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                  <text>nformohon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
7. September 1983

36
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: Keine Rechtfertigung für den sowjetischen Angriff
- Fernsehrede des US-Präsidenten zum Flugzeugabschuß Erklärung Präsident Reagans zum Flugzeugabschuß
Shultz: Abschuß der koreanischen Verkehrsmaschine durch Sowjets
"entsetzlicher Akt"
- Erklärung und Pressekonferenz des US-Außenministers WIRTSCHAFT
Warum braucht der Westen noch immer Exportkontrollen?
- Referat von Unterstaatssekretär Brady vor der Stanford Universität HINTERGRUNDMATERIAL
Interview mit Edward Rowny über Rüstungskontrolle
- Von Morgan Strong Das Kernwaffeninventar der Vereinigten Staaten
Die deutsche Sprache in Amerika
- Eine deutschsprachige Zeitung in Philadelphia berichtete am 5. Juli 1776
als erste über die Annahme der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Perfekte Nachtlandung
- Raumtransporter CHALLENGER vom dritten Einsatz zurück AIDS-Kontrolle für Spenderblut

Um Übcr/cndung von
ßclegeKemploren
wird gebeten

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Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

36

7. September 1983

REAGAN: KEINE RECHTFERTIGUNG FÜR DEN SOWJETISCHEN ANGRIFF
- Fernsehrede des US-Präsidenten zum Flugzeugabschuß -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Fernsehansprache
an das amerikanische Volk am 5. September 1983 erklärt, die Sowjetunion schulde
der Welt eine Entschuldigung für den Abschuß einer südkoreanischen Passagiermaschine. Für dieses Massaker gebe es absolut keine Rechtfertigung, weder rechtlich
noch moralisch.

Der amerikanische Präsident kündigte ausgewogene Sanktionen

gegeri die Sowjetunion an.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Meine amerikanischen Mitbürger,
ich trete heute abend vor Sie hin, um über das Massaker an dem koreanischen
Flugzeug zu Ihnen zu sprechen - über den Angriff der Sowjetunion gegen 269 unschuldige Männer, Frauen und Kinder an Bord eines unbewaffneten koreanischen
Passagierflugzeuges.

Dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit darf niemals

in Vergessenheit geraten - weder hier noch in der ganzen Welt.
Unsere Gebete heute abend gelten den Opfern und ihren Familien in der Zeit

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Zeit ihrer schrecklichen Trauer.

Unsere Herzen sind bei ihnen - tapferen

Menschen wie Kathryn McDonald, der Frau eines Kongreßabgeordneten, deren Haltung
und Ausdruck am Tage des Todes ihres Gatten uns alle bewegte.

Er wird uns allen

hier in der Regierung bitter fehlen.
Die Eltern eines ermordeten jungen Paares telegraphierten mir: "Unsere Tochter ...
und ihr Ehemann ... starben auf dem Flug 007 der Koreanischen Fluggesellschaft.
Ihr Tod war das Ergebnis der Verletzung jeder Vorstellung von Menschenrechten
durch die Sowjetunion".

Die Gefühle dieser Eltern - Trauer, Schock, Zorn -

werden von allen zivilisierten Menschen geteilt. Auf der ganzen Welt lassen
Presseberichte eine Explosion der Verurteilung durch alle Menschen erkennen.
Lassen Sie mich in aller Deutlichkeit sagen:

Es gibt absolut keine Recht-

fertigung - weder rechtlich noch moralisch - für das, was die Sowjets getan haben.
Eine Zeitung in Indien schrieb: Wenn jedes Passagierflugzeug ... Freiwild für die
Luftwaffen ist...,dann wird das das Ende der Zivilluftfahrt, wie wir sie kennen,
bedeuten".
Das ist nicht das erstemal, daß die Sowjetunion auf ein Zivilflugzeug geschossen und es getroffen hat, wenn es ihr Territorium überflog. In einem
anderen tragischen Fall im Jahre 1978 schössen die Sowjets ebenfalls ein unbewaffnetes Zivilflugzeug ab, nachdem sie es einwandfrei als solches identifiziert
hatten. In jenem Falle hatte der Pilot des sowjetischen Abfangjägers die zivilen
Kennzeichen am Rumpf des Flugzeuges eindeutig identifiziert; den Befehl, auf
ein Zivilflugzeug zu schießen, wiederholt angezweifelt; und er erhielt trotzdem
schließlich den Befehl, es abzuschießen. Das Flugzeug wurde von einer Rakete
getroffen und machte eine Notlandung. Bei diesem Angriff verloren mehrere
unschuldige Menschen ihr Leben - getötet durch Splitter bei der Explosion einer
sowjetischen Rakete.
Handeln andere Staaten der Welt auch so?

Die Antwort ist Nein.

Linienflug-

zeuge aus der Sowjetunion und aus Kuba haben bei zahlreichen Gelegenheiten

- 2 -

�zahlreichen Gelegenheiten sensitive militärische Einrichtungen der Vereinigten
Staaten überflogen.

Sie wurden nicht abgeschossen.

Wir und andere zivilisierte

Länder glauben an die Tradition, Seeleuten und Piloten, die auf See oder in der
Luft vermißt sind oder sich in Not befinden, Hilfe angedeihen zu lassen.

Wir

glauben an Verfahren, um eine Tragödie zu verhindern, nicht um eine zu provozieren.
Aber trotz der Barbarei ihres Verbrechens, der weltweiten Reaktion darauf und
des Beweises ihrer Schuld weigern sich die Sowjets noch immer, die Wahrheit zu
sagen.

Sie haben sich beharrlich geweigert zuzugeben, daß ihr Pilot auf das

koreanische Flugzeug geschossen hat.

Sie haben ihren eigenen Leuten noch nicht

einmal mitgeteilt, daß ein Flugzeug abgeschossen wurde.
Sie haben ein verworrenes Märchen erfunden, das Flugzeug mit Radar verfolgt
zu haben, bis es of mysteriöse Weise ganz einfach von ihren Radarschirmen verschwunden sei; daß niemand auch nur einen Schuß abgegeben habe. Aber dann verbanden sie das Ganze mit Behauptungen, es habe sich um ein von uns gesandtes
Spionageflugzeug gehandelt; und daß ihre Flugzeuge Warnschüsse mit Leuchtspurmunition abgegeben hätten, um das Flugzeug darauf aufmerksam zu machen, daß es
sich in sowjetischem Luftraum befinde.
Lassen Sie mich noch einmal zusammenfassen und die unwiderleglichen Beweise
vorlegen, die wir besitzen: Die koreanische Linienmaschine, eine Boeing 747
(Jumbo-Jet) verließ Anchorage in Alaska mit Bestimmungsort Seoul, Korea, auf
einem Süd- und Westkurs, der sie über Japan führen sollte,

über dem Pazifik in

internationalen Gewässern befand sie sich eine kurze Zeit in der Nähe eines
unserer Aufklärungsflugzeuge, einer RC-135 auf einem Routineflug.
befand sich zu keinem Zeitpunkt in sowjetischem Luftraum.

Die RC-135

Das koreanische

Linienflugzeug setzte seinen Flug fort, und die beiden Maschinen befanden sich
rasch in weiter Entfernung voneinander.
Die 747 ist mit modernsten computergesteuerten Navigationsmitteln ausgerüstet,
aber ein Computer antwortet nur das, was ihm von Menschenhand eingegeben wurde.

- 3 -

�eingegeben wurde.

Niemand wird je herausfinden können, ob dem Computer ein

falscher Kurs eingegeben wurde oder ob es sich um eine Funktionsstörung handelte.
Wie dem auch immer sei, die 747 flog weiter westlich, als sie fliegen sollte einen Kurs, der sie in sowjetischen Luftraum führte.
Die Sowjets verfolgten dieses Flugzeug zweieinhalb Stunden lang, während es
in einer Höhe von 30 000 bis 35 000 Fuß (rund 10 000 m) einen geraden Kurs flog.
Nur Zivilflugzeuge fliegen auf diese Weise. An einem Punkt gab der koreanische
Pilot der japanischen Luftkontrolle seinen Standort als östlich von Hokkaido,
Japan, an, was zeigte, daß er nicht bemerkte, daß sie um mindestens 100 Meilen wenn nicht mehr - vom Kurs abgewichen waren.
Die Sowjets ließen DUsenabfangjä'ger von einem Stützpunkt auf der Insel
Sachalin starten.
Japanische Bodenstellen zeichneten den Sprechfunkverkehr der Abfangjäger auf ihren Sprechfunkverkehr mit ihrer eigenen Bodenkontrolle. Wir haben nur die
Stimmen der Piloten; der Sprechfunkverkehr Boden-Flugzeug wurde nicht aufgenommen.
Aus den Worten des Piloten geht jedoch ganz eindeutig hervor, daß er auf Befehle
und Fragen seiner eigenen Bodenkontrolle antwortete.
Hier ein kurzer Ausschnitt aus dem Tonband, das ich morgen in seiner ganzen
Länge vor den Vereinten Nationen abspielen lassen werde:
Zeit (GMT)
1818:34

an
"Deputat"
(Rufzeichen der
sowjetischen Bodenkontrolle)

805
(Sow. Kampfflugzeug SU-15)

Text
Die A.N.0. Navigationslichterbrennen. Die Blinkleuchte
brennt.

163
(Sow. MIG-23)

Roger, ich bin auf 7500 Fuß,
Kurs 230.

von

1818:56

Deputat

1819:02

Deputat

805

Ich bin nahe am Ziel.

1826:20

Deputat

805

Ich habe die Rakete abgefeuert.

- 4 -

�1826:22

Deputat

805

Das Ziel ist vernichtet.

1826:27

Deputat

805

Ich breche den Angriff ab.

Das waren die Stimmen der sowjetischen Piloten.
Auf diesem Band beschreibt der eine die Suche nach dem,wie er es bezeichnet,
"Ziel". Er berichtet, daß er in Sichtweite sei; er nähert sich dem koreanischen
Flugzeug auf weniger als eine Meile, berichtet, daß die Blinkleuchte brennt und
daß die Navigationslichter brennen. Er berichtet dann, daß er seine Geschwindigkeit
verringert, um sich hinter das Linienflugzeug zu setzen; er gib seinen Abstand
von der Maschine an verschiedenen Punkten seines Manövers an; und er gibt schließlich
das bekannt, was man nur als das Massaker an der koreanische Linienmaschine bezeichnen kann, Er teilt mit, daß er das Radar eingeschaltet habe, das seine
Raketen ins Ziel lenkt; diese Raketen abgefeuert hat; daß das Ziel vernichtet ist;
und daß er seinen Angriff abbricht.
Lassen Sie mich noch auf etwas hinweisen, was mit dem engen Sichtkontakt mit
dem Linienflugzeug in einer, wie wir wissen, klaren Halbmondnacht zu tun hat.
Die 747 hat eine einmalige und eindeutige Silhouette, die keiner irgendeines
anderen Flugzeuges in der Welt ähnlich sieht.

Es gibt gar keine Möglichkeit,

daß ein Pilot sie für irgend etwas anderes halten könnte als ein Zivilflugzeug.
Und wenn das noch nicht genügt, dann lassen Sie mich darauf hinweisen, daß unsere
RC-135, von der ich vorher gesprochen habe, seit einer Stunde auf ihrem Stützpunkt
in Alaska gelandet war, als der mörderische Angriff über der Japanischen See
stattfand.
Und möge sich niemand täuschen, dieser Angriff war nicht nur gegen uns oder
die Republik Korea gerichtet.

Das war die Sowjetunion gegen die Welt und die

moralischen Vorstellungen, die die menschlichen Beziehungen unter Völkern überall
bestimmen.

