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23

1. Juni 1983

I N H A L T

DOKUMENTATION

Reagan: Sowjets sollen Rüstungsverminderungen zustimmen
- Erklärung des US-Präsidenten zur Bewilligung von MX-Geldern
Weinberger gibt Überblick über die amerikanische
Verteidigungspolitik

HINTERGRUNDMATERIAL
Kernwaffen:

Der Trend zeigt abwärts

- Von Gregory S. Jones -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Bioelektrisches Feld leitet den Hai zur Beute

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Dokumentation

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

23

1. Juni 1983

REAGAN: SOWJETS SOLLEN RÜSTUNGSVERRINGERUNGEN ZUSTIMMEN
- Erklärung des US-Präsidenten zur Bewilligung von MX-Geldern -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat die Sowjetunion am
25. Mai 1983 in einer Erklärung aufgefordert, sich den USA in ihren Bemühungen um eine Rüstungskontrolle anzuschließen und gerechten und verifizierbaren Verringerungen der nuklearen Arsenale zuzustimmen. Gleichzeitig
begrüßte er die Einigkeit Amerikas in Verteidigungsfragen, wie sie durch
die Bewilligung von 625 Millionen Dollar für die Weiterentwicklung der
MX-Rakete durch den amerikanischen Kongreß zum Ausdruck kam. Nach dem Repräsentantenhaus hatte auch der Senat am 25. Mai 1983 mit 59 gegen 39
Stimmen die vom Präsidenten beantragten Mittel bewilligt.
Präsident Reagan gab dazu folgende Erklärung ab:
Mein Gruß gilt den republikanischen und demokratischen Mitgliedern
des Repräsentantenhauses und des Senats, die einen entscheidenden historischen Beitrag zur Sicherheit unserer Nation geleistet haben. Dank ihrer erfreut sich heute Amerika einer neuen überparteilichen Einigkeit,
die uns stärker und sicherer machen kann als zuvor.
Wenn wir

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wenn wir uns jetzt auf Williamsburg vorbereiten, um mit anderen Führern der freien Welt zusammenzukommen, dann kann ich mir keine erfreulichere Botschaft vorstellen, die ich ihnen bringen könnte, als die, die der
Kongreß mir gerade gegeben hat: geschlossene Stimmen des Vertrauens in
die Empfehlungen der Scowcroft-Kommission für die Modernisieruna unserer
strategischen Streitkräfte und das Weitergehen auf dem Wege zu

echten

Rüstungsverminderungen.
In den kommenden Wochen werden die Mitglieder des Kongresses ersucht
werden, ihre Stimmen von gestern und heute zu bekräftigen. Ich sichere
ihnen meine volle Kooperation und Konsultation r". Ich verpflichte mich
ferner, auch weiterhin in dem Streben nach einer Verringerung der nuklearen Arsenale eng mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten.
Wir kennen die vor uns liegende Aufgabe. Wir haben unsere Einigkeit
und unseren Mut gezeigt. Wir haben Grund, auf eine sicherere und friedlichere Zukunft zu hoffen. Mein tiefster Wunsch ist die schließliche Beseitigung von Kernwaffen. In diesem Geiste appelliere ich an die Sowjets,
sich uns in Genf bei diesem ersten gewaltigen Schritt anzuschließen
einem gerechten und verifizierbaren Abkommen, das den Stand der nuklearen
Arsenale auf beiden Seiten wesentlich verringert.
Es ist an der Zeit für Fortschritte bei den Verhandlungen. Die Bürger der Welt wollen nichts mehr - und sie verdienen nicht weniger.

