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                  <text>ä

III M \ kr
• il I i i Li ri

Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. J u l i 1983

27
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan würdigt Bedeutung des Atomsperrvertrages
- Erklärung zum 15. Jahrestag der Unterzeichnung Botschaft Präsident Reagans zum amerikanischen Unabhä'ngigkeitstag
- Amerikanische Unabhängigkeit eine philosophische Revolution -

HINTERGRUNDMATERIAL
Westliche Sicherheit und Rüstungskontrolle
- Von Colin S. Gray Ein Indianerdorf flieht nach Costa Rica
- Vor. unserer Korrespondentin Paula Tarnapol

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erster wiederverwendbarer Satellit im Weltraumtest
- Raumtransporter CHALLENGER mit SPAS-01 wieder zurück
Spitzentechnologie
"Neue Ideen" erhalten die Wettbewerbsfähigkeit
- USIA-Interview mit Edward Harper Kranke Bäume schlagen Alarm
- Pheromone als Warnsubstanz -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
- BH

I

r .

United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Juli 1983

27

REAGAN WÜRDIGT BEDEUTUNG DES ATOMSPERRVERTRAGES
• Erklärung zum 15. Jahrestag der Unterzeichnung

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 1. Juli 1983 anläßlich des
15. Jahrestages der Unterzeichnung des Vertrages über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (Nonproliferation) auf die Bedeutung

dieses Vertrages

hingewiesen.und alle Staaten aufgerufen, sich erneut der Erfüllung der Zielsetzungen dieses Abkommens zu verpflichten.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Heute vor 15 Jahren unterzeichneten die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion, Großbritannien sowie 58 weitere Staaten den Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen.

Dieser Vertrag hat mit jetzt 119 Unter-

zeichnern die größte Anzahl von Vertragspartnern, die irgendein Rüstungskontroi 1 abkomme/i. jemals, in der Geschichte hatte.

Sowohl die NATO-Staaten

wie die Staaten des Warschauer Paktes, Kernwaffenländer wie Nicht-Kernwaffenländer, Industrieländer wie Entwicklungsländer, Staaten aus jeder Region der
Welt - sie alle haben sich diesem Vertrag und seinen Zielsetzungen verpflichtet.
. .

Die Kernwaffenländer,

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�»

Die Kernwaffenländer, die diesen Vertrag unterzeichnet haben, sind übereingekommen, Nicht-Kernwaffenländer

beim Erwerb von nuklearen Sprengstoffen

nicht zu unterstützen, und die Nicht-Kernwaffenländer haben sich verpflichtet,
derartige Sprengstoffe nicht zu erwerben.

Diese beiderseitige Verpflichtung

trägt der Tatsache Rechnung, daß die Weiterverbreitung von Kernwaffen alle
Nationen bedroht.
Dieser Vertrag ruft seine Unterzeichner ferner auf, die Entwicklung
der friedlichen Anwendung der Kernenergie zu fördern, insbesondere in den
Nicht-Kernwaffenländern, die dem Vertrag beigetreten sind.

Die friedliche

Nutzung der Kernenergie ist für das Wohlergehen zahlreicher anderer Länder
wichtig, und die Vereinigten Staaten nehmen ihre Verpflichtung hinsichtlich
einer Zusammenarbeit auf diesem Gebiet ernst. Wir haben lange an der vor^
dersten Front jener gestanden, die auf nuklearem Gebiet technische Unterstützung und andere Zusammenarbeit geleistet haben, und wir verpflichten uns,
diese Zusammenarbeit unter angemessenen Sicherheiten fortzusetzen.
Die Vereinigten Staaten sind sich gemäß diesem Vertrag auch ihrer Verpflichtung bewußt, in gutem Glauben Verhandlungen über wirksame Maßnahmen
fortzusetzen, die mit der nuklearen Abrüstung zusammenhängen. Dies ist eine
Frage von größter Sorge und größtem Interesse für alle Länder. Ich fühle
mich persönlich verpflichtet, jeden notwendigen Schritt zu unternehmen, um
die Wahrscheinlichkeit wirklicher und beträchtlicher Fortschritte in Richtung
auf ein Abkommen zu vergrößern, das bedeutsame Verringerungen der amerikanischen und sowjetischen Nukleararsenale auf einen gleichen und stabileren
Stand beinhaltet und das im nationalen Sicherheitsinteresse beider Seiten
liegen würde. Die Vereinigten Staaten werden auch keine Mühe scheuen, um
ein gerechtes und verifizierbares Abkommen über Mittelstreckenraketen auszuhandeln, das das Risiko eines Krieges in Europa und weltweit verringern
würde.
Die Vereinigten Staaten haben eine wichtiae Rolle bei den Verhandlungen
über den Nichtweiterverbreitungsvertrag gespielt, und fünf amerikanische Prä-

- 2 -

�amerikanische Präsidenten haben ihr Leben lang diesen Vertrag als einen
Grundstein des internationalen Bemühens nachdrücklich unterstützt, die Weiterverbreitung von nuklearen Kernsprengstof^en in zusätzliche Länder zu verhindern.

Wenn wir nun die wichtige Überprüfungskonferenz dieses Vertrages im

Jahr 1985 planen, werden die

e'~einigten Staaten auch weiterhin danach stre-

ben, die Lebensfähigkeit des Nichtweiterverbreitungsvertrages zu stärken.
Ich appelliere an alle Länder, die dies bisher noch nicht getan haben, sich
dem wachsenden Konsens gegen die weitere Verbreitung von nuklearen Sprengstoffen anzuschließen, indem sie diesem Vertrag beitreten.

Im Juli 1981 legte ich meine Politik zur Verhinderung der Proliferation
nuklearer Sprengstoffe dar und erklärte, daß diese Frage von entscheidender
Bedeutung für den Weltfrieden sowie für die regionale und globale Stabilität
sei.

Aber wenn wir bei der Verhinderung der Ausbreitung von Kernwaffen Er-

folg haben wollen, dann müssen die Länder dieser Welt zusammenarbeiten.

Wie

ich schon bei früheren Gelegenheiten erklärt habe, wäre es ein wichtiger
Schritt, wenn die nuklearen Lieferländer darin übereinstimmten, daß umfassende
Sicherheiten erforderlich sind als Bedingung für jedwede bedeutsame neue
nukleare Lieferungsverpflichtung.

Dies ist keine Politik, die eine nukleare

Unterstützung verwehrt, es ist vielmehr eine Politik, die eine Unterstützung
von vernünftigen Beweisen dafür abhängig macht, daß das gesamte Programm eines
Nicht-Kernwaffenlandes der friedlichen Nutzung der Kernenergie dient.

Die-

ser Beweis ist bereits von den 116 Nicht-Kernwaffenländern erbracht worden,
die den Nichtweiterverbreitungsvertrag unterzeichnet haben.

