -&lt;/em&gt;</text>
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