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24

15. Juni 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan-Erklärung zu den neuen START-Vorschlägen
- Empfehlungen der Scowcroft-Kommission berücksichtigt -

HINTERGRUNDMATERIAL
Weinberger-Interview zu den START-Verhandlungen
- Konzentration auf Gefechtsköpfe als weit wirksamer bezeichnet
Der Weltfriedensrat im Dienste Moskaus gegen INF-Dislozierung

1

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Am 18. Juni: US-Raumfähre trägt deutschen Satelliten ins All

i

Stress bei Pflanzen
- Indikator für Wasserbedarf -

wird gebeten

D 5300 Bonn 2

22 40
Telex: 8-85432

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Dokumentation

ii

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24

United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. Juni 1983

REAGAN-ERKLÄRUNG ZU DEN NEUEN START-VORSCHLÄGEN
Empfehlungen der Scowcroft-Kommission berücksichtigt

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat in einer Erklärung am
8. Juni 1983, dem Tag der Wiederaufnahme der START-Verhandlungen in Genf,
bekanntgegeben, daß sein revidierter Vorschlag für die Verhandlungen über die
Verringerung der strategischen Rüstungen (START) den Empfehlungen der ScowcroftKommission folgte

und eine größere Flexibilität der amerikanischen Position

böte.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut: Die Verhandlungen
über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START) sind heute in Genf
offiziell wieder aufgenommen worden. Ich möchte kurz über meine Hoffnungen
für diese wichtigen Verhandlungen und über Änderungen sprechen, die in unserem
START-Vorschlag vorzunehmen wir beschlossen haben. Diese Änderungen geben
Besorgnisse und Empfehlungen der Scowcroft-Kommission, des Kongresses und
anderer wieder. Sie bieten die Aussicht auf neuen Fortschritt zu einem STARTAbkommen.
Neuer Konsens

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�*

Neuer Konsens und neuer Fortschritt
Bevor ich auf Einzelheiten zu sprechen komme, möchte ich auf etwas eingehen, was ich als eine sehr positive Entwicklung sowohl hier im eigenen Land
als auch im Ausland betrachte. Id. freue mich,sagen zu können, daß heute ein
wachsendes Gefühl besteht, daß wir Fortschritte machen. Ich bin gerade in
Williamsburg mit den Führern der wichtigsten Industriestaaten zusammengetroffen
und war dort nicht nur von den Fakten und Zahlen beeindruckt, die auf einen
wirtschaftlichen Wiederaufschwung hindeuten, sondern auch von dem Geist des
Optimismus und der Zusammenarbeit, der beachtlich war. Dieser gleiche Geist
ist in unseren Erörterungen von Sicherheitsräten sichtbar. In der NATO
herrscht, wie in unseren anderen Bündnissen, ein neues Gefühl der Partnerschaft. Das Atlantische Bündnis ist lebendig und in gutem Zustand, und die
dortigen engen Konsultationen sind eine Quelle der Stärke und der Mitwirkung
eines jeden Mitgliedstaates.
Die Scowcroft-Kommission
Mindestens ebenso wichtig und erfreulich für mich ist der neue Geist
der Überparteilichkeit in Fragen der nationalen Sicherheit, der in beiden
Häusern des Kongresses immer deutlicher wird. Als ich die Scowcroft-Kommission
einsetzte, konnte ich die Wirkung noch nicht voraussehen, die dieses ausgezeichnete Gremium ausüben würde. Die Arbeit der Kommission, die über die MXRakete hinausging und sich entscheidenden Fragen der Abschreckung und
Rüstungskontrolle zuwandte, ist eindeutig zu einem starken Anreiz für das
überdenken der nationalen Politik geworden. Der Bericht der Kommission
stellt einige Lieblingsannahmen in Frage und fordert Änderungen in unserer
strategischen Planung. Gleichzeitig unterstützt er die Ziele der Rüstungskontrolle, die meiner Administration am meisten am Herzen liegen: einschneidende Verringerungen, Modernisierung um der Stabilität will et und Beseitigung
- 2 -