+ + + + +

�amIE RlIK h
I D l ElN2ST3

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23

1. Juni 1983

WEINBERGER GIBT ÜBERBLICK ÜBER DIE AMERIKANISCHE VERTEIDIGUNGSPOLITIK

BONN - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar Weinberger
hat am 30. Mai 1983 in einer Ansprache auf einer Veranstaltung der Deutschen
Gesellschaft für Auswärtige Politik in Bonn die Grundlinien der Verteidigungspolitik der Vereinigten Staaten dargelegt.
Die Rede Weinbergers hat folgenden Wortlaut:
Ich fühle mich zutiefst durch die Einladung geehrt, vor einer so hervorragenden Gruppe führender Persönlichkeiten aus Regierung, Wirtschaft und aus
dem akademischen Leben der Bundesrepublik Deutschland zu sprechen. So viele
von Ihnen verdienten eine besondere Erwähnung, da3 ich meine ganze Redezeit
auf ihre Begrüßung verwenden könnte. Das werde ich nicht tun, aber nehmen Sie
bitte zur Kenntnis, wie sehr ich Ihr Interesse schätze, gemeinsam die Fragen
anzugehen, vor denen wir im Atlantischen Bündnis stehen.
Ich möchte heute über ein Thema sprechen, das für jeden Mann, jede Frau
und jedes Kind heute wie für alle künftigen Generationen von größter Bedeutung ist, nämlich über die Drohung eines Atomkrieges. Seit fast 40 Jahren

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�40 Jahren leben wir in einer Welt mit Kernwaffen und haben versucht, einen
Weg zur Verhütung eines Atomkrieges zu finden.

Und es ist uns gelungen.

Aber heute stehen wir vor Entscheidungen neuer Art über Kernwaffen, und
wieder fragen wir uns, wie wir auch weiterhin einen Atomkrieg verhüten können.
Es ist wichtig, daß wir uns diese Fragen stellen, denn die Entscheidungen, die
wir treffen werden, dürften aller Wahrscheinlichkeit nach den Kurs der Geschichte der Menschheit bestimmen.

Es ist auch wichtig, daß wir - als Einzel-

personen, als Nationen und als Bündnis - die verschiedenen Lösungen, die für
diese Fragen angeboten werden, sorgfältig prüfen, denn wir können es uns nicht
leisten, Fehler zu machen.

Wenn es um die Verhütung eines Atomkrieges geht,

können wir uns keinen Fehlerspielraum leisten.
Wir haben in letzter Zeit genug Bilder vom Krieg gesehen und viele von
uns haben zu ihren Lebzeiten viel zu viel vom Krieg selbst erlebt.

Ich

möchte daher lieber die Vision vom Frieden aufzeigen, auch wenn ich sie in
einer unbestreitbar turbulenten Welt zu einem höchst gefährlichen Zeitpunkt
unserer Geschichte anbiete.
Im ersten Teil von Homers Ilias trifft Hektor sein Weib Andromache mit
ihrem Kind Astyanax auf den Mauern Trojas.

Erschreckt durch die Rüstung

und den Helm seines Vaters beginnt der kleine Sohn zu weinen.

Hektor nimmt

seinen Helm ab und die Eltern lachen, als der Sohn seinen Vater erkennt;
dann hebt Hektor Astyanax hoch, hält ihn über seinen Kopf und die Familie erlebt einen Augenblick gemeinsamen Friedens.
Das ist ein Bild vom Leben, wie wir es uns wünschen - nicht das schreckliche Gemetzel, das sich auf den Ebenen vor Troja abspielte, ja nicht einmal
den glorreichen Ruhm jener Helden, die die J ü a s preist. Der Kontrast, den
uns Homer mit diesen Szenen von Krieg und Frieden zeigen will, ist so lebendig wie die Wahl, die jede Generation treffen mußte.
Wir haben

j

�wir haben uns für den Frieden entschieden - nicht, weil wir Amerikaner
oder Deutsche sind.

Wir wollen Frieden, weil wir Bürger demokratischer Län-

der und zivilisierte Völker sind.
Gewalt anwenden.

Wir werden niemals die ersten sein, die

Wir lehnen den Krieg als bewußtes Instrument der Außenpoli-

tik ab, weil wir ihn moralisch ablehnen.

Der Krieg hindert den

Menschen

daran, sein Leben in der Weise zu führen, wie unsere demokratischen Regierungen es zu schützen und zu fördern berufen sind.

Als zivilisierte Menschen

lehnen wir den Krieg ab, weil er Soldaten und Zivilisten in gleicher Weise
tötet und verstümmelt und das Leben selbst zerstört.
Die Politik der amerikanischen Regierung und die Politik des NATO-Bündnisses besteht darin, vor Kriegen jeder Art, aber vor allem vor einem Atomkrieg abzuschrecken.