Ich hoffe, daß

bald über diese Maßnahme eine Einigung erzielt werden kann, um das internationale Verhalten im Hinblick auf die Nichtweiterverbreitung zu stärken.

An diesem 15. Jahrestag der Unterzeichnung des Nichtweiterverbreitungsvertrages sollten sich alle Staaten erneut der Erfüllung der Zielsetzungen
dieses wichtigen Dokumentes sowie der Sicherung seiner fortdauernden Lebensfähigkeit verpflichten.

Das ist sowohl unsere gemeinsame Verantwortung als

auch ein Beitrag zum Frieden für kommende Generationen.

+ + + + +
- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Juli 1983

27

BOTSCHAFT PRÄSIDENT REAGANS ZUM AMERIKANISCHEN UNABHÄNGIGKEITSTAG
- Amerikanische Unabhängigkeit eine philosophische Revolution -

WASHINGTON - (AD) - Zum Tag der amerikanischen Unabhängigkeit am 4. Juli
erklärte Präsident Reagan, die amerikanische Revolution habe "das Konzept des
Regierens als solches verändert".

Daher solle der 4. Juli stets daran er-

innern, "daß in diesem Land die Entscheidung darüber fiel, daß alle Männer
und Frauen mit bestimmten, von Gott verliehenen Rechten geboren sind" und
"daß die Regierung lediglich eine vom Volk geschaffene und betriebene Einrichtung ist".
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Für jemanden, der in einer Kleinstadt geboren wurde und dort aufgewachsen ist, umgibt den 4. Juli eine ganz besondere Art der Nostalgie.
Ich erinnere mich daran, daß es ein Tag war, auf den man sich freute
wie auf Weihnachten.

Das kam unter anderem von all den Feuerwerkskörpern

und den bunten Plakaten in den Schaufenstern, mit denen in lebhaften Bildern
dafür Reklame gemacht wurde.
Aber es

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�Aber es geht mir - wie allen Amerikanern - beim 4. Juli um mehr als
Nostalgie.

Irgendwann bei unserem Heranwachsen wurden wir uns der Bedeutung

dieses besonderen Tages bewußt.

Denn wenn Amerika im Leben eines jeden un-

serer Mitbürger etwas anderes bedeutet, so glaube ich doch, daß wir als Volk
die Tatsache anerkennen, daß es heute vor allem um eines geht:

um die Frei-

heit, die wir haben, um unser Leben zu gestalten.
Es gibt da eine kleine Geschichte über den Tag der Geburt unserer Nation
in jener kleinen Halle in Philadelphia - einen Tag, an dem bereits über Stunden hinweg heiß debattiert worden war.
werte Leute, unterdrückt

Die dort Versammelten waren ehren-

von einem König, der eben jene Gesetze verhöhnte,

die sie einzuhalten bereit waren.

Und dennoch war die Erklärung der Unabhän-

gigkeit solch ein unwiderruflicher Schritt, daß Worte wie "Verrat" und "An
den Galgen" von den Wänden widerhallten und das Thema Besorgnis und Bedenken
bestehen ließ.
Die Geschichte berichtet uns, daß an diesem Punkt ein Mann aufstand und
zu sprechen begann. Er wird als jemand beschrieben, der kein junger Mann mehr
war und der all. seine Energie für einen leidenschaftlichen Einspruch zusammennehmen mußte. Er verwies auf die Leiden, die sie hier zusammengebracht hatte,
und sagte schließlich mit gesenkter Stimme: "Sie mögen jeden Baum in einen
Galgen verwandeln und jedes Loch in ein Grab - und doch werden die Worte dieses Pergaments nie sterben. Dem Handwerker in seiner Werkstatt werden sie
Hoffnung geben; dem Sklaven im Bergwerk Freiheit. Unterschreibt dieses Papier. Unterschreibt, auch wenn im nächsten Augenblick die Schlinge um euren
Hals liegt, denn dieses Pergament wird für alle Zeiten das Lehrbuch der Freiheit sein, die Bibel der Menschenrechte."
Er fiel erschöpft zurück. Die Delegierten, von seiner Eloquenz überwältigt, stimmten für das Dokument, das so unsterblich werden sollte, wie es
nur ein Menschenwerk sein kann. Als sie sich ihm wieder zuwandten, um ihm
ihren Dank für seine so rechtzeitige Rede zu sagen, war er nicht mehr aufzufinden, und es gab weder jemanden, der ihn kannte, noch jemanden, der wußte,

- 2 -

�der wußte, wie er durch die verschlossenen und bewachten Türen herein- und
hinausgekommen war.
Nun, dies ist nur eine Legende - aber wir wissen mit Sicherheit, daß
56 Menschen - eine kleine Gruppe so einzigartiger Leute, wie es sie seither
nicht mehr gegeben hat - ihr Leben, ihr Hab und Gut und ihre heilige Ehre
aufs Spiel setzten.

Viele setzten auch in dem darauffolgenden Krieg ihr Le-

ben ein, die meisten verloren ihr Vermögen, aber alle bewahrten ihre heilige
Ehre.
Was für Menschen waren sie?

25 waren Rechtsanwälte und Juristen, 13

waren Kaufleute und Händler und neun waren Bauern.

Es waren Männer mit lei-

ser Stimme, die meisten von Besitz und Ausbildung; es war kein ungewaschener
Pöbel.

Sie hatten sich eine sichere Position geschaffen, aber sie schätzten

die Freiheit höher.

Ihre Geschichte ist noch lange nicht umfassend darge-

stellt worden.
John Hart wurde von der Seite seiner todkranken Frau getrieben.

Mehrere

Monate lebte er im Wald und in Höhlen. Als er aus seinem Versteck zurückkam,
war seine Frau tot, seine Kinder waren verschwunden und sein Eigentum zerstört.
Carter Broxton aus Virginia, Vater von 18 Kindern, verlor alle seine
Schiffe und fast sein ganzes anderes Eigentum.
Und von Thomas Nelson wird berichtet, daß er selbst Washington drängte,
auf sein Haus zu schießen und es zu zerstören, als es zum Hauptquartier von
General Cornwallis wurde. Nelson starb in Armut.
Aber Helden wie diese gründeten eine Nation, die wuchs, um von einem
Ozean zum anderen zu reichen - eine Nation der Farmen, der stillen Dörfer,
der Städte, die niemals schlafen; dreieinhalb Millionen Quadratmeilen von
Wald, Feld, Berg und Wüste; 230 Millionen Menschen mit einem Stammbaum, der das

- 3 -

�der das Blut aller Völker dieser Welt enthält.
In den letzten Jahren aber denke ich bei diesem Tag an mehr, als nur an
den Geburtstag einer Nation.

Mit ihm wird eine echte philosophische Revolu-

tion in der Geschichte begangen.
Ja, es gab Revolutionen vor und nach der unsrigen.