�der Erstschlag-Drohung.
Ich habe dem Kongress meine volle Unterstützung der Empfehlungen der
Scowcroft-Kommission und meine ..o^icht zugesichert, -ie in unseren STARTVorschlag einzubauen. Damit wir auch weiterhin von ihrem klugen Rat profitieren können, habe ich die Kommission gebeten, ihre Arbeit fortzusetzen.
Ihre überparteiliche Mitgliedschaft wird sie in die Lage versetzen, mir zur
rechten Zeit mit Rat zur Seite zu stehen, sowohl was die Übernahme ihrer
Vorschläge in unser Verteidigungsprogramm als auch in unsere Rüstungspolitik
angeht.
Konsultationen mit dem Kongress
Der Bericht der Scowcroft-Kommission bietet uns eine neue Chance für
Fortschritt. Er bietet einen konsequenten und zusammenhängenden Rahmen als
Richtschnur für unsere Überlegungen bezüglich der grundlegenden Elemente
unserer nationalen Sicherheitspolitik: Abschreckung, Verteidigung und Rüstungskontrolle. Aber darüberhinaus bietet er die Basis für eine neuerliche überparteiliche Unterstützung dieser Politik.
Um diese entscheidende Chance zu nutzen, habe ich auf der Basis der
Ergebnisse der breitestmöglichen Beratung

neue Schritte angeordnet, um einen

Fortschritt bei der Erzielung echter RüstungsVerringerungen bei den STARTVerhandlungen zu erzielen. Diese an Botschafter Ed Rowny, unseren Chefunterhändler bei den START-Verhandlungen, ergangenen Anweisungen haben den Zweck,
die amerikanische START-Position anzupassen und sie in Übereinstimmung mit
den Empfehlungen der Scowcroft-Kommission zu bringen, und unseren Verhandlungsführern bei der Verfolgung unserer Grundziele zusätzliche Flexibilität
zu geben.
Obwohl wir

�Obwohl wir einen umfassenden Vorschlag über die Begrenzung strategischer
Raketen und Bomber vorgelegt haben, ist jnd bleibt es unser Hauptziel bei den
START-Verhandlungen, die Bedrohung zu verringern, die von den am meisten destabilisierenden Systemen, nämlich den ballistischen Raketen ausgeht. Um
dieses Ziel zu erreichen, sind Maßnahmen nötig, die Zahl, Zerstörungskraft
und Potential von Raketengefechtsköpfen einschränken. Die von uns vorgeschlagene Begrenzung auf insgesamt 5000 Raketengefechtsköpfe - eine Verringerung
des gegenwärtigen Standes um ein Drittel - bleibt das zentrale Element der
amerikanischen START-Position.
Die in früheren Gesprächsrunden unterbreitete amerikanische Verhandlungsposition schließt eine weitere Einschränkung ein. Sie hätte nämlich jede
Seite auf nicht mehr als 850 dislozierte Raketen begrenzt. Diese Maßnahme
wurde allerdings nie als eine so nützliche oder wichtige Einschränkung angesehen wie die Begrenzung der Gesamtzahl der Raketengefechtsköpfe. Der Bericht
der Scowcroft-Kommission hat ausdrücklich vorgeschlagen, daß dieses überprüft werden sollte, da es die von uns angestrebte Entwicklung zu kleinen
Interkontinentalraketen mit einem einzigen Gefechtskopf einschränken könnte.
Auf die Empfehlung der Scowcroft-Kommission hin habe ich jetzt unsere
Verhandlungsführer angewiesen, unsere Position bezüglich dislozierter
Raketen anzupassen und in unserem gegenwärtigen Vorschlag für eine Begrenzung
auf 850 dislozierte Raketen nachgiebig zu sein. Gleichzeitig bleiben die
Vereinigten Staaten in dem Punkt fest, daß die Zerstörungskraft und das
Potential von Raketen bei den START-Verhandlungen angesprochen werden muß.
Zu unserer gegenwärtigen Position gehört ein Netz von Einschränkungen, die
geeignet sind, zu einem stabileren strategischen Gleichgewicht auf einem
niedrigeren Stand der Streitkräfte zu führen - und gleichzeitig das Zerstörungspotential von Raketen anzusprechen. Die Sowjets und andere haben
sich beschwert, daß diese Einschränkungen geeignet seien, den Aufbau der
sowjetischen Streitkräfte nach amerikanischen Normen zu diktieren. Aber dies
- 4 -