Es war ein Akt der Barbarei, geboren aus einer Gesellschaft, die bewußt

- 5 -

�die bewußt die Rechte des einzelnen und den Wert des menschlichen Lebens mißachtet
und sich ständig auszudehnen sucht, um andere Nationen zu beherrschen.
Sie streiten die Tat ab, aber in ihren widersprüchlichen und irreführenden
Protesten lassen die Sowjets erkennen, daß selbst der Abschuß eines Flugzeuges «•
selbst wenn Hunderte unschuldiger Männer, Frauen und Kinder an Bord sind zu ihrem normalen Verfahren gehört, wenn sich ein Flugzeug in dem von ihnen beanspruchten Luftraum befindet.
Sie schulden der Welt eine Entschuldigung und ein Angebot, sich dem Rest der
Welt anzuschließen bei der Ausarbeitung eines Systems, um davor zu schützen, daß
jemals wieder so etwas passiert.

Uns anderen bleibt unter anderem eine Schutz-

maßnahme: Eine internationale Wellenlänge, auf denen Piloten mit Flugzeugen
anderer Länder in Kontakt treten können, wenn sie in Schwierigkeiten sind oder
sich verirrt haben.

Sowjetische Militärflugzeuge sind nicht mit solchen Geräten

ausgerüstet, denn diese würden es Piloten leichter machen, die überlaufen wollen.
Unser Ersuchen, Schiffe in sowjetische Gewässer zu entsenden, um nach Flugzeugteilen und Toten zu suchen, wurde nicht befriedigend beantwortet. Die
trauernden Familien der japanischen Opfer wurden von sowjetischen Patrouillenbooten belästigt, als sie versuchten, sich der Stelle zu nähern, wo das Flugzeug
sein sollte, um für die Toten einen Gottesdienst abzuhalten. Aber eine solch
unmenschliche Brutalität sollte uns nicht überraschen, Man erinnert sich an die
Tschechoslowakei, an Ungarn, Polen und an die Giftgasanschläge auf Dörfer in
Afghanistan. Wenn das Massaker und das darauffolgende Verhalten den Sinn hatte,
einzuschüchtern, so hat es diesen Zweck verfehlt. Ablehnung und Trotz kommen
von überall her auf der Welt angesichts dieses unaussprechlichen Aktes
und
Ablehnung und Trotz gegenüber dem System, das ihn entschuldigt und versucht, ihn
zu vertuschen. Zu unserem Abscheu und unserer Besorgnis kommt ein berechtigter
und furchtbarer Zorn. Es wäre leicht, an Vergeltung zu denken, aber dies ist
keine angemessene Antwort. Wir wollen Gerechtigkeit und wollen Maßnahmen, daß
dies nie wieder geschieht.
Die unmittelbare

�Die unmittelbare Herausforderung angesichts dieser furchtbaren Tat besteht
darin, dafür zu sorgen, daß wir die Lüfte sicherer machen und gerechte Entschädigung für die Familien der Getöteten erhalten.
Seit meiner Rückkehr nach Washington haben wir lange Gespräche geführt, das
letzte erst gestern mit der Führung des Kongresses. Im Raum stand ein Gefühl der
Einigkeit, und ich erhielt eine Reihe konstruktiver Vorschläge. Wir werden auch
weiterhin mit dem Kongreß hinsichtlich unserer Reaktion auf dieses Massaker
zusammenarbeiten.
Wie Sie wissen, haben wir die Welt unverzüglich die schockierenden Tatsachen
so ehrlich und umfassend wissen lassen, wie sie uns erreichten.
Wir haben die Sowjets wissen lassen, daß wir unser bilaterales Verkehrsabkommen so lange nicht erneuern werden, wie sie die Sicherheit der zivilen Luftfahrt bedrohen.
Seit 1981 ist der sowjetischen Luftlinie Aeroflot das Recht verwehrt, in die
Vereinigten Staaten zu fliegen. Wir haben diese Anordnung bekräftigt und untersuchen weitere Maßnahmen, die wir hinsichtlich der Einrichtungen von Aeroflot
in diesem Land ergreifen können. In Zusammenarbeit mit anderen Ländern wollen
wir bessere Mittel finden, um die Sicherheit der zivilen Luftfahrt zu garantieren;
zusammen mit ihnen werden wir Aeroflot nicht mehr als normales Mitglied der internationalen Gemeinschaft der zivilen Luftfahrt anerkennen, bis die Sowjets den
Rufen der Menschheit nach Gerechtigkeit entsprechen. Ich freue mich, mitteilen
zu können, daß Kanada das Lande- und Auftankrecht der Aeroflot für 60 Tage
suspendiert hat.
Zusammen mit anderen Staaten drängen wir die Internationale Organisation
für Zivilluftfahrt darauf, dieses Verbrechen auf einer dringlichen Sondersitzung
ihres Rates zu untersuchen. Gleichzeitig hören wir höchst sorgfältig auf amerikanische und internationale Privatgruppen wie Piloten- und Passagiervereinigungen

- 7 -

�Passagiervereinigungen und andere, die ein besonderes Interesse an der Sicherheit
der zivilen Luftfahrt haben.
Ich ersuche den Kongreß, eine gemeinsame Resolution zu verabschieden, die
dieses sowjetische Verbrechen verurteilt.
Wir haben die Sowjets darüber informiert, daß wir Verhandlungen über eine
Reihe bilateraler Vereinbarungen aussetzen, die zur Prüfung anstanden.
Zusammen mit Korea und Japan haben wir eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen gefordert, die am Freitag begonnen hat.

Am

ersten Tag schlössen sich uns Korea. Japan, Kanada, Australien, die Niederlande,
Pakistan, Frankreich, China, Großbritannien, Zaire, Neuseeland und die Bundesrepublik Deutschland dabei an, die sowjetische Tat zu verurteilen und unseren
Abscheu zum Ausdruck zu bringen.

Wir hoffen, daß wir bei Wiederaufnahme der

Debatte morgen von weiteren Staaten hören.
Wir beabsichtigen, mit den dreizehn Staaten zusammenzuarbeiten, von denen
Staatsangehörige an Bord des koreanischen Flugzeuges waren, um Entschädigungen
für die Familien all jener zu erreichen, die getötet wurden. Die Vereinigten
Staaten werden innerhalb der nächsten Woche Ansprüche gegenüber der Sowjetunion
geltend machen, um Entschädigungen zugunsten der Angehörigen der Opfer zu erhalten.
Eine solche Entschädigung ist eine unbedingte moralische Pflicht, die die Sowjets
übernehmen müssen.
Im allgemeinen wirtschaftlichen Bereich verdoppeln wir zusammen mit unseren
Verbündeten unsere Anstrengungen, den Fluß militärischer und strategischer Güter
in die Sowjetunion zu einem Ende zu bringen.
Außenminister Shultz wird nach Madrid fliegen, um sich dort mit den Vertretern
von 35 Ländern zu treffen, die über drei Jahre hinweg ein Abkommen ausgehandelt
haben, das sich unter anderem mit den Menschenrechten beschäftigt.

- 8 /

Es ist

�Es ist vorgesehen, daß auch der sowjetische Außenminister Gromyko an diesem
Treffen teilnimmt.

Wenn er zu diesem Treffen kommt,wird Außenminister Shultz ihm

unsere Forderungen hinsichtlich der Enthüllung der Tatsachen unterbreiten, hinsichtlich der Maßnahmen zur Abhilfe und hinsichtlich konkreter Zusicherungen, daß sich
dergleichen nicht wieder ereignen wird und daß Ersatz geleistet wird.
Während wir mit anderen Ländern zusammenarbeiten, damit Recht geschieht,
zeigt sich die wirkliche Probe für unsere Entschlossenheit darin, ob wir den Willen
haben, stark, standhaft und einig zu bleiben.

Ich habe mehr denn je die Überzeu-

gung, daß dies der Fall sein wird - wie Tausende und Abertausende von Telegrammen
und Anrufen in den vergangenen Tagen bewiesen haben.
Ich habe einige der Schritte dargelegt, die wir in Reaktion auf dieses
tragische Massaker ergreifen werden. Da ist etwas, woran ich immer geglaubt habe,
aber was jetzt wichtiger ist denn je: Der Kongreß wird, wenn er nach seiner Pause
wieder zusammentritt, vor wichtigsten Fragen der nationalen Sicherheit stehen.
Es gab, ich weiß, bei diesem Thema legitime Meinungsunterschiede, aber ich dringe
darauf, daß die Mitglieder dieses Hohen Hauses die sowjetische Aggression lang
und sorgfältig abwägen, während sie über die Sicherheit unseres Volkes, ja, aller
Völker, die an die Freiheit glauben, nachdenken.
Senator Henry Jackson, ein kluger und geschätzter Staatsmann, ein Kenner der
Sowjets wie wohl kaum ein anderer Amerikaner in der Geschichte, warnte uns:
"Die größte Bedrohung, vor der die Vereinigten Staaten jetzt stehen, ist die Sowjetunion".

Aber Senator Jackson sagte auch: "Wenn Amerika eine starke Abschreckung

aufrechterhält - und nur dann -, wird diese Nation auch weiterhin ein Führer in
der entscheidenden Frage nach dauerhaftem Frieden zwischen den Nationen sein".
Der verstorbene Senator erklärte dies im Juli im Senat, als er zum MX-Raketenprogramm sprach, das er als entscheidend für die Wiederherstellung der strategischen
Parität Amerikas gegenüber den Sowjets ansah.
Als John F. Kennedy

- 9 -

�Als John F. Kennedy Präsident war, war der Anteil der Verteidigungsausgaben
am Bundeshaushalt um 70 Prozent höher, als er dies heute ist.

Seither hat die

Sowjetunion die massivste militärische Aufrüstung betrieben, die die Welt je
gesehen hat.

Solange sie nicht bereit ist, Teil der übrigen Weltgemeinschaft zu

werden, müssen wir die Stärke aufrechterhalten, die zur Abschreckung ihrer
Aggression nötig ist.
Aber während wir dies tun, dürfen wir nicht unsere Anstrengungen aufgeben,
sie in die Weltgemeinschaft der Nationen einzubeziehen.

Frieden durch Stärke,

solange dies notwendig ist - aber kein Aufgeben der Anstrengung, den Frieden durch
wechselseitige, verifizierbare Verringerungen der Kriegswaffen herbeizuführen.
Ich habe von Verhandlungen gesprochen, die wir als Ergebnis des Massakers an den
Passagieren des Flugzeugs der koreanischen Luftlinie unterbrochen haben; aber wir
können und dürfen nicht unsere Anstrengungen aufgeben, die Arsenale der zerstörerischen Waffen zu verringern, die die Welt bedrohen.

Botschafter Nitze ist nach

GenfTurückgekehrt, um die Verhandlungen über nukleare Mittel Streckenwaffen in
Europa wiederaufzunehmen.

Desgleichen werden wir auch weiterhin auf Rüstungs-

verringerungen bei den START-Gesprächen drängen, die im Oktober wiederaufgenommen
werden.

Wir sind mehr denn je entschlossen, diese über der Menschheit liegende

Bedrohung zu verringern und, wenn möglich, zu beseitigen.
Wir wissen, daß es schwer sein wird, einen Staat, der sein eigenes Volk mit
Gewalt regiert, dazu zu bringen, die Anwendung von Gewalt gegen die übrige Welt
zu beenden.

Aber wir müssen es versuchen.

Dies ist keine Rolle, die wir angestrebt haben - wir predigen keine Doktrin
der Weltherrschaft.

Aber genau wie bei den Amerikanern, die dieses Land besiedelten

und die letzte, beste Hoffnung der Menschheit hervorbrachten, fordert die Geschichte
auch viel von den Amerikanern unserer Zeit.

