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Dl Ell

Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26

29. Juni 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Reagans zur deutsch-amerikanischen
Dreihundertjahrfeier
Rede von US-Vizepräsident Bush zur deutsch-amerikanischen
Dreihundertjahrfeier in Krefeld
Die europäische Sicherheit und die deutsch-amerikanische
Partnerschaft
- Von Robert W. Dean -

HINTERGRUNDMATERIAL
-

Präsident Reagan;

Um Übersendung von
DelegeHCfliplaren
wird gebeten

Es darf niemals zu einem Atomkrieg kommen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26

29. Juni 1983

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS ZUR DEUTSCH-AMERIKANISCHEN DREIHUNDERTJAHRFEIER

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan würdigte in einer am 25.
Juni 1983 vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung die deutsch-amerikanische
Freundschaft anläßlich der Dreihundertjahrfeier der ersten deutschen Siedlung
in Amerika. Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Samstag, der 25. Juni, ist ein besonderer Tag für Deutschland und Amerika.
In Krefeld an den Ufern des Rheins vertrat Vizepräsident Bush alle Amerikaner
bei einer historischen Feier. Aus Krefeld brachen vor 300 Jahren die ersten
deutschen Einwanderer nach Amerika auf. Jene 13 Mennonitenfamilien kamen auf
der Suche nach religiöser Freiheit.
ten Germantown in Pennsylvania.

Sie landeten in Philadelphia und gründe-

Von diesem Moment an hat Deutschland viel zu

unserer Lebensweise beigetragen.
Heute nimmt etwa jeder vierte Amerikaner - oder rund 50 Millionen von
uns - zumindest eine teilweise deutsche Abkunft für sich in Anspruch.
Was hat dies für Amerika bedeutet?

Den Planwagen und die Kenntucky-

Rifle; Blue Jeans, die Brooklyn-Brücke und Snoopy; die erste luftdichte
Büchse und viele unserer beliebten Biersorten; Dwight David Eisenhower und

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Eisenhower und Wernher von Braun; Chrysler-Automobile und Boeing-Flugzeuge;
deutsche Farmer haben bei uns im Mittelwesten den Winterweizen eingeführt.
Und kein Amerikaner sollte je vergessen, daß in Valley Forge General
von Steuben, ein deutscher Freiwilliger, die demoralisierten Truppen von
George Washington in eine disziplinierte Armee verwandelt hat, die in der
Lage war, unseren Kampf um Unabhängigkeit zu gewinnen.
Einige unserer hervorragendsten Schriftsteller wie John Steinbeck und
H. L. Mencken, Sportler wie Babe Ruth und Jonny Weissmueller; Erfinder wie
Charles Steinmetz und George Westinghouse; Staatsmänner wie Carl Schurz und
George Shultz, unser derzeitiger Außenminister, sind deutscher Abkunft.
Die Deutschen haben 300 Jahre mitgeholfen, Amerika aufzubauen.
Amerika hat auch gegeben und nicht nur bekommen.

Aber

Nach dem Zweiten Weltkrieg,

als Deutschland besiegt darniederlag, hat Amerika durch den Marshall-Plan
und die Berliner Luftbrücke materielle Hilfe geleistet.

Und was mindestens

ebenso wichtig - wenn nicht noch wichtiger - ist, wir haben die Inspiration
gegeben, aus den Ruinen des Totalitarismus freie Institutionen aufzubauen.
Heute ist die Bundesrepublik Deutschland ein Bollwerk der Demokratie im
Herzen eines geteilten Europas. Sie erfreut sich einer Prosperität, von der
1945 niemand träumte, und ihr politisches System ist stabil und stark.
Westdeutsche und Amerikaner sind zu Recht stolz auf unsere gemeinsamen
Werte und unser gemeinsames Erbe. Heute stehen wir Schulter an Schulter im
NATO-Bündnis zur Verteidigung der Freiheit und der Bewahrung des Friedens.
Drei Jahrzehnte deutsch-amerikanischer Partnerschaft waren ein Angelpunkt
des Bündnisses.

Dank dieses Bündnisses ist in Westeuropa eine ganze Genera-

tion frei von den Verheerungen des Krieges und verschont von der Unterdrückung,
die die Europäer im Osten erleiden müssen, aufgewachsen.
Aber Freiheit

�Aber Freiheit bringt Verantwortung - nicht zuletzt die Verantwortung,
hinter vereinfachten Schlagworten die Wahrheit in lebenswichtigen Fragen wie
Sicherheit und Abrüstung zu sehen.

Ich hoffe, daß die junge Generation in

Deutschland und in Amerika ehrlich über all das nachdenken wird, was wir tun,
um abzuschrecken und das Risiko des Krieges zu verringern.
Angesichts einer großen militärischen Aufrüstung der Sowjets an konventionellen und nuklearen Waffen sind die Vereinigten Staaten, die Bundesrepublik
Deutschland und unsere europäischen Verbündeten übereingekommen, unsere veraltenden Streitkräfte zu modernisieren, um eine wirksame Abschreckung zu gewährleisten. Gleichzeitig unternehmen wir in der Hoffnung, die großen Ausgaben
für die Modernisierung von Waffen vermeiden zu können, eine ernsthafte Anstrengung, große und wirksam verifizierbare Verringerungen der sowjetischen und
amerikanischen Nuklearstreitkräfte auf einen niedrigeren und stabileren Stand
auszuhandeln.
In Genf haben wir weitreichende Vorschläge unterbreitet, um die Nukleararsenale abzubauen und Vertrauen aufzubauen. Wir haben die globale Beseitigung einer ganzen Klasse von landgestützten Mittelstreckenraketen vorgeschlagen und unsere Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, jedem Vorschlag zuzustimmen, der einen Gleichstand der Zahl der Gefechtsköpfe auf solchen amerikanischen und sowjetischen Raketen herbeiführt.
In den Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen Waffen,
die wir als START bezeichnen, habe ich innerhalb der letzten zwei Wochen neue
Anweisungen erteilt, die die Empfehlungen der überparteilichen Scowcroft-Kommission einschließen und unseren Verhandlungsführern bei ihrer Aufgabe einen
größeren Spielraum geben. Junge Menschen in Deutschland und in den Vereinigten Staaten dürfen unseren Einsatz für die Aufrechterhaltung des Friedens
nicht bezweifeln. Wir teilen mit ihnen den Traum, daß eines Tages die Zeit
kommen wird, da nirgendwo auf der Erde Kernwaffen existieren werden.
Die Ideen,

�Die Ideen, die unsere Völker gemeinsam haben, der Wunsch nach Freiheit
und Frieden verbindet die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland in so vielfältiger Weise.

Auf dem aufbauend haben wir eine gemeinsame

Anstrengung in Angriff genommen, um mehr Kontakte zwischen unseren Völkern
und den Generationen zu schaffen.

In unserem Lande sind 22 Bundesministerien

und Behörden an dieser Anstrengung beteiligt.

Die Pläne reichen vom tradi-

tionellen Austausch bis zu einem Luftbrückenprogramm, das deutsche Herzpatienten in eines unserer hervorragenden Krankenhäuser für Bypass-Operationen
bringen und mehr deutsche Ärzte ausbilden wird, um diese lebensrettenden Operationen durchzuführen.
In diesem Herbst wird ein Deutscher mit der Raumfähre der NASA fliegen
- der erste Ausländer, der dies unternimmt.

Zusammen werden Deutsche und

Amerikaner den Verlauf des Fluges auf ihren Bildschirmen verfolgen, und alle
werden für eine erfolgreiche Durchführung und sichere Landung beten.
Deutsche und Amerikaner deutscher Abkunft können auf ihre Vorfahren besonders stolz sein. Aber alle Amerikaner haben Nutzen aus den Beiträgen gezogen, die Deutsch-Amerikaner für unser Land geleistet haben - und wir sollten uns alle daran beteiligen, dieses Erbe zu ehren.

+ + + + +

�29. Juni 1983

26

REDE VON US-VIZEPRÄSIDENT BUSH ZUR DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
DREIHUNDERTJAHRFEIER IN KREFELD

KREFELD - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush hat am 25.
Juni 1983 in einer Ansprache auf einem Festakt in Krefeld anläßlich der Dreihundertjahrfeier der deutschen Einwanderung in Amerika auf den Beitrag dieser
Einwanderer zum Aufbau der Vereinigten Staaten hingewiesen und die Gemeinsamkeit der Werte und Zielsetzungen beider Völker hervorgehoben.
Die Rede des Vizepräsidenten hat folgenden Wortlaut:
Herr Bundespräsident, Herr Bundeskanzler, Herr Oberbürgermeister, meine
Damen und Herren:
Ich danke für die sehr, sehr herzliche Begrüßung.

Sie verstehen es

wirklich, alles so einzurichten, daß sich Menschen hier ganz zuhause fühlen.
Als der Bundeskanzler und ich aus, dem Auto stiegen, spürten wir die Herzlichkeit des Willkommens.