�Aber dies ist nicht der fall. Wir sind genau wie die Scowcrofi-Kommission der
Überzeugung, daß die Stabilität durch Begrenzungen der Zerstörungskraft und
des Potentials von Raketen erhöht werden kann. Deshalb werden wir auch weiterhin solche Einschränkungen vorschlagen, die indirekt, das Problem des Wurfgewichts berühren, während wir gleichzeitig den Sowjets unsere Bereitschaft
klarmachen, direkt über die damit zusammenhängende Zerstörungskraft zu
sprechen, wenn sie das vorzieht.
Es gibt wahrscheinlich mehr als einen Weg, um unser Ziel der größeren
Stabilität auf einem niedrigeren Stand der Rüstung zu erreichen. Ich habe
Botschafter Rowney instruiert, der sowjetischen Delegation unsere Verpflichtung zu unseren fundamentalen Zielen klarzumachen, aber ich habe ihm auch
die Flexibilität gegeben, alle geeigneten Wege zur Erreichung unserer Ziele
zu prüfen. Ich hoffe zutiefst, daß die Sowjetunion mit einer entsprechenden
Flexibilität antworten wird.
Und schließlich wird mit hoher Priorität die Arbeit fortgesetzt, wie
das Konzept eines beiderseitigen und garantierten Abbaus, wie es von mehreren
amerikanischen Senatoren vorgeschlagen wurde, in unser Streben nach bedeutsamen
und stabilisierenden Verringerungen der strategischen Rüstung eingebaut werden
kann.
Zusammenfassung
Diese Maßnahmen spiegeln einen überparteilichen Konsens in der Rüstungskontrolle und eine neue Flexibilität in den Verhandlungen wider - Schritte,
die von den Sowjets und allen anderen, denen es um den Weltfrieden geht,
ernsthaft geprüft werden sollten. An die Führer der Sowjetunion appelliere
ich, daß diese neue Chance nicht verpaßt wird. Den Freunden und Verbündeten
Amerikas in der ganzen Welt erkläre ich, daß ihre unerschütterliche Unterstützung der Ziele der Abschreckung und Rüstungskontrolle entscheidend für
- 5 -

�entscheidend für die Zukunft ist. Dem Kongress und dem amerikanischer, Volke
sage ich, daß man in der Zukunft von diesen Tagen als jener Zeit sprechen
wird, in der Amerika einen bedeutsamen Schritt getan hat. Wollen wir unsere
Differenzen vergessen. Wollen wir maßvolle Flexibilität in unserer Einstellung
demonstrieren, während wir in unserer Entschlossenheit stark bleiben, unsere
Ziele der Rüstungsverringerung, Stabilität und Sicherheit zu erreichen.
Wollen wir die Führer in der Sache des Friedens sein.

+ + + + +

�15. Juni 1983

WEINBERGER-INTERVIEW ZU DEN START-VERHANDLUNGEN
- Konzentration auf Gefechtsköpfe als weit wirksamer bezeichnet -

WASHINGTON - (AD) -

Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar Wein-

berger erklärte in einem Fernsehinterview der Gesellschaft ABC am 8. Juni 1983,
Präsident Reagans Schritt, bei den Gesprächen über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START) nicht die Anzahl der Raketen, sondern die der Gefechtsköpfe in den Mittelpunkt zu rücken, sei "ein weitaus wirkungsvollerer Weg zur
Bemessung der Zerstörungskraft".

Das Interview hat folgenden Wortlaut:

FRAGE: Allen Berichten zufolge scheint sich unsere neue Verhandlungsposition
bei den Langstreckenraketen zu verlagern: Von der Anzahl der Raketen hin zu der
Anzahl der Gefechtsköpfe.