Wir haben schon vieles gegeben.

wir müssen bereit sein, noch viel mehr zu geben.
Lasseh Sie uns

- 10 -

Und

�Lassen Sie uns, mit Abraham Lincolns Worten, den Glauben haben, "daß Recht
Macht bringt.

Und laßt uns, in dieser Überzeugung, schließlich den Mut aufbringen,

unsere Pflicht so zu tun, wie wir sie verstehen".

Wenn wir dies tun, wenn wir

zusammenstehen und mit Mut nach vorn gehen, dann wird die Geschichte einst
berichten, daß aus jenem monströsen Schlechten etwas Gutes kam, das wir mit uns
tragen und an das wir uns für den Rest unseres Leben

+++++

- 11 -

erinnern können.

�y
»

Dokumentation
United States Information Service
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36

7. September 1983

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS ZUM FLUGZEUGBESCHUSS

SANTA BARBARA - (AD) - Mit aller Schärfe hat Präsident Reagan den
Abschuß einer südkoreanischen Passagiermaschine durch ein sowjetisches
Kampfflugzeug verurteilt.

Dies sei ein "entsetzlicher und mutwilliger"

Gewaltakt, heißt es in einer am 1. September 1983 veröffentlichten Erklärung des amerikanischen Präsidenten.

Die bisherigen sowjetischen Erklä-

rungen hierzu hätten in keiner Weise Klarheit schaffen können, warum und
wie es zu diesem tragischen Ereignis gekommen sei.

Die Vereinigten Staa-

ten verlangten eine volle Darlegung und Klärung dieses Zwischenfalles.
Die Erklärung Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:
Ich spreche für alle Amerikaner und für die Menschen überall in der
Welt, die sich zivilisierter Werte erfreuen, wenn ich gegen den sowjetischen Angriff auf ein unbewaffnetes, ziviles Passagierflugzeug protestiere,
Worte können kaum unsere Empörung über diesen schrecklichen Gewaltakt ausdrücken,

Die Vereinigten Staaten schließen sich den anderen Mitgliedern

der Völkergemeinschaft an und verlangen eine völlige Klärung dieser entsetzlichen und mutwilligen Untat.
Die bisherigen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die bisherigen sowjetischen Erklärungen konnten in keiner Weise Klarheit darüber schaffen, wie und warum es zu dieser Tragödie kommen konnte.
Ja, der ganze Vorfall scheint für zivilisierte Menschen überall in der Welt
unerklärlich zu sein.
Meine Frau und ich möchten den Familien der Opfer unser tiefstes Mitgefühl aussprechen.

Unsere Gebete sind in dieser Zeit des Schmerzes bei

ihnen, und ich versichere ihnen persönlich, daß ich alles in meiner Macht
Stehende tun werde, um dieser Tragödie auf den Grund zu gehen.

Ich habe

angeordnet, daß die Flaggen auf allen Bundeseinrichtungen und allen amerikanischen Militärstützpunkten in der Welt auf halbmast gesetzt werden.

+ + + + +

�Dokumentation

I

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7. September 1983

SHULTZ: ABSCHUSS DER KOREANISCHEN VERKEHRSMASCHINE DURCH SOWJETS
"ENTSETZLICHER AKT"
- Erklärung und Pressekonferenz des US-Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz
hat den Abschuß einer südkoreanischen Verkehrsmaschine durch ein sowjetisches Kampfflugzeug als einen "entsetzlichen Akt" verurteilt.

Auf einer

Pressekonferenz am 1. September 1983 teilte Shultz mit, daß noch in der
Nacht, als der Abschuß der Boeing 747 mit 269 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord bekannt wurde, Kontakt mit den Sowjets aufgenommen
und später der sowjetische Geschäftsträger in das Außenministerium gerufen und ihm die "ernste Besorgnis" der amerikanischen Regierung über diesen Zwischenfall mitgeteilt worden sei.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers zu Beginn seiner
Pressekonferenz hat folgenden Wortlaut:
Um 14.00 Uhr GMT am gestrigen Tag (31. August) startete in Anchorage,
Alaska, eine Boeing 747 der Korea Airlines auf dem Wege von New York nach
Seoul.

An Bord befanden sich 269 Passagiere und Besatzungsmitglieder, ein-

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�Besatzungsmitglieder, einschließlich des Kongreßabgeordneten Lawrence P.
MacDonald.
Etwa um 16,00 Uhr GMT tauchte das Flugzeug auf dem sowjetischen
Radar auf.
folgt.

Es wurde von diesem Zeitpunkt an ständig von den Sowjets ver-

Das Flugzeug geriet über der Halbinsel Kamtschatka, über dem

Ochotskischen Meer und über der Insel Sachalin in sowjetischen Luftraum.
Die Sowjets verfolgten das Flugzeug der zivilen Fluggesellschaft
etwa zweieinhalb Stunden.

Ein sowjetischer Pilot berichtete um 18.12 Uhr

GMT über Sichtkontakt mit der Maschine.

Das sowjetische Flugzeug stand,

wie wir wissen, in ständigem Kontakt mit seiner Bodenkontrollstelle.
Um 18.21 Uhr berichtete der sowjetische Pilot, das koreanische
Flugzeug befinde sich in 10 000 Metern Höhe. Um 18.26 Uhr berichtete
der sowjetische Pilot, er habe eine Rakete abgefeuert und das Ziel sei
vernichtet.
Um 18.30 Uhr befand sich das koreanische Flugzeug nach Radar-Messungen in 5000 Metern Höhe. Um 18.38 Uhr verschwand das koreanische
Flugzeug von den Radar-Schirmen.
Wir wissen, daß mindestens acht sowjetische Kampfflugzeuge sich
zum einen oder anderen Zeitpunkt mit dem Linienflugzeug befaßten. Der
Pilot, der das Flugzeug abschoß, berichtete nach dem Angriff, daß er wirklich eine Rakete abgefeuert und das Ziel zerstört habe und daß er abdrehe.
Etwa eine Stunde später wiesen sowjetische Flugüberwacher eine Reihe
ihrer Suchflugzeuge an, in der Nähe der letzten Position des koreanischen
Flugzeuges nach den Messungen der sowjetischen Luftüberwachung Such- und
Rettungsaktionen durchzuführen. Eines dieser Flugzeuge berichtete, daß
es auf der Wasseroberfläche in diesem Gebiet Kerosin (Flugzeugtreibstoff)
gesichtet habe.
Vertreter des
. 2 -

�Vertreter des amerikanischen Außenministeriums, vor allem Unterstaatssekretä'r Burt, standen während der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag in
Kontakt mit sowjetischen Regierungsvertretern, um Aufklärung über das Schicksal des Flugzeuges zu erhalten.

Die Sowjets gaben keine Informationen.

Sobald amerikanische Quellen den Abschuß des Flugzeuges bestätigt hatten,
riefen die Vereinigten Staaten in eigenem Namen und im Namen der Republik
Korea den sowjetischen Geschäftsträger ins Außenministerium, um unsere
ernste Besorgnis über den Abschuß eines unbewaffneten Zivilflugzeuges mit
Passagieren verschiedener Nationalitäten an Bord zum Ausdruck zu bringen.
Wir haben ferner dringend eine Erklärung von der Sowjetunion verlangt.
Die Vereinigten Staaten reagieren mit Abscheu auf diesen Angriff.
Der Verlust an Menschenleben scheint groß zu sein.

Wir können keinerlei

Entschuldigung für diesen entsetzlichen Akt finden.

Die anschließenden Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Wird das irgendwelche Änderungen im Umgang mit der Sowjetunion
bewirken? Beispielsweise bezüglich Ihres Zusammentreffens mit Außenminister
Gromyko?
ANTWORT:

Ich möchte sicherlich mit Außenminister Gromyko zusammen-

treffen und hören, was er dazu zu sagen hat.

Natürlich erwarten wir, lan-

ge vorher etwas von der Sowjetunion zu hören.
FRAGE: Standen die Vereinigten Staaten überhaupt über den "Heißen
Draht" mit Moskau in Kontakt, oder gab es in diesem Fall einen Kontakt auf
höchster Ebene?
ANTWORT:

Nein, die Information, die wir besitzen, bekamen wir nach

dem Abschuß dieses Flugzeuges an die Hand.
FRAGE:

Haben

�FRAGE:
ANTWORT:

Haben Sie mit dem Präsidenten schon gesprochen?
Noch nicht, aber der Präsident ist voll informiert, und

ich habe mit dem Weißen Haus an der Westküste gesprochen.

Der Präsident

weiß alles über diesen Fall und ist auf dem laufenden gehalten worden.
Ich habe nur nicht persönlich mit ihm gesprochen.
FRAGE:

Können Sie uns sagen, ob die Sowjetunion dem Flugzeug irgend-

eine Warnung übermittelt und es aufgefordert hat, zu landen; oder ob versucht wurde, es zur Landung zu zwingen, bevor es abgeschossen wurde?
ANTWORT:

Wir haben dafür keine Hinweise.

Offensichtlich gab es

keine Fähigkeit zur Kommunikation zwischen beiden Flugzeugen, aber, wie
aus der Erklärung hervorgeht, brachte sich das sowjetische Flugzeug, das
die Maschine der Fluggesellschaft abschoß, in eine Position, in der es
Sichtkontakt mit dem (koreanischen) Flugzeug hatte, so daß das Flugzeug
in Augenschein genommen werden konnte, um festzustellen, um was es sich
handelte.
FRAGE:

Ist Ihnen bekannt, ob die Sowjets versuchten, die Maschine

der KAL (Koreanische Fluggesellschaft) ohne den Einsatz von Raketen zum
Landen zu zwingen?
ANTWORT: Darüber liegen uns keine Informationen vor. Und wie ich
bereits gesagt habe, hat - soweit wir wissen - keine Kommunikation zwischen
den beiden Flugzeugen stattgefunden, abgesehen davon, daß die Sowjets dieses
Flugzeug zweieinhalb Stunden lang verfolgten; mindestens acht Kampfflugzeuge waren zum einen oder anderen Zeitpunkt in der Nähe, und das Flugzeug,
das die Maschine abschoß, war nahe genug heran, um es in Augenschein zu
nehmen.
FRAGE: Wußten sie etwas über irgendeine besondere Art sowjetischer
Militärübungen oder Manöver oder supermoderne Radaranlagen, die sich in die-

�sich in diesem Gebiet befunden haben könnten, und daß die Sowjets jedermann gewarnt hätten,fernzubleiben?
ANTWORT:
FRAGE:
ANTWORT:

Nein.
Können Sie uns irgendeine Erklärung anbieten?
Wir haben keine Erklärung anzubieten.

Wir können überhaupt

keinerlei Erklärung für den Abschuß eines unbewaffneten Linienflugzeuges
finden, ob es sich im Luftraum eines anderen befindet oder nicht.
FRAGE:

Wollen Sie sagen, daß die Entscheidung, dieses Flugzeug

abzuschießen, auf ziemlich hoher Ebene getroffen wurde, da es doch über
einen langen Zeitraum verfolgt wurde?
ANTWORT:

Ich gebe nur die Tatsachen weiter, die uns bisher bekannt

sind, und ich kann nicht über die mir vorliegenden Fakten hinausgehen.
Ich möchte hier keine Spekulationen anstellen.

Ich versuche, die Tatsachen

darzulegen, die wir kennen, und Ihnen die Haltung der amerikanischen Regierung und meine eigene Einstellung zum Abschuß einer unbewaffneten Linienmaschine aufzuzeigen.
FRAGE:

Meine Frage, Sir, zielte eigentlich darauf ab, ob Sie sich

vorstellen können, daß es über das Ihnen bisher Bekannte irgendeine politische Motivation gegeben haben könnte?
ANTWORT:

Ich kann mir keinerlei politische Motivation für den Ab-

schuß einer unbewaffneten Linienmaschine vorstellen.

