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                  <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. J u l i 1983

29

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: Ein echter Frieden bleibt oberstes Ziel der USA
- Rundfunkansprache des US-Präsidenten Reagan: Einigung in Madrid stärkt Schlußakte yon Helsinki
- Erklärung zum KSZE-Folgetreffen Unterstaatssekretär Perle:

USA nehmen es mit der Rüstungskontrolle

ernst
- Wortlaut der Erklärung vor dem Streitkräfteausschuß des
Repräsentantenhauses INFORMATION
Amerikanische Regierung fordert Hilfe für Wahlen in El Salvador
HINTERGRUNDMATERIAL
Sandinisten hielten ihre Versprechungen nicht ein
"Wall Street Journal" zur Situation in El Salvador
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Wissenschaft und Technik - international
- Zusammenarbeit als Ziel amerikanischer Außenpolitik Weltweite Überwachung seismischer Daten
- USA entwickeln neues Mikrocomputersystem -

Um Übcr/cndung von
ßckgcKcmploren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�»

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. Juli 1983

29

REAGAN: EIN ECHTER FRIEDEN BLEIBT OBERSTES ZIEL DER USA
- Rundfunkansprache des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 16. Juli 1983 in einer
Rundfunkansprache erneut den Friedenswillen der Vereinigten Staaten betont
und darauf hingewiesen, daß die Beseitigung der nuklearen Kriegsgefahr sowie das Streben nach einem echten Frieden das oberste Ziel seiner Regierung
bleibe.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Meine amerikanischen Mitbürger. Heute möchte ich zu Ihnen über den
Frieden sprechen. Im Juni 1963 hat Präsident John F. Kennedy eine Rede zur
Rüstungskontrolle gehalten, an die man sich immer noch erinnert, weil sie
so ausdrucksvoll und weitblickend war. Er erklärte vor der Abschlußklasse
der American University: "Ich spreche vom Frieden als dem notwendigen und
vernünftigen Ziel aller vernünftigen Menschen. Ich bin mir darüber im klaren, daß das Streben nach Frieden nicht so augenfällig und dramatisch ist
wie das Führen eines Krieges, und häufig stoßen die Worte dessen, der nach
Frieden strebt, auf taube Ohren. Aber wir haben keine dringendere Aufgabe."
Seither

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

sind

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Seither sind 20 Jahre vergangen, und diese Jahre waren eine Zeit der
Krise, die überschattet war von den Gefahren der Kernwaffen.

Wir haben er-

lebt, wie die Kernwaffenarsenale der Welt ständig angewachsen sind.

Trotz

zahlreicher ehrlicher Versuche, das Anwachsen der nuklearen Arsenale unter
Kontrolle zu bringen, haben sie sich dennoch ständig vergrößert.

Das ist

die schlechte Nachricht.
Die gute Nachricht ist, daß wir jetzt endlich hoffen können, diese Entwicklung schließlich doch noch umzukehren.

Die Amerikaner haben sich zusam-

mengeschlossen - Republikaner und Demokraten, Liberale und Konservative -, um
sich der größten Herausforderung unserer Zeit zu stellen:

der dringenden Auf-

gabe, im Atomzeitalter nach einem dauerhaften Frieden zu streben.

Der poli-

tische Prozeß in unserem Lande hat einen Konsens zustandegebracht - einen
überparteilichen Konsens, der uns in unserer gemeinsamen Suche nach Mitteln
und Wegen vereint, um unser Land zu schützen, die Kriegsgefahr zu vermindern
und schließlich in augenfälliger Weise den Stand der Kernwaffen zu verringern - die Grundlage, die wir für erfolgreiche Verhandlungen benötigen.
Unser MX-Programm - das Friedenswahrer-Raketenprogramm - sieht die Dislozierung von 100 Raketen vor. Wie viele schließlich jedoch disloziert werden,
wird ohne Frage von dem Ergebnis in Genf beeinflußt. Wenn dort ein Abkommen
erreicht wird, das tiefgreifende Reduzierungen vorsieht - und das ist selbstverständlich unser Ziel -, dann könnte die Zahl der Raketen ganz gewiß nach
unten angeglichen werden. Wie die Scowcroft-Kommission zu Recht erklärt hat,
ist die MX-Friedenswahrerrakete ein wichtiger Teil eines umfassenden Modernisierungs- und Rüstungskontroi 1programms, das die Abschreckung in heutiger
Zeit wie in Zukunft sicherstellen soll. Wir bauen diese Raketen, um die Abschreckung zu stärken. Aber sie bietet auch entscheidend wichtige Verhandlungsanreize und hat Einfluß auf die Gespräche in Genf.
Andrej Sacharow, der hervorragende sowjetische Physiker und Nobelpreisträger, hat kürzlich einen eindrucksvollen Artikel veröffentlicht, der mit
Nachdruck ebenfalls hierauf verweist. Angesichts des sowjetischen Vorteils

- 2 -

�sowjetischen Vorteils im Hinblick auf landgestützte strategische Raketen,
so führte er aus, könnten Gespräche über eine Begrenzung und Verringerung
dieser Systeme leichter werden, wenn die Vereinigten Staaten über MX-Raketen
verfügten, wenn auch nur potentiell. Andrej Sacharow ist ein Mensch, dessen
Worte man schwerlich ignorieren kann.
Wenn der Kongreß seine Unterstützung für dieses Programm bekräftigt
und die Mittel für die Modernisierung unserer strategischen Abschreckung bewilligt, dann wird unsere Friedensagenda noch mehr gestärkt werden.

In der

NATO wie auch in unseren anderen Bündnissen gibt es ein erneutes Gefühl der
Solidarität.

Im Mai dieses Jahres haben die führenden Staatsmänner der gro-

ßen Industrienationen in Williamsburg erneut ihre Verpflichtung unterstrichen,
mit Nachdruck die beiden Ziele einer
kung zu verfolgen.

Rüstungsverminderung und der Abschrek-

Diese Solidarität ist eine Quelle großer Stärke.

Für die Hochschulabsolventen dieses Juni 1983 ist dies eine Zeit großer
Möglichkeiten und der Hoffnung - der Hoffnung nämlich, daß sie und ihre Kinder sich einer sichereren Welt erfreuen können.