Das war so deutlich und klar zu spüren, und ich möchte

der Bevölkerung von Krefeld dafür danken.
Als wir

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�Als wir den Flugplatz anflogen, blickten der Kanzler und ich aus dem
Fenster, und wir konnten sehen, daß sehr viele deutsche und amerikanische
Fahnen zusammen wehten; und, wie es in unserer Nationalhymne heißt, "stolz
wehten"; und da fühlte ich mich daheim.

Ihnen, Herr Oberbürgermeister,

möchte ich besonders danken, denn sicherlich haben Sie großen Anteil daran.
Und ich möchte mich Ihrem hervorragenden Bundespräsidenten zuwenden.
Sie sehen in ihm den Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, aber ich
sehe in ihm den Mitkommilitonen der Yale-Universität.

Was den Bundeskanzler

anbetrifft, so finde ich keine Worte, wie meine Frau und ich ihm und seiner
reizenden Gattin danken können für die Gastfreundschaft, die sie uns hier, i
London und in den Vereinigten Staaten haben zukommen lassen.

Wir danken aus

ganzem Herzen dafür.
Es ist mir wirklich eine Ehre, eingeladen worden zu sein, um hier zu
sprechen, und wir freuen uns, daß Bundespräsident Carstens die deutschamerikanische Dreihundertjahrfeier durch einen Besuch in unserem Lande auszeichnen wird.

Ich möchte so viele, wie es ermöglichen können - vor allem

junge Menschen - einladen, in diesem Jahr des Gedenkens nach Amerika zu
kommen.
Vor drei Jahrhunderten kamen nach einer 75jährigen Seereise auf einem
engen Schiff 32 Mennoniten und Quäker aus Krefeld und zwei Kleinkinder, die
auf der überfahrt geboren worden waren, an der Ostküste der Neuen Welt an.
Es war Oktober, die Luft war frisch, und die Herbstregen hatten begonnen.
Erschöpft und krank nach ihrer Reise schleppten sich die Deutschen von
Philadelphia, damals eine Siedlung mit zwei Dorfstraßen, sechs Meilen durch
dichten Wald, um eine eigene Siedlung zu gründen.
Als der Winter nahte, fällten sie viele Bäume und bauten ihre ersten
Blockhäuser. "Man kann es weder beschreiben noch glauben", so schrieb Franz
Daniel Pastorius, der Führer der Krefelder, "unter welchen Bedingungen der
Not und Armut... diese deutsche Siedlung gegründet wurde".
Aber die

�Aber die Deutschen hatten das gefunden, was sie suchten, nämlich Religionsfreiheit, und in bescheidener Weise begann ihre Siedlung bald zu gedeihen.

Die Leute bauten Flachs an, züchteten Schafe für die Wolle und wurden

in den amerikanischen Kolonien für ihre Weberei bekannt.

Die Nachricht von

ihrem Erfolg ermutigte andere Deutsche, die Alte Welt mit der Neuen zu vertauschen.
Als im Jahre 1776 der amerikanische Unabhängigkeitskrieg ausbrach, waren
über 200 000 Deutsche nach Amerika gekommen.

Die Napoleonischen Kriege lösten

eine neue Welle der Einwanderung aus, die etwa 1825 begann.

Ganze Dörfer in

Bayern und Württemberg verkauften ihr Land, ihre Häuser und ihr Vieh und machten sich nach Amerika auf, Pfarrer und Lehrer mitnehmend.

In der zweiten

Hälfte des vorigen Jahrhunderts begann eine weitere Einwanderungswelle»und
während der zwei Jahrzehnte von 1880 bis zur Jahrhundertwende betrug die Zahl
der in Amerika ankommenden Deutschen jedes Jahr durchschnittlich über 100 000.
Bis zur Jahrhundertwende waren über 5 Millionen Deutsche in die Vereinigten
Staaten gekommen.
Nach ihrer Ankunft siedelten die Deutschen nicht nur an der Ostküste,
sondern drangen auch nach Westen vor. Sie reisten zu Fuß, auf dem Maultier
und zu Pferd, auf Kähnen und in den berühmten Conestoga-Wagen (Planwagen),
die von Deutschen erfunden wurden, und später in überfüllten, stinkenden
Eisenbahnwaggons quer durch das Land. Sie kamen in ihrer neuen Heimat mit
nichts an - ohne Möbel, ohne Ersparnisse, und oft nur mit den Kleidern, die
sie während der langen überfahrt aus Deutschland auf dem Leibe trugen.
Ich sagte eben, die Deutschen kamen mit nichts an.
korrigieren.

Lassen Sie mich das

Sie kamen mit nichts an außer ihrem Glauben.

Denn die Deutschen

brachten in ihre neue Heimat den tiefen Glauben an Gott, an die Familie und an
die Güte der Erde, der so fest war wie die Alpen und so beständig wie der
Rhein.

Und sie brachten einen weiteren Glauben mit, den Glauben an die Ar-

beit-harte, ehrliche Arbeit.
Und sie

�Und sie haben gearbeitet.
Sie fällten Bäume in Minnesota und Wisconsin, sie rodeten die Ebenen
von Illinois.

Sie eroberten die Weiden meines Heimatstaates Texas.

Sie

pflügten das Land, säten Getreide, züchteten Schweine, melkten die Kühe und
züchteten Rinder.

Wo immer die Deutschen sich niederließen und das Land be-

bauten, entstanden blühende Siedlungen: Frankfort, Indiana; Bismarck, North
Dakota; New Munich, Minnesota; New Braunfels, Texas; New Holstein, Wisconsin.
Die Deutschen, die später kamen, zogenin die Großstädte Amerikas.
St. Louis und Milwaukee wurden für ihre Deutschen bekannt; um 1900 hatte
Chicago eine deutschsprechende Bevölkerung, die größer war als die des damaligen Frankfurt, und die Deutschen in New York waren zahlenmäßig mehr als die
Bewohner Münchens.
Gerber oder Metzger.

Diese deutschen Stadtbewohner wurden tüchtige Schreiner,
Sie gründeten Zeitungen, Textilfabriken und Brauereien.

Heinz revolutionierte die Lebensmittel Verarbeitung; Strauss stellte Blue
Jeans her; Roebling baute Brücken, einschließlich der schönsten amerikanischen
Brücke, der Brooklyn-Brücke.
Die deutschen Frauen arbeiteten so hart wie ihre Männer, zogen große
Familien auf und versuchten, die Stadtwohnungen und Farmhäuser mit Lehmböden
sauber zu halten. Sie kochten, nähten und putzten für Familien, in denen
ein Dutzend Kinder nichts Ungewöhnliches waren. Die Frau eines Farmers oder
Arbeiters mußte um sechs Uhr aufstehen, um ihrem Mann das Frühstück zu machen,
dann das Frühstück für die Kinder und dann am Mittag und am Abend wieder das
Mahl für alle zu bereiten. Und immer waren Kleider zu flicken.
Die Arbeit, die reine, unermüdliche Arbeit dieser deutschen Einwanderer
half, lebendige Industrien aufzubauen und Ackerland zu roden, das zu den
reichsten der Welt gehörte.
Und diese deutschen Einwanderer gaben Amerika nicht nur Farmen und Fabriken, sondern auch ihre Kinder.
Zu Beginn
- 4 -

�Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts kam Burkhardt Mencken aus Sachsen
nach Amerika.

Burkhardt selbst gewann weder Reichtum noch Ruhm, aber sein

Enkel, H. L. Mencken, wurde der für seine Unerschrockenheit berühmte Herausgeber der "Baltimore Sun", der Bücher über Politik, Literatur und Musik veröffentlichte und im ganzen Lande als "der Weise von Baltimore" bekannt wurde.
In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zog eine deutsche Familie in Baltimore einen Jungen auf, der gerne Baseball spielte.

Sein Name war

Babe Ruth, und als er größer wurde, wurde er der berühmteste Baseballspieler
in der Geschichte, der 714 Home Runs erzielte und für jeden Amerikaner, einschließlich meiner selbst, ein Held wurde.
Als vor 300 Jahren jene erste Reise von Krefeld in die Neue Welt begann,
war unter den Reisenden ein Mann namens Thones Kunders. Acht Generationen
später hatte sich der Nachname von Kunders in Conrad verändert,und Charles
Conrad Jr., ein direkter Nachfahre von Thones, wurde Astronaut und spazierte
auf dem Mond.
Heute sind 60 Millionen Amerikaner, d.h. mehr als jeder vierte, Nachkommen deutscher Einwanderer, und sie bewohnen ein Land, das zu einem großen
Teil durch die Arbeit deutscher Hände blühend und frei gemacht wurde. Als gerade vor einer Generation Deutschland selbst in Not geraten war, reagierte
Amerika - wie sollte es bei dieser Geschichte auch anders sein - natürlich
entsprechend. Der Marshall-Plan half der neuen deutschen Demokratie, sich
aus den Trümmern des Krieges zu erheben und wieder zu einer bedeutenden Nation
zu werden. Die Berliner Luftbrücke war eine Demonstration der amerikanischen
Verpflichtung zur Verteidigung des demokratischen Deutschland, als West-Berlin,
das sich noch immer vom Krieg erholen mußte, vor brutalen Bedrohungen aus dem
Osten stand.