Präsident Reagan hat es in einer Rundfunkansprache an

das amerikanische Volk so ausgedrückt:

"Jene, die Amerika im Atomzeitalter

regieren, und wir, die wir es heute regieren, mußten und müssen erkennen,
daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals geführt werden darf."
Es ist jetzt unsere Pflicht, unser Äußerstes zu tun, um einen solchen Krieg
zu verhüten.

Und Präsident Reagan hat bei mehreren Gelegenheiten betont:

Niemand spürt mehr als er die Notwendigkeit des Friedens.
Aber Frieden ist ein Ziel.

Frieden ist das, auf was wir am Ende unserer

Reise hoffen; er beschreibt weder die Schritte, die wir tun müssen, noch die
Wege, denen wir folgen sollten, um jenes Ziel zu erreichen.
Präsident Reagan, seine Administration und die Vereinigten Staaten von
Amerika sind unwiderruflich verpflichtet, gleichzeitig zwei Wege zum Frieden
zu verfolgen - Abschreckung und Rüstungsverringerung, denn das sind die beiden
einzigen Wege, die es gibt.
Seit das Zeitalter der Kernwaffen angebrochen ist, haben die Vereinigten Staaten und unsere NATO-Verbündeten danach gestrebt, den Krieg zu verhüten, indem wir davor abschreckten, daß er jemals beginne. Wir besitzen
Kernwaffen, um vor einem Krieg abzuschrecken - sei er konventionell oder
nuklear -, der gegen uns oder unsere Verbündeten geführt werden sollte. Aber

�sollte.

Aber um erfolgreich vor einem Krieg abzuschrecken, müssen wir die

Fähigkeit besitzen, gegen jeden potentiellen Aggressor zurückzuschlagen, und
diese Fähigkeit muß erkennbar sein.
ist ganz einfach:

Der Gedanke, auf dem Abschreckung beruht,

Es geht darum, die Kosten des Anzetteins eines Atomkrieges

für einen Aggressor zu hoch anzusetzen, als daß sie durch einen möglichen Vorteil, den er zu erreichen hoffen könnte, gerechtfertigt würden.

Wenn die

sowjetische Führung im voraus weiß, daß ein Angriff auf die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten eine rasche nukleare Vergeltung bringen könnte,
dann wird sie erst gar nicht angreifen.

Sie würde davor abgeschreckt, jemals

einen Atomkrieg zu beginnen.
An unserer Politik der Abschreckung ist nichts Neues.

Sie wird durch

die politischen Prozesse der demokratischen Staaten, die sie schützt, seit
mindestens 1950 gebilligt.

Und - was am bedeutsamsten ist - sie funktioniert.

Sie funktionierte angesichts großer internationaler Spannungen, in die die
Großmächte verwickelt waren und sie hat angesichts des Krieges selbst funktioniert.
Zwar hat die Politik der Abschreckung ihre zeitliche Bewährungsprobe
und die Bewährungsprobe ihrer Nützlichkeit bestanden. Aber in dem Maße, in
dem sich das Streben der Sowjets nach nuklearer Überlegenheit zu realisieren
begann, haben sich die Dinge geändert, die wir tun müssen, um die Abschreckung
aufrechtzuerhalten. Die militärische Fähigkeit, die wir brauchten, um vor
dem Krieg unter ganz bestimmten Bedingungen abzuschrecken, ist nicht die
gleiche, die wir benötigen, um unter einer veränderten Bedingungslage vor
einem Krieg abzuschrecken. Abschreckung ist ein dynamischer, kein statischer
Zustand.
Wenn die Abschreckung auch in Zukunft erfolgreich sein soll, dann müssen
wir Schritte ergreifen, um die sowjetische Aufrüstung auszugleichen und das
nukleare Gleichgewicht wiederherzustellen, das nach unserer Überzeugung den
Frieden erhalten hat.

Wenn wir jetzt nicht unser Arsenal modernisieren, wie

die Sowjets das seit über 20 Jahren getan haben, dann hätten wir in wenigen
Jahren nicht mehr die Fähigkeit zur Vergeltung.
- 4 -

Und ohne diese Fähigkeit

�diese Fähigkeit hätten wir nicht länger die Gewähr, daß wir vor einem Krieg
abschrecken könnten.
Dann wäre die Sowjetunion in einer Position, uns zu bedrohen oder tatsächlich anzugreifen - in der Gewißheit, daß wir zu einer Antwort nicht mehr
in der Lage wären.