+ + + + +

- 5 -

�7. September 1983

36

WARUM BRAUCHT DER WESTEN NOCH IMMER EXPORTKONTROLLEN?
Referat von Unterstaatssekretär Brady vor der Stanford-Universität

WASHINGTON - (AD) - In einem Referat, das der Unterstaatssekretär
für Außenhandelsfragen im amerikanischen Handelsministerium, Lawrence Brady,
am 25. August 1983 vor der Transatlantischen Ost-West-Handelskonferenz der
Stanford-Universität in Kalifornien gehalten hat, erklärte er, "es ist der
wirtschaftlichen Detente... nicht gelungen, ein verbrieftes Interesse der
Sowjetunion an der Mäßigung in ihrem revolutionären und expansionistischen
Verhalten zu begründen."

Er unterstrich deshalb die Notwendigkeit für die

Vereinigten Staaten, den bestehenden Ausfuhrkontrollmechanismus beizubehalten, auch wenn ihre Verbündeten in dieser Frage mit der amerikanischen Politik nicht vollkommen übereinstimmen.
Die Ausführungen Bradys haben, in Auszügen, folgenden Wortlaut:
Die Weltordnung, die sich in den achtziger Jahren herausbildet, wird
tief beeinflußt von den sowjetischen Möglichkeiten und der Art ihrer Nutzung durch die Sowjetunion.

Sie wird ferner durch die Art und Weise geprägt

werden, wie der Westen seine Beziehungen zur Sowjetunion und deren Verbündeten gestaltet.

Sicherlich werden die führenden Politiker im Westen auch be-

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Telex: 8-85432

�auch bemüht bleiben, die Zusammenarbeit mit der sowjetischen Führung auf
Gebieten von gemeinsamem Interesse wie Rüstungskontrolle, naturwissenschaftliche Forschung, Medizin etc. in der Hoffnung weiterzuführen, daß die politischen Meinungsverschiedenheiten im Laufe der Zeit bereinigt werden können.
Die westlichen Führer müssen der Sowjetunion aber auch ihre Entschlossenheit
dartun, zu verhindern, daß die Technologie und die Hilfsquellen des Westens
von den Gegnern der westlichen Ideale dazu benutzt werden, die sozialen,
politischen und wirtschaftlichen Ziele der pluralistischen Demokratien zu
untergraben.
Angesichts des militärischen Aufbaus und der zerstörerischen politischen Aktionen der Sowjets in den siebziger Jahren ist es für den Westen
nur logisch, eine Politik zu betreiben, die die Sowjetunion dadurch zur
friedlichen Zusammenarbeit bringt, daß die Kosten für einen weiteren militärischen Aufbau oder für die Eskalation repressiver und abenteuerlicher
Aktivitäten immer größer werden-..
Die Erfahrungen der letzten 15 Jahre im Ost-West-Handel haben über
jeden Zweifel hinaus gezeigt, daß eine liberale Handelspolitik für sich
allein genommen keine hinreichende Voraussetzung für den Frieden oder für
die Weckung friedlicher politischer Absicht auf Seiten unserer Gegner ist.
Die wirtschaftliche Detente, die den Sowjets sicherlich ein echtes Interesse am Erwerb westlicher Güter und Technologien einbrachte, vermochte
nicht,auch ein echtes Interesse der Sowjets an einer Mäßigung in ihrem revolutionären und expansionistischen Verhalten zu wecken. Ganz im Gegenteil:
In dem Maße, in dem die sowjetische technologische Stärke zunimmt, richten
die Sowjets ihre Absichten immer deutlicher darauf, ihren politischen und
militärischen Einfluß weiter auszudehnen als je zuvor...
Die Detente hat die Sowjetunion zu größerem Wagemut im Gebrauch
ihrer Macht innerhalb der internationalen Völkergemeinschaft angespornt,
nicht aber zu einer Liberalisierung erheblichen Grades im eigenen Lande.
Die Sowjets wurden in ihren Vorstellungen von ihrem Eigeninteresse am

�Eigeninteresse am Handel mit dem Westen noch durch ihre Vorstellungen von
einer zunehmenden Abhängigkeit des Westens von den Märkten im Osten bestärkt - eine Abhängigkeit, die sie eifrig für politische Zwecke zu nutzen
suchten. Statt in die Lage zu kommen, ihren Handel mit den Sowjets jeweils
so zu gestalten, wie es das politische Geschehen erfordert, sahen sich die
Völker des Westens gezwungen, auf die Forderungen nach einer immer größeren
Liberalisierung einzugehen, während sich die Rezession in aller Welt immer
mehr vertiefte.
Im Gegensatz zu den Erwartungen hat die Fähigkeit der Sowjetunion,
westliche Technologie aufzunehmen und sich zu eigen zu machen, stark zugenommen - wodurch jedes neue Gerät und jede neue Technologie, die den Sowjets
geliefert werden, die führende Stellung des Westens auf dem Gebiet der
Technologie nur umso stärker gefährdet. In ähnlicher Weise hat die Einbeziehung der staatlich gelenkten Volkswirtschaften mit ihren Kompensationspraktiken in die internationalen Märkte bisher noch kaum richtig verstandene schwere Störungen der westlichen Mechanismen für die Finanzierung,
die Preisgestaltung und die Produktion mit sich gebracht. Kurz, der wirtschaftliche Einfluß des Ostens auf den Westen hat sich bisher als größer
erwiesen,als der des Westens auf den Osten...
Der Westen muß heute, mehr als zu jedem anderen Zeitpunkt in der Geschichte, eine strategische Wirtschaftspolitik aufrechterhalten, die die
Verwundbarkeit des Westens durch den Transfer neuer Technologien auf staatlich gelenkte Volkswirtschaften verringert und gleichzeitig die Vorteile
des friedlichen Handels erhalten hilft.

Nur eine einfühlsame und koordi-

nierte wirtschaftliche Sicherheitspolitik in Gestalt der Außenhandelskontrollen, die mit der größtmöglichen Einigkeit unter den Verbündeten
angewandt werden, kann uns helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Bedauer-

licherweise begreifen die Sowjets weit besser als die meisten Politiker
und Denker im Westen, daß der Welthandel zu einem der wichtigsten Gebiete
des Wettbewerbs in der Auseinandersetzung zwischen den politisch-wirtschaftlichen Systemen des Ostens und des Westens geworden ist.
Die Nutzung
- 3 -

�Die Nutzung westlicher Technologie durch die Sowjets
Als die Reagan-Administration ihr Amt übernahm, gab sie eine Untersuchung in Auftrag, die im April 1983 veröffentlicht worden ist.

Sie do-

kumentiert den Umfang, in dem Technologie aus dem Westen durch doppelgleisige Nutzung für militärische Zwecke mißbraucht

wird.

Das Lastkraft-

wagenwerk am Fluß Kama dient vor anderen als ein hervorragendes Beispiel
für das Ausmaß, in dem die Sowjets westliche Technologie zur Förderung
ihrer aggressiven militärischen Ziele benutzen.

Das Kama-Lastkraftwagen-

werk produziert fast die doppelte Zahl von schweren Motoren wie Karosserien.
Eine große Zahl dieser Motoren werden, so nimmt man an, in gepanzerte Mannschaftstransportfahrzeuge und selbst in Panzer der Staaten des Warschauer
Paktes eingebaut.
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Technologie des
Westens die sowjetische Expansion in den Jahren der Detente erheblich gefördert hat. Sie hat erheblich zur Verbesserung der sowjetischen Rüstung,
ihrer Spionagegeräte und ihrer wirtschaftlichen Macht beigetragen. Erhebliche Fortschritte, insbesondere auf dem Gebiet der Mikroelektronik,
stellen nunmehr den qualitativen militärischen Vorsprung des Westens in
Frage. Weil die Sowjetunion hinsichtlich der Waffenentwicklung eine Haltung einnimmt, die sich sehr von der des Westens unterscheidet, zieht sie
aus dem Transfer westlicher Technologie für die eigene Forschung und Entwicklung doppelten Nutzen: Sie verbessert einmal ihre eigene Waffensysteme, und erwirbt zum anderen das technische Wissen, Abwehrmaßnahmen
gegen Systeme des Westens zu produzieren. Angesichts der neuen strategischen Verteidigungstechnologien, die sich gegenwärtig in Entwicklung
befinden und bei denen ein Vorsprung von entscheidender Bedeutung ist,
muß der Westen darauf hinarbeiten, seine Abwehrsysteme so umfassend und
so einsatzbereit wie nur möglich zu gestalten und sie noch stärker koordinieren.
Die Sowjetunion
- 4 -

�Die Sowjetunion investiert den Gegenwert von Hunderten von Milliarden Dollar jährlich in die Waffenentwicklung.

Es ist paradox, daß die

Sowjetunion gerade in der Zeit von 1960 bis 1980, in der dort die Investitionen, der Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung und die Wachstumsraten des
Bruttosozialproduktes stark zurückgingen, ihre Verteidigungsausgaben so
sehr steigerte.

Die Verteidigungsausgaben bezifferten sich in der Zeit

von 1961 bis 1970 auf schätzungsweise 157 000 Millionen Dollar im Jahr,
und in der Zeit von 1971 bis 1980 auf schätzungsweise 223 000 Millionen
Dollar.

Die sowjetische! Verteidigungsausgaben nehmen mindestens 15 Prozent

des Bruttosozialproduktes in Anspruch - das ist nahezu das Doppelte ihres
Anteils in den Vereinigten Staaten.

Die Kontroverse um die Exportkontrollen
In den letzten zweieinhalb Jahren versuchte die Reagan-Administration,die Exportkontrollen dazu zu benutzen, dem wachsenden Strom an sicherheits-relevanten Technologien nach dem sowjetischen Block Einhalt zu gebieten und die politische Legitimität des aggressiven sowjetischen Vorgehens bloßzustellen.

Das hatte die Anwendung von Exportkontroll maßnahmen

sowohl in Rücksicht auf die nationale Sicherheit als auch um außenpolitische
Zielsetzungen willen zur Folge...
Die Sanktionen stießen auf Widerstand und lösten mehrere Kontroversen aus.

Die Vertreter gewisser Denkschulen sowohl in den Vereinigten

Staaten als auch in Europa sehen sie als den Grund für die übermäßigen
Spannungen zwischen dem Westen und seinen Gegnern und auch für Spannungen
unter den Alliierten an.
Der Frage der amerikanischen Exportkontroi 1 politik liegt die noch
wichtigere Frage zugrunde, die auch Motor der gesamten Sanktionen ist:
die Destabilisierung der Detente in der Zeit nach 1979. Bekanntlich wurden viele der ursprünglichen Annahmen in bezug auf die Detente in den

- 5 -

�in den letzten Jahren ernsthaft in Zweifel gezogen.

Für einige Leute be-

deutet dies, daß wir eine neue, vorsichtigere Haltung gegenüber dem Sowjetblock einnehmen sollten.

Die Meinungsverschiedenheiten in der Frage der

Exportkontrollen spiegeln zum Teil auch die Meinungsverschiedenheiten in
der Frage wider, welche Politik in den achtziger Jahren in den Ost-WestBeziehungen an die Stelle der Detente treten soll.
Die Sowjetunion versucht,diese Debatte über die Ost-West-Beziehungen
dazu zu benutzen, einen Keil zwischen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten zu treiben.