Wie bedeutsam ist diese Veränderung?

ANTWORT: Ich glaube, es ist dies ein viel besserer Weg, ein weitaus wirkungsvollerer Weg zur Bemessung der Zerstörungskraft, denn Raketen können eine sehr
große Zahl von Gefechtsköpfen tragen, und wenn man lediglich die Raketen bemißt,
dann erhält man keine echten Aussagen über die Gesamtzerstörungskraft.

Das

war ja eines der Probleme mit SALT II; was dabei zu begrenzen, nicht einmal zu
verringern, versucht wurde, waren die Abschußeinrichtungen.

Aber dies ist kein

sehr wirksamer Maßstab für die Gesamtzerstörungskraft, vor der wir stehen.

�FRAGE: Der Präsident stellt nunmehr fest, unsere Position sei flexibler,
er werde so flexibel wie nötig sein. Was bedeutet das?
ANTWORT: Ich glaube, im Wesentlichen bedeutet es dies: In Verhandlungen ist
es sehr schwer, wenn alles, was ein Unterhändler tun kann, darin besteht, daS er
etwas von einem Stück Papier abliest und dann, wenn sein Gesprächspartner erklärt:
Tun wir doch dieses, unternehmen wir doch jenes, einfach nur erwidert: Nein, ich
kann nichts anderes tun, als nur eben von meinem Papier etwas abzulesen.
Umgekehrt hat er mehr Bewegungsspielraum zum Verhandeln, um letztlich dem
Präsidenten die Ergebnisse seiner Verhandlungen vorzulegen - auch wenn diese
natürlich erst dann verbindlich sind, wenn der Präsident die entsprechenden
Schritte unternimmt. Aber in den Verhandlungen selbst - so sehe ich es - gibt
es mehr Flexibilität.
FRAGE: Akzeptieren wir jetzt den Grundsatz, von den großen Raketen mit den
Mehrfachgefechtsköpfen abzugehen und zu vielleicht weniger bedrohlichen, weniger
destabilisierenden Raketen mit nur einem Gefechtskopf zu kommen?
ANTWORT: Ich glaube, das ist einer der zentralen Punkte des ScowcroftBeric(ites; das ist eines der Dinge, die wir tun; wir müssen eine solche Rakete
entwickeln. Die Sowjets haben bereits eine in der Erprobung. Wir müssen eine
solche Rakete entwickeln, und wir konzentrieren uns hier im Pentagon auf die
nötige Organisation in einer Weise, daß die verschiedenen Anstrengungen, die in
verschiedenen Bereichen hierzu gemacht wurden, sich nun auf dieses eine Ziel in
diesem Raketenbereich konzentrieren.
FRAGE: Was wären die Folgen hinsichtlich der Stabilisierung des Wettrüstens?
ANTWORT: Sollten wir zu einer guten Abrüstungsvereinbarung kommen, die
Parität auf beiden Seiten bringt und etwas auf die Zusammensetzung der Streit- 2 -