Deshalb müssen wir unseren

Konsens beibehalten, und deshalb habe ich Hunderte von Stunden damit verbracht, mich mit den Mitgliedern meiner Regierung, mit einer überparteilichen
Kommission für strategische Streitkräfte, mit unseren Verhandlungsführern in
Genf, mit Mitgliedern des Kongresses sowie mit besorgten Bürgern zu treffen.
Meine Botschaft für sie und für Sie, die Sie mir jetzt zuhören, ist,
daß es für mich keine größere Priorität gibt, als die Gefahr eines Atomkrieges zu verringern und schließlich ganz zu beseitigen und nach der Stabilität
zu streben, die für einen wahren Frieden notwendig ist.
erreichen, müssen wir die nuklearen Arsenale
als auch der Sowjetunion verringern.

Um dieses Ziel zu

sowohl der Vereinigten Staaten

Wir müssen eine größere Stabilität er-

reichen, d.h. wir müssen sicher sein, daß wir echte Rüstungsverminderungen
erreichen, nicht nur Abkommen, die ein Wachstum der nuklearen Arsenale zulassen

oder Abkommen, die zwar gute Absichten proklamieren, aber nicht die

Garantie bieten, die zu ihrer Verifizierung und zur Durchsetzung der Einhal-

- 3 -

�der Einhaltung notwendig sind.
Unser gegenwärtiges Ziel muß die Verringerung der nuklearen Arsenale
sein.

Und ich glaube fest daran, daß wir niemals von unserem letztlichen

Ziel abweichen dürfen, sie vom Angesicht der Erde zu verbannen.

Deshalb

haben wir ehrgeizige, aber realistische Vorschläge unterbreitet,und deshalb
war ich und bin ich auch weiterhin willens, jeden ernsthaften sowjetischen
Gegenvorschlag zu prüfen.

Deshalb habe ich unseren ursprünglichen Vorschlag

flexibler gestaltet,und deshalb suche ich weiterhin nach neuen Ideen, um
einen Durchbruch bei der Rüstungsverminderung zu erzielen.

Der Verhandlungs-

entwurf, den unsere Unterhändler kürzlich in Genf vorgelegt haben, dokumentiert in der Tat unsere Flexibilität. Wenn sich die Möglichkeiten dazu ergeben, dann wird die amerikanische Position auch weiterhin für Entwicklungen
offen sein.

Die Vereinigten Staaten werden geduldig, aber mit Nachdruck und

immer in guter Absicht verhandeln.

Aber wir können und dürfen uns nicht mit

weniger zufrieden geben als mit echten,beiderseitigen und verifizierbaren
Rüstungsverminderungen.
Die Nachkriegsgeneration Amerikas hat zu ihren Lebzeiten den Frieden
gewahrt, aber es war ein unsicherer Friede.

Die jungen Amerikaner von heute

•- wie alle jungen Menschen auf der Welt - wollen und verdienen mehr als dies.
Und Sie verdienen zu wissen, daß Ihre Regierung alles in ihren Kräften Stehende tut, um Ihren Erwartungen gerecht zu werden.
Immer wieder hat unser Land bewiesen, daß es keine Begrenzungen dafür
gibt, was wir Amerikaner erreichen können, wenn wir zusammenstehen.

Heute

arbeiten wir zusammen, um das zu tun, was richtig ist. Und deshalb können
wir einer sichereren Zukunft entgegensehen.

+ + + + +

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. Juli 1983

29

REAGAN: EINIGUNG IN MADRID STÄRKT SCHLUSSAKTE VON HELSINKI
- Erklärung zum KSZE-Folgetreffen -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan betonte am 15. Juli in Washington,
die USA seien.bereit, die vor dem Abschluß stehende Obereinkunft auf dem
KSZE-Folgetreffen in Madrid zu unterzeichnen.

Sie werde die in der Schluß-

akte von Helsinki enthaltenen Verpflichtungen stärken und erweitern, heißt
es in der Erklärung des amerikanischen Präsidenten.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Nach fast dreijährigen Verhandlungen nähern sich die 35 Teilnehmerstaaten an dem Überprüfungstreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) einer Einigung über ein Schlußdokument - einer Einigung, die die in der Schlußakte von Helsinki enthaltenen Verpflichtungen stärken und erweitern wird.

Sie ist ein Appell an alle 35 KSZE-Staaten - insbe-

sondere an diejenigen, die in so tragischer Weise die in Helsinki gemachten
Zusagen nicht eingehalten haben -, diese Verpflichtungen mit Leben zu erfüllen und sich erneut der Förderung der Freiheit und Gerechtigkeit zu verschreiben, von denen die Sicherheit in Europa letztlich abhängt.
Wir haben

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�Wir haben diesem Schlußdokument zugestimmt, wie dies im Jahr 1975 in
bezug auf die Schlußakte von Helsinki der Fall war, wobei wir uns keinen Illusionen über die Natur der Sowjetunion oder über das System hingeben, das
sie einem großen Teil Europas aufzuerlegen sucht.
wären Abkommen wie dieses nicht notwendig.

In einer idealen Welt

Aber wir sind der Ansicht, daß

dies das beste erreichbare Abkommen ist - ein Übereinkommen, das die Schlußakte von Helsinki wesentlich verbessert und die Bemühungen des Westens fördert, ein Leuchtfeuer der Hoffnung für jene im Osten zu errichten, die nach
einem freieren, gerechten und sicheren Leben streben.
Zusammen mit den Vereinbarungen von Helsinki zeigt dieses Abkommen für
alle 35 KSZE-Staaten einen klareren Verhaltenskodex auf - ein Muster an Normen, das wir und die anderen atlantischen Demokratien auch weiterhin allen
vor Augen halten werden, die ihr Wort in Madrid gegeben haben.

Wir werden

es in der Hoffnung unterzeichnen, daß es ein Schritt zur Erreichung unseres
Zieles sein wird:

eines stabileren und konstruktiveren Verhältnisses zur

Sowjetunion.
Die Übereinkunft von Madrid wird dem Helsinki-Prozeß wichtige neue Verpflichtungen hinzufügen - darunter Bestimmungen, die sich mit den Menschenrechten, den in Polen so tragisch verletzten Freiheiten der Gewerkschaften,
dem Terrorismus, der religiösen Freiheit, der Familienzusammenführung, dem
freien Informationsfluß und anderem mehr befassen. Sie sieht zwei Expertentreffen auf humanitärem Gebiet sowie eine Sicherheitskonferenz vor, die den
Versuch unternehmen wird, Maßnahmen für die Verminderung der Gefahr eines
Überraschungskrieges in Europa auszuhandeln. Ein weiteres umfassendes Folgetreffen wird 1986 in Wien stattfinden, auf dem wir das Verhalten der Teilnehmerstaaten überprüfen und uns darum bemühen werden, auf dem in Madrid Erreichten weiterzubauen.
Die Einigkeit und die Entschlossenheit der westlichen Demokratien in
Madrid haben dieses Ergebnis möglich gemacht. Botschafter Kampelman und
seine Kollegen aus den NATO-Ländern verdienen höchstes Lob dafür, daß diese
- 2 -