Aber zu viele dieser

Revolutionen ersetzten lediglich einen Herrscher durch einen anderen.

Unsere

Revolution hat das Konzept des Regierens als solches verändert.
Möge uns der 4. Juli immer daran erinnern, daß in diesem Land die Entscheidung darüber fiel, daß alle Männer und Frauen mit bestimmten, von Gott
verliehenen Rechten geboren sind, daß die Regierung lediglich eine vom Volk
geschaffene und betriebene Einrichtung ist und keine anderen eigenen Rechte
hat außer denen, die ihr freiwillig vom Volk verliehen wurden.
Die Stärke dieser freien Gedanken liegt darin, daß sie nicht nur für
Amerikaner gelten, sondern für jedermann, und in diesem Sinne möchte ich den
Männern und Frauen, die die Freiheit lieben, überall einen glücklichen 4. Juli
wünschen.

- 4 -

�6. Juli 1983

27

WESTLICHE SICHERHEIT UND RÜSTUNGSKONTROLLE
- Von Colin S. Gray -

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
der Los Angeles Times
Copyright (c) 1982 Los Angeles Times

Präsident Reagan sollte trotz wachsenden Drucks im Inland und im Ausland an dem Kurs festhalten, den er für die RListungskontrollVerhandlungen
mit der Sowjetunion abgesteckt hat, wie auch an der Modernisierung der strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten.
Man darf nicht vergessen, daß die großen Modernisierungsprogramme der
Administration auf dem Gebiet der strategischen Waffen und der Infrastruktur
- wie die MX-Interkontinentalrakete, der B-1-Bomber, die Marschflugkörper
und die Modernisierung des Kommando-, Kontroll- und Kommunikationssystems keineswegs neue amerikanische Initiativen für ein Wettrüsten, sondern die
reichlich verspätete Antwort auf die sowjetische Herausforderung einer fast
20jährigen stetigen Vergrößerung und qualitativen Verbesserung der Streitkräfte der UdSSR sind.

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Im wesentlicnen

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Im wesentlichen verfolgt die Sowjetunion Rüstungskontroll Verhandlungen
aus drei Gründen:
- Sie hofft damit in den Demokratien Selbstzufriedenheit zu wecken.

Da

sie wissen, daß sie in militärischer Hochtechnologie nicht mit den Vereinigten Staaten konkurrieren können, benutzen die Sowjets RüstungskontrollVerhandlungen, um wohlmeinende aber leichtgläubige Menschen zu
überzeugen, daß sich Amerika nicht so anzustrengen brauche, wie es dies
tut.
- Solche Verhandlungen bieten der sowjetischen Diplomatie eine Gelegenheit, das westliche Bündnis zu spalten. Je mehr die Verbündeten ihre
Entscheidungen über die Dislozierung von Waffen von Fortschritten in
der Rüstungskontrolle abhängig machen, je mehr Chancen bieten sie den
Sowjets, sich in die westliche Verteidigungspolitik einzumischen, ja,
sie zu manipulieren.
- Die Sowjets integrieren ihre Rüstungskontroi 1 politik und ihre strategische Planung in einer Weise, daß sie in der Lage sind, die Verhandlungen als ein Instrument ihrer strategischen Planung zu benutzen.

Sie

suchen durch Rüstungskontrolle strategische Vorteile zu erringen, die
sie durch einseitige Anstrengungen nicht erreichen könnten.
Es gibt keine sowjetische Rüstungskontrolltheorie, die auch nur annähernd
mit der zu vergleichen wäre, die im Westen existiert. Die letztere besteht
darin, daß solche Verhandlungen dem Zweck dienen sollen, die nukleare Abschreckung beider Seiten zu stabilisieren.
Für die Sowjets ist Rüstungskontrolle nur als ein Werkzeug zur Förderung
ihrer eigenen Interessen nützlich.

Die sowjetische Regierung ist sich jedoch

zutiefst darüber im klaren, daß westliche Demokratien dazu neigen, einfache
diplomatische Tätigkeit - bei der "Fortschritt" in erreichten übereinkommen
gezählt wird, gleichgültig, wie diese Abkommen im einzelnen aussehen - mit
Frieden gleichzustellen.
So muß
. 2 -

�So muß sich die Reagan-Administration ständig gegen die absurde Beschuldigung verteidigen, daß es ihr nicht ernst sei mit der Rüstungskontrolle.
Ja, noch schlimmer, die Administration steht unter dem Druck, um eines Abkommens willen Kompromisse einzugehen, selbst wenn das Ausmaß des erforderlichen Nachgebens den eigentlichen Zweck des ganzen Unternehmens untergräbt der in amerikanischen Augen darin besteht, die Stabilität der Abschreckung
zu stärken, um das Risiko eines Krieges zu verringern.
Genau die Gründe, warum die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
ihre gegenseitige Abschreckung unbedingt stabilisieren müssen, sind auch
die Gründe, warum es so schwer ist, zu solchen Abkommen zu gelangen.

Rüstungs-

kontrolle ist nur unter solchen Staaten leicht zu erreichen, die sie nicht
brauchen.
Die Sowjets haben den Vereinigten Staaten immer wieder erklärt, daß
sie weder Pazifisten noch Philantropen seien.

Die Vereinigten Staaten dürf-

ten durch Rüstungskontrolle nur das erreichen, was ihnen aufgrund ihrer einseitigen Bemühungen zusteht und das nur durch sorgfältige Beachtung vernünftiger Grundsätze der Verhandlungsführung.
So versucht also die Reagan-Administration,die strategische Abschreckung
zu stabilisieren, indem sie die strategischen Nuklearstreitkräfte und die
nuklearen Mittel Streckensysteme der Vereinigten Staaten modernisiert, damit
die Sowjetunion gewiß sein kann, daß eine Aggression fehlschlagen würde.
Um das zu erreichen, ist vorgesehen, entscheidend wichtigen sowjetischen
Vorteilen, in der Fähigkeit zur Kriegsführung auf den Gebieten der Gegenstreitkräfte, der Wirksamkeit der Luftverteidigung und der Fähigkeit, amerikanische Kommando- und Kontrollfunktionen zu lähmen, durch die Dislozierung
sicher stationierter MX-Raketen, des B-1-Bombers, der Marschflugkörper und
neuer strategischer Unterstützungssysteme zu begegnen.
Diese Dislozierungen

- 3 -

�Diese Dislozierungen garantieren nicht den Erfolg der Verhandlungen
über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) oder Verhandlungen
über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) - und können das auch nicht -,
aber da sie die beiderseitige Abschreckung stabilisieren werden, können sie
doch Abkommen dieser Art ermöglichen.
Die Vereinigten Staaten verringern das Risiko eines Krieges - das
oberste Ziel jeder Rüstungskontrolle -, indem sie den Sowjets jede plausible Aussicht auf einen militärischen Erfolg verwehren.
Die Existenz von Rüstungskontroi labkommen an sich hat noch keinerlei .
Bedeutung.