�der Streitkräfte beider Seiten eingeht, dann dürfte diese kleine Rakete
- auch wenn es davon natürlich eine ganze Reihe geben wird - einen stabilisierenden Effekt haben, denn jede dieser Raketen wäre sozusagen ein etwas
geringerwertiges Ziel. Es wird also bei diesen schwierigen Gleichungen, mit
denen wir hier jeden Tag umgehen, um die Abschreckung aufrechtzuerhalten und
das Gleichgewicht zu bewahren, eine beträchtlich stabilere Lage geben. Ich
bin sicher, daß wir in der Lage sind, diese kleine, leichtgewichtige Rakete
mit einem Gefechtskopf zu entwickeln.
FRAGE: Welche Botschaft versucht der Präsident mit dieser neuen Haltung
der Sowjetunion zu übermitteln?
ANTWORT: Er versucht, eine Botschaft zu übermitteln, wie er dies nun
schon seit fast zwei Jahren tut, daß wir nämlich dringend eines wünschen:
Ein Abkommen, das umfangreiche Verringerungen auf beiden Seiten bringt, kein
Abkommen -wie SALT II-, das lediglich eine Expansion in etwa auf der Linie erlaubt,die die Sowjets möchten. Dies hier wäre ein Abkommen, das die Kernwaffen
beträchtlich auf ein Niveau der Gleichheit verringern würde und voll verifizierbar wäre. Genau dies wollte der Präsident immer - sowohl bei den Mittelstreckenwaffen als auch bei den Kernwaffen großer Reichweite, ja auch bei
den konventionellen Waffen.
Frage: Sie kommen gerade von Gesprächen mit den NATO-Verbündeten zurück,
und da besteht natürlich die Frage nach der Dislozierung von nuklearen Mittelstreckenraketen später in diesem Jahr; die Übereinkunft hierzu wurde auf dem
Gipfel von Williamsburg bekräftigt. Gibt es eine Möglichkeit für ein Abkommen
mit den Sowjets über nukleare Mittelstreckenraketen in Europa, das unsere
Dislozierung der neuen Raketen noch in diesem Jahr unnötig machen würde?
ANTWORT: Das hoffen
- 3 -

�ANTWORT: Das hoffen wir alle. Aber sicherlich gibt es bislang seitens der
Sowjets kein Anzeichen dafür, daß wir ein solches Abkommen in dieser Zeit
erreichen könnten, auch wenn wir alle dies wirklich hoffen. Erinnern Sie sich
doch daran, daß der Präsident einen Vorschlag unterbreitet hat, den alle aus
unserer Sicht heraus für den besten halten - nämlich eine Verringerung auf Null dem haben die Sowjets bislang nichts entgegengesetzt. Um flexibel zu sein und
um zu zeigen, daß wir wirklich ein Abkommen wollen, hat der Präsident einen
anderen Weg aufgezeigt, um auf Null zu kommen - eine Zwischenlösung - : die
Sowjets reagierten auch hierauf nicht. Dabei ist nicht mehr viel Zeit, denn
planmäßig ist die Dislozierung der Rakete für Ende dieses Jahres vorgesehen
und wir sind absolut bereit, dies einzuhalten. Was wir also hoffen, ist ein
Abkommen vor der Dislozierung; aber wir handeln so, daß es eben auch keines
geben könnte - und fahren daher mit unseren Produktionsplänen fort.

+ + + + +

�Hintergrund
matcriol

I
24

United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. Juni 1983

DER WELTFRIEDENSRAT IM DIENSTE MOSKAUS GEGEN INF-DISLOZIERUNG

WASHINGTON - (AD) - In der Woche vom 21. bis 26. Juni 1983 werden
sich einige Tausend Menschen in Prag versammeln, um an der "Weltversammlung für Frieden und Leben gegen den Atomkrieg" teilzunehmen, den der
Weltfriedensrat und die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei gemeinsam veranstalten. Das Hauptziel der Veranstaltung in Prag ist die
Stärkung der Opposition gegen die geplante Dislozierung von amerikanischen Mittel Streckensystemen (INF) in Europa durch die NATO, wenn die
Verhandlungen mit den Sowjets in Genf kein Ergebnis zeitigen.
Der Weltfriedensrat wurde im Jahre 1949 als "Weltkomitee der Friedenspartisanpn" gegründet und hat seit 1968 seinen Sitz in Helsinki.
Es handelt sich ur. eine cypische Frontorganisation der Sowjets, die
sich aus über 135 nationalen Mitgliedsgruppen zusammensetzt, darunter
der Amerikanische Friedensrat, das Sowjetische Komitee für die Verteidigung des Friedens und die Britische Friedensversammlung. Der Weltfriedensrat unterhält auch Verbindungen zu anderen kommunistischen Frontorganisationen, die sich als Gewerkschafts-, Studenten-, Jugend- oder
Kirchengruppen ausgeben.
Die Sowjetunion