�daß diese lange und oft schwierige Konferenz erfolgreich beendet wird. Besonderen Dank schulden wir auch dem spanischen Ministerpräsidenten Gonzalez,
dessen besonnener Vorschlag die Grundlage für eine schließliche Einigung
schuf.
Angesichts des Abschlusses des Madrider Folgetreffens bekräftigen wir
unseren Einsatz für den Prozeß von Helsinki. Wir werden in unserer anhaltenden Entschlossenheit nicht nachlassen, mit allen Regierungen und Völkern
zusammenzuarbeiten, deren Ziel die Stärkung des Friedens in Freiheit ist.
Wie Madrid gezeigt hat, kann der Dialog - wenn er sich auf realistische Erwartungen stützt und mit Geduld geführt wird - Resultate zeitigen.

Solche

Resultate können oft nur allmählich und mit Anstrengungen erreicht werden,
aber sie sind die notwendigen Bausteine für eine sicherere und stabilere
Welt.

Die große Aufgabe bleibt:

Wir müssen alle zusammenstehen und auf

diesen Gewinnen aufbauen; wir müssen dafür sorgen, daß gute Worte in gute
Taten umgesetzt werden und daß die Ideale, die sie beinhalten, konkreten
Ausdruck finden.

Es wird eines unserer Hauptziele bleiben, den Zusagen von

Madrid und Helsinki Substanz zu verleihen.

- 3 -

�' 1111 J

Dokumentation

IT1T37

United States Information Service
Embassy of the United States of America

29

20. Juli 1983

UNTERSTAATSSEKRETÄR PERLE: USA NEHMEN ES MIT DER RÜSTUNGSKONTROLLE ERNST
- Wortlaut der Erklärung vor dem Streitkräfteausschuß des
Repräsentantenhauses -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für internationale Sicherheitspolitik im amerikanischen Verteidigungsministerium, Richard Perle, erklärte am 12. Juli 1983 vor einem Sonderausschuß für Rüstungskontrolle und
Abrüstung des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses, daß jene
Kritiker, die Präsident Reagans ernsthaftes Bemühen um Rüstungskontrolle
in Zweifel ziehen, die amerikanischen Bestrebungen schädigen, zu Abkommen
zu gelangen, die zu größerer Stabilität auf erheblich verringertem Waffenniveau führen würden.
Die Erklärung Perles hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir ein Vergnügen, vor diesem Sonderausschuß für Rüstungskontrolle und Abrüstung zu erscheinen und die Gelegenheit zu haben, unsere
Ansichten über die komplexen Fragen der Rüstungskontrolle und der nationalen
Sicherheit auszutauschen.

Ich begrüße diese Gelegenheit vor allem auch des-

halb, weil unsere nationalen Erwägungen hinsichtlich Rüstungskontrollfragen

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�hinsichtlich Rlistungskontrollfragen Gefahr laufen, in einen Austausch von
Formeln zwischen "den Guten" und "den Bösen" abzugleiten.

Und als einer

der offiziellen Vertreter, die oft genug von jenen in die zweite Kategorie
abgeschoben werden, die sich selbst fest zur ersteren gehörig fühlen, bietet
sich mir dadurch die Möglichkeit, zu erklären, warum es Unterschiede gibt in der Tat ein seltenes Privileg.
Ich glaube, daß der entscheidende Unterschied zwischen dieser Administration und ihren Kritikern hinsichtlich der Rüstungskontrolle, in dem Maßstab
besteht, den wir dabei anlegen, ein Abkommen zu erreichen.

Ich muß gestehen,

daß ich der Meinung bin, wir legen einen strengeren Maßstab an als unsere
Verleumder:

Wir bemühen uns um Rüstungskontrollvereinbarungen, die das An-

wachsen der militärischen Macht der Sowjetunion beträchtlich einschränken und
gleichzeitig unsere eigene proportional begrenzen würden.

Wir streben aus-

gehandelte Waffenbegrenzungen an, die - käme es zu einer beiderseitigen Zustimmung - größere Stabilität mit beträchtlich geringerem Waffenumfang bieten würden.

Wir versuchen - wie es der Kongreß verfügt hat -,

Abkommen zu

erreichen, die sich auf das Prinzip der Gleichheit zwischen den Vereinigten
Staaten und ihrem Hauptgegner, der Sowjetunion, gründen.

Wir versuchen,

Abkommen zu erreichen, die präzise genug sind, um ihre Einhaltung zu verifizieren.

Und beim Versuch, all dies zu erreichen, bleiben wir uns der Tat-

sache bewußt, daß es bestimmte Abkommen gibt, die besser sind als andere,
daß nur zu viele den Eindruck - aber nicht die Realität - einer militärisch
sinnvollen Beschränkung vermitteln und daß einige schlechter sind als überhaupt keine.
Unsere Anstrengungen zur Aushandlung von Abkommen, die militärisch bedeutsam sind, mit Präzision entworfen sind, die ausgewogen, ausgeglichen und
verifizierbar sind, finden statt vor einem Hintergrund von Angst und Besorgnis - sowohl hier als auch im Ausland, wodurch unsere Sicht verdüstert und
unsere Aufgabe erschwert wird.

Der deutlichste Ausdruck dieser Besorgnis

findet sich in dem Wort "Wettrüsten" wieder, in dem ein schreckliches Aufhäufen von Waffen, eine endlose Aufwärtsspirale, ein Wettrennen in Richtung auf

- 2 -

�Richtung auf die Apokalypse steckt. Aber die Wirklichkeit ist weit irdischer
und viel weniger schwer definierbar.

Und sie sieht so aus: Die Vereinigten

Staaten haben heute weltweit etwa 8000 Kernwaffen weniger disloziert, als wir
in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre disloziert hatten,

über 15 Jahre

lang führten wir ein einseitiges Rüstungsverminderungsprogramm durch, während
die Sowjetunion ihrem Arsenal der strategischen Kernwaffen und der atomaren
Gefechtsfeldwaffen immer neue Waffen hinzufügte.