Was zählt, ist die Frage, ob solche Rüstungskontroi labkommen

jene Art von strategischem Gleichgewicht herbeiführen, die für eine Abschreckung notwendig ist und echtes Vertrauen einflößt. Solche Abkommen
können entweder einfach die Tatsache wettstreitender Programme beider Seiten
registrieren, oder sie können wirklich eine - gleichermaßen - einschneidende
Wirkung auf die strategische Rüstung haben.
Ein Abkommen jedoch, das die Neigungen des sowjetischen General Stabs
wirklich zügeln würde, ist nicht billig zu haben. Die Sowjets müssen überzeugt werden, daß ihrer Sicherheit mit einem Abkommen besser gedient ist
als ohne ein Abkommen.
Die MX-Rakete, der B-1-Bomber, die Trident D-5-Rakete und der strategische Marschflugkörper bieten die notwendigen Anreize für die sowjetischen
Führer, sich ernsthaft die Vorteile formaler bilateraler Einschränkungen zu
überlegen.

+ + + + +

�6. Juli 1983

27

EIN INDIANERDORF FLIEHT NACH COSTA RICA
Von unserer Korrespondentin Paula Tarnapol

PUERTO LIMON, COSTA RICA - (AD) - Die gesamte Einwohnerschaft eines
Miskito-Dorfes, die im Schutz der Dunkelheit auf offene See geflüchtet ist,
um dem sandinistischen Terror zu entkommen, hat sich.jetzt Tausenden anderer n;icaraguanischer Flüchtlinge angeschlossen, die bereits in diesem Land
leben. Viele andere Nicaraguaner sind nordwärts nach Honduras geflüchtet,
wo die meisten in Lagern untergebracht werden.
Das Dorf Set Net Point in Nicaragua existiert nicht mehr.
kleines Dorf an der Atlantikküste, 56 Kilometer von Bluefields

Es war ein
entfernt,

dessen Einwohner - zum größten Teil Miskito-Indianer - ihren bescheidenen
Lebensunterhalt

durch Fischfang bestritten.

Ihre Welt waren das Dorf und

die wenigen umliegenden Gemeinden.
Am 19. Juni erklärte sich ein Kapitän der staatlichen Fischereigesellschaft, für die die Mehrheit der Dorfbewohner arbeitete, dazu bereit, die
• Einwohner, rund 100 Männer, Frauen und Kinder, in den Süden nach Costa Rica
zu bringen.

Sie verließen Set Net Point um Mitternacht; nur wenige Stunden

blieben für die Vorbereitung.

18 Stunden später kamen sie in dem costari-

canischen Hafen Limon an, denn sie mußten weit aufs Meer hinaussegeln, um die

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�um die Patrouillen der Sandinisten zu umgehen.

Ihr ganzer Besitz, ihre

Ernten, ihre Fischerboote, ihre kleinen Häuser und die Kirche blieben zurück.

Ihr vorläufiges Zuhause ist ein verlassenes Baulager in der Nähe von

Limon, das unter Aufsicht der Regierung steht.
Die Menschen von Set Net Point, die Englisch und Miskito sprechen, erklären, sie seien aus Angst geflüchtet.

Die Sandinistas seien mit zunehmen-

der Regelmäßigkeit in Set Net Point eingetroffen, erzählte ein Mann - normalerweise alle vier oder fünf Tage.

"Sie hielten dir eine Pistole in den

Rücken und zwangen dich, rauszugehen und 'dasheen' (süße Kartoffeln) auszugraben.

Wir mußten sie kochen und den Sandinistas bringen", sagte er.

hatten kaum selbst etwas zum Essen, aber das war ihnen egal."

"Wir

Manchmal be-

zahlte die Fischereigesellschaft sie für den Fisch, den sie lieferten; manchmal gab sie ihnen dafür Waren, und manchmal wurden sie auch gar nicht bezahlt.
Das Dorf hatte sich nicht an der 1979er Revolution beteiligt, die das
Somoza-Regime stürzte, und - von wenigen Ausnahmen abgesehen - waren die
Dorfbewohner nicht in "contra"-Aktivitäten verwickelt, auch wenn sie gegen
die Exzesse der Sandinisten waren.

Das aber hatte die Sandinisten nicht da-

von abgehalten, sechs der Dorfbewohner über einen Monat lang einzusperren
und sie über "contra"-Aktivitäten zu vernehmen.
"Sie wollten, daß ich über die "contras" berichte, wann sie kommen,
was sie tun", sagte einer, der in einer Zelle in Managua festgehalten wurde,
bis man ihn nach fünf Wochen endlich frei ließ. "Ich wußte es nicht. Ich
weiß es nicht, aber sie wollten mir nicht glauben."
Der Mann, der Lehrer an der kleinen katholischen Kirche von Set Net Point
war, wurde von seinen Bewachern während der Fahrt von seinem Dorf bis Managua
gefesselt.

Dort teilte er eine Zelle mit vier anderen Gefangenen.

"Wir

mußten eine Schale Reis und Bohnen durch fünf teilen. Das war das einzige
Essen," sagte er.
Das Ereignis,
- 2 -

�Das Ereignis, das den Massenexodus auslöste, war jedoch die Ermordung
eines Mitglieds der sandinistischen Miliz in dem Nachbarort Tasbapauni.

Der

Mord ereignete sich, als sandinistische Truppen und Contras aufeinanderstießen.
Als die Dorfbewohner von der Drohung der Sandinisten hörten, die ganze Gegend
für den Anschlag zu bestrafen, entschlossen sie sich sofort, gemeinsam zu
fliehen.
über die Dorfbewohner war schon einmal der Tod durch die Sandinisten
gekommen - und dies nur, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen
waren.

Vor 18 Monaten wurden drei Dorfbewohner auf ihrem Weg nach Tasbapauni,

wo sie Einkäufe machen wollten, von einer sandinistischen Patrouille erschossen.

Die Witwen und Kinder wurden von den Bewohnern von Set Net Point auf-

genommen und versorgt.

Dieses Mal aber beschlossen die Menschen in Set Net

Point, nicht erst abzuwarten, um zu sehen, was mit ihnen geschehen würde.
Die 134 Flüchtlinge - einschließlich derer, die aus anderen Gemeinden
kamen und bereits im Lager Limon lebten -, sind nur Teil eines ständigen
Flucht!ingsstroms von Nicaragua nach Costa Rica - im Boot, im Bus und zu
Fuß.

Es gibt noch weitere 300 Flüchtlinge in einem Lager in Tilaran im Nord-

westen von Costa Rica. Auch für ein weiteres Lager im Süden haben die Arbeiten begonnen, wo der größte Teil nicaraguanischer Flüchtlinge einmal untergebracht werden soll.