Die Geschichte unserer beiden Länder ist unauflöslich miteinander verwoben.

Wir tragen heute zum Handel des anderen bei und erfreuen uns an der

Kultur des anderen, für die wir heute ein Beispiel erleben.

- 5 -

Unsere Werte

�Unsere Werte - Frieden, Freiheit und Menschenwürde - sind die gleichen.
Aber wir dürfen nicht vergessen, daß unser Frieden und unser Wohlergehen
ständig von feindlichen Ideologien und Staaten bedroht werden.

Die Hauptbe-

drohung unserer Demokratie kommt, wie Sie wissen, weiterhin von der Sowjetunion.

Um eine feste Verteidigung gegen die sowjetische Herausforderung zu

errichten,

hat sich zu Ende des Zweiten Weltkrieges eine Reihe der Demo-

kratien in Europa mit den Vereinigten Staaten und Kanada zusammengeschlossen,
um das NATO-Bündnis zu gründen.

Die Bundesrepublik Deutschland und die Ver-

einigten Staaten arbeiten jetzt schon rund drei Jahrzehnte in diesem Bündnis
zusammen.
In Zeiten des Friedens und des materiellen Wohlstandes, wie den heutigen,
vergißt man nur zu leicht, daß die Freiheiten, derer wir uns erfreuen, von
unserer Wachsamkeit abhängen.
Unsere beiden Regierungen gründen sich auf die Achtung der Menschenrechte, und beide bleiben als Demokratien immer der Reform offen. Das
sowjetische System besitzt im Gegensatz dazu keine funktionierenden Mittel
und Wege der Reform, sucht all seinen Bürgern einen einzigen, starren Willen
aufzuzwingen; es hat in den letzten Jahren Afghanistan 'überrannt und besetzt,
giftige Chemikalien auf die unschuldigen Völker Afghanistans und Südost-Asiens
herabgeregnet und alle Versuche niedergeschlagen - in Ost-Deutschland, Ungarn,
der Tschechoslowakei und Polen -, wenigstens ansatzweise die Menschenrechte
zu erlangen.
Sicherlich erlegt die Mitgliedschaft im NATO-Bündnis Bürden auf. So
mußten biespielsweise die Vereinigten Staaten rund 300 000 Soldaten in Europa
stationieren, und die Bundesrepublik wiederum mußte zum Unterhalt einer großen
Zahl amerikanischer Soldaten auf ihrem Boden beitragen. Aber auch die Länder
Osteuropas müssen mit einer großen Zahl ausländischer Soldaten auf ihrem Boden
leben, und wir dürfen nicht vergessen, wie sehr sich die Umstände in beiden
Fällen unterscheiden. Arthur Burns, der amerikanische Botschafter in der

�in der Bundesrepublik Deutschland, hat es kürzlich so ausgedrückt:

"Die er-

betene Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa dient dem ausdrücklichen
Zweck, die Werte unserer westlichen Zivilisation schützen zu helfen, während
die sowjetischen Armeen, die Osteuropa seit 35 Jahren hartnäckig besetzt halten, dort stehen, um die Unterdrückung der Freiheiten zu gewährleisten, nach
denen sich ihre Bürger bis zum heutigen Tag sehnen".

Die Geschichte geht, wie Sie wissen, keinen geraden Weg und überträgt
unterschiedlichen Nationen zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche
Pflichten.

Heute stellen die Stärke der Bundesrepublik Deutschland, der

Vereinigten Staaten und der anderen NATO-Länder den notwendigen Unterbau
dar, um die freie Welt frei zu erhalten.

Seit Jahrhunderten hat uns das

deutsche Volk in der Alten und in der Neuen Welt Beispiele der Stärke und
des Mutes gegeben.

Laßt uns diesen Beispielen folgen.

Laßt uns die notwen-

digen Opfer bringen, um unsere Verteidigung stark zu erhalten.

Denn letztlich ist es die Freiheit, die uns verbindet - freie Wahlen,
eine freie Presse, Religionsfreiheit, Redefreiheit und die Freiheit, anderer
Meinung zu sein.

Unsere Freiheit stärkt uns, verschönt unser Leben und gibt

uns die Hoffnung auf die Zukunft.

Wollen wir heute und in den kommenden Mo-

naten, wenn wir in Deutschland und in Amerika diese Freiheit feiern, die uns
vereint, jedoch nicht die Pflicht vergessen, die die Freiheit fordert.

Und

wollen wir mit dem gleichen Nachdruck unsere Pflicht tun, wie jene Handvoll
Menschen aus Krefeld, die nach Amerika kamen.

Ich danke Ihnen sehr, sehr herzlich.

+ + + + +

- 7 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26

29. Juni 1983

DIE EUROPÄISCHE SICHERHEIT UND DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHE PARTNERSCHAFT
Von Robert W. Dean

BONN - (AD) - Der Stellvertretende Direktor der Abteilung für politische
und militärische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium,
Robert W. Dean, ging in einem Vortrag vor der Sicherheitskonferenz der
Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn am 24. Juni 1983 auf Fragen der europäischen
Sicherheit und der deutsch-amerikanischen Partnerschaft ein.

Die Ansprache

hat folgenden Wortlaut:
Meine Damen und Herren,
es ist ein Privileg, heute im Namen der Administration zu dieser bedeutsamen
Versammlung sprechen zu dürfen.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat einen wohlver-

dienten Ruf, wichtige Jahreskonferenzen abzuhalten, die im Lauf der Jahre ein
Forum für die Erörterung amerikanisch-europäischer Sicherheitsfragen von großer
Bedeutung geboten haben.

Dieses Jahr ist keine Ausnahme, wenn man die Probleme

bedenkt, vor denen das Bündnis steht.
Mein eigenes Thema

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�Mein eigenes Thema, "Die europäische Sicherheit und die deutsch-amerikanische Partnerschaft", führt uns fast unmittelbar zu einer Diskussion über
nukleare Mittel Streckensysteme (INF).

Aber das Thema kann nicht aus dem

weiteren historischen und politischen Zusammenhang herausgerissen werden.

Nur

aus dieser Perspektive kann man zu vernünftigen Schlüssen bezüglich der heute
in der INF-Debatte anstehenden Fragen kommen.
Zunächst einige Gedanken zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Die

deutsch-amerikanische Partnerschaft ist ein wesentliches - manche Leute sagen:
das wesentliche - Element der europäischen Sicherheit.

Diese Bindung, ihre

Festigkeit und ihre Kraft spielen bei der Erhaltung des Friedens seit weit über
einem Drittel Jahrhundert eine zentrale Rolle. Es wäre gänzlich falsch, unser
Verhältnis nur durch die INF-Brille zu betrachten.

Nach dem, was derzeit in

der Presse zu lesen ist, könnte man glauben, die deutsch-amerikanischen
Beziehungen würden durch das INF-Problem bestimmt. Wir unsererseits haben
uns in den Vereinigten Staaten Mühe gegeben, zu unterstreichen, daß das, was
heute in der europäischen Öffentlichkeit zum Ausdruck kommen mag, nicht die
grundsätzlichere Einstellung zum Bündnis ausdrückt. Meinungsbefragung nach
Meinungsbefragung hat gezeigt, daß sich das Ausmaß der Unterstützung für
diese oder jene Politik verschieben mag, die Unterstützung des Bündnisses
aber - und in Ihrem Lande die Unterstützung starker deutsch-amerikanischer
Bindungen innerhalb des Bündnisses - fest, tief und unerschütterlich bleibt.
Wenn wir auf fast vier Jahrzehnte zurückblicken, dann sehen wir, daß sich
die deutsch-amerikanische Partnerschaft weiterentwickelt hat.

Ein am Boden

liegendes Land entwickelte sich zu einem Wirtschaftsgi ganten; brachte nacheinander politische Führungen der höchsten Qualität und Reife in einem stabilen
demokratischen politischen System hervor; und übernahm die Rolle eines wahrhaft
gleichberechtigten Partners im Bündnis und gegenüber den Vereinigten Staaten.
So wie sich diese Partnerschaft im Laufe einer Generation weiterentwickelt
hat, so hat sich auch Deutschland selbst verändert.

- 2 -

Da ist beispielsweise die

�beispielsweise die veränderte Beziehung zur Deutschen Demokratischen Republik
zu nennen.

Die beiden politischen Systeme sind heute nicht weniger gegensätzlich

als zuvor, aber der, Anfang der siebziger Jahre eingeleitete, schrittweise Abbau
der Spannungen hat dazu beigetragen, viele menschliche Beziehungen wiederherzustellen, die durch die politische Teilung zerrissen waren.
Eine zweite Veränderung in der Bundesrepublik war das Heranwachsen einer
neuen Führungsgeneration.

Diese jungen Menschen wurden - abgesehen von ihrer

politischen Zugehörigkeit - begreiflicherweise von andersartigen Erfahrungen
geprägt als die unmittelbare Nachkriegsgeneration, die ihnen vorangegangen war.
Sie sind Ausdruck und Produkt einer neuen Einstellung der Öffentlichkeit.
Interessanterweise haben sie in vieler Hinsicht die gleichen Erfahrungen gemacht
wie ihre amerikanischen Kollegen.