Sie benutzt ihr Gewicht auf dem Gebiet des Handels

und der Energieversorgung dazu, die Streitfragen zwischen Ost und West zu
verschlimmern - und das in einem Jahr, in dem das Gesetz, das die Ausfuhrkontrolle autorisiert, zur Überarbeitung und Verlängerung ansteht.

Die

Angelegenheit wird so dargestellt, als handele es sich eindeutig um eine
Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa.

Es handelt

sich hier aber nicht um einen Streitfall "Vereinigte Staaten gegen Europa",
sondern um eine weitreichende und grundlegende Debatte, die viele Elemente
in jedem einzelnen NATO-Land in Anspruch nimmt.

Sie schließt eine Neube-

wertung aller Fragen des Ost-West-Handels ein - von der Finanzierung bis
zur Energieabhängigkeit...

Wirtschaftsrationalismus
Vor allem eine Denkschule war rasch dabei, ihre Haltung in der
Debatte über den Ost-West-Handel zu artikulieren. Ich spreche von der
Schule des "Wirtschaftsrationalismus". Diese Denkschule benutzt Argumente wirtschaftlicher Art dazu, einer Verstärkung des Handels mit der
Sowjetunion und einer Verringerung der Kontrollen sowohl aus Gründen der
nationalen Sicherheit als auch um außenpolitischer Ziele willen das Wort
zu reden. Es ist verständlich, daß der Staat und die private Wirtschaft
nach neuen Märkten Ausschau halten, wenn es im Westen zu einer Schrumpfung
der Wirtschaftstätigkeit kommt, wie dies im Jahr 1973 und 1979 der Fall

- 6 -

�der Fall war.

Im Verein mit dieser natürlichen Reaktion wurden Ideen

und Theorien vertreten, die hinsichtlich ihres Ausmaßes oder Blickwinkels
als nicht unbedingt unparteiisch anzusprechen sind.
Eine dieser Theorien besagt, daß die Exportsanktionen von den Vereinigten Staaten dazu benutzt werden, einen Wirtschaftskrieg zu führen,
woraus man dann den Schluß zieht, die amerikanische Regierung nehme an,
daß gewisse Sektoren der sowjetischen Wirtschaft zusammenbrechen werden,
sobald die Exporte des Westens ausbleiben.

Das ist eine irrige Definition

der Problemstellung und des Inhalts dieser Politik.

Ziel der Sanktionen

ist es nicht, die sowjetische Wirtschaft zum Zusammenbruch zu bringen, sondern politische und wirtschaftliche Verwundbarkeiten im Westen zu verhindern und einen strengen politischen Tadel aussprechen zu können, wenn ein
solcher am Platze ist...
Der ernsthafteste politische Schaden, den wir der Sowjetunion zufügen können, wenn sie den internationalen Normen zuwiderlaufende Verhaltensweisen an den Tag legt, besteht darin, sie in diesem Verhalten international bloßzustellen.

Immer wenn im Westen ein solcher wirtschaftlicher

Tadel formuliert, debattiert und in die Praxis umgesetzt wird, erwacht
das Bewußtsein der westlichen Öffentlichkeit.

Der breite Raum, den die

Medien einer solchen Politik widmen, hilft im Verein mit den Sanktionen
als solchen mit, die Legitimität des fraglichen sowjetischen Vorgehens
unglaubwürdig zu machen...
Die Vertreter des "Wirtschaftsrationalismus" weisen ferner darauf
hin, daß Sanktionen wenig Aussicht bieten, die Haltung der Sowjets zu verändern, weil diese auch ohne westliche Exporte "zurecht kommen"

und Er-

satz für die mit einem Ausfuhrverbot belegten Waren aus anderen Quellen
jederzeit erhältlich sind. Die Frage, wie sich die sowjetische Haltung
verändern lasse, ist keineswegs die einzig relevante Frage.

Es ist heute

ebenso wichtig, den Grad zu analysieren, in dem die Wirtschaftspolitik
des Bündnisses es der sowjetischen Regierung schwer machen kann, aggressive
- 7 -

�kann, aggressive Ziele innerhalb der Völkergemeinschaft zu verfolgen oder
sich neue solcher Ziele zu setzen...
In den europäischen Ländern entfällt traditionsgemäß ein weitaus
größerer Anteil am Bruttosozialprodukt auf den Handel mit dem sowjetischen
Block.

Ein großer Teil dieses Handels besteht aber, und dürfte auch weiter

hin bestehen, aus geringerwertigen Fertigwaren und landwirtschaftlichen Pro
dukten, die vom COCOM nicht kontrolliert werden, weil sie nicht sicherheitsrelevant sind.

Das Phänomen der Verkäufe'von kontroll Pflichtigen Aus-

rüstungen nicht-amerikanischen Ursprungs an den Sowjetblock steht in engem
Zusammenhang mit anderen politischen und wirtschaftlichen Ereignissen.
Hinzu kommt:

Wenn die Vereinigten Staaten eine

feste

und entschlossene

Haltung einnehmen, können sie damit häufig die Verfügbarkeit von solchen
Gütern und Technologien durch ernsthafte Verhandlungen beeinflussen...
Ein letztes Argument, das die Anhänger der Schule des Wirtschaftsrationalismus vorbringen, besagt, der Handel mit dem sowjetischen Block
solle "normalisiert" werden. Normalisierung des Handels ist jedoch ein
unscharfes Konzept. Der Handel zwischen Gegnern unterliegt nicht denselben
Regeln wie der Handel unter Verbündeten. Es gibt kaum Beweise dafür, daß
es so etwas wie "Normalität" im Handel zwischen marktwirtschaftlich und
nicht-marktwirtschaftlich organisierten Ländern geben kann, weil die Preissysteme und das Geschäftsgebaren sehr unterschiedlich sind. Darüber
hinaus bringen Geschäfte mit Gegnern auf rein kommerziellen Grundsätzen
nicht notwendigerweise eine "Normalisierung" der Gesamtbeziehungen mit
sich. Es können auf anderen Gebieten Spannungen fortbestehen, die die
"Normalisierung" der Gesamtbeziehungen unmöglich machen. Wie könnten die
Vereinigten Staaten beispielsweise es rechtfertigen, die Außenhandelskontrollen zu lockern und der Sowjetunion hochtechnische Produkte zu verkaufen, von denen sie zu einem großen Teil hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Entwicklung während des nächsten Jahrzehnts abhängig sein wird,
wenn die Sowjets oder ihre Handlanger die Sicherheit der Vereinigten Staaten in Lateinamerika bedrohen.
Schlußbetrachtung
- 8 -

�Schlußbetrachtung
Um die Herausforderungen der achtziger Jahre bestehen zu können,
ist es wichtig für den Westen, Elemente einer umfassenden wirtschaftlichen
Sicherheitspolitik zu entwickeln.

Wir wollen es nicht erleben, daß unser

entscheidend wichtiger Vorsprung in der strategischen Technologie durch unbedachte Transfers an potentielle Gegner zunichte gemacht wird.

Und wir

wollen es auch nicht erleben, daß unsere Volkswirtschaften durch drohende
nationale Bankrotte oder durch die Unterbrechung der Rohstoff- und Energiezulieferungen gefährdet werden.

Wir können es uns nicht leisten, der

Sowjetunion einen unangemessenen Einfluß auf unsere Volkswirtschaften einzuräumen.
Wenn wir hoffen, unseren Handlungsspielraum innerhalb der Weltwirtschaft aufrechterhalten und uns abträgliche militärische und diplomatische
Gelegenheiten der Sowjets begrenzen zu können, müssen wir zusammenstehen
und ein wirksames Exportkontroll System gegenüber dem Sowjetblock anwenden und durchsetzen. Nur eine behutsame Handelspolitik gegenüber der
Sowjetunion wird die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung abwenden und die wirtschaftliche und militärische Stärkeres Westens bewahren
können. Der Westen muß die Kräfte des freien Handels davor bewahren,
eine irreparable Störung des Gleichgewichts der Kräfte zu verursachen.

- 9 -

�36

7. September 1983

INTERVIEW MIT EDWARD ROWNY ÜBER RÜSTUNGSKONTROLLE
- Von Morgan Strong Das nachfolgende Interview mit dem
amerikanischen Chefunterhändler bei
den START-Verhandlungen, Edward Rowny,
erschien in der Ausgabe von "USA TODAY"
vom 31. August 1983. Interviewer war
Morgan Stronq.
Copyright USA TODAY.

USA TODAY: Sie sagen, es habe bei den START-Verhandluncen Bewegung gegeben.
Ihr sowjetischer Gesprächspartner wiederum hat Washington beschuldigt, Zeit zu
schinden. Gibt es Fortschritt?
ROWNY:

Präsident Reagan hat mir die Möglichkeit gegeben, mit großer Flexibilität

an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Er beauftragte mich, so mit den Sowjets

zu verhandeln, daß ihren Besorgnissen Rechnung getragen werden könnte.

Ich habe

den Sowjets während unserer letzten Runde diese Flexibilität gezeigt, und auch
sie haben im Gegenzug einige Flexibilität bewiesen. Wir sind nähe&gt;" an einem
Rahmen, innerhalb dessen wir ein Abkommen erreichen können. Es gibt noch immer
große Meinungsverschiedenheiten, die uns trennen, es gibt also noch keinen echten
Durchbrucho Aber es g w beträchtliche Bewegung, und unsere Seite hat dabei die
Initiative ergriffen.
FRAGE
Sind Sic

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Telex: 8-85432

�FRAGE: Sind Sie hinsichtlich eines Abkommens optimistisch?
ANTWORT: Ich bin hoffnungsvoll. Ich glaube, daß die Sowjets letztlich sehen
werden, daß es auch in ihrem Interesse ist, zu einem Abkommen zu gelangen.
Die Vergangenheit hat ihnen gezeigt, daß sie in der Lage waren, - oder den Eindruck hatten, es sei möglich -, Abkommen zu erlangen, die zu ihrem Vorteil waren.
Dieser Glaube muß ihnen genommen werden. Wir möchten ihnen zeigen, daß wir Abkommen wollen, daß wir Verringerungen wollen, aber daß wir ein ausgewogenes Abkommen brauchen, damit Parität existiert. Wenn wir uns in diese Richtung bewegen,
dann bin ich hoffnungsvoll, daß wir auf diese Weise zu einem Abkommen gelangen
können.
FRAGE: Gibt es denn nicht schon jetzt, grob gesprochen, eineParität bei den Kernwaffen zwischen den USA

und der Sowjetunion?