Die Lager werden von der UN-Hochkommission für Flücht-

linge (UNHCR) finanziert und von der Regierung Costa Ricas verwaltet.
Dennoch sind die Flüchtlinge im Lager nur ein winziger Prozentsatz der
Tausenden von Flüchtlingen aus Nicaragua, El Salvador, Kuba und andernorts.
Es gibt ungefähr 16 000 Flüchtlinge im Rahmen der UNHCR-Programme Costa Ricas
allein in der Gegend von San Jose, und die Regierung des Landes schätzt, daß
es möglicherweise bis zu 185 000 Ausländer geben könnte, die im Land leben
und arbeiten und über die es keinerlei offizielle Nachweise gibt. Obwohl die
Verfassung von Costa Rica allen jenen, die vor Unterdrückung fliehen, politisches Asyl garantiert, machen die wirtschaftlichen Gegebenheiten dieses
traditionelle Ideal zu einer immer größeren Bürde.
+ + + + +
- 3 -

�27

6. Juli 1983

ERSTER WIEDERVERWENDBARER SATELLIT IM WELTRAUMTEST
- Raumtransporter CHALLENGER mit SPAS-01 wieder zurück -

- (AD) - Nach einem sechstägigen Flug, bei dem die Erde 98 Mal umrundet
wurde, kehrte die amerikanische Raumfähre CHALLENGER am 24. Juni 1983 zur
Erde zurück.

Sie landete, geführt von Kommandant Robert Crippen und Kopilot

Frederick Hauck, um 16.47 Uhr MEZ

auf einer Hartpiste des Edwards-Flug-

platzes in Kalifornien. Mit knapp zwei zusätzlichen Erdumkreisungen mußte
CHALLENGER dorthin dirigiert werden, weil die ursprünglich zum ersten Mal
auf der neuen Betonbahn in Kap Canaveral vorgesehene Landung wegen besonders
ungünstiger Wetterverhältnisse nicht riskiert werden konnte.
Dies war der einzige wichtige Programmpunkt, der beim jüngsten Flug
(STS-7) nicht erfüllt wurde.

Für die fünfköpfige Besatzung, darunter die

Physikerin Dr. Sally Ride, war ebenso wie für viele Beobachter des Flugverlaufs in den USA und in der Bundesrepublik das Experiment mit SPAS-01 der
Höhepunkt des Unternehmens.

Handelte es sich doch um den ersten wiederver-

wendbaren Satelliten der Welt, der mit acht Forschungsexperimenten verschiedenster Art bestückt, von Bord der CHALLENGER im Weltraum ausgesetzt und
wieder eingeholt wurde. Als Hebe- und "Angelgerät" diente ein 15 m langer

�15 m langer mehrgliedriger Roboterarm.

Er war mit einem Kostenaufwand von

100 Millionen Dollar vom Nationalen Forschungsrat von Kanada entwickelt und
gebaut und 1981 schon einmal im Weltraum erprobt worden.

Er gibt (computer-

gesteuert) den Astronauten die Möglichkeit, massive Nutzlasten in den Weltraum zu dirigieren, ohne die Orbiter-Kabine verlassen zu müssen.
SPAS ist eine Entwicklung des deutschen Unternehmens MesserschmittBölkow-Blohm (MBB) in Ottobrunn b. München (Kosten: ca. 32 Millionen DM bzw.
13 Millionen Dollar).

Das Projekt wurde vom deutschen Bundesministerium für

Forschung und Technologie als Pilotprojekt für eine künftige ausgiebige Nutzung des Weltraums zu kommerziellen Zwecken gefördert.
SPAS-01 ist knapp 4,5 m breit (dies entspricht dem Innendurchmesser
des Frachtraums im Raumtransporter), 1,5 m lang und wiegt mitsamt dem Bordcomputer und dem eigenen Antriebssystem 1500 kg. Der Satellit vermag in
mehreren "Etagen" eine ganze Anzahl von Experimenten aufzunehmen, die sowohl
während der Stationierung im Raumfähren-Frachtraum als auch erst nach dem
Absetzen und Einsteuern in eine eigene Bahn aktiviert werden können. Wie
Konrad Moritz, Programm-Manager bei MBB für SPAS, in Houston erklärte, sei
die Basisstruktur des wiederverwendbaren Satelliten für etwa 20 Einsätze
geeignet. Die Elektronik müsse allerdings schon früher ausgetauscht werden.
"Mit fünf Missionen haben wir unsere Investition wieder hereingeholt", meinte
er. Zur SPAS-Ausrüstung gehört u.a. eine voll elektronische Fernsehkamera,
die während des Freifluges des MBB-Satelliten zum ersten Mal Aufnahmen vom
Orbiter in der Umlaufbahn zur Erde übertrug. Dabei betrug der Abstand zwischen Orbiter und SPAS-01 zeitweise mehr als 300 Meter. Kommandant Crippen
setzte CHALLENGER zunächst zurück, zog über und unter SPAS vorbei, so daß
von dort aus die Raumfähre aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen wurde.
Das neuneinhalbstündige Manöver mit SPAS am vierten Flugtag, bei dem der
Satellit dreimal aus dem Frachtraum gehoben, abgesetzt und wieder eingeholt
wurde, war eine Vorübung für den Raumtransporterflug STS-13 im April 1984.
Dann soll mit dem beschädigten Forschungssatelliten "SOLAR MAX" ein Rendezvous

- 2 -

�ein Rendezvous versucht werden, um ihn an Bord zu holen, zu reparieren und
wieder abzusetzen.

Als CHALLENGER sich zum zweiten Mal SPAS näherte, um den

Satelliten einzuholen, zündete Crippen das Triebwerk in neun verschiedenen
Positionen.

Man wollte feststellen, wie der Abgasstrahl SPAS bei nur 10 bis

30 Metern Entfernung beeinflußte.

Solche Tests helfen den NASA-Ingenieuren,

Bewegung und Verhalten des Orbiters und anderer Flugkörper im Weltraum besser
zu verstehen, die sich nur in geringem Abstand von der Raumfähre befinden.
Während zu Beginn der Freiflugphase der Greifroboter SPAS-01 für einen
Augenblick losließ und dann wieder faßte, bewegte sich der wiederverwendbare
Satellit beim zweiten Mal über drei Stunden lang frei im Raum.

Es stand

nicht im Programm, daß dabei Dr. Norman Thagard, der Arzt im Astronautenteam,
anstelle von John Fabian den Roboterarm bediente.

"Ihr könnt dem Doktor (im

Kontroll Zentrum Houston) sagen, daß ich seinen kleinen Monitor angelegt habe
und mein systolischer Blutdruck beim Greifen von 117 bzw. 124 auf 149 hochging", meldete Thagard.