Wir haben in Polen, in Afghanistan, in Osteuropa und an-

derswo erlebt, daß die Führung der Sowjetunion nicht zögert, Schwäche auszunützen.

Wir dürfen nicht zulassen, daß die sowjetischen Führer denken, sie

könnten einen Atomkrieg mit uns anfangen und ihn gewinnen oder uns mit der
Androhung eines Atomkrieges erpressen - im Wissen, wir wären gezwungen, uns
ihren Forderungen zu beugen.
Das bringt mich auf den gleichermaßen wichtigen Weg zum Frieden - ausgehandelte Rüstungsverringerungen. Wir sind uns im klaren, daß es nicht
leicht sein wird, mit der Sowjetunion echte und bedeutsame Rüstungsverringerungen zu erreichen, damit wir beide weitaus niedrigere Bestände besäßen
und miteinander pari stünden. Wir sind während der letzten 15 Jahre alle
Zeuge der Schwierigkeiten gewesen, Rüstungskontroi labkommen zu erreichen.
Es gibt zwei Schritte, um echte Rüstungsverringerungen zu erreichen:
Erstens, beide Seiten müssen bereit sein, zu verhandeln, und zweitens, beide
Seiten müssen überzeugt sein, daß es in ihrem eigenen Interesse liegt, in
Verhandlungen einzutreten.

Das ist keine einfache Sache. Wir haben das zu

Anfang der Carter-Administration erlebt, als Außenminister Vance mit einem
Vorschlag für eine Verringerung der Kernwaffen nach Moskau reiste.

Die

Sowjets haben sich geweigert, überhaupt darüber zu sprechen und wir haben
diese Weigerung akzeptiert. Aber im vorigen Jahr, als Präsident Reagan
trotz der Proteste einiger Leute, die ihn an die Carter-Vorschläge erinnerten und warnten, die Sowjets würden nicht einmal an den Verhandlungstisch
kommen, sehr viel weitreichendere Rüstungsverringerungsvorschläge anbot,
willigten die Sowjets ein, zu verhandeln.
Heute sitzen die Sowjets mit uns in Genf am Verhandlungstisch und sprechen
über die Verringerung und schließliche Beseitigung der bedrohlichsten und de-

�bedrohlichsten und destabilisierendsten nuklearen Mittelstreckensysteme in
Europa - der landgestützten Raketen, vor allem der mobilen sowjetischen
SS-20-Rakete.

Und sie kommen auch in Genf mit uns zusammen, um über wesent-

liche Verringerungen unserer strategischen Nuklearstreitkräfte zu sprechen.
Dieser Wandel in der Haltung der Sowjets ist auf die Tatsache zurückzuführen, daß sie jetzt Anreize für Verhandlungen haben.

Die von der NATO ge-

plante Dislozierung von PERSHING II-Raketen und Marschflugkörpern in Europa
hat der Sowjetunion eindeutig einen Anreiz geboten, über Verringerungen der
nuklearen Mittel Streckensysteme zu verhandeln.

Und die Pläne der Vereinigten

Staaten für die Modernisierung unserer strategischen Nuklearstreitkräfte haben
der Sowjetunion einen Anreiz geboten, über Verringerungen unserer strategischen
Nuklearstreitkräfte zu verhandeln.
Aber sich zu Verhandlungen zusammenzusetzen, ist nur der erste Schritt.
Der zweite besteht darin, die Verhandlungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt
mit Abkommen abzuschließen, die die Zahl der Kernwaffen auf beiden Seiten
wesentlich verringern und die ausreichende Mittel der Verifikation enthalten
- die Gewähr, daß beide Seiten sich an die Bestimmungen der Abkommen halten.
Die gegenwärtig geführten Verhandlungen werden nicht die von uns gewünschten
Ergebnisse bringen, wenn die Sowjets keinen Anreiz haben, zu Abkommen zu gelangen. Darum müssen wir unser Programm zur Wiederherstellung unserer Verteidigung, nicht der Überlegenheit, fortsetzen. Wenn wir jetzt, noch vor
der, von der NATO geplanten Dislozierung von Mittelstreckenraketen oder vor
der Modernisierung der strategischen Nuklearstreitkräfte der Vereinigten Staaten Halt machen würden, dann würden wir damit den Sowjets ein deutliches Signal geben. Wir würden ihnen damit sagen, daß sie keinen Grund hätten, mit
uns zu einer Übereinkunft zu gelangen, ihre Waffen zu verringern, weil wir
einseitig auf die Waffen verzichtet hätten, die sie am meisten fürchten.
Warum sollten sie dann gleichzeitig mit uns ihre Streitkräfte ändern,
d.h. verringern wollen?