ANTWORT: Das ist keine Frage, die sich einfach mit Ja oder Nein beantworten läßt.
Es geht darum, daß wir bei einer Reihe destabilisierender Waffensysteme hinten
liegen. Sie haben zum Beispiel bei ihren landgestützten Raketen einen Vorteil
von 3 zu 1 - sowohl hinsichtlich der Anzahl als auch hinsichtlich der Wirkung,
die wir Wurfgewicht nennen. Wir hingegen bewegten uns kaum vorwärts, um während
de1-* SALT Il-Verhandlungen ein Beispiel zu setzen. Diejenigen, die da sagen, es
gäbe in etwa eine Parität, sind nicht richtig informiert. Die Sowjets können
unsere landgestützten Systeme in Gefahr bringen. Sie verfügen über eine Erstschlagkapazität, wir nicht.
FRAGE: Wie wollen diejenigen, die behaupten, es gäbe eine ungefähre Parität,
dies beweisen?
ANTWORT: Da gibt es eine Menge von Annahmen - zum Beispiel, wir hätten bereits
genug Waffen, um schon einiges an Installationen, Städten und Menschen in der
Sowjetunion zu zerstören. Das stimmt nicht. Unser Hauptziel, an das wir glauben,
ist die Schaffung einer Situation der Stabilität in Krisenzeiten

- wir wollen

�wir wollen nicht, daß eine destabilisierende Situation geschaffen wird.
FRAGE: Es stimmt, daß die Sowjets fast 6 000 Interkontinentalraketen haben,
wir etwa 2 000. Allerdings haben wir bei der Gesamtzahl der Kernwaffen
30 000 und sie 20 000. Ist das denn keine Parität?
ANTWORT: Nein, das ist nicht richtig. Das liegt weit daneben. Wenn man diese
Dinge betrachtet, dann muß man auf die Gefechtsköpfe der Raketen sehen - bei den
Interkontinentalraketen (ICBM) wie bei den unterseebootgestützten Raketen (SLBM).
Das sind diejenigen, die in etwa 30 Minuten auf die andere Seite fliegen können.
Hier haben beide Seiten etwa 7 500 Gefechtsköpfe. Wir haben etwa 2 100 ICBMGefechtsköpfe, der Rest sind SLBM-Gefechtsköpfe. Die ICBM-Gefechtsköpfe machen
aber den eigentlichen Unterschied aus, denn sie sind diejenigen mit der Treffgenauigkeit und dem Wurfgewicht,auf die es ankommt. Und ihre ICBM haben das
dreifache Wurfgewicht der unsrigen.
FRAGE: Ihre Raketen sind also besser?
ANTWORT: Die Mehrzahl der unsrigen liegen in der Kategorie unterseebootgest'ützt und
haben daher nicht die Treffgenauigkeit und das Wurfgewicht, um die sowjetischen
Systeme zu gefährden. Ihre Mehrheit liegt bei den ICBM, wo sie die Treffgenauigkeit und das Wurfgewicht haben.
FRAGE: Bedeutet das, daß die Vereinigten Staaten nicht mehr länger vor einem
sowjetischen Angriff abschrecken können?
ANTWORT: Abschreckung ist für jeden etwas anderes, sie ist etwas sehr Subjektives.
Die Sowjets sollten sich abgeschreckt fühlen, denn sogar dann, wenn sie unsere
ICBM zerstört hätten, würde uns eine beträchtliche Streitmacht zur See bleiben,
die nicht angegriffen wäre und die zurückschlagen könnte.
FRAGE: Warum sollten sie dies jemals außer acht lassen?
ANTWORT: Angesichts

�ANTWORT: Angesichts ihrer gewaltigen Zivil Verteidigungsprogramme und der Betonung, die sie auf die Verteilung ihrer Bevölkerung und ihrer Fabriken sowie
auf die Härtung ihrer Raketeninstallationen legen, könnten sie sich möglicherweise nicht abgeschreckt fühlen. Wir wollen die Kluft zwischen unseren beiden
Waffensystemen verringern, damit auch in Zukunft keine sowjetische Führung ein
Gefühl der Abenteuerlust bekommt, weil sie einen gewissen Machtvorsprung hat.
Dann gäbe es auch eine größere Chance dafür, eine Eskalation zu vermeiden.
Darum geht es ganz einfach.
FRAGE: Aber wären die Sowjets denn nicht stets durch das Wissen abgeschreckt,
daß sie durch eine amerikanische Vergeltung gewaltig leiden würden?
ANTWORT: Nur dann, wenn wir ihre Streitkräfte gefährden können - und nicht
einfach nur ihre Städte und die Bevölkerung. Wir haben genug Waffen, um ihre
Städte und die Bevölkerung zu gefährden, aber das genügt nicht für eine stabile
Situation. Wir wollen nicht, daß uns die Gegenschlagkraft aus der Hand gleitet
und sie dadurch das Gefühl bekämen, sie könnten ein Risiko eingehen.
FRAGE: Eskaliert der Bau der MX-Rakete denn nicht das Wettrüsten?
ANTWORT: Nein, überhaupt nicht. Die Sowjets entwickeln bereits eine fünfte
Raketengeneration und wir sind noch immer bei unserer zweiten Generation.
Unsere MINUTEMAN-Raketen sind allmählich veraltet. Wir müssen modernisieren und
zumindest eine dritte Generation bekommen.
FRAGE: Aber die MX ist eine Erstschlagwaffe. Ist dies denn nicht destabilisierend?
ANTWORT: Das MX-Program wird recht zurückhaltend sein; es wird sich auf 100 Raketen
belaufen. Die Sowjets wären keinesfalls in der Lage, zu argumentieren, wir bauten
eine Erstschlagkapazitat auf. Wir dienen der Abschreckung, indem wir versuchen,
die gewaltige Kluft zwischen uns zu verringern. Die MX würde nicht vi^1 dazu
beitragen, die Kluft beim Wurfgewicht zu verringern, denn während wir diese Raketen
aufstellen, stellen wir unser System der ersten Generation außer Dienst. Unser
- 4 -

�Unser Wurfgewicht wird daher dasselbe bleiben.
sein als die MINUTEMAN.

Aber die MX wird treffgenauer

Die Sowjets haben bereits mehr als 640 Raketen, die so

wie die MX oder noch größer sind.

Daher bedeutet die MX überhaupt keinerlei

Eskalation.
FRAGE: Der B-l-Bomber ist in der Produktion; die B-52-Bomber werden mit Marschflugkörpern ausgerüstet.

Die TRIDENT I, eine Unterseeboot-Rakete, wird disloziert,

gefolgt von der TRIDENT II. Gleichzeitig versuchen wir, Verringerungen auszuhandeln.

Ist das nicht ein Widerspruch?

ANTWORT: Ja, das ist es. Aber man darf nicht vergessen, daß Amerika während der
15 Jahre, in denen man über Abrüstung verhandelte, mehr oder weniger auf der
Stelle trat. Es gab einige Verbesserungen hier und da, aber im Vergleich hierzu
haben die Sowjets immer nur gebaut, gebaut und gebaut. Sie haben 16 Prozent ihres
Bruttosozialproduktes in die Streitkräfte gesteckt, wir nur etwa 6 Prozent.
FRAGE: Können wir aufholen und zur selben Zeit verringern?
ANTWORT: Wir modernisieren unsere Unterseeboot-Flotte, aber das wird erst gegen
Ende des Jahrzehnts der Fall sein. Was wir bei den START-Verhandlungen tun, ist,
zu sagen: Wir werden verringern, wenn die Sowjets dasselbe tun. Und wir bieten an,
unsere neuen unterseebootgestützten Raketen vom Typ TRIDENT II etwa um die Hälfte
zu reduzieren. Wir bieten also auch den Sowjets etwas an. Es stimmt, daß wir
luftgestützte Marschflugkörper entwickeln, aber das tun auch die Sowjets. Sie
bleiben nicht stehen.
FRAGE: Sie haben gesagt, es sei schwierig, mit den Sowjets zu verhandeln.

Sind

sie unehrlich?
ANTWORT: Es ist ein Unterschied zwischen Schwierigkeit und Ehrlichkeit.

Ich habe

die Sowjets studiert, ihre Sprache, alles, was je über Verhandlungen mit ihnen
geschrieben wurde.
lungen geführt hat.

Ich habe mich mit jedem unterhalten, der je mit ihnen VerhandEs läßt sich ein gewisses Verhaltensmuster erkennen.
- 5 -

Sie sind

�Sie sind sehr geduldig - wir nicht. Sie sind ein sehr diszipliniertes Volk.
Wir haben von Natur her mit unserer offenen Gesellschaft nicht dieses Maß von
Disziplin.
FRAGE: Wie hilft ihnen diese Disziplin?
ANTWORT: Sie sind sehr hartnäckige Unterhändler. Sie glauben an den Buchstaben
des Gesetzes, und wenn man etwas schriftlich niedergelegt hat und sie dazu bringt,
dem zuzustimmen, dann werden sie sich wortwörtlich daran halten. Sie geben einem
nicht die Hand und sagen: "Wir haben den Geist eines Abkommens." So ist das bei
ihnen nicht. Bei unserer Entscheidungsfindung gibt es einen gewissen griechischen
Rationalismus. Bei ihnen nicht. Wir haben das römische Recht. Sie nicht. Wir haben
eine Magna Charta. Sie nicht. Wir haben die Trennung von Kirche und Staat. Sie
nicht. Wir hatten eine Romantik und eine Renaissance. Sie nicht.
FRAGE: Was bedeutet das für die laufenden Verhandlungen?
ANTWORT: Unser grundlegendes Problem besteht darin, daß wir dazu neigen, den
anderen wie uns selbst zu sehen. Wir sehen die Sowjets mit unseren eigenen Augen.
Wir analysieren sie nicht gut genug, um zu wissen, daß sie harte Unterhändler sind.
Sie sind zäh. Sie sind sehr realistisch. Es gibt bei ihnen nichts umsonst; sie
geben nichts für nichts.

+++++

�36

7. September 1983

DAS KERNWAFFENINVENTAR DER VEREINIGTEN STAATEN
Die nachfolgende Dokumentation wurde
vom amerikanischen Verteidigungsministerium am 25. August 1983
herausgegeben.

- (AD) - Diese Dokumentation geht auf einen wichtigen Aspekt der laufenden
Debatte über unsere nationale Verteidigungs- und Rüstungskontrollpolitik ein - den
Umfang des Kernwaffeninventars der Vereinigten Staaten.

(Mit "Inventar" meinen

wir alle unsere Atomwaffen, ganz gleich, ob sie in den Vereinigten Staten oder
bei unseren Streitkräften im Ausland disloziert sind, ob sie eingelagert oder
auf Trägersystemen wie etwa Interkontinentalraketen

montiert sind.)

Es wird oft erklärt oder angenommen, daß die Anzahl der Kernwaffer ständig
zunehme, und daß wir derzeit mehr Kernwaffen denn je besaßen. Dies trifft für
den Fall der Sowjetunion zu, deren Vorräte seit dem Zeitpunkt, da die UdSSR 1949
zum erstenmal über Kernwaffen verfügte, ohne Unterbrechung zugenommen haben.
Für die Vereinigten Staaten trifft aber gerade das Gegenteil zu: Die Anzahl der
Waffen im amerikanischen Nukleararsenal ist derzeit auf or...&lt; niedrigsten Stand
seit 20 Jahren.
Gemäß dem

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�Gemäß dem Atomenergiegesetz von 1946 genehmigt der Präsident jedes Jahr
die Produktion von Kernwaffen und setzt auch die Gesamtzahl aller Nulearwaffen
fest.

Umfang und Eigenschaften des Kernwaffeninventars der Vereinigten Staaten,

wie es vom Präsidenten genehmigt wird, wiesen im Lauf der Jahre erhebliche
Unterschiede auf.

Während der ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg war das

Inventar sehr klein, da es nur begrenzte Mengen von Kernmaterial gab - Plutonium
und angereichertes Uranium - und weil die Sowjets noch keine Kernwaffen entwickelt
hatten.

So hatten wir 1945 nur zwei Kernwaffen auf Lager; 1946 waren es neun; 1947

dreizehn; im Jahr 1948 ganze 50. Nach den ersten Kernwaffenversuchen der Sowjets
im Jahr 1949 und angesichts der ernsten internationalen Lage begannen die Vereinigten Staaten damit, mehr Kernwaffen zu beschaffen.

Dieser Anstieg beschleunigte

sich Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre.
Die Anzahl der Waffen im amerikanischen Kernwaffenarsenal erreichte schließlich
Mitte der sechziger Jahre ihren Höhepunkt mit einigen zehntausend - die genaue
Zahl ist geheim.

Seit dieser Zeit ging der Lagerbestand beträchtlich zurück, die

Anzahl der Waffen in unserem Arsenal insgesamt war 1967 um ein Drittel höher als
heute.