In Megatonnen ausgedrückt,

ist die Verringerung der amerikanischen Streitkräfte noch eindrucksvoller:
Wir haben im Lauf der beiden vergangenen Jahrzehnte die Megatonnage unserer
dislozierten Waffen um 75 Prozent reduziert.
Aber was hat das mit Rüstungskontrolle zu tun?

Nichts - und doch alles.

Nichts, weil die amerikanischen Verringerungen und die sowjetischen Anhebungen stattfanden ohne bezug zu den drei wichtigsten Verträgen, unter denen
wir und die Sowjets seit 1972 leben.

Alles, weil die Irrelevanz der Verträ-

ge - die ja den Wettbewerb bei den strategischen Waffen reduzieren sollten immer klarer zutage tritt, fand die sowjetische Aufrüstung doch innerhalb
ihrer Bestimmungen statt. Ja, es ist erstaunlich, in welchem Maß die Nostalgie für die Rüstungskontrolle der frühen siebziger Jahre zu einer fast automatischen Reaktion auf gegenwärtige Bedenken hinsichtlich "der Aufwärtsspirale
des Wettrüstens" geworden ist - als ob die Abkommen der siebziger Jahre heute
nicht mehr in Kraft wären, obgleich sie dies doch sind.

Jede strategische

Waffe, die seit 1972 den Arsenalen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
hinzugefügt wurde, wurde hinzugefügt gemäß dem Wortlaut (manchmal

von den

Sowjets großzügig interpretiert) eines in Kraft stehenden Vertrages, eines
ausgelaufenen, aber dennoch eingehaltenen Vertrags sowie eines Vertrags, der
nie ratifiziert wurde, der aber dennoch eingehalten wird.

So viel zur Nostal-

gie; auch sie ist nicht mehr, was sie einmal war.
Bei all der Konfusion, die die Frage der Rüstungskontrolle umgibt, ist
nichts so ernst wie die Frage der Ernsthaftigkeit.

Es gehört zu den Gemein-

plätzen der Kritiker dieser Administration, daß sie sie eines Mangels an
Ernsthaftigkeit bei der Rüstungskontrolle bezichtigen.
- 3 -

Zur Unterstützung

�Zur Unterstützung dieser Anklage finden geistreiche journalistische Exkursionen in die bürokratische Welt der heroischen, doch ineffizienten "Guten"
(die es mit der Rüstungskontrolle ernst meinen) und der dominierenden "Bösen"
(die insgeheim gegen die Rüstungskontrolle sind und sie überall blockieren,
auch wenn sie sich bei den Abstimmungen äußerlich als durchaus ernsthaft gebärden) statt.

Und mittels irgendeines obskuren Lackmustests werden wir -

wir alle - in das eine oder das andere Lager gesteckt in einer sich ewig
drehenden Spirale der Heuchelei und der Verleumdung.
Aber was bedeutet denn Ernsthaftigkeit bei der Rüstungskontrolle?

Ist

es ein Zeichen der Ernsthaftigkeit, dem sowjetischen Begehren nach Verschaffung und Bewahrung beträchtlicher Vorteile bei den Kernwaffen Zugeständnisse
zu machen?

Ist die Leichtigkeit, mit der wir unsere Zielsetzungen aufgeben

und "Fortschritte" in Richtung auf ein Abkommen - jegliche Art von Abkommen machen, ein Zeichen der Ernsthaftigkeit?

Gibt es eine Beziehung zwischen

Ernsthaftigkeit und Inhalt der Abkommen, die wir auszuhandeln suchen?
Die Unterstellung, diese Administration sei bei der Rüstungskontrolle
nicht ernsthaft bemüht, weil sie sich einen Maßstab für Abkommen gesetzt
hat, dem man eben deshalb nur schwer gerecht werden kann, weil er es wert
ist, ihm gerecht zu werden, ist schädigend und unwürdig - schädigend für
unsere Anstrengungen und unwürdig derer, die diese Unterstellung machen.
Die Berge von Ratschlägen, die wir von vielen unserer Kritiker erhalten,
summieren sich zu wenig mehr als der Tatsache, daß wir unsere Vorschläge
dahingehend ändern sollten, daß den Sowjets erlaubt würde, ein strategisches
Arsenal zu behalten, das um ein Gewaltiges größer wäre, als dies gemäß der
Vorschläge der Administration der Fall sein würde. Dieser Auffassung nach
wäre Ernsthaftigkeit dort zu finden, wo die großen Geschütze stehen - oder,
in diesem Fall, die großen Raketen. Verlangt man zu viel Zurückhaltung
seitens der Sowjets - selbst wenn der von uns vorgeschlagene Stand für beide Seiten derselbe wäre -, so ist man nicht ernsthaft. Ernsthaftigkeit ist
mit jenen, die sich nicht allzu viele Gedanken über den Wortlaut eines Ab-

�eines Abkommens machen, solange überhaupt nur irgendetwas unterzeichnet wird.
Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß dies nicht unsere Ansicht
darüber ist, was Ernsthaftigkeit bei der Rüstungskontrolle darstellt.

Un-

serer Ansicht nach erfordert Ernsthaftigkeit klarsichtige Ziele, militärisch
bedeutsame Ergebnisse, Abkommen, die ausgeglichen und verifizierbar sind sowie die Geduld und den Mut, Ergebnisse zu erzielen.
noch leicht geschehen.

Dies kann weder rasch

Unsere Gegner werden das nicht zulassen.

Sie ziehen

es vor, auf Bedingungen zu warten, die ihnen besser gefallen - Bedingungen,
die - wie jene, an die sie sich gewöhnt haben - ihre militärischen Programme
im großen und ganzen unbehindert lassen und ihre Aufrüstung ungeschmälert.
Ohne die Unterstützung des Kongresses - ohne die Hilfe von Ausschüssen
wie diesem hier - können wir nicht hoffen, in Verhandlungen Erfolg zu haben,
die eben deshalb lang und mühsam sind, weil wir die Geschichte in Richtung
auf eine geschütztere und sicherere Zukunft hinbewegen wollen. Wir würden
unser Mandat vergeuden, wenn wir weniger versuchen würden; und eben deshalb
werden wir fest und doch fair sein beim Verfolg von Frieden und Freiheit.