Als CHALLENGER am 22. Juni in der Morgendämmerung

über Houston hinwegzog, standen viele Mitarbeiter des Johnson-Raumfahrtzentrums und zahlreiche Journalisten im Freien, um die Raumfähre als kleines
leuchtendes Objekt am Himmel zu betrachten.
STS-7 war ein Flug mit vielen internationalen Aufgaben und Experimenten.
Noch am Starttag, am 18. Juni, wurde der kanadische Nachrichtensatellit ANIK
(im Auftrag von Telesat Canada) abgesetzt, einen Tag später der indonesische
Nachrichtensatellit PALAPA.

Beide stiegen mit eigenem Antriebssystem zu

ihrem "Betriebsorbit" in 36 000 km Höhe auf.

Ein deutsch-amerikanisches Ge-

meinschaftsexperiment (OSTA-2) galt vor allem der Erforschung von Werkstoffen für die Elektronik und der Fabrikation von Spezialgläsern in bestimmten
Produktionsphasen unter Schwerelosigkeit.

Andere, von Firmen, Studenten und

Oberschülern aus den USA und der Bundesrepublik ausgearbeitete Experimente
- 22 an der Zahl - waren in sieben genormten Kanistern (sog. Getaway Specials)
untergebracht, für deren Mitnahme im Orbiter-Frachtraum an die NASA "Platzmiete" bezahlt wird.

Sie umfaßten ein weites Spektrum spezieller naturwissen-

schaftlicher Untersuchungen - von der Biologie bis zur Physik.
Beim jüngsten
- 3 -

�Beim jüngsten Orbiter-Flug wurde der Kabinendruck, der normalerweise
der gleiche wie auf der Erdoberfläche ist (1 at), auf 0,72 at gesenkt. Man
wollte Erfahrungen über die Auswirkung von reduziertem Druck über längere
Zeit auf das Befinden und die Arbeitsfähigkeit der Astronauten gewinnen.

Die

Auswertung wird zeigen, ob sich daraus Nachteile ergeben. Wenn nicht, würde
man auf die langwierige Umstellung auf reine Sauerstoffatmung vor Außenbordmanövern verzichten können.
Dr. Sally Ride hat für den Einsatz weiblicher Astronauten bei der NASA
eine Bresche geschlagen.

Frisch und fit kam sie nach der Landung von

CHALLEN6ER die Treppe herab - ein sportlicher Typ, der mit den physischen
und psychischen
wurde.

Belastungen auch in der langen Vorbereitungszeit gut fertig

Seit Abschluß ihres Studiums an der Stanford-Universität und der

Promotion im Jahr 1978 sind die Spezialgebiete der heute 32jährigen Wissenschaftlerin Röntgenastronomie und die theoretischen Grundlagen für das weite
Feld der Lasertechnik.

+ + + + +

�»

T

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und Technik
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6. Juli 1983

SPITZENTECHNOLOGIE
"Neue Ideen" erhalten die Wettbewerbsfähigkeit
- USIA-Interview mit Edward Harper -

- (AD) - "Die Vereinigten Staaten sind bestrebt, die Vorrangstellung
ihrer Industrie auf dem Gebiet der Spitzentechnologie auch künftig zu erhalten", erklärte kürzlich Edward Harper, Referent im Beraterstab Präsident
Reagans für politische Entwicklungen.

In einem Interview mit Jim Füller vom

US-Informationsamt (USIA) verwies er darauf, daß die Industrie die Notwendigkeit zur Anwendung von Spitzentechnologie sowohl in der Fabrikation als auch
auf dem Marketingsektor erkannt habe. Außerdem habe der amerikanische Markt
für Risikokapital in den letzten 15 Jahren viel dazu beigetragen, neue Technologien ausfindig zu machen und sie für die Anwendung innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten zu entwickeln.

Allerdings könne Spitzentechno-

logie allein kein Wirtschaftswachstum garantieren.

Vielmehr sei eine aus-

balancierte Wirtschaft mit einem starken Technologiesektor, mit produktiven
und auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähigen Grundindustrien und einem Dienstleistungssektor notwendig, der "jene Art von Dienstleistungen bereitstellt,
die eine moderne Wirtschaft braucht".
Wir bringen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Wir bringen im Folgenden das Interview im Wortlaut:
FRAGE:

Würden Sie bitte erklären, was mit Spitzentechnologie gemeint

ist, und weshalb Sie hinsichtlich ihrer Zukunft in den USA so optimistisch
sind?
ANTWORT:

Grundsätzlich ist zu sagen, daß die Vereinigten Staaten seit

langem in der Spitzentechnologie führen.
auch künftig halten können.

Ich meine, daß wir diese Führung

Dies ergibt sich zum Teil aus der amerikanischen

Kultur - aus Unternehmergeist, Individualismus und dem Selbstverständnis, daß
Leute mit Eigeninitiative und eigenen Interessen auf neue Ideen kommen und
sie vermarkten können.
So hat beispielsweise der Einsatz von Risikokapital in den Vereinigten
Staaten, ein Phänomen etwa der letzten 15 Jahre, wesentliche Anstöße dazu
gegeben, neue Technologien zu identifizieren, zu entwickeln und sie nicht
nur in den USA, sondern auch in der übrigen Welt auf den Markt zu bringen.
Die Technologien reichen von der Halbleiter-Herstellung nach neuen Verfahren bis zur sog. Software für Roboter und andere Ausrüstungen.
Die amerikanische Industrie ist sich, wie ich es sehe, der Notwendigkeit bewußt geworden, sich mehr um Spitzentechnologie zu kümmern, sie in
der Fabrikation, für Absatz und Verteilung und bei anderen Aktivitäten mehr
einzusetzen. So werden wir auch künftig neue Ideen haben, wie sie schon bisher die Stärke des amerikanischen Wettbewerbs waren. Spitzentechnologie
heute ist wohl ein klein wenig anders als vielleicht vor fünf oder zehn Jahren. Der erste große Computer beispielsweise, der im Jahr 1946 herauskam,
war eine tonnenschwere Apparatur. Heute kann man auf einem einzigen, pfenniggroßen Chip eines Mikroprozessors Funktionseinheiten unterbringen, die dasselbe leisten.
Meines Erachtens umfaßt Spitzentechnologie die auf den Markt kommenden
Produkte, die mehr oder weniger das Beste und Leistungsfähigste darstellen,

- 2 -

�Leistungsfähigste darstellen, was es heute gibt.

Einige machen zwischen

Spitzentechnologien und den Grundindustrien einen Unterschied.
zu einem gewissen Grade berechtigt.

Das ist bis

Gleichzeitig aber ist der größte Be-

nutzerkreis für Spitzentechnologie in jenen doch wesentlich älteren Grundindustrien zu finden.