Mehr noch:

Die Gesamtsprengkraft des Inventars ging sogar noch eindrucks-

voller zurück, da wir viele große Waffen mit hoher Sprengkraft außer Dienst
gestellt haben.

Als Ergebnis verringerte sich die Gesamtmegatonnage unserer

Kernwaffen seit 1960 um 75 Prozent.
Da der Großteil des amerikanischen Arsenals in den sechziger Jahren gebaut
wurde, sind diese Waffen allmählich veraltet. Wir sind daher zu der Überzeugung
gelangt, daß wir unsere Streitkräfte modernisieren müssen, um die Sicherheit
unserer Kernwaffen zu erhöhen und die Wirksamkeit unserer Abschreckung aufrechtzuerhalten. Mit der Herstellung neuer Waffen werden wir jedoch alte auseinandernehmen und verschrotten. Größere Sicherheit, Überlebensfähigkeit und Wirksamkeit nicht aber größere Anzahl - sind die Ziele unseres Programms der Streitkräftemodernisierung. In einigen Fällen können wir diese Ziele tatsächlich mit
weniger - aber moderneren - Waffen erreichen, als wir zuvor hatten. Als wir

�«

Als wir und unsere NATO-Verblindeten übereinkamen, mit dem Doppelbeschluß nukleare
Mittel Streckensysteme größerer Reichweite (LRINF) in Europa in Reaktion of die
sowjetische Aufrüstung mit SS-20-Raketen zu dislozieren und gleichzeitig Rüstungsverringerungen mit der Sowjetunion anzustreben, beschlossen wir zugleich,
1000 ältere Kernwaffen aus Europa abzuziehen.

Zudem beschlossen wir, für jede

neue LRINF-Rakete, die wir dislozieren müßten, eine weitere Waffe abzuziehen.
Der amerikanische Vorschlag bei den INF-Gesprä'chen, die amerikanischen und
sowjetischen LRINF-Raketen zu beseitigen, würde jede Notwendigkeit zu NATO-Dislozierungen überflüssig machen. Wir haben außerdem ein Zwischenabkommen vorgeschlagen, das die Gefechtsköpfe der INF-Raketen beider Seiten beträchtlich auf
jeweils gleichen Umfang reduzieren würde. Bei den START-Verhandlungen haben wir
umfassende Verringerungen der sowjetischen un&lt;-' amerikanischen strategischen
Streitkräfte gefordert. Sollten diese Vorschläge verwirklicht werden, so würde
der Umfang unseres Arsenals beträchtlich abnehmen. Sogar wenn wir unser Ziel
der beträchtlichen Rüstungsverminderung auf dem Verhandlungswege nicht erreichen
sollten, würden unsere langfristigen Pläne lediglich einen bescheidenen Zuwachs
im Umfang des amerikanischen Arsenals für die nächsten 15 Jahre mitsichbringen.
Nach diesen Plänen würde die Anzahl unserer Kernwaffen weit unter dem Mitte der
sechziger Jahre erreichten Umfang liegen, während die Modernisierung und der
Ersatz existierender Trägersysteme es uns erlauben wird, auch weiterhin die durchschnittliche Sprengkraft unserer Waffen zu erringern.
So bedauerlich es auch ist: Solange wir nicht in der Lage sind, die Drohung
eines Atomkriegs völlig zu beseitigen, müssen die Vereinigten Staaten über Kernwaffen als ein Mittel der Abschreckung verfügen. Wir müssen auch weiterhin einen
Atomkrieg vermeiden und unseren nationalen wie internationalen Zielsetzungen und
Verpflichtungen gerecht werden, indem wir sicherstellen, daß unser Kernwaffeninventar geschützt, sicher und in der Lage ist, die Sowjetunion davor abzuschrecken,
Gewalt gegen uns oder unsere Verbündeten anzuwenden oder damit zu drohen. Während
der Verfolgung dieser wichtigen Zielsetzungen bleiben wir fest dazu entschlossen,
das niedrigst mögliche Maß an Kernwaffen zu unterhalten, das mit unserer
nationalen Sicherheit und der unserer Verbündeten in Einklang steht.
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�7. September 1983

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DIE DEUTSCHE SPRACHE IN AMERIKA
Eine deutschsprachige Zeitung in Philadelphia berichtete am 5. Juli 1776
als erste über die Annahme der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung

Dies ist der dritte von sechs Artikeln
über die Deutschen in Amerika, die wir
im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten
anläßlich des 300. Jahrestages deutscher
Einwanderung in Amerika bis zum 6. Oktober veröffentlichen.

- (AD) - Die deutsche Sprache blickt in der Neuen Welt auf ein langes und ruhmvolles Erbe zurück, das bis auf die ersten Siedler in Germantowns zurückreicht.

Das erste bedeutende Ereignis dieser Geschichte geht

auf den 1693 in der Pfalz geborenen Christoph Säur zurück.

1738 eröff-

nete Säur in der Siedlung Germantown die erste deutschsprachige Druckerei
Amerikas.

Am 20. August 1739 begann die Publikation des "Pennsylvanischer

Geschichts-Schreiber", der ersten erfolgreichen Zeitung Amerikas in deutscher Sprache.

Bis zum Jahre 1743 hatte Säur eine Leistung vollbracht,

die seinen Namen in die Annalen des amerikanischen Verlagswesens eingehen
ließ:

Er druckte in der Neuen Welt die erste Auflage der Bibel in einer

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�in einer europäischen Sprache - die Luthersche Übersetzung des Alten
und Neuen Testaments.

Saurs Verlagshaus in Germantown kann auch die

Veröffentlichung der ersten erziehungswissenschaftlichen Abhandlung in
Amerika für sich beanspruchen:

Christopher Docks "Schulordnung", die im

Jahre 1750 erschien.
Nur 33 Jahre nachdem Christopher Säur die deutsche Presse in
Amerika ins Leben gerufen hatte, übernahm eine weitere deutschsprachige
Zeitung, der "Pennsylvanische Staatsbote"

des Herausgebers Heinrich

Miller, eines Bürgers Waldecks, diese Tradition.

Sie berichtete am 5. Juli

1776 über die Entscheidung des Kontinentalkongresses, die amerikanische
Unabhängigkeitserklärung anzunehmen,und war damit die erste Zeitung, die
diese historische Begebenheit veröffentlichte.

Am 9. Juli 1776, dem

Tage nach der Proklamation der Unabhängigkeitserklärung in Philadelphia
und dem Tage»an dem sie General George Washington und seinen Truppen in
New York City vorgelesen wurde, druckte Miller

als energischer Verfech-

ter der revolutionären Sache das gesamte Dokument in deutscher Übersetzung.
Während des 19. Jahrhunderts nahm die deutschsprachige Presse an
Bedeutung und Ansehen zu, was zum Entstehen einer Reihe weiterer deutschsprachiger Zeitungen beitrug, die auch heute noch eine wichtige Rolle im
amerikanischen Verlagswesen spielen. Die "New Yorker Staats-Zeitung", die
noch heute erscheint, brachte ihre erste Ausgabe am Weihnachtsabend des
Jahres 1834 heraus, eine Tatsache, die die Zeitung zu einer der ältesten
überhaupt in den Vereinigten Staaten macht. Das "Washington Journal",
eine deutschsprachige Zeitung.die im District of Columbia herausgegeben wird, ist die älteste Zeitung der amerikanischen Hauptstadt.
Die lange Tradition deutscher Sprache in Amerika wird jedoch von
einer weitverbreiteten - häufig angezweifelten - Geschichte überschattet,
die von der deutschen Sprache als offizieller Landessprache der USA berichtet, über die Jahre ist diese Legende auf eine große Anzahl verschiedener Quellen zurückverfolgt worden. Doch gibt der bekannte deutsch-

�bekannte deutsch-amerikanische Sprachwissenschaftler H.L. Mencken die
wohl plausibelste Erklärung in der Ergänzungsausgabe zu seinem Buch "The
American Language".

Darin zitiert Mencken einen Abschnitt aus dem Buch

des deutschen Autors Franz Loher, in dem dieser schildert, daß im Parlament des Bundesstaates Pennsylvania eine Abstimmung vorgenommen wurde,
die eine Entscheidung darüber herbeiführen sollte, ob Deutsch offizielle
Landessprache werden sollte.
stimmung unentschieden aus.

Wie die Geschichte erzählt, ging die AbDer Sprecher (Präsident) des Parlaments, Fried-

rich Augustus Conrad Muhlenberg, wurde gebeten, die ausschlaggebende Stimme abzugeben.

Als Amerikaner rein deutscher Abstammung, so wird behauptet,

habe sich Muhlenberg für die englische Sprache entschieden.
Nach Mencken ist diese Geschichte jedoch aus der Luft gegriffen,
eine solche Abstimmung habe niemals stattgefunden. Wahr ist jedoch eine
andere Geschichte, die den Kongreß der Vereinigten Staaten und eine Gruppe deutscher Einwanderer aus Virginia betrifft. Die Deutsch-Amerikaner
aus Virginia legten am 9. Januar 1794 dem Kongreß eine Petition vor, in
der sie die Veröffentlichung einiger Gesetze in deutscher Fassung beantragten zur Erleichterung jener, die noch kein Englisch gelernt hatten.
Der Antrag wurde jedoch vom Hauptausschuß mit 42 zu 41 Stimmen abgelehnt.
Es ist nich bekannt, ob der Sprecher des Hauses angerufen wurde, die entscheidende Stimme abzugeben, aber es mag wohl die knappe Entscheidung der
Abstimmung selbst gewesen sein, die im Lauf der Zeit zu der Spekulation
Anlaß gab, es habe nur eine Stimme gefehlt und die deutsche Sprache wäre
heute die offizielle Landessprache der Vereinigten Staaten von Amerika.

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und Technik

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7. September 1983

PERFEKTE NACHTLANDUNG
Raumtransporter CHALLEIIGER vom dritten Einsatz zurück

- (AD) - Spektakulär wie der nächtliche Start am 30. August war die Landung
der Raumfähre CHALLENGER am 5. September 1983 eine dreiviertel Stunde nach
Mitternacht. Schon aus 200 km Entfernung konnten die Astronauten mit Hilfe des
Scheinwerferlichts ihr Ziel auf der Erde ausmachen. Die Landebahn auf dem Flughafen Edwards Air Force Base in Kalifornien war taghell erleuchtet, Xenonlampen
gaben zusätzliche Orientierungshilfe. Die Piloten - Kommandant Richard H. Truly
und sein Kopilot Daniel C. Brandenstein - hatten keinerlei Schwierigkeiten, den
Weltraumgleiter sicher aufzusetzen und zum Stehen zu bringen. Hätten die Wetterbedingungen in der Nacht ein - und wenn auch nur geringes - Risiko bedeutet,
wäre Truly auf einer, der ebenfalls in Bereitschaft gehaltenen Reservelandeplätze ausgewichen.
Mit Infrarotkameras war die CHALLENGER beim Näherkommen und Einschweben zu
verfolgen. Die Wärmestrahlung vom Hitzeschild, eine Folge der starken Reibung
mit der Luft beim Wiedereintauchen in die Erdatmosphäre, hielt, wie von den sieben
vorausgegangenen Landungen gewohnt, noch eine Weile an. Journalisten konnten
die Rückkehr beobachten, die Öffentlichkeit war jedoch ausgeschlossen - im Gegensatz zum Start, als eine große Menschenmenge den gewaltigen Feuerschweif der

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�Feuerschweif der Raketen des Raumtransporters bis in mehr als 100 km Höhe verfolgen konnte.
- Medikamente aus der Weltraumfabrik Schon drei Stunden nach dem Start am Kap Canaveral hatten die beiden
Missionsspezialisten Bluford und Gardner das Elektrophorese-Experiment (EOS Electrophoresis Operations in Space) in Gang gesetzt.