Wenn wir zuließen, daß das gegenwärtige Ungleichge-

wicht zu ihren Gunsten fortbesteht, dann hätten die Sowjets nicht den geringsten Anreiz, die großen und bilateralen Verringerungen vorzunehmen, die

�vorzunehmen, die wir haben müssen, v/enn wir die heute bestehende Gefahr
verringern wollen.
Aus diesen Gründen haben wir in der NATO beschlossen, unsere Nuklearstreitkräfte zu modernisieren und das nukleare Gleichgewicht wieder herzustellen - nicht, weil wir eine Aufrüstung um der Aufrüstung
willen wollen oder weil wir glauben, ein Atomkrieg könne gewonnen werden. Wir unternehmen diese Schritte, weil wir der Überzeugung sind,
daß sie, indem sie diese schrecklichen Gleichungen ausgeglichen halten,
unsere Fähigkeit stärken werden, vor dem Krieg abzuschrecken. Ich gebe
zu, daß die Abschreckung ein Weg ist, der schwer zu gehen ist - es ist
ein unbequemer Weg zur Erhaltung des Friedens. Aber die Abschreckung
hat während der letzten 38 Jahre funktioniert und sie funktioniert
auch heute. Damit ist die Aufrechterhaltung der Abschreckung - so schwierig das auch sein mag - nicht nur ein politisches Gebot, sie ist auch
ein moralisches Gebot.
Aber gleichzeitig werden die Vereinigten Staaten und die NATO einen
zweiten Weg zum Frieden verfolgen und im gesamten Waffenbereich auf
echte, bedeutsame und verifizierbare Rüstungsverringerungsabkommen mit
der Sowjetunion drängen.
Ich bringe Ihnen heute eine Botschaft von Präsident Reagan - eine
feierliche Verpflichtung, der wir uns alle anschließen: ich selbst,
wie auch Außenminister Shultz und die ganze amerikanische Regierung.
Sie lautet, daß Präsident Reagan persönlich und zutiefst der Verringerung der Kernwaffen verpflichtet ist. Rü'stungsverminderung und Aufrechterhai tung der Abschreckung wiegen in seinem Denken gleich schwer.
Und er wird alles in seiner Macht Stehende tun, um eine beiderseitige
Verringerung der nuklearen Rüstungen zu erreichen. Ich habe mit einem
Bild aus der Ilias angefangen. Es gibt, wie ich meine, eine weitere Metapher in der Reaktion von Astyanax auf seinen behelmten Vater. Und

- 7 -

�Vater. Und zwar die, daß die jungen und vielleicht sogar die nicht mehr
ganz so jungen gelegentlich nicht erkennen können, was sie eigentlich
schützt. Wir sind zu alt und wie ich hoffe, zu weise, als daß wir beim
Anblick unserer Beschützer zu weinen anfangen. Und wir sind zu jung,
um unsere Hoffnungen der Verzweiflung oder unsere Grundsätze der Angst
zu unterwerfen.

j

Die Ilias ist das erste große literarische Werk in einer langen
, Tradition, die über die Zeiten hinweg bis zu uns reicht. Sie ist ein
Buch vom Krieg, aber sie stellt den Krieg in Frage, sie stellt die Politik in Frage und sie stellt das Leben in Frage. Dieses Infrcgestellen ist
eines der nobelsten Merkmale unserer Zivilisation und ist an meiner Alma
mater, Harvard, unter der Rubrik "gesunde Skepsis" niedergelegt. Andere
nennen es Freiheit. Wir sind es unseren Vorvätern und dem vor uns liegenden Zeitalter schuldig, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um sicherzustellen, daß diese Zivilisation erhalten bleibt - und erhalten bleibt in
Frieden und Freiheit.
Ich danke Ihnen.
+ + + + +