Eine gewisse Skepsis gegenüber der politischen

Autorität, das Erbe der Erfahrungen aus Vietnam und Watergate, sind in Ihrem
Lande so real wie in dem meinigen. Sorgen um die Umwelt und Nachdruck auf Lebensqualität sind ebenfalls Veränderungen in der Einstellung, die in unseren beiden
Gesellschaften zu verzeichnen sind.

Eine weitere wichtige Veränderung in Deutsch-

land ist nach meiner Ansicht, daß es eine vielleicht tiefer denn je empfundene
Sorge um soziale Gerechtigkeit im eigenen Land und in der Welt gibt, verbunden
mit einem Mißtrauen, ja einer Langeweile, gegenüber politischen Ideologien.
In jedem dieser Fälle sind in den Vereinigten Staaten ähnliche Haltungen zu
verzeichnen.
Damit ist die Liste der Veränderungen noch nicht erschöpft, die mit dem
Aufrücken einer neuen Generation in die Verantwortung eingetreten sind. In jedem
Fall sollten die zugrundeliegenden Kräfte, die sie ausgelöst haben, darauf hinwirken, unsere beiden Länder zu einen. Wo Differenzen bestehen mögen, sind sie
eine natürliche und gesunde Eigenschaft eines Bündnisses freier Demokratien, in
denen unterschiedliche Meinung und der freie Ausdruck von Ideen geheiligte
Rechte sind. Aber solche Meinungsverschiedenheiten sollten als das erkannt
werden, was sie wirklich sind - unterschiedliche Auffassungen bezüglich der
Mittel, nicht des Ziels.
Auch auf
- 3 -

�Auch auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit haben sich auf beiden Seiten
des Atlantik Veränderungen in der Einstellung vollzogen. Das Schwarz-Weiß-Bild
der fünfziger und sechziger Jahre wird von der jungen Generation und ihren
Führern nicht mehr unkritisch hingenommen.

Das bedeutet eine neuerliche

Verpflichtung der Regierungen, zuzuhören und zu überzeugen.

Wir sollten diese

Herausforderung begrüßen, denn in der atlantischen Partnerschaft haben einige
Grundwahrheiten ihre Gültigkeit behalten. Sie stellen das Fundament unserer
gemeinsamen Anstrengung dar, die Unterstützung für das Bündnis und seiner Ziele
bei den einzigen aufzubauen und zu erhalten, die es legitimieren - nämlich bei
den Völkern, denen wir verantwortlich sind.
Tatsache ist, daß sich das Bündnis außerordentlich gut gehalten hat. Es hat
den Frieden, die Stabilität und die Freiheit in Europa über einen längeren Zeitraum bewahrt, als sich irgend jemand zu seinen Lebzeiten erinnern kann.
praktische, politische Bedeutung war und ist gewaltig.

Seine

Für die Bundesrepublik

Deutschland garantierte die Mitgliedschaft im Bündnis einen stabilen politischen
Halt und eine starke Sicherheitsposition, um die Nachkriegsdifferenzen mit dem
Osten beilegen zu können, ein erfolgreiches neues Verhältnis zur DDR herzustellen
und damit viel von der menschlichen und kulturellen Tragödie der politischen
Teilung der Nation zu lindern.

Es waren eine starke, militärisch sichere und

politisch zusammenhaltende NATO sowie eine im Bündnis fest verwurzelte deutsche
Außenpolitik, die diese Fortschritte möglich machten. Man braucht sich nur an
die wiederholten Bekräftigungen von Bundeskanzler Brandt erinnern, daß das
Bündnis und die Mitgliedschaft der Bundesrepublik im Bündnis das sine qua non
der Ostpolitik seien.
Aber es ist hier, wie auch in meinem Lande, wieder ein beliebtes und nur
allzu bekanntes Lamento geworden, die NATO stecke in einer Krise: "Europa und
die Vereinigten Staaten sind sich nicht mehr völlig einig"; "Sie treiben auseinander"; "Die NATO zerfällt".

Solche Behauptungen sind heute die gängige Münze

in den Leitartikeln auf beiden Seiten des Atlantik.

Sie verraten eine Schwäche

für das, was intellektuell gerade en vogue ist. Wenn man solchen Behauptungen

�solchen Behauptungen jedoch nicht entgegentritt, könnten sie die zerstörerische
und demoralisierende Wirkung einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung haben.
Ein Blick auf die vergangenen drei Jahrzehnte zeigt, warum die Phrase,
"Die NATO steckt in der Krise" so abgedroschen ist:
- Im Jahre 1956 drängten die Vereinigten Staaten Großbritannien und Frankreich,
ihre Suez-Intervention aufzugeben.
werde auseinanderfallen.

Schlaue Leute erklärten damals, das Bündnis

Sie hatten unrecht.

- Im Jahre 1958 wurde das Bündnis durch die Debatte über die Stationierung
der Thor- und Jupiter-Raketen - in der Türkei, Großbritannien und Italien - und
anderer Kernwaffen in Europa erschüttert - eine Debatte, die übrigens auch in
Ihrem Bundestag lebhaften Ausdruck fand. Manche Leute fragten sich, ob das
Bündnis überleben werde.

Es hat überlebt.

- Im Jahre 1966 zog sich Frankreich aus der integrierten militärischen Befehlsstruktur der NATO zurück - die Lösung des Knotens im Drama einer weiteren Nukleardebatte im Bündnis.

Die Propheten des Untergangs verkündeten das Ende der NATO.

Und wieder hatten sie unrecht.
- Mitte der sechziger Jahre tobte die Kontroverse über die Strategie der
flexiblen Antwort.

Sogenannte "Weise" sahen wieder den Tod der NATO voraus.

Aber das Bündnis bewies seine Spannkraft.
- Im Jahre 1973 fanden sich die Vereinigten Staaten uneins mit den meisten
ihrer NATO-Verbündeten bezüglich des Oktober-Krieges im Nahen Osten und des
arabischen ölembargos.

Wieder sahen einige den Anfang vom Ende. Aber sie waren

kurzsichtig.
Die ganze Geschichte der NATO könnte praktisch als eine Reihe von Krisen
dargestellt werden.

Oder anders und richtig gesehen, sie könnte als eine Reihe

von Herausforderungen dargestellt werden, die immer wieder durch den gemeinsamen
Willen zur Aufrechterhaltung des Bündnisses und der Demokratien, die es so
erfolgreich erhalten hat, gemeistert wurden.
des Bündnisses sind seine Hauptmerkmale.

Denn Kontinuität und Spannkraft

Die Kassandrarufe der letzten drei

Jahrzehnte erinnern mich an den großen amerikanischen Humoristen Mark Twain,

- 5 -

�Mark Twain, der oft zu Beginn seiner Lesungen zu bemerken pflegte:
über mein Ableben sind stark übertrieben".

Die Gerüchte

Es ist eine einfache Wahrheit, daß

das Atlantische Bündnis fortbesteht und gedeiht, weil es ein Ausdruck unserer
politischen und strategischen

Bindungen ist. Diese sind heute noch so gültig

wie im Jahre 1949, und sie werden zu unseren Lebzeiten gültig bleiben.

Diese

Realitäten sind einfach und liegen auf der Hand, aber der gegenwärtige Zustand
der Ängstlichkeit wegen der Zukunft des Bündnisses deutet darauf hin, daß sie
immer wieder wiederholt werden müssen.
Die sowjetische Bedrohung
Man sagt uns oft, daß das, was das Bündnis wirklich in Unruhe versetze,
die eigentliche Quelle der transatlantischen Meinungsverschiedenheiten und der
europäischen Unzufriedenheit, die grundsätzlich verschiedene Betrachtungsweise
der sowjetischen Bedrohung und der sowjetischen Politik sei. Wie sieht die
Wirklichkeit aus?
Die siebziger Jahre schienen die Beziehungen der Sowjetunion zum Westen zu
verwandeln.

Die Anerkennung des Status quo nach dem Kriege In Mitteleuropa

durch Verhandlungen leiteten eine Periode der Annäherung zwischen Ost und West
ein, die weitgehende Unterstützung in der Wählerschaft fand.

Die Abkühlung von

Spannungen wurde weithin als zusätzliche Sicherheitsgarantie betrachtet, die
durch die Ausweitung der Bindungen zwischen Ost und West auf allen Ebenen verstärkt werden könnte.

Dieses vielversprechende Klima wurde noch zusätzlich

durch eine Neuordnung der strategischen Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion im SALT-Prozeß und die Kodifizierung der Menschenrechtsnormen zusammen mit Sicherheitszielen in der Schlußakte von Helsinki von
1975 verbessert.

Auf allen Gebieten, auf die man sich einließ - Rüstungskontrolle,

wirtschaftliche Zusammenarbeit, humanitärer Austausch -, entwickelte sich der
politische Schwung bis zu dem Punkt, an dem man begann, eine solche Kooperation
als einen natürlichen Aspekt der Ost-West-Beziehungen zu betrachten.
Aber heute

�Aber heute haben wir unseren Dämpfer; heute betrachten wir die Entspannung
nüchterner.