- 5 -

�20. Juli 1983

29

AMERIKANISCHE REGIERUNG FORDERT HILFE FÜR WAHLEN IN EL SALVADOR

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium gab am 12. Juli
1983 bekannt, daß die Reagan-Administration 3,4 Millionen Dollar angefordert
habe, um Vorbereitung und Durchführung des Wahlprozesses in El Salvador zu
unterstützen.
John Hughes, der Sprecher des Außenministeriums, wies darauf hin, daß
die Regierung von El Salvador vor einigen Monaten um amerikanische Hilfe bei
der Verbesserung des dortigen Wahlprozesses sowie finanzielle Unterstützung
durch die Vereinigten Staaten zur Abdeckung eines Teils der Kosten für die in
diesem Jahr stattfindenden Präsidentenwahlen

ersucht habe.

"Wir sind der

Meinung, daß diese Hilfe notwendig und angemessen ist, um den Obergang El
Salvadors zu Pluralismus und Demokratie zu unterstützen," betonte Hughes.
Der Sprecher des State Department

berichtete weiter, daß vor einigen

Wochen amerikanische Wahlexperten nach El Salvador gereist seien, um Vorschläge zu erarbeiten, wie die Vereinigten Staaten hierbei am ehesten von
Nutzen sein könnten.

Nach Konsultationen mit Mitgliedern des Kongresses

habe das Amt für internationale Entwicklung (AID) am 11. Juli den Kongreß
formell über die 3,4 Millionen Dollar an vorgeschlagener Hilfe für den Wahlprozeß informiert.
Die vorgeschlagenen

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�Die vorgeschlagenen Mittel umfassen rund 1,5 Millionen Dollar für Computerund andere Ausrüstung.

Weitere 900 000 Dollar sind für konsultative Dienst-

leistungen vorgesehen, damit eine Wahlregistratur erstellt werden kann.

Wei-

tere rund 800 000 Dollar stehen für die voraussichtlich rund 200 internationalen Beobachter von Wahl kämpf und Wahl zur Verfügung und rund 200 000 Dollar
für Berater, die bei der Durchführung des Wahl Vorgangs mitarbeiten sollen.
Hughes unterstrich, daß die Präsidentenwahlen in El Salvador noch immer
vor Jahresende vorgesehen sind.

Er erklärte weiter, daß die angeforderten

Gelder für die Wahlhilfe keiner neuen Bewilligung bedürften, sondern daß man
sich der Mittel für Wirtschaftshilfe bedienen werde, die bereits angewiesen
worden seien.
In seinem Vorschlag an den Kongreß erklärte das Amt für internationale
Entwicklung, daß die Mittel nur zur Unterstützung solcher Maßnahmen dienen
werden, die weder die eine noch die andere Partei bevorzugten.
Die Anforderung des AID kann innerhalb von 15 Tagen durch die Vorsitzenden
von vier Kongreßausschüssen zur Abstimmung gelangen.

Dies sind der außen-

politische Ausschuß des Repräsentantenhauses, der außenpolitische Ausschuß des
Senats sowie die Bewilligungsausschüsse von Senat und Repräsentantenhaus.
Obgleich ein gewisser Widerstand gegen den Vorschlag erwartet wird, hat doch
der Kongreß immer wieder den Wert freier Wahlen in El Salvador unterstrichen.

+ + + + +

�am ER1Ktk
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&lt;

Hintcigiunclmateriell
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20. Juli 1983

29

SANDINISTEN HIELTEN IHRE VERSPRECHUNGEN NICHT EIN

WASHINGTON - (AD) - Vier Jahre nach der Verpflichtung, ein freies Land
zu schaffen, in dem die Menschenrechte und der politische Pluralismus respektiert werden, haben die Sandinisten in Nicaragua ihre Zusagen immer noch nicht
eingelöst.

In einem Schreiben vom 12. Juli 1979 versicherten fünf Mitglieder

der sandinistischen Regierungsjunta der Organisation amerikanischer Staaten
(OAS), daß sie in Nicaragua eine demokratische Regierung mit umfassender Repräsentation bilden, die ersten freien Wahlen in dem mittelamerikanischen Land
in diesem Jahrhundert abhalten und die Menschenrechte voll und ganz beachten
würden.

Daniel Ortega, ein führendes Mitglied des neunköpfigen Direktoriums,

war einer der Unterzeichner.
Es kann nicht bestritten werden, daß die Sandinisten seit ihrer Machtübernahme im Hinblick auf das Gesundheits- und Erziehungswesen Fortschritte
erzielt haben. Aber genauso wenig kann bestritten werden, daß sie ihre Zusage, politische und wirtschaftliche Reformen durchzuführen, und die Menschenrechte zu respektieren, einfach vergessen haben.
Nachdem immer wieder freie Wahlen für die Bevölkerung Nicaraguas versprochen worden waren, haben die Sandinisten diese Wahlen verschoben.

Sie er-

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�Sie erklären nunmehr, daß die Wahlen nicht mehr vor 1985 abgehalten würden.
Aufgrund der allgemeinen Beunruhigung im Lande hat der Pluralismus ebenfalls
gelitten.

Im Jahr 1981 veröffentlichten die fünf politischen Parteien in

Nicaragua - die Demokratische Bewegung, die Sozialdemokratische Partei, die
Christlich-Sozialen, die Demokratische Konservative Partei und die liberal
Konstitutionellen - eine Erklärung, in der die Angriffe der Sandinisten auf
politische Organisationen verurteilt wurden.

Diese Angriffe, so hieß es in

der Erklärung, machten die Entscheidung deutlich, daß die Sandinisten in
Nicaragua eine marxistisch-leninistische Diktatur errichten wollten.
Ehemalige Mitstreiter in der sandinistischen Revolution, darunter der
Führer der Demokratischen Bewegung, Alfonso Robelo, der ein Mitglied der Regierungsjunta des nationalen Wiederaufbaus war und das Schreiben an die OAS
mit unterzeichnet hatte, sahen sich gezwungen, aus Nicaragua zu fliehen.
"Zu Zeiten Somozas," so erklärte Robelo im Fernsehen Panamas im Jahr 1982,
"konnten viele seiner Gegner, darunter auch ich, ihm offen und entschlossen
entgegentreten.

Ich kann jetzt nicht nach Nicaragua zurückkehren, denn das

wäre glatter Selbstmord...