- 8 -

i

�23

1. Juni 1983

KERNWAFFEN: DER TREND ZEIGT ABWÄRTS
- von Gregory S. Jones -

Der Autor, der sich bei dem kalifornischen Forschungsunternehmen Pan
Hen&gt;-ir+TCS m-jt d e r Analyse langfristiger politischer Entwicklungen beschäftigt, verweist darauf, daß die
Vereinigten Staaten seit 1967 für jede neue Kernwaffe zwei alte außer
Dienst gestellt haben. Dieser Abwärtstrend, so der Autor, verringert di'
Möglichkeit einer nuklearen Auseinandersetzung.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Los Angeles Times. (C)
Gregory S. Jones.

"Dieser Wahnsinn muß aufhören!" - das ist die Überzeugung, die im
Mittelpunkt der gegenwärtigen Antiatombewegung steht und Ergebnis der
weitverbreiteten Ansicht ist, daß wir uns immer mehr auf die nukleare
Vernichtung zubewegen. Ein Großteil der Motivation der Bewegung für
ein Einfrieren der Kernwaffen entstammt dem Versuch, diesen Trend auf-

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Telex: 8-85432

�Trend aufzuhalten und dafür zu sorgen, daß alles nicht noch schlimmer
wird. Aber es sind eben doch keine Verrückten, die die Verantwortung
für unsere Nuklearprogramme tragen. Veränderungen bei unseren Nuklearsystemen seit Mitte der fünfziger Jahre haben vielmehr die Möglichkeit
einer Atomkatastrophe vermindert. Ein Einfrieren der Kernwaffen wäre
unsinnig, denn es w;jrde uns daran hindern, uns eben jene Optionen offenzuhalten, die die Möglichkeit eines Krieges noch weiter verringern
sollen.
Die Meinung, daß die nukleare Vernichtung immer wahrscheinlicher
werde, gründet sich zum Teil auf die Vorstellung, daß wir uns in einem
atomaren Wettrüsten befanden, dessen Ergebnis eine ständige Zunahme
der Anzahl und der Zerstörungskraft (der Megatonnen) der amerikanischen
Kernwaffen sei. Das ist von der Wahrheit weit entfernt. Im Jahr 1980
verfügten die Vereinigten Staaten über annähernd 25 Prozent weniger
Kernwaffen, als sie auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung im Jahr 1967
hatten. Das Megatonnengewicht der amerikanischen Kernwaffen betrug im
Jahr 1980 etwa ein Viertel dessen des Jahres 1960. Das ist eine bedeutsame Tatsache, da das Megatonnengewicht von Kernwaffen in unmittelbarer
Beziehung zu den apokalyptischen Auswirkungen eines Atomkrieges steht.
Dieser Trend ist weithin unbemerkt geblieben, zum Teil wohl wegen
der Tendenz, sich auf die Nuklearsysteme zu konzentrieren, die aufgestellt werden, und dabei jene zu ignorieren, uie abgebaut wurden. So
sind die Vereinigten Staaten derzeit dabei, 54 alte und störanfällige
TITAN II-Raketen außer Dienst zu stellen, wobei diese Tatsache bei weitem
nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat wie der Plan 100 MXRaketen zu bauen. So überraschend es auch klingen mag: Seit 1967 haben
die Vereinigten Staaten in etwa für jede Kernwaffe, die sie ihrer Streitmacht hinzufügten, zwei Kernwaffen außer Dienst gestellt. Diese neuen
Waffen sind im Durchschnitt von geringerer Reichweite, weitaus gesicherter gegenüber einer ungewollten Zündung und gegenüber mißbräuchlichem Einsatz und wurden auf viel über!ebensfähigeren Nuklearsystemen