Die sowjetische Invasion Afghanistans, die Instrumentierung der

Unterdrückung der Gewerkschaft Solidarität und der Hoffnungen des polnischen
Volkes und eine Poli'tik der Intervention in der Dritten Welt haben Anlaß zu
einem neuerlichen Gefühl der Besorgnis über eine globale Anmaßung der Sowjets
gegeben.
Der Mangel an Zurückhaltung und die mangelnde Bereitschaft, sich innerem
Wandel anzupassen, haben zu Zweifeln an der Dauerhaftigkeit und Berechenbarkeit
der sowjetischen Außenpolitik im allgemeinen geführt. Vor allem hat es die anhaltende Expansion der militärischen Macht der Sowjets, die gegen Westeuropa
aufgereiht ist - einschließlich, aber nicht ausschließlich, der Dislozierung
der SS-20 - in einen neuen und beunruhigenden Zusammenhang gestellt.
In dem gleichen Jahrzehnt,in dem die Hoffnungen auf sowjetische Zurückhaltung und Kontinuität in den Ost-West-Beziehungen so groß waren, nahm Moskau
die Modernisierung und Verstärkung seiner Streitkräfte vor.

Die strategischen

Nuklearstreitkräfte der Sowjets wurden dramatisch verbessert.

Die Europa gegen-

überstehenden sowjetischen Armeen profitierten von einem gewaltigen Zustrom
neuer Waffen.

Ende der siebziger Jahre erkannten selbst die unparteiischsten

Beobachter einen Widerspruch zwischen der Diplomatie des Kremls, die den Nachdruck
auf den Abbau von Spannungen und der Möglichkeit eines bewaffneten Konflikts in
Europa legte, und der anhaltenden Beschaffung eindrucksvoller militärischer
Offensivkapazitätei..
Die zahlenmäßige Steigerung der sowjetischen Waffen visa-vis der NATO wurde
durch qualitative und operative Verbesserungen ergänzt. All das deutet darauf
hin, daß die Sowjets die Möalichkeit offensiver Operationen gegen die NATO weit
ernster nehmen, als ihre Diplomatie zugeben möchte.

Es deutet darauf hin, daß

ihre konventionellen Streitkräfte - im Gegensatz zur defensiven Natur der NATOPlanung - auf die Offensive als klares Ziel ausgerichtet sind, und daß ihre
gegen Europa dislozierten Nuklearstreitkräfte dazu dienen sollen, diese konventionelle Offensivkapazität zu ergänzen.
Gleichzeitig erkennen
- 7-

�Gleichzeitig erkennen wir, daß das Vertrauen der Sowjets in ihre militärische
Position nicht eisern feststehen kann.

Sie müssen mit den Ungewißheiten der

politischen und militärischen Zuverlässigkeit ihrer Verbündeten und der Sicherung
des rückwärtigen Gebietes in Osteuropa rechnen - das von wesentlicher Bedeutung
für den Sieg bei einem raschen Vorstoß ist, der vermeidet, daß man in einen
Abnutzungskrieg verwickelt wird, sev/ie mit der Unvorh^rsehbarkeit und den schwere«
Risiken einer nuklearen Eskalation,
Aber die Sowjets geben sich nicht damit zufrieden, mit diesen Ungewißheiten
zu leben.

Ihr Streben, ihre konventionellsn Streitkräfte zu verstärken, ihre

Qualität zu verbessern, eine Doktrin zu entwickeln, die von einem raschen Ansichreißen der Offensive ausgeht, die Qualität und Quantität ihrer nuklearen Einsatzkräfte zu verbessern, die auf NATQ-Europa zielen-i'Tl das läßt erkennen, daß
die sowjetische Führung sir1-. zutiefst unwohl fühlt mit Ungewißheiten, die für eine
mehr defensiv eingestellte Macht durchaus akzeptabel wären.
Weif-.- politische Eedeutung hat die militärische Postion der Sowjets?

Die

Kap?ntäten, in die sie so große Mittel investiert haben, haben wichtige
politische Auswirkungen in Friedenszeiten, vor allem für die Krisenbewältigung,
Sollte es in der Zukunft zu einer Cst-|rest-Konfrontation kommen, dann würde die
sowjetische Führung versuchen, diese militärische Position entweder aktiv oder
vorsichtig in einen politischen Hebel umzusetzen, um das Ergebnis zu ihren
Gunsten zu beeinflussen.
All das soll nicht heißen, daß die sowjetische Neigung, einen Konflikt in
Europa auszulösen oder selbst zu riskieren, heute größer wäre, als sie vqr zehn
oder fünfzehn Jahren war.

Aber es bedeutet, daß die Sowjets in wichtigen psycho-

logischen und politischen Dimensionen der Krisenbewältigung glauben könnten, daß
sie durch die anhaltende Beschaffung eindrucksvoller militärischer Macht einen
nützlichen Spielraum zu ihren Gunsten erreicht haben.
Das sind die

�Das sind die blanken Tatsachen und die harte Logik des militärischen Kräfteverhältnisses in Europa.
Aber diese Tatsachen sprechen offensichtlich nicht für sich selbst.
-

zum Teil wegen der Wirksamkeit der öffentlichen Diplomatie der Sowjets.

Die Sowjets spielen die Bedeutung der militärischen Kapazitäten systematisch
und aktiv herunter.

Ihr diplomatischer Nachdruck auf Rüstungskontrolle und

friedliche Absichten soll dazu dienen, die Vorstellung zu nähren, daß die gegen
Westeuropa aufgestellten Streitkräfte freundlicher Natur seien und nur defensiven
Zwecken dienten.

Das Ziel Moskaus besteht darin, Europa daran zu gewöhnen, die

militärische Vorherrschaft der Sowjets als einen natürlichen Stand der Dinge zu
akzeptieren und in der europäischen Öffentlichkeit den Gedanken zu zerstreuen,
die sowjetischen Streitkräfte könnten irgendeine militärische Bedrohung darstellen.
Unsere Auffassung von der sowjetischen Bedrohung und der Natur der sowjetischen Politik ist auch durch das Verhalten der Sowjets außerhalb der Grenzen
Europas geprägt worden. Die Sowjets haben in Gebieten der Dritten Welt eine
Vorwärtsstrategie verfolgt, eine Politik des strategischen Zupackens, die als
Herausforderung der westlichen Interessena^esehen werden muß. Moskau hat sich
alle Mühe gegeben, seine Politik in Europa von der Politik zu unterscheiden,
die sie in der Dritten Welt verfolgt, und hat unterstrichen, daß die Beziehungen
in Europa nichts mit dem zu tun hätten, und getrennt von dem betrachtet werden
müßten, was die Sowjets als regionale "Plätze der Spannung" bezeichnen.
Die INF-Problematik
Der Doppelbeschluß des Jahres 1979 wurde gefaßt vor diesem Hintergrund der
sowjetischen Aufrüstung, von der die SS-20-Rakete ein wesentlicher Bestandteil
ist, sowie in Erkenntnis der möglichen politischen Folgen für den Fall, daß
die NATO nicht in der Lage sein sollte, die notwendigen Gegenmaßnahmen zu
ergreifen.
Sollte es in

- 9 -

�Sollte es in Genf nicht zu einem befriedigenden Ergebnis kommen, stehen wir
in den kommenden Monaten vor der Aufgabe, unseren gemeinsamen Beschluß zu verwirklichen.

Mit dem Ansteigen der politischen Temperaturen tun wir gut daran,

uns selbst und der Öffentlichkeit unserer Länder noch einmal die ursprüngliche
Begründung für diesen Beschluß in Erinnerung zu rufen.
gültig.

Er ist heute wie damals

Angesichts der Tatsache, daß Mitte der siebziger Jahre sich zwischen

den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eine strategische Parität entwickelt
hatte, brachten Beobachter auf beiden Seiten des Atlantik ihre Besorgnis zum
Ausdruck, daß die Dislozierung neuer sowjetischer nuklearer Mittelstreckenraketen
die Sowjets zu dem Glauben ermutigen könnte - wie fälschlich auch immer -, daß
sie diese Waffen einsetzen, oder mit ihrem Einsatz drohen, könnten, um westeuropäisches Territorium zu treffen, ohne das Risiko der strategischen Vergeltung
durch die Vereinigten Staaten gegen sowjetisches Gebiet fürchten zu müssen.
Eine solche falsche Vorstellung würde die Abschreckung schwächen und könnte im
Lauf der Zeit das politische Vertrauen untergraben, das von der glaubwürdigen
Abschreckungshaltung unseres Bündnisses abhängt.