Mein Leben war so sehr bedroht, daß ich zu der An-

sicht gelangte, bereits genug Risiken auf mich genommen zu haben."
Die gewaltsame Umsiedlung von 8500 Miskito-Indianern sowie die Flucht
von wenigstens weiteren 10 000 nach Honduras, ist wahrscheinlich eine der
schlimmsten Verletzungen der Menschenrechte, die die Sandinisten begangen
haben. Am 18. Februar 1982 veröffentlichte die Bischofskonferenz von Nicaragua ein Kommunique, in dem alle Bischöfe ihre große Besorgnis über die Behandlung der Miskito-Indianer zum Ausdruck brachten.
Auch Geschäftsleute wurden getötet oder ins Gefängnis geworfen. So
ermordeten sandinistische Sicherheitskräfte am 17. November 1980 den prominenten Geschäftsmann Jorge Salazar. Enrique Dreyfus, Präsident des Rates
privater Unternehmen (Cosep), wurde zusammen mit drei anderen prominenten
Geschäftsleuten verhaftet und mehrere Wochen lang unerbittlich verhört.
Einer der

�Einer der führenden Revolutionskämpfer der Sandinisten, Eden Pastora,
- bekannt als "Commandante Zero" - berichtete 1982, daß die Festnahmen,Enteignungen und Konfiszierungen Anhänger

wie Gegner

Somozas, Gegenrevolutio-

näre wie Revolutionäre, Schuldige wie Unschuldige treffen.

"In den Gefäng-

nissen werden Gegenrevolutionäre genauso geschlagen wie die marxistischen Revolutionäre; die letzteren werden bestraft für das schwere Verbrechen, Marx
anders auszulegen als ihre Kameraden, die an der Macht sind".
In ihrem Bemühen um die absolute Kontrolle haben die Sandinisten auch
andere mächtige Kräfte Nicaraguas, einschließlich der Kirche und der Presse,
bedrängt. Weil sie in der Kirche eine Bedrohung sehen, haben die Sandinisten
wiederholt den Papst während seines Besuches in Managua Anfang dieses Jahres
belästigt und gestört, örtlichen Geistlichen ist es noch schlimmer ergangen;
so wurde Erzbischof Obando Y Bravo zweimal vom Pöbel angegriffen, verschiedene andere Priester wurden geschlagen.
La Prensa, eine der drei Zeitungen, die in Managua übriggeblieben sind,
erscheint trotz ihrer Opposition gegenüber den Sandinisten zwar noch, aber
zu einem hohen Preis.

Die Zeitung wird immer wieder zensiert oder muß für

längere Zeit ihr Erscheinen einstellen, und einige der Redakteure und Fotografen sind Angriffen ausgesetzt gewesen.
Vor vier Jahren hat die Organisation amerikanischer Staaten die Versprechungen der Sandinisten begrüßt und in einer Resolution zum Ausdruck
gebracht, daß Nicaragua eine auf breiter Grundlage stehende demokratische Regierung, möglichst bald freie Wahlen sowie Garantien benötigt, daß die Menschenrechte respektiert werden. Bis heute ist noch nicht eine dieser Zusagen an
die Bevölkerung in Nicaragua Wirklichkeit geworden.

+ + + + +

- 3 -

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. Juli 1983

29

"WALL STREET JOURNAL" ZUR SITUATION IN EL SALVADOR

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
des Wall Street Journal, Copyright (c)
Dow Jones and Co., Inc., 1983.
Alle Rechte vorbehalten.

Unter der Oberschrift "Gespräche über was?" veröffentlichte das "Wall
Street Journal" am 13. Juli 1983 einen Leitartikel, der sich mit der Situation in El Salvador befaßt. Der Artikel hat folgenden Wortlaut:
Joaquin Villalobos, einer der salvadorianischen Guerillaführer, weiß,
wie man bei einem Thema zur Sache kommt.

In einer Sendung des in Nicaragua

stationierten Senders Venceremos erklärte Senor Villalobos, warum die Gespräche zwischen Repräsentanten der Guerilla und dem amerikanischen Sonderbeauftragten Richard Stone am vergangenen Wochenende erfolglos blieben.
Villalobos meinte, Botschafter Stone habe über Wahlen sprechen wollen, die
Guerilla jedoch über Machtbeteiligung.
"Wir haben deutlich gemacht, daß Wahlen keine Lösung für den Krieg
sind", sagte der Guerillaführer. "Die Lösung liegt in der Anerkennung der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Anerkennung der politisch-militärischen Kraft der FMLN (der Guerilla-Front)
bei der Errichtung einer neuen Regierung, bei der Bildung einer Armee, in
die die FMLN eingegliedert wird,und im Ende der Intervention der Vereinigten
Staaten."
Was könnte deutlicher sein?

Dies ist weder jetzt ein Krieg unzufriede-

ner Bauern, noch war er das jemals. Mr. Villalobos und die anderen Kommandeure sind professionelle Revolutionäre.

Sie arbeiten mit Professionellen

ihresgleichen im sandinistischen Direktorium in Managua und in den sowjetischkubanischen strategischen Hauptquartieren in Havanna.

Sie haben ihr Leben

dort draußen im Dschungel all die Jahre nicht riskiert, um die Demokratie zu
fördern.

Sie sind Kommunisten.

Sie wollen nur eins:

Die totale Kontrolle

von El Salvador.
Ein beachtlicher Teil der öffentlichen Meinung in den Vereinigten
Staaten beharrt darauf, daß Mr. Villalobos nur ein Spiel treibt, wenn er uns
sagt, er gehöre zu der harten Linie.

Ein gewisser Piero Gleijeses, Professor

an der Johns Hopkins-Universität, etwa schrieb in der jüngsten Ausgabe von
"Foreign Affairs", daß Salvador sich von Nicaragua unterscheide.

Die San-

dinisten hätten die totale Macht ergreifen können, weil sie einen totalen
Sieg über Somoza errungen hätten. Wenn die gewählte Regierung von El Salvador
die Macht mit der FMLN "teilen" würde, so würde sie auch weiterhin stark genug sein, um den Tendenzen der FMLN in Richtung auf einen Absolutismus zu
widerstehen.
Stellen wir uns einfach einmal eine andere Möglichkeit vor:

Die ge-

wählte Regierung von El Salvador (erinnern wir uns doch an diese Wahl, als
all die Salvadorianer, die ihre Stimme abgeben wollten, kommunistische Geschosse riskierten) handelt mit Villalobos und seinen Freunden ein Geschäft
der "Machtbeteiligung" aus. Mit ihrer neugewonnenen Legitimität veranstalten Mr. Villalobos und seine Truppen einen großartigen Triumphmarsch durch
das Zentrum von San Salvador und zeigen der Welt mit all der Dynamik des Revolutionstheaters, daß sie den Krieg gewonnen haben.
- 2-

Die salvadorianische

�Die salvadorianische Mittelklasse, die bislang bemerkenswert beweglich war,
macht sich in Richtung Ausgang auf - in der Annahme, daß mit ihr ein Ausverkauf betrieben wurde.