- 2 -

�überlebensfähigeren Nuklearsystemen disloziert als die Waffen, deren
Ersatz sie sind.
Ein weiterer Grund dafür, daß der Abwärtstrend bei unseren Nuklearstreitkräften unbeachtet beblieben ist

liegt darin, daß man dazu neigt,

die Aufmerksamkeit auf den Zugang zu konzentrieren, während gleichzeitig
die Tatsache außer acht gelassen wird, daß die Anzahl der Waffen bei allen Kategorien der taktischen wie der strategisch-defensiven Kernwaffen
zurückging. Dies hat unter dem Strich zu einer Verringerung bei der Gesamtzahl aller Waffen geführt. Da zu diesen abnehmenden Kernwaffenkategorien auch jene gehören, die bei einem Atomkrieg am ehesten zum Einsatz
gelangen würden, wird deutlich, daß das Militär sich in immer geringerem
Maße auf Kernwaffen stützt.
Die Ursachen dafür, daß man sich in immer geringerem Umfang auf
Kernwaffen stützt, sind komplex und vielgestaltig. So machten es die
technischen Verbesserungen möglich, daß die Wirksamkeit konventioneller Waffen erhöht wurde und diese nunmehr eine Reihe von Aufgaben erfüllen könnten, bei denen es bislang der Kernwaffen bedurft hätte. Viele Tausende von Kernwaffen bei der Luftabwehr und für den Flotteneinsatz wurden auf diese Weise ersetzt.
Ein Einfrieren der Kernwaffen würde daher die Möglichkeit eines
Atomkrieges sogar erhöhen, da dadurch die Tendenz zum Stillstand käme,
sich in immer geringerem Maße auf Kernwaffen zu stützen. Ein Einfrieren würde auch viele konventionelle Waffensysteme behindern, da sie ja
für den Einsatz von Kernwaffen verwendet werden könnten. So würde ein
Einfrieren zum Beispiel die Entwicklung der Marschflugkörper verhindern, wobei doch gerade die sehr ziel genauen Marschflugkörper uns die
Möglichkeit geben könnten, viele unserer weitreichenden Kernwaffen
durch konventionelle Waffen zu ersetzen. Außerdem würde ein Einfrieren uns davon abhalten, die Sicherheit und die Überlebensfähigkeit
unserer Kernwaffen zu erhöhen. Diejenigen, die der Meinung sind, daß
- 3 -

�sind, daß wir uns in einem immer hektischeren Atomwaffen-Wettlauf befinden, werden wahrscheinlich behaupten, daß die Sowjetunion früher oder
später die gleichen Verbesserungen durchführen wird. Aber wenn die
Sowjets viele ihrer Kernwaffen durch konventionelle ersetzen und ihre
Atomwaffen sicherer und überlebensfähiger machen, so ist dies alles
nur gut.
Dieses Argument ist der Reagan-Administration ebensowenig vertraut
wie ihren Anfiatomkritikern. Die Administration argumentiert, wir müßten unsere Streitkräfte modernisieren, bevor es ein Einfrieren geben
kann. Aber genauso, wie der technologische Wandel es in der Vergangenheit möglich machte, unsere Nuklearsysteme zu verbessern, so wird künftiger technologischer Wandel Möglichkeiten bieten, sie noch weiter zu
verbessern. Es ist klar, daß ein Einfrieren der Kernwarfen zu keinem
Zeitpunkt sinnvoll ist.
Das bedeutet nicht, daß alles, w=s in der Vergangenheit getan wurde, und alles, was für die Zukunft vorgeschlagen is + . auch notwendigerweise stets von Nutzen ist. So ist es zum Beispiel in einer Zeit, in
der die Verwundbarkeit von landgestützten Raketen es für besonders angeraten erscheinen läßt, sie mobil zu machen, schwer, den Bau einer so
unbeholfenen Rakete wie der MX zu rechtfertigen. Eine viel kleinere Rakete mit einem einzigen Gefechtskopf dürfte wahrscheinlich eine bessere
Alternative sein.
Wichtigster Punkt ist jedoch, daß keine Verrückten für die Entscheidungen über unsere Kernwaffen zuständig sind. Diese Entscheidungen werden von Männern und Frauen getroffen, die versuchen, die uns zur Verfügung stehenden Optionen so zu nützen, daß wir uns immer weniger auf
Kernwaffen zu stützen brauchen und dafür über sicherere, ü^erlebensfähigere und weniger zerstörerische Systeme verfügen. Es liegt jetzt an
jenen, die sich für ein Einfrieren der Kernwaffen stark machen, sich
diesem Prozeß anzuschließen
+ + + + +

- 4-

�»

Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23

1. Juni 1983

BIOELEKTRISCHES FELD LEITET DEN HAI ZUR BEUTE

- (AD) - Die Ergebnisse neuer Verhaltensstudien an Haien und anderen
Knorpelfischen, zu denen z.B. auch Rochen und Stechrochen gehören, zeigen,
daß im Nahbereich das von der Beute erzeugte bioelektrische Feld deren
genaue Lokalisierung ermöglicht. Wie Adrianus J Kalmijn vom ScrippsInstitut der Universität Kalifornien in San Diego bei Untersuchungen im
Labor und auf See nachweisen konnte, haben diese Meerestiere einen ganz
besondere: "Spürsinn" für noch so schwache elektrische Felder. Er hilft
ihnen nicht nur, die Beute exakt aufzuspüren, sondern auch, sich im Meer
zu orientieren.
Bei Experimenten im Meer mit Klein- und Blauhaien wurden zum Anlocken
der Tiere und Auslösen von Attacken Spannungsfelder künstlich erzeugt.
Die Haie reagierten bereits dann überaus empfindlich, wenn der Spannungsunterschied im Feld nur ein Fünftausendstel Mikrovolt pro Zentimeter betrug. Alle im Wasser lebenden Tiere haben ein bioelektrisches Feld. Die
besondere Empfindlichkeit der Knorpelfische dafür befähigt sie selbst
dann zum Aufspüren der Beute, wenn sie sich im Sand vergraben hat. Auch
habe es den Anschein, so Kalmijn, daß das "elektrische Organ" diesen Tieren Informationen über die Driftströmung im Meer vermittelt. Bei Labor-

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�Bei Laborversuchen fanden z.B. Stechrochen exakt zu bestimmten Nahrungsquellen, wenn sie durch elektrische und magnetische Felder "geleitet"
wurden, die den natürlichen Feldern im Meer ähnlich waren. Weitere Experimente auf See sollen nun helfen, das Ausmaß zu ermitteln, in dem Knorpelfische diese Fähigkeiten zur Orientierung in Bezug auf Meeresströmungen
und als "Navigationshilfe" benutzen.
Die Tiere erfassen die schwachen, niederfrequenten elektrischen Felder
mit Hilfe der hochempfindlichen Sensororgane in der weit vorgezogenen Kegelschnauze, die über ein Netzwerk von Hautporen direkten Kontakt nach
außen haben. Während zahlreicher Experimente steuerten Haie direkt auf die
EVktroden zu, mit denen das bioelektrische Feld von Beutetieren simuliert
wurde. "Damit konnten wir gut demonstrieren", berichtete Kalmijn, "daß
durch den Geruch angelockte Haie ihre Beute mit Hilfe ihres "elektrischen
Spürsinns" endgültig lokalisieren und dann angreifen. Das ist nicht nur
unter besonders günstigen Laborbedingungen der Fall, sondern gilt auch für
die sehr viel komplizierteren Umweltbedingungen im Meer. Auf größere Entfernung wurden die Tiere vom Geruch geleitet. In geringem Abstand jedoch
erwiesen sich bioelektrische Felder als sehr viel stärkerer Reiz. Haie
scheinen nach Aufnahme einer Geruchsspur sich über das elektrische Sensororgan genauere "Informationen" zu verschaffen, um ihre Beute exakt auszumachen und sich ihrer dann mit einer schnellen Bewegung zu bemächtigen."
Die Forschungsergebnisse von Kalmijn, über die die Universität Kalifornien in einer Pressemitteilung berichtete, deuten auch darauf hin, daß
Angriffe von Haien auf Menschen und Unterwasserausrüstungen ebenfalls
durch elektrische Felder, die den bioelektrischen Feldern üblicher Beutetiere ähnlich sind, insbesondere nach einer Verletzung der Haut, im Wasser
bioelektrische Felder, die Haie spätestens in 90 bis 100 cm Abstand erfassen. Die galvanischen Felder metallischer Objekte im Meerwasser sind
gewöhnlich noch stärker. Die Tiere werden durch sie entweder angezogen,
oder sie verlieren die Orientierung.
+ + + + +

- 2 -

�</text>
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      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Sowjets sollen Rüstungsverminderungen zustimmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Präsidenten zur Bewilligung von MX-Geldern -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weinberger gibt Überblick über die amerikanische Verteidigungspolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kernwaffen: Der Trend zeigt abwärts&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Gregory S. Jones -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bioelektrisches Feld leitet den Hai zur Beute</text>
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