Führer in Europa wie in Amerika

waren sich dieses Problems bewußt; ja, mit am überzeugendsten war hier der frühere
Bundeskanzler Helmut Schmidt.
Der Entschluß, eine begrenzte Anzahl von landgestützten weiterreichenden
INF-Raketen zu dislozieren und dadruch eine begrenzte, glaubwürdige militärische
Kapazität zu schaffen, war der deutlichste Beweis dafür, daß die Vereinigten
Staaten ohne Vorbehalt der strategischen Verteidigung Westeuropas verpflichtet
sind. Mit der Dislozierung amerikanischer Kernwaffen in Europa, die in der Lage
sind, Vergeltungsschläge dirkt gegen sowjetisches Territorium zu führen,könnte
keine sowjetische Führung einen Angriff auf Westeuropa in Erwägung ziehen, ohne
gleichzeitig die Vereinigten Staaten anzugreifen. Auf diese Weise setzt der
Doppelbeschluß von 1979 die territoriale Sicherheit der Vereinigten Staaten mit
derjenigen
,NATO-Europas gleich und sichert so die Abschreckung.
Um mit den nichtprovozierten sowjetischen Dislozierungen fertig zu werden,
wurde noch eine zweite Möglichkeit vorgesehen: Das Bündnis verpflichtete sich

- 10 -

�verpflichtete sich zu dem Versuch, auf dem Weg der Rüstungsbegrenzungen eine
Lösung für die neue Bedrohung auszuhandeln.

Die neue amerikanische Administration

wandte ihre Aufmerksamkeit sogleich dem Rüstungskontrollaspekt des Problems zu.
Unsere Beratungen darüber, welche Postion wir bei diesen Verhandlungen einnehmen
sollten, wurden von einer Reihe allgemeinerer Rüstungskontroilgrundsätze geleitet.
Erstens, die Rüstungskontrolle muß hauptsächlich ein Instrument der nationalen
Sicherheit - und nicht ein Ersatz dafür - sein. Vorschläge und Abkommen können
kein "Selbstzweck" sein, sondern müßten an dem Beitrag gemessen werden, den sie
für unsere militärische Sicherheit leisten.

Die militärische Bedeutsamkeit

jeglicher Rüstungskontrollabmachungen muß im Sinne der Wirkung bewertet werden,
die sie auf die Sleeitkräftelage und die militärischen Kapazitäten beider Seiten
haben.
Zweitens, Abkommen müssen gleichwertig und ausgewogen sein.

Dabei geht es

am offenkundigsten um Gleichheit bei den numerischen Begrenzungen und Rechten.
Aber Gleichgewicht bedeutet mehr als Zahlen - worum es geht, ist die Fähigkeit
der jeweiligen Seite, durch militärische Operationen oder die Drohung mit
militärischen Operationen entscheidende Gewinne zu erzielen.

Die Rüstungskontrolle

kan - und sollte - den Anreiz verringern, militärische Macht einzusetzen oder ihren
Einsatz anzudrohen - insbesondere in Krisensituationen.
Drittens, Abkommen müssen umfangreiche Verringerungen bewirken, die die
militärischen Bedrohungen begrenzen. Rüstungskontrollvereinbarungen, die im
wesentlichen die bestehenden Arsenale kodifizieren oder ihr Anwachsen zulassen,
untergraben lediglich dieses Ziel - wie dies bei SALT II mit der öffentlichen
Unterstützung für den Vertrag selbst der Fall war.
Viertens, Abkommen müssen verifizierbar sein und die Verifizierbarkeit muß
über die nationalen technischen Mittel hinausreichen.
Schließlich kann man selbst von einer soliden Rüstungskontrolle nicht erwarten,
daß sie militärische Probleme löst, auch wenn sie auf diese entschärfend wirkt.
- 11 -

�entschärfend wirkt. Rüstungskontrolle ist ein Ersatz für eine Streitkräftemodernisierung. Mit veränderten Bedrohungen, mit veraltenden Systemen bedeutet
die Aufrechterhaltung der Gleichheit, der Ausgewogenheit und daher auch der
Abschreckung, daß eine Modernisierung notwendig ist. Vor diesem Problem stehen
wir ganz unmittelbar bei unseren strategischen Streitkräften.
In der internationalen Politik sind Prinzipien von entscheidender Bedeutung
für die Führung von Verhandlungen, und wir haben in dieser Hinsicht einen festen
Stand.

Abkommen sind, das wissen wir alle, Ergebnis des beiderseitigen Handelns,

der beiderseitigen Beweglichkeit und des praktischen Kompromisses. Auch hier
haben die Vereinigten Staaten und das Bündnis einen festen Stand.

Wir stehen

den Verhandlungen realistisch und beweglich gegenüber. Ja, wir haben einen
Vorschlag unterbreitet, der maximale Flexibilität verrät und der der sowjetischen
Seite letztlich sagt: Es liegt an euch, jetzt die gleiche Zahl amerikanischer
und sowjetischer INF-Systeme größerer Reichweite zu wählen.
die eigenen Sicherheitsansprüche entscheiden.

Laßt euer Gefühl für

Erkennt lediglich an, daß auch

die NATO legitime Sicherheitsansprüche hat.
Die sowjetische Reaktion hierauf,ja die sowjetische Einstellung zu den
Verhandlungen von Anbeginn an, deutete nicht darauf hin, daß man sich uns auf
der Suche nach einem vernünftigen Gleichgewicht dieser Waffen anschließen wollte.
Vielmehr ging es der Sowjetunion darum, die Tatsache ihres bestehenden Monopols
bei den LRINF-Systemen dadurch auszunützen, daß sie ihre Bedingungen für ein
Abkommen stetig wiederholte.

Ihr Ziel bleibt, die NATO-Dislozierungen durch

politische Mittel zu verhindern, die Verhandlungen als Mittel zu diesem Zweck
zu benützen und die öffentliche Meinung zu manipulieren und dadurch die Position
der europäischen Regierungen zu beeinflussen.

Was es von der Sowjetunion bislang

hinsichtlich INF gab, war eine Reihe dramatischer öffentlicher Ankündigungen,
jede dazu da, den Eindruck von Flexibilität zu erwecken, ohne bei den wesentlichen
Punkten auch nur eine Spur ihrer Position zurückzustecken. In einem sehr konkreten
Sinn ist der Kreml davon überzeugt, daß er über die Köpfe der NATO-Regierungen
hinweg verhandeln kann. Die Sowjets waren stets darum bemüht, die Themen der

- 12 -

�Themen der öffentlichen Debatte zu bestimmen, indem sie behaupteten, es existiere
nunmehr ein nukleares Gleichgewicht; die britischen und französischen Systeme
müßten legitimerweise mit einbezogen werden; das Pershing-il-System stelle eine
"Stativ neue Erstschlagdrohung dar -, und die SS-20-Raketen, östlich des
Urals disloziert, stellten keine Bedrohung der NATO dar.

Dies sind Hauptargumente

der sowjetisehen Postion - sowohl öffentlich als auch am Verhandlungstisch.

Sie

sind darauf angelegt, die Vereinigten Staaten in Gegensatz zu Europa zu bringen;
die europäischen Nichtnuklearstaaten zu den Nuklearstaaten und die NATO-Mitglieder
zu den asiatischen Freunden und Verbündeten.

Weder das eine noch das andere ist

legitim oder gerecht, d • "Yünde dafür sind eine Wiederholung wert:
Es gibt kein grundlegenderes Element der amerikanischen Verhandlungsposition weder bei INF noch bei START - als unser Bestehen auf Gleichheit zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.

Dies akzeptierten die Sowjets als Grund-

eines Abkommens in der Vergangenheit. Unserer Risition gegenüber, wonach
"gleiche Rechte und Begrenzungen" für beide Seiten ein jegliches Abkommen
beherrschen müssen, behaupten die Sowjets, daß "Gleichheit und gleiche Sicherheit"
sich darin zeige, wie das Gleichgewicht berechnet wirf

Daher

men sich die

Sowjets das Recht, INF-Systeme von einem Umfang zu unterhalten wie alle anderen
potentiellen Nukleargegner zusammengenommen - wodurch sie umfangreicher si
als diejenigen aller anderen, einschließlich jener der Vereinigten Staaten.
Dieser Gedanke der Kompensation für nichtamerikanische Nuklearstreitkräfte ist
eine Vorstellung, die noch von keiner amerikanischen Regierung akzeptiert wurde.
Denn das würde bedeuten, daß die Vereinigten Staaten zum Beispiel für den Fall,
cie Franzosen wollten aufgrund souveräner Entscheidung ihre nationalen Streitkräfte ausbauen, ihre eigenen Streikräfte verringern müßten, um das Gesamtgleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Die Sowjets behaupten, es existiere in Europa ein Gleichgewicht bei den
Nuklearsystemen mittlerer Reichweite

Für ihre Berechnungen verwenden sie eine

Grenze der Reichweite von 1000 Kilometern.
Der Anspruch

- 13

�Der Anspruch wird auf verschiedene Weise vorgetäuscht: Indem amerikanische
Flugzeuge, wie etwa die F-4, die weit unter die 1000 km-Reichweite fällt, mitgezählt werden während die sowjetischen Flugzeuge gleicher oder größerer Kapazität,
wie der Fencer, nicht mitgezählt werden; indem amerikanische A-6- und A-7-Flugzeuge auf Flugzeugträgern mitgezählt werden, aber sowjetische Seeflugzeuge nicht;
und indem die britischen und französischen Systeme als Teil des amerikanischen
Gesamtbestandes eingerechnet werden. Je.' objektive Zählung zeigt ein wesentliches
Ungleichgewicht zugunsten der Sowjets.
Dies gilt sogar, wenn man das sowjetische Kriterium der 1000 km-Reichweite
akzeptiert, das an sich ein Argument ist, das nur Propagandazwecken dienen soll.
Der Vorsprung der Sowjets an Raketen dieser Reichweite liegt auf der Hand.