Die politische Basis für die gewählten demokratischen

Parteien beginnt zu erodieren.

Bald wird Mr. Villalobos darauf bestehen,

einige kubanische "Lehrer" zu benötigen, die ausschwärmen und mit der Organisation der politischen Umerziehung beginnen.

Dann wird eine große sowje-

tische Mission eröffnet und bietet Wirtschaftshilfe an - und bringt damit
die Botschaft, daß eine neue Großmacht übernommen hat.
Natürlich will Mr. Villalobos eine Beteiligung an der Macht. Der Mann
ist kein Narr. Aber er muß sich sicher über die Leichtgläubigkeit jener amerikanischen Politiker wundern, die darauf bestanden haben, daß Präsident
Reagan Botschafter Stone dorthin schickt, um ein Geschäft zu machen. Wenn
die Vereinigten Staaten den Ausverkauf der Demokratie wollen und über eine
Machtbeteiligung reden, dann natürlich kann es zu einem Geschäft kommen.
Wenn nicht, dann hören wir ja direkt von Radio Venceremos, daß es keinen
Sinn hat, miteinander zu reden.

+ + + + +

- 3 -

�20. Juli 1983

29

WISSENSCHAFT UND TECHNIK - INTERNATIONAL
Zusammenarbeit als Ziel amerikanischer Außenpolitik -

WASHINGTON - (AD) - Mehr internationale Zusammenarbeit in Wissenschaft und
Technik betrachtet Präsident Reagan als eines der wichtigsten Ziele der amerikanischen Außenpolitik.

In seiner mit dem Jahresbericht für 1982 über die

internationalen Aktivitäten der US-Regierung auf den Gebieten von Wissenschaft
und Technik dem Kongreß übermittelten Erklärung verweist der Präsident u.a.
auf die Einrichtung von 18 neuen Projekten, für die sich die Regierungschefs
auf der Gipfelkonferenz von Williamsburg einsetzten, sowie auf gemeinsame
Projekte mit Indien, Brasilien, Pakistan, China und der Sowjetunion.

In der

Erklärung heißt es:
"... Im vergangenen Jahr kam es zu mehreren wichtigen Entwicklungen in
unseren internationalen Wissenschaftsbeziehungen, die alle eines unserer außenpolitischen Hauptziele widerspiegeln - nämlich Wissenschaft und Technik in
unseren Beziehungen zu anderen Ländern stärker zu betonen.

Dies ist nicht nur

generell bedeutsam für unsere Auslandsbeziehungen, sondern auch für die Realisierung vieler unserer eigenen Ziele in Wissenschaft und Technik.
meinem

Wie ich in

Jahresbericht an den Kongreß über Wissenschaft und Technik erklärte,

kann internationale Zusammenarbeit vielen unserer eigenen Interessen dienlich
sein.

Ich habe deshalb meinen Wissenschaftsberater, Dr. George Keyworth, gebeten,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�gebeten, internationalen Angelegenheiten besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
Innerhalb der gesamten Bundesregierung wurde überdies durch eine konzertierte
Aktion unser Engagement demonstriert, durch die Nutzung von Fortschritten in den
Wissenschaften sowohl nationalen als auch internationalen Herausforderungen
gerecht zu werden.
Wesentliche Fortschritte

sind bereits zu verzeichnen. Auf der Gipfelkon-

ferenz von Versailles war internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft zum
ersten Mal ein

Diskussionsthema für die führenden Persönlichkeiten der wichtigsten

demokratischen Industriestaaten.

Auf Grund dieser Erörterungen wurden von den

Teilnehmerländern eine Studie über Zusammenhänge zwischen Technologie, Beschäftigung und Wirtschaftswachstum und die Durchführung von 18 neuen Gemeinschaftsprojekten unserer Länder in die Wege geleitet. Obgleich diese Projekte in erster
Linie vom einen oder anderen Partnerland der Gipfelkonferenz geleitet werden,
könnten schließlich auch andere Staaten und internationale Organisationen einbezogen werden. Auch besteht dadurch die Möglichkeit, mit der Zeit auch Ländern
der Dritten Welt zu mehr Fortschritt zu verhelfen. Diese Projekte verstärkter
Zusammenarbeit wurden auf der Gipfelkonferenz der Regierungschefs

in Williamsburg

unterstützt, und man kam überein, sie beim nächsten Treffen erneut zu erörtern.
Im Juli vergangenen Jahres leiteten Ministerpräsidentin Indira Gandhi und
ici. ein neues Programm für verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten
Staaten und Indien in die Wege. Einige der angesehensten Wissenschaftler beider
Länder trafen sich im Januar in Indien und bereiteten ein weitreichendes Programm
auf den Gebieten Medizin, Landwirtschaft, Meteorologie und Energie vor. Die
praktische Arbeit begann im April 1983, und wir erwarten die ersten Ergebnisse
innerhalb der nächtsten zwei Jahre.
Ähnlich bekräftigten anläßlich meines Besuches in Brasilien im vergangenen
Jahr Präsident Figueiredo und ich unseren Wunsch, die Zusammenarbeit in Wissenschaft
und Technik zu verstärken. Wir entwickelten ein entsprechendes Programm auf fünf
wichtigen Gebieten, und ich schlug vor, daß im Rahmen unserer vorgesehenen

- 2 -

�unserer vorgesehenen Anstrengungen auf dem Weltraumsektor ein brasilianischer
Nutzlastspezialist zusammen mit amerikanischen Astronauten trainiert, um an
einer künftigen Raumfähren-Mission teilzunehmen.

Als Präsident Zia von Pakistan

im Dezember 1983 Washington besuchte, kamen wir überein, eine neue gemeinsame
Kommission zur Koordinierung mehrerer bilateraler Projekte einzusetzen

zu denen

auch gemeinsame Unternehmungen in Wissenschaft und Technik gehören.
Im Mai besuchte eine Delegation unter der Leitung von Dr. Keyworth die Volksrepublik China, um an der dritten, überaus erfolgreichen Konferenz der gemeinsamen
amerikanisch-chinesischen Kommission für wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit teilzunehmen.

Am Ende der Tagung wurden drei neue Protokolle über

Zusammenarbeit in Nuklearphysik und magnetischer Kernfusion, in Luftfahrtwissenschaft und -technik sowie in Wissenschaft und Technik für das Verkehrswesen
unterzeichnet.