Das Verfahren zum Ab-

trennen bestimmter Komponenten aus biologischen Substanzen (z.B„ Blut, Zellkulturen oder Körperflüssigkeiten) unter der Einwirkung von elektrischem Strom
wird seit dem vierten "Space Shuttle"-Flug im Juni 1982 im Weltraum erprobt.
Zwar ist die Methode in medizinischen Laboratorien schon seit geraumer Zeit
eingeführt.

Ihre Effektivität ist jedoch unter den nahezu schwerelosen

Bedingungen im Erdorbit sowohl hinsichtlich der Materialmengen, die aufbereitet
werden können, als auch des Reinheitsgrades der Produkte sehr viel größer.
Dies zeigten jedenfalls die bisherigen Erfahrungen der McDonnell Douglas Comp.
(St. Louis, Missouri), wo die Apparatur entwickelt wurde, und der Forscher von
der Washington-Universität in St. Louis, die Experimente wissenschaftlich vorbereiteten.
Dieses Mal wurden sechs verschiedene Proben biologischer Materialien mitgeführt - zwei Proben mit Zellen von menschlichen Nieren, zwei Proben mit Hypophysenzellen (Zellen der Hirnanhangdrüse) von Ratten, und zwei Proben mit
Pankreas- (Bauchspeicheldrüsen) Zellen von Hunden. Aus Nierenzellen läßt sich
das Enzym Urokinase gewinnen, das wegen seiner Fähigkeit zum Auflösen von BlutzellVerklumpungen im Gefäßsystem bei bestimmten Herzleiden und bei Schlaganfall
von Bedeutung ist. Kulturen von Hypophysenzellen sind "Rohstoff" für die
Gewinnung von Wachstumshormon, mit dem Kleinwuchs bei Kindern und Jugendlichen
behandelt werden kann. Und Pankreaszellen sind die Quelle für das wichtige
Hormon Insulin zur Regulierung des Zuckerspiegels im Organismus.
Professor Scharf

�Professor Scharf und Mitarbeiter von der Washington-Universität versuchen
derzeit herauszufinden, welche der Insulin produzierenden Pankreaszellen sich
am besten für eine Implantation bei Diabetikern eignen könnten.

Sie betonen

. jedoch, daß noch vor der Erprobung des auf dem Weg der Elektrophorese isolierten
Materials die Wissenschaftler sicher sein müßten, durch die EOS-Methode genügend
große Mengen Insulin produzierender Zellen für die kommerzielle Anwendung zu
gewinnen, und daß der Zell typ auch tatsächlich der bestgeeignete für den menschlichen Organismus sein müsse. McDonnell Douglas plant zusammen mit einer
pharmazeutischen Firma einen Prototyp für die Produktion verschiedener Arzneimittel und anderer pharmazeutischer Präparate im Weltraum.

Die Apparatur soll

1985 bei zwei Raumtransporterflügen mitgenommen werden und eine 25mal größere
Produktionskapazität haben als das gegenwärtige System.

Gegen Ende der achtziger

Jahre hofft McDonnell Douglas,eine vollautomatische Fabrik im Orbit zu haben.
Astronauten vom Space Shuttle würden die Rohstoffe von der Erde bringen und die
extrahierten Produkte wieder mit zurücknehmen.
Von Dennis Morrison, einem Zellbiologen der NASA, waren Nierenzellen in
einer Lösung mitgegeben worden.

Von den beiden Proben wurden jeweils etwa

6 ccm mit schätzungsweise 40 bis 50 Millionen Zellen aufbereitet.

Morrison

erwartet, daß 70 Prozent der Zellen ordnungsgemäß abgetrennt wurden, und daß
von diesen wiederum 80 Prozent lebensfähig geblieben sind.

Das genaue Ergebnis

der Untersuchung nach der Rückkehr steht noch aus. Da man vermutet, daß es bis
zu sechs verschiedene Typen von Nierenzellen gibt, die Urokinase produzieren,
könnte dieAbtrennung unter Schwerelosigkeit helfen, jenen Typ zu finden, der die
wirksamste Form des Enzyms bildet.

Im Gegensatz zu biologischem Material, das

bei früheren Flügen mitgenommen wurde, waren die für den Flug STS-8 bestimmten
Zellkulturen ungemein empfindlich gegen bakterielle Infektion.
sie erst wenige Stunden vor dem Start an Bord gebracht.

Deshalb wurden

Bis zur Rückkehr zur

Erde wurden die abgetrennten Zellen in einer besonderen Nährlösung gesammelt.
- "Space Shuttle"

- 3 -

�-Space Shuttle

als Speditionsunternehmen -

Auftragsgemäß wurde der 1200 kg schwere indische Nachrichten- und Wetterbeobachtungssatellit INSAT IB 25 Stunden nach dem Start der CHALLENGER im Weltraum abgesetzt.

Nach seiner Einsteuerung in der 36 000 km-Bahn auf einen Punkt

über dem 74. östlichen Längengrad Mitte September erwartet die Leitung des INSATProgramms in Indien Mitte Oktober die ersten Erdaufnahmen zur Verwendung für die
Wettervorhersage.

Der von der "Ford Aerospace Comp." in Kalifornien gebaute

Satellit soll eine aktive Lebensdauer von sieben Jahren haben.

Er kann 8 000

Ferngespräche gleichzeitig übertragen und strahlt Fernsehprogramme aus, die von
ca. 100 000 in abgelegenen Regionen des Landes installierten Antennen direkt
empfangen werden können. Jede halbe Stunde übermittelt er Wetterbilder , was
das Aufspüren von Sturmfronten 1 2 - 2 4 Stunden früher als mit den herkömmlichen
Methoden ermöglicht; außerdem sammelt er Wetterdaten von einigen Hundert automatischen Beobachtungsstationen.

Für den Transport und den Start des Vielzweck-

Satelliten im Weltraum, mit dem die zuständige indische Kontroll Station in Hassan
schon eine Stunde später die Verbindung hergestellt hatte, zahlt die indische
Regierung der NASA eine Summe zwischen 13 und 15 Millionen Dollar.
Für ihre Raumtransporterflotte wird die NASA drei weitere Lastkräne vom
Typ "ROBOTARM" in Kanada in Auftrag geben. Wiederum hat sich das im November 1981
erstmals erprobte Gerät vorzüglich bewährt, als es im Verlauf des sechstägigen
Unternehmens STS-8 u.a. ein Ballastobjekt von fast 3,5 Tonnen Masse zu heben und
zu manipulieren hatte. Maschinen dieser Art, die vom Cockpit aus über Computer
für grobe wie für feinste Arbeiten ferngesteuert werden, sind eine Voraussetzung
zum Absetzen und Montieren der Segmente für Weltraumstationen. Die mit deren
Entwicklung befaßten amerikanischen Wissenschaftler hoffen, daß die erste Station •
dieser Art im Jahr 1992 im Erdorbit sein wird.
Die Durchführung

�Die Durchführung des Projekts verlangt eine enge "Partnerschaft zwischen
Mensch und Maschinen".

Denn das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der

Menschen, die auf einer solchen irdischen Außenstation leben und arbeiten, darf
ja nicht durch die so veränderten Daseinsbedingungen beeinträchtigt werden.
Die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Organismus sind noch
nicht völlig geklärt. Aber Astronaut Dr. William Thornton ist angesichts seiner
Selbstversuche während des letzten

Sechstage-Fluges und seiner Experimente und

Untersuchungen an den übrigen vier Mitgliedern der CHALLENGER-Besatzung überzeugt,
daß die Probleme zu lösen sind und er wichtige Anhaltspunkte dafür gefunden habe.

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7. September 1983

AIDS-KONTROLLE FÜR SPENDERBLUT

- (AD) - Alles für die Blutbank der Stanford-Universität (Stanford,
Kalifornien) gespendete Blut wird seit dem 1. Juli 1983 auf mögliche Anomalien untersucht,die nach bisherigen Erfahrungen häufig mit AIDS einhergehen.

AIDS ist die Abkürzung für "Acquired Immune Deficiency Syndrome" -

eine erworbene Immunschwäche, die für den Betroffenen verheerende Auswirkungen bei Infektionen jeglicher Art haben kann.

Der radikalen Bekämpfung

dieser Erkrankung wurde kürzlich vom öffentlichen Gesundheitsdienst der
Vereinigten Staaten die "höchste Prioritätsstufe" eingeräumt.
Abgesehen von Vorsichtsmaßnahmen, um Blutspenden von Personen aus
den bekannten Risikogruppen von vornherein auszuschließen, wurden die bisher nur in Sonderfällen angewandten Tests als weitere Vorsorge zum Schutz
der Empfänger von Bluttransfusionen eingeführt.

Wie Dr. Edgar Engleman,

D

Assistenzprofessor für athologie und Medizin und medizinischer Direktor
der Stanford-Blutbank, in diesem Zusammenhang erklärte, sei kein einziger
Fall von AIDS unter den Empfängern von Blutkonserven aus seinem Institut
bekannt.

Das Testprogramm gilt als eine vorläufige Maßnahme, bis die For-

schung bessere und billigere, aber ebenso wirksame Prüfverfahren entwik-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
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�Prüfverfahren entwickelt hat. Bei dem Test geht es um die Bestimmung des
Verhältnisses zweier Untergruppen der Infektionen abwehrenden weißen Blutzellen, der sog. T-Zellen, die bei etwa 95 Prozent der AIDS-Opferauf snorm
niedrige Werte im Blut absinken.

Unter Verwendung mononuklearer Antikörper

(nach einem Spezialverfahren erzeugte Proteine) und einer mit Fluoreszenzaktivierung arbeitenden Apparatur zum Sortieren von Zellen des Zytolluorographen ist es möglich, das Verhältnis von "Helfer-T-Zellen" und "SuppressorT-Zellen" zu ermitteln.

Letztere sind bei gesunden Personen gegenüber der

ersten Untergruppe in der Minderzahl.

Die hohen Kosten des Verfahrens,

das bisher nur zur Diagnose von AIDS angewandt wurde, hofft man durch eine
Vereinfachung des Tests und die Vergrößerung der Testmengen bei jedem Einsatz von 150 bis 200 Dollar pro Test auf ca. 6 Dollar senken zu können.
Gegenwärtig werden verschiedene Blut-Screening-Verfahren diskutiert,
erklärte Engleman. Jedoch habe sich bisher keines als empfindlich genug
erwiesen, um ausschließlich AIDS-Träger unter den Blutspendern ausfindig
zu machen. Die meisten davon führten dazu, daß 15 bis 50 Prozent der
Blutspender nicht akzeptiert würden, obgleich nur ein winziger Bruchteil
von ihnen tatsächlich mit AIDS behaftet sein könnte. Aber "Blut ist ein
so kostbarer Stoff", sagte Engleman, "daß wir einigermaßen sicher sein
müssen, ein höchst selektives Screening-Verfahren anzuwenden, das sich auch
wirklich lohnt". Aufgrund einer Pilot-Studie an 200 Patienten schätzt
Engleman, daß von den 18 000 Blutspendern für die Stanford-Bank etwa 1 bis
2 Prozent aufgrund des Testergebnisses ausscheiden. Keineswegs alle dieser für Blutspenden abgelehnten Personen hätten AIDS, betont der Mediziner.
Tatsächlich dürften die meisten von ihnen sogar völlig gesund sein. Das
Screening-Verfahren sei eben nicht perfekt - "aber es ist das Beste, über
das wir derzeit verfügen".

+ + + + +

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