So sind beispielsweise Roboter und computergesteuerte

Fabrikationssysteme in der Automobilindustrie am meisten verbreitet.
FRAGE: Was bedeutet Spitzentechnologie für die älteren amerikanischen
Industriebranchen wie Stahl-, Textil- und Maschinenbauindustrie?
ANTWORT:

Nun, für die Stahl- und Maschinenbauindustrie bedeutet sie

höhere Produktionseffizienz.

Sie bedeutet, daß diese Industriezweige auf

den Weltmärkten konkurrenzfähiger als in der Vergangenheit sein werden.
Letztlich bedeutet Spitzentechnologie mehr Produktivität, und das heißt,
daß wir als Nation weniger Ressourcen benötigen, um die gleichen Waren zu
produzieren und die gleichen Dienstleistungen zu erbringen.

Demgegenüber

tun jedoch einige Industrien sehr wenig für Forschung und Entwicklung und
möchten sich statt dessen auf protektionistische Maßnahmen gegen Auslandskonkurrenz verlassen.

Dies ist ein unbefriedigender Weg zur Lösung ihres

Problems, und er ist auch im Hinblick auf die Interessen des amerikanischen
Verbrauchers unbefriedigend.
FRAGE:

Sehen Sie in Computern und anderen Produkten fortgeschrittener

Technologien ein Mittel, das Wirtschaftswachstum zu beleben?
ANTWORT:

Ich meine, daß Spitzentechnologie eine notwendige, aber

nicht ausreichende Bedingung ist, um Wirtschaftswachstum zu garantieren.
Ohne solche Fortschritte der Produktivität würde meines Erachtens unser Wirtschaftswachstum verlangsamt.

Aber Computer allein - die ja Spitzentechnolo-

gie repräsentieren - schaffen kein derartiges Wachstum.

Wir brauchen eine

ausgewogene Wirtschaft, die einen starken Sektor Spitzentechnologie besitzt,
von dem auch künftig neue Ideen ausgehen.

Wir brauchen im Umfang reduzierte,

starke, produktive Grundindustrien, die auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig

- 3 -

�Weltmarkt wettbewerbsfähig sind.

Wir müssen auch weiterhin über den produk-

tivsten Agrarsektor in der Welt verfügen.

Und alles dies wird vom Dienst-

leistungssektor gestützt - zu diesem gehören Verkehrswesen, Bank-, Versicherungs-, Finanzwesen und all die anderen Dienstleistungsbranchen, die sich in
einer modernen Wirtschaft finden.
Wissen Sie, es ist schon interessant, daß manche sagen:

"Ist es nicht

eine Schande, daß der Dienstleistungssektor unserer Wirtschaft derartige Ausmaße annimmt?" tatsächlich macht er ja 66 Prozent unseres Bruttosozialproduktes aus, und etwa 65 Prozent unserer arbeitenden Menschen sind in Dienstleistungsgewerben beschäftigt. Hier lohnt sich ein geschichtlicher Rückblick.
Die Vereinigten Staaten besaßen nie eine Fabrikationswirtschaft - d.h. die Mehrheit unserer Bevölkerung verdiente sich ihren Lebensunterhalt nie durch Tätigkeiten in der Fabrikation.

Von der Zeit der ersten europäischen Siedler auf

diesem Kontinent bis zum Ersten Weltkrieg hatten wir eine reine Agrarwirtschaft.

Erst dann wurde der Dienstleistungssektor zum größten Arbeitgeber

in unserer Wirtschaft und ist es seitdem geblieben.

Die Zahl der Beschäf-

tigten in der Landwirtschaft ging immer weiter zurück, die Anzahl der Beschäftigten im Dienstleistungsgewerbe stieg ständig weiter an, und die Beschäftigtenzahl in der Fabrikation hielt sich in der Mitte.

Die Tatsache,

daß wir eine Dienstleistungswirtschaft haben, sollte nicht als Schwäche, sondern als die Bestätigung für die Umstrukturierung unserer Wirtschaft angesehen werden.
FRAGE: Kritiker behaupten, daß Automation und die Ausbreitung der
Computer Arbeitskräfte verdrängen und unsere Probleme der Arbeitslosigkeit
ausweiten. Was meinen Sie dazu?
ANTWORT: Nun, ich bin nicht sicher, daß sie die Arbeitslosenprobleme
vergrößern werden. Ich denke, daß das Beschäftigungsniveau in den Grundindustrien zurückgehen könnte. In den Industrien mit Spitzentechnologie wird
es etwas ansteigen. Aber wir würden uns meines Erachtens einer Illusion hingeben, wenn wir annähmen, daß alle diejenigen, die durch erhöhte Produktivität,

�erhöhte Produktivität, Automation - sagen wir einmal, in den Grundindustrien ihren Arbeitsplatz verlieren, neue Beschäftigung auf den Gebieten der Spitzentechnologie finden werden.

Das glaube ich nicht.

Statt dessen vermute ich,

daß viele schließlich auf dem Dienstleistungssektor Arbeit finden werden.
Als wir durch Mechanisierung und Automation in der Landwirtschaft in
der Zeit zwischen dem Zweiten Weltkrieg und 1970 Produktionssteigerungen erreichen wollten, gaben sechs Millionen Menschen ihre Arbeit in der Landwirtschaft auf.

Wir brauchten sie dort nicht mehr.

Die Produktivität erhöhte

sich ständig, und wir brauchten dort immer weniger Leute.

Das klingt so, als

habe es sich damals um ein schreckliches Problem gehandelt.

In Wahrheit aber

schuf unsere Wirtschaft in der gleichen Zeit 27 Millionen neue Arbeitsplätze.
Wir stellten fest, daß es auf dem Dienstleistungssektor viele neue Arbeitsplätze gab.

Wir fanden auch, daß es auf den Gebieten der Spitzentechnologie

neue Arbeitsmöglichkeiten gab.

Dies bewirkte die Dynamik unserer Wirtschaft.

Es mag Übergangsprobleme geben - aber ich glaube nicht, daß dies zwangsläufig
zu langfristigen Problemen von Arbeitslosigkeit führt.
FRAGE:

Was wird in den Vereinigten Staaten gegen den landesweiten

Mangel an Wissenschaftlern und Ingenieuren, was zur Qualitätsverbesserung
bei den technischen Arbeitskräften getan?
ANTWORT:

Die schwächste Stelle dürfte, wie ich es sehe, wahrscheinlich

unser Bildungswesen sein, und aus diesem Grund schlug der Präsident vor,
diese Lücke zu schließen. Nach unseren Schätzungen fehlen derzeit etwa
34 000 qualifizierte Lehrer für Grundschulen und höhere Schulen. Durch ein
auf ca. vier Jahre angelegtes Programm und die Aufwendung von einigen Hundert
Millionen Dollar dürften wir in der Lage sein, diese Lücke wirksam zu
schließen.
Ähnlich müssen wir auf College- und Universitätsniveau die offenen
Professorenstellen in den Ingenieurwissenschaften

besetzen.