Sie ergänzen 17 bereits bestehende Protokolle, die u.a. Land-

wirtschaft, Studenten- und Forscheraustausch, Raumfahrttechnik, Hochenergiephysik
und Wasserkraftnutzung umfassen. Außerdem wurde ein Memorandum über geplante
Zusammenarbeit in der Grundlagenforschung auf biologischem und medizinischem
Gebiet unterzeichnet.

Die Förderung unserer Beziehungen zu China liegt in unserem

eigenen Interesse. Wissenschaft und Technik sind ein wichtiger Teil dieser Beziehungen, und ich habe kürzlich Schritte unternommen, um sicherzustellen, daß China
besseren Zugang zu der amerikanischen Technologie bekommt, die es für die angestrebte wirtschaftliche Modernisierung braucht.

Wir werden China auch weiterhin

durch Kooperationsmaßnahmen in Wissenschaft und Technik unterstützen, von denen
beide Seiten profitieren.
Unsere Zusammenarbeit mit der UdSSR in Wissenschaft und Technik setzen wir
fort.

Dies ist eine affektbehaftete Angelegenheit, die durch das Verhalten der

Sowjets in Bezug auf Afghanistan und Polen sowie ihre Bemühungen, sensitive
Technologie aus dem Westen zu erlangen, noch kompliziert wird.

Entscheidungen

über die Erneuerung von Vereinbarungen werden von Fall zu Fall getroffen, wobei
diese Besorgnisse ebenso wie die den USA aus einer Zusammenarbeit erwachsenden
Vorteile berücksichtigt werden.

So habe ich kürzlich der Erneuerung eines

Abkommens über Zusammenarbeit mit den Sowjets auf dem Gebiet der Atomenergie
im Rahmen entsprechender Einschränkungen zum Schut

unserer

-

Interessen, die

aber die Arbeit nicht behindern - zugestimmt.
Diese Beispiele

�Diese Beispiele lassen den Bereich unserer internationalen Anstrengungen
a . r\ Gebieten Wissenschaft und Technik erkennen, zeigen jedoch keineswegs
das s:ze Bild. Wir haben Programme mit mehr als drei Dutzend Ländern in allen
Teiler, der Welt und in allen Schwierigkeitsgraden laufen. Wissenschaft ist,
wie allgemein bekannt, schon immer eine Sache von besonderem internationalen
Charakter gewesen. Und Fortschritte in der Wissenschaft können grundlegende
Beiträge zu Freiheit und Wohlstand in der ganzen Welt leisten. Diese Gespräche
stellen große Anforderungen, denn wir müssen in unserem Zeitbegriff mit Jahrzehnten, ja Generationen rechnen. Allein aus diesem Grund wird unsere Regierung,
bereit zur Kooperation, auch künftig eng mit anderen Zusammenarbeit1.
die willens
sind, mit uns zusammenzugehen."
,n

+ + + + +

�Wi//en/chcift
und Technik
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Embassy of the United States of America

29

20. Juli 1983

WELTWEITE ÜBERWACHUNG SEISMISCHER DATEN
LISA entwickeln neues Mikrocomputersystem -

- (AD) - Der seismologisehen Expertengruppe für die Abrüstungskonferenz
in Genf wurde am 14. Juli 1983 ein verbessertes Mikrocomputersystem vorgeführt, mit dem unterirdische seismische Effekte als Folge von Erdbeben und
Kernexplosionen gemessen werden sollen.

Die Gruppe ist gegenwärtig mit der

Ausarbeitung eines internationalen Systems für den Austausch seismischer Daten beschäftigt, die weltweit über ein Netz von Beobachtungs- und Meßstationen gesammelt werden, um im Fall einer entsprechenden Übereinkunft die Einhaltung eines umfassenden Verbots von Kernexplosionen zu überwachen.

Das in

den Vereinigten Staaten entwickelte Mikrocomputersystem erleichtert den weltweiten Austausch seismischer Daten ganz erheblich.
Die Kommission - jenes Forum, wo in erster Linie die multilateralen Gespräche über Abrüstung stattfinden - befaßt sich intensiv mit Verifizierungsfragen, die sich im Zusammenhang mit einem Abkommen über das Verbot aller Kernwaffenversuche ergeben.

Ein multilaterales Testverbot würde den internatio-

nalen Austausch seismischer Daten einbeziehen, die von Stationen in den Partnerländern erfaßt und registriert werden.
Das neue

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Telex: 8-85432

�Das neue Mikroprozessor-System würde alle Informationen erhalten, die
die angeschlossenen seismischen Sensoren aufnehmen.

Mit Hilfe der eingebau-

ten Computerprogramme zur Analyse der Informationen lassen sich nützliche
Daten wie Häufigkeit, Richtung und Größenordnung (Amplitude) von Bodenerschütterungen aussortieren, die von Erdbeben oder Kernexplosionen herrühren.
Laut Dr. Bernard Minster von der Fa. S-Cubed, die die "Software" (Programme)
für das System "entwickelt hat, würde ein in der Analyse erfahrener Informatiker bei Benutzung des Systems "weniger als eine halbe Stunde" benötigen,
um anhand der seismischen Meßdaten Ort und Größenordnung des "Vorkommnisses"
zu ermitteln.
Von den nationalen seismischen Stationen würden die Daten an internationalen Datenzentren weitergegeben, die man bei Zustandekommen eines Vertrages
z.B. in Washington, Moskau und Stockholm einrichtet.

Dort würden die Daten

aus den einzelnen Ländern zusammengefaßt und zur Veröffentlichung in einem
regelmäßig erscheinenden "Bulletin über seismische Vorkommnisse" verwendet,
in dem die Merkmale spezieller Phänomene unterirdischer Erschütterungen beschrieben werden.
Die Vereinigten Staaten entwickelten als Prototyp ein computergestütztes System, das jedes Land für seine nationale seismologisehe Station benutzen
könnte. Das gesamte System - einschließlich Computer mit Informationsspeicher
für eine Million Bytes, einer Hochleistungs-Speicherscheibe und Magnetbändern,
visueller Darstellung in Farbe und Schwarz-Weiß, nachrichtentechnischen Ausrüstungen und modernster Software für seismologisehe Analysen und Datenaufbereitung - würde Minster zufolge weniger als 50 000 Dollar kosten. Für die
Übermittlung von Daten könnte es an das normale Telefonnetz und das von der
UN-Organisation für Meteorologie (WMO) betriebene weltweite Nachrichtennetz
angeschlossen werden.

+ + + + +

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