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Sowjetunion hat seit ihrer Gründung versucht, durch solche Frontorganisationen, die angeblich ein breites Meinungsspektrum repräsentieren,
Unterstützung für ihre Politik zu finden. Die Sowjetunion hofft mit Hilfe
solcher Organisationen, ihrer Politik einen Anstrich von Achtbarkeit,
Glaubwürdigkeit und öffentlicher Unterstützung zu geben, der sonst nicht
existierte, wenn ihre Unterstützung in der ganzen Welt lediglich aus eingeschworenen kommunistischen Quellen käme.
Die Frontorganisationen behaupten zwar, keine Verbindung zu kommunistischen Parteien oder Ländern zu haben, werden jedoch praktisch völlig
von Kommunisten kontrolliert, und ihre Tätigkeiten werden bewußt in den
Dienst sowjetischer Interessen gestellt. Solche Gruppen, die nach außen
aussehen wie andere Massenorganisationen, versuchen im allgemeinen, ihre
Mitglieder dadurch anzuziehen, daß sie den Nachdruck auf Themen wie Abrüstung und Antikolonialismus legen.
Der Weltfriedensrat ist eine typische Frontorganisation. Er ist ein
großer internationaler Schirm, dessen Führung an der Spitze geschickt die
Untergruppen des Weltfriedensrates in ihrem Sinne zur Unterstützung der
sowjetischen Politik einsetzt, wobei die Tätigkeiten meist von den örtlichen kommunistischen Parteien organisiert werden, jedoch unter Teilnahme
einiger Nichtkommunisten. Der Weltfriedensrat unterstützte die sowjetische Invasion Ungarns im Jahre 1956, die sowjetisch angeführte Invasion
der Tschechoslowakei im Jahre 1968 und die sowjetische Invasion Afghanistans im Jahre 1979.
Nichtkommunistische Organisationen und Einzelpersonen, die an den
Kampagnen und Versammlungen des Weltfriedensrates teilnehmen, finden es
unmöglich, ihre Auffassungen zur Geltung zu bringen, wenn diese von dem
prosowjetischen Standpunkt abweichen, wie er von der Führung des Weltfriedensrates formuliert wurde. Diese Kontrolle wird durch organisatorische und finanzielle Mittel aufrechterhalten.
Organisatorisch kontrolliert
- 2 -

�Organisatorisch kontrolliert das Zentralkomitee der kommunistischen
Partei der Sowjetunion den Weltfriedensrat durch das Büro für internationale gesellschaftliche Organisationen der Internationalen Abteilung,
das für Frontorganisationen zuständig ist. Diese Sonderabteilung gehört
in den allgemeinen Aufgabenbereich von Vi tau Schaposchnikow, einem Stellvertretenden Leiter der Internationalen Abteilung und Mitglied des Präsidialausschusses des Weltfriedensrates. Juri Schukow, ein Vizepräsident
des Weltfriedensrates, ist auch Kandidat des Zentralkomitees der KPdSU
und Vorsitzender des sowjetischen Komitees für die Verteidigung des Friedens, also des sowjetischen Zweiges des Weltfriedensrates, Durch solche
direkte Verbindungen über führende. Mitglieder des Weltfriedensrates wie
auch durch eine starke Vertretung der pro-Moskau eingestellten Kommunisten in den leitenden Gremien des Weltfriedensrates kontrolliert die
KPdSU die Entscheidungen über Projekte und Tätigkeiten des Weltfriedensrates wie auch den Inhalt von Erklärungen und Kommuniques. So sind beispielsweise von den 26 Vizepräsidenten im Präsidialausschufi des Weltfriedensrates allein 11 Mitglied einer kommunistischen Partei. Der langjährige Präsident des Weltfriedensrates, Romesh Chandra, ist Mitglied
des Zentralkomitees der kommunistischen Partei Indiens und Träger des
Lenin-Friedenspreises.
Der Weltfriedensrat behauptet, finanziell durch Beiträge der nationalen Friedenskomitees, Spenden für seinen Weltfriedensfonds und Sammlungen und auch Beiträge angeschlossener Organisationen und Einzelpersonen
getragen zu werden. Seine beträchtlichen Ausgaben lassen sich jedoch mit
solchen Mitteln nicht decken. Die meisten seiner Ausgaben werden von der
Sowjetunion und ihren osteuropäischen Verbündeten übernommen. So überweist beispielsweise der sowjetische Friedensfonds Geld an das Hauptquartier des Weltfriedensrates in Helsinki. Darüber hinaus erhalten
zahlreiche Gruppen des Weltfriedensrates Unterstützung direkt von sowjetischen Parteien des jeweiligen Landes. Im Jahre 1981 wurde der Weltfriedensrat gezwungen, seinen Antrag auf konsultativen Status der Kategorie I beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen zurück- 3 -