Sie

besitzen 351 mobile SS-20 mit jeweils drei Gefechtsköpfen und zuzüglich
250 SS-4- und SS-5-Raketen, was einen Gesamtbestand von etwa 600 Raketen oder
1300 Gefechtsköpfen bedeutet.
keine Raketen dieser Kategorie.

Die Vereinigten Staaten und die NATO besitzen
Was die Flugzeuge anbelangt, so ist das einzige

relevante System auf amerikanischer Seite - wenn man von dem sowjetischen
Kriterium des Bereichs ausgeht - die F-lll, von der 165 in Großbritannien stationiert sind.

Dagegen müssen die 550 Bomber vom Typ Badger, 200 Flugzeuge vom

Typ Blinder und 300 Fencer - insgesamt 1050 sowjetische Flugzeuge in Europa aufgerechnet werden, was eine Überlegenheit an Flugzeugen von fast 6,5 zu 1 bedeutet.

Wenn wir den Backfire-Bomber einschließen, der über seine Interkonti-

nentalkapazität hinaus auch eine Gefechtsfeldrolle hat, dann wäre die Disparität
sogar noch größer.
Mag es bei den Zahlen Widerspruch geben, die Schlußfolgerung ist eindeutig:
Die Sowjetunion hat einen überwältigenden Vorteil. Weder die vorhandenen
französischen und britischen Gefechtsköpfe, noch die zukünftigen 572 amerikanischen Gefechtsköpfe können diesen Vorteil ernsthaft verändern.
Meine Damen

- 14 -

�Meine Damen und Herren, wir müssen einen klaren Kopf behalten und das
bestehende Ungleichgewicht als das sehen, das es ist.

Die sowjetische Behauptung,

wonach ein Gleichgewicht besteht, ist falsch, unredlich und gründet sich auf
Fantasiezahlen.
Abkommen.

Sie verschleiert die wirklichen Probleme und den Weg zu einem

Wir sind während der Verhandlungen nicht darauf eingegangen, und wir

dürfen auch nicht zulassen, daß die Öffentlichkeit bei uns dazu verleitet wird,
sie deshalb zu akzeptieren, weil es uns nicht gelungen ist, sie als unwahr aufzuzeigen.
Ein weiteres Argument der Sowjets lautet, die britischen und französischen
Streitkräfte müßten für das Gleichgewicht mitberechnet werden.

Her Gromyko hat

trocken gefragt, welchen Unterschied es für die Sowjetunion mache, ob ein angreifender Gefechtskopv die französische Trikolore, den britischen Union Jack
oder die amerikanischen Stars and Stripes trage.
täuschende Art, das Problem darzustellen.

Das ist eine schlaue, aber

Und auch hier müssen wir uns wieder

fragen, ob wir alles in unserer Macht Stehende tun, um unsere Öffentlichkeit
davon zu überzeugen, daß die britischen und französischen Systeme keinen Platz
in einem Abkommen haben, das ein echtes Gleichgewicht kodifizieren soll.
Angesichts des bestehenden numerischen Übergewichts der Sowjetunion sind die
162 britischen und französischen Gefechtsköpfe nahezu irrelevant bei einer
fairen Berechnung des Gleichgewichts.

So würden beispielsweise die Sowjets selbst

bei einer amerikanischen Dislozierung ein übergewicht behalten.

Daher sollten

sie nach allen objektiven Maßstäben des Gleichgewichts und der Gleichheit kein
Hindernis für das Erreichen eines Abkommens sein.

Die Sowjetunion bemühte sich

ausdauernd darum, während der ersten Phase der SALT I- wie SALT II-Verhandlungen
die britischen und französischen Systeme miteinzubeziehen, erkannte schließlich
aber das Prinzip amerikanisch-sowjetischer Gleichheit an und ließ das Thema der
Bündnissysteme fallen.

Das ist auch jetzt der angemessene Kurs.

Denn es handelt

sich hier um souveräne, nationale Streitkräfte, über die die Vereinigten Staaten
nicht verhandeln können und für die wir keine Kompensation geben werden.
haben strategische Aufgaben.

Sie

Sie sind nicht mit den LRINF-Raketen vergleichbar,

die Thema der Verhandlungen sind.
Schließlich - und
- 15 -

�Schließlich - und das ist vielleicht am wichtigsten: Sie haben nichts mit
dem

Schutz der Bundesrepublik oder anderer Nichtnuklearstaaten der NATO zu tun.

Es wäre äußerst gefährlich, dem Prinzip zuzustimmen, wonach das Gleichgewicht
in sowjetischen Systemen einerseits und britischen und französischen Systemen
andererseits errechnet werden sollte, denn ein solches Prinzip ignoriert die
Rolle der amerikanischen Systeme beim Schutz Europas und bei der Abschreckung
der Sowjetunion.

Hierum aber geht es doch in Wirklichkeit, und das ist ein

Punkt, den man nicht oft genug wiederholen kann.

Die oberflächliche Logik der

sowjetischen Argumentation zi akzeptieren, ist gefährlich; die britischen und
französischen Systeme mitzuzählen ist gleichbedeutend mit einer Abkopplung der
amerikanischen strategischen Streitkräfte von der Verteidigung Europas.
Ein weiteres sowjetisches Argument lautet, daß die 108 Pershing-II-Raketen
eine neue und ganz besondere Bedrohung darstellen würden; daß sie aufgrund ihrer
kurzen Vorwarnzeit zum Einsatz als Erstschlagwaffen vorgesehen seien.

Tatsache

ist, daß die 11 bis 14 Minuten Flugzeit der Pershing II vergleichbar sind mit
der Flugzeit von fast 1000 Gefechtsköpfen ballistischer Raketen der Sowjetunion,
die derzeit in Stellung sind, um auf NATO-Europa abgefeuert zu werden.

Und sie

sind auch vergleichbar mit der Flugzeit unterseebootgestützter Raketen der
Sowjetunion, die seit Jahren vor den amerikanischen Küsten in Position liegen.
Die Pershing-II wurde speziell für eine Reichweite von 1800 Kilometern
entworfen und macht sie damit unfähig, Moskau zu erreichen. Sie wurde in die
ursprüngliche Streitkräftemischung einbezogen, weil der Eindruck entstanden war,
man müsse eine vergleichbare ballistische Kapazität gegen eine drohende sowjetische Streitmacht dislozieren, die von ihrem Charakter her durchweg ballistisch
ist. Angesichts des dichten Luftabwehrnetzes der Sowjetunion, das den landgestützten Marschflugkörpern gegenüberstehen würde, brauchte die NATO zudem ein
ballistisches System, dessen Durchdringungsfähigkeit gesichert war.
Wie beurteilt

- 16 -

�Wie beurteilt der sowjetische iiuklearplaner wirklich die Pershing II?
Glaubt er wirklich daran, daß sie eine entwaffnende Erstschlagdrohung darstellt?
Das kann er gar nicht.

Denn 108 Gefechtsköpfe bringen nur einen kleinen Teil

der gesamten landgestützten ICBM-Streitmacht der Sowjetunion in Reichweite - und
einen noch weit kleineren Teil der gesamten strategischen Raketenstreitmacht der
Sowjetunion.

Zudem ist nur ein kleiner Teil der Befehls- und Kontroll anlagen

der strategischen Raketenstreitmacht der Sowjetunion ein Ziel, das durch die
zentralen strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten abgedeckt werden
könnte.

Daher ist die Behauptung, die Pershing II könne in einem nuklearen

"Enthauptungs"-Schlag genützt werden und damit die sowjetische Fähigkeit zur
Koordinierung und Durchführung eines eigenen Nuklearschlages beseitigen, falsch.
Diese Kapazität würde Tausende weiterer treffsicherer Gefechtsköpfe auf
ballistischen Raketen erfordern, ja, weit mehr als es bei der gesamten strategischen Streitmacht der Vereinigten Staaten gibt. Wie die Sowjets zu argumentieren, die Pershing II verleihe uns die Fähigkeit, einen Erstschlag von Europa
aus zu führen, ist einfach trügerisch.