Gegenwärtig

sind ca. 15 bis 20 Prozent der Ingenieur-Lehrstühle im Lande unbesetzt.

- 5 -

�Lande unbesetzt.

Ein Grund dafür ist der, daß wir nicht genug neue Lehrer

für diese Fächer ausbilden, ein zweiter der Sog durch die Privatwirtschaft.
Hier ist zweierlei zu tun:

Zum einen müssen wir die Mittel für die Gradu-

iertenförderung in den Natur- und Ingenieurwissenschaften un mehr als zehn
Prozent erhöhen - wir werden, anstatt wie bisher 9400 Graduierte dieser Fachgebiete, weit über 10 000 fördern.

Und außerdem schlagen wir im Hinblick

auf das Problem der nicht besetzten Lehrstühle das vom Präsidenten initiierte
Programm für Nachwuchsforscher vor, das jedes Jahr Forschungsmittel mit einem
jährlichen Kostenaufwand von 100 000 Dollar für bis zu 200 Doktoranden über
einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren vorsieht.

Und wir hoffen, daß dies

praktisch die "Goldenen Fesseln" liefern wird, um die besten und brilliantesten Lehrer auf den Gebieten Ingenieur-, Mathematik- und Naturwissenschaften an den Universitäten zu halten.

Dies wäre eines der Schlüsselelemente,

um unsere Wettbewerbsstärke in der Spitzentechnologie zu halten.
Ich bin außerdem überzeugt, daß wir die Programme durchführen müssen,
die der Präsident für die Umschulung der von Betrieben der Grundindustrien
entlassenen Arbeiter vorgeschlagen hat. Möglicherweise gibt es andere Arbeitsplätze, und zwar Arbeitsplätze mit mehr Technologie, für die sie sich
bei zusätzlicher Ausbildung qualifizieren könnten. Wenn diese Fortbildung
vom privaten Sektor gelenkt wird, wie es bereits nach den Bestimmungen des
Gesetzes über Partnerschaft zur Ausbildung am Arbeitsplatz geschieht, für
dessen Verabschiedung sich Präsident Reagan im vergangenen Jahr so eingesetzt
hat, können wir meines Erachtens über ein sehr wirksames Ausbildungsprogramm
für ausgestellte Arbeitskräfte verfügen. Auch sollten wir nicht übersehen,
daß der private Sektor selbst ein massives Ausbildungsprogramm gestartet
hat. Die Privatwirtschaft gibt jährlich zwischen 30 und 40 Milliarden Dollar
aus, um ihre Arbeitskräfte weiterzubilden. Hinsichtlich der Qualität unserer
Arbeitskräfte in den kommenden Jahren bin ich optimistisch.

+ + + + +

- 6 -

�k

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6. Juli 1983

KRANKE BÄUME SCHLAGEN ALARM
• Pheromone als Warnsubstanz

- (AD) - Daß Pflanzen auf Schallwellen und Musik reagieren, wurde
schon mehrfach experimentell bestätigt. Nun fanden Ökologen der Universität des Bundesstaates Washington in Seattle heraus, daß Bäume in der
Lage sind, bei akuter Gefahr durch Schädlinge ihre noch nicht betroffenen
Nachbarn zu warnen. Sie produzieren Pheromone, die das Blattwerk für
Schädlinge wie z.B. Raupen unattraktiv und zum Teil ungenießbar machen,
und veranlassen ihre benachbarten, noch nicht befallenen Artgenossen, das
gleiche zu tun.
Pheromone sind leichtflüchtige Stoffe, die auf Individuen gleicher
Art wirken. Zu ihnen gehören beispielsweise die Duftmarkierungen bei
Hummeln und Wespen, Sexuallockstoffe weiblicher Insekten zum Anlocken
der Männchen oder Warnstoffe, wie sie Blattschneiderameisen absondern.
Einige dieser komplizierten Verbindungen werden bereits als Synthesepräparate für die Insektenbekämpfung eingesetzt.
Wie Dr. Gordon H. Orians und Dr. David F. Rhoades jetzt berichteten,
vermuten sie auf Grund der Ergebnisse ihrer von der Nationalen Forschungsstiftung der USA (NSF) finanzierten Studien, daß von Schädlingen attakierte

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Telex: 8-85432

�Schädlingen attakierte Bäume ebenfalls solche "sozialen Wirkstoffe"
produzieren. Sie beobachteten dies bei Zuckerahorn und einer Weidenart,
deren Laubwerk von Zeltraupen und einer Spannerraupe dezimiert worden
war. Als Reaktion auf den Raupenfraß produzierten die befallenen Bäume
leicht flüchtige Stoffe, die offenbar die nicht befallenen Bäume gleicher
Art in der Umgebung ebenfalls zur Bildung dieser Verbindungen anregten.
Dadurch wurde die Qualität von deren Blattwerk als Futter für Raupen
erheblich gemindert. In kontrollierten Laborversuchen, bei denen befallene und gesunde Weiden in gasdichten Kammern gemeinsam gehalten werden,
will man nun versuchen, die chemischen Emissionen der kranken Bäume zu
isolieren und zu identifizieren - jener Emissionen, die chemische Veränderungen bei benachbarten gesunden Bäumen bewirken und deren Laub für
Raupen weniger attraktiv machen.

"Wenn unsere Hypothese richtig ist, müßten die geschädigten Pflanzen
leicht flüchtige chemische Verbindungen abgeben, die sich nach Art und
Menge von den Ausdünstungen der gesunden Bäume unterscheiden," meinen die
beiden Forscher. In ihren seit 1979 laufenden Feldversuchen war es zunächst
um die Klärung der Frage gegangen, wie sich die Futterqualität von Laubwerk für Insekten verändert, nachdem der Baum von Schädlingen befallen
worden ist. Orians und Rhoades hatten zu diesem Zweck Kolonien von Zeltund Spannerraupen auf Laubbäumen ausgesetzt und in regelmäßigen Abständen
die biologische und chemische Qualität des Laubes untersucht. Dabei beobachteten sie u.a. vermindertes Wachstum und andere Beeinträchtigungen
im Vergleich zu gesunden, nicht von Raupenfraß geschädigten Kontrollbäumen. "In einer Reihe von Fällen gab es aber Hinweise darauf", so
Orians, "daß sowohl die geschädigten Testbäume als auch benachbarte besunde Kontroll bäume ihre Laubqualität als Reaktion auf das Aussetzen von
Schädlingskolonien auf den Testbäumen veränderten. Demnach mußten gesunde
Pflanzen Signale von kranken Pflanzen in der Nähe erhalten und darauf
reagiert haben". Das auch künftig von der NSF finanzierte Versuchsprojekt wird jetzt in einem wesentlich größeren Rahmen weitergeführt.

+ + + + +

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