�Nationen zurückzuziehen, weil er die Herkunft seiner Mittel nicht aufdecken wollte und sich weigerte, seine Bücher unabhängigen Prüfungen zu
unterwerfen.
In zahlreichen sowjetischen und ostdeutschen amtlichen Erklärungen
und Veröffentlichungen ist die Verhinderung der Dislozierung amerikanischer nuklearer Mittel Streckensysteme als "die entscheidende Aufgabe für
1983" bezeichnet worden.
Man kann davon ausgehen, daß die Prager Versammlung 1983 unter Führung des Weltfriedensrates
*

- die amerikanische Verhandlungsposition bei den Genfer INF-Verhandlungen angreifen und die Öffentlichkeit in den Ländern Westeuropas
aufstacheln wird, sich der Dislozierung amerikanischer INF-Raketen
zu widersetzen. Die amerikanische Position, die die volle Unterstützung unserer Verbündeten findet, bietet den Verzicht auf die
Dislozieruna amerikanischer Mittel Streckensysteme an, wenn die Sowjets ihre nuklearen Mittel Streckensysteme beseitigen, oder, wenn
man sich darüber nicht einigen kann, wesentliche Reduzierungen auf
einen gleichen Stand der Gefechtsköpfe auf nuklearen Mittel Streckensystemen beider Seiten ausgehandelt werden; und
- die sowjetische Position in Genf unterstützen wird. Die sowjetische
Position würde eine Modernisierung der nuklearen Mittelstreckensysteme der NATO verhindern, den Abzug praktisch aller amerikanischen
Flugzeuge mit Doppelkapazitat, die gegenwärtig für die konventionelle Verteidigung der NATO gebraucht werden, erfordern und es der
Sowjetunion erlauben, wesentliche SS-20-Streitkräfte in Europa und
Asien beizubehalten.
Das diesbezügliche

�Das diesbezügliche Engagement des Weltfriedensrates, wie in seinem
Aktionsprogramm für 1983 niedergelegt, ist ein weiterer Beweis für die
langjährigen Bemühungen, jedes unmittelbare Ziel der sowjetischen Außenpolitik zu unterstützen.
+ + + + +