Ihr einziger Zweck ist, zu demonstrieren,

daß die Sowjetunion, sollte sie eine Aggression gegen Europa in Erwägung ziehen,
nicht hoffen könnte, eine solche isoliert zu halten. Mit anderen Worten: Sie
zwingt die Sowjets zu der Überlegung, daß der Preis eines Angriffes ."uf Europa
ein Angriff auf die Vereinigten Staaten selbst wäre.
Es ist viel über die informellen Sondierungen geredet worden, die im vorigen
Sommer in Genf stattgefunden haben, und die letztlich von der sowjetischen Seite
abgelehnt wurden. Es wäre nicht angebracht, sich im Detail dazu zu äußern, aber
die groben Umrisse dieser Gespräche sind in der Presse dargestellt worden. Sie
waren deshalb bemerkenswert, weil sie eine Einstellung zur Begrenzung von
LRINF-Systemen erkennen ließen, die im Gegensatz zu dem steht, was die Sowjets
öffentlich verkündet haben.
Zunächst einmal werden Sie sich daran erinnern, daß die britischen und französischer Systeme nicht erwähnt wurden und man nicht darauf beharrte, sie einzuschließen. Zweitens akzeptierte die sowjetische Seite bei der Festlegung gleicher
Begrenzungen für LRINF-Systeir.e das Prinzip der amerikanisch-sowjetischen Gleichheit,
das die Grundlage aller früheren Rüstungskontroi labkommen war. Und schließlich
- 17 -

�Und schließlich akzeptierten die Sowjets bei der Festlegung dieser Begrenzungen
die Tatsache neuer amerikanischer Dislozierungen. Der Realismus dieses Standpunktes war ermutigend, und er spricht Bände bezüglich der Nebelwand falscher
und zweckdienlicher Behauptungen, die die öffentliche Haltung der Sowjets
charakterisiert.
Schlußfolgerung
Meine Damen und Herren, in den kommenden Monaten wird die Administration
in engster Konsultation mit ihren NATO-Partnern alles in ihrer Macht Stehende
tun, um in Genf zu einem fairen Abkommen zu gelangen, das den Kriterien gerecht
wird, die wir vereinbart haben.

Wenn kein Abkommen erreicht wird, wird gegen

Ende dieses Jahres mit der Dislozierung begonnen.
fest zu diesem Punkt.

Die NATO-Regierungen stehen

Wir können keine einseitigen Abkommen akzeptieren, die

nur im Interesse politischer Zweckdienlichkeit liegen.

Nur Standhaftigkeit,

politische Einigkeit des Bündnisses und die sichere Aussicht auf Dislozierung
geben der Sowjetunion den Anreiz

mit uns zu einer Einigung zu kommen.

Sollte

die Dislozierung beginnen, so werden die Anstrengungen zur Begrenzung der Anzahl
mittels Verhandlungen ernsthaft fortgesetzt.
realistisc, e Position.

Wir haben in Genf eine solide und

Wir sind zu keinem Zeitpunkt in diese Verhandlungen auf

der Grundlage des "Alles-oder-Nichts" gegangen - das sollte nunmehr wirklich
jedem deutlich geworden sein.

Die Sowjets haben sich bislang als kategorisch,

sich ständig wiederholend und unnachgiebig erwiesen.
Wir zweifeln nicht daran, daß der Zusammenhalt und die Entschlossenheit des
Bündnisses sich - wie in der Vergangenheit - auch in der vor uns liegenden Zeit
zeigen werden.

Man darf und wird der Sowjetunion nicht erlauben, dem NATO-Bünd-

nis seine Sicherheitspolitik zu diktieren.

Wir werden auch weiterhin einer

klugen Verteidigungspolitik folgen, die die Abschreckung zu ihrem Alleinziel
hat.

Wir werden sicherstellen, daß unsere Streitkräfte für unsere Verteidigung

angemessen sind, und wir werden diese Streitkräfte gemäß dieser gemeinsamen
Verteidigungszielsetzung modernisieren - nichts weiter.

Der Doppelbeschluß von

1979 spiegelt diese Zielsetzung wieder - nichts weiter.

Die Strategie der

- 18 -

�Die Strategie der Vereinigten Staaten und des Bündnisses für die Verteidigung
von Europa hat sich nicht geändert; was sich geändert hat, ist die sowjetische
Bedrohung, die uns zu umwälzenden Änderungen unserer eigenen Streitkräfte zwingt.
Ich habe meine Bemerkungen mit einem Überblick über das deutsch-amerikanische
Verhältnis begonnen und dabei auf die Ähnlichkeiten hingewiesen, die bei einigen
der Verhaltensveränderungen in beiden Ländern zu beobachten sind, wie auch die
gemeinsamen Interessen, die der Partnerschaft ihre Kraft geben.

In beiden

Ländern findet eine heftige Debatte über die Kernwaffen statt, wie es dies bislang noch nicht gegeben hat.

Dies erschwert das Leben jener von uns, die mit

der Verwirklichung der Politik beauftragt sind, die Ziel der Kritik sind.

Gleich-

zeitig hat diese Debatte in Amerika eine große Zahl von Menschen informiert.
Ich finde es bemerkenswert, daß wir hier in Gespräche über einst so geheimnisvolle
Themen wieNuklearstrategie, Wurfgewicht und Treffgenauigkeit von Gefechtsköpfen
mit einfachen Menschen in Orten wie Akron in Ohio oder Little Rock in Arkansas
eintreten.
Ich weiß, daß in der Bundesrepublik die Debatte gleichermaßen lebendig und
leidenschaftlich ist.

In Amerika hat die Administration die Diskussion begrüßt,

weil sie davon überzeugt ist, daß ihre Rüstungskontroll- und Verteidigungspolitik solide ist, und daß sie letztlich die Unterstützung der überwältigenden
Mehrheit finden wird.

Sie ist gleichermaßen von der Notwendigkeit überzeugt,

zuzuhören, denn Überzeugung ergibt sich aus dem Dialog, nicht aus Verkündigungen.
Ich weiß, daß wir in diesem Geiste bezüglich der strategischen Rüstungskontrolle
und der Modernisierung weiter vorangekommen sind.

Auf der Grundlage des Scowcroft-

Berichtes ist es uns gelungen, einen neuen, überparteiischen nationalen Konsens
herbeizuführen.

Nach unserer Vorstellung besteht keine Frage, daß dies der Weg

zum Erfolg bei den START-Verhandlungen ist.

Der Weg zum Erfolg bei den INF-Ver-

handlungen ist Einigkeit; es ist der Zusammenhalt in beiden Teilen des Doppelbeschlusses von 1979, wie er ursprünglich vereinbart wurde. Dem Gedanken, wie
er heute vormittag von Horst Ehmke zum Ausdruck gebracht wurde, daß die Kosten
der Durchführung größer sein werden als die Kosten, den Beschluß nicht

- 19 -

�Beschluß nicht durchzuführen, können und dürfen wir nicht zustimmen. Wenn wir
den Beschluß wegen der politischen Probleme, vor denen wir stehen, nicht durchführen, dann würden wir praktisch die Sowjetunion in die Lage versetzen, unsere
Sicherheitspolitik jetzt und in der Zukunft zu beeinflussen. Wenn&gt;.. das
zulassen, wenn wir den Sowjets erlauben, unsere demokratischen politischen
Meinungsverschiedenheiten auszubeuten, dann würden wir unsere gemeinsame
Zukunft gefährden.

+ + + r +

20

�26

29. Juni 1983

PRÄSIDENT REAGAN: ES DARF NIEMALS ZU EINEM ATOMKRIEG KOMMEN

CHICAGO - (AD) - Präsident Reagan hat am 23. Juni 1983 erneut unterstrichen, daß "ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals einer
ausgetragen werden darf."
Vor den Delegierten der Amerikanischen Medizinischen Gesellschaft verlas der Präsident eine Botschaft, die er einer Gruppe von Medizinern in den
Niederlanden zugesandt hatte und in der er erneut bekräftigte, er würde in
einem nuklearen Schlagabtausch keine Gewinner geben.
"Dies war meine Botschaft an die internationale Ärztegruppe", erklärte
der Präsident vor den amerikanischen Medizinern, "daß nämlich ein Atomkrieg
nicht gewonnen werden kann und niemals einer ausgetragen werden darf." Er
habe der niederländischen Gruppe gegenüber betont, daß "wir eine noch nie
dagewesene Möglichkeit haben, die Nukleararsenale zu verringern" und verwies
dabei auf die beiden getrennten Verhandlungen über die nuklearen Mittelstreckenraketen (INF) und die Verringerung der strategischen Waffen (START) in Genf.
"Keine Aufgabe", so unterstrich der Präsident in bezug auf diese Gespräche,
"hat für uns, unsere Verbündeten und für die ganze Welt eine größere Bedeutung."
Der internationalen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der internationalen Ärztegruppe gegenüber hatte der Präsident betont,
die Verhandlungen "verdienen die volle Unterstützung all derjenigen, die
einen echten Fortschritt in Richtung auf den Frieden anstreben." Der Präsident erwähnte der Gruppe gegenüber auch, er habe dem ChefUnterhändler bei
den START-Gesprächen,Edward Rowny, neue Flexibilität ermöglicht, um mit der
Sowjetunion zu verhandeln und "Bedenken in Rechnung zu stellen, die die
Sowjets uns gegenüber zum Ausdruck gebracht haben."

+ t + + +

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      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Reagans zur deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeier&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede von US-Vizepräsident Bush zur deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeier in Krefeld&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die europäische Sicherheit und die deutsch-amerikanische Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Robert W. Dean -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan: Es darf niemals zu einem Atomkrieg kommen</text>
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