�24

15. Juni 1983

AM 18. JUNI: US-RAUMFÄHRE TRÄGT DEUTSCHEN SATELLITEN INS ALL

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Raumfähre "Challenger" wird
während ihrer am 18. Juni 1983 beginnenden, sechstägigen Mission nach
Informationen der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA auch einen deutschen Satelliten an Bord haben ("Space-Pallet Satellite - SPAS").
Der Start von "Chanenger" - es ist der zweite Flug dieser Raumfähre in der. Weitraum - ist für 11.33 MEZ vom Kennedy-Raumfahrtzentrum
in Florida aus vorgesehen. Zum erstenmal wird eine Shuttle auch wieder
im Kennedy-Zentrum landen - voraussichtlich fünf Tage, 23 Stunden und
20 Minuten später, am 24. Juni um 10.53 MEZ.
Die von der Firma Messerschmitt-Bölkow-Blohm entwickelte Plattform
wird am vierten Tag der Mission durch den Roboter-Arm der Raumfähre für
etwa 9 1/2 Stunden in den Weltraum gebracht werden. Dabei wird der 13
Millionen Dollar teure Satellit zehn Experimente durchführen, die von
der Bundesrepublik, der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) und von der
NASA vorbereitet wurden. Neben der Analyse von Reibungsvorgängen und
chemischen Verunreinigungen im All wird SPAS auch benutzt für die ShuttleManöver der Mission 13 - wenn Astronauten den derzeit im All kreisenden,
beschädigten Satelliten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�beschädigten Satelliten "Solar-Max" zwecks Reparatur aufnehmen werden.
Die Experimente sollen innerhalb wie außerhalb des Frachtbereichs
von "Challenger" stattfinden.
In diesem Frachtraum wird sich zudem eine Ladung aus Materialien befinden, die der amerikanisch-deutschen Zusammenarbeit entstammen: Sie
dienen Untersuchungen, die praktische Bedeutung für die Elektronik- und
Glasindustrie haben werden.
Teil der Experimente sind auch sieben Kanister ("Getaway Specials"),
mit deren Hilfe Interessenten - Länder, Firmen oder Einzelpersonen - die
Auswirkung der Schwerelosigkeit in den verschiedensten wissenschaftlichen
Bereichen untersuchen können. Die sieben Behälter - die größte Anzahl, die
bislang bei einem Shuttle-Flug mitgeführt wurde - geben Raum für 22 verschiedene Experimente. So enthält einer fünf Experimente, die im Verlauf
eines Bundeswettbewerbs unter Gymnasiasten in der Bundesrepublik ausgewählt wurden; ein anderer wiederum enthält eine lebende Ameisenkolonie,
die von amerikanischen Studenten aus Camden in New Jersey eingesandt wurde. Das California Institute of Technology wird in einem Behälter untersuchen, wie Rettich-Samen auf ein schwereloses Umfeld reagieren; die
Purdue-University in Indiana schließlich wird analysieren, wie sich flüssiges Mercurium verhält, wenn es in eine andere Flüssigkeit gelangt.

+ + + + +

- 2 -

�24

8. Juni 1983

STRESS BEI PFLANZEN
Indikator für Wasserbedarf

- (AD) - Nicht Trockenheit des Bodens, sondern der "Stress" für die
Pflanzen infolge ungenügender Wasserzufuhr zum Blattwerk ist ein guter
Maßstab dafür, wann ein Feld künstlich bewässert werden muß. Zu diesem
Schluß kam eine Gruppe von Agrarwissenschaftlern der Universität Kalifornien bei längerer Beobachtung von BaumwollPflanzungen im Bereich einer
landwirtschaftlichen Außenstation in Kings County (Kalifornien). Es zeigte
sich u.a., daß bei sorgfältiger Beachtung dieser Anzeichen die Zeitintervalle zwischen der Bewässerung von zehn auf fünfzehn Tage verlängert werden konnten, ohne daß der Ertrag beeinträchtigt wurde.
Um den Stress für die Pflanzen zu messen, benutzten Blaine Hanson und
Sidney Kite eine "Druckkammer", mit der der Feuchtigkeitsgehalt des Blattwerks ermittelt wird. Sofern es stehendes Grundwasser in nicht allzu
großer Tiefe gibt, können Baumwollsträucher einen großen Teil ihres Wasserbedarfs von dort her decken. Da aber flaches Grundwasser häufig für einen
guten Pflanzenwuchs zu viel Salz enthält, ist mancherorts trotz guter Bodenfeuchtigkeit Oberflächenbewässerung notwendig, um die Salzkonzentration im Wurzelbereich der Anpflanzungen zu verdünnen.

+ + + ++

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              <text>Digitalisat</text>
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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
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              <text>Amerikadienst 15.06.1983</text>
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          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan-Erklärung zu den neuen START-Vorschlägen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Empfehlungen der Scowcroft-Kommission berücksichtigt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weinberger-Interview zu den START-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Konzentration auf Gefechtsköpfe als weit wirksamer bezeichnet -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Weltfriedensrat im Dienste Moskaus gegen INF-Dislozierung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Am 18. Juni: US-Raumfähre trägt deutschen Satelliten ins All&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stress bei Pflanzen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Indikator für Wasserbedarf -&lt;/em&gt;